Ostsee Fischland-Darss-Zingst Fischerwiege Ahrenshoop Freitag, 17. Oktober – Montag 27. Oktober 2014 · 2 525 Kilometer
Ostsee Fischland-Darss-Zingst Fischerwiege Ahrenshoop Freitag, 17. Oktober – Montag 27. Oktober 2014 2 525 Kilometer
Rostock
Ostsee Ahrenshoop Stralsund
Freitag, 17. Oktober 2014 Affeltrangen – St.Gallen – Ulm – Nürnberg – Triptis – Hotel «Zur Godenen Aue» (563 km)
Hamburg Hannover
Berlin
Warschau
Triptis Frankfurt
Prag
563 km
Nürnberg Ulm
Bratislava Wien
Affeltrangen
Budapest
Wir starten um 8.30 Uhr morgens. Einen ersten Zwischenhalt machen wir in der Autobahn-Raststätte St.Margrethen im Rheintal: Kaffee und Gipfeli, Sandwich kaufen, Vignette Österreich kaufen. Weiterfahrt Richtung Lustenau. Bregenz – Memmingen – Ulm – Nürnberg – Bayreuth. In der Nähe von Plauen passieren wir die ehemalige innnerdeutsche Grenze zur DDR, die natürlich heute nur noch eine virtuelle Grenze ist. Hier haben sich jedoch vor 25 Jahren dramatische Szenen abgespielt, als der Volksaufstand die deutsche Einheit initiierte. Weiter geht es auf der Autobahn bis Triptis, wo wir ein Zimmer im Landhotel «Zur goldenen Aue» reserviert haben. Wir kommen um ca. 16 Uhr an. Ein altehrwürdiges Haus, das die wechselvolle Geschichte miterlebt hat. Margrit hat heute Geburtstag (65 Jahre). Wir genehmigen einen Sekt in der gemütlichen Gaststube. Das Geburtstagskind darf die Geschenke auspacken: Das Fotobuch von unserer Reise nach England im Jahre 2013, einen eReader und die passende Hülle, von Marianne gefertigt. Das Nachtessen ist wider Erwarten ausgezeichnet. Es gibt einen Pöllnitzer Reiterhoftopf: Filetspitzen mit Champignons und Zwiebeln mit Kabissalat. Währschafte Thüringerkost, aber sehr fein gekocht. Dazu ein origineller Kellner, der die DDR-Zeit noch hautnah erlebt haben muss. Die Bestellungsaufnahme und der Service gehen sehr militärisch über die Bühne. Trotzdem geniessen wir das «Geburtstags-Dîner» sehr. Müde, aber zufrieden gehen wir scon um Viertel vor neun ins Bett. Margrit probiert den eReader aus, ich schreibe das Tagebuch.
Ostsee
Ahrenshoop Rostock
Samstag, 18. Oktober 2014
Stralsund
Hamburg Hannover
469 km
Berlin
Warschau
Triptis Frankfurt
Prag Nürnberg
Ulm
Bratislava Wien
Affeltrangen
Budapest
Nach einem ausgiebigen Frühstück in der Goldenen Aue in Triptis starten wir um ca. 09.30 Uhr. Eine Fahrt durch das alte Dorf Triptis gibt uns einen Eindruck vom Zustand zu DDR-Zeiten. Man hat das Gefühl, dass hier noch nichts von der Wende spürbar ist. Die Häuser atmen noch den Duft der alten DDR. In Röbel machen wir einen kurzen Halt und spazieren zum Hafen, wo wir das erste Fischbrötchen mit Rauchlachs genossen. Sehr fein. Zum klassischen Maatjes-Fischbrötchen konnten wir uns noch nicht durchringen. Es sieht in unsern Augen nicht sehr appetitlich aus. Aber das ist ja wohl nur ein Vorurteil. Das Dorf Röbel hier wurde wieder aufgerüstet, aber die alte Substanz wurde bewahrt: sehr idyllisch und «heimelig».
Triptis (Thüringen) – Wittenberg – (Brandenburg) – (westlich von Berlin vorbei) – Potsdam – Wittstock – (Mecklenburg-Vorpommern) – Mecklenburgische Seenplatte – Röbel-Müritz (ca. 380 km) – Rostock – Ahrenshoop (Total 469 km) Auf der Fahrt beeindrucken uns auch die gewaltigen Windparks. Hunderte von gigantischen Windrädern drehen sich langsam in der Luft. Wahrlich kein schöner Anblick. Man muss natürlich die andere Seite sehen. Hier wurden Miliionen in den Wirtschaftsaufschwung der ehemaligen DDR gesteckt. Die Dörfer in der Umgebung der Windparks konnten sicher sehr viel profitieren von diesen gigantischen Investitionen. Weiter gehts: Röbel-Müritz – Rostock – hier verlassen wir die Autobahn und fahren Richtung Fischland-Darss-Zingst. Bald geht es auf die Halbinsel hinaus. Wir staunen, wieviele Touristen um diese Jahreszeit diese Region noch bevölkern. Wir haben einige Mühe, das Hotel Fischerwiege zu finden. Es liegt versteckt hinter dem Hotel Namenlos an der Hauptstrasse. Es ist ein sehr hübsches Hotel mit dem für diese Gegend typischen Strohdach. Nach dem Einchecken beziehen wir die Zimmer, nehmen einen Apero und bestaunen noch die Geburtstagsgrüsse, die wir endlich nach dem Anschluss ans WLAN downloaden konnten. Marianne, Claudia, Christof und Malin singen gemeinsam das Happy Birthday. So schön. Nach der Dusche gehts zum Nachtessen ins Hotel Namenlos, ca. 5 Minuten Fussmarsch. Hier erwartet uns ein ganz exquisites Menu: Lachsschnitte auf Fenchel – Äsche mit kräuteraromatisiertem Kartoffelstock, Tomaten und Pilzen – Apfelstrudel mit Vanilleglace. Ein ausser ordentlicher Einstieg in die Gourmetküche des Hotels Fischerwiege/Namenlos: leicht, bekömmlich, authentisch. Nach dem Verdauungsspaziergang zurück ins Hotel Fischerwiege gehen wir müde, aber zufrieden ins Bett. Mal schauen, was der morgige Tag mit sich bringt.
