Reto Westermann | Üsé Meyer
Architektur erwandern
Touren zu zeitgenössischer Architektur in den Bergen
Impressum Alle Angaben in diesem Buch wurden von den Autoren nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und von ihnen und dem Verlag mit Sorgfalt geprüft. Inhaltliche Fehler sind dennoch nicht auszuschliessen. Daher erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder Autoren noch Verlag übernehmen Verantwortung für etwaige Unstimmigkeiten. Alle Rechte vorbehalten, einschliesslich derjenigen des auszugsweisen Abdrucks und der elektronischen Wiedergabe. 1. Auflage 2019 2. Auflage 2022 © Weber Verlag AG, Gwattstrasse 144, CH-3645 Thun / Gwatt Idee Reto Westermann, Üsé Meyer Autoren Sibyl Heissenbüttel, Üsé Meyer, Ulrike Nicholson, Désirée Seuret, Philip Spaar, Laura Verbeke, Reto Westermann Titelbild Anenhütte im Lötschental VS (David Bumann, LightArt & Photography, Ried Brig) Fotos Soweit nicht im Bildnachweis anders erwähnt, stammen alle Fotos von den Autoren Weber Verlag AG Thun Gestaltung und Satz Lektorat / Korrektorat
Monica Schulthess Zettel Annette Weber
ISBN 978-3-03922-155-4 www.weberverlag.ch
neutral Drucksache
Die Weber Verlag AG wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2021–2024 unterstützt.
Inhaltsverzeichnis Vorwort Wissenswertes Einleitung Übersichtskarte
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Kanton Wallis Aluminiumkristall und Viertausender à la carte Von Rotenboden zur Monte-Rosa-Hütte Monte-Rosa-Hütte, Zermatt Im Revier der Kletterer und Bergsteiger Von Kreuzboden bis Hohsaas Bergrestaurant mit Touristenunterkunft Hohsaas, Saas Grund Monolith mit Sauna Von der Fafleralp zur Anenhütte Anenhütte, Gugginalp Eiger, Mönch, Jungfrau und Matterhorn Von der Moosfluh auf die Riederalp Bergrestaurant Chüestall, Riederalp Auf den Spuren der «Riederi» Von Ried bei Mörel nach Blatten Einfamilienhaus Walpen, Blatten Wandern zwischen Tradition und Moderne Von Crans-Montana nach Mollens Besucherzentrum des Alpmuseums, Colombire
Kanton Neuenburg 18 19 27 28 29 33 34 35 43 44 45 51 52 53 57 58 59 65
72 73 79
Kanton Jura Mystische Landschaft, mystische Betonfiguren Von Glovelier nach St-Ursanne Autobahn Transjurane Porrentruy Est – Delémont Ouest
80 81 85
Kanton Luzern Abschalten auf dem Jakobsweg Von Huttwil nach Willisau Waldpavillon, Willisau Schneeparadies über dem Vierwaldstättersee Von Rigi Scheidegg nach Rigi Kaltbad Ferienhaus, Rigi Scheidegg Mineralbad & Spa, Rigi Kaltbad
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Kanton Schwyz
Kanton Bern Pharao auf dem Aussichtsberg Von Schwandegg auf den Gipfel des Niesen Berghaus Niesen, Mülenen
Wo Luchs und Gämse sich Gute Nacht sagen Von Noiraigue nach Boudry Passerelle, Boudry
66 67 71
Einblick in Geschichte und Ausblick auf Gipfel Von Goldau vorbei am Bergsturzgebiet über den Aussichtspunkt Wildspitz bis nach Sattel Berggasthaus Wildspitz, Steinerberg
104 105 109
Kanton Tessin Vom einen Tal ins andere 110 Vom Val Bedretto zur Cristallina-Hütte und von dort weiter nach Fusio und Mogno im Val Lavizzara 111 Cristallina-Hütte, Bedretto 115 Kirche San Giovanni Battista, Mogno 117 Steiler Abstieg auf altem Saumpfad 118 Von Rasa nach Intragna 119 Raiffeisenbank, Intragna 123 Ein Tag – acht Gipfel 124 Vom Monte Lema zum Monte Tamaro 125 Kapelle Santa Maria degli Angeli, Rivera 129 Auf Alpwegen durch die Leventina 130 Von Bodio über die Alp Faidàl nach Giornico 131 Museum La Congiunta, Giornico 135 Luftige Tour mit alpinem Gefühl 136 Von Gemsstock zum Gotthard Hospiz 137 Altes Hospiz, St. Gotthard 143 Ein Walfisch in der Greina 144 Von Vrin nach Olivone 145 Motterasciohütte, Blenio 151
