Skip to main content

Walki Cover Stories 2023, German

Page 1

Walki Group Customer Magazine 2023

SYSTEMISCHE HERAUSFORDERUNGEN GEMEINSAM LÖSEN

Wachstum durch Win-Win Akquisitionen Investieren in eine faserbasierte Zukunft Unterwegs mit nachhaltigen Verpackungen EINE NEUE LÖSUNG DURCH ZUSAMMENARBEIT • WENIGER CO 2 BEIM BAUEN


2

COVER STORIES 2023

20 NACHHALTIGES BACKEN

Walki hat Verpackungen auf Kartonbasis für Kekse und Donuts entwickelt.

10 POD VERPACKUNG REDESIGNED Walki hat eine faserbasierte Verpackung für Waschmittelpods entwickelt.

14 ZUSAMMEN INNOVATIV

Walki und Rovema entwickelten gemeinsam ein neues Konzept für Euroloch-Beutel.

INHALT

16 ZUKUNFTSINVESTITION Walki hat eine hochmoderne Produktionslinie eingeweiht.

4

Auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten

6 8

Gemeinsam stark Nachhaltigkeit auf der Tagesordnung

9 Den Wandel gestalten 10 Saubere Verpackung für Waschmitteltabs

11 Nahe dran am Kunden 11 Was gibt's Neues bei Nachhaltigkeit?

12 Verpackungen für den Außer-Haus-Verzehr

WALKI COVER STORIES 2023


LEITARTIKEL

3

Mehr Zusammenarbeit wagen

14 Teamarbeit für neue

Verpackungskonzepte

15 Eine nachhaltige Box für Tulpen

16 Ein völlig anderes Geschäft

18 Besser Bauen

mit nachhaltigen Membranen

19 Jeden Tag

ein Stück besser

20 Verpackungen für Kekse und Donuts

21 Was gibt’s Neues bei Belcoat?

22 Zu Hause angekommen

Der vergangene Sommer war der heißeste seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen im Jahr 1880. Weltweit brachen die Durchschnittstemperaturen eine Reihe von Rekorden und signalisierten uns allen, dass die Zeit für eine Trendwende bei der globalen Erwärmung knapp wird. Erfreulicherweise wächst das Bewusstsein für die Dringlichkeit des Problems bei verschiedenen Akteuren, von politischen Entscheidungsträgern und Unternehmen bis hin zu Markenartiklern, Einzelhändlern und Verbrauchern. Es gibt verschiedenste Initiativen und Regierungen sind damit beschäftigt, Gesetze und Verordnungen zu verabschieden, um unseren Planeten auf einen besseren Weg zu bringen. Walki hat das klare Ziel, den Wandel zu einer kreislauforientierten, ressourceneffizienten und kohlenstoffarmen Zukunft zu beschleunigen. Im Laufe dieses Jahres haben wir unsere Nachhaltigkeitsagenda weiter präzisiert und nun auch den verantwortungsvollen Umgang mit Rohstoffen und die Verringerung von Treibhausgasemissionen mit aufgenommen. Obwohl wir uns ständig fragen wie wir zur Lösung der weltweiten Herausforderungen beitragen können, dürfen wir uns nicht nur auf unsere eigenen Aktivitäten konzentrieren. In dieser komplexen Welt müssen wir auch immer ein Auge darauf haben was andere tun. Denn die große Herausforderung des Klimawandels besteht darin, dass er systemischer Natur ist. Die verschiedenen Möglichkeiten, diese Herausforderung anzugehen, können zu Kaskadeneffekten führen, bei denen die Lösung eines Problems negative Auswirkungen auf andere Aspekte haben kann. Wie im Interview mit dem finnischen Innovationsfonds Sitra zu lesen, ist vor allem die Zusammenarbeit der Schlüssel zur Lösung komplexer Probleme. Bei Walki stand die Zusammenarbeit schon immer im Mittelpunkt unseres Handelns. Wir sind stets bestrebt die Herausforderungen unserer Kunden durch ein kooperatives und konstruktives Miteinander zu lösen. Auf Sei-

te 14 können Sie über unsere erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Verpackungsmaschinenhersteller Rovema lesen, die zu einem ganz speziellen Papierbeutel geführt hat, der Markenartiklern den Übergang von Kunststoff zu papierbasierten Lösungen erleichtern wird. Aus zwei Gründen glauben wir fest an eine Zukunft von faserbasierten Materialien: Zum einem sind es unsere Rohstoffe Papier und Karton, denn diese verursachen im Vergleich zu vielen anderen Materialien einen wesentlich geringeren Kohlenstoff-Fußabdruck, da sie aus erneuerbaren Quellen stammen. Der zweite Grund ist das Recycling: Die Verwertungsströme für Faserstoffe sind die am weitesten entwickelten aller Recyclingströme überhaupt, denn bis zu 75 % dieser Materialien werden in Europa in den Kreislauf zurückgeführt. Doch für bestimmte Anwendungen reichen Papier und Karton allein nicht aus, denn häufig sind Kunststoffe unverzichtbar, um bestimmte Lebensmittel frisch zu halten. Deshalb kamen Ende letzten Jahres drei neue Unternehmen zu Walki hinzu: Westpak, Flexipack und Folian. Alle drei verfügen über langjährige Erfahrung in der Herstellung von Lebensmittelverpackungen aus Kunststoffen. One Equity Partners, ein Private-EquityUnternehmen mit Schwerpunkt auf Industrie-, Gesundheits- und Technologiesektoren in Nordamerika und Europa, übernahm Walki im Jahr 2018. Unter der Führung von One Equity Partner ist Walki beträchtlich gewachsen und hat einen enormen Wandel vollzogen. Kurz vor Druck dieses Magazins haben wir bekannt gegeben, dass Walki zukünftig Teil der Oji Group sein wird, einem japanischen Technologieunternehmen für Papierprodukte. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit der Oji Group den nächsten Schritt auf unserer Reise zur Transformation von Materialien in eine kreislauforientierte Zukunft zu gehen.

Leif Frilund CEO

COVER STORIES Herausgeber Leif Frilund Chefredakteurin Marina Kurula Redaktionsleitung Annika Sundell, Pauliina Saari, Kari Salminen, Marko Siltala, Andres Rothschink, Nikolaus Wolfram Redaktioneller Inhalt und Layout Oddly Oy Titelbild iStock Druck Grano 2023 Änderung der Adresse www.walki.com/coverstories/contacts WALKI COVER STORIES 2023


4

WELT

Gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten Klimawandel und Erhalt der Biodiversität sind systemische Herausforderungen. Aber was heißt das genau und was können wir gemeinsam tun?

Text Lena Barner-Rasmussen Foto Walki

N

ach einem weiteren Sommer in dem neue Hitzerekorde gebrochen wurden, ist es offensichtlicher denn je, dass die Welt ihre Anstrengungen zur Bekämpfung des Klimawandels und zum Schutz der Artenvielfalt verstärken muss. Das Bewusstsein für Veränderungen ist in den letzten Jahren bei Verbrauchern, Unternehmern und Politikern gleichermaßen stark gewachsen und es wird bereits viel für einen nachhaltigeren Planeten getan. Diese globalen Herausforderungen werden in internationalen Foren wie den UN-Konferenzen erörtert und Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt erlassen Gesetze und legen Richtlinien fest, um die Aktivitäten von Unternehmen und Verbrauchern in Richtung nachhaltigen Handelns zu lenken. Firmen in verschiedensten Branchen bemühen sich, ihre Betriebe zu dekarbonisieren und nachhaltige Produkte anzubieten. In dem Maße, in dem Unternehmen auf der ganzen Welt ihre Bemühungen um Nachhaltigkeit verstärken, hat sich ein Aspekt herauskristallisiert: Wenn wir eine komplexe und systemische Herausforderung wie den Klimawandel bewältigen wollen, müssen wir zusammenarbeiten. Dieses Wort – systemisch – ist in letzter Zeit zu einem Schlagwort in der Diskussion über die Eindämmung von Emissionen und die Förderung des globalen Wandels geworden. Aber was bedeutet es wirklich? Und welche Rolle spielt das einzelne Unternehmen in dieser gigantischen systemischen Herausforderung, die Welt in eine nachhaltige Richtung zu lenken, sowohl in ökologischer, finanzieller als auch in gesellschaftlicher Hinsicht? Die große Frage ist, wie man die verschiedenen Nachhaltigkeitsagenden in einen kohärenten, globalen Aktionsplan einbinden kann, der den Wandel wirklich vorantreibt.

Systemisches Denken seit 1970

Donella Meadows gilt weitgehend als Mutter des systemischen Denkens. Im Jahr 1970 schrieb sie ihren Bestseller „Thinking in Systems“, in dem sie erklärt, wie das Systemdenken uns helfen kann zu verstehen, wie Dinge funktionieren, deren Ursachen zu identifizieren, zu lernen wie verschiedene Parameter miteinander interagieren und letztendlich Chancen zu erkennen, um bessere Entscheidungen zu treffen. WALKI COVER STORIES 2023

Die Schlüsselfrage ist, was eine „gute Entscheidung“ tatsächlich ausmacht? Nun, das hängt weitgehend von dem Ziel oder dem Problem ab, das wir lösen wollen. Tim Forslund arbeitet als Spezialist für Kreislaufwirtschaft bei Sitra, einem Think-Tank des finnischen Staates. Dessen Ziel es ist, Studien und Forschungen durchzuführen und Partner aus verschiedenen Sektoren zusammenzubringen, um unvoreingenommen über Versuche und Reformen nachzudenken. Vor Sitra arbeitete er für die Ellen MacArthur Foundation, jene Organisation, die sich vielleicht am stärk­ sten für eine Kreislaufwirtschaft einsetzt, seit der Begriff von Walter R. Rahel geprägt wurde. Er trat bereits in den 70er Jahren für eine „Verlängerung der Lebensdauer von Gütern durch Wiederverwendung, Wiederbefüllung, Neuprogrammierung, Reparatur und Wiederaufbereitung“ ein. Forslund stimmt zu, dass der systemische Wandel zu einem Modewort geworden ist. Dennoch ist es ein ausgezeichneter Weg, um hochkomplexe Probleme wie den Klimawandel und die biologische Vielfalt anzugehen. „Beim Systemdenken geht es darum, die Grundursachen zu ermitteln, was sie antreibt, welche linearen Verbindungen bestehen, welche Art von Ketteneffekten entstehen und was die einschränkenden Faktoren sind“, erklärt er und fügt hinzu, dass es vielleicht am wichtigsten ist, positive Rückkopplungsschleifen innerhalb des Systems zu finden, um das zu schaffen, was Forslund als „double win“ bezeichnet.

Unternehmen spielen eine wichtige Rolle bei der Eindämmung von Emissionen, aber sie müssen den Spielregeln vertrauen können.


WELT „Wenn wir eine Kette von Maßnahmen entwickeln können, die sowohl die Emissionen senken als auch die biologische Vielfalt fördern, dann haben wir einen doppelten Gewinn. Aber zuerst sollten wir uns darauf einigen, was wirklich das zu lösende Problem ist.

