Otto MĂźller
Geschichte von Hurnen
Otto MĂźller
Geschichte von Hurnen
Impressum Umschlag
Luftaufnahme von Hurnen 2017 · Konstantin Fuchs · Wängi
Layout, Satz, Bildbearbeitung
VMA Media AG · Ueli Mattenberger · Affeltrangen
Bilder
Archiv Familien Müller · Diverse Fotografen
November 2017
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Inhaltsverzeichnis
Die älteste Erwähnung von Hurnen stammt von 1170
Politische Strukturen im Hinterthurgau im Mittelalter
Unterschiedliche Vergangenheit von Eschlikon, Wallenwil und Hurnen
Grusswort des Gemeindepräsidenten
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Vorwort des Autors
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Von der Herkunft des Namens
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Alemannische Siedlung
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Die Entstehung der Gerichtsherrschaften
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Die Entstehung der Herrschaft Tannegg
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Die Toggenburger
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Der Investiturstreit 1077 – 1122
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Die Auswirkungen des Investiturstreites auf die Herrschaft Tannegg
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Von der Herrschaft zum Amt Tannegg
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Das Amt Tannegg wird noch einmal an die Toggenburger verpfändet
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Freiheitsbrief von 1409 durch Bischof Albrecht von Konstanz
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Eschlikon
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Wallenwil
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Hurnen
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Inhaltsverzeichnis
Geschichte von Hurnen und Umgebung im Mittelalter
Die Entwicklung von Hurnen
Hurnen wird 1798 Teil der «Munizipalität» Eschlikon
Waffenrecht der Bauern ab dem 11. Jahrhundert
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Waffenverbot für die Bauern
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Das «Burgenland» um Hurnen und Horben
40
Die Höfe Moos und Hurnen
65
Die Bewohner von Hurnen bis Mitte des 18. Jahrhunderts
73
Die Bevölkerungsentwicklung in Hurnen von 1637 bis 1962
80
Die Entwicklung von Hurnen
81
Die Höfe der Bewohner bis ins 20. Jahrhundert
82
Der nordwestliche Viertel von Hurnen
85
Der nordöstliche Viertel von Hurnen
99
Der südöstliche Viertel von Hurnen
109
Der südwestliche Viertel von Hurnen
116
Bildung der Munizipal- und Ortsgemeinden 1803
134
Bildung der Einheitsgemeinde
141
Die Hungersnot von 1816
Die Schule in Hurnen
143 Stiftungsbrief 1778
147
Rechnung 1835
151
Verzeichnis der Schuldner des Schulgutes am 31. Dezember 1856
154
Die Entwicklung der schulischen Ausbildung der Schulkinder von Hurnen
155
Die Entwicklung der Heimweberei in Hurnen vom 17. bis 19. Jahrhundert.
159
Bedeutung der Heimstickerei in Hurnen
168
Inhaltsverzeichnis
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Die bäuerliche Verschuldungspolitik und das thurgauische Kreditwesen.
176
Vom Steuern-Zahlen in früheren Zeiten
181
Korporationen
Die Strassen und Wege in und um Hurnen
Die Wasserversorgung in Hurnen
182
Wassergesellschaft und Brunnenkorporationen in Hurnen
184
Geschichte der anderen Brunnenkorporation Hurnen-Than-Eichholz
189
Ortsbeleuchtungskorporation – Ortskorporation/Erste Strassenlampe
198
Das erste Telephon in Hurnen
200
Die Strasse von Hurnen nach Wallenwil
204
Die Strasse von Balterswil nach Sirnach
204
Die Strasse von Hurnen nach Vogelsang
204
Die Strasse von Hurnen nach Eschlikon
206
Unterhalt der Flurstrassen
209
Schneeräumung
210
Umbau des Dorfplatzes in Hurnen 1958
210
Staubbekämpfung der Naturstrassen
212
Einbau von Teerbelägen in den Gemeindestrassen
212
Das Schützenhaus der Schützengesellschaft Egg in Hurnen Die Post Hurnen
213
Die Post Hurnen
216
Das Ende der Poststelle Hurnen nach 60 Jahren und zwei Generationen
219
Güterhandel und Zerstückelung der Bauernhöfe zu Beginn des 19. Jahrhunderts
220
Die Liegenschaften-Besitzer 1851
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Inhaltsverzeichnis
Die Entwicklung der Landwirtschaft
Rebbau
226
Obstbau
226
Ackerbau
232
Der Göppel, das Antriebsaggregat vor der Elektrizität
240
Gründung einer Sennerei-Gesellschaft Riethof 1865
241
Güterarrondierung 1925 bis 1928
246
Die überbetriebliche Zusammenarbeit in Hurnen
248
Maschinenkorporation Hurnen
250
Viehassekuranz
251
Entwicklung des Waldes
253
Güterzusammenlegung Hurnen und Wallenwil 1980/90
257
Von der Sennerei- zur Käsereigesellschaft Riethof
259
Milchwirtschaft in Eschlikon
268
Betriebsgemeinschaft Meili-Müller-Forrer 2012
271
Biogasanlage im Riethof
273
Wärmeverbund Hurnen GmbH Entwicklung von Hurnen aus der Vogelschau
276 Hurnen
279
Die Wohnsiedlung Ergeten
281
Inhaltsverzeichnis
Geschichte vom Than
Eichholz
Fliegenast
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Entstehung und Bedeutung des Namens
284
Erste Erwähnung des Hofes Tann, Daah, Thann, Than
284
Die Bewohner
285
Bau der späteren «Wirtschaft zur frohen Aussicht»
296
Die Wasserversorgung im Than
301
Erste Erwähnung eines Hofes Eichholz
303
Das Alter des Hofes
314
Entstehung und Bedeutung des Namens
314
Die Bewohner von Fliegenast
315
Riethof
322
Friedtal
327
Bildergalerie Betrieb Müller Schlusswort und Dank
Die Entwicklung des Betriebs Müller 1737 – 2017 in Bildern
330 351
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Grusswort des Gemeindepräsidenten Das Zitat: «Nur wer weiss, woher er kommt, weiss, wohin er geht», wird Theodor Heuss zugeschrie ben. Dem ersten deutschen Bun despräsidenten nach dem Krieg ziemt diese Werthaltung, ist de mütige Erkenntnis aus der eige nen Geschichte. Der Schweiz als Willensnation sind Tradition und Überlieferung, sind die Helden sagen der Gründerzeit identi tätsstiftend – auch wenn Dema gogen die Geschichten aus den SJW-Heftchen gerne für eigene Zwecke instrumentalisieren. Geschichte kann also den Blick auf die Vergangenheit auch trüben, zu mal die erhalten gebliebenen Dokumente Realität nur fragmentarisch und wertend abbilden.
Deshalb ist ein vorsichtig wertender Umgang mit historischen Facts geboten. Dies gelingt Otto Müller in der vorliegenden Dokumentation über die «Geschichte von Hurnen», obwohl er als Einwoh ner aus der Sicht des direkt Betroffenen schreibt. Seine Aussagen stützen sich auf Originalquellen und seine Interpretationen sind wohldokumentiert. Vor allem aber sind seine Forschungsergebnisse spannend zu lesen. Ich habe den über dreihundert seitigen Band an einem Nachmittag verschlungen und dabei viel Neues über die Region um die Tann egg und die Grafen von Toggenburg erfahren. Bei spielsweise … aber lesen Sie selbst. Ich bedanke mich bei Otto Müller für seine wert volle Aufarbeitung der historischen Quellen. Und ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Freude beim Lesen dieser informativen Dokumen tation über das Dorf Hurnen und unsere Region. November 2017, Hans Mäder
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Vorwort des Autors Mein ehemaliger Sekundarlehrer Karl Tuchschmid war der erste, der mein Interesse an der Vergan genheit unserer Familie weckte. 1950 kaufte mein Vater von ihm einen Stammbaum der Nachkom men des Hans Müller von der Mühle in Schurten (geboren vor 1600). Dieser Stammbaum zeigt, dass alle Müller der Munizipalgemeinde Sirnach von diesem Müller in Schurten abstammen. Hein rich Müller, geboren 1700, von Riet bei Schurten, genannt der Seidenmann, erwarb 1738 einen Bau ernhof in Hurnen. Eines Tages entdeckte ich in ei ner Schublade im Büro meines Vaters mehr als vierzig Kauf- und Schuldbriefe aus fünf Generati onen. Der älteste stammt von 1812. Ausserdem entdeckte ich alle Mobiliarversicherungspolicen seit 1874. Mein Götti, Rudolf Bosshart-Müller von Gerets wil, war als Landwirt ein begeisterter Hobbyfo tograf und hinterliess uns viele Bilder aus den
1920er-Jahren, was meine El tern animierte ebenfalls zu foto grafieren. So besitzen wir auch von späteren Jahren viele Fotos aus der täglichen bäuerlichen Ar beit. Mein Wunsch wurde immer grösser, eine Familien- und Be triebschronik zu realisieren. Fast gleichzeitig führte der Verband der Thurgauer Bäuerinnen ei nen Kurs zu eben diesem Thema durch. In diesem Kurs, der mir sehr gelegen kam, erfuhr ich erstmals von der Existenz einer Herrschaft Tannegg und dass Hurnen zu dieser Herrschaft gehörte. Das Kloster Fischingen habe diese Herrschaft im 17. Jahrhundert gekauft. Des halb lägen Hunderte von Akten und Urkunden über die Herrschaft Tannegg im Archiv in Frauenfeld.
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Vorwort des Autors
Darin seien auch grosse Mengen an Informationen über Hurnen, die Gemeinde Horben und – das In teressanteste für mich – sehr viel über meine Ah nen im 18. und 19. Jahrhundert zu finden. Aus serdem bestehe eine historische Bibliothek mit einer riesigen Auswahl gedruckter historischer Bü cher, dazu acht thurgauische Urkundenbücher mit mehreren tausend Urkunden vom 8. bis 15. Jahr hundert. Nach einer von mir geschätzten Hoch rechnung verbrachte ich während den 18 Wintern meiner Grossratstätigkeit ungefähr 400 Stunden im Archiv oder in der historischen Bibliothek. Das grösste Problem war die zeitlich sehr aufwän dige Arbeit mit den historischen Nachforschungen. So paradox es scheinen mag, es war ein Glücks fall, dass ich 1972 in den Grossen Rat gewählt wurde. Nach jeder Ratssitzung fand ein fakultati ves gemeinsames Mittagessen der Fraktion statt. Die Sitzungen waren meistens um 13.00 Uhr zu Ende. Ich schwänzte das Mittagessen und ging direkt ins Staatsarchiv oder in die historische
Bibliothek. Da die Sitzungen damals im Winter in Frauenfeld stattfanden, konnte ich das tun, ohne dass unser landwirtschaftlicher Betrieb darunter litt. Und, ein Hobby darf ja auch etwas Zeit in An spruch nehmen. Da mir bei meiner Suche nach Informationen logi scherweise immer wieder Akten, Urkunden und In formationen zum Dorf Hurnen, zur Gemeinde Hor ben und zur umliegenden Region «in die Hände gerieten», wuchs das Interesse an einer Ge schichte von Hurnen immer mehr. Ich begann his torische Beiträge in den «Egger Nachrichten» zu publizieren. Seit meiner Pensionierung und der Übergabe des landwirtschaftlichen Betriebs an meinen Sohn Mar kus reifte der Wunsch, mein enormes Wissen über die Vergangenheit des Dorfes in einer ausführli chen «Geschichte von Hurnen» niederzuschreiben. November 2017, Otto Müller
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Die älteste Erwähnung von Hurnen stammt von 1170 Nach Dr. Bruno Meyer stimmt die Jahrzahl 1244 in dieser Urkunde nicht, er datiert sie um 1170. Abt Konrad von Fischingen verordnete zu seinem Seelenheil, dass die Feier seiner Jahrzeit je auf die Oktave nach Johannes Evangelist fallen solle und dazu bestimmte Einkünfte von den Gütern verwen det werden sollten, die er für das Kloster erwor ben habe. Vom Hof Hurnon waren dies 4 Solidos. Darüber steht noch geschrieben: et fertonem cere (ein Vier telpfund Wachs). Es dürfte sich um Bienenwachs handeln. Dies war der Zins, Solidos an Geld und ein Viertelpfund Wachs, den der Hof Hurnen dem Klos ter bezahlen musste. Es ist zu vermuten, dass Hur nen zu dieser Zeit aus einem Hof bestand.
Erwähnte Urkunde Auf der vierten Linie steht «Hurnon iiii.sol. (4 solidos).» Wie wir erfahren werden, muss der Hof Hurnen mindestens im 11. Jahrhundert bereits bestanden haben.
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Die älteste Erwähnung von Hurnen stammt von 1170
Von der Herkunft des Namens Im Tösstal ist schon im 9. Jahrhundert eine «HurnoMarcha» nachweisbar, das heutige Hürnen. Ob eventuell auch Hurnen auf eine Person mit Na men Hurno als Gründer zurückgeht, ist nicht mehr nachweisbar. Ein Indiz dafür wäre, dass Siedlungs namen, die auf die besondere Art des Geländes ih ren Namen erhielten, mehrfach nachweisbar sind. Hurnen dagegen gibt es nur einmal in der Schweiz. Trotzdem ist die Deutung eher unwahrscheinlich. Die Herren J. Früh und L. Schröter verfassten 1904 eine Arbeit über die Moore der Schweiz: «Die Bedeutung von Sumpf, einem nassen, weichen, moorigen Boden, haben Har und Hor und deren Composita, z. B.» Unter vielen Beispielen sind Hurnen und Horben aufgeführt. Nordnordöstlich von Hurnen war einst ein Riet, daher der Name «Ergeten» oder auch «in den Stauden», was wenig ertragreich oder sumpfig bedeutet. Im leichten Hang unterhalb des Thann gibt es einige Quellen. Bevor sie genutzt oder ab drainiert wurden, entstand unten ein Riet. Die Parzellen hinter der neuen Scheune hiessen alle «Hinterriet» (von «hinter dem Riet»). Früher mied man beim Strassenbau stauende Nässe. Die Strasse nach Eschlikon wurde erst 1850 gebaut. Die Wiese links davon hiess einst «Neuwies» (die neue Wiese).
Man kann davon ausgehen, dass Hurnen keine Siedlung der ersten Generation war und des halb jünger als die umliegenden Dörfer Wallenwil, Eschlikon und Balterswil ist. Die erste Erwähnung in einer Urkunde ist rein zufällig und sagt über den Zeitpunkt der Entstehung gar nichts aus. 1487 existierten in Hurnen zwei halbe Höfe, ei gentlich ein geteilter Hof. 1634 bestand Hurnen aus drei Höfen, bewohnt von drei Familien. In der «Wallenwiler Offnung» von 1509 steht, die Wallenwiler hätten Weiderecht unter Hurnen bis an das Vogelsang. Alle diese alten Rechte wurden auf geschrieben, auch wenn sie nicht mehr ausgeübt worden sind. Nirgends sonst ist von solchen Wei derechten zu lesen. Es sind auch nie Grenzstrei tigkeiten betreffend Weiderecht zu finden, wie sie um das Riet zwischen Eschlikon und Horben oder rund um Wiezikon mehrmals vorkamen. Im folgenden Grenzbeschrieb findet sich das «Gatterloch». War dies der Durchgang, zu der Zeit ent standen, als die Wallenwiler die Weiderechte noch ausübten? In allen vorhandenen späteren Akten und Urkunden ist nie davon die Rede, dass die Wallenwiler auf dem Territorium des Hofes Hurnen Weiderechte besessen hätten. War Hurnen einst von einem Bewohner des Dorfes Wallenwil gegrün det worden? Einen gewissen Zusammenhang zwi schen Hurnen und Wallenwil muss es gegeben ha ben, auch wenn die Höfe später rechtlich getrennte Wege gingen oder gehen mussten. In Wallenwil sind die drei Zelgen der früheren Dreifelderwirtschaft
Die älteste Erwähnung von Hurnen stammt von 1170
erwähnt und nachweisbar. Nicht so in Hurnen. Kein einziger Hinweis ist vorhanden über die Existenz ei ner einstigen Dreifelderwirtschaft. Dies dürfte der Hinweis sein, dass der Hof Hurnen nicht aus einer alemannischen Sippe oder einem Familienober haupt entstanden ist, die dem Hof und später dem Dorf den Namen gegeben haben. Alle Unterlagen sprechen dafür, dass sich Hurnen aus einem Ein zelhof eines Bauern aus einem umliegenden Dorf entwickelte, dies aufgrund des Hinweises auf das Weiderecht der Wallenwiler bis an die Grenze zum Vogelsang. Hurnen dürfte der Kategorie der frühen Rodungshöfe zugeteilt werden. Wenn Hurnen und Wallenwil später getrennte Wege gingen, ist dafür die spezielle Geschichte der beiden Dörfer verant wortlich und eher zufällig. Über das Leben und die Entwicklung der Höfe und Dörfer im Mittelalter gibt es verschiedene Arbei ten, u. a. von Karl Siegfried Bader «Das Mittel alterliche Dorf als Friedens- und Rechtsbereich» Weimar 1957.
Alemannische Siedlung Eine alemannische Siedlung war von einem Zaun, dem Etter, umgeben. Im Innern des Etters entwi ckelte sich ein besonderer Friedens- und Rechts bereich. Die Zufahrtsstrassen und Wege zu einer Siedlung waren mit Absperrungen versehen. · Durch ein Fallentor das im Innern eine «Falle» hatte, die nachts geschlossen wurde.
· Durch einen Gatter, den man einhängen konnte. · Durch eine Stiege, Stege, dank der man den Zaun überschreiten konnte, wie dies in den Al pen auch heute noch gebräuchlich ist. Eine alemannische Siedlung wurde nur durch diese Eingänge betreten. Dies soll genauso selbstverständ lich gewesen sein, so wie man heute ein Haus auch nicht durch den Garten oder das Stubenfenster be tritt. Die Eingänge wurden nachts geschlossen. Die Bewohner mussten vor der Schliessung wieder im Dorf oder Hof sein. Für das Schliessen der Tore war der «Türlimann» verantwortlich. Die bis heute erhal tenen Flurnamen sind Zeugen, dass bei uns dieselbe Entwicklung beobachtet werden kann.. Zwischen dem Spital Wyl (Gerichtsherrschaft von Wal lenwil) und dem Amt Tannegg kam es zu Beginn des 18. Jahrhunderts oft zu Grenzstreitigkeiten. Das Spital Wyl bezog zum Beispiel 1727 von Johannes Peterlein in Hurnen einigen Grundzins vom Traubenäckerlein beim Schützenhaus. Das Kloster Fischingen bean spruchte diesen Zins, da das Traubenäckerli zu Tann egg gehöre. Schultheiss und «Rath von Wyl» glaubten mit Schreiben vom 12. Juli 1727, dass sie im Recht seien, verzichteten aber freundnachbarlich darauf. Um alle zukünftigen Streitigkeiten zu verhindern, wurde 1737 die Grenze exakt beschrieben. In diesem Grenz beschrieb zwischen den Dörfern und früheren Höfen Hurnen und Wallenwil wurde diese Grenze wie folgt beschrieben und mit Grenzsteinen markiert: (Archiv Frauenfeld)
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Die älteste Erwähnung von Hurnen stammt von 1170
Ein original dreyeggiter Grenzstein von 1737 links und hinten SPW, rechts AT
«Khundt = unndt zue wüssen seye mäniglichen hiermit nachdems schon vor etwelch Jahren hiro entzwischen einem lobwürdigen Gottshaus Fischingen, als Besitzeren der Herschaft Tannegg = Unnd einer loblichen Statt Wyl wegen denen Tanneggischen Ambts, unnd des heylig. Geist. Spithall Wallenwylischen = Anstosen den Entscheidt niedergerichtlichen Zwisdiktion bey Hurnen, und übrigen enden herumb einige differenzen sich zugetragen; derentwegen dan man auch von beeder Seiten den Augenschein ingenommen, nit weniger fründ = nachbahrliche conferenz gehalten; unndt Endtlichen auf heut zue endt gesetzdem dato von seiten fischingen der Hochwürdige Gnädige Herr = Herr Placidus Abbt des lobwürdig
Gottshauses fischingen, unndt Herr der Herrschaft Tannegg z.z. in eigner hochen Person sambt anderen seinen Geistlich = unnd Weltlichen Hhe. (Herren) officialen: Von seiten Loblichen Statt Wyl aber der Wohledle = unnd Wohlweyse Herr mare Anthonin Müllern alt Schultheyss, unnd Spitalherrn, auch dermalige Vogtherrn zue Wallenwyll, mit einigen Hhr. Ausschussen von loblichen Magistrat z. z. sich an das streitige ohrt selbsten erhoben. Den Augenschein nochmahlen ingenommen, unnd endtlichen Zue abwendung ferner müeh = Kosten, unnd ohnbeliebigkeiten: hingegen guete Nachbarschaft zue pflanzen, unnd zue erhalten auf ingenommene underschiedliche Bericht den Streith Volgendter gestalten Vereinbahret: Unndt Verglichen: Als Namblichen Zue underst bey der Lohrwyss, gegen Herderen am Eschliker rieth solle der erste Markhstein ein dreyeggiter gesetzt werden, einerseits mit L. T. (Landgrafschaft Thurgau, zu der das Dorf Eschlikon gehörte) anderseits mit A: T: (Amt Tannegg) drithseits mit S: P: W: (Spital Wil) gezeichnet. Von dannen rechter Hannd dem grüenhag hinauf, unnd demselben nach Zwischend der Lohrwyss, und Lohrstegen hinein bis an die obere Streitwies, unnd weiter derselbigen, und der unnderen Lohrstegen nach über die Landsstraass (Wallenwil – Riethof – Sirnach) Zue einem Kriesbäumbli allwo der anderthe Markhstein auch ein dreyeggieter Zweymahl mit A: T: unnd einmahl mit S: P: W: Von dannen weiters der Landstraass nach hinauf (Strasse Balterswil – unter dem Stutz – Riethof – Sirnach) bis an die äich, allwo der drithe Markhstein auch ein dreyeggiter Zweymahl mit S: P: W: und einmal mit A: T: Von dieser schnurgerad über die
Die älteste Erwähnung von Hurnen stammt von 1170
Thannmoos bis zue dem Gatterloch an der vierter Markhstein ein dreyeggiter, Zweymahl mit mit S: P: W: unnd einmal mit A: T: dann grad dem Haag hinunder bis an die Landstraass gen Balterswyl so an die Morgenweydt stosset, unnd von dar der Landstraass nach hinaus bis an den Gatter in dem grüennhaag, allwo der fünfte Markhstein ein dreyeggiter; zweimahl mit S: P: W: und eimal A:T: Dannethen über das Moos unnd Schürwyss in das Haagloch hinüber zwischen den Schollen- unnd Waldackeren ligendt, von dannen der Fuhre nach zwischendt den Wald`s und Schollenackheren bis an der Wallenwylerwald unnd under diesem Wald rechter (Schreib fehler, muss «linker» heissen) Hand hinaus bis an die Wasserruss an den sechsten Markhstein einen dreyeggiter (war bis zur GZ in den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts als Grenzstein vorhanden) Die mit den Marchen versehene Grenze von 1737 zwischen Hurnen und Wallenwil
Schwarz eingezeichnet, die alte Strasse zwischen Hurnen und Vogelsang.
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zweymahl mit A: T: und einmahl mit S: P: W: Von diesem grad die Russ hinauf zwyschendt dem Wallenwyler, und Hurnerwald bis oben am Gücht an der Rüsse alda der siebente Markhstein, ein dreyeggiter zweymahl mit A: T: unnd einmahl mit S: P: W: dannethin dem frydhaag nach an die achte Markh beim Kohlholz Wallenwil 1737.»
Kommentar Noch 1737 bestand an der Grenze zwischen Hurnen und Wallenwil ein Zaun, (Haag, Grünhag, Friedhag Grenzhag). Diese natürliche Grenze war 1737 fast durchwegs noch sichtbar, beim Gatterloch war der Gatter zum Einhängen nicht mehr vorhanden. Nur noch «das Loch für den Gatter» war im Grenzzaun sichtbar. «An den Gatter in dem grüennhag» könnte so interpretiert werden, dass hier sogar der Gatter noch vorhanden war. An der Strasse Wallenwil – Riethof finden wir den Flurnamen Lorenstegen. Loren heisst Wald/Busch. Lorenstegen war die Stege/Stiege beim Wald/Busch. Dies war die Stiege, die die Kirchgänger von Wallenwil übersteigen mussten. Frydhaag = Grenzhag. Selbst im Wald hatte es einen Grenzzaun, vermutlich eine Hecke entlang des bis zur GZ vorhandenen Baches. Zwischen Hurnen und Vogelsang ist bis heute der Flurname Türliacker erhalten geblieben. Dies war einst der Acker beim Türli zum Eingang in den Hof Hurnen. Auf der Karte ist die Strassenverbindung zwischen Hurnen und Vogelsang, wie sie bis 1844 bestanden hat, schwarz eingezeichnet. Wie Richtung Wallenwil dürfte auch hier die Gemeindegrenze identisch sein mit der Grenze des ehemaligen Hofes Hurnen, was der Parzelle, die an das «Türli» gegen Vogelsang grenzte, seinen Namen gab. Es ist bekannt, dass solche Parzellennamen Jahrhunderte überlebten.
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Die älteste Erwähnung von Hurnen stammt von 1170
Die Güterzusammenlegungsorgane in den 80erJahren anerboten mir, links von diesem geschwun genen Weg eine neue gerade Strasse zu erstel len. Ich lehnte dieses Angebot ab, denn ich wollte diesen uralten Teil der Verbindung Hurnen – Vo gelsang erhalten. Dies ist der letzte Teil einer al ten Flurstrasse, der die Güterzusammenlegungen überlebte. Das gleiche wie für das Dorf Hurnen gilt auch für das Dorf Eschlikon. An der Grenze gegen das frü here Herderen, bei der evangelischen Kirche, be steht bis heute der Flurname Fallentor. Dies war die Hauptstrasse von Aadorf nach Eschlikon und wurde deshalb mit einem Tor zum Abschliessen versehen. In der Wallenwiler und Herderer «Zehendbeschreibung» von 1699 ist zu lesen: «Item ein halb Juchart ackher, stosst unden an das Fallenthürli der Land strasse nacher Winterthur».
Das Bild zeigt den untersten Teil dieser uralten Verbindung HurnenVogelsang. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dürfte dies auch der unterste Teil des Weges zur Burg Hurnen gewesen sein. Oben, bei der noch sichtbaren Rechtskurve führte die Strasse nach links über die heutige Wiese Richtung Vogelsang. Rechts führte ein mehrfach erwähnter Fussweg nach Wallenwil.
Der Benutzer der Landstrasse Winterthur – Wil konnte nur während des Tages Herderen und Eschlikon durchqueren, da diese Fallentore abends durch den «Türlimann» geschlossen wurden. Beim Fussweg exakt an der Grenze zwischen Eschlikon und Hofen befindet sich das Chilchestiegele. Dies war der Weg, der von den Kirchgängern benutzt wurde. Sie mussten über eine «Stiege» den Grenz zaun übersteigen.
Die älteste Erwähnung von Hurnen stammt von 1170
Die Bewohner und auch die Jugend mussten zu hause sein, wenn es dunkel wurde. Diese Stiegen und Gatter zwischen den Siedlungen sollen für die Jugendlichen oder einen Teil davon der beliebte Treffpunk gewesen sein (sozusagen der heutige Bahnhof!). Sie waren beieinander, ohne ihre ein gezäunten Dörfer verlassen zu müssen. Von da her sollen die Begriffe, stiegelisinnig und gätterli läufig stammen.
Vor allem sollen die Mädchen, die sich dort mit den Knaben trafen, ohne das Dorf verlassen zu müssen, diese Übernamen erhalten haben. Heutige Begriffe sind vielleicht «mannstoll» oder «verliebt». (Bösch: «Der Zaun im Flurnamenbild einer Gemeinde»)
Der Grenzbeschrieb war rund um Wallenwil auch gegen Bichelsee und Eschlikon bekannt. Die Karte von Eschlikon zeigt die Grenzen zu Herderen und Hofen..
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Die älteste Erwähnung von Hurnen stammt von 1170
Dieses Original-Foto entstand um 1980 vor der Güterzusammenlegung in Balterswil-Bichelsee. Es wurde von mir nichts entfernt oder beigefügt. Es zeigt vier Generationen Marksteine. · Den gewöhnlichen Grenzpfahl aus Holz. · Den grossen Bollenstein. Darunter wurden sogenannte «Zeugen» gelegt, sie zeigten mit dem Spitz zum nächsten Grenzstein. Dadurch wurde das versetzen eines einzelnen Grenzsteines verunmöglicht. (rechts) · Der beschriebene Grenzstein von 1737. Es ist ganz schwach «S.P(W) Spital Wil», sichtbar. · Der rechteckige Stein wie er rund um die Gemeinde Horben 1850 gesetzt wurde. Dieser wurde offenbar hingelegt und vergessen.
Zwischen Hurnen und Horben gibt es keine alten Flurnamen, die auf eine Grenze eines ehemaligen, alemannischen Hofes hindeuten. Da die Hofnamen «Hurnen, Moos, Gupfen» und «Horben» auf Hin weisen aus der Landschaft basieren, dürften sie durch «überschüssige» Bewohner der umliegenden
Zeugen, die mit der Spitze zum nächsten Grenzstein zeigen.
Dörfer schon im 11. Jahrhundert, oder früher, ge gründet worden sein. Die Höfe Thann und Flie genast (Ende 16. Jahrhundert), Eichholz (vermut lich Anfang 17. Jahrhundert), Riethof (1860) und Friedtal (1913) sind bedeutend jünger.
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Politische Strukturen im Hinterthurgau im Mittelalter Die Entstehung der Gerichtsherrschaften
Noch im 18. Jahrhundert existierten im Kanton Thurgau 132 Gerichtsherrschaften.
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Politische Strukturen im Hinterthurgau im Mittelalter
Hermann Lei und Bruno Giger untersuchten die Geschichte der Gerichtsherrschaften und des Ge richtsherrenstandes im Thurgau. Beide befassten sich jedoch nicht mit deren Entstehung.
nach entzogen wurden und zum Privatbesitz loka ler Machthaber der Grund- und Vogteiherren ge langten. Diese Gerichtsherrschaften sind also von oben nach unten entstanden.
Dr. Hermann Lei in der Dissertation «Der thurgau ische Gerichtherrenstand im 18. Jahrhundert» (Thurg. Beiträge zur vaterländischen Geschichte 1962 Heft 99)
Andere Autoren widersprechen dieser Ansicht. (z. B. Karl Sigfried Bader, Otto Brunner) «Diese rechtliche Kompetenz kann nicht von einer Delegation des Königs oder vom Grafentum von oben nach unten entstanden sein. Die Gerichtsherrschaften entwickelten sich aus dem Besitz von Haus und Hof : Um das Wesen der Gerichtsherrschaft erfassen zu können, muss man auf das ‹Haus als Kern› aller Herrschaft zurückgehen.»
«Eine Untersuchung über die Anfänge des Gerichtsherrenstandes führt – da wir es bei ihm mit einem Gebilde zu tun haben, das aus dem Mittelalter herausgewachsen ist – sehr rasch zu den schwierigen, verwickelten und umstrittenen Fragen der Entstehung des Adels und der Herrschaft, der Stellung der Kirche, dem Wesen des mittelalterlichen ‹Staates› und ‹Rechts› und zum Problem des Mittelalters überhaupt. ... Zur Lösung dieser Probleme müssten wir in unseren Gegenden die Geschichte bis zur Landnahme durch die Alemannen zurückverfolgen.» Eine Untersuchung eines Thurgauer Historikers, der dies für den Hinterthurgau getan hätte, habe ich nicht gefunden. Über die Entstehung der Gerichtsherrschaften gibt es verschiedene Meinungen. Die Thurgauer Albert Schoop und auch Otto Feger sind der Mei nung, dass die staatlichen Hoheitsrechte über die waffenlos gewordene bäuerliche Bevölke rung durch die Königlichen Immunitätsverleihun gen des 10. Jahrhunderts und durch die Ausbil dung der weltlichen Vogteien den Grafen nach und
Über das Wesen einer Gerichtsherrschaft und die Befugnisse des Besitzers schreibt Hermann Lei in der erwähnten Dissertation: «Diese Gerichtsherrschaft ist räumlich sehr klein, sie deckt sich mit dem Umfang einer Dorf- oder Markgemeinde, oft fasst sie mehrere solche zusammen, oft erstreckt sie sich auch nur auf Teile eines Dorfes. Dafür umfasst sie aber alle wichtigen Rechte, die irgendwie zum Wesen staatlicher Gewalt gehören: Twing und Bann, das heisst das Recht, unter Androhung von Strafe Gebote und Verbote zu erlassen, die gesamte Zivilgerichtsbarkeit und die Befugnis, von allen Gerichtsinsassen Abgaben, Frondienste und Kriegsdienste zu verlangen.»
Politische Strukturen im Hinterthurgau im Mittelalter
Der Besitzer einer Gerichtsherrschaft, egal wie gross diese ist, hatte alle Rechte, die heute der Gemeinderat, alle Kreis- und Bezirksbehörden, die Steuerämter und andere kantonale Ämter haben. Der Besitz der Gerichtsbarkeit war lukrativer als der Grundbesitz. Hermann Lei verfasste seine Dissertation 1962. Sein Wunsch nach einer umfassenden Studie über die Entstehung der thurgauischen Gerichtsherr schaften ist bis heute nicht in Erfüllung gegangen.
Die Entstehung der Herrschaft Tannegg In der thurgauischen historischen Literatur wurde die Entstehung oder eine Geschichte der Gerichts herrschaft Tannegg fast gänzlich vergessen. Hermann Lei befasste sich mit dem Thurgauischen Gerichtsherrenstand im 18. Jahrhundert. Bruno Gi ger untersuchte die Geschichte einiger Gerichts herrschaften im Thurgau. Bruno Giger «Gerichtsherrschaften, Stand vom Ausgang des Spätmittelalters bis in die frühe Neu zeit» (Thurg. Beiträge 1993, Heft 130)
In diesem Beitrag untersucht er die Geschichte von 40 der insgesamt 132 Gerichtsherrschaften im Thurgau. Den Hinterthurgau hat er vergessen. Die hintersten, die er erwähnt, sind Lommis und Spiegelberg. Nicht berücksichtigt hat er – neben den vielen kleinen Herrschaften – auch die grösste Herrschaft Tannegg. Es fehlt sogar der Hinweis, dass es eine Herrschaft Tannegg gegeben habe. Bruno Giger schreibt am Schluss seiner Arbeit: «Ihre Berechtigung findet meine Arbeit wohl darin, dass sie allgemeine Tendenzen aufzeigt und, so hoffe ich, Anregung ist zu weiteren lokalen und hi storischen Aktivitäten. Denn gerade in einem Land, in dem der Föderalismus so tief verwurzelt ist wie bei uns, trägt jede auch noch so kleine Lokalgeschichte dazu bei, unser gesamtes Staatswesen besser zu verstehen. Machen nicht auch die Einzel steine die Vollkommenheit eines Mosaiks aus?» In diesem Sinne habe ich den Ball von Giger aufgenommen.
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Ausschnitt aus dem Original in der Kantons bliothek
Politische Strukturen im Hinterthurgau im Mittelalter
Die Gerichtsherrschaft Tannegg – von 1245 an Amt Tannegg Die Herrschaft Tannegg umfasste ursprünglich die Höfe Dussnang, Sirnach, Bettwiesen und Mos nang. Der Hof Dussnang war identisch mit der heu tigen Gemeinde Fischingen, die Höfe Bettwiesen und Mosnang ebenso mit den Gemeinden. Der Hof Sirnach umfasste die heutige Gemeinde Sir nach, ohne Busswil, zudem die Höfe Hurnen, Ober hofen, Gingishaus (Freudenberg) und Siegensee (Münchwilen). Der rote Strich markiert die Grenze der ursprüng lichen Herrschaft Tannegg. Die Gerichtsherrschaf ten oder Vogteien Bichelsee, Balterswil, Ifwil, Krill berg, Buch, Spiegelberg, Lommis und Wilderen wurden erst um 1500 vom Kloster Fischingen ge kauft und dem Amt Tannegg einverleibt.
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Unter dem Wappen steht: «Die Underthanen der Herrschaft Tannegg: So in 4. Hööff getheilt, und etwan auff 1000 Mann sich erstrecken»
Über die Bedeutung des Wappens kann spekuliert werden. Die beiden Tannen dürften das noch heu tige Tannzapfenland bildlich darstellen. Was die vielen Eichhörnchen auf beiden Tannen bedeuten, ist ungewiss. Wollten sie nur auf extrem viele Tiere dieser Gattung hindeuten? Oder dienten die Eich hörnchen als Symbol, dass in den Hinterthurgauer Wäldern generell viel Wild vorhanden war? Die bei den Krieger neben den Tannen dürften kaum zu fällig dort stehen. Symbolisierten sie für den Wap penmaler die kriegerischen Einsätze des Niederen Adels während der Herrschaft der Toggenburger.
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Ausschnitt aus dem Wappen
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Territorialgebilde zusammen, dem er der nach ihm benannten Burg Tannegg einen wiederum namengebenden Mittelpunkt schuf.»
Wappen aus dem Fischinger Ämterbuch «Joannes Härlin hat Anno 1393 die Herrschaft Landsberg sambt den Vogteyen Krillberg und Buech; Ao, 1421 aber die Vesti und Burg Bichelsee erkauft, mit Bischoff Alberto Blarer Anno 1409 das Amt Tannegg von der obig Generation erlösst.»
Wie wir gleich erfahren werden, hat die Herrschaft Tannegg schon hundert Jahre vor der Amtszeit des Bischofs von Tann bestanden. Die Verwandtschaft des Namens ist rein zufällig. Staatsarchivar Bruno Meyer schreibt in «Fischingen das Bischöfliche Kloster»: «Sowohl die weltlichen wie die kirchlichen Verhältnisse bestätigen somit, dass das Amt Tannegg als Herrschaft der Bischofskirche bereits vor der Gründung des Klosters Fischingen (1136) bestanden hat. Gerichtsherr war der Bischof von Konstanz, der die Herrschaft an die Toggenburger verpfändete.» Der zweite Teil des Satzes unter dem Wappen be zieht sich auf den Freiheitsbrief der Tannegger Be völkerung von 1409. Mit der «oibig generation erlösst» muss Donald von Toggenburg gemeint sein, dem der Bischof das Amt Tannegg um 1380 wie der verpfändete. Die Bevölkerung hatte sich mit viel Geld losgekauft. «Über die Entstehung dieser zuerst bischöflich-konstanzischen und dann fischingischen Herrschaft liegen verschiedene Ansichten vor. Wahrscheinlich fügte der Konstanzer Bischof Heinrich der I. von Tann (1233 – 1248) altbischöflichen Besitz und die Trümmer der einst um die Feste Alttoggenburg gruppierten, nach dem Brudermord zerfallenden toggenburgischen Herrschaft zu einem neuen
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Auch wenn die Grafschaft Toggenburg ein späte res Gebilde ist und den Hinterthurgau nicht mehr betrifft, so kann der Arbeit von Paul Kläui «Die Ent stehung der Grafschaft Toggenburg» einiges für un ser Thema entnommen werden. Vor der urkundenarmen Zeit, vor 900, waren die Toggenburger Inhaber vieler Lehen des Klosters St. Gallen im unteren Toggenburg und im Hinter thurgau. Er stellt fest, dass nach Wiedereinsetzen der Urkunden, gegen 1200, die Toggenburger Be sitzer dieser früheren Lehen waren. Kläui meint «dass die Toggenburger beim Niedergang des Klosters St.Gallen dessen Besitz erworben haben, weniger durch Kauf als durch Verselbständigung und Usurpation der Klosterlehen und durch das Mittel der Vogtei.» (Kläui Seite 9) (Usurpation = Durch Gebrauch in Besitz nehmen, widerrechtlich die Macht an sich reissen) Fuchs erwähnt in der Geschichte des Schwanber ges: « … man kann wohl davon ausgehen, dass die gerichtsherrschaftlichen Rechte des Amtes Tannegg auch über das Kloster St. Gallen in den Besitz der Toggenburger gelangten.» Kläui: «Die Toggenburger waren im letzten Viertel des 11. Jahrhunderts plötzlich als ein politischer Machtfaktor ersten Ranges im Hinterthurgau erschienen.» Alle diese Meinungen führen dazu, dass die herr schaftlichen Rechte und auch einiges an Grund besitz der Herrschaft Tannegg an das Kloster St. Gallen gelangten. Von diesem erwarben im 11.
Jahrhundert oder früher – wie erwähnt – die Her ren von Toggenburg diese Rechte. Wie dies ge schah, kann nicht mehr erforscht werden, beson ders da es in der urkundenarmen Zeit geschehen sein musste.
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Die Toggenburger Leider gibt es keine exakte Untersuchung über den Einfluss und die Bedeutung der Toggenburger in der Geschichte des Hinterthurgaus. Für mich ist es unbegreiflich, dass kein Historiker die Bedeu tung und den Einfluss dieser Familie für die Bewoh ner des Hinterthurgaus erkannt hat. Bruno Meyer schreibt in «Fischingen als bischöfli ches Kloster» Seite 74, Anmerkung 108): «Eine neue Untersuchung über die Burgen, Ministeralien und Rechte der Toggenburger im Thurgau vor und nach 1226 ist im Rahmen des gesamten Adels des Gebietes unbedingt notwendig.» Dies ist bis heute leider nicht geschehen. Die meis ten Historiker bezeichneten die Hinterthurgauer Adeligen nur als Ministeralien des Klosters St. Gallen. Dabei waren noch 1209 in einer Urkunde, das Kloster St. Johann im Toggenburg betreffend, über zwanzig Adelige, vor allem aus dem Thurgau, als Zeugen des Bischofs anwesend. Darunter die Adeligen von Bichelsee, Bussnang, Spiegelberg, Landenberg und als Erstaufgeführter, «Diethalmus iunior de Toggenburg». Schon die Tatsache, dass
Diethelm von Toggenburg als erster der Zeugen aufgeführt wird, beweist die Bedeutung dieses Ge schlechtes. Am Schluss separat aufgeführt sind Ministeralien der Toggenburger «von Dussnang, von Boksloh, von Lommis, von Haitenau» etc. Von keinem der anderen adeligen Zeugen sind noch Mi nisteralien erwähnt. Dies bezeugt ebenfalls die Be deutung der Toggenburger. Umso erstaunlicher ist es, dass sich – ausser dem Hinweis von Dr. Bruno Meyer – bis heute niemand für die Toggenburger im Zusammenhang mit der Geschichte des Hinter thurgaus interessierte. Unterzeichnet und mit Sie gel versehen wurde das Dokument vom Bischof Conrad von Konstanz. Alle genannten Adeligen aus dem Hinterthurgau hatten bis zu Beginn des 13. Jahrhunderts nicht dem Kloster St. Gallen, sondern dem Bischof von Konstanz gedient, zum Beispiel die Brüder Eberhard und Walter von Bichelsee. In verschiedenen Arbeiten über die Herren von Bi chelsee und über die Geschichte der Gemeinde werden sie nur als Diener des Klosters St. Gallen bezeichnet. Ebenfalls unerklärlich ist für mich, dass auch die Existenz und die Auswirkungen des Investiturstrei tes auf die Geschichte des Hinterthurgaus nicht aufgearbeitet wurden.
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Der Investiturstreit 1077 – 1122 «Der Investiturstreit war der Höhepunkt eines politischen Konflikts im Mittelalterlichen Europa zwischen geistlicher und weltlicher Macht um die Amtseinsetzung Geistlicher.» (Die Definition habe ich im Internet gefunden) Die Toggenburger treten erstmals im Investitur streit 1077 – 1122 markant in Erscheinung. Es gab zwei Parteien, die sogenannten Päpstlichen (das Kloster St. Gallen) und die Kaiserlichen (das Bis tum Konstanz). Abt Ulrich von St. Gallen drang 1079 in die Reiche nau ein. Darauf kam es im Thurgau und jenseits des Rheins zu Kämpfen, die 40 Jahre dauerten. In dieser Phase tauchten die Toggenburger auf. Sie kämpften mit den Kyburgern und den Zähringern auf der Seite des Bischofs. Die Kaiserlichen bau ten auf der Bernegg eine Festung, von der aus sie in den Jahren 1080 und 1081 das Kloster St. Gal len viermal angriffen. Die Toggenburger erhielten den Auftrag, diese Festung zu verteidigen. Es ge lang dem Abt die Festung zu erobern. Falknand von Toggenburg wurde dabei getötet. Kläui glaubt,
dass dieser die führende Persönlichkeit im Kampf gegen St. Gallen war. Sein Sohn Diethelm, wohl der Grossvater des erwähnten «Diethalmus junior», führte den Kampf mit Hilfe der Verbündeten weiter. Er geriet jedoch 1084, nach einem erfolgreichen Überfall auf das Kloster St. Gallen, in einen Hin terhalt und musste mit grossem Verlust an Leuten den Rückzug erkaufen. Nach dieser vernichtenden Niederlage ist von den Toggenburgern als territo riale Macht bis gegen Ende des 12. Jahrhunderts nichts mehr zu vernehmen. Die Informationen über den Investiturstreit las sen den Schluss zu, dass die Herren von Toggen burg in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts ein Heer bewaffneter Männer zur Verfügung ge habt haben mussten. Sie konnten ja nicht mit Bau ern kämpfen, die mit Mistgabeln bewaffnet waren. Ein Heerführer konnte zu jener Zeit nicht wahllos Männer zum Kriegsdienst aufbieten. Dieses Recht hatte er nur in den Höfen und Dörfern, in denen er die Herrschaftsrechte besass. Die Besitzer einer Herrschaft konnten «von den Gerichtsinsassen Abgaben, Frondienste und Kriegsdienste verlangen» (Hermann Lei, Seite 11) Diese Rechte hatten die Toggenburger u. a. in der Herrschaft Tannegg und im unteren Toggenburg inne.
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Die Auswirkungen des Investiturstreites auf die Herrschaft Tannegg Nach Dr. Bruno Meyer bestand die Herrschaft Tan negg bei der Gründung des Klosters Fischingen 1136 bereits als Herrschaft des Bistums Konstanz, das an die Toggenburger verpfändet war. Die Herr schaft muss im 11. Jahrhundert noch in den Hän den der Toggenburger gewesen sein. (Rekrutierung eines Kriegsheeres) Zu Beginn des 12. Jahrhunderts bestanden fol gende Fakten: Die Toggenburger – während des Investiturstreites gegen Ende des 11. Jahrhun derts noch als ernst zu nehmende, starke Kraft mit eigenem Heer aufgetreten – wurden vernich tend geschlagen. Nicht einmal die eigentlich gut befestigte «Alt Toggenburg», die Heimburg der Tog genburger, konnte verteidigt werden. Bis gegen Ende des 12. Jahrhunderts war nichts mehr über die Familie der Toggenburger zu lesen.
Übergang der Herrschaft Tannegg an das Bistum Konstanz Die aufstrebende Macht der Toggenburger war am Boden, geschlagen von der Kriegsmacht des Ab tes von St. Gallen, und offenbar zu keiner Reaktion mehr fähig. Die Gefahr bestand, dass sie ihre ge samten Herrschaftsrechte der Herrschaft Tannegg, inklusive den Hof (Gemeinde) Mosnang, an den Sieger, den Abt von St. Gallen, verlieren könnten.
Durch die Übergabe aller Rechte an das Bistum Konstanz konnte diese Gefahr umgangen werden. Der Bischof verpfändete darauf alles wieder an die Toggenburger. Dies war nicht nur eine Geste des Dankes für ihre militärische Unterstützung, son dern auch ein Vorgang, der sehr oft in Urkunden nachweisbar ist. Ganz besonders der Umstand, dass die Herrschaft Mosnang in den Besitz des Bistums gelangte, dient als Indiz dafür. Mosnang war mit Sicherheit einst Besitztum des Klosters St. Gallen und gelangte in den Besitz der Toggenbur ger. Auf dessen Territorium stand ihr Familienbe sitz, die alt Toggenburg, die sie nicht hätten bauen können, wenn sie nicht Eigentümer oder Inhaber eines Lehens des Klosters St. Gallen gewesen wä ren. Dieses Gebiet hätten sie nie ohne Not an das Bistum abgetreten. Die Äbte des Klosters St. Gal len hatten in den späteren Jahrhunderten immer wieder versucht, Mosnang ans Kloster zu binden. Das Bistum Konstanz war sowohl in herrschafts rechtlicher als auch in grundrechtlicher Hin sicht bis zu diesem Zeitpunkt im Hinterthurgau kaum präsent, erst recht nicht im St. Gallischen Mosnang. Entwicklung der späteren Herrschaft Tannegg Während der urkundenarmen Zeit (vor 1100) ge langten die Rechte der Höfe im Hinterthurgau durch Schenkungen an das Kloster St. Gallen. Diese Höfe gelangten als Lehen an die Toggenbur ger, die diese Lehen durch Usurpation als Eigentum betrachteten. Nach der vernichtenden Niederlage
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gegen das Kloster übergaben sie die herrschaftli chen Rechte dem Bischof, um einer Übernahme durch den Abt von St. Gallen zuvorzukommen. Sie erhielten die Herrschaft sogleich wieder als Pfand zurück. Diese Überlegungen basieren nicht auf hi storischen Quellen, sondern entwickelten sich auf grund von Recherchen des Autors.
Gründung des Klosters Fischingen 1136 entstand das Kloster Fischingen, gegründet durch Abt Gebino vom Kloster Rheinau, im Auftrag des Bischofs von Konstanz. Ein solches Kloster im hintersten Thurgau wird nicht einfach durch Zufall gebaut. Die Situation zu Beginn des 12. Jahrhunderts war folgende: Das Kloster St. Gallen gelangte dank Schenkungen im 9. und 10. Jahrhundert in den Besitz sehr vieler Höfe auch im Hinterthurgau und dem unteren Tog genburg. Das religiöse Leben, über die örtliche Kir che hinaus, bewegte sich in der Vergangenheit aus schliesslich Richtung Kloster St. Gallen. Während den Investiturstreitigkeiten wurden das Kloster St. Gallen mit ihren Ministeralien und die Toggenbur ger mit ihrer Kriegsmannschaft aus dem Hinter thurgau und dem unteren Toggenburg zu Todfein den. Das Kloster St. Gallen als religiöses Zentrum kam nicht mehr in Frage. Die Klöster am Boden see waren nur sehr schwer erreichbar. Der ganze Adel, inkl. die Herren von Bichelsee, Bussnang, Griesenberg etc. kämpften mit den Ministeralien der Toggenburger an der Seite des Bischofs ge gen das Kloster St. Gallen. Für den Adel waren die
Klöster sehr wichtig. Sehr oft konnten Adelige, um den Familienbesitz nicht zu verkleinern, «die überzähligen Söhne» in den Klöstern «versorgen». Das gleiche gilt für die Töchter und Witwen. Es wäre sehr gut erklärbar und nachvollziehbar, dass dieser adelige Teil der Bevölkerung mit dem dringenden Wunsch an den Bischof gelangte, als Ersatz des «verloren» gegangenen Klosters St. Gal len, in ihrer Gegend ein Kloster zu gründen. We gen den Bauern im Hinterthurgau wäre sicher kein Kloster entstanden. Dieser Gedanke stimmt über ein mit Bruno Meyer: «Fischingen als bischöfliches Kloster», Seite 83: «… Es wäre demnach sehr gut möglich, dass der Bischof in Fischingen zur Sicherung seiner Rechte im Gebiet von Tannegg ein Eigenkloster errichtete, doch sind dazu keinerlei Anhaltspunkte vorhanden. Wir wissen nur, dass die Weihe Fischingens die letzte bekannte Amtshandlung Ulrichs II. war, der sich darauf hin ins Kloster St. Blasien zurückzog. Betrachtet man die wenigen bekannten Nachrichten über Bischof Ulrich II., so sieht man, dass sein Interesse der Reform von Klöstern galt. Es ist kein Anhaltspunkt für politisches Denken und Handeln vorhanden. Bei einer solchen Persönlichkeit ist es nicht erlaubt anzunehmen, dass das Kloster Fischingen von ihr gegründet worden sei, um die bischöflichen Rechte gegen die Freiherren von Toggenburg zu sichern. Es ist eher wahrscheinlich, dass sie aus religiösen Gründen auf eine an sie herangetragene Anregung eingegangen ist.»
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Leider hatte auch Bruno Meyer diesen Gedanken nicht mehr weiterverfolgt. Wenn das Kloster, wie andernorts geschrieben, als Bollwerk des Bischofs gegen das Kloster St. Gallen gebaut worden sein soll, so wäre es nicht in der Wildnis des Hinter thurgaus entstanden. Dann wären wohl Standorte gewählt worden, an denen die Toggenburger spä ter die Stadt Wil oder die Johanniterkomturei To bel gründeten. Die Gründung des Klosters fällt in eine Zeit, da die Toggenburger nicht gross in Erscheinung tre ten konnten. Nach den vernichtenden Niederlagen im Investiturstreit war beinahe nichts mehr von den Toggenburgern zu finden. Erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts, dank der Heirat von Diethelm III mit Guta von Rapperswil, wurde die Familie wie der eine Macht in der Ostschweiz. Einiges deutet darauf hin, dass die Toggenburger kaum grossen Einfluss auf die Gründung des Klosters Fischin gen hatten. Fischingen wurde als Benediktiner kloster gegründet. Die Toggenburger gründeten die Johanniterkomtureien Bubikon 1193 und Tobel 1226/28. Sie fühlten sich offenbar nicht mit dem Geist der Benediktiner verbunden. Die Strasse Fi schingen – Mühlrüti wurde erst 1913 gebaut. Bis dahin war dieses Gebiet Wildnis. Noch besser war Au erreichbar. Hätten die Toggenburger das Sa gen gehabt, wäre das Kloster kaum in Fischingen gegründet worden. Mehr Einfluss dürfte Ekehard von Bettwiesen gehabt haben. Er stiftete in Bett wiesen und in Fischingen eine Kirche. Er war auch verantwortlich, dass seine Herrschaft Bettwiesen zur Herrschaft Tannegg gelangte.
Von der Herrschaft zum Amt Tannegg Zu Beginn des 13. Jahrhunderts kam mit Albert von Bussnang ein Abt an die Spitze des Klosters St. Gallen, der mehr Heerführer als Seelenhüter war. Eine Expansion war nur auf Kosten der Grafen von Toggenburg möglich. 1223 wurde auf dem Schloss Rengerswil bei Wängi Friedrich von Toggenburg ermordet. Conrad de Fabaria, ein getreuer Die ner von Abt Albert, beschrieb dies als Brudermord durch den viel älteren Bruder Diethelm. Die Histori ker übernahmen während den folgenden Jahrhun derten diese Darstellung kritiklos. Bruno Meyer un tersuchte jene Akten exakt und stellte fest, dass es kein Brudermord sein konnte, sondern eine Blut rache der Toggenburger Ministerialen war. Fried rich hatte zuvor einen der ihren ermordet und acht los über eine Felswand geworfen. (Thurg. Beiträge Heft 114, 1977) Der Leichnam blieb 7 Tage auf Schloss Rengerswil liegen. Weder der Abt von Fi schingen noch der Pfarrer von Wängi waren be reit zu einer christlichen Beerdigung. Nach dama ligem Recht hatte ein Ermordeter Anspruch auf eine christliche Bestattung, nicht aber ein Mörder. Der Abt liess den Leichnam holen und bescherte den Eltern in St. Gallen eine christliche Beerdi gung ihres Sohnes. Er handelte dafür beim Vater des Ermordeten die Uebergabe der Stadt Wil und der Burg Toggenburg ein. Beides war dem ermor deten Friedrich bereits versprochen worden. Sein Bruder Diethelm anerkannte die Übergabe nicht und griff mit Unterstützung seiner Verbündeten,
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(Bischof von Konstanz, Graf von Kyburg) das Klos ter an. Es kam zu Gerichtsverhandlungen, in de nen der Abt siegte. Er musste allerdings einen sehr hohen Preis zahlen, der nach Meyer einem Kauf gleichkam. Diethelm anerkannte das Urteil nicht. Er wollte nicht Geld, sondern Wil und den Famili ensitz, die Toggenburg, zurück. Er versuchte, mit den Waffen sein Recht zu erzwingen. 1234 kam es zu einem Friedensschluss zwischen dem Abt von St. Gallen und Diethelm von Toggenburg. Diethelm hielt sich nicht an dieses Friedens-Versprechen und griff das Kloster St. Gallen – in Abwesenheit des Abtes – 1235 wieder an. Darauf galt Diethelm als meineidig und wurde in der Folge in Acht ge setzt. Der Bischof von Konstanz konnte ihn nicht mehr unterstützen. Er nahm ihm 1245 die Pfand schaft der Herrschaft Tannegg weg und errichtete ein Amt mit einem Ammann auf der Burg Tannegg. Damit war die Herrschaft der Grafen von Toggen burg im Hinterthurgau für über 100 Jahre zu Ende. Aus der Herrschaft Tannegg wurde das Amt Tann egg. Die Burg Tannegg wurde erst ab diesem Da tum eine bedeutende Burg im Hinterthurgau. Im Gerichtsentscheid vom 1234 erhielt der Abt des Klosters St. Gallen neben der Stadt Wil alle Rechte über die Ministeralien der Toggenburger. Etwas später erlaubte der Abt denjenigen, die dies wünschten, wieder zu den Toggenburgern zurück zukehren. Aus den Namen der Zeugen der zu künftigen Urkunden kann ermittelt werden, wel che Adeligen den Toggenburgern treu blieben. Es scheint, dass dies die meisten der Adeligen an fänglich taten.
