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Stettfurt im 2. Weltkrieg 1939 - 1945

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Heinz Roggenbauch

Stettfurt im 2. Weltkrieg 1939–1945 Nachtrag zum Buch «Stettfurt im 20. Jahrhundert»


Heinz Roggenbauch

Stettfurt im 2. Weltkrieg 1939–1945 Nachtrag zum Buch «Stettfurt im 20. Jahrhundert»


Impressum Umschlag

Internierte in Stettfurt

Layout, Satz, Bildbearbeitung

VMA Media AG, Affeltrangen

Lektorat und Korrektorat

Bruno Naumann, Stettfurt

Druck

Fairdruck Sirnach

Juni 2016 Vorbemerkungen zur Schreibweise Wir haben für unbestimmte Personenbezeichnungen wie z.B. Forscherinnen/Forscher oder Bewohnerinnen/Bewohner – so, wie es der Duden nach wie vor als korrekt für beide Geschlechter erachtet – nur die männliche Form gewählt.


Vorwort des Verfassers

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Einleitung und Informationsquellen

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Entwicklungen, die zum Zweiten Weltkrieg führten

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Ereignisse ausserhalb der Schweiz Die Entwicklung in Deutschland

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Support für Deutschland aus Italien

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Ereignisse in der Schweiz Deutsche Agitation in der Schweiz

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Die Rolle des Bundesrates

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Sondersitzung des eidg. Parlaments vom 30. August 1939

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Kriegswirtschaftliche Organisation in der Schweiz

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Die Kantone als Drehscheibe zwischen Bund und Gemeinden

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Das Leben in Stettfurt in dieser schweren Zeit Charakteristika des Dorfes und des Gemeinderates

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Ziemlich ruhige Lage im Dorf

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Von der Arbeit im Gemeinderat · Protokollauszüge

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Die Kriegsmobilmachung

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Interviews mit Zeitzeugen

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Brandfälle während der Kriegsjahre

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Blitzlichter aus dem Vereinsleben

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Intensivierung der Arbeit im Gemeinderat – Protokollauszüge

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Internierung von ausländischem Militärpersonal

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Das Blatt scheint sich zu wenden Besonders kritische Momente für die Schweiz im Laufe der Kriegsjahre

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Die Arbeit im Dorf und im Gemeinderat ging ruhig und seriös weiter

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Deutschland am Ende

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Respekt, Dank und Anerkennung

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Anhänge 1 · Die Anbauschlacht

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2 · Die Lebensmittelrationierung

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3 · Zusammensetzung des Bundesrates während der Kriegsjahre

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Vorwort des Verfassers · Persönliche Erinnerungen Im Buch «Stettfurt im 20. Jahrhundert» fehlt ein wichtiges Kapitel in der Entwicklung der Gemeinde Stettfurt, nämlich der Zeitabschnitt des Zweiten Weltkrieges. Dies soll mit der vorliegenden Broschüre nachgeholt werden. Vorab einige persönliche Erinnerungen an diese düstere Zeit. Ich wurde 1936, also 3 Jahre vor Ausbruch der Kriegshandlungen in Mauren geboren und verbrachte hier meine Kindheit. Mauren war – wie seinerzeit auch Stettfurt – ein kleines Bauerndorf, östlich von Weinfelden; es liegt nur rund 10 km von der deutschen Grenze entfernt. Von der steigenden Anspannung der Erwachsenen durch die politischen Ereignisse in Deutschland in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre und dem Kriegsbeginn 1939 bekam ich als Kleinkind wenig mit. Ich verlebte also eine recht unbeschwerte Kindheit. Es gab damals noch kein Fernsehen, aber Radio hören war jeden Abend angesagt, besonders zur Zeit der Nachrichtensendungen. Jeden Freitagabend gab es die Sondersendung «Weltchronik», moderiert von Prof. Dr. J.R. von Salis. Offenbar hatte dieser Mann Zugang zu mannigfaltigen und ausgezeichneten Informationsquellen und konnte deshalb recht verlässliche Informationen über das Kriegsgeschehen vermitteln.

Im Frühjahr 1943 – der Krieg war in vollem Gange – begann meine Primarschulzeit. Der Lehrer empfahl uns, auf dem Schulweg – falls wir starke Fliegergeräusche hören – hinter einen Baum zu stehen, bis der Fliegerlärm vorbei ist. In einer Nacht, – es war wahrscheinlich Ende April 1944 – nach zuvor markant hörbarem Flugmotorenlärm, erfolgte ein weitherum in der Ostschweiz vernehmbares dumpfes Krachen. Es war die Nacht, als die Industriestadt Friedrichshafen gegenüber Romanshorn bombardiert wurde und man befürchtete, dass die deutsche Wehrmacht unter Hitler doch noch in die Schweiz eindringen könnte. Unsere Familie verbrachte jene Nachtstunden im Schlafzimmer der Eltern. Eine schöne Erinnerung war der 8. Mai 1945, der Tag der deutschen Kapitulation. Die Glocken aller Kirchen um Mauren herum – in Mauren gibt es keine Kirche – läuteten. Wir Kinder durften mit Sammelbüchsen durchs Dorf laufen, erhielten Blechschüsseln, damit man das Sammelergebnis hören konnte. Vermutlich war es Geld für die sog. «Schweizerspende». Stettfurt, im Mai 2016 Heinz Roggenbauch


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Einleitung und Informationsquellen Im Jahre 2015 wurden gleich mehrere geschichtliche Ereignisse als Gedenkanlässe zelebriert, so auch das Gedenken an das düstere Kapitel der Geschichte, das vor 70 Jahren zu Ende ging – der Zweite Weltkrieg. Es war für die ganze Schweiz, für jede Stadt und jedes Dorf, war es auch noch so klein, eine schwierige, harte und angstbeladene Zeit. Die dienstpflichtigen Männer im Alter zwischen zwanzig und fünfzig Jahren mussten zum Teil längere Militärdiensteinsätze leisten; entsprechend lastete zusätzliche harte Arbeit auf den Frauen. Mit diesem Artikel wollen wir uns erinnern und darstellen, wie sich dieses Ereignis in unserem Dorf abspielte. Zuerst aber ein komprimierter Überblick über Entstehung und Hintergründe dieses Krieges.

Die dazu konsultierten Informationsquellen sind: · Schweizer Geschichte von Peter Dürrenmatt · Relevante Dokumente aus dem Staatsarchiv · «Operationen der Schweizer Armee während des Aktivdienstes 1939–1945» · Thurgauer Zeitungen aus dieser Zeitspanne · Relevante Wikipedia Daten · Bewilligtes Studium aller Protokolle von Gemeindeversammlungen und Gemeinderats-Sitzungen von 1938–1945 · Interviews mit in Stettfurt wohnhaften Zeitzeugen


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Entwicklungen, die zum Zweiten Weltkrieg führten Eine Darstellung aller Ereignisse, die zu diesem unseligen Krieg führten und während der Kriegszeit geschahen, würde Bände füllen. Deshalb konzentrieren wir uns auf Hintergründe und Eckpunkte, die für die Schweiz von Bedeutung waren. Im Zuge der von den Siegermächten des Ersten Weltkrieges (Frankreich, England, Irland, Italien und USA) diktierten Friedensvertrags von Versailles von 1919 entstanden in Europa eine Anzahl von neuen Nationalstaaten. Viele davon wurden als Demokratien mit Proporzbeteiligung der Parteien konstituiert. Das führte meistens zu einer Zersplitterung der politischen Kräfte und damit zu schwachen bis handlungsunfähigen Regierungen. Die Ideen einer neuen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung durch Sozialismus und Kommunismus führte, angesichts von Armut und teilweise beträchtlicher Arbeitslosigkeit in vielen Staaten, zu sozialen Spannungen. Die Leute sehnten sich nach einer starken Führung und so wurde in vielen Staaten der Weg für Diktatoren bereitet.

Die Lage in Deutschland war nach dem verlorenen Krieg besonders schlimm. Etliche Randgebiete Deutschlands wurden im genannten «Friedensvertrag» Frankreich, Belgien und Polen zugeteilt, was natürlich den Nationalstolz verletzte. Gravierender noch war die Armut, welche auf die zwangsweise Enteignung vieler Industriegüter folgte (Schiffe, Lastwagen, Metalle etc.) als Teil der Reparationszahlungen und die verlangten Ratenzahlungen der Restschuld in Goldwährung. Frankreich und Grossbritannien hielten unerbittlich an den Bedingungen fest, weil auch sie den USA «Kriegsschulden» für die Militärhilfe bezahlen mussten. Der Börsenkrach von New York von 1929 und die darauf folgende Weltwirtschaftskrise, die bis Mitte der 1930er-Jahre dauerte, waren gewissermassen noch die Krönung der Misere.


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Ereignisse ausserhalb der Schweiz Die Entwicklung in Deutschland Das Aufkommen einer neuen politischen Kraft in Deutschland mit der Gründung der National­ sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) 1920 – mit deren 25-Punkte-Programm*), wurde zu lange nicht als friedensgefährdende Entwicklung wahrgenommen. 1921 wurde Adolf Hitler, ein gebürtiger Österreicher, geboren 1889 in Braunau am Inn, Vorsitzender der NSDAP. Das ideologische und politische Programm eines «Deutschen Führerstaates», hatte dieser in den 1920er-Jahren mit seinem Buch «Mein Kampf» in zwei Bänden festgeschrieben; es sollte die Grundlage für sein künftiges Handeln werden. Den ersten Band schrieb er noch in Gefangenschaft im Jahre 1924, den zweiten wichtigeren Teil in den Jahren 1925/26. Dank einer geschickten mündlichen und schriftlichen Propaganda und einiger Aufsehen erregender Aktionen (Aufmärsche, Fackelzüge etc.) gelang es der Partei, bis in die 1930er-Jahre immer mehr Mandate im Parlament zu erreichen. 1933 war die NSDAP stärkste Partei und Hitler wurde vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. In den folgenden Jahren gelang es ihm, durch neue Gesetze und nötigen-

*) Das Parteiprogramm der NSDAP beinhaltete folgende Kernpunkte: · · · · · ·

Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich Ablehnung bzw. Beseitigung des «Versailler-Vertrags» Bekämpfung bzw. Eliminierung der Juden in Deutschland Bekämpfung des Bolschewismus/Kommunismus Ersatz des «römischen Rechts» durch ein «deutsches Gemeinrecht» Schaffung einer starken Zentralgewalt für das Deutsche Reich

falls gewaltsame Aktionen die Demokratie faktisch in eine Diktatur zu wandeln. 1936 wurde die «Eroberung neuen Lebensraums» zu seinem Leitmotiv. Er begann nun systematisch, sein 25-Punkte-Programm zu realisieren; erster Punkt war die Forderung nach Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Damit dies reibungslos erfolgen konnte, sollte zunächst der damalige Bundeskanzler Österreichs – Engelbert Dollfuss, ein Gegner Hitlers – ausgeschaltet werden; dies geschah 1934 durch Mord. Durch verschiedene Kontakte mit Österreich konnte Hitler im März 1938 ohne Gegenwehr in Wien einmarschieren, wurde gar mit Blumen empfangen. Hierbei proklamierte er Österreich zu einem Teil des Deutschen Reiches.