Planetarische Grenzen Tim Forslund hat langjährige Erfahrung in der Kreislaufwirtschaft.

Der Kern der Kreislaufwirtschaft besteht darin, innerhalb der planetarischen Grenzen zu arbeiten, d. h. der Schwellenwerte, innerhalb derer die Menschheit über Generationen hinweg überleben und gedeihen kann. Es wurden neun Bereiche definiert, wie Klimawandel, Verlust der biologischen Vielfalt, Süßwassernutzung, Ozonschicht und Atmosphäre, aber die beiden größten Probleme bleiben definitiv der Klimawandel und der Verlust der biologischen Vielfalt. Sie sind auch die am schwierigsten zu lösenden Probleme. Das Ozonproblem war einfacher zu definieren und anzugehen, da es viel weniger Unternehmen betraf und die Umstellung auf Ersatzstoffe das eigentliche Geschäft nicht gefährdete. Die Dekarbonisierung der Welt wird unweigerlich dazu führen, dass bestimmte Industriezweige, von denen teils ganze Länder stark abhängig sind, komplett umstellen oder aufgeben müssen. Während viele Unternehmen die Verringerung der Kohlenstoffemissionen bereits in ihre Nachhaltigkeitsagenda und Geschäftsstrategien aufgenommen haben, ist der Weg dorthin deutlich schwieriger. Wenn es etwa um den Materialeinsatz in der Lebensmittel- oder Bauindustrie geht, muss man definieren, welche Parameter und Faktoren voneinander abhängen und wie sie sich nicht nur auf die Umwelt, sondern auch auf andere Systeme auswirken. „Das Wichtigste ist, herauszufinden, wie diese Faktoren miteinander verbunden sind und nebeneinander bestehen und wie wir sie auf ein gemeinsames Ziel ausrichten können. Für die Unternehmen bedeutet dies eine stärkere Zusammenarbeit, sowohl innerhalb der Wertschöpfungskette als auch mit anderen Unternehmen und sogar Wettbewerbern“, sagt Forslund. Wie können wir also die Agenden verschiedener Unter-

5

nehmen besser in ein kohärentes Konzept einbinden, das den Wandel vorantreibt? Zusammenarbeit ist hier der Schlüssel. Die Herausforderung besteht jedoch darin, dass einige Akteure widersprüchliche Absichten verfolgen und Ziele anstreben, die zwar zur Lösung eines Problems beitragen, aber in Wirklichkeit mehr Schaden für den Klimawandel anrichten können. Forslund erwähnt die Bemühungen um die Abschaffung von Kunststoffen: „Man kann zwar argumentieren, dass Kunststoffe nicht für Lebensmittelverpackungen verwendet werden sollen, was dann aber dazu führen kann, dass Lebensmittel schneller verderben und diese Abfälle wiederum einen großen Anteil an Emissionen verursachen.“ Man muss das zu lösende Hauptproblem immer im Auge behalten und herausfinden, was das eigene Unternehmen zusammen mit der gesamten Wertschöpfungskette dazu beiträgt.

Die Rolle der Regulierungsbehörden

Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass viele Investitionen, die Industriebetriebe zur Verringerung der Emissionen tätigen müssen, sehr teuer sind. Wenn sie also investieren, muss sichergestellt sein, dass sich die rechtlichen Rahmenbedingungen nicht kurzfristig ändern. „Die Unternehmen spielen eine wichtige Rolle bei der Verringerung der Emissionen, aber sie müssen sich auf vereinbarte Regeln verlassen können. Hier kommen der Gesetzgeber und die Behörden ins Spiel“, sagt Forslund. Wichtiger als die Festlegung numerischer Ziele für die Nachhaltigkeit ist es vielmehr, sich einen Fahrplan zu überlegen. „Wenn es darum geht, eine Kreislaufwirtschaft zu erreichen, haben weltweit nur 40 Länder einen klaren Fahrplan“, sagt Forslund und fügt hinzu, dass Finnland, mit Sitra als Initiator, das erste Land war, das einen solchen Plan entwickelt hat. Die Länder sollten ihre Konzepte aber auch miteinander verknüpfen: Der Klimawandel und der Verlust der biologischen Vielfalt sind globale Probleme, die nur gelöst werden können, wenn man systemisch denkt. Es gibt auch konkrete Herausforderungen: Viele Länder in Europa sind allein zu klein, um die Kreislaufwirtschaft für bestimmte Materialien zu erreichen. Sie sollten sich auf die Zusammenarbeit mit anderen Nationen konzentrieren, etwa bei der Verwendung von Sekundärkunststoffen oder Textilien. Letztlich erweist sich die Zusammenarbeit als der Schlüssel zur Lösung der systemischen Herausforderungen, mit denen wir im Zusammenhang mit dem Klimawandel und dem Verlust der biologischen Vielfalt konfrontiert sind. Auch wenn man meinen könnte, dass es nicht darauf ankommt, was ich als Einzelner tue, ist es doch wichtig einen Teil dazu beizutragen. Was die Kreislaufwirtschaft anbelangt, so gibt es viele Lösungen, wie etwa das Recycling von Fasermaterialien. Aber wir werden die Kreislaufwirtschaft nicht erreichen, wenn die Verbraucher die wiederverwertbaren Materialien nicht sortieren. Donella Meadows vertrat die Ansicht, dass die Änderung von Denkweisen und Paradigmen der wichtigste Teil bei jedem systemischen Problem ist, da sie unser Verhalten steuern. Ein Wandel beginnt mit einer Verhaltensänderung – das gilt für jede systemische Herausforderung. WALKI COVER STORIES 2023


6

WALKI

Gemeinsam stark

Drei Unternehmen haben sich vor kurzem der Walki-Familie angeschlossen, um gemeinsam erfolgreich zu sein. Text Lena Barner-Rasmussen Foto Walki

W

enn Sie in einem nordischen Land leben, finden Sie in Ihrem Kühlschrank mit Sicherheit eine Verpackung von Westpak oder Flexipack. Beide finnischen Unternehmen liefern seit Jahrzehnten flexible Verpackungslösungen an führende nordische Lebensmittelhersteller und sorgen dafür, dass alles, von Fleischprodukten wie Schinken und Hähnchen, bis hin zu Käse und Tiefkühlkost frisch bleibt. Die beiden Unternehmen haben bereits eng zusammengearbeitet, da Flexipack Westpak mit Barrierefolien beliefert hat. Im August 2022 erwarb Walki diese „integrierte Wertschöpfungskette“ und kommt so näher an den Endverbraucher heran. Es gibt zwei wesentliche Gründe, warum die Nähe zum Konsumenten sinnvoll ist: da ist vor allem der große Schub für die Produktentwicklung. „Walki hat schon immer eine starke Innovationskultur gehabt. Wenn man mehr Zugang zu den Endverbrauchern hat, ist es noch einfacher, Verbrauchertrends zu erkennen und die Bedürfnisse der Kunden genau zu verstehen“, sagt Stefan Söderlund, der Flexipack zusammen mit seinem Vater Sven Söderlund gegründet hat. Der zweite Grund hat mit der Liefersicherheit zu tun. Die Welt nach der Pandemie, die von geopolitischen Spannungen und einem Krieg in der Ukraine geprägt ist, hat gezeigt wie fragil komplexe Lieferketten sind. „Die gesamte Lieferkette im Haus zu haben, bedeutet sichere Lieferungen“, sagt Söderlund. Flexipack stellt Kunststofffolien her und liefert sowohl an Verarbeiter wie Westpak wie auch direkt an Markeninhaber. Flexipack ist auf Barrierefolien spezialisiert, die das Lebensmittel vor dem Ein- oder Austritt von Gasen schützen. Das Unternehmen war einer der Pioniere in Finnland bei der Herstellung von EVOH-Folien, die üblicherweise zum Schutz eines Produkts in einem hermetisch verschlossenen Beutel verwendet werden und verhindern, dass z.B. Sauerstoff durch die Verpackung wandert. Mit ihrer 50-jährigen Erfahrung in der Entwicklung von Folien ist Flexipack auch führend in der Herstellung von leicht zu recycelnden Monofolien, die neben Lebensmitteln auch bei Industrieverpackungen zum Einsatz kommen. WALKI COVER STORIES 2023

„Unser Mantra war schon immer: Weniger ist mehr. Wir optimieren den Materialeinsatz, um so dünne Folien wie möglich herzustellen“, sagt Söderlund.

Agilität ist Trumpf

Westpak wurde 2008 in Finnland gegründet und hat sich schnell einen Namen für die Herstellung hochwertiger Flexodruckprodukte gemacht, und tatsächlich wurden die Flexodruckmöglichkeiten von Westpak mehrfach ausgezeichnet. Auch wird geschätzt, dass Westpak kurzfristig kleine Chargen herstellen kann. Das ist wichtig für bestimmte Kunden, die auf die Entscheidungen von Supermärkten und anderen Einzelhändlern reagieren müssen, wenn es darum geht, schnell eine Kampagne durchzuführen. Manchmal kann ein Tiktok-Video eine Nachfragespitze auslösen, auf die der Einzelhandel reagieren muss. In diesen Fällen ist Geschwindigkeit entscheidend. „Wir müssen sehr schnell auf diese Anforderungen reagieren. Da wir eine HP Indigo 2000 Digitaldruckmaschine haben, benötigen wir keine Druckplatten und können so sehr kleine Chargen herstellen“, erklärt CEO Jonas Skuthälla. Die Möglichkeit kleine Losgrößen zu produzieren, ermöglicht es Westpak auf einen anderen wachsenden Trend zu reagieren: personalisierte Verpackungen. „Dank unserer Fähigkeit variable Drucke zu erstellen, können wir individualisierte Verpackungen mit verschiedenen Namen darauf herstellen. Es war schon immer ein wichtiger Teil unserer DNA, serviceorientiert zu sein, deshalb wollen wir unseren Kunden genau das geben, was sie wollen“, sagt Skuthälla.

Von einem Familienunternehmen zum nächsten

Das Familienunternehmen Folian aus Stralsund, Deutschland, das zukunftsweisende Verpackungslösungen für die Lebensmittelindustrie herstellt, erregte die Aufmerksamkeit von Walki und im November 2022 wurde die Übernahme der Folian GmbH bekannt gegeben. Manuela und Stefan Muschter gründeten Folian im Jahr 1999 und seitdem fertigt das Unternehmen innovative, flexible Verpackungen. Mit der Übernahme von Folian hat Walki ein weiteres Standbein in Deutschland, neben dem bisherigen Werk in Steinfurt.


WALKI

Folian bietet seit 1999 flexible Verpackungen an.