Im Herbst 1246 schleuste Graf Kraft von Toggen burg einige seiner Anhänger in die Stadt. Sie öffne ten ihm eines Abends ein Tor, damit er ungehindert mit seinen Leuten einmarschieren konnte. Doch schon im Januar 1247 erschien Abt Berchtold von St. Gallen mit einem grossen Heer seiner Adeligen vor der Stadt. Fünf Wochen verteidigten die Leute des Grafen die Stadt, wurden dann aber überwäl tigt und flohen, verfolgt von den Siegern. Sie zer störten und verbrannten acht Burgen der Toggen burger Ministeralien. (Seiler «Geschichte von Wil») Leider ist nicht bekannt, welche Burgen betroffen waren. Die Toggenburger waren nun auch aus der Region Wil verbannt. Es scheint, dass die meisten Hinterthurgauer, die den Toggenburgern die Treue hielten, nun definitiv die Seite wechselten. Conrad von Horben war 1244 noch Zeuge in einer Urkunde der Toggenburger. Im zweiten Bevölkerungsver zeichnis der Stadt Wil aus dem dritten Viertel des 13. Jahrhunderts sind «du von Horwen» aufgeführt. Auch andere Familien wechselten die Seite und zo gen nach Wil, wie die Liste der Schultheissen der Stadt zeigt. Wernhard von Moos (1266), Conrad von Münchwil (1284), Amur von Horben 1333), Johann von Littenheid 1338/46), Johann von Münchwilen (1344/46), Jakob von Langenhard (1404/08) etc. wurden Schultheissen der Stadt. (Seiler Geschichte von Wil)
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Das Amt Tannegg wird noch einmal an die Toggenburger verpfändet Um 1380 verpfändete der Bischof das Amt Tann egg erneut an Donath von Toggenburg. Warum er dies tat, ist nicht bekannt. Der Besitzer einer Herr schaft hatte mehr oder weniger freie Hand, wieviel er an Steuern, Gebühren und Bussen von den Un tertanen fordern wollte. Offenbar war dies für die Bevölkerung unerträglich. Sie wünschten sich, wie der unter die Obhut des Bischofs zu gehören. Die Bevölkerung des Tannegger Amtes erkaufte sich – mit grossem finanziellen Opfer – die immerwäh rende Unterstellung unter das Bistum.
Freiheitsbrief von 1409 durch Bischof Albrecht von Konstanz Ausschnitt einer verkürzten Ausgabe in der Ge schichte von Sirnach, A II 25: «Wir, Albrecht, von Gottes Gnaden Bischoff ze Costenz, tuond kunt und verjehent (verkünden) dess öffenlich mit diesem Brieff: Als unser und unser Gottshus Vesti und Burg Tannegg in Turgöw und die Rechte des Gottshus ze Vischinen mit den Kelnhöfen und den Lüten, so darzuund darin gehörent, lang Zit verpfändet und in Pfandeswis gestanden
– darumb die Lüt, so darzu und darin gehörent, viel Tranges (Bedrängnis) und Kummer gehabt han – da sigent wir dess überekommen, dass wir das selb Pfand wider zu unser und unsers Gottshus Handen erlediget und erlöst habent. An der selben Lösung uns aber die obgenannten Lüt ze Hilf geben hand vierzechenhundert Pfund guter Heller Costenzer Wärung und das Gottshus ze Vischinen sechshundert Pfund.» Bischoff Albrecht verpflichtete sich und alle seine Nachfolger, das Amt Tannegg nie mehr ohne Ein willigung der Bewohner und des Klosters zu ver setzen, zu verleihen oder zu verkaufen. Wie die 1400 Pfund von den Einwohnern eingezogen wur den, ist nicht zu erfahren. Dieser Freiheitsbrief schützte die Bevölkerung vor der «Privatisierung» des Amtes Tannegg. Der ehemalige Mönch des Klosters und – nach der Reformation – der evan gelische Pfarrer der Pfarrei Dussnang, Andreas Egli, wurden auf eigenen Wunsch am 19. Dezem ber 1532 von den 10 eidgenössischen Orten als Schaffner für die Bewirtschaftung der Ökonomie des Klosters angestellt. Schon 1535 wollte er das Amt Tannegg vom Bischof abkaufen. Die Bevölke rung wehrte sich. Sie gelangten am 13. Septem ber vor die Tagsatzung mit dem Freiheitsbrief, der dem Bischof verbot, das Amt ohne Einwilligung des Volkes zu versetzen, zu verpfänden oder zu ver kaufen. Der Handel kam dank diesem Freiheits brief nicht zustande. Nach diesem Exkurs in die Entwicklung des Hin terthurgaus zurück zur Geschichte von Hurnen.
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Unterschiedliche Vergangenheit von Eschlikon, Wallenwil und Hurnen
Eschlikon Eschlikon gehörte während Jahrhunderten zur Landgrafschaft Thurgau. Gerichtet wurde an den sogenannten Landtagen, die an verschiedenen Or ten abgehalten wurden. Die männlichen Bewoh ner mussten daran teilnehmen. Als Richter fun gierte ein von der Obrigkeit ernannter Landrichter oder Landvogt. Oft fand dieser Landtag in Eschli kon statt. Im Juni und Juli 1294 wurde unter dem Landrich ter Hermann von Bonstetten in Eschlikon unter der Linden, im Namen von König Adolf von Nassau, ge richtet. Am 15. Juni 1316 war Diethelm von Kre kingen als Landrichter in Eschlikon. Weitere Landtage fanden 1378, 1393, und 1398 in Eschlikon durch den Landrichter der Grafschaft Thurgau, Albrecht von Bussnang, im Namen der Herzöge von Österreich statt. Nach der Eroberung des Thurgaus durch die Eid genossen im Jahr 1460 war es der von den Stän den der alten Orte ernannte Landvogt, der die
Bildausschnitt aus «Geschichte von Sirnach» A II S. 48. Das Bild wurde vom Historischen Verein Thurgau 1861 gezeichnet. Die braun gefärbten Flächen sind die Orte, die zum Tuttwiler Gericht gehören.
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Unterschiedliche Vergangenheit von Hurnen, Eschlikon und Wallenwil
richterliche Tätigkeit ausübte. Das sogenannte Blut- oder Malefizgericht richtete die schwe ren Vergehen. Noch zu Beginn des 16. Jahrhun derts bestand für Eschlikon und einige Weiler um den Tuttwiler Berg keine niedere Gerichtsbarkeit. Streitigkeiten wurden direkt vom Landgericht in Frauenfeld behandelt. Die Karte zeigt braun das Gericht am Tuttwilerberg Zu den ältesten, 1325 in den Urkundenbüchern namentlich erwähnten, Einwohnern von Wallen wil und Eschlikon gehörten der Fry von Wallen wil und der Fry von Eschlikon. Sie gehörten nicht dem Stand des niederen Adels an, sondern waren freie Bauern. 1338 verleihen Schwester Anna, die Äbtissin, und der Konvent des Klosters Magdenau den «erberen lüten Mechthilten, Johannes seligen des Vrien von Eschlinkon elich wirtennen und ihren sunen Ulrich und Cunraten, unseren halben hof, heizet der kelnhof ze Eschlincon.» Die Mutter Mechtilde und ihre Söhne erhielten den Hof zum gleichen Zins, wie ihn der verstorbene Vater hatte. Dieser Hof, den Amor von Luterberg zu Lehen hatte, wurde von drei Brüdern des Gra fen von Toggenburg 1335 dem Kloster Magdenau übertragen. Dieses Beispiel zeigt, dass Gerichtsherrschaft und Grundbesitz meistens getrennte Wege gingen. Die Toggenburger besassen einen Hof in Eschlikon, aber nie herrschaftliche Rechte.
Um 1550 setzte der Vogt, Hans Ammann von Frau enfeld, ein Gericht für die kleineren Vergehen, für die Abwicklung von Kaufverträgen und die Erstel lung von Schuldbriefen ein.
Das Gericht am Tuttwilerberg Dieses bestand aus · den äusseren Gemeinden: Tuttwil, Anetswil, Lachen, Eggetsbüel, Heiter schen. (Ohne Krillberg und Buch, diese Orte waren eigene Vogteien und durch den Kauf des Klosters Fischingen zu Beginn des 15. Jahrhunderts dem Amt Tannegg einverleibt) · den vorderen Gemeinden: Münchwilen, Holzmannshaus und Hofen. (Oberhofen gehörte zum Tannegger Amt) · der hinteren Gemeinde: Eschlikon (mehr über die Gemeinde Eschli kon, siehe: Paul Geiger «Geschichte von Eschlikon» Seite 24 ff, Basel 1921)
Wallenwil Wallenwil war 827 ein Lehen des Klosters St. Gal len, vermutlich auch nach einer Schenkung ans Kloster. Gemäss den wieder einsetzenden Urkun den war Wallenwil an die Freiherren von Bussnang verpfändet. Durch Agnes von Bussnang gelangte Wallenwil als Mitgift an ihren Ehemann Freiherr Willhelm von Enne (aus dem Tirol).
Unterschiedliche Vergangenheit von Hurnen, Eschlikon und Wallenwil
1380 verkauften sie Wallenwil für «274 Pfund Pfennig guter Konstanzer Münz» an Heinrich der Mayer den Schmied von Tannegg der nach Winterthur zieht und dort Bürger wird. Seine Kinder verheira ten sich in Winterthur, deshalb tauchten Familien namen auf, die es im Hinterthurgau nie gegeben hatte.
1406 Adelheit (minderjährig) erbt Wallenwil und über gibt ihrer Mutter Anna Rüdger die Nutzniessung. 1419 Nach dem frühen Tod von Adelheit erben ihre Tanten, Ita und Elisabeth, die Gerichtsherrschaft Wallenwil.
Die Kinder des Heinrich der Mayer Hans
Ita
Elisabeth
† 1406 verheiratet mit Anna Rüdger
verheiratet mit Hans Balber
verheiratet mit Hans Trub
Margaretha
Adelheit
verheiratet mit Jakob Ratgeb Bürger von Konstanz
† 1419 ledig
1420 Rekurs von Jakob und Margaretha Ratgeb, dadurch erhalten sie vom Abt Heinrich von St. Gallen ganz Wallenwil, J. und M. Ratgeb verzichten zu Gunsten der Verwandten auf die Hälfte. Hans Balber und Hans Trub erhalten je einen Viertel. 1421 J. Ratgeb erwirbt den Viertel von Hans Balber.
1422 Ratgeb verkauft alle drei Viertel an Heini Schnider von Müllheim, Bürger von Wil. 1428 Schnider erwirbt auch noch den Viertel von Hans Trub.
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Unterschiedliche Vergangenheit von Hurnen, Eschlikon und Wallenwil
Drei Söhne von Haini Schnider verkaufen 1438 das Dorf und die Güter an Haini von Riken. Dies betrifft die Höfe von Wallenwil und nicht die Herrschaft, denn Haini von Ricken vertrat 1474 die Bauern in einem Streit mit Züst dem Inhaber des Widumho fes von Wallenwil. Man kann wohl davon ausge hen, dass dieser Haini von Riken der Stammvater der Rickenmannen wurde. 1501 ist Lienhard Schnider von Wil alleiniger Besitzer.
Die Söhne und Tochtermänner des Lienhard Schnyder Judokas
Barbara
Clara
Leutpriester in Wuppenau
verh. mit Konrad Ledergerw
verh. mit Huber
Lienhard Steffan
Els
Diese Söhne und Tochtermänner von Lienhard Schnieder liessen 1509 die von alters her gelten den Hofrechte in einer umfangreichen «Offnung» aufzeichnen. Die Familie Schnieder verkaufte schon 1512 alle ihre Ansprüche auf das Dorf dem Heilig-Geist Spi tal zu Wil. Bis 1798 wurde Wallenwil von einem Vogt aus Wil verwaltet.
Das «Spital» gehörte der Stadt Wil und war ein Pfrundhaus oder Altersheim, in das sich vermö gende Ehepaare oder Einzelpersonen aus der Stadt für ihre alten Tage einkaufen konnten. Ursprüng lich war es ein Heim für alte und kranke Personen aus der Stadt. Wenn der Vogt von Wil zum Gerichtstag erschien, mussten ihm die Wallenwiler ein Huhn für den Ha bicht und ein Brot für den Hund liefern. Der Vogt hatte das alleinige Jagdrecht in den Wallenwiler Wälder. Zu Wallenwil gehörte ein Landstrich in der Breite der späteren Gemeinde Wallenwil, quer über das Tal mit dem Wald bis hinauf an die heutige Gemeindegrenze zur Gemeinde Wängi. Das Heilig-Geist Spital hatte keinerlei Grundbesitz, nur herrschaftliche Rechte in Wallenwil. Die Bau ern waren Eigentümer ihrer Liegenschaften. In der Offnung von 1509 wurden Einschränkungen beim Verkauf festgeschrieben. Die Offnung von Wallenwil umfasst 67 Artikel. Das Original ist im Stadtarchiv in Wil.
Hurnen Hurnen war bis 1812 nie eine Gemeinde. Es ge hörte während mehr als 1000 Jahren zur Gerichts herrschaft Tannegg.
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Geschichte von Hurnen und Umgebung im Mittelalter
Schon früh stellte ich fest, dass es rund um Hur nen von Burgstellen «wimmelte». Folgende von Historikern kaum bearbeitete Fra gen beschäftigten mich: · Warum sind an idealen Orten wie Hacken berg, Stutz oder Säntisblick nie Burgen er stellt worden? · Warum entstanden auf derart engem Raum so viele Burgen? · Warum wurden diese Burgen an strategisch fast wertlosen Orten gebaut? · Warum erstellten sie mit einem riesigen Auf wand einen künstlichen Burghügel? Zum besseren Verständnis jener Zeitepoche ist noch das Waffenrecht der Bauern zu beachten.
Siegfried Karte mit den eingezeichneten Burgstellen 1 Sirnach 2 Büfelden 3 Horben 4 Wiezikon 5 Winegg 6 Langenhard 7 Moos 8 Hurnen 9 Luterberg 10 Anwil 11 Littenheid 12 Chranzenberg 13 Dussnang 14 Oberwangen 15 Schönau 16 Tannegg 17 Niederwies, 18 Schwäbisberg
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Geschichte von Hurnen und Umgebung im Mittelalter
Waffenrecht der Bauern ab dem 11. Jahrhundert (siehe Dr. Hans Fehr: «Das Waffenrecht der Bau ern im Mittelalter») «Das Waffenrecht ist ein Recht, welches seinem Träger eine Vorzugsstelle einräumt. Wer das Waffenrecht besitzt ist waffenfähig, was in der Anschauung des Mittelalters eine Besserstellung gegenüber dem Nichtwaffenfähigen bedeutet. Der Entzug der Waffenfähigkeit war eine schwere Strafe von Missetätern.»
«Da die Bauern oft bei der Ernte überfallen und die Produkte abgeführt wurden, erhielten die Bauern im 11. Jahrhundert einen besonderen Schutz.» (Fehr, Seite 118) «Der Bauernstand als solcher ist geschützt bei der Arbeit, im Dorfe, auf der Reise, wo immer sich der Mann befindet. Die Fehde gegen den Bauer ist schlechtweg unrechtmässig. Der Bauer ist vollkommen fehdeunfähig». (Fehr, Seite 136) Die Kehrseite der Medaille war das Waffenverbot für die Bauern.
Das Waffenrecht basiert auf fünf Elementen; · dem Recht, immer und überall eine Waffe zu tragen; · dem Recht bzw. der Pflicht der Heerfolge, d.h. der Beteiligung an einem Heereszug zu einem Angriffskrieg; · dem Recht bzw. der Pflicht der Landfolge, d.h. der Heeresbeteiligung zum Zwecke der Verteidigung; · dem Fehderecht, d.h. dem Recht auf Persön liche Rache eines jeden Verletzten, dem eine fehdewürdige Tat zugefügt wurde; · dem Recht, einen Rechtsstreit mittels be waffnetem Zweikampf zu entscheiden.
Waffenverbot für die Bauern «Der Reflex des Friedensschutzes, der den Bauer umgab, war das Waffenverbot. Der dem Fehderecht entzogene Bauer bedurfte der Waffe nicht. Er brauchte sich nicht zu schützen. Das Recht schützte ihn mit seinem Frieden. Er sollte sich aber auch keiner Angriffswaffe bedienen; denn das aktive Fehderecht war ihm abgesprochen». Wer Bauernarbeit verrichtete, durfte keine Waffe tragen. Wer eine Waffe trug, durfte keine bäuerli che Arbeit leisten. Die Bauern, die unter der Ge richtsherrschaft der Toggenburger lebten und von den Toggenburgern zu Kriegsdiensten aufgeboten wurden, durften also keine aktiven Bauern mehr sein. Ob dies aus Pflichtbewusstsein oder aus
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Standesdünkel geschah, ist nicht feststellbar. Die Bauern, die für die Toggenburger bewaffnet wurden und Kriegsdienste leisteten, bauten eine Burg. Die ursprünglichen Überlegungen – Schutz und Sicher heit vor Überfällen – dürften, wenn man die Burg stellen betrachtet, kaum mehr der Hauptgrund ge wesen sein. Vielmehr waren es standesgemässe Behausungen nach Vorbild des höheren Adels, weg von der Bauernarbeit. Nun spielten aber die grundrechtlichen Fakten eine Rolle. Die Bauern konnten ihre Burgen nur auf dem eigenen Land bauen oder eventuell auf einem Le hen der Toggenburger. Dies erklärt die vielen Burgen. Von allen Höfen re krutierten offenbar die Toggenburger im Investitur streit ihre Kriegsmannschaft. Worauf diese Män ner sich von der Landwirtschaft trennten und für sich ein Wohnhaus bauten, nach dem Vorbild des höheren Adels eben eine Burg. Die Frage, warum an idealen Orten wie Hacken berg, Stutz oder Säntisblick nie Burgen erstellt wurden, ist damit beantwortet. Die Bewohner der Gemeinden Wallenwil, Herderen, Eschlikon, Holz mannshaus und Münchwilen waren nie Diener der Toggenburger oder eines anderen Adeligen.
Die Hügel Hackenberg, Stutz und Säntisblick be fanden sich seit jeher in diesen Gemeinden und konnten deshalb auch nicht von irgendwelchen «Kriegern» als Burghügel benutzt werden. Ganz konkret heisst das auch, dass die jungen Bauern vom Hof Hurnen nicht am idealen Standort Stutz bauen konnten, denn der oberste Teil des Stutzes und die Spitze des Hackenberg gehörten nie zum Hof Hurnen, sondern seit jeher und heute noch zum Hof Wallenwil. Auf allen diesen urkundlich nachgewiesenen Hö fen entstand eine Burg.
Alle diese Burgherren kämpften im Investiturstreit im Heer der Toggenburger auf der Seite des Bischofs.
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Das «Burgenland» um Hurnen und Horben
Sirnach (Nr. 1)
Es ist für mich überraschend, dass die Geschichte der vielen Burgen des niederen Adels im Hinter thurgau und den angrenzenden St. Gallischen Gemeinden im Zusammenhang mit den Toggen burgern überhaupt nicht erforscht wurde. Die Ge meinde Kirchberg hatte einst 17 Burgstellen.
Gloten
«Die Edle von Sirnach so oben im Dorf ihr Adelssitz gehabt».
«in diesem Hof ist auch das Schloss annod Schlösslein genannt gehört als ein Teil dem Erblehenhof Stocken oder Waltersholz genannt.» (heute Ge meinde Bettwiesen)
Littenheid (Nr. 11) Kantonsarchivar Dr. Bruno Mayer hat verschie dene, hervorragende Arbeiten über die Geschichte des Klosters Fischingen verfasst. In «Fischingen das bischöfliche Kloster», Seite 74 Anm. 108 schreibt er 1976: «Eine Untersuchung über die Burgen, Ministerialen und Rechte der Toggenburger im Thurgau vor und nach 1226 ist im Rahmen des gesamten Adels des Gebietes unbedingt notwendig.» Bis heute ist das nicht geschehen. Für die Ge schichte des Hinterthurgaus ist das besonders bedauerlich, waren doch die Toggenburger für die vielen Burgen verantwortlich. Im Ämterbuch des Klosters Fischingen, verfasst von einem seiner Mönche zu Beginn des 17. Jahr hunderts, sind u. a. folgende Adelssitze mit den beigefügten Texten und mit kolorierten Wappen erwähnt.
«hinder dem Weier Mooswangen stosst an Busswil und sieht man noch die Indera des zerstörten Schlosses. Heinrich von Littenheid vergabte 1425 dem Kloster Vogtei und Hof Littenheid.» Littenheid war ein «Wasserschloss». Es hatte einen Wasser graben rund um das Schloss. Johann von Littenheid war 1338/40 Schultheiss der Stadt Wil.
Die Burg der von Horben (Nr. 3) Wie die allermeisten Mitglieder des niederen Adels werden auch die von Horben erst im 13. Jahrhun dert namentlich erwähnt. Konrad von Horwen war 1244 als Zeuge in einer Urkunde der Grafen von Toggenburg auf der Burg in Gloten anwesend. Die von Horben waren Ministerialen der Toggenburger. Sie wechselten nach den Kämpfen der Toggenbur ger gegen das Kloster St.Gallen die Seite und wur den um 1250 Ministerialen des Klosters St. Gal len und zogen nach Wil. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts sind «die von Horwen» im
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Bevölkerungsverzeichnis der Stadt Wil aufgeführt. Das letzte Mal als Ministerialen der Toggenburger ist Conradus von Horwen 1249 als Zeuge in einer Toggenburger Urkunde erwähnt, in der vier Brüder von Toggenburg die Vogtei Breitenau dem Klos ter St. Johann im oberen Toggenburg vermachten. Zeugen waren auch noch «Hermanus de Bürveld» und «Dietricus de Münichwiler» (bei Müselbach).
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Die von Horben müssen begütert gewesen sein. Abt Hiltpolt von St. Gallen verkauft am 9. Juni 1320 dem Amur von Horben und seiner Frau «Adelhait», «siner ehlichhen wirten», der 38 Stuck Kernen Wiler messes und 20 Stuck Kernen von der oberen Mühle an Zins abwirft, für «fünfzig Mark silbers, Constenzer gewaegs». (Stuck ist ein Einheitsbegriff für «1 Mütt Kernen, 1 Malter Hafer, 50 Burden Stroh,
1254 waren Conradus von Horwen und Dietricus von Münchwilen Zeugen bei einer Schenkung des Abtes Berchtold von St. Gallen an das Kloster Rüti. Die beiden sind nun Ministerialen des Abtes von St. Gallen geworden. 1271 und 1294 wird Amor von Horben, wohl ein Sohn von Conrad, als Zeuge des Abtes von St. Gal len erwähnt. Amor war mit einer Ita verheiratet, sie hatten die Söhne Amur, Conrad und Johann. Im Jahr 1318 verkaufte die verwitwete Ita von Hor ben mit ihren drei Söhnen – mit der Zustimmung des St. Gallischen Lehensherrn – ein «Eigenweib» an das Kloster Fischingen. 1318 war Amor bereits gestorben, so dass es sich bei Amur von Horwen, der am 19. Oktober 1317, Zeuge bei Landkaufverhandlungen war, bereits um seinen Sohn handeln dürfte. Dieser Amur heiratete eine Frau namens «Adelhait». Am 20. Februar 1320 ist Amur Zeuge, als die Her ren von Bichelsee die Alttoggenburg dem Kloster St. Gallen verkauften.
Dieses Siegel der Edlen von Horben hängt an der Urkunde vom 9. Juni 1320. Von diesem Siegel leiteten die historischen Heraldiker das Wappen der Ortsgemeinde Horben ab.
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Der Standort der Burg der von Horben In der Mitte des Bildes ist noch der quadratische Standort der ehemaligen Burg erkennbar. Ein Beispiel wie genau die Historiker früherer Jahre unsere Gegend kundschafteten. Sie setzten die Burg Horben ins Toggenburg, da in Horben nichts von einer Burgstelle zu finden sei. Der «Burghügel» bekam noch eine historische Bedeutung.
400 Eier 50 Maas Milch» etc. 1 Mütt = 100 bis 150 Liter). Bemerkenswert ist, dass Adelhait mit er wähnt wird. Sie wurde offenbar Miteigentümerin. Am 7. August 1329 ist Amur Zeuge bei einer St. Galler Urkunde, mit den Nachbarn Amur von Luter berg und Diethelm von Moos. 1333 ist Amur von Horben zum Schultheiss von Wil aufgestiegen. Amurs Bruder Conrad heiratete Ka tharina von Eppenberg. Eine interessante Urkunde
ist diejenige vom 13. Oktober 1338. Der Gatte von Katharine, Heinrich von Eppenberg, seine Schwes ter – «die Cunratz selgin des Horwers elichü husfrouw» – und seine Freunde versöhnten sich mit der Stadt St. Gallen und ihren Helfern wegen der Be schädigung der Burg zu Eppenberg. Offenbar hat ten die Bürger der Stadt St. Gallen neben der Burg Eppenberg auch verschiedene Adelige aus dem Hinterthurgau geschädigt. Heinrich von Eppenberg verzieh den St. Gallern unter Eid und versöhnte sich mit ihnen auch im Namen seiner Schwester Katharina, der Witwe von Conrad von Horben. Auch schloss er seine Freunde, darunter die bei Hittin gen in den Eid ein. («Geschichte der Stadt Wil» von C. G. J. Sailer, S. 188) Im Sommer 1958 rutschte der Bahndamm in Eschlikon langsam in die Lehmgrube der Ziegelei. Um diesen Schaden zu beheben, beschlossen die von der SBB beigezogenen Geologen, den erwähn ten Burghügel abzutragen und den durch Ablage rung am Rand der Lehmgrube entstandenen Bahn damm zu stabilisieren. 16 Transportunternehmen wurden dazu verpflichtet. Die Transportunternehmer hatten damals nur Lastwagen mit geringen Kapazitäten. Trotz die sem grossen Aufwand konnte das weitere Abrut schen nicht gestoppt werden. Erst der Ratschlag des Eschliker Landwirtes Otto Roggensinger, die Grube mit Wasser zu füllen, brachte Erfolg. Dies bescherte der Gemeinde Eschlikon erst noch ein einmaliges Naturschutzbiotop. Die vielen Fahrten der Lastwagen hatten allerdings schwerwiegende
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Folgen. Die Reparatur der zerstörten Strasse kos tete 32 000 Franken. Weder die Transportunter nehmen noch die SBB waren bereit diese Kos ten zu bezahlen. Die Gemeinden zogen als Anwalt den späteren Bundesrat Dr. Kurt Furgler bei. Er er reichte, dass die Kosten dreigeteilt werden, SBB – Unternehmen – Gemeinden. Die Gemeinden Hor ben, Eschlikon und Sirnach waren beteiligt. Die Frauen der von Horwen Sie machten Karriere im Kloster Magdenau. Ama lia wird 1330 und 1332 als Äbtissin erwähnt. Ka tharina von Horben, Witwe des Heinrich von Ep penberg, tritt nach dessen Tod ins Kloster ein und wird 1353 bis 1365 als Äbtissin erwähnt. Auch eine Adelheid von Horwen wurde Klosterfrau in Magde nau. Die Frauenklöster waren eine wichtige Institu tion für adelige Töchter, und auch für jung verwit wete Frauen, die am Heiratsmarkt keinen Partner mehr fanden. Hier erhielten sie Unterkunft, Ver pflegung, Arbeit und ein Gott verpflichtendes Le ben in der Gesellschaft.
von Langenhard (Nr. 6 Hof Gupfen) In den Thurgauer Urkundenbüchern werden die von Langenhard den Ortschaften Langenhard bei Müllheim oder im Tösstal zugeordnet, dies in Un kenntnis der örtlichen Gegebenheiten im Hinter thurgau. Um zu beweisen, dass die von Langenhard «zu uns gehören» (am östlichen Ende des Moos holzes), sind nachfolgend alle Eintragungen der von Langenhard in den Thurgauer Urkundenbü chern erwähnt.
Der abgerutschte Bahndamm von Ost und West
Erstmals erwähnt wird ein Spross 1249 in einer Urkunde der Toggenburger: «Eberhardus de Langinhard milites» (Ritter) ist Zeuge neben 8 ande ren Adeligen aus dem Hinterthurgau und dem un teren Toggenburg, darunter «Hermanus de Burvelt und Conradus de Horwon». 1259 schenkte «Hermannus de Burfeld miles» und seine Frau Ita dem Kloster Fischingen ihre Besit zungen «in villa Burfeld». Als Zeuge war u. a. «Eberhardus de Langenhart» anwesend. In der Urkunde vom 19. August 1303 verkauft Eberhard von Bichelsee mit Einverständnis seiner fünf Söhne dem Abt von Fischingen eine Hörige von Tuttwil für «umbe driu pfunt pfenninge, Zuricher munze, und umbe driu pfunt pfenninge Costenzer munze». Als Zeugen unterschrieben unter andern
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Heinrich, der Leutpriester von Sirnach, die Brüder Johann und Walter von Landsberg, die Brüder Wal ter und Johann von Langenhart, Walter, der Am mann von Bichelsee, Rudolf, der Chelner von Sir nach, Heinrich, der Huber von Sirnach, Johann von Anetswil. Wie in allen anderen Urkunden ist kein Name aus dem Tösstal oder der Region Müllheim unter den Zeugen.
Am 20. Februar 1320 verkaufen die Brüder Hilt bolt, Walther, Eglin, ihre Schwester Elsbethe von Bichelsee und ihre verwitwete Mutter Adelhaid von Anwil aus Not die Burg Alt-Toggenburg und das da zugehörige Burglehen zu Niederbüren. Walter von Langenhard wird hier als Vogt der Witwe Adelhait bezeichnet. Sein Bruder Johannes von Langenhard befindet sich unter den Zeugen.
Am 28. September 1310 treten die Grafen Frie derich und Kraft von Toggenburg dem Abt von Fi schingen alle Ansprüche auf drei hörige Familien aus Schalchhusen (Gemeinde Kirchberg), Zezikon und Buhwil ab. Unter den Zeugen sind neben Wal ter von Langenhart, Ulrich von Münchwil (bei Mü selbach), Friedrich von Lamprechtswil (Lamperswil Gemeinde Kirchberg), der Schultheiss von Lichten steig und H. Blödeli, der Ammann von Tannegg.
Am 10. Oktober 1349 teilte Johannes von Langen hard dem Bürgermeister und dem Rat von Zürich mit, dass er vom Freiherr Junker von Matzingen und Pfulwe von Luterberg zu einer Fehde einge laden wurde. Da habe er gemerkt, dass es gegen Zürich ginge. Dies war die Vorbereitung der Zür cher Mordnacht vom 23. Februar 1350, die miss lang und dem Freiherrn von Matzingen das Leben kostete.
Urkunde vom 2. Mai 1319: «Die Grafen Kraft und Friedrich von Toggenburg, Konstanzer Domherren und des Letzteren Bruder, Graf Diethelm, bewilligen dem Johannes von Langenhart in Abgang von Söhnen, den Zehnten zu Eschlikon und die Bühlershub zu Dietschwil seinen Töchtern (Guta, Katharina, Adelheid) zu vererben». Die Toggenburger besassen in Eschlikon einen grossen Hof, «Kelnhof» genannt. Solche Lehen gin gen der Familie verloren, wenn keine männlichen Nachkommen vorhanden waren. Deshalb steht in dieser Urkunde, dass die Töchter den Zehnten er hielten «…als ob sie Söhne wären».
Am 2. März 1366 erhält Johannes von Langenhard Sohn, Vogt von Rapperswil, vom Bischof von Kon stanz die Burghut (die Burg «hüten, betreuen, pfle gen») der Burg Tannegg. Er erhält dieses 15 Mütt Kernen abwerfende Burglehen, weil der bisherige Inhaber, Diethelm von Moos darauf verzichtete. (1 Mütt = 100 bis 115 Liter) Am 20. Dezember 1381 verkaufen die Brüder Hans und Rutschmann von Langenhard das Burgsäss zu Tannegg, das jährlich 25 Mütt Kernen, Wiler Mass, abwirft, dem Ritter Hermann von Büel für 200 Gul den als Burglehen vom Bistum Konstanz.
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Eine interessante Urkunde ist die vom 5. Dezem ber 1382 über die Turmhut von Tannegg: «Bischof Heinrich von Konstanz urkundet, dass der Ritter Hermann Büeler die Quart des Zehnten zu Eschlikon, einen Zins von 10 Mutt Kernen, den man früher dem Johann Langenhart wegen der Burghut zu Tannegg ausrichtete, und 15 Mutt Kernen, die man Diethelm von Moos ebenfalls wegen der Burghut ausrichtete, gekauft hat. Diese Burglehen verleiht ihm der Bischof, nach dem Johann von Langenhart und Diethelm von Moos darauf verzichteten.» 20. Juni 1383: Bischof Heinrich III. von Konstanz erlaubt Johannes von Langenhard 90 Mutt Kornzin sen aus Zehnten und Zehntquarten von verschiede nen Höfen: Rossrüti, Gloten, Züberwangen, Litten heid etc. und privaten Personen aus Wil für «333 Pfund Konstanzer Pfenning» loszukaufen. Johannes von Langenhard verpfändet drei Tage später alles seiner ehelichen Frau, Elisabeth von Helmsdorf. Am 9. April 1388 kamen die erwähnten Johan nes von Langenhard und Hermann von Büel in der Schlacht in Näfels ums Leben. Unter den 1800 To ten befanden sich auch Heinrich von Luterberg, Be ringer von Lommis, sieben Landenberger, die alle in einem Garten beieinander lagen, und viele ade lige Ritter und Knechte. Rutschmann von Langenhard verkauft am 5. Januar 1390 seinen Eigenmann «dem ehrbaren Knecht
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Hans Schneider von Balterswil, ehelichen Sohn des Konrad Huber selig von Bichelsee, um 7 Pfund Haller dem Abt Johannes und dem Konvent des Gotts hauses Fischingen.» Standort der Burg Der Standort ist meine «Erfindung». In den Thurg. Urkundenbüchern sind die von Langenhart meis tens bei Langenhart im Tösstal angesiedelt wor den. Laut dem Schweizer Burgenbuch gab es im Umkreis von 4 km des Tösstaler Langenhart sechs Burgen. Selbst die Kyburg ist nur fünf Kilometer entfernt und hat in ihrer nächsten Umgebung wie der vier Burgstellen. In den vielen Urkunden, die
An dieser Urkunde von 1390 hängt das Siegel. Es zeigt immer das gleiche Bild: Ein geschwungenes Steinbockgeweih im Dreieck. Jakob von Langenhard ist 1404 und 1408 als Schultheiss der Stadt Wil erwähnt. Die Siegel der von Langenhard sind schon 1260 vorhanden.
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in den Urkundenbüchern erwähnt werden, sind mit den «von Langenhard» immer auch einer oder mehrere ihrer «Nachbarn» von Moos, von Horben, von Luterberg, von Büfelden erwähnt. Nicht ein einziges Mal ist eine der vielen Zürcher Burgen erwähnt. Gemäss der zitierten Urkunde können die von Langenhard nicht im Tösstal platziert wer den. Die Burgstelle muss in der Umgebung der schon erwähnten Burgstellen liegen. Hard bedeu tete einen steilen bewaldeten Abhang. Das Moos holz beginnt im Osten, nach Süden gerichtet mit einem 600m langen steilen Abhang, einem «langen Hard». Ich konnte am eingezeichneten Ort fest stellen, dass eine zusammengebaute Burg von ca. 2 x 9 x 9 Metern bestanden haben muss. Es ist denn auch mehrfach in den Urkunden von den «Gebrüder von Langenhard» die Rede. Gemäss den vielen Urkunden mit Bezug zum Hinterthurgau kann ein Stammbaum über 5 Generationen erstellt werden.
2. Generation 1303 Walter und Johannes (Brüder) 1310 Walter 1319 Johannes. Seine drei Töchter erben, weil keine männlichen Nachkommen vorhan den sind. 1320 Walter, Vogt der Witwe Adelheid von Bichelsee-Anwil 1320 Johannes Zeuge 3. Generation 1349 Johannes von Langenhart (Siegel: braune Maltha mit einem Steinbockgeweih) 1358 Johannes von Langenhart. (Da Johannes keine männlichen Nachkommen hatte, muss dieser Johannes ein Sohn von Wal ter gewesen sein.) 1366 Johannes der Jünger, Vogt von Rappers wil erhält das Burglehen von Tannegg von Diethelm von Moos.
Stammbaum der von Langenhart Wie bei allen Adeligen im Hinterthurgau beginnt die Erfassung in den Urkunden erst im 13. Jahrhundert. 1. Generation 1249 Eberhardus 1259 Eberhardus 1260 Eberhardus 1262 Eberhardus 1266 Eberhardus
4. Generation 1382 Johannes, Inhaber der Burghut Tannegg 1382 Die Brüder Johanns und Rutschmann von Langenhart verkaufen das Burgsäss zu Tannegg, dem Ritter Hermann von Büel für 200 Gulden. 1383 Johannes verheiratet mit Elisabeth von Helmsdorf 1388 Johannes von Langenhart stirbt bei der Schlacht von Näfels, (mit Heinrich von Luterberg und Hermann von Büel) 1390 Rutschmann von Langenhart verkauft einen Eigenmann.
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5. Generation 1397 Hans der klein Langenhart. Dass es sich hier um einen Sohn von Johannes oder Rutschmann handelt, darf angenommen werden. 1404 – 1408 Jakob von Langenhart wird als Schultheiss von Wil erwähnt.
Von Büfelden (Nr. 2) und ihre Bewohner Eintrag im Ämterbuch: «Das Schloss Büfelden ohnweit von Hofen ist das Stammhaus der Edlen von Büfelden sind Mittstifter des Gottshaus Fischingen.» Auch dieses Geschlecht ist erst im 13. Jahrhundert urkundlich erfassbar. Das Wort Mitstifter ist unge nau. Sie schenkten 1259 ihre Besitzungen dem Kloster «in villa Burfeld». Der Standort der Burg ist aus meiner Überzeu gung nicht ein Herrenhaus im Dorf, wie Puppiko fer und andere schreiben, sondern eines oberhalb des Dorfes auf dem kleinen Hügel. Die Strassen wurden in früheren Jahrhunderten mit möglichst wenig Aufwand erstellt. Man wich Sümpfen und Mooren aus und mied verständlicherweise grosse Erdbewegungen. Ein solcher Einschnitt wäre, nur um ein wenig schneller in Sirnach zu sein, kaum getätigt worden. Den Geländeeinschnitt, der spä ter als Strasse benutzt wurde, veranlassten sehr wahrscheinlich die Burgherren.
Die frühere «Hauptstrasse» von Hurnen nach Sirnach führte durch die «hole Gasse» neben der «Burg». Die Borde links und rechts der Strasse waren bis zur Güterzusammenlegung in Sirnach gleich hoch und wurden auf beiden Seiten etwas abgetragen. Diese Strasse ist schon uralt.
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Wappen der von Büfelden aus dem Ämterbuch. Im Ämterbuch steht denn auch: «waren edle Wohltäter des Klosters.»
Die Bewohner Nicht sehr viel ist von den Herren von Büfelden zu erfahren. Hermanus von Burefeld ist in den Jahren 1249 –1271 viermal in Urkunden erwähnt. Am 19. Januar 1249 war er auf Schloss Iberg Zeuge in ei ner Urkunde der Toggenburger. Neben ihm waren auch noch Conrados de Horwon, Dietricus de Mü nichwiler und Eberhardus de Langinhard als Zeu gen anwesend. Die vielen Urkunden, in denen die Ministerialen der Toggenburger als Zeugen amte ten, zeigen, dass diese nicht nur Kriege führten, sondern oft auch angenehme Seiten erlebten. Man kann davon ausgehen, dass es nach solchen Ver tragsabschlüssen gemütlich zu- und herging! Am 1. Mai 1259 schenken Hermanus miles (Rit ter) de Burefeld und seine Frau Ita ihre Besitzungen «in villa Burfeld» dem Kloster Fischingen. Sie behal ten sich die lebenslängliche Nutzniessung gegen
einen jährlichen Zins vor. Schon dies deutet dar auf hin, dass sie keine Nachkommen hatten. Diese Urkunde beweist auch, dass sie nicht zum Kloster St. Gallen wechselten, sondern den Toggenburgern oder vor allem dem Kloster Fischingen treu blie ben und es finanziell unterstützten. In den Jahren 1261 und 1271 ist Hermanus noch mals Zeuge in Urkunden der Grafen von Toggen burg. 1261 ist noch ein «dominus Rudolfus von Burefelden» erwähnt (eventuell ein Bruder). Am 12. Februar und 23. März 1266 ist Hermanus beteiligt bei Urkunden des Klosters Tänikon. In der Urkunde von 15. Oktober 1271 ist Heinrico (ev. ein Verschrieb?) Hermans von Burrefeldin Zeuge für die Toggenburger, Amore de Horwen ist Zeuge für den Abt von St. Gallen. Im Jahrzeitbuch des Klosters Fischingen ist zu le sen: « … am 21. April gestorben nobilis dominus Hermanus de Burvelden miles … ». Er spendete für sich und seine Frau Ita eine Jahrzeit. In den Jahrzeitbüchern werden der Todestag, nicht aber das Jahr angegeben. An den Todestagen der Spender werden im Kloster Messen gehalten für ihr Seelenheil, meistens auch noch für das See lenheil ihrer Ahnen. Der Hof Büfelden ging, wie damals üblich, wieder in den Besitz des Lehenbauern. 1417 kaufte Abt Jo hannes den Hof, den das Kloster 1259 geschenkt erhielt. Er wurde anno 1552 dem Fridli Sprenger, genannt Büfelder, als Erbzinslehen verliehen. 1625 erhielt ein Conrad Huber den Hof als Lehen.
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Burg der «von Wiezikon» (Nr. 4) Der mögliche Standort einer Burg oder eines Wohn turmes ist nicht bekannt, dürfte aber am ehesten am Rand des Abhangs südlich des Weges zum Tö beli zu finden sein. Die Bewohner Die erste Erwähnung datiert aus dem Jahr 1244. Der Fischinger Abt erwirbt einige Höfe und Grund stücke im Hinterthurgau, darunter den Hof oder Teile davon von Burchardi in Wiezikon. Es ist nicht sicher, ob dieser ein Adeliger oder ein Bauer war. Ob der Flur- und heutige Hofname «Burkardsroos» (Hof Luzio) auf ihn zurückgeht? Es gibt keine Hin weise eines Adeligen aus dem 13. Jahrhundert. Dies ist natürlich kein Beweis, dass es ihn nicht ge geben hat. Erst im März 1317 ist «Heinricum von Wiezikon» Zeuge bei einer Beurkundung. Konrad Schönauer, Eigenmann des Klosters Fischingen und Bürger von Kyburg kaufte den Hof Armenhueb (heute Hub) bei Busswil und schenkte diesen dem Kloster Fischingen. Am 22. Okt. 1320 urkunden drei Grafen von Tog genburg, dass die drei Brüder Ulrich, Johann und Konrad von Münchwilen die Vogtei über vier Höfe im Toggenburg aufgeben, mit der Bitte, das Ei gentumsrecht der Höfe dem Kloster Magdenau zu übertragen. Zwei ihrer Schwestern waren ins Kloster eingetreten. Heinrich von Wiezikon war da bei Zeuge. Im Jahrzeitbuch des Klosters Fischin gen ist am 10. Februar ein «Hainrici von Wiezikon» eingetragen.
Ein Vergehen, das heute noch oft geschieht, ist schon im 14. Jahrhundert nachweisbar. 1388 und 1396 ist «Bertschi von Wiezikon», wohnhaft in Frau enfeld, urkundlich erfassbar. Der Grosse Rat von Konstanz beschliesst auf Klage einer Witwe, dass er wegen Belästigung für ein Jahr aus Frauenfeld wegziehen muss.
Burg der «von Winegg» (Nr. 5) und ihre Bewohner Der genaue Standort der Burg kann nicht mehr mit Sicherheit festgestellt werden. Von einer Burg und der Familie der «von Winegg» ist in Ur kunden fast nichts zu finden. Interessant ist aber, dass ausgerechnet von dieser Familie im Ämter buch des Klosters Fischingen das Wappen vor handen ist. In diesem Ämterbuch sind neben einer grossen Zahl adeliger Familienwappen ei nige unfertige Wappen und viele Raster zum Verewigen weiterer Familienwappen vorhan den. Man vermutet, dass der Künstler im Kloster Fischingen mitten in seiner Arbeit starb. Leider führte niemand diese Arbeit weiter. Der Mönch des Klosters schreibt im erwähnten Ämterbuch zum Wappen: «Das Schloss Winegg auf einem Bergli ohnweit von der Mühle Sirnach so die Edle von Winegg besässen ist alles zerstört und haben jetzund die von Sirnach ihr Wachthüsli sind auch etwas Weinrebe an dorten gepflanzt, find von diesen nichts mehr als ihre Insignia anno-vide infra.»
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Am Standort der heutigen Sägerei Brühwiler in Gupfen war einst eine Mühle. Es ist gut möglich, dass für den Schreibenden in Fischingen dies die obere Sirnacher Mühle war. Auch der Chronist der Geschichte von Sirnach erwähnt eine obere und untere Mühle. In der ganzen Sirnacher Chronik er scheint zudem nirgends der Begriff Winegg, aller dings ist auch nichts von einem Wachthüsli zu fin den. Dass in der Winegg Reben gepflanzt wurden ist Tatsache, daher der Name «Wihalde»
Im Lehenbuch des Klosters Fischingen steht geschrieben: «Der Besitzer des Guets im Eichholz soll jährlich auf Martini so lang einem Herrn gefällig für Heu und kleinen Zehnten 2 Gulden 30 bz. zahlen.»
Dass Winegg im Kloster Fischingen präsent war, zeigen Lehenbriefe aus dem 18. Jahrhundert, wo über die nähere Lokalisierung des Lehenho fes Eichholz zu lesen ist: «dies betrifft den Hof bei Winegg gelegen».
Winegg war demnach noch im 18. Jahrhundert bes ser bekannt als das Eichholz. Der ehemalige Hof Winegg, der sonst nirgends aktenkundig ist, muss im Hof Eichholz aufgegangen sein. Der Name be zeugt auch, dass dort einst ein Eichenwäldchen vorhanden war.
Unter dem Wappen steht: «Die Edle von Winegg so ohnweith von der Sirnacher Mühle ihr adellsitz gehabt.»
Darunter steht geschrieben; «Der Marchungsbrief liegt in C III S. 49 No. 3 Diese Marchung betrifft die Winegg Zinset 1792 – 1797.»
Von den Bewohnern ist einzig ein Hans von Winegg erwähnt. Er war 1315 bei der Schlacht am Morgar ten gegen die Eidgenossen gefallen. Zur Schlacht am Morgarten einige Gedanken zur momentanen Diskussion. Im Thurgauer Urkundenbuch IV befin den sich folgende Einträge: · Konstanzer Chronik von 1434: «Im Jahr des Herrn 1315 geschah ein grosses Gemetzel in Schwyz und wurden daselbst Bürger von Zürich und viele edle Männer getötet, nämlich 3 Brüder von Bichelsee, Ritter, 3 Brüder von Weinfelden und dazu viel Edle und Schildknappen und 4 von Landenberg, es waren mehr als 1000, welche erschlagen wurden.» Morgarten wird hier und auch in der folgen den Urkunde nicht erwähnt.
Geschichte von Hurnen und Umgebung im Mittelalter
· Toggenburger Chronik von 1446: «In dem jar do man zalt 1315 jar, do beschach die Schlacht ze Schwitz, und verlor da min herr grauf Fridrich von Toggenburg und Rudolf, Ammann von Wittenwil und Uolrich von Wittenwil, des ammanns bruoder, und Hans von Luterberg, und Cuonrad von Lamperswil, und Hans von Windegg, …etc.» · Notiz im Jahrzeitbuch des Klosters Tänikon 15. November 1315: «Obiit (gestorben) Rudi von Landenberg und Pantliun sin sun und Jakob Hofmeister und Wernher und Eberhart und Rudolf von Bichelsee und Eberhart von Töss und Heinrich Mul.» Die Chroniken wurden in einer Zeit verfasst, als durchaus noch mündliche Überlieferungen vor handen waren, insbesondere das Jahrzeitbuch des Klosters Tänikon. Die Jahrzeitbücher sind Totenre gister und wurden fortlaufend nachgeführt. Meis tens sind die Einträge mit Schenkungen verbun den, welche die Klöster verpflichteten, alljährlich am Todestag für das Seelenheil der Verstorbenen Messen zu halten. Dies konnten die drei Brüder von Bichelsee natürlich nicht mehr tun. Eberhart von Bichelsee, Truchsess des Klosters St. Gallen, spendete 1304 sechs Höfe zwischen Hofstetten und Huggenberg, dem Kloster Täni kon. Seine Schwester Guta war Äbtissin des Klos ters. Eberhart war der Vater der drei in Schwyz gefallenen und in Tänikon beerdigten Brüder von Bichelsee.
Burg der «von Hurnen» (Nr. 8) Standort der Burg. Als Beweis, dass auf der eingezeichneten Parzelle einst eine Burg bestanden hatte, dient das Wald buch der Gemeinde Horben. 1840 führte der da malige Ortsvorsteher Bartholomäus Thalmann, auf Geheiss des Forstamtes, sämtliche Waldparzel len innerhalb der Gemeinde Horben mit Besitzer, Parzellenname und Grösse auf. Darin ist die er wähnte Parzelle Nr. 230 als «Schlossholz» bezeich net. Die darunterliegenden Parzellen Nr. 148 und 149, die ich bei der Betriebsübernahme erworben hatte, hiessen «Stall» von «Burgstall/Burgstelle». Unter dem Wald befindet sich die Parzelle «Knabe nacker». «Knabe» dürfte nicht auf «Bueb» zurück zuführen sein, da im frühen Mittelalter das Wort «Knabe» nicht bekannt war. «Knabe» kommt eher von «Knappe». Dies wäre demnach der Acker für die Diener der «von Hurnen» oben auf der Burg. Zwischen dem Knabenacker und dem Wald befin det sich noch im 20. Jahrhundert der «Forenacker». «Forestum heisst im Mittelalter nicht Wald, sondern kommt vom lat. foris, foras und bedeutet das was ausserhalb liegt, was angenommen ist, nicht betreten werden darf, was in der Immunität liegt, einerlei ob es Wald oder Ackerfeld betrifft. Es bezeichnet also Forestum nur ein Nutzungsrecht, nicht ein Eigentumsrecht an Grund und Boden.» War auch der Forenacker einst ein Acker, den die Diener der Burg im Nutzungsrecht bebauen durften und einen Teil den Burgherren abliefern mussten?
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Auf dem Plan gelb eingezeichnet die Zufahrtswege zur Parzelle der ehemaligen Burgstelle. In meiner Jugendzeit waren diese Wege noch gut sichtbar. Von Westen fuhr mein Nachbar Ernst Walder, der Besitzer der Parzelle 230, bei gefrorenem Boden noch mit Pferd und Wagen zu dieser Parzelle. Der oberste Teil nach der Kurve zur Parzelle 230 ist noch heute von der neuen Waldstrasse her als nicht befestigter Bewirtschaftungsweg erhalten.
Süd-südwestlich der Burgstelle befindet sich ein grosses Stück Wald mit den Flurnamen «Rüti, Hin terrüti, Vorderrüti». «Rüti» kommt unbestritten von «reuten» und bezeichnet Parzellen, die einst ge reutet oder gerodet wurden. Dieser nach Süden gerichtete Hang ist heute wieder Wald, war aber unzweifelhaft einst gerodet und als Kulturland ge nutzt worden. Es ist auch nachvollziehbar, dass diese Burg nicht mitten in einem grossen Stück Wald gebaut, sondern dass rund um die Burg gero det wurde. Die Parzellen südlich und westlich der Burgstelle sind zwar Hanglage, erwecken aber den
Eindruck, als wären sie einmal ausgeebnet worden, wie dies im ganzen Hurnerwald sonst selten ist. Auch ist anzunehmen, dass das Holz für die Burg, sofern vorhanden, an Ort geschlagen wurde. In ei nem Kaufvertrag des Hofes Hurnen von 1619 be finden sich zwei Parzellen Wiesen «im Gücht», das an das Bernhardsriet stösst. Dieser Flurname be steht noch heute auf der Ebene oberhalb des Hur nerwaldes. Diese Parzellen oberhalb des Grund stücks «Schlossholz» stossen bis an die Grenze zum Bernhardsriet (Nr. 160/161). Die heute ebenfalls wieder bewaldete Parzelle war noch im
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17. Jahrhundert Kulturland. Bei einer Parzelle im Gücht stand dazu geschrieben «ein Anwachs». Of fenbar war dies schon der Beginn der heutigen Bewaldung. Die «Rüti» ist der fast einzige nach Süden gerichtete Teil (südlich der Burgstelle) des sonst nach Norden und Osten orientierten Hanges, also prädestiniert zur Pflanzung von Reben. Schon die damaligen Burgherren dürften ihren Gästen Wein offeriert und ihn auch selbst getrunken ha ben. Diese alten Kaufverträge beweisen, dass die Grenze des Hofes Hurnen identisch war mit der Grenze der späteren Gemeinde Horben. Alle diese Parzellen an der Grenze zu Bernhardsriet hatten bis zur GZ 1975/93 nur das Fuss- und Fahrwegrecht den ganzen Hang hinunter durch die darunterlie genden Parzellen nach Hurnen, dies obwohl man oben auf ebenem Weg nach Bernhardsriet hätte fahren können. Auch dies ist ein Beweis, dass die Grenze des ehemaligen Hofes Hurnen mit der spä teren Grenze der Gemeinde Horben identisch war. Die Parzelle 230 besteht aus einer Ebene von ca. 15 Aren und links einer steilen Wand von mehr als acht Metern Höhe. Rechts geht es ebenso weit und steil den Abhang hinunter. Für die Bewirtschaftung dieser kleinen Parzelle hätte es nicht von beiden Seiten eine Zufahrt gebraucht. Der unterste Teil diente mit allergrösster Wahr scheinlichkeit schon den «Burgherren» als Zufahrt von Südosten.
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Dies ist die Parzelle 230, die roten Pfähle markieren den Standort der Burg. Den Erdhaufen in der Mitte hatten die Männer von Hurnen bei der Suche nach Wasser (Graben links) aufgeschüttet. Dies waren die Mitglieder der Brunnenkorporation der Ortschaft Hurnen. Gemäss dem Protokoll von 1892 wurden sie in dieser Parzelle fündig und bauten eine Brunnenstube. Sie beschlossen, von dieser Brunnenstube eine Leitung in die bereits bestehende obere Brunnenstube zu erstellen.
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Der Text unter dem Wappen lautet: «Die Edle von Hurnen, genannt im Moos, lebten um das Jahr 1265.» Die Jahrzahl 1265 bezieht sich auch auf «Diethelm von Moos», der 1265 in einer Urkunde bezeugt ist.
