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Moskau - Peking, eine Reise in andern Dimensionen

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Zarengold 17. August – 1. September 2008 Moskau – Peking 7838 km


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Eine Reise in andern Dimensionen 17. August – 1. September 2008 Moskau – Peking 7838 km

1. Teil 17. – 24. August 2008 Moskau – Baikalsee 5048 km


Moskau 17./18. August 2008


Sonntag, 17. August Abflug in Kloten 7 Uhr, Ankunft in Moskau 13.30 Uhr Ortszeit (2 Stunden Zeitverschiebung), Nächtliche Fahrt mit der Metro zum Roten Platz Marianne holt uns 04.30 Uhr ab und bringt uns mit dem Auto zum Flughafen Kloten. Zum ersten Mal elektronischer Check-in; dank Support durch einen Angestellten problemlos. Abflug pünktlich um 7 Uhr mit Swiss Airbus. Zwischenlandung in Genf, dann weiter Richtung Moskau. Landung in Moskau 13.30 Uhr Ortszeit (2 Stunden Zeitverschiebung). Die Zollabfertigung dauert eine ganze Stunde. Temperatur 30 Grad Celsius! Mit dem Car geht es in einer stündigen Fahrt durch die Banlieu von Moskau zum Hotel Renaissance. Aussenbezirke Moskaus trostlos monoton, typische Plattenbauten aus der Nachkriegszeit, grau in grau. Das Hotel Renaissance hat westlichen Standard, sehr schöne Zimmer und saftige Preise. Im Biergarten kostet eine Mass Bier 18 Schweizerfranken umgerechnet. Abendessen um 20 Uhr im Restaurant des Hotels. Kaltes und warmes Buffet: sehr gut. 21.30 Uhr Abfahrt mit Bus ins nächtliche Moskau. Olga ist unsere Reiseführerin. Sie entspricht dem Bild der Babuschka, wie wir sie uns vorstellen: dicke Beine, klein, ein wenig beleibt, aber sehr gesellig und intelligent. Sie spricht ausgezeichnet Deutsch und hat ein ungeheures Wissen. Wir besuchen drei der berühmten Metrostationen, die eigentlich Kunstdenkmäler sind. Wir fahren auch mit der Metro. Auffallend sind die zum Teil grossen Distanzen zwischen den einzelnen Stationen. Bei einem Spaziergang zum Roten Platz entdecken wir durch einen Torbogen die weltberühmte Basilius-Kathedrale mit ihren farbenfrohen Zwiebeltürmen, von Scheinwerfern hell beleuchtet. Es ist wie im Märchen. Wir erreichen den Roten Platz, rechts die hohen Mauern des Kremls, links das Kaufhaus GUM, von Tausenden Lampen beleuchtet. Ein eindrückliches Szenario, das wir nicht so schnell vergessen werden. Der Platz ist noch sehr belebt, wohl auch wegen der hochsommerlichen Temperaturen in Moskau. Der Bus wartet unterhalb des Roten Platzes und bringt uns zum Hotel zurück.

Erste Eindrücke: Glanz und Gloria der russischen Geschichte (Zarenzeit, Oktoberrevolution, Kreml, Roter Platz, Basilius Kathedrale. Aufbruch Perestroika, viele Luxusautos auf den Strassen, schöne mondäne Geschäfte). Moskau gehört zu den teuersten Städten auf der Welt.


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Moskau – Kasan 793 km 18./19. August 2008

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Montag, 18. August Stadtbesichtigung in Moskau – Abfahrt mit dem Zarengold 20.50 Uhr – Ankunft in Kasan Dienstag, 19. August 10.30 Uhr, Distanz Moskau – Kasan 793 km Tagwache 8 Uhr. Wir haben ausgezeichnet geschlafen. Üppiges Frühstücksbuffet im Hotel Renaissance, danach Aufbruch zur ausgedehnten Stadtbesichtigung, erste Station: Kreml. Am Eingang wird meine Kamera genauestens inspiziert. Der junge Wachsoldat hat wohl noch nie eine solche Kamera gesehen und vermutet eine Waffe. Olga weiss sehr viel zu erzählen. Vor allem schwelgt sie in den grausigen Geschichten um Iwan den Schrecklichen, der schon mit neun Jahren Experimente mit Menschen gemacht haben soll: in einer übergrossen Pfanne gebraten, aufgespitzt, den Bären vorgeworfen usw. Der Begriff «Kreml» bedeutet eigentlich «Festung» und ist nicht auf Moskau beschränkt. Schon am nächsten Tag in Kasan besuchen wir wieder einen Kreml, der sogar zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Der Moskauer Kreml hat sehr schöne Bauten, Kirchen mit den farbigen Zwiebeltürmen, eine fantastische Wehrmauer aus Ziegelsteinen, unten reliefartig angelegt, oben gerade (unten: asiatisch, siehe auch die Chinesische Mauer; oben europäisch) Mittagessen in einem sehr guten Restaurant ausserhalb des Zentrums, Weiterfahrt zur Universität auf einem Aussichtspunkt oberhalb Moskaus. Weiterfahrt zum Roten Platz, wo wir eine Stunde freien Ausgang haben. Wir machen nochmals einen Spaziergang – jetzt bei Tageslicht – über den blitzblanken Platz. (Roter Platz = Schöner Platz). Wir besuchen die mondäne Einkaufsgalerie gegenüber dem Kreml, die auf drei Stöcke verteilt ist. Hier befinden sich alle bekannten Marken der Welt, wohl eher für die russische neureiche Schickeria reserviert.

Um 18 Uhr geht es mit dem Bus zum Kasaner Bahnhof. Der Zarengold fährt um 20 Uhr ein. Jedem Wagen entsteigen zwei Schaffnerinnen oder Schaffner in ihren schmucken Uniformen. Im Wagen 7, Abteil 5 wartet schon unser Gepäck. Alles ist bestens organisiert. Auf dem Tischlein des Abteils stehen Mineralwasser, Wodka, Früchte und Biskuits bereit. An die engen Verhältnisse muss man sich zuerst ein wenig gewöhnen. Das herrliche Gefühl, vor einer langen Reise mit vielen unvergesslichen Höhepunkten und Überraschungen zu stehen, stellt sich aber sofort ein. Der Traum wird wahr!

Mit dem Bus geht es in die bekannteste Fussgängerzone «Arbat». Ein Spaziergang und ein Drink in einem sehr noblen Restaurant, wo wir nur widerwillig bedient werden, runden diese eindrückliche Sightseeing Tour ab.

Es ist sehr schwül. Im Zug herrscht eine Temperatur von 35 Grad Celsius. Die Klimaanlage ist defekt. Der Schaden kann erst um Mitternacht behoben werden. Um 21.30 Uhr wird das Nachtessen im Speisewagen serviert: Salat als Vorspeise, Georgisches Rindfleisch mit Reis und als «Verdauerli» ein ausgezeichneter Wodka. Eine ziemlich wacklige Nacht erwartet uns, weit entfernt von europäischem Fahrkomfort. Es wackelt, ruckelt und zuckelt. Und es ist lärmig. Ans Schlafen ist nicht zu denken. So steigen wir am Dienstag gerädert aus unsern Betten.


