Schein und Sein Mein Kind, es sind allhier die Dinge, Gleichwohl, ob große, ob geringe, Im wesentlichen so verpackt, Daß man sie nicht wie Nüsse
28832 Berlin #27 Magazin für Druck | Medien
Wie wolltest du dich unterwinden, Kurzweg die Menschen zu ergründen. Du kennst sie nur von außenwärts. Du siehst die Weste, nicht das Herz.
Editorial und Inhalt
DER SCHÖNE SCHEIN Wir leben in unsicheren Zeiten, liebe Leser. Das amerikanische Bankensystem kollabiert, die CSU sackt in Bayern unter 50 Prozent (und der FC Bayern schwächelt gleich mit) – und auch sonst erweisen sich bisweilen viele vermeintliche Wahrheiten bei näherem Hinsehen als Schein und nicht als Sein. Wie gut ist es da, dass Sie die Gewissheit haben können: Das nächste Magazin „28832 Berlin“ kommt bestimmt. Aber das ist noch nicht alles: Wir können Ihnen auch garantieren, dass wir immer für Sie da sind, wenn Sie uns brauchen. Und dass Sie von uns immer höchste Qualität erwarten dürfen (mehr dazu in dem beiliegenden Heftchen). Dennoch ist es das Thema Schein und Sein wert, einmal in den Mittelpunkt unseres Magazins gestellt zu werden, ganz unabhängig von den spezifischen Eigenheiten der Druckindustrie. Mir fällt in diesem Zusammenhang ein sehr treffendes Gedicht von Wilhelm Busch ein, das ich hier natürlich so aus dem Stand wiedergeben kann: Mein Kind, es sind allhier die Dinge, Gleichwohl, ob große, ob geringe, Im wesentlichen so verpackt, Daß man sie nicht wie Nüsse knackt. Wie wolltest du dich unterwinden, Kurzweg die Menschen zu ergründen. Du kennst sie nur von außenwärts. Du siehst die Weste, nicht das Herz. Für mich jedenfalls ist klar, dass mit Ausnahme unserer Qualitätsgarantie nichts als absolut sicher gelten kann. Und wenn mich jemand fragt, ob ich mir da auch ganz sicher bin, antworte ich: absolut! Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihr Reinhard Berlin
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EDITORIAL TITELTHEMA: SCHEIN UND SEIN ARCHIV ILLUS TR ATION: HIS TORISCHE ANZIEHPUPPEN DIGITALE SCHEINWELT FOTOGR AF: IL AN HAMR A GLOSSE: ÖKO-SCHEIN INTERVIEW MIT FR ANK RÜTER BERLIN-NEWS FR AGEBOGEN, MAKING-OF, IMPRESSUM
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Titelthema: Schein und Sein
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DIE WELT WILL GETÄUSCHT SEIN ÜBER SCHEIN UND SEIN IN UNSERER BUNTEN MEDIENWELT
Nichts ist so wie es scheint. Kein neues Phänomen, gewiss – schon Sokrates hat weise und stellvertretend für alle Menschen postuliert, er wisse nur, dass er nichts weiß. Doch leider gerät diese uneitle Erkenntnis allzu oft in Vergessenheit. Und wer ist schuld daran? Natürlich Google! Oder sind wir etwa nicht Opfer der Verheißung, erstmals in der Menschheitsgeschichte seien wir in der glücklichen Lage, uns über jedes beliebige Thema umfassend informieren zu können? Die ganze Wahrheit ist: Getäuscht wurden wir Menschen schon immer, und oft genug wollten wir es auch gar nicht anders haben. Tauchen wir also ein in den unendlichen Ozean zwischen Sein und Schein.
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2 In chinesischen Managerkreisen ist gerade „Das Geheime Buch der Kriegskunst“ besonders angesagt. Bemerkenswert ist das in zweierlei Hinsicht: Zum einen, weil es die Kunst des Lügens zur Tugend erhebt. Zum anderen, weil es schon über 500 Jahre alt ist. Ein Beweis mehr, dass Täuschung und Betrug allgegenwärtig sind, und dass es immer schon so war. Die ganze Geschichte ist übervoll von einfallsreichen Täuschungsmanövern aller Art. Herrscher lassen sich von Hofschreibern glorifizieren, unliebsame Vorgänge und Vorgänger werden aus der Erinnerung getilgt („Damnatio Memoriae“), Urkundenfälschung ist an der Tagesordnung. Manchmal kann man darüber nur lachen wie etwa bei
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den 1983 im Stern abgedruckten Auszügen aus den angeblichen „Hitler-Tagebüchern“. Manchmal dienen Fälschungen aber auch als Rechtfertigung für grausame Verbrechen wie etwa die antisemitischen „Protokolle der Weisen von Zion“. Die größte und erfolgreichste Fälschung der Weltgeschichte dürfte die so genannte „Konstantinische Schenkung“ sein – eine angeblich vom römischen Kaiser Konstantin im Jahre 317 verfasste Urkunde, die dem Patriarchen in Rom nicht nur die Oberhoheit über die gesamte Kirche zuspricht, sondern gleich das ganze weströmische Reich auf ewig der Macht und Gerichtsbarkeit des Papstes und seiner Nachfolger unterstellt. Das vermutlich um 750 angefertigte Dokument war trotz formaler Unstimmigkeiten Jahrhunderte lang bestens geeignet, den weltlichen Herrschaftsanspruch des Papstes zu rechtfertigen. Erst im 17. Jahrhundert räumte die katholische Kirche ein, dass es sich wohl um eine Fälschung handelt.
