TITELTHEMA 8 A
o Miria Stei or , He riete Baro , a Ele a Reuter, Jago Birk, Ke i Hor , Sa i e Fiedler, Co sta ze Röhl u d Rai er S hreg
14 o Ro ert S hi k
BYZANZ VOM GLAN) DES KAISERS UND DEM DRECK DER STRASSE – INTERDIS)IPLINÄRE FORSCHUNGEN )UM ALLTAG DER FRÜHBY)AN TINISCHEN KAISERSTADT IUSTINIANA PRIMA Jüngste Grabungen am Fundort Caričin Grad haben Licht ins Dunkel der Geschichte von Iustiniana Prima gebracht. Dabei geben die Autorinnen und Autoren aus ihrer je eigenen Perspektive Einblick in das Alltagsleben der byzantinischen Stadt.
RELIGIÖSER WANDEL IN SÜDJORDANIEN. VON HEIDEN ZU CHRISTEN UND VON CHRISTEN )U MUSLIMEN – UND ALL DAS BINNEN WENIGER HUNDERT JAHRE Die heidnischen Bewohner im Süden Jordaniens nahmen in einem prozesshaften Wechsel erst die christliche, dann die muslimische Religion an. In Teilen erhaltene Kirchen und Moscheen sind Zeugen dieser Entwicklung.
17 o Mi hael Matheus, Kathari a Reihl, A dreas Gietze u d Miria Salz a
24 o A tje Bossel a -Rui k ie u d Susa e Greif
27 o Susa e Greif u d A tje Bossel a -Rui k ie
31 o Susa e Greif u d A tje Bossel a -Rui k ie
RELIGIÖSE KONTAKTE IN EUROPA – BY)AN), DER WESTEN UND DIE SLAVISCHE WELT
Was der Kult der heiligen Thekla, die muslimische Besiedlung des byzantinischen Bischofssitzes Tertiveri mit der serbischen Nationalbewegung im . Jh. zu tun hat, ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Wie Byzanz und sein kulturelles Erbe jedoch über die Spätantike hinaus wirkte, ist Gegenstand aktueller Forschungen am LeibnizWissenschaftsCampus Mainz.
HOCHZEITSSCHMUCK EINER BYZANTINISCHEN PRINZESSIN? DER PRESLAVSCHAT) AUS BULGARIEN Es ist nicht zuletzt Schmuck wie der des Preslav-Schatzes, den wir häufig mit dem byzantinischen Reich assoziieren: Die über Objekte des wichtigsten Schmuckfundes des byzantinischen Mittelalters geben Hinweise auf die Beziehungen von Byzanz zu seinen Nachbarn.
ROSINEN IN DER MESSINGHERSTELLUNG UND ANDERE KURIOSITÄTEN BYZANTINISCHER GOLDSCHMIEDEREZEPTE Ein auf Griechisch erhaltener Traktat schildert seltene Details byzantinischen Goldschmiedehandwerks. Die verwendeten Materialien überraschen dabei genauso wie die Herstellungstechniken und Werkzeuge – das zeigen die aktuell entstehende Neuübersetzung und der Praxistest.
«BY)AN) & DER WESTEN.
VERGESSENE JAHRE»
In der gleichnamigen Ausstellung auf dem Renaissanceschloss Schallaburg in Niederösterreich können Besucher die vielseitige Interaktion zwischen der byzantinischen und der westlichen Welt erforschen. Verbindendes Element zwischen Ost und West ist damals wie heute das Mittelmeer, das auch der Ausstellung ihren Rahmen gibt. Fotos: o e : Sa i e Steidl / RG)M u d Museu Veliki Presla , Bulgarie ; re hts: © ESAG T. Theurillat .
THEMENPANORAMA DIE ÄGYPTISCHE MUMIE DES MUSEUM FRIDERICIANUM IN KASSEL – ARCHIVFUNDE ERHELLEN DIE GESCHICHTE EINES FAST RESTLOS VERLORENEN EXPONATS
41 o Rüdiger Spliter
Die Erschließung der historischen Inventare der Kasseler Kunstsammlungen hat einige verschollen geglaubte Sammlungsobjekte wieder zu Tage gefördert. Bei der Untersuchung der sogenannten «Kasseler Mumie» spielt ein hölzerner Falke die entscheidende Rolle.