Kanton Graubünden Auf den Spuren eines Bündner Klischees Von Tenigerbad nach Pardé Cabana da Medel, Fuorcla da Lavaz Ziegenalp Puzzetta, Fuorns Weg der Naturgewalten Von Schlans via San Benedetg nach Sumvitg Kapelle Sogn Benedetg, Sumvitg Eine sagenhafte Wanderung Von Vrin über den Patnaulpass nach Vals Verschiedene Bauten, Vrin Thermalbad, Vals Hart am Abgrund Von Thusis nach Zillis Zweiter Traversiner Steg, Viamala Besucherzentrum Viamala, Zillis Von Künstlern und Kastanien Von Stampa über Soglio nach Castasegna Atelier- und Wohnhaus, Soglio Villa Garbald, Castasegna
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Immer der Sonne entgegen Von Muldain nach Scharans Atelierhaus Bardill, Scharans Eiskalter Winterzauber Von Hörnli nach Arosa Sesselbahn Carmenna, Arosa Hohe Häuser, tiefe Schluchten Von Davos Platz nach Serneus Kirchner Museum, Davos Hotel InterContinental, Davos Dorf Sunnibergbrücke, Serneus Sonnenterrassen und Talgeister Von Scuol nach Vnà Einfamilienhaus, Sent Einfache Gratwanderung mit grandioser Aussicht Von Stels nach Luzein Haus Flüeler, Luzein Wein, Heidi und Architektur Von Maienfeld nach Fläsch Primarschulhaus, Fläsch Weingut Gantenbein, Fläsch
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Österreich Ein Abflug in die Berge Von Baumgartenhöhe zur Niederen Alpe Panoramarestaurant Baumgarten, Bezau Bergkapelle, Andelsbuch Werkraum Bregenzerwald, Andelsbuch
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Deutschland Drei Klöster am See Von Radolfzell nach Konstanz Marianum Kloster Hegne, Allensbach
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Bildnachweis Autoren
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Wissenwertes
Wissenswertes Das vorliegende Buch und die darin enthaltenen Informationen ersetzen das eigene Routenstudium vor Beginn der Wanderung nicht. Eine gute Basis dafür sind die bei den jeweiligen Routen genannten Blätter der Landeskarten der Schweiz in den Massstäben 1:25 000 und 1:50 000, die entsprechenden Wanderkarten sowie das Kartentool auf www.schweizmobil.ch.
T2 Bergwandern Weg/Gelände: Weg mit durchgehendem Trassee und ausgeglichenen Steigungen. Falls nach SAW-Normen markiert: weiss-rot-weiss. Gelände teilweise steil, Absturzgefahr nicht ausgeschlossen. Anforderungen: Trittsicherheit. Trekkingschuhe sind empfehlenswert. Elementares Orientierungsvermögen.
Schwierigkeitsgrade Die Schwierigkeitsbewertung in diesem Buch orientiert sich an der SAC-Wanderskala, welche von T1 (Wandern) bis T6 (schwieriges Alpinwandern) reicht. Die bei den Touren angegebenen Schwierigkeitsgrade beziehen sich auf günstige Verhältnisse, also auf gutes Wetter, trockenes Gelände und klare Sicht. Bei Nebel, Regen oder gar Schneefall nehmen die Anforderungen rasch zu.
T1 Wandern Weg/Gelände: Gut gebahnter Weg in flachem oder leicht geneigtem Gelände. Falls nach SAW-Normen markiert: gelbe Wegweiser. Keine Absturzgefahr. Anforderungen: Keine. Turnschuhe genügen. Die Orientierung ist problemlos und man benötigt keine Karte.