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Die Lügner hätten es weniger leicht, wenn wir nicht dazu neigten, vor allem das zu glauben, was das eigene Weltbild bestätigt. Die Amerikaner waren gar nicht auf dem Mond? Es war alles nur eine perfekte Show? Undenkbar ist das nicht – und zuzutrauen ist es den Amis auf jeden Fall! „Je größer die Lüge, desto größer die Bereitschaft ihr zu glauben“, soll mal ein gewissenloser Diktator formuliert haben. Die Fähigkeit, unbequeme Fakten ausblenden zu können, schützt uns in Extremsituationen davor, den Verstand zu verlieren. Im Alltag jedoch kann das schnell in Beratungsresistenz umschlagen. Wenn wir etwas nicht glauben wollen, dann glauben wir es eben auch nicht. Besonders deutlich wird diese Haltung in Kriegszeiten. Als die deutsche Armee in Stalingrad kapitulieren musste, war der „Endsieg“ damit nur hinausgeschoben. Jetzt musste man nur den „totalen Krieg“ entfesseln. Deutschen Boden würde der Feind sowieso niemals betreten, das war klar. Zur Not würden es die Wunderwaffen richten. Oder der Volkssturm. Wer will noch bestreiten, dass etwas dran ist an dem lateinischen Spruch, der dem Theologen und Schriftsteller Sebastian Franck (1499 bis 1542 oder 1543) zugeschrieben wird: „Mundus vult decibi“ – „Die Welt will betrogen sein“? Nur konsequent ist denn auch der Zusatz „Ergo decipiatur!“ – „Darum sei sie betrogen!“, der vom späteren Renaissance-Papst Paul IV stammen soll. Da wir am ehesten das glauben, was wir sehen, lassen wir uns am leichtesten durch Bilder manipulieren. Wer die Macht über die Bilder hat, hat auch die Deutungshoheit.
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Dabei sind Bilder schon immer manipuliert worden. Der ägyptische Pharao Ramses II. ließ sich auf den Reliefs seiner Tempel als Sieger der Schlacht von Kadesch gegen die Hethiter feiern, obwohl seine Truppen nur knapp einem vollständigen Desaster entgangen sind. Mit dem technischen Fortschritt haben die Möglichkeiten der Täuschung noch zugenommen. Auch Fotografien sind alles andere als vertrauenswürdig. Sie waren kaum erfunden, da wurden sie auch schon manipuliert. Da lassen Despoten ihre in Ungnade gefallenen Mitstreiter nachträglich wegretuschieren, da verschwindet auf dem offiziellen Pressebild eines Top-Managers die Rolex vom Handgelenk, und da zeigen die Titelseiten diverser Frauenzeitschriften das neugeborene Kind von Prinzessin Stephanie von Monaco noch vor der Geburt. Welches Ausmaß derlei Manipulationen angenommen hat, zeigt eindrucksvoll die Ausstellung „X für U – Bilder, die lügen“. Die von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland konzipierte und in Verbindung mit der Bundeszentrale für politische Bildung realisierte Wanderausstellung ist als nächstes im Landesmuseum von Lichtenstein in Vaduz zu sehen (31. Oktober bis 22. März). 5
„WE C AN INVENT KINGDOMS OF OUR OWN, GR AND PURPLE THRONES, THOSE CHAIRS OF LUS T & LOVE WE MUS T IN BEDS OF RUS T.“ JIM MORRISON
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Dass im Krieg, zur Vorbereitung eines Krieges, oder zur nachträglichen Rechtfertigung eines Krieges von offiziellen Stellen gelogen wird, dass sich die Balken biegen, versteht sich von selbst. In Kriegen ist die Wahrheit das erste Opfer. Zuletzt konnte man das im Konflikt zwischen Georgien und Russland verfolgen. Allerdings überzeugen selbst aufwändig gemachte Täuschungsmanöver nicht immer, wie etwa bei der Fotopräsentation, die US-Außenminister Colin Powell im Vorfeld des Krieges gegen den Irak vor dem UN-Sicherheitsrat zeigte.
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Titelthema: Schein und Sein
DIE 10 „SICHERSTEN“ PROGNOSEN ALLER ZEITEN „Spätestens ab Beginn des nächsten Jahrhunderts leben wir in einer absolut papierlosen Gesellschaft.“ (Roger Smith, Vorstand General Motors, 1986) „Ich sehe keinen triftigen Grund, warum die in diesem Bande aufgestellten Ansichten gegen irgendjemandes religiöse Gefühle verstoßen sollten.“ (Charles Darwin in: „Über die Entstehung der Arten“, 1859) „Wir mögen ihren Sound nicht und sehen keine Basis für eine Vermarktung. Gitarrenmusik hat sich ohnehin überlebt.“ (Decca Recording Co. begründet die Zurückweisung der Beatles, 1962) „Die Renten sind sicher.“ (Norbert Blüm, erstmals 1984) „Im Zeitalter des hoch entwickelten Buchdrucks sehen wir keinen kommerziellen Markt für eine weitere Maschine, die einfach nur gleichförmige Kopien eines Dokumentes anfertigen kann.“ (IBM-Vorstand, in einer internen Stellungnahme an die Entwicklungsabteilung. Die betreffenden Ingenieure quittierten den Job und gründeten die Firma Xerox.) „Ich bin nur froh, dass es Clark Gable ist, der auf die Fresse fällt, und nicht Gary Cooper." (Gary Cooper zu seinem Entschluss, die Hauptrolle in „Vom Winde verweht" nicht anzunehmen) „Eines wird sich niemals dauerhaft ändern: Die Rolle der Frau in Familie und Gesellschaft.“ (David Riesman, Soziologe, Harvard, 1967) „1950 wird die Demokratie tot sein.“ (John Langdon-Davies in: „Eine kurze Geschichte der Zukunft“, 1936)
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Heute müssen die Fotos nicht einmal mehr nachträglich am PC verfremdet werden. Moderne Kameras erlauben es, die Fotos schon bei ihrer Entstehung so zu manipulieren, dass es kaum noch Übereinstimmungen mit dem realen Motiv gibt (siehe auch Seite 14). Auch im Kinofilm ist dank moderner Computertechnik längst alles möglich. Hollywood träumt schon von einer Neuauflage von „Casablanca“ mit einem digitalen Humphrey Bogart. Und der Forscher Michael McGuigan vom Brookhaven National Laboratory in New York behauptet, dass schon in wenigen Jahren virtuelle Welten möglich sind, die durch nichts mehr von der Realität zu unterscheiden sind. Dann können wir ja bald die Umzugskoffer packen und lösen auch gleich das Problem der Überbevölkerung. Die Wirkungsmacht bewegter Bilder zeigt sich nicht zuletzt an der Werbung. Schöne junge Leute trinken ein Glas Campari oder ein Beck’s aus der Flasche? Cool! Modestrecken sehen aus wie verwackelte Schnappschüsse? Hip! Was die Werbeindustrie drauf hat, wie sie es immer wieder schafft, das vermeintlich Authentische zu kommerzialisieren, kann man sehr schön an dem Spot „Evolution“ des Kosmetikgiganten Dove wie auch an dessen parodistischer Antwort sehen – beides zu finden bei YouTube.
