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Beziehung, Liebe und ihre Mechanismen (Vorschau)

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Urs Lauper

Urs Lauper

Beziehung, Liebe und ihre

«Beziehung, Liebe und ihre Mechanismen» beleuchtet die Liebe in nüchterner Art und Weise. Urs Lauper greift auf Grundsätze zurück, wie sie sich aus der Menschheitsgeschichte ergeben. Er beachtet die biologischen Voraussetzungen, die wohl bereits in Urzeiten die Beziehungen prägten. So präsentiert sich die Liebe in diesem Buch als eine übersteigerte Form einer Beziehung, eines «Vertrages» im Sinne, dass wir etwas erhalten und um dies zu behalten auch bereit sind, etwas zu geben. Nebst den verschiedenen Arten von Beziehungen geht Urs Lauper auf die Mechanismen der Liebesbeziehungen wie Partnerwahl, Werben, Ansprüche und Werte des Gegebenen sowie auf verschiedene Phänomene der Liebesbeziehungen ein.

ISBN 978-3-03922-095-3 Werd & Weber Verlag AG CH-3645 Thun/Gwatt www.weberverlag.ch

Mechanismen Ein archaischer Ansatz


1 Vorwort 1.1  Zum Buch Dieses Buch ist kein Ratgeber – davon gibt es mehr als genug – eine solche Annahme würde mich beleidigen. Ratschläge sind bekanntlich die schlimmsten Schläge. Es ist weder ein Ratgeber für Paare, die ihre Beziehung auf­ bauen oder retten wollen, noch für professionelle Berater, die Paare coachen. Der einzige Zweck dieses Buches ist, in das Chaos von Beziehung, Liebe und Partnerschaft et­ was Systematik zu bringen, wobei ich versucht habe, auf einige wenige Prämissen, auf Grundsätze abzustellen, die einerseits kaum angezweifelt werden können und anderer­ seits trotz ihrer Einfachheit praktisch alle Phänomene, die wir in diesen Bereichen erleben, logisch zu erklären ver­ mögen. Ich versuche hier die Mechanismen in Beziehung und Liebe zu erklären. Dabei müssen wir uns im Klaren sein, wovon wir sprechen. Für die meisten von uns wird eine Beziehung die Norm sein, in der gegenseitige Achtung, ein Gleichgewicht von Erhalten und Geben, eine gewisse Ausrichtung auf das Leben des anderen selbstverständlich sind. Das dürfen wir auch so annehmen, denn dies wird in der Regel auch für den allergrössten Teil der Menschen so sein, mit denen wir überhaupt je Kontakt haben werden (ich spreche hier vor allem für den westeuropäischen, al­ lenfalls den gesamteuropäischen und nordamerikanischen Kulturkreis). Wir müssen uns aber bewusst sein, dass be­ 9


Urs Lauper

, ie,, und ihre

Mechanismen Ein archaischer Ansatz

WERDVERLAG.CH


Zum Inhalt Dieses Buch beleuchtet die Liebe in relativ nüchterner Art und Weise im Sinne einer Beziehung. Der Autor greift auf die Grundsätze zurück, wie sie sich aus der Menschheitsgeschichte (ausgehend von der Urzeit) ergeben (könnten); das heisst insbesondere beach­ tet er die biologischen Voraussetzungen, die wahrschein­ lich bereits in Urzeiten die Beziehungen geprägt haben. Er geht dabei von folgenden drei etwas provokativen Prä­ missen aus: 1. Der Mensch ist von Natur aus egoistisch 2. Der Mensch ist von Natur aus biologisch orientiert 3. Der Mensch ist von Natur aus depressiv Diese drei Prämissen werden im Buch intensiv und in verschiedenen Kapiteln erläutert und wissenschaftlich erhärtet. Dementsprechend präsentiert sich in diesem Buch die Liebe vor allem als eine übersteigerte Form der Beziehung respektive eines «Vertrages» im Sinne, dass wir etwas er­ halten und um das zu behalten auch bereit sind etwas zu geben – also genau das Umgekehrte von dem, was wir landläufig unter Liebe verstehen.