VON DEN ERSTEN RÖNTGENAUFNAHMEN )UR VIRTUELLEN SEKTION – DIE ENTWICKLUNG DER BILDGEBENDEN DIAGNOSTIK UND IHRE ANWENDUNG IN DER MUMIENFORSCHUNG
47 o Oli er Gauert u d Lea-Krisi Ks huk
Die neuen Möglichkeiten haben den Zugang zu einem ungeheuren Informationsreichtum ermöglicht, und neue Techniken bereichern das Repertoire ständig.
AUF DER SUCHE NACH ARTEMIS – DIE ENTDECKUNG DES HEILIGTUMS DER ARTEMIS AMARYSIA
Die enge Zusammenarbeit zwischen Epigraphikern, Historikern und Archäologen hat die Identifizierung des lange verschollenen Heiligtums ermöglicht.
IM SPANNUNGSFELD )WISCHEN KOPIE UND ORIGINAL – DIE DIGITALISIERUNG ALS BEREICHERUNG IN DER METHODISCHEN ENTWICKLUNG DER ARCHÄOLOGIE
52 o Karl Re er, De is K oepler, To ias Krapf, Thierry Theurillat, Syl ia Fa hard u d A alia Karapas halidou
59 o Mari Wag er
Der Beitrag geht der Frage nach, wie sich virtuelle Modelle komplettierend neben den «klassischen» Kopien, Methoden und dem Original einordnen können.
BOMBEN AUF POMPEJI – DIE ANTIKE STADT IM )WEITEN WELTKRIEG
Im August und September jähren sich zum 5. Mal die amerikanischen und britischen Bombenabwürfe auf Pompeji im Zweiten Weltkrieg.
66 o Gü ther E. Thüry
THEMIS AM PARTHENON – MYTHOS UND GESCHICHTE
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Das Darstellungsprogramm, das die Schöpfer des Parthenon für den neu erbauten Tempel ihrer Stadtgöttin erdenken konnten, wird in einen breiten Kontext gestellt.
von Werner Gauer
RÖMISCHE MEDAILLONS – EINE GEHEIMNISVOLLE NUMISMATISCHE QUELLENGAT TUNG
80 o Jürge Lore z
Der Autor macht deutlich, welch interessante Informationen diese Sonderprägungen offenbaren können, die zu bestimmten Anlässen im Auftrag des Kaisers an einen ausgewählten Personenkreis verteilt wurden.
RUBRIKEN
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HOCHZEITSSCHMUCK EINER BYZANTINISCHEN PRINZESSIN? Der Preslav-Schatz aus Bulgarien 640 g Gold, Silber, Emails, Edelsteine und Perlen – der Preslav-Schatz ist der bedeutendste S h u khort des za i is he Mitelalters: Ü er O jekte, daru ter ei großer Halsschmuck, Edelsteinanhänger, Ohrringe, Ringe, Kugelknöpfe, ein Bergkristallsiegel und zahlrei he Ge a dapplikaio e , fü f Diade plate , z ei Sil erlöfel so ie Sil erü ze der za i is he Kaiser Ko sta i VII. Porph roge etos u d Ro a os II. − .
o A tje Bossel a -Rui k ie u d Susa e Greif
D
er Preslav-Schatz ist der bedeutendste Schmuckfund des byzantinischen Mittelalters, der zudem über eine gesicherte Provenienz verfügt Abb. − . Die Objekte sind sehr wahrscheinlich byzantinischer Herkunft
und kamen vermutlich 927 im Rahmen der Hochzeit des bulgarischen Zars Peter I. mit der byzantinischen Prinzessin Maria-Irene nach Preslav, der Hauptstadt des Ersten Bulgarischen Reiches − . Somit handelt es sich um die einzigen Beispiele materieller Überlieferung der byzantinischen Kaiserrepräsentation in
Form von Schmuck. Die naturwissenschaftlichen und kulturhistorischen Forschungen am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz RGZM können anhand dieses seltenen datierten Schmuckfundes nun Referenzwerte liefern, v. a. für die mittelalterliche Emailkunst. Aus den bisherigen Untersuchungen ergab sich z. B. auch dass der
Abb. 1 Halsschmuck aus dem Preslav-Schatz. Archäologisches Museum «Veliki Preslav», Bulgarien )nv. Nr. / .