Darsser Ort Prerow
Ostsee
Wieck Ahrenshoop
Wustrow
Bodstedter Bodden Saaler Bodden
Dierhagen
Klockenhagen
Born
Ostsee Zingst
Meiningen Brücke Barther Pruchten Bodden Barth Fuhlendorf
Saal
Stralsund
Ribnitz-Damgarten
Ahrenshoop – Althagen 10 km
Sonntag, 19. Oktober 2014 Ahrenshoop – Althagen – Ahrenshoop (ca. 10 km) Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir mit dem Auto ins Nachbardorf Althagen zum Hafen. Wir reservieren die Plätze im Zeesenboot für die Fahrt um 12 Uhr. Da es erst nach 10 Uhr ist, haben wir noch Zeit für einen kleinen Spaziergang dem Bodden entlang. Zurück im Hafen sehen wir ein kleines Fischerboot in den Hafen zurückkehren. Der Fischer lädt in grossen Bottichen Fische aus seinem Boot in den kleinen Lieferwagen. Es sind Prachtskerle: Zander, der meist gefischte Fisch im Bodden. Ein Deutscher interessiert sich dafür. Für 10 Euro kauft er zwei schöne fangfrische Zander. Der Fischer holt sein Messer und nimmt sie noch aus. In einem Plastiksack trägt sie der Käufer nach Hause. Der Fischer erklärt uns, dass dieses Jahr ein sehr gutes Fangjahr war. Die Fischerträge im Bodden seien explosionsartig in die Höhe geschnellt. 15 Fischer gebe es noch in den verschiedenen Boddengewässern. Sie hätten diese Saison rund 100 Tonnen Zander gefischt. Neben dem Zander spielen die andern Fische (vor allem Karpfen und Barsche) eine untergeordnete Rolle. Um 12 Uhr startet das Zeesenboot. Das ist ein Segelschiff mit braunen Segeln. Die Zeesenboote sind wunderschöne Holzsegelboote, die einst für den Fischfang eingesetzt wurden. Das Boot hat keinen Motor und bewegt sich nur mit Windkraft vorwärts. Der Bootsführer erzählt einiges über die Geschichte der Bodden und der Zeesenboote. Die Bodden sind sehr flache Gewässer (ca. 4 Meter tief) und haben einen sehr geringen Salzgehalt. Früher war das anders. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war die Halbinsel Fischland-Darss-Zingst eine Inselkette mit verschiedenen Durchgängen zur Ostsee. Im Mittelalter waren die Bodden noch einiges tiefer.
Im Laufe der Zeit stieg der Untergrund durch die Anschwemmung von Sand immer weiter, so dass man befürchten musste, dass die Bodden verlanden würden. Deshalb wurden die Druchgänge bis auf einen einzigen künstlich geschlossen. Der Verlandung wurde damit Einhalt geboten. Die Fahrt mit dem Zeesenboot ist ein eindrückliches Erlebnis. Das Schiff gleitet ruhing und elegant, aber sehr schnell über das bewegte Wasser. Nach eineinhalb Stunden nähern wir uns nach einigen Wenden und Halsen wieder dem Hafen. Eindrücklich, wie der Schiffsführer das grosse Boot ohne Motor präzise in den Hafen hineinmanövriert – nur mit dem Segel und dem Ruder. Das soll ihm einmal ein Schweizer Segler nachmachen. Wir fahren zurück ins Hotel, gehen dann zu Fuss ins Cafe Namenlos an der Hauptstrasse, wo wir einen Kaffee mit einer sehr feinen Aprikosentorte geniessen. Ca. 20 verschiedene Torten stehen zur Auswahl. Jetzt folgt ein längerer Spaziergang dem Ostseeufer entlang. Die grosse Saison ist vorbei. Nur noch wenige Spaziergänger bevölkern den feinen Sandstrand. Unzählige Buhnen brechen die herantosenden Wellen. Wir geniessen die frische Meeresluft, das Rauschen des Meeres, den Salzgeruch des Wassers. Eine einmalige Atmosphäre für Landeier, wie wir sind. Zurück geht es ins Cafe Namenlos, wo wir auf der Terrasse den Apero nehmen und dabei die Bekanntschaft mit einem älteren Ehepaar machen. Er war vor mehr als 52 Jahren in der Schweiz in Diessenhofen für 2 Jahre in einem Holzbaubetrieb als Volontär angestellt. Er erinnere sich sehr gerne an die Schweizer Zeit zurück. Sie erzählen uns von der Wende, dies natürlich aus westlicher Sicht. Beide sind in Westdeutschland aufgewachsen. Sie haben nicht gerade die beste Meinung von den ehemaligen DDR-Bewohnern. Sie behaupten auch, dass es noch zwei Generationen brauche, bis die DDR-Mentalität (für alles ist der Staat da) verschwunden sei. Sie selber kommen sehr häufig als Feriengäste nach Ahrenshoop und wohnen immer in der gleichen Ferienwohung. Jetzt im Herbst bleiben sie 3 Wochen. Sie geben uns noch viele wertvolle Tipps für unsern Aufenthalt. Sie verraten uns auch, dass sie noch ein Bankkonto auf einer Schweizer Bank hätten. Seit dem Steuerstreit mit Dutschland dürften sie nur noch Euro 10 000 pro Jahr nach Deutschland überführen. Die Abgeltungssteuer hätten sie der Schweizer Bank schon bezahlt. Sie verzichteten aber darauf, sich anzuzeigen wegen Steuerhinterziehung, da dies nur Probleme mit dem Finanzamt gebe.