Text unter dem Wappen würde exakt zur Moos burg passen, ebenso die Jahrzahl 1265. Der Mönch des Klosters, der die vielen Wappen im Ämterbuch zeichnete und bemalte, lebte um 1600. Die Fami lie der «von Hurnen» existierte damals schon 400 Jahren nicht mehr. Von einer Familie von Hurnen und der dazugehörigen Burg dürfte er kaum etwas erfahren haben. Wir haben heute viel mehr schrift liche Zeugnisse zur Verfügung, als dies die Chro nisten vor 400 Jahren hatten. Die Bewohner der Burg Keine Personen dieser Familie sind in den Hunder ten von Urkunden in den thurgauischen Urkunden büchern namentlich erwähnt. Einzig im Jahrzeit buch des Klosters Fischingen sind als gestorben aufgeführt, am 19. März: «Berchtoldus Hurner» und 25. Mai: «Guotta genannt Hurnerin», beide im ältes ten Nekrolog vom 12. bis 15. Jahrhundert.
Das Wappen der Edlen von Hurnen Das Wappen stammt aus dem erwähnten Ämter buch des Klosters Fischingen, gezeichnet und be malt von einem Mönch nach 1600. Nicht ganz si cher ist, ob dies wirklich das Wappen der «von Hurnen» war. Es ist möglich oder wahrscheinlich, dass Hurnen mit Moos verwechselt wurde. Der
Die von Hurnen müssen schon früh ausgestorben sein. Bei der Unterzeichnung von Urkunden hat ten beide Parteien verschiedene Zeugen aus ihrer Dienerschaft namentlich aufgeführt. Am Schluss hiess es oft «et ali quam plures» oder auf deutsch «und biedere Leute genug». Unter ihnen dürften die Unbedeutenderen gewesen sein, die nicht nament lich erwähnt wurden. Dass es sich dabei um ge wöhnliche Bauern handelte, wird ausgeschlossen. Der Hof und die Burg erwarben vermutlich schon im 12. Jahrhundert die Herren «von Münchwilen» bei Müeselbach. Urkunden, bei denen nicht eine Partei, ein Kloster
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oder eine Stadt beteiligt waren, sind sehr wenige erhalten geblieben. Am Standort der Burg waren kaum Mörtelreste zu finden. Deshalb darf man sich «unsere» Burg wohl wie die gezeichnete Burg vorstellen. Die Burg Biessenhofen bei Amriswil Rekonstruktion des Amtes für Archäologie Das Amt für Archäologie schreibt dazu: »Das wenige Fundmaterial erweckt zeitlich einen recht geschlossenen Eindruck. Er deckt maximal die Zeitspanne zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert ab. Objekte, die im Vergleich zu anderen Burgstellen zwingend diesen Zeitrahmen sprengen würden, sind nicht vorhanden. Mit anderen Worten heisst dies, dass die Benützungszeit der Anlage in die Jahrzehnte vor 1100 bis um 1200 fällt. Wir haben es also mit einer Wehranlage zu tun, die zeitlich verhältnismässig früh anzusetzen ist und zudem erstaunlich kurz in Betrieb war.» Dies zeigt erstaunliche Parallelen zur Burg Hur nen. Wie wohl die meisten kleinen Burgen im Hin terthurgau und im Untertoggenburg, muss die Burg Hurnen bereits im 11. Jahrhundert erstellt worden sein, in der Zeit, als die Toggenburger ein Kriegs heer brauchten. Die «von Hurnen» sind in den Ur kunden ab 1200 nicht zu finden. Sie sind in den Kriegen gefallen, oder es fehlte an männlichen Nachkommen, die das Mannesalter erreichten. Die meisten anderen adeligen Familien sind vor
Burg Biessenhofen bei Amriswil So muss man sich wohl einige kleine Burgen auch im Hinterthurgau vorstellen.
1200 urkundlich nicht erfassbar. Auch die über vier Generationen nachweisbaren Herren von Bi chelsee sind erstmals 1209 erwähnt.
Burg der «von Moos» (Nr. 7) Die Ausführungen zur Burg Hurnen gelten nicht für die Burg Moos. Hier sind die Überreste der Grund mauern, mindestens teilweise, an Mörtelresten
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noch sichtbar. Wurzeln von 80 bis 100-jährigen Rottannen sind über die Mauerresten gewachsen. Der schon erwähnte Mönch im Kloster beschrieb den Standort der Burg wie folgt: «Bei einer stund hinwägs under Fischingen gegen Syrnach zwischen beiden Murkhen (gemeint ist wohl noch der Weiherbach) sieht man noch die Mauren des zerstörten Schlosses, genanndt Moos, liegt gar in einem Riet oder Moos. In den obigen gemelten, Verkauff Waltheri des eltern und jüngern von Landsberg gegen das Gottshaus Tännikon ist in gleichem ein edler von Moos fertis und Zeuge
Der V Graben im Westen des Burghügels
gewesen, Anno 1265 beschehen, diese edle heisst man sonst die edle von Hurnen, genannt zu Moos, weilen die unzweiflich Herren des Dorfes Hurnen gewesen, allwo ihr Schloss gestanden indoch in einem Riedt – mooss dahero es seinen Zunamen bekommen». Hier irrt der Schreiberling, was auch nicht verwun derlich ist. Zwischen der ersten Erwähnung und dem Verschwinden der «von Hurnen» liegen min destens 400 Jahre. Schriftliche Zeugen aus jener Zeit hatte der Chronist kaum zur Verfügung, si cher viel weniger als wir heute. Von einer Burg Hur nen war in seinen Akten nichts mehr zu finden. Es ist deshalb sehr wohl möglich, dass das Wappen «der von Hurnen» der Familie von Moos gehörte. Nach Puppikofer wurden die Steine der Burg Moos zum Bau des Glockenturms der Kirche Fischin gen gebraucht. Da er jedoch die Herren von Duss nang und die Herren von Moos auf die gleiche Burg setzt, ist dies mit Vorsicht zu geniessen. Die Steine der Burg wurden eher von den Bauern von Hurnen für die Fundamente ihrer Häuser verwendet. Die Burg war quadratisch mit einer Seitenlänge von ca. neun Metern. Noch in meiner Jugend war ein Zugang zur Burg sichtbar. Der Weg begann auf der Westseite, führte rund um den Hügel zum Eingang der Burg auf der Nordseite, wo vermutlich erst ei nige Zeit nach dem Bau ein Eingang von ca. drei auf vier Meter vorgebaut wurde. Dass sich am westli chen Ende des Moosholzes einst die Stammburg der «von Moos» befand, ist unbestritten. Auf zwei Seiten, nach Westen und nach Norden, wurde ein
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künstlicher V-Graben in die auslaufende Seitenmo räne des Moosholzes ausgehoben. Dadurch ent stand ein richtiger Burghügel, auf dem noch heute spärliche Fundamentreste zu finden sind. Ein identischer, teilweise künstlicher Burghügel be steht auch südlich der Strasse Haushalden – Bern hardsriet, die Behausung der Herren von Duss nang. Es ist aus heutiger Sicht fast unerklärlich und nicht nachvollziehbar, dass die späteren Bewohner der Burg einen solch riesigen Aufwand auf sich ge nommen hatten, um ein Burghügelchen zu erhal ten. Diese Burgherren waren nie die Schutzherren eines Dorfes, dessen Bewohner sie hätten schüt zen müssen. Sie waren aus dem Bauernstand, dem Hof Moos, hervorgegangen und persönliche Einzel kämpfer im Heer der Herren von Toggenburg, vom Ende des 11. Jahrhunderts bis zum ersten Viertel des 13. Jahrhunderts. Wie wenig sich einzelne Historiker im Thurgau um die örtlichen Begebenheiten kümmerten, beweist dieser Burghügel. Schon Puppikofer setzte die Her ren von Dussnang und die Herren von Moos auf die gleiche Burg. In den ersten Urkundenbüchern des Thurgaus wird die Burg an die Strasse nach Wallen wil verlegt, weil dort der Flurname Moos besteht. Dies hat auch Nyfenegger kritiklos übernommen. Für die V Gräben nach Westen und Norden muss ten mindestens 2000 m³ Erde abgegraben werden. Wohin führten die Arbeiter mit den damaligen Mög lichkeiten die abgegrabene Erde?
Der künstliche V Graben im Norden, links der dadurch entstandene Burg hügel, rechts das Kulturland nach Norden. Auf dem Bild der V Graben im Norden des Hügels.
Ich besass von 1970 bis 1990 eine Parzelle süd lich des Weiherbaches, mit dem Flurnamen Weier. In dieser Parzelle sprudelte eine Quelle von min destens 300 bis 400 Litern pro Minute (von mir amateurhaft gemessen). Ein Eigentümer vor mir fasste diese Quelle mit einem Schacht und einer etwa 20 Meter langen Röhre und leitete sie in den Weiherbach.
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Im 10. Jahrhundert war dies sicher nicht der Fall. Die Quelle und der zufliessende Weiherbach bilde ten den Weiher und das Moos. Auch die Parzellen des Nachbarn Walter Falk (Einfang) hiessen Weier und Riet. Bei Grabarbeiten nördlich des Weiherba ches, 40 Meter neben der Strasse nach Vogelsang, kam nach 30 cm normaler Erde reine Moor-Erde zum Vorschein. Die ganze Weiher- und Rietanlage, die dem Bach, dem Moosholz und der Moosburg den Namen gab, wurde offenbar mit der abgegra benen Erde zugedeckt.
Blau
alte Flurnamen mit Weier
Orange mit normaler Erde zugedeckter reiner Moorboden Rosa Burghügel
Siegel von Diethelm von Moos
Wie gross der ehemalige Weiher und das Moos ein mal gewesen waren, könnte nur durch umfangrei che Grabungen festgestellt werden. Die Strassen wurden durch die GZ 1990 erstellt. Die Zufahrt dürfte von Hurnen her erfolgt sein, vielleicht ein Hinweis, dass der Hof Moos aus dem Hof Hurnen entstanden sein könnte. Die Bewohner der Burg Von der Familie der «von Moos» ist noch das Sie gel vorhanden. Das Siegel von Diethelm von Moos hängt stark abgenutzt an der Urkunde vom 7. Au gust 1329. Auch das Siegel gibt keine eindeutige Klarheit über eine mögliche Verwechslung des Wappens der «von Hurnen» mit den «von Moos». Mit einiger Fantasie kann auf dem Siegel ein Schwan oder Wasservogel erkannt werden. Zumindest würde ein solches Su jet besser zur Moosburg passen als zur Burg Hur nen zuoberst im Hurnerwald.
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Die erste Erwähnung eines Bewohners der Burg befindet sich in der Urkunde um 1160/70. Abt Konrad von Fischingen urkundet, dass er für das Kloster eine Anzahl Güter erworben hat, von denen Zinsen bezahlt werden mussten. Ein «Wernher miles de mose» musste dem Kloster von seinem Hof, 4 solidos de agris bezahlen.
In der Mitte der obersten Zeile steht: «Wernh miles d mose. Iiii, sol. d agr» Am Anfang der dritten Zeile von unten: «Heinr. d böl. i.m. aven.» (1 Malter Hafer)
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Vermutlich zwei Enkel des erwähnten Wernher, Die thelm und Wernherus werden 1265 und 1266 in ei ner St. Galler Urkunde erwähnt. Sie waren als Zeu gen aufgeführt, als die Herren von Landsberg (bei Ifwil) den Klosterfrauen von Tänikon Güter, die sie vom Kloster St. Gallen zu Lehen hatten, verkauf ten. Man beachte auch hier wieder die Formulie rung: «Sie verkauften Güter, die sie vom Kloster zu Lehen hatten.» Im Jahr 1266 ist Wernhard (Wernherus) von Moos Schultheiss in Wil. Auch bei den Familien des niederen Adels war meist ein Vorname dominant. Bei der Familie von Moos war es anfänglich Wernher, Wernhard, ein sonst seltener Vorname. Beim Kloster Fischingen wurden anfänglich die Äbte aus den eigenen Rei hen der Mönche rekrutiert. Es ist durchaus mög lich, dass Abt Wernherus 1209 bis 1212 von die ser Familie von Moos stammte. Diethelm von Moos (II. oder III.?) vergleicht sich 1329 mit Abt Hiltbold vom Kloster St. Gallen um eine Mark Silber. Als Schiedsleute für einen allfäl ligen späteren Streit wurden bestimmt: Amur von Horben, Amur von Luterberg und Heinrich von Le onberg (Leuberg bei Zuzwil). Am 6. Oktober 1344 versprechen drei Mitglieder der von Luterberg (bei Wiezikon) nach langen krie gerischen Auseinandersetzungen mit dem Klos ter St. Gallen stete Freundschaft mit St. Gallen. Sie verpflichten sich, ihre zerstörte Burg Luterberg
nicht wieder aufzubauen. Diethelm von Moos war einer der 33 Zeugen, die für die Einhaltung des Ver sprechens bürgten. Er war ab Mitte des 14. Jahrhunderts Inhaber des Burglehens der Burg Tannegg. Diethelm von Moos verzichtete auf das Burglehen. Dieser Verzicht könnte darauf hinweisen, dass Diethelm keine männlichen Nachkommen hatte. Er ist auch der letzte seines Namens, der in Urkunden erwähnt wird. Im Jahrzeitbuch des Klosters Fischingen ist am 17. September ein Diethelm von Moos als ge storben eingetragen.
von Bol, von Büel, von Büeler Die Burgstelle liegt im Wald oberhalb dem Vogel sang wo noch heute der Flurnamen Büel besteht. Allerdings gibt es mehrere Büel im Hinterthurgau. Aber keines drängt sich so sehr auf wie der Büel oberhalb des Vogelsang. Ein «Hermanus de Bol» wird in der Toggenburger Urkunde von 1260 als deren Ministerialen unter den Zeugen aufgeführt. Vor dem Landgericht der Landgrafschaft Thurgau zu der Lauben (in Winterthur) verkauften am 4. Oktober 1370 die Ritter Friedrich von Hinwil und Hermann Büeler sowie die Edelknechte Peter von Ebersberg, Hermann von Landenberg von Werdegg und Hans von Seen dem österreichischen Vogt zu Kyburg, zu Handen der Herzöge Albrecht und Le opold von Österreich, für 7000 Gulden die Feste Elgg, das Dorf Elgg mit dem Kelnhof und die Pfrund
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der Kirche Elgg, dazu mehrere Dörfer und Höfe zwi schen Elgg und dem Bichelsee. Das Siegel des Ritters Hermann Büeler hat einen schräg gestellten Schild mit zwei Treppenstufen, darüber einen Helm mit zwei Büffelhörnern. Im Ori ginal ist es 26 Millimeter hoch. Kombiniert man diese Urkunde mit jener von 1382 und 1392, so kommt man zum Schluss, dass dieser Ritter Her mann Büeler aus unserer Gegend stammen muss, und nicht, wie in der Urkunde vom 20. Dezem ber 1381 aufgeführt, dem Stammsitz der Büeler in Nesslau zuzuordnen ist. 9. April, 1388: Hermann von Büel (Buol) stirbt mit seinen Kollegen und Nachbarn, Hans von Langen hart und Heinrich von Luterberg, auf der Seite der Österreicher, in der Schlacht bei Näfels. Im Mai 1307 ist im Urkundenbuch St.Gallen Nr. III, Seite 350 ein Eberhard Büel erwähnt. 14. Jahrhundert: Eintrag im Fischinger Jahrzeit buch: «Obitus (gestorben) Eberhardi milites de Bül.» Mehr über die «von Büel» in folgendem Abschnitt.
Das Burgsäss der Burg Tannegg Wie sehr die kleinen Burgherren um Hurnen mit der Burg Tannegg verbunden waren, zeigt die kurze Geschichte des Burgsässes. Deren Inhaber hatten die Burg zu betreuen und pflegen und wurden da für bezahlt.
Vor 1366 besitzt Diethelm von Moos das Burglehen. 1366 erhält «Johannes von Langenhart der Jünger», Vogt von Rapperswil, das Burglehen von Diethelm von Moos. 20. Dezember 1381: Die Brüder Hans und Rutsch mann von Langenhart verkaufen dem Ritter Her mann von Büel das Burgsäss Tannegg, das 25 Mütt Kernen abwirft, für 200 Gulden. Hier der Original text: «Allen künden wir, Johans und Rutschmann von Langenhart, Gebrüder, das wir beid unverscheidenlich unser burgsesse ze Tannegg mit hüsern, mit hofstetten, mit bongarten und mit aller zugehörde, als es uns von unsern vordern an kommen ist …» Die Formulierung «als es von unsern vordern ankommen ist» muss so interpretiert werden, dass Johannes, der 1366 das Burglehen von Diethelm von Moos erhielt, ihr Vater war. 5. Dezember 1382: «Bischof Heinrich III. von Konstanz belehnt den Ritter Hermann Büeler mit der Quart des Zehnten zu Eschlikon samt aller Zugehörde und den 10 Mutt Kernen, die man jährlich auf Martini für die Burghut für die bischöflichen Feste Tannegg dem Johann von Langenhart aus dem Kasten der Veste (Ökonomie der Burg) bezahlt hat, sowie mit den 15 Mütt Kernen, die man dem Diethelm von Moos für die Burghut bezahlte. Hermann Büeler hat die Burglehen von den bisherigen Inhabern Johann von Langenhart und Diethelm von Moos gekauft.»
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Burg Tannegg Burg Büel Burg Moos Burg Langenhart
Hier wieder ein Beispiel, wie Lehen der Klöster gehandelt wurden und erst nach dem Kauf dem neuen Besitzer als Lehen überschrieben wurden. Dies waren rein ökonomische Aktionen. Für die herrschaftlichen oder richterlichen Befugnisse war der Vogt oder der Ammann zuständig. Die gleiche Belehnung wie am 5. Dezember 1382 – mit ausnahme des Zehnten von Eschlikon – er folgte am 16. April 1387. Bischof Nikolaus von Riesenberg belehnt den Brüdern Hermann Boler, Ritter, und seinem Bruder Walter: « … das vor uns
kommen ist Hermann Boler, Ritter und batt uns demudeclich, das wir ihm und Waltern, synem Brudir, dere gegenwärtig nicht was, das Burgsesse zu Tannegg und die gutir, die darzu gehorent, und alle anderen güter, die sie von ihren eltern und vorfahrn herbracht hant, die von uns und unserm gotshus ze Constanz ze lehen seint.» 20. April 1389: Walter Büeler ersucht Bischof Bur kart das Burgsäss Tannegg dem Bruder Johanns Störi Konventuale von Bubikon zu verleihen. 17. Oktober 1392: Bischof Burkhart von Konstanz belehnt die Brüder Rudolf und Hermann von Lan denberg-Werdegg mit der Burgsäss zu Tannegg, welche sie von Walther von Büel, Bürger zu Rap perswil, gekauft haben. Dass hier Walter von Büel das Bürgerrecht von Rap perswil erwerben konnte, dürfte wie bei Johannes von Langenhard, mit den Toggenburgern zu tun ha ben. Diese sind seit der Heirat mit Guta von Rap perswil die Herren von Rapperswil. Beachtet man die Nähe der ursprünglichen Burg stellen der Akteure, so fällt die Nähe zur Burg Tan negg auf. Ist die Nähe der Inhaber des Burgsässes zu Tannegg und zu Eschlikon wirklich nur Zufall? Gibt es einen Grund, «unsere von Büel» im Tog genburg zu suchen? Die Verleihungen dieses Burglehens Tannegg ist ein rein wirtschaftlicher Akt und hat nichts mit herrschaftlichen Rechten zu tun. «Burghut» heisst «die Burg hüten, betreuen». Dafür erhielten die
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Das Wappen der von Luterberg
Inhaber des Burgsässes die erwähnten Belohnun gen durch Naturalien, was nicht heisst, dass alle Inhaber die Arbeiten selbst ausführten. Mit richterlicher Kompetenz ausgerüstet war ein Vogt oder Ammann, der offenbar teilweise auf der Burg wohnte und später auf der Burg die Gerichts tage für die Bewohner des Tannegger Amtes ab halten musste. Danach verschwinden die von Büel, wie so viele des niederen Adels, aus den Urkundenbüchern. Es wäre interessant zu erfahren, ob die vielen Fa milien Bühler im Hinterthurgau Nachkommen die ser Ritterfamilie sind. Dies zu eruieren, ist aber kaum möglich.
Die Burg der von Luterberg (Nr. 9) Eintrag im Ämterbuch: «Der Adel ist abgestorben, dass Hof zerstört weiss nicht wo gestanden, der Abt hat auf dem Luterberg Wein gepflanzt am Anfang etwas rau wird durch das Alter korrigiert». Albert Bodenmann von Winterthur hat einen Vor trag gehalten über «Luterberg, eine vergessene Dynastenburg und ihre Bewohner» Kurze Zusammenfassung: Nach Bodenmann dürfte die Burg Luterberg von Diethelm VII als Grafenburg erbaut worden sein. Er wird seine Söhne, von denen 1228 schon vier mündig waren, auf seinen Burgen verteilt haben. Nach den für die Toggenburger verlustreichen Streitigkeiten mit dem Abt des Kloster St. Gallen,
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im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts, erhalten wir erstmals Kenntnis von dieser Burg. 1232 benutzte Diethelm von Toggenburg die Abwesenheit von Abt Konrad vom Kloster St. Gallen zu einem Angriff. Beim Gegenangriff seiner Brüder, den Freiherren von Bussnang und Griesenberg, wurden dessen Burgen Rengerswil, Wängi und die gut befestigte Burg Luterberg eingenommen. Beim Friedens schluss von 1234 wird ihnen verboten, im ganzen Gebiet des Thurgaus Befestigungen zu haben oder anzulegen. Die Burgen Rengerswil (bei Wängi), Lut erberg und Lütisburg werden dem Abt von St. Gal len übergeben. Er kann sie behalten oder zerstö ren. Rengerswil war der Sitz von Diethelm VII. Dass
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die Burgen Lütisburg, Rengerswil und Luterberg in diesem Zusammenhang in einem Atemzug er wähnt werden, bedeutet, dass diese im Besitz der Toggenburger und für sie auch von besonderer Be deutung waren. Luterberg wurde sehr wahrscheinlich 1234 von einem der erwachsenen Söhne Diethelms VII. be wohnt. Der Abt von St. Gallen zerstörte die Burg Rengerswil, nicht aber die Burg Luterberg. Nach dieser Übernahme setzte der Abt einen seiner Ministerialen auf diese Burg, die sich «von Luter berg» nannten. Als erster erscheint 1259 ein Ja kob von Luterberg als Zeuge bei einer Schenkung des Abtes von St. Gallen an das Kloster Magde nau. 1329 treten Amur von Horben und Amur von Luterberg als Bürgen für Diethelm von Moos auf. Der Vorname Amur kommt in den Urkunden nur in den Familien Luterberg und Horben vor. Bod mer nimmt an, dass der Vater des Amur mit einer Tochter des Amur von Horben verheiratet war. Die wirtschaftlichen Aktionsradien der Adeligen waren damals schon überraschend weit. Amur von Luter berg besass eine Hube in Flawil als Lehen der Her ren von Altenklingen. Seine Witwe übergibt 1336 das Lehen der Tochter Anna, und nach deren Tod dem Kloster Magdenau. Vermutlich war diese Anna 1345 Äbtissin des Klosters Magdenau. Der Tod des Amur von Luterberg hatte offenbar zur Folge, dass 1335 Graf Kraft von Toggenburg und seine Neffen, Diethelm VIII. und Friedrich V. von Toggen burg den Hof Eschlikon, den Amur von Luterberg zu Lehen hatte, dem Kloster Magdenau schenk ten. Albert Bodmer glaubt auf Grund der Siegel und
Helmzier, dass er genügend Indizien gefunden hat, um als erwiesen anzunehmen, dass der Abt von St. Gallen Adelige der gleichen Sippe auf die Bur gen Iberg bei Wattwil und Luterberg gesetzt hat. Das unterstreicht die Bedeutung der Burg bei Wie zikon. Die Ritter von Luterberg waren fehdelustige und streitbare Herren. Als das Kloster Salem im Linzgau 1337 überfallen und ausgeraubt wurde, war Wilhelm von Luterberg unter den Tätern. Im folgenden Jahr war Amur von Luterberg an einem schweren Konflikt mit den Bodenseestädten be teiligt. Die Toggenburger gerieten auch in schwere Zerwürfnisse mit dem Abt von St. Gallen, dessen Scharen die Burg erstürmten und zerstörten. Nach einer Urkunde von 1344 müssen drei Brüder dem Abt Treue und Freundschaft geloben, dazu 100 Mark Silber für weitere Schädigungen sicherstel len, wofür 33 Adelige mit Namen Bürgschaft leis ten. Gleichzeitig verpflichten sich die sechs noch lebenden Luterberger, die Burg Luterberg nie mehr wieder zu bauen. Ein Johann von Luterberg kam 1315 bei der Schlacht am Morgarten ums Leben. Der letzte der Familie war 1399 sesshaft auf der Burg Mülinen in der schwyzerischen March. (Al bert Bodmer Winterthur)
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Die Herren von Winter in Sirnach
Unter dem Wappen steht: «Die Edle von Winter, so um das Jahr 1280 Zu Sirnach gesessen: von diesen Eberhard von Winter ein gezeug in einem Stifts Brief von den Grafen von Toggenburg gewesen»
Von dieser Familie, von der im Ämterbuch das Wap pen vorhanden ist, konnte ich gar nichts finden. Auch die Toggenburger Urkunde, die unter dem Wappen erwähnt ist, gibt keine Auskunft. Um 1300 ist ein Hof Winterberg bei Schurten erwähnt. Hat diesem Hof ein Winter den Namen gegeben? 1619 verkauften die Gebrüder Bernhard und Ru dolf Winterli von Sirnach den Hof Hurnen. Ob bei diesen ein Zusammenhang mit den von Winter be steht, ist nicht nachweisbar. Alle diese Wappen sind im Ämterbuch des Klos ters Fischingen aufgeführt. Sie sind zu Beginn des 17. Jahrhunderts von einem Mönch des Klosters Fischingen gezeichnet und koloriert worden. Es sind noch mehrere Raster und angefangene Zeich nungen vorhanden. Es muss angenommen werden, dass der Künstler plötzlich gestorben ist. Leider vollendete niemand das Werk. Alle diese Burgen entstanden aus einem Hof und blieben, im Gegensatz zu vielen grossen Burgen, bis zu ihrem Abbruch oder Zerfall in den Gemar kungen dieser Höfe. In den folgenden Abschnit ten werde ich nur noch auf den abgegangenen Hof Moos kurz eingehen und mich dann dem Hof und Dorf Hurnen und den umliegenden Höfen, deren Bewohnern und deren Geschichten widmen.
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Die Höfe Moos und Hurnen Hof Moos Wie erwähnt, musste schon 1170 der Hof Moos dem Kloster Fischingen Zinsen entrichten. Der Standort des Hofes muss auf der Mauchwies, nördlich des Burghügels, gewesen sein. Bei einem Rechtsstreit von 1485 zwischen Wiezikon und Sir nach sind auch die Höfe Gupfen, Moos und Tann erwähnt: « … früher so tribet sie (die Wieziker Bau ern) vech auf die selben bräch und uf ihr trett es
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sige von Gupfen von Moos und von Tann mit dem selbigen vech und güttern sy weder trett noch traib uff die selbigen bräch habint.» (Archiv Gemeinde Wiezikon). Es ist oft nicht einfach alle Texte zu ver stehen. Hier wird erklärt, dass die Wieziker Bauern früher das Gebiet der drei Höfe bei «bräch» bewei deten, dass sie aber heute auf dem Land der spä ter erbauten Höfe keine Weiderechte mehr haben.
Die vermutlich natürliche Grenze zwischen dem Hof Hurnen und dem Hof Moos. An der Grenze fliesst noch heute ein Bächlein. Auch besitzt kein Hurner Kulturland im farblosen Gebiet auf der Karte.
Bei der früheren Dreifelderwirtschaft wurden jedes dritte Jahr die Felder nicht angebaut. Die Brachzel gen wurden zum gemeinsamen Weiden genutzt. Sie durften nur so viele Tiere weiden, wie sie Fut ter für den Winter hatten, was oft zu Unstimmig keiten und Gerichtsentscheiden über «Trieb und Trätt» führte. Zwei Lehensbriefe des Klosters St. Gallen von 1533 beweisen die Existenz eines Hofs Moos noch im 16. Jahrhundert. (Stiftsarchiv St. Gallen LA 108) «Hans Brunschwiler von Sirnach empfängt seinen Teil am Hof Gupfen und an dem Moos stosst einhalb an Hurnen und an das Vogelsang». «Uli von Bürfelden hat empfangen … am halben Moos in Sirnacher parochi (Kirchgemeinde) stosst das halb Moos an Hurnen und Vogelsang und an das Gut Gupfen». Aus dem Jahr 1735 ist im Staatsarchiv in Frauen feld folgende Notiz zu finden: Memorial: «Wegen Lehensachen, von dem loblichen Gottshaus Fischingen dem Kloster St. Gallen zu beantworten.»
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«Hooff Moos gehördt Ein Stückli Wiesen das Neu Bomertli im Hooff Moos gelegen, stoost oben in Hooff an die kleine Bündt, seids an Graben, unten an Jörli Müller, vorn an Fridli Huber Hurnen Von Fridli Walder von Hurnen herkommend.»
bewohnt waren, dies im Gegensatz zur Burg Bichel see, die selbständig ohne das Dorf gehandelt und auch viel länger bewohnt wurde. Die kleinen Burg herren die im 13. und 14. Jahrhundert in Urkunden erscheinen, behielten ihren Namen, auch wenn sie längst nicht mehr auf ihren Stammburgen gewohnt hatten. Mehrere zogen in die Stadt Wil.
Hof Hurnen Aus irgendeinem Grund konnte das Kloster St. Gal len das Baumgärtli im Hof Moos nicht lokalisieren, deshalb die Anfrage. Fischingen antwortete, dass der Hof Moos nicht mehr bestanden habe. Der Hof Moos gehöre in den Hof Hurnen.
Der ehemalige Hof Moos ist in den Höfen Than und Eichholz aufgegangen, ein Teil gelangte vermutlich nach Vogelsang.
1487 ist Hans Brun von Hurnen im Lehensverzeich nis des Klosters St. Gallen erwähnt, dazu der Ein trag: «Ulrich Brun hat den anderen halbteil des hofs Hurnen.» Es wäre möglich, dass Hans und Ul rich Brun Brüder waren und den Hof aufteilten. Es könnte aber ebenso gut Generationen früher ge schehen sein. Eine Familie Brun ist schon 1332 im Hinterthurgau nachweisbar. Der Name Ulrich (Uli) ist in der Familie Brun bis um 1700 präsent. Die beiden Brun dürften bereits faktisch Besitzer der Höfe gewesen sein. Wie wir später erfahren, war das Kloster nur noch auf dem Papier Besitze rin des Hofes.
Ein interessantes Detail über die kleinen Burgen in unserer Gegend: Am Beispiel der Höfe Moos und Hurnen ist ersichtlich, dass ihre Burgstellen – im Gegensatz zu den grossen Burgen – mit dem Hof verbunden blieben, aus dem sie hervorgingen. Die Burgstellen wurden nie selbständig gehandelt, sondern blieben Bestandteil des Hofes. Die Bur gen wurden vermutlich von den Hofbewohnern nach dem Zerfall abgebaut und verwertet (Steine, Brennholz). Dies dürfte auch ein Hinweis sein, dass die meisten kleinen Burgen nur relativ kurze Zeit
Eine weitere Urkunde über den Hof Hurnen im Stiftsarchiv in St. Gallen unter «Adelisch verbriefte Wilische Lehen» «Übergabe und Lehenbrief von Christoff von Payer zu Frauenfeld / als er Ulrich Brunen von Hurnen in Sirnacher Pfarrei gelegen / seinen halben Hof daselbsten / von den Stammen und Namen der von Münchwilen herrührende / usgenommen den Zehenden (musste dem Tanneggeramt geleistet werden) / geliehen hat. 1569* übergibt den Hof seines Vetters Bernard (gest.) mit Hus, Hof samt
Noch in einem Lehenbeschrieb von 1746 des Klos ters Fischingen steht: «Da der Burgstock gestanden im Hof Moos gelegen»
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Kommentar Wie wir noch erfahren werden, wurden Klosterlehen bei jedem neuen Abt erneuert. Das heisst, dass mindestens seit 1487 die Familie Brun den Hof Hurnen bewirtschaftete. Aufgrund der Entwicklung des Lehenswesens im frühen Mittelalter muss angenommen werden, dass sie sehr wahrscheinlich als Besitzer des Hofs betrachtet werden muss. (Bruno Meyer: «Lehen in Recht und Staat des Mittelalters») Die höchst interessante Urkunde von 1569 im Stiftsarchiv St. Gallen ist an sich widersprüchlich und bedarf einer Erläuterung. Der beschriebene Hof umfasste ca. 9 Hektar Gesamtfläche, dies obwohl er an das Vogelsang, den Hof Bernhardsriet und an die Wallenwiler Güter grenzt. Im Norden muss der Hof ursprünglich bis ans Eschliker Riet und im Osten an die Höfe Moos, Than und Horben gestossen sein. Das bedeutet, dass der Grenzbeschrieb bei weitem nicht mehr mit der angegebenen Grösse des Betriebes zusammenpasst. Solche Bezeichnungen von Höfen blieben oft über Jahrhunderte erhalten, auch wenn das Objekt nicht mehr oder nur noch zum Teil mit dem ursprünglichen Bestand des Hofes übereinstimmte. Der Hof Hurnen umfasste ursprünglich das ganze Gebiet vom Hof Vogelsang bis an die Grenze zum Hof Wallenwil. Beinahe der ganze Hurnerwald gehörte dazu. So steht in nachfolgendem Brief «seinen halben Hof daselbsten», obwohl der Grenzbeschrieb noch den ganzen Hof umfasst.
Kraut und Baumgarten; 11 Juchart Acker (ca. 4 ha), 10 Mannsmad Wiesen (350 Aren), 4 Juchart Wald Stosst sämtlich Hof an das Vogelsang und an den Hof Bernhardsriet und an Wallenwiler Güeter frei ledig und eigen usgenommen den Zehenden» (musste dem Tanneggeramt geleistet werden) Die Formulierung «von den Stammen und namen der von Münchwilen herrührende» bedeutet, dass Hof und Burg an die «von Münchwilen» (bei Müe selbach) überging. Der verstorbene Junker Bern hard Peyer zu Steinegg war verheiratet mit Mar garetha von Münchwil. Die einmal zahlenmässig grosse und einst reiche Familie der von Münchwilen verarmte und musste vieles verkaufen «der Notdurft wegen» darunter Schloss Steinegg, den Hüttwiler- und Nussbau mersee mit der dazwischenliegenden Burg Hel fenberg, und andere Güter. Käufer waren meis tens die von Payer. Die Burg Helfenberg kam 1419 von Verena von Seen an ihren Gatten Hans von Münchwilen. Der Abt von St Gallen belehnt den Burgstall dem Hans von Münchwilen, der auf der Burg Steinegg wohnte. Es darf angenommen wer den, dass wahrscheinlich schon im 12. Jahrhun dert der Hof Hurnen von den «von Hurnen» an die «von Münchwilen», durch Kauf oder Heirat, ge langte und dann über Margaretha von Münchwil von ihrem Gatten Junker Bernhard von Payer er worben wurde. Christoff von Payer vermachte den «halben Hof Hurnen» dem Kloster St. Gallen. Ulrich Brun erhielt
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diese Hälfte des Hofes als Lehen. Die Lehen wa ren schon im frühen Mittelalter den Eigentümern entschwunden. Die Lehenbauern konnten kaufen und verkaufen, wie sie wollten. Die Eigentümer, meist Klöster, mussten nur noch ihr Einverständnis geben, ohne einen finanziellen Nutzen zu haben. Im erwähnten Lehenbrief steht: « … frei ledig und eigen usgenommen der Zehenden … » Das heisst, dass der Hof Ulrich Brun als Eigentum verbunden blieb, obwohl Christoff von Payer den Hof einst von den «von Münchwilen» erworben und dem Kloster St. Gallen geschenkt hatte. Nur noch der Zehnten musste dem Amt Tannegg, und ab 1694 dem Klos ter Fischingen geliefert werden. Trotzdem musste bei jedem Abtwechsel im Klos ter St. Gallen der Hof Hurnen den Bauern neu ver liehen werden, letztmals am 2. Mai 1797. In der gleichen oben erwähnten Signatur L A 4 im Stiftsarchiv steht 1620: «Hansen Isenring erhält den Hof auf sein bitten, nach ableben von J. Jakob Christof von Payer zu Frauenfeld als Lehen.» Payer hatte den Hof dem Kloster geschenkt. Trotzdem ist sein Ableben Grund für die Lehenerneuerung! Adam Fröhlich vom Vogelsang erhält aus dem glei chen Grund einen Hof in Hurnen als Lehen. Dies muss der unten erwähnte «andere Hof» zu Hur nen sein.
Hans Isenring von Hurnen kaufte 1619 einen Hof in Hurnen für 619 Gulden. Dazu der Kaufbrief im Staatsarchiv Thurgau in Frauenfeld: «Und ist heute erschienen Bernhard und Rudolf Winterli (Verkäufer) und Hans Isenring als Käufer Hus und Hof samt Kraut- und Baumgarten zu Hurnen gelegen, stosst an ime Käufer und an Uli Brunen Erben, Item ½ Mad Wiswachs in der Bündt stosst oben an Käufer, an Uli Brunen selig Erben und an Basche Buchegger, mehr 1 Vierling (9 Aren) Wiswachs im Hinterriet stosst oben an Uli Brunen Erben und Uli Buchegger, mer ½ Mad die Schürwis, stosst an das Gottshaus Fischingen und Baschi Buchegger Güeter, mer 1 Vierling auch in der Schürwis stosst an Baschi Buchegger und an die Witfrou, mer 1 Vierling Wiswachs im Wiger stosst allenthalben an gemelte Anstösser, mer 1 Vierling in der Rietwis stosst aber an gedachte Anstösser, mehr 1 Vierling im neuen Bömmertli stosst auch an gleiche Anstösser, item 1 Juchart Weidacker Jarlis Letzi genannt, stosst an Heinrich Brunschweiler und Ulrich Lütenegger, mer 3 Vierling Weid an der Burg gelegen (verm. die Burg Moos) stosst oben an Baschi Buchegger, unden an Thoma Fuchs, 8 tens 1 Vierling Acker im Wallenwiler Gericht stosst allenthalben an Wallenwiler Güeter, und ungfor 2 Juchart in der Zelg under Wald gegen Wallenwil, mer in der andern Zelg uf Ghücht genannt, mer 1 Juchart uff der Winhalden in der dritten Zelg gegen Vogelsang, ungfor 2 Juchart genannt Tobeläcker, item 1 Stuck Holz im Moosholz stosst an Thoma Fuchsen und Baschi Buchegger, mer ein Stückli Holz im holz, stosst an
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Heinrich Brunschwiler, mer 1 Juchart Holz an zwei Stück im Hurnerwald, item Gestüd und Anwachs ungfor 1 Vierling gross Uffem Ghücht ledig dann der gewondliche Zehenden und fernlich gegen Gottshaus St. Gallen.» Das «fernlich gegen Gottshaus St. Gallen» deutet an, dass dies der Hof ist den er dann 1620 vom Kloster St. Gallen noch als Lehen erhalten hat. Solche Lehen-Überschreibungen geschahen oft lange nach dem Kauf und waren reine Alibiübungen ohne finanzielle Auswirkungen, mit Ausnahme ei ner «Schreibgebühr». Der in der Urkunde erwähnte «gewondliche Zehenden» musste nach Tannegg/Fi schingen geliefert werden. Dieser war nach heu tigem Begriff die Steuer, die alle Bauern dem Amt Tannegg, ab 1694 dem Kloster abliefern mussten. In der Mitte des Dorfes Hurnen bestand bis 1823 eine Zehnten Scheune des Klosters. Das Kloster Fischingen kaufte 1694 vom Bischof von Konstanz die Herrschaft Tannegg. Auch hier die schon erwähnte Situation: Der Han del fand zwischen den Gebrüder Winterli und Han sen Isenring statt. Das Kloster St. Gallen, nach unserem Verständnis 1487 der eigentliche Besit zer des Hofes, musste nur noch seine rein admini strative Einwilligung geben. Hans Isenring hat 1620 den Hof als Lehen erhalten den er 1619 bereits gekauft hatte. Die Formulierung «fernlich gegen Gottshaus St. Gallen» ist eine über Jahrhunderte übernommene Formulierung. Es ist weder ein Be trag noch ein Zinsdatum erwähnt.
Solche Beispiele gibt es in grosser Zahl. Die ur sprünglich dem Kloster St. Gallen geschenkten Güter wurden schon vor Jahrhunderten privat ge handelt. Der Abt musste einfach noch sein Einver ständnis geben, was dann als Lehen-Übergabe de klariert wurde. Der Lehensbrief von 1569 gaukelt vor, es handle sich um einen arrondierten Betrieb. Der Kaufbrief von Hans Isenring beweist, wie zer stückelt schon um 1600 die einst arrondierten Be triebe waren. Der Betrieb umfasste ca. 350 Aren Kulturland in 13 Parzellen, wovon 6 mit ca. 9 Aren. Die kleins ten Parzellen (1 Vierling) hatten beinahe nur Buch egger und Brun als Anstösser. Hier wurden offen bar schon früher bei Erbteilungen die einzelnen Parzellen geteilt. 1628 wechselten die «Lehenbauern». Jakob Bu chegger erhält den Betrieb von Hans Isenring. Baschi Brun (ein Sohn oder Enkel des früher er wähnten Ulrich Brun) erhält den Betrieb von Adam Fröhlich. Die beiden Bauern mussten die Betriebe erwerben. Sie waren aber für das Kloster St. Gal len immer noch Lehenbauern. Warum 1620 kein Brun Lehenbauer war, kann er klärt werden. Ein Uli Brun starb vor 1619, sehr wahrscheinlich ein Sohn des oben erwähnten Ul rich Brun. Im Kaufbrief von Hans Isenring ist als An stösser mehrmals Uli Brun selig, Erben erwähnt.
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Der Lehenbrief aufgesetzt anlässlich der letzten Lehenerneuerung 1797 des anderen Hofes zu Hurnen. Ich habe das Original zum Kopieren von Anna Walder in Frauenfeld erhalten. Sie ist die Ur-Ur-Enkelin des Hurner Arztes Dr. Adam Walder. Der in der Urkunde als Trager erwähnte Hans Jakob Walder ist Adam Walders Bruder. Übersetzung siehe folgende Seite.
Baschi Brun, ein Sohn, wurde Anfang des Jahr hunderts geboren und war 1620 noch zu jung als Lehenbauer. 1631 stirbt Abt Bernhard vom Kloster St. Gallen, die Lehen wurden den erwähnten Jakob Buchegger und Baschi Brun vom neuen Abt erneuert.
1652 erneuert Jakob (Joggli) Müller als Trager (Ver treter) den Lehenvertrag von Jakob Buchegger und Georg (Jörg) Huber.
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Warum der erst ca. 50 Jahre alte Baschi Brun hier nicht mehr erwähnt wird, kann nicht erklärt wer den, ist er doch im Bevölkerungsverzeichnis von 1652 mit Frau und 11 Kindern zwischen 2 und 20 Jahren aufgeführt. Eine mögliche Erklärung ist die Tatsache, dass Jörg Huber ein Schwiegersohn von Baschi Brun war. Hier scheint es, dass bereits mehr als zwei Bauern Inhaber der Höfe waren. Mindestens Jakob Müller war dabei, sonst hätte er nicht als Trager geam tet. Hier besteht ein Widerspruch in den Bevölke rungsverzeichnissen. 1634 und 1637 ist ein Baschi Buchegger ohne eigene Kinder aufgeführt, später fehlt eine Familie Buchegger. Erhalten ist der letzte Lehen-Erneuerungsbrief von 1797, als Beispiel wie gewisse Traditionen über Jahrhunderte gepflegt wurden, bis kaum mehr etwas vom ursprünglichen Objekt übrig blieb. Lehenerneuerung für den «anderen Hof» zu Hurnen, 1797 Nachfolgend die Übersetzung: «Wir Pancratius von Gottes Gnaden des Heiligen Römischen Reichs Fürst und Herr Abbte der fürstlichen Stift und Gottshaus St Gallen und St Johann im Thurthal, Ritter des Königlichen Ordens der Jungfräulichen Verkündigung Maria usw. Thuen kundt Männiglichen mit diesem Brief, dass auf heut dato in unserm Hof und Stadt Wyl vor Uns kommen und erschienen ist der Ehrbar Unser Lieber, gethreuer Hans Jakob Walder von Hurnen für sich selbst und als ein verordneter Trager (ernannter Vertreter) des Baschi Hueber, Jakob Müller, Anton Oberli, Franz
Rüesch, Anton Isenring, Franz Specker, Peregrin Mahler, Franz und Johann die Maler Gebrüdere, Jakob Brunshwiler ab der Egg, Johann Müller, Heiri Lüthenegger, Hans Geörg Schiltknecht, (ebenfalls Egg/Horben) Jakob Eberli aus dem Vogelsang, Salomon Bietehager, Benedikt Bernhard, Wys Pur, als gemeine (gemeinsame) Inhaber des anderen Hof Hurnen mit Häusern, Hofstatten, Gärthen, Wissen, Aeckern, Veld, Holz, Wunn, Weid, Trib, Tratt und Wasserleithungen, Flüssen mit allen derselben Recht und Gerechtigkeit, Ein- und Zugehörd, im Sirnacher Kilchspiel gelegen, und sich auf tödtliches Ableben des Hochwürdigsten Fürsten und Herrn, Abbatis Bedae Unseres geliebten Herrn Vorfahres lobseligen Gedächtnisses, von uns als jez regierenden Herrn anderwerts zu empfangen gebührte, mit unterthäniger Bitte, deselben Jhm und seinen Mithaften zu Lehen zu verlihen gnädigst zu geruhen; Welche seine unterthänige Bitt Wir erhöret und demnach Jhme und ermelten (erwähnten) Mithaften den gedachten anderen Hof Hurnen mit aller derselben Recht und Gerechtigkeit, Ein- und Zugehörd wie obstath zu rechten Lehen wiederum gnädigst gelihen und verlihen.; Jme den hiermit auch wissentlich in Kraft diess Briefs, was wir darann zu leihen haben, leihen solln, können oder mögen, doch uns, unserem Gottshaus und Nachkommen an allen Unseren Rechten der Lehenschaft und sonst in all ander Weg ohnschädlich,. Gesagter Hans Jakob Walder hat uns hierumben auch (wie gebräuchig zu thuon) Lehenspflicht geschworen. Zu Urkundt mit Unserm Kantzley Sekret Insigil besiglet und geben den 2.ten Mayen des 1797-igisten Jahres.»
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Da hier vom «anderen Hof» gesprochen wird, han delt es sich sehr wahrscheinlich nicht um den er wähnten «halben Hof», sondern um den anderen «halben Hof». Wann der ursprüngliche ganze Hof Hurnen geteilt wurde, ist nicht mehr feststellbar, sicher vor 1487. Im Lehensbrief sind auch nicht alle Hurner Bauern aufgeführt. Meine direkten Vorfahren fehlen, die Gebrüder Abel und Samuel Müller, Conrad Müller, der Bruder von Jakob, die Brüder Georg und Rudolf Huber, zwei Cousins Wal der, Jakob Ötli und andere. Ihre Vorfahren waren demnach «Inhaber» des oben erwähnten «halben Hofes». Aus dem ursprünglich «einen Besitzer» des Hofes Hurnen, den schon vor 1474 das Kloster St. Gallen geschenkt erhielt, wurden im Lehenbrief bis 1798 siebzehn «Lehenbauern» erwähnt, die aber alle Be sitzer ihrer Höfe und Parzellen waren! Unglaublich der Aufwand, den das Kloster St. Gal len der Tradition zuliebe betreiben musste. Bei je dem Abtwechsel mussten alle Lehenbauern oder deren Vertreter nach St. Gallen oder Wil gehen und einen neuen Lehenbrief in Empfang nehmen. Das Kloster konnte schon im 16. Jahrhundert oder viel früher – mit Ausnahme einer Schreibgebühr – keinen Franken oder Gulden einnehmen. Durch Erbteilungen, Verkäufe und Käufe von Parzellen und ganzer Betriebe, die ihnen nach heutigem Ver ständnis gar nicht gehörten – sie waren ja formell Lehenbauern – wurden 17 Bauern Eigentümer des ehemaligen anderen Hofes, den ursprünglich ein einziger Bauer als Lehen erhalten hatte.
Die Bewohner von Hurnen bis Mitte des 18. Jahrhunderts Die Bewohner von Hurnen waren nach der Gegen reformation evangelisch. Ende des 17. Jahrhun derts paritätisch, aber immer mehrheitlich refor miert. Erste urkundlich nachweisbare nicht adelige Einwohner von Hurnen sind die 1474 erwähnten Hans und Ulrich Brun – einer dürfte der Vater oder Grossvater des 1569 erwähnten Ulrich Brun ge wesen sein. Diese Familie hatte eine zahlreiche Nachkommenschaft in Hurnen. Ulrich Brun von Hurnen, wahrscheinlich ein Sohn oder Enkel, er hielt 1612 vom Abt Mathias des Klosters Fischin gen einen Hof in Wallenwil als ein Dreilinienlehen «Mannstamms». Drei Generationen waren Lehen bauern, sofern männliche Nachkommen vorhan den waren. 1688 erhielt Jakob Brun diesen Hof in dritter und letzter Linie. Ob diese die Begründer der Braun Dynastie in Wallenwil waren, muss im Moment offengelassen werden. Im 17. Jahrhundert waren die Brun die «beherr schende» Familie in Hurnen. Aus ihrem zahlen mässigen Aufkommen kann etwas über die Wirt schaft in diesem Jahrhundert abgeleitet werden. Auf evangelischer Seite besitzen wir ab 1637 alle paar Jahre ein vollständiges Bevölkerungsverzeich nis der in Hurnen wohnhaften Familien, mit An gabe des Alters oder Geburtsjahr. Die evangeli schen Pfarrer mussten ein solches Verzeichnis auf Geheiss des evangelischen Standes Zürich ablie fern. Sie sind im Staatsarchiv in Zürich gelagert.
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Die erwähnten Familien Isenring und Fröhlich sind 1637 nicht mehr in Hurnen wohnhaft oder waren katholisch. Beide Familien sind jedoch in den ka tholischen Pfarrbüchern des 17. Jahrhunderts in Hurnen nicht vorhanden. Für beide Konfessionen stehen gegen Mitte des 17. Jahrhunderts die Pfarrbücher der Kirchge meinde Sirnach zur Verfügung. Das katholische Pfarrbuch beginnt erst 1648. Das evangelische Eheregister beginnt 1626 mit Baschi Brun und Maria Gäwiler, dies muss bereits seine zweite Frau sein, denn der erste Eintrag im Geburtenregister der evangelischen Gemeinde Sir nach vom 28. Mai 1620 betrifft ein Söhnlein von Baschi Brun und Margareth Peterlein. Diese Pfarr bücher wurden unabhängig und gleichzeitig mit den Bevölkerungsverzeichnissen geführt, nicht etwa aus Gründen der Familienforschung. Die Ob rigkeit wollte damit die Inzucht verhindern. Gemäss den katholischen Pfarrbüchern lebten bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts keine Katholi ken in Hurnen. 1637 wohnten drei evangelische Familien in Hurnen. · Der erwähnte Baschi Buchegger, Sohn des Adam Buchegger und der Elsbeth Schüep pin. Im Haushalt von Buchegger wohn ten die Stiefkinder Zyll Ramensberger und der 6-jährige Jörg Huber. Eine Ehefrau ist nicht erwähnt. Jörg Huber wurde später
der Stammvater der Familien Huber, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts Hurnen «mit beherrschten». · Der ebenfalls schon erwähnte Baschi Brun, geboren kurz nach 1600. Seine Ehefrau Ma ria Ammann mit sechs Kindern. Im gleichen Haushalt wohnte der Knecht Adam Möstli und die Magd Maria Huber. Maria Ammann aus dem Toggenburg war die dritte Frau von Baschi Brun. · Joggli Müller und Barbel Bomberger. Die bei den hatten 1652 drei Kinder. Über ihr Schick sal ist nichts bekannt. 1670 sind die Eltern mit zwei Stiefkindern Friedli Lütenegger und Uli Baumberger erwähnt. Im leider erst 1673 beginnenden Totenregister ist niemand der Familie aufgeführt. Im gleichen Haushalt lebte Hans Müller, ein Bruder von Joggli. Die Herkunft dieser Familie Müller ist nicht be kannt. Mit grosser Wahrscheinlichkeit stammen schon diese Müllers von der Mühle Schurten. Der Vorname Hans kam in Schurten in vier Generatio nen vor, ein Name, der damals eher selten war. Die «Hansen» hiessen Johann. Bis in die 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts stammten alle Müller der Munizi palgemeinde Sirnach von der Mühle Schurten. Aus dem mindestens schon im 11. Jahrhundert ent standenen Hof Hurnen entstanden bis 1600 drei Höfe. Von 1637 bis 1652 wohnten diese drei Fa milien in Hurnen.
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1652 Die gleichen Personen, das Ehepaar Baschi Brun und Maria Ammann hatten 10 Kinder zwischen 2 und 20 Jahren. Hans Müller führte 1652, mit einer Magd, einen eigenen Haushalt
Haushalt in Hurnen. Daneben wohnten bereits seine drei verheirateten Söhne und zwei verhei ratete Töchter mit ihren Familien in Hurnen. Ein verheirateter Sohn lebte noch mit seiner Frau im Haushalt der Eltern.
Gemäss den Verzeichnissen waren bis Mitte des 17. Jahrhunderts die drei Familien die einzigen Be wohner von Hurnen. Ob Hurnen in den Pestzügen von 1616 betroffen wurde, ist nicht bekannt. Abt Brunschwiler vom Kloster Fischingen hatte in sei nen Tagebüchern viele betroffene Orte im Hinter thurgau erwähnt, Hurnen war nicht dabei. In den katholischen Pfarrbüchern findet sich bis 1687 kein Eintrag einer Person aus Hurnen.
Mit Baschi Bruns Schwiegersöhnen Jörg Huber und Fridli Walder erscheinen erstmals Familienväter in Hurnen, deren Familien in den kommenden Jahr hunderten eine bedeutende Rolle spielen werden. Jörg Huber war das erwähnte Stiefkind von Baschi Buchegger. Jörg Walder wuchs in Eschlikon auf, wo seine Eltern seit 1642 wohnten.
Zwischen 1652 und 1670 verdoppelte sich die evangelische Bevölkerung in Hurnen. Sie stieg auf 14 Erwachsene und 31 Kinder an. In den Be völkerungsverzeichnissen sind alle nicht verhei rateten Personen als Kinder aufgeführt. Sie leb ten bei ihren Eltern. Ledige mit eigenem Haushalt gab es nicht. Von der Familie des Joggli Müller-Bomberger heira tete Zyll nach Egg. Die anderen waren fortgezogen oder verstorben. An dessen Stelle und vermutlich auch in dessen Haus, wohnte 1670, Georg (Jörg) Müller von Riet bei Schurten. Er heiratete im April 1670 Barbel Bomberger von Hurnen. Der gleiche Vorname ist Zufall. Der bald 70 Jahre alte Baschi Brun lebte mit sei ner dritten Frau und noch acht Kindern in seinem
Der mehrmals erwähnte Baschi Brun hatte mit drei Frauen 20 Kinder gezeugt. Beim ältesten war er 24, beim jüngsten 64 Jahre alt. Das jüngste Kind hatte somit einen 40 Jahr älteren Bruder, der eben falls in Hurnen wohnte. Gibt es eine Erklärung, dass Mitte des 17. Jahr hunderts von einer Familie fünf verheiratete Kinder mit ihren Familien im kleinen Dorf ihren Unterhalt verdienen konnten? Da die Kinder im Verzeichnis mit eigenem Haushalt aufgeführt sind, mussten auch noch Wohnhäuser und Scheunen gebaut wer den. Denn Land und Wald wurde meistens unter die männlichen Nachkommen der Familie im Dorf aufgeteilt. In dieser Zeitspanne dürfte Hurnen den grössten Entwicklungsschub bis ans Ende des 20. Jahrhunderts erfahren haben. Beteiligt am Ausbau des Dorfes dürften gewesen sein: Andreas Brun *1633, der als Zimmermann bezeichnet wird, und Jörg Brun *1645, Tischmacher (Schreiner). Wo sie
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ihr Handwerk lernen konnten, ist nicht bekannt. Profitierte die Bevölkerung von Hurnen vom Lein wandgewerbe im 17. Jahrhundert?
zu erhöhen». Auch die Familien in Hurnen, vor al lem die Familie Brun, dürften von dieser Entwick lung profitiert haben.