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Kasan – Jekaterinburg 875 km 19./20. August 2008

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Dienstag, 19. August Ankunft in Kasan 10.30 Uhr, Stadtbesichtigung, Abfahrt 17 Uhr, Ankunft in Jekaterinburg Mittwoch, 20. August 10 Uhr Distanz Kasan – Jekaterinburg 875 km 08.30 Uhr Frühstück im Speisewagen: Omelette, Wurst, Schinken, Griessbrei, Brot, Butter, Konfitüre. Um 10.30 Uhr kommen wir in Kasan an, der Hauptstadt von Tatarstan, dem Land der Tataren. In Russland leben ca. 3.5 Mio. Tataren. Kasan ist eine wichtige kulturelle und wirtschaftliche Metropole. 45% der Einwohner sind Muslime. Wir werden von Ludmilla empfangen, der örtlichen Reiseführerin, die ebenfalls sehr gut Deutsch spricht. Mit dem Bus fahren wir zum Kreml, der Festung von Kasan. Diese einzigartige Anlage ist UNESCO Weltkulturerbe. Ein Baukomplex des Kreml ist die fantastische Moschee, erst kürzlich neu aufgebaut. Nach einer strengen Eingangskontrolle bestaunen wir den kostbaren Innenraum, eine wahre Pracht. Mittagessen in einem Restaurant in der Stadt: gut und gepflegt. Am Nachmittag wartet eine besondere Überraschung auf uns. Wir sind Gäste eines kleinen Konzertes in der Musikschule. Hier werden besonders begabte Kinder unterrichtet, mit Schwerpunkt Musik. Von der 7-jährigen Violonistin bis zur 17-jährigen Meisterpianistin zeigen sie in diesem halbstündigen Konzert ihr Können. Sehr anspruchsvolle Werke, so zum Beispiel Paganini für Violine, stehen auf dem Programm. Es ist eine junge musikalische Elite auf höchstem Niveau. Die jungen, sehr hübschen Damen sind in Konzertroben gekleidet, seltsam kontrastierend zur Touristenkleidung des Publikums. Die gross gewachsenen, schlanken tatarischen Schönheiten bieten einen Augen- und Ohrenschmaus erster Klasse.

Nach diesem kulturellen Highlight geht’s hinunter an die Wolga zu einer einstündigen Flussfahrt. Es ist immer noch sehr heiss. Unsere Reiseführerin Olga erzählt immer wieder von den heutigen Lebensumständen und macht keinen Hehl daraus, dass die kommunistischen Zeiten auch ihre guten Seiten hatten. Sie habe die Perestroika auch mitgemacht und sei deshalb von ihrem Vater als Verräterin abgestempelt worden. Er habe diese Entwicklung nie verstehen können. Sie selber sei keine bekennende Kommunistin mehr und sehe die Vorteile der Perestroika. Die Mentalität der Menschen habe sich aber geändert. Egoistische Ellböglerei mache sich breit. Dies seien die negativen Seiten der an und für sich positiven Entwicklung seit den 90-er Jahren. Um 17 Uhr können wir wieder den Zarengold besteigen. 18.30 Uhr Nachtessen: Zur Vorspeise wird Roastbeef mit Salat serviert, dann Kohlwickel mit Kartoffeln. Um 21 Uhr stellen wir die Uhren ein zweites Mal auf unserer langen Reise seit Kloten um zwei Stunden nach vorne. Damit haben wir jetzt schon 4 Stunden Zeitdifferenz zur Mitteleuropäischen Zeitzone. Die Nacht ist wieder ziemlich verwackelt und lärmig. Wir haben immer noch Mühe mit dem Schlafen. Am Morgen in der Frühe überqueren wir die eurasische Grenze (Europa – Asien) am Ural. Es ist aber noch dunkel, man sieht nichts. Tagesfazit: Es war ein hochinteressanter Tag, mit spannenden Einblicken in eine andere Kultur.


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Jekaterinburg – Novosibirsk 1530 km   20./21. August 2008


Mittwoch, 20. August Ankunft in Jekaterinburg 11 Uhr, Stadtbesichtigung, Abfahrt 14.15 Uhr, Ankunft in Novosibirsk Donnerstag, 21. August 15.15 Uhr Distanz Jekaterinburg – Novosibirsk 1530 km Die verkürzte Nacht macht sich in den Gliedern bemerkbar. Frühstück um 8 Uhr (MEZ 4 Uhr). Um 9.30 Uhr landeskundlicher Vortrag im Speisewagen. Ankunft in Jekaterinburg um 11 Uhr. Wir werden wiederum von einem lokalen Reiseführer empfangen, der mit uns eine Stadtrundfahrt macht. Jekaterinburg (bis zur Perestroika Swerdlowsk) war früher als eines der wichtigsten Rüstungszentren der UdSSR eine verbotene Stadt, in die Touristen keinen Einlass fanden, heute ist sie ein wichtiges Industriezentrum. Der Reiseführer erklärt die heutige Situation der Stadteinwohner mit einem drastischen Vergleich: «Früher hatten wir Geld und mussten stundenlang anstehen, um etwas kaufen zu können. Heute kriegen wir alles, aber wir haben kein Geld mehr.» Diese sarkastische Aussage umschreibt die Folgen der Perestroika, die eben nicht nur positiv sind. (vergleiche auch Olgas Aussagen zu diesem Thema). Besuch der «Blutkirche», an deren Stelle die Zarenfamilie (Nikolaus II., seine Gattin Alexandra Anastasia, ihre drei Töchter und ihr Sohn) im Jahre 1918 erschossen wurden. Die Kirche wurde für 15 Mio. Franken im Jahre 1995 gebaut. Der ganze Bau wurde mit Spendengeldern ermöglicht! Wir sind Zeugen eines russisch-orthodoxen Gottesdienstes mit den eindrücklichen Gesängen des Priesters und den Gegengesängen der Gläubigen, zum grössten Teil Frauen. Weiterfahrt in die Fussgängerzone mit Einkaufsstrasse, die einen eher trostlosen Eindruck hinterlässt. Weiterfahrt mit dem Zarengold um 14.15 Uhr Lokalzeit. (Moskauer Zeit 12.15 Uhr, MEZ 10.15 Uhr). Eindrücklich sind die gewaltigen Birkenwälder und die kleinen Siedlungen mit den farbig bemalten Holzhäusern. Naturstrassen führen zu den Siedlungen und den einzelnen Häusern, die alle einen grossen Gemüsegarten haben. Offensichtlich wird hier Selbstversorgung betrieben.

Mittagessen im Speisewagen um 14.45 Uhr mit Salat und ein wenig Lachs, Kohlsuppe, Teigwaren, Braten und geröstetem Brot. Wir halten Siesta. Um 17.30 Uhr haben wir mit Olga bei einer Teestunde eine lustige Einführung in die russische Küche: Suppen, Rindfleisch Stroganov, Teigtaschen, Tee, Sirup, Likör und Brei in allen Variationen. Olga kommt noch zu uns ins Abteil um Karten zu verkaufen. Sie erzählt aus ihrem Leben. Sie hat Deutsch und Polnisch an der Pädagogischen Hochschule studiert. Im Sommer begleitet sie die Zarengoldreisen, im Winter unterrichtet sie Deutsch und arbeitet in einem Übersetzungsbüro. Langsam wird es Abend. Um 19.30 Uhr Ortszeit ist es aber noch ziemlich hell. Der Zarengold fährt sehr langsam durch die Birkenwälder, vorbei an gottverlassenen Siedlungen, einmal sogar an einem grossen Waldfriedhof. Um 20 Uhr leichtes Nachtessen: Käse und Wurst. Wieder verbringen wir eine Nacht in Sibirien, immer weiter nach Osten Richtung Novosibirsk, ca. 4‘200 km östlich von Moskau.