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Besonders leicht manipulieren lässt es sich in Chatrooms, und besonders leicht zu manipulieren sind Leute, für die schon der Zweifel etwas Negatives ist. Jesus ist seit Jahrhunderten nicht zurückgekommen, obwohl er doch nur mal eben kurz weg wollte? Der neue definitive Weltuntergangstermin hat sich als ebenso falsch erwiesen wie all die vorangegangenen? Egal! Es kann tausendmal erwiesen sein, dass Padre Pio sich seine blutenden Wundmale mit heimlich gebunkerten Chemikalien selbst zufügte, er bleibt dennoch der unantastbare italienische Nationalheilige. Nicht zu reden von jenen Zeitgenossen, die die Evolution leugnen oder als aufrechte „flat earthers“ gar daran glauben, dass die Erde eine Scheibe ist.
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„Wer zum Teufel will Schauspieler in Filmen reden hören? Dafür gibt’s Theater.“ (H. M. Warner, Warner Brothers, 1927) „Alles, was erfunden werden kann, ist erfunden worden.“ (Charles H. Duell, Beauftragter US-Patentamt, 1899)
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Gefeit vor Selbsttäuschungen sind aber auch aufgeklärtere Geister nicht. Weit verbreitet ist der Glaube, man könne sich in der Tagesschau über die wichtigsten Ereignisse des Tages informieren – auch wenn man dort massenhaft belanglose Politikerzitate vorgesetzt bekommt und das meiste ohnehin schon vergessen hat, wenn der Wetterbericht beginnt. Dass das Mitraten bei „Wer wird Millionär?“ eine gute Methode ist, sich Bildung anzueignen, ist auch keine Einzelmeinung. Fragt man die Deutschen nach dem schlauesten Landsmann, findet sich immer eine Mehrheit für Günther Jauch.
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10 BÜCHER ZUM THEMA SCHEIN UND SEIN WAHRHEIT IST DIE ERFINDUNG EINES LÜGNERS Der Physiker und Philosoph Heinz von Foerster und der Journalist Bernhard Prösken erkunden die Grenzen unseres Erkenntnisvermögens, diskutieren die scheinbare Objektivität unserer Sinneswahrnehmung, die Folgen des „Wahrheitsterrorismus“ sowie den Zusammenhang von Erkenntnis und Ethik, Sicht und Einsicht. (Carl-Auer Verlag Heidelberg, 8. Aufl. 2008) DAS ERFUNDENE MITTELALTER Der Publizist und Verleger Herbert Illig stützt seine 1991 aufgestellte These, dass im Rahmen der „größten Zeitfälschung der Geschichte“ drei Jahrhunderte zwischen der ausgehenden Antike und dem frühen Mittelalter erfunden worden sind, mit einer Fülle nachdenklich stimmender Fakten. Ernst nehmen ihn die meisten Historiker allerdings nicht. (Econ Verlag, Düsseldorf und München 1996) DIE GROSSE AKTION Sogar noch weiter vor wagt sich Uwe Topper, indem er die Behauptung aufstellt, das Christentum sei eine europäische Schöpfung, die nicht vor dem 10. Jahrhundert entstanden ist. Schräg. (Graber t Verlag, Tübingen 1998) LEXIKON DER GESCHICHTSIRRTÜMER Der Historiker Jörg Meidenbauer hilft uns, Abschied zu nehmen von vielen lieb gewonnenen Vorstellungen. (Eichborn Verlag, Frankfurt/M., 2004) POLITISCHE TEXTE 3 Kann man als Hochschulprofessor in einem wissenschaftlichen Verlag Bücher veröffentlichen, die über absonderliche Geschehnisse in einer fiktiven Parallelwelt berichten? Dieses Buch von Prof. Dr. Ralf Bochert zeigt: ja, man kann! (Shaker Verlag, Aachen 2008)
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10 Es mag in der Natur der Sache liegen, dass uns Werbetreibende, Politiker und Kleriker gerne ein X für ein U vormachen wollen. Aber leider ist auch auf die moderne Wissenschaft kein Verlass. Man denke nur an den Fall des Göttinger Urologen Alexander Kugler und seines Tübinger Kollegen Gernot Stuhler: Vor acht Jahren wollten sie bewiesen haben, dass man sich gegen Krebs impfen lassen kann, vor sieben Jahren wurden sie als Trickser entlarvt. Oder man denke an die 2005 und 2008 veröffentlichten Studien der medizinischen Universität Wien über Erbgutschäden durch Mobilfunk. Man kann darauf wetten, dass es genügend Naturburschen gibt, denen es nicht recht in den Kram passte, als das Institut kleinlaut zugeben musste, eine Labortechnikerin habe die alarmierenden Messergebnisse einfach erfunden.
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DAS EVANGELIUM DES FLIEGENDEN SPAGHETTIMONSTERS Dieses Buch von Bobby Henderson lehrt uns, dass alles auch in der Religion alles ganz anders sein könnte als gedacht – vor allem viel lustiger. (Goldmann Verlag, München 2007) DER INSZENIERTE TERRORISMUS Absonderliche Verschwörungstheorien rund um 9/11 gibt es zur Genüge, aber die hier von Politikwissenschaftler Thierry Meyssan formulierte Kernthese „Kein Flugzeug traf das Pentagon!“ ist noch immer nicht schlüssig widerlegt worden. (edito de facto, Kassel 2002) LEXIKON DER VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN Dank des Internets verbreiten sich selbst die absurdesten Gerüchte rasend schnell – Robert Anton Wilson liefert hier einen guten Überblick über die weltweit kursierenden Verschwörungstheorien, hütet sich aber vor Kommentaren zum Wahrheitsgehalt. (Eichborn, Frankfurt/M. 2000) TRÜMMER FÜR DEN FELDHERREN Verschwörungstheorie vom Feinsten: Was uns Hues Peccator hier über die Hintergründe der Anschläge vom 11. September 2001 mitteilt, ist so ungeheuerlich, dass die belasteten Instanzen (US-Regierung, CIA, Ölindustrie etc.) leider keinen Grund haben, darauf zu reagieren. (Extrem Verlag, Alfsfeld 2001) DAS JÜNGSTE GERÜCHT Sachbuchautor Michael Scheele klärt auf: Wie entstehen Gerüchte? Warum glauben und verbreiten wir sie? Welchen Schaden richten sie an und wie kann man sich wehren? (MVG Verlag bei Redline, München 2006)
Manchmal gehen Wissenschaftler sogar so weit, in vermeintlichen Fachbüchern ganze Welten zu erfinden. Wir haben in unserem Magazin schon vor vier Jahren einen irritierenden Blick auf die skurrile Welt „Gora“ geworfen (Ausgabe 20/2005). Nun hat Prof. Dr. Ralf Bochert mit einem neuen Buch zu untermauern versucht, dass es diese Welt tatsächlich gibt („Politische Texte 3“, erschienen im seriösen Shaker Verlag aus Aachen). Wir wollen dem nicht weiter Vorschub leisten und enthüllen deshalb an dieser Stelle exklusiv, dass das ganze wahnwitzige Gora-Universum auf einem 1979 gestarteten Rollenspiel basiert und von einer streng hierarchisch gegliederten Ordensgemeinschaft jeden Tag ein Stück weiterentwickelt wird.