So erhielten wir endlich einmal an einem konkreten Beispiel Gelegeneheit, in den Steuerstreit zwischen Deutschland und der Schweiz Einblick zu gewinnen. Auch das ein Stück Gegenwartsgeschichte. Ich verzichtete dann darauf die Frage zu stellen, wieviele Jahre es noch daure, bis das Konto leer sei. Es ist unterdessen 5 Uhr geworden. Wir gehen zurück ins Hotel und bereiten uns für das Nachtessen vor. Im Restaurant «Namenlos» erwartet uns wieder ein exquisites Gourmet-Menu: Lachs-Cremesuppe für Margrit, Rehmedaillon für mich, dann als Hauptspeise zartes Rindsfilet mit Chefen, Pilzen und Kartoffelklösschen. Zum Dessert eine Erdbeercreme für Margrit, für mich eine ganz feine Patisserie. Von A bis Z sehr fein, leicht, ausgewogen und authentisch. Am Schluss fühlt man sich noch wohl. Eine wahre Wohltat, ein solches Nachtessen. Den ganzen Tag über hatten wir warmes Sommerwetter bei einer steifen Meerbrise. Gegen Abend verdüsterte sich der Himmel. Dann setzte sogar leichter Regen ein. Mal schauen, was das Wetter morgen vor hat.
Darsser Ort Prerow
Ostsee
Wieck Ahrenshoop
Wustrow
Bodstedter Bodden Saaler Bodden
Dierhagen
Klockenhagen
Born
Ostsee Zingst
Meiningen Brücke Barther Pruchten Bodden Barth Fuhlendorf
Saal
Ribnitz-Damgarten
Ahrenshoop – Wieck – Prerow – Zingst
Stralsund
Montag, 20. Oktober 2014 Ahrenshoop – Wieck – Prerow – Zingst (ca. 51 km) Um ca. 09.30 Uhr machen wir uns auf den Weg Richtung Zingst. Wir fahren an Wieck und Prerow vorbei und kommen nach ca. 23 Kilometern in Zingst an. Wir parken das Auto am Dorfeingang und gelangen zu Fuss über einen Dünendurchgang an die kilometerlange Sandküste der Ostsee. Das Wetter ist sehr wechselhaft. Sonnenschein, Wolken, leichte Regenschauer und damit verbunden das geheimnisvolle Lichterspiel über dem Wasser und der Küste. Wir spazieren auf dem Sand bis zu einem langen Pier. Neben uns rauscht das Meer. Die Wellen branden – von den Buhnen gezähmt – an den Sandstrand. Eine frische würzige Meerbrise streicht um unsere Köpfe. Die frische Luft ist eine Wohltat. Vom Pier zweigen wir links ab Richtung Dorf. Durch eine hübsche Fussgängerzone erreichen wir den Zingster Strom, der in den Barther Bodden mündet. Obwohl die Hauptsaison vorbei ist, flanieren noch ziemlich viele Touristen durch das hübsche Dorf, das in der Hauptsaison ein touristischer Anziehungspunkt ersten Ranges sein muss. Am Hafen angelangt, studieren wir zuerst alle möglichen Schiffsausflüge vom Zingster Hafen aus. Ganz spontan entscheiden wir uns für eine Überfahrt mit der Fähre nach Barth. Start ist um 12 Uhr. Die Fahrt auf dem kleinen Ausflugsschiff führt zuerst durch den Zingster Strom. Rechterhand sehen wir das grosse Vogelschutzgebiet Grosse Kirr und Klein Kirr. Diese Insel darf nicht betreten werden und ist nur der Vogelwelt vorbehalten. Jetzt gelangen wir in den Barther Bodden. Ein leichter Regen setzt ein, so dass wir uns ins Unterdeck verziehen müssen. Die Fahrt durch den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist einzigartig, beruhigend und eindrücklich. Nach 50 Minuten kommen wir in Barth an.
Das Dorf Barth macht eher einen nüchternen Eindruck. Es war vor dem 2. Weltkrieg noch ein bedeutender Wirtschaftsstandort für die Hochseereederei. Heute hat es nur noch kleine Reedereien für die Sportseefahrt. Die Hafenlandschaft wirkt sehr verlassen. Wir genehmigen einen Drink in einem Cafe am Hafen. Um 14 Uhr besteigen wir wieder die Fähre und fahren zurück nach Zingst. Nach einem Spaziergang durch das Dorf Zingst zum Parkplatz fahren wir mit dem Auto nach Prerow, wo wir noch einen kurzen Spaziergang zur Seebrücke an der Ostseeküste machen. Wieder das gleiche Bild wie in Zingst. Kilometerlanger Sandstrand, von einigen Spaziergängern bevölkert. Es wird uns immer klarer, warum die Ostseeküste als schönster Sandstrand von Europa eingestuft wird. Wir stellen uns immer wieder vor, wie diese Küste im Sommer aussieht, wenn Heerscharen von Menschen den Strand belagern. Wir sind froh, sind wir Ende Oktober hier und können Natur pur geniessen. Mit dem Auto geht es zurück nach Ahrenshoop, wo wir in der Hotellobby den obligaten Apero geniessen: Es ist die Zeit der Abrechnung und des tagebuchschreibens. Wir freuen uns auf das Nachtessen im Namenlos. Eine Fischplatte aus dem Bodden ist angesagt.