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Novosibirsk – Irkutsk 1850 km   21./22./23. August 2008

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Donnerstag, 21. August Ankunft in Novosibirsk 15.15 Uhr, Stadtbesichtigung, Abfahrt 22.50 Uhr, Ankunft in Irkutsk Samstag, 23. August 08.20 Uhr Distanz Novosibirsk – Irkutsk 1850 km Dank Schlaftabletten haben wir ein bisschen besser geschlafen. Der Zug rollt und rollt und rollt. Von Jekaterinburg bis Novosibirsk, wo wir heute Nachmittag Halt machen, sind es 1530 km. Um 6.30 Uhr erwachen wir und passieren gerade Omsk, 2711 km von Moskau entfernt. Zum Frühstück gibt es Omelette, Wurst, Schinken, Käse, Yoghurt und Milchreis. Um 9.30 Uhr haben wir wieder Sprachunterricht mit unserer quirligen Olga. Das russische Alphabet beherrschen wir schon fast. Es ist gar nicht so schwierig, wie es den Anschein macht. Zeitverschiebung und schlechter Schlaf machen sich bemerkbar, so dass wir vor dem Mittagessen noch ein wenig ausruhen. 12 Uhr Mittagessen: Gemischter Salat mit gesalzenem Hering (gar nicht so schlecht), Suppe mit sauren Gurken, Fisch mit Käse überbacken, Kartoffeln, Bohnen und zum Dessert Glace. Um 15.15 Uhr kommen wir in Novosibirsk an, wo wir zu einer Stadtrundfahrt erwartet werden. Doch vorerst findet ein ganz besonderer Empfang in der Bahnhofshalle statt. Eine Gesangs- und Tanztruppe von jungen, hübschen Sibirinnen in ihren Trachten steht für einen kurzen Auftritt bereit. Sie singen und tanzen und laden die Zarengold-Touristen zum Mitmachen ein. Zum Schluss gibt es Salz und Brot, das traditionelle Empfangsgeschenk in Sibirien. Die lokale Reiseleiterin Anna führt uns sehr kompetent und begeisternd zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt: Russisch-orthodoxe Kirche, wo gerade ein Gottesdienst stattfindet, Theater- und Konzertsaal mit 3000 Plätzen. Anna ist eine sehr liebenswürdige und kommunikative Frau, mit der man sich ungezwungen unterhalten kann. Sie ist begeistert von ihrer Stadt. Novosibirsk ist eine junge Stadt und wurde erst mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn gegründet (Ende 19. Jahrhundert). Sie erzählt auch von der Datscha, auf der sie als Kind ihre Ferien in den Sommermonaten verbracht hat, bei Oma und Opa. Die Datscha sei auch heute noch sehr beliebt bei den Russen. Seit der Perestroika seien die Datschas in Privatbesitz.

Schifffahrt auf dem Ob; es ist recht frisch. Die Temperaturen in Novosibirsk schwanken zwischen +25 Grad Celsius (Sommer) und -25 Grad Celsius (Winter). Hin und wieder gibt es im Winter auch Extremwerte bis -50 Grad Celsius. Auch Anna war wie Olga nie in Deutschland, um die Sprache zu lernen. Beide sprechen die Fremdsprache fast perfekt. Erstaunlich! Sie haben Deutsch drillmässig und mit grossem Willen an der Pädagogischen Hochschule gelernt. Abendessen in einem nostalgischen Restaurant, dann Rückfahrt zum grossartigen Bahnhof, der die Form einer Dampflokomotive hat. Er erstrahlt in grossem Glanz und ist peinlich sauber. Fotografieren ist hier verboten. Abfahrt des Zuges um 22.50 Uhr. Jetzt steht uns die längste Etappe bevor: Novosibirsk – Irkutsk 1850 km. Wir schlafen dank Schlaftabletten einigermassen gut.


Irkutsk und Umgebung 23. August 2008


Samstag, 23. August Ankunft in Irkutsk 09.15 Uhr, Mittagessen in einer Privatdatscha, Stadtbesichtigung, Übernachtung im Hotel Irkutsk Wir hatten eine schlaflose Nacht. War es der viele Wodka oder das unglaubliche Schütteln des Zuges? Der sich ankündigende Tag zeigt sich im Nebelkleid, eine romantische Stimmung im Einklang mit der unendlichen Weite der Taiga, die sich am Horizont mit dem Himmel zu vereinigen scheint. Die Sonne leuchtet glutrot durch die Nebelschwaden. Es wird langsam Tag. Draussen ist es sehr kühl. In den Datscha-Dörfern links und rechts des Bahngleises brennen die Strassenlampen und vereinzelt Hoflampen. Wir müssen sehr früh aufstehen, da schon um 7 Uhr das Frühstück serviert wird. Dann erst kommt die Meldung: Der Zug hat eine Stunde Verspätung. So kommen wir erst um 09.15 Uhr in Irkutsk an. Wir verlassen für eine Nacht den Zug, da wir in einem Hotel übernachten und von Irkutsk aus mit einem Bus zum Baikalsee fahren. Die Hotelübernachtung gibt auch Gelegenheit, wieder einmal eine normale Dusche zu geniessen und die schmutzige Wäsche waschen zu lassen. Transfer zum Hotel Irkutsk, Abgabe der Reisepässe und der schmutzigen Wäsche. Weiterfahrt zu einem Freilichtmuseum, sehr malerisch mitten im Wald am Ufer der Lena gelegen. Dieses Museum lässt die Geschichte der Burjaten (Kosaken) aufleben. Viele verschiedene Blockhäuser geben einen Einblick in das Leben dieser Nomaden. Mittagessen in einem Privathaushalt in einer schönen Datscha. Endlich erhalten wir Einblick in eine Siedlung mit den typischen Holzhäusern, die wir schon zu Hunderten entlang der Bahnstrecke bewunderten. Diese private Datscha ist ein hübsches Holzhäuschen mit Backhaus und Toilettenhäuschen und einem kleinen Gemüsegarten. Der zutrauliche Hund Bob vervollständigt das idyllische Bild. Die einzelnen Häuschen der Siedlung sind mit hohen Zäunen gegen die Strasse und von den Nachbargrundstücken abgeschirmt. Offenbar wollen die Menschen hier für sich sein. Das Mittagessen in der kleinen Stube ist sehr schmackhaft und typisch russisch: Salat, währschafte Suppe, Fleischplätzchen mit Kartoffelstock und Torte zum Dessert.

Auf einem Spaziergang lernen wir noch ein Original kennen, der schon seit zwei Jahren an einem alten Zweimaster arbeitet, den er in seinem Garten restauriert. Er lockt uns in sein Häuschen, wo er Kunstgegenstände aus Zedern- und Birkenholz herstellt. Wir kaufen ihm eine Birkenholztasse für 300 Rubel (ca. CHF 12.–) ab. Rückfahrt in die Stadt, Beginn der Stadtrundfahrt, die uns zuerst zum Zar Alexander III.Denkmal führt. Er war der Vater des letzten Zaren, Nikolaus II. (siehe auch Bericht Jekaterinburg, wo die Zarenfamilie erschossen wurde). Alexander III. war ein Säufer, wurde aber von seiner Frau immer kontrolliert. Deshalb versteckte er die Wodka-Flaschen in seinen Stiefeln. Die Fahrt geht weiter zu einer frisch renovierten Russisch-Orthodoxen Kirche, in der gerade ein Gottesdienst stattfindet. Sehr viele Rituale, dichter Weihrauch, Gesang und Gegengesang. Karl Marx hat einmal gesagt, die Religion sei Opium für das Volk. Beim Betrachten dieser Szenerie werden wir unweigerlich an dieses Zitat erinnert. Die wenigen Gottesdienstbesucher machen einen ärmlichen Eindruck. Wir begegnen auch noch drei Hochzeitsfesten: Apéro auf dem Trottoir, daneben wartet die Stretch-Limousine. Für einmal im Leben Flucht aus dem Alltagsmief! Nachtessen in einem Restaurant an der Stadtgrenze. Auch hier ein Hochzeitsfest mit sehr lauter Musik. Der Wodka fliesst in Strömen. Rückkehr ins Hotel, wo wir im Café Monet den Schlummertrunk geniessen.


