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Hanspeter Latour – Biodiversität (365 Beobachtungen und Gesichten)

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BIODIVERSITÄT Artenvielfalt fotografiert und erzählt von Hanspeter Latour

365

Beobachtungen und Geschichten


INHALTSVERZEICHNIS

Impressum Alle Angaben in diesem Buch wurden vom Autor nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und von ihm und dem Verlag mit Sorgfalt geprüft. Inhaltliche Fehler sind dennoch nicht auszuschliessen. Daher erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder Autor noch Verlag übernehmen Verantwortung für etwaige Unstimmigkeiten. Alle Rechte vorbehalten, einschliesslich derjenigen des auszugsweisen Abdrucks und der elektronischen Wiedergabe. © 2022 Weber Verlag AG, CH-3645 Thun/Gwatt Fotos und Texte Hanspeter Latour Portrait Cover Thomas Binggeli Foto Backcover Thilde Latour Foto Raffael Aye zvg

Weber Verlag AG Gestaltung / Satz Shana Hirschi Bildbearbeitung Adrian Aellig Lektorat Samuel Krähenbühl Korrektorat Heinz Zürcher

Einleitung

6

Vorwort

8

Januar

12

Februar

46

März

76

April

110

Mai

142

Juni

176

Juli

208

August

242

September

274

Oktober

308

November

342

Dezember

374

Nachwort aus Köln

408

Dank

410

Autor

412

ISBN 978-3-03818-381-5 www.weberverlag.ch Die Weber Verlag AG wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2021–2024 unterstützt.

neutral Drucksache

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INHALTSVERZEICHNIS

Impressum Alle Angaben in diesem Buch wurden vom Autor nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und von ihm und dem Verlag mit Sorgfalt geprüft. Inhaltliche Fehler sind dennoch nicht auszuschliessen. Daher erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder Autor noch Verlag übernehmen Verantwortung für etwaige Unstimmigkeiten. Alle Rechte vorbehalten, einschliesslich derjenigen des auszugsweisen Abdrucks und der elektronischen Wiedergabe. © 2022 Weber Verlag AG, CH-3645 Thun/Gwatt Fotos und Texte Hanspeter Latour Portrait Cover Thomas Binggeli Foto Backcover Thilde Latour Foto Raffael Aye zvg

Weber Verlag AG Gestaltung / Satz Shana Hirschi Bildbearbeitung Adrian Aellig Lektorat Samuel Krähenbühl Korrektorat Heinz Zürcher

Einleitung

6

Vorwort

8

Januar

12

Februar

46

März

76

April

110

Mai

142

Juni

176

Juli

208

August

242

September

274

Oktober

308

November

342

Dezember

374

Nachwort aus Köln

408

Dank

410

Autor

412

ISBN 978-3-03818-381-5 www.weberverlag.ch Die Weber Verlag AG wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2021–2024 unterstützt.

neutral Drucksache

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EINLEITUNG

Die drei Ebenen der Biodiversität Das wissenschaftliche Kompetenzzentrum Forum Biodiversität Schweiz SCNAT umschreibt auf seiner Plattform das Wort Biodiversität mit biologischer Vielfalt oder der Vielfalt des Lebens. Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen gehören dazu, sowie Ökosysteme und eben auch der Mensch. Präzisierend wird noch auf die drei Ebenen Artenvielfalt, genetische Vielfalt und die Vielfalt der Ökosysteme hingewiesen. Seit meiner Kindheit habe ich mich für die Natur interessiert. Mein Vater war ein grosser Naturfreund und insbesondere ein Kenner der einheimischen Vogelwelt. Bei uns wurde die Vielfalt, Verschiedenheit und Wichtigkeit unserer Pflanzen und Tiere betont. Gegenüber Naturschutzgebieten waren wir sehr respektvoll und wussten, dass sie zum Erhalt gewisser Arten und Lebensräume nötig waren. Das Wort Biodiversität kannte ich damals noch nicht. Das war vor gut 65 Jahren. Heute beschreiben mehrheitlich wissenschaftliche Ausdrücke den offensichtlich bedenklichen Zustand unserer Natur. Die Experten verstehen immer mehr über die Zusammenhänge. Dafür die Allgemeinheit immer weniger. Tönt hart, aber entspricht meinen Erfahrungen bei Auftritten ausserhalb von Naturschutzorganisationen und entspricht dem Aussehen vieler unserer Gärten und Landschaften.