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Ereignisse ausserhalb der Schweiz

Mit dem Münchner Abkommen im September 1938 gelang es Hitler, von den Engländern und Franzosen das Sudetenland – die deutschsprachigen Gebiete der Tschechoslowakei – zugesprochen zu erhalten. Als sich in der Folge Polen sowie Ungarn Grenzgebiete der Tschechoslowakei gewaltsam aneigneten und die Slowakei sich abspaltete, annektierte Hitler im März 1939 mit der Wehrmacht den Rest der Tschechei als neue Provinzen Böhmen und Mähren. Es ist naheliegend, dass diese Art der Erweiterung des Deutschen Reiches in der Schweiz höchste Besorgnis auslöste. Was für die Juden in den 1930er-Jahren mit Enteignungen, Vertreibungen und Ermordungen begann, erreichte mit der befohlenen Reichskristallnacht vom November 1938 einen vorläufigen Höhepunkt der Brutalität. Diese Aktivitäten gingen mit Hilfe von Konzentrationslagern in eine systematische Ermordung über; dies in konsequenter Realisierung eines der wichtigen Punkte des früher erwähnten 25-Punkte-Programms der NSDAP, nämlich der Vernichtung der Juden im deutschen Reich. Dies setzte sich später nahtlos fort in den von deutschen Truppen im Kriegsverlauf besetzten Gebieten. Unter den Millionen von internierten und ermordeten Menschen waren ausser den Juden auch politische Gegner der Nazis und «Untermenschen» gemäss der hitlerschen Rassentheorie.

Im August 1939 schlossen Deutschland und Russland einen Nichtangriffspakt. Nun fühlte sich Hitler genügend sicher, den völkerrechtswidrigen Überfall auf Polen – ohne vorgängige Kriegserklärung – zu realisieren. Um dafür eine propagandistische Rechtfertigung zu haben, inszenierten seine Waffen-SS-Leute einen fingierten Angriff mit einigen Schüssen auf einen Radiosender. Unmittelbar danach, am 1. September 1939 liess er über Rundfunk verlauten, dass seit 05.45 Uhr «zurückgeschossen» werde. Es sollte ein Blitzkrieg werden, denn nach nur gerade sechs Wochen, am 6. Oktober des gleichen Jahres, kapitulierte Polen. Nach diesem ersten Erfolg der Deutschen Wehrmacht setzte eine trügerische Ruhepause ein. Schon kam Hoffnung auf, der Krieg könnte bald zu Ende sein. Welch ein Trugschluss, bedenkt man den früher erwähnten «neuen Lebensraum» den Hitler anstrebte, nämlich, ganz Europa zu beherrschen. Sein nächstes Ziel war die Einnahme von Frankreich, an dessen Ostgrenze ein starker Befestigungsgürtel – Maginot-Linie genannt – bestand. Dieser Befestigungsgürtel ging von östlich des Pruntruterzipfels bis hinauf zur luxemburgisch-belgischen Grenze. Rund einen Monat vor Auslösung des Westfeldzuges der Deutschen Wehrmacht besetzte sie Dänemark und Norwegen. Am 10. Mai 1940 befahl Hitler den Angriff auf Frankreich. Um die erwähnte Befestigungslinie an der französichen Ost­grenze


Ereignisse ausserhalb der Schweiz

zu Deutschland zu umgehen – die Deutschen wussten, dass die Maginot-Linie ab der luxemburgisch-belgischen Grenze nordwärts deutlich schwächer ausgestattet war als südlich davon – wurden zunächst Holland, Belgien und Luxemburg überfallen und besetzt. Damit war der Weg frei, um mit den Panzerverbänden, unterstützt durch die Luftwaffe, zügig nach Nordfrankreich voranzukommen. Hernach stiessen die Deutschen Richtung Süden weiter vor und konnten bereits am 14. Juni 1940, also nach gut einem Monat, in Paris einmarschieren. Schon 8 Tage später, am 22. Juni des gleichen Jahres kam es zum Waffenstillstand zwischen Frankreich und Deutschland, was der Kapitulation Frankreichs gleichkam.

wusste auch, dass Benito Mussolini – Diktator in Italien seit 1928 – seine Expansionsgelüste nach Süden, u.a. nach Abessinien ausrichtete, welches Land er mit seiner Armee Anfang Oktober 1935 überfiel. Mussolini war zunächst den Deutschen gegenüber ablehnend eingestellt.

Support für Deutschland aus Italien Die Beziehungen der Schweiz zu Italien waren weniger angespannt als jene zum nördlichen Nachbarn. Bundesrat G. Motta, als Aussenminister und Tessiner, kannte die Mentalität der Italiener. Er

Diese Entwicklung löste bei den Schweizer Behörden zunehmend ernste Besorgnis aus. Dies bedeutete, dass damit die Schweiz von allen Seiten von potentiellen Feinden umgeben war, eine nicht gerade angenehme Situation.

Im spanischen Bürgerkrieg von 1936 unterstützte Italien den General Franco, den späteren Diktator Spaniens. Um die Gunst Italiens zu erwerben, unterstützte auch Hitler General Franco. Daraus entstand kurze Zeit später eine zweckgebundene Zusammenarbeit. 1939 schlossen Italien und Deutschland einen Freundschaftspakt und im Juni 1940 trat Italien auf Hitlers Seite in den Krieg ein.

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Ereignisse in der Schweiz Deutsche Agitation in der Schweiz Ab der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre setzte hierzulande eine zunehmend stärker werdende Propaganda der NSDAP ein. Davos wurde Zentrum der «Frontisten» in der Schweiz. Der seit 1917 dort lebende Deutsche Wilhelm Gustloff trat 1929 der Hitlerpartei bei und wurde ab 1932 hauptamtlicher Landesgruppenleiter der NSDAP-Ausland­ organisation in der Schweiz. Er baute rasch ein Netz von Stützpunkten auf; Mitte 1934 waren es bereits deren 27, verteilt über die ganze Schweiz. Es gab auch Schweizer, die mit dem « Führerstaat» sympathisierten und dies sogar in Kreisen unserer Armee. Im Februar 1936 wurde Gustloff in Davos durch den Sohn eines Rabbiners erschossen. Zur Propaganda in der Schweiz existierte hier und in andern Ländern auch eine Zeitschrift mit dem Titel «SIGNAL»; diese konnte man abonnieren oder am Kiosk kaufen. Signal war als Presseorgan der Wehrmacht unterstellt; sie erschien von 1940 bis 1945.

Die Rolle des Bundesrates Anhang 3 beinhaltet die Zusammensetzung des Schweizerischen Bundesrates während der Kriegsjahre mit den jeweiligen Departementen.

Dem Verhalten des Bundesrates kam während den schwierigen Jahren von 1935 bis 1945 eine überragende Bedeutung zu, insbesondere dem Politischen Departement (heute Aussenministerium), welches von 1920 bis zu seinem Tode am 23. Januar 1940 von Guiseppe Motta geleitet wurde. Motta starb in einer sehr delikaten Phase; sein Nachfolger wurde ab 1. März 1940 (bis Ende 1944) M. Pilez-Golaz. Die Schweiz war Mitglied des Völkerbundes, einer supranationalen Organisation zur Friedenssicherung, die nach Ende des Ersten Weltkrieges, 1920, gegründet und 1946 aufgelöst wurde; Sitz dieser Organisation war Genf. Nach Ende des Ersten Weltkrieges galt als Grundtenor der Bevölkerungen Europas: «Nie wieder Krieg!» Deshalb und vielleicht auch wegen der Existenz der genannten Friedensorganisation wurde der Verteidigungsbereitschaft in unserem Lande bis in die Dreissiger­ jahre ungenügende Beachtung geschenkt. Das änderte sich erst, als ab Mitte der 1930er-Jahre die Erkenntnis wuchs, dass die Entwicklungen in unserem nördlichen Nachbarland zu einem grossen Krieg führen könnten. Ab der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre – so Peter Dürrenmatt – war ein deutlicher Wehrwille in


Ereignisse in der Schweiz

der Schweiz erkennbar. Dazu hatte der zweite in dieser Periode wichtige Bundesrat, der Chef des Militärdepartements, Rudolf Minger (im Amt von 1934 bis 1940), in erheblichem Masse beigetragen. Ausdruck dieses starken Wehrwillens wurde u.a. eine vom genannten Bundesrat initiierte Wehranleihe zur Finanzierung eines a.o. dringlichen Aufrüstungsprogramms des Heeres von 235 Mio. Franken. Die Anleihe brachte dem Bund rund 100 Millionen Franken mehr ein als die budgetierten Ausgaben. In dieser Zeitphase erlangte ein drittes Regierungsmitglied und dessen VolkswirtschaftsDepartement eine ebenfalls ausserordentliche Bedeutung. Bundesrat H. Obrecht als Departementschef, hatte zur Aufgabe, die Marktwirtschaft situationsbezogen zu regulieren und die Nahrungsmittelversorgung für den Fall von Importblockaden zu gewährleisten. Dazu schuf er eine Kriegswirtschaft, die starke Einschränkungen der freien Marktwirtschaft zur Folge hatte. Zudem sollte die Nahrungsmittelproduktion zu einer praktischen Selbstversorgung der Schweiz geführt werden. Diese Zielsetzung basierte auf zwei Komponenten: Einerseits einem massiven Ausbau der Nahrungsmittelproduktion (Plan Wahlen) und anderseits einer Lebensmittelrationierung. Man war also auf oberster Ebene organisatorisch bereit.

Die Stimmung des Zusammenhaltens und der entschlossenen Abwehrbereitschaft des Schweizervolkes zeigte sich nach aussen in besonderem Masse anlässlich der Landesausstellung in Zürich vom 6. Mai bis 31. Oktober 1939. Sie stand stark im Dienste der geistigen Landesverteidigung. Nun gings hierzulande in diesem Schicksalsjahr 1939 Schlag auf Schlag. In der Schweiz geschah in Stichworten Folgendes:

Sondersitzung des eidg. Parlaments vom 30. August 1939 Am 30. August mussten in Anbetracht der sehr bedrohlichen Entwicklung der aussenpolitischen Situation an einer Sondersitzung der Bundesversammlung zwei besonders wichtige Beschlüsse gefasst werden. Damit der Bundesrat in dieser sehr ernsten Lage rasch und entschlossen notwendige Entscheide sehr kurzfristig fällen konnte, benötigte er vom Parlament ausserordentliche Vollmachten – dies entsprach einer teilweisen Ausserkraftsetzung der parlamentarischen Prozesse und damit einer Einschränkung unseres demokratischen Systems. Diese Vollmachten sind in den folgenden 7 Artikeln umschrieben.

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Ereignisse in der Schweiz

Art. 1 Die schweizerische Eidgenossenschaft bestätigt ihren festen Willen, unter allen Umständen und gegenüber allen Mächten ihre Neutralität zu wahren. Der Bundesrat ist ermächtigt, die Neutralitätserklärung den Staaten, die hiefür in Betracht kommen, zur Kenntnis zu bringen. Art.2 Die Bundesversammlung nimmt von dem durch den Bundesrat erlassenen Truppenaufgebot Kenntnis und stimmt ihm zu.

General Henri Guisan

Art.3 Die Bundesversammlung erteilt dem Bundesrat Vollmacht und Auftrag, die zur Behauptung der Sicherheit, Unabhängigkeit und Neutralität der Schweiz, zur Wahrung des Kredites und der wirtschaftlichen Interessen des Landes und zur Sicherstellung des Lebensunterhaltes erforderlichen Massnahmen zu treffen. Art.4 Zur Deckung der damit verbundenen Ausgaben wird dem Bundesrat der notwendige Kredit eingeräumt. Ebenso wird ihm die Ermächtigung zum Abschluss allfällig erforderlicher Anleihen erteilt. Art.5 Der Bundesrat hat der Bundesversammlung jeweils auf die Juni- und die Dezembersession hin über die von ihm in Ausführung dieses Beschlusses getroffenen Massnahmen Bericht zu erstatten. Die

Bundesversammlung entscheidet darüber, ob diese Massnahmen weiter in Kraft bleiben sollen. Art.6 Die beiden Räte bestellen ständige Kommissionen zur Vorberatung der Berichte des Bundesrates. Der Bundesrat hat womöglich wichtige Massnahmen vor deren Erlass den beiden Kommissionen zur Begutachtung vorzulegen. Art.7 Dieser Bundesbeschluss tritt sofort in Kraft. Der zweite ebenso wichtige Beschluss an dieser ausserordentlichen Sitzung der Bundesversammlung war die Wahl eines Generals. Mit sehr grosser Mehrheit wurde Oberstkorpskommandant Henri Guisan zum Oberkommandierenden der Schweizer Armee und damit zum General gewählt. Nach der Wahl betrat der Gewählte den Saal und stellte sich – Mütze unterm Arm – vor den Präsidenten der Bundesversammlung und hörte dem Verlesen der Eidesformel durch den Bundeskanzler zu. Darauf erhob der General die Schwurfinger und sprach deutlich und feierlich: «Ich schwöre es!» Man hat zwar die Entwicklung kommen sehen und es war deshalb nicht eigentlich eine Überraschung; dennoch musste die Bevölkerung mit


Ereignisse in der Schweiz

grosser Besorgnis zur Kenntnis nehmen, dass wohl ein grosser Krieg mit dem Ăœberfall der Deutschen

Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939 begonnen hatte.

