
Annina Reber
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Annina Reber
Kraxel- und Gratklettertouren in der Schweiz
Alle Angaben in diesem Buch wurden von der Autorin nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und von ihr und vom Verlag mit Sorgfalt geprüft. Inhaltliche Fehler sind dennoch nicht auszuschliessen. Daher erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder die Autorin noch der Verlag übernehmen Verantwortung für etwaige Unstimmigkeiten. Fehlermeldungen und Ergänzungen bitte an: Weber Verlag AG, Gwattstrasse 144, 3645 Thun/ Gwatt, sac@weberverlag.ch.
Alle Rechte vorbehalten, einschliesslich derjenigen des auszugsweisen Abdrucks und der elektronischen Wiedergabe.
© 2026 Weber Verlag AG, CH-3645 Thun/Gwatt 1. Auflage
Konzept: Annina Reber
Fotos: Annina Reber, Boris Zweimüller, Tina Zweimüller, Christine Meyer, Franziska Fritschi, Bruno Hasler Coverbild: Überschreitung Sparrhoru – Hülsenhoru, Tour Nr. 12, Annina Reber Karten: swisstopo
Weber Verlag AG Verlagsleitung: Annette Weber-Hadorn Projektleitung: Andreas Mathyer Layout Satzarbeit: Shana Hirschi Umschlag: Aline Veugel
Der Weber Verlag wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2026–2028 unterstützt.
ISBN 978-3-85902-511-0 www.weberverlag.ch sac@weberverlag.ch
Auslieferung EU
Brockhaus Commission GmbH Postfach 1220 D-70803 Kornwestheim info@brocom.de
Annina Reber
Kraxel- und Gratklettertouren in der Schweiz
1. Auflage
Arête des Sommêtres
Grande Arête du Raimeux
Brüggligrat
Holzflue Westgrat
Ruessiflue – Matthorn
Chanzelgrat
Moosstöcke I – VII
Chli Schijen Südwestgrat
Pizzo del Prévat Nordostgrat/Südostwand

Pizzo Campolungo Südgrat
Südkante
Sparrhoru – Hülsenhoru
Üschenegrat
Nüneneflue Gemschgrätli
Lobhörner Ost – West
Wiwanni – Augstchummenhörner
Pizzo Nero Südgrat
Poncione di Cassina Baggio Südostgrat
Trotzigplanggstock Südgrat
Schächentaler Windgällen Westgrat
Haggenspitz – Chli Mythen
Silberplattenchöpf IV – VI
Altenalptürme Ost – West
Kreuzberge VII – IV
Seeschijen Südwest – Nordost
Gletscherhorn Ostgrat
Höch Turm Süd – Nord

Mäntliser Südostkante
Lauchernstock Ostgrat
Grosser Walenstock – Rigidalstock
Klein und Gross Simelistock
Hübschhorn Belgischer Grat
Schwarzmies Westgrat
Hinderi Spillgerte Nordost – Süd