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Titelthema: Schein und Sein
10 WAHRHEITEN, DIE KEINER WISSEN WILL
Buchtipp
JAMES BR ANCH C ABELL: JÜRGEN
JOHANNES GUTENBERG HIESS IN WAHRHEIT JOHANNES GENSFLEISCH.
Mundus vult decipi – dieses Motto wählte der heute leider nahezu vergessene amerikanische Schriftsteller James Branch Cabell (1879–1958) für seine ungemein sophistischen und nur so vor Ironie, Zynismus und feinen Anspielungen strotzenden Romane, die in der fiktiven mittelalterlichen Welt Poictesme spielen. Das ist sehr treffend, denn Cabells Helden sind allesamt freigeistige Rebellen und Poeten, die zwar ahnen, dass der graue Alltag stärker ist als ihre hohen Ideale, die sich dadurch aber nicht entmutigen lassen. In seinem 1919 erschienen Roman „Jürgen“ (der es in den USA zeitweise zu großer Popularität brachte, weil er mit der lächerlichen Begründung verboten wurde, er sei „obszön“ und „pornografisch“) erlebt der gleichnamige Protagonist die phantastischsten Abenteuer, erklimmt die denkbar höchsten Stufen der Karriereleiter und erntet unvergleichlichen Ruhm – doch am Ende trollt er sich zurück nach Hause zu seiner keifenden Frau, die immerhin gut kochen kann.
IN DER MUNDHÖHLE EINES MENSCHEN LEBEN C A. 300 VERSCHIEDENE BAK TERIENAR TEN. KALKUTTA LIEGT NICHT AM GANGES, AUCH WENN VICO TORRIANI DAS IN EINEM GASSENHAUER AUS DEN 60ER JAHREN IMMER WIEDER GESUNGEN HAT. IN MILCHSCHNITTE S TECK T NICHT DAS BES TE AUS EINEM 1/4 LITER MILCH. GLÜCKSKEKSE SIND KEINE ALTE CHINESISCHE TR ADITION, SONDERN EINE MARKETINGIDEE AUS DEN USA.
Das Buch ist leider nur antiquarisch zu bekommen, und nur mit Glück stößt man auf die gebundene deutsche Erstausgabe von 1928. Ebenso lesenswert ist aber das 1981 bei Heyne erschienene Taschenbuch, auch wenn es nicht so viel hermacht.
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GÜNTHER JAUCH IS T NICHT DER KLÜGS TE MANN DEUTSCHL ANDS.
Sicherlich arbeiten die meisten Wissenschaftler seriös. Aber nehmen wir nur einmal die Geschichtswissenschaft. Zwar versucht ein gewaltiges Heer von Historikern, Archäologen und anderen Wissenschaftlern, die Geschehnisse vergangener Zeiten auszuleuchten. Doch immer wieder kommt es vor, dass scheinbar gesicherte Fakten irgendwann als Trugbild entlarvt werden. Jahrelang behauptete der Chefausgräber von Troja, die antike Stadt sei nur ein kleines Piratennest gewesen. Nach neuen Funden hat nun plötzlich der alte Schliemann wieder recht, und sie war tatsächlich groß und bedeutend. Selbst über wichtige und nur kurz zurückliegende Ereignisse wissen wir wenig: Wer steckt hinter dem Tod von John F. Kennedy? Hat sich Uwe Barschel wirklich selbst umgebracht?
DER GEBUR TS TAG VON JESUS WURDE AUF DEN 25. DEZEMBER GELEG T, WEIL DIESER TAG AL S GEBUR TS TAG VON DESSEN KONKURRENZGOTT MITHR AS GALT. HEISSE MILCH MIT HONIG UND „HEISSE ZITRONE“ SIND KEINE GEEIGNETEN HAUSMITTEL GEGEN ERKÄLTUNGEN. HITLER HAT DIE AUTOBAHNEN NICHT ERFUNDEN, ER HAT DEN NAMEN NICHT GEPR ÄG T, UND ER HAT SIE AUCH NICHT AL S ERS TER GEBAUT.
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IM COLOSSEUM SIND KEINE CHRIS TEN HINGERICHTET WORDEN.
Archiv
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Wo die Faktenlage schwierig ist, sprießen die Spekulationen ins Kraut. Zum furchtbaren Terroranschlag vom 11. September 2001 gibt es die aberwitzigsten Verschwörungstheorien. Der Querkopf Uwe Topper will uns mit seinem Buch „Die große Aktion“ davon überzeugen, dass es eine „planmäßige Fälschung unserer Vergangenheit von der Antike bis zur Aufklärung“ gegeben hat. Die Bibel ist seiner Meinung nach kaum mehr als 1.000 Jahre alt, und Tacitus’ „Germania“ wurde erst um 1500 geschrieben. Fast alle Historiker halten das für Blödsinn, aber er hat seine Jünger.