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Wanderungen T1 Glovelier–St-Ursanne Huttwil – Willisau Rigi Scheidegg – Rigi Kaltbad Schlans–Sumvitg Stampa–Castasegna Muldain – Scharans Davos–Serneus Scuol – Vnà Maienfeld – Fläsch – Maienfeld Baumgartenhöhe – Niedere Alpe – Baumgartenhöhe Radolfzell – Konstanz
Seite 81 Seite 87 Seite 95 Seite 163 Seite 187 Seite 195 Seite 211 Seite 223 Seite 237 Seite 247 Seite 259
Wanderungen T2 Kreuzboden–Hohsaas Fafleralp – Anenhütte – Fafleralp Moosfluh – Riederalp Ried bei Mörel–Blatten Crans-Montana – Mollens Schwandegg–Gipfel des Niesen Noiraigue–Boudry Goldau–Sattel Val Bedretto–Fusio/Mogno Rasa–Intragna Monte Lema–Monte Tamaro Bodio–Giornico Vrin – Olivone Thusis–Zillis Hörnli–Arosa Stels – Luzein
Seite 29 Seite 35 Seite 45 Seite 53 Seite 59 Seite 67 Seite 73 Seite 105 Seite 111 Seite 119 Seite 125 Seite 131 Seite 145 Seite 177 Seite 203 Seite 229
T3 Anspruchsvolles Bergwandern Weg/Gelände: Am Boden ist meist noch eine Spur vorhanden, ausgesetzte Stellen können mit Seilen oder Ketten gesichert sein, eventuell braucht man die Hände für das Gleichgewicht. Falls nach SAW-Normen markiert: weiss-rot-weiss. Zum Teil exponierte Stellen mit Absturzgefahr, Geröllflächen, weglose Schrofen. Anforderungen: Gute Trittsicherheit. Gute Trekkingschuhe, durchschnittliches Orientierungsvermögen und elementare alpine Erfahrung.
Architektur erwandern
Wissenwertes
Wanderungen T3 Tenigerbad – Pardé Vrin–Vals
Seite 153 Seite 169
T4 Alpinwandern Weg/Gelände: Weg nicht überall sichtbar, Route teilweise weglos, an gewissen Stellen braucht es die Hände zum Vorwärtskommen. Falls nach SAW-Normen markiert: weiss-blau-weiss. Gelände exponiert, heikle Grashalden, einfache, apere Gletscher. Anforderungen: Gute Geländebeurteilung, gutes Orientierungsvermögen, alpine Erfahrung. Wanderungen T4 Rotenboden – Monte-Rosa-Hütte – Rotenboden Seite 19, Gletscherquerung und Aufstieg zur bzw. Abstieg von der Hütte: T4+ (aufgrund der Gletscherquerung: Steig eisen erforderlich, markierter Weg)
T6 Schwieriges Alpinwandern Weg/Gelände: Meist weglos, Kletterstellen bis zum zweiten Grad, kaum markiert. Falls nach SAW-Normen markiert: weiss-blau-weiss. Häufig sehr exponiert. Heikles Schrofengelände. Gletscher mit hoher Ausrutschgefahr. Anforderungen: Ausgezeichnetes Orientierungsvermögen, ausgereifte Alpinerfahrung, Erfahrung im Umgang mit alpinen Hilfsmitteln (Pickel, Seil, Steigeisen). Wanderungen T6 Gemsstock – Gotthard Hospiz
Seite 137
Allgemeine Informationen Als Ergänzung zur Tourenplanung nachfolgend wichtige Telefonnummern und nützliche Websites: Wetter Wetterbericht 162 (mehrmals täglich aktualsiert) Alpenwetterbericht 0900 162 138 www.meteoschweiz.ch, www.meteocentrale.ch
Notruf Rega Polizei Sanität Feuerwehr Allgemeiner Notruf
1414 117 144 118 112
Internet SAC und Hütten www.sac-cas.ch Fahrpläne www.sbb.ch www.postauto.ch Karten und Tourenplanung www.schweizmobil.ch Schweiz Tourismus www.myswitzerland.com Schweizer Wanderwege www.wandern.ch Architekturinfos www.swiss-architects.com
Kartenmaterial Auf allen Touren empfiehlt sich die Mitnahme des passenden Kartenmaterials. Hinweise zu den jeweiligen Karten finden sich auf der Serviceseite der einzelnen Touren. Gut geeignet für die Vorausplanung der Touren ist auch das Kartentool von www.schweizmobil.ch. Wichtig: Digitale Karten auf Smartphones oder GPS-Geräten sind eine gute Hilfe, ersetzen aber im Notfall Karten auf Papier nicht.