Direkte Untersuchungen über den Hinterthurgau fehlen, doch können andere Quellen dazu erwähnt werden. «Geschichte 100 Jahre Heberlein Watt wil» (Seite 12): «Für die Mitte des 16. Jahrhunderts ist errechnet worden, dass jährlich 100 000 Gulden für Flachs und Hanf in die umliegenden Landschaften, auch nach dem Toggenburg flossen».
1678 Eine einmalige Bevölkerungsstruktur wiesen Hur nen, Than und Egg in diesem Jahr auf. 7 Familien mit 31 Kindern lebten mit eigenem Haushalt in Hurnen.
Der Basler Chronist Sebastian Münster bestätigt in seiner Cosmographie (1581), dass der St. Gal lische Leinwandhandel «aller umliegenden Landschaft, als nemlich dem land zue Appenzell, dem Rheintal, den Gottshaus leüthen, dem Thurgöw und der grafschafft Tockenburg nit kleinen nutz und geniess schaffet». Albert Tanner in: «Das Schiffchen fliegt, die Ma schine rauscht.» (Seite 17) «Nach 1600 geriet das St. Galler Leinwandgewerbe in eine schwere Krise, die durch den Dreissigjährigen Krieg und Pesteinbrüche noch verlängert und verschärft wurde. Viele Handelshäuser machten Konkurs, die Stadt verarmte, der Umsatz auf den Städtischen Bleichen fiel von über 20 000 guten Tüchern auf weit unter 10 000 auf dem Tiefpunkt der Krise in den vierziger Jahren. Nach 1650 erfolgte ein neuer Aufschwung. Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein vermochte sich das ländliche Leinwandgewerbe auszudehnen und seine Produktion
· Vater Sebastian Brun, 73. Seine vierte Frau Elsbeth Bosshard, 39. 7 Kinder zwischen 5 und 30 Jahren (von drei Frauen). · Andreas Brun 45 (Sohn) und Anneli Metz ger 48, Zimmermann. 8 Kinder zwischen 1 und 20 Jahren. · Anna Brun 44 (Tochter) Fridli Walder 47 (von Eschlikon), 9 Kinder zwischen 3 und 24 Jahren. · Hannes Brun 38 (Sohn) und Bärbeli Egli 31, 3 Kinder zwischen 1 und 9 Jahren. · Jörg Brun 33 (Sohn) und Elsbeth Hofmann, Tischmacher · Maria Brun 28 (Tochter) und Jörg Müller 32. · Zill Brun 42 (Tochter) Fridli Lütenegger Egg, · 7 Kinder, ebenfalls Cousins
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· Eva Brun 44 (vom Than) und Jörg Huber 47, in Hurnen. 6 Kinder zwischen 3 und 20 Jahren. Alle Bewohner waren miteinander verwandt. 31 Cousins und Cousinen lebten 1678 in Hurnen. Mit Kindern sind immer Nachkommen, die noch bei den Eltern leben, gemeint. Ledige mit eige nem Haushalt gab es in diesem Jahrhundert nicht. Sebastians Frau war 39 Jahre, der älteste Sohn 45 Jahre alt. Dieser hatte eine fünfjährige Halb schwester und einen 20jährigen Sohn. 1678 leb ten 47 Nachkommen des Baschi in Hurnen. Dass es sich immer um den gleichen Baschi handelte, ist bewiesen. In den Bevölkerungsverzeichnissen war jeweils das Alter oder der Jahrgang angege ben. Er muss um 1600 geboren sein. Als er am 10. März 1688 starb, steht im Totenbuch «Baschi Brun war über 80 und konnte noch ohne Augenspiegel lesen». Dies beweist auch, dass im 17. Jahrhun dert Leute in Hurnen lesen lernten, wohl in Sirnach beim Pfarrer. 1682 Die Bevölkerung ist auf zehn evangelische Fami lien angewachsen, mit 42 noch bei den Eltern woh nenden Kindern, davon 15 über 20 Jahre alt. Mit einer Ausnahme ist immer noch bei allen «Braun blut» dabei. Übrigens ist aus den Brun nun Braun geworden. Die Verhochdeutschung geschah durch die Pfarrherren und deshalb nicht in allen Gemein den zur gleichen Zeit. Die Wallenwiler Braun blie ben noch ein paar Jahrzehnte länger Brun. Auch die Männer mit «Zukunftsnamen» in Hurnen, Jörg Müller, Jörg Huber und Fridli Walder sind mit einer
Braun verheiratet. Die Ausnahme bildet der Sohn Fridli Walder. Er ist mit Wybrath Bietenharter ver heiratet und hat ein einjähriges Töchterchen. 1687 Auf der Liste der «Confirmandi», bei der Firmung durch den Bischof, befindet sich Johannes Peterli von Hurnen, der aber nicht in Hurnen geboren wurde. Kurz zuvor muss ein Ehepaar Peterli – die ersten Katholiken seit der Reformation – in Hur nen eingezogen sein. In den Jahren 1689 bis 1697 wurden noch vier Kinder des Ehepaars Johannes Peterli und Anna Marie Wysmann geboren. Diese Kinder sind die ersten Eintragungen von Hurnen in den katholischen Pfarrbüchern von Sirnach. Es dauerte noch fast 50 Jahre, bis ein in Hurnen woh nender Katholik heiratete. 1689 In Hurnen wohnen in 11 Haushaltungen 21 verhei ratete evangelische Personen mit 40 Kindern. Dazu kann man noch das Ehepaar Peterli mit vielleicht 3 bis 4 Kindern zählen, so dass 1689 etwa 65 – 68 Personen in Hurnen lebten. Eine interessante Feststellung über das ganze Jahrhundert: Es gibt keine Haushaltungen lediger Personen. Die Kinder bleiben bei den Eltern, bis sie heiraten. Vier wa ren über dreissig, die älteste 41 und dies obwohl damals viel früher geheiratet wurde als heute. 13 dieser ledigen Nachkommen waren über 16 Jahre alt. Es ist höchst bemerkenswert, wie allein in den Bevölkerungsverzeichnissen des 17. Jahrhunderts Informationen über die sozialen und wirtschaftli chen Verhältnisse herausgelesen werden können.
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Geschichte von Hurnen und Umgebung im Mittelalter
Wäre damals nur die Landwirtschaft als Erwerb möglich gewesen, hätten diese Jungen nicht alle zu Hause bleiben können. Grössere Flächen waren noch Riet. Die Waldfläche war erwiesenermassen noch um einiges grösser. Es muss im Dorf Arbeit gegeben haben. Dies war nur im textilen Bereich in grösserem Ausmass möglich. Wenn Arbeit vor handen war, blieben die Nachkommen offenbar im Dorf und lebten im Hause ihrer Eltern, bis sie hei rateten. So entstanden die Grossfamilien. 1698 wurde Maria Specker von Hurnen vom Bischof «confirmiert». Eine Familie Specker muss nach Hurnen gezogen sein. 1700 – 1709 Nach übereinstimmenden Aussagen verschiedener Quellen erleidet die textile Heimindustrie in dieser Zeit eine Krise. Die Bevölkerung reduzierte sich bis 1709 auf 18 erwachsene evangelische Personen in 9 Haushaltungen, darunter zwei verwitwete Frauen und drei ältere Ehepaare, deren Kinder verheiratet oder weggezogen sind. Dadurch halbierte sich die Zahl der bei ihren Eltern lebenden Kinder auf 20. Um 1700 erhielten die Katholiken Zuzug von Baschi Sprenger. Er verzinste erstmals von seinem Gut Nr. 4 ein Darlehen von 50 Gulden dem Kloster. Er heiratete 1720 Maria Grütter, gestorben am 15. März 1721. Noch im gleichen Jahr heiratete er Margareta Hubmann.
1723 Die Möglichkeiten im Dorf wieder Geld zu verdie nen scheint sich auch in Hurnen zu bestätigen. 1723 lebten wieder 21 erwachsene Personen in 11 Haushaltungen in Hurnen. Ein interessanter Unterschied zu früheren Bevöl kerungsverzeichnissen ist feststellbar. Von den 25 Kindern sind 17 unter 20 Jahren, 13 gar unter 10 Jahren und nur eines über 25 Jahre alt. Junge Fami lien wurden gegründet. Sie konnten in Hurnen blei ben, weil wieder Arbeit und Verdienst in der Heim weberei möglich war. Erstmals sind zwei Männer, die ca. 50-jährigen ledigen Brüder Josef und Jo hannes Walder als «arbeiten auswärts» aufgeführt. Gemäss den Pfarrbüchern der evangelischen und katholischen Gemeinden Sirnach wurde in den Jah ren 1695 bis 1713 jährlich ein Kind in Hurnen ge boren. Ab 1714 bis 1728 waren es im Durchschnitt jährlich wieder 2 bis 3 Kinder. Zum letzten Mal wohnten 1723 Vertreter der Fami lie Braun in Hurnen. Die Geschwister Barbara und Jakob sind Kinder des Ulrich Brun selig. Jakob Brun, geboren 1698, heiratet noch im gleichen Jahr Ma ria Graf. Schon 1729 muss er wegen Auffahl (Kon kurs) den Betrieb dem Kloster Fischingen abtre ten. Sie wohnten im Haus Nr. 5. Als Lehenbauern konnten sie «so lange es dem Herrn beliebig» auf dem Hof bleiben. Mindestens bis zur Geburt einer Tochter Maria im Jahre 1733 wohnten sie in Hur nen. Der Familienname Brun (Braun) verschwindet zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Hurnen.
Geschichte von Hurnen und Umgebung im Mittelalter
1742 (das letzte evangelische Bevölkerungsverzeichnis) Erstmals wohnte keine Familie Braun mehr in Hur nen. Die letzte Geburt in einer Familie Braun in Hur nen war Maria die Tochter von Jakob Braun und Els beth Graf, geboren am 15. Juli 1733. Ab dem 28. Mai 1620, dies war die erste Eintragung im evan gelischen Pfarrbuch von Sirnach, wurden 41 Kin der mit Namen Brun (Braun) in Hurnen geboren. Schade, dass die Daten aus dem 15. und 16. Jahr hundert oder noch früher fehlen.
· Heinrich Müller *1700 Witwer, Stammvater der Hurner Müller, der – 1738 von Schurten kommend – in Hurnen einen Bauernhof kaufte.
Die evangelische Bevölkerung bestand 1742 aus 18 Erwachsenen und 21 Kindern in 9 Haushaltun gen. In Hurnen wohnten vier verheiratete Gebrü der Huber, Söhne des ehemaligen Waisenkindes Jörg Huber.
Im gleichen Haushalt lebten noch vier Wai sen, Kinder von Jakob († 1740) und der Maria († 1738) Brun-Graf. Barbara und Maria Graf waren Schwestern.
· Hans Jörg (Georg) Huber *1687 und Maria Grüter mit drei Kindern · Conrad Huber *1688 und Barbara Würmli. Sie hatten sieben Kinder, die alle im Kin desalter starben, 5 innert drei Jahren, 4 an Wassersucht. · Salomon Huber *1694 und Maria Thalmann mit drei Kindern · Baschi Huber *1710 und Barbara Lütenegger mit drei Kindern · Baschi Müller *1681 und Elsbeth Schiltknecht *1687 mit drei Kindern
· Magdalena Walder-Gubler *1679 Witwe des Ulrich Walder mit drei Kindern · Johann Adam Walder *1706 und Barbara Graf, Eltern des späteren Arztes Adam Walder mit sechs Kindern
Neben der schon erwähnten Familie Peterli (1687) erhielten die Katholiken in Hurnen Zuwachs durch die folgenden zwei Familien. · Josef und Maria Specker-Mahler. Ihr erstes Kind wurde im Oktober 1728 in Hurnen geboren und am 2. November getauft. · Josef und Maria Huber-Rebsamen. Ihr erstes Kind wurde am 14. Juli 1736 getauft. In Hurnen wohnten wieder wie 1723 mindestens 22 verheiratete Erwachsene und 25 Kinder in 11 Haushaltungen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahr hunderts erhielten die Katholiken Zuzug von zwei Familien Oberli und den Familien Isenring und Schönenberger.
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Auf evangelischer Seite folgte Ende des 18. Jahr hunderts die Familie Oettli. Zudem kaufte sich 1791 Hans Georg Winzeler von Thayngen in Hur nen ein Bauerngut. Er wird aber später nicht mehr erwähnt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Ära der Fa milie Huber zu Ende. Alle waren Nachkommen des 1637 erwähnten Waisenkindes Jürg Huber, der bei der Familie Buchegger lebte.
Die Familie Huber erwarb sich grosse Verdienste bei der Gründung der Schule Hurnen. Die letzte Geburt eines Kindes dieser Sippe in Hurnen datiert vom 16. Juli 1826. Es war Maria Elisabeth, Tochter des Hans Ulrich Huber und der Anna-Maria Hegnauer. Getauft wurde sie in Elgg. Offenbar zog die Fami lie nach Elgg. Der Name erlischt vor Mitte des 19. Jahrhunderts in Hurnen.
Die Bevölkerungsentwicklung in Hurnen von 1637 bis 1962
1637
1682
1742
1880
1910
1920
1943
1962
Wohnhäuser
3
10
11
11
13
13
13
14
Haushaltungen
3
10
11
11
14
15
16
17
Bewohner
19
60
47
57
70
67
72
66
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Die Entwicklung von Hurnen Kommentar zur Karte Oange
Die ersten drei Höfe der Familien Baschi Brun, Joggli Müller und Baschi Buchegger 1637
Blau
Die ersten Erweiterungen durch die Familien Brun, Walder-Brun und Müller-Brun, gegen Ende des 17. Jahrhunderts.
Gelb
Gebaut 18. Jahrhundert.
Rot
Bauten von 1815 bis 1885.
Hellgelb Stickereigebäude Grün
Ökonomie Gebäude
Von 1885 bis 1970 wurde in Hurnen kein zusätzlicher Wohnraum geschaffen.
Paul Geiger schreibt in der Geschichte von Eschli kon: «Im Mittelalter wurden die Häuser noch nicht zusammengebaut jedes stand für sich allein in seiner Hofstatt (Hofreite).» Diese Entwicklung kann in Hurnen exakt nachgewiesen werden. 1. Zehnten Scheune des Klosters Fischingen. 2. Als Bauernhof gebaut, um 1900 Einbau einer Stickerei, danach eine 2. Wohnung.
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Die Entwicklung von Hurnen
3. Verteilung der Bauten ungewiss. Um 1885 abgebrochen und neu gebaut. 4. Haus Meili/Bösch in drei Etappen gebaut. 5. Eine Hälfte 1850 für eine Strasse nach Eschlikon abgebrochen. Die andere Hälfte um 1990 abgebrochen und wieder aufgebaut. 6. Im Erdgeschoss als Küferwerkstatt gebaut, und 1900 eine Stickerei, dann 2. Wohnung. 7. Zweifamilienhaus 1870 abgebrannt und nicht wieder aufgebaut. 8. 1865 abgebrannt und wieder aufgebaut.
Die Höfe der Bewohner bis ins 20. Jahrhundert Da die Familie Brun im 17. Jahrhundert und früher Dorf und Hof Hurnen beherrschte, kann mit der Ge nealogie der Familie, die Entwicklung vom Hof zum Dorf Hurnen weitgehend rekonstruiert werden.
Herkunft der Familien Brun. Der Familienname Brun war im 17. Jahrhundert in unserer Gemeinde, im Than, in der Egg, in Wallen wil, sowie in der Umgebung sehr verbreitet. Der Name ist schon in einer Urkunde vom 20. Dezem ber 1332 nachweisbar. «Hiltbold und Walter von Bichelsee schenken dem Johaniterordenshaus Tobel eine Anzahl Eigenleute
als Aussteuer ihres Bruders Eglolf, der dem Orden beigetreten ist.» Darunter befanden sich «Bertolden den Brunen, Mechtilde sin elichun wirtenun (Ehefrau), und allü irü beider kint, düs ü nu bi einander hönt oder noch gewinnent, und Heinrichen sinen sunn den er bi Margaretun hatte …. dü allü unser recht eigen wären.» Die Ritter von Bichelsee hatten, was damals nichts Besonderes war, Eigenleute, über die sie verfügen konnten und deshalb einen materiellen Wert hat ten. In diesem Fall das Ehepaar Brun mit seinen zwei Kindern, sowie alle, die noch geboren wer den, und der Sohn aus erster Ehe des Bertolden Brun. Diese Hörigen wohnten in der am nächsten liegenden Herrschaft Bichelsee-Balterswil oder in der Umgebung. 1474 Ulrich und Hans Brun bewirtschafteten je einen halben Hof in Hurnen. Lehen vom Kloster St. Gal len. Der Vorname Ulrich wurde in der Familie noch 300 Jahre lang verwendet. 1569 Ulrich der Brunen von Hurnen erhält vom Abt von St. Gallen den halben Hof Hurnen als Lehen. 1612 Ein Ulrich Brun von Hurnen heiratet Maria Buchber ger von Wallenwil, wird katholisch und erhält vom Abt von Fischingen einen Hof in Wallenwil, als Drei linienlehen Mannstamms (für drei Generationen, sofern männliche Nachkommen vorhanden sind)
Die Entwicklung von Hurnen
1599 Geburt von Baschi Brun, (aus späteren Bevölke rungsverzeichnissen errechnet) Vor 1620 Heirat mit Margareth Peterlin, 28. Mai 1620 erster Eintrag im Geburtenregister der evangeli schen Kirche Sirnach; Baschi Brun, Söhnlein von Baschi Brun und
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Margareth Peterlin von Hurnen 1626 Zweite Heirat von Baschi Brun, mit Maria Gäh wiler, erster Eintrag im Eheregister 1637 Dritte Heirat von Baschi Brun, mit Maria Ammann 1660 Vierte Heirat von Baschi Brun, mit Elsbeth Bosshart
Kinder des Baschi Brun, die in Hurnen heirateten und hier lebten. Zill heiratete nach Horben.
Andreas
Anna
Zill
Urech (Uli)
Hans
Jörg
Maria
Fridli
*1632
*1634
*1635
*1640
*1642
*1643
*1651
*1663
Heirat 1657
Heirat 1653
Heirat 1658
Heirat 1661
Heirat 1668
Heirat 1678
Heirat 1677
Heirat 1686
† 1686
† 1687
†
† 1670
† 1681
† 1683
† 1689
† 1691
A.Metzger
Fridli Walder
A.Schiltknecht Elsbeth Graf
Barbel Egli
E.Hofmann
Jörg Müller
Anna Lüthi
Egg
Eschlikon
Horben
Eschlikon
Hurnen
Littenheid
Balterswil
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Die Entwicklung von Hurnen
Dank der Genealogie der Familie Brun und des Be völkerungsverzeichnisses von Hurnen im 17. Jahr hundert kann die erste Entwicklung des Dorfes weitgehend rekonstruiert werden. Andreas *1632 heiratete drei Jahre bevor sein Va ter das vierte Mal heiratete und noch sechs Kinder zeugte. Zudem lebten 1652 noch zehn Geschwis ter im Haus. Andreas musste für seine schnell wachsende Familie ein eigenes Heim bauen. Der gesunden Logik folgend, baute er an der gleichen Strasse Richtung Than. (Nr.4) Die andere Seite war bereits besetzt. Eine Strasse nach Eschlikon gab es nicht. Andreas war Zimmermann. Von seinen neun Kindern starb eines kurz nach der Geburt. Die anderen acht blieben zum Teil bis über 30-jährig in Hurnen bei den Eltern. Das zweitjüngste hat den gleichen Jahrgang wie das jüngste Kind des Vaters. 1670 war der älteste Bruder von Andreas, Ul rich *1640, bereits gestorben. Seine Witwe Els beth Graf von Balterswil wohnte mit ihrem zwei ten Mann, Georg Ammann, in Hurnen. Sieben Jahre später heiratete Hans *1642, Bärbel Egli von Eschlikon. Sie wohnten 1678, mit dem ers ten Kind, im Haushalt des Vaters. Urs Fankhauser datiert den Umbau ins 17. Jahrhundert. Man darf annehmen, dass dieser An- und Umbau durch Ba schi Brun für einen seiner Söhne, Ulrich *1640, ge schah. Er selber hatte ja immer noch sieben Kinder zwischen 5 und 30 Jahren im Haushalt. Andreas *1632 hatte zwei Söhne. Der älteste, Ulrich *1658, heiratete 1685. Bei den Eltern
wohnten noch fünf jüngere Geschwister. Wahr scheinlich baute er das Haus Nr. 5 an das Haus des Vaters. Sein Sohn Jakob *1698 können wir im 18. Jahrhundert als Besitzer urkundlich nachwei sen. Der fünfzehn Jahre jüngere Bruder von Ulrich, Andreas *1673 dürfte das elterliche Haus über nommen haben. Er wohnte 1700, zusammen mit drei ledigen Schwestern, bei der verwitweten Mut ter. Logisch wäre, dass er dieses Haus Nr. 4 über nehmen konnte. Er starb 1737, danach sind ur kundliche Daten vorhanden. Jörg Brun * 1643, Heirat 1678, wohnte mit sei ner Ehefrau in Hurnen. Die Ehe blieb kinderlos. Jörg starb 1683, erst vierzig Jahre alt. Seine Frau wohnte 1689 nicht mehr in Hurnen. Mindestens ab 1686 wohnte eine Familie Peterlein in Hurnen. Es spricht vieles dafür, dass Jörg Brun Nr. 15 baute und Johannes Peterlein dieses um 1685 erwarb. Anna Brun *1634 heiratete 1653 Fridli Walder von Eschlikon. 1678 lebte neben Jörg Brun auch die Familie des Hans Brun *1640, in Hurnen, für die noch keine «Unterkunft» gefunden werden konnte. Haus Nr. 25 war zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Dop pelwohnhaus mit einem gemeinsamen Schürli. Das Land gehörte, mit grösster Wahrscheinlichkeit sei nem Schwager Georg Müller, verheiratet mit seiner Schwester Maria. Das Haus wurde im 19. Jahrhun dert als alt und renovationsbedürftig bezeichnet. Es kann durchaus schon im 17. Jahrhundert von Hans Brun gebaut worden sein. Sein ältester Bru der war Zimmermann.
Die Entwicklung von Hurnen
Der Stammvater der Hurner Brunen, der mit vier Frauen 26 Kinder zeugte, und 88 Jahre alt wurde, konnte sein Erbgut nicht weitergeben. 17 seiner Kinder starben im Kindesalter. Die fünf Männer und zwei Frauen, die in Hurnen heirateten, erreichten ein Durchschnittsalter von nur 40 Jahren.
Der nordwestliche Viertel von Hurnen Nr. 1 und Nr. 2 In einem Kaufbrief von 1646, die Streittwies be treffend rechts der Strasse Mösli-Riethof, 18 Ju charten gross, steht am Schluss: «Mer ab einem Mannsmad wiesen zuo Hurnen so hinder Baschi Brunen Schür gelegen, so an die Schür, und an die Lantstrass, so nach Balterswil gat, drittens an die Dan Ärgeten, und dan sunst allenthalben an gedachten Baschi Brun …»
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Die Entwicklung von Hurnen
Der Kaufbrief von 1646 ist der Beweis, dass das letzte Haus, rechts Richtung Wallenwil, das Stamm haus des Baschi Brun ist und 1637 bereits bestan den hat. Dieser Baschi Brun, geboren um 1600, heiratete viermal und erhielt von diesen Frauen 26 Kinder. Das letzte mit 64 Jahren. Er starb 1688, «über 80 Jahre alt und konnte immer noch ohne Augenspiegel lesen». (Todesregister der Gemeinde) 1652 wohnte Baschi mit seiner dritten Frau Maria Ammann und 11 von den 17 bis zu diesem Zeit punkt geborenen Kinder in diesem Haus. Bis 1670, dem nächsten vorhandenen Bevölke rungsverzeichnis, wohnten fünf seiner verheirate ten Kinder mit 19 Enkelkindern in Hurnen. Das Foto zeigt die Fassade der Gebäude Nr. 1 und Nr. 2 von Süden nach dem Anbau der Liegenschaft Nr. 3, ganz rechts im Bild, mit der dadurch not wendigen Treppe direkt in die Stube. Die Fassade und die Fenster beweisen, dass in zwei oder drei Etappen gebaut wurde. Der älteste Teil, das Haus des Baschi Brun von 1637, zwei Etagen à je vier Fenster, im rechten Teil des Gebäudes. Der Eingang erfolgte von Osten. Der Bau rechts wurde erst 150 Jahre später angebaut.
Beim Umbau dieses Hauses 1985 durch Ernst Meili stellte der Denkmalpfleger Urs Fankhauser fest, dass ursprünglich das Haus zweistöckig und eventuell mit einer Nord-Süd-Giebelfront verse hen war. Das Bild bestätigt dies. Der Keller und die beiden ersten Etagen rechts im Bild sind nicht mit dem Rest des Hauses gebaut worden. Fankhauser schreibt zum Bild: «Merkwürdig war die Feststellung, dass das Hauptgerüst des Hauses aus (vier) über zwei Geschosse reichende Pfosten besteht. Das Haus war also nicht geschossweise abgezimmert. Dies weist auf eine verhältnismässig frühe Bauzeit hin (17. Jahrhundert).»
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Diese Feststellung von Urs Fankhauser stimmt ex akt mit den Wohnverhältnissen der Familie Brun von 1670 überein. Die Familie des Baschi Brun wohnte mit acht Kindern im ältesten Teil des Hau ses. Im gleichen Haushalt lebte der verheiratete Sohn Hans *1640 mit Frau und einem Kind. Die gestrichelten Konturen im Bild zeigen den durch Akten gesicherten An- und Aufbau von 1770 oder 1777. Auf dem Foto fehlt im Kellergeschoss in der Mitte ein Fenster. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit war dort, vor dem letzten An bau der drei Fenster links im Jahre 1777, der Ab gang in den Keller. Die alten Fenstereinfassungen bestätigen die In terpretation des Fotos. Das älteste Haus des Ba schi Brun umfasste zwei Stockwerke mit je vier Fenster. Die beiden Eingänge links und rechts im Erdgeschoss wurden viel später eingebaut. Wegen der dauernd wachsenden Familie des Baschi Brun wurde ein erstes Mal angebaut, je zwei Fenster in beiden Etagen. Damit dürfte das Haus so ausgese hen haben wie es Urs Fankhauser gezeichnet hat. Auch an der Nordseite des Hauses sind die ver schiedenen Bauetappen gut sichtbar: Die Flächen mit weissem Verputz und aufgemaltem Riegel, das erste Haus des Baschi Brun, rechts die zwei Fens ter, der erste Anbau für seine grosse Familie in der zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts. Auf dem Bildausschnitt ist am Holz des Türrah mens sichtbar, dass nachträglich eine Haustür ein gebaut wurde. Die Bewohner hätten sonst, nach
Das älteste Haus von Baschi Brun mit der Erweiterung links.
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dem Anbau nach Osten 1788, vom Stall her um das Haus gehen müssen, um durch die Stube in die Küche zu gelangen. Auch die Konturen des später angebauten WCHäuschens sind gut sichtbar. Da sie rechts auch noch an der Mauer des späteren Anbaues sicht bar sind, kann dieser Eingang erst später getätigt worden sein. Das gleiche Ergebnis zeigt die Bal kenkonstruktion. Der rechte Teil benötigte keinen Windverbund mehr, da der Bau an das bestehende Haus angebaut werden konnte. Auch die Verlegung des WC Häuschens wurde 1788 wegen des Anbaus der Liegenschaft Nr. 3 notwendig. Aufgrund der Balkenkonstruktion und der Bewoh nern der Familie Brun im 17. Jahrhundert kann das Gebäude exakt rekonstruiert werden. a. Das älteste Haus von Baschi Brun mit den zwei Geschossen. b. Der erste Anbau für die sehr grosse Familie des Baschi Brun um 1670/78. Zwei Fenster, sehr wahrscheinlich mit einem von Westen nach Os ten gerichteten Dachfirst. c. Der dritte, aktenkundige An- und Aufbau, von 1770/77.
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Dank «glücklicher» Umstände sind bis zum Umbau des Hauses 1984 die 200 Jahre alten Küchenein richtungen im Original erhalten geblieben. Nach dem Tod des ersten Posthalters Albert Walder führte dessen Ehefrau Louise Walder-Schuhma cher (1875 – 1956) bis zu ihrem Tod selbständig den Haushalt. Sie war sich an die Einrichtungen ge wohnt. Ein Umbau der Küche war kein Thema, erst recht nicht, als der ledig gebliebene Sohn Ernst Betrieb und Haushalt führte. Dank diesem Um stand sind die Einrichtungen bis zum Umbau er halten geblieben.
Die Kücheneinrichtung, wie sie beim Umbau 1984 noch vorhanden war. Der Herd und der Kachelofen von 1777 war bis in die 1970er-Jahre in Betrieb. Ein Elektroherd stand nie in dieser Küche Wasseranschluss des Bewohners Ulrich Walder von 1898. Dieser war noch1984 der einzige Anschluss im Wohnhaus. Bis 1898 musste das Wasser vom Brunnen vor dem Haus geholt werden. Das Wasserbecken in der Küche war für uns der «Schüttstein». Das Bild beweist den Ursprung dieser Bezeichnung.
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200 Jahre Familien Huber Die Liegenschaft Nr. I und Nr. 2 war nach den Braun 200 Jahre im Besitz der Familie Huber. Es scheint, dass dieser Übergang von Braun zu Huber naht los erfolgt ist. Auch diese Familie prägte in ver schiedener Hinsicht die Geschichte von Hurnen während dieser Zeit. Der Stammvater, Jörg Huber
*1630, ist 1637 als Stiefkind von Baschi Bucheg ger erwähnt. Er heiratete 1652 die 17-jährige Eva Brun vom Than. Sie hatten 12 Kinder, von denen nur zwei das hei ratsfähige Alter erreichten.
Salomon *1661 † 1730 1687 Heirat mit Anna Fröhlich, Lommis 2. Ehe mit Anna Frey (1697)
Barbara *1672 1698 Heirat mit Hans Jakob Schüepp, Eschlikon
12 Kinder, 7 starben im ersten Lebensjahr. Nur 4 Knaben wurden erwachsen, sie heirateten und wohnten alle in Hurnen.
keine Nachkommen
Hansjörg *1687 † 1760 1713 Heirat mit Maria Grütter, Eschlikon
Hans Conrad *1688 † 1749 1715 Heirat mit Susanne Würmli, Itaslen
Salomon *1698 † 1780 1731 Heirat mit Maria Thalmann, Wiezikon
Baschi *1710 † 1792 1734 Heirat mit Barbara Leutenegger
Keine männlichen Nachkommen
Hatten 7 Kinder, alle gestorben, davon 6 unter 2-jährig
3 Mädchen
Die vier Söhne hatten offenbar die Liegenschaften der Familien Braun übernommen. Gesichert ist, dass der jüngste, Baschi, die Liegenschaft Nr. 2 erwerben konnte und Nr. 1 anbaute.
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Baschi Huber *1710 † 1792 1732 Heirat mit Barbara Leutenegger
Magdalena *1736 † 1805
Hans Rudolf *1740 † 1817 1775 1. Ehe mit Susanne Leutenegger 1783 2. Ehe mit Anna Thalmann
Jakob *1742 † 1776
Johannes *1748 † 1779
Hans Jörg (Georg) *1751 1780 Heirat mit A.Barbara Graf Rüetschberg † 1799 sie gebar in den 19 Ehejahren 10 Kinder, davon zwei Knaben, die nicht in jungen Jahren starben
Friedrich *1784 † 1862 1813 Heirat mit Anna Barbara Walder
Hans Georg *1786 zog nach Wien
verkaufte Nr. 3 1832 an Heinrich Müller
Johannes *1817 † 1837
Hans Ulrich *1782 Heirat 1806 † 1856 in Elgg Die beiden Brüder verkauften 1822 ihren ganzen Besitz in Hurnen an einer Gant
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Die Entwicklung von Hurnen
Die Erbschafts Urkunde zur Übergabe der Lie genschaft von Sebastian (Baschi) Huber *1710 an seine Söhne bestätigt einiges. (Kantonsarchiv Thurgau Signatur 741 156 Seite 241 vom 27. 9. 1780) «Sebastian Huber im Beisein und Zufriedenheit aller 5 Kinder Jakob, Ruode, Johannes, Hans Jörg, Magdalena. Der Vatter überlässt dem Hans Jörg das neu gebaute Haus samt dem neuen Krautgarten und Hofreite laut Ziehl und Marken. (Nr. 1) Dem Ruode aber übergibt der Vatter das alte Haus und Schür (Nr. 2) samt beden Schöpfen und dem Krautgarten vor dem Haus, dieser Krautgarten und Hofreite laut Marken, der Baumgarten sollen beden zudienen, der undere zum Neu der obere zum alten Haus. Anbei ist aber bedingt: dass der Hs. Jörg die Schwöster so lang sie ledigen stands ist, im Haus, neben Feuer und Licht, und eine eigene Kammer, gedulden und unterhalten soll. Auch der Vatter und die Mutter sollen bei ihm Hs. Jörg wohnen und bleiben mögen, so lang ihnen gefällig, und ein Feuer und Licht wie die Schwöster gehalten werden, falls aber der Vatter und die Muttter in ihr alt Haus ziehen wollen, sollen beide Söhne Hs. Jörg und Ruode Ihnen genügsam Holtz anschaffen, und ein jeglicher dem Vatter 5 Zehendter Stroh zu geben angehalten sein, der Hs. Jörg solle dem Ruode noch 130 Gulden aufgaab baar erlegen, und geben. Hingegen gibt der Vatter dem Jakob und Johannes auch für ihren Antheil baar oder auf Mai 1781 an Zinslaufend, als ist jeglicher 1375 Gulden der Dochter aber 1200 Gulden welches auch baar,
oder künftigen Mai an Zins gehen solle. Die Fahrhabe erhalten die beiden Söhne die die Häuser bewohnen, der Vatter behält zwei Kühe, 1 Schwein. Der Vatter behält 4 Stück Land (die Grösse des Be triebes ist leider nicht angegeben) Des Drämers Hüsli (das erwähnte «alt Haus»?) kann Hs. Jörg nutzen bis es der Vatter will. Der Besitz des Vatters soll nach dem Tod an die 5 verteilt werden.» Das heisst, dass der neue Teil links und der Auf bau mit dem Giebel vor 1780 gebaut wurden. Dies stimmt mit der Jahrzahl 1777 oder 1770, die beim Umbau 1984 zum Vorschein kam, überein. Das er wähnte alte Haus muss das Haus des Baschi Brun von 1637 mit den Erweiterungen im 17. Jahrhun dert gewesen sein. Der gesamte Betrieb umfasste 600 Aren Kultur land und 387 Aren Wald. Hans-Jörg Huber hatte die Söhne Hans Ulrich *1782 und Hans Georg *1786 und die drei Töchter, Regula, Anna Barbara und Magdalena. Sie waren verheiratet mit Heinrich Bürgi Vogelsang, Sebastian Rickenmann Fliegenast und Heinrich Fehr Hurnen. Diese drei überlassen ihren beiden Schwägern Ulrich (abwesend in Wien) und Georg Huber 1819 den ganzen Hof. Die Tatsa che, dass nicht die drei Schwestern ihren beiden Brüdern den ganzen väterlichen Hof überlassen, sondern die eingeheirateten Schwiegersöhne, gibt Auskunft über die Rechte der damaligen Frauen.
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Bei der in den Kaufbriefen erwähnten «½ Schür» handelt es sich um die freistehende Scheune und Stall nördlich der Wohnhäuser. Nr. 6. Nur vier Jahre nach Empfang der ganzen Liegen schaften Nr. 1, 2, 6 und 7 verkaufen 1823 die Brü der Ulrich und Georg Huber diese mit dem gesam ten Land und Wald. Der ganze Betrieb wurde an der Gant vom 14. April 1823 in 53 Parzellen an 21 verschiedene Käufer aus Hurnen und Umge bung verkauft. Dem Johann Walder-Furrer (1786 – 1875) «das neue Haus (ohne Gänge Geschirrhaus und Abtritte), welche zum Haus, das Johannes Müller kauft, gehören.» Nr. 1. «die Hälfte Schür» Nr. 6
Ulrich Walder-Wirth mit Familie, v.l. Otto, Frau Louise, geborene Schuhmacher von Wiezikon, Rösli, Albert mit Ida auf dem Arm, Albert junior und Ernst
Dem Johannes Müller-Gamper (1794 – 1826) «das ältere Haus nebst Hofreite der Schopf die Hälfte Tenn und Brügi» Nr. 2 u. Nr. 7» Johannes Walder wird an verschiedenen Stellen als Wirt bezeichnet, was die mündliche Überliefe rung, dass in diesem Haus einst gewirtet wurde, bestätigt. Im Estrich befand sich auch ein Wirts hausschild, das ich bei einer Feuerschau mit dem damaligen Kaminfeger entdeckte. Leider wurde es nicht in Sicherheit gebracht. Der Kaminfeger war bekannt, dass er Estriche von altem «Zeug» zu ent leeren versuchte! Das Schild blieb verschwunden.
Im «Verzeichniss der Getranksteuer, so die Wirtschaften im Kanton Thurgau für das Jahr 1831 an die Staatskasse zu bezahlen haben» ist Johann Wal der, zum «Schäfli», in Hurnen erwähnt. Er muss 4 Gulden Steuer bezahlen. Das letzte Mal ist das «Schäfli» 1851 als Taverne erwähnt. Ob Johann Walder bis zum Bau des Restaurant Landhaus, 1864 durch Johann Müller gewirtet hatte, ist nicht bekannt. Das «Schäfli» musste dem «Landhaus» weichen.
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Die Entwicklung von Hurnen
Die beiden Brüder von Albert Walder wurden Sti cker. Adolf, geb. 1878, baute an die Scheune des Bruders, Nr. 7, einen Anbau für eine Schifflistick maschine. Samuel, geb.1872, baute das freiste hende Gebäude Nr. 20. Am 16. März 1788 klagte Rudolf Huber gegen sei nen Bruder Hans Jörg, dieser habe ihm gestattet an sein Haus anzubauen; «er könne auch beweisen, dass er (Hans Jörg) freiwillig zugegeben, den Gibel oder First auf die seinige Schütte zu bauen, und anzuhänken dörfe.»
Anbau für eine Schifflistickmaschine
Der Sohn Ulrich Walder-Wirth 1823 – 1893 erhielt den Betrieb erst 1870 vom über 80-jährigen Vater, Johann Walder. Das Ehepaar hatte 9 Kinder, der äl teste, Albert geb. 1886 übernahm den Hof. Er er öffnete 1903 die Postablage Hurnen und wurde erster Posthalter. Nr. 2 und Nr. 7 Der Käufer dieser Liegenschaften Johannes Mül ler-Gamper starb nur drei Jahre nach dem Kauf mit erst 34 Jahren. Seine Frau konnte die Liegenschaft der Familie nicht erhalten, sie verkaufte 1833 an Johannes Müller-Rickenmann *1811. 1870 folgte dessen Sohn Rudolf Müller der 1877 an Ulrich Wal der verkaufte und nach Vogelsang zog. Damit war das grosse Haus und die ganze Scheune in glei cher Hand. (die beiden Johannes Müller sind nicht direkt verwandt)
Die Handweker «Johann Wehrli von Sirnach, in circa 50 Jahre alt und Hans Jörg Baumgartner in circa 34 Jahre alt» bestätigten dies als Zeugen, Hans-Jörg habe versprochen anbauen zu lassen, wenn Ruode ihm eine Ferggstube gebe. Urteil «Entzwischen: Ruode Huber an einem, sodann dem Hans Jörg Hueber am anderen Theil ist nach abgehörter Kundschaft dahin zu Recht erkenndt, und gesprochen worden, dass Klägern Hueber seinem Bruder Hs. Jörg Hueber das Abwasser ab dem seinigen Dach in Stürzeren Kenglen, auch seine Unkosten, allwo, auffangen und abführen solle, dass ihm Beklagten andurch den mindesten Schaden könne zugeführt werden. Die heütigen Kösten 8 Gulden bezahlt Kläger und sucht wieder bei beklagtem die hälfte davon Die Kundschaften bezahlt Ruode Hueber Actum 2. Herbst Monat 1788»
Die Entwicklung von Hurnen
Wenn Rudolf Huber schon ein Gerichtsurteil gegen seinen Bruder angestrengt hatte, kann angenom men werden, dass er auch gebaut hatte. Durch den Bau dieser Liegenschaft wurde der Eingang von Osten in das bestehende Wohnhaus verbaut. Um trotzdem auch von Süden in die Wohnung zu gelangen wurde ein Eingang direkt in die Wohn stube mit einer langen Treppe von der Strasse her verwirklicht. Bei den erwähnten Unkosten dürfte es sich unter anderem vor allem um die neuen Hauseingänge von Norden und Süden handeln, die wegen des Anbaus getätigt werden mussten. Der Eingang von Süden führte direkt in die Wohnstube und war be stimmt nicht beim Neubau erstellt worden. Kon krete Beweise fehlen. Es kann aber mit Sicherheit angenommen werden, dass der Eingang ursprüng lich von Osten her erfolgte, wie dies bei vielen al ten Häusern nachweisbar ist. Links beim Eingang die Stube, rechts die Küche oder/und die Treppe in die obere Etage. Das Bild zeigt, dass bis zu diesem Zeitpunkt von Süden her kein Eingang existierte. Die Bauher ren aus dem 17. Jahrhundert hätten eine so lange Treppe direkt in die Wohnstube nie erstellt, da ja von Osten ein Eingang fast ebenerdig möglich war. Es ist auch verständlich, dass Hans Jörg Hu ber nachträglich Mühe bekundete, seinem Bruder diesen Anbau zu bewilligen. Wer würde so etwas heute tun? Man stelle sich vor, jemand beabsich tigt auf der Seite ihres Hauseingangs, auf der gan zen Höhe des Hauses eine Scheune mit Kuhstall anzubauen. Sie müssen deshalb auf zwei Seiten
Vor dem Haus steht Lina Müller, geb. 1901, spätere Ehefrau von Paul Müller, Riethof.
einen neuen Hauseingang erstellen, einen mit die ser langen Treppe direkt in die Stube. Und dieser Herr bekommt vor Gericht die Baubewilligung, mit der einzigen Auflage, dass er alle ihnen erwachse nen Kosten übernimmt! Der spätere Eingang von Süden wurde erst 1935 als Eingang zum Postbureau erstellt. Diese im Gerichtsurteil verankerte Pflicht, das Dachwas ser abzunehmen, lastet bis heute auf der nörd lichen Liegenschaft Nr. 3, die, wie wir gleich er fahren werden, in den Besitz der Familie Müller gelangte. Als ich 1969 den Bauernhof von meinem Vater übernehmen konnte, gehörte bereits das im Bau befindliche neue Wohnhaus, Nr. 20, zum Be trieb. Ich wurde nie Eigentümer der Liegenschaft Nr. 3. Trotzdem steht in meinem Kaufbrief, dass ich verpflichtet sei, das Dachwasser von erwähn ter Liegenschaft in den Kengeln des neuen Hau ses abzuleiten!
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Die um 1790 gebaute Liegenschaft, links angrenzend an das bestehende Nachbarsgebäude mit Kreuzgiebel
Das Haus Nr. 3 im Jahr 2014 von Norden. Rechts mit brauner Fassade Scheune und Stall. Der Teil in der Mitte mit den blauen Fensterläden und der Teil mit den roten Fensterläden wurden um 1790 gebaut. Der Anbau (das Zimmer links mit dem Eingang und oben zwei Fenster) wurde um 1890 erstellt. Nach der Hochzeit meiner Grosseltern 1892 wurde unten und oben ein Zimmer zu ihrer Wohnung geschlagen. In dieser Wohnung mit den roten Fensterläden, die zum Landwirtschaftsbetrieb mit der neuen Scheune Nr. 8. gehörte, verbrachte ich die ersten 30 Jahre meines Lebens.
Den Wohnhausteil Nr. 2 übernahm 1935 Posthalter Alber Walder. Nach dem Umbau 1984 durch Ernst Meili wurden seine Schwester Anneliese und Ehe mann Jakob Bösch Eigentümer. Bis zur Pensionie rung von Jakob als Pfarrer in Balgach wurde die Wohnung vermietet, von 1987 bis 1999 an Markus und Susanne Stübi-Bänziger. Susanne war schon vor dem Umzug von der Egg nach Hurnen Kinder gärtnerin der Schule Egg. Andreas Vogel und Mi riam Schär waren danach noch 10 Jahre unsere Nachbarn. Nr. 3 Zur Geschichte dieses Hauses kann das Gerichts urteil vom 2. September 1788 beitragen. Wie er wähnt, gehörte das Haus Nr. 2 Ende des 18. Jahr hunderts Hans Jörg Huber. Sein Bruder Rudolf baute um 1789 Scheune und Wohnhaus an diese Liegenschaft an. Die Liegenschaft wurde 1814 von Friedrich Huber, einem Sohn von Rudolf, käuflich erworben. Er besorgte sich von Johann Georg Stei ner von Winterthur ein Darlehen von 1500 Gulden. Zum Hof gehörten 306 Aren Wiesland, 290 Aren Ackerland und 126 Aren Wald. Im Schuldbrief sind 25 Parzellen aufgeführt. Mein Ur-Ur-Ur-Grossvater Johannes Müller kaufte 1832 diese relativ neue Liegenschaft mit 17 Aren Land. Das Kulturland und der Wald wurden vom Verkäufer in 17 Parzellen, an 10 Käufer verkauft. Johannes Müller übergab diesen Hof, mit nur 17 Aren Land, 1835 seinem Sohn Heinrich. Er musste die darauf lastende Schuld von 640 Gulden und 100 Gulden dem Vater zu 4,5% verzinsen.
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Die Scheune und der Stall zum Teil verdeckt, das Wohnhaus, wie damals üblich doppelt so gross wie die Ökonomie. Der Anbau, von rechts die ers ten beiden Fenster, wurde erst 100 Jahre später, vor der Hochzeit meiner Grosseltern, 1892 ange baut. Im Osten (links) bestanden noch zwei Wohn häuser Nr. 4 und Nr. 5 mit ursprünglich je ½ Stall und Scheune. Nr. 4 Zwischen 1657 und 1677 heirateten sechs Kinder des Baschi Brun und wohnten 1678 mit ihren Fa milien und eigenem Haushalt in Hurnen. Andreas *1632 heiratete, bevor sein Vater das vierte Mal heiratete und noch sechs Kinder zeugte. Zudem lebten 1652 noch zehn Geschwister im Haus. An dreas musste für seine schnell wachsende Familie ein eigenes Heim bauen. Der gesunden Logik fol gend, baute er an der gleichen Strasse Richtung Than (Nr.4). Die andere Seite war bereits besetzt. Eine Strasse nach Eschlikon gab es nicht. Andreas war Zimmermann. Von seinen neun Kindern starb eines kurz nach der Geburt. Die anderen acht blie ben zum Teil bis über 30-jährig in Hurnen bei den Eltern. Das zweitjüngste hat den gleichen Jahrgang wie das jüngste Kind des Vaters.
Nr. 8 Die 1873 von Heinrich Müller erbaute Scheune. Ruedi Isler, Lehrer in der Egg, hat die Scheune nach Vorlagen von alten Fotos wirklichkeitsgetreu ge zeichnet. Rechts der Anbau mit Pultdach von 1884 für die Stickereimaschine.
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Andreas *1632 hatte zwei Söhne. Der älteste, Ul rich *1658, heiratete 1685. Bei den Eltern wohn ten noch fünf jüngere Geschwister. Man darf an nehmen, dass er das Haus Nr. 5 an das Haus des Vaters anbaute. Sein Sohn Jakob *1698 können wir im 18. Jahrhundert als Besitzer von Nr. 5 ur kundlich nachweisen. Der fünfzehn Jahre jüngere Bruder von Ulrich, Andreas *1673, dürfte das el terliche Haus übernommen haben.
Es folgte dessen Sohn Johannes, der es um 1890 abbrach und – vor der Hochzeit meines Grossva ters Gottlieb Müller mit Pauline Thalmann – 1892 einen Anbau erstellte.
Er wohnte 1700, zusammen mit drei ledigen Schwestern, bei der verwitweten Mutter. Logisch wäre, dass er dieses Haus Nr. 4 übernehmen konnte. Er starb 1737 ohne Nachkommen, seine Frau 1740. Gemäss späteren Unterlagen gelangte das Häuschen mit etwas Land und einem Anteil an einem Schürli in den Besitz der Familie Oberli. Ja kob Oberli war verheiratet mit Franziska Müller. Am 5. Juli 1756 wurde das erste von fünf Kindern, das in Hurnen geboren wurde, getauft. Da jedoch zwei Söhne, Jakob und Antony 1770 und 1772 in Hurnen heirateten und ein Johannes nachweisbar ist, dürfte die Familie Oberli kurz nach 1750 mit bereits vorhandenen Nachkommen in Hurnen ein gezogen sein. 1793 wird nebst Haus und Krautgar ten ½ Schürli erwähnt. Die zweite Hälfte gehörte zu Nr. 5. Später wird das Schürli nur noch bei Nr. 5 erwähnt. 1814 sind die Geschwister Oberli Besit zer des Wohnhauses. Von diesen erwarb 1818 der noch ledige Josef Oberli, *1779, die Liegenschaft. Er verkauft sie 1840 an Kaspar Bürgi. 1850 ver kauft Bürgi an Heinrich Fehr. Mein Ur-Ur-Grossva ter Heinrich Müller kaufte 1854 das an seine Lie genschaft angebaute Haus.
Nr. 5 Diese Liegenschaft dürfte Ende des 17. Jahrhun derts von Ulrich Brun gebaut worden sein. Dieses Haus, Schür samt Krautgarten, gehörte 1729 des sen Sohn Jakob Brun *1698. Wegen Konkurses ge langte der Hof des Jakob Brun in den Besitz des Klosters, wurde aber «als lang einem Herrn beliebig» (konnte jederzeit ohne Grund gekündigt wer den) dem Jakob Brun wieder verliehen. Jakob starb 1740, erst 42 Jahre alt, seine Frau Maria Graf aus Balterswil, zwei Jahre früher. Die vier minderjäh rigen Waisenkinder wohnten beim Ehepaar Hans Adam Walder und Barbara Graf, der Schwester von Maria Graf. 1742 zahlte der Katholik Josef Spe cker von Bernhardsriet dem Kloster jährlich 14 Gulden Zins von diesem Hof. Das Vermögen von Josef Specker und seiner Frau Magdalena Mahler betrug bei der Erbteilung am 25. Juli 1767 neben dem Haus, Scheune, Krautgarten und Hofreite 20 kleine Parzellen Kulturland und Wald, 2 Ochsen, 1 Kuh und 20 Gulden. Auch wenn Urkunden feh len, konnte Josef Specker den Hof kaufen. Diesen erbte Franz, sein frisch verheirateter Sohn. Der Hof kam 1811 wegen Konkurses auf die Gant und
Der neue Anbau war nun mit einem Teil von Nr. 3 das Wohnhaus mit den erwähnten roten Läden des Bauernbetriebes mit der Scheune Nr. 8, den 1936 Sohn Adolf erwarb.
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wurde vom Hurner Güterhändler Hans Georg Hu ber gekauft und noch im gleichen Jahr an Fried rich Sprenger von Wiezikon verkauft. Schon 1815 konnte auch dieser die Zinsen nicht mehr bezah len. Der Hof kam wieder ins Eigentum des Gläubi gers Hans Georg Huber. Er verkaufte «das ihm von Friedrich Sprenger anheim gefallene Haus» weiter an Kaspar Bürgi vom Vogelsang, der es 1850 an Heinrich Fehr verkaufte. Mit den beiden Liegen schaften 4 und 5 verkauft Bürgi auch die dazu ge hörenden 155 Aren Kulturland und 55 Aren Wald, an 13 verschiedene Käufer. Heinrich Müller kaufte 1853 auch dieses Häuschen. Er war bereit, dieses 1855 ohne Entschädigung abzubrechen, um einer Strasse nach Eschlikon Platz zu machen. Bis dahin bestand nur ein schmaler Fussweg zwischen den beiden Nachbarhäusern. Schon 1822 wurden auf diesem Hof keine Tiere gehalten.
Der nordöstliche Viertel von Hurnen Nr. 9 – 13a Diesen Viertel von Hurnen, links der Strasse nach Than, kann man bis ins 19. Jahrhundert das Walder Viertel bezeichnen. Fridli Walder * 1628, † 1693, Sohn von Uli Walder und Elsbeth Leutenegger von Eschlikon, heiratete 1653 Anna Brun von Hurnen. Alle ihre 13 Kinder wurden in Hurnen geboren. Sieben starben nach wenigen Tagen oder Jahren.
Nr. 9 und 13 Nr. 9 und Nr. 13 wurden 1813 vom Arzt Hans Adam Walder an Nr. 10 und Nr. 12 angebaut. Er eröff nete darin seine Arztpraxis. Anbauen konnte er an das Haus seines Bruders, Hans Jakob *1780. Die ser blieb kinderlos. Er ermöglichte seinem Bruder das Studium zum Arzt und war auch beim Bau des neuen Hauses beteiligt. Die Scheune Nr. 13 konnte er an die Scheune seines Onkels, Nr. 12, anbauen.
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Hans Adam Walder, Arzt
Tierarzt Hans Adam Walder, *1747, heiratete Ka thrin Müller von Hosenruck. Sie hatten 10 Kinder, davon die beiden Knaben Hans Jakob *1780 und Hans Adam *1790.
Hans Adam Walder *1790 † 1877 Hans Adam wurde Arzt und damit die erste Gene ration der drei Ärzte-Generationen Walder von Hur nen, Münchwilen und Wängi. Sein Bruder Hans Jakob war viele Jahre Schulpfle ger der Schule Hurnen. Er heiratete Anna Barbara Ammann. Ihre Ehe blieb kinderlos. Er setzte sich für seinen 10 Jahre jüngeren Bruder ein und ermög lichte ihm die Ausbildung zum Arzt und Chirurgen. Die Zeit für ein Arztstudium war günstig und für
die Bevölkerung ein Segen. Im Medizinal Etat des Thurgaus vom Jahr 1799 wurden zwar im Distrikt Tobel elf Ärzte genannt, davon aber sechs als «unwissend» bezeichnet. Von drei Ärzten heisst es «besitzt Wissenschaft», und nur zwei – Ulrich und Jo hann Peter in Tannegg – werden als gute Ärzte und Chirurgen gelobt. Bei Johann Brunner in Bülach trat Hans Adam 1810 eine dreijährige Lehre an. Er liess sich einen Pass ausstellen «nach Deutschland und im Fall weiter». Er reiste – nach einer Fa milienlegende – mit einem Schimmel nach Tübin gen. Dort studierte er: «Chemie, Botanik, Anatomie, Geburtshilfe mit praktischen Übungen, Physiologie, allgemeine Pathologie und Semiotik, Nosologie der akuten und chronischen Krankheiten, gerichtliche Medizin und medizinische Chirurgie». Hans Adam schloss nach zweijährigem Studium das thurgaui sche Staatsexamen ab. Er legte «das Handgelübte ab zu treuer, gewissenhafter Erfüllung seines Berufes und jeder darauf beziehender Pflicht, die ihm die Sanitäts-Organisation und die Verordnung des Sanitätsrates vorzeichnen». Daraufhin bewilligte ihm der Sanitätsrat am 27. Mai 1815: «die Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe im Kanton Thurgau auszuüben». Der fünfundzwanzigjährige Arzt eröffnete in Hurnen in seinem Elternhaus Nr. 10 eine ArztPraxis. Schon kurz darauf baute er «einen neuen Anstoss», Nr. 9. Im Assekuranzbuch der Gebäude versicherung ist das Jahr 1817 angegeben, doch diese Einträge erfolgten erst nach Beendigung des Anbaus, so dass als Baujahre 1815/16 angenom men werden kann.