Außer der Produktion der Verpackung, ist für Folian auch der ökologische Aspekt wichtig. „Seit 2015 verwenden wir Druckfarben auf Wasserbasis und haben auch schon früh damit begonnen, unseren Carbon Footprint zu berechnen“, sagt Stefan Muschter. Darüber hinaus hält sich das Unternehmen an die UN-Nachhaltigkeitsziele. Nachdem das Ehepaar gemeinsam ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hat, wollte es den Erfolg von Folian auch nach der Pensionierung sichern. Der Verkauf an Walki war eine Lösung, mit der sich beide wohlfühlen. „Ich konnte spüren, dass es Walki ernst damit war, Folian weiterzuentwickeln und seine Präsenz auf dem deutschen Markt zu stärken. Da das Walki-Werk in Steinfurt die Verarbeiter beliefert, ist es sinnvoll, dass wir näher an den deutschen Verbrauchern sind. Wir ergänzen Walki in Deutschland auf ideale Weise“, ergänzt Stefan Muschter, der auch die Kultur bei Walki schätzt: „Ich habe das Management schon auf Messen getroffen und hatte vom Walki-Team von Anfang an einen sehr positiven Eindruck“.

Jede Menge Vorteile

Durch den Beitritt zur Walki-Familie erhalten Flexipack, Westpak und Folian nicht nur Zugang zu neuen Märkten und Kunden, sondern partizipieren auch von den Vorteilen eines größeren Unternehmens.

7

Ein besserer Zugang zu den Konsumenten macht es einfacher Verbrauchertrends zu erkennen.

„Wir haben nun erheblich mehr Ressourcen, die uns helfen werden unsere Kunden noch besser zu bedienen“, sagt Söderlund von Flexipack. Skuthälla stimmt dem zu: „Wir schätzen den starken Fokus von Walki auf der Produktentwicklung und freuen uns darauf, gemeinsam neue Lösungen zu erforschen. Wir stehen in engem Dialog mit den Endkunden, und angesichts der strengeren Anforderungen an das Recycling bin ich der Meinung, dass wir eine Menge zu bieten haben, wenn es darum geht, Innovationen zu entwickeln, die das starke Know-how von Walki im Bereich der faserbasierten Verpackungen ergänzen“, so Skuthälla. Söderlund, Skuthälla und Muschter sind sich einig, dass Kunststoff auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil von Verpackungslösungen sein wird. Der Schlüssel liegt darin, sie recycelbar zu machen. Während Post-Consumer-Kunststoffe aus Sicherheitsgründen nicht für Lebensmittelverpackungen verwendet werden können, gibt es andere Anwendungen, die aus recycelten Kunststoffen hergestellt werden können. „Die meisten unserer Kunststoffe landen als Einkaufstüten in Supermärkten“, sagt Söderlund. Die Suche nach Möglichkeiten, den Kreislauf weiter zu schließen, wird für diese Unternehmen als Teil der WalkiFamilie erkennbar einfacher werden. WALKI COVER STORIES 2023


8

WALKI

Nachhaltigkeit auf der Tagesordnung Da die Welt kurz davorsteht, das entscheidende 1,5-Grad-Ziel zu überschreiten, hat Walki seine Nachhaltigkeitsagenda angepasst. Sie beruht auf drei Säulen. Text Lena Barner-Rasmussen Foto Walki

D

as Ziel, dass bis 2030 alle nicht dauerhaften Produkte entweder recycelbar oder kompostierbar sein sollen, steht nach wie vor auf der Tagesordnung. Dieses Ziel wird durch die Einführung innovativer Lösungen in Verbindung mit strategischen Investitionen und einer engen Zusammenarbeit mit Kunden, Partnern und Lieferanten erreicht. Walki legt Wert darauf, wann immer möglich, Materialien aus erneuerbaren Quellen oder recycelten Materialien zu verwenden. Bei der Beschaffung von Papier und Karton ist es das Ziel nur PEFC- oder FSC-zertifizierte Materialien aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern zu verwenden. Auch wenn das Ziel ist, den Einsatz von faserbasierten Materialien in den Fällen zu erhöhen, in denen dies unter Berücksichtigung des gesamten Lebenszyklus die nachhaltigste Option ist, erfordern viele Anwendungen, wie z. B. anspruchsvolle Lebensmittelverpackungen, den Einsatz von Kunststoffen. In diesen Fällen ist der Ansatz von Walki, nicht recyclingfähige Multi-Kunststofflaminate, durch kreislauffähige Monomaterial-Kunststoffe zu ersetzen. Auch bei der Beschaffung von Kunststoffen achtet Walki auf Nachhaltigkeit. Mechanisch recycelte Kunststoffe können zwar nicht ohne weiteres für Lebensmittelverpackungen verwendet werden, wohl aber für viele andere Anwendungen. Derzeit ist die Menge an hochwertigem Recyclingkunststoff begrenzt, aber die Recyclingtechnologien entwickeln sich ständig weiter. Walki ist außerdem bestrebt, Kunststoffe aus erneuerbaren Quellen und natürlichen Biopolymeren zu verwenden, wann immer dies ohne Beeinträchtigung der Funktionalität des Produkts möglich ist. Walki hat sich zum Ziel gesetzt, die TreibhausgasemisWALKI COVER STORIES 2023

„Zero-Waste“ Zukunft Alle unsere Produkte werden bis 2030 recyclingfähig und/oder kompostierbar sein.

Rohstoffe aus verantwortungsvollen Quellen Wir bevorzugen den Einsatz von rezyklierten und/oder nachwachsenden Rohstoffen.

Reduzierung der Treibhaus­ gas­emissionen Der Ausstoß von Treibhausgasen wird bis 2030 um 50% reduziert im Vergleich zu 2021.

sionen im Vergleich zum Jahr 2021 um 50 % zu reduzieren. Dafür wurden in den letzten Jahren mehrere Verbesserungen vorgenommen, um die Energieeffizienz der Anlagen und Betriebe zu steigern. Was die so genannten Scope-3-Emissionen betrifft, so wird die gesamte Wertschöpfungskette unter die Lupe genommen, um auch die Emissionen zu erfassen, die nicht vom Unternehmen selbst, sondern von Zulieferern verursacht werden.


MITARBEITER

9

Den Wandel gestalten Es liegt auf den Schultern von Pauliina Saari, die Nachhaltigkeitsagenda von Walki gemeinsam mit der WalkiOrganisation, den Kunden und anderen Partnern in der gesamten Wertschöpfungskette voranzutreiben. Die Welt auf einen nachhaltigen Weg zu bringen kann aus ihrer Sicht nur in der Zusammenarbeit aller Beteiligten gelingen. Text Lena Barner-Rasmussen Foto Walki

Sie haben im Februar dieses Jahres bei Walki angefangen. Worin genau besteht Ihre Aufgabe? Die Rolle von Walki besteht darin, in dieser komplexen Gleichung aus Bekämpfung des Klimawandels und Erhalt der biologischen Vielfalt, Materialien für eine kreislauffähige Zukunft zu entwickeln, die dann wiederum zu einer nachhaltigeren Gesellschaft führen. Unsere Arbeit stützt sich auf drei Säulen: Erstens wollen wir sicherstellen, dass die von uns verwendeten Rohstoffe aus verantwortungsvollen Quellen stammen. Zweitens wollen wir nicht nur unsere eigenen Treibhausgasemissionen minimieren, sondern auch sicherstellen, dass unsere gesamte Wertschöpfungskette das gleiche Ziel verfolgt. Und letztlich werden wir natürlich weiter auf unser Ziel hinarbeiten, bis 2030 alle unsere Produkte recycelbar und/oder kompostierbar zu machen. Meine Aufgabe ist es, die Walki-Organisation dabei zu unterstützen, einen noch systematischeren und ehrgeizigeren Ansatz zur Nachhaltigkeit zu verfolgen. Sie verfügen über langjährige Erfahrung im Bereich der Nachhaltigkeit, da Sie zuvor in der Wissenschaft und als Nachhaltigkeitsberaterin tätig waren. Worin sehen Sie Ihre oberste Priorität bei Walki? Ich bin zu Walki gekommen, weil ich von der Art und Weise beeindruckt war, wie Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie eingebettet ist. Da die Herausforderungen, mit denen die Welt zu kämpfen hat – Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt und Verknappung der Ressourcen – systemischer Natur sind, kann niemand isoliert handeln. Wir müssen wirklich zusammenarbeiten. Eine meiner obersten Prioritäten ist deshalb die Intensivierung der Zusammenarbeit sowohl innerhalb von Walki als auch extern mit unseren Partnern in der Lieferkette, den Kunden, der Wissenschaft und der Startup-Welt. Zusammenarbeit ist der Schlüssel zur Bewältigung dieser systemischen Herausforderungen.

Welche Rolle spielt die Gesetzgebung in dieser Gleichung? Ich sehe in der Regulierung ein wichtiges Mittel, um sicherzustellen, dass alle an einem Strang ziehen. So ist beispielsweise die EU-Berichtspflicht für Scope-3-Emissionen im Rahmen der unternehmerischen Nachhaltigkeit ein Weg, um sicherzustellen, dass die Unternehmen die Emissionen in ihrer gesamten Wertschöpfungskette genau im Auge behalten. Da Scope-3-Emissionen auch Partner in der Wertschöpfungskette außerhalb Europas einbeziehen, hat sie eine große Reichweite. Außerdem bietet die Regulierung den Rahmen, Unternehmen zu ermutigen, langfristige Investitionen für nachhaltige Lösungen zu tätigen.

Pauliina Saari verfügt über eine langjährige Erfahrung im Bereich der Nachhaltigkeit.

Wer sitzt am Steuer, wenn es darum geht einen Wandel herbeizuführen? Natürlich wir alle! Unternehmen, Händler und Verbraucher. Wir bei Walki wollen der Vorreiter sein, an den sich unsere Kunden wenden können, wenn es um nachhaltige Materialien geht. Und dann liegt es an uns allen, dafür zu sorgen, dass wir uns entsprechend verhalten und z. B. unseren Müll richtig trennen und nicht mehr kaufen als wir wirklich brauchen.

Meine oberste Priorität ist es, die Zusammenarbeit sowohl innerhalb von Walki als auch extern mit unseren Partnern zu intensivieren.

WALKI COVER STORIES 2023


10

LÖSUNG

Saubere Verpackung für Waschmitteltabs Wir alle lieben die praktischen Tabs für die Geschirrspül- und Waschmaschine. Und jetzt gibt es diese funktionalen Helfer auch in Verpackungen auf Faserbasis. Text Isabelle Kliger Foto Walki

D

ie für Wasch- und Geschirrspülmaschinen verwendeten Tabs wurden bisher in Kunststoff verpackt – als flexible Beutel oder Boxen aus Hartplastik. Das ändert sich jetzt, denn Walki hat extrusionsbeschichtete PE-Papierliner entwickelt, die es den Herstellern von Waschtabs ermöglichen, von Kunststoff auf faserbasierte Verpackungen umzusteigen. Diese Kartonschachteln können im Papierstrom recycelt werden anstatt zur wachsenden Menge an Kunststoffabfällen auf Deponien und in Meeren beizutragen.