Hinweis Nicht alle der im Buch vorgestellten Architekturobjekte können besichtigt werden. Dies gilt insbesondere für Privathäuser. Bitte respektieren Sie die Privatsphäre der Besitzer/Bewohner. Wo geführte Besichtigungen möglich sind, findet sich ein entsprechender Hinweis direkt bei der Objektbeschreibung. Zeichenerklärung T1/T2 Schwierigkeitsgrad ( siehe S. 8 ) Wanderzeit Distanz Höhendifferenz
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Übersichtskarte 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41
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Monte-Rosa-Hütte SAC Hohsaas Anenhütte Bergrestaurant Chüestall Einfamilienhaus Walpen Besucherzentrum des Alpmuseums Berghaus Niesen Passerelle, Boudry Autobahn Transjurane Waldpavillon Ferienhaus, Rigi Scheidegg Mineralbad & SPA Berggasthaus Wildspitz Cristallina-Hütte, Bedretto Kirche San Giovanni, Battista Raiffeisenbank Kapelle Santa Maria degli Angeli Museum La Congiunta Gotthard Hospiz Motterasciohütte Cabana da Medel Ziegenalp Puzzetta Kapelle Sogn Benedetg Verschiedene Bauten, Vrin Thermalbad Vals Zweiter Traversiner Steg Viamala Besucherzentrum Viamala Atelier- und Wohnhaus, Soglio Villa Garbald, Castasegna Atelier von Linard Bardill Sesselbahn Carmenna Kirchner Museum Davos Hotel InterContinental, Davos Dorf Sunnibergbrücke, Serneus Einfamilienhaus, Sent Haus Flüeler, Luzein Schulhaus Fläsch Weingut Gantenbein Panoramarestaurant Baumgarten, Bezau Bergkapelle, Andelsbuch Werkraum Bregenzerwald, Andelsbuch Marianum Kloster Hegne
Seite 27 Seite 33 Seite 43 Seite 51 Seite 57 Seite 65 Seite 71 Seite 79 Seite 85 Seite 93 Seite 101 Seite 103 Seite 109 Seite 115 Seite 117 Seite 123 Seite 129 Seite 135 Seite 143 Seite 151 Seite 159 Seite 161 Seite 167 Seite 173 Seite 175 Seite 181 Seite 185 Seite 191 Seite 193 Seite 201 Seite 209 Seite 217 Seite 219 Seite 221 Seite 227 Seite 235 Seite 243 Seite 245 Seite 253 Seite 255 Seite 257 Seite 265
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Im Revier der Kletterer und Bergsteiger Scheinbar schwebend zwischen den Felswänden Natürlich könnte man auch gemütlich mit der Bahn zu unserem Architekturziel, dem Bergrestaurant Hohsaas, hinaufgondeln. Wir möchten uns dem Ziel aber lieber langsam nähern, um auch die Umgebung, in der das Bauwerk steht, zu entdecken. Weil wir jedoch der Gemütl ichkeit nicht ganz abgeneigt sind, starten wir unsere Wanderung statt von zuunterst im Saastal bei der Mittelstation Kreuzboden. Von Start kann allerdings vorerst nicht die Rede sein. Kaum aus den Gondeln gesprungen, zieht es unsere Kinder ins «Hohsi-Land».
Vom Spielplatz und Streichelzoo geht es hinauf in eine hochalpine Szenerie. Entsprechend präsentiert sich vom Bergrestaurant Hohsaas auch die Aussicht auf Gletscher und mehrere 4000er-Gipfel.
Der Spielplatz bietet einiges: einen Streichelzoo mit Hängebauchschweinen oder Zwergziegen, einen Themenweg, einen Wasserpark, Hängebrücken und Kletterwände, wo sich die Kleinen gleich an den Griffen am Fels hochzuhangeln versuchen. Keine schlechte Einstimmung auf das Folgende, denn wie sich auf unserer Wanderung zeigen wird, sind wir hier im Revier der Kletterer und Bergsteiger angekommen – kein Wunder bei einer Tour, die auf eine Höhe von 3100 Metern führt. Bevor wir die gut 700 Höhenmeter bis Hohsaas in Angriff nehmen, machen wir noch einen kleinen Abstecher zum Kreuzbodensee. Der kleine Weiher im Vordergrund bietet das schönste Motiv, um die schneebedeckten Viertausendergipfel der gegenüberliegenden Mischabelgruppe zu fotog rafieren.