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Ereignisse in der Schweiz

Kriegswirtschaftliche Organisation in der Schweiz Wie erwähnt schuf der damals verantwortliche Departementschef, Bundesrat Hermann Obrecht mit seinen Mitarbeitern eine Organisation, deren Zweck es war, das gesamte Wirtschaftsleben weitgehend zentral zu lenken. Damit sollte auch erreicht werden, dass die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung durch weitgehende Selbstversorgung sichergestellt werden konnte. Dies war in Berücksichtigung der Tatsache, dass die Schweiz ringsherum von Feinden umgeben war, keine einfache Aufgabe. Diese Organisation umfasste zur Zeit ihrer vollen Tätigkeit acht Ämter: · Zentralstelle für Kriegswirtschaft · Generalsekretariat des Volkwirtschafts­ departements · Kriegs-Ernährungsamt · Kriegs-Industrie- und Arbeitsamt · Kriegs-Transportamt · Kriegs-Fürsorgeamt · Handelsabteilung des Volkswirtschafts­ departements · Eidgenössische Preiskontrollstelle

Diesen Ämtern waren verschiedene Sektionen untergeordnet. Gleich wie im Ersten Weltkrieg erfolgte die Rationierung der Güter auch im Zweiten Weltkrieg in Stufen: 1939 Bezugssperre für Zucker, Hülsenfrüchte, Getreideprodukte, Fette, Oele 1939 Rationierung der obenstehenden Güter 1940 Brot darf nicht frisch verkauft werden 1941 Zwei fleischlose Tage pro Woche 1941 Rationierung der Eier 1942 Abgestufte Rationierung mit grösseren Portionen für Schwerarbeiter 1942 Rationierung Brot und Milch 1943 Streckung von Brot mit Kartoffeln 1945 Gestaffelte Aufhebung von Rationierungsmassnahmen und Reservelagern bis Juli 1948

Die Kantone als Drehscheibe zwischen Bund und Gemeinden Im Thurgau war das Departement für Inneres und Volkswirtschaft für die Weiterleitung der aus Bern eintreffenden Aufträge an die Gemeinden zuständig und verantwortlich. Das schloss auch die Ausführungsüberwachung in den Gemeinden mit


Ereignisse in der Schweiz

ein. Weil aber viele Männer im Militärdienst waren, mussten die einzelnen Bereiche in bestehende Teilorganisationen der kantonalen Verwaltung integriert werden. Das führte zu erheblicher Mehrarbeit; zudem war für die meisten Informationen Stillschweigen Pflicht. Die einzelnen Bereiche wurden im Kanton Thurgau wie folgt in bestehende Teilorganisationen eingegliedert:

Analog ergab sich auch in allen Gemeinden erhebliche Mehrarbeit. Neben der Bestimmung ausführender Mitarbeiter und der Ausführung der Arbeiten mussten die Ergebnisse stets auch nach Frauenfeld oder in Einzelfällen nach Bern gemeldet werden.

Eingliederung der einzelnen Bereiche in bestehende Teilorganisationen · Mietzinskontrolle

Kantonales Laboratorium

· Preiskontrolle

Kantonales Laboratorium

· Nahrungsmittelrationierung

Kantonales Laboratorium

· Heizstoff-Rationierung Kantonsforstamt · Treibstoff-Rationierung

Kantonale Automobilkontrolle

· Arbeitseinsatz/Lohnausfall-Ausgleichskasse Kantonales Arbeitsamt · Förderung des Ackerbaus

Landwirtschaftliche Schule Arenenberg

· Kartoffelversorgung

Lagerhaus VOLG Weinfelden

· Obstversorgung

Obstbauberatungsstelle Arenenberg

Für militärische Angelegenheiten amtete das Kantonale Militärdepartement

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Das Leben in Stettfurt in dieser schweren Zeit Charakteristika des Dorfes und des Gemeinderates Am 1.12.1940 fand eine Volkszählung in der Schweiz statt. Zu jenem Zeitpunkt zählte Stettfurt 427 Einwohner. Als Gemeindeammann amtete von 1904 bis 1946 Jakob Schildknecht-Füllemann. Er war im letzten Jahrhundert am längsten als Gemeindeammann tätig und entsprechend seiner Amtsperiode während gleich zwei Weltkriegen im Amt. Gemeindeammann Jakob Schildknecht

Die Gemeinderäte für die Periode 1940–1946, welche zusammen mit dem Gemeindeammann alle an der Gemeindeversammlung vom 21. April 1940 gewählt wurden (damals kannte man noch 6-jährige Amtsperioden), waren: Jakob Lüthi-Frei, Gottlieb Lüscher-Schnyder, Emil Ammann-Traber und an Stelle des bisherigen Willhelm Müller-Knecht, neu Alfred Bachmann-Hugentobler. An der Ostwand der damaligen Bäckerei Wüthrich gegenüber dem heutigen Gemeindehaus (damals Gasthaus zur Kreuzstrasse) war ein Anschlagbrett angebracht – siehe Seite 44. Zudem gab es zu jener Zeit einen Dorfweibel – während der Kriegsjahre war dies Ernst Diener-Wyss – welcher wichtige Mitteilungen des Gemeinderates allen Bewohnern kundzutun hatte.

Ziemlich ruhige Lage im Dorf In keinem der Gemeindeversammlungs- und Gemeinderatssitzungs-Protokolle während der Kriegsjahre finden sich Hinweise auf äussere Gefahren oder Unruhe. Dies ist umso erstaunlicher, als der Thurgau direkt ans deutsche Nachbarland grenzt und lediglich durch Bodensee, Untersee und Rhein von diesem getrennt ist. Zudem liegt Stettfurt weniger als 20 km von der Grenze entfernt. Auch die drei befragten Männer (siehe Interviews) sagten aus, dass es im Dorf relativ ruhig war; zwar habe man so etwas wie eine latente innere Angst gespürt, aber man sprach öffentlich nur wenig darüber und wenn, dann nur leise. Von der Arbeit im Gemeinderat – Protokollauszüge In der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre mehrten sich die Anzeichen, dass von dem wiedererstarkten Deutschland ein neuer Krieg ausgehen könnte. Die zuständigen Stellen in Bund und Kanton begannen konkret mit den notwendigen Vorarbeiten. Auch die Gemeinden waren aufgerufen, aktiv zu werden. So lesen wir in den Protokollen zu Gemeinderats-Sitzungen Folgendes:


Das Leben in Stettfurt in dieser schweren Zeit

· 12.09.1938: Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, dass bei der Möglichkeit einer allgemeinen Mobilisation vorzugsweise Ersatzmänner ins Feuerwehrkorps zu bestimmen seien. · 29.09.1938: Der Vorsitzende macht Mitteilung über die Komplettierung der Liste der Pferdeführer im Mobilisationsfalle sowie über diejenigen des Feuerwehrkorps. · 28.11.1938: Ein Bericht über die durchgeführte Verdunkelung wird unter den Mitgliedern des GR zirkulieren. (Hier handelte es sich um eine Verdunkelungs-Übung; die allgemeine Verdunkelung wird zu gegebener Zeit vom Armee-Kdo. angeordnet.)

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meindehilfe. Gesuche sind an das Gemeindeammann-Amt zu richten. · 17.05.1939: Das kantonale Brandassekuranz-Dept. macht durch Zirkular darauf aufmerksam, dass für eine leistungsfähige Kriegsfeuerwehr gesorgt werden müsse. Zu diesem Zweck haben sich die Gemeinden mit Handfeuerspritzen mit Gemeinden, die eine Motorfeuerspritze besitzen, in Verbindung zu setzen. Die Bezirksexperten sind angewiesen, sich der Sache anzunehmen. · 28.07.1939: Durch Regierungsratsbeschluss wird die Organisation des Arbeitseinsatzes im Falle der Kriegsmobilmachung geregelt. Als Dienststelle für unsere Gemeinde wird das Gemeindeammann-Amt bezeichnet.

Im Jahr des Kriegsbeginns 1939 gingen die Vorbereitungen weiter. So lesen wir in weiteren Sitzungs­protokollen des Gemeinderates: · 23.02.1939: Der Pferdestellungsoffizier gibt in einem umfangreichen Zirkular die nötigen Anweisungen für die bevorstehende Pferdestellung. · 02.05.1939: Das Dept. des Innern gibt durch ein Zirkular die Massnahmen für eine vorsorgliche Lagerhaltung von Lebensmitteln im Kriegsfalle (Kriegsvorratshaltung) bekannt. Einwohner, deren finanzielle Lage keine zusätzliche Anschaffung von Lebensmitteln erlaubt, haben Anspruch auf Ge-

An der Gemeindeversammlung vom 4. Juni 1939 musste über den Bundesbeschluss vom 6.4.39 über die Ergänzung der Bundesverfassung für die Eröffnung und teilweise Deckung von Krediten zum Ausbau der Landesverteidigung und zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit befunden werden. Die Vorlage wurde bei 105 Anwesenden (das waren mit wenigen Ausnahmen sämtliche Stimmberechtigten – das Frauenstimmrecht existierte damals noch nicht) mit 75 Stimmen gutgeheissen.


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Das Leben in Stettfurt in dieser schweren Zeit

Die Kriegsmobilmachung Das Unvermeidliche traf ein; am Samstag, 2. September 1939 um 6 Uhr läutete der Mesmer Ernst Diener mit der Kirchenglocke Alarm und in allen Radio-Nachrichtensendungen wurde die nebenstehende Mitteilung verbreitet. Dieses Plakat in Grossformat und in allen drei Landessprachen hing auch am Anschlagbrett in Stettfurt. Damit befahl der neugewählte General Henri Guisan die Kriegsmobilmachung der Schweizer Armee auf Samstag, den 2. September 1939. Die Grenzschutztruppen wurden bereits am 29. August 1939 in den Aktivdienst befohlen. Die Mobilmachung wurde ruhig und geordnet abgewickelt. Alle Truppen hatten klare Anweisungen, wo sich der jeweilige Besammlungsort der einzelnen Einheiten befand und auch, wie sie an diesen Ort gelangen konnten. Was dabei nirgends zum Ausdruck kommt, sind die vielen Abschiedstränen von den Angehörigen der aufgebotenen Soldaten und auch die Angst der Zurückgebliebenen über die ungewisse Zukunft. Die Bundesbehörden mussten nun damit rechnen, dass der Import von Waren aus dem Ausland und damit die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung zunehmend schwieriger wird. Aus der Erfahrung des Ersten Weltkrieges begann man daher im Landwirtschaftsamt schon Mitte der 1930er-Jahre mit Überlegungen, wie man die Eigenproduktion von Lebensmitteln aus der Landwirtschaft markant erhöhen könnte. In diesem Zusammenhang wurde ein Mann bekannt, sein Name: Traugott Friedrich Wahlen. In An­­­hang 1 beschreiben wir das System der markanten Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion, die unter dem Begriff «Anbauschlacht» bekannt wurde.