Inmitten der monumentalen Kalkzinnen der Kreuzberge, Tour Nr. 24.
Liebe Gratkletternde
Herzlich willkommen zum SAC-Auswahlführer «Erlebnis Gratklettern»!
Während meiner langjährigen Tätigkeit als Kursleiterin beim SAC-Ausbildungsprogramm stellte ich fest, dass beim Publikum ein grosses Bedürfnis nach einem Ideenfundus, gefüllt mit geeigneten alpinen Anwendungstouren, besteht. Dieses Buch soll dazu motivieren, die eigenen Fähigkeiten am Berg weiterzuentwickeln, Erfahrungen zu sammeln und dazu beitragen, mit dem nötigen Respekt die Schönheit und die Vielfältigkeit der einheimischen Bergwelt zu entdecken. Die Auswahl deckt die Spannweite von Übungstouren nach einem ersten Felskurs, über etwas anspruchsvollere Unternehmungen zum Weiterkommen bis hin zu ziemlich schwierigen Klassikern für routinierte Seilschaften ab. Dabei steht immer ein Gesamterlebnis, bestehend aus einer wunderschönen Umgebung, einer ästhetischen Linie und einer erbauenden Herausforderung, im Vordergrund. Es sind keine Wahnsinnsunternehmungen, sondern gut verdauliche und zugängliche Bergerlebnisse, die sich in die Freiräume des normalen Alltags einbauen lassen. Viele der Vorschläge eignen sich zudem als SAC-Sektionstouren.
Aufgrund der rasanten, klimatisch bedingten Veränderungen im Hochgebirge, die erhöhte Gefahren mit sich bringen, habe ich bewusst alpine Touren ausgewählt, die weder Gletscher berühren noch Zonen, die durch die immer schneller fortschreitende Ausaperung beeinträchtig werden. Es finden sich im Buch Touren, die in der Regel ganzjährig begehbar sind, andere von Mai bis November und einige wenige beschränken sich auf die Sommermonate.
Sämtliche Ausflüge habe ich mit den Augen einer Tourenführer-Autorin und hoffentlich mit genügend Empathie für das Zielpublikum des Buches begangen und sorgfältig beschrieben und bebildert. Dies konnte ich nur mit der grossen Unterstützung und Beweglichkeit meiner lieben Begleiterinnen und Begleiter realisieren. Danke 1000 für das Modellstehen in farbenfroher Kleidung, für die Geduld und das Verständnis unterwegs und die frohe Zeit am Berg!
Weiter bedanke ich mich herzlich beim Weber Verlag für das Vertrauen und bei Andreas Mathyer für die gute Zusammenarbeit!
Ich wünsche euch sichere und erfüllende Erlebnisse in den Bergen!
Annina Reber


Malerisches Juragrätchen mit Tiefblick auf die Dächer von Balsthal. Inbesondere als Ausbildungstour für Einsteiger oder als Feierabendrunde attraktiv. Der Zu- und der Abstieg sind kurz und bequem. Die Felsen sind ein bevorzugter Lebensraum bedrohter Pflanzen, Vogelarten und anderen Tieren, die auf Rücksichtnahme angewiesen sind.
Abwechslungsreiches Übungsterrain mit rassigen Aufschwüngen, luftigen Passagen, Türmchen, kurzen Abseilstellen sowie Abkletter- und Kraxelpassagen. Die Felsqualität ist durchwegs gut. Es stecken zahlreiche Bh und es lässt sich an Zacken und Bäumchen sichern. Nach den Einstiegsseillängen folgen kleine Türmchen, die alle nach Lust und Laune überklettert oder umgangen werden können. Ein kurzer Abstieg über einen Waldweg führt zurück nach Balsthal.
Schwierigkeit und Absicherung
WS-, Klettern im zweiten Grad mit steilen Aufschwüngen bis 3b.
Grad, die Kletterstellen sind gebohrt.
Zeit
2–3 Stunden vom Bahnhof Balsthal und zurück.
Zustieg: ½ Stunde
Kletterei: 1–2 Stunden
Abstieg: ¾ Stunde
Jahreszeit
Ganzjährig. Vereinbarung Kletter- und Naturschutzregeln
Region Thal und Gemeinde Balsthal:
– Klettern nur in den erlaubten Sektoren
– Nur noch die Parkplätze beim Friedhof benutzen
– Kein Feuer entfachen
– Abfälle mitnehmen
– Lärm vermeiden
– Tiere nicht stören, fangen oder töten
– Keine Pflanzen pflücken oder ausgraben
Material
20 m Einfachseil, Abseilausrüstung, 6 Express, 2 Zacken- bzw. Baumschlingen
Ausgangspunkt
Bahnhof Balsthal (489 m)
Anreise
Mit dem Zug oder Bus nach Balsthal.

Zustieg
Vom Bahnhof Balsthal auf markiertem Wanderweg, zuerst durch Wohnquartiere und anschliessend entlang einer Waldstrasse, durch einen historischen Naturtunnel und über eine Brücke. Knapp 100 m nach der Brücke, bei Naturschutztafeln, zweigt ein Weg nach rechts (NE) ab, der zuerst hochsteigend und danach horizontal nach rechts (S) zum Grateinstieg führt (½ Stunde ab dem Bahnhof).