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Dass Adam Walder die Erlaubnis erhielt als Chi rurg tätig zu sein, bestätigt die mündliche Überlie ferung, dass auf dem Tisch in der Stube des Hau ses Zbinden operiert wurde. Die Stube war der einzige geheizte Raum. Mit dem Hausbau Nr. 9 wurden auch eine Scheune und Stall, Nr. 13, am östlichen Ende an die Scheune Nr. 12 angebaut. Diese beiden Gebäude, Wohnung Nr. 9 und Öko nomie Nr. 13, blieben über 100 Jahre eine Einheit. Medizinische Korrespondenz zwischen Vater und Sohn Hans Adam heiratete am 28. Oktober Susanne Köchli. Ihr Sohn Hermann studierte später in Hei delberg ebenfalls Medizin. Aus den Briefen an den Sohn in Heidelberg ist einiges über die Situation der medizinischen Versorgung zu erfahren. So schrieb Hans Adam am 30. Mai 1838: «Ich habe mehrere gefährliche Kranke an Brustleiden und Herzfehlern, besitze aber bis jetzt kein Hörrohr, welches für Untersuchungen solcher Krankheiten sehr gut sein soll. Schönlein empfiehlt es besonders.» Er gab dem Sohn den Auftrag, eines zu kau fen. Er glaubte, dass sein Sohn bei Professor Me lius in Heidelberg in der Chirurgie viel lernen könne und schrieb ihm: «Es ist dies umso notwendiger, da auf dem Land oft Operationen zu machen sind! Ich hoffe, Du gebest ein tüchtiger Operator. Die Chirurgie ist immer ein schönes Fach und erregt Zutrauen.» In einem anderen Brief schrieb er: «Auch das Studium der Augenheilkunde ist für einen Landarzt umso dringender, da so viel Augenkrankheiten auf dem Lande vorkommen.»
Das Haus Zbinden Nr. 9 wurde 1815/16 an das Haus Nr. 10 angebaut, als der Arzt Adam Walder in Hurnen seine Arztpraxis betrieb. Hinten links der Schopf mit angebauter Stickerei, rechts Haus Nr. 10. An den Fenstern sieht man den ungleichen Bauzeitpunkt.
Öffentliche Ämter des Dr. Adam Walder Hans Adam Walder wurde schon drei Jahre nach der Praxis-Eröffnung zum Adjunkt des Physikats To bel gewählt. 1819 wählte ihn der Kleine Rat (Re gierung) zum Bataillons-Chirurgen im Hauptmanns grad für das Militärquartier Nr. III. Als Anhänger und Freund von Thomas Bornhau sers setzte er sich aktiv für die thurgauische Re generation ein. Am 25. November 1830 wurden 64 Mitglieder des Grossen Rates gewählt, darun ter als zweier Vertreter des Bezirks Tobel Dr. Adam Walder. Zu dieser Zeit wohnte Adam Walder bereits
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gemeinsamem Besitz. Dr. Adam Walder hatte 1822 1 Pferd, das er sehr wahrscheinlich für Krankenbe suche im ganzen Hinterthurgau benötigte, 1 Ochs und 1 Kuh. Sein Bruder hatte 2 Ochsen und 1 Kuh. Aus dieser Zeit stammt das immer noch beste hende gegenseitige Fuss- und Fahrwegrecht aller Bewohner, nördlich des ganzen Komplexes. Dies war möglich, weil er der Familie Walder gehörte.
Der 1820 gebaute Schopf. Davor Werner Zbinden, der um 2000 diesen Schopf abbrach und wieder neu aufbaute.
in Münchwilen, wo er sich ein Haus bauen liess. In Hurnen verkaufte er 260 Aren Kulturland und 20 Aren Wald, das in seinem Privatbesitz war. Dr. Walder nahm seinen Bruder Hans Jakob und des sen Frau bei sich auf und pflegte ihn, als er krank wurde. Das Wohnhaus Nr. 9, die Scheune Nr. 13 und ein Teil des Landes verkauften sie an Konrad Jucker von Balterswil, den Rest des Landes und Wald an Hurner Bauern. Der Betrieb der Brüder Walder umfasste 275 Aren Wiesland, 610 Aren Ackerfeld und 150 Aren Wald, zusammen mit dem Besitz des Dr. Walder eine respektable Grösse. Die Gebäude waren in
Zur ehemaligen Arzt-Liegenschaft Nr. 9 gehörten ab 1923 nur noch der um 1820 gebaute Schopf und ab 1900 die Stickerei. Im Bevölkerungsver zeichnis von 1850 war Konrad Jucker der einzige in Hurnen, Than und Eichholz, der sich als Landwirt bezeichnete. Sein Sohn Georg jedoch war Weber. Dieser war 1862 Inhaber des Betriebes. Er hatte mit drei Kühen am meisten Tiere im Stall. Georg Jucker verkaufte 1889 an seinen Schwieger sohn Emil Greuter. Er war Steinhauer und Landwirt. Seine Frau Berta Jucker war Arbeitsschullehrerin in der Egg. Sie starb erst 42-jährig an Lungentuberku lose. Zuvor hatte sie von 1887 bis 1903 elf Kinder geboren. Emil Greuter zog 1903 nach Eschlikon. Ihm folgte J. Zimmermann, der 1903 eine Sticke rei an den bestehenden Schopf anbaute. Im Kassabuch der Wasserkorporation sind aufge führt: 1914 bis 1916 Jossi, heute Zielwies Balters wil, (nach Ernst Jossi wohnten sie nie in Hurnen, sein Grossvater sei einem Hurner Bürge gewesen, der offenbar den Wasserzins zahlen musste), 1918 bis 1922 Christian Michel. Den Wasserzins zahlten von 1923 bis 1925 Reiser und von 1926 bis 1928
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Gottfried Zbinden, beide ohne Tierhaltung, weil zur Liegenschaft kein Kuhstall mehr gehörte. Der Berner Gottfried Zbinden kaufte 1925 die Lie genschaft. Nach der Güterarrondierung 1928 ge hörten – zu dem 100 Jahre früher grössten Betrieb in Hurnen – noch 234,97 Aren Kulturland, jedoch kein Wald. Gottfried Zbinden war Schneider, das Land bewirtschaftete er mit Hilfe meines Vaters. Zugtiere hatte er keine. Ein Spezereiladen in Hurnen Gottfried Zbindens Ehefrau betrieb ein für das Dorf Hurnen und Umgebung sehr willkommenes Spe zereilädeli für den täglichen Bedarf. An der neuen Treppe rechts ist ersichtlich, dass dieser Eingang erst mit der Eröffnung des Spezereiladens erstellt wurde. Werners Frau Anni hatte keine Freude am Krämerladen. Den Spezereiladen liessen sie, gar nicht zur Freude der Hurner Hausfrauen, einge hen. Auch vom Vogelsang konnten wir noch oft Kundinnen beobachten. An der Hauswand ist auch die Werbung von Gottfried Zbinden als Schneider meister ersichtlich. Überrascht hat mich das Foto mit meiner Mutter von 1937. Das bedeutet, dass der Neubau von Scheune und Stall von Gottfried Zbinden erst nach dem Frühjahr 1937 erstellt wurde. Seit dem Ver kauf der Scheune Nr. 13 im Jahre 1923 konnten keine Kühe mehr gehalten werden.
Frau Zbindens Spezereilädeli mit Familie, mit Kindern (von links) Gottfried, Albert, Ernst, Karl, Maria, Martha und Werner. Aufnahme ca. 1930
Louise Müller mit Sohn Adolf *1937
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Der 1939 erstellte Neubau für 6 Kühe und Jungvieh.
Das 2012 erbaute Wohnhaus
Scheune und Stall vor dem Abbruch und Neubau eines Wohnhauses. Das Fenster mit der verputzten Mauer gehörte noch zum ursprünglichen Stickereiraum. Die ehemalige Stalltüre zum Kuhstall ist zugemauert. Werner Zbinden hat um 2000 die Milchviehhaltung aufgegeben und den Kuhstall in einen Schweinestall umgebaut, ebenfalls nach hinten und links einen Schweinestall.
Den Betrieb übernahm Gottfrieds Sohn Werner. Der 1939 erstellte Neubau hat Platz für sechs Kühe und Jungvieh. Das 2012 von Markus Zbinden und Partner Greg erbaute Wohnhaus musste aus denkmalpflegeri schen Gründen den gleichen Kubus haben wie die Scheune zuvor und musste an den Schopf rechts angebaut werden Nr. 10 und 14 Anna Brun *1634 heiratete 1653 Fridli Walder von Eschlikon. Anna gebar in 21 Jahren 13 Kinder. Da Fridli Walders Nachkommen – urkundlich beweis bar – Besitzer von Haus Nr. 10 und der Scheune Nr. 14 waren, kann angenommen werden, dass um 1650 er der Bauherr war. Vermutlich konnte er auf dem Land seines Schwiegervaters, Baschi Brun, bauen. Ein Vorgängerbau kann ausgeschlossen
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werden, da laut Bevölkerungsverzeichnis die Be wohner dazu fehlten. Fridlis ältester Sohn, Fridli *1655 heiratete 1678 Wybert Bietenhart von Hor ben. Er dürfte den Betrieb vom Vater übernommen haben. Fridli Walders Güetli begegnen wir noch oft in den Akten. Fridli konnte mit den Jahren die Zin sen nicht mehr bezahlen. Sein Gläubiger war der Herrn Rathsherr Heinrich Sulzer in Winterthur. Der Betrieb gelangte in dessen Besitz. Am 25. Okto ber 1716 verkaufte Sulzer den Hof an das Klos ter Fischingen. «So an Capithal fünf hundert und fünfzig Guldin Vermag, und darby, in circa 102 Gulden Zins und gehabte Kösten bis und mit Mayen 1716 verfahlen» Fridli hatte, obwohl dreimal verheiratet, nur eine Tochter, die ledig blieb. Sein jüngerer Bruder Uli *1666, heiratete 1690 Anna Forster. Er muss im Osten ein Haus und Scheune angebaut haben, Nr. 11 und Scheune Nr. 12. An der Konstruktion im Estrich ist erwiesen., dass Nr. 11 an Nr. 10 angebaut wurde. Auch in dieser Generation, wurden wieder 12 Kinder ge boren. Nur drei «überlebten» die Kindheit. Der äl teste Hans Adam *1706 heiratete Barbara Graf von Balterswil und übernahm den Betrieb des Vaters. Er wird später in den Urkunden als Besitzer aufge führt. Aber auch Hans Adam kam 1740 in Schwie rigkeiten und musste den Hof dem Kloster Fischin gen abtreten, konnte aber – wie Jakob Brun – auf dem Hof als Lehenbauer bleiben. Im Lehenbuch des Klosters von 1747 steht: «Hans Adam Walder soll jährlich so lang es dem Gottshaus beliebig von
seinen bestands und Wiesen Haus und Güetern an Kernen 2 Mutt, an Haber 2 Mutt, an Geld 26 Gulden. Mehr ab einem Wieslein am Dorf Hurnen gelegen 1 Gulden 7 Kreuzer 6 Pfenning, Mehr wegen Fridli Walders Güetlein 22 Gulden.» Das heisst, Hans Adam hat auch den Betrieb seines Onkels Fridli als Lehen des Klosters bewirtschaf tet. Er konnte aber, obwohl Akten fehlen oder über sehen wurden, den Hof vom Kloster zurückkaufen. Nach dem Tod von Hans Adam Walder-Graf am 10. Juli 1785 fand am 9. Oktober 1786 eine Erb teilung in der Familie statt. Die Brüder Hans Jakob *1744 und Hans Adam *1747 erhielten die Lie genschaft mit Haus, Schür, Kraut und Baumgar ten. Dazu gehörten 770 Aren Kulturland und bei nahe 400 Aren Wald. Die dazugehörende Scheune Nr. 14 (wurde auch Speicher genannt) war freistehend im Norden des Hauses. Sie erhielten die Liegenschaften für die auf dem Betrieb lastenden Schulden von 3000 Gul den. Diese Verschuldung war für einen Bauernhof sehr hoch, auch wenn man bedenkt, dass es bis ge gen Ende des 19. Jahrhunderts keinen Betrieb gab, der mehr Kulturfläche hatte. Den beiden Schwes tern Anna Marie und Anna Barbara müssen sie je 150 Gulden in bar bezahlen, dazu eine Brautfuhre von 150 Gulden.
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wurde in Urkunden Tierarzt genannt, er heiratete Kathrin Müller von Hosenruck. Sie hatten 10 Kin der, davon die unter Nr. 9 erwähnten Brüder, Hans Jakob *1780 und der Arzt Hans Adam *1790. Die Scheune Nr. 14 wurde um 1823 von den beiden neu gebaut. Nach dem Wegzug zu seinem Bruder, Dr. Walder nach Münchwilen, verkaufte Hans Jakob, das Haus Nr. 10 und das Schürli Nr. 14 seinem Cousin Hans Jakob Walder *1783 Gemeindeverwalter. Im Kauf vertrag steht: «Zu diesem Haus ist die Wand zwischen der Stube des Käufers und der Nebenstube des Verkäufers (der spätere Spezereiladen) die Scheidewand in gerader Linie.»
Das Haus Nr. 10. in der Mitte, mit braunen Fensterläden ist das älteste in dieser Reihe. Rechts das etwas später angebaute Nr.11. Links das erst 1913 gebaute Arzthaus Nr. 9.
Der Betrieb wurde geteilt. Hans-Adam * 1747 – er wird auch als Tierarzt bezeichnet – erhielt den Be trieb des Fridli, Nr. 10/14. Hans Jakob *1744 über nahm den östlichen, angebauten Hof, Nr. 11/12. Ihr drei Jahre später geborener Sohn Friedrich wurde Zimmermann und baute 1869 das abge brannte Haus Nr. 19. (Lautenschlager) seines On kels wieder auf. Hans Jakob *1744 wird als Schulmeister betitelt. Die beiden Brüder gehörten 1798 zu den Stiftern der Schule Hurnen. Hans Adam Walder *1747
Gemeindeverwalter Hans Jakob erwarb schon 1811 die Liegenschaft Nr 15, die sein Sohn über nahm. Friedrich Walder *1834 ein Neffe des Ge meindeverwalters, übernahm die Liegenschaft Nr. 10. Friedrich war Zimmermann. Er baute 1870 für seinen Cousin Ulrich das niedergebrannte Haus Nr. 19 wieder auf. 1882 ist Friedrich Eigentümer die ses Hauses. Er baute auch das Haus des späteren Ortsvorstehers von Eschlikon, Walter Greuter, an der Bahnhofstrasse in Eschlikon. 1893 bis zu seinem Tod 1903 ist Johannes Walder *1820, ein Sohn von Gemeindeverwalter Hans Ja kob, Besitzer der Liegenschaften Nr. 10, 11, 12 und 14. 1907 bis 1925 ist Ulrich Walder *1855 Besitzer der Liegenschaft. Er war verheiratet mit Maria Sprenger von Anetswil.
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Die Liegenschaft Nr.10 wurde den Walders ent fremdet. 1925 erwarb Emma Alther, nach ihrer Hei rat Emma Burkhalter-Alther, die Liegenschaft. Ihr Mann Ernst war für meinen Grossvater und Vater eine willkommene Hilfe in der Landwirtschaft, an Wochenenden und vor allem nach Feierabend. Im Pensionsalter wurde er von der Gemeinde Horben als Gemeindemauser angestellt. Das war jeweils ein Ereignis, wenn er vom Feld zurückkam und auf dem Dorfplatz «chom Bus, Bus, Bus» zu hören war. Aus dem ganzen Dorf kamen an die zehn Katzen mit erhobenen Schwänzen herangestürmt, um ih ren «Zobig» abzuholen. Auf Ernst Burkhalter senior folgten Ernst Burk halter und Annemarie Burkhalter-Grob. Heute ist die Liegenschaft Eigentum der Erbengemein schaft Burkhalter. Die dazugehörende freistehende Scheune Nr. 14 wurde 1927 abgebrochen. Nr. 11 und Nr. 12 Uli Walder *1666 war der Erbauer dieser Liegen schaft. Uli war der zweite Sohn des Fridli Walder
von Eschlikon, der 1653 in Hurnen einheiratete und das Haus Nr. 10 baute. Uli Walder war mit Anna Forster von Utenwil verheiratet. Ihr erstes Kind, nach 16 Ehejahren, Hans Adam *1706, hei ratete Barbara Graf von Balterswil. Er erwarb die Liegenschaft Nr. 11/12. Man kann mit Gewissheit annehmen, dass er den Hof von seinem Vater über nehmen konnte. Nach dem Tod von Hans Adam Walder-Graf am 10. Juli 1785 fand am 9. Oktober 1786 eine Erb teilung in der Familie statt. Die Brüder Hans Jakob *1744 und Hans Adam *1747 erhielten die Lie genschaft mit Haus, Schür, Kraut und Baumgar ten. Dazu gehörten 770 Aren Kulturland und bei nahe 400 Aren Wald. Der Betrieb wurde geteilt. Hans Jakob * 1744, Schulmeister, übernahm den östlichen, angebau ten Hof Nr. 11/12. Er war verheiratet mit Magda lena Zinggeler aus Elgg. Sie gebar in 14 Jahren elf Kinder. Davon starben vier als Säugling und zwei als Ledige mit ca. 30 Jahren.
Vier Nachkommen heirateten in Hurnen: Hans Jakob
Hans Adam
Johannes
Anna Barbara
*3. 1. 1783
*18. 3. 1784
*27.5.1786
*24. 3. 1790
Heirat 24.10.1811 mit A.Marie Thalmann Wiezikon
Heirat 9.7.1831 mit Maria Ida Brühwiler Hurnen
Heirat 5.3.1833 mit Susanne Furrer Unterschlatt
Heirat 14.10.1813 mit Friedrich Huber Hurnen
Haus Nr. 10
ab 1822 Nr. 11
Haus Nr. 11 ab 1822 Haus Nr. 1
Haus Nr.3
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gleichen Haushalt alleine arbeiten und schon gar nicht dort schlafen. Der Vorsteher blieb un tätig, was ihm heftige Kritik seiner evangelischen Behördekollegen eintrug, bis er erklärte, er werde nichts unternehmen, er finde es für beide eine gute Sache. Hans Adam löste schliesslich das Problem selber. Der mittlerweile 47-jährige heiratete 1831 seine 22-jährige Haushalthilfe.
Rechts die um 1890 von Johannes Walder zwischen Wohnhaus und Scheune gebaute Stickerei. Das Haus 1985 mit den nicht ganz stilgerecht erneuerten Fenstern. Ob die Nebenstube zur Stickerei geschlagen wurde, ist nach der Fassadenrenovation nicht mehr sichtbar.
Hans Jakob *1783 kaufte die gegenüberliegende Liegenschaft Nr. 15 (Waldispühl). Sie gelangte an den Sohn Hans Jakob Walder-Müller. Johannes Walder *1786, kaufte 1822 von HansGeorg Huber den westlichen Teil der alten Post. Nr. 1. Über Hans Adam *1784 erfährt man in den Proto kollen der jungen Ortsgemeinde Horben eine nette Kurzgeschichte: Der alleinstehende Hans Adam hatte eine junge katholische Haushalthilfe aus dem Dorf, Maria Ida Brühwiler. Die Ortsverwaltung der Gemeinde be auftragte den Vorsteher Josef Hollenstein vom Eichholz – ein Katholik – dass diese Situation be endet werde. Das junge Fräulein dürfe nicht im
Nach dem Tod von Hans Adam 1848 führte seine junge Frau noch fast 30 Jahre den Bauernhof. Nach deren Tod 1876 konnte ihr Neffe Johannes *1820, Sohn von Hans Jakob, den Hof Nr. 11/12 überneh men. Dieser Johannes war einer von drei jungen Hurnern, der zum Sonderbundskrieg aufgeboten wurde. Wohnhaus und Scheune waren ursprüng lich nicht zusammengebaut. Johannes baute einen Zwischenbau mit einem Stickereiraum im Erdge schoss. Es erstaunt immer wieder, wie spät die al ten Männer ihre Höfe aus den Händen gaben, zum Teil erklärbar durch die fehlende Altersvorsorge, so auch der erwähnte Johannes. Er starb 1903 mit 83 Jahren. Sein Sohn Ulrich *1855 konnte erst da nach den Hof übernehmen. Er hatte nur eine Toch ter, Sophie *1897. Sie heiratete 1923 Albert Wei bel, der den Hof des Schwiegervaters übernahm. Er erwarb auch den im Osten angebauten Stall und die Scheune Nr. 13. Nr. 13 wurde mit Nr. 9 ge baut. Die beiden Liegenschaften gehörten mehr als 100 Jahre zusammen. Bei der Güterarrondie rung 1925 erhielt Weibel eine Zuteilung von 392 Aren Kulturland.
Die Entwicklung von Hurnen
Albert Weibel verpachtete den Hof 1946 an das Ehepaar Hollenstein, die den Betrieb mit vier Kü hen bewirtschaftete. Für sich und seine Ehefrau Sophie baute er den Stickereiraum und die dahin ter liegenden Räume in eine kleine Wohnung um. Die zum Betrieb gehörende Wohnung war für das Pächterehepaar bestimmt. 1950 konnte das Ehe paar Franz und Ida Manser-Rast den Hof erwerben. 1975 verpachtete Franz Manser den Bauernhof an seinen Neffen Karl Bärtsch, der dann im Loh bei Balterswil einen grösseren Betrieb pachten konnte und nach einigen Jahren nach Kanada auswanderte. Nach der Güterzusammenlegung 1980 – 1990 ver zichtete Franz Manser auf eine Neuzuteilung, mit Ausnahme der Hauswiese. Der Betrieb wurde als Landwirtschaftsbetrieb aufgelöst.
Der südöstliche Viertel von Hurnen Nr. 15 – 21 Die Vorgängerliegenschaft dieses 1840 gebauten Bauernhofes dürfte, an Hand der Indizien, im 17. Jahrhundert durch die Familie Brun erstellt wor den sein. Jörg Brun *1643, Heirat 1678, † 1683, wohnte mit seiner Ehefrau in Hurnen. Die Ehe blieb kinderlos. Jörg starb 1683 erst vierzig Jahre alt. Seine Frau wohnte 1689 nicht mehr in Hurnen. Mindestens ab 1686 wohnte eine Familie Peter lein in Hurnen. Es spricht vieles dafür, dass Jörg Brun Nr. 15 baute und Johannes Peterlein diese Liegenschaft um 1685 erwarb. Es ist urkundlich
nicht beweisbar. Indizien lassen den Schluss zu, dass Johannes Peterlein den Hof erwerben konnte. Am 14. Juni 1889 wird dem Ehepaar Johannes Pe terlein und Anna-Maria Wiemann in Hurnen eine Tochter geboren. Beim Liegenschaftsbeschrieb anlässlich des Kon kurses von Johannes Peterlein, 1699, ist neben Haus und Scheune ein Spicher aufgeführt. Ein sol cher Spicher fehlt bei den anderen noch in Frage kommenden Liegenschaften. Bei diesem Spicher könnte es sich glaubhaft um den alten Schopf han deln. Er ist mit Sicherheit sehr viel älter als Wohn haus und Scheune. Der Hof gelangte nach einem Urteil des Fischinger Hofgerichtes an den Gläu biger Junker Alexander Ziegler im Rothenturm zu Schaffhausen. Das Kloster Fischingen kaufte den Hof am 12. Februar 1700 für 527 Gulden von Ziegler. Johannes Peterlein konnte den Hof am 26. Januar 1701 als Lehen des Klosters wei ter bewirtschaften.
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Die Entwicklung von Hurnen
Die 1840 erbaute Liegenschaft
Der Zins betrug 22 Gulden, dazu sind die Grundzin sen nach Fischingen zu bezahlen. Peterlein muss sein Getreide in den Mühlen des Klosters mahlen lassen und darf nur den Markt in Fischingen be suchen. Der Sohn von Johannes Peterlein, Fran ziskus Peterli, starb 1769 in Hurnen (in den Pfarr büchern wurden aus den «Peterlein» «Peterli»). Ob seine Frau, Barbara Baumgartner, den Hof erhal ten konnte, ist nicht bekannt, ebenfalls nicht, wann Hans Georg Huber den Hof erwerben konnte.
In den Jahren 1813/15 erwarb Hans Jakob WalderThalmann die aus dem Ende des 17. Jahrhunderts stammende Liegenschaft von Hans Georg Huber. 800 Gulden besorgte er sich bei Herrn Steiner in Winterthur. Dessen Sohn Jakob Walder * 1817, seit 1839 verheiratet mit Elisabeth Müller, übernahm die Liegenschaft. Ob 1840 der Vater Jakob Wal der oder dessen gleichnamiger Sohn der Bauherr der neuen Liegenschaft war, ist nicht sicher. Auch dieses Ehepaar bezeichnete sich 1850 als Weber.
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Die Ehefrau Elisabeth Müller war die Schwester der Müller-Brüder Johannes, Heinrich und Ulrich. Jakob und Elisabeth starben 1898 innerhalb von 1½ Monaten, sie hatten sechs Kinder, von denen drei im Kindesalter starben. Sohn Johannes *1856 starb 1943 in Neuenburg. Die Nachkommen dieser Walder-Linie wohnen heute unter anderem in der Westschweiz, Frankreich und den USA. Die Erben verkauften den Hof 1899 an Jakob Stahl von Horben. Es folgten als Besitzer, 1903 Ulrich Würmli, 1908 Jakob Hubmann, danach dessen Sohn Georg Hubmann. Nach der Güterarrondie rung 1928 umfasste der Betrieb 260 Aren Kultur land. Gemäss den Aufzeichnungen meines Vaters über Lohnarbeiten mit den Pferden transportierte er am 1. April 1933 den Hausrat von Hubmann. Wohin, hat er nicht erwähnt. Bereits am 7. April hat er für Otto Sommerhalder ein Feld geeggt, das er im Herbst noch für Hubmann pflügte. Nach Aus kunft der 94-jährigen Tochter Margrit BitschnauSommerhalder war ihr Vater Bähnler. Er betrieb aber mit Freude ein wenig Landwirtschaft mit ein bis zwei Kühen. 1942 erwarb Xaver Waldispühl von Wallenwil den Betrieb. Am 22. November führte mein Vater Hausrat und Holz für die Familie Wal dispühl von Wallenwil nach Hurnen. Noch in mei ner Schulzeit waren immer ein bis zwei Kühe auf dem Betrieb die auf der Weide nicht eingezäunt, sondern mit einer langen Kette angepflockt wur den. Heutige Besitzer sind Xavers Sohn Martin und Ehefrau Margrit
Martin Waldispühl vor dem Schopf kurz vor dem Abbruch. In der rechten Ecke des Schopfes sind noch die grossen Fenster der Stickerei sichtbar.
Nr. 18 In diesem Gebäude soll, nach mündlicher Überlie ferung, einige Zeit der Schulunterricht in Hurnen stattgefunden haben.
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Die Entwicklung von Hurnen
Jakob und Emma Giger
Aufnahme 1985, links mit dem höheren Giebel Nr. 15, rechts Nr. 16 und 17 mit angebauter Scheune
Jakob Walder baute 1880 in den Schopf ein Sti ckereigebäude. In der südwestlichen, gemauerten Ecke des Schopfes waren noch die in Stickereige bäuden üblichen grossen Fenster vorhanden. Dass die Stickerei später eingebaut wurde, beweist das Alter des Schopfes, sicher viel älter als 70 Jahre. In meiner Erinnerung bleibt er als Wagenschopf und Hühnerstall, der 1970 abgebrochen wurde. Eine der beiden Wohnungen wurde von den Besit zern der Liegenschaft vermietet. Nach Auskunft von Margrit Bitschnau-Sommerhalder wohnte wäh rend ihrer Zeit in Hurnen (1934 – 1942) eine Fami lie Rutishauser in dieser Wohnung. Der Eingang in die Wohnung im ersten Stock war das Scheu nentörli, der Aufgang eine Treppe in der Scheune. Sie besteht noch heute, wurde jedoch von Hans Höhener eingewandet. Auf Sollberger folgte 1930 Hermann Felix. 1945 zog die Familie Giger mit vier zum Teil erwachsenen Töchtern nach Hurnen. Der Vater Jakob Giger striegelte jeden Sonntagmorgen die beiden Pferde meines Vaters. 1951 bis 1972 war Otto Bösch der Besitzer. Im ersten Jahrzehnt hatte er – wie seine Vorgänger – zwei bis vier Kühe. Später arbeitete er in der Weberei Sirnach. Dann folgte ein Ehepaar Bickel als Eigentümer. Frau Bi ckel verkaufte im Herbst 2000 an das Ehepaar Hans und Brigitte Höhener-Länzlinger. Hans be scherte dem Haus und der Scheune mit viel Eigen leistung eine umfassende Renovation.
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Nr. 16 und Nr. 17 Gemäss den vorhandenen Unterlagen wurde diese Liegenschaft kurz vor 1767 gebaut. Peregrin Mah ler, 1731 im Rütibach geboren, entlehnte 1767 von einem Herrn zu Geist in Winterthur 200 Gulden. Als Underpfand: «Die neue Behausung in Hurnen». Als Peregrin Mahler 1755 Barbara Kappeler von der Mühle Sirnach heiratete wohnten sie noch nicht in Hurnen. Als erstes Kind in Hurnen wurde am 2. November 1763 ein Mädchen geboren. Man kann davon ausgehen, dass sie 1763 nach Hurnen zogen. 1766 und 1769 werden noch die Söhne Jo hannes und Franziskus (Franz) in Hurnen geboren. Peregrin stirbt 1799, 80-jährig. Die Liegenschaft wurde geteilt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts sind die Brüder Johannes und Franz Mahler Besitzer je einer Hälfte. Sie blieben offenbar ledig. In den katholischen Ehebüchern sind sie nicht erwähnt. Franz Mahler verkaufte 1826 seinen Teil, Haus, Schür und Stall mit 45 Aren Kulturland und 36 Aren Wald an die Gebrüder Johannes, Josef und Remigi Brühwiler vom Than. Sie überlassen 1829 diesen Hausteil an Remigi Brühwiler. Johannes Mahler ver kauft seinen Teil, Haus, Krautgarten und Schopf mit ca. 50 Aren Kulturland 1830 an Gemeinde rat Hollenstein. Bis zum 19. Jahrhundert gab es kaum eine Liegenschaft ohne eigenes Land für die Selbstversorgung.
Foto von 1939 mit Stall und Scheune, unten die Werkstatt, ab 1890 Stickerei, vorne Pia Specker und ihr Neffe Guido.
Noch vor Mitte des Jahrhunderts kaufte Remigi Brühwiler, Küfer von Beruf, auch diesen Teil der Liegenschaft. 1850 war er einer von nur drei Män nern in Hurnen, der sich nicht als Weber bezeich nete. Sein Sohn Johannes jedoch war Weber. Re migi Brühwiler übergibt 1872 an die Gebrüder Brühwiler (bis 1893). Auch in der Küferwerkstatt wurde Ende des Jahrhunderts ein Handstickap parat installiert. Im 20. Jahrhundert war diesem Haus ein fast ständiger Wechsel beschert. 1913
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zum Sonderbundskrieg, aufgeboten. Die Liegen schaft erwirbt 1863 der Bäcker Johannes Walder. Ob Johannes Walder irgendwo als Bäcker ange stellt war oder ob er, was eher wahrscheinlich ist, in seinem Haus Brot gebacken hat, ist nicht be kannt. 1869 brannten Haus und Scheune nieder. Es ist nicht bekannt, ob der Brand in Zusammen hang mit seiner Tätigkeit als Bäcker stand. Sein Cousin Friedrich Walder, geb. 1834, war Zimmer mann und baute 1870 ein neues Haus mit Stall und Scheune. Friedrich starb 1902 ohne männliche Nachkommen. Die Liegenschaft übernahm sein Neffe Samuel Walder, geb. 1872. Samuel baute ein Stickereigebäude für eine Schifflistickmaschine.
hat Johann Bänninger eine «Metzg-Kuh» über die Assekuranz verwertet. Ab 1917 war Gottlieb Soll berger Besitzer, der Betrieb umfasste 265 Aren Kulturland. Die Küferwerkstatt dürfte in eine Sti ckerei umgewandelt worden sein. Die Stickerei im Erdgeschoss wurde, wie viele andere, in eine Woh nung umgebaut. Nr. 19 Es braucht Glück und Zufall, bereits im 18. Jahr hundert oder früher gesicherte Unterlagen über die Geschichte eines Hauses zu finden, was für diese Liegenschaft nicht zutrifft. 1815 erwirbt Heinrich Fehr die Liegenschaft von Jakob Walder. 1850 ist der Maurer und Steinhauer Felix Seiler, ein Stief sohn von Fehr, Eigentümer. Felix Seiler wurde mit sechs weiteren Männer aus der Gemeinde Horben
Nr. 20 Stickerei Samuel Walder mit seiner zweiten Frau Anna, geb. Schlittler. Über Samuel Walder siehe Erinnerungen von Werner Rickenmann.
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Samuel Walder mit der ersten Frau Anna Leuten egger und Tochter Anna Hulda *1901, vor seiner Stickerei.
Die Liegenschaft 1985, rechts die ehemalige Stickerei, links und Ăźber der Stickerei der Anbau der Autowerkstatt.
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Nach dem Tod von Witwe Anna Walder-Schlittler 1955 kaufte der gelernte Sticker Josef Lauten schlager aus dem Brand im Hinterthurgau die Lie genschaft samt der Stickerei. Er war einige Jahre als Sticker tätig. Auch seine Frau betätigte sich als Stickerin, bis eine Krankheit dies verunmöglichte. Nachdem er schon am früheren Wohnort den Berg bauern Motoren von Motormähern und Traktoren reparierte, erstellte er einen Anbau an die Sticke rei, gab das Sticken auf und begann mit dem Au tohandel und einer Reparaturwerkstätte für Autos.
Der südwestliche Viertel von Hurnen Hier dürften, gemäss den vorhandenen Unterlagen die Standorte der zwei Liegenschaften der 1637 im ersten Bevölkerungsverzeichnis aufgeführten Familien des Joggli Müller, Nr. 22, und des Baschi Buchegger, Nr. 26, gewesen sein. Nr. 22, 23 Im Kaufbrief von 1646 steht auch noch: «Mer ohngefar drei fierling wiesen, so hinder Joggli Müllers Hus in bemeltem Hurnen lege, so erstlich oben Basche Brunen Bomgarten, zum Andren nebet sich an jetzt bemelten Joggli Müllers Güeter, drittens an die landstrass, so nach Balterswil gat stossende … » Von der Familie des Joggli Müller-Bomberger hei ratete Zyll ein Leutenegger von der Egg. Drei Kna ben starben im Kindesalter. Georg Müller *1645 von Schurten kaufte 1670 eine Liegenschaft in
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Hurnen. 1677 verzinste er 200 Gulden. Als Un terpfand setzte er nebst vier Parzellen «Haus und Schür sambt den Wysen die Bündt genannt alles beieinander gelegen». Der genaue Standort kann nicht mehr mit Sicherheit festgestellt werden, muss aber in diesem Viertel gewesen sein. Bünt ist die Wiese, die sich rechts, südlich von Hurnen, an der Strasse Richtung Vogelsang befand. Mit dem Auftauchen des Georg Müller verschwindet der Joggli Müller. Gemäss den Vornamen dürfte schon der Joggli Müller ein Schurtener Müller ge wesen sein. Beide hatten eine Barbel Bomberger zur Frau. (Sie gehören nicht der gleichen Genera tion an.) Auch «alles beieinander gelegen» würde auf Nr. 22 zutreffen. Nr. 25 wurde sehr wahrschein lich erst kurz danach gebaut. Gemäss der Aussage von Georg Müller wohnten ganz sicher noch vier Generationen Müller auf diesem Betrieb. Drei Mo nate nach dem Tod seiner Frau Bärbel Bomberger am 14. Juni 1677 heiratete Georg Müller Maria Brun von Hurnen. Aus dieser Ehe heirateten zwei Söhne in Hurnen, Baschi *1681 und Georg *1691. Ob in dieser Generation der erste Anbau, Nr. 23, einer Wohnung erfolgte, ist wahrscheinlich, aber urkundlich nicht feststellbar. Georg (Jörg) hatte einen Sohn Salomon *1725. Er verunglückte mit seiner Frau am 30. September 1757, bei einem Ausflug auf den Schneitberg töd lich. Sie hatten noch keine Kinder, somit fehlten männliche Nachkommen.
Der Betrieb Nr. 22 gelangt vom Baschi an seinen Sohn Jakob *1715, verheiratet mit Magdalena Thalmann. Zwei seiner verheirateten Brüder ver liessen Hurnen. Jakob und Magdalena hatten in vierter Generation, zwei Söhne, Jakob *1751, Hans Conrad *1755 und eine Tochter Susanne *1759. 1784 fand in der Familie eine Erbteilung statt. Ja kob und Hans Conrad erhielten das Haus (mit zwei Wohnungen) und die gemeinsame «Schür» Nr. 22 und 23. Zum Betrieb gehörten 160 Aren Kulturland, 90 Aren Wald, 1 Kuh und etwas Fahrnis und total 595 Gulden Schulden. Die Gläubiger waren David Sulzer Winterthur mit 300 Gulden, die Schule Hur nen mit 150 Gulden, verschiedene mit 77 Gulden, Fahl dem Kloster 15 Gulden (Abgabe beim Tod von Leibeigenen), Gebühren 3 Gulden. Die Schwester Susanne erhielt Feuer, Licht, ein Bettli (d. h. gratis Unterkunft im Haus) 11 Gulden und 2 neue «Züchen». Für dieses kleine Heimwesen von gerade 160 Aren ist dies eine sehr hohe Schuldenlast, die niemals mit dem wenigen Land hätte verzinst wer den können. Die Zinsen waren in diesen Jahrhun derten immer bei 4 bis 5 %. Das Geld für den Zins musste mit textilem Nebenerwerb – eigentlich der Haupterwerb – mit Spinnen und Weben verdient worden sein. Die zweite Hälfte des 18. Jahrhun derts war eine Hochkonjunktur der Heimweberei. Jakob konnte die Nachbarliegenschaft Nr. 26 er werben. Hans Conrad hatte zwei Söhne. Konrad *1787 heiratete nach Kirchberg. Johannes *1794 heiratete 1821 Magdalena Gamper aus Stettfurt. Die beiden erwarben Haus und Hof Nr. 2 und 7.
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Die Familie von Albert und Wilma Felix um 1950 mit den Kindern, Lydia, Nelli, Diana, Toni, Hans und Albert. Wohnhaus und Scheune vor dem Umbau
Sein Vater erlebte das zweite Dezennium des 19. Jahrhunderts mit der Hungersnot 1816. Conrad Müller konnte die oben erwähnten hohen Schulden nicht mehr verzinsen. Er gelangte 1825 wegen der darauf lastenden Schulden an seinen Gläubiger David Sulzer, Schloss Winterthur. Dieser Schuld brief mit 150 Gulden bestand seit 1757 auf dem Hof und wurde mehrmals erneuert und auf 330 Gulden aufgestockt. David Sulzer verkaufte noch im gleichen Jahr Haus und Hofreite an Johannes Müller-Höppli *1787, meinen Ur-Ur-Ur-Grossvater. Die Scheune, die Bestallung, den Schopf und die Hofreite verkaufte er an Rudolf Senn von Fischen tal, wohnhaft im Vogelsang. 1825 kauft Jakob Bu chegger im Namen der Rudolf Senn Kinder das Haus und die Hofreite. Nr. 24 und 25 1738 kaufte Heinrich Müller von Riet bei Schur ten, Nachkomme der Mühle Schurten, eine Lie genschaft in Hurnen. Die Söhne von Heinrich Mül ler bauten 1790 ein Haus und eine Scheune Nr. 25 an die bestehende Liegenschaft Nr. 24. Abel übernahm das neue Haus und die alte Scheune, Samuel das alte Haus und die neue Scheune. Das Geld beschafften sie sich vom Amt Tannegg im Mai 1789. Als Underpfand dienten neben den Liegen schaften ca. 5 ha Land die sie unter sich aufteil ten. Die Betriebe der Gebrüder Abel und Samuel erwarb Johannes, der Sohn von Abel. Dank wei teren Zukäufen umfasste der Betrieb wieder ca. 700 Aren Kulturland und 150 Aren Wald. Johan nes hatte drei Söhne. Die väterliche Liegenschaft übernahm 1835 der jüngste Sohn Ulrich. Da auch
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seine beiden Brüder, Johannes und Heinrich, in Hurnen eine Liegenschaft erwerben konnten (Nr. 26 und Nr. 3), wurde das Land auf die drei Brüder aufgeteilt. Die drei Brüder mussten mit nur ca. 230 Aren Kulturland Landwirtschaft betreiben. Das Wohnhaus von Abel verkaufte sein Sohn, Johan nes Müller, an Rudolf Senn von Fischental, wohn haft im Vogelsang. Rudolf Senn verkauft den Be trieb mit 108 Aren 1834 an Jakob Buchegger vom Vogelsang. Die folgenden Generationen der Fami lie Senn zogen nach Herisau, Gais, Urnäsch, Ar bon, Gerlikon und Eschlikon. Ulrich Müller, ohne männliche Nachkommen, verkauft 1861 einen Hausteil an den Schwiegersohn Johann Greuter für 250 Franken. Ihr drittes Kind wurde bereits in Oberhofen gebo ren. Drei ihrer acht Kinder starben im ersten Le bensjahr an Abzehrung, Lungenentzündung, Bron chitis oder Tuberkulose. Die Besitzer des ganzen Komplexes waren 1862: · Nr. 189 Johann Rickenmann Decker Haus und ½ Scheune · Nr. 190 Johannes Greuter an Friedrich Walder jun. Haus und ¼ Scheune · Nr. 191 Ulrich Müller Haus und ¼ Scheune · Nr. 192 Johann Rickenmann Haus 1876 waren Ulrich und Jakob Felix Eigentümer des ganzen Gebäudekomplexes. Nach dem verheeren den Dorfbrand in Balterswil im Jahre 1884 stimmte
Stall und Scheune bauten 1997 Tochter Manuela mit Ehemann Rolf Zbinden in ein Wohnhaus um.
das Stimmvolk einem neuen Brandschutz-Gesetz zu, das verlangte, dass alle Schindeldächer mit Zie gel gedeckt werden müssen. Da dieses uralte Haus dieses Gewicht nicht mehr zu tragen vermochte, wurde es abgebrochen. Jakob Felix baute ein Haus, eine Scheune und einen Stall. Seine Söhne Albert und Hermann übernahmen den Hof. Ab 1943 war Albert Felix alleiniger Besitzer. 1971 verpachtete er das Kulturland an die Betriebsgemeinschaft Berweger-Müller.
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68- und 66-jährigen Eltern im gleichen Haushalt. Das lässt darauf schliessen, dass er die Liegen schaft vom Vater übernommen hat.
Das Haus Specker um 1920 mit dem alten Brunnen. Vor dem Haus das Ehepaar Bernhard Specker sen. und Bernhard jun. Jahrgang 1910. Vorne der alte, damals wohl ziemlich neue Dorfbrunnen, gespiesen von der zweiten Wasserkorpoation Hurnen.
1981 übernahm Sohn Hans, geb. 1944, von der Erbengemeinschaft Wohnhaus und Ökonomie gebäude mit etwas Kulturland und den Wald. Ca. 3 ha Kulturland wurde von der Güterzusammen legung 1980/90 gekauft. Nr. 26 Wie bereits erwähnt, war dies einer der drei Höfe von 1637. Gemäss den Verzeichnissen muss dies die Familie des Baschi Buchegger gewesen sein. Ein Jörg Huber wohnte als Stiefkind bei Baschi Bu chegger. Bis zu seiner Heirat 1652 mit Eva Brun vom Than wohnte er bei Baschi Buchegger. 1700 wohnte sein verheirateter Sohn Salomon Huber *1661, mit seiner Frau und vier Kindern bei den
1709 lebt noch die verwitwete Mutter bei ihrem Sohn. Salomon hatte vier Söhne. Der zweitjüngste, Salomon *1698, heiratete 1731 Maria Thalmann von Wiezikon, ein Jahr nach dem Tod seines Va ters. Wenn man die Unterlagen richtig interpretiert, muss er die Liegenschaft übernommen haben. Sie hatten drei Töchter, die auswärts heirateten oder ledig blieben. Salomon starb 1780. Die Gebrüder Jakob Müller und Conrad Müller, gemeinsame Be sitzer des Nachbarhofs Nr. 22, konnten den Hof erwerben. Er wurde von Jakob *1751 übernom men. Er heiratete 1779 Maria Rickenmann vom Flügenast. Die allgemeine Krise um 1816, die auch das Webergeschäft in Bedrängnis brachte, über stand auch er nicht. 1818 verkaufte die Witwe Ma ria Rickenmann an Johann Brühwiler im Than 35 Aren Heuwachs, 18 Aren Acker und 18 Aren Holz im Thanholz. 1822 musste die Witwe den Hof ih rem Gläubiger Andreas Kessler aus Tuttwil abtre ten. Kessler verkaufte Nr. 26 weiter an Johannes Müller-Höppli. Diesen Hof übernahm nach der Erb teilung sein Sohn Johannes. Nachdem Johannes Müller junior die «alte Post» Nr. 2 erworben hatte, verkaufte er 1834 an Jakob Schüepp von Eschlikon. Während dem Bau der Ei senbahn waren zwei ledige Bauern auf dem Be trieb. Dazu eine mündliche Überlieferung von Otto Kocherhans: «Die Gebrüder Schüepp von Hurnen hätten beim Bau des Bahndammes mit ihren zwei
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Kühen Erde transportiert. Da die Kühe praktisch keine Milch mehr gaben, wurden sie gefragt, warum sie denn die Kühe nicht mehr trächtig machten. Diese Sauerei wollten sie nicht im Stall, war die Antwort.» Dies kann als Beweis betrachtet werden, dass die Bauern beim Bau des Bahndammes Eschlikon – Sir nach Arbeit und Verdienstmöglichkeiten erhielten. Der westliche Teil war ursprünglich ein landwirt schaftliches Ökonomiegebäude mit Stall und Scheune. Nach der Ära Schüepp, bis 1888, folg ten Alfons Wick, Anton Göldi, Hermann Müller (der Landhaus-Wirt) und Bernhard Specker senior. Die Inhaber hatten im 19. Jahrhundert 1 bis 2 Kühe. Ende des Jahrhunderts baute Anton Göldi in das Ökonomiegebäude ein Stickereilokal, aus dem um 1930 die Familie Specker eine zweite Wohnung für zwei Generationen Specker baute. Nr. 27 1678 lebten noch zwei Familien Braun in Hurnen. Hans *1640, und Jörg *1643, für die noch keine «Unterkunft» gefunden werden kann. Haus Nr. 27 war zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Doppel wohnhaus mit einem gemeinsamen Schürli. Es wurde als alt und renovationsbedürftig bezeich net. Es könnte durchaus von den beiden erwähnten Braun im 17. Jahrhundert gebaut worden sein, par allel zu Nr. 4 und Nr. 5. Auch hier waren zwei zusam mengebaute Wohnungen mit einem gemeinsamen
Das Ehepaar Bernhard Specker senior. Herr Specker hat uns Müller Buben während Jahren die Haare geschnitten.
Schürli, von zwei Brüdern Brun gebaut. Bei beiden ist kein Stall erwähnt, nur ein «Schürli». Im 19. Jahrhundert wurden auch keine Milchkühe mehr gehalten. 1700 sind keine Braun mehr in Hurnen. Laut Gerichtsprotokoll des Klosters Fischingen von 1790 kaufte Fridrich Rickenmann von Wallenwil von Johannes Brun ein Haus als «ledig und eigen» (nicht verpfändet). Brun wurde beklagt, weil das Haus schon verpfändet war. Er hatte das Haus bis Mai 1791 «ledig» zu machen.
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Die Entwicklung von Hurnen
Die Eigentümer der beiden Hausteile dieser alten Liegenschaft: Hausteil A
Hausteil B mit einer Scheune
1668
Vermutlich durch Hans Brun um 1668 gebaut. 1692 heiratete Fridli Grütter dessen Tochter Lisbeth *1669. Hans Braun starb ein Jahr zuvor. Nicht genau lokalisierbar, aber vermutlich wohnte um 1700 eine Familie Sedelberger in diesem Haus. Von 1672 bis 1713 lebte Anna Sedelberger in Hurnen. Sie hat nach einer Notiz im Pfarrbuch als Hebamme über 1500 Geburten betreut.
1735
Josef Rebsamen und der Tochtermann Josef Huber entlehnen in Zürich 60 Gulden. Als Underpfand dienten «ihre beden Behausung».
Vor 1790
Johannes Brun von Wallenwil
1791
Friedrich Rickenmann
Hans-Kaspar Oettli-Huber Witwe Barbara Oetli übergibt den Söhnen Friedrich und Hans Caspar
1795 1808
Josef Kappler kauft von H. G. Huber von Hurnen das diesem von Friedrich Rickenmann anheim gefallene Haus.
1819/21
Heinrich Fehr
1820
Beide Hausteile sind nur für je 200 Gulden geschätzt, obwohl «vieles repariert» steht.
1821/23
Jakob Kappeler
Hans Caspar Oettli
Jakob Kappeler (Sohn von Josef)
Laut Kaufbrief gehörten noch sechs Parzellen zur Liegenschaft.
1826
musste die Witwe von Jakob Kappeler der Gläubigerin, Lehranstalt Weinfelden, eine doppelte Behausung mit 240 Aren Wies- und Ackerland und 54 Aren Wald für die darauf lastenden Schulden von 541 Gulden überlassen. Diese verkaufte sofort weiter an den Maurer Johannes Kappeler
1827
Johannes Kappeler verkauft an Kaspar Forrer ein halbes Haus + 11Parzellen, 240 Aren Wies- und Ackerland und 54 Aren Wald
1828
Johannes Müller kauft und verkauft an
1834
Jakob und Angelika Kappeler ohne das Land
Die Entwicklung von Hurnen
1841
Johannes Kappeler sel. Witwe
Johannes Lattmann überlässt seinen Kindern Jakob, Regula, Kaspar u. Johannes Haus und Hof.
1857
Johann Kappeler (Sohn)
Jakob Lattmann
1858
Johann Kappeler (Sohn)
Ulrich Hubmann-Müller
1862
Ulrich Hubmann
Ulrich Hubmann-Müller
1864
Valentin Albiker-Müller
Valentin Albiker von Donaueschingen
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Die Bauern hatten während der Weberei-Hochkonjunktur junge Männer aus Süddeutschland zum Mähen des Heugrases angeworben. Man kann davon ausgehen, dass Valentin Albiker zu diesen Männern gehörte. Er verliebte sich in Barbara, die Tochter des Johannes Müller. So konnte er das doppelte Wohnhaus erwerben. Im Oberthurgau kamen die Mäder über den Bodensee. Dabei sind einzelne Bauern mit ihren Schiffen den Deutschen entgegengefahren, um die Kräftigsten schon auf See anzuwerben. 1880
1880 brannte die ganze Liegenschaft nieder und wurde nicht wieder aufgebaut. Das Ehepaar Albiker-Müller zog nach Oberwangen.
Nr. 29 Mitten im Dorf befand sich das Zehntenschürli des Klosters Fischingen, in das die Bauern ihren Zehn ten abliefern mussten. Während der Heuzehnten in der Regel in Geld bezahlt werden musste, wurde für den Fruchtzehnten noch längere Zeit jede zehnte Garbe eingezogen und in diesem Schürli zwischen gelagert. Das Kloster verkaufte das Schürli 1820 an Hans Adam Walder. Mit dem Verkauf der Liegen schaft an Konrad Jucker gelangte auch das Schürli in dessen Besitz und wurde um 1835 abgebrochen. Detaillierte Angaben sind nicht vorhanden.
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Die Entwicklung von Hurnen
Restaurant Landhaus Nr. 28 Der Bauernhof mit Restaurant wurde 1867 von Jo hann Müller-Rickenmann, dem Bruder von Ulrich und Heinrich, gebaut. Diese gehörten zur fünften Generation der seit 1738 in Hurnen ansässigen Fa milie Müller. Er war Besitzer der Liegenschaft Nr 2. Es ist zu vermuten, dass er schon dort das WirtePatent von Ulrich Walder übernommen hatte. Er finanzierte den Neubau mit einem Darlehen von 3300 Franken der Schulgemeinde Egg. Dies war damals die übliche Art, Investitionen zu finanzie ren, denn das Bankenwesen steckte noch in den Anfängen. Zudem war es in den Schulgemeinden üblich einen Schulfonds zu gründen, von dessen Zinsen die Ausgaben gedeckt wurden. Sein Sohn Johannes *1845 heiratete 1869 Marie-Margaret Kunz vom Than und dürfte in das neue Heim ein gezogen sein.
Mit Sohn Herman übernahm 1907 die dritte Ge neration Müller die Liegenschaft. Hermann Müller war Gründer und Dirigent der Musikgesellschaft Bi chelsee. Er soll auch komponiert haben und bildete Militärtrompeter aus. Er sei nach den Proben in Bi chelsee nicht gerne auf dem kürzesten Weg nach Hause gegangen. Für den Weg zur Probe benutzte er Pferd und Federbockwagen. Wenn es dem Pferd oft zu lange dauerte, sei es selbständig mit dem Wagen nach Hause gekommen (erzählt von seiner Tochter). Scheinbar hatte er sich zu sehr der kaum einträglichen Musik an Stelle der Ökonomie gewid met. Von seinem Vater bestand noch eine Bürg schaft von dessen Schwager Heinrich Meili. Wenn das Bier-Auto für Nachschub sorgte, sei es vorge kommen, dass die Mutter zur Tochter Anna-Marie *1900 sagte: «gang zo s'Meilis go 300 Franke hole» (mir mündlich von ihr mitgeteilt)
Das Ehepaar Müller-Kunz erlebte auf dem Land haus den Zusammenbruch der Baumwollweberei. Johannes Müller gehörte zu den ersten, die sich neu orientierten und 1882 eine freistehende Sti ckerei Nr. 27a erstellten. Die Tochter des Ortvor stehers Emil Thalmann von Horben erzählte mir, ihr Vater habe gesagt, als er an eine Gemeinde versammlung ging: «Morn bin i wohrschindli nüme Vorstehr, de Müller vom Landhus z'Hurne kandidiert als Gegekandidat gege mich. Wenn die Müllerei i de Gmeind zäme hebet, han i kei Chance.» Die Mül ler hielten nicht zusammen, Emil Thalmann wurde wieder gewählt.
Eines Abends stellten die Müllers einen vollbela denen Wagen mit Hausrat in die Scheune bei Mei lis im Friedtal und fuhren früh am anderen Morgen fort, Richtung Romanshorn (mündlich mitgeteilt von Heinrich Meili). Hermann betätigte sich als Fergger. Er besorgte das Garn für die Sticker und lieferte die Fertigprodukte an die Kaufleute in He risau oder St. Gallen. Die Fergger waren freie Un ternehmer. Sie konnten die Margen zwischen den Stickern, mit denen sie geschäfteten, und den Kaufleuten selber bestimmen. Die Sticker konnten auch ihre Fergger wählen. Es ist kein Zufall, dass die Wirte oft Fergger waren. Auch Adolf Thalmann,
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Familie Hermann und Anna MüllerKocherhans, in der Mitte Tochter Annemarie. Es ist die dritte und letzte Generation Müller auf dem Landhaus.
Wirt auf der «Frohen Aussicht» im Than, war Ferg ger. Die Übergabe fand am Sonntag in der Wirt schaft statt, was dem Fergger noch einmal einen Batzen zu verdienen gab. 1916 kaufte Melchior Menzi den Bauernhof mit dem Restaurant Landhaus. Er kam von Sirnach, wo er 1910 den Matthof baute. Er soll etwa 30 Mal ge zügelt haben. Der im Glarnerland aufgewachsene
Menzi war ein «Wandervogel». Er soll, so wurde berichtet, oft im Frühling gesagt haben: «Frau, d`Vögel pfiifet, mir zügled wieder». Er verkaufte das Landhaus 1922 an Rudolf Burgener und zog nach Balterswil. Burgener blieb auch nur 7 Jahre in Hur nen. Dann folgte Johann Hardegger. Nach dessen frühen Tod 1940 führte seine Frau Katrin mit ei nem Angestellten den Betrieb weiter.