Nebst den verschiedenen Arten von Beziehungen geht er auf die Mechanismen der Liebesbeziehungen ein wie Part­ nerwahl, Werben, Ansprüche und Werte des Gegebenen. In einem weiteren Kapitel geht er auf einzelne Phäno­ mene der Liebe = Beziehung ein, wie Beginn einer Bezie­ hung und das Verliebtsein, die Stabilität und Aufrechterhal­ tung einer Beziehung, auf die Bedeutung des ersten Kindes, das Auseinanderleben und das Ende einer Beziehung. Nicht zuletzt scheint ihm auch der Einfluss der Arbeitswelt auf die Beziehung wichtig. Die Mehrheit der theoretischen Aussagen und Über­ legungen werden durch praktische (zu 95 % authentische) Beispiele aus der eigenen Erfahrungswelt illustriert.


Zum Inhalt Dieses Buch beleuchtet die Liebe in relativ nüchterner Art und Weise im Sinne einer Beziehung. Der Autor greift auf die Grundsätze zurück, wie sie sich aus der Menschheitsgeschichte (ausgehend von der Urzeit) ergeben (könnten); das heisst insbesondere beach­ tet er die biologischen Voraussetzungen, die wahrschein­ lich bereits in Urzeiten die Beziehungen geprägt haben. Er geht dabei von folgenden drei etwas provokativen Prä­ missen aus: 1. Der Mensch ist von Natur aus egoistisch 2. Der Mensch ist von Natur aus biologisch orientiert 3. Der Mensch ist von Natur aus depressiv Diese drei Prämissen werden im Buch intensiv und in verschiedenen Kapiteln erläutert und wissenschaftlich erhärtet. Dementsprechend präsentiert sich in diesem Buch die Liebe vor allem als eine übersteigerte Form der Beziehung respektive eines «Vertrages» im Sinne, dass wir etwas er­ halten und um das zu behalten auch bereit sind etwas zu geben – also genau das Umgekehrte von dem, was wir landläufig unter Liebe verstehen.

Nebst den verschiedenen Arten von Beziehungen geht er auf die Mechanismen der Liebesbeziehungen ein wie Part­ nerwahl, Werben, Ansprüche und Werte des Gegebenen. In einem weiteren Kapitel geht er auf einzelne Phäno­ mene der Liebe = Beziehung ein, wie Beginn einer Bezie­ hung und das Verliebtsein, die Stabilität und Aufrechterhal­ tung einer Beziehung, auf die Bedeutung des ersten Kindes, das Auseinanderleben und das Ende einer Beziehung. Nicht zuletzt scheint ihm auch der Einfluss der Arbeitswelt auf die Beziehung wichtig. Die Mehrheit der theoretischen Aussagen und Über­ legungen werden durch praktische (zu 95 % authentische) Beispiele aus der eigenen Erfahrungswelt illustriert.


Inhaltsverzeichnis Zum Inhalt.................................................................2 Inhaltsverzeichnis.....................................................5

1 Vorwort................................................................9

1.1  Zum Buch............................................................................ 9 1.2  Wer soll dieses Buch lesen?...............................................12

Impressum

2 Die drei Prämissen.............................................14

Alle Angaben in diesem Buch wurden vom Autor nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und von ihm und dem Verlag mit Sorgfalt geprüft. Inhaltliche Fehler sind dennoch nicht auszuschliessen. Daher erfolgen alle An­ gaben ohne Gewähr. Weder Autor noch Verlag überneh­ men Verantwortung für etwaige Unstimmigkeiten.

2.1  Erste Prämisse: Der Mensch ist von Natur aus egoistisch..........................15 2.2  Zweite Prämisse: Das Partnerwahlverhalten ist von Natur aus biologisch motiviert...........................................................21

Alle Rechte vorbehalten, einschliesslich derjenigen des auszugsweisen Abdrucks und der elektronischen Wie­ dergabe.