1 Der Grateinstieg befindet sich an der markanten Felskante und ist nicht zu verfehlen. Zahlreiche Bh.
Holzflue Westgrat

Zwei hübsche SL über die Kante hochklettern (3a, zahlreiche Bh).
Es folgt eine kurze Gehstrecke bis an den Fuss des nächsten Aufschwungs.

2 Stand an einer fixen Baumschlinge. Direkt über den Aufschwung hochklettern (3b, zahlreiche Bh).

Ein schmales Türmchen wird luftig überklettert (Bh). Auf dem Gipfel befindet sich ein Abseilstand. 5 m abseilen oder abklettern (3a).

3 Weiter immer dem Grat entlang. Es lohnt sich, alle Türmchen und Aufschwünge zu überklettern. Auf jedem Türmchen befindet sich ein Abseilstand. Es kann jeweils abgeseilt oder abgeklettert werden.
4 Bei der Waldhütte zweigt ein breiter Zickzack-Weg nach N ab. Man folgt diesem kurz, bis in der zweiten Kehre ein kleiner Pfad nach W abzweigt (Steinmensch). Weiter nach W absteigend, diesem Pfad folgen, bis man auf die Waldstrasse trifft, die nach Balsthal runterführt.


PONCIONE DI CASSINA BAGGIO MITTELGIPFEL SÜDOSTGRAT (CA. 2850 m)
Der SE-Grat des Poncione di Cassina Baggio gehört zu den bekannten Tessiner Klassikern und ist entsprechend häufig begangen. Auf dem Gipfel angekommen, eröffnet sich ein magischer Ausblick zum Chüebodengletschersee. Die treibenden Eisschollen sind Überbleibsel des grossen Kalberungsereignisses vom November 2020, das damals grosse Eisberge aus dem Wasser hochbrechen liess.
Lange Kraxeltour in alpiner Umgebung. Obwohl die Tour aus klettertechnischer Sicht einfach ist, darf sie aufgrund ihrer Länge nicht unterschätzt werden. Um den Gipfel in einem vernünftigen Zeitrahmen zu erreichen, muss über weite Strecken gemeinsam am kurzen Seil gegangen werden. Grundsätzlich ist die Orientierung einfach. Man beachte unbedingt die Beschreibung der Umgehungen nach den Türmen II und III.
Schwierigkeit und Absicherung
WS, viel Geh- und Kraxelgelände, einfache Gratpassagen in gutem Felsen und einzelne Kletterstellen im dritten Grad. Die Tour ist nicht eingerichtet.
Zeit
7–8 Stunden von der Capanna Piansecco CAS und zurück.
Zustieg: 1 Stunde
Kletterei: 4–5 Stunden
Abstieg: 2 Stunden
Jahreszeit
Juni bis Oktober, im Frühsommer, ist insbesondere im Zustieg zur Einstiegsscharte und im Abstieg durch die Gipfelflanke mit Schneefeldern zu rechnen. Pickel und Leichtsteigeisen mitnehmen.
Material
30 m Einfachseil, 3 Express, 3 Camalots von 0.5–1, 2–3 Zackenschlingen, Abseilausrüstung (nur falls die Gendarmen nach Turm II überklettert werden)
Ausstiegsmöglichkeiten
4 Nach Turm II kann nach Nordosten durch eine Geröllrinne ausgestiegen werden.
Ausgangspunkt
Capanna Piansecco CAS (1982 m) www.capannapiansecco.ch, info@capannapiansecco.ch
Anreise und Zustieg
Mit dem Zug nach Airolo und dem Postauto nach All’Acqua. Von All’Acqua in einer knappen Stunde zur Capanna Piansecco CAS.
Tipps für einen mehrtägigen Aufenthalt
Unzählige Kletterrouten im Gebiet um die Capanna Piansecco CAS.
Koordinaten Einstieg: 2 678 321, 1 149 895

Zum Download der GPS-Routen auf www.sac-cas-shop.ch
Zustieg
Von der Capanna Piansecco CAS (1982 m) dem Bergweg in Richtung Gerenpass folgen. Auf 2320 m den Weg verlassen und nach SW über eine Geröllhalde und zuletzt am rechten Rand (Aufstiegsrichtung) des breiten Grascouloirs zum Sattel zwischen Turm I und II aufsteigen (Trittspuren).