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Zu allem Unglück können wir uns selbst über unsere eigene Vergangenheit nicht sicher sein. Es gilt als erwiesen, dass vieles, woran wir uns zu erinnern glauben, in Wahrheit eine Mischung aus tatsächlich Erlebtem und Versatzstücken aus Filmen, Erzählungen und Gelesenem ist. Forscher haben längst bewiesen, dass es erschreckend leicht ist, uns falsche Erinnerungen aufschwatzen. Was aber lernen wir daraus? Zumindest das: Absolute Wahrheiten gibt es nur vermeintlich. Oder, wie es der Physiker und Philosoph Heinz Foerster ausdrückt: „Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners“. Wir haben jedenfalls allen Grund, denjenigen zu misstrauen, die sich im Besitz der Wahrheit wähnen. Vielleicht ist sogar der alte geflügelte Spruch doch nicht so falsch, in dem es heißt: Nur weil du nicht paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht hinter dir her sind. Letzten Endes sind wir auch heute nicht viel schlauer als der Philosoph René Descartes im 17. Jahrhundert. Er hatte nur eine einzige Gewissheit: „Ich denke, also bin ich.“
Ende
ARCHIV + Malsy 12/2001 Anja Schnaars 19/2005 Axel Thomae 12/2001 Benjamin Tafel 17/2004 Boris Schimanski 02/1998 Burkhard Schittny 05/1999 Carsten Heidmann 03/1999 Christian Muhrbeck 06/2000 Christian Nielinger 09/2001 Christian Schaulin 19/2005 Christian Schmidt 26/2008 Claudia Schiffner 11/2001 Die Typonauten 16/2003 Dennis Orel 17/2004 Eckard Twistel 04/1999 Elke Graalfs 15/2003 Emir Haveric 14/2003 Eva König 05/1999 Frank Hoffmann 25/2008 Frank Koenig 18/2004 Günter Zint 24/2007 Hartmut Neumann 17/2004 Helga Clauss 01/1998 Henrique Lemes 14/2003 Ikonen (Freeware) 03/1999 Ilan Hamra 27/2008 Jan Schmitt 13/2002 Jörg Bierfischer 01/1998 Julia Baier 22/2006 Kai Peters 04/1999 Kari Modén 24/2007 Kay Michalak 20/2005 Lars F. Herzog 08/2000 Leo Krumbacher 16/2003 Martina Wember 25/2008 Michael Jungblut 08/2000 Michel Meyer 20/2005 Myrzik und Jarisch 23/2006 Nikolai Wolff 13/2003 Nina Pagalies 18/2004 Norbert Bayer 21/2005 Nova Art Explosion 09/2001 Oblaten 11/2001 Ole Kaleschke 07/2000 Pascal Cloëtta 22/2006 Petra Beisse 06/2000 Thomas Karsten 21/2005 Thomas Marutschke 23/2006 Tristan Vankann 07/2000 Uli Mattes 02/1998 Wolfgang Eschenhagen 5/2003
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Illustration: historische Anziehpuppen
KLEIDER MACHEN LEUTE Traumwelt der Mode Könnte es ein besseres Beispiel dafür geben, wie sehr Schein und Sein auseinanderklaffen können, als die Mode? Einen Fremden im teuren Smoking oder eine Fremde im schulterfreien Abendkleid stecken wir schließlich nicht in dieselbe Schublade wie jemanden, der im eingelaufenen Trainingsanzug daherkommt. Wie sehr Kleider Leute machen, hat weiland schon der „Hauptmann von Köpenick“ bewiesen. Der war in Wahrheit ein ostpreußischer Schuhmacher, konnte aber dank seiner Offiziersuniform zehn Gardesoldaten unter sein Kommando stellen, ein Rathaus besetzen lassen und einen Bürgermeister verhaften. Aus jener Zeit stammen auch diese schönen Bastelfiguren und Ankleidepuppen, die wir dem Katalog zur Ausstellung „Traumwelt der Puppen“ in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München (Hirmer Verlag, München 1991), entnommen haben.
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BASTELBOGEN
Die Bögen des 19. Jahrhunderts bilden die Personen und ihre Kostüme auch mit Vorder- und Rückseite ab, so dass die Figuren aufeinandergeklebt, auf Hölzchen gesteckt und aufgestellt werden konnten.
BASTELBOGEN
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Digitale Scheinwelt
KLICK
DIE DIGITALE FOTO-MANIPUL ATION Auf Knopfdruck werden Personen schlanker oder verschwinden ganz, der graue Himmel wird blau und Gegenstände aller Art tauchen wie aus dem Nichts auf. Willkommen auf der Photokina, der weltgrößten Fotomesse der Welt. Hier finden Sie das Rüstzeug, um die triste Realität wegzumanipulieren. Sie wollten schon immer schön wie ein Top-Model sein, scheuen aber das Risiko einer Schönheitsoperation? Ihnen kann geholfen werden – zumindest in Ihrem virtuellen Leben in Onlineplattformen und Partnerbörsen. Fotos, die Sie schlank und schön erscheinen lassen, stellen Sie im Handumdrehen selbst her. Das Werkzeug wurde auf der letzten Photokina vorgestellt. Sie mögen Ihre Pickel und Hautfalten nicht? Neuartige Kameras können sie schon beim Auslösen eliminieren. Dafür sorgen zum Beispiel der „Beauty-shot-Modus“ von Samsung oder der „Make-up-Shot“ von Casio. Kameras mit eingebauter „VerschlankungsFunktion“, wie sie Pentax jetzt vorgestellt hat, gibt es schon seit zwei Jahren. Sie ermöglicht es, dass Dicke auf Knopfdruck plötzlich dünner erscheinen. Die Verschlankung betrifft allerdings den ganzen Körper und sorgt so buchstäblich auch für lange Gesichter. Eleganter ist die israelische Softwarelösung „Face Beautification“. Sie zaubert auf ernste oder traurige Gesichter nachträglich ein freundliches Lächeln, und kann auch Augen größer und Lippen voller erscheinen lassen. Wenn einem ein Gesicht nicht passt, kann man aber auch auf die bei Despoten beliebte Methode zurückgreifen und es einfach verschwinden lassen. Schon vor zwei Jahren hat der US-Computerkonzern HP eine Kamera vorgestellt, die dank ihres integrierten Computers aus mehreren Bildern ein neues Bild zusammensetzt. Ungewollt mit abgelichtete Passanten etwa sind einfach verschwunden. Sinnigerweise nennt HP solche Spielchen „Real Life Technologies“.
ALISON JACKSON: CONFIDENTIAL Die Warnung auf der Titelseite dieses prallen Bildbandes hat ihre Berechtigung: „What you see in this book is not ’real’.“ Denn obwohl die Fotos wie authentische Schnappschüsse erscheinen, zeigen sie doch nicht das, was sie zu zeigen scheinen: die Queen auf dem Klo sitzend, George Bush und Tony Blair plaudernd in der Sauna, Madonna bei der Selbstbefriedigung und Monica Lewinsky, wie sie Bill Clinton gerade eine Zigarre anzündet. In Wahrheit sind das natürlich nur verblüffend ähnliche Doppelgänger. Aber die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Künstlerin hat sie so geschickt und einfühlsam in Szene gesetzt, dass der Betrachter meint, hier seien die Prominenten wirklich einmal in äußerst intimen Momenten erwischt worden. So verbreiten Jacksons Bilder auf sublime Weise die Botschaft, dass die Wahrheit doch etwas ganz anderes ist als das, was man zu sehen meint. Im Moment ist die Fotografin übrigens auf der Suche nach einem Double von Gordon Brown. TASCHEN VERLAG, KÖLN 2008
marie-luise@m4models
Fotograf: Ilan Hamra
ILAN HAMRA FOTOGR AF
1994 – 1997 1998 .......... 2000 – 2003 seit 2002 ..... seit 2005 ..... 2007 ...........