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Das Ehepaar Menzi vor dem Hauseingang ihrer «Alterswohnung» Nr. 3. Heute wohnen hier Heidi und Richard BosshardVogelsanger. Das 1867 gebaute Restaurant Landhaus nach den Oekonomie-Anbauten durch Leo Fuster.
Leo Fuster
Das Ehepaar Menzi kehrte 1939 nach Hurnen zu rück und verbrachte seinen Lebensabend in Hur nen, in der zweiten Wohnung meines Vaters. 1947 kaufte Leo Fuster von Altstätten die Liegen schaft. Seine Frau Elsa führte die Wirtschaft. Leo berichtete seinen Gästen, er habe im Rheintal auch Land in Vorarlberg bewirtschaftet. Dabei hätten sie in ausgehöhlten Holzteilen der Wagenbrücke ihres Fuhrwerkes jeweils Devisen geschmuggelt. Leo wurde es schon bald zu eng in den alten Öko nomiegebäuden. Er baute 1949 eine neue Scheune und Stall an das Wohnhaus und Wirtschaft. Auch der Eber bekam ein eigenes Haus nördlich davon. Leo baute die Schweinehaltung aus, zuerst im An bau mit Pultdach an die Scheune, dann mit einem freistehenden Stall mit Satteldach und mit einem
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Stall für Jungvieh mit Pultdach. Vom April bis Sep tember 1981 liess Leo Fuster einen Anbau an das Restaurant, zur Strasse hin, erstellen. So konnte die Gaststube vergrössert und die ungenügenden sanitären Einrichtungen erneuert werden. Die Wir tefamilie erhielt einen hübschen Balkon. 1976 verkaufte Leo Fuster eine Parzelle unterhalb der Wirtschaft an Walter Ziltener zum Bau von vier Wohnhäusern. Das untere an der Strasse erwarb er für sich und seine Frau Elsa, wo sie 1977 einzo gen. Die anderen kauften Hugo und Edith Lüscher, die bis heute Hurnen treu blieben. Von der Familie Schmidhauser erwarben Viktor und Luzia Mächler dieses Wohnhaus. Das obere Haus an der Strasse erwarb das Ehepaar Handschiz. Nach mehreren Wechseln ist heute die Familie Christian und Karin Schmid-Michel Bewohner dieses Hauses. Die Wirtschaft und Wohnung verpachtete Leo bis 1981 an Toni und Rita Götte-Brühwiler. Auch das Kulturland wurde von Toni bewirtschaftet. Sein Va ter Willi hatte im neuen Stall im Than noch freie Kapazitäten für mehr Kühe. Leo besorgte weiter hin den Schweinestall. Doch schon ein Jahr später wollte er wieder selber heuen. 1981 bis 1987 folgten als Pächter Karl und Trudi Müller-Meile. Trudi war eine tüchtige und beliebte Wirtin. Viele lustige Abende, nicht nur an der Fas nacht, konnten wir bei Trudi erleben. Auch das «Kafichränzli» war bei Trudi Tradition. Es war da mals üblich, nach der Gemeindeversammlung der Gemeinde Horben nicht sofort nach Hause
Der Gemüsegarten musste dem Parkplatz und der Gartenwirtschaft weichen.
zu gehen. Das Landhaus war ja die einzige Wirt schaft in der Gemeinde. Karl bewirtschaftete die Schweinehaltung. 1988 holte Leo Fuster eine junge Familie Koller aus dem Appenzellerland. Diese Familie wurde 2004 in der ganzen deutschen Schweiz bekannt, in der nostalgischen Fernsehserie: Im Sahlenweidli BE «Leben wie zu Gotthelfszeiten». In den Jahren 1991 bis 1998 war Albina Bürge, eine tüchtige Wirtin im Landhaus. Ihr Lebenspart ner Willi Christen stand ihr zur Seite – am Anfang nebenberuflich. Bald gab er seine Arbeitsstelle auf
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Familie Koller in der Fernsehserie «Im Sahlenweidli» BE «Leben wie zu Gotthelfs zeiten». Bild aus der «Schweizer Illustrierten».
Albina Bürge und Willi Christen
und begann als Wirt mit der Verwirklichung vieler Ideen. Im Kuhstall wurde der Versuch mit einem Ju gendtreff gewagt. Obwohl die Munizipalgemeinde das Projekt sehr befürwortete, scheiterte es nach einigen Monaten. Den Schweinestall mit Satteldach baute Willi in einen Krämerladen um. Die billigen Produkte stammten grösstenteils aus Einkaufszentren, die
wegen Umbaus geräumt werden mussten. Willi übernahm für einen bescheidenen Pauschalbetrag die Räumung. Im Rinderstall mit Pultdach entstand eine Fasnachts-Bar. Die vielen schönen und lusti gen Nächte, die wir Hurner und viele Gäste bei Wil lis Fasnacht miterleben durften, machten Hurnen weit über seine Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Das beliebte Wirtepaar zog 1998 nach Oberuzwil, wo sie den «Rossboden» erwarben.
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Kauf des Areals Landhaus durch die Ortsgemeinde Leo Fuster verzichtete während der Güterzu sammenlegung Wallenwil-Hurnen auf eine Neu zuteilung. Die Güterzusammenlegungs-Korpora tion kaufte die ganze Liegenschaft mit Kulturland, Landwirtschaft und Restaurant von Leo Fuster. (rot umrandet). Am 27. Februar 1990 beschliesst die Gemeindeversammlung mit 35 zu 24 Stimmen den Kauf des Areals im Dorf, mit 32 Aren unbebautem Bauland, für 1,5 Millionen Franken. Die Planung eines Gestaltungsplanes, mit und ohne Erhaltung des Restaurants, wurde ausge schrieben und eine Baukommission von 10 Per sonen gewählt. Hans Felix, Hurnen Hugo Lüscher, Hurnen (Aktuar) Ernst Meili, Hurnen Armin Millhäusler, Egg (Kassier) Adolf Müller, Hurnen (Präsident) Heidi Müller-Schönholzer, Riethof Hans Markus Stübi, Hurnen Martin Schär, Egg Jörg Thalmann, Eichholz Werner Zbinden, Hurnen Die Verantwortlichen wollten schon damals eine optimale Ausnützung des vorhandenen Baulandes bewirken. Sechs Architektur-Büros wurden einge laden eine Überbauung zu planen. Ein Preisgericht aus fünf Raumplanern und Architekten und vier Personen aus der Gemeinde erkoren das Projekt
Kauf des Areals «Landhaus» durch die Güterzusammenlegungskorporation
«Kleine Welten» als Sieger. Das Projekt sah den Bau von zehn Reihen-Einfamilienhäusern mit Tief garage vor. Das bestehende Restaurant war sehr gut in die Neubauten integriert und wurde in Fach kreisen positiv beurteilt. Die Fachrichter spende ten dem Vorgehen der Ortsgemeinde beim Kauf und der Planung sowie der Absicht, das Bauland der Spekulation zu entziehen, viel Lob. Der Gestal tungsplan wurde vom Regierungsrat genehmigt. Die Kosten für ein Einfamilienhaus mit 5 Zimmern und zwei Garagenplätzen in der Tiefgarage wären auf 640 000 Franken zu stehen gekommen.
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Das siegreiche Projekt «Kleine Welten»
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Investoren für die Realisierung der Planung wa ren vorhanden. Sie zogen wegen einer plötzlichen Flaute im Baugewerbe ihr Interesse zurück. So blie ben die Kosten an der Gemeinde hängen. Nach der Gemeindereorganisation 1997 ging das Areal in den Besitz der Gemeinde Eschlikon über. Dies war auch wegen der aufgelaufenen Zinsen ein schlechtes Geschäft. Die Gemeinde Sirnach betei ligte sich anteilsmässig am Defizit. Damit fand das – aus erstrebenswerten Gründen – von der Gemeinde Horben eingegangene finanzi elle Abenteuer, das wegen der konjunkturellen Si tuation «in die Hosen» hätte gehen können, für die Einwohner der Gemeinde Horben ein gutes Ende. Die neue Gemeinde Eschlikon schrieb das Areal zum Verkauf aus. Das Bauunternehmen Zilterner in Wallenwil – mit Erhaltung der Wirtschaft – und Mario Haas, Architekt in Eschlikon – mit Abbruch des Restaurants – bewarben sich darum. Obwohl Ziltener 80 000 Franken weniger offerierte, war der Versammlung der Erhalt der Wirtschaft so viel wert, dass sie Ziltener als Käufer bestimmte. Walter Zilterner senior brach alle Ökonomie-Ge bäude ab und erweiterte das Restaurant mit einem Anbau für 30 Sitzplätze. Auf der Südseite entstand eine gedeckte Gartenwirtschaft. Auf dem Areal der Schweinestallungen wurde ein Parkplatz für die Gäste des Restaurants erstellt.
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Im Süden und Westen der Wirtschaft war Platz für vier Einfamilienhäuser. Die Häuser erwar ben das Ehepaar Wirz, Ludwig Szabo, die Fami lie Krützmann, Ludwig und Erika Moser, die Mie ter der Autowerkstatt. Rechts von Mosers Haus konnte Hanspeter Felix mit Kurt Ziltener etwas Land abtauschen und 2002 ein eigenes Wohn haus erstellen. Damit ist der ursprüngliche Plan der Gemeinde, das Areal optimal für Wohnraum zu nutzen, halbwegs aufgegangen. Am 9. September 1999 zogen als neues und tüch tiges Wirtepaar Heidi Bärlocher und Koni Böni in Hurnen ein. Sie brachten das erweiterte Restau rant wieder auf Vordermann.
Die gedeckte Gartenwirtschaft neben dem Restaurant. Auf dem Areal der Schweinestallungen befindet sich jetzt ein Parkplatz.
Vier Einfamilienhäuser im Süden und Westen der Wirtschaft
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Im Frühjahr 2004 wollten die Wirtsleute das Ob jekt kaufen. Da sie mit dem Besitzer, Walter Zilte ner, nicht einig wurden und in Dussnang die Mög lichkeit bestand, das Restaurant Brückenwaage zu kaufen, kündigten Koni und Heidi die Pacht des Restaurants. Nachdem zwei Männer aus Winterthur das Res taurant «heruntergewirtschaftet» hatten, stand es viele Monate leer. 2014 konnte Kurt Zilterner mit Vreni Frick und Sohn Marco als Koch wieder tüch tige Wirtsleute engagieren.
Fröhliche Runde mit dem Wirtepaar Heidi Bärlocher und Koni Böni, links im Bild.
Vreni Wick vor dem blumengeschmückten Eingang des Restaurants «Landhaus».
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Hurnen wird 1798 Teil der «Munizipalität» Eschlikon Wie schon erwähnt, gehörte Hurnen seit dem 9. oder 10. Jahrhundert zur Herrschaft Tannegg. Diese Gerichtsherrschaften im Thurgau wurden durch die Bildung des eigenständigen Kantons Thurgau 1798 aufgelöst. Hurnen war nie, wie Wie zikon, eine eigene Gemeinde innerhalb des Tann egger Amtes. Hurnen wurde Teil der Munizipali tät Eschlikon. Fünf gewählte Männer leiteten diese Gemeinde. Voraussetzung war, dass sie vermögend sein muss ten. Hurnen war durch Hans Georg Huber in die sem Rat vertreten. Er wurde durch Immobilien handel vermögend. Diese Ratsmitglieder nannte man «der Munizipalität». Ein Protokollbuch wurde wie folgt eröffnet: «Im Namen Gottes angefangen laut Gesetzlichen Auftrag. Wurde den Anfang der Fertigungs- und Kaufs Bestätigungen gemacht, 19. Mai im Jahr 1800. Unter nachstehenden Municipalitäts Glieder: Hans Jakob Schiltknecht, Johannes Büchler, Josef Buechy, Josef Baumgartner alle Eschlikon und Hans Georg Huber Hurnen
Die ungefähre Grenze der Munizipalität Eschlikon 1798 bis 1803
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Hurnen wird 1798 Teil der «Munizipalität» Eschlikon
Verzeichnis der Bürger (über 18-jährige Männer) und Seelen (alle Bewohner) 1800 der Munizipalität Eschlikon.» Ortschaft
Bürger
Seelen
Eschlikon
77
279
Hurnen
23
77
Wallenwil
24
117
Horben/Egg
21
88
Fliegenast
8
28
Than Eichholz
8
16
Herdern
5
20
Krillberg
23
84
Ragatz
5
22
Grueb
4
9
Alp
5
9
Husli
4
13
11
25
218
787
Büfelden Gemeinde Eschlikon
Bildung der Munizipal- und Ortsgemeinden 1803 Mit dem Gemeindegesetz vom 18. Juni 1803 wur den die drei Munizipalitäten Eschlikon, Sirnach und Münchwilen zur Munizipalgemeinde Sirnach. Daneben entstanden elf sogenannte einfache Ge meinden (später Ortsgemeinden). Die schon beste henden Gemeinden Eschlikon, Wallenwil, Wiezikon etc. wurden zu Ortsgemeinden. Hurnen, Than, Hor ben, Büfelden, Gloten und andere mussten neu or ganisiert werden, da sie nie eine eigene Gemeinde waren. Sie gehörten während Jahrhunderten zum Amt (Herrschaft) Tannegg und wurden von den Gra fen von Toggenburg bis 1245 verwaltet. Danach setzte der Bischof von Konstanz einen Ammann ein. 1693 kaufte das Kloster Fischingen das Amt Tannegg. Für die örtlichen Belange wie Versor gung, Entsorgung und Verkehrswege usw. waren sie schon immer auf sich selbst angewiesen. Durch die neue Rechtsordnung mit der Auflösung der Ge richtsherrschaften wurden diese Dörfer «heimat los». Dies störte viele Jahre niemanden, schon gar nicht die Bewohner dieser Ortschaften. Erst als sich der Kanton bemühte eine Lösung zu finden und Bestrebungen bekannt wurden, Hurnen mit Wiezikon zu vereinen, regte sich Widerstand. Sie gelangten mit einer Bittschrift an den Regierungs rat. Da dies eine bewegende Zeit für Hurnen war, sei sie hier wörtlich wiedergegeben.
Hurnen wird 1798 Teil der «Munizipalität» Eschlikon
Bittschrift der Bürger von Hurnen, Than, Eichholz und Fliegenast «Hochgeachteter Herr Präsident! Hochgeachtete Herren Regierungsräthe! Politische Verbindungen von Bürgern verhelfen in nicht geringem Gerade zum irdischen Wohlstand einer Ortschaft, und befördern bürgerliche Eintracht und Ordnung. Dadurch seien manches Glied einer solchen Gesellschaft beschützt und gestärkt worden, und diejenigen Bürger, welche ausser diesen Verhältnissen leben müssen, besonders in Zeiten, welche wir bis dato durchlebten, den Mangel derselben tief fühlen. Unser Canton zählt eine beträchtliche Anzahl dergleichen verlassenen Ortschaften, zu welchen namentlich Hurnen-Than-Eichholz-Fliegenast-Egg und Horben gehören. Die vier ersteren treten nun gegenwärtig als Bittende auf, und tragen Hochdenselben den dringenden Wunsch vor, eine Gemeinde für sich bilden zu können. 25 Bürger bewohnen diese (vier) Ortschaften und sind bereit zur Erhaltung und Bevestigung dieses sehnlichst hoffenden BürgerRechts ein Gut von 300 Gulden zu sammen zu legen: andere Abwesende wollen mit Fräuden beytragen, wenn wir das Glück haben, unseren Wunsch erfüllt zu sehen. Hurnen und Flügenast besitzen ein Schulgut von 450 Gulden, (die Schule Hurnen war evangelisch, die vier Familien von Than u. Eichholz waren katholisch) und es ist eine wahre Wohltat für obige 6 nach Sirnach pfarrgenössische Ortschaften, wann sie unter sich eine gemeinsame Schule benutzen, und ausweisen können, ihre Kinder nicht
auf unsicheren Wegen in die Schule schicken zu müssen, welches besonders bey Egg und Horben wünschbar ist, indem sie mit Furcht ihre kleinen Kinder in eine Schule jenseits der Murg zu schicken haben. Die Gemeinde Wiezikon liegt jenseits der Murg, und ist durch Waldung von uns getrennt, auch allzu entfernt, als dass eine Vereinigung unserer Ortschaften mit Wiezikon wünschbar währe. Zudem ist es nur der Plan der Vorgesetzten von Wiezikon, uns an sich zu zihen, die Gemeinde selbst will ohne Vergrösserung für sich allein seyen. Die Bürger von Hurnen, Than Eichholz und Flügenast sind vereinigt, (sie sind sich einig) Hochdieselben zu bitten sie nicht an die Gemeinde Wiezikon anzuschliessen, sondern sie zu einer besonderen Gemeinde zu bilden. Ihre ehrerbietige Bitte beruht auf folgenden Gründen: 1. Ist die Anzahl Bürger hinreichend. 2. Sichert das schon besitzende Schulgut von 450 Gulden einigermassen den zu befürchtenden Mangel einer armen Gemeinde, dass wir viel mehr im Stande sind, unsre Kinder in unserer Mitte beschulen zu können. 3. Wollen wir sehr gern ein Gemeindegut von 300 Gulden zusammenlegen, um als Gemeinde zu erscheinen, und das Nöthige zu bestreiten. 4. Ist es für uns sehr gelegen, und das Locale spricht für uns, indem sämtliche Ortschaften nahe beyeinander und auf einer Seite der Murg liegen; Wiezikon hingegen liegt jenseits der Murg; und die Natur selbst scheint also durch Wasser und Holz von Wiezikon zu trennen.
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5. Es ist nie erwünscht, dass eine ziemliche Bürger Anzahl mit einer anderen verbunden werde, indem beyde Teile in ihren Bestimmungen und Handlungen selten übereinstimmen, und die eine Bürgern in den Gemeinde-Rechten den Alten nachstehen müssen, oder nicht selten Uneinigkeit oder Streit entsteht.
bürgerliche Harmonie, welche sie schon immer mit Wiezikon verband, würde zerstört, drei Bürger von Egg und einer von Horben, welche durch Ver heiratung mit Wiezikon verbunden seien, kämen zu grossem Schaden. «Die Murg an und für sich selbst ist kein Hindernis und kann auch nicht gegen unsere Vereinigung mit Wiezikon benutzt werde.»
Die 10 Bürger von Egg und Horben sind ebenfalls ohne Gemeinderecht. Die einen derselben wünschen, vorzüglich aus Sorgfalt für ihre Kinder, um sie nicht weiters über die manchmal wilde Murg in die Schule zu schicken zu müssen, mit uns Glieder einer Gemeinde zu werden; die übrigen sind in ihren Gedanken unschlüssig. Wenn sie Hochgeachtete Herren! Die bereits vorgetragene Bitte genau prüfen, so dürfen wir getrost Erfüllung derselben hoffen, und wir versichern Hochdieselben, dass unsere Gemeinde trachten wird, durch Gehorsam und ächten bürgerlichen Sinn Hochdero Wohlwollen zu geniessen, wozu wir uns mit der allerschuldigsten Hochachtung und Ehrerbietung empfehlen»
Interessant ist die Tatsache, dass beide Schrei ben von gleicher Hand, mit der gleichen Feder und Tinte geschrieben wurden. Mit grösster Wahr scheinlichkeit war der Schreiber der evangelische Pfarrer von Sirnach. In Egg und Horben wohnten nur evangelische Familien.
Hurnen, Gemeinde Sirnach im Nahmen der Ortschaften den 2ten May 1811 derselben Abgeordneter. Jakob Walder Schulpfleger» In einer fast so langen Eingabe, allerdings erst am 14. Dezember, bitten die Bewohner von Egg und Horben den Regierungsrat, sie der Gemeinde Wiezikon zuzuteilen. Als Gründe führen sie an: Die Nähe des Dorfes, die Kinder seien bereits seit Jahren an die Schule in Wiezikon gewöhnt, die
Mit dem Dekret des Grossen Rates vom 28. Ja nuar 1812 wurde eine flächendeckende politische Einteilung verordnet. Büfelden und Gloten wurden in die Ortsgemeinde Sirnach integriert. Für Hur nen-Than waren verschiedene Varianten in Dis kussion. Neben der Bildung einer Gemeinde mit Egg-Horben wurde sogar eine Minigemeinde mit Than-Fliegenast vorgeschlagen. Diese Variante ver langten die Hurner Bürger mit einer Eingabe an die Regierung. Hurnen, Than, Eichholz und Fliegenast hätten 22 stimmfähige Bürger, dies sei die richtige Grösse, sobald mehr seien, verliere man nur die Übersicht, so wurde argumentiert. Ein Zusammenschluss mit Eschlikon oder Wallenwil stand zu diesem Zeit punkt nicht zur Diskussion. Zu einem späteren Zeitpunkt wollten die Hurner nicht zu der armen Gemeinde Eschlikon gehören. Horben wollte sich
Hurnen wird 1798 Teil der «Munizipalität» Eschlikon
der Gemeinde Wiezikon anschliessen, da sie nur durch die Murg getrennt seien. Im schulischen Be reich wollten sie nicht zu Wiezikon gehören, weil sie durch die gefährliche Murg getrennt seien. Ein anderer Bürger von Hurnen meinte, sie hätten bis jetzt auch keine Gemeinde, sie bräuchten auch in Zukunft keine. «Dann kommt nur ein Gemeinde ammann, der uns sagt, was wir zu tun haben.» Durch das Dekret des Grossen Rates von 1812 entstand die Gemeinde Horben mit Hurnen und den Weilern dazwischen. Dass nicht das viel grös sere Hurnen der Gemeinde den Namen gab, war ein Entgegenkommen an die Horbener, da sie zur Gemeinde mit Hurnen gezwungen wurden. Wäre die neue Gemeinde Hurnen genannt wor den, hätten wir wahrscheinlich ein schöneres Gemeindewappen erhalten. Die Familien, die in diesem Jahr in Hurnen wohnten, wurden die ersten Bürger der Gemeinde Horben. Im ersten Protokoll der Gemeinde Horben von 1816 wurden diese Personen aufgeführt: «Jakob Walder älter Hans Jakob Walder Gemeindeverwalter Hans Jakob Walder Schulpfleger Hans Adam Walder Arzt; Hans Georg Huber (der Munizipalität von 1798 – 1803); Rudolf Huber Bruder von Hans Georg Huber Hans Ulrich Huber Sohn von Hans Georg Huber Hans Konrad Müller
Die elf politischen – später Ortsgemeinden der neuen Munizipalgemeinde Sirnach.
Hans Jakob Müller sel. Witwer (Bruder von Konrad) Abel Müller * im Moment sesshaft in Krillberg, bei der verheirateten Tochter Susanne Johannes Müller, Sohn von Abel Samuel Müller, Bruder von Abel Johannes Mahler Franz Mahler Friedrich Rickenmann Johannes Oberli * Babtist Oberli * Josef Oberli * Johannes Hollenstein * ist ihnen aufgetragen in Kirchgemeinde einzukaufen.»
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nicht. Deshalb fand die Versammlung beim ers ten Ortsvorsteher, Josef Hollenstein, im Eichholz statt. Ein Protokoll einer Versammlung, an der der Ortsvorsteher gewählt wurde, existiert nicht. Im ersten Traktandum wurde beschlossen, dass der Vorsteher das Tier schätzen und den Preis des Fleisches bestimmen müsse, wenn ein Bauer wegen Unfall oder aus einem anderen Grund ein Stück Vieh schlachten müsse. Die Hälfte des Scha dens werde auf alle Bauern, gemäss der Anzahl Tiere im Stall, verteilt. Im zweiten – und letzten – Traktandum wurde beschlossen, dass die Waldbe sitzer nur am Freitag im Wald holzen dürfen, zum Schutz des Waldes.
Das Siegel der Ortsgemeinde Horben
Nicht erklärbar ist, warum die erste Gemeindever sammlung erst vier Jahre nach dem Entscheid der Regierung zur Bildung der Gemeinde Horben statt fand. Taten sich die Männer der Gemeinde schwer, sich selbst zu regieren? Anwesend war Gemeindeammann Leutenegger aus Eschlikon. Von den Finanzen oder einer Rech nungsgenehmigung ist im Protokoll nichts ver merkt. Ein Lokal für eine Versammlung gab es
Die zweite Jahresgemeinde am 11. Hornung (Feb ruar) 1818 hatte drei Traktanden: Erstens wurde eine Busse von 15 Kreuzern bei un entschuldigtem Fehlen an der Gemeindeversamm lung beschlossen. Zweitens wurde der Beschluss der letzten Ver sammlung korrigiert. Wenn ein Stuck Vieh durch Krankheit oder anderen Notfall geschlachtet wer den muss, sollen dem Besitzer «drei Klauen gut gemacht und bezahlt werden. Und zwar von allen Vieh Besitzern ohne Ausnahm.» Nicht mehr die Ge meinde, sondern nur noch die Viehbesitzer muss ten zahlen. Drittens wünscht Hans Jakob Walder von Hurnen, 80 Gulden zu entlehnen. Als Pfand dient «eine Mad Heuwachs in der Hurnerwies».
Hurnen wird 1798 Teil der «Munizipalität» Eschlikon
Einige Müsterchen der Probleme aus den ersten Jahrzehnten der Gemeinde Die Gemeinde wurde durch Beschluss der Regie rung 1812 gebildet. Die ersten Eintragungen im Protokollbuch beginnen 1816. Was zwischen 1812 und 1816 geschah, wurde nirgends protokolliert. Vermutlich passierte nicht sehr viel. Bei den meis ten der 40 Einwohner steht «Hat seinen Beitrag auf May 1816 samt Zins bezahlt, 13.30» (13 Gulden, 30 Kreuzer). Das Vermögen der Gemeinde wurde an die Bewohner ausgeliehen. Die Gemeinde war eine kleine Dorfbank. Der zweite Schuldner war Ulrich Huber, der spätere Financier von Hurnen. Er entlehnte 300 Gulden mit 5% zu verzinsen. Der Schuldbrief wurde noch original ins Protokollbuch geschrieben und von den Bezirksbeamten unter schrieben. Als Unterpfand dienten 8 Jucharten Kul turland, davon ½ Juchart Reben am Stutz. Später wurden alle Finanzgeschäfte an der Gemeindever sammlung abgewickelt. An Stelle eines Pfandes kamen später meistens Bürgen zum Zug, die von der Gemeinde bestätigt werden mussten. Eine weitere Einnahmequelle waren die Hoch zeiten. Jeder heiratswillige Mann der Gemeinde musste 5 Gulden in die Gemeindekasse zahlen. Von 1816 bis 1843 waren es durchschnittlich 1,4 Hochzeiten im Jahr. Weitere Steuern wurden nicht erhoben. Die Gemeinde finanzierte sich von den Zinsen des Vermögens. Der Vorschlag pro Jahr lag zwischen 30 und 40 Gulden und wurde jeweils an der Versammlung an jemanden ausgeliehen. Das Kapital stieg von 507 Gulden im Jahre 1821 auf
923 Gulden 1840. Die Schule Hurnen finanzierte sich auf die gleiche Art und besass zur gleichen Zeit ein Vermögen von 1700 Gulden. Nach der Gemeindeversammlung war jeweils kein Geld in der Gemeindekasse, bis die ersten Schuldner den Zins bezahlten. 1838 kaufte die Gemeinde einen neuen Zuchtstier für 59 Gulden, 24 Kreuzer oder 22 Kreuztaler. Die Gemeinde musste das Geld bei Konrad Jucker in Hurnen entlehnen. 1820 wurde eine Gemeindekiste mit zwei verschie denen Schlüsseln für die Gemeindeakten ange schafft. Ein Schlüssel befand sich beim Gemeinde verwalter in Hurnen, der andere beim Verwalter in Horben. Oft ersuchten Männer, die Geld entlehnten, die Ge meinde um Erlass oder Teilerlass der Zinsschulden. Diese Gesuche wurden an der Gemeindeversamm lung behandelt und fast ohne Ausnahme bewilligt. Die Familie des Johannes Oberli-Kaltbacher wan derte ins Elsass aus. Johannes starb dort 1817 mit 38 Jahren. Seine Frau Elisa kam zurück nach Hur nen. Sie ersuchte die Gemeinde um etwas Reise geld, damit sie mit den Kindern wieder zurück ins Elsass gehen könne. Sie erhielt 2 Gulden und 48 Kreuzer. Als Pfand dienten 2 Kleidungsstücke, die sie wieder abholen könne, wenn sie in vier Jahren der Gemeinde nicht überfällig werde. Die Kleider verwaltete Josef Hollenstein, ab 1819 Johannes Brühwiler, ab 1826 lagen sie bei Hans Jakob Wal der. Ob sie danach gebraucht oder entsorgt wur den, ist nicht bekannt.
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1823 wird beschlossen, dass die Hühner im Haus gehalten werden müssen. Bei Busse von 4 Fran ken. Wieso hier dem Schreiber der Begriff Franken bekannt war, beinahe 30 Jahre vor dessen Einfüh rung, kann nicht erklärt werden. Vier Gulden kann es nicht gewesen sein, das wäre ein unverhältnis mässig hoher Betrag gewesen. 1830 muss Itta Oberli von Hurnen für das Bürger recht ihres unehelichen Kindes 25 Gulden bezah len. 1831 erfährt Anna Müller von der Egg das glei che Schicksal. Niemand fand es ungerecht, dass kein Mann für das Bürgerrecht seiner Kinder je et was bezahlen musste. 1831: Josef Anton Specker von Hurnen wurde wegen eines Beinbruchs mit der «Armenfuhre» in die Gemeinde gebracht und von Johannes Mül ler beherbergt, für 12 Kreuzer die Woche. Gene rell war die Gemeinde für das Wohl seiner armen, verwahrlosten und kranken Bürger verantwortlich. An den Versammlungen wurde jeweils bestimmt, wer diese Personen in seinem Haushalt aufnimmt. Diese wurden von der Gemeinde entschädigt. Oft wurden Männer, die in der Ostschweiz herumvaga bundierten, von der Polizei aufgegriffen und dem Gemeindevorsteher übergeben. Die Gemeinde musste die Transportkosten und die Verpflegung für den Bürger der Gemeinde und den Polizisten, der ihn begleitete, zahlen. Dreimal hintereinander wurde der gleiche Mann von Hurnen in der Inner schweiz aufgegriffen.
Es fällt auf, wie sehr die Gemeinde darauf bedacht war, keine Verluste einzufahren. 1835 beschloss die Versammlung, der Anna Marie Rickenmann in Hofen ihr Darlehen von 220 Gulden zu kündigen, wenn sie bis Martini die Zinsschuld nicht bezah len konnte. Im Februar 1841 fegte ein schwerer Sturm über Hurnen und die Gemeinde. Grosse Schäden ent standen durch entwurzelte Bäume. Die vom Statt halteramt angezeigte «Liebessteuer» für die Ge meinde Horben könne in Münchwilen abgeholt werden. Es sind 70 Viertel Fäsen (Korn) und 200 Viertel Hafer. (ein Viertel, je nach Quelle und Peri ode, 15 bis 25 Liter) Am 18. März ist das «Circular über eine Liebessteuer» für die Flüchtlinge in Luzern vorgelesen worden. Gespendet wurde nicht, dies im Gegen satz zu einer Liebessteuer für die durch einen Grossbrand geschädigten Bewohner von Tobel. Die Liste der Spender wurde im Protokoll verewigt. 32 Männer spendeten zwischen 6 und 46 Kreuzern, 3 enthielten sich einer Spende. Ein fast identisches Bild ergab im gleichen Jahr eine Sammlung für die Geschädigten eines schweren Unwetters in den Bezirken Frauenfeld und Arbon. Beide Sammlun gen ergaben 9 Gulden. Auch diejenigen, die nicht spendeten, wurden namentlich aufgeführt. Eine Rechnungsprüfungskommission gab es noch nicht. Ab 1841 musste die Rechnung dem Statt halteramt abgeben werden. Sie stand jedem Bür ger zur Einsicht offen.
Hurnen wird 1798 Teil der «Munizipalität» Eschlikon
Im Protokoll vom 11. Januar 1846 steht: «Die Gemeinde wünsche, dass auf ihre Kosten von Staatswegen ein Quantum Erdäpfel solle angekauft werden.» Die Bewohner vom Fliegenast, Than und Hurnen waren besonders hungrig. Sie bestell ten 10,5 Viertel im Schnitt pro Familie, der Rest der Gemeinde nur 4,5 Viertel Kartoffeln. Ob die Kartoffeln geliefert wurden, steht nicht im Pro tokoll. Im Buch «150 Jahre Thurgauischer Land wirtschaftlicher Kantonalverband 1835 bis 1935» schreibt Paul Pfaffhauser: « … in den Frühjahren 1847 und 1848 mussten in 36 Thurgauer Gemeinden im Kampf gegen den Hunger «Sparsuppen» ausgeteilt werden. Besonders tragisch war, dass die Kartoffeln, die sonst auch in schlechten Jahren einen gewissen Ertrag brachten, ebenfalls ausfielen. Eine Kartoffelkrankheit, die später als ‹Krautund Knollenfäule› bezeichnet wurde, breitete sich immer mehr aus.» Die Kartoffel-Bestellungen wa ren die Folge einer Anfrage vom Departement des Innern. Über die Verteilung der Kartoffeln, und ob sie wirklich geliefert wurden, ist nichts protokol liert. 1850 bezeichnete sich in Hurnen nur Konrad Jucker als Landwirt. Er war der einzige, der keine Kartoffeln bestellte. Er dürfte genug eigene gehabt haben. Die anderen lebten vom Weben, sie hatten Geld, aber zu wenig Kartoffeln. Es gibt Parallelen zu 1816/17. Auch 1847/48 ist in den Akten gar nichts von einer Hungersnot in Hurnen zu finden. Die Bürger der Gemeinde erhielten immer an der Jahresversammlung einen Bürgertrunk im Wert zwischen 10 und 20 Kreuzern. In Gemeinden mit einer Wirtschaft wurde dieser Trunk ausgeschenkt.
Die nach 1812 in Hurnen zugezogenen Männer, wie der erwähnte Konrad Jucker, gingen leer aus. Schon 1846 stellte die Gemeinde einen Feldmau ser an. Er erhielt 9 Gulden im Jahr und einen Bonus, wenn er gut arbeitete. Im gleichen Jahr unterzeich neten viele Bürger eine Petition. Sie verlangten, dass erstens die Handänderungssteuern abge schafft werden, und zweitens dass die Taxen für die Fertigungs- und Schuldverschreibungs-Ge bühren halbiert werden. Dies könnte eine Folge der extrem vielen Handänderungen einzelner Par zellen und ganzer Bauernhöfe in den ersten Jahr zehnten des Jahrhunderts gewesen sein. In dieser Zeit wurden bis sechs Gemeindeversammlungen im Jahr durchgeführt, oft nur mit einem oder zwei Traktanden.
Bildung der Einheitsgemeinde Eine Motion im Grossen Rat von 1970 verlangte die Aufhebung des Gemeindedualismus im Thur gau. Ein erster Anlauf der Munizipalgemeinde Sir nach scheiterte an der Volksabstimmung vom 1. März 1979 aus verschiedenen Gründen. Ein zweiter Anlauf führte 1997 zum Erfolg. Zwei sogenannte Einheitsgemeinden wurden gebil det: Sirnach und Eschlikon, mit den Ortsgemein den Eschlikon und Wallenwil. Die Ortsgemeinde Horben wurde zwischen Fliegenast und Mösli
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Hurnen wird 1798 Teil der «Munizipalität» Eschlikon
Die Flugaufnahme von 1995 zeigt Hurnen und die Weiler und Höfe, die in dieser Arbeit beschrieben werden.
getrennt. Hurnen und die in dieser Geschichte behandelten Weiler gehörten von nun an zur Ge meinde Eschlikon. Interessant war, dass die gleichen Argumente wie vor 150 Jahren über viele Jahre hinweg diskutiert wurden. Die bisherige Munizipalgemeinde Sirnach bestand aus den Ortsgemeinden Sirnach, Buss wil, Eschlikon, Wiezikon, Wallenwil und Horben. Eschlikon, Wallenwil und ein Teil von Horben woll ten nicht zur zukünftigen grossen Gemeinde Sir nach gehören. In Wallenwil gab es Strömungen, die eine eigene Gemeinde Wallenwil wollten. Das glei che war in Horben und Wiezikon der Fall. Mit der Bildung der zwei politischen Gemeinden Sirnach
und Eschlikon siegte schliesslich die Vernunft. Negativ war die Trennung der Gemeinde Horben. Noch schmerzlicher für viele war die Trennung von der Schule mit der Turnhalle Egg. Als Zückerchen erhielten die Eltern noch für einige Jahre das Recht, ihre Kinder in die Egg oder nach Wallenwil in den Kindergarten und die Primarschule zu schicken. Die Flugaufnahme umfasst auch den Teil der ehe maligen Gemeinde Horben, der 1997 in die Ge meinde Eschlikon integriert wurde. Leider fehlen der Bio Hof der Familie Müller und die ganze Bio gas-Anlage der «oeko-enegie gmbh riethof» auf der linken Seite.
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Die Hungersnot von 1816 Diese Hungersnot war in der neuen Gemeinde Horben und speziell in Hurnen offenbar bei wei tem nicht so extrem zu spüren, wie in der Presse heute, 200 Jahre später, berichtet wird. Bartholo mäus Thalmann in Horben (der Urgrossvater mei ner Grossmutter) schreibt in seine Familienbibel: «1816 sehr nasses und spätes Jahr das erste Korn wurde am Bartholomäustag (24. August) geerntet der Haber am 12. Weinmonat (Oktober). Im Gebirge wurde der Haber gar nicht reif.» Dies war denn auch der Grund, dass im hintersten Thurgau die Hungersnot am extremsten spürbar war. «1817 grosse Teuerung, an vielen Orten war nichts zu kaufen, kein Verdienst, das Baumwollgwerb stand beinahe still.» (1 Gulden wurde bei der Umrechnung mit 2.40 Franken bewertet. 1 Gulden gleich 60 Kreuzer) Im Jahre 1817 waren die Kartoffeln 14-mal teurer als im Herbst 1819. Wer keine eigenen Kartoffeln hatte, konnte sich kaum welche besorgen. Informationen erhalten von Hanni Schäppi-Thal mann in Horben, Ur-Ur-Enkelin des Bartholomäus Thalmann.
Preis 1817
Preis Herbst 1819
50 Gulden
5 Gulden
24 – 26 Kreutzer
3 Kreutzer
ein Pfund Fleisch
12 Kreutzer
8 Kreutzer
ein Pfund Schmalz
40 Kreutzer
15 Kreutzer
ein Viertel Erdäpfel
2 Gulden 48 Kreutzer
12 Kreutzer
5 Gulden
30 Kreutzer
48 Kreutzer
15 Kreutzer
ein Mutt Kernen
ein Pfund Brot
ein Viertel Hafer
ein Mass Wein
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Die Hungersnot von 1816
Im Jahr 2016 wurde in den verschiedensten Me dien von der schrecklichen Hungersnot von 1816 bis 1818 berichtet. Viele seien an Hunger gestor ben. Viele Menschen hätten mit dem Vieh auf der Weide Gras verzehrt. «Es wurde auch mancher auf dem Feld oder der Strasse verschmachtet und tot aufgefunden.» (Geschichte von Sirnach AIII12). Erschütternd sind die Eintragungen des Hunger jahrs 1817 in den pfarramtlichen Sterberegistern der Gemeinde Sirnach. Sieben Menschen starben damals zum Teil «in völliger Sprach- und Sinnlosigkeit an den Folgen der Hungersnot. 64 Kinder wurden von der Ruhr, einer seuchenhaft auftretenden Darmkrankheit dahin geraft.» So schlimm kann es in Hurnen nicht gewesen sein. Auch Bartholomäus schreibt in dem erwähnten Zi tat kein Wort, dass sie hätten hungern müssen. Ge mäss dem katholischen Pfarrbuch gab es in diesen Jahren zwei Todesfälle. 1817 starb Barbara Rogg im Eichholz. Ihr zweiter Mann war alt Sittenrichter Johann Hollenstein. 1818 starb Josef Ruckstuhl im Than, ein vermögender Mann ohne Kinder, der mit einem Testament der Kirche und Privaten viel Geld spendete. Auf evangelischer Seite starben in der Familie mei ner Vorfahren die Gebrüder Samuel 1816, 64 Jahre alt, und Abel 1818, 71 Jahre alt, beide Besitzer schöner Bauernhöfe. Von den vielen Walder in Hurnen starb 1818 ein 29-jähriger Mann. Vier Kinder wurden während den
Hungerjahren geboren. In den beiden Familien Hu ber wurden 1817 und 1818 drei Kinder geboren, gestorben war eine 82 Jahre alte Frau. Einzig die Eheschliessungen könnten einen nicht erwiesenen Hinweis geben. Von 1810 bis 1816 gab es je eine Heirat pro Jahr, zwischen 1817 und 1821 nur eine Eheschliessung. Im Zusammenhang damit stehen die Geburten. Von 1812 bis 1815 wurden im Durchschnitt 4,5 Kinder geboren, von 1816 bis 1819 nur 2. Nur zwei der 1816 in Hurnen wohnhaften 18 Fa milien besassen kein eigenes Land für die Selbst versorgung. Der Handel mit Kulturland und Lie genschaften kam auch in diesen Jahren nicht zum Erliegen. Die einen mussten vielleicht etwas Land verkaufen um zu leben, die anderen nutzten die Gunst der Stunde, um ihr «Heimet» zu vergrös sern. Ich gehe davon aus, dass auch ein gewisser Austausch von Nahrungsmitteln im Dorf – von den grösseren Bauern zu den Notleidenden – stattge funden hat. Der aus unserer Gegend stammende Historiker Dr. Louis Specker schreibt im Neujahrsblatt des historischen Vereins St Gallen, dass bei der Krise 1816/17 gleich mehrere Faktoren zusammenge wirkt haben. «Der unheilvollste war sicher der Vulkanausbruch von 1815 in Indonesien. Der Ausbruch des Vulkans Tambora, er gilt als der grösste der historischen Zeit, übertraf an Zerstörungskraft alle bisher
Die Hungersnot von 1816
bekannten Vulkaneruptionen. Die Erde bebte in einem Umkreis von 1600 Kilometern. Aschewolken verdunkelten den Himmel, die Sonne konnte nicht durchdringen. Die Nachwirkungen der Explosion machten sich vor allem in Nordamerika, aber auch in Westeuropa verheerend bemerkbar, wo der Sommer 1816 extrem kalt ausfiel. Dabei fiel die Beeinträchtigung des normalen Klimas ohnehin in eine Kälteperiode, welche 1810 begonnen hat» (1811 sicher nicht) «und bis 1860 dauern sollte. Von 1815 an gab es schneereiche Winter, die jeweils den Frühlingsanfang erheblich verzögerten. Das auffällige Wärmemanko dieser Jahre relativiert nun allerdings die Einwirkung des Tambora Ausbruchs ein wenig. Dennoch ist die Annahme berechtigt, dass erst das Zusammenwirken der Naturkatastrophe mit den lang andauernden klimatischen Extremverhältnissen die Hungersnot von 1816 ausgelöst hat.» Schweizer Bauer 18. April 2015: «Die Sprengkraft dieser Eruption entspricht 170 000 Hiroshima-Bomben. Die Explosion sprengte die obersten 1500 Meter des Tambora weg. Eine Säule von Lava, Staub und Asche sei 30 km in den Himmel geschossen.» Dass es Arme und Notleidende im Kanton gab, zei gen zwei Artikel aus einer Verordnung der Thur gauer Regierung vom 8. Juli 1817: «8. Jeder Ortsgemeinde liegt ob, bey vorrückender Zeitigung der Feldfrüchte, einen oder mehrere zuverlässige Männer als Bannwächter zu bestellen, und durch den Gemeindeammann in Pflicht nehmen zu lassen, welche nächtlicher Weise mit geladenem Gewehre die Getreidefelder zu hüten, und
nach eingetretener Ernte zugleich mit den Ortswächtern in den Ortschaften selbst Wache zu tun haben, und Häuser und Eigenthum der im Feld beschäftigten Einwohner vor Einbruch und and`rer Gefahr zu verwahren. 11. Die Besitzer einsamer Höfe werden erinnert, für die Sicherstellung ihres Eigentums selbst erforderlich Sorge zu tragen. Sie sind gleicherweise wie die Bannwächter berechtigt, auf Leute zu schiessen, welche sich nächtlicherweise in ihrem Eigenthum betreten lassen, ohne auf dreimaliges Anrufen genügend zu erkennen zu geben. 12. ( … ) kann der Polizeibeamte bei bedeutendem Frevel, und alles nächtliche Ährenrupfen, Erdäpfellupfen, Obstschütteln u. dgl. oder Wiederholung kleinerer einfacher Frevel selber die angemessene Strafe verhängen: Durch körperliche Züchtigung bis auf 18 Streiche, einfachen oder verschärften Arrest bis auf viermal vierundzwanzig Stunden, oder einstündige Ausstellung an öffentlichem Ort.» In den Protokollen der Ortsgemeinde Horben ist von all dem gar nichts zu finden. Weitere Notizen über das Wetter, aufgeschrieben in der Familienbibel von Emil Büchi und dessen Schwiegersohn, der oben erwähnte Bartholomäus Thalmann in Horben:
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Die Hungersnot von 1816
«1771: grosse Teuerung ein Mutt Kernen 32 Gulden ein Pfund Brot 14 Kreuzer 1781: 25. – 27. Mai, Reif und Eis, Laub an Nussbäumen, Erdäpfelkraut und Welschbohnen erfroren, alte Männer sagten es war das schlimmste Kornjahr seit Mannsdenken 1787: Im Monat Merzen hat man alles verhaberet (angesät) sehr schöner Frühling, am 21. April Schnee alles gefroren Bäume voll Bluest keine Äpfel wenig Birne, fruchtbarer Sommer schöner Herbst bis Martini (11. Nov.) musste das Vieh keinen einzigen Tag eingestallt werden 1788 Im Sommer viel Gewitter grosse Wasser u. Wind grossen Schaden an Bäumen u. Wälder 1793 das erste halb Jahr nass dann grosse Trockenheit viele Brunnen kein Wasser die Müller im Gebirge mussten nach Weinfelden in die Mülli
1811 ausserordentlich fruchtbarer Sommer, an einem Fest konnten am Johannistag (24. Juni) frischen Most und neuen Wein und neues Brot genossen werden. In Marbach hat ein Birnbaum mit grossen Früchten 8 Tage vor Jacobi reife Früchte anfangs Brachmonat (Juni) fing er wieder an zu blühen und Mitte des Herbstmonats (September) war die zweite Frucht reif. Einen solchen Segen hat man seit Menschengedenken nicht erlebt». Aus dem Tagebuch von Pfarrer Schaagg in Sirnach sei folgendes festgehalten. «Am 17. August 1771 ereignete sich gähling (plötz lich) ein starkes und fürchterliches Erdbidmung (Erdbeben). Das Volk wurde mit grossem Schrecken und Furcht überfallen. Das gesamte Volk stürzte unter grossem Geschrei, aus Angst, die Kirche könnte durch die grosse Erschütterung zusammenfallen, und mit grossem Gedränge unter Verletzung einiger Leute durch die Kirchentüren ins Freie. Mit Gerassel und Getöse stürzten Steine vom Kirchendach auf den Friedhof hinunter, Kies und Mauerpflaster fielen in der Kirche bei den beiden Altären zu Boden».
1800 ausserordentlich grosse Tröchne 1802 Am 16. Tag Mai am Sonntagmorgen hads einen knietiefen Schnee gehabt Bäume und Holz abgetruckt Rogen und Gersten allsamen niedergetruckt und Schneebedeckt
«Am 8. Heumonat 1778 brach, nachmittags um 4 Uhr ein fürchterliches Gewitter los, das fünf Stunden dauerte. ( … ) Der Messmer währe in den Wassermassen beim Pfarrhofe beinahe ums Leben gekommen.»
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Die Schule in Hurnen Die Schulbildung war während Jahrhunderten Sa che der Kirchen, resp. der Pfarrherren. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts begannen die Pfarrherren in Sirnach für die Kinder der Kirchgenossen im Pfarr haus Winterschule zu halten. Die evangelischen Pfarrer mussten Bevölkerungsstatistiken nach Zü rich liefern. Dabei mussten die Pfarrer die bei ih ren Eltern lebenden Jugendlichen in 6 Kategorien einteilen. Com. o.
Bedüt die Cominicantes Die da beten können das heilige Vater Unser S. Die erzellend könnend den Glauben D. Die kennend die heiligen zehn Gebote Cat. M. et. m. Den ganzen Catechismen uswendig können. Alle Kinder von Hurnen und Umgebung hatten min desten eines der oben stehenden Zeichen. Das weist darauf hin, dass die Kinder von Hurnen zu Beginn des 17. Jahrhunderts mindestens zeitweise die Pfarrschule in Sirnach besuchten. Im 18. Jahrhundert kam es zur Gründung von Nebenschulen in den Pfarreien. In Eschlikon wurde bereits 1715 eine evangelische Schule eröffnet. Der Sirnacher Pfarrer Schinz erlaubte 1787 den evangelischen Hausvätern von Hurnen eine eigene
Winterschule. Die Väter der Familien Huber, Walder und Müller dürften den Wunsch nach einer eigenen Schule dem Pfarrer eingereicht haben. Die katholi schen Kinder von Hurnen und von katholisch Than und Eichholz (zu dieser Zeit ausschliesslich katho lisch) besuchten die Schule in Wallenwil. Die Finanzierung der Schulkosten funktionierte anders, als wir uns das gewohnt sind. Die evan gelischen Hausväter von Hurnen spendeten zu sammen einen Schulfonds von 320 Gulden. Dieser Fonds blieb bestehen und wurde an Einwohner von Hurnen und Umgebung verliehen. Mit den Zinsen – in der Regel 5% – wurden die Unkosten finanziert. Vergrössert wurde der Fonds durch eine Heirats steuer. Jeder heiratende Mann und jeder Auswär tige, der eine Frau aus Hurnen heiratete, musste 2 Gulden in den Fonds zahlen.
Stiftungsbrief 1787 Pfarrer Schinz verfasste folgenden Stiftungsbrief: «Kund und zu wüssen seye hiermit, dass auf dringendes Anhalten sämtlicher Evangelischer Hausväter von Hurnen in der evangelischen Pfarr Sirnach in Rücksicht der Entlegenheit ihres Dorfes von der Hauptschul zu Sirnach und der sich oft erzeigenden Unmöglichkeit, ihre Kinder ohne Lebensgefahr zu gedachter Hauptschul pflicht mässig anzuhalten,
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Die Schule in Hurnen
theils wegen der Menge und Tiefe des einfallenden Schnees, teils wegen stark anschwellender und reissender Murgk,(es gab noch keine Brücken über die Murg) mithin ihre Kinder der nöthigen Schulunterweisung fast gänzlich ermangeln müssten, aus diesen wichtigen Gründen mit Consens von Tit. Herrn Pfarrer Weiss zu Ellikon, höchst Meritiertem (verdienstvollem) Dekan des Frauenfelder Capituls von mir, Joh. Jakob Schinz, dermaliger evangelischer Pfarrer zu Sirnach, besagten evangelischen Hausvätern zu Hurnen ein Nebenschul zu Winterszeit jährlich von Martini bis Ostern in Hurnen selbst zu halten bewilliget und erlaubt worden. Zu Ende hin ist auch der ehren- und mannhafte Hans Jakob Walder von Hurnen nach abgelegten vergnüglichen Proben eines tüchtigen Schulmanns von mir zum Schulmeister dieser Nebenschul (ernannt) worden, und damit die jährliche Besoldung des Schulmeisters desto sicherer möge erhalten werden, so haben gedachte Hausväter ein Schulfonds errichtet und jährlich wie folget den Zins baar zu erlegen versprochen: Sebastian Huber,Vater Hs Rudolf Huber,Sohn H Georg Huber, Sohn Hs KasparOettli Abel und Samuel Müller, Gebrüder
Stiftungsbrief 1787
60 50 60 20 40
Gulden Gulden Gulden Gulden Gulden
Die Schule in Hurnen
Adam und Jak. Walder, Schulmeister, Gebrüder Hs Jacob und Hs Konrad Müller, Gebrüder Capital des SchulFondss Summa
Unterschrift von Pfarrer Johann Jakob Schinz
60 Gulden 30 Gulden 320 Gulden
Anbey ward auch den Hausvätteren im Fliegenast für ihre Kinder aus gleichen Gründen die Theilnahm an dieser Nebenschul und der Zutritt zu selbiger bewilliget, doch dass sie sich wegen dem Schullohn mit den Hurneren selbst gütlich vergleichen und abfinden sollen.» Sirnach, d. 20 st. 8bris 1787 bescheint Joh. Jak. Schinz evangelischer Pfarrer Dem initiativen Minister für die Künste und Wissen schaften der neuen helvetischen Republik, Stap fer, musste die thurgauische Verwaltungskammer 1799 einen Bericht über den Stand aller Schulen im Kanton abliefern. Diesem Bericht ist über die Schule Hurnen Folgendes zu entnehmen: «Schülerzahl 20 Schullokal eine von den Hausvätern gemietete Wohnstube Schulfonds 400 Gulden, fremde Kinder (Than, Eichholz und Fliegenast) zahlen 4 Kreutzer Schulgeld Schuldauer von Othmari (11. Nov.) an 14 Wochen, täglich 6 Stunden
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Schulbücher
Lehrer
Besoldung
Das Namenbüchlein (die Fibel), das Psalmenbuch, der Lehrmeister, das Testament, das Zeugnisbuch und das Gesangbuch Hans Ulrich Schüepp, von Eschlikon, 20-jährig, im Nebenberuf Weber und Landwirt 21 Gulden (jährlich) «dieser Schuldienst ist nie stark besucht worden.»
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Die Schule in Hurnen
Die Schule Hurnen wurde 1804 mangels genü gender Kinderzahlen vorübergehend eingestellt. Im Herbst 1806 stellten die Hurner ein Gesuch um Wiedereröffnung, «da ein neuer Aufwuchs vorhanden sei». Bereits 1813 entwarf Inspektor Pfarrer Häfeli ei nen Plan zur Stärkung der Schule Hurnen. Danach sollte man Egg und Horben mit Hurnen vereinigen. Man könnte alternierend in Hurnen oder Horben Schule halten. Auch sei die Möglichkeit, in Flie genast ein Schulhaus zu bauen, ins Auge zu fas sen, dies umso mehr, als die Hurner ernsthaft er wogen , in Hurnen selber ein Schulhaus zu bauen. Doch die Zahl der evangelischen Schüler sank wei ter, so dass ab 1830 die Schüler nach Wiezikon ge schickt wurden. Das evangelische Schulgut mit eigener Rechnung über das Vermögen der Schule Hurnen blieb noch 25 Jahre bestehen, auch wenn offenbar in Hurnen keine Schule mehr gehalten wurde.
Kopie der Originalrechnung von 1835 der Schule Hurnen
Die Schule in Hurnen
Rechnung 1835 Über das Vermögen der evangelischen Schule Hurnen für 1835, abgelegt vom Pfläger des Gutes Jakob Walder Details der Rechnung Vermögen Lichtmess 1834 591.52 Gulden Zins des Kapitals zu 4,5 % 26.80 Gulden 4 Heiratsgebühren zu 2.42 Gulden 10.48 Gulden Summe aller Einnahmen 628 Gulden 48 Kreuzer Ausgabe An den Schullohn der Bürgerkinder für 1834/35 lt. Beleg 16.36 Gulden Sämtlich Ausgabe Bleibt Vorjähriges Vermögen Vorschlag
16.36 Gulden 612.12 Gulden 591.52 Gulden 20.20 Gulden
Der Schullohn der Bürgerkinder musste der Schule Wiezikon bezahlt werden. Die zugezogenen und nicht eingebürgerten Eltern mussten diesen Schul lohn selber bezahlen. Im zweiten Teil der Rechnung befindet sich die Liste der Männer, denen das Schulgut für 4½ % ausgeliehen wurde. Alle sind Bürger der Gemeinde Horben, die im Schulkreis Hurnen wohnen. Nach vielen Wirren und mehrjährigen Streitigkeiten (siehe Jubiläumsbroschüre zur Einweihung des
Mehrzweckgebäudes 1982) begannen am 12. Mai 1840 zehn Männer mit dem Aushub des Kellers den Bau eines Schulhauses in der Egg. Nur evan gelische Männer beteiligten sich daran, denn die Schule in der Egg war bis 1859 eine rein evange lische Schule. Der Aushub und weitere Bauarbei ten wurden im Frondienst ausgeführt. Der Einsatz für diese Arbeiten und die Fuhrdienste wurden ge mäss der Anzahl Tiere, die im Stall standen, ver teilt. Denjenigen, die keine Zugtiere hatten, wurden Handdienste aufgebrummt. Da es eine rein evan gelische Schule war, mussten auch nur die evan gelischen Hausväter Frondienst leisten. Da 1840 keiner der Bauern ein Pferd besass, wurden die Kühe vor die Wagen gespannt. 11 Bauern besassen in der Schulgemeinde eine Kuh und einen Stier oder 2 Kühe und ein Rind. Vier Hurner, die keine Tiere besassen, mussten Hand dienst leisten. Bis 1856 bestanden in der Schulgemeinde Egg drei Schulfonds: Hurnen, Wiezikon und Egg-Horben, die jährlich ihre eigene Rechnung verabschiedeten. Über diesen Rechnungen stand die Rechnung der gesamten Schulgemeinde Egg. Eine Vereinigung scheiterte lange an der Haltung der Hurner, die mit grossem Abstand am meisten Geld in ihrem Schul Fonds hatten. Sie stimmten am 15. August 1857 einem Vereinigungsvertrag von Regierungsrat Hä berlin zu und waren bereit, ihr Fondssvermögen von 1775 Franken der Gesamtrechnung beizusteu ern, nachdem der Kanton 800 Franken offeriert
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Die Schule in Hurnen
hatte. Die Beiträge der Schule Wiezikon und EggHorben beliefen sich auf 170 Franken, bzw. 80 Franken. Sie waren sehr bescheiden.