Wachsender Markt für Waschtabs

Welchen Einfluss kann die Umstellung von Kunststoff- auf Papierverpackungen haben? In Anbetracht der Wachstumsrate des Marktes für Geschirrspültabs lautet die Antwort: einen ganz erheblichen! Laut Allied Market Research wurde der Weltmarkt für Tabs im Jahr 2018 auf 596 Mio. USD geschätzt und wird bis 2026 voraussichtlich 990 Mio. USD erreichen, wobei im Prognosezeitraum eine jährliche Wachstumsrate von 6,8 % angenommen wird. Mit der steigenden Nachfrage nach Waschtabs steigt auch der Wunsch der Verbraucher nach nachhaltigen Verpackungen. Laut einer Studie über europäische Verpackungspräferenzen, die von Two Sides, einer gemeinnützigen, globalen Initiative zur Förderung nachhaltiger Druck-, Papier- und Verpackungslösungen, und dem unabhängigen Forschungsunternehmen Toluna durchgeführt wurde, halten 74 % der europäischen Verbraucher umweltfreundliche Verpackungen für wichtig. Mehrere Studien zeigen gar, dass die Verbraucher Verpackungen auf Faserbasis gegenüber Kunststoffen eindeutig bevorzugen. Einem Verbraucherbericht von WALKI COVER STORIES 2023

Drapers Bespoke Research zufolge haben bereits 64 % der Verbraucher eine bewusste Entscheidung für mehr Nachhaltigkeit getroffen. „Mit unseren neuen Lösungen sprechen die Hersteller eine wachsende Zahl von Verbrauchern an, die beim Einkaufen plastikfreie Alternativen wünschen – vor allem junge Menschen“, erklärt Elke Wolf, Walkis Verkaufsleiterin für Barrier Lining & Ream Wrapping in Steinfurt, Deutschland. „Der barrierebeschichtete Liner von Walki ermöglicht eine zu 95 % plastikfreie Verpackung und entspricht damit den aktuellen EU-Recyclingvorschriften“, so Wolf weiter. Da Waschmitteltabs vor Feuchtigkeit und Wasser geschützt werden müssen, nimmt die Lösung von Walki zum einen überschüssige Feuchtigkeit aus dem Innern auf und bietet zum andern auch eine Schutzbarriere gegen Feuchtigkeit und Wasser von außen. Ohne die Barriereschicht wäre der Umstieg von Kunststoff- auf Papierverpackungen so nicht möglich“, erklärt Heinrich Austerhoff, Key Account Manager bei Walki. „Diese Schutzfunktion ist das wichtigste Kriterium, das von den Verpackungsherstellern gefordert wird, da zu viel Feuchtigkeit die Well- oder Vollpappkartons zerstört. Sie ist ein Muss beim Transport, dem Vertrieb und der Lagerung und bietet außerdem zusätzliche Sicherheit“, kommentiert Wolf. „Wenn ein Tab in der Schachtel kaputt geht und Reiniger austritt, sorgt die Barriereauskleidung dafür, dass die Flüssigkeit nicht ausläuft“, so Austerhoff. Walkis Lösungen für Waschmitteltabs-Verpackungen sind sowohl für Wellpappe als auch für Vollpappe erhältlich und werden als Walki®Line Aqua, Walki®Line Solid, Hydraplex™ und Reelplex™ vermarktet.

Walkis Verpackungen für Waschtabs können im Papierstrom recycelt werden.


MITARBEITER

11

Nahe dran am Kunden

Die neue Anlage in Wroclaw ermöglicht es Walki, eine breite Palette von Barrierekartonprodukten an wichtige Kunden in Osteuropa zu liefern.

„B

Text Isabelle Kliger Foto Walki

ei Walki hat die geografische Nähe zu unseren wichtigsten Kunden hohe Priorität. Deshalb haben wir die Gelegenheit genutzt, unsere Barrierekartonprodukte für den schnell wachsenden polnischen und osteuropäischen Markt noch besser zugänglich zu machen“, sagt Matthias Zimmermann, Business Line Manager Barrier Board bei Walki. Die neue Anlage, die im Herbst im Walki-Werk in Wrocław, Polen, in Betrieb genommen wurde, hat eine Produktionskapazität von bis zu 30.000 Tonnen pro Jahr. Bei einer maximalen Breite von 2,3 Metern schneidet sie Material mit einer Grammatur von 80 g/m² bis 600 g/m².

Barrierekarton in Polen und Osteuropa

Bisher hat Walki in Wrocław flexible Verpackungen und kartonbasierte Produkte in Rollen hergestellt. Künftig wird die neue Anlage nicht nur Kunden in Polen und Osteuropa mit formatgeschnittenem Barrierekarton beliefern, sondern wird auch ein wichtiges Back-up sein für Walkis Hauptwerk in Steinfurt, Deutschland. „Polen ist für uns ein sehr vielversprechender Markt“, sagt Zimmermann. „Die Nachfrage nach beschichtetem Karton steigt, vor allem bei den Herstellern von

Verpackungen für Tiefkühlkost, gekühlten Lebensmitteln, Waschmittel und Food-togo.“ Es gibt zwei Hauptgründe für die steigende Nachfrage nach Walkis kartonbasierten Produkten in Polen und Osteuropa. Zum einen das anhaltend schnelle Wachstum des Verpackungsmarktes und zum andern das steigende Interesse an nachhaltigen Lösungen in diesen Ländern. „Walki wird als eines der innovativsten Unternehmen in unserem Segment angesehen. Vor allem wenn es darum geht, Produkte zu liefern die in puncto Nachhaltigkeit führend sind, sind wir besser als viele unsere Marktbegleiter“, sagt Zimmermann. Walki®Pack ist ein Sortiment von Barrierekartons für den Faltschachtelmarkt. Barrierekarton reduziert den Bedarf an zusätzlichen Innenbeuteln für Lebensmittel, da der direkte Kontakt zum Füllgut möglich ist und verringert so die Menge der insgesamt verwendeten Verpackungen. Jedes Produkt der Walki®Pack Familie ist auf die spezifischen Anforderungen des Kunden abgestimmt, um es so effizient und nachhaltig wie möglich zu machen. Zu den wichtigsten Walki-Produkten, die auf dem neuen Querschneider in Wrocław hergestellt werden, gehören Walki®Pack Chill & Frost, Walki®Pack D und Walki®Cup. Geografische Nähe zu den wichtigsten Kunden hat für Walki hohe Priorität.

Die Nachfrage nach Barrierekarton steigt kontinuierlich.

Was gibt's Neues bei Nachhaltigkeit? Isabel Blomqvist arbeitet als Koordinatorin für Nachhaltigkeit und Marketing am Hauptsitz von Walki in Espoo, Finnland. Mit einem Abschluss in Marketing und einem Zusatzstudium in Kreislaufwirtschaft hat sie das Gefühl, dass ihre Stelle bei Walki wie für sie gemacht ist. ? Sie sind seit einem Jahr Koordinatorin für Nachhaltigkeit und Marketing. Was waren bisher Ihre Hauptaufgaben? Als Teil des Nachhaltigkeitsteams habe ich an etlichen Projekten mitgewirkt, wie der Nachhaltigkeitsagenda und dem CSR-Bericht. Die Zusammenstellung der Scope 1-3 Daten für die Projekte war eine große Aufgabe, da es das Sammeln der Daten wie auch die Berechnungen beinhaltete. Ferner habe ich an Messen teilgenommen und Employer Branding betrieben. ? Walki ist Ihre erste Vollzeitanstellung nach dem Studium. Was hat Ihr Interesse an dem Unternehmen geweckt? Die Kreislaufwirtschaft fasziniert mich schon seit einigen Jahren und nach meinem Abschluss wollte ich mehr über Nachhaltigkeit erfahren. Da ich zu dieser Zeit in den Niederlanden lebte belegte ich zusätzliche Online-Kurse an einer holländischen Universität. Danach schaute ich mir Branchen an, in denen Kreislaufwirtschaft ein zentraler Bestandteil der Strategie ist. Dabei bin ich auf die Verpackungsindustrie und auf Walki gestoßen, die einen Projektkoordinator für die Sustainability Agenda suchten. ? Wie ist es heute – erfüllt der Job Ihre Erwartungen? Auf jeden Fall! Meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Ich glaube wirklich, dass ich etwas bewirken kann, nicht nur innerhalb des Unternehmens, sondern auch bei der Schaffung einer nachhaltigeren Zukunft.

WALKI COVER STORIES 2023


12

LÖSUNG

Verpackungen für den Außer-Haus-Verzehr

Essen zum Mitnehmen ist meist die Rettung an einem stressigen Tag. Walki hat mehrere nachhaltige Lösungen für den Markt des informellen Essens unterwegs. Text Lena Barner-Rasmussen Foto Walki & iStock

O

bwohl der Trend unterwegs zu essen, im Vergleich zu den Spitzenjahren der Pandemie etwas nachgelassen hat, ist dies immer noch ein schnell wachsender Markt. „Informelles Essen im Freien“ lässt sich unterteilen in Essen, das wir an Ort und Stelle zu uns nehmen (typischerweise Fast Food) und Essen, das wir nicht vor Ort verzehren (Essen zum Mitnehmen oder Essen für unterwegs). Obwohl die Außer-Haus-Verpflegung nur 1 Prozent des gesamten Verpackungsabfalls in Europa ausmacht, sind dies immer noch etwa eine Million Tonnen Verpackungsmüll. Leider wird ein erstaunlich großer Teil dieses Abfalls nicht recycelt. Üblicherweise werden Verpackungen für diese Lebensmittel aus Materialien wie Kunststoff und Aluminium hergestellt. Da die Recyclingströme für diese Materialien weniger entwickelt sind, besteht die Gefahr, dass die Verpackungen auf den Straßen und in der Natur zurückbleiben anstatt gesammelt und recycelt zu werden.

