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Gemeinsame Ferien auf Northey Island 2011

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Northey Island Unsere gemeinsamen Ferien auf Northey Island 11. – 24. April 2011

Margrit, Ueli, Andreas, Sandro, Florian


Unsere gemeinsamen Ferien auf Northey Island 11. – 24. April 2011 Margrit, Ueli, Andreas, Sandro, Florian


Unsere Reise Affeltrangen – Northey Island 11. April – 14. April 2011 Die Etappenorte Maldon (Northey Island) London

Dover Calais

Canterbury

Château d‘Etoges

Hardelot Plage

Etoges Paris

Hardelot Plage

Chaumont Vesoul

Affeltrangen

Canterbury

Maldon


Unser Aufenthalt auf Northey Island 14. April – 22. April 2011

London Canterbury

Maldon (Northey Island) Dover


Montag, 11. April

Château d‘Etoges (Champagne)


Montag, 11. April Margrit und ich ziehen als Vorhut schon Montag Morgen früh um 04.30 Uhr los. (Die Schaffhauser starten erst Freitag mit dem Flugzeug.) Über Basel erreichen wir Delémont um 7 Uhr, wo wir uns mit einem Kaffee und Gipfeli stärken. Dann geht es weiter über Belfort – Vesoul – Chaumont. Hier verzehren wir ein zähes Rindsfilet im Buffalo; aber zu diesem Preis kann man auch nichts Besseres erwarten. Die Reise geht weiter über Joinville – St.Dizier – Vitry-le-François – Sézanne – Etoges. (Ankunft ca. 15.30 Uhr) Dies ist unser erstes Etappenziel, mitten in der Champagne gelegen. Wir haben ca. 600 km zurückgelegt. In Etoges steht ein altehrwürdiges Wasserschloss aus einer ganz anderen Zeit, das aber heute als modernes Schlosshotel genutzt wird: Château d’Etoges. Es ist eine bezaubernde Schlossanlage, umgeben von einem Wassergraben und einer grosszügigen Parkanlage. Das Innere wurde ganz sanft renoviert, strahlt aber noch die Ehrwürdigkeit vergangener französischer Aristokratie aus. Wir geniessen auf der Schlossterrasse neben dem Wassergraben einen feinen Blanc de Blanc und fühlen uns mindestens wie die Fürsten, die einst in diesem Schloss wohnten. Zum Abendessen geht es in den Pavillon, ebenfalls ein Relikt aus vergangenen Zeiten, wo wir uns von Kellnern im Smoking bedienen lassen. Ein Feuerwerk französischer Kochkunst wird aufgetischt: Amuse Boche – Vorspeise – Hauptgang – Käseauswahl – Dessert, alles vom Feinsten. Jetzt kommt so richtig Ferienstimmung auf. Müde, aber glücklich über diese gute Hotelwahl schlafen wir ein, ein tiefer königlicher Schlaf im Himmelbett.


Dienstag, 12. April

Hardelot-Plage


Dienstag, 12. April Nach einem tiefen, gesunden Schlaf wachen wir trotz angeregtem Weingenuss von gestern Abend (Champagner Blanc de Blanc und Rosé, ein feiner weisser Burgunder zur Vorspeise und ein runder Bordeaux zum Hauptgang) mit klarem Kopf auf. Das Frühstücksbuffet, das zwar nicht so ausladend wie in deutschen und österreichischen Hotels ist, aber sehr gediegen daherkommt, stärkt uns für die zweite Etappe. Es geht weiter über Epernay – dann auf die Autobahn A26 – Reims – Laon – St.Quentin – Amiens. Bei einer Tankstelle zwischen Amiens und Abbéville passiert mir ein ärgerliches Missgeschick. Da der Schlauch bei der ersten Tankstation nicht reicht, muss ich retourfahren. Dabei streife ich mit dem hinteren linken Kotflügel am weissen Betonpfosten der Tanksäule, die einige eindrückliche Kratzspuren hinterlässt! Den Ärger vergessen wir bei einer heissen Spargelcrème-Supppe an einer wunderschön gelegenen Raststätte in der Nähe von Abbéville. Diese Region ist ein riesengrosses Naturschutzgebiet mit vielen Teichen, Mooren und einer interessanten Vogelwelt. Die Reise geht weiter bis zur Ausfahrt Nr. 24. Wir verlassen die Autobahn und gelangen auf einer Nebenstrasse, die uns durch herausgeputzte Dörfer führt, nach Berck Plage. Die Strandpromenade ist nicht gerade einladend. Dafür wird man mit einem kilometerlangen und sicher 100 bis 200 Meter breiten Sandstrand mit allerfeinstem Sand entschädigt. Kinder lassen mit ihren Vätern die Drachen steigen, sehr wahrscheinlich als Vorbereitung auf den internationalen Concours des cerfs-volants, der vom 15. bis 22. April an dieser Küste stattfindet. Die Reise geht weiter in Richtung Calais. Auf einer Nebenstrasse erreichen wir Hardelot Plage, unser 2. Etappenziel. Es ist 16 Uhr, unser Hotel heisst Hôtel du Parc der Hotelkette «Best Western». Wir haben heute ca. 380 km zurückgelegt. Ein halbstündiger Fussmarsch führt uns auch hier nochmals an den Strand. Es ist der gleiche Eindruck wie in Berck Plage: Scheussliche Strandpromenade, aber ein fantastischer Sandstrand. Zurück im Hotel geniessen wir einen feinen Apéro in der Bar. Im hoteleigenen Restaurant wird uns ein ausgezeichnetes Nachtessen serviert: «Terre et Mer», etwas vom Lande, etwas aus dem Meer. Auch hier wieder grosse französische Küche.