Nachfolgend die Abschrift der letzten Rechnung des Schulgutes der Schule Hurnen vor der Verei nigung der drei Schulgüter zur Schule Egg, aus gestellt von meinem Ur-Ur-Grossvater Heinrich Müller.
Rechnung über das Vermögen des Schulguts Hurnen. Rechnungsgeber Heinrich Müller Hurnen Bürgen Johannes Rickenmann Eichholz, Johannes Müller Hurnen (Bruder von Heinrich Müller, mit der Schwester von Johannes Rickenmann verheiratet) Rechnungstermin 1. Jan. 1856 – 31. Dez. 1856 Einnahmen A. Einnahmen an vorjährigem Erzeig 1. An Kapitalien 2. An Barem in der Kasse
1656.97 Fr. 118.09 Fr.
1775.06 Fr.
B. Einnahmen an Zinsen 1. Von 1656.97 Fr. Kapital ein Jahreszins à 5% pro Martini 1856 82.84 Fr. 2. von 5.76 Fr. des Baren in der Kasse die auf Mai 1856 zinstragend gemacht wurden ein Halbjahreszins 5% auf Martini 1856 0.14 Fr.
82.98 Fr.
C. Einnahmen von Verehelichungsgebühren Von Jakob Müller von Hurnen sesshaft in Schmidshof D. Einnahmen an Einkauf in den SchulFonds 1. Von den Schulbürgern der Gemeinde Wiezikon zum Zwecke der beschlossenen Vereinigung sämtlicher Schulgüter der Schulgemeinde auf Martini 1856 2. Von den Schulbürgern von Horben und Egg zu gleichem Zwecke auf denselben Termin
5.72 Fr.
170.00 Fr. 80.00 Fr.
Die Schule in Hurnen
3. vom Staate an Stelle der Schulbürger von Wiezikon und Horben-Egg zu gleichem Zwecke ein Betrag von Fr. 800.–
800.00 Fr.
1050.00 Fr.
Zusammenzug der Einnahmen
2913.76 Fr.
A B C D
Vorjähriger Erzeig Zinse Verehelichungsgebühren Einkauf
Die sämtlichen Einnahmen betragen Ausgaben A. Ausgabe an Zinsabschreibung Rückgabe laut Spezifikation im Erzeige für bezahlte Zinsen B. 1. 2. 3.
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1775.06 Fr. 82.98 Fr. Fr. 5.72 Fr. 1050.00 Fr. 2913.76 Fr.
8.29 Fr.
Ausgabe an Schullohn Für die Kinder der Schulbürger pro Winterkurs 55/56 laut Rodel 6.75 Fr. Für die Kinder der Schulbürger pro Sommerkurs 56 laut Rodel 7.00 Fr. Maria Lüthi Arbeitsschullohn und für Lehrmittel pro 1855/56 1.42 Fr. Summa 15.17 Fr.
C. Ausgabe an Verwaltungskosten Dem Pfleger für seine Mühewaltung
2.12 Fr.
D. Ausgabe an Beiträgen An das allgemeine Schulgut zur Vermeidung eines Rückschlages 1. Die Leistung eines zweiten Schulgeldes für die Bürgerkinder pro Schuljahr 55/56 13.75 Fr. 2. Die Leistung eines weiteren Schulgeldes für die Bürgerkinder Pro Schuljahr 55/56 26.50 Fr. Summa
40.25 Fr.
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Die Schule in Hurnen
E. Ausgabe für Verschiedenes Für Porto Für Papier
0.35 Fr. 0.20 Fr.
Zusammenzug der Ausgaben A Zinsabschreibung B Schullohn C Verwaltungskosen D Beiträge E Verschiedenes
8.29 Fr. 15.17 Fr. 2.12 Fr. 40.25 Fr. 0.55 Fr.
Die sämtlichen Ausgaben betragen
66.38 Fr.
Verzeichnis der Schuldner des Schulgutes am 31. Dezember 1856 Sebastian Rickenmann Eichholz Heinrich Müller Hurnen Jakob Schoch Than Johannes Müller Hurnen Sebastian Rickenmann Fliegenast Jakob Walder Hurnen Remigius Brühwiler Hurnen Johannes Walder älter Hurnen Rudolf Hubmann Eichholz Ulrich Friedinger Hofen Rudolf Hubmann Eichholz Heinrich Thalmann Horben
212.12 Fr. 216.36 Fr. 200.00 Fr. 230.00 Fr. 63.64 Fr. 106.06 Fr. 120.91 Fr. 201.52 Fr. 106.06 Fr. 106.06 Fr. 100.00 Fr. 1050.00 Fr.
0.55 Fr.
Die Schule in Hurnen
Dies war wirtschaftlich ein ausgezeichnetes Sys tem. Die Schuldner erhielten das Geld um 5% wie von allen anderen Gläubigern. Das Geld lag nicht auf einer Bank, es konnte in der Gemeinde «arbeiten». Das Schulgut Hurnen erhielt als Gläu bigerin für ihr Vermögen ebenfalls 5%. Mit den Zin sen der Schuldner konnten die Unkosten gedeckt werden, der Schulfonds stieg ohne Steuereinzüge. 1787 betrug der SchulFonds 320 Gulden = 768 Franken 1799: 400 Gulden = 960 Franken (Umrechnungssatz 2.4) 1856 betrug das Vermögen 1775 Franken.
Die Entwicklung der schulischen Ausbildung der Schulkinder von Hurnen Ein interessantes Dokument ist ein Auszug aus dem Protokollbuch der Milchlieferungsgesellschaft Riethof. Paul Müller, geb.1899, schreibt den Text in perfekter deutscher Schrift, den Titel und die Un terschrift in der ebenso perfekten neuen Schrift. Die Schüler mussten nach 1900 offenbar noch beide Schriften erlernen, wie heute eine zweite Sprache.
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Die Schule in Hurnen
Gründung einer Sekundarschule in Eschlikon 1858 Der Regierungsrat bezeichnete am 16. Januar 1854 für den ganzen Kanton die Schulorte der einzelnen Sekundarschulkreise. Anfang 1857 erhielt der Re gierungsrat eine Eingabe der Gemeinde Eschlikon, mit der sie anerbot, für den Sekundarschulkreis Nr. 16, der den ganzen Hinterthurgau umfasste, ei nen Unterrichtssaal und eine angemessene Woh nung für den Lehrer zur Verfügung zu stellen. 1858 wurde erstmals in Eschlikon Sekundarschul-Unter richt gehalten. Überraschend wenige Hurner Schü ler besuchten die Sekundarschule in den ersten Jahrzehnten. Der erste war 1875 Albert Müller von Hurnen, 1876 Gottlieb Thalmann vom Than, 1882 Johann Müller vom Riethof und 1900 Ulrich Wal der von Hurnen. Der erste Knabe aus Hurnen, Albert Müller *1861, war mein Vetter (Bruder des Grossvaters). Er be suchte im Anschluss an die Sekundarschule das Lehrerseminar in Kreuzligen. Gemäss mündlichen Überlieferungen besuchten ihn seine Eltern ein mal im Jahr zu Fuss in Kreuzlingen, Abmarsch mor gens um 4 Uhr. Erst am Abend kamen sie wieder nach Hause. Ab 1859 besuchten auch die katholischen Kinder von Hurnen die Schule in der Egg.
Fortbildungsschule in der Egg 1875 Laut Regierungsratsbeschluss von 1875 muss ten die Schulgemeinden Eschlikon und Egg eine Fortbildungsschule für 16- bis 18-jährige Jüng linge einrichten. Für die Mädchen war dies über flüssig? Eine Vorsteherschaft von sieben Mitglie dern wurde gewählt. Doch schon im Oktober 1876 beschliesst der gleiche Regierungsrat, dass die Schule Egg eine eigene Fortbildungsschule betrei ben muss. Der Unterricht in der Fortbildungsschule soll in den Monaten November bis Februar jeweils am Mittwoch und Freitag von 6 bis 8 Uhr stattfin den. Ich gehe davon aus, dass die Abendstunden gemeint sind. Der erste Stundenplan vom Winter 1876/77 lautete: Mittwoch 6 – 7 Uhr Neuere Schweizergeschichte, Gesundheitslehre 7 – 8 Uhr Rechnungs- und Buchführung Freitag 6 – 7 Uhr Geschäftsaufsätze 7 – 8 Uhr das metrische Mass- und Gewichtssystem
Die Schule in Hurnen
Die Schulvorsteherschaft nahm die Aufsicht ernst. Sie machten drei bis sechs Schulbesuche pro Mo nat bei vier Schulstunden pro Woche. Ab 1910/11 wurde nur noch einmal die Woche Schule gehalten. Verschiedene Themen aus den vier Fächern Lesen, Aufsatz, Rechnen und Verfas sungskunde wurden behandelt. Bemerkenswert ist, wie praxisnah und realitätsbezogen die Fächer und Themen unterrichtet wurden. 15. November 1911 Lesen Über Sonnenstich und Hitzschlag Aufsatz Die Bedeutung der Eisenbahn Rechnen Kopfrechnen Verfassungskunde Orts-, Schul- und Kirchge meinde und deren Behörden Dezember 1915 Geschichte Die Mailänderkriege, Reis laufen und Reformation Aufsatz Günstige Auskunft und Schuldschein Rechnen Dreisatzrechnung und Zinsberechnung eines Sparheftes Lesen Rede vom Bundespräsident Motta vom 1. August in Bellinzona
Im Winter 1901/02 war offensichtlich ein Lehrer tätig, der sich sehr für Physik interessierte. Ein mal pro Woche waren im Schulprogramm Stunden mit folgenden physikalischen Themen angesetzt: Raumerfüllung, Kohäsion, Adhäsion, Kapilarität, Schwerkraft, schiefe Ebene, der Hebel und des sen Anwendung, Pendel, das Wasser als treibende Kraft, die Luft, das Barometer, die Feuerspritze, Gebilde des Dunstkreises, Dampfmaschine, Tele graph, Telephon, Magnet und Elektrizität, der elek trische Kraftübertragungsbogen = Glühlicht. Dies ist erstaunlich, wurde doch in der Fortbildungs schule in der Egg 1901 über Elektrizität gelehrt, ob wohl erst 1909 die Gemeindeversammlung der Ge meinde Horben beschloss, die elektrische Energie einzuführen und einen Vertrag mit dem EW Eschli kon abzuschliessen. Einmalig dürfte auch sein, dass ab 1901 während 10 Jahren die Zeugnisnoten der Schüler im Proto kollbuch verewigt wurden. Die Unterschiede wa ren schon damals gross. Zeugnisnoten zwischen 1 und 3 – 4 waren vorhanden.
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Die Schule in Hurnen
Einrichtung eines Kindergartens in der Egg 1978 Evi Müller von Wiezikon und die Mitinitiantinnen Rosmarie Müller von Hurnen und Angela Christen von Wiezikon erreichten, dass am 2. Februar 1978 die Schulgemeindeversammlung beschloss, in der Egg einen Kindergarten zu führen. Ein Raum im Un tergeschoss des alten Schulhauses wurde – mehr oder weniger im Frondienst – dafür eingerichtet, so dass ab 1978 die Jüngsten von Hurnen einen Kindergarten besuchen konnten. Der Besuch war freiwillig. Da in einem Jahrgang zu wenige Kinder vorhanden waren, konnten unsere eigenen Kinder als eine der ersten im Kanton zwei Jahre Kinder garten geniessen.
Die politische Gemeindereorganisation 1997 hatte auch Auswirkungen auf die Schule. Hurnen und Than gehören nun zur Volksschulgemeinde Eschli kon. Die Primarschüler von Hurnen müssen künftig nach Wallenwil zur Schule, die Oberstufenschüler wie bis anhin nach Eschlikon. Seit 1997 besuchen sie nun auch in Wallenwil den Kindergarten. Um die geplante Reorganisation schmackhafter zu ma chen, konnten die Eltern von Hurnen und Than vor übergehend für den Kindergarten und die Primar schule zwischen Egg und Wallenwil wählen. Während meiner Primarschulzeit 1946 – 1952, gab es in Hurnen gegen 40 Kinder und Jugendli che (plus minus 10 Jahre). Während vielen Jahren wohnten in diesen Wohnungen keine Kinder mehr im Schulalter in Hurnen. Dank Zuzug von jungen Familien ist 2015 – wie vor 200 Jahren – im Pro tokoll zu lesen: «Ein neuer Aufwuchs vorhanden.»
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Die Entwicklung der Heimweberei in Hurnen vom 17. bis 19. Jahrhundert
Auch wenn aus dem Hinterthurgau wenig konkrete Überlieferungen zu finden sind, so können die Er gebnisse aus verschiedenen Schriften in unsere Gebiete übertragen werden. · «Entwicklung der Zürcher oberländischen Textilindustrie – 100 Jahre Heberlein Wattwil» · «Das Schifflein fliegt, die Maschine rauscht» von Albert Tanner «Was landauf, landab bei den Bauern in den Pünten angepflanzt und in den Häusern gesponnen und gewoben wurde, diente freilich zunächst weniger dem Verkauf als dem eigenen Verbrauch.» «Um 1400 scheint sich in Wil und Lichtensteig aus dem Markt aus Handelsprodukten der besondere Vertrieb von Hanf, Flachs und Leinengewebe entwickelt zu haben.» (Albert Tanner) Tanner zitiert den Basler Chronisten Sebastian Münster, der in seiner Chosmographie (1581) be stätigt, dass der St. Gallische Leinwandhandel «aller umliegenden Landschaft, als nemlich dem Land zue Appenzell, dem Reintal, den Gottshaus leüthen,
dem Thurgau und der Grafschaft Toggenburg nit kleinen nutz und geniess schaffet.» Der Anbau des Flachses: (Tanner S. 14) «Die Aussaat des Leinsamens erfolgte zwischen März und Mitte Juni, meist allerdings nicht auf dem eigentlichen Ackerland, sondern auf den Bünten. Die nächsten Arbeitsgänge, das Riffeln, wobei durch Schlagen der Samen von den Stengeln getrennt wurde, das Rösten der Stengel im Tau oder stehendem Wasser, um so durch die einsetzende Fäulnis die Fasern blosszulegen.» Südlich von Hurnen beidseits der Strasse nach Vo gelsang gibt es seit jeher die Flurnamen Bünt und Kleinpünt. Rechts der Strasse nach Wallenwil exis tiert ebenfalls in vielen Kaufbriefen der Flurname Rooswies. Hier wurden die Flachspflanzen im Re gen und Tau geröstet. Später wurde dann – aus Unkenntnis – daraus eine Rosswies. Der viel ge rühmte Nyffenegger machte aus der Rooswiese, wo einst der Flachs geröstet wurde, sogar eine Pferdeweide. Tanner schreibt weiter (S. 17): «Nach 1600 geriet das St. Galler Leinwandgewerbe in eine schwere
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Die Entwicklung der Heimweberei in Hurnen vom 17. bis 19. Jahrhundert
Krise, die durch den Dreissigjährigen Krieg und Pesteinbrüche noch verlängert und verschärft wurde. Viele Handelshäuser machten Konkurs, die Stadt verarmte, der Umsatz aus den städtischen Bleichen fiel von über 20 000 guten Tüchern auf unter 10 000 auf dem Tiefpunkt der Krise in den 40erJahren. Nach 1650 erfolgte ein neuer Aufschwung. Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein vermochte sich das ländliche Leinwandgewerbe auszudehnen und seine Produktion zu erhöhen.» Diese überregionale Entwicklung des Leinwandge werbes stimmt mit der Bevölkerungsentwicklung in Hurnen überein. Von 1634 bis 1652 blieben die erwähnten drei Familien unter sich. Danach hatte sich in den kommenden 18 Jahren (1652 – 1670) die Bevölkerung in Hurnen mehr als verdoppelt. Fünf verheiratete Kinder des Sebastian Brun blie ben mit ihren Familien in Hurnen. Wie konnten sie den Unterhalt der Familie verdienen, wenn nicht mit der Leinwandweberei? Es gab ja kein Gewerbe und keine Fabriken in der Umgebung. Aus der Landwirtschaft konnte mit den damali gen Erträgen kaum viel mehr als der Eigenbedarf produziert werden. Gemäss dem Bevölkerungs verzeichnis lebten alle Familien in einem eigenen Haushalt. Wohnraum musste für die jungen Fami lien erstellt werden. Die spätere Entwicklung zeigt, dass nicht nur Wohnhäuser gebaut wurden, son dern auch Scheune und Stall. In diesen 18 Jahren mussten fünf Liegenschaften erstellt, finanziert und verzinst werden.
Auch die Altersstruktur der Jugendlichen, die noch bei ihren Eltern wohnten, beweist die Bedeutung des Webens und Spinnens in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. 1678 wohnten 12 Jugend liche über 17 Jahre alt bei ihren Eltern in Hurnen. 1682 waren es 14 Jugendliche und 1689 sogar 21 über 17-jährige, davon 5 über 30 Jahre alte Män ner und Frauen, die noch im Haushalt der Eltern lebten. Womit sollen sich diese 21 jungen Männer und Frauen beschäftigt haben, wenn nicht mit We ben und Spinnen? Es lebten ja auch noch 10 ver heiratete Paare in Hurnen. Dass die Bevölkerung sich mit Spinnen und We ben beschäftigte, beweisen auch die Sittenman date des Abtes des Klosters Fischingen der Jahre 1663 und 1673. In diesen Mandaten steht unter anderem: «Zum vierten sollen verboten sein alle von Knaben und Töchtern gemeinsame Licht- Kunkelstubeten, also dass, wenn die Knaben auch spinnen wollen sie daheim oder beieinander, in absönderlichen Häusern dasselbige wohl tun mögen, aber gar nicht unter die Töchteren sich einmischen sollen. Die Töchter aber, wenn sie spinnen wegen ausgehen wollten, soll ihnen in die Weite auszuschweifen gar nit – wohl aber in die nächsten Nachbarhäuser zusammenzugehen erlaubt, aber Knaben einzulassen verboten bleiben.» Ob diese Mandate des Abtes die evangelische Jugend in Hurnen stark beeindruckten, ist nicht bekannt.
Die Entwicklung der Heimweberei in Hurnen vom 17. bis 19. Jahrhundert
Das Bevölkerungswachstum in Hurnen um die Mitte des 18. Jahrhunderts steht bestimmt auch im Zusammenhang mit der Leinwand- und Baum wollweberei. Ich zitiere Tanner, Seite 22: «Mitte des 18. Jahrhunderts erfasste eine neue Industrialisierungswelle die Ostschweiz. Man begann mit der Verarbeitung der Baumwolle. ( … ) Mitte der fünfziger Jahre setzte der entscheidende Aufschwung ein. Die Baumwollindustrie entwickelte sich in Kürze zum wichtigsten Industriezweig der Ostschweiz. ( … ) Unterbrochen von der Hungersnot von 1770/71 und kurzen Absatzkrisen, brachten die vier folgenden Jahrzehnte den Kaufleuten, aber auch den Heimarbeitern recht goldene Zeiten.» Bei einem Gerichtsurteil von 1788 erlaubt Hans Jürg Huber an sein Haus anzubauen, wenn er ihm eine Ferggstube gebe. (Ferggstube = Webstube) In einem Inserat wünscht ein Mann, der die Band weberei gut versteht, eine Beschäftigung in einer Ferggstube oder eine sonstige entsprechende An stellung bei einem Bandfabrikanten. (Schweizer Bote September 1839) Schon früh setzte der Übergang von der Lein wand- zur Baumwollweberei ein. «1721 begann Peter Bion als erster in St. Gallen mit der Herstellung von Barchent, einem Mischgewebe aus Leinen und Baumwolle.» Diese Aussage von Tanner ist kompatibel mit der Bevölkerungsentwicklung in Hurnen, wenn man die Mitte des Jahrhunderts ein wenig nach vorne ver schiebt. Die Bevölkerungszahlen in Hurnen stiegen
schon ab 1720 wieder an. Elf Familien, davon vier Brüder Huber, mit 47 Personen konnten sich un möglich von der Landwirtschaft ernährt haben. Von der Entwicklung in der textilen Heimindustrie profitierte sicher auch der immer als Seidenmann bezeichnete Heinrich Müller in Hurnen. Er kaufte 1737, von Schurten kommend, in Hurnen einen Bauernhof. Heinrich Müller verpflichtete bei sei ner zweiten Heirat den Landschreiber und die Frau des Landvogtes des Schlosses Kyburg als Trauzeu gen. Seine Frau war die Tochter eines Kaufmanns aus Frümsen, Pfarrei Sax. Seine dritte Frau Elsbeth Sauter, ebenfalls eine Kaufmannstochter, kam aus Arbon, seine vierte Frau aus Zürich. Die Hochzeit fand jedes Mal nur 4 Monate nach dem Tod der frü heren Ehefrau statt. Er muss ein Tuchhändler ge wesen sein, der von Zürich bis St.Gallen geschäf tete. Bei der damaligen Mobilität wäre dies nicht möglich gewesen. Diese «Landtüechler», wie sie genannt wurden, be sorgten das Rohmaterial für Heimarbeiter und ver kauften die fertige Ware in den Städten, vor allem in St. Gallen, aber offenbar auch in Zürich. Heinrich Müller verkaufte auch auf Schloss Kyburg, sonst hätte er nicht den Landschreiber Heinrich Werd müller und Dorothea Escherin, geb. Hofmeister, die Frau des Landvogtes, als Trauzeugen engagie ren können. Leider fehlen mir Angaben und Ur kunden über die Handelstätigkeit meines Ur-UrUr-Ur-Grossvaters Heinrich Müller. Auch gibt es keine konkreten Akten über das wirtschaftliche Leben, besonders über den Handel mit Textilien
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Die Entwicklung der Heimweberei in Hurnen vom 17. bis 19. Jahrhundert
und Agrarprodukten in Hurnen. Alles deutet dar auf hin, dass das ganze Dorf von diesen goldenen Zeiten und auch von der Handelstätigkeit ihres Mit bewohners in Hurnen profitierte. Alle vier verheirateten Brüder Huber, die mit ih ren Familien in Hurnen lebten, konnten ein Heim wesen erwerben. Diese Tatsache zeigt auch, dass Arbeit und Verdienst in Hurnen wieder vorhanden waren. Die landwirtschaftlichen Betriebe waren immer klein und hätten allein kein Auskommen ermöglicht. Die gleiche Entwicklung erlebte die Familie Rickenmann im Flügenast. In vierter Generation heirateten und lebten drei Söhne des Abraham 1648 – 1713 im Flügenast. Wohnraum wurde durch Anbauten an das bestehende Haus geschaffen. In der fünften Generation lebten fünf Familien in die sem gossen Haus. Die fünf Frauen im Flügenast brachten zwischen 1714 und 1734 im Durschnitt jedes Jahr ein Kind auf die Welt. Diese Generation wurde in das Hoch der Heimweberei hineingebo ren, so dass auch in der nächsten Generation wie der fünf Familien im Fliegenast ihr Auskommen hatten. Insgesamt zeugten sie 24 Kinder. Der Übergang von der Leinwandweberei zur Baum wollweberei war fliessend und offenbar nicht über all gleichzeitig. In der Geschichte zum 100 Jahr-Ju biläum der Weberei Sirnach steht: (Seite 17) «Die Helvetik führte 1798 eine Lösung der Gemeinde vom Kloster (Fischingen) herbei und damit manche Änderung im Leben der Bevölkerung. (…)
Im Gewerbewesen vollzog sich eine grosse Umwälzung: Hanfspinnerei und Leinenweberei, die der unablässig wachsenden Einwohnerschaft Jahrhunderte hindurch zusätzlich Einkünfte verschafft hatten, musste der Verarbeitung der leichteren billigeren Baumwolle den Platz räumen. Diese Wandlung war für viele, die sich nicht umstellen wollten, mit einer schweren Einbusse an Einkommen verbunden. Zahlreiche kleine Leute, durch das altgewohnte Leinen Gewerbe der Landwirtschaft entwöhnt, gerieten in Not und Elend, weil das Produkt ihrer Hände schwer abzusetzen war, oder nur zu Preisen, die selbst bei den niedrigen Lebenshaltungskosten des Landes kein Auskommen gewährten.» Dies bestätigt wieder die Entwicklung in Hurnen. Um die Jahrhundertwende gab es viele Konkurse in Hurnen. Ab 1798 war Ulrich Schüepp von Eschlikon für drei Jahre Lehrer an der Schule Hurnen. «Er half früher dem Vater, der auch Lehrer war, im Lehramt und besorgte daneben den Land- und Baumwollgewerb.» Johann Hörnlimann war in den gleichen Jahren Leh rer in Eschlikon. «Vorher war er vier Jahre Lehrer in Hurnen ( … ) widmete vorher seine Zeit ländlichen Arbeiten und der Baumwollweberei, welche Geschäfte auch jetzt noch seine Nebenstunden ausfüllen.» Bartholomäus Thalmann von Horben schreibt in seinem Tagebuch 1817: «grosse Teuerung das
Die Entwicklung der Heimweberei in Hurnen vom 17. bis 19. Jahrhundert
Baumwollgewerbe steht beinahe still». Daraus kann man schliessen, dass in Horben und Hurnen der Übergang von der Leinwandweberei zur Baumwoll weberei um 1800 erfolgt war. Nach verschiedenen Quellen wurden im 19. Jahrhundert der Hanfanbau und deren Verwertung zu Leinen vor allem noch für den Eigenbedarf getätigt. Solche Handwebstühle standen in beinahe jedem Keller und zum Teil auch in Stuben in Hurnen.
Bild aus dem Buch «Das Schifflein fliegt, die Maschine rauscht» von Albert Tanner
«Man erkennt die einfache Tretvorrichtung zur Bewegung der Schäfte und die Zugvorrichtung für den Schnellschützen. Als Konstruktionselemente dienten nur Holz und Schnüre. Durch den in der Handweberei um 1800 übernommenen ‹Schnellschützen›, einer Vorrichtung, mit der das bisher von Hand hin und her geworfene Weberschiffchen mit Hilfe eines am Webstuhl angebrachten Mechanismus viel rascher und sicher hin und her gejagt werden konnte. Diese Einrichtung verdoppelte bis verdreifachte die Arbeitsleistung eines Webers und erlaubte zudem das Weben grösserer Breiten.» Es gab jedoch auch Diskussionen darüber – wie bei jeder Neuerung – was besser sei, Leinwand oder Baumwolle. Als Fürsprecher der leinenen Bekleidung trat der schon erwähnte Regierungsrat Johann Conrad Freyenmuth in Erscheinung. Er erwähnte die qua litative Überlegenheit der Leinwand. Baumwolle nes Bettzeug und Baumwollhemden waren nach seiner Auffassung weit weniger dauerhaft, so dass der Preisunterschied – Baumwollstoffe waren billi ger – nachträglich wieder aufgehoben werde. Dies
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gelte besonders für Baumwollhemden. Personen, «die stark ausdünsten» sollten deshalb schon aus Haltbarkeitsgründen Leinen- statt Baumwollhem den tragen, denn: «Die Leinwand hat eine gewisse steife, ein frisches Anfühlen, gleichsam eine Wärme leitende Kraft, was man den Baumwollgeweben nicht geben kann, so dass sie ihre Vorzüge, wie wir hoffen und glauben, fortdauernd behaupten und von den Baumwollstoffen nicht ganz verdrängt werden.»
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Die Entwicklung der Heimweberei in Hurnen vom 17. bis 19. Jahrhundert
Bevölkerungsverzeichnis der erwachsenen Bewohner von 1850 in Hurnen * Ehefrau + Kinder 1 Wie sie sich selbst bezeichneten
Name
Geburtsjahr
Beruf1
Wohnhaus Nr.
Walder Johann
1788
Wirtschaft
1
+ Susanne
1812
Weber
Müller Johann
1811
Weber
22
3
* Rickenmann Barbara
??
Müller Heinrich
1805
Weber
* Schüepp Anna
1806
Näherin
+ Heinrich
1828
Weber
+ Johannes
1831
Weber
+ Gottlieb
1833
Weber
Bürgi Heinrich
1778
?
* Wellauer Margrit
1800
?
Schüepp Jakob
1801
Weber
* Leutenegger Katharina
1799
?
+ Jakob
1829
Weber
+ Johannes
1833
Weber
Rickenmann Johannes
1818
Decker
* Fehr Elisabeth
1822
Weber
Müller Ulrich
1813
Weber
* Bürgi Anna
1809
Weber
Brühwiler Josef
1793
?
+ Cäcillia
1833
Weber
4
24
22/23
23
17
Die Entwicklung der Heimweberei in Hurnen vom 17. bis 19. Jahrhundert
Bevölkerungsverzeichnis der erwachsenen Bewohner von 1850 in Hurnen * Ehefrau + Kinder 1 Wie sie sich selbst bezeichneten
Name
Geburtsjahr
Beruf1
Wohnhaus Nr.
Lattmann Johannes
1788
Spengler
25
* Buchegger Elisabeth
1806
Weber
Bürgi Ulrich
1821
Weber
* Thalmann Anna
1822
Weber
Sailer Felix
1823
Steinhauer/Maurer
* Graf Barbara
1819
??
Brühwiler Remigius
1804
Küfer
* Fuchs Katharina
1804
??
+ Johannes
1833
Weber
Walder Jakob
1817
Weber
* Müller Elisabeth
1816
Weber
Walder Jakob
1783
Weber
+ Johannes
1820
Weber
+ Maria
1826
Weber
Walder Friedrich
1834
Weber
11
Jucker Konrad
1795
Landwirt
9
* Peter Verena
1800
??
+ Jakob
1832
Weber
+ Elisabeth
1826
Näherin
Elisabeth Jucker wurde Nähschullehrerin in der Schule Egg
5
19
16
15
10
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Die Entwicklung der Heimweberei in Hurnen vom 17. bis 19. Jahrhundert
1850 nannten sich in der Gemeinde Horben 37 Männer und 17 Frauen als Weber. Nur drei fühlten sich als Landwirt. Wieviel Leinwand in Hurnen noch über den Eigenbedarf hinaus gewoben wurde, ist aus den Unterlagen nicht ersichtlich. Die Bedeutung der Baumwollweberei in Hurnen, eventuell auch noch der Leinwandweberei, zeigt das Bevölkerungsverzeichnis von Hurnen, in dem die Männer und Frauen ihren Beruf angegeben hatten. Aus Sicht der Bewohner von Hurnen, waren die Jahrzehnte Mitte des 19. Jahrhunderts wirtschaft lich eine sehr gute Zeit. Einige kauften mit dem beim Weben verdienten Geld Kulturland oder/und Waldparzellen.
Das beste Beispiel ist mein Ur-Ur-Grossvater Hein rich Müller, geboren 1805. Diejenigen, die das beim Weben verdiente Geld nicht investieren woll ten oder konnten oder ihre Schulden nicht abzahl ten, hatten bei der nächsten Krise wirtschaftliche Probleme. Heinrichs Bruder Johannes konnte ebenfalls einen vom Vater gekauften Hof Nr. 26 zu den darauf las tenden Schulden erwerben. Er baute 1884 das Re staurant Landhaus. Die nächste Krise kam bald. Der grosse Absatz verschiedener Textilprodukte – vor allem gewobener – führte zur Gründung me chanischer Webereien. Aufgrund dieser Entwicklung in den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts kam es zum Zusammenbruch des für die Landbevölkerung segensreichen Heim gewerbes der Baumwollweberei.
Die Entwicklung der Heimweberei in Hurnen vom 17. bis 19. Jahrhundert
Im Protokoll der Schulgemeinde Egg ist nach dem Anbau an das erste Schulhaus 1871 zu lesen: «Es geziemt sich nicht in dieser schwierigen Zeit ein Fest zu veranstalten.»
Gründung der Weberei Sirnach 1875 Für die Bewohner von Hurnen scheint die Weberei Sirnach keine allzu grosse Bedeutung erlangt zu haben. Um die Jahrhundertwende war keine Per son in der Weberei angestellt, dies im Gegensatz zu den umliegenden Dörfern. Sirnach 165 Eschlikon 34 Wiezikon 25 Büfelden 12 Egg/Horben 11 Hofen 8 Hub/Busswil 8 Wies 2 usw. Ein Grund könnte die Entwicklung der Heimsticke rei in Hurnen sein.
Während des zweiten Weltkrieges wurden wie der vermehrt Hanf und Flachs auf den Bauern höfen angepflanzt. Auch mein Vater erhielt 1943 ein zweiseitiges Zirkular von der Geschäftsstelle des Kriegsernährungsamtes an die Einsender von Flachs und Hanf. Er baute ein bis zwei Aren an. Da von kurze Ausschnitte: «Die Tau- und Rasenröste wird in Ostermundigen während der ganzen Vegetationszeit durchgeführt. ( … ) Der Röstbetrieb hat ein Ausmass von 15 Jucharten angenommen. – Die Erfahrung zeigte, dass solche Pflanzer, denen es möglich ist, ihren Flachs und Hanf selbst zu rösten, diese Arbeit unbedingt selbst verrichten sollten. Die Faserpflanzen können so schon im nächsten Winter verarbeitet werden. ( … ) Die Verantwortung über die weitere Verarbeitung wie Brechen, Schwingen, Hächeln und Weben übernimmt die Verarbeitungsstelle. ( … ) Um sich laufend mit Stoffen selbst versorgen zu können, wird pro Betrieb mit einem jährlichen Flachsanbau von 3 – 4 Aren gerechnet.»
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Die Bedeutung der Heimstickerei in Hurnen Einige Jahre nach dem Zusammenbruch der Baum wollheimweberei kam – zum Segen der kleinbäuerli chen Bevölkerung – die Heimstickerei. Fast überall, wo bisher Webstühle im Keller waren, enstanden Stickereigebäude. Meine Vorfahren bauten 1882 an die 1873 neu erbaute Scheune ein Stickerei lokal. Auch in der alten Scheune wurde ein Stick apparat installiert. Während zwei Generationen er lebten die ehemaligen Weber-Generationen nun bis zu Beginn der 20er-Jahre des 20. Jahrhunderts eine Stickerei-Hochkonjunktur. In Hurnen gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwei Schifflistick maschinen und 8 Handstickapparate, in der gan zen Gemeinde Horben 26 Handstickmaschinen.
Hobbysticker Bruno Hollenstein Wiezikon an der Arbeit. (Foto Mai 2015)
Erstellungsjahr von Bauten für eine Handstickmaschine oder Schifflistickmaschine und deren Erbauer: Nr. 18
1880
Jakob Walder, freistehend
Nr. 28
1882
Johann Müller Wirtschaft, freistehend
1883
Johannes Müller, Anbau an die neue Scheune, sein 19-järiger Sohn Gott lieb, wird später in fast allen Akten oder Ur kunden als Sticker bezeichnet.
Nr. 8a
Die Bedeutung der Heimstickerei in Hurnen
Nr. 3
Johannes Müller, im um 1885 alten Stall für den zweiten Sohn Johannes.
Nr. 20
um 1900
Samuel Walder Schifflistickmaschine
Nr. 7a
um 1900
Johannes Walder, Schifflistickmaschine
Nr. 26
um 1900 Anton Göldi
Nr. 9a
um 1903 J. Zimmermann
Nr. 16
1907
Jakob Bänninger
Beim Abbruch des ältesten Teiles unserer Scheune Nr. 8 – für den Neubau des Wohnhauses 2014 – sind die Fundamente der 1882 installierten Handstickmaschine zum Vorschein gekommen. Die Masse stimmen genau mit der abgebildeten Handstickmaschine überein. Gemäss Aussage von Bruno Hollenstein, Wiezikon, gab es nur diese Grösse. Ein nur halb so grosser Stickapparat in Wil wurde nur zur Schulung von Stickern gebraucht. Es ist anzunehmen, dass die vielen Heimsticker von Hurnen dort das Sticken erlernten. Um die Jahrhundertwende kostete eine abgebildete Stick maschine ca. 2500 Franken Das war eine Investi tion in der Grössenordnung eines grossen Traktors in der heutigen Zeit. Trotzdem waren neun dieser Stickmaschinen im Einsatz. Einen Traktor gab es in Hurnen noch mehr als 50 Jahre später keinen.
Dies ist die Handstickmaschine, wie sie bei uns und mehrfach in Hurnen im Einsatz war.
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Die Bedeutung der Heimstickerei in Hurnen
Fädelmaschine mit eingefädelten Nadeln. Foto bei Bruno Hollenstein, Wiezikon 2015. Links unten einige mit gelbem Garn von der Maschine eingefädelte Nadeln. Solche Maschinen waren auch in unserm Betrieb vorhanden. 1884/90 erfand Victor Kobler die Fädelmaschine, mit der ein maschinelles Einfädeln der Nadeln möglich wurde. Auf unserem Betrieb waren in der Mobiliarversicherungspolice von 1907 zwei Stick maschinen zu je 1000.– Franken und zwei Fädel maschinen zu je 400.– Franken aufgeführt. Nicht alle Familien in Hurnen waren – nach dem Ende der Weberei Heimindustrie und der Umstellung in der
Landwirtschaft auf Milchwirtschaft – gleich schnell auf den neuen Zug der Heimstickerei aufgesprun gen. Dies zeigen die drei abgebildeten Stickerei gebäude von Jakob Zimmermann, Johann Walder und Samuel Walder, die alle erst ca. 20 Jahre nach ihrem Nachbarn Johannes Müller ins Stickereige schäft einstiegen.
Die Bedeutung der Heimstickerei in Hurnen
Nachgezeichneter Plan des Stickerei-Anbaus des Johannes MĂźller von 1882
Das Stickereilokal des Jakob Zimmermann. Im Vordergrund Louise MĂźller mit Sohn Adolf *1936.
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Die Bedeutung der Heimstickerei in Hurnen
Im Stickereigebäude von Jakob Zimmermann (spä ter Zbinden) war ebenfalls eine Stickereimaschine installiert. Dies muss aufgrund der Grösse des Ge bäudes angenommen werden. Charakteristisch für ein Stickereigebäude waren die grossen Fenster. 1863/64 erfand Jakob Gröbli die Schifflistick maschine. Ab 1900 war die Blütezeit der Schiffli stickmaschinen-Industrie. In Hurnen waren zwei Der Anbau an die Scheune seines Bruders Ulrich Walder, in dem Johann Walder um 1900 eine Schifflistickmaschine installierte.
Samuel Walder mit seiner ersten Frau, Anna Leutenegger und Kind vor seiner um 1900 gebauten Schifflistickerei
Schifflistickmaschinen bis 1970 in Betrieb. Als Nachseherin arbeitete eine Frau, die jeden Tag mit dem Velo vom Vogelsang nach Hurnen fuhr. Die Heimstickerei brachte einen gewissen Wohlstand in die kleinbäuerlich strukturierten Landwirtschaftsbetriebe. Ulrich Fauster war auch Sticker. Sein Landwirt schaftsbetrieb umfasste noch 1925 nur 261 Aren. 1920 hatte er nur drei Kühe im Stall. Von dessen Ertrag hätte er seinen Töchtern wohl kaum solche «Abendkleider» anschaffen können.
Die drei Töchter des Ulrich Fauster im Than um ca. 1910. Zwei von ihnen befinden sich auch auf dem Klassenfoto von 1893, in den vorderen beiden Reihen in der Mitte mit den gleichen schwarzen Kleidern.
Die Bedeutung der Heimstickerei in Hurnen
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Man beachte die Kleider der Schulkinder, besonders der Mädchen. Die älteren Knaben trugen Krawatte. Lehrer: Emil Eggmann. Aufnahme 1893
Nicht alle konnten mit diesem Wohlstand um gehen. Nach dem Zusammenbruch der Sticke rei Anfang der 1920er-Jahre gab es wieder Lie genschaftsbesitzer, die ihr «Heimet» verkaufen mussten. Es wird erzählt, in der Wirtschaft «Linde» in Eschli kon, dem Lokal der wohlhabenden Sticker – der Wirt war Fabrikant mit vielen Angestellten – seien die Stumpen mit 20er-Noten angezündet worden. In der Käserei im Oberdorf habe eine Fabrikanten frau ein wenig Milch und Käse mit einer Tausender note (um 1910) bezahlen wollen. Darauf die Frau des Käsers: «Sie, das isch e Tuusiger-Note. So viel Geld han ich nöd.» Da antwortete die Kundin: «Da
Die Schule Egg 1912, 4. bis 8. Klasse mit Lehrer Walter Debrunner.
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Die Bedeutung der Heimstickerei in Hurnen
han i nöd emol gseh, i han eifach die oberscht gnoh vom Biegeli.» Die Familie ging später Konkurs. Als Gegenstück zu den Schulfotos von 1894 und 1912 diejenige von 1923 mit Lehrer Emil Ober hänsli. Neben dem Lehrer waren nur noch 4 bis 5 Schüler/innen mit einem – im Gegensatz zu 1912 – bescheidenen Sonntagsgewand anwesend. Die
anderen trugen sehr einfache Kleider, von denen auf den früheren Fotos kein einziges zu sehen ist. Auch Haarmaschen hatten die Mädchen 1923 keine mehr. Ebenso würden Krawatten nicht mehr zu den Kleidern der Buben passen. Max Thalmann, ein Sohn von Jakob Thalmann von Eschlikon, dem einzigen Sticker in Eschlikon, der
Die Bedeutung der Heimstickerei in Hurnen
als Sticker «überlebte», erzählte mir, die ersten Jahre im 19. Jahrhundert seien eine goldene Zeit für das Stickerei-Heimgewerbe gewesen. Es habe Zeiten gegeben, da sei ein Taggeld von 100 Fran ken möglich gewesen, selbst im ersten Weltkrieg. In der Schweiz sei ein Export von Baumwolle nach Deutschland verboten gewesen. Aus Baumwolle sei Sprengstoff hergestellt worden. Erlaubt sei der Export von Stickereien gewesen. Sie hätten auf Baumwollstoffe schnell irgend einen «Fusel» ge stickt und diesen dann zu guten Preisen als Sti ckerei exportiert. Viele hätten geglaubt, es gehe immer so weiter, und nicht daran gedacht, vorzu sorgen oder Schulden abzuzahlen wie sein Vater. Es habe dann einige Zeit nur noch am Sonntag Butter und Konfitüre auf das Brot gegeben, aber er habe die Krise überlebt. Wir hatten auch Glück. Unser Grossvater war 19 Jahre alt, als sein Vater den Stickerei-Anbau tä tigte. Er musste das Sticker-Handwerk erlernt ha ben. Er wurde in allen Urkunden als Sticker be zeichnet. Das verdiente Geld investierte er in den Zukauf von insgesamt 2.4 ha Kulturland und 70
Aren Wald. Dazu vergrösserte er das Ökonomie gebäude nach Norden und Westen. Er war der erste, der in Hurnen 1890 ein Pferd und 1920 ein zweites Pferd anschaffte. Nach der Güterarrondierung 1925 hatte Gottlieb Müller den grössten Betrieb in Hurnen, Than und Riethof. Er hinterliess seinem Sohn Adolf einen Betrieb, mit dem er gut von der Landwirtschaft le ben konnte. Er war die siebte Generation der seit 1738 in Hurnen ansässigen Familie Müller und der erste, der nicht in wechselndem Ausmass von der textilen Heimindustrie massgeblich profitierte. Die Stickmaschinen wurden während der Krise zu Be ginn der Zwanzigerjahre von der St. Galler Indus trie aufgekauft, mit Eintrag im Grundbuch, dass auf dem Betrieb nie mehr eine Stickmaschine in Betrieb genommen werden darf. Die wenigen Sti cker, welche die Krise als Sticker meisterten, er lebten um 1936 einen neuen Aufschwung.1953 gab es Vollbeschäftigung für die noch vorhande nen Sticker. Die einzige Stickerei in Hurnen, die nach 1922 in Betrieb blieb, war die Schifflisticke rei des Samuel Walder.
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Die bäuerliche Verschuldungspolitik und das thurgauische Kreditwesen am Beispiel von Hurnen Johann Conrad Freyenmuth 1775 – 1843 äusserte 1828 in einem ausführlichen, 16-seitigen Beitrag seine Meinung über dieses Thema. Er beklagte einleitend die Armut der bäuerlichen Bevölkerung, die unter einer Schuldenlast leide. Da es im Thurgau keine kapitalkräftigen Städte und Personen gebe, müsse das Geld in Konstanz, St. Gallen, Winterthur und Zürich besorgt werden. Deshalb fliesse ein grosser Teil der im Thurgau er wirtschafteten Erträge in Form von Zinsen in be sagte Städte, die aber nicht den geringsten Beitrag an den thurgauischen Staatshaushalt lieferten. Den Lehensbauern sei es früher besser ergangen und die Lehensherren hätten einen erheblichen Beitrag für die Allgemeinheit geleistet. Die alten Lehensgüter seien zerstückelt und von den Bauern zu überhöhten Preisen gekauft worden. Die mit der Helvetik einsetzende Niederlassungsfreiheit habe diesen Prozess noch verstärkt, die Kaufinteressen von Leuten aus anderen Kantonen habe die Güter preise weiter in die Höhe getrieben.
Er machte einige, bemerkenswerten Vorschläge: · Er will das 1798 entstandene Kreditwesen gesetzlich einschränken. · Statt wie bisher vom hypothekarischen Wert soll die Kreditnahme künftig vom erzielten Ertrag des Landes abhängen, damit der Bauer künftig nicht mehr Zinsen bezahlen muss, als das Gut abwirft. · Der Bauer soll fortan nur noch die Hälfte des Kaufpreises als Kredit aufnehmen und ein Gut nur bis zur Hälfte seines Wertes auf un bestimmte Zeit verpfänden können. Er ergänzt jedoch, dass armen, aber fleissigen Bauern erlaubt sein soll, für die zweite Hälfte ei nen Kredit aufzunehmen, befristet auf zehn Jahre mit jährlicher 10%-Abzahlung. Der Kanton Thurgau solle kantonsfremde Kreditgeber besteuern kön nen. Es sei überhaupt weit natürlicher, Einkünfte da zu versteuern, wo sie fliessen als da, wo sie ver zehrt würden. Die Veröffentlichung dieser Ansichten rief eine hef tige Opposition in Zeitungsartikeln der Appenzel ler Zeitung hervor. Diese war ein wichtiges Sprach rohr der liberalen Opposition. Am 29. Mai 1830
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erschien ein erster Artikel, in dem bemerkt wurde, gemäss Freyenmuth könnte kein Bauer mehr ein Gut kaufen, wenn er nicht die Hälfte bar auf den Tisch legen oder mindestens in zehn Jahre abzah len könne. In einem zweiten Artikel verteufelte der Redaktor die Ansichten in Grund und Boden: «Nicht bloss einzelne Männer, das ganze Thurgau wird sich hoffentlich gegen diese Vorschläge ins Feld lassen. Wir trauen unseren eigenen Augen kaum, wenn wir lesen, ein Regierungsrat eines Schweizer Kantons trage solche Projekte mit sich im Kopfe herum, ja wage es sogar, sie bekannt zu machen. Kein absoluter Monarch würde sich heute erkühnen, solche Verordnungen zu treffen; kein ehemaliger schweizerischer Landvogt hätte sich jemals dazu erfrecht. Ein sehr grosser Teil (vielleicht über die Hälfte) der fleissigen und arbeitsamen Bewohner des Thurgau würde dadurch vom Besitztum von Grund und Boden ausgeschlossen, das abscheuliche Joch der Lehenherrschaft über ihren Nacken geworfen und so für sie der Weg zu einer Art Leibeigenschaft oder ägyptischer Dienstbarkeit gebahnt. Man könne nur hoffen, dass weder die Regierung des Thurgau noch eines anderen Kantons ‹solchen despotischen Anträgen› Gehör leihen werde. Andernfalls wäre es die ‹heilige Pflicht› der Bundesbehörden, solche frevelhaften Attentate gegen die politische und bürgerliche Freiheit mit aller Kraft und allem Nachdruck abzuwehren.» (Soland in Thurgauische Beiträge Nr. 146 Seite 60)
In der Schweizerischen Monatschronik vom Juli 1830 schreibt ein Einsender aus Zürich, dass es zwar stimme, dass die Thurgauer Bauern ihre Kre dite aus kantonsfremden Städten bezögen, doch: «Was ist am Ende für den Bauern aus dem Thurgau für ein Unterschied, ob er in eine thurgauische oder eine andere Stadt zinse? Kann er mit dem Gelde, welches er in St. Gallen, Zürich Winterthur oder Konstanz usw. holt, nicht die gleichen Güter ankaufen, nicht ebenso gut Haus und Scheune bauen, mehr Vieh haben usw. als wenn er der Schuldner eines Kantonsbürgers für diese Summe geworden wäre? Für den Staat ist dies natürlich anders, doch selbst dieser kann indirekt profitieren, wenn mit den von auswärts entlehnten Geldern nur etwas mehr errungen wird als der Zins, welcher dafür bezahlt werden muss.» (Soland Seite 63) Freyenmuth erhielt null Unterstützung und wurde 1830 nicht wiedergewählt. Diesen im Hinterthur gau wohl kaum wahrgenommenen Disput in den Zeitungen kommentiere ich aus Sicht der Situation der betroffenen Bauern in Hurnen. Johann Conrad Freyenmuth hatte die Situation ab solut richtig eingeschätzt. In fast allen gefundenen Kaufverträgen ganzer Höfe oder einzelner Parzel len des 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahr hunderts konnte für 100% des Wertes der Liegen schaft Geld beschafft werden. Für die Sicherheit des Gläubigers diente als Pfand (immer «Underpfand» genannt) das Kaufobjekt. Allerdings muss angefügt werden, dass im 18. Jahrhundert dieser
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gesamte Betrag oft in jährlichen Raten von fünf bis 10 Jahren abbezahlt werden musste. Beispiele aus meiner Ahnengalerie Heinrich Müller, 1700 – 1768 aus Schurten, kaufte 1738 einen Bauernhof in Hurnen für 700 Gulden. Als Pfand diente der gesamte Betrieb. Er musste dem Gläubiger J. J. Wirz aus Zürich in den kommen den sieben Jahren, zusätzlich zu den aufgelaufe nen Zinsen von 5% jährlich, 100 Gulden abzahlen. Hätte er dies nicht gekonnt, wäre der Betrieb dem Gläubiger «anheim gefallen». Seine Söhne Abel und Salomon teilten 1790 den väterlichen Hof und erstellten je einen Anbau an Wohnhaus und Scheune. Das nötige Geld besorg ten sie bei einer Frau Brunner in Winterthur. Als Pfand diente der ganze Betrieb. Johannes Müller, der Sohn von Abel Müller, kaufte den Betrieb seines Onkels Samuel, dazu noch zwei weitere Betriebe in Hurnen. Alle Betriebe kaufte er mit den darauf lastenden Schulden, ohne eigenes Geld investieren zu müssen. Dieses wäre wohl kaum in genügender Menge vorhanden gewesen. Mein Ur-Ur-Grossvater Heinrich Müller *1805 übernahm von seinem Vater Johannes eine der Liegenschaften, die dieser kurz zuvor gekauft hatte. Er musste die Schuld von 620 Gulden über nehmen und dem Vater 100 Gulden verzinsen. Er konnte einen für die damaligen Verhältnisse schö nen, erst 40 Jahre alten Bauernhof mit 3 ha Land ohne einen Gulden eigenes Geld, übernehmen,
was er nach den Vorstellungen des Herrn Freyen muth nie hätte tun können. Auch der zweite ge kaufte Betrieb übernimmt ein Sohn um die darauf lastenden Schulden. Soweit war das Finanzsys tem ein Segen. Beinahe jedermann konnte einen Hof erwerben, unabhängig davon, wie begütert er war. Die Kritik von Freyenmuth war aber durchaus auch berechtigt. Tatsache war, dass die Bauernfamilie ihr «Heimet» verloren hat, wenn die Zinsen nicht mehr bezahlt werden konnten. Dies war in Hurnen am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts sehr oft der Fall. Betrugen die Zinsen doch über Jahrhun derte meistens 4.5 – 5%. Beispiele Der Hof von Johannes Peterlein (seit ca. 1685 in Hurnen) gelangte 1699 wegen Konkurs an den Gläubiger Junker, Alexander Ziegler in Rothen thurm zu Schaffhausen und wurde 1700 vom Klos ter Fischingen erworben. Peterli konnte aber we gen «underthänigem bitten und anhalten» auf dem Hof bleiben. Das Gut von Jakob Brun, Besitzer von Hof Nr. 5, geriet 1727 wegen «Auffahl» (Konkurs) in den Be sitz des Klosters Fischingen, wurde aber vom Abt «auf vielfältige underthänige bitt und anhalten Fridle Büchi von Eschlikhen endlich gnädig zugesagt, ihm als er bey leben, und fleissig zünset, bey diesem Güetlein bleiben zu lassen, doch dass er nachfolgende Schulden verzünse.» Aufgezählt wurden ver schiedene Positionen mit total 180 Gulden, die er
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verzinsen und zum Teil abzahlen musste. Wenn dies nicht geschehe, erhalte er vom Abt keine Gnade mehr. (Akten Kloster Fischingen C.III.S:57 Nota 1:16). Offenbar konnte er diesen Verpflichtungen nicht nachkommen, denn 1742 ist der Katholik Josef Specker von Bernhardsriet neuer Inhaber dieses Betriebes. Er zahlte ab 1742 14 Gulden Zins. Den Hof erbte 1786 sein Sohn Franz, der offenbar die Zinsen schuldig blieb. Der Hof wurde wegen Kon kurses 1811 vergantet und vom Hurner Güter händler Hans Georg Huber gekauft und noch im gleichen Jahr an Friederich Sprenger von Wiezi kon verkauft. Schon 1815 konnte auch dieser die Zinsen nicht bezahlen. Der Hof kam wieder ins Ei gentum des Gläubigers Hans Georg Huber. Er ver kaufte «das ihm von Friederich Sprenger anheim gefallene Haus» weiter an Kaspar Bürgi vom Vo gelsang. Der «clevere» Güterhändler hatte an je dem dieser Konkurse Geld verdient. 1822 geriet die Witwe des Jakob Müller (Hof Nr. 26) in Bedrängnis. Sie musste den Betrieb dem Gläubiger Andreas Kessler Tuttwil um die Schul den abtreten. Er verkaufte den Hof an Johannes Müller (mein Ur-Ur-Ur-Grossvater), der ihn seinem Sohn Johannes um die darauf lasteten Schulden übergab.