2.3  Dritte Prämisse: Der Mensch ist von Natur aus depressiv...........................29

© 2021, Werd & Weber Verlag AG, Gwattstrasse 144, CH-3645 Thun/Gwatt

3 Beziehung und Liebe in der Wissenschaft.........36

3.1 Egoismus............................................................................36 3.2 Partnerwahl....................................................................... 40 3.3 Depression.........................................................................59 3.4 Monogamie........................................................................77 3.5  Geschichte der Ehe............................................................87

Idee und Texte: Urs Lauper Grafiken: Urs Lauper Umschlaggestaltung: Marianne Küffer, Urs Lauper Lektorat: Marianne Küffer Werd & Weber Verlag AG: Gestaltung / Satz: Julian Spycher Korrektorat: Rosemarie Schenk

4 Im Archaikum....................................................95

ISBN 978-3-03922-095-3

www.werdverlag.ch Der Verlag Werd & Weber wird vom Bundesamt für Kul­ tur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2021–2024 unterstützt.

5 Was ist eine Beziehung, was Liebe..................101

5.1  Einteilung der Beziehungen.............................................101

neutral Drucksache


Inhaltsverzeichnis Zum Inhalt.................................................................2 Inhaltsverzeichnis.....................................................5

1 Vorwort................................................................9

1.1  Zum Buch............................................................................ 9 1.2  Wer soll dieses Buch lesen?...............................................12

Impressum

2 Die drei Prämissen.............................................14

Alle Angaben in diesem Buch wurden vom Autor nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und von ihm und dem Verlag mit Sorgfalt geprüft. Inhaltliche Fehler sind dennoch nicht auszuschliessen. Daher erfolgen alle An­ gaben ohne Gewähr. Weder Autor noch Verlag überneh­ men Verantwortung für etwaige Unstimmigkeiten.

2.1  Erste Prämisse: Der Mensch ist von Natur aus egoistisch..........................15 2.2  Zweite Prämisse: Das Partnerwahlverhalten ist von Natur aus biologisch motiviert...........................................................21

Alle Rechte vorbehalten, einschliesslich derjenigen des auszugsweisen Abdrucks und der elektronischen Wie­ dergabe.

2.3  Dritte Prämisse: Der Mensch ist von Natur aus depressiv...........................29

© 2021, Werd & Weber Verlag AG, Gwattstrasse 144, CH-3645 Thun/Gwatt

3 Beziehung und Liebe in der Wissenschaft.........36

3.1 Egoismus............................................................................36 3.2 Partnerwahl....................................................................... 40 3.3 Depression.........................................................................59 3.4 Monogamie........................................................................77 3.5  Geschichte der Ehe............................................................87

Idee und Texte: Urs Lauper Grafiken: Urs Lauper Umschlaggestaltung: Marianne Küffer, Urs Lauper Lektorat: Marianne Küffer Werd & Weber Verlag AG: Gestaltung / Satz: Julian Spycher Korrektorat: Rosemarie Schenk

4 Im Archaikum....................................................95

ISBN 978-3-03922-095-3

www.werdverlag.ch Der Verlag Werd & Weber wird vom Bundesamt für Kul­ tur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2021–2024 unterstützt.