Am Baikalsee 24. August 2008


Sonntag, 24. August Irkutsk – Baikalsee mit dem Bus, Schifffahrt auf dem Baikalsee, Barbecue am Baikalsee, Übernachtung im stillstehenden Zug am Baikalsee, Weiterfahrt Montag, 25. August 04.00 Uhr Frühstück im Hotel Irkutsk, Buffet mit allem, was die russische Küche zu bieten hat: Gemüse, Fisch, Fleisch, Wurst, Eier, Müesli, Saft, Yoghurt usw. Abfahrt um 10.00 Ortszeit (MEZ 03.00 Uhr) nach Listirjanka, einem kleinen Dorf am Baikalsee. Wir haben herrliches, warmes Sommerwetter. Besichtigung einer kleinen russischorthodoxen Kirche, wo offensichtlich Taufsonntag gefeiert wird. Viele junge Familien mit Babies warten vor der Kirche. Spaziergang zurück wieder an den Baikalsee. Das Dorf hat viele alte Datschas, aber zum Teil auch sehr grosse, moderne Villen, sehr wahrscheinlich die Sommerresidenzen neureicher Russen. Auffallend ist, wie sich die öffentliche Infrastruktur (Strassen, Elektrizität usw.) in einem erbärmlichen Zustand befindet. Die einzelnen Datschas sind auch hier mit hohen Zäunen gegen aussen abgeschirmt. Offensichtlich leben die Russen für sich und zeigen für gemeinsame Einrichtungen, die in der alten UdSSR vom Staat ohne demokratische Entscheide verordnet wurden, kein Verständnis. Der Lernprozess der Demokratisierung wird wohl noch Jahre, wenn nicht Jahrzente dauern. Am Hafen picknicken die Russen. Händler bieten auf improvisierten Grills Fleischspiesse und in grossen Pfannen Couscous an. Aus hygienischen Gründen versuchen wir besser nicht davon. Mit einem Boot erreichen wir in 45 Minuten Port Baikal, wo der Zarengold auf uns wartet. Er wird aber jetzt von einer Diesellokomotive gezogen. Im Schritttempo geht es auf einer still gelegten Trassee dem Baikalsee entlang. Ein herrlicher und unvergesslicher Abschnitt der Baikalsee-Tour. Ein Filmteam des deutschen Fernsehens begleitet den Zug auf diesem Abschnitt mit Helikopter. Mitten auf einer Brücke Halt mit einstündigem Aufenthalt. Wir steigen an den Baikalsee hinunter, wo Margrit ein kaltes Fussbad nimmt. Ein herrlicher Ort. Absolute Ruhe, ein kleines idyllisches Dörfchen, die unendlich weite Wasserfläche, unverbaute Uferpartien. Natur pur!

Die Fahrt geht weiter. Wir erreichen einen kleinen Bahnhof, wo ein Picknick auf uns wartet. Der Zug rangiert wagenweise, damit die Kellner die Geräte und Picknick-Utensilien ausladen können. Alles wird für ein grosses Barbecue im Freien vorbereitet. Die Abendsonne schickt ihre letzten goldenen Strahlen über den See. Das feine Schaschlik (gegrilltes Schweinefleisch auf Spiessen) schmeckt uns sehr. Zwei Akkordeonisten unterhalten die grosse Touristenschar mit melancholischer russischer Volksmusik, der Wodka fliesst in Strömen, einzelne Gruppen beginnen zu singen und zu schunkeln. Die Dämmerung bricht herein. Ein Zug kreuzt im Schritttempo auf dem Nebengeleise. Die Stimmung ist unbeschreiblich, fast wie in einer andern Welt, doch der Traum ist wahr: Picknick am Baikalsee! Nachtrag: Beim Spaziergang über die Geleise stolpert Ueli über eine Weichenstange und fällt kopfvoran auf die Schwellen. Mit der rechten Hand kann er den Sturz einigermassen auffangen. Einige Schrammen, das Objektiv sowie der Blendenschutz der Kamera werden arg in Mitleidenschaft gezogen. Glücklicherweise funktioniert aber die Kamera noch. Um 22 Uhr gehen wir ins Abteil zurück. Der Zug bleibt bis Montag, 25. August, 04.00 Uhr auf dem Geleise stehen, einsam und verlassen, mit ca. 240 Personen an Bord.


Zarengold Moskau – Peking 1. Teil 17. – 24. August 2008 Moskau – Baikalsee 5048 km


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Eine Reise in andern Dimensionen 17. August – 1. September 2008 Moskau – Peking 7838 km

2. Teil 25. August – 1. September 2008 Baikalsee – Peking 2790 km


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Baikalsee – Ulan Bator 1216 km 25./26. August 2008


Montag, 25. August Abfahrt am Baikalsee 04.00 Uhr, Baikalsee – Ulan Ude – Ulan Bator, Ankunft an der Mongolischen Grenze Dienstag, 26. August 01.00 Uhr, Distanz Baikalsee – Ulan Ude 540 km, Ulan Ude – Nauschki 285 km Um 4 Uhr mogens setzt sich der Zarengold wieder in Bewegung. Wir fahren am Südende des Baikalsees entlang. Der See ist ziemlich bewegt. Die beiden Ufer des Sees bewegen sich jährlich einige Zentimeter auseinander. Gemäss geologischen Prognosen soll sich der Baikalsee in den nächsten Jahrtausenden zu einem Ozean entwickeln. Im Schritttempo zieht die Diesellokomotive den langen Zug dem Seen entlang. Wir fahren nach einem kurzen Aufenthalt in Sljudjanka Richtung Ulan Ude, der Hauptstadt des Burjatenlandes. Mit einstündiger Verspätung treffen wir in Ulan-Ude ein. Kurze Stadtrundfahrt mit einer charmanten, jungen Germanistik-Studentin. Sie heisst Elena. Die Stadt hinterlässt einen sehr fortschrittlichen und sauberen Eindruck. Man spürt dass der Wohlstand in diese Stadt einzieht. Leider haben wir wegen der Verspätung nur eine Stunde Zeit für die Stadtbesichtigung. Die Fussgängerzone sowie das angrenzende Quartier mit den Holzhäusern wären sehr interessant gewesen. Heute ist Mittagessen erst um 15 Uhr, wieder im Zug: Weisser Speck, Kohlsalat mit Eiern und Käse, Borscht (Kohlsuppe mit Randen), dazu einen Wodka. Kartoffeln und paniertes Geflügel. Wir nähern uns langsam der russisch-mongolischen Grenze. Die Einreise-Formulare werden verteilt. Schon nach drei Stunden wird das Nachtessen serviert. Wir haben noch gar keinen Hunger. Aber beim Grenzübertritt in Nauschki müssen alle Passagiere in den Abteilen sein. Die russischen Zollbeamten sammeln die Pässe und die Ausreiseformulare ein. Nachher dürfen wir den Zug verlassen. Ein kleiner Spaziergang führt uns einige Schritte vom Bahnhof weg, wo sich auch die Grenzwachtkaserne befindet. Ein Trupp Soldaten, bis an die Zähne bewaffnet und von Schäferhunden begleitet, verlässt die Kaserne und marschiert Richtung Bahnhof. Eine martialische Stimmung, wie aus einem Spionagefilm. Ein kleiner Einkaufsladen befindet sich gerade neben dem Bahnhof. Er hat ein vielfältiges Angebot, von der Nestlé-Milchschnitte bis zu Wurstwaren. Wir spazieren zum Zarengold zurück und werden von den russischen Grenzbeamten

in die Wagen gedrängt. Auf dem Nebengeleise steht ein Sonderzug von Intourist. Die Grenzwächter kontrollieren die Züge. Einer leuchtet mit einer Scheinwerferlampe unter den Zug, ein andere marschiert über das Dach der Waggons. Diese Kontrollen erinnern uns an die Zeiten des Eisernen Vorhangs vor der Perestroika. Hier scheint die Zeit noch stillgestanden zu sein. Es ist unterdessen 24 Uhr geworden. Die Grenzkontrolle dauerte vier Stunden! Die Grenzwächter bringen die Pässe zurück. Wir fahren eine Stunde durch Niemandsland bis zum mongolischen Grenzbahnhof. Die mongolischen Grenzbeamten klopfen an die Türe. Wir müssen die Pässe wieder abgeben. Nach einer Viertelstunde bringt sie der Schaffner zurück. Jetzt ist erst Nachtruhe.