Mittwoch, 13. April Channel – Canterbury – Chilham


Mittwoch, 13. April Der Schlaf ist zwar nicht mehr so königlich wie in der Champagne, aber die Betten sind ebenfalls gut, so dass wir uns ausruhen können. Nach dem petit déjeuner starten wir um halb zehn Uhr. Auf der Autobahn erreichen wir den Fähren-Terminal der P&O dank guter Signalisation ohne Probleme. Der Checkin verläuft dank Vorreservation problemlos. Nach einer kurzen Wartezeit fahren wir auf die riesengrosse Fähre, die aber nicht ganz besetzt ist. In der Club Lounge geniessen wir die Überfahrt als Privatpassagiere. Das Wetter ist nicht mehr ganz so schön wie am ersten Tag. Es regnet aber nicht. Um 12 Uhr (englische Zeit) kommen wir in Dover an. Wir müssen die Uhren um eine Stunde zurückstellen, da die Engländer die Sommerzeit nicht kennen. Jetzt heisst es aufgepasst: Linksverkehr! Nach kurzer Angewöhnungszeit ist das aber kein Problem mehr. Schon nach kurzer Zeit erreichen wir Canterbury, dessen Zentrum ein Kleinod ist: Shops in uralten Häusern, Pubs, Cafés und Restaurants mit den verschiedensten Spezialitäten. Uns zieht es in ein Tea Room, wo frisch gebackene Scones mit clotted cream und jam zu einem feinen Tee serviert werden: der traditionelle afternoon tea. Wir sind jetzt endgültig in England. Frisch gestärkt unternehmen wir einen Bummel durch die verkehrsfreien Gässchen und bestaunen die alten Wirtshausschilder und die verschiedenen kleinen Shops: ein wahres Einkaufsparadies. Ein Besuch der altehrwürdigen Kathedrale von Canterbury, des Sitzes des Erzbischofs von Canterbury, darf natürlich nicht fehlen. Wir sind beeindruckt von der Grossartigkeit der gotischen Architektur. Die Farbenpracht der weltberühmten Glasmalereien ist überwältigend. Jetzt müssen wir nur noch das dritte Etappenziel suchen: die Woolpack Inn in Chilham, ca. 10 km südlich von Canterbury. Ein kleines Dörfchen mit einer traditionellen Inn. Wir haben am heutigen Tag nur etwa 90 km zurückgelegt, exklusive Fähre.


Mittwoch, 13. April Wir beziehen um 16 Uhr unser charmantes Zimmer und geniessen im Pub den ersten Sherry. Dann geht es ans Tagebuchschreiben. Ich habe das bis jetzt vernachlässigt. Also muss ich drei Tage nachholen: ein hartes Stück Arbeit. Margrit liegt auf dem Bett und gähnt in einemfort! Wir freuen uns auf das english dinner, das wir heute Abend in einem schönen Pub einnehmen. Herrlich dieser Wechsel der Kulturen: noch vor zwei Tagen französische Aristokratie, jetzt englische «Arbeiterbeiz»! Das Abendessen ist «typical english»: prawns (Crevetten) als erster Gang und chicken als Eintopfgericht zur Hauptspeise. Zum Dessert gibt’s einen wirklich schrecklichen white chocolate pie. Das ganze Menu serviert auf einem Holztisch ohne Tischtuch und Set. Ja, die englische Gastronomie ist immer noch nicht ganz auf dem Stand der französischen oder der schweizerischen.