Das Leben in Stettfurt in dieser schweren Zeit

Um eine unter Ausschaltung des Marktes gerechte Lebensmittelverteilung sicherzustellen, wurde ein ausgeklügeltes System entwickelt; dieses wurde unter dem Begriff Rationierung zusammengefasst. Zur Realisierung war ein riesiger Administrativ­ aufwand erforderlich. Die ganze Kette in diesem Versorgungsbereich war eingeschlossen, so die Lieferanten von Produktionsmitteln, die Produzenten, die Grossisten, die Detailhändler und die Verbraucher sowie alle relevanten Stellen in Bund, Kantonen und Gemeinden. In Anhang 2 stellen wir das System der Rationierung in der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs dar.

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Thurgauer Zeitung vom 30.09.39 Der Regierungsrat hat die Organisation der Nahrungsmittelrationierung geregelt. Als kantonale Zentralstelle für die Nahrungsmittelrationierung bezeichnet er das kantonale Laboratorium, das im Einvernehmen mit dem kantonalen Departement des Innern handelt. Die Gemeinderäte müssen eine Rationierungsstelle bezeichnen, welche nach den Vorschriften des Bundes und den Weisungen der kantonalen Nahrungsmittelrationierungsstelle die Rationierung in der Gemeinde organisiert und durchführt. Diese Gemeindestellen müssen bis zum 3. Oktober organisiert sein.

– verlegt. Siehe dazu Bilder sowie ein Zeitungsausschnitt auf Seiten den Seiten 27 und 28.

Nach dem Fall Polens folgte eine Kriegspause, später als «drôle de guerre» bezeichnet, während welcher ein Teil unserer Armee beurlaubt (nicht entlassen) wurde. Die Waffenruhe erwies sich aber als Irrtum: Am 10. Mai 1940 löste Hitler-Deutschland den sog. Westfeldzug gegen Frankreich aus. Als Folge davon musste der General die zweite Generalmobilmachung befehlen und zwar auf den 11. Mai.

Am 25. Juni hielt der Bundespräsident als Chef des Politischen Departements, Marcel Pilez-Golaz, eine längst erwartete Rede. Er sprach französisch; deutsch wurde die Rede von Bundesrat Etter und italienisch von Bundesrat Celio verlesen. Schon damals war jene Rede nicht unumstritten; es wurde von einem «Anpasser» gesprochen und breite Kreise wurden unsicher, ob der Bundesrat wirklich noch hinter der totalen Verteidigung der Schweiz stehe.

Da die deutschen Truppen Frankreich bis an die Schweizergrenze besetzten, retteten sich im Sommer 1940 rund 29 000 französische und rund 12 000 polnische Soldaten durch Flucht in die Schweiz. Sie wurden unmittelbar nach Überschreiten unserer Landesgrenze entwaffnet, interniert und in verschiedene Kantone – so auch in den Thurgau

Genau einen Monat später, am 25. Juli 1940 – in dieser wieder heiklen Phase – verfügte General Guisan mit Operationsbefehl Nr. 12 die sogenannte Reduitstrategie und befahl das obere Offizierscorps auf die Rütliwiese, zum berühmten «Rütlirapport». Es ging um eine neue Verteidigungsstrategie für die Schweizer Armee. Sie be-


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Das Leben in Stettfurt in dieser schweren Zeit

inhaltete u.a.: Die Grenztruppen bleiben in ihren Stellungen zur Verteidigung der Grenzzonen; ein Teil der Armee deckt das schweizerische Hochplateau in einer vorgeschobenen Stellung; das Gros der Armee verteidigt den Alpen- und Voralpenraum in einer Zentralraumstellung. Mittlerweile wurden die im Westen frei gewordenen deutschen Truppen nach Jugoslawien und Richtung Russland verlegt, was in der Schweiz wieder eine gewisse Entspannung brachte. Aber die Propaganda der Deutschen in der Schweiz ging unvermindert weiter und es gab in der Schweiz sowohl in der Armee, als auch in zivilen Bereichen eine ernstzunehmende Gefahr durch Sympathisanten für Hitler-Deutschland. Zudem arbeiteten Teile der Schweizer Industrie für Deutschland, was möglicherweise einer von vielen Gründen sein könnte, weshalb Hitler die Schweiz nicht angegriffen hat.

Interviews mit Zeitzeugen Nebenstehend und nachfolgend Erinnerungen von Menschen, die hier noch wohnen und zu jener Zeit im Militärdienst oder im Ortswehreinsatz der Heimat dienten. Es handelt sich dabei um eine Frau und drei Männer; sie sind in der Reihenfolge ihrer Geburtsjahre aufgeführt.

Martha Wismer-Wüest · Jahrgang 1920. Ihre Jugendzeit verlebte sie in Bussnang und ab Mitte der 1930er-Jahre bis zu ihrer Heirat 1947 im nahegelegenen Dorf Tobel. Dort erwarben ihre Eltern das Restaurant «Löwen», damals noch mit Bäckerei. Als gelernte Verkäuferin half sie ihrer Mutter im Laden und musste daneben per Velo und zu Fuss Brot austragen. Martha erinnert sich an eine Kundin, die recht «hitlerfreundlich» eingestellt war und dies auch bei Gesprächen im Laden kund tat. Den Kriegsausbruch, den man habe kommen sehen, habe sie aus Radio und Zeitungen erfahren. Als die Generalmobilmachung befohlen wurde, sei die Familie in der Küche zusammengesessen und habe geweint. Ihr Bruder Hans war gelernter Bäcker und betrieb die Bäckerei zu Hause. Er musste am 2. September 1939 zum Militärdienst in die Bäcker-Kompagnie 7 einrücken. Im Laufe des Krieges erlitt er eine Lungenentzündung, wurde für den Heilungsprozess beurlaubt, musste danach aber wieder bis Frühjahr 1945 weiter dienen. Die Bäckerei zu Hause wurde während der Kriegsjahre von Vater und Mutter Wüest mit Unterstützung durch den lokalen Dachdecker, der gelernter Bäcker war (ein Beispiel für die damalige gegenseitige Hilfsbereitschaft), betrieben. Es gab damals die Vorschrift, dass Bäckereien Brot erst 48 Stunden nach dem Backvorgang verkaufen durften; für die Lagerung hatten sie Harasse in einem separaten Raum; diese Vorschrift wurde periodisch behördlich kontrolliert. Martha war als Samariterin in der Ortswehr Tobel tätig. Ihre Entlassungsurkunde lautet wie folgt: «An: San. Sdt. Wüest Martha, Tobel Tägerschen, Ter.Kr.7 – Die Heimat dankt dir für deine freiwillige Dienstleistung. Bern, 20. August 1945 – Der Vorsteher des Militär-Dept., Bundesrat Kobelt.» Im Rest. «Löwen» war im Sääli stets eine Kompagnie Schweizer Soldaten einquartiert. Deren Aufgabe war die Bewachung der kantonalen Strafanstalt Tobel. Martha hatte während den Erntezeiten auch bei lokalen Bauern ausgeholfen. Im Rahmen der Lebensmittelkontrolle mussten die Kunden stets auch die nötige Anzahl «Lebensmittelmärkli» abgeben. Die Mutter musste jeweils an Sonntagnachmittagen diese Märkli in grosse Bogen einkleben, wobei die Märkli damals noch nicht selbstklebend waren wie die heutigen Briefmarken – dies sei ihre verpönteste Arbeit gewesen. Von Tobel aus habe man auch immer wieder Bomber über Süddeutschland gesehen und gehört. Sie erinnert sich auch daran, dass im Frühjahr 1944 die Stadt Schaffhausen und im September des gleichen Jahres die Stadt Friedrichshafen bombardiert wurden.


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Arnold Münger · Jahrgang 1922. Er kam 1938 mit seinen Eltern nach Stettfurt in die Liegenschaft «Freudenberg». Vor Beginn seiner Militärdienstpflicht musste er in der Ortswehr Stettfurt (siehe Seite 29) Dienst leisten. Im Frühjahr 1942 – der Krieg war schon in vollem Gange – musste er die Rekrutenschule in der Kavallerie (Dragoner) in der Kaserne Aarau absolvieren. Im Oktober des gleichen Jahres wurde er zum Aktivdienst aufgeboten und musste zunächst ohne Pferd – es gab zu jener Zeit noch zu wenig Pferde – im Zürcher-Oberland Dienst leisten. Im Dorf sei es ruhig gewesen; man habe sich arrangiert und einander ausgeholfen. Im Restaurant sei das Thema Krieg natürlich Hauptthema gewesen, aber man habe eher leise darüber gesprochen. Es kursierte damals das Wort: «Wer nicht schweigen kann, schadet der Heimat». Arnold wurde im März 1945 aus dem Aktivdienst und mit rund 40 Jahren aus gesundheitlichen Gründen gar aus der Armee entlassen. An eine Episode erinnert er sich noch ganz gut: «Junge Burschen, die zuvor im Rest. Freudenberg gewesen waren, entschlossen sich an einem späten Abend, in Thundorf – das Dorf war verdunkelt – den ersten ankommenden Velofahrer in den dortigen Brunnen zu werfen. Der Velofahrer war dann zufällig Polizist. Die Burschen aber konnten in der Dunkelheit leicht entkommen und bis der Mann aus dem Brunnen gekrochen war, waren die Übeltäter längst über alle Berge.» Otto Felder · Jahrgang 1922. Hier geboren und aufgewachsen und die Schulen besucht. Nach der Heirat kurze Zeit wohnhaft in Wängi und Aadorf; seit 1968 wieder zurück im Heimatdorf. Am 15.2.1943 musste er zur Rekrutenschule in Chur einrücken, wurde aber nach 4 Tagen aus gesundheitlichen Gründen für dienstuntauglich erklärt. An Stelle der Armee wurde er der Ortswehr Stettfurt zugeteilt. In dieser Organisation habe man als Waffe das Langgewehr – 12-Lader – erhalten. Er erinnert sich an eine Übung zur Verteidigung der Presshefefabrik. Die Leute im Dorf hätten natürlich Angst gehabt, aber es gab weder Hysterie noch Unruhen; alles sei hier ruhig verlaufen. Menschen die keinen eigenen Waldbesitz hatten, mussten sich anderweitig Holz zum Kochen und Heizen beschaffen. Dazu habe man beim Statthalter des Schlosses Sonnenberg (damals Pater Kolumban) einen sog. «Holzschein» beschaffen können. Damit war man berechtigt, Fallholz im Sonnenbergwald zu sammeln. Die Lebensmittelversorgung sei gut gewesen; es gab zwei Bäckereien und zwei Läden und der Migros-Wagen kam wöchentlich ins Dorf. Es gab keine Hamsterkäufe. Otto erinnert sich gut an die Glockengeläute anlässlich des Waffenstillstandes am 8. Mai 1945.