heiten und Lebensformen vielleicht vorteilhaft, aber nachteilig für die Biodiversität. Es fehlt an Ökoflächen und insbesondere an deren natürlichen, unauffälligen, für den Fortbestand vieler Arten unerlässlichen Vernetzungsstrukturen. Nur in einem unaufgeräumten Buch war es mir möglich, nebst Spektakulärem auch Unscheinbarem eine Buchseite widmen zu können. Ganz im Zeichen der Biodiversität und in Erinnerung an das Vergissmeinnicht. Wikipedia kann entnommen werden, dass sein volkstümlicher Name vermutlich einer deutschen Sage aus dem Mittelalter entstammt, wonach die kleine Pflanze Gott bat, sie nicht zu vergessen. Mittlerweile wurde der Name in zahlreiche andere Sprachen übertragen, womit ich zum Schluss meiner Einleitung belegen kann, dass dem Schutz der Artenvielfalt weltweit eine grosse Bedeutung zukommt. Herzlich Ihr

Hanspeter Latour Blauschillernder Feuerfalter auf Vergissmeinnicht.

Meine Beobachtungen, Fotografien und Erzählungen mache ich ohne wissenschaftlichen Hintergrund, dafür hoffentlich für die durchschnittlich naturinteressierte Bevölkerung verständlich und selbst erlebbar. Ich möchte dabei gerne zeigen, wie viel Grossartiges es in unserer Natur noch gibt. Und ich möchte dazu anhalten, diese Vielfalt mit der nötigen Verhältnismässigkeit zu schützen und zu fördern. Das Wort Biodiversität habe ich als Titel gewählt, damit der heute geläufige und sicher passende, aber nicht immer verstandene Begriff hoffentlich für mehr Menschen verständlicher wird. Dabei habe ich 365 Beobachtungen und Geschichten aus dem Fundus der letzten Jahre, unaufgeräumt und nur grob der Jahreszeit entsprechend, zu einem Jahr Biodiversität zusammengestellt. Unaufgeräumt werden Sie sich fragen. Ja wie oft hörte ich von meiner Mutter: «Chasch de ga schutte, wett d Ufgabe gmacht hesch u ds Zimmer ufgrumt isch.» Kein Wunder, dass aufzuräumen in der Schweiz nicht als Arbeit, sondern als Pflicht gilt. Die Schweiz ist aufgeräumt. Eindrücklich zu erkennen aus der Luft, wenn sie bei guter Sicht über die Schweiz fliegen und die exakt kartierten, aufgeräumten Gärten und Landschaften sehen. Für unsere Gewohn-

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EINLEITUNG

Die drei Ebenen der Biodiversität Das wissenschaftliche Kompetenzzentrum Forum Biodiversität Schweiz SCNAT umschreibt auf seiner Plattform das Wort Biodiversität mit biologischer Vielfalt oder der Vielfalt des Lebens. Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen gehören dazu, sowie Ökosysteme und eben auch der Mensch. Präzisierend wird noch auf die drei Ebenen Artenvielfalt, genetische Vielfalt und die Vielfalt der Ökosysteme hingewiesen. Seit meiner Kindheit habe ich mich für die Natur interessiert. Mein Vater war ein grosser Naturfreund und insbesondere ein Kenner der einheimischen Vogelwelt. Bei uns wurde die Vielfalt, Verschiedenheit und Wichtigkeit unserer Pflanzen und Tiere betont. Gegenüber Naturschutzgebieten waren wir sehr respektvoll und wussten, dass sie zum Erhalt gewisser Arten und Lebensräume nötig waren. Das Wort Biodiversität kannte ich damals noch nicht. Das war vor gut 65 Jahren. Heute beschreiben mehrheitlich wissenschaftliche Ausdrücke den offensichtlich bedenklichen Zustand unserer Natur. Die Experten verstehen immer mehr über die Zusammenhänge. Dafür die Allgemeinheit immer weniger. Tönt hart, aber entspricht meinen Erfahrungen bei Auftritten ausserhalb von Naturschutzorganisationen und entspricht dem Aussehen vieler unserer Gärten und Landschaften.