Donnerstag, 14. April Ankunft auf Northey Island


Donnerstag, 14. April Einfaches Kontinental-Frühstück – die Kellnerin ist bass erstaunt, dass wir kein «cooked meal» bestellen. Vielleicht wäre das «traditional english breakfast» doch besser gewesen. Wir starten um ca. 09.15 Uhr Richtung London. Von Chilham auf Nebenstrassen auf die M2, bis Dartford, dann unter der Themse durch (Toll £ 1.50), weiter auf der M25 bis Brentwood, dann auf der A12 bis vor Chelmsford – Umfahrung A12 – dann A414 bis Maldon. Zwischen Canterbury und Chatham telefonieren wir auf einem Parkplatz Alice Everard. Ihr Natel hat aber die Combox eingeschaltet, auf der wir ihr unsere Ankunft um ca. 15 Uhr ankündigen. In Maldon kommen wir um ca. 12 Uhr an. Wir durchfahren das hübsche Städtchen und parkieren am kleinen Hafen unten, wo wir einen hübschen Pub finden. Die ersten feinen Fish and Chips sind angesagt. (Deep fried haddock with chips and peas). Der Haddock ist wirklich wunderbar frisch und saftig mit einem feinen Teig gebacken. Alice Everard hat uns auf der Combox eine Nachricht hinterlassen. Sie sei ab 14 Uhr auf der Insel. Wir erledigen noch Einkäufe für die ersten paar Tage und machen uns dann auf den Weg zur Insel. Nach einigem Suchen haben wir den Weg gefunden. Es sind immerhin schon 22 Jahre, seit wir das letzte Mal hier waren, und Northey Island hat keine speziellen Wegweiser! Auch das Navi versagt hier. Der Weg zur Insel kommt uns ziemlich lange vor, aber schliesslich ist der kleine Damm sichtbar. Er hat tiefe Schlaglöcher, so dass wir nur im Schritttempo vorwärtskommen. Kaum hinter dem Damm, erkennen wir zwei Damen, die mit einem Hund über die Wiese spazieren. Es sind Alice Everard und Christine, die Hauswartin von Northey Island. Die Wiedersehensfreude ist gross. Wir fahren noch weiter bis zum Haus. Nichts hat sich verändert in diesen 22 Jahren. Es scheint uns, als sei die Zeit stillgestanden. Einzig der «gipsy van» steht nicht mehr auf der Wiese vor dem Haus. Er steht jetzt in einem Museum.


Donnerstag, 14. April Ja, diese Insel ist immer noch ein Paradies in einer andern Welt. Erinnerungen tauchen auf, an die Tage, die wir im Oktober 1989 hier verbrachten. Unterdessen sind die beiden Damen mit ihrem Hund ebenfalls eingetroffen. Der Hund heisst Amba und gehört Alice. Er ist sehr anhänglich und lässt sich gerne von uns liebkosen. Nochmals herzliche Begrüssungszeremonie. Alice Everard ist wohl ein bisschen älter geworden, strahlt aber immer noch das gleiche Temperament aus wie vor 22 Jahren, obwohl sie zuhause ihren schwer kranken Mann George pflegt. Wir machen mit ihr einen Rundgang durch das Haus; sie erklärt uns alles. Schon bald muss sie sich aber verabschieden, da sie den Damm noch bei Ebbe überqueren muss. Am folgenden Mittwoch werden wir sie in Sawbridgeworth besuchen. Sie wohnt nicht mehr im «Fair Green House», sondern in «The Barn» nebenan. Jetzt können wir endlich unser Auto vollständig entladen. Wir beziehen das oberste Zimmer im Turm, von wo wir eine herrliche Aussicht rundherum haben. Andi, Sandro und Florian werden dann Freitag den ersten Stock beziehen, der drei Schlafzimmer und ein WC hat. Das neue Badezimmer für den ersten Stock befindet sich im Erdgeschoos. Schon bald sitzen wir vor dem Kaminfeuer und genehmigen uns als Einstieg in unser Northey Island Abenteuer einen scharfen Cai Pirinha. Ich schreibe das Tagebuch und Margrit macht ein «Zemesetzli». Fast unheimliche Ruhe rund um uns herum. Nur zwischendurch ein beruhigendes Vogelgezwitscher. Ja, eine Woche im Paradies liegt vor uns. Margrit kocht für Chäuderli noch ein Schweinesteak von Maldon, das sehr fein ist. Nach dem obligaten Schlummertrunk steigen wir einige Treppen hoch in den obersten Stock des Turms und legen uns zur Ruhe. Totenstille rundherum, nur hin und wieder ist ein zaghaftes Entengeschnatter zu hören.