Der schwebende Mensch Nach der gemächlichen Einstimmung machen wir uns auf den Weg. Dieser führt uns, erst nur leicht ansteigend, gegen einen Moränenausläufer. Ober28
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Kanton Wallis
Von Kreuzboden bis Hohsaas T2
2,5 h
4,4 km
700 m
Route A Mittelstation Kreuzboden (2397 m)– B Weissmieshütte (2724 m) – C Hohsaas (3140 m). Wanderzeit Ca. 2,5 Stunden mit 700 Metern Aufstieg. Tourencharakter T2. Weg gut ausgebaut, zum Teil steil. Variante Start im Tal von Saas Grund: In steilen Serpentinen durch den Lärchenwald entlang dem untersten Teil des Naturlehrpfades «Alpenblumenpromenade» via Triftalp bis Kreuzboden. Von hier weiter wie beschrieben. Laufzeit bis Kreuzboden: ca. 3 Stunden. Beste Jahreszeit Juli bis September. Anreise/Rückreise Mit Bahn und Postauto via Bern, Lötschberg, Brig bis Saas Grund/Trift (Seilbahn). Mit der Bahn via Brig, Lötschberg in die Deutschschweiz. Verpflegung /Übernachtung Weissmieshütte (T 027 957 25 54), Bergrestaurant Hohsaas (T 027 957 17 08), diverse Hotels und Restaurants in Saas Grund. Karten Landeskarte 1:25 000, Blatt 1329 «Saas» und 1309 «Simplon», Wanderkarte 1:50 000, Blatt 284T «Mischabel» und 274T «Visp». Internet www.saastal.ch, www.hohsaas.ch, www.hohsaas-bergrestaurant.ch
m 3800 3200
C B
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Schwindel erregend: Klettersteig Jegihorn
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halb entlang dem Triftbach gelangen wir zu einem steileren Weg, auf dem wir im Zickzack nach knapp einer Stunde die Weissmieshütte auf 2724 Metern erreichen. Die alte Hütte wurde 1894 ursprünglich als Hotel erstellt und 1960 vom SAC durch einen weiteren Bau ergänzt und in den Neunzigerjahren renoviert. Wir gönnen uns eine kleine Rast mit kalten Getränken. Nun steigt der Pfad noch steiler an. Wir queren den Hang oberhalb der Weissmieshütte zuerst nach links, um dann – in die Gegenrichtung – in diversen engen Schlaufen auf den Grat einer Quermoräne zu gelangen, der wir gut 500 Meter weit folgen. Mittlerweile ist die Szenerie hochalpin: Grünes Gras sucht man vergebens, es dominieren Kies und Geröll. Hie und da hören wir in der Ferne kleine Steinschläge die Felswände hinunterprasseln. Mit dem Feldstecher versuchen wir den Felssturz zu lokalisieren und sehen stattdessen plötzlich einen Menschen, der zwischen zwei Felswänden zu schweben scheint. Bei genauerem Hinsehen wird klar, dass er sich auf einer Seilbrücke befindet. Diese gehört zum Klettersteig, der auf das Jegihorn (3206 m) führt. Es ist der höchste Steig in den Westalpen. Und er ist ziemlich anspruchsvoll: Für die Tour ab Kreuzboden benötigt man gut sieben Stunden. Mit Sitzgurt, Helm und einem aus zwei Karabinern bestehenden Klettersteig-Set ist man stets an einem Drahtseil gesichert und wo die Kletterei anspruchsvoll wird, gibt es Tritt- und Haltehilfen. Das ermöglicht auch Ungeübten das Erlebnis eines luftigen Kletterabenteuers – Schwindel freiheit vorausgesetzt.