heiten und Lebensformen vielleicht vorteilhaft, aber nachteilig für die Biodiversität. Es fehlt an Ökoflächen und insbesondere an deren natürlichen, unauffälligen, für den Fortbestand vieler Arten unerlässlichen Vernetzungsstrukturen. Nur in einem unaufgeräumten Buch war es mir möglich, nebst Spektakulärem auch Unscheinbarem eine Buchseite widmen zu können. Ganz im Zeichen der Biodiversität und in Erinnerung an das Vergissmeinnicht. Wikipedia kann entnommen werden, dass sein volkstümlicher Name vermutlich einer deutschen Sage aus dem Mittelalter entstammt, wonach die kleine Pflanze Gott bat, sie nicht zu vergessen. Mittlerweile wurde der Name in zahlreiche andere Sprachen übertragen, womit ich zum Schluss meiner Einleitung belegen kann, dass dem Schutz der Artenvielfalt weltweit eine grosse Bedeutung zukommt. Herzlich Ihr

Hanspeter Latour Blauschillernder Feuerfalter auf Vergissmeinnicht.

Meine Beobachtungen, Fotografien und Erzählungen mache ich ohne wissenschaftlichen Hintergrund, dafür hoffentlich für die durchschnittlich naturinteressierte Bevölkerung verständlich und selbst erlebbar. Ich möchte dabei gerne zeigen, wie viel Grossartiges es in unserer Natur noch gibt. Und ich möchte dazu anhalten, diese Vielfalt mit der nötigen Verhältnismässigkeit zu schützen und zu fördern. Das Wort Biodiversität habe ich als Titel gewählt, damit der heute geläufige und sicher passende, aber nicht immer verstandene Begriff hoffentlich für mehr Menschen verständlicher wird. Dabei habe ich 365 Beobachtungen und Geschichten aus dem Fundus der letzten Jahre, unaufgeräumt und nur grob der Jahreszeit entsprechend, zu einem Jahr Biodiversität zusammengestellt. Unaufgeräumt werden Sie sich fragen. Ja wie oft hörte ich von meiner Mutter: «Chasch de ga schutte, wett d Ufgabe gmacht hesch u ds Zimmer ufgrumt isch.» Kein Wunder, dass aufzuräumen in der Schweiz nicht als Arbeit, sondern als Pflicht gilt. Die Schweiz ist aufgeräumt. Eindrücklich zu erkennen aus der Luft, wenn sie bei guter Sicht über die Schweiz fliegen und die exakt kartierten, aufgeräumten Gärten und Landschaften sehen. Für unsere Gewohn-

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JANUAR

JANUAR

Januar 12

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JANUAR

JANUAR

Januar 12

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JANUAR 1. Januar

JANUAR Das fängt ja gut an!

2. Januar

Ich beantworte eine E-Mail von Hans-Peter Wymann, einem Schmetterlingsexperten und Freund von mir, betreffend Schmetterlinge und Landwirtschaft.

Nordamerikanische Kiefernwanze auf der Tastatur meines Laptops (oben) und Zeichnung von Jürg Zettel (unten).

Die nebenstehenden Bilder dürfen als Beispiel für die wahrheitsgetreue Wiedergabe der folgenden, in diesem Buch beschriebenen Beobachtungen und Geschichten betrachtet werden.

14

Meine zweite Geschichte widme ich einem Ökosystem. Dem Naturschutzgebiet Seefeld-Hohgant. Zu diesem gehören auch die Sieben Hengste zuhinterst im Zulgtal. Vor einigen Jahren hatten wir unseren ständigen Wohnsitz im Innereriz. In einem kleinen Chalet auf gut 1000 Metern Höhe mit freier Sicht zum Gebirgszug der Sieben Hengsten Sichel und Burst. Nur dreissig Autominuten von Thun entfernt, aber offenbar für einen damaligen Journalisten aus einer Grossstadt ein für einen national bekannten Fussballtrainer aussergewöhnlicher Wohnort.