Freitag, 15. April

Die Schaffhauser treffen standesgemäss ein


Freitag, 15. April Wir erwachen im Paradies mit einem Rundumblick auf Northey Island. Lebhaftes Taubengegurr tönt von den Bäumen rund um das Haus. Nach einem Bad bereiten wir uns ein «traditional English breakfast» zu: eggs and ham, toast with butter and orange marmalade. Dann der erste Spaziergang auf der Insel zum Damm, wo wir das Anschwellen des Wassers beobachten können. Um 10.50 Uhr ist High Tide. Alle vorher leeren Gräben sind jetzt mit Wasser gefüllt. Wir spazieren auf dem Causeway (Fussweg auf dem Damm) rund um die Insel, beobachten die wild gewachsenen Pflanzen und einige Enten, die jetzt bei Flut auf dem Wasser schwimmen können. Um 11 Uhr sind wir wieder zurück im Haus. Ein SMS trifft ein, dass die Schaffhauser glücklich in London gelandet sind. Wir können die Insel erst um ca. 13 Uhr verlassen, wenn wieder Ebbe ist. Der Damm ist noch ganz nass, als wir ihn um ca. 13.15 Uhr überqueren. Das Wasser ist aber schon weit zurückgegangen. Wir fahren ins Dorf, um die Einkäufe für das Wochenende zu erledigen. Das Auto parkieren wir in der High Street. Schwer beladen kehren wir von einem kleinen Einkaufszentrum zurück. Ein SMS trifft ein: «Wir sind in ca. 20 Minuten auf der Insel!» Noch schnell ein Café in einem Tea Room und dann nichts wie heim. Schon kurz nach unserer Rückkehr hören wir ein Auto anfahren: Die Schaffhauser treffen standesgemäss in einem grossen englischen Mercedes ein. Grosses Hallo. Die Buben machen ihre ersten Streifzüge im grossen Park und toben sich noch ein wenig aus beim Fussballspielen. Bald ist es Zeit für den Apéro. Das Kaminfeuer will nicht so recht. Trotzdem ist es sehr gemütlich in unserer Villa. Die Buben sind sehr müde und gehen nach dem Znacht schon bald ins Bett. Auch wir verziehen uns in den obersten Stock. Spät abends um 9 Uhr werden wir durch schrilles Telefongeklingel nochmals geweckt. Es ist Alice Everard, die sich erkundigt, ob Andrew mit seiner Familie gut angekommen sei und alles O K sei.


Northey Island – ein Paradies für Jung und Alt


Northey Island – ein Naturparadies


Samstag, 16. April

Ausflug nach Burnham-on-Crouch


Samstag, 16. April Die Buben haben noch die Schweizer Zeit programmiert und stehen schon um halb sieben Uhr in unsern Zimmern. Sie unterhalten Grosi und Grobi, die noch im Halbschlaf stecken, vortrefflich. Sie machen aus den beiden Alten Grillwürste, die immer wieder gekehrt werden müssen. Dann werden wir als Springpferde eingesetzt. Nach diesen Torturen sind auch Grosi und Grobi vollends wach. Nach dem English breakfast zieht die junge Familie los auf ihren ersten Erkundungsgang um die Insel. Grosi und Grobi bleiben im Haus; Grosi erledigt den Haushalt, Grobi schreibt das Tagebuch. Das Wetter scheint besser zu werden. Die Sonne zeigt sich am Himmel und es wird wärmer. Die Flut ist heute um 12 Uhr, so dass wir erst um 14 Uhr starten können. Ein kleiner Ausflug führt uns südwärts nach Burnham-on-Crouch, am River Crouch gelegen. Die Fahrt dauert etwa 30 Minuten. Nach einem kleinen Spaziergang der Hafenmole entlang gehen wir noch zum Bahnhof, um die Verbindungen nach London zu rekognoszieren. Direkte Verbindungen hat es nur ganz wenige. Wir fahren zurück auf die Northey Island, wo wir uns zum Apéro um das Kaminfeuer versammeln. Grosi kocht das Abendessen: Reis mit Pouletbrüstchen und einer Currysauce. Schon bald legen wir uns wieder schlafen. Im Nachbarhaus bei Christine und Martin (warden der Northey Island) geht es hoch her und zu. Sie haben Besuch und machen bis tief in die Nacht hinein ziemlich Lärm.