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Hugo Gamper · Jahrgang 1924. Auch er ein Ur-Stettfurter; hier bei seinen Eltern aufgewachsen. Sie hatten noch kein Radio; man orientierte sich aus der Zeitung, den Anschlägen, sowie den Mitteilungen des Dorfweibels. Dorfweibel zu jener Zeit war Ernst Diener; der war auch Mesmer und Stromableser und hatte ein paar Kühe. Wegen einem Defekt an einem Bein wurde Hugo militärisch dem Hilfsdienst und zwar einem Baudetachement zugeteilt. Zudem musste er in der Ortswehr Dienst leisten. Die Ortswehr habe einen Bestand von 12–15 Mann aufgewiesen. Im Januar und November 1944 war er für je 6 Wochen in Oberschaan im HD-Einsatz. Sie mussten dort Baumstrünke ausreissen, um die «Schiessbahnen» freizumachen. Sein Vater war mehrmals im Aktivdienst; während dieser Zeit führten seine Mutter und Hugo den Betrieb. Die Mutter besorgte Haus und Stall (inkl. Melken) und Hugo die Feldarbeiten. Sämtliche Wegweiser an den Strassen mussten entfernt werden (wie in der ganzen Schweiz). Nach der Getreideernte gingen viele Leute Ähren sammeln, um damit etwas Mehl mahlen zu lassen. Die 1.-Augustfeiern wurden in bescheidenem Rahmen begangen – Motto «Einigkeit macht stark». Hugo erinnert sich auch daran, dass die Frau des Mesmers, Frau Diener, im Auftrag des Zeughauses Frauenfeld Militärkleider geflickt habe und sich so einen kleinen Zusatzverdienst erarbeiten konnte. 1940 habe man im Dorf Internierte gehabt; sie waren in der Scheune von Familie Schaffer und in derjenigen von Robert Gampers Vater einquartiert. Die beiden Bäckereien hätten Anweisung gehabt, Brot erst 48 Stunden nach dem Backen in den Verkauf zu bringen. Auch in der Bäckerei Wüthrich hing ein Plakat «Altes Brot ist nicht hart, aber kein Brot, das ist hart». Während der Kriegsjahre war das Benzin extrem knapp; deshalb wurden die Lastwagen und Traktoren teilweise mit sog. Holzvergasern ausgerüstet. Einen solchen Traktor hatte auch Bauer Gut vom Ruggenbühl sowie der Viehdoktor Josef aus Wängi.

Brandfälle während der Kriegsjahre Gemäss Auskunft der Kantonspolizei, Abt. Brand­ ermittlungen, sind keine einschlägigen Unterlagen mehr vorhanden. Auch ehemalige Brandermittler konnten sich an keinen Häuserbrand in Stettfurt während der Kriegsjahre erinnern. Bei einer Nachforschung im Staatsarchiv konnte während dieser

Schicksalsjahre in Stettfurt lediglich ein Blitzeinschlag und zwar im Hof von Albert Osterwalder, Landwirt, Staudenhof-Stettfurt ermittelt werden. Dieser ist glimpflich abgelaufen und führte nicht zum Hausbrand, sondern nur zur teilweisen Zerstörung der Elektro-Installationen.


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Blitzlichter aus dem Vereinsleben Wie aus den Gemeinderats-Sitzungsprotokollen, so auch aus den Protokollen der Vereine, ist nirgends von äusseren Gefahren die Rede. Man hatte die Situation so genommen, wie sie war und daraus das Beste gemacht. Alle Vereine hatten ein gleichlautendes Problem, nämlich oft stark reduzierte Zahlen von Aktivmitgliedern wegen Militärdienstleistungen. Alle aber hielten unter erschwerten Bedingungen durch.

Im Bericht zum Endschiessen 1944 lesen wir: · «Da über den ganzen Herbst 1944 ein beträchtlicher Teil der Schützen im Dienst war …»

Der älteste Verein, die Schützengesellschaft, wurde wahrscheinlich 1898 gegründet.

Im Februar 1940 realisierten der Männerchor und der «Musikverein Edelweiss» eine gemeinsame Abendunterhaltung. Dabei wurden u.a. zwei Lustspiele von je einem Akt aufgeführt: «D’Wält goht under» (Ironie der Zeit) und «Wöschwiberklatsch».

Gemäss den Statuten vom 16.3.1929 lautet der Zweck dieses Vereins: Förderung und Erhaltung der Schiessfertigkeit ihrer Mitglieder im Interesse der Landesverteidigung, Pflege der Kameradschaft sowie vaterländischer Gesinnung. In den Protokollen dieses Vereins gibt es nur ein paar wenige Bemerkungen die auf die Kriegssituation hindeuten, so z.B. · An der Jahresversammlung 1940 vom 29.3.41 ist in einem Traktandum vermerkt: «Da infolge ständigem Militärdienst der meisten Schützen die Teilnahme an der Jahresversammlung 1940 unterblieb …»

Beim Männerchor, gegründet 1905, lesen wir in dessen Jahresbericht 1939: · «Leider kam die Mobilisation und damit gab es notgedrungen einen Ausfall von vielen wertvollen Gesangsstunden»

Der Männerchor hatte in jenen Jahren einen begnadeten Aktuar in der Person von Alfred Frei, Posthalter von 1929 bis 1969. Aus den vielen Jahresberichten zitieren wir nur ein Beispiel aus dem Jahresbericht 1940 zur 1.-Augustfeier schrieb er u.a.: «Höhenfeuer grüssten zu Tal und in diesen freudig beschaulichen Anblick hinein zu den beleuchteten Bergeshöhen, würdigte und bedankte jedes patriotisch gestimmte Schweizerherz in Stille den tapferen Mut der Urväter für ihren Freiheitskampf und liess den gegenwärtig mobilisierten Soldaten Heil und Kraft wünschen für ihre Aufgabe, die Grenze zu schützen».

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Trotz der schwierigen äusseren Umstände führte der Männerchor fast jedes Jahr eine Reise durch Teile des Heimatlandes durch. Wo immer die Mitglieder zusammenkamen, wurde auch gesungen. Dazu noch ein Hinweis aus dem Protokollbuch: «Gesang verschönt das Leben, Gesang erfreut das Herz, ihn hat uns Gott gegeben, zu lindern Not und Schmerz». In den Protokollen und Jahresberichten des Männerchors war das Rest. Kreuzstrasse oft als «Wirtschaft Verutschka» bezeichnet. Der Name rührt vom Namen der Wirtin Vera (Verutschka) Villanueva-Beer her. Der 1934 gegründete Musikverein Edelweiss kam während der Kriegsjahre ins Trödeln, weil viele Mitglieder bei der ersten (2.9.39) wie zum Teil auch bei der zweiten (11.5.40) Generalmobilmachung zum Militärdienst einberufen wurden. Ein besonderes Problem war dabei natürlich, wenn der Dirigent fehlte. Aus dem Protokollbuch dieses Vereins geht auch die o.e. gemeinsame Abendun-

Thurgauer Zeitung vom 21.10.39 Durch Beschluss vom 17. Oktober hat der Regierungsrat das kantonale Forstamt in Frauenfeld als kantonale Brennstoffzentrale für Kohle, Holz, Torf und Heizöl bezeichnet. Die Gemeinden haben bis zum 28. Oktober eine Brennstoffstelle zu bezeichnen, welche die Rationierung der festen und flüssigen Brennstoffe zu Heizzwecken nach den Weisungen der kantonalen Brennstoffzentrale in der Gemeinde organisiert und durchführt.

terhaltung mit dem Männerchor hervor. Die letzte Jahresversammlung der Mitglieder während dem Krieg fand am 30.6.42 statt; dann erfolgte ein Unterbruch bis zum 4.12.45. Der Wille zum Weitermachen war stark und so gibt es diesen musischen Verein – heute unter der Bezeichnung Musik Stettfurt–Matzingen – erfreulicherweise immer noch. Neben diesen Vereinen existierten auch schon lange vor dem Zweiten Weltkrieg zwei Vereine im Gesundheitsbereich, nämlich einerseits der Samariterverein, gegründet 1917 und der Krankenpflegeverein, gegründet 1929. Diesen beiden Institutionen kam während der Kriegsjahre besondere Bedeutung zu.

Intensivierung der Arbeit im Gemeinderat – Protokollauszüge · 03.10.39: Vom Regierungsrat liegt die Aufforderung vor, bis zum 3. Oktober den Inhaber der neugeschaffenen GemeindeRationierungsstelle zu ernennen. Herr Gemeindeammann Schildknecht lässt sich für dieses Amt gewinnen. Ebenso übernimmt er die Gemeindestelle für die Verwertung der Kartoffeln. · 23.10.39: Der Regierungsrat ordnet die Organisation einer Gemeindestelle für die Brennstoffe an. Herr GA Schildknecht übernimmt die Funktion derselben. An dieser Gemeinderatssitzung stellt der Vorsitzende an den Gemeinderat die Frage, ob unter den


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obwaltenden bedrückenden Zeitverhältnissen vom üblichen Sausersonntag nicht Umgang genommen werden sollte. Der GR entschliesst sich für die Fortsetzung und legt den 29. Oktober fest. (Anmerkung Verfasser: Man darf darüber schmunzeln, aber kann dies auch als kleinen Beitrag zur Selbstbehauptung – wir lassen uns nicht unterkriegen – durchaus positiv sehen). 28.11.39: Der Regierungsrat gibt in einem vertraulichen Schreiben diejenigen Behörden bekannt, die bei einer evtl. Besetzung unseres Landes durch fremde Truppen auf dem Posten zu verbleiben hätten. Die Mitglieder unseres Gemeinderates erklären, nicht auszuziehen, wenn dieses tragische Geschick uns treffen sollte. 20.12.39: Das Territorial-Kdo. 7 gibt Anweisung über die im Kriegsfall durchzuführende Evakuation der für die Armee wichtigen Mannschaften, Zugtiere und Motorfahrzeuge. Für die Gemeinde sind ein Ortschef und drei Gruppenchefs zu ernennen. 12.01.40: Gemeinderat Lüscher gibt als «Ortschef Evakuation» Auskunft über die Aufgaben der Gruppenchefs bei einer evtl. Evakuation von Mannschaften, Motorfahrzeugen und Zugtieren. 04.04.40: In einem Zirkularschreiben nimmt die Thurgauer Zentralstelle für zivile Kriegsfürsorge Stellung gegen umgehende Gerüchte wegen einer bevorstehenden Eva-

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Thurgauer Zeitung vom 20.11.39 Der Oberbefehlshaber der Armee teilt mit: In der Öffentlichkeit beschäftigt man sich verschiedenenorts (auch im Thurgau) mit der Frage der Ablösung von Truppen, welche wie im Ersten Weltkrieg angeordnet werden könnte. Entscheidend ist in dieser Beziehung die allgemeine militärische Lage. Keine Truppe wird auch nur einen Tag länger im Dienst behalten, als es notwendig ist. Übrigens hat der General, welcher die schwere Verantwortung für die Sicherheit unseres Landes zu tragen hat, den wirtschaftlichen Bedürfnissen des Landes bereits nach Massgabe der Möglichkeiten durch weitgehende Beurlaubungen Rechnung getragen. Weitere Truppenentlassungen können derzeit nicht in Frage kommen.

Auch die Presshefefabrik ist vom Krieg betroffen. In der Broschüre «75 Jahre Presshefefabrik Stettfurt AG» lesen wir: «Die Einberufung zum Aktivdienst traf auch einen Teil unserer Belegschaft. Mit Improvisation und Handanlegen aller verfügbaren Kräfte konnte die erste Zeit gut bewältigt werden. Hauptsorge war, genügend Rohmaterial und Brennstoffe zu erhalten, um die Versorgung mit Hefe sicherzustellen. Rationierungsmassnahmen und Kontingentierungen brachten oft Engpässe, so bei Brennmaterial, Schaumdämpfungsfetten und anderen Chemikalien. Ein Transport Schaumdämpfungsfett aus England gelangte im Frühjahr 1940 bis nach Boulogne. Da brach der Krieg an der Westfront aus und die Sendung fiel den Ereignissen zum Opfer und wurde nie wieder gesehen. Kohle stieg im Preis von Fr. 50.– per Tonne vor dem Krieg auf Fr. 108.– am Jahresende 1940 und Fr. 150.– im Jahr 1942. Mit dem bereits vorher in die Wege geleiteten Ankauf eines elektrisch angetriebenen Kompressors konnte der Kohlemangel etwas gemildert werden. Als lebenswichtiger Betrieb waren wir trotzdem auf Zusatzkontingente angewiesen. Die Melasse stammte aus einheimischem Boden und stand ausreichend zur Verfügung, dank Weisungen des Kriegsernährungsamtes an die damals einzige Zuckerfabrik in Aarberg. Die Hefepreise wurden blockiert. Jegliche Änderung war von der staatlichen Preiskontrolle zu genehmigen.»