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Abb. Goldener Ohrschmuck aus Perldraht-Filigran mit Naturperlen. Archäologisches Museum «Veliki Preslav», Bulgarien )nv. Nr. / .
Schmuck noch wertvoller ist als bisher angenommen, denn er ist fast ausschließlich mit Edelsteinen verziert: Smaragde, Korunde und Granate, hinzu kommen Naturperlen.
«Phönix aus dem Acker» Es war ein Glücksfall, dass die Schmuckstücke 1978 auf einem Acker in der Nähe der bulgarischen Kleinstadt Preslav entdeckt wurden, die von bis 971 die Hauptstadt des Ersten Bulgarischen Reiches − gewesen ist. Nicht so glücklich, dass es der Pflug war, der den Fund auseinanderriss. Zwar wurden die Objekte von Archäologen weiträumig ausgegraben, aber dennoch scheinen einige Teile für immer verloren gegangen zu sein. Der Fundkomplex befand sich / 18 für rund ein Jahr im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz im Rahmen eines internationalen und interdisziplinären Forschungsprojekts. )m RGZM wurde der Schmuckfund natur- und kulturhistorisch untersucht, gereinigt und restauratorisch überarbeitet. Nun konnte der Preslav-Schatz – der durchaus Beachtung in der archäologisch-kunsthistorischen Forschung gefunden hat – umfassend und interdisziplinär untersucht werden,
v. a. mit naturwissenschaftlichen Methoden s. )nfokasten . Dadurch können wichtige Referenzwerte vorgelegt werden, die besonders wegen der seltenen Kombination einer gesicherten Provenienz und eines vergleichsweise präzisen Zeitfensters grundlegend sind: wurde Preslav Hauptstadt des Ersten Bulgarischen Reiches, wurde es durch den byzantinischen Kaiser Johannes I. Tzimiskes − zerstört. Die Silbermünzen − liefern überdies einen terminus post quem für das Vergraben zwischen und – der Schatz lag also ziemlich genau Jahre lang im Boden. Derartige Analysen an zuverlässig datierbaren mittelalterlichen Objekten sind bislang die Ausnahme und stellen Grundlagenforschungen dar, die in Zukunft zum Vergleich dienen und auch helfen können Nachahmungen auszusondern.
Bulgaris h oder
za i is h?
Es stellt sich nun die Frage, was man untersucht: bulgarische oder byzantinische Schmuckstücke? Die 15 byzantinischen Münzen sind ein wichtiger (inweis, dann liefern byzantinische Darstellungen sowie überlieferte «höfische» Schmuckstücke in ThessaloANTIKE WELT 4/18
niki, Kreta und Washington die besten Vergleiche für Stil, Technik und Farbigkeit. Auch wenn das bulgarische Mittelalter zahlreiche Schmuckfunde produziert hat, sind Objekte solcher Pracht bislang nicht bekannt, und die
Abb. Prachtvoller Ohrring aus dem Preslav-Schatz. Archäologisches Museum «Veliki Preslav», Bulgarien )nv. Nr. / .
HOCHZEITSSCHMUCK EINER BYZANTINISCHEN PRINZESSIN? – Der Preslav-Schatz aus Bulgarien
Abb. 4 Smaragdanhänger mit Naturperlen aus dem Preslav-Schatz. Archäologisches Museum «Veliki Preslav», Bulgarien )nv. Nr. / .
wenigen Überreste von Werkstätten lassen nicht darauf schließen, dass man im . Jh. Schmuckstücke solcher Qualität in Preslav überhaupt herstellen konnte. Der Schmuck stammt nämlich, wie technische Finessen verraten, von erfahrenen (andwerkern, die für die höchstrangigen Kunden gearbeitet haben dürften. Allein der Metallwert des Preslav-Schatzes war sehr hoch und entsprach etwa dem Wert eines «großen Gebäudes», wie indirekt aus dem Eparchenbuch des Stadtpräfekten von Konstantinopel (vermutlich vollendet zu erschließen ist. Die gewiss hofnahe Werkstatt befand sich aller Wahrscheinlichkeit nach in Konstantinopel, der Hauptstadt des byzantinischen Reiches.