Dienstag, 26. August Mongolischer Grenzbahnhof Nauschki 01.00 Uhr, Grenzbahnhof – Ulan Bator, Ankunft in Ulan Bator 10.00 Uhr, Distanz Nauschki – Ulan Bator 391 km, Besichtigung buddhistisches Kloster und Kaschmir-Produktionsfabrik GOBI, Übernachtung im Hotel Bayangol Wir erwachen um 6 Uhr. Der Himmel ist verhangen. Es regnet. Kleine mongolische Siedlungen mit Holzhäuschen erstrecken sich entlang der Bahnstrecke. In manchen Gärten sind auch schon die ersten Jurten zu sehen. Frühstück um 8 Uhr im Speisewagen. Die Wolken hängen tief. Es sieht nach längerer Regenzeit aus. Wir entdecken die ersten Jurten-Siedlungen: 3 – 4 Jurten, zum Teil stehen Traktoren daneben. Ankunft in Ulan Bator um 10 Uhr. Empfang durch die lokale Reiseführerin, eine sehr charmante Mongolin, die perfekt Deutsch spricht. Stadtrundfahrt und Besuch eines Aussichtspunktes mit Kriegsdenkmal aus dem 2. Weltkrieg. Gute Aussicht auf die Stadt. Besichtigung eines buddhistischen Klosters mit Winterpalast für den Bogdh, den religiösen Führer der Lamaisten. Der mongolische Buddhismus ist sehr verwandt mit dem tibetischen. Der Strassenverkehr ist chaotisch, ständiges Gehupe, an jeder Kreuzung steht ein Polizist, der einfach mit seiner Trillerpfeife herumpfeift. Wir begegnen auch noch der Präsidenten-Eskorte: vorne Polizeiauto mit Blaulicht und Sirene, in der Mitte der Mercedes des Präsidenten, hinten ein Polizeiauto mit Blaulicht und Sirene. Der ganze Verkehr wird gestoppt, damit die Eskorte ungehindert passieren kann. Zimmerbezug und Mittagessen im Hotel Bayangol. Am Nachmittag Besichtigung einer zweiten Tempelanlage, dananch Besuch der grossen Kaschmir-Produktionsfabrik GOBI mit 1350 Arbeiterinnen und Arbeitern. Im Eilzugstempo werden wir durch einen Teil der Produktionsanlagen geschleust, ein sehr interessanter Einblick in die Arbeitsbedingungen der mongolischen Textilarbeiter: künstliches Licht, Lärm, Gestank. Im Fabrikladen kaufen wir einen schönen Kaschmir-Pullover für Ueli.

Um 18 Uhr Folklore-Show in einem Theater. Wir lernen die verschiedenen mongolischen Instrumente kennen: Pferdekopfgeige, Hackbrett, diverse Blasinstrumente. Besonder beeindruckend die drei 12-jährigen «Kautschukmädchen», die ihre Gelenke verbiegen, dass es die Zuschauer selber schmerzt. Die Kehlkopfsänger erzeugen mit einer besonderen Gesangstechnik urige Töne, die eher an tierische Laute als an eine menschliche Stimme erinnern. Nachtessen in einem Restaurant in der Stadt. Schlummertrunk in der Hotelbar (natürlich Wodka – wie kann es anders sein). Wir schlafen sehr gut in den breiten Hotelbetten.


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Mongolei

Grenzbahnhof Erlian

China

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Ulan Bator – Peking 1574 km 27./28. August 2008


Mittwoch, 27. August Ulan Bator, Besuch eines buddhistischen Klosters, Fahrt durch die Mongolische Schweiz, mongolisches Mittagessen und Reitershow in einem Touristencamp – Abfahrt in Ulan Bator 18.00 Uhr, Ankunft in Erlian (Grenzbahnhof Mongolei/China) Donnerstag, 28. August 12.20 Uhr, Distanz Ulan Bator – Erlian 724 km

Wir erwachen um 6 Uhr früh. Ein Blick zum Fenster hinaus zeigt uns einen blauen, wolkenlosen Himmel. Ein abwechslungsreicher Tag in der Mongolei steht uns bevor. Ein Frühstückbuffet, das eher einem Mittagsbuffet gleicht, erdrückt unsern Appetit fast: Fleisch, Fisch, Nudeln, Kartoffeln, Salat, Suppe usw., usw. Unglaublich, wie diese Mongolen (fr)essen. Um 9 Uhr Abfahrt mit dem Bus. Wir erleben das totale Verkehrschaos, ja den Verkehrskollaps einer Grossstadt, deren Strassen noch aus der Zeit der grossen Wende stammen. Die Strassen sind in einem sehr schlechten Zustand, viel zu eng. Der Verkehr bricht total zusammen. Pfeifende Polizisten versuchen der Lage Herr zu werden. Die Autos hupen permanent. Besuch eines buddhistischen Klosters, wo Knaben zu Mönchen ausgebildet werden. Wir werden Zeugen eines Gottesdienstes, dessen Riten für unsere westlichen Augen und Ohren sehr fremd wirken. Mit lautem Begleitgetöse – Becken und Pauken – liest der Priester Gebete herunter, die von den Mönchen nachgeleiert werden. Ein eigenartiges, aber faszinierendes Schauspiel. In einem andern Tempel werden junge Knaben unterrichtet. Sie sitzen in ihren Mönchskutten, mit kahl geschorenen Köpfen, auf Kissen, vor sich die buddhistischen Gebetstexte, die sie auswendig lernen müssen. Die ganze Anlage mit den wunderbar geschwungenen Dächern wirkt sehr harmonisch und idyllisch.

Weiterfahrt auf schlecht ausgebauten Strassen Richtung «Mongolische Schweiz» (ca. 1.5 Stunden). Hügelige Landschaft mit zum Teil bizarren Felsgebirgen und Flussläufen. Überall Jurtensiedlungen. Zum Teil sind es Touristencamps, die den Besuchern auf ihrer Mongolei-Rundfahrt als Unterkunft dienen. Frei weidende Yaks (Mongolen-Rinder), Pferde und sogar Kamele sind auf den leicht geschwungenen Hügelzügen zu erkennen, dann natürlich die Ziegen, welche die feine Kaschmirwolle liefern. Auch grosse Schafherden weiden hier. Es ist ein harmonisches Bild: Einklang zwischen Landschaft, Tier und Mensch. In einem Touristencamp machen wir Halt und geniessen ein typisch mongolisches Mittagessen: Bunt gemischter Salat, Suppe, Teigtaschen gebraten und gedämpft, Ziegen- und Lammfleisch, zubereitet auf heissen Steinen. Ein wahrer Augen- und Gaumenschmaus. Nach dem Essen folgt eine Folklore-Show mit Ringern, Bogenschützen und Reiterspielen mit Kindern. Knaben und Mädchen demonstrieren auf den kleinen Mongolenpferden ihre Reitkünste. Um halb vier Uhr geht es wieder Richtung Ulan Bator. Wir erleben nochmals das dramatische Verkehrschaos. Eine dicke Abgasschwade schwebt über der Stadt. Ulan Bator wirkt mit seinen vielen Märkten und kleinen Läden sehr lebendig, hinterlässt aber mit seinen desolaten Wohnbauten, Grünanlagen und kaputten Strassen einen trostlosen Eindruck. Um 18 Uhr besteigen wir wieder unsern Zarengold, der uns Richtung mongolisch-chinesische Grenze bringt. Das letzte Nachtessen im Zarengold mit Champagnerund Lachsauftakt beschliessen wir mit dem obligaten Wodka. Es ist Nacht geworden. Wir beziehen zum letzten Mal unser Abteil 5 im Wagon 7. Morgen Nachmittag werden wir in den chinesischen Zug wechseln.