5 Was ist eine Beziehung, was Liebe..................101

5.1  Einteilung der Beziehungen.............................................101

neutral Drucksache


1 Vorwort 1.1  Zum Buch Dieses Buch ist kein Ratgeber – davon gibt es mehr als genug – eine solche Annahme würde mich beleidigen. Ratschläge sind bekanntlich die schlimmsten Schläge. Es ist weder ein Ratgeber für Paare, die ihre Beziehung auf­ bauen oder retten wollen, noch für professionelle Berater, die Paare coachen. Der einzige Zweck dieses Buches ist, in das Chaos von Beziehung, Liebe und Partnerschaft et­ was Systematik zu bringen, wobei ich versucht habe, auf einige wenige Prämissen, auf Grundsätze abzustellen, die einerseits kaum angezweifelt werden können und anderer­ seits trotz ihrer Einfachheit praktisch alle Phänomene, die wir in diesen Bereichen erleben, logisch zu erklären ver­ mögen. Ich versuche hier die Mechanismen in Beziehung und Liebe zu erklären. Dabei müssen wir uns im Klaren sein, wovon wir sprechen. Für die meisten von uns wird eine Beziehung die Norm sein, in der gegenseitige Achtung, ein Gleichgewicht von Erhalten und Geben, eine gewisse Ausrichtung auf das Leben des anderen selbstverständlich sind. Das dürfen wir auch so annehmen, denn dies wird in der Regel auch für den allergrössten Teil der Menschen so sein, mit denen wir überhaupt je Kontakt haben werden (ich spreche hier vor allem für den westeuropäischen, al­ lenfalls den gesamteuropäischen und nordamerikanischen Kulturkreis). Wir müssen uns aber bewusst sein, dass be­ 9


reits dreitausend Kilometer südlich oder östlich diese Norm nicht mehr gilt, weil dort andere Auffassungen nicht nur bezüglich des anderen Geschlechts, sondern auch über die Gesellschaft herrschen. Zwar müssen dort die archaischen Grundsätze, auf die ich mich abstütze, auch gelten, aber die «Anpassungen» an die Neuzeit sind so anders verlaufen, dass das heutige Resultat mit unse­ rem kaum mehr vergleichbar ist. Wenn ich versuche die Mechanismen in Beziehung und Liebe zu erklären, gebe ich natürlich gleichzeitig Hin­ weise darauf, warum und wie wir etwas machen. Wenn eine Frau, weil sie nun weiss, warum ihr Partner nicht über ihre Beziehung sprechen will, ihr Verhalten ändert, oder wenn ein Mann sich hinterfragt, wovon ihre gemein­ same Beziehung eigentlich lebt, dann sein eigenes Ver­ halten ändert und neue Bedürfnisse sucht, dann soll mir das recht sein. Und wenn ein Paartherapeut zwischen­ durch mal einen anderen Ansatz wählt und neue Fragen stellt, dann habe ich wohl mein Ziel erreicht. Dieses Buch ist aber auch keine «wissenschaftliche» Abhandlung. Ausser im Kapitel 3 (Beziehung und Liebe in der Wissenschaft) zitiere ich nur ganz selten, berufe mich kaum auf Untersuchungen und stelle selber ganz si­ cher keine an (meine Erfahrungen kaschiere ich also nicht in «Untersuchungen», sondern bezeichne sie auch als Er­ fahrungen). Ich zitiere nur ganz selten, weil ich die meis­ ten Zitate aus ihrem Zusammenhang reissen und neu in­ terpretieren müsste oder weil ich nur minimste Teile von anderen Werken (das meiste lässt sich generalisieren) zi­ tieren könnte. Wo ich Zusammenstellungen, Definitionen und «Beweise» verwende, gebe ich selbstverständlich die Quelle an. Von Untersuchungen, Erhebungen und Statis­ tiken im psychologischen Bereich halte ich wenig bis 10

nichts – in jeder anderen wissenschaftlichen Disziplin würden all diese Resultate mit dem lapidaren Hinweis auf (mindestens) mangelnde Signifikanz zur Seite ge­ wischt. Wenn ich eine von mir aus gerechtfertigte An­ nahme treffe (weil ich sie von Grundvoraussetzungen herleiten und begründen kann) und meine, dass sich das leicht zeigen liesse, heisst das nicht, dass das mit einer Versuchsanordnung bewiesen werden könnte, sondern dass es kaum möglich wäre, das Gegenteil mit mindes­ tens einem Evidenzbeweis aufzuzeigen. Die wenigsten Gedanken in meinem Buche sind neu, die meisten würden sich, isoliert, in anderen Zusammen­ hängen oder mindestens als Ansatz, in den Werken nam­ hafter Denker finden lassen – eine andere Behauptung wäre eine Anmassung. Ich habe mir nicht die Mühe ge­ macht zu forschen, wer wie wann was schon gesagt hat. Auch bei meinen Anlehnungen an die Tiefenpsychologie, die wohl einfach zu erkennen sind, verzichte ich darauf, einzelne Autoren zu nennen. Meine generalisierten Aus­ sagen finden sich in dem Sinne, wenn auch in anderen Worten bei den meisten Schülern Freuds. Genau gleich ist es bei den Erkenntnissen anderer psychologischer Rich­ tungen. Eine letzte Bemerkung zu meinen Überlegungen: Ich bin mir absolut bewusst, dass es neben dem, was wir «normalen» Menschen wissen, fühlen oder uns vorstellen können, noch Dinge gibt, die jenseits der Grenzen liegen, die wir kennen, Dinge, die wir uns eben gar nicht vorstel­ len können. Diese einzubinden möchte ich aber den Leu­ ten überlassen, die mehr davon verstehen und sich intensi­ ver damit befasst haben als ich.