Recyclingfähige Lösungen

Walki hat verschiedene Verpackungslösungen für den Unterwegsverzehr entwickelt, die in den vorhandenen Altpapierströmen recycelt werden können. So bietet die Beschichtung mit wasserbasierten Dispersionen die erforderlichen Eigenschaften für eine Vielzahl von Verpackungen, bei denen Lebensmittel in der Regel innerhalb von 15 Minuten nach dem Kauf gegessen werden. „Da Fast-Food in der Regel sofort verzehrt wird, ist eine hochwertige Barriere nicht erforderlich. Dennoch muss sichergestellt werden, dass das Fett von Pommes frites oder Hamburgern nicht durchsickert. Eine dünne Dispersionsbeschichtung bietet die erforderlichen Barriereeigenschaften für diese Art von Lebensmitteln“, erklärt Stefan Erdmann, Technical Service Manager Barrier Board. Walki hat sowohl eine Hamburger-Box als auch eine Pommes-Schale in seinem Produktportfolio von dispersionsbeschichteten Verpackungen. Fast-Food besteht aufgrund des gestiegenen Gesundheitsbewusstseins der Verbraucher zunehmend auch aus Salat. Diese Salatschüssel besteht aus zwei Teilen: einem Boden WALKI COVER STORIES 2023

und einer ihn umgebenden Seitenwand. Dieser Aufbau erfordert besondere Siegeleigenschaften des Materials. „Die Verwendung eines siegelfähigen Verpackungsmaterials ist die einzige Option, weshalb eine Salatschüssel nicht zu 100 Prozent aus Karton herzustellen ist“, erklärt Erdmann. Um die erforderlichen Siegeleigenschaften zu erreichen, kommt eine sehr dünne PE-Beschichtung zum Einsatz. Da das Produkt für braune Salatschalen zu mehr als 90 Prozent aus Fasern besteht, eignet es sich auch für das Recycling im Papierstrom. „Da die Lebensmittel kurz nach dem Kauf verzehrt werden, benötigen wir keine starke Barriere, so dass wir eine sehr dünne PE-Beschichtung verwenden können. Wir wollen die negativen Umwelteinflüsse des Basismaterials minimieren. Je natürlicher das Basismaterial ist, desto weniger belastet es die Umwelt“, sagt Matthias Zimmermann, Business Line Manager Barrier Board. Dank neuer Technologien wird die PE-Beschichtung immer dünner und Zimmermann und Erdmann erwarten, dass zukünftige Lösungen den Polymeranteil auf 3 Prozent senken werden. Die braun-braune Salatschüssel ist durchgehend ungebleicht, so dass die Verpackung nicht nur außen, sondern auch innen braun ist. “Braune Verpackungen sind ein Naturprodukt. Sie haben keine gestrichene Kartonoberseite, wie dies bei braun-weißem Material häufig der Fall ist“, erklärt Zimmermann. Die braune Salatschüssel eignet sich sowohl für den AußerHaus-Verzehr als auch zum Mitnehmen und sowohl Zimmermann als auch Erdmann sehen die Schüssel als eine hervorragende Lösung, obwohl die EUVerpackungsrichtline vorschreibt, dass für den Außer-Haus-Verzehr Einwegbesteck und -schüsseln durch wiederverwendbares Geschirr ersetzt werden müssen. „Die braun-braune Verpackungsvariante ersetzt Kunststoff als Hauptmaterial für verzehrfertige Salate. Papier ist derzeit der einzige Recyclingstrom, der wirklich gut funktioniert, denn mehr als 80 % des Papiers und

Auch Salat wird zunehmend zum Fast-Food.


LÖSUNG

13

Je natürlicher das Ausgangsmaterial ist, desto weniger belastet es die Umwelt.

der Pappe werden in Europa recycelt. Warum sollte man eine gut funktionierende Lösung zerstören?“, fragt Zimmermann. „Auch die Konsumenten scheinen Faserverpackungen zu bevorzugen“, sagt Erdmann und fügt hinzu, dass die Verbraucher zwar die Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen am stärksten vorantreiben, aber auch Einzelhändler wie Supermärkte und Restaurantketten eine wichtige Rolle spielen. Zimmermann weist ferner darauf hin, dass keine Verpackung von sich aus recycelt wird. „Wenn Verpackungen in der Natur verbleiben, ist das weitgehend ein Verhaltensproblem. Wir müssen die Verbraucher davon überzeugen, die Verpackungen in die Recyclingtonne zu werfen. Unsere Aufgabe bei Walki ist es, dafür zu sorgen, dass die Verpackungen leicht zu recyceln sind und es sinnvoll ist, Lösungen für einen gut etablierten Recyclingstrom wie Faserstoffe zu entwickeln.“

Verpackungen aus natürlichen Polymeren

Was ist, wenn die Verbraucher trotz leicht wiederverwertbarer Lösungen immer noch nicht recyceln? Eine Herausforderung beim Außer-Haus Konsum von Lebensmitteln besteht darin, dass die Verpackungen auf der Straße oder in der Natur zurückgelassen werden und schließlich ihren Weg in unsere Ozeane finden. „Die Recyclingquote für Fast-Food Verpackungen ist bedauerlicherweise niedrig“, sagt Mats Käldström, Manager Development and Innovationen bei Walki. Bei den unterwegs verzehrten Lebensmitteln handelt es sich in der Regel um Lebensmittel wie Hamburger, Pommes frites oder Salate mit öligen Dressings, die die Verpackun-

gen verunreinigen. Um für das Faserstoffrecycling geeignet zu sein, sollte die Verpackung gereinigt werden, was aber selten möglich ist, wenn man gerade unterwegs ist. Um eine Lösung für dieses Dilemma zu finden, hat Walki an einem Material auf Faserbasis gearbeitet, bei dem die Barrierebeschichtung aus natürlichen Polymeren besteht. Diese Biopolymere werden von lebenden Zellen produziert, sogenannten Polysaccharide wie Stärke und Zellulose. Diese sind im Gegensatz zu synthetischen Polymeren natürliche Polymere und von Natur aus biologisch abbaubar. Da die Beschichtungen in der Regel nicht sehr lange schützen, sind sie gerade für Lebensmittel geeignet, die unterwegs oder kurz nach dem Kauf verzehrt werden. „Die natürlichen Polymere schützen die Lebensmittel mehrere Stunden lang vor Fett und Wasser, was für Fast Food völlig ausreichend ist“, erklärt Käldström. Natürliche Polymere sind nicht umweltschädlich und bilden kein Mikroplastik. Da die Beschichtung aus natürlichen Polymeren besteht, fällt sie auch nicht unter die EU-Richtlinie über Einwegkunststoffe. „Natürlich sollten alle Verpackungen in die Recycling­ tonne geworfen werden, aber wir wissen, dass die Gefahr der Vermüllung bei Außer-Haus Produkten ziemlich groß ist. Es ist gut zu wissen, dass in den Fällen, in denen die Verpackungen auf der Straße oder in der Natur landen, sie schließlich biologisch abgebaut werden. Das ist der Grund, warum sie nicht unter die Richtlinie für Einwegkunststoffe fällt“, sagt Käldström.

Natürliche Polymere schützen Lebensmittel mehrere Stunden vor Fett und Wasser – völlig ausreichend für Fast Food.

WALKI COVER STORIES 2023


14

LÖSUNG

Teamarbeit für neue Verpackungskonzepte Walki hat sich mit dem Verpackungsmaschinenhersteller Rovema zusammengetan, um neue Verpackungskonzepte für Papierpackstoffe zu entwickeln. Text Lena Barner-Rasmussen Foto Walki

W

alki hat eine lange Tradition, gemeinsam mit Kunden und anderen Partnern innovative Lösungen zu entwickeln. Im letzten Jahr sind neue Konzepte aus einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem Ver­ packungsmaschinenhersteller Rovema entstanden.

Immer sicher am Haken

Euroloch-Beutel für Süßwaren, die an Metallhaken in den Regalen der Supermarktgänge aufgehängt werden, sind eine effiziente Möglichkeit, Produkte zu präsentieren. Das Material des Beutels muss stabil genug sein, um dem Gewicht der Süßigkeiten standzuhalten und das schließt häufig Papier als Packstoff aus. Eine Lösung auf Papierbasis wäre auf dem Weg zu erneuerbaren Materialien vorzuziehen, aber Kunststoff bleibt meist das Material der Wahl, um sicherzustellen, dass das Euro-Loch nicht reißt und die Beutel vom Haken fallen. „Die Papierbeutel waren bisher nicht stabil genug, um das Einreißen des Beutels an der Lochung zu verhindern, und das war in der Tat ein Grund dafür, dass nur eine sehr kleine Anzahl von Markenartiklern bisher den Übergang von Folie zu Papier vollzogen hat“, sagt Andreas Rothschink, Leiter Produktentwicklung und Technischer Service, Consumer Packaging bei der Walki Group. Auch bei Rovema hat das Team über verschiedene WALKI COVER STORIES 2023

Möglichkeiten nachgedacht, eine Papier­ alternative für die Euro-Lochbeutel zu finden. „Wir haben lange über verschiedene Lösungen für verstärkte Euro-Loch-Beutel nachgedacht. Wir waren sicher, dass es auf unseren Maschinen funktionieren würde, aber wir mussten erst den richtigen Partner finden“, sagt Nadja Richter, Leiterin der Abteilung Kommunikation und Marketing beim Verpackungsmaschinenhersteller Rovema. Rovema arbeitet mit einer Vielzahl von Packstoffherstellern zusammen und wusste, dass Walki ein zuverlässiger und sachkundiger Partner war, mit dem man das Projekt vorantreiben konnte. Rothschink und das Walki-Team haben die Aufgabe gerne angenommen. „Unsere Idee war es, einen zusätzlichen Papierstreifen auf der Innenseite des Beutels oberhalb des Eurolochs einzubringen, der wie ein Sicherheitsgurt für das Euroloch wirkt, aber von außen für den Verbraucher unsichtbar ist“, erklärt Rothschink. Aus wirtschaftlichen Gründen ist es wichtig, dass der Wechsel von Kunststoff zu Papier nicht zu einem geringeren Ausstoß oder anderen Einschränkungen führt. Rovema ist in der Lage seine Maschinen für Papierbeutel so anzupassen, dass mit gleicher Produktionsgeschwindigkeit gefertigt werden kann. „Unsere Maschinen sind sehr flexibel und lassen sich


LÖSUNG Der Papierbeutel mit verstärktem Euroloch hilft Markenartiklern bei der Umstellung auf faserbasierte Verpackungen.

15

Eine nachhaltige Box für Tulpen Mit der richtigen Barriere können Blumen auch in Wellpappboxen aufbewahrt werden. Text Lena Barner-Rasmussen Foto Walki

Wir sind mit Walki auf der gleichen Wellenlänge, was die Zusammenarbeit sehr einfach macht.

genauso für den Packstoff Papier anpassen“, sagt Richter. „Es ist kein zusätzlicher Aufwand für den Markenartikler oder das Unternehmen erforderlich, das die Beutel abfüllt – sie erhalten von uns eine fertige Lösung, bei der der Verstärkungsstreifen bereits appliziert ist“, fügt Rothschink hinzu. Der Beutel kann genauso auch in Non-Food-Segmenten eingesetzt werden, wie z.B. für Heimwerkerbedarf wie Schrauben oder für Spielzeug wie Bausteine.