Im Chalet im Innereriz fällt mir dabei irgendetwas von oben auf den Laptop. Ich höre aber nur den Aufprall, sehe und finde auch auf dem Boden nichts. Merkwürdig, denke ich und schreibe weiter. Nach ungefähr fünf Minuten wiederholt sich der Vorfall. Jetzt entdecke ich auf der Tastatur des Laptops ein nicht gerade kleines Insekt. Es wurde wohl vom Licht angezogen. Verrückt, denke ich. Genau in diesem Augenblick, in der bereits späten Neujahrsnacht, in der ich mich mit Schmetterlingen und dem Schutz der Natur befasse, passiert das. Damit mir das Insekt nicht entkommt, klappe ich den Laptopdeckel zu und hole den Fotoapparat, um das unerwartete Ereignis zu dokumentieren. Rasch war das Insekt mit Hilfe meiner Unterlagen identifiziert. Es handelt sich um eine Nordamerikanische Kiefernwanze. Das gemäss der einschlägigen Literatur zur Gattung der Randwanzen gehörende Insekt wurde vor nicht allzu langer Zeit vermutlich mit Frachtgut nach Europa und schon bald auch in die Schweiz eingeschleppt. Die in Nadelbäumen lebende Wanze ist für die Menschen ungefährlich und richtet in der Natur kaum Schäden an. Weil die Wanzen gerne in grösseren Gruppen auftreten und als Schutz vor der Winterkälte öfters Häuser aufsuchen, werden sie aber als Lästlinge empfunden. So war es auch in meinem Fall und ich habe die Wanze in den frischen Winterschnee entlassen. Immer, wenn ich eine Frage über Insekten habe, darf ich meinen lieben Bekannten, den emeritierten Biologie-Professor Jürg Zettel, kontaktieren. Also wollte ich auch diesmal meine Erkenntnis absichern und schickte ihm noch in der Neujahrsnacht ein Mail samt Foto. Anderntags bekam ich die Bestätigung mit einem überraschenden Hinweis. Jürg sei gerade daran, eine solche Wanze zu zeichnen, und er werde mir nach der Fertigstellung eine Kopie der Zeichnung zustellen. Das Anfertigen solcher Zeichnungen (aber auch anderer Naturobjekten zum Beispiel im botanischen Bereich) ist eines seiner Hobbys.

Die Sieben Hengste

So fragte er mich im Anschluss an das Telefoninterview, was ich denn eigentlich neben meinem Job als Fussballtrainer in dieser Abgeschiedenheit sonst noch so mache. Spontan antworte ich, dass mir zwar nicht viel freie Zeit bleibe. Es gebe mir aber ein gutes Gefühl, am Morgen als erstes noch zu den Hengsten zu schauen, bevor ich zeitig ins Stadion zur Arbeit fahre. Durch die Länge des Gespräches unter Zeitdruck geraten, mussten wir das Interview ohne weitere Erklärungen beenden. Als ich dann zwei Tage später das mir gut gesinnte Interview in der Zeitung las, schaute ich nicht schlecht. In einem Nachsatz war da noch zu lesen, dass es dem Trainer im Berner Oberland gut gehe. Jedenfalls besitze er ein eigenes Gestüt mit Hengsten! Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern, dachte ich mir, und mit einem Schmunzeln verzichtete ich auf eine Richtigstellung. Nur war ich nicht der einzige Leser. Plötzlich bekam ich Einladungen zu Pferdeauktionen bis in den süddeutschen Raum hinein. Von einem Sponsor wurde ich als Ehrengast an die Pferderennsporttage Frauenfeld eingeladen und durfte dem Sieger des grossen Flachrennens den Siegerpreis übergeben. Nicht schlecht. Mir aber doch wichtig, dass Sie als Leser wissen: Ich bin weder je auf einem Pferd gesessen, geschweige denn besass ich je eines. Heute ist das Chalet unser Zweitwohnsitz und der grosse naturnahe Garten sowie die angrenzenden Voralpen mein hauptsächliches Naturbeobachtungsgebiet. Dabei kann ich mir jeweils beim Anblick der Sieben Hengste ein schelmisches Lächeln nicht verkneifen.

Blick vom Chalet zu den Sieben Hengsten, Sichel und Burst (von links nach rechts).

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JANUAR 1. Januar

JANUAR Das fängt ja gut an!

2. Januar

Ich beantworte eine E-Mail von Hans-Peter Wymann, einem Schmetterlingsexperten und Freund von mir, betreffend Schmetterlinge und Landwirtschaft.

Nordamerikanische Kiefernwanze auf der Tastatur meines Laptops (oben) und Zeichnung von Jürg Zettel (unten).