Donnerstag, 28. August Wüste Gobi 05.30 Uhr, Ankunft in Erlian 12.20 Uhr, Wechsel in den chinesichen Zug, Abfahrt in Erlian 16.40 Uhr, Ankunft in Peking Freitag, 29. August 06.00 Uhr, Distanz Erlian – Peking 850 km

Wir erwachen um 05.30 Uhr und sind schon mitten in der Wüste Gobi. Es ist schon ziemlich hell, blauer Himmel, wunderschöne Stimmung. Um 6 Uhr hält der Zug mitten in der Wüste an einem kleinen Bahnhof mit Ausweichgeleise an. Hinter dem Bahnhof drei Häuschen, auf der andern Seite des Zugs eine Kamelherde, weit entfernt, auf einem Hügel, eine kleine Jurtensiedlung. Ganz feiner Sand, aus dem das Steppengras wächst. Hin und wieder

eine wunderschöne Blüte. Die Sonne steigt hinter den Hügeln auf. Der Transmongolische Express strahlt in gleissendem Licht. Es wird 7 Uhr. Wir haben einen kleinen Spaziergang rund um den Zug gemacht und die einzigartige Morgenstimmung in der Wüste Gobi mit allen Sinnen aufgenommen.


Letztes Frühstück im Zarengold. Jetzt geht’s ans Kofferpacken. Um 10.15 Uhr kommen wir in Dzamyn Ude an, wo die mongolischen Ausreiseformalitäten abgewickelt werden. Die mongolischen Ausreiseformalitäten dauern fast zwei Stunden. Während dieser Zeit bewachen Soldaten den Zug, damit niemand aussteigen kann. Um 12 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung und passiert im Schritttempo den mongolischen Grenzzaun, der auch wieder bewacht wird. Jetzt passieren wir den chinesischen Grenzzaun, der noch schärfer bewacht wird. Um 12.20 Uhr fahren wir in Erlian, dem chinesischen Grenzbahnhof, ein. Auf dem blitz und blank gefegten Perron stehen in regelmässigen Abständen uniformierte Wachsoldaten stramm. Ein Trupp, angeführt von einem Unteroffizier, in Tarnanzügen und bewaffnet mit Schlagstöcken, patrouilliert auf dem Perron auf und ab. Das sieht schon beinahe nach Krieg aus. Mindestens 15 verschieden uniformierte Personen kommen durch die Wagen. Die Pässe werden kontrolliert. Im Badezimmer wird nachgeschaut, ob sich nicht ein blinder Passagier versteckt hat. Die Soldaten verschwinden wieder. Und wir warten wieder, bis 14 Uhr. So dauert der ganze Grenzübertritt Mongolei – China sage und schreibe 4 Stunden. Zeit also für eine erste Zwischenbilanz: Eine einmalige Reise mit unvergesslichen Eindrücken aus einer Welt, die man bis jetzt nur aus Büchern und Fernsehsendungen kennen gelernt hat. Neben der Trostlosigkeit der Wohnverhältnisse in den russischen und mongolischen Städten erlebten wir auch ein kulturell hoch stehendes Volk (z.B. Konzert in Kasan, buddhistische Tempelanlagen in Ulan Bator, Theater und Konzertsäle in den Städten, die wir besuchten). Unsere Reiseleiterin Olga Smirnova war wunderbar. Sie sorgte sich mit mütterlicher Hingabe um unser Wohl, setzte sich überall durch und hielt die ganze Gruppe mit ihrem Witz und Humor bei guter Laune. Dank ihrer Fürsorge entwickelten wir uns immer mehr zu Herdentieren, deren Initiative und Organisationstalent zu verkümmern schienen. Wir brauchten uns um nichts, aber auch gar nichts zu kümmern. Dies hat natürlich auch seine negativen Seiten. Als Herdentier ist man in ein eher gedrängtes Programm eingebunden, das manchmal auf massentouristische Abwege geriet.. So hätten wir zum Beispiel in Ulan Bator gerne mehr Zeit gehabt, durch die belebten Strassen zu flanieren. Auf politisch-gesellschaftlicher Ebene spürt man immer noch den Umbruch (Perestroika), der wohl noch einige Jahre dauern wird. Die Aussagen der verschiedenen russischen Reiseführer hätte widersprüchlicher nicht sein können. Selbst Olga verstrickte sich in Widersprüche, auf der einen Seite die Brandrede

gegen Gorbatschow, auf der andern Seite ein Lobgesang auf die Schönheiten ihres Landes. Die Versorgungssituation entspricht – so weit wir das feststellen konnten – westlichem Standard. Hingegen ist es schwierig zu beurteilen, was sich die Russen mit ihrem durchschnittlichen Einkommen von umgerechnet CHF 1000.—leisten können. Moskau ist heutzutage die teuerste Stadt der Welt! Wir erlebten das selber, als wir im Biergarten des Hotels Renaissance für ein Mineralwasser und ein Bier CHF 30.— bezahlten. Gleich neben dem Hotel wohnen die Russen in erbärmlichen Plattenbauten aus der Nachkriegszeit. Ja, Russland mitten im Umbruch ist voller Widersprüche, die wohl auch das Leben des Durchschnittsrussen schwierig machen. Mürrische Gesichter auf dem Flughaben Moskau schon bei der Einreise, in den Wechselstuben und auch in den Restaurants. Diese Menschen haben noch nicht begriffen, was freie Marktwirtschaft bedeutet. Vielfach bekommt man das Gefühl, dass der Kunde immer noch froh sein müsse, etwas kaufen zu dürfen. Die Fahrt mit dem Zug war sehr angenehm, auch wenn wir uns nach vielen Nächten noch immer nicht an das Rütteln und Schütteln des Zuges gewöhnt hatten. Ohne Gepäcksorgen konnten wir viele interessante Stadtbesichtigungen machen und jeweils abends wieder in den Zug steigen und dort die Nacht verbringen. Unsere Reisegruppe von 20 Leuten (14 Schweizer und 6 Deutsche) war sehr angenehm. Abgesehen von ca. 5 jüngeren Schweizern lag das Durchschnittsalter zwischen 60 und 70 Jahren. Unsere Tischnachbarn, Samuel und Pirkko Grogg aus Herzogenbuchsee (Wirtsleute, sie Finnin) waren angenehme Reisekollegen, mit denen wir uns ausgezeichnet verstanden. Bis jetzt also nur sehr positive Eindrücke und Erlebnisse, abgesehen von Uelis kleinem Unfall mit der Kamera. Es ist erstaunlich warmes Wetter. Ein laues Sommerlüftchen weht. Wir sind zu warm angezogen. Der Grenzübertritt ist fast mit einem Kulturschock verbunden. In China stehen moderne Bauten, gut ausgebaute Strassen durchqueren das Land, Sauberkeit und Ordnung herrschen vor. Endlich können wir den Zug wechseln, der schon seit zwei Stunden auf dem gegenüberliegenden Geleise wartet. Es ist ein topmoderner Zug, sehr sauber, angenehm klimatisiert, zwei feuchte Waschlappen liegen auf einem Tellerchen bereit. Die Vierbettabteile werden nur durch zwei Personen belegt. Komfortable Platzverhältnisse im Vergleich mit dem Zarengold. Dafür fehlt die Nasszelle. Pro Wagen ein WC und ein Waschraum mit drei Waschbecken. Der Schaffner serviert einen heissen Tee.


Ein kurzer Spaziergang führt uns zu einem chinesischen Restaurant mit Namen Pacific, wo wir das Mittagessen einnehmen. Erste Begegnung mit der ausgezeichneten chinesischen Küche: Kalte Vorspeisen und warme Hauptspeisen werden auf einer runden Platte serviert, die in der Mitte des grossen Tisches (10 Personen) gedreht werden kann. Ein traumhaftes Essen! Spaziergang zurück zum Bahnhof. Um 16.40 Uhr setzt sich der Express in Bewegung. Der Zarengold mit der Reisegruppe, die von Peking herkam, steht immer noch auf dem Perron. Es geht Richtung Peking, mit einem vollen Bauch. Glücklicherweise erfolgt das Nachtessen erst in der zweiten Tischzeit um 20 Uhr. Gerade erfahren wir, dass wir morgen Freitag schon um 6 Uhr früh in Peking eintreffen. Frühstück wird erst nachher in einem Hotel serviert.