Reibungslose Teamarbeit

Da Rovema über modernste Maschinen verfügt, die seit Jahrzehnten auf Flexibilität und hohe Effizienz ausgelegt sind, konnte das Projekt zügig umgesetzt werden. Aber was nützen die besten Maschinen, wenn die Teams nicht nahtlos zusammenarbeiten? Für die intensivsten Innovationsphasen war Walkis Team vor Ort am Hauptsitz von Rovema in Fernwald, Deutschland. Nadja Richter führt den Erfolg unter anderem darauf zurück, dass die Teams so gut harmonieren: "Wir sind mit Walki auf einer Wellenlänge, was die Zusammenarbeit wirklich sehr einfach macht.“ Andreas Rothschink von Walki stimmt dem zu. „Rovema ist ein idealer Partner für innovative Projekte. Die Zusammenarbeit war hervorragend.“

E

in sicheres Zeichen für den Frühling ist die Ankunft der Tulpen. Jedes Frühjahr werden Tausende dieser Blumen von den produzierenden Ländern zu Einzelhändlern, Blumenläden und Supermärkten auf der ganzen Welt transportiert. In den Geschäften werden diese Frühlingsboten in der Regel in Plastikeimern gelagert. Kesko, eine der größten Supermarktketten Finnlands, wollte nicht nur den Frühling begrüßen sondern suchte auch nach einer nachhaltigeren Methode zur Aufbewahrung von Tulpen in ihren Supermärkten. Sie und ihr Tulpenlieferant wandten sich an Stora Enso, den führenden Anbieter von erneuerbaren Produkten in den Bereichen Verpackung, Biomaterialien und Holzbau, und baten um Zusammenarbeit bei der Entwicklung einer recycelbaren, faltbaren Wellpappkiste für Tulpen. Wie andere Schnittblumen auch, benötigen Tulpen Wasser und so musste vor allem das Risiko des Auslaufens berücksichtigt werden. „In unserer Welt bei Walki bedeutet das: Wir brauchen eine geeignete Barriere“, erklärt Jan-Anders Fagerhed, Technical Service and Development Manager. Er und sein Team bekamen von Stora Enso den Auftrag, eine Möglichkeit zu finden, einen Schutz in das Kistendesign einzubauen, die das Durchsickern des Wassers verhindert. Fagerhed und sein Team fanden eine Lösung mit einer Sperrschicht aus einer dünnen Kunststofffolie, die als Innenschicht der Wellpappenstruktur verwendet wird, wodurch das Durchsickern von Wasser vermieden wird. „Diese hauchdünne Barriere schützt den Karton vor Wasser, beeinträchtigt aber nicht die Recycelbarkeit der Blumenbox in normalen Recyclinganlagen“, erklärt Fagerhed. Mit dieser faserbasierten Lösung kann Kesko jährlich eine Menge von 1,3 Millionen Kunststoffeimern einsparen, was rund 27 Tonnen Kunststoff entspricht. Diese neue Lösung mit dem Namen „EcoFlowerBox“ hat inzwischen auch internationale Anerkennung gefunden, denn auf der diesjährigen Interpack-Messe in Düsseldorf wurde sie mit dem WorldStar Award ausgezeichnet. Die Konstruktion der Wellpappkiste wurde von der Verpackungsdesignerin Miia Vettenranta von Stora Enso entworfen.

Die Kartonbox für Tulpen spart jährlich bis zu 27 Tonnen an Kunststoff ein. WALKI COVER STORIES 2023


16

WALKI

Ein völlig anderes Geschäft

Walki installiert in Valkeakoski eine Produktionslinie der nächsten Generation, um auf die wachsende Nachfrage nach faserbasierten Membranen und Verpackungen zu reagieren. Text Lena Barner-Rasmussen Foto Walki

I

m März 2022 entschied sich Walki für eine seiner bisher größten Investitionen: 13 Millionen Euro wurden für den Bau einer Produktionslinie der nächsten Generation im Werk Valkeakoski bereitgestellt. Nur ein Jahr später, im Juni dieses Jahres, wurde die neue Produktionsanlage mit einer feierlichen Zeremonie zusammen mit Kunden, Zulieferern und Vertretern der Stadt und des Landes offiziell eingeweiht. Für Janne Ahonen und Heikki Viitanen ist die Einweihung auch gleichzeitig das Ende eines großen Technologieprojekts. Als Werksleiter und Ingenieur für technischen Service und Entwicklung waren Ahonen und Viitanen eng in jede einzelne Phase des Projekts eingebunden. Sie beschreiben die neue Produktionslinie als eine „völlig neue Dimension.“ „Alles bei dieser Investition hat große Ausmaße angenommen, denn sie bricht die bisherigen Rekorde bei fast allen Parametern: die schiere Größe, das Design, die Effizienz, der Automatisierungsgrad und natürlich die Produktionskapazität“, sagt Viitanen. „Dies ist wirklich ein völlig anderes Geschäft als das, was wir bisher gemacht haben“, fügt Ahonen hinzu.

feranten zusammen, um die optimale, weltweit einzigartige Produktionslinie zu bauen. Kern der neuen Anlage ist die neuartige Beschichtungstechnologie. „Sie ist eine Kombination aus Dispersions- und Imprägniertechnologie und bietet uns erweiterte Möglichkeiten zur Herstellung funktionaler Barrieren für faserbasierte Materialien“, sagt Ahonen. Die Dispersionstechnologie wird derzeit vorwiegend dazu eingesetzt, um Papier und Karton mit Barriereeigenschaften zu versehen, während die Imprägnierung hauptsächlich für flammhemmende Verkleidungen verwendet wird. Die Möglichkeiten dieser Technologien für die Materialentwicklung sind enorm. „Wir werden möglicherweise Innovationen sehen, die Aluminium und andere Materialien in vielen Geschäfts- und Produktsegmenten ersetzen können“, sagt Viitanen. Mit Hilfe dieser Anlage wird es für Walki wesentlich einfacher und schneller neue Ideen zu testen.

Im eigenen Haus entworfen und gebaut

Kunden in vielen Segmenten

Die hochmoderne Produktionslinie wurde komplett bei Walki unter Viitanens Führung entworfen und vor Ort aufgebaut, denn nur so konnte sichergestellt werden, dass jedes einzelne Detail richtig umgesetzt wurde. „Wir haben über verschiedene Alternativen nachgedacht, sind aber schnell zu dem Schluss gekommen, dass eine eigene Konstruktion mehr Möglichkeiten bietet verschiedene Technologien zu kombinieren, um so die optimale Lösung zu finden“, erklärt Viitanen. Schließlich arbeitete Walki mit verschiedenen HauptlieWALKI COVER STORIES 2023

Die Nachfrage nach Verpackungen auf Faserbasis und flammhemmenden Membranen wächst schnell, weshalb die Produktionslinie eine breite Palette von Kunden in diesen Segmenten bedienen wird. Michelangelo Anderlini, ein langjähriger Kunde von Walki, flog extra aus Italien ein, um an den Einweihungsfeierlichkeiten im Juni teilzunehmen. Das Unternehmen BIOPAP®, das er zusammen mit seinen Eltern und einem Jugendfreund gegründet hat, ist ein Vorreiter im Bereich der kompostierbaren Lebensmittelverpackungen. Bereits vor 15

Michelangelo Anderlini ist ein langjähriger Kunde und kam extra für die Einweihung nach Finnland.


WALKI

Alles bei dieser Investition hat neue Dimensionen angenommen.

Jahren setzte BIOPAP® auf die Dispersionstechnologie um gute Barriereeigenschaften zu erzielen. „Damals war das ein einzigartiger Weg, um faserbasierten Verpackungen bessere Barriereeigenschaften zu verleihen“, sagt er. Seitdem hat sich eine enge Beziehung zu Walki entwickelt; zunächst als langjähriger Kunde von Plastiroll, das Walki 2019 übernommen hat, und jetzt als Kunde von Walki. Als Pionier in Sachen Verpackung hat BIOPAP® schon immer die Trends der Zukunft im Blick gehabt und entsprechend gehandelt. Die Familie Anderlini stammt aus den norditalienischen Bergen und lebt seit jeher in Symbiose mit der Natur und so war Nachhaltigkeit von Anfang an ein Eckpfeiler des Unternehmens. „Die Bergwelt lehrt uns, dass Ressourcen begrenzt sind. Man muss planen und hart arbeiten, um diese auch für die nächste Saison zu bewahren. Genauso verhält es sich mit unserem Planeten: Wir müssen mit begrenzten Ressourcen umgehen, während der Bedarf wächst“, sagt er. Der Trend bei Verpackungen geht weiter in Richtung nachhaltiger und praktischer Lösungen, die nicht nur einfach zu benutzen, sondern auch einfach zu entsorgen sind.

„Für jede Verpackung, die wir auf der Welt herstellen, muss es einen klaren Weg geben, wie wir sie entsorgen oder wiederverwenden können“, sagt Anderlini. Die Produktionslinie wird auch Kunden in der Baubranche bedienen, in der die Anforderungen an die Nachhaltigkeit ebenfalls immer höher werden. Dieser Markt steht genauso unter dem Druck strengerer Vorschriften zur Verbesserung flammhemmender Materialien. „Indem wir eine flammhemmende Substanz auf Dämmstoffverkleidungen auftragen, können wir unseren Kunden helfen, die besten Brandklassen zu erreichen“, erklärt Viitanen.

17

Die neue Produktionslinie wurde im Juni zusammen mit Kunden, Zulieferern und Vertretern der Stadt eingeweiht.

Teamarbeit in Bestform

Die neue Produktionslinie war eine echte Teamleistung, an der nicht nur die Mitarbeiter von Walki beteiligt waren, sondern auch eine Vielzahl von Zulieferern und Kunden. Janne Ahonen sagt, dass die Zusammenarbeit äußerst reibungslos verlaufen ist. Dies zeigt sich auch in den Sicherheitsstatistiken des Projekts. „Es gab nicht einen einzigen unfallbedingten Ausfall. Wir hatten in der Spitze 60 externe Mitarbeiter auf der Baustelle und sind sehr zufrieden damit, wie ernst diese Leute unsere Sicherheitsmaßnahmen genommen haben.“ Walki erhielt für die Investition Mittel aus der Kreislaufwirtschaftsförderung von Business Finland. WALKI COVER STORIES 2023


18

LÖSUNG

NUUK und Walki arbeiten schon seit vielen Jahren zusammen", so Pierrick Girard (rechts) und Pierre-Alexandre Crespel.

Besser Bauen mit nachhaltigen Membranen Die nachhaltigen Dachbahnen von Walki werden eine Schlüsselrolle in der Zukunft des klimagerechten Bauens spielen. Text Isabelle Kliger Foto Walki

B

aumembrane werden von der Dachunterspannbahn über Windsperren und Dampfsperren bis hin zu Bodenschutzsperren eingesetzt. Ihre Luftdichtheit und ihre kontrollierten Dampfsperr­ eigenschaften verbessern die Energieeffizienz und sorgen gleichzeitig für gesunde und schimmelfreie Gebäude. Da das Thema Energieeffizienz sowohl bei Unternehmen als auch bei Verbrauchern immer mehr in den Vordergrund rückt, sprechen die Vorteile von Baumembranen für sich selbst. Wie Pierrick Girard, Business Line Manager, Construction Membranes, erklärt, ist dies jedoch nur die eine Seite der Medaille. „Bis jetzt lag unser Hauptaugenmerk auf Energieeinsparungen, aber wir müssen anfangen, über den gebundenen Kohlenstoff zu sprechen“, sagt er.

Was ist gebundener Kohlenstoff?

Nach Angaben des World Green Building Council sind Gebäude für etwa 40 % des Energieverbrauchs und 36 % der Kohlenstoffemissionen in Europa verantwortlich. Dies umfasst sowohl den betriebsbedingten Kohlendioxidausstoß bei der Nutzung des Gebäudes als auch die Auswirkungen der Herstellungs-, Transport-, Bau- und End-of-Life-Phasen von Gebäuden, die oft als „embodied carbon“ bezeichnet werden. Die Bellona Foundation, eine gemeinnützige OrganisaWALKI COVER STORIES 2023

tion, die sich der Bekämpfung von Klimaproblemen durch nachhaltige Umweltlösungen verschrieben hat, hat davor gewarnt, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Europäische Union ihr Ziel ohne klare Zielvorgaben für die Verringerung des „embodied carbon“ erreichen wird. Baumembrane spielen dabei eine wichtige Rolle. „Eine Baumembran besteht in der Regel aus zwei Schichten: einem Vliesstoff, dem so genannten Träger und einer kleineren, funktionalen Schicht aus Polymeren. Da der Vliesstoff in der Regel aus Kunststoffen hergestellt wird, erhöht er den Kohlenstoff-Fußabdruck des Gebäudes“, erklärt Girard.