Die nebenstehenden Bilder dürfen als Beispiel für die wahrheitsgetreue Wiedergabe der folgenden, in diesem Buch beschriebenen Beobachtungen und Geschichten betrachtet werden.

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Meine zweite Geschichte widme ich einem Ökosystem. Dem Naturschutzgebiet Seefeld-Hohgant. Zu diesem gehören auch die Sieben Hengste zuhinterst im Zulgtal. Vor einigen Jahren hatten wir unseren ständigen Wohnsitz im Innereriz. In einem kleinen Chalet auf gut 1000 Metern Höhe mit freier Sicht zum Gebirgszug der Sieben Hengsten Sichel und Burst. Nur dreissig Autominuten von Thun entfernt, aber offenbar für einen damaligen Journalisten aus einer Grossstadt ein für einen national bekannten Fussballtrainer aussergewöhnlicher Wohnort.

Im Chalet im Innereriz fällt mir dabei irgendetwas von oben auf den Laptop. Ich höre aber nur den Aufprall, sehe und finde auch auf dem Boden nichts. Merkwürdig, denke ich und schreibe weiter. Nach ungefähr fünf Minuten wiederholt sich der Vorfall. Jetzt entdecke ich auf der Tastatur des Laptops ein nicht gerade kleines Insekt. Es wurde wohl vom Licht angezogen. Verrückt, denke ich. Genau in diesem Augenblick, in der bereits späten Neujahrsnacht, in der ich mich mit Schmetterlingen und dem Schutz der Natur befasse, passiert das. Damit mir das Insekt nicht entkommt, klappe ich den Laptopdeckel zu und hole den Fotoapparat, um das unerwartete Ereignis zu dokumentieren. Rasch war das Insekt mit Hilfe meiner Unterlagen identifiziert. Es handelt sich um eine Nordamerikanische Kiefernwanze. Das gemäss der einschlägigen Literatur zur Gattung der Randwanzen gehörende Insekt wurde vor nicht allzu langer Zeit vermutlich mit Frachtgut nach Europa und schon bald auch in die Schweiz eingeschleppt. Die in Nadelbäumen lebende Wanze ist für die Menschen ungefährlich und richtet in der Natur kaum Schäden an. Weil die Wanzen gerne in grösseren Gruppen auftreten und als Schutz vor der Winterkälte öfters Häuser aufsuchen, werden sie aber als Lästlinge empfunden. So war es auch in meinem Fall und ich habe die Wanze in den frischen Winterschnee entlassen. Immer, wenn ich eine Frage über Insekten habe, darf ich meinen lieben Bekannten, den emeritierten Biologie-Professor Jürg Zettel, kontaktieren. Also wollte ich auch diesmal meine Erkenntnis absichern und schickte ihm noch in der Neujahrsnacht ein Mail samt Foto. Anderntags bekam ich die Bestätigung mit einem überraschenden Hinweis. Jürg sei gerade daran, eine solche Wanze zu zeichnen, und er werde mir nach der Fertigstellung eine Kopie der Zeichnung zustellen. Das Anfertigen solcher Zeichnungen (aber auch anderer Naturobjekten zum Beispiel im botanischen Bereich) ist eines seiner Hobbys.

Die Sieben Hengste

So fragte er mich im Anschluss an das Telefoninterview, was ich denn eigentlich neben meinem Job als Fussballtrainer in dieser Abgeschiedenheit sonst noch so mache. Spontan antworte ich, dass mir zwar nicht viel freie Zeit bleibe. Es gebe mir aber ein gutes Gefühl, am Morgen als erstes noch zu den Hengsten zu schauen, bevor ich zeitig ins Stadion zur Arbeit fahre. Durch die Länge des Gespräches unter Zeitdruck geraten, mussten wir das Interview ohne weitere Erklärungen beenden. Als ich dann zwei Tage später das mir gut gesinnte Interview in der Zeitung las, schaute ich nicht schlecht. In einem Nachsatz war da noch zu lesen, dass es dem Trainer im Berner Oberland gut gehe. Jedenfalls besitze er ein eigenes Gestüt mit Hengsten! Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern, dachte ich mir, und mit einem Schmunzeln verzichtete ich auf eine Richtigstellung. Nur war ich nicht der einzige Leser. Plötzlich bekam ich Einladungen zu Pferdeauktionen bis in den süddeutschen Raum hinein. Von einem Sponsor wurde ich als Ehrengast an die Pferderennsporttage Frauenfeld eingeladen und durfte dem Sieger des grossen Flachrennens den Siegerpreis übergeben. Nicht schlecht. Mir aber doch wichtig, dass Sie als Leser wissen: Ich bin weder je auf einem Pferd gesessen, geschweige denn besass ich je eines. Heute ist das Chalet unser Zweitwohnsitz und der grosse naturnahe Garten sowie die angrenzenden Voralpen mein hauptsächliches Naturbeobachtungsgebiet. Dabei kann ich mir jeweils beim Anblick der Sieben Hengste ein schelmisches Lächeln nicht verkneifen.