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kuation. Sie gibt die bestimmte Versicherung ab, dass eine Evakuation nur für einige Grenzgemeinden in Frage komme. Dafür wird diesen Gemeinden die Anschaffung von verschiedenen Arten von Verbandsmaterial laut beigelegtem Verzeichnis warm empfohlen. Der GR beschliesst die Anlage eines solchen Depots. GR Lüscher erklärt sich bereit, die hiefür notwendigen Vorbereitungen zu treffen · 24.07.40: Der Bundesrat erlässt einen eindringlichen Appell an alle Gemeindebehörden, «die diesjährige Augustfeier in einfacher, würdiger Weise zu feiern». Er gibt gewisse Richtlinien für diesen Zweck bekannt. Unter anderem soll der «Bundesbrief von 1291 verlesen werden». Die öffentlichen Ansprachen möchten den derzeitigen Verhältnissen entsprechend vorsichtig und nach keiner Seite verletzend abgefasst sein. Der Gemeinderat findet, es sei Herr Pfr. Kreis die geeignete Persönlichkeit, diesen Auftrag zu erledigen; der Vorsitzende wird ihn darum ersuchen.

Internierung von ausländischem Militärpersonal 1939–1945 wurden insgesamt 104 000 ausländische Armeeangehörige in der Schweiz interniert. Im Vorfeld der Internierung von ausländischen Soldaten, erhielten die betroffenen Gemeinden – so auch Stettfurt – mit Brief vom 9.8.40 vom Büro für Internierung Region Thur, rot/orange Plakate, worauf das Verhalten der Zivilbevölkerung gegenüber Internierten genau umschrieben war. Danach war es verboten, Internierten zur Flucht zu verhelfen, ihnen Geld zu geben oder von ihnen Gegenstände anzunehmen oder abzukaufen, ihr Postverkehr darf nur via Feldpost erfolgen, den Internierten Zivilkleider abzugeben, sie durften keine Privatwohnungen betreten oder Wirtschaften besuchen und keine Ehen eingehen. Die Liebe aber liess sich nicht überall mit Verboten verhindern. Mit Brief vom 11.8.40 vom Kommando des Inf. Reg. Thur an den Regierungsrat des Kantons Thurgau wurde gemeldet, dass die Internierten mit ihren Bewachungstruppen am 12. und 13.8.40 mit Extrazügen an den Bestimmungsorten eintreffen würden.


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Eine besonders ergreifende Geschichte zum Thema Internierte findet sich in der Thurgauer Zeitung vom 29. Juni 1940 nebenstehend: Die Stettfurt zugewiesenen rund 25 französischen Militärpersonen waren in den Häusern von Robert Gamper-Mäusli (heute Dorfstrasse 16 – eines der ältesten Häuser in Stettfurt) und Werner Schaffer (heute Hauptstrasse 37) einquartiert und mussten selber kochen und Kleider waschen. · 27.09.40: Vom kant. Laboratorium ergeht die Aufforderung, eine exakte Brotkontrolle in allen Bäckereien durchzuführen. Zu diesem Zweck sei allmonatlich einmal das Backergebnis eines beliebigen Tages zu überprüfen, um über die Einhaltung des Verbotes des Frischbrotverkaufs orientiert zu sein. · 06.12.40. Das eidg. Volkswirtschafts-Dept. fordert die Gemeinden zur Durchführung von periodischen Altstoffsammlungen auf. Der Vorsitzende wird zu diesem Zweck gelegentlich mit einem konzessionierten Sammler in Verbindung treten.

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Thurgauer Zeitung vom 16.10.40 «Jedermann soll wissen, dass Übertretungen kriegswirtschaftlicher Massnahmen nicht von der milden kantonalen Polizei geahndet werden, sondern dass die strengen, strafrechtlichen Kommissionen des eidg. Volkwirtschaftsdept. die Bussen fällen. Dass hier nicht viel Spass verstanden wird, zeigen Beispiele wie jener Bäcker im Kt. Zürich, der wegen Verkaufs frischen Brotes zu 300 Franken Busse verdonnert wurde.»

Thurgauer Zeitung vom 7.11.1940 Eine Mitteilung des Armee-Kommandos Der General hat im Einverständnis mit dem Bundesrat die allgemeine Verdunkelung, mit Beginn Donnerstagabend 7.11.40, für das ganze Gebiet der Schweiz angeordnet. Die Verdunkelung wird bis auf weiteres jeden Abend vorschriftsgemäss von 22 Uhr an durchgeführt und dauert bis zur Morgendämmerung.

Thurgauer Zeitung vom 16.11.40 – Artikel «Die Schweiz muss sich selbst ernähren» Darin berichtet die Zeitung von einem Vortrag von Dr. T. Wahlen vor der Gesellschaft schweizerischer Landwirte über die Aufgaben der Landwirtschaft in der Kriegszeit. Durch massiven Ausbau der Produktion und durch Rationierung des Verbrauchs, müsse die Autarkie der Nahrungsmittelversorgung in unserem Land erzielt werden. (Anmerkung des Verfassers: Dieser Vortrag wurde wohl im Hinblick auf die kommende Anbauschlacht gehalten.)

EinTeil der Stettfurt zugewiesenen internierten Franzosen bei Feldarbeiten in der Gegend Grütried oder evtl. oberhalb Lommis (im Hintergrund Schloss Sonnenberg)


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· 15.01.41: Das Territorial-Kdo. 7 fordert die Gemeindebehörden auf, die Ortswehren möglichst gut auszubauen und alle hiefür fähigen Leute einzuberufen. Eine Soldzahlung soll nur an den Chef der Ortswehr erfolgen. · 07.02.41: Der Thurg. Luftschutzverband macht eindringlich auf die Gefahren bei evtl. Luftangriffen aufmerksam und empfiehlt die vorsorgliche Anschaffung von diversem Sanitätsmaterial. Der Gemeinderat beschliesst vorläufig die Anschaffung einer Sanitätskiste mit Inhalt. · 19.11.41: Für Kleinpflanzer soll die Gemeinde insgesamt 36 Aren Pflanzland bereit halten. Als weitere kriegswirtschaftliche Massnahme soll eine Gemeinde-Eiersammelstelle organisiert werden; diese soll einem der beiden Dorfbäcker übertragen werden. · 16.12.41: Das Kommando des Internierungslagers in Matzingen ersucht den Gemeinderat Stettfurt um Arbeitsgelegenheiten für internierte Polen. In Anbetracht, dass für die jährlich wiederkehrenden Winterarbeiten der Gemeinde im Dorf genügend Leute zur Verfügung stehen und grössere Arbeiten keine vorgesehen sind, könne dem Gesuch nicht entsprochen werden. · 24.02.42: Das Militär-Dept. fordert die Gemeinden auf, zwecks Arbeitsbeschaffung Projekte für grössere Arbeiten aller Art ins Auge zu fassen. Im Vordergrund für unsere

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Ortswehr Rechtsgrundlage bildet der Bundesratsbeschluss vom 7.5.1940 über die Organisation von Ortswehren. Pflichtig sind alle Männer über 16 Jahre und die nicht diensttauglichen Männer im Militärdienstalter sowie Männer nach dem Militärpflichtalter. Die allgemeinen Aufgaben der OW sind – primär: Bahnbewachung, Interniertenbewachung und Samariterdienst – sekundär: Beobachtungen bei Tag und Nacht, Verhinderung der Durchfahrt von feindlichen motorisierten Truppen, Ortsverteidigung, Bekämpfung von Fallschirmabspringern sowie Verhinderung von Spionage. Ausgerüstet sein sollen die OW-Pflichtigen mit Gasmaske, Erkennungsmarke, Gewehr Mod. 89 und Eidg. Armbinde. Die Bedeutung der OW unterstreicht der General in einem Dokument «Weisungen an die Bevölkerung für den Kriegsfall». Ortswehr Stettfurt Die Kommandanten waren als erster Otto Gamper-Gamper, gefolgt von Heinrich (Heiri) Gamper-Wüthrich. Die Gruppe habe, so Hugo Gamper, 12–15 Mann umfasst. Am Wochenende vom 13./14.7.40 wurden gemäss Mitteilung der TZ die Ortswehren der meisten thurgauischen Gemeinden feierlich vereidigt. Etliche ergraute Häupter trugen mit gewissem Stolz nochmals ihre alten Uniformen. Von allen Orten wurde uns vom feierlichen Ernst berichtet, der über dem Vereidigungsakt waltete.

Gemeinde stände die Verwirklichung einer Gütervermessung und -zusammenlegung, für welches Unternehmen zur Zeit die ersten Anfänge gemacht werden sollen. Zu diesem Zweck beschliesst der GR (als Flurkommission) auf Antrag von Pfleger Rüttimann die Einladung zu einer Versammlung zum Projekt Güterzusammenlegung.


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· 10.04.42: Die kant. Zentralstelle für Kriegswirtschaft richtet einen dringenden Appell an die Gemeindebehörden, der Organisation der Altstoffsammlung und der Metallspende alle Aufmerksamkeit zu schenken. · 06.07.42: Die kant. Zentralstelle für Kriegswirtschaft fordert die Gemeinden auf, für leistungsfähige Dörranlagen besorgt zu sein. Die Zentralstelle sorge für Personen zur Abhaltung von Vorträgen und Instruktionen. Bei dieser Gelegenheit vernahm man, dass die Brennereigenossenschaft (Presshefefabrik) sich bereits eine solche Anlage angeschafft habe und sie diese in verdankenswerter Weise auch andern Bewohnern zugänglich mache. Vorläufig wird auf einen Referenten verzichtet. · 30.09.42: Das kant. Kriegsfürsorgeamt organisiert eine Volkstuchaktion für gewisse Volkskreise, welche im BR-Beschluss vom 10.10.41 näher umschrieben sind. Die kant. Zentralstelle für Kriegswirtschaft ordnet eine Aktion für Lieferung von Obst an bedürftige Familien an. · 03.10.42: Schon wieder steht der Gemeinderat, bzw. die Ackerbaukommission vor der unangenehmen Aufgabe, das Ackerareal in

der Gemeinde zwangsweise zu erhöhen und zwar um 17 ha. Den Vorschriften der kant. Zentralstelle entsprechend soll die Zuteilung nicht einfach prozentual nach Bodenfläche erfolgen, sondern es soll auf die Leistungsfähigkeit des einzelnen Betriebes Rücksicht genommen werden. Mit wenig Änderungen wird der vom Inhaber der Ackerbaustelle provisorisch erstellte Verteiler gutgeheissen. · 29.10.42: Die kant. Zentralstelle für Kriegswirtschaft lädt in Sachen Verwertung der Altstoffe zu einer Konferenz auf den 3. November nach Weinfelden ein. Unsere Behörde wird durch Gemeinderat Lüscher vertreten sein. Die Beteiligung an der Volkstuchaktion (siehe 30.09.42) wird nach einstimmiger Meinung des GR auf die Vermittlung von Männerhosen beschränkt. · 23.12.42: Der Delegierte an der seinerzeitigen Tagung für Knochenverwertung, Gemeinderat Lüscher, verliest seinen ausführlichen Bericht, der vom Vorsitzenden verdankt wurde. Es solle versuchsweise in der Schule eine Sammelstelle für Knochen gemacht und die Schulkinder als Sammler angestellt werden.