Grosi und Grobi werden schon frĂźh am Morgen in Beschlag genommen


Sonntag, 17. April

Ausflug nach Clacton-on-Sea


Sonntag, 17. April Die Buben stehen schon um 6.30 Uhr in unsern Zimmern und sorgen für Unterhaltung. Nach dem traditional english breakfast ziehen wir los. Unser heutiges Ziel heisst Clactonon-Sea. Wir wollen das offene Meer sehen. Wir starten um halb zehn Uhr. Maldon – Witham – Colchester – Clacton-on-Sea. Wir parken unsere Autos ganz in der Nähe des Piers, auf dem sich ein gewaltiger Vergnügungspark befindet. Die Buben sind ganz aus dem Häuschen und sehen immer wieder etwas Neues, das noch «lässig» wäre: Bergund Talbahn, kleines Riesenrad, Glücksspiele, Motorradfahren usw. usw.. Man bringt sie fast nicht mehr weg. Zum Zmittag gibt’s Haddock und Chips (die richtigen riesengrossen englischen Pommes frites, die aber bei den Buben nicht so gut ankommen). Die Temperatur ist angenehm, aber es ist ziemlich zügig. Für die Engländer ist diese Temperatur schon hochsommerlich, denn sie flanieren auf dem Pier mit kurzen Hosen und kurzen T-Shirts. Dass sie sich nicht gerade gesund ernähren, zeigen ihre rundlichen Silhouetten, die dicken Pos und Bäuche. Eine Extremform dieser Ausgaben spaziert hinter uns. Sandro dreht sich um und kommt nicht mehr aus dem Staunen heraus. Ganz laut ruft er Grosi zu: «Lueg Grosi, die brutal diggi Frau!» Glücklicherweise befinden wir uns in fremdem Sprachgebiet, und wir dürfen annehmen, dass dieser armen Frau das schweizerdeutsche Idiom fremd ist. Die Parkzeit ist um 13.45 Uhr abgelaufen, und so machen wir uns wieder auf den Heimweg. Auf dem gleichen Weg geht es nochmals nach Witham, wo wir einen kurzen Halt auf dem Parkplatz des Bahnhofs machen. Andi will am Montag von hier aus nach London fahren. Eigentlich sollte es genügend Parkplätze haben. Wie das an einem Werktag aussieht, ist natürlich schwer abzuschätzen.


Sonntag, 17. April

Nach dem Ausflug die grosse Schlammschlacht


Sonntag, 17. April Um 15 Uhr sind wir wieder zurück auf Northey Island. Die Sonne scheint, aber ein giftiger, kalter Wind weht. Grosi, Andi und die Buben machen einen Spaziergang, damit die Buben noch «dreckelen» können. Grobi schreibt das Tagebuch. Nach eineinhalb Stunden kommen die Buben mit Grosi und Andi heim. Sie sind in ihren Gummianzügen von zuoberst bis zuunterst mit Schlamm zugedeckt. Sie waren intensiv am Dreckelen und erzählen mit Stolz, dass sie im Schlamm einen ausgetrockneten Rochen entdeckt hätten. Sie sind mit ihren Stiefeln im Schlamm stecken geblieben, so dass sie Papi immer wieder befreien musste. Zuerst werden sie von Papi kalt abgespritzt, dann geht’s unter die warme Dusche.


Montag, 18. April

Ausflug nach Finchingfield


Montag, 18. April Nach dem traditional english breakfast fahren wir zuerst nach Maldon Port, wo wir die alten Segelschiffe bestaunen. Dann geht die Fahrt weiter Richtung Witham bis nach Finchingfild, ein idyllisches Dörfchen im Essex, das vor allem wegen seiner vielen Häuser mit Strohdach bekannt ist. Statt eines Dorfplatzes hat es einen grossen Weiher, in dem sich Enten und Gänse tummeln. Alle Häuser sind mit grosszügigen Grünflächen umgeben, so dass das ganze Dorf wie eine Parklandschaft wirkt. Eine Idylle sondergleichen. Wir waren 1989 ebenfalls hier und genehmigten uns damals in einem hübschen kleinen Café einen cream tea mit scones und clotted cream. Leider gibt es dieses Café heute nicht mehr. Das Wetter ist so schön, dass wir das Mittagessen draussen in einem der vielen Restaurants geniessen können. Es gibt poached salmon with new potatoes and salad. Die Buben teilen sich eine Omelette, die ihnen so sehr passt, dass sie eigentlich eine ganze Portion gegessen hätten. Sie werden aber später mit einer Double Ice Cream entschädigt. Ein kleiner Spaziergang führt uns zu den Strohdachhäusern und zu einer alten Windmühle, alles noch unverändert wie vor 22 Jahren. Um 15 Uhr treten wir den Heimweg an, so dass wir um 16 Uhr wieder in Maldon eintreffen. Im Türkenlädeli noch ein paar Einkäufe, dann geht es zurück auf die Insel. Das Wetter ist immer noch fantastisch. Wenn der starke Wind nicht wäre, wäre es sicher schon sommerlich warm. Die Buben spielen mit Grosi Fussball. Grobi schreibt das obligate Tagebuch.