Darsser Ort Prerow
Ostsee
Wieck Ahrenshoop
Wustrow
Bodstedter Bodden Saaler Bodden
Dierhagen
Klockenhagen
Born
Ostsee Zingst
Meiningen Brücke Barther Pruchten Bodden Barth Fuhlendorf
Saal
Stralsund
Ribnitz-Damgarten
Ahrenshoop – Spaziergang durch das Dorf an die Küste – Born
Dienstag, 21. Oktober 2014 · 1. Teil Ahrenshoop – Spaziergang durch das Dorf an die Küste – Spaziergang zum Hotel – mit dem Auto nach Born – Mittagessen im Restaurant Walfisch – Spaziergang durch das Dörflein Born (Fortsetzung weiter hinten, Tagestotal ca. 28 km)
Heute Morgen bestellen wir das Nachtessen erst auf 20 Uhr, weil wir die Kranichexpedition mitmachen wollen, die erst 16 Uhr startet und 2,5 Stunden dauert, so dass wir erst um 19 Uhr wieder zurückkommen. Zum Nachtessen bestellen wir zum Hauptgang Knurrhahn auf die Haut gebraten, unter dem wir uns ganz selbstverständlich ein gebratenes Hähnchen vorstellen. Ich triumphiere schon, dass ich für meine Allerliebste einen neuen Kosenamen (je nach Laune) gefunden habe. Was der Knurrhahn wirklich ist, erfahren wir dann erst beim Nachtessen. Heute wollen wir das Künstlerdorf Ahrenshoop kennen lernen. Ein Spaziergang führt uns an den Galerien, den Boutiquen, den unzähligen Ferienwohnungen vorbei auf eine kleine Anhöhe mit einer winzigen Aussichtsplattform, von wo wir einen atem beraubenden Ausblick auf die Westküste haben. Wir verweilen eine halbe Stunde dort und geniessen das Meeresrauschen. Der Rückweg zum Hotel führt uns dem Sandstrand entlang. Jetzt geht es mit dem Auto weiter bis ins Nachbardorf Born, ein hübsches ehemaliges Fischerdorf, das die Touristenwelle einigermassen unbeschadet überstanden hat: Keine Boutiquen und Galerien, dafür herausgeputzte Ferienhäuser, mit viel Umschwung und altem Baumbestand. Die Siedlung ist wie in einen Park eingebettet. Wir gehen ins Restaurant Walfisch, wo ich einen fangfrischen Boddenzander genehmige. Margrit nimmt eine Pilzsuppe und einen grossen gemischten Salat. Ein ausgedehnter Spaziergang durch das Dorf fördert die Verdauung. In einem hübschen Cafe schreiben wir die obligaten Ansichtskarten.
Auf dem Rückweg zum Hafen haben wir noch eine interessante Begegnung. Eine ältere Frau steht hinter unserm Auto still und fragt uns: «TG, was heisst denn dat?» Wir erklären ihr, dass wir aus der Schweiz kommen. Sie hat offensichltich keine Ahnung, wo das ist, und antwortet: «Ich bin noch nie weggewesen.» Dann beginnt sie uns ihre ganze Lebensgeschichte zu erzählen. Es sprudelt nur so aus ihr heraus. «Wissen Sie, uns geht es seit der Wende sehr schlecht. In der DDR hatten wir Arbeit. Mit dem Tag der Wende bin ich arbeitslos geworden. Jetzt haben wir keine Arbeit mehr. Ich habe 4 Kinder als Alleinerziehende grossgezogen. Der Staat hat für mich gesorgt. Ich hatte immer Arbeit. Aus meinen Kindern ist was geworden. Aber jetzt, die deutsche Einheit wird überall angepriesen, für uns brachte sie gar nix.» Offensichtlich gehört diese Generation von Menschen zu den Verlierern der Wende. Diese Frau erinnert uns an Olga, die sich vor 6 Jahren im Zarengold-Express über Gorbatschows Politik beklagte. Glasnost und Perestroika hätten für die Russen nur Nachteile gebracht. Der Stadtführer in Jekaterinburg hat uns aber auch die andere Seite sehr bildhaft erklärt: «Wissen Sie, vor Glasnost hatten wir Arbeit und Geld, aber wir konnten nichts kaufen damit, nach Glasnost könnten wir alles kaufen, was es im Westen auch gibt. Aber wir haben keine Arbeit und kein Geld mehr. » Vereinfacht gesagt, trifft diese Situation wahrscheinlich auf die ehemalige DDR zu. Wir können uns kaum mehr trennen von dieser Frau. Nur mit dem Hinweis, dass unser Schiff starte, können wir uns verabschieden.
Darsser Ort Prerow
Ostsee
Wieck Ahrenshoop
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Bodstedter Bodden Saaler Bodden
Dierhagen
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Born
Ostsee Zingst
Meiningen Brücke Barther Pruchten Bodden Barth Fuhlendorf
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Kranichexpedition mit dem Boot – Rückkehr nach Ahrenshoop
Dienstag, 21. Oktober 2014 · 2. Teil Kranichexpedition mit dem Boot – Rückkehr nach Ahrenshoop (Tagestotal ca. 28 km) Um 16 Uhr startet die Kranichtour mit einem kleinen Ausflugsboot. Es sind sehr wenige Passagiere, so dass die Expedition zu einer sehr individuellen Exkursion wird. Der Schiffsführer und der Matrose erklären den wenigen Schaulustigen die Umstände des Naturschauspiels. Um 17 Uhr beginnt es zu dämmern. Und siehe da, plötzlich tauchen die ersten Schwärme am Himmel auf. Mit gereckten Hälsen, die Beine nach hinten gestreckt und mit langsamen Flügelschlägen, ziehen die ersten Schwärme von ca. 20 – 30 Kranichen an uns vorbei. Schon von Weitem sind ihre trompetenähnlichen Schreie zu hören. Sie sind auf dem Weg von ihren Futterplätzen im Landesinnern zu ihren Schlafplätzen an den Ufern der Bodden, wo sie geschützt die Nacht verbringen können. Dieses Schauspiel wiederholt sich in den Monaten September und Oktober während ca. 3 bis 4 Wochen, bevor die Kraniche dann weiterziehen Richtung Süden bis nach Südfrankreich in die Camargue, eventuell sogar weiter bis nach Spanien und Portugal. Im Frühjahr ziehen sie dann wieder nach Norden, machen Zwischenrast – dieses Mal nur ganz kurz – im Boddengebiet an der Ostsee, bevor sie dann weiterfliegen in den Norden nach Finnland, Schweden und Norwegen. Dort bleiben sie dann wieder bis in den Herbst hinein. Und die Reise beginnt von Neuem.