Blick vom Chalet zu den Sieben Hengsten, Sichel und Burst (von links nach rechts).

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JANUAR 3. Januar

JANUAR Biodiversität macht glücklich

4. Januar

Äusserst schlau

Immer wieder liest man, wie gesund und erholsam ein Spaziergang im Wald sei. Man redet dabei gar vom Waldbaden. Je artenreicher der Baumbestand, desto besser fühlen wir uns. Ein dunkler Wald nur aus Fichten macht eher Angst. Beim Gesang der Vögel das Gleiche. Wie heisst es doch so schön im Lied: «Alle Vögel sind schon da, alle Vögel alle. Amsel, Drossel, Fink und Star und die ganze Vogelschar.» Ja, es ist auch hier die Vielfalt, die den Gesang zum Ohrenschmaus macht. Oder machen Sie einmal auf einer grünen Wiese, auf der nur Löwenzahn gedeiht, einen Blumenstrauss. Darüber wird sich niemand freuen. Erst die verschiedenen Farben und Düfte machen Freude. Nur eine Mosaiklandschaft mit Bächen, Seen, Hügeln, Bergen und Tälern weckt des Wanderers Lust.

Wildschweine sind je nach Gegend vorwiegend nachtaktiv und entsprechend schwierig zu sehen. Sie leben grösstenteils in Familienverbänden. Die Frischlinge, bis zu zwölf Monate alt, werden dabei von den weiblichen Tieren, den Bachen, in sogenannten Rotten geführt. Die Männchen, Keiler genannt, sind mehrheitlich als Einzelgänger unterwegs. Die Tiere können sich mit Ausnahme von schneereichen Hochlagen den verschiedensten Lebensräumen anpassen und sind Allesfresser. In Mastjahren leben sie zur Hauptsache von Buchnüssen und Eicheln. Sie haben ein kräftiges Gebiss und sind ausgezeichnete Schwimmer. Sie suhlen sich gerne in Erdlöchern und reiben dann ihr Fell zum Schutz vor Parasiten an Bäumen. Vom Winter zum Sommer wechseln die Tiere ihr Fell.

Zusammengefasst: Biodiversität macht glücklich!

In die Nähe von Wildschweinen kam ich bei Vogelbeobachtungen in La Sauge. Dort ziehen sich die Tiere tagsüber in die grossen Schilfgürtel zurück und kommen nachts auf die Felder, welche sie bei der Futtersuche gewaltig umgraben können. Wildschweine werden von Jägern gerne mit Mais angelockt. Dabei zeigen die Tiere ein sehr schlaues Verhalten und sind trotz teilweise grosser Anzahl nur schwer zu erlegen.

Viel besser als alles, was ich da geschrieben habe, vermag es die unten abgebildete Karte, welche ich von der WAGMUSIG erhalten habe, auszudrücken. Ich darf seit Jahren der Götti dieser erfolgreichen und einmaligen Musikgruppe der Stiftung WAG (Wohnen und Arbeiten für Körperbehinderte Gwatt) sein. Das Bild hat Sandra Berg, ein Mitglied der Musikgruppe, gemalt. Ohne das Wort Biodiversität erklären zu müssen, zeigt sie mit dem wunderbaren Bild und stellvertretend für die ganze Gemeinschaft, wie positiv sich eine artenreiche Natur auf die Gefühlslage der Menschen auswirkt. Grossartig finde ich!

Hier waren nachts Wildschweine auf Futtersuche.