Freitag, 29. August Ankunft im Ostbahnhof Peking 06.00 Uhr, Frühstück im Hotel, Stadtrundfahrt mit Luo Quentscheng, Rikscha-Fahrt durch ein altes HutongQuartier, individuelles Nachtessen in einem traditionellen Restaurant

Wir kommen um 6 Uhr früh im Ostbahnhof der chinesischen Metropole an. Riesige Menschenmassen zwängen sich zu dieser frühen Stunde durch die Bahnhofshalle. Der Bahnhof macht einen sehr sauberen Eindruck. Die Fahrt mit dem Bus zum Frühstückshotel führt durch breite Strassen mit einem sehr zivilisierten, an schweizerische Verhältnisse erinnernden Verkehr. Auch die Stadt wirkt sehr sauber und aufgeräumt. Frühstück mit einem gewaltigen Buffet mit allen erdenklichen Leckereien, das gerade so gut als Mittagsbuffet hätte durchgehen können. Stadtrundfahrt mit folgenden Stationen: Platz des himmlischen Friedens, wo Mao während der Kulturrevolution die revoltierenden Studenten niedermetzeln liess, dann zum Heiligen Tempel, der an die Kaiserzeit der Ming-Dynastie erinnert. Weiterfahrt zu einem feinen chinesischen Mittagessen. Anschliessend Zimmerbezug im feudalen Hotel Capitol. Sehr schöne luxuriöse Zimmer mit allem Schnickschnack. Ja, dieses Hotel könnte gerade so gut in Paris oder London stehen. Peking entspricht nicht mehr dem Bild, das man sich als Europäer von dieser Stadt im Fernen Osten macht. Die Glaspaläste, Einkaufszentren mit allen westlichen Markenartikeln erdrücken die chinesische Kultur immer mehr oder degradieren sie zur Touristenattraktion, wie wir das am Nachmittag bei der «Hutong-Tour» mit Rikscha-Fahrt in Einerkolonne erleben. In Rikschas werden wir durch das malerische «Hutong-Quartier» geführt. Sogar die Wohnung eines alten chinesischen Ehepaars dürfen wir besichtigen, wo die Frau aus ihrem Leben in dieser Wohnung mit zwei Zimmern und

Küche mit Innenhof erzählt. Unsere lokale Reiseführerin übersetzt ins Deutsche. Unser chinesischer Reiseleiter, Luo Quentscheng, ist übrigens eine tolle Ulknudel. Er unterhält die Reisegesellschaft immer wieder mit lustigen Sprüchen. Auch macht er sich gerne über die «Langnasen» lustig. Besuch des Yaxin-Marktes. In diesem Kaufhaus reihen sich Kleiderständer an Kleiderständer. Die Verkäuferinnen attackieren die Besucher regelrecht mit sogenannt günstigen Angeboten. So ergattern wir uns drei Kaschmir-Foulards zu einem Preis von CHF 75.--. Am Anfang der Feilscherei kosteten sie das Dreifache. Wir verlassen das Kaufhaus so schnell wie möglich. Um 19 Uhr gehen wir ins Restaurant neben dem Hotel, das uns der chinesische Reiseführer empfohlen hat. Es ist ein einfaches Lokal, in dem auch viele Chinesen verkehren. Wir stellen das Menu aufgrund der bebilderten Speisekarte zusammen. Die einzelnen Plättchen, aber vor allem die Nudelgerichte, schmecken wunderbar. Am Schluss kommt die Rechnung. Das ganze Menu mit einer Flasche Wein, Bier und Mineralwasser kostet umgerechnet CHF 10.— pro Person. Um 21.30 Uhr kehren wir ins Hotel zurück. Wir schlafen wie Murmeltiere. Lediglich Ueli erlebt eine intensive Darmentleerung, die ihn um ca. 2 kg Lebendgewicht erleichtert. Am Morgen ist es ihm wieder «vögeliwohl». Die chinesische Küche ist ausgezeichnet. Sie bringt aber Uelis Darm immer wieder ziemlich durcheinander.


Samstag, 30. August Peking: «Verbotene Stadt», Olympiastadion, Markt im alten «Hutong»Quartier, individuelles Nachtessen in einem einfachen Restaurant neben dem Hotel

07.30 Uhr Frühstück im Hotel Capitol. Ein Riesenbuffet mit einem kompletten Mittagessen steht bereit. Unglaublich, diese Vielfalt an verschiedenen Gerichten. Wir begnügen uns mit einem «continental breakfast» (Kaffee, Gipfeli, Butter, Konfitüre und Flocken), um unsere Mägen zu schonen. 9 Uhr Abfahrt des Cars zur «Verbotenen Stadt». Dies ist der Kaiserpalast, in dem die chinesischen Kaiser bis 1924 (Zweite Chinesische Revolution) residierten. Es ist eine der harmonischsten, gewaltigsten und kunstvollsten Anlagen, die wir je gesehen haben, eine vollkommene Harmonie der Farben und Formen: Rot, Blau, Gold dominieren, geschwungene Dachformen, Tore und Türen, die den Blick in die nächste Anlage begrenzen. Der lokale Führer lässt die Geschichte der Kaiserzeit durch geschickt ausgeschmückte Anekdoten auferstehen. Die chinesischen Kaiser hatten ja bis zu 2000 Konkubinen, die in den Palastanlagen wohnten und durch die Eunuchen betreut wurden. Sie mussten dem Kaiser als Gespielinnen zur Verfügung stehen. Wenn eine in Ungnade fiel (je nach Laune des Kaisers), wurde sie hart bestraft. Der Gang durch die Palastanlagen dauert zwei Stunden. Mittagessen in einem Restaurant neben der «Verbotenen Stadt». Der Nachmittag ist frei. Mit ein paar andern Schweizern fahren wir im Taxi in ca. 40 Minuten zum Olympiastadion. Preis für das ganze Taxi umgerechnet ca. CHF 10.–. Das «Vogelnest» von Herzog/de Meuron ist auch nach den Olympischen Spielen offensichtlich ein Pilgerort für die Chinesen. Zu Tausenden flanieren sie um das Stadion, das mit einem hohen Drahtzaun abeschirmt ist und von Militärs bewacht wird. Das Bauwerk ist in seinen Dimensionen imposant und wirkt dank seiner kunstvollen Architektur trotzdem leicht. Mit dem Taxi geht es zurück ins Zentrum der Stadt. In den letzten zehn Jahren scheint ein sa-

genhafter Bauboom stattgefunden zu haben, wie wohl nirgends sonst auf der Welt. Spaziergang durch ein altes eingeschossiges Wohnquartier (chinesisch «Hutong»). Bald einmal fühlen wir uns wie in einem Freilichtmuseum aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Es ist Samstag 17 Uhr. Die Chinesen sind noch scharenweise in den engen Gassen, in denen sich kleine und kleinste Einkaufsläden aneinanderreihen. Metzger, die ihr Fleisch auf einem Holzblock anbieten, auf dem Trottoir werden riesengrosse Fische totgeschlagen, Kolonialwarenhändler bieten ihre Waren an. In einem Damensalon verpasst der Friseur einer Kundin noch die Dauerwelle für den Sonntag, im Herrensalon nebenan schert die Friseuse einem Kunden den Kopf kahl. Auf der Strasse werden Velos repariert. Das Quartier wird mit allem versorgt, was die Leute brauchen. Immer wieder sitzen Gruppen von Chinesen auf ihren niederen Klappstühlen zusammen und spielen. Eine vollkommen friedliche Atmosphäre. Wir hätten stundenlang in diesem Quartier spazieren können. Zu Fuss spazieren wir in einem ca. einstündigen Marsch zum Hotel zurück und überqueren dabei nochmals den Platz des Himmlischen Friedens. Den Abend verbringen wir wieder im einfachen Restaurant neben dem Hotel und geniessen nochmals zu einem Spottpreis die echte chinesische Küche, ohne an die darmtechnischen Folgen zu denken.   Nachtrag: Wir lernen eigentlich erst jetzt die andern Mitglieder unserer Reisegruppe ein wenig näher kennnen (ausser Samuel und Pirkko Grogg). Da ist Miertha Huonder, eine pensionierte OP-Schwester aus Basel, Beat, der junge Koch von Stans, der im dortigen Kantonsspital arbeitet, Willi aus Deutschland, der früher einmal als Bäcker in der Schweiz arbeitete, Vater Martin und Tochter Sybille Frei. Alle sind sehr angenehme Leute, kultivierte und interessante Gesprächspartner.