Geboren in Berlin als Kind einer Deutschen und eines Syrers Tanzgrundlagen (Modern Dance) und Abitur; eine Schauspielausbildung weckt das Interesse an Inszenierung | Regie und legt den Grundstein für die Karriere als Fotograf. Fotostudium am Lette-Verein Berlin Umzug nach Hamburg Inhaber einer international tätigen Postproduction-Firma Arbeit als Fotograf für verschiedenste Magazine und Musiklabel Für Agenturen in ganz Europa in der Werbefotografie tätig Geburt der Tochter Mila
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Studio: Max-Brauer-Allee 218, 22769 Hamburg www.hamra.de, studio@hamra.de T + 49.(0)40. 2548 2900, M + 49.(0)163. 320 1000
1972 ........... 1989 –1993
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signe/m4models
Fotograf: Ilan Hamra Ilan Hamra Fotograf:
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Das Archiv Ilan Hamra Fotograf:
Glosse: Ökoschein
UNGELIEBTE WAHRHEITEN FÜR ÖKOFREAKS Manche Dinge sind so sonnenklar, dass man über sie gar nicht mehr nachdenkt: Die Erde ist kugelförmig, Schalke wird nicht deutscher Fußballmeister – und wenn man der Umwelt einen Gefallen tun will, isst man lieber Obst aus der Region als Importware vom anderen Ende der Welt. Leider ist eine dieser Gewissheiten falsch. Nein, liebe Schalker, wir können hier leider nicht versprechen, dass Euer Leiden bald ein Ende hat. Und natürlich sehen wir uns außerstande, den „flat earthers“ einen Grund zu geben, in Triumphgeheul auszubrechen. Es ist das Obst, liebe Leute, über das wir uns neu Gedanken machen sollten! Nehmen wir den Apfel: Dachten Sie nicht auch, Sie leisteten wenigstens einen kleinen Beitrag zur Vermeidung von Kohlendioxid, wenn Sie im Supermarkt Äpfel aus dem Alten Land kaufen statt aus Australien oder Neuseeland? Das ist ein Irrtum. Forscher der Uni Gießen haben sich die Sache allerdings jetzt ganz genau angeschaut und herausgefunden, dass die Transportentfernung unter dem Strich kaum ins Gewicht fällt. Ihre Studie belegt, dass der Energieaufwand für Anbau, Ernte und Transport vor allem von der Betriebsgröße abhängt. Produkte aus kleineren Betrieben verbrauchen dabei bis zu fünfmal mehr Energie als solche aus größeren Betrieben. Grund: Zum einen ist der Transport der Äpfel in kleineren Betrieben aufwändiger, weil die Fahrzeuge kleiner sind. Zum anderen werden die Äpfel der kleineren Betriebe meist in externen Kühlhäusern gelagert und müssen erst dorthin gekarrt werden. (Ähnliches gilt übrigens auch für Druckereien, die Druckplatten durch die Gegend fahren, sich nach außen hin aber gern als umweltfreundlich bezeichnen, aber das nur am Rande.) Bei Betrieben mit einer Jahresproduktion von mehr als 1.000 Tonnen Tafeläpfeln beträgt der Energieaufwand nur 0,1 Kilowattstunden pro Kilogramm, wobei 40 Gramm Kohlendioxid pro Kilo freigesetzt werden. Betriebe, die weniger als 200 Tonnen Äpfel erzeugen, verbrauchen dagegen bis zu 0,5 Kilowattstunden pro Kilo und erzeugen dabei bis zu 200 Gramm CO2 pro Kilo. Die von der Südhalbkugel importierten Äpfel dagegen werden in der Regel in riesigen Schiffen nach Deutschland gebracht. Dabei wird in etwa genau so viel Energie verbraten wie bei der monatelangen Einlagerung deutscher Äpfel in Kühlhäusern. Eindeutig im Vorteil sind einheimische Äpfel also allenfalls dann, wenn gerade Apfelsaison ist.
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Interview mit Frank Rüter
„BEI SERVICE UND BERATUNG TRENNT SICH DIE SPREU VOM WEIZEN.“ FR ANK RÜTER ZUM THEMA QUALITÄT IN DER DRUCKINDUS TRIE Druckereien gibt es viele, und wohl jede einzelne wird für sich in Anspruch nehmen, ihren Kunden selbstverständlich eine hohe Qualität zu bieten. Tatsächlich aber gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede, wie unser Geschäftsführer Frank Rüter im Interview erläutert. Herr Rüter, diesem Heft liegt eine kleine Broschüre zum Thema Qualitätssicherung bei. Unterscheidet sich denn die Qualität von Druckereien überhaupt so signifikant? Zuallererst unterscheiden wir uns doch dadurch, dass wir dieses Magazin herausgeben und dazu noch eine so hübsche Broschüre beilegen. Oder haben Sie woanders schon mal eine so tolle „Akte“ gesehen? Und wenn Sie unter „Qualität“ die Druckqualität meinen: Da spielen wir seit Jahren in der Champions-League. Und wie im echten Leben, gibt es woanders auch die Kreisliga oder die Bezirksklasse. Und das ist auch okay so. Bedeutet hohe Qualität nicht gleichzeitig auch hohe Kosten? Oder anders gefragt: Ist man bei Ihnen an der falschen Adresse, wenn man mal einen nicht so anspruchsvollen Druckauftrag hat und zum Beispiel nur mal eben 1.000 Flyer braucht? Ein doppeltes „Nein“. Ob Sie ein verschmiertes Wort mit vier farbigen Buchstaben oder ein Spitzenfoto von Helmut Newton
(siehe übernächste Seite) drucken: Es kostet das gleiche, wenn wir mal von dem um einen Cent höheren Farbverbrauch absehen. Was wirklich mehr kostet, sind natürlich der Service und die Beratung. Und gerade in diesem Punkt sind Sie bei uns zu 100 Prozent an der richtigen Adresse. Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen … Sie haben viel Geld investiert und sich neue Druckmaschinen angeschafft und auch in der Peripherie einiges verändert. Heißt das nicht, dass die Qualität vorher doch nicht mehr ganz so gut war? Bekommt der Kunde jetzt also mehr Qualität zum selben Preis? Qualität ist das Ergebnis eines ständigen Verbesserungsprozesses und natürlich gibt es eine technische Entwicklung, die sich qualitativ auswirkt. Ganz konkret möchte ich hier unser Meßsystem Image-Control nennen. In wenigen Sekunden werden auf einem Druckbogen 160.000 Bildpunkte spektralfotometrisch gemessen. Abweichungen zum abgestimmten Referenzbogen werden sofort an die Maschine gemeldet und korrigiert. So erreicht man eine stabile Farbgebung über die gesamte Auflage. Mit einem 386er PC aus dem Jahre 1990 hätte man diese Datenmenge sicher nicht verarbeiten können.