Anfangs Jahr macht man sich gute Vorsätze. Darum wollte ich diese Geschichte unbedingt in den Januar nehmen. Ein guter Vorsatz wäre auch, Menschen mit einer Behinderung vermehrt zu unterstützen. Auch wir Menschen sind ein Teil der Biodiversität.

Die Karte ist im Verkaufsshop der WAG (auch online) erhältlich. Wildschweinbache.

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JANUAR 3. Januar

JANUAR Biodiversität macht glücklich

4. Januar

Äusserst schlau

Immer wieder liest man, wie gesund und erholsam ein Spaziergang im Wald sei. Man redet dabei gar vom Waldbaden. Je artenreicher der Baumbestand, desto besser fühlen wir uns. Ein dunkler Wald nur aus Fichten macht eher Angst. Beim Gesang der Vögel das Gleiche. Wie heisst es doch so schön im Lied: «Alle Vögel sind schon da, alle Vögel alle. Amsel, Drossel, Fink und Star und die ganze Vogelschar.» Ja, es ist auch hier die Vielfalt, die den Gesang zum Ohrenschmaus macht. Oder machen Sie einmal auf einer grünen Wiese, auf der nur Löwenzahn gedeiht, einen Blumenstrauss. Darüber wird sich niemand freuen. Erst die verschiedenen Farben und Düfte machen Freude. Nur eine Mosaiklandschaft mit Bächen, Seen, Hügeln, Bergen und Tälern weckt des Wanderers Lust.

Wildschweine sind je nach Gegend vorwiegend nachtaktiv und entsprechend schwierig zu sehen. Sie leben grösstenteils in Familienverbänden. Die Frischlinge, bis zu zwölf Monate alt, werden dabei von den weiblichen Tieren, den Bachen, in sogenannten Rotten geführt. Die Männchen, Keiler genannt, sind mehrheitlich als Einzelgänger unterwegs. Die Tiere können sich mit Ausnahme von schneereichen Hochlagen den verschiedensten Lebensräumen anpassen und sind Allesfresser. In Mastjahren leben sie zur Hauptsache von Buchnüssen und Eicheln. Sie haben ein kräftiges Gebiss und sind ausgezeichnete Schwimmer. Sie suhlen sich gerne in Erdlöchern und reiben dann ihr Fell zum Schutz vor Parasiten an Bäumen. Vom Winter zum Sommer wechseln die Tiere ihr Fell.

Zusammengefasst: Biodiversität macht glücklich!

In die Nähe von Wildschweinen kam ich bei Vogelbeobachtungen in La Sauge. Dort ziehen sich die Tiere tagsüber in die grossen Schilfgürtel zurück und kommen nachts auf die Felder, welche sie bei der Futtersuche gewaltig umgraben können. Wildschweine werden von Jägern gerne mit Mais angelockt. Dabei zeigen die Tiere ein sehr schlaues Verhalten und sind trotz teilweise grosser Anzahl nur schwer zu erlegen.

Viel besser als alles, was ich da geschrieben habe, vermag es die unten abgebildete Karte, welche ich von der WAGMUSIG erhalten habe, auszudrücken. Ich darf seit Jahren der Götti dieser erfolgreichen und einmaligen Musikgruppe der Stiftung WAG (Wohnen und Arbeiten für Körperbehinderte Gwatt) sein. Das Bild hat Sandra Berg, ein Mitglied der Musikgruppe, gemalt. Ohne das Wort Biodiversität erklären zu müssen, zeigt sie mit dem wunderbaren Bild und stellvertretend für die ganze Gemeinschaft, wie positiv sich eine artenreiche Natur auf die Gefühlslage der Menschen auswirkt. Grossartig finde ich!

Hier waren nachts Wildschweine auf Futtersuche.

Anfangs Jahr macht man sich gute Vorsätze. Darum wollte ich diese Geschichte unbedingt in den Januar nehmen. Ein guter Vorsatz wäre auch, Menschen mit einer Behinderung vermehrt zu unterstützen. Auch wir Menschen sind ein Teil der Biodiversität.

Die Karte ist im Verkaufsshop der WAG (auch online) erhältlich. Wildschweinbache.

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Hanspeter Latour – Biodiversität (365 Beobachtungen und Gesichten) by WEBER VERLAG - Issuu