Aussstiegsmöglichkeit
Zustieg
1 Blick zum Einstiegssattel.
Südostgrat

Einstieg in die Plattenrampe
2 Vom Grassattel einige Meter über Gras und Steine zur kompakten Felswand hochsteigen. Eine Plattenrampe führt diagonal nach rechts zum Grat hoch.

In hübscher Kletterei bis ans Ende der Plattenrampe und anschliessend nach links über eine Stufe auf eine kleine Geröllterrasse hochklettern (3a, 20 m, 1 Sh, gute Gelegenheiten, um Camalots zu legen, Stand an Block).
Weiter leicht rechtshaltend über Blöcke bis zur Gratkante. Man bleibt an der Gratkante (teilweise Gehgelände) bis zu einem kompakten Plattenaufschwung.

3 Drei Meter gerade hochklettern und anschliessend einem Riss diagonal nach rechts hoch folgen bis auf einen Grasabsatz (3a, 20 m, Fixcam am Anfang, gute Möglichkeiten um Camalots zu legen, Stand an Block).

Es folgen Gehgelände sowie kurze, blockige Aufschwünge und horizontale Gratstücke bis zum Gipfel des Turm II (2647 m). Man klettert nach rechts (Nordseite) über eine Platte in die Scharte ab (Zeitbedarf ab Einstiegsscharte 1 bis 1½ Stunde).

4 Durch diese Geröllrinne kann der Grat nach NE verlassen werden (1 Bh mit Maillon, rote Markierung).
4 Für den weiteren Anstieg bieten sich hier zwei Möglichkeiten:

Variante 1: Man bleibt an der Gratkante und überklettert in sehr schönem Felsen eine Gruppe von Gendarmen (II+). Zuletzt wird 10 m (Seilschlinge mit Maillon) auf einen sehr schmalen Felsabsatz in die Nordseite abgeseilt. Der nächste Abseilstand (Seilschlinge mit Maillon) wird durch einen 3 m hohen Riss erreicht. 15 m in die Gratscharte abseilen. Lohnend.

Variante 2: Um Zeit zu gewinnen, kann die Gruppe von Gendarmen links (SW) umgangen werden. Dabei verfolgt man, direkt ab der Scharte, eine gute Wegspur (Steinmensch), die zuerst horizontal die SW-Flanke quert. Anschliessend steigt man über Gras und Felsen gerade hoch zur Scharte hinter den Gendarmen (¾ Stunden Zeitersparnis).
Man bleibt am Grat und steigt in sehr schönem Felsen über Aufschwünge und ein horizontales, gezacktes Gratstück auf den Gipfel des Turm III, der senkrecht in eine tiefe Gratscharte abfällt.
5 Man klettert auf der linken (SW) Seite durch eine Rinne auf einen Absatz hinunter (20 m, Schlingenstand). Eine weitere Rinne (15 m, Schlingenstand) führt auf eine Wegspur hinunter. Man gelangt in wenigen Schritten in die Gratscharte hinter Turm III.
Das folgende Felsbollwerk wird links umgangen. Von der Gratscharte geht man über ein horizontales Band nach links (W), überquert eine Felsrippe (Steinmensch) und steigt, sobald möglich, gegen den markanten, roten Turm hoch.

Den nächsten spitzen Gendarmen aus roten Felsen kann man auf der rechten (N) Seite über Stufen umgehen. Weiter in schöner, einfacher Kletterei in wenigen Minuten zum Gipfel (Kletterzeit 4–5 Stunden ab dem Einstieg).

Ausblick vom Mittelgipfel auf den Chüebodengletschersee.
Abstieg
Vom Gipfel steigt man über den SW-Grat über Wegspuren und eine kurze, plattige Stufe in eine Scharte ab und erreicht so das grosse Geröllfeld auf der Nordostseite des Grats.

7 Blick zum Gerenpass.
Man sucht sich einen schlauen Weg zum Chüebodengletscher hinunter. Weiter zum Gerenpass und über eine zuerst schuttige und zunehmend besser werdende Spur zur Aufstiegsroute zurück, auf die man auf 2320 m trifft. Über den Weg zurück zur Capanna Piansecco CAS (2 Stunden).