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reits dreitausend Kilometer südlich oder östlich diese Norm nicht mehr gilt, weil dort andere Auffassungen nicht nur bezüglich des anderen Geschlechts, sondern auch über die Gesellschaft herrschen. Zwar müssen dort die archaischen Grundsätze, auf die ich mich abstütze, auch gelten, aber die «Anpassungen» an die Neuzeit sind so anders verlaufen, dass das heutige Resultat mit unse­ rem kaum mehr vergleichbar ist. Wenn ich versuche die Mechanismen in Beziehung und Liebe zu erklären, gebe ich natürlich gleichzeitig Hin­ weise darauf, warum und wie wir etwas machen. Wenn eine Frau, weil sie nun weiss, warum ihr Partner nicht über ihre Beziehung sprechen will, ihr Verhalten ändert, oder wenn ein Mann sich hinterfragt, wovon ihre gemein­ same Beziehung eigentlich lebt, dann sein eigenes Ver­ halten ändert und neue Bedürfnisse sucht, dann soll mir das recht sein. Und wenn ein Paartherapeut zwischen­ durch mal einen anderen Ansatz wählt und neue Fragen stellt, dann habe ich wohl mein Ziel erreicht. Dieses Buch ist aber auch keine «wissenschaftliche» Abhandlung. Ausser im Kapitel 3 (Beziehung und Liebe in der Wissenschaft) zitiere ich nur ganz selten, berufe mich kaum auf Untersuchungen und stelle selber ganz si­ cher keine an (meine Erfahrungen kaschiere ich also nicht in «Untersuchungen», sondern bezeichne sie auch als Er­ fahrungen). Ich zitiere nur ganz selten, weil ich die meis­ ten Zitate aus ihrem Zusammenhang reissen und neu in­ terpretieren müsste oder weil ich nur minimste Teile von anderen Werken (das meiste lässt sich generalisieren) zi­ tieren könnte. Wo ich Zusammenstellungen, Definitionen und «Beweise» verwende, gebe ich selbstverständlich die Quelle an. Von Untersuchungen, Erhebungen und Statis­ tiken im psychologischen Bereich halte ich wenig bis 10

nichts – in jeder anderen wissenschaftlichen Disziplin würden all diese Resultate mit dem lapidaren Hinweis auf (mindestens) mangelnde Signifikanz zur Seite ge­ wischt. Wenn ich eine von mir aus gerechtfertigte An­ nahme treffe (weil ich sie von Grundvoraussetzungen herleiten und begründen kann) und meine, dass sich das leicht zeigen liesse, heisst das nicht, dass das mit einer Versuchsanordnung bewiesen werden könnte, sondern dass es kaum möglich wäre, das Gegenteil mit mindes­ tens einem Evidenzbeweis aufzuzeigen. Die wenigsten Gedanken in meinem Buche sind neu, die meisten würden sich, isoliert, in anderen Zusammen­ hängen oder mindestens als Ansatz, in den Werken nam­ hafter Denker finden lassen – eine andere Behauptung wäre eine Anmassung. Ich habe mir nicht die Mühe ge­ macht zu forschen, wer wie wann was schon gesagt hat. Auch bei meinen Anlehnungen an die Tiefenpsychologie, die wohl einfach zu erkennen sind, verzichte ich darauf, einzelne Autoren zu nennen. Meine generalisierten Aus­ sagen finden sich in dem Sinne, wenn auch in anderen Worten bei den meisten Schülern Freuds. Genau gleich ist es bei den Erkenntnissen anderer psychologischer Rich­ tungen. Eine letzte Bemerkung zu meinen Überlegungen: Ich bin mir absolut bewusst, dass es neben dem, was wir «normalen» Menschen wissen, fühlen oder uns vorstellen können, noch Dinge gibt, die jenseits der Grenzen liegen, die wir kennen, Dinge, die wir uns eben gar nicht vorstel­ len können. Diese einzubinden möchte ich aber den Leu­ ten überlassen, die mehr davon verstehen und sich intensi­ ver damit befasst haben als ich.