Plötzlich tauchen weitere Schwärme am Himmel auf. Man hat das Gefühl, von allen Richtungen. Es sind zum Teil auch viel grössere Schwärme, die meistens in V-Form ihre Bahnen am Himmel ziehen. Die einen sind ganz nah, andere weiter entfernt vom Boot. Ein Naturschauspiel der besonderen Art. Wir sind beeindruckt. Es müssen Tausende von Kranichen sein. Man ist unwillkürlich an Hitchcocks Film «The Birds» erinnert. Mittlerweile ist es dunkel geworden. Das Schauspiel ist vorbei. Wir verziehen uns wieder an die Wärme ins untere Deck. Um 18.30 Uhr landet das Boot wieder in Born. Wir fahren heim, noch immer beeindruckt von den Bildern der Kranichschwärme. Es bleibt gerade noch Zeit, rasch eine Dusche zu nehmen. Dann geht es um 20 Uhr zum Nachtessen, das wieder kulinarische Höhepunkte verspricht. Zur Vorspeise Jakobsmuscheln auf einem Gemüsebeet, dann zum Hauptgang der Knurrhahn mit Kartoffeln und Tomaten. Oh Schreck, wir wollen reklamieren, wir hätten doch Knurrhahn bestellt. Das Servicepersonal klärt uns auf, dass der Knurrhahn ein Fisch aus dem Pazifik sei. Sein Name rühre daher, dass er wirklich knurren könne. Wir lachen vorerst einmal herzlich, geniessen dann den Knurrhahn zu einem roten Wein, den wir in der irrigen Meinung bestellt haben, dass der Knurrhahn ein gebackenes Hähnchen sei. Der Fisch schmeckt jedoch vorzüglich. Wir sind sehr zufrieden. Heute ist es später geworden. Deshalb verschiebe ich das Tagebuchschreiben auf morgen Mittwoch.
Darsser Ort Prerow
Ostsee
Wieck Ahrenshoop
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Bodstedter Bodden Saaler Bodden
Dierhagen
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Born
Ostsee Zingst
Meiningen Brücke Barther Pruchten Bodden Barth Fuhlendorf
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Ahrenshoop – Zingst – Sundische Wiese – Prerow – Darsser Ort – Leuchtturm Darsser Ort am Weststrand – Ahrenshoop
Mittwoch, 22. Oktober 2014 Ahrenshoop – Born – Prerow – Zingst – Sundische Wiese – Kleiner Spazeirgang Richtung Hohe Düne – Zingst – Prerow – mit der Darssbahn bis Darsser Ort – Spaziergang bis zum Leuchtturm Darsser Ort am Weststrand (ca. 45 Minuten) – zurück nach Darsser Ort – mit der Darsser Bahn zurück zum Hafen Prerow – Born – Ahrenshoop (ca. 69 km)
Wir fahren mit dem Auto bis Zingst, wo wir über die Seestrasse um den Osterwald herum fahren, bis zum Schlösschen Sundische Wiese. Dort müssen wir das Auto stehen lassen. Zu Fuss geht es auf dem künstlichen Deich Richtung Pramort. Der Teerweg wirkt ein wenig monoton. Der Fussmarsch bis Pramort würde ca. 2 Stunden dauern – 2 Stunden retour. Das ist uns eindeutig zu viel. Deshalb beschliessen wir wieder zum Auto umzukehren. Wir fahren die gleiche Strecke zurück bis zum Ostseebad Prerow. Am Hafen parkieren wir das Auto. Zuerst besuchen wir die berühmte Schifferkirche, in der an der Decke und an den Wänden Modelle von alten Segel schiffen hangen. Wir setzen uns in eine Kirchenbank und lauschen ein paar Minuten der Orgelmusik. Offensichtlich ist der Organist am Üben. Wir spazieren ein paar Schritte Richtung Dorfmitte, kehren auf dem Weg in eine Bäckerei/Cafe ein, trinken einen Kaffee/Tee und essen ein kleines Gebäck. Dann geht es wieder zurück an den Hafen, wo wir auf die Darsser Bahn warten, die uns um 13.25 Uhr in 30 Minuten bis zum Darsser Ort bringt, der sich im Darsser Wald befindet. Von dort geht es zu Fuss auf einem sehr romantischen Wanderweg – zum Teil auf Holzstegen – durch den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft bis zum Leuchtturm Darsser Ort, der sich am Weststrand der Halbinsel befindet. (ca. 45 Minten Fussmarsch) Das offene Meer mit dem kilometerlangen Sandstrand nimmt uns wieder in Bann. Betörendes Meeresrauschen, feiner weisser Sand, so weit das Auge reicht. Die wenigen Strandspaziergänger stören nicht. Hier könnten wir Stunden verweilen.
Doch der Fahrplan der Darsser Bahn drängt. Wir treten den Rückweg an und erreichen rechtzeitig die Endstation Darsser Ort, wo wir um 16.10 Uhr die Darsser Bahn besteigen können. Sie führt uns durch den Darsser Wald, in dem sich ein riesiger – jetzt leerer – Campingplatz befindet, zurück zum Prerower Hafen. Mit dem Auto fahren wir zurück zum Hotel in Ahrenshoop. Es ist unterdessen 17 Uhr geworden. In der Hotellobby genehmigen wir den obligaten Apero. Tagebuchschreiben ist jetzt angesagt. Das gestrige fehlt noch. Um 18.30 geht es zum Nachtessen ins Restaurant Namenlos, wo wir wiederum ein Diner mit kulinarischen Highlights geniessen dürfen: Lachscarpaccio mit einer kleinen Kartoffelrösti, dann zum Hauptgang Riesencarnelen auf Zuckerschoten (Chefen) und hausgemachten Bandnudeln, dann zum Dessert Eisravioli. Jeder Gang inklusive dem Gruss aus der Küche eine Gaumenfreude.