Dienstag, 19. April

Grosi und Grobi allein unterwegs – auf Spurensuche in Cambridge


Dienstag, 19. April Heute ist Grosi- und Grobi-Tag. Wir haben uns entschieden nach Cambridge zu fahren. Maldon – A414 – Chelmsford – A130 – Bishop’s Stortford – M11 – Cambridge. (ca. 135 km). Das Navi führt uns direkt an die Hertford Street Number 5, wo wir 1987 ca. 2 Monate in einem scheusslichen Appartement hausten. Von dort fuhr ich jeden Morgen nach Sawston in den Englischunterricht zu Alice Everard. Nichts hat sich in diesem Quartier verändert. Wir parken ziemlich im Zentrum des Städtchens. Ein erster Spaziergang führt uns an die alten, vertrauten Orte: Markt, Unversitätsviertel, Gässchen mit den vielen Boutiques, Restaurants und Cafés. Das Mittagessen nehmen wir in einer italienischen Trattoria gerade an der Cam ein. Es ist heisses Sommerwetter, wolkenloser blauer Himmel. Ganz ungewöhnliches Wetter für Cambridge, wie uns die Verkäuferinnen in einem Kleiderladen versichern, wo wir drei T-Shirts mit lustigen englischen Sprüchen für unsere Grosskinder kaufen. Nach dem Mittagessen geht es auf eine guided Punting-Tour auf der Cam. Eine schönere und idyllischere Siesta kann man sich kaum vorstellen. Ein nochmaliger kleiner Spaziergang rundet unsern Ausflug nach Cambridge ab. Es war herrlich Erinnerungen an 1987 aufzufrischen. Es war eine schöne Zeit vor 24 Jahren! Auf dem gleichen Weg fahren wir nach Maldon zurück. Der Verkehr ist ziemlich dicht, so dass wir eineinhalb Stunden für die Rückfahrt benötigen. Um 17.30 Uhr treffen wir auf Northey Island ein. Es ist Zeit für den Apéro. Die heutigen Erlebnisse werden gegenseitig ausgetauscht. Morgen ist der Besuch bei Alice und George Everard in Sawbridgeworth angesagt.


Mittwoch, 20. April

Besuch bei Alice Everard in Sawbridgeworth


Mittwoch, 20. April Ein herrlicher Morgen. Die Sonne scheint vom blauen Himmel herunter. Wir geniessen das herrliche Wetter und spazieren im grossen Park. Es ist ein Paradies. Am schönsten wäre es, heute hier zu bleiben, aber wir freuen uns auch auf den anstehenden Besuch in Sawbridgeworth. Wir haben mit Alice Everard vereinbart, dass wir sie heute bei ihr zuhause besuchen. Wir sind auf 12 Uhr zum Lunch eingeladen. Wir starten um 10.15 Uhr, gehen zuerst nochmals ins Dorf, um einen Rosenstrauss für Alice zu posten. Dann geht es los in Richtung Chelmsford, dann auf der A 414 Richtung Harlow und schon bald sind wir in Sawbridgeworth. Wir finden ziemlich schnell das Fair Green House, wo Alice und George bis 2002 residierten. Es ist noch die gleiche Villa mit Park wie vor 22 Jahren. Vor 9 Jahren haben die Everards die Barn zu einem Appartement umgebaut, haben die grosse Villa verkauft und sind in die Barn umgezogen. Hier verbringt nun Alice mit George den Lebensabend. Leider ist George anfangs Jahr ernsthaft erkrankt. Er leidet an fortgeschrittenem Lungenkrebs. Alice, die etwa 12 Jahre jünger ist, hat aufgehört zu arbeiten, um George zu pflegen. Trotz der schwierigen Situation empfängt sie uns herzlich, und man spürt ihre Freude über unseren Besuch. Es gibt einen grossen Lunch: Bratkartoffeln, Meat Pie, Spaghetti, Peas, Salad, Ice Cream, Fruit Crunch. Alice kann sich köstlich mit den Buben unterhalten, obwohl die beiden fast kein Wort Englisch sprechen. Der kleine Garten ist eine Idylle und wird von Alice liebevoll gepflegt. Wir unterhalten uns intensiv, und man spürt eigentlich kaum, dass im oberen Stock der schwerkranke George liegt.


Mittwoch, 20. April

Abschied


Mittwoch, 20. April Ein kleiner Spaziergang führt uns zu einem Spielplatz, wo die Buben herumtollen können. Nach einer halben Stunde gehen wir nochmals zurück in die «Barn», wo wir Alice noch ein paar Bilder von unserer Familie zeigen. Als wir aufbrechen wollen, deutet uns Alice an, dass wir George noch Adieu sagen könnten, wenn wir wollten. Margrit und ich steigen in den oberen Stock. Es ist ein bewegender Moment. Sie öffnet die Schlafzimmertür, um zu schauen, ob er nicht schläft. Wir dürfen eintreten. Er liegt mit eingefallenen Wangen im Bett, lächelt müde. Wir begrüssen ihn und geben unserer Freude Ausdruck, dass wir ihn treffen. Dann verabschieden wir uns: «Good bye George, have a good time.» Wir sind aufgewühlt. Wir werden George ganz sicher nicht mehr sehen.