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2  Die drei Prämissen Meine Ausführungen in diesem Buch basieren auf drei Prämissen, die ich als kategorisch bezeichne, ohne dass ich weitere Voraussetzungen ausschliessen möchte. Grundlage für die drei Prämissen, auf denen ich ba­ siere, ist die Behauptung (auf Grund der Lebensumstände in der Urzeit), dass der Mensch, aus Ressourcengründen grundsätzlich nichts tut, was ihm nicht nützt, ursprüng­ lich und vorwiegend natürlich im biologischen Bereich und dass er einen ständigen Kampf ums Überleben führt und um das, was er hat. Obschon sich unsere Lebensum­ stände stark verändert haben, sind wir genetisch noch ge­ nau die gleichen, die wir vor 40 000 Jahren waren, und die archaischen Muster, Reaktionen und Instinkte sind nach wie vor vorhanden – unter dem Vorbehalt, dass wir sie etwas an unsere heutige Zeit angepasst und dass wir sie zum Teil verdrängt oder auch substituiert haben. Dass sie heute immer noch wirken können, merken wir in der Re­ gel in Ausnahmesituationen, wo wir automatisch darauf zurückgreifen. Ich zeige im Verlaufe meiner Betrachtun­ gen immer wieder anhand von Beispielen, wie diese ar­ chaischen Muster nach wie vor Gültigkeit haben, auch wenn sie sich vielleicht in einem ganz anderen Kontext, einer moderneren Umgebung bemerkbar machen. Man hat mir oft vorgeworfen, eine negativistische Weltsicht zu haben, ein Pessimist zu sein (wer mich kennt, weiss, dass das nicht stimmt). Ich glaube, es ist sogar falsch, aus meinen drei Prämissen respektive den Grund­ 14

lagen Egoismus/Depression/Biologie-pur zu schliessen, die Welt sei schlecht oder auch nur negativ: Dass die Welt nicht das Paradies ist, weiss man seit Adam und Eva, dass das Leben kein Zuckerschlecken ist und es nur die we­ nigsten zum grossen Glück bringen ist jedem klar – ei­ gentlich sollte es auch klar sein, dass jeder einzelne sein Weltbild macht mit dem, was er aus der Welt schöpft, mit dem, was er in der Lage ist, dafür zu fühlen. Eine elektri­ sche Heizung funktioniert, indem Elektronen in einem Heizdraht Widerstand überwinden, ihn langsam zerstö­ ren; trotzdem gibt sie behaglich warm – oder entzündet hin und wieder ein Feuer. 2.1  Erste Prämisse: Der Mensch ist von Natur aus egoistisch Egoismus als Begriff hat aus meiner Sicht heute zu Un­ recht eine negative Bedeutung, die eigentlich aus einem falschen Verständnis heraus resultiert. Der Begriff wird übrigens auch von Fachleuten oft «falsch» verwendet – verständlicherweise, da sie ja auf den normalen Sprachge­ brauch Rücksicht nehmen müssen. Unter einem Egoisten verstehen wir heute einen Menschen, der nur auf sich sel­ ber schaut und «über Leichen geht», das heisst, die Be­ dürfnisse und das Wohlergehen der anderen kümmern ihn nicht. Dafür hätten wir aber einen Namen, der genau das trifft: Egozentriker! Ich spreche hier aber vom ursprüng­ lichen Egoismus. Die erste Aufgabe des Menschen, der Menschheit ist es, das Überleben der menschlichen Rasse zu sichern, in­ dem sie dafür sorgt, dass sie selber möglichst lange res­ pektive lange genug überlebt, bis die Nachkommen das 15