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Das Blatt scheint sich zu wenden Besonders kritische Momente für die Schweiz im Laufe der Kriegsjahre Nach der sehr delikaten Situation der Schweiz in der Zeit vom Beginn des Krieges bis zum Ende des Frankreichfeldzuges verlagerte sich das Kriegsgeschehen ab Sommer 1940 zunächst nach Nord­ afrika und danach auf den Balkan, bevor Hitler im Juni 1941, unter Bruch des 1939 geschlossenen Nichtangriffspakts, auf breiter Front die Sowjet­ union überfallen liess. Anfangs wurden von der Wehrmacht an der Ostfront beträchtliche Geländegewinne erzielt, aber die Kriegsziele der Einnahme von Leningrad (heute wieder St. Petersburg) wie auch der Vorstoss nach Moskau scheiterten. Offensichtlich hatte die deutsche Führung die Erfahrungen Napoleons in den Wind geschlagen. Im Winter 1941/42 musste die Wehrmacht erstmals in diesem Weltkrieg durch Rückzug die allzulange Frontlinie verkürzen. Nach einer unsinnigen Offensive im Sommer 1942 zur Eroberung der Kaukasus-Ölgebiete und dem nach Gegenangriffen von Sowjetarmeen erzwungenen Rückzug im Süden hinter die Wolga, verlor die Wehrmacht wegen eines ebenso unsinnigen Haltebefehls Hitlers, der inzwischen das Oberkommando übernommen hatte, im November 1942 die ganze 6. Armee bei Stalingrad – mit insge-

samt fast 300 000 Mann militärisch, aber vor allem psychologisch eine entscheidende Niederlage. Im Mai 1943 wurde der Afrikafeldzug durch die siegenden Alliierten beendet und schon im Juli landeten sie in Sizilien. Mussolini floh und Italien kapitulierte. Daraufhin griffen die Deutschen mit eigenen Truppen und Armeematerial ein und durch diese neue Kriegsfront in Italien entstand für die Schweiz geografisch bedingt eine äusserst bedrohliche Lage. Die im Verlaufe von 1943 systematische Bombardierung von deutschen Industrieanlagen und danach auch Städten waren für die Schweiz eine heikle Angelegenheit, da alliierte Flugzeuge zunehmend unseren Luftraum dabei verletzten. Die riesige Landeoperation alliierter Verbände im Juni 1944 bei der Invasion in der Normandie und zwei Monate später in Südfrankreich bedeuteten für die Schweiz wieder höchste Bereitschaft an der Westgrenze – war es doch nicht auszuschliessen, dass deutsche Truppen auf ihrem Rückzug unsere Souveränität verletzen könnten. Nach dem Zusammenbruch der Ostfront Anfang 1944 und der erfolgreichen Normandie-Invasion


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war das Ende des Dritten Reiches absehbar. Trotzdem waren der Kriegsverlauf an der Westfront und die Tatsache, dass die Frontlinie der Deutschen in Norditalien bis zum Kriegsende hielt, Glücksfälle für unser Land.

Die Arbeit im Dorf und im Gemeinderat ging ruhig und seriös weiter · 29.07.43: Die kant. Zentralstelle für Kriegswirtschaft macht auf den grossen Anfall von Tannzapfen aufmerksam und fordert insbesondere die Schulen auf, ihre mangelnden Vorräte an Heizmaterial damit zu äufnen. · 28.09.43: Das Territorialkdo. 7 befiehlt die Einrichtung von Sanitätshilfsstellen mit der nötigen Ausrüstung an Medikamenten & Verbandstoffen. Mit der Durchführung sind die Ortswehren bestimmt. · 06.07.44: Das Strassen- und Bau-Dept. gelangt an die Gemeinden mit der Aufforderung, auf Kriegsende und die damit eintretende Arbeitslosigkeit baureife Arbeitsprojekte bereit zu halten. Im Falle die vor zwei Jahren beschlossene Güterzusammenlegung und die vorgesehene Strassenkorrektur nach Matzingen nicht genügen sollten, wird die Gemeinde evtl. an den Bau eines neuen Spritzenhauses herantreten müssen. Es soll in einer späteren Sitzung darauf eingetreten werden. Die kant. Zentralstelle für zivile Kriegsfürsorge macht auf die

Verfügung zur Verbilligung von Butter für Minderbemittelte aufmerksam. Die Aktion soll im Oktober in Kraft treten. · 09.10.44: Das Militär-Dept. verlangt, dass zur Kenntlichmachung unseres Gebietes für fremde Flieger an geeigneten Gebäuden Schweizerkreuze auf die Dächer gemalt oder Flaggen ausgehängt werden. Als passende Objekte dürften für Stettfurt das Schloss Sonnenberg und die Presshefefabrik in Frage kommen. · 04.04.45: Die Gemeindestelle für die zivile Kriegsfürsorge, Herr Pfr. Kreis als Beauftragter für das grosse Hilfswerk «Schweizerspende», gelangt mit der Bitte um Unterstützung an die Munizipal- und Ortsgemeinde sowie an die Wasser- und Elektrizitäts-Korporation. Der Gemeinderat beschliesst, einen Beitrag von 500 Franken zu bewilligen, und zwar sollen 300 Franken aus dem Ortsfonds und 200 Franken der Kasse der Elektra entnommen werden.

Deutschland am Ende Mit der bedingslosen Kapitulation Hitler-Deutschlands durch die Deutsche Wehrmacht am 8. Mai 1945, rund eine Woche nachdem sich Hitler und einige weitere Naziführer durch Selbstmord der Verantwortung entzogen hatten, war dieses düstere Kapitel europäischer Geschichte zu Ende.


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Am Abend des 8. Mai 1945 läuteten um 18 Uhr in den Kirchen der ganzen Schweiz die Glocken. In einzelnen Orten der Schweiz gab es Freudenfeste, nicht so in Stettfurt. Aber Freude, Erleichterung und Entspannung – so berichteten die interviewten Personen in Stettfurt übereinstimmend – herrschte allüberall.

Im Gemeiderat fand aus diesem Anlass keine Sondersitzung statt. Man begann hier rasch und sachlich, die notwendigen Nachkriegsarbeiten an die Hand zu nehmen.

Respekt, Dank und Anerkennung Verfolgt man die Geschichte während dieser Jahre, insbesondere von 1938 bis 1946, so dürfen wir feststellen: · Durch verschiedene Umstände war es der Schweiz erspart geblieben, ins Kriegsgeschehen direkt involviert zu werden. · Eine grosse Dankbarkeit erfüllt uns gegenüber der überzeugten und klugen Armeeführung unter General Henri Guisan und seiner Entourage. · In Kenntnis aller Einschränkungen im Alltagsleben darf den politischen Behörden in Bund, Kantonen und Gemeinden Lob und hohe Anerkennung ausgesprochen werden; die minuziös vorbereitete und kontrolliert realisierte Kriegswirtschaft funktionierte wirksam. Das gilt uneingeschränkt auch für

die Behörden der Gemeinde Stettfurt unter Gemeindeammann Jakob Schildknecht. · Dank gebührt aber vor allem auch allen Militärpersonen, die im Aktivdienst tätig waren, ebenso wie den Angehörigen der Ortswehren. · Schliesslich schulden wir den Frauen, die in diesen Schicksaljahren mit vielen zusätzlichen Aufgaben in Haus und Feld, in Industrie und Verwaltung enorme Leistungen erbracht haben, uneingeschränkte Dankbarkeit. Stettfurt im Mai 2016 Der Verfasser, Jahrgang 1936


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Anhang 1 Die massive Ausweitung der landwirtschaftlichen Produktion von naturgestützten Lebensmitteln – Die Anbauschlacht «Trutz der Not durch Schweizerbrot», so steht es auf einer Gedenktafel in Regensberg ZH zur Erinnerung an die «Anbauschlacht» – eines Planes zur massiven Ausdehnung des Ackerbaus – mit dem Ziel einer weitgehenden Selbstversorgung der Schweiz mit Grundnahrungsmitteln. «Vater» dieser Aktion war Traugott Friedrich Wahlen, Landwirtschaftsspezialist und späterer Bundesrat (1958–1965). Wahlen arbeitete diesen Plan bereits in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre aus; er stützte sich dabei auch auf die Erfahrungen aus dem ersten Weltkrieg, deren Beginn ja nur gerade 25 Jahre zurück lag. Er stellte diesen seinen Plan im November 1940 an einem Vortrag in Zürich vor – er war damals Chef der Abt. für landwirtschaftliche Produktion und Hauswirtschaft im Eidg. Kriegsernährungsamt – und fand positiven Widerhall in der Bevölkerung.

versiegenden Lebensmittelimporten. Mit dem Eintritt Italiens in den Krieg im Juni 1940 war unser Land rundherum von kriegführenden Nationen umschlossen. Herr Wahlens ehrgeiziges Ziel war es, die Ackerfläche von rund 183 000 ha 1939 auf 500 000 ha zu erweitern. Das wurde zwar nie erreicht; immerhin betrug die Ackeranbaufläche Ende 1945 rund 352 000 ha, also nahezu eine Verdoppelung und damit eine Erhöhung des Selbstversorgungsgrads von rund 52% auf rund 72%. Dies wurde aber nur mit wichtigen flankierenden Massnahmen erreicht wie: Bereitstellung von genügend Saatgut, einem notwendigen Maschinenpark (Pflügen, Säen, Ernten) sowie einer Rationierung des Verbrauchs – siehe dazu Anhang 2. Überdies war eine wichtige Voraussetzung die Vereinbarung mit der Armeeführung zwecks Beurlaubung von im Dienst befindlichen Landwirten zu bestimmten Zeiten, z.B. für die Aussaat und insbesondere für die Ernte.

Diese unterstützende Haltung der Schweizerinnen und Schweizer basierte auf den zunehmend

Zur Erzielung dieser zusätzlichen Anbauflächen musste auch die Industrie – so auch die Press­


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Anhang 1

hefefabrik Stettfurt – je Mitarbeiter eine bestimmte Fläche zur Verfügung stellen und auch nicht landwirtschaftlich tätige Privatpersonen sogar in Städten mussten verfügbares Land (z.B. auf Dächern) angemessen für Kartoffel- und Gemüsebau einsetzen.

· Mit Brief vom 28.3.39 vom Landwirtschafts-Dept. Thurgau an die Ortskommissionen bzw. die örtlichen Ackerbaustellen – auf Grund des einschlägigen BR-Beschlusses vom 12.2.39 – wird die Erstellung eines gemeindeweisen landwirtschaftlichen Produktionskatasters verlangt.

Fast hätte ein braun gestreifter Störenfried – er kam in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre aus Amerika nach Europa und in die Schweiz – einen grossen Teil der Kartoffelernte zerstört und damit den Erfolg der Anbauschlacht ernsthaft gefährdet. Dieser ungebetene aber sehr gefrässige «Gast» hiess Kartoffelkäfer. Im Dorf, in welchem ich aufwuchs – sicher wurde dies auch in Stettfurt praktiziert – mussten wir Primarschüler durch alle Kartoffelfelder laufen und alle Käfer einfangen. Durch diese und andere Massnahmen in der Früherkennung dieses Schädlings konnten grössere Schäden verhindert werden.

· Mit Kreisschreiben der kant. Zentralstelle für Ackerbau vom 26.9.39 muss der Kanton Thurgau in einer ersten Etappe die Ackeranbaufläche um rund 2190 ha d.h. rund 4% erhöhen; dies wurde auf die Gemeinden umgelegt und diese wiederum mussten die zusätzlich verlangten Anbauflächen auf die einzelnen Bauern aufteilen. Dabei tauchten Probleme auf wie: Zeitweise fehlende zusätzliche Arbeitskräfte sowie Pferde und Traktoren.