Berlin-News
VORSTOSS IN NEUE DRUCKDIMENSIONEN
EIN LIVE- ERLEB NIS
Was BerlinDruck alles für die Qualitätssicherung tut, steht ja in der beiliegenden Broschüre. Aber was bedeutet Qualität für Sie ganz persönlich? Die Qualität gibt an, in welchem Maße ein Produkt den bestehenden Anforderungen entspricht. Und diese Anforderungen können durchaus variieren. Die gedruckte Inhaltsangabe auf einem Zementsack hat eine andere Anforderung als ein Prospekt, mit dessen Hilfe ein Produkt verkauft werden soll. Da wir uns eher mit Prospekten beschäftigen, befinden wir uns automatisch an der HighQuality-Seite der Anforderungen. Da sind wir nicht erst seit heute. Und da bleibt man nur, wenn man gutes Personal hat, das ständig neu geschult und immer auf der Höhe der Zeit ist. Wir reden immer von den (teueren) Investitionen. Mit jeder Investition ist auch immer eine Schulung verbunden. Unsere Drucker waren in diesem Jahr schon mehrere Wochen in Heidelberg. Und gerade jetzt, in dem Moment, in dem wir dieses Interview führen, findet eine dreitägige Inhouse-Schulung in unserer Buchbinderei statt. FSC-Zertifizierung, Drucken nach PSO-Standard, neuer Workflow, neue Druckmaschinen – jetzt kommen wir doch noch mal auf die zweite Frage zurück: Das bedeutet doch höhere Kosten? Aber auch höhere Produktivität, weniger Fehler und viel mehr Spaß an der Arbeit. Definieren wir uns doch einfach über die Anforderungen, die unsere Kunden an uns stellen. Wer seine Disko-Flyer bei www.flyeralarm bestellen möchte, denkt sicher nicht an BerlinDruck. Hoffentlich.
Auf unerwartet große Resonanz stieß eine Einladung, die wir mit unserem allerersten BerlinDruckNewsletter am 11. Juli an 931 Kontaktadressen versendeten: Noch am selben Tag verfolgten 268 Online-Besucher live per Webcam, wie bei uns am Bremer Kreuz die erste von zwei Heidelberger Druckmaschinen der neuen Formatklasse Speedmaster XL 105 installiert wurde. Bis zum ersten Andruck der neuen Maschine am 24. Juli waren es schon 3.955 Personen. Wie gut, dass die Fußballbundesliga da noch in der Sommerpause war. Denn die nicht ganz kleinen Datenmengen der Livekamera liefen über die Server der Westermann Mediendienstleistungen (www.wol.de), auf denen sich sonst Tausende von Werder-Bremen-Fans (www.werder.de) tummeln. Ein Zeitraffer-Video von Auf- und Abbau gibt‘s hier: http://www.berlindruck.de/berlin/webcam/ historie2.html
PUBLIC VIEWING Eine echte Innovation ist der Großbildschirm an unserer neuen Heidelberger XL. Mit dem in die Fremdlichtabschirmung integrierten Wallscreen erhält der Drucker einen bisher nicht möglichen Überblick über alle Maschinenprozesse. So kann er nicht nur alle Druckfunktionen anhand eines Querschnitts der Maschine dynamisch visualisieren, sondern auch den Druckbogen 1:1 in der Breite zu den Farbzonen anzeigen. Weil man über den Wallscreen auch im Internet surfen kann, kam der Leiter der Vorstufe bei BerlinDruck, Jens Wetzel, nach einem denkwürdigen Fußballspiel in der Münchener Allianz-Arena auf eine andere innovative Nutzungsidee: Als sein Kollege Mike Reimers, XL-Drucker und bekennender Bayern-Fan, zu Beginn der Frühschicht den Bildschirm anschaltete, blickte er nicht auf das „Prinect-Cockpit“ oder die „Machine Components“. Jens Wetzel hatte sich erlaubt, die Anzeigetafel aus der Allianz-Arena zu kopieren. Kein guter Tag für Mike!
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Berlin-News
NEWTON-BILDBAND AUF ABSOLUTWEISS Eigentlich gehört das Drucken von Büchern zum Alltagsgeschäft einer Druckerei. Man erhält die druckfertigen Daten, druckt und übergibt die Bogen einer Spezialbuchbinderei zur Fertigstellung. Recht außergewöhnlich ist es dagegen, wenn eine Druckerei so eng in die Gestaltung, Papierauswahl und Ausstattung eines Buches einbezogen wird, wie wir beim Begleitbuch zur Ausstellung „Helmut Newton – Fotografien“, die noch bis zum 31. Dezember im Neuen Museum Weserburg in Bremen läuft. Das von uns vorgeschlagene, absolutweiße Papier „heaven 42“ der Papierfabrik Scheufelen unterstreicht die kühle Ausstrahlung der Bilder und erreicht durch die softmatt gestrichene Oberfläche eine hohe Detailschärfe der Schwarzweiß-Abbildungen. Ebenso wie die viel beachtete Ausstellung macht das Buch deutlich, was die Karriere Helmut Newtons geprägt hat: Bei ihm gibt es keine gespielte Naivität mehr, sondern Frauen, die selbstbewusst ihre Körper zeigen. Seine genau inszenierten Aufnahmen mit ihrer bewusst ausgestellten Sexualität provozieren noch heute. In den 1960er Jahren sprengten sie die Grenzen der traditionellen Modefotografie, beschworen ein neues Frauenbild und machten Newton zu einem der berühmtesten und bestbezahlten Fotografen des 20. Jahrhunderts.