2  Die drei Prämissen Meine Ausführungen in diesem Buch basieren auf drei Prämissen, die ich als kategorisch bezeichne, ohne dass ich weitere Voraussetzungen ausschliessen möchte. Grundlage für die drei Prämissen, auf denen ich ba­ siere, ist die Behauptung (auf Grund der Lebensumstände in der Urzeit), dass der Mensch, aus Ressourcengründen grundsätzlich nichts tut, was ihm nicht nützt, ursprüng­ lich und vorwiegend natürlich im biologischen Bereich und dass er einen ständigen Kampf ums Überleben führt und um das, was er hat. Obschon sich unsere Lebensum­ stände stark verändert haben, sind wir genetisch noch ge­ nau die gleichen, die wir vor 40 000 Jahren waren, und die archaischen Muster, Reaktionen und Instinkte sind nach wie vor vorhanden – unter dem Vorbehalt, dass wir sie etwas an unsere heutige Zeit angepasst und dass wir sie zum Teil verdrängt oder auch substituiert haben. Dass sie heute immer noch wirken können, merken wir in der Re­ gel in Ausnahmesituationen, wo wir automatisch darauf zurückgreifen. Ich zeige im Verlaufe meiner Betrachtun­ gen immer wieder anhand von Beispielen, wie diese ar­ chaischen Muster nach wie vor Gültigkeit haben, auch wenn sie sich vielleicht in einem ganz anderen Kontext, einer moderneren Umgebung bemerkbar machen. Man hat mir oft vorgeworfen, eine negativistische Weltsicht zu haben, ein Pessimist zu sein (wer mich kennt, weiss, dass das nicht stimmt). Ich glaube, es ist sogar falsch, aus meinen drei Prämissen respektive den Grund­ 14

lagen Egoismus/Depression/Biologie-pur zu schliessen, die Welt sei schlecht oder auch nur negativ: Dass die Welt nicht das Paradies ist, weiss man seit Adam und Eva, dass das Leben kein Zuckerschlecken ist und es nur die we­ nigsten zum grossen Glück bringen ist jedem klar – ei­ gentlich sollte es auch klar sein, dass jeder einzelne sein Weltbild macht mit dem, was er aus der Welt schöpft, mit dem, was er in der Lage ist, dafür zu fühlen. Eine elektri­ sche Heizung funktioniert, indem Elektronen in einem Heizdraht Widerstand überwinden, ihn langsam zerstö­ ren; trotzdem gibt sie behaglich warm – oder entzündet hin und wieder ein Feuer. 2.1  Erste Prämisse: Der Mensch ist von Natur aus egoistisch Egoismus als Begriff hat aus meiner Sicht heute zu Un­ recht eine negative Bedeutung, die eigentlich aus einem falschen Verständnis heraus resultiert. Der Begriff wird übrigens auch von Fachleuten oft «falsch» verwendet – verständlicherweise, da sie ja auf den normalen Sprachge­ brauch Rücksicht nehmen müssen. Unter einem Egoisten verstehen wir heute einen Menschen, der nur auf sich sel­ ber schaut und «über Leichen geht», das heisst, die Be­ dürfnisse und das Wohlergehen der anderen kümmern ihn nicht. Dafür hätten wir aber einen Namen, der genau das trifft: Egozentriker! Ich spreche hier aber vom ursprüng­ lichen Egoismus. Die erste Aufgabe des Menschen, der Menschheit ist es, das Überleben der menschlichen Rasse zu sichern, in­ dem sie dafür sorgt, dass sie selber möglichst lange res­ pektive lange genug überlebt, bis die Nachkommen das 15


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