Sonntag, 31. August Chinesische Mauer, Ming-Gräber, Schlussessen mit Peking-Ente

08.30 Uhr Abfahrt der Busse zur «Grossen Mauer». Auf der Fahrt dorthin – es ist übrigens wunderschönes Sommerwetter – besuchen wir noch eine Manufaktur für die Bearbeitung von echten Süsswasserperlen. Im Schnellzugstempo wird uns ein Videofilm über die Gewinnung der Perlen aus der Muschel gezeigt. Kurze Erklärungen folgen. Die Angestellten sind natürlich vor allem am Verkauf interessiert und nicht an der Beantwortung von Fragen. Wir kaufen sechs Ketten und einen Hänger mit einer Perle für total ca. CHF 240.--. Die Fahrt geht weiter. Nach einer Stunde kommen wir an einem Abschnitt der «Grossen Mauer» an, ein beeindruckendes und imposantes Bauwerk aus der Kaiserzeit der Ming-Dynastie 15. Jahrhundert, wobei die Mauer in Form eines Erdwalls schon früher gebaut worden war. Sie war als militärisches Bollwerk gegen die Mongolen gedacht. Zwei Mauerabschnitte führen von unserm Standort aus den Hügel hinauf. Beide fügen sich harmonisch in die Landschaft ein. Der Begriff «Harmonie» hat eine grosse Bedeutung für die Chinesen. Sogar die Toiletten werden Orte der inneren Harmonie genannt. Wir steigen die eine Mauer den Hügel hinauf, was zum Teil sehr anstrengend ist, da die Stufen sehr hoch und vor allem extrem unregelmässig sind. Ausser Atem kommen wir beim ersten Wachtturm an. Wir beschliessen, unsere Exkursion abzubrechen und wieder hinunterzusteigen. Die Chinesische Mauer gehört wie die Verbotene Stadt zum Weltkulturerbe der UNESCO, und dies sicher zu Recht. Weiterfahrt zum Mittagessen in einem grossen Restaurant, das sich im ersten Stock einer offensichtlich staatlichen Manufaktur für Kunstgegenstände befindet. Am Eingang steht nämlich ein salutierender Uniformierter. In der Manufaktur können wir die Kunsthandwerker bei ihrer Arbeit beobachten: Emaillieren, Porzellanmalen, Scherenschnitte usw. In einer grossen Ausstellungshalle sind die Kunstobjekte zu Tausenden ausgestellt. Wir kaufen ein emailliertes Armband für Patrizia und einen wunderschönen Scherenschnitt. Das Mittagessen ist wie gewohnt vielfältig und fantastisch.

Die Fahrt geht weiter zu den Ming-Gräbern, wo die Kaiser der Ming-Dynastie begraben wurden. Eine ca. 2 km lange Trauerweidenallee mit übergrossen Tierfiguren aus Stein (Löwe, Elefant, Kamel usw., einmal stehend, einmal sitzend) legt Zeugnis ab vom Bedürfnis der Chinesen nach Harmonie. Nach einer kurzen Fahrt besichtigen wir noch die imposante Grabanlage des letzten Ming-Kaisers. 30 Meter unter der Erdoberfläche wird die unterirdische Grabanlage vermutet. Sie wurde, nachdem die Banden der Kulturrevolution in den Achtzigerjahren gewütet hatten und dabei viele Exponate zerstört wurden, bis jetzt nicht ausgegraben, da man sie dort am sichersten wähnte. In einer einstündigen Fahrt geht es zum Hotel Capitol zurück, nochmals vorbei am Olympiastadion, das sich um diese Tageszeit im schönsten Licht präsentiert. Uns fällt auf, dass am Sonntag alle Läden geöffnet haben. In China sind alle Einkaufsläden und Dienstleistungsbetriebe, also zum Beispiel auch Coiffeursalons, 7 Tage die Woche geöffnet. Das Personal arbeitet in drei Schichten. Um 17.30 Uhr kommen wir im Hotel Capitol an. Unser Reiseleiter Luo Quengcheng gibt die letzten Anweisungen für die verschiedenen Rückflüge am Montag von Peking nach Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wir haben zwei Stunden Ruhezeit, dann geht es zum Abschiedsessen in ein nobles Restaurant. Serviert wird eine echte Pekingente, die wirklich fein mundet. Die Reiseleiter werden mit Geschenken verabschiedet. Der Bus bringt uns durch das nächtliche Peking zurück ins Hotel. Es ist die letzte Nacht unserer langen Reise.


Russland Moskau

Jekaterinburg Kasan

Nowosibirsk

Krasnojarsk Irkutsk

Weissrussland Ukraine

Ulan Bator

Kasachstan

Uz

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Tur k

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Mongolei Kirgistan

Tadschikistan

Peking

China


Montag, 1. September Rückreise, Abflug vom Beijing Capital Airport 14.55 Uhr Ortszeit, 9 Stunden 45 Minuten bis Kopenhagen mit 6 Stunden Zeitverschiebung, Ankunft in Kopenhagen 18.40 Uhr Ortszeit, Weiterflug nach Zurich Airport 20.00 Uhr, Ankunft in Zurich Airport 21.45 Uhr Ortszeit

Letztes Frühstück im Hotel Capitol in Peking, Transfer zum supermodernen und architektonisch einzigartigen Beijing Capital Airport, der wegen der Olympischen Spiele gebaut wurde. Alles ist blitzblank sauber. Auffallend ist die grosse Disziplin der Flughafenmitarbeiter. Sobald sie sich in einer grösseren Gruppe verschieben, tun sie das immer in streng militärischer Zweierkolonne im Gleichschritt. Der Flug nach Kopenhagen mit einem Airbus der Scandinavian Arlines verläuft ruhig. Fahrplanmässig landet der Airbus in Kopenhagen. Wir verschieben uns zum Gate des Fluges Kopenhagen – Zurich Airport, wo uns ein Airbus der Swiss erwartet. Auch dieser Flug verläuft ruhig, und wir landen pünktlich um 21.45 Uhr in Kloten. Christof holt uns ab und chauffiert uns zurück nach Affeltrangen, wo wir müde ins Bett sinken. Mit der Zeitverschiebung war es ein sehr langer Tag. Wir waren 21 Stunden auf den Beinen. Nachtrag: Erst nach fünf Jahren arbeiten wir die Reise mit Hilfe der Tagebuch-Einträge nochmals auf. Das Fotobuch bringt uns viele eindrückliche Erlebnisse wieder zurück und wird mithelfen, diese «Reise in andern Dimensionen» nie zu vergessen.


Zarengold Moskau – Peking 2. Teil 25. August – 1. September 2008 Baikalsee – Peking 2790 km


Zarengold 17. August – 1. September 2008 Moskau – Peking 7838 km


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Moskau - Peking, eine Reise in andern Dimensionen by VMA Media AG Schweiz - Issuu