Nachhaltige Barriere auf Papierbasis

Aus diesem Grund hat Walki eine neue Art von Membran entwickelt, bei der die Vliesschicht durch Papier ersetzt wird. Um die Struktur und die Leistung zu erhalten, wird eine dünne Netzschicht hinzugefügt, während die Funktionsschicht unverändert bleibt. Diese Innovation hat es Walki ermöglicht, den Kohlenstoff-Fußabdruck der Membran drastisch zu reduzieren. Umweltproduktdeklarationen (Environmental Product Declarations, EPD) sind ein wichtiges Instrument, um die äquivalenten CO2-Emissionen pro Quadratmeter eines Produkts zu messen. Ein Kunde der sie nutzt, ist ebenfalls ein früher Anwender der nachhaltigen Membran von Walki: NUUK ist ein französisches Unternehmen, dessen Hauptziel es ist, die CO2-Belastung von Gebäuden zu verringern und sie durch eine Reihe von Produkten zur Verbesserung der Luftdichtheit haltbarer zu machen. „Wir sind in erster Linie dazu da, der Bauindustrie zu helfen, ihre Auswirkungen durch verantwortungsvollere Materialien, die weniger Energie verbrauchen und länger halten, zu verringern. Unser Ziel ist es, den Klimaplan 2050 kohlenstoffneutral zu erfüllen“, sagt NUUK-Mitbegründer Xavier Delforge.

Die Vliesschicht wurde durch Papier ersetzt.


WALKI

Bis jetzt lag unser Fokus auf Energieeinsparungen, aber wir müssen anfangen über den gebundenen Kohlenstoff zu sprechen.

19

Jeden Tag ein Stück besser Kontinuierliche Verbesserung liegt in der DNA von Walki – auch und gerade beim Thema Energieeffizienz. Text Lena Barner-Rasmussen Foto Walki

D Gemeinsame Vision

Delforge erklärt, dass NUUK seit seiner Gründung eng mit Walki zusammengearbeitet hat und dass die beiden Unternehmen eine gemeinsame Vision für die Entwicklung nachhaltiger Produkte haben. „Walki hat es uns ermöglicht, ein Sortiment an FSC-zertifizierten Kraftpapier-Dampfsperren anzubieten. Wir haben sie COCON genannt, in Anlehnung an die flexible Hülle, die vor Angriffen von außen schützt“, erklärt Pierre-Alexandre Crespel, Mitbegründer von NUUK, und betont, dass das Unternehmen stets versucht, mit den Besten der Branche zu kooperieren. „Unsere Partner sind sich der aktuellen Klimaproblematik bewusst und sind entschlossen, ihre Produktionsprozesse zu überdenken, um ihren CO2-Fußabdruck und ihre Abfälle zu reduzieren“, fügt er hinzu. „Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam Schritt für Schritt ans Ziel kommen werden.“

Dank der Investitionen in die Energieeffizienz wird das Walki-Werk in Pietarsaari deutlich weniger Emissionen ausstoßen.

ie Messlatte liegt hoch, wenn es darum geht den Ausstoß von Treibhausgasen bei Walki zu reduzieren, denn bis 2030 sollen die Emissionen gegenüber dem Ausgangswert von 2021 halbiert werden. Im Rahmen dieses ehrgeizigen Plans nimmt Walki seine eigenen Betriebsabläufe genau unter die Lupe, um auch Einsparungen aus dem indirekten Energieverbrauch zu erzielen. Als es im vorigen Jahr notwendig wurde das Heizsystem im Walki-Werk in Pietarsaari zu modernisieren, lag der Schwerpunkt entsprechend auf der Verbesserung der Energieeffizienz. „Wir wollten eine Möglichkeit finden, Wärme aus unserem Kühlsystem zurückzugewinnen, um so den Verbrauch von Fernwärme im Gebäude zu reduzieren“, erklärt Werksleiter Timo Lehmuskallio. Walki fand den richtigen Partner, der bei der Verbesserung der Energieeffizienz helfen konnte und im August 2022 begannen die Umbauarbeiten. „Wir errichteten einen Anbau für die Installation des Kühlwasserkompressors und die Rohrleitungen. Im Dezember waren bereits die Wärmepumpe und die Kühlwassererzeugung zur Wärmerückgewinnung und zur Produktion von Kühlwasser für den Prozess fertiggestellt“, erklärt Lehmuskallio. Das neue Heizsystem funktioniert nun präzise wie ein Uhrwerk. „Wir haben es im Januar 2023 in Betrieb genommen und können deutlich sehen, dass wir eine Menge Energie einsparen, was sich wiederum erheblich auf die Emissionen des Werks Pietarsaari auswirkt. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, werden sich die Fernwärmeeinsparungen auf 4.000 MWh pro Jahr belaufen, was etwa 16 % des gesamten indirekten Energieverbrauchs des Werks entspricht.“ Walki arbeitet eng mit dem Lieferanten des Systems, Caverion, zusammen. „Die Zusammenarbeit mit Caverion funktioniert wirklich gut und wir versuchen nun gemeinsam ein optimales Niveau zu finden, denn der Energieverbrauch steigt mit der Anzahl der Aufträge.“ Lehmuskallio ist auch mit dem Walki-Team in Pietarsaari sehr zufrieden. „Das Projekt wurde pünktlich abgeschlossen und die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten verlief während des gesamten Projekts wirklich reibungslos.“ Laut Lehmuskallio sind alle, die in der Anlage arbeiten, sehr zufrieden mit dieser Investition. „Die Menschen sind sehr daran interessiert, sich für eine nachhaltige Zukunft einzubringen. Investitionen in die Zukunftsfähigkeit unseres Werks spielen dabei eine wichtige Rolle.“

WALKI COVER STORIES 2023


20

LÖSUNG

Verpackungen für Kekse und Donuts

Donuts und Kekse sind schwierig zu verpackende Produkte. Walki hat das Rezept. Text Isabelle Kliger Foto Walki

W

enn es um Backwaren geht, müssen die Verpackungslösungen eine Reihe von Anforderungen erfüllen. Gebackenes ist in der Regel fetthaltig und stellt hohe Anforderungen an die Barriere. Hinzu kommt, dass viele Backwaren eine lange Haltbarkeit aufweisen müssen. Walki hat für diesen Markt zwei neue Konzepte entwickelt: ein Kekstray und eine Donut-Box, die beide nachhaltig sind und gleichzeitig diese anspruchsvollen Anforderungen erfüllen.

Das nachhaltige Kekstray auf Kartonbasis

Die Idee von Walki, ein nachhaltiges Kekstray auf den Markt zu bringen, entstand aus dem allgemeinen Wunsch, reine Kunststoffverpackungen durch Lösungen auf Faserbasis zu ersetzen. Wenn Sie jedoch glauben, dass dies eine einfache Aufgabe ist, irren Sie sich. Es stellt sich heraus, dass die Entwicklung einer nachhaltigen Verpackung für Backwaren eine ganze Reihe von Herausforderungen mit sich bringt. Kekse haben häufig einen hohen Fettgehalt und sollen lange haltbar sein – zwei Faktoren, die besondere Anforderungen an die Oberfläche der Verpackung stellen, die eine starke, zuverlässige Barriere bieten muss, um ein Durchfetten zu verhindern und um die Frische zu erhalten. Auf der Suche nach der richtigen Lösung hat sich Walki mit dem deutschen Unternehmen Syntegon, einem Spezialisten im Verpackungsmaschinenbau und dem führenden schwedischen Kartonhersteller Billerud zusammengetan.

Nachhaltiges, erneuerbares Material auf Faserbasis

„Unser gemeinsames Ziel war es, ein Material auf Faserbasis zu entwickeln, das nachhaltiger ist als die reinen Kunststoffeinsätze, die heute in diesem Segment meist verwendet werden. Wir wollten ein Schalenkonzept, das eine Vielzahl von Designoptionen bietet, um sich am Point of Sale zu difWALKI COVER STORIES 2023

ferenzieren, sowie eine stabile, kartonbasierte Struktur ausweist, um die Kekse mechanisch zu schützen“, sagt Stefan Erdmann, Technical Service and Development Manager für Barrier Board bei Walki mit Sitz in Steinfurt, Deutschland. Walki hat sich mit Syntegon zusammengetan, die vielfältige Verarbeitungs- und Verpackungslösungen für die Lebensmittelindustrie anbieten, um das richtige Material auf Kartonbasis für diese Aufgabe zu finden. Billerud trug zu dem Projekt mit seinem vollständig recycelbaren CrownBoard Craft bei: einem Premium-Kraftkarton, der für seine hohe Qualität und Festigkeit bei gleichzeitig geringem Gewicht bekannt ist. Walki brachte sein Knowhow im Bereich der Barriere ein und entwickelte zwei verschiedene Materialkombinationen: den Kraftkarton einmal in Kombination mit einer Dis­persionsbeschichtung und einmal mit einem fettdichten Spezialpapier. Die deutsche Firma „Spiegel Verpackungen“ unterstützte das Team bei Druck, Stanzung und Weiterverarbeitung der innovativen Trays.

Die Faltschachtel von Walki eignet sich für die Verpackung von Backwaren mit kurzer Haltbarkeit.

Gefaltetes Kartontray

Das Ergebnis wurde dann auf der Interpack 2023, der Leitmesse für Verpackungslösungen und -prozesse, vorgestellt: ein gefaltetes Kartontray, mit guter Fettbarriere, voll recycelbar und optisch ansprechend mit einer natürlichen braunen Farbe. „Neben der wichtigen Fettbarriere sind die Eigenschaften der abschließenden Umhüllung, des Flowpacks, unseres neuen Kekstray darauf ausgelegt, die Haltbarkeit zu verlängern“, erklärt Erdmann. „Die Kartonstruktur bietet den notwendigen mechanischen Schutz, um Risse und Brüche beim Transport zu minimieren. Und schließlich bietet die optionale weiße Außenfläche der Schale eine hervorragende Druckfläche, um das Lebensmittel zu bewerben und seinen Premium-Charakter hervorzuheben.“

Die Kekstrays auf Kartonbasis brauchen eine starke Barriere, um ein Durchfetten zu verhindern.


MITARBEITER

21

Die Donut-Box mit kurzer Haltbarkeit

Backwaren sind nicht gleich Backwaren – und das gilt auch für die Verpackung. Deshalb liefert Walki maßgeschneiderte Verpackungslösungen, die sorgfältig auf die Art des Produkts und seine Haltbarkeit abgestimmt sind. Nehmen Sie zum Beispiel einen Donut, den Sie in einer Bäckerei gekauft haben. Wahrscheinlich haben Sie vor, ihn am Tag des Kaufs zu essen, oder, wer weiß, vielleicht bereits auf dem Heimweg? Die Schachtel braucht zwar eine wirk­ same Fettbarriere, um das Auslaufen des Fetts zu verhindern, hat aber nicht die Anforderungen an eine Haltbarkeit von mehreren Wochen oder Monaten.