Die praktische Durchführung der etappenweisen Vergrösserung der Ackeranbauflächen erfolgte in den nachfolgenden Schritten:

· Rechtzeitig auf die Wintermonate hin liess Dr. Wahlen, nach Absprache mit der Armeeführung, mitteilen, dass demnächst rund 15 000 Pferde gegen Pikettstellung beurlaubt werden können.


Anhang 1

· Mit BR-Beschluss vom 20.10.39 betreffend Ausdehnung des Ackerbaus setzt das eidg. Volkswirtschafts-Dept. für jeden Kanton die mit Ackerbaukulturen anzubauende Mindestfläche fest. · Als Grundlage für die Festsetzung des Ausmasses der ackerbaulichen Nutzung dient der o.e. landwirtschaftliche Produktionskataster. Diese Anordnungen wurden minuziös überwacht, wie das nachfolgende Beispiel zeigt: Die Kant. Zentralstelle für Ackerbau (Arenenberg) meldet mit Brief vom 11.9.40 der Kant. Zentralstelle für

Kriegswirtschaft, dass einige Gemeinden, einen Ausbaurückstand, (z.B. Stettfurt 8.1 ha) aufweise. Gleichzeitig wurden die fehlbaren Gemeinden aufgefordert, die Rückstände aufzuholen oder die Ursachen des Rückstandes detailliert zu begründen. Mit diesem grossartigen Plan wurde erreicht, dass die Bevölkerung unseres Landes ebenso wie die doch beträchtliche Zahl von Flüchtlingen und Internierten praktisch nie Hunger leiden musste. Ein grosser Dank geht an den Urheber und all die vielen Mitmenschen, die mithalfen, diesen Plan zu erarbeiten und ihn auch auszuführen; besonderer Dank gebührt der Landwirtschaft und den dort tätigen Frauen.

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Anhang 2 Die Lebensmittelrationierung Im Rahmen der Kriegswirtschaft während des Zweiten Weltkriegs legte der Bundesrat grossen Wert auf die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln. Die Realisierung dieser Absicht erfolgte durch folgende Aktionen: · Massive Erweiterung der landwirtschaftlichen Produktion von Lebensmitteln · Rationierung (Beschränkung) des Bezugs von Lebensmitteln · Strenges Preiskontrollsystem (nicht nur für Lebensmittel) Die landwirtschaftliche Produktion von Lebensmitteln haben wir im Anhang 1 beschrieben; hier konzentrieren wir uns auf das System der Rationierung (Bezugsbeschränkung) von Lebensmitteln. Das Hauptziel der Lebensmittel-Rationierung, mit welcher ein grosser administrativer Aufwand verbunden war, lautet: · Eine staatlich gelenkte, von Einkommen und Vermögen unabhängige, gerechte Verteilung von beschränkt verfügbaren Lebensmitteln.


Anhang 2

Bereits seit 1939 wurden seitens der Bundesund Kantons-Behörden die Haushalte aufgefordert, Vorräte von haltbaren Lebensmitteln wie Zucker, Mehl, Speiseöl, Fett, Teigwaren, Reis, usw. anzulegen. Für Minderbemittelte konnten die Gemeinden in beschränktem Umfang finanzielle Unterstützungen gewähren; siehe dazu entsprechende Gemeinderatsbeschlüsse von Stettfurt. Zum Zwecke des Bezugs von Lebensmitteln wurden ab Januar 1940 Lebensmittelkarten mit perforierten Einzelbezugscoupons (im Volksmund «Märkli» genannt) abgegeben – siehe das Bild Seite 38 einer solchen Karte vom Februar 1940. Diese Lebensmittelkarten hatten jeden Monat eine andere Farbe. Rationierte Lebensmittel konnten nur noch gegen Abgabe von Einzelbezugsmärkli gekauft werden. Anfänglich waren nur Zucker, Reis, Teigwaren, Oel und Speisefett rationiert. Der Umfang der rationierten Produkte wurde stetig ausgeweitet und erreichte 1944 einen Höhepunkt – siehe nebenstehendes Bild einer Lebensmittelkarte vom Januar 1944. Ab Frühjahr 1945 wurden die rationierten Lebensmittel laufend freigegeben und Ende Juli 1948, also erst mehr als 3 Jahre nach Kriegsende, wurde die Rationierung endgültig aufgehoben.

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Anhang 2

Solche Lebensmittelkarten gab es für Erwachsene und Kinder, sowie Zusatzkarten gegen Nachweise für Kleinkinder, Schwerarbeiter, Schwerstarbeiter und schwangere Frauen. Diese Karten konnten bei einer von der Gemeinde bestimmten Stelle bezogen werden; im Falle von Stettfurt war dies bei Frau Vera Villanueva im Restaurant Kreuzstrasse. Nun mussten auch die Lebensmittelläden und gewerblichen Betriebe, wie Bäckereien, Konditoreien, Metzgereien usw. instruiert werden. Das erfolgte mit Brief vom 1.9.1939 von der Kant. Zentralstelle für Nahrungsmittel-Rationierung an die Gemeindeammann-Ämter. Diese mussten die Instruktionen an alle betroffenen Geschäfte in ihrer Gemeinde weiterleiten. Darin war auch geregelt, dass für die rationierten Waren eine Bestandesaufnahme zu einem Stichtag zu Handen der zuständigen Kontrollinstanzen erstellt werden musste. Nebenstehend der «Kopfteil» dieser Instruktion an die Detaillisten (Läden) einerseits und die gewerblichen Betriebe anderseits. Und mit Brief 15.9.39 von der gleichen Amtsstelle, wiederum an die Gemeindeammann-Ämter, wurden diese beauftragt, allen betroffenen Händlern und Gewerbebetrieben Instruktionen zur Buchführung über Lagerbestände rationierter Lebensmittel weiterzuleiten.


Anhang 2

Mit Zirkularmitteilung von der Kant. Zentralstelle für die Nahrungsmittel-Rationierung vom 1. November 1939 an alle Lebensmittelläden einerseits und an alle gewerblichen Betriebe anderseits wurden diese instruiert, wie sie die Rationierung zu handhaben hätten. Die Einzelbezugsmärkli von verkauften Waren mussten die Läden und gewerblichen Betriebe auf besonderen, artikelweise getrennten Bogen einkleben und der zuständigen kantonalen Kontrollstelle einreichen. Entsprechend dem Fortschritt der inländischen Nahrungsmittelproduktion, vor allem aber unter Beachtung der Entwicklung der aussenwirtschaftlichen Bedingungen, wurde die Nahrungsmittel-Rationierung laufend den Notwendigkeiten angepasst. In dem hier dargestellten Vergleich zwischen Februar 1940 und Januar 1944 zeigen sich denn auch massive Veränderungen wie folgende Beispiele zeigen: · Während Anfang 1940 erst fünf Artikel rationiert waren, waren dies Anfang 1944 zweiundzwanzig Artikel · Während Anfang 1940 pro Person und Monat noch 2000 gr Zucker bezogen werden konnte, waren dies Anfang 1944 nur noch 500 gr. · Bei Reis wurde die Bezugsmöglichkeit um 75%(!) reduziert.

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Anhang 2

· Bei Teigwaren, doch ein häufiges Nahrungsmittel, zeigt sich eine Bezugsreduktion um 2/3. · Auch bei Speisefett wurde der Bezug massiv reduziert. Man darf sich fragen, ob mit diesen Mengen an beziehbaren Nahrungsmitteln die Menschen auch genügend Kalorien erhielten, um das Leben meistern zu können.

Aus diesen beiden, hier verkürzt dargestellten, Vorschriften an die verschiedenen Betriebe der Nahrungsmittelversorgung lässt sich leicht ablesen, dass die Abwicklung dieser Instruktionen einen grossen administrativen Aufwand, der weitestgehend unentgeltlich zu erfolgen hatte, erforderte. Aber die Tatsache, dass rückwirkend betrachtet niemand in unserem Lande Hunger leiden musste, rechtfertigt wohl diesen Aufwand.


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Anhang 3 Zusammensetzung des Bundesrates während der Kriegsjahre

Vorkriegsphase

Kriegsphase

Nachkriegsphase

Bundesrat

Amtszeit

Dept

Partei

Bundesrat

Amtszeit

Dept.

Partei

Bundesrat

Amtszeit

Dept.

Partei

Baumann J.

34 – 40

Justiz

FDP

Celio E.

40 – 50

Post/ Eisenbahn

KVP

Celio E.

40 – 50

Post Eisenbahn

KVP

Etter Ph.

34 – 59

Inneres

KVP

Etter Ph.

34 – 59

Inneres

KVP

Etter Ph.

34 – 59

Inneres

KVP

Minger R.

34 – 40

Militär

BGB

Kobelt K.

41 – 54

Militär

FDP

Kobelt K.

41 – 54

Militär

FDP

Motta G.

12 – 40

Äusseres

KVP

Nobs E.

44 – 51

Finanz/Zoll SP

Nobs E.

44 – 51

Finanz Zoll

SP

Obrecht H.

35 – 40

Wirtschaft

FDP

Pilez-Golaz M.

29 – 44

Äusseres

FDP

Petitpierre M.

45 – 61

Äusseres

FDP

Pilez-Golaz M.

29 – 44

Post Eisenbahn

FDP

Stampfli W.

40 – 47

Wirtschaft

FDP

Stampfli W.

40 – 47

Wirtsch.

FDP

Wetter E.

39 – 43

Finanz Zoll

FDP

Von Steiger E.

41 – 51

Justiz

BGB

Von Steiger E.

41 – 51

Justiz

BGB

Besondere Bemerkungen Aussendepartement: BR G. Motta verstarb im Januar 1940. Sein Nachfolger wurde ab 1.3.40 bis 31.12.1944 BR M. Pilez-Golaz. Per 1.2.1945 übernahm der neugewählte BR M. Petitpierre dieses Departement. BR H. Obrecht führte als Wirtschaftsminister die Kriegswirtschaft ein so u.a. die Lebensmittelmärkli Die wichtigsten Departemente während den Kriegsjahren waren das Militär-, das Politische- und das Wirtschafts-Departement. Das Departement (Äusseres) der Aussenbeziehungen nannte man damals noch Politisches Departement.


Die Familie Wüthrich hatte, neben der Bäckerei, noch eine andere wichtige Funktion für Stettfurt. Sie waren nach Einführung der Telefonie die erste öffentliche Gemeinde-Telefonstation. Bei der Restaurierung dieses Hauses in den 1980er-Jahren wurde die markante Treppe, welche von der Hauptstrasse in den Laden führte, entfernt, weil die Geschäftstätigkeit 1972 eingestellt und der Zugang zum Laden überflüssig wurde. Gebäude der ehemaligen Bäckerei Wüthrich an der Hauptstrasse. Zu jener Zeit gab es eine zweite Bäckerei, jene der Familie Schümperli im Oberdorf.

Das Haus der Bäckerei Wüthrich liegt westlich gegenüber dem ehemaligen Restaurant Kreuzstrasse – dem heutigen Gemeindehaus und nördlich gegenüber dem «Bundesrichterhaus». Dieses Haus wurde wahrscheinlich im Jahre 1770 gebaut und gehört zu den das Ortsbild prägenden Bauten im Dorfkern. Davor steht ein Brunnen mit der Jahrzahl 1883. An der Ostwand dieses Hauses ist das auf Seite 16 erwähnte Gemeindeanschlagbrett gut ersichtlich; hier wurden alle wichtigen Gemeinde­ informationen ausgehängt, so z.B auch das Plakat der Kriegsmobilmachung vom 2.9.1939 – siehe Seiten 16 und 18.


Heinz Roggenbauch

Stettfurt im 2. Weltkrieg 1939–1945 Nachtrag zum Buch «Stettfurt im 20. Jahrhundert»


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