Darsser Ort Prerow
Ostsee
Wieck Ahrenshoop
Wustrow
Bodstedter Bodden Saaler Bodden
Dierhagen
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Born
Ostsee Zingst
Meiningen Brücke Barther Pruchten Bodden Barth Fuhlendorf
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Ribnitz-Damgarten
Ahrenshoop – Wustrow – Ribnitz – Prerow – Fahrt mit dem Ausflugsboot – Ahrenshoop
Donnerstag, 23. Oktober 2014 Ahrenshoop – Wustrow – Dierhagen – Ribnitz – zurück über Ahrenshoop – Born – Wieck – Prerow – Fahrt mit dem Ausflugsboot durch den Prerower Strom in den Bodstedter Bodden bis zur Meiningenbrücke und zurück nach Prerow – mit dem Auto zurück nach Ahrenshoop (ca. 81 km)
Heute sind wir zuerst mit dem Auto unterwegs. Wir fahren Richtung Süden bis nach Ribnitz und parkieren unten am Hafen, der schon einen ziemlich verlassenen Eindruck macht. Die Saison ist endgültig vorbei, was auf einer Tafel an einem Ausflugsboot auch klar gemeldet wird. Wir spazieren Richtung Dorfzentrum. Der Dorfcharakter unterscheidet sich wesentlich von demjenigen der Ostseebäder. Es scheint ein wenig, als sei der DDR-Mief noch irgendwie drin. Hässliche Plattenbauten prägen die Quartiere rund um das Zentrum, das von einer wuchtigen Backsteinkirche dominiert wird. Vor der Kirche ein kleiner Markt mit dem Angebot für den täglichen Gebrauch: Geflügel, Würste, Backwaren, Gemüse und Kleider. Die Kundinnen und Kunden sind ganz sicher Einheimische. Man fühlt sich irgendwie in die Zeiten vor der Wende zurückversetzt. In einer Buchhandlung besorgen wir uns noch Ansichtskarten. Wir schmökern ein wenig im Bücherangebot und entdecken das neu erschienene Buch «Protokolle Helmut Kohls». Wir kaufen es. Ein Kunde sieht es und fragt die Verkäuferin ganz abschätzig, ob dieses Buch jetzt herausgekommen sei. Die Verkäuferin zuckt nur verächtlich die Schultern und bejaht die Frage widerwillig. Diese Reaktionen sind wieder eine Lektion in Geschichte wie die Begegnung am Dienstag mit der alten Frau in Born. Diese Leute sind gar nicht begeistert von der Person Kohls, der offensichtlich für diese Leute für die Wende in der Verantwortung steht. Ja, es gibt auch Verlierer der deutschen Einheit.
Wir verabschieden uns von Ribnitz und fahren wieder Richtung Norden durch die bekannten Ostseebäder bis Prerow. Das Auto parkieren wir in der Nähe des Hafens. Es sind nur paar wenige Schritte bis zum Hafen. Neben einer kleinen Imbissbude raucht ein ziemlich hoher Ofen und verbreitet einen würzigen Fischgeruch. Auf dem Ofen steht mit Kreide geschrieben: Ab 13 Uhr frisch geräucherte Fische. Wir üben uns noch ein wenig in Geduld. Schon bald macht sich eine Frau am Ofen zu schaffen und holt ein Stecken frisch geräucherte wunderschöne Fische heraus. Sie hängt sie in der Imbissbude auf. Wir bestellen einen Heilbutt mit einem Brötchen und einen Lachs mit Kartoffelsalat. Frischer kann man wohl einen geräucherten Fisch nicht verzehren. Wir sitzen eingepackt in unsere Wintermäntel im Freien an Holztischen und verzehren aus Plastikgeschirr den besten Fisch, den wir je gegessen haben. Ein Gedicht von Fisch. Saftig und durchzogen von einem ganz würzigen Rauchgeruch. Das ist Ostsee-Kulinarik par excellence.
Fortsetzung nächste Seite
Donnerstag, 23. Oktober 2014 (Fortsetzung)
Ein kurzer Spaziergang führt uns noch zu einem schilfbedeckten Haus, das neu gedeckt wird. Ein Schauspiel hoher Handwerkskunst. Die Häuser hier an der Ostseeküste sind ja nicht mit Stroh bedeckt wie in England, sondern mit Schilf, dem Reet. Darum heissen sie auch Reethäuser. Diese Dächer waren früher den armen Leuten vorbehalten, den Fischern und Tagelöhnern. Heute sind sie fast ein Statussymbol für Reichtum und Wohlstand. Nur noch reiche Leute können sich solche Dächer leisten. Schön, dass es sie noch gibt. Mit dem einem Missippidampfer nachgebauten Ausflugsboot unternehmen wir eine zweistündige Exkursion durch den Prerower Strom in den Bodstedter Bodden hinein. Bei der Meinigenbrücke, die noch zweimal im Tag für die Durchfahrt der Schiffe vom Bodstedter Bodden in den Barther Bodden geöffnet wird. Das Boot wendet vor der Brücke und tuckert wieder zurück durch den Prerower Strom. Die Fahrt zeigt uns eindrücklich die Bodden Landschaft. Ein Strom, der durch künstliche Deiche vom Bodden-Festland abgegrenzt wird. Auf der Wiese grasen die Rinder, aus deren Fleisch schlussendlich Macdonalds-Hamburger produziert werden. Im Prerower Strom sollen auch noch zwei Robben heimisch sein. Der Nachwuchs lasse auf sich warten. Es ist eine eindrückliche Fahrt durch ein Stück unversehrte Natur. Um 16.30 Uhr legt das Boot wieder im Hafen von Prerow an. Wir fahren zurück nach Ahrenshoop. Obligater Apero vor dem Kaminfeuer. Dann Dusche und ab zum Nachtessen. Heute stehen Nordseekrabben und zartes Rinderfilet auf dem Menuplan.