Donnerstag, 21. April Letzter Tag auf Northey Island


Donnerstag, 21. April Unser letzter Tag auf Northey Island. Wir wollen das Inselleben noch einmal geniessen und bleiben deshalb den ganzen Tag hier. Ich vertiefe mich in eine Biografie von Prinzessin Elisabeth aus dem Jahre 1950. Sie war damals 24 Jahre alt, drei Jahre vor ihrer Krönung zur Königin Elisabeth von Grossbritannien. Man spürt aus der Biografie, wie in der damaligen Zeit das ganze Volk noch hinter dem Königshaus stand. Eine für einen Demokraten fast nicht nachvollziehbare Verehrung des «royal house» ist aus jedem Kapitel der detailreichen Biografie heraus zu spüren. Ob dies in der heutigen Zeit noch so ist, darüber könnte nur eine Diskussion mit verschiedenen Briten Aufschluss geben. Die verschiedenen Krisen im Königshaus in den letzten 30 Jahren haben wohl am Image der royalty etliche Spuren hinterlassen. 1947 heiratete Princess Elisabeth Lieutenant Philipp Mountbatten, der am Vorabend der Hochzeit von King George VI verschiedene Adelstitel erhielt, so unter anderem Duke of Edinborough und auch His Royal Highness (H.R.H.). Er musste aber vorher auf seine griechischen Adelstitel verzichten. Er stammte ursprünlich vom griechischen Königshaus ab. 64 Jahre später, am 29. April 2011, heiratet Prince William, der Thronfolger an zweiter Stelle nach seinem Vater Prince Charles und Sohn der verstorbenen Diana, die Bürgerliche Kate Middleton. Immer noch ist Elisabeth Königin, seit 57 Jahren, meines Wissens die längste Regierungszeit in der Geschichte des englischen Königshauses. Prince Charles ist schon 63 Jahre alt. Ob er überhaupt noch zum Zuge kommt, steht in den Sternen geschrieben. Die Biografie ist in einem sehr gewählten und hochstehenden Englisch geschrieben. Ich brauchte einige Seiten, um mich einzulesen und die schwierigen Satzkonstruktionen zu verstehen. Ich sitze am Teich auf einer alten Holzbank an der Sonne und geniesse die Ruhe rundherum. Hier könnte man stundenlang sitzen und englische Literatur lesen.


Donnerstag, 21. April Unterdessen ist es Mittag geworden, Zeit für ein Picnic im Freien. Nach dem Mittagessen spazieren wir zum Damm, wo wir die ansteigende Flut beobachten. Das geht sehr schnell. In wenigen Minuten ist der Anfahrtsweg zum Damm überspült, ein einzigartiges Naturschauspiel. Segelschiffe und Motorboote überqueren jetzt den Damm, wo noch vor 2 Stunden die Autos die Insel erreichen konnten. Wo sich vor 2 Stunden Schlamm und Gras ausbreiteten, sind jetzt nur Wasserflächen zu sehen. High Tide ist heute um 15.30 Uhr. Zwei Stunden vorher und 2 Stunden nachher ist der Damm nicht passierbar. Das Leben auf der Insel richtet sich nach diesem Gezeitenfahrplan, der sich Tag für Tag um ca. 50 Minuten verschiebt.