Ei )eug is Diplo aie
itelalterli her
Wie kamen also diese byzantinischen Schmuckstücke nach Preslav an den Zarenhof? Dafür bieten die Beziehungen zwischen Byzanz und dem Nachbarn eine Erklärung: Unter Zar Boris ). − war Bulgarien / christianisiert worden. Die Bulgaren genossen zeitweise hohes Ansehen in Byzanz, was sicherlich auch im Austausch wertvoller Geschenke einen Ausdruck gefunden haben wird. Allerdings blieben die Beziehungen der beiden Reiche wechselhaft und waren auch von Konkurrenz und kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt. Unter Zar Simeon − , der am (of in Konstantinopel erzogen worden war, be-
Das Forschungsprojekt «Der Preslav-Schatz aus Bulgarien (10. Jh.)» Projektleiter: Prof. Dr. Falko Dai , Rö is h-Ger a is hes )e tral useu Mai z/Lei izFors hu gsi situt für Ar häologie Förderung: Gerda He kel Situ g Düsseldorf , U terstützu g au h dur h die Gesells hat der Freunde des RGZM Restaurierung: Mathias Hei zel, RG)M Materialtechnische Untersuchungen: Dr. Marl e Au i Kunst- und kulturhistorische Forschungen: Dr. A tje Bossel a -Rui k ie Für die zerstöru gsfreie A al se sta de i RG)M ei RFA-Gerät u d die E perise des Museu s i s eso dere für Metall-, Glas- u d E aila al se zur Verfügu g, außerde urde Ra a -Spektroskopie a der Joha es Gute erg-U i ersität Mai z dur hgeführt. Die tra skulturelle Bedeutu g der S h u kstü ke spiegelt si h i der I ter aio alität des Projekts, de das Museu «Veliki Presla » it Direktor Dr. Pla e Sla o u d die Bulgaris he Akade ie der Wisse s hate it Prof. Sta isla Sta ilo si d Kooperaio spart er. Ei e isse s hatli he Tagu g ird i Kooperaio it de Lou re i Paris orga isiert, o der Fu dko ple i )e tru der Ausstellu g «Le Tr sor Presla «Der Presla -S hatz», . Ju i is . No e er steht – u d da it a h la ger )eit ieder ei e reite Pu liku zugä gli h sei ird.
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fand sich Bulgarien mit der Hauptstadt Preslav auf dem kulturellen und machtpolitischen Höhepunkt, dem «Goldenen Zeitalter» – und Simeon versuchte sogar, Anspruch auf den byzantinischen Kaiserthron zu erheben. Friedlichere Zeiten brachen mit Simeons Sohn Peter ). − an, der 927 die byzantinische Prinzessin Maria-Irene heiratete, Enkelin des byzantinischen Kaisers Romanos I. Lakapenos − . Von allen möglichen Ereignissen ist diese dynastische Verbindung der wahrscheinlichste Anlass, zu dem der kostbare Schmuck nach Preslav gelangt sein dürfte. Dennoch sicherte diese Heirat keinen dauerhaften Frieden, denn 971 eroberte und plünderte der byzantinische Kaiser Johannes ). Tzimiskes − Preslav, und bei diesem Ereignis dürfte der Zaren-Schatz versteckt worden sein. Obwohl sie auf einer Kette von )ndizien beruht, ist die Beweisführung dennoch so schlüssig, dass der Preslav-Schatz als das einzige materielle Zeugnis kaiserlicher Repräsentation in Form von Schmuckstücken aus dem byzantinischen Mittelalter gelten darf – umso bedeutsamer ist seine naturwissenschaftliche und kulturhistorische Erforschung, die am RGZM erfolgt und in einer Monographie zusammengeführt werden soll. Adresse der Autorinnen Dr. A tje Bossel a -Rui k ie u d Dr. Susa Römisch-Germanisches Zentralmuseum Lei iz-Fors hu gsi situt für Ar häologie Ernst-Ludwig-Platz 2 DMai z . za z- ai z.de/presla -s hatz
e Greif
Bildnachweis A . − : Foto S. Steidl / RG)M; Ar häologis hes Museu «Veliki Presla », Bulgarie . Literatur T. TOTEV, The Presla Treasure . A. BOSSELMANN-RUICKBIE, B za i is her S h u k des . is frühe . Jahrhu derts. U tersu hu ge zu etalle e dekorai e Körpers h u k der itel za i is he )eit a ha d daierter Fu de aus Bulgarie u d Grie he la d − . Das Epar he u h Leo s des Weise , Ei führu g, Ediio , Ü ersetzu g u d I di es o J. Koder , Kap. . , – .