Umgeben von Alpenflora Wir bleiben auf dem Boden und verlassen den steinigen Grat, um uns – wieder umgeben von Alpenflora – in lang gezogenen Kurven dem Ziel unserer Wanderung zu nähern. Fast haben wir es geschafft. Über dem Geissrück öffnet sich der Blick hinunter
auf die Zunge des Triftgletschers. Über felsiges Gelände meistern wir die letzten Höhenmeter, bis wir uns – nach fast drei Stunden an der prallen Sonne – geschafft in die Stühle auf der Restaurantterrasse fallen lassen. Neben uns sitzt eine Gruppe Männer, alle mit einem auffallenden Grinsen im Gesicht. Eben sind sie von der Besteigung des Weissmiesgipfels (4017 m) zurückgekehrt und ganz offensichtlich mit sich und der Welt zufrieden. Sechs Stunden seien sie unterwegs gewesen, erzählen sie und zeigen uns, wo die Route zum Gipfel verläuft. Mehr als senkrechte Felswände und einen steilen Gletscherabbruch mit klaffenden Spalten sehen wir nicht – ein Hinaufkommen scheint uns unmöglich. Der Walliser Bergführer, der die Gruppe geleitet hat, klärt uns auf, dass der Weissmies einer der einfacheren Viertausender ist. An schönen Tagen seien bis zu 200 Leute, viele von ihnen Bergsteiger-Novizen, zum Gipfel unterwegs. Uns passt die hochalpine Stimmung hier auf 3100 Metern derart, dass wir uns spontan zu einer Übernachtung im Berghaus Hohsaas entscheiden. So erleben wir auch, wie am Abend die Sonne orangerot hinter berühmten Walliser Viertausendern wie Dom oder Nadelhorn verglüht.
Die Gipfel der Mischabelgruppe vom Kreuzbodensee aus
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Vor den Gletschern Das 2005 neu erstellte Restaurant auf dem Hohsaas ist in eine eindrückliche Bergwelt eingebettet, rundherum grüssen die Walliser Alpen mit ihren Viertausendern. Die Lage auf 3140 Metern über Meer ist aber nicht nur besonders faszinierend, sie machte auch eine sehr sorgfältige Planung der Bauabläufe und der Logistik notwendig. Der Zeitrahmen für die Bauarbeiten war schon allein durch die strengen Witterungsverhältnisse eng und setzte eine rasche Bauabwicklung voraus. Bauteile und Maschinen mussten per Helikopter zur schwierig erreichbaren Baustelle gebracht werden, wobei man die Anzahl der Flüge aus Kosteng ründen möglichst auf ein Minimum reduzierte. Um die Bauelemente entsprechend zu optimieren, entschieden sich die Architekten für eine Holzrahmenbauweise aus im Werk vorfabrizierten Elementen. Trotz der erschwerten Bedingungen durch die Lage der hochalpinen Baustelle war das Bergrestaurant in nur viereinhalb Monaten Bauzeit erstellt. Der Standort inmitten der steinigen Felswelt prägte aber nicht nur die Bauabläufe, sondern auch die architektonische Gestaltung des Neubaus. Vor Wind und Lawinen geschützt, schmiegt sich der Baukörper an den Hang und profitiert sowohl von der Aussicht als auch von einer optimalen Besonnung. Das Innere des Restaurants wird dominiert von der Aussicht in die Bergwelt, die sich sowohl durch die Panoramafenster nach Süden als auch durch die verglasten West-und Ostfassaden geniessen lässt. Im geschlosseneren Sockelgeschoss aus Beton befindet sich das Touristenlager. Auf dem Sockel steht die Holzkonstruktion, verkleidet mit grossformatigen, halbtransparenten Fiberglasplatten. Deren helle Türkisfärbung
steht in Bezug zur umgebenden Gletscherwelt. So verschmilzt der Baukörper im Winter mit der ihn umgebenden Schneelandschaft – im Sommer könnte man hingegen beim Anblick der Hülle an einen übrig gebliebenen Eisblock denken, der noch nicht ganz geschmolzen ist. Während die Materialien an der äusseren Oberfläche dem Gebäude eine kühle Ausstrahlung verleihen, suchten die Architekten für das Innere genau das Gegenteil: Mit unbehandelten Oberflächen aus Tannenholz vermitteln sie die gewünschte warme, wohlige Hüttenatmosphäre.
Bergrestaurant mit Touristenunterkunft Hohsaas, Saas Grund VS Bauherrschaft Burgergemeinde Saas Grund VS Art des Auftrags Wettbewerb Architektur Vomsattel Wagner Architekten, Visp VS Holzbauingenieur Timbatec, Steffisburg BE Baujahr 2005 Internet www.hohsaas-bergrestaurant.ch, www.vwarch.ch
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