FACHCHINESISCH Immer haben Setzer und Drucker mit einer eigenen Sprache und eigenen Systemen dafür gesorgt, dass Normalsterbliche nicht in ihre „schwarze Kunst“ pfuschen konnten. Erst der Fotosatz in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hat z. B. dafür gesorgt, dass das geheimnisvolle Maßsystem „Cicero“ durch Millimeter abgelöst wurde. Offene EDV-Systeme und DTP-Programme, die auch am Heim-PC bedient werden können, haben bewirkt, dass heute alle Setzer-Geheimnisse gelüftet sind. Ligaturen sind verschwunden, Bastardschriften beherrschen Windows und mit dem letzten übrig gebliebenen Begriff „Punkt“ (für Schriftgröße) kann jeder etwas anfangen. Wenn da nicht etwas in Mode gekommen wäre, was ein echter Jünger Gutenbergs niemals zugelassen hätte: die allgegenwärtige Binnenmajuskel. Jetzt aber schnell gegoogelt oder auf der nächsten Seite unter dem Impressum nachgeschaut. Meint jedenfalls der Chef dieser Binnenmajuskel-Firma.
NEUER SAMMELHEFTER Wie eng verzahnt die eigentlich drei recht unterschiedlichen Berufs- und Produktionsfelder in einer Druckerei (Mediengestaltung, Druck, Buchbinden) sind, merkt man besonders in einer starken Investitionsphase. Unsere neue Druckmaschine Speedmaster XL machte aufgrund des neuen Formats einen neuen Plattenbelichter erforderlich und damit große Investitionen in der Vorstufe. Kaum läuft die neue Heidelberger Maschine mit 18.000 Bogen pro Stunde, gibt’s in der Weiterverarbeitung ein neues Nadelöhr. In der Broschürenfertigung erweist sich der noch voll funktionsfähige Sammelhefter als zu langsam. Zeit für einen neuen Heidelberger Stitchmaster ST 350. Bis zu 12.000 Broschüren im Formatbereich bis 320 x 480 mm lassen sich damit pro Stunde verarbeiten. Das ist zwar noch kein XL-Tempo, aber bei einer 96-Seiten-Broschüre, die in einem Durchgang verarbeitet werden kann, müsste ja die Druckmaschine mehrfach 18.000 Bogen pro Stunde „ausspucken“, wenn sie den Sammelhefter überholen wollte.
Einige Leser von „28832 Berlin“ können sich von der Qualität der Bilder und der Buchproduktion jetzt ein eigenes Bild machen: Die ersten zehn Personen, die eine E-Mail mit ihrer Anschrift und dem Betreff „NewtonBuch“ an info@berlindruck.de schicken, erhalten ein kostenloses Exemplar.
Ein gutes Jahr nach den ersten Investitionsentscheidungen steht am Bremer Kreuz damit eine völlig neue Druckerei. Die Maschinen ändern sich, die Leistung bleibt. Versprochen.
Fragebogen Fragebogen
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FRAGEBOGEN ANKE HOLSTE SEKRETARIAT/ZENTR ALE Was ist für Sie das größte Unglück: unheilbar krank zu sein Wo möchten Sie leben: an einem See Was ist für Sie das vollkommene Glück: meine Tochter Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten: die meiner Tochter Ihre Lieblingsgestalt in der Kulturgeschichte: Einstein Ihre liebste Werbefigur: Malboro Man Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit: alle Mütter dieser Welt Ihr Lieblingskomponist: Gordon Matthew Sumner Was aus der Welt der Technik hat Sie besonders beeindruckt: Internet Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten: Handwerklichkeit Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten: Diplomatie Was kauften Sie von Ihrem ersten selbstverdienten Geld: Schuhe Ihre Lieblingstugend: Gerechtigkeit Ihre Lieblingsbeschäftigung: Kaffeeklatschen mit meinen Freundinnen Wer oder was hätten Sie sein mögen: eine *-Köchin Welches technische Produkt halten Sie für überflüssig: Mikrowelle Und welches für unentbehrlich: Fön Ihr Hauptcharakterzug: Verlässlichkeit Ihr Lieblingsschriftsteller: Joanne K. Rowling Ihr Lieblingsname: Linda Ihre Lieblingsfarbe: Pink Ihre Lieblingsschrift: Olympian Ihr Lieblingspapier: das von BerlinDruck bedruckte Was verabscheuen Sie am meisten: Unpünktlichkeit Welche kreativen Leistungen bewundern Sie am meisten: musikalisch zu sein Wenn Sie einen Wunsch an die Technik frei hätten, welcher wäre es: ein tankfreies Auto Welches kulturelle Ereignis hat Sie besonders beeindruckt: mein erster Musical-Besuch (Phantom der Oper) Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen: viele verschiedene Fremdsprachen sprechen zu können Ihr Motto: immer sparsam
Making-of In unserem Prinergy Evo Workflow konnten wir die Seiten dieses Heftes auf einem 30 Zoll Apple Cinema HD Panorama-Bildschirm betrachten. Die Kodak-Druckplatten wurden auf unserer CtP-Anlage Kodak Magnus 800 Quantum belichtet. Gedruckt wurde auf Zanders Medley Pure und Zanders Medley Plus Silk, einem hochfeinen Naturpapier bzw. matt gestrichenem Kunstdruck-Papier aus dem Hause M-Real ZANDERS in Bergisch-Gladbach. 2 Für den Umschlag und den Bastelbogen in der Heftmitte kamen 250 g/m , für den Inhalt 170 g/m2 zum Einsatz. Auf unserer nagelneuen Heidelberger Speedmaster XL 105 wurde im Offsetdruck mit Novaboard Skalenfarben gedruckt. Die buchbinderische Verarbeitung erfolgte in unserem Hause über eine Stahl-Falzmaschine TH-66 und den neuen StahlSammelhefter Stichmaster ST350.
Impressum Herausgeber: BerlinDruck GmbH + Co KG Oskar-Schulze-Straße 12 28832 Achim Tel. 0421 43871-0 Fax 0421 43871-33 ISDN 0421 43871-55 www.berlindruck.de Redaktion, Typografie, Design und Reinzeichnung: moskito public relations Auflage: 1.500
Eine Binnenmajuskel ist ein Großbuchstabe, der sich mitten im Wort befi
ndet. Beispiele: iPod, BlackBerr y, HafenCity oder BerlinDruck.
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