Freitag, 22. April Abschied und Heimreise


Freitag, 22. April (Karfreitag) Tag des Abschieds. Es ist wie die ganze vergangene Woche wieder ein herrlicher Tag mit Sommerwetter, blauem wolkenlosem Himmel und sommerlicher Wärme. Wir verabschieden uns von Christine Palmer, der Warden der Northey Island und versprechen ihr, eines Tages wiederzukommen. Auch von der jungen Mattenberger Familie gilt es Abschied zu nehmen. Sie starten Richtung London Heathrow, wo ihr Flugzeug am Nachmittag 14.35 Uhr Richtung Kloten startet. Unsere Reise führt uns von Northey Island – Maldon – Chelmsford – Brentwood – M25 – dieses Mal über die Brücke über die Thames (der Verkehr geht nur one way: vom Dartford Crossing Richtung Norden unter der Thames durch den Tunnel, aus Richtung Norden zum Dartford Crossing über die Brücke) – dann auf der A27 bis zur M 20 – Ashford – Folkestone – Dover. Die Fahrt dauert ca. 2 Stunden. Letztes Tanken in England, dann ab auf die Fähre. Unser BMW muss noch den Sicherheitscheck über sich ergehen lassen – eine reine Alibiübung – der ältere security officer fragt mit ernster Stimme: «No guns, no knives?» Damit ist die Sache erledigt. Nach dem Check-in können wir ohne Wartezeit auf die Fähre fahren, die dieses Mal ziemlich besetzt ist. Wir gehen zur Club Lounge aufs Aussendeck, wo wir die herrliche Meeresbrise bei einem Glas Champagner und einem kleinen Snack geniessen. Die Überfahrt dauert ca. eineinviertel Stunden. Von Calais geht es Richtung Boulogne-sur-Mer. Das Hotel «Holiday Inn» befindet sich in Le Touquet, einem mondänen Meerkurort, wo sich die die internationale Klientel auch Thalassotherapien verpassen lässt. Der Weg zum Hotel führt durch eine Wald-Parklandschaft, in der sich eine Villa an die andere reiht. Die meisten dieser Villen haben jedoch geschlossene Läden, so dass anzunehmen ist, dass sie eventuell den reichen Parisern als Feriendomizil dienen. Nach einem kleinen Spaziergang genehmigen wir endlich wieder einmal einen Campari (dieser Aperitif scheint in England nicht bekannt zu sein) in einem Gartenrestaurant in der Stadt. Das Abendessen wird uns im Holiday Inn serviert: sehr gediegen und ausgezeichnet. Eine leichte französische Küche: Carpaccio Coquilles St.Jacques, dann Barbue auf einem Gemüsebeet.


Samstag, 23. April Letzter Etappenort in der Champagne


Samstag, 23. April (Karsamstag) Die Heimreise geht weiter: Abbéville – St.Quentin – Reims – Epernay. Die Autobahnen in Frankreich sind sehr angenehm zu fahren. Fantastischer Belag, weit ausladende Kurven, Durchschnittstempo 130 km/h. So kommen wir sehr gut vorwärts. Um 12 Uhr sind wir schon in Epernay, dem Hauptort der Champagne, ein kleines idyllisches Städtchen. Vorher folgten wir noch einem Stück der Route de la Champagne, mitten durch die Weinberge der Champagne, eine wundervolle Landschaft. In einer Strassenbar gleich neben der Kirche genehmigen wir – wie könnte es anders sein – ein Gläschen Champagner und geniessen die Ruhe dieses idyllischen Städtchens. Die Reise geht weiter: Epernay – Richtung Châlons-en-Champagne – dann auf die Autobahn Richtung Troyes. Kurz vor Troyes verlassen wir die Autobahn und fahren auf einer Nebenstrasse zum kleinen Dorf Rouilly Sacey, wo sich mitten im Wald unser letzter Etappenort befindet: Hôtel de la Forêt d’Orient, völlig abgelegen, anschliessend an einen Golfplatz. Eine Oase der Ruhe, wenn nicht die vielen Franzosen wären, die hier offensichtlich ihr Oster-Weekend verbringen. Wir genehmigen im Gartenrestaurant einen Drink. Margrit liest, ich schreibe das Tagebuch. Gesamte Strecke ca. 400 km.


Epernay – das Zentrum der Champagner-Produktion


Sonntag, 24. April (Ostersonntag) Heimfahrt! Rouilly Sacey – Richtung Troyes – Autobahn Richtung Dijon – lange vor Dijon auf Autobahn Richtung Nancy abzweigen – nach 5 km Richtung Langres auf die Nationalstrasse abzweigen – Vesoul – Belfort – Porrentruy – Delémont – Basel – Zürich – Affeltrangen. Gesamte Strecke ca. 560 km. Ankunft: 15 Uhr. Wir haben es geschafft. Es waren wieder einmal ausserordentliche, aussergewöhnliche Ferien, an einem Ort, den wohl Normalsterbliche nie finden werden. Unsere Abenteuerlust wurde wiederum mit herrlichem Wetter belohnt. Wir tauchten ein wenig ein in die französische und englische Sprache und Kultur. Die landschaftliche und kulturelle Abwechslung bereicherte unseren Horizont. Wir kehren zufrieden und glücklich zurück in unsere Heimat, mit vielen schönen Erinnerungen.


Epilog Anfangs Mai erreicht uns die Nachricht, dass George Everard eine Woche, nachdem wir ihn noch kurz gesehen haben, am 28. April 2011 gestorben ist. Alice hat uns geschrieben, dass er friedlich einschlafen durfte. Er war anfangs Jahr an Lungenkrebs schwer erkrankt.

Erinnerungen an unsern Aufenthalt in Sawbirdgeworth und auf Northey Island Oktober 1989


Unsere gemeinsamen Ferien auf Northey Island 11. – 24. April 2011 Margrit, Ueli, Andreas, Sandro, Florian


Northey Island Unsere gemeinsamen Ferien auf Northey Island 11. – 24. April 2011

Margrit, Ueli, Andreas, Sandro, Florian


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