Darsser Ort Prerow
Ostsee
Wieck Ahrenshoop
Wustrow
Bodstedter Bodden Saaler Bodden
Dierhagen
Klockenhagen
Born
Ostsee Zingst
Meiningen Brücke Barther Pruchten Bodden Barth Fuhlendorf
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Stralsund
Ribnitz-Damgarten
Ahrenshoop – Wustrow – Ribnitz – Damgarten – Wustrow – Schiffahrt Saaler Bodden – Wustrow – Ahrenshoop
Freitag, 24. Oktober 2014 Ahrenshoop – Wustrow – Ribnitz – Damgarten – Kückenshagen – Damgarten – Ribnitz – Wustrow – Schiffahrt Saaler Bodden Neuendorfer Bülten – Wustrow – Ahrenshoop (ca. 60 km) Eigentlich hatten wir für heute eine Fahrt um die verschiedenen Bodden bis nach Bisdorf (südlich des Grossen Werder) vorgesehen. Aber meistens kommt es anders als man denkt – vor allem in den Ferien. Den ersten Halt machen wir im hübschen Ostseedorf Wustrow. Wir parkieren das Auto neben dem Hafen und entdecken zwei Attraktionen: Einen Fischräucherstand mit der Anschrift «Ab 12 Uhr frisch geräucherte Fische», dann ein Ausflugsboot mit dem Angebot einer zweistündigen Fahrt durch den Saaler Bodden zu den Neuendorfer Bülten. Ganz spontan entscheiden wir uns für eine Änderung des Tagesplans. Zuerst besteigen wir den engen Kirchturm in Wustrow. Auf der schmalen Plattform, die sich um den Kirchturm windet, hat man einen fantastischen Ausblick sowohl auf den Saller Bodden als auch auf die Ostsee. Auf der Höhe von Wustrow ist die Halbinsel sehr schmal. Wir setzen die Fahrt mit dem Auto fort, wie vor zwei Tagen nach Ribnitz, dann aber weiter nach Damgarten. Damgarten ist ein verträumtes Dorf ohne eigentlichen Dorfkern, das auch noch ein wenig die Zeit vor der Wende atmet. Ein Halt lohnt sich kaum. Auf der Höhe von Kückenshagen kehren wir um und erreichen um ca. 12 Uhr wieder Wustrow. Am Fischräucherstand haben sich schon einige hungrige Kunden eingefunden. Der Rauch steigt aus dem Ofen. Nach etwa 10 Minuten sind die Fische für den Verkauf bereit. Vor dem Räucherofen bildet sich eine Schlange. Mit dem gewünschten Fisch gehen die Kundinnen und Kunden zur Theke, wo er gewogen und bezahlt wird. Wir entscheiden uns heute für 2 Forellen. Sie kosten inkl. Brötchen und Getränk
17 Euro. Wir setzen uns in das Freiluft-Restaurant und beginnen den Fisch zu zerlegen. Es ist wiederum ein wahrer Leckerbissen. Frisch, saftig und fein geräuchert. Margrit lässt sich vom Räucherer erklären, dass die Fische die ganze Nacht vor dem Räuchern in einer Salzlauge liegen. Morgens um 7.30 Uhr kommen sie in den Räucherofen. Wichtig ist, dass zuerst die Haut ganz fest wird, damit die Fische nicht von der Stange fallen. Um 11 Uhr wird nochmals tüchtig eingeheizt, so dass der Fisch auch im Innern schön warm wird. Um 12 Uhr sind sie dann für den Verkauf bereit. Normalerweise sind alle Fische bis am Abend weg. Das Geschäft laufe gut. Im Angebot sind Forellen, Lachs, Rotbarsche, Butterfische, Makrelen und Aale. Die letzteren müssen jedoch bis 13 Uhr im Ofen bleiben. Fortsetzung nächste Seite
Freitag, 24. Oktober 2014 (Fortsetzung)
Um 13.30 Uhr können wir das Ausflugsschiff besteigen. Um 14 Uhr startet es Richtung Saaler Bodden. Neben einer kleinen einheimischen Geburtstagsgesellschaft sind nur noch zwei weitere Passagiere auf dem Boot. Nach ca. einer Stunde erreichen wir den Neuendorfer Bülten, der Teil des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft ist und unter strengem Naturschutz steht. «Bülten» ist ein niederdeutsches Wort und heisst «Haufen». Bis in die 60er Jahre wurden die Bülten landwirtschaftlich genutzt. Damals wurden sie – noch unter DDR-Herrschaft – unter Naturschutz gestellt. Ein einzigartiger Lebensraum für verschiedene Tiere konnte sich entwicklen. Vor allem auch Wildschweine sind hier anzutreffen, die wegen des niedrigen Wasserstandes der Bodden sich von einem Bülten zum andern bewegen können. Ihre Spuren sind in der Schilflandschaft deutlich zu spüren. Leider sehen wir keine Wildschweine. Das Boot bewegt sich ganz langsam zwischen den grösseren und kleineren Bülten hindurch, so dass wir dieses einzigartige Naturparadies geniessen – und fotografieren können. Das Boot wendet und geht den gleichen Weg wieder zurück nach Wustrow, wo es ca. 16 Uhr anlegt. Noch ein paar Bemerkungen zum Wetter. Anfangs Woche war es eigentlich noch ziemlich warm und auch zum Teil sonnig. Von Mitte Woche verschlechterte sich das Wetter dann ein wenig. Es wurde kälter und windiger, genau so, wie wir uns das Ostseewetter vor unserer Reise vorstellten. Einen eigentlichen Sturm erlebten wir leider noch nicht. Das Meer zeigte sich immer von der zahmen Seite. Es war stets leicht bewegt, aber noch weit entfernt von einem richtigen Sturm.
Wir sind zufrieden mit dem Wetter, schränkte es uns doch in unsern Aktivitäten nicht ein. Allerdings verzichteten wir auf eine Fahrradfahrt, da es dafür in der zweiten Hälfte der Woche eindeutig zu kalt war. Man hätte Handschuhe tragen müssen. Wir haben uns heute für das Abendessen um 20 Uhr eingetragen. Als Vorspeise haben wir Cappuccino (Suppe) mit einem Crevettenspiess gewählt, als Hauptspeise steht ein Salzwiesenlamm (Keule und Medaillon) auf dem Programm. Das wird ganz sicher wieder ein Gaumenschmaus.