1825 musste Conrad Müller (Bruder von Jakob Müller) den Hof Nr. 22 dem Gläubiger David Sul zer von Winterthur aushändigen, der sofort wei terverkaufte, Scheune und Stall an Rudolf Senn, Wohnhaus und Hofreite an Johannes Müller. Sehr oft wurde nicht der ganze Betrieb weiterverkauft. Einzelne Parzellen kauften Nachbarn, oder der ganze Betrieb wurde vergantet. Dadurch stieg der Erlös des Gläubigers beträchtlich. Die Betriebe wechselten ständig den Besitzer. Die einen wur den durch Zukauf grösser, die anderen wurden wegen Konkurses parzellenweise verkauft. Der Käufer der Liegenschaft vergrösserte den Betrieb wieder durch Zukauf einzelner Parzellen. Er teilte sie wieder in der Familie auf, oder es kam wegen fehlender Nachkommen oder durch Konkurs zur Zerstückelung. Den zweiten Teil der Kritik von Freyenmuth, dass durch die ausserkantonalen Gläubiger das im Thur gau erwirtschaftete Geld ins «Ausland» fliesse, kann die Geschichte der Hurner Bauern bestäti gen. Im 18. Jahrhundert waren fast ausschliess lich reiche Zürcher die Gläubiger der Hurner Bau ern. Eine Ausnahme war das Kloster Fischingen, das auch in Hurnen Eigentümer wurde, wenn der Bauer in Konkurs geriet. Diese hatten den Vorteil, dass sie eventuell als Lehenbauern auf dem Hof bleiben konnten, sofern sie die Zinsen zahlten, und vor allem, wenn sie katholisch waren.
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Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts gelang es ein zelnen Personen im Thurgau und auch in Hurnen so reich zu werden, dass sie als Geldgeber in Frage kamen. Kleine Beträge konnten auch bei den Ge meinden entlehnt werden. Dies betraf die Situation kurz vor und nach 1800. Zu Beginn des 18. Jahr hunderts konnten die Hurner Bauern noch auf die Herrschaft Tannegg, seit 1694 im Besitz des Klos ters Fischingen, als Geldgeber zählen.
Freyenmuth, Regierungsrat 1804 – 1831, war massgeblich beteiligt beim Auf- und Ausbau der thurgauischen Staatsfinanzen, beim Bau von be fahrbaren Strassen im Thurgau, bei der Gründung der Gebäudeversicherung, beim Aufbau eines pro fessionellen Medizinalwesens und bei der Entwick lung der Landwirtschaft.
Urbar (Zinsbuch) der Herrschaft Tannegg vom Dorf Hurnen (Archiv 7'41'130)
Kapital Gulden
Zins Gulden
Jahre, in denen der Zins bezahlt wurde
Salomon Huber
660
33
1702 bis 1704
Jörg Huber
300
15
1697 bis 1703
50
2
1701 bis 1704
Georg Müller
220
11
1700 bis 1704
Johannes Peterli
527
22
1700 bis 1704
Johannes Peterli, Lehen des ganzen Hofes
540
27
1745 bis 1763
Fridli Walder, Lehen des ganzen Hofes
440
22
1745 bis 1750
Josef Specker
190
9
1742 bis 1764
Schuldner
Basche Sprenger
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Vom Steuern-Zahlen in früheren Zeiten Dank der Buchhaltung, die mein Vater 1925 für den Betrieb seines Vaters erstellte, sind interes sante Fakten über das Steuerwesen in jener Pe riode bekannt. Es gab keine gesamte Steuerrechnung, deren Er träge dann verteilt wurden. Jede Körperschaft stellte eine separate Rechnung an die Bürger, mit unterschiedlichem Datum.
Die Steuern meines Grossvaters Gottlieb Müller 1925 mit separaten Forderungen
Staatssteuer, zwei Einzüge
107.15 Fr. 97.40 Fr.
Munizipalsteuer
77.90 Fr.
Ortsgemeindesteuer
77.90 Fr.
Schulsteuer
77.90 Fr.
Kirchensteuer
59.25 Fr.
Armensteuer
77.90 Fr.
Kriegssteuer
106.20 Fr.
Militärsteuer
39.30 Fr
Hundesteuer!
20.00 Fr.
Strassenbeleuchtung und Brunnenzins (von Hurnen)
16.75 Fr.
Total Dies entsprach einem Monatsmilchzahltag
757.65 Fr.
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Korporationen Die Wasserversorgung in Hurnen
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1
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Standort Brunnenstube Zweite Quellfassung Ergeten Von Quelle 2 gespiesener Kuhstall der Familie Müller Von Quelle 2 gespiesener Brunnen
Wie eingangs erwähnt gehörte Hurnen zur Herr schaft Tannegg, die das Kloster Fischingen 1694 kaufte. Für die Versorgung mit Wasser und Ener gie interessierte sich während Jahrhunderten keine Obrigkeit. Dies war allein Sache der Bevölkerung der einzelnen Dörfer und Höfe. Für die Wasser versorgung in Hurnen bis Ende des 19. Jahrhun derts gibt es keine schriftlichen Dokumente oder mündlichen Überlieferungen. Verschiedene Quel len oberhalb Hurnen waren verantwortlich für das Riet, nördlich und nordöstlich von Hurnen. Zwei dieser Quellen wurden erwiesenermassen gefasst und für Mensch und Vieh genutzt, die Nr. 1 auf dem Betrieb von Albert Weibel. Während meiner Schulzeit befand sich eine Brunnenstube oder ein kleines Reservoir ca. 100 m oberhalb der Scheune. Welche Liegenschaften mit diesem Wasser ursprünglich versorgt wurden, ist nicht be kannt. Für die zweite Quellfassung bestand ein im Grundbuch eingetragenes Quellenrecht, Nr. 2, für unseren Betrieb und jenen des Nachbarn. Der Brunnen wurde von der Quelle Nr. 2 gespie sen. Er war nie einer der Brunnenkorporatio nen angeschlossen. Auf den beiden Breitseiten
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befanden sich die Inschriften «W(alder) + M(üller)» und «1898». Wenn man versucht die vorhandenen Fakten zu kombinieren, so kommt man zu folgen dem Schluss: Die Familien Walder und Müller wa ren seit 1830 die Besitzer der Liegenschaften, vor denen der Brunnen stand. Die alte Wasserleitung von der Quelle Nr. 2 versorgte die Liegenschaften Nr. 1, 2 und 3. Beim Abbruch von Stall und Scheune im Jahre 2013 führte eine alte Wasserleitung direkt in diesen 1873 gebauten Stall. Von dieser Leitung führte eine Abzweigung zum Brunnen. Diese Quelle muss seit jeher die Wasserversorgung mindestens dieser Liegenschaften gewesen sein. 1898 wurde offenbar ein alter Brunnen ersetzt. Unser Betrieb wurde von der Tuberkulose infis ziert, der Betrieb von Ernst Walder nicht. Der Bund beschloss die Ausrottung der Tuberkulose in der Schweiz. Die betroffenen Betriebe konnten noch während einer Übergangsfrist von einigen Jahren mit infiszierten Beständen melken. Aus Angst vor Ansteckung seiner Tiere stellte Ernst Walder das Wasser ab. Warum der Brunnen nach der Sanie rung unseres Betriebes leider nicht mehr aktiviert wurde, weiss ich nicht. Die alten Brunnen hatten immer einen grossen Trog, dessen Überlauf in einen kleineren Trog führte. Der kleine Trog war zum Waschen der Hände, Schuhe und Gerätschaften, der grosse Trog war ursprünglich das Brauch- und Trinkwasser für Mensch und Tier. Wie wichtig die Sauberhaltung dieses Troges war, zeigen die Statuten von 1876.
Das kleine Reservoir ist zwischen den Bäumen sichtbar. Dieser Brunnen stand bis 1985 vor der Liegenschaft Walder Nr. 2, an der Grenze zur Nachbarliegenschaft Müller Nr. 3.
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Es waren nicht die Menschen, sondern die Vergrös serungen der Viehbestände, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu akutem Wassermangel und der Suche nach neuen Quellen führten.
Wassergesellschaft und Brunnenkorporationen in Hurnen Das älteste Dokument ist das Protokoll der Ver sammlung einer Brunnenkorporation, datiert vom 9. November 1875. Auf Grund der Traktanden be stand diese Organisation schon früher. 1. Eröffnung der Versammlung durch den Brunnenmeister. 2. Mittheilung der Aufforderung von den Oberbehörden, zum Entwurf und Einsendung von Brunnenstatuten. 3. Beratung von Statuten an der Hand derjenigen des Christisbrunnen in Oberwangen, wobei der Brunnenmeister beauftragt wird, in nächster Versammlung einen Entwurf vorzulegen. 4. Sollen die Reparaturkosten der Leitung zum Feuerweiher, diesmal mit den Brunnenkosten vereinigt, auf die Rechnung 1876 übergetragen werden.
Versammlung 18. Januar 1876 Das ‹Bureau› wird bestellt: Präsident und Brunnenmeister: Johann Brühwiler Küfer Nr. 16 Sekretär: Johann Müller Nr. 3 (mein Urgrossvater) Stimmenzähler: Johann Müller, Landhauswirt Johann Schüepp Nr. 24 Es wird die Statutarische Brunnen Kommission gewählt: Die obigen Drei ohne Schüepp. Diese erhält die Aufsicht über den Feuerweiher. Für das Wasser der Feuerwehr waren die örtlichen Kor porationen verantwortlich und nicht die Gemeinde. Folgende Statuten werden genehmigt:
Statuten für die Brunnenkorporation der Ortschaft Hurnen Zur Brunnengenossenschaft Hurnen gehören sämt liche Hausbesitzer des Dorfes. Wer sich ausserhalb des Dorfes niederlässt, ist davon ausgeschlossen, oder er wird als Neueintretender behandelt. 1. Jeder Hausbesitzer hat am Brunnen gleiche Berechtigung und übt deshalb gleiches Stimmrecht aus, in dem Sinne. Dass Eigenthümer von mehreren Häusern, ihre Stimme nach dem Antheilsrecht abgeben dürfen. 2. (Es wird eine Dreierkommission auf drei Jahre gewählt) 3. Kein Antheilhaber am Brunnen hat das Recht, seinen Theil herauszufordern. Über Neueintretende entscheidet die Korporation.
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4. (3/4 Mehrheit für Auflösung der Korporation. Einfache Mehrheit für alle anderen Entscheide). 5. (Die Versammlung ist zuständig für die Rechnung u. grössere Reparaturen). 6. (Pflichten des Brunnenmeisters). 7. (Entschädigung des Brunnenmeisters: 10.– Franken jährlich und 2% der Einzüge). 8. Diejenigen, welche ihr Betreffnis der Brunnenkosten nicht freiwillig bezahlen und mit dem Rechtsbetrieb belangt werden müssen, haben dem Einzieher für seine Mühe 40 Rp. zu entrichten. 9. Verunreinigung oder Beschädigung des Brunnens wird bei dem Gemeinderathe verzeigt. Eltern haften für ihre Kinder. 10. Die jährlichen Auslagen werden folgender weise gedeckt: 1. Es haben die Hausleute bei ihrem Einzug und bei jeder Jahresrechnung an die laufenden Kosten, 50 Rp. zu bezahlen, mit diesem sind sie allen weiteren Kosten enthoben. Sollte genannter Betrag nicht erhältlich sein, so ist derselbe bei den Hauseigenthümer zu erheben. 2. Die übrigen Kosten werden auf die Hausbesitzer, zur Hälfte nach dem Gemeindesteuergesetz und die andere Hälfte auf jeden derselben, gleichmässig verlegt. (kompliziert aber schon recht sozial!!) 3. Die Reparaturen am Brunnen werden im Taglohn ausgeführt, so, dass umgangsweise eingeladen wird. 4. Bei Anschaffung hölzerner Teuchel, sollen vorerst diejenigen der Betheiligten, wenn
sie den Anforderungen entsprechen, zu den laufenden Preisen angenommen werden. 11. (Versammlungsobligatorium bei 20 Rp. Busse) Die Statuten wurden am 28. April 1876 vom Re gierungsrat genehmigt.
Versammlungen 12. April 1885 Dem Antrag des Präsidenten, einen Vorrat an Teu cheln anzuschaffen wird nicht zugestimmt. Man will warten, bis eine Reparatur fällig ist und dann sehr wahrscheinlich eiserne Teuchel anschaffen. 21. Februar 1892 Die Brunnenleitung ist reparaturbedürftig. Es wird eine Kommission aus den Herren Ulrich und Fried rich Walder und Johann Schüepp beauftragt, mit der Wassergesellschaft zu verhandeln, zwecks Abgabe des Wassers aus ihrer Leitung für den Brunnen. Bemerkung: Bei dieser Wassergesellschaft kann es sich nur um die 1890 gegründete Wasserkorpora tion Hurnen-Than-Eichholz handeln. 5. März 1892 Die Kommission rapportiert, dass mit der Wasser gesellschaft keine Einigung erzielt wurde. Die Was sergesellschaft verlangt für genügend Brauch- und Trinkwasser in den Hahnen und für den Brunnen 80 Franken Zins im Jahr oder kapitalisiert 2000 Franken. Die Korporation beschloss nach langer Diskussion, der Gesellschaft folgendes Angebot zu machen: für den Brunnen, der pro Monat 8 – 10
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Gemäss Versammlungsbeschluss der Wasserkorporation Hurnen vom 23. August 1898 wurde dieses Reservoir gebaut. Links und rechts sind noch Teile des nicht mehr gebrauchten Reservoirs sichtbar.
Liter Wasser pro Minute liefern müsse, sei pro Jahr 30 Franken Zins und für die Häuser mit je zwei Hahnen 15 Franken zu bezahlen. Eine interessante und wegweisende Versammlung vom 9. März 1892 Eingeladen ist der Geschäftsführer der Wasserge sellschaft. Er macht ein Angebot wie erwähnt, aber mit 40 Franken für den Brunnen. Dieser Beschluss wurde heftig kritisiert, da be kannt wurde, dass die Mitglieder aus dem Than beim Vorstand der Wassergesellschaft heftigen
Protest eingelegt hatten. Nach gründlicher Bera tung wurde die Hilfe abgelehnt. Wörtlich steht im Protokoll: «Wir gehören zusammen und wollen beisammen sein und bleiben und den Brunnen ohne fremde Einmischung hinfort erhalten. a) Sofort Anordnung zu treffen die Brunnenleitung, Brunnenstuben etc. im Wald bis zu Rudolf Müllers Land im Waidli von eisernen Röhren, die Brunnenstuben von Cementröhren zu erstellen, immerhin nicht ausseracht zu lassen um später ein Reservoir anbringen zu können. b) Röhrenweite: Von der obersten Brunnenstube bis zur zweiten ca. 83 Meter 1", von da bis zu Müllers Land ca. 125 Meter 1½ Zoll. Zur Kommission wurde gewählt: Als Präsident, Ulrich Walder Aktuar, Friedrich Walder Mitglied, Albert Walder» Durch diese Entscheide wurde verhindert, dass es eventuell zu einem Zusammenschluss der beiden Wassergesellschaften in Hurnen gekommen wäre. Kommissionssitzung, 16. März 1892: Die Eisenröh ren wurden von Stiefel in Wil bezogen. Sie werden vom Aktuar bezahlt, bei 4% Zins. Zementröhren als Brunnenstuben 15" (45 cm). Die Arbeit wird durch die Mitglieder geleistet. Arbeitszeit 7 bis 12 Uhr und 1 bis 6 Uhr bei je ½ Stunde Rast. Taglohn 5 Franken. Das Teeren (Rostschutz) und Verlegen der Röhren wurde dem Schlosser Baumgartner von Sirnach vergeben, für 20 Rappen der Meter.
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10. Oktober 1982 Der Rest der Leitung ist ebenfalls defekt. Die ei nen wollen sie mit hölzernen Teucheln, die anderen mit Eisenröhren reparieren. Mit 12 gegen 1 Stim men wird beschlossen, den ganzen Rest, ca. 320 Meter , zu sanieren und dafür mehrere Jahre daran abzuzahlen. Die Gemeinde und die Regierung wur den um einen Beitrag angegangen. (Feuerschutz). 8. Januar 1898 Mit 10 gegen 3 Stimmen wird beschlossen: «Es sei bald möglichst ein unseren Bedürfnissen entsprechendes Reservoir zu erstellen, durch welche alle beteiligten Mitglieder genügend Brauchund Trinkwasser durch Hausleitungen erhalten können und zudem die Vorkehrungen zu treffen, dass bei einem allfälligen Brand von diesem Wasser die Spritzen gefüllt werden können, respektive ein Hydrant anzubringen.» Gegen diesen Entscheid machten die drei Gegner Rekurs beim Regierungsrat. Die drei Männer wa ren Johannes Müller, Wirt, Johannes Müller, Verwal tungsrat, und Emil Greuter. Diese drei waren 1890 Gründungsmitglieder der Brunnenkorporation Hur nen-Than-Eichholz. Sie und ihre Betriebsnachfolger waren immer die einzigen Hurner in dieser Korpo ration. Sie waren auch Mitglied der Korporation Hurnen, weil diese den Dorfbrunnen belieferte und dieser allen Hurnern diente. Die folgenden Gründe bewogen die drei Herren zu einem Rekurs an den Regierungsrat.
1. Durch den Bau des Reservoirs sei der beste hende Dorfbrunnen gefährdet. Die Rechte der beteiligten Interessenten an dem Brun nen würden beschnitten. Dafür würden neue Pflichten und Kosten auf sie warten. 2. Für eine weitere Wasserversorgung sei abso lut kein Bedürfnis vorhanden. 3. Die projektierte Anlage könne bei diesen Ver hältnissen gar nicht ausgeführt werden. Die Regierung anerbot der Korporation Hurnen die Gelegenheit zur Vernehmlassung und schickte ei nen Gutachter nach Hurnen. Zur Beurteilung zog die Regierung folgende Fakten in Betracht: a) Die Korporation habe in einer früheren Ver sammlung beschlossen, eine Brunnenstube un ter der bestehenden zu bauen, dazu eine neue Wasserleitung nach Hurnen. Dabei sei «immerhin nicht ausseracht zu lassen, um später ein Reservoir anbringen zu können.» Es sei kein Rekurs gegen den Bau dieser Leitung eingegangen. b) Der Gutachter habe festgestellt, dass keine Ge fährdung des Brunnens zu befürchten sei. Die Quelle liefere 15 480 Liter Wasser pro Tag. Dies ergebe 271 Liter pro Kopf und Tag für die an geschlossenen Bewohner in Hurnen. Dies sei mehr als der Durchschnitt der anderen Versor gungen im Thurgau, die auf 250 Liter pro Kopf kämen. Dank der vorgesehenen Installation von Hausleitungen sei auch bei Trockenheit kein Wassermangel zu befürchten.
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c) Die Regierung erwähnt wörtlich: «Die Erichtung von Hausleitungen sei kein Gugus, die Rekurenten hätten ja selber bereits eine, sie brauchten den Brunnen selten.» d) Die Planung eines neuen Hydranten wirke sich proaktiv aus. Der bestehende sei sehr ungüns tig gelegen, in der Mitte des Kreuzungspunktes zweier Strassen. Zudem sei er nur von der Lei tung der Rekurrenten gespiesen. e) Der Gutachter habe die Ausführbarkeit der ge planten Anlage bejaht. Beschluss 1. Der Rekurs wird als unbegründet abgewiesen. 2. Die Rekurenten bezahlen eine Beschlussestaxe von 3.— Franken und die Expeditionskosten des Gutachters. 3. Mitteilung an die Korporation und an Johannes Müller Wirt in Hurnen. (Akten aus dem Archiv Frauenfeld)
a) eine Viertels Gemeindesteuer b) eine Viertels Steuer pro Stimme c) pro Hahnen 5 Franken d) für zwei Hahnen 7 Franken e) von jedem Stück Vieh im Jahr 50 Rappen Für die sofortige Bezahlung der Kosten wird von der Leihkasse Eschlikon 800 Franken geliehen. Die Hausleitungen sind von den Eigentümern zu erstellen. Daraus, und gemäss Punkt eins des folgenden Reg lements, kann geschlossen werden, dass bis 1898 kein fliessendes Wasser im Haus vorhanden war. Danach wurden ein Wasserhahn im Haus und ei ner im Stall erstellt. Die Frauen mussten bis 1898 das Wasser für Haus und Garten im Dorfbrunnen holen, die Männer dasselbe für den Stall. Das Vieh musste an den Brunnen geführt werden.
Reglement Es ist erfreulich, wie intensiv die Regierung in Frau enfeld sich dem Problem in Hurnen angenommen hat. Hier wird auch explizit erwähnt, dass bis dahin die Bewohner von Hurnen alles Wasser am Dorf brunnen holen mussten. 23. August 1898 Die Versammlung beschloss den Bau eines 15 bis 20 m3 grossen Reservoirs. Für den Bauplatz auf der eingezeichneten Parzelle wird der Witwe des Ulrich Walder selig 5 Franken bezahlt. Die Kosten belaufen sich auf etwa 920 Franken und werden wie folgt finanziert:
1. Der Zweck der Veränderung der schon bestehenden Wasserleitung ist, Abgabe von Wasser an die Korporations Mitglieder vermittelst Hausleitung und Hahnen. 2. Für Luxusanlagen wird kein Wasser abgegeben, es wird keinem Mitglied mehr als die nöthigen Hahnen in Küche und Stall bewilligt, für Anbringen weiterer Hahnen entscheidet die Korporation. Der Brunnen wird durch einen Reduktionshahnen nach Verhältnis des Wassers von der Hauptwasserleitung gespiesen. Bei Wassermangel kann derselbe während der Nacht ganz abgestellt werden.
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3. Jeder Hahnen ist nach Gebrauch sofort zu schliessen, es ist untersagt Wasser zum Schutz gegen einfrieren ohne Bewilligung aus einem Hahn Wasser laufen zu lassen, bei anhaltend grosser Kälte müssen die Leitungen jeden Abend entleert werden. 4. Das Einfüllen der Jauchekasten ist gegen vorherige Anzeige beim Brunnenmeister zu gestatten, derselbe hat jedoch das Recht das bei allfälligem Wassermangel zu verbieten. 5. Der Com. steht das Recht der Aufsicht auch in die Privatleitungen und des Wasserbezuges zu. Es ist ihr daher zu diesem Zweck der Zutritt zu allen Räumlichkeiten in welchen Hahnen und Röhrenleitungen sich befinden zu jeder Zeit zu gestatten. 6. Bei Feuerausbruch hat jedes Mitglied seine Abstellhahnen zu schliessen, ist jedoch verpflichtet, den Löschmannschaften die Leitungen zur Verfügung zu stellen. 7. Hahnen welche durch Ausnützung nicht mehr gut schliessen, sind vom betreffenden Eigenthümer wieder in richtigen stand zu setzen. Im Underlassungsfalle hat der Brunnenmeister das Recht, die Hahnen auf Kosten der Betreffenden wieder in Stand zu setzen. 8. Übertretungen reglementarischer Vorschriften irgendwelcher Art, zieht einer Busse von 5.- bis 20.– Franken (welche durch die Com. zu verhängen ist) nach sich und ist zudem der Fehlbare für allen Schaden und Kosten haftbar, dagegen steht dem Gebüssten das Rekursrecht an den hohen Regierungsrat innert 10 Tagen zu.
A Reservoir der Brunnenkorporation Hurnen-Than-Eichholz B Reservoir der Brunnenkorporation Hurnen
Geschichte der anderen Brunnenkorporation Hurnen-Than-Eichholz Von dieser Korporation sind die ersten Statuten von 1893, das Kassabuch ab 1914 und die Proto kolle leider erst ab 1932 vorhanden. Vom Kassa buch lassen sich der Bau des zweiten Reservoirs und des Pumpenhauses aufzeichnen. Die Karte zeigt den Standort dieses Reservoirs und des Pum penhauses sowie der Leitung nach Hurnen. Über
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die Verteilung in Hurnen und die Leitung nach Than und Eichholz fehlen ebenfalls Unterlagen. Diese Korporation wurde von den folgenden sechs Män nern gegründet: · Johannes Müller, Verwaltungsrat in Hurnen (mein Urgrossvater) · Johannes Müller, Wirt in Hurnen (Cousin mei nes Urgrossvaters und Erbauer des Restau rant Landhauses) · Emil Greuter, Hurnen (Liegenschaft Zbinden) · Jakob Schoch in Than (Liegenschaft Hasler) · Heinrich Meili in Than (Liegenschaft Josef Götte. Sein Sohn baute 1913 das Friedtal) · Johann Thalmann im Eichholz Übersetzung eines Teils der Statuten 1. Die im Frühjahr 1890 erstellte Wasserversorgung in Hurnen, Than und Eichholz hat den Zweck, sämtliche Beteiligten in gleichmässiger weise die Benützung des Brunnenwassers für die gewöhnlichen Bedürfnisse zu erleichtern und besonders der Ortschaft Hurnen (even tuell Than und Eichholz) als verbessertes Feuerlöschwesen durch Hydranten zu dienen. 2. Die Brunnenkorporation besteht aus sechs Mitgliedern.
Erste Statuten der Brunnenkorporation Hurnen-Than-Eichholz von 1893
Korporationen
Fortsetzung der Statuten der BrunnenÂkorporation Hurnen-Than-Eichholz von 1893
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Viehbestand der Korporationsmitglieder
1914
1920
Adolf Thalmann Than (Wirtschaft)
4,5
4.5
Ulrich Fauster Than (Kocherhans)
3
3
10
8
Josef Bühler Than (Josef Götte)
2
2
Hermann Thalmann Than (Hasler)
9
8
Witwe Thalmann Eichholz (freistehend)
2
2
Johann Thalmann Eichholz (Jörg Thalmann)
8
8
Werner Rickenmann (angebaut an Johann Thalmann)
7,5
7
Gottlieb Müller
10
10,5
Hermann Müller Wirt
6,5
Heinrich Meili Friedtal
5,5
Josef Götte Than (Paul Götte)
Jossi Zielwies (Betrieb Zbinden)
5
M. Menzi
7 5,5
Michel
6
Korporationen
3. Die Quellen des Corporationsbrunnens befinden sich im sogenannten Hurnerwald und liegen in den Liegenschaften von Verwaltungsrat Müller und Baumeister Greuter zur Station Eschlikon. Sollte sich in den Liegenschaften noch mehr Wasser zeigen, so hat die Corporation das Recht, wenn nötig dasselbe für sich zu beanspruchen. 6. Neues Korporationsmitglied kann werden, wenn ein Korporationsmitglied ein oder mehrere Söhne hat, in diesen Fall hat ein jeder von denselben eine einmalige Taxe von zweihundert Franken zu bezahlen, dann erwerben sie das Korporationsrecht laut Vertrag mit den gleichen Rechten und Pflichten, wie die Stamm-Korporationsmitglieder. Hat ein Vater nur einen Sohn oder Tochter, so erben sie das Recht des Vater, wenn sie im elterlichen Hause bleiben. 7. Allfällige Kosten des Feuerlöschwesens ist Sache der Ortschaft Hurnen. 8. Die Korporation wählt aus ihrer Mitte einen Brunnenmeister zur Beaufsichtigung und zur guten Instandhaltung der Leitungen und des Reservoirs. Diese Statuten wurden am 1. April 1893 von den sechs Mitgliedern und am 20. Mai 1893 vom Re gierungsrat genehmigt. Die oben erwähnte Was sergesellschaft muss die Vorgängerorganisation gewesen sein.
Wahrscheinlich ist, dass die 1890 gegründete Korporation, die von den Hurnern Wassergesell schaft genannt wurde, erst mit den Statuten 1893 eine Korporation wurde. Da in den Statuten steht «die 1890 erstellte Wasserversorgung», kann der Schluss gezogen werde, dass bis 1890 die Beteilig ten über keine gemeinsame Wasserversorgung aus dem Hurnerwald verfügten und die ganze Leitung samt Reservoir in diesem Frühjahr erstellt hatten. Dies war eine Riesenleistung, mussten doch ne ben dem Bau des Reservoirs ca. 500 Meter Lei tungen, davon ca. 200 Meter durch den Wald, ge legt werden. Bis ins Jahr 1914 (erste schriftliche Daten) sind aus den sechs Mitgliedern dreizehn Haushaltun gen geworden. Aus Hurnen kamen keine weiteren dazu, hingegen sämtliche Einwohner vom Than und Eichholz. Die Betriebe im Than und Eichholz hat ten bis dahin keine Wasserleitungen, sie hatten ihre eigenen Sodbrunnen, aus denen sie das Was ser schöpften. Steigende Viehbestände und nicht etwa der Wasserverbrauch in den Haushaltungen dürfte der Grund für die Suche nach Wasser und die Gründung dieser Korporationen gewesen sein. Nach dem Bau des Friedtals 1913 durch Heinrich Meili wurde dieses angeschlossen und später auch die Käserei im Riethof. Der Beitrag betrug 5 Fran ken pro Haushaltung. Dazu kam eine Viehsteuer von einem Franken pro Haupt. 12 Viehbesitzer zahlten zusammen für 73 Tiere.
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Auf Grund der Unterlagen im Kassabuch wurden 1919 Schäden am Reservoir repariert. Die Hand arbeit wurde von den Bauern geleistet. Sie arbei teten für Tageslöhne von 5 oder 6 Franken. Sie leisteten 1919/20 98 Tageseinsätze à 6 Franken, total 588 Franken. Dies ergab Gesamtkosten der verschiedenen Handwerker von 767 Franken. Eine Tagesarbeit dauerte 8 Stunden. Dank je drei Einzü gen 1919/20 von 5 Franken/Haushalt und 2 Fran ken/Kuh hatten sie Ende 1920 ein Vermögen von 283.40 Franken.
Bau eines neuen Reservoirs
Das 1922 neu gebaute Reservoir, das immer noch intakt ist, aber nicht mehr gebraucht wird.
Ernst Jossi *1931, Zielwies, meint, seine Vorfahren hätten nie in Hurnen gewohnt. Der Vater oder der Grossvater sei einem Kollegen aus Hurnen Bürge gewesen. Sie hätten ihm oft gesagt, «Bürge sein» heisse «Bürden tragen». Es scheint, dass Jossi dem Besitzer dieser Liegenschaft, Rieser, (vermutlich von Wallenwil) während drei Jahren den Wasser zins zahlen musste.
Diese grosse Arbeit zur Erhaltung des ersten Re servoirs war offenbar vergebens, denn schon 1922 bauten sie ein neues Reservoir. Mechaniker Leu tenegger von Eschlikon besorgte das Nivellieren. Die Liste der arbeitenden Korporationsmitglieder deckt sich mit der mündlichen Überlieferung mei nes Vaters, sie hätten alles Material zum Betonie ren des Reservoirs mit Pferd und Wagen in den Wald transportiert. Mein Vater Adolf war 20 Jahre alt, sein Bruder Ernst 17. Dies dürfte der Grund sein, dass auf der Verlegerliste Grossvater Gott lieb mit Abstand am meisten Hand- und Fuhrdiens tage leistete. Die Löhne der Mitglieder betrugen 1400 Franken. Die totalen Fremdkosten ergaben laut Protokoll 1296.20 Franken. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 2696.20 Franken. Es ist eigentlich interessant, dass keine Frondienste geleistet werden mussten. Jede Arbeitsstunde und jede weitere Dienstleis tung wurden bezahlt.
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Die Abrechnung der Korporationsmitglieder beim Bau des zweiten Reservoirs
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geleitet wurde. Wieder leisteten die Bauern ge waltige Arbeit, insgesamt 240 Tage für immer noch 6 Franken Taglohn. 28 Fuder Kies und Sand führten die Pferdefuhr werke zum Bauplatz. Die Pumpe förderte das Was ser direkt in die Leitung zu den Verbrauchern. Al les, was nicht gebraucht wurde, gelangte in das Reservoir im Hurnerwald.
Das 1929 mit Flachdach erstellte Pumpenhaus
Bei den aufgeführten Zahlen ist zu berücksichti gen, dass die ganze Leitung nach Hurnen und Eich holz bereits 1890 gebaut wurde und demnach be reits bestanden hat. Von dem in diesem Reservoir gelagerten Wasser wird nur noch ein kleiner Teil von Markus Müller für eine Viehtränke benutzt.
Pumpenhaus Die gleichen Vorgänge wiederholten sich in den Jahren 1926 bis 1929. In der Ebene zwischen Schützenhaus und Scheibenstand, in der Scheu erwiese, wurde eine Quelle gefasst, die bis dahin diese Ebene in ein Riet verwandelte. Am Feldweg Hurnen – Scheibenstand wurde ein Pumpenhaus gebaut, in welches das Wasser dieser Quelle
Schon kurz danach hatten sie grosses Pech. Nach starken Niederschlägen Ende Juni 1932 konnte die Röhre unter der Strasse beim Pumpenhaus die Wassermenge nicht mehr schlucken. Die ganze Pumpenanlage geriet unter Wasser. Die Reparatur kostete 130 Franken. Das 1929 mit Flachdach er stellte Pumpenhaus ist nicht mehr in Betrieb und wird wohl in Kürze abgebrochen. Die Gemeinde Horben erstellte um 1985 das Giebeldach. Das Flachdach diente mir als Hochsitz und Spielplatz, wenn ich an freien Nachmittagen die Kühe hüten musste. Die Ortsgemeinde Horben beschliesst im Januar 1937, die alten ungenügenden Feuerweiher zwi schen Hurnen und Riethof (im Garten der heuti gen Liegenschaft Albert Meili) und im Than (Liegen schaft Berweger) mit je einem Wasserreservoir von 600 hl Inhalt zu ersetzen. Sie erwarten, dass die Korporation diese für gewöhnlich einmal im Jahr füllt, und zwar dann, wenn genügend Wasser vor handen ist. Über die Entschädigung wird gestrit ten, die Korporation verlangt 100 Franken im Jahr, was von der Gemeinde abgelehnt wird. Auch der
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Vorschlag, das Wasser gratis zu liefern, dafür die Taxe von 20 Franken für den Elektromotor nie zu erhöhen, fand keine Gnade. Wie sie sich schliess lich einigten geht aus den Protokollen nicht hervor. Nur 1944 ist in der Rechnung ein Betrag von 100 Franken zu finden, von der Ortsgemeinde erhalten, offenbar eine einmalige Entschädigung. Die nächste Investition erfolgte schon 1939. We gen dauernder Schäden beabsichtigt die Ortsge meinde die Wasserleitung Hurnen – Riethof zu er neuern. Es wird beschlossen eine Eternitleitung zu erstellen. Die Wasserkorporation wird um die Über nahme der Erstellungskosten und der Unterhalts kosten der Teilstrecke von Hurnen bis zum Reser voir ersucht. Die Kosten werden auf 1300 Franken geschätzt. Die Mitglieder der Korporation sind ein verstanden, dass mit den Grabarbeiten sofort be gonnen wird. Die Arbeitszeit wird auf 8 Stunden à 1 Franken täglich festgesetzt. Damit ist der Ta geslohn seit der Erstellung des Reservoirs 1890 um 2 Franken gestiegen, was eine jährliche Stei gerung des Taglohnes während 40 Jahren von 5 Rappen ergibt! Die Leitung wurde teurer, die Rech nung des Erstellers Albert Müller, Schmied in Wie zikon, betrug 2180 Franken, dazu die Kosten für die Grabarbeiten in der Höhe von 159 Franken. Da der Feuerweiher gefüllt werden konnte, gab es einen Staatsbeitrag von 370 Franken. Der Ein trag im Kassabuch «Von der Käsereigesellschaft erhalten 1113 Franken» dürfte der Wasserzins ge wesen sein.
Nach dem Tod von Heinrich Meili im Jahre 1938 – er war viele Jahre Präsident der Korporation – wurde der bisherige Aktuar, Adolf Thalmann vom Eichholz gewählt. Nach dem sehr trockenen Sommer 1947 stellte die Korporation einen Rutengänger an, der nach Wasserquellen suchte, allerdings ohne Erfolg. Wohl auch auf Grund dieses sehr schwierigen Sommers mit sehr akutem Wassermangel befasste sich die Gemeinde Horben mit der Erstellung einer Was serversorgung mit Hydranten für das Löschwesen.
Auflösung Nach einem aufklärenden Votum des Kassiers Adolf Müller über die wichtigsten Gründe einer Zu sammenarbeit beschliesst die Korporation Hur nen–Than–Eichholz auf Antrag des Präsidenten – und nach eingehender Diskussion – am 2. Februar 1948, der Gemeinde Horben bei einer Erstellung einer Gemeindewasserversorgung das Pumpwerk und alle dazu gehörenden Anlagen ohne Entschä digung abzutreten. Der Kassier, der das Amt vom langjährigen Kassier, Josef Götte, nach dessen Tod übernommen hatte, schliesst die letzte Rechnung der Korporation von 1949 mit 2.40 Franken Einnahmen und 45 Franken Ausgaben und einem Vermögen von 110.85 Fran ken ab. Damit wurde eine Institution aufgelöst, de ren Mitglieder sich über Generationen mit grossem persönlichem Einsatz für die damalige Bevölkerung und ihre Nachkommen eingesetzt hatten.
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Nach der Gemeindereorganisation 1997 übernahm die neue Gemeinde Eschlikon die gesamte Was serversorgung aus dem Hurnerwald, um sie schon wenige Jahre danach vom Netz abzuschalten. Für die Gemeinde Horben lieferte die Anlage 25% des Bedarfs, für Eschlikon war der prozentuale Anteil zu gering, um sie zu erhalten. Das Pumpenhaus möchte die Gemeinde an Markus Müller abtreten. Ein kleiner Teil des Wassers wird von ihm noch als Viehtränke genutzt.
Ortsbeleuchtungskorporation Ortskorporation Am 3. März 1901 stellt Johann Müller, Wirt, den An trag eine Strassenlaterne anzukaufen, da in nächs ter Nähe viele Petrol-Laternen überflüssig werden. Wollte er, dass seine Gäste nachts in der Dunkel heit den richtigen Heimweg finden? Am 31. März 1901 entsteht, offenbar wegen der erwähnten Strassenlampe, eine neue Organisation, die Versammlung der steuerpflichtigen Ortsein wohner von Hurnen. Daraus entstand 1906 die Ortsbeleuchtungskorporation und ab 1907 die Ortskorporation. Damit gab es in Hurnen drei Organisationen, zwei Brunnenkorporationen und eine Ortskorporation, alle mit eigenem Vorstand, eigener Rechnung und je zwei (zum Teil die gleichen) Rechnungsrevisoren.
An dieser Versammlung vom 31. März erklärte Friedrich Walder, dass eine neue Petrollampe samt Stock 50 Franken koste, dass aber in Wil eine über flüssig gewordene Lampe samt Kandelaber für 40 Franken zu haben sei. Die Versammlung will nicht darauf eintreten, «wohl wahrscheinlich aus Furcht die höher Besteuerten müssten zu viel bezahlen», schreibt der Aktuar Friedrich Walder. Der Antrag, man wolle es auf privater Basis versuchen, fand Anklang. Noch am gleichen Abend zeichneten die 14 Anwe senden, die kurz zuvor ein Kauf für 40 Franken ab lehnten, zwischen 2 Franken und 10 Franken, total 83 Franken! Für alle Arbeiten werden gratis Leis tungen angeboten. Es wird beschlossen sofort eine Laterne in Wil zu kaufen. Die Erstellung und Über wachung wird der Brunnenkorporation, unter Bei zug der steuerpflichtigen Einwohner, übertragen, ab 1906 der Ortsbeleuchtungskorporation. Jakob Felix wird Brunnenmeister. Er hat auch die Verant wortung für die Strassenlaterne. Am 2. März 1902 wird für den verstorbenen Fried rich Walder mein Grossvater Gottlieb Müller in die Verwaltung gewählt. Er ist damit in beiden Brun nenkorporationen in leitender Stellung vertreten. Ab 1902 finden immer am gleichen Abend zuerst die Versammlung der Brunnenkorporation statt, dann diejenige der Ortsbeleuchtungs-/Ortskor poration, die auch die Verantwortung für den Dorf brunnen übernahm. Weiterhin werden jedoch zwei Rechnungen geführt.
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Versammlung der Brunnenkorporation · 8. März 1908: Da von den beiden Häusern des Johann Müller selig nur das untere (heute Bosshart) zur Korporation gehörte, wird mit Einverständnis seiner Söhne Gottlieb und Johannes beschlossen, dass ab heute das obere (Schmalz) zur Korporation gehört. Das untere Haus und der Stall werden von der an deren Korporation bedient. Da beide Woh nungen ab 1908 Gottlieb gehörten, wurden meine Vorfahren noch 40 Jahre von zwei Kor porationen bedient. Versammlungen der Ortskorporation · 28. März 1909: Anregung, die Ortsbeleuch tung auf elektrisch umzustellen, da sie die sen Sommer in Hurnen eingeführt wird. Zu erst soll eine Kostenberechnung eingeholt werden. Der Feuerweiher befindet sich in «verlottertem» Zustand. Er soll instandge stellt werden. · 10. 5. 1909: Der Teil des Weihers, der zum Wässern und Lagern der hölzernen BrunnenTeucheln benutzt wurde, soll aufgefüllt wer den, da der Rest noch gross genug ist. · 19. 5. 1912: Ortsbeleuchtung defekt, Repa ratur billiger, elektrisch bequemer und nicht viel teurer. Kosten werden abgeklärt. · 15. 8. 1912: Es wird beschlossen die elektri sche «Stadtbeleuchtung beförderlichst» aus zuführen. Kosten 55 Franken, Strom 25 Fran ken/Jahr, ist der Gemeinde zu bezahlen.
· August 1916: Wahl des Vorstands: Ul rich Walder, Albert Walder, Gottlieb Mül ler. Der Vorstand ist seit 1904 der glei che wie derjenige der Brunnenkorporation Hurnen-Than-Eichholz. 1928 herrschte Wassermangel. In der Waldpar zelle «Stall» bei der Burgstelle wurde man fündig. Es wurde beschlossen, sofort Probelöcher zu boh ren. Jeder, der Zeit hatte, sollte sich daran beteili gen, bei einem Taglohn von 7 Franken. Am 22. September wurde protokolliert, Was ser gefunden. Die Quelle wurde gefasst und in die obere Brunnenstube geleitet. · 1935: grosse «Tröchne». Private haben im Oberwald, im Moos des Albert Walder eine Quelle mit 6 Litern/Minute gefunden. Das Wasser soll in 3"-Röhren hinausgeleitet und dann eventuell in eisernen Röhren der Was serversorgung zugeleitet werden. · 1939: Letzte Versammlung der Ortskorpo ration die schon lange kaum eine Funktion mehr hatte. · 1945: Schlechte Versorgung mit Wasser. Der Präsident beantragt, eine Vereinigung mit der Korporation Hurnen-Than-Eichholz und der Korporation Egg-Horben anzustreben, damit von Emil Thalmann in Horben Wasser gekauft werden könne. (Er pumpte in seiner Hauswiese Grundwasser der Murg). Es wird beschlossen anzufragen und 500 Franken Einkauf zu offerieren.
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· 1947: Die Wasserversorgung versagt fast vollständig. Gesuch an die Gemeinde, eine Pumpanlage für die ganze Gemeinde zu er richten. Die Korporation würde sich an schliessen und die Anlage gratis einbringen. Mit der Erstellung der Gemeinde-Wasserversor gung 1948 löste sich auch diese Korporation auf. Bis in unsere Zeit bestand bei der Liegenschaft Fe lix ein Aussenhahnen. Der Dorfbrunnen wurde von diesem Reservoir gespiesen. Die Kühe von Felix, Manser, Fuster und Zbinden benutzten diesen als Tränke nach der Weide. Albert Felix besass das ganze Land Richtung Wallenwil. Seine Kühe gingen immer ohne menschliche Hilfe am Stall vorbei zum Brunnen und zurück in den Stall. Als Adolf Müller 1936 den Betrieb von seinem Vater übernahm, ist im Kaufbrief vermerkt, dass er das Mitgliedschafts recht an der Brunnenkorporation Hurnen besitze.
Das erste Telephon in Hurnen «Auf Einladung von Samuel Walder besammeln sich am 5. Juni 1916, Ulrich Walder, Adolf Walder, Albert Walder, Gottlieb Müller, Gottlieb Sollberger und Jakob Hubmann zu einer Besprechung und Beschlussfassung betreffs des im Hause des neuen Wirthes Melchior Menzi sich befindenden Telephones.» Menzi ist nicht mehr bereit ein neues Abonnement für sich alleine zu lösen. Es wird beschlossen: 1. Menzi behält das Telephon und bezahlt die Hälfte des Abonementsbetrages. 2. Die obgenannten Anwesenden bezahlen die andere Hälfte je zu gleichen Teilen. 3. Jeder der obgenannten ist berechtigt, zur Abonnementstaxe zu telephonieren. 4. übermittelt Menzi einlaufende telephonische Berichte für obige schnellst möglich unentgeltlich. Wann das erste Telephon im Restaurant Landhaus eingerichtet wurde, und wieviel ein Abonnement kostete, ist nicht bekannt.
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Die Strassen und Wege in und um Hurnen Über Jahrhunderte waren die Bewohner und An stösser des Landes, an dem die Wege vorbeiführ ten, für deren Bau und Unterhalt verantwortlich. Das Kloster Fischingen als Besitzer des Amtes Tannegg kümmerte sich nicht um die Verkehrs verhältnisse. Die Wege wurden so angelegt, dass stauende Nässen und grosse Erdbewegungen ver mieden werden konnten. Bäche und Flüsse, auch die Murg, wurden mit Hilfe von Furten durchquert, erst im 19. Jahrhundert konnten Flüsse – dank Röh ren und Brücken – jederzeit überquert werden. Über den generellen Zustand der Strassen im 18. Jahrhundert gibt folgender Ausschnitt aus der «Ge schichte von Eschlikon» Auskunft: «Noch am Anfang des 19. Jahrhunderts bestanden ungefähr die nämlichen Fahr- und Fusswege wie in älteren Zeiten. Im Jahre 1784 reklamierte das Direktorium der Kaufmannschaft in St. Gallen bei der Zürcher Regierung wegen des schlechten Zustandes der Tuttwiler Strasse. (Die Hauptstrasse von Zürich nach St. Gallen führte seit 1774 über Tuttwil.) Ein Bote sei am 23. März nachts nahe beim Dorfe Buch so eingesunken, dass er 2 Stunden brauchte, um mit Beihilfe der Bauern mit Mühe und unter Lebensgefahr, das Pferd aus dem Morast heraus zu ziehen. Aber erst 1786 auf nochmaliges Verlangen der St. Galler wurde eine gründliche Reparatur beschlossen.»
Man beachte, dass dies nicht ein Feldweg auf einer Wiese war. Dies betraf die Post strasse, d. h. die Hauptstrasse von Zürich nach St. Gallen. Nach der Bildung der Gemeinde Horben 1812 war die Gemeinde zuständig für den Strassenbau und Unterhalt. Bis dahin waren es nach verschiedenen Unterlagen die Anstösser. Es gab noch keine Kor porationen. Bis 1798 stellte die Herrschaft Tann egg die zuständige Behörde. Es gibt nirgends auch nur den kleinsten Hinweis, dass die sich um die Strassen in Hurnen gekümmert hätte. Am 23. Februar 1822 wählte die Gemeindever sammlung Hans Jakob Walder von Hurnen zum ersten Strassenmeister der Gemeinde Horben. Je der Güterbesitzer musste bei seinen Parzellen die Strassen, Seitengräben und Wasserleitungen aus bessern und unterhalten. Wenn er das nicht tat, wurden diese Arbeiten auf dessen Kosten erledigt, für 40 Kreuzer für jeden Mann pro Tag. Diese Mah nung wurde in den ersten Jahrzehnten mehrmals protokolliert. Warum der Unterhalt der Strassen gräben so wichtig war, kann an einem Beispiel do kumentiert werden.
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Die Strassen und Wege in und um Hurnen
Der Strassengraben auf der linken Seite führt viel Wasser. Dies führte zu Ausschwemmungen der Fahrbahn. Der Graben auf der rechten Seite führt wenig Wasser. Er wurde überwachsen, das Wasser fliesst zum Teil auf die Fahrbahn. Durch den konsequenten Unterhalt der Strassengräben waren die zum Teil noch nicht bekiesten Strassen eigentlich jederzeit befahrbar.
Der Strassenbau vor 200 Jahren Vom Hurnerwald in den Hackenberg führt eine alte, für Fahrzeuge seit vielen Jahrzehnten nicht mehr benutzte Strasse. In den Plänen der jüngs ten Güterzusammenlegungen ist dieser Weg noch als Strasse eingezeichnet. Der Hof Hackenberg, oder mindestens ein Teil da von, wurde einst vom Hof Wallenwil bewirtschaf tet. Dieser Weg war einst wichtig auch für die Be wirtschaftung des Waldes. 50 Meter dieser Strasse sind noch erhalten, könnten jedoch – wegen feh lenden Unterhalts der Strassengräben – selbst mit den schmalen Ochsenkarren des 19. Jahrhunderts nicht mehr befahren werden.
Am 6. März 1824 wird eine Strassenkommission gewählt: Vorsteher Brühwiler, Hurnen, Gemeinde rat Thalmann, Horben und Dr. Walder Hurnen. Es wurde auch beschlossen, die Strassen gemein sam in Ordnung zu halten und damit einen frühe ren Beschluss zu widerrufen, der die Anstösser dazu verpflichtete. Von 1830 bis 1850 baute der Kanton Thurgau das noch heute bestehende Kantonsstrassennetz. In dieser Zeit begann auch die Gemeinde Horben ihre Strassen auszubauen und zu bekiesen.1842 wird die Strasse vom Mösli bis zum Stutz gebaut, den Riethof gab es noch nicht. 1843 wird die Strasse von Büfelden durch das Mösli bis Fliegenast aus gebaut. Diese Strassen wurden 1739 als «Land strassen gen Balterswil» bezeichnet.
Die Strassen und Wege in und um Hurnen
Von Balterswil führten zwei gleichwertige Strassen nach Büfelden, eine über Hurnen und eine unter halb des Stutzes Richtung des heutigen Riethofs. Diese beiden auf der Karte eingezeichneten Stras sen von Balterswil nach Büfelden-Sirnach wurden im Grenzbeschrieb von 1737 noch als Landstrasse nach Balterswil bezeichnet. Die Strasse unterhalb des Stutzes, die sich beim heutigen Riethof mit dem «Kirchweg» von Wallenwil vereinigte, wird spä ter oft auch «Berggass» genannt. Dieser Weg war im 20. Jahrhundert normale Wiese, nichts deu tete mehr auf eine «Landstrasse» hin. Es dürfte nie eine Strasse nach unserem Begriff gewesen sein. Auch der erwähnte Kirchweg nach Sirnach war wohl noch mehr Fussweg als Strasse. · Hurnen war mit Eschlikon nur durch einen Fussweg über das Riet verbunden. · Die befahrbare Strasse führte über das Than zum heutigen Mösli und entlang des Stockenholzes. · Die Strasse nach Vogelsang war noch nicht so gut ausgebaut wie jene nach Balterswil. Der Weg nach Vogelsang führte vom Weiher bach zuerst Richtung Hurnerwald. · Die Karte ist erstaunlich exakt. Auf diesem Kartenausschnitt gab es noch keine Brücken über die Murg, die noch in Furten durchfah ren oder durchwatet werden musste. Dies ist wohl der Grund, warum bei den ersten Doku menten betreffend Schulen in der späteren
Karte von J. J. Sulzberger Blatt 5 (1830/38) zeigt interessante Details.
Schulgemeinde Egg und bei der Errichtung der politischen Gemeinde Horben oft vom Überqueren der gefährlichen Murg die Rede war. · Zwischen Horben und Büfelden gab es noch keinen Fussweg. Gemäss der Sulzberger-Karte gab es bis gegen Mitte des 19. Jahrhunderts von Hurnen drei Kate gorien von Verbindungen zu den Nachbardörfern. Am besten ausgebaut waren die Wege nach Wallen wil und Than.
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Die Strassen und Wege in und um Hurnen
Die Strasse von Hurnen nach Wallenwil
Die Strasse von Hurnen nach Vogelsang
1835 beschliesst die Versammlung, diese Strasse auszubessern. Für eine Bekiesung der ganzen Strasse fehlt das «Grin» (Kies). Die Gemeinde kauft 1839 von Remigi Brühwiler eine Parzelle im Strass acker (gegenüber dem Schützenhaus) mit Kiesvor kommen. Diese kleine Kiesgrube wurde nach der Ausbeutung so präpariert, dass sie maschinell als Ackerfeld bewirtschaftet werden konnte. Als neuer Besitzer hat Bruno Meili die kleine Grube nach der Güterzusammenlegung 1990 aufgefüllt.
Dieser Weg hatte beim Weiherbach einen «Knick» Richtung Hurnerwald und führte bis an den Wald, von dort nach links durch das heutige Kulturland bis an die Strasse, die vom Vogelsang in den Hur nerwald führt. Die Güterzusammenlegung Fischin gen 1979 – 2003 beseitigte alle optisch sichtbaren Reste dieses Weges.
Die Strasse von Balterswil nach Sirnach Diese beiden auf der Karte eingezeichneten Stras sen von Balterswil nach Büfelden-Sirnach wurden im Grenzbeschrieb von 1737 noch als Landstrasse nach Balterswil bezeichnet. Die Strasse unterhalb des Stutzes, die sich beim heutigen Riethof mit dem «Kirchweg» von Wallenwil vereinigte, wird später oft auch «Berggass» genannt. Während die Strasse über Hurnen von der Gemeinde Horben ausgebaut wurde, entstand aus der Strasse un terhalb des Stutzes gewöhnliches Kulturland, in dem bis zur Güterzusammenlegung nur noch eine ebene Fahrspur in der Wiese sichtbar war.
Da bei diesen Erdbewegungen kaum Reste einer Strasse zum Vorschein kamen, dürfte diese Ver bindung keine ausgebaute Strasse, sondern eher befahrenes ebenes Wiesland gewesen sein, was sehr wahrscheinlich bei nassem Wetter zu Prob lemen geführt hat. Alle diese Umstände unterstützten den Wunsch nach besseren Strassen. Die heute bestehende Strasse Vogelsang – Hurnen wurde zu Beginn der 40er-Jahre des 19. Jahrhunderts gebaut. Im Pro tokoll der Gemeinde Horben vom 22. Okt. 1844 steht: «Bei der Ausführung der Strasse unten an Hurnen (Richtung Vogelsang) muss eine Dolle erstellt werden. Wie folgt: Johannes Müller erklärt sich bereit Kalch, Steine und Sand unentgeltlich und ohne Abrechnung auf den Platz zu führen.» Eine Dolle ist eine Durchquerung eines Flusses ohne Brücke. Man fuhr durch den Fluss, der Fahr grund wurde befestigt um ein Ausschwämmen
Die Strassen und Wege in und um Hurnen
zu verhindern. Dazu brauchte es die erwähnten Steine, Sand und Kalk. Dies bedeutet, dass die Strasse Hurnen Vogelsang 1844 noch ohne Brü cke erstellt wurde. Wie weiter hinten aus einem Zeitungsartikel zu entnehmen ist, wurde diese Furt durch den Weiherbach erst 1874 durch eine Brücke ersetzt.
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Dies ist noch der letzte, ursprüngliche Feldweg, der die Güterzusammenlegung 1980/1990 überlebte. Alle überliegenden Waldparzellen hatten bis 1990 nur das Fahrrecht den ganzen Hang hinunter, über diese Strasse. Dies war wohl auch der Zufahrtsweg zur ehemaligen Burg der «von Hurnen».
Sehr wahrscheinich ist dieser Weg die einstige Zufahrt zur Burg der «von Hurnen». Die neue Strasse von Hurnen nach Vogelsang. Die grün markierte Strasse durchnitt die damaligen Parzellen. Schwarz eingezeichnet, die alte Strassenverbindung. Bei der leicht sichtbaren Rechtskurve beim Waldrand führte links die Strasse nach Vogelsang. Rechts gab es, auf der Karte punktiert sichtbar, einen oft erwähnten Fussweg nach Wallenwil.
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Die Strasse von Hurnen nach Eschlikon Von Hurnen nach Eschlikon gab es nur einen Fuss weg über das Riet. Der Anstoss für den Bau einer Strasse kam von der Behörde der Gemeinde Eschli kon. Die Gemeindeversammlung der Gemeinde Horben lehnte, wie der übersetzte Protokollaus zug vom 7. Juni 1857 zeigt, den Bau einer Strasse mit 20 zu 8 Stimmen ab. Wie das Stimmenverhält nis zeigt, stimmten mehr oder weniger alle NichtHurner-Stimmbürger gegen den Bau einer neuen Strasse. Auszug aus dem Protokoll der Ortsgemeinde Horben vom 7. Juni 1857 Es wird eine Zuschrift von dem verehrten Verwaltungsrat der Gemeinde Eschlikon datiert den 29. März 1857 verlesen. Worin enthalten ist, dass mit dem