Der Walki®EVO-Liner stellt sich vor

An dieser Stelle kommt der Walki®EVO Liner ins Spiel, erklärt Jan-Anders Fagerhed, Technical Service and Development Manager für Barrierlining bei Walki. Das Walki®EVO Line Konzept ist die jüngste Weiterentwicklung der bisherigen Lösung, die Walki den Well- und Vollpappenherstellern von Schalen oder Kartons für Obst und Gemüse sowie Backwaren anbietet. Es handelt sich dabei um einen auf Wasserbasis dispersionsbeschichteten Barriereliner, der sich ideal für die Verpackung von Backwaren eignet, insbesondere für solche mit kurzer Haltbarkeit. Walki®EVO Liner bietet die erforderlichen Eigenschaften für den vorgesehenen Verwendungszweck, ist vollständig wiederverwertbar, leicht zu recyceln und sogar kompostierbar. „Die Beschichtung bietet die erforderliche Fettbarriere und Haltbarkeit – nicht mehr und nicht weniger“, sagt Fagerhed und betont, dass sie auf die spezifischen Anforderungen des jeweiligen Produkts zugeschnitten werden kann. „Walki®EVO Line wird in Kürze für Kunden aus dem Bäckereisegment verfügbar sein, was sowohl für unsere Kunden als auch für die Umwelt eine gute Nachricht ist“, fährt er fort. „Dies ist der erste Schritt zu einer neuen Generation dispersionsbeschichteter Barriereliner für Well- und Vollpappanwendungen“, kommentiert Bernd Gelder, Business Development Manager für Industrial Packaging. Gelder fügt hinzu, dass Walki®EVO Line als Antwort auf die wachsende Nachfrage der Well- und Vollpappe produzierenden Kunden von Walki entwickelt wurde: „Deren Kunden fragen nach nachhaltigeren Lösungen für die bestehenden Sorten, um den Kunststoffanteil zu reduzieren und die Recyclingfähigkeit zu verbessern“, sagt er.

Erweiterte Produktionskapazität

Walki®EVO Line wird mit Hilfe der Dispersionsbeschichtungstechnologie bei Walki Rollpack in Frankreich und bald auch im Walki-Werk in Steinfurt, Deutschland, hergestellt, wo Bernd Schröer Leiter der Technologieentwicklung und Interims-Werksleiter ist. „Wir sind gerade dabei, eine unserer bestehenden Produktionslinien in Steinfurt grundlegend zu erneuern“, erklärt Schröer. Diese Investition wird es Walki ermöglichen, die Fertigung von Dispersionsbeschichtungen und leimkaschierten Produkten zu erweitern und vor allem Walki®EVO Line in Breiten bis zu 3.000 mm zu liefern. Die Inbetriebnahme der umgebauten Anlage ist für Ende dieses Jahres geplant.

Was gibt’s Neues bei Belcoat? Tim van Everbroeck ist Entwicklungs- und Serviceingenieur bei Walki Belcoat. Als Doktor der Chemie ist er bestens gerüstet die Anforderungen der Kunden an funktionelle und nachhaltige Materialien für Industrie­anwendungen umzusetzen. ? Worum geht es bei Ihrer Arbeit? Ich übersetze Kundenwünsche in ein Endprodukt, das sich in großem Maßstab herstellen lässt. ? Was weckte Ihr Interesse an Chemie? Ich war schon immer sehr daran interessiert, wie Dinge funktionieren. Als Kind spielte ich mit Lego und wusste schon früh, dass ich eine Art Ingenieur werden wollte. Und in gewisser Weise ist Chemie wie das Spielen mit Lego auf molekularer Ebene. Ich glaube, Chemie kommt der Magie am nächsten! Es fasziniert mich, wie alltägliche Gegenstände aufgebaut sind. ? Was motiviert Sie bei Ihrer Arbeit? Ich möchte etwas Wertvolles für die Welt und die Menschheit tun. Das Produktdesign zu ändern um den CO2-Fußabdruck zu verringern oder sie leichter recycelbar zu machen, kann eine große Wirkung erzielen. ? Was steht als Nächstes an, wenn es um die Entwicklung neuer Materialien geht? Ich hoffe, dass die Verbraucher mehr darauf achten ihren Müll zu trennen, damit unsere Produkte nicht auf der Deponie oder – noch schlimmer – in den Ozeanen landen. Ich arbeite viel mit technischen Materialien, bei denen der Lebenszyklus länger ist als bei Verpackungen. Der Schwerpunkt liegt auf der Herstellung langlebiger Lösungen, damit wir die Materialien nicht so oft ersetzen müssen. Selbst bei technischen Produkten sollten wir uns darauf konzentrieren, sie am Ende ihrer Lebensdauer zu demontieren, anstatt sie einfach zu entsorgen. Mir ist aufgefallen, dass viele Unternehmen inzwischen Kunststoffrecyclate in ihren Anwendungen einsetzen. Ich finde dies ist eines der interessantesten Themen bei der Arbeit mit Polymeren und Verbundwerkstoffen. Wir gehen also definitiv in die richtige Richtung!

WALKI COVER STORIES 2023


22

PROFIL

Zu Hause angekommen

Der Frühling ist besonders schön. Ich genieße es, die erwachende Natur zu sehen und dem Gesang der Vögel zu lauschen.

WALKI COVER STORIES 2023


PROFIL Die Natur war schon immer ein wichtiger Teil von Käldströms Leben.

FAKTEN ZU Name: Mats Käldström Alter: 43 Familie: Lebenspartnerin und eine dreijährige Tochter Lebt: In einem Haus in der finnischen Kleinstadt Pietarsaari PersönlichesMotto: Jede Jahreszeit hat ihre eigene Schönheit

Mats Käldström, Manager im Entwicklungs- und Innovationsteam von Walki, hat sich schon immer in der Natur zu Hause gefühlt. In seiner Freizeit findet man ihn eher weit weg vom Alltagsstress – auf seinem Seekajak, dem Gesang der Vögel lauschend. Text Isabelle Kliger Foto Mats Käldström

M

ats Käldström wuchs in Larsmo an der Westküste Finnlands auf. Einer seiner Großväter war Landwirt und Jäger, der andere war Fischer. In seiner Kindheit verbrachte er viel Zeit mit den beiden Männern und lernte ihre Lebensweise und ihre Einstellung zur Natur kennen.

Zeit in der Natur verbringen Mats Käldström mag Tage mit starkem Wind, wenn ihm dann die Wellen ins Gesicht spritzen.

„Mein ganzes Leben lang war ich auf dem Meer und in der Natur. So habe ich meine Kindheit verbracht und so verbringe ich auch als Erwachsener meine Freizeit“, sagt er. Mats begann im Alter von 15 Jahren mit dem Seekajak­ fahren. Er erklärt, dass die Saison in Finnland mit der Eisschmelze Ende März oder Anfang April beginnt und bis November andauert. In den Jahren, in denen er am aktivsten war, schätzt Mats, dass er pro Saison 1.000 km in seinem Kajak zurückgelegt hat. „Der Frühling ist besonders schön. Ich genieße es, die erwachende Natur zu sehen und dem Gesang der Vögel zu lauschen“, fährt er fort.

Ein gutes Gehör

Mats hat einen Doktortitel in industrieller Chemie und arbeitete als Forscher, bevor er 2018 zur Entwicklungs- und Innovationsgruppe von Walki kam. Er hatte schon immer eine Vorliebe für Musik und ein gutes Gehör für die Unterscheidung verschiedener Klänge – etwas, das zu seinem gro-

3 Gründe für Mats Käldström

mehr Zeit in der Natur zu verbringen

1 2 3

Natur und Bewegung im Freien sind im Grunde ein kostenloses Vergnügen. Sobald man die nötige Ausrüstung hat, ist der Rest umsonst. Es ist die Möglichkeit zum Nachdenken, aber auch zum Auftanken und um den Kopf frei zu bekommen.

So wie Walki dazu übergeht, mehr Rohstoffe aus der Natur zu verwenden (z. B. natürliche Polymere), sollten auch wir Menschen lernen mehr mit dem in Kontakt zu kommen, was die Natur uns bietet.

23

ßen Interesse am Erkennen verschiedener Vogelarten auf der Grundlage ihres Gesangs geführt hat. Mats lebt an der Westküste Finnlands und nutzt jede Gelegenheit, um mit seinem Seekajak hinauszufahren. „Obwohl ich zugeben muss, dass ich weniger Zeit habe, seit meine jetzt dreijährige Tochter geboren wurde“, lacht er. „Der Kampf mit den Wellen hilft mir, meine Gedanken zu sortieren, vor allem in und nach Zeiten von hohem Stess. Danach fühlen sich sowohl mein Körper als auch mein Geist wieder erfrischt“, meint Mats und gibt zu, dass er auch schon einige haarige Momente in seinem Kajak erlebt hat.

Nicht immer einfach zu segeln

„Sonnige Tage mit klarem Himmel sind toll, aber nach einer Weile werden sie ein bisschen langweilig. Ich mag die Tage mit stärkerem Wind, wenn mir die Wellen ins Gesicht spritzen“, sagt Mats, der auch schon in Gewitterstürme mit so starken Windböen geraten ist, dass sie ihm fast das Paddel aus den Händen gerissen haben. Unterwegs ist er schon schwimmenden Elchen begegnet, wurde von Robben begleitet und kam bis auf eine Paddellänge an schwimmende Vipern heran. Trotz der gelegentlichen Gefahren geht es bei Mats' Hobby vor allem um die Stille, die Möglichkeit neue Energie zu tanken und die Geräusche der Natur zu genießen. Er bittet alle, die sich im Freien aufhalten, sich einen Moment Zeit zu nehmen, um auf ihre Umgebung zu hören. „Wenn ich Leute sehe, die beim Sport in Parks oder Wäldern Kopfhörer tragen, denke ich oft an das großartige Orchester der natürlichen Musik, das ihnen entgeht. Mein Tipp an die Menschen ist, vor allem im Frühling die Kopfhörer abzusetzen und den Klängen der Umgebung zu lauschen, die die Natur uns bietet.“

4 Ähnlichkeiten zwischen Produktentwicklung und Kajakfahren

1 2 3 4

Manchmal ist der Gegenwind sehr stark und man muss hart kämpfen um voranzukommen. Manchmal ist es neblig und man verirrt sich und weiß nicht wohin man gehen soll. Manchmal bleibt man im Eis stecken oder gerät in eine Sackgasse und muss den Weg wieder zurückfahren, den man gekommen ist. Am Ende werden Sie in der Regel bei klarem Himmel und Sonnenschein wieder in ruhigeren Gewässern willkommen geheißen.

WALKI COVER STORIES 2023


Transforming materials towards a circular future


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Walki Cover Stories 2023, German by walki_group_news - Issuu