Darsser Ort Prerow
Ostsee
Wieck Ahrenshoop
Wustrow
Bodstedter Bodden Saaler Bodden
Dierhagen
Klockenhagen
Born
Ostsee Zingst
Meiningen Brücke Barther Pruchten Bodden Barth Fuhlendorf
Saal
Stralsund
Ribnitz-Damgarten
Ahrenshoop – Klockenhagen – Besuch des Freilichtmuseums – Ribnitz – Besuch des Bernsteinmuseums – Damgarten – Besuch der Schmuck-Schaumanufaktur – Ahrenshoop
Samstag, 25. Oktober 2014 Ahrenshoop – Wustrow – Dierhagen – Klockenhagen – Besuch des Freilichtmuseums – Ribnitz – Besuch des Bernsteinmuseums – Damgarten – Besuch der Schmuck-Schaumanufaktur – Ribnitz – Wustrow – Dierhagen – Ahrenshoop (ca. 57 km) Ja, unsere Ferien an der Ostseeküste neigen sich langsam dem Ende zu. Es ist unser zweitletzter Tag in Ahrenshoop. Morgen heisst es Abschied nehmen. Heute halte ich mich kurz für das Tagebuch. Wir haben drei Ausstellungen besucht, deren Inhalte und Hintergründe per Internet und mit weiterer Literatur erkundet werden können. Erste Station ist das Freilichtmuseum in Klockenhagen, das Leben und Arbeit früherer Zeiten in Mecklenburg in verschiedenen Bauernhäusern, Scheunen und Ausstellungsräumen präsentiert. Ein sehr eindrücklicher Einblick in die mecklenburgisch-vorpommersche Vergangenheit. So fehlen auch die Schneiderei, der Schuhmacherladen und eine alte Friseurstube nicht, in denen die alten Handwerksgeräte als Exponate ausgestellt sind. In Ribnitz besuchen wir das Bernsteinmuseum im alten Kloster, das in einer informativen Ausstellung die Geschichte des Bernsteins aufrollt. Ein faszinierendes Museum. Ebenfalls in den Klosterräumen befindet sich auch die Sonderausstellung «Mecklenburg vor 100 Jahren im 1. Weltkrieg». Auch diese Ausstellung sehr informativ. Nach kurzer Fahrt sind wir in Damgarten, wo wir gerade noch 45 Minuten Zeit haben, die Schmuckmanufaktur im Schnelldurchgang zu besichtigen. Margrit sucht sich noch einen schönen Silberring mit einem Bernstein aus, der auch mir sehr gut gefällt. Ein verspätetes Geburtstagsgeschenk. Zurück in Ahrenshoop kaufen wir in der «Bunten Stube“ noch ein kleines Geschenk für Marianne, zwei Kerzenständer aus Glas, die wir dann mit Originalsand vom Ostseestrand füllen werden.
Letzter Abend in der Fischerwiege: Obligater Apero in der Hotellobby, Nachtessen heute Abend nochmals mit Fisch. Morgen geht es auf die zweitägige Heimreise. Bis jetzt haben wir 1444 Kilometer zurückgelegt, der grösste Teil davon für die Hinfahrt. Wir nehmen den gleichen Weg zurück und machen am gleichen Ort den Zwischenhalt wie auf dem Hinweg: Hotel «Zur Goldenen Aue» in Triptis. Dann am Montag geht es endgültig heimwärts bis Affeltrangen.
Ostsee
Ahrenshoop Rostock
Stralsund
Hamburg Hannover
469 km
Berlin
Warschau
Triptis Frankfurt
Prag Nürnberg
Ulm
Bratislava Wien
Affeltrangen
Budapest
Ahrenshoop – Rostock – Malchow – Röbel – Wittstock – Potsdam – Wittenberg – Triptis
Sonntag, 26. Oktober 2014 Ahrenshoop – Rostock – Malchow (121 km) – Röbel (18 km) – Wittstock – Potsdam – Wittenberg – (westlich von Leipzig vorbei) – Triptis (368 km) Total 507 km Schon am Samstag Abend haben wir die Uhren eine Stunde vorgestellt. Es ist auch in Deutschland Winterzeit. Aufbruchstimmung. Letztes Frühstück in der Fischerwiege. Um 09.30 Uhr Starten wir Richtung Rostock, dann auf die Autobahn Richtung Süden. Erster Halt im hübschen Städtchen Malchow am Fleesensee. Wir sind mitten in der Mecklenburgischen Seenplatte mit den unzähligen Seen. Der zweite Halt ist in Röbel, wo wir schon auf der Hinfahrt waren. Eine Tomatensuppe muss für die Zwischenverpflegung genügen. Es stehen uns noch 368 Kilometer bevor. Wir erreichen den Zielort Triptis um 16.30 Uhr. Unterkunft beziehen wir wieder im Hotel «Zur Goldenen Aue», wo uns schon der originelle Kellner – wohl ein Relikt aus der DDR-Zeit – erwartet. Zum Apéro einen spritzigen Sekt und dazu Thüringer Schmalz mit Brot. Wir freuen uns auf ein deftiges Thüringer Abendessen.
Rostock
Ostsee Ahrenshoop Stralsund
Hamburg Hannover
Berlin
Warschau
Triptis – Ulm – Lindau – St.Gallen – Affeltrangen
Triptis Frankfurt
Prag
563 km
Nürnberg Ulm
Bratislava Wien
Affeltrangen
Budapest
Montag, 27. Oktober 2014 Triptis Start: 08.30 – Autobahn Richtung Süden – Ulm – Lindau – St.Gallen – Affeltrangen Ankunft: 14.10 Uhr (563 km) inklusive Benzin- und Toilettenstopp Der Verkehr fliesst sehr gut. Ohne Stau kommen wir vorwärts. Daheim erwarten uns Christof und unsere kleine Malin, die überhaupt nicht fremdet.
Man hat das Gefühl, dass sie uns sofort wieder erkannt hat. Wir haben total 2 525 km zurückgelegt.
Ostsee Fischland-Darss-Zingst Fischerwiege Ahrenshoop Freitag, 17. Oktober – Montag 27. Oktober 2014 2 525 Kilometer
Ostsee Fischland-Darss-Zingst Fischerwiege Ahrenshoop Freitag, 17. Oktober – Montag 27. Oktober 2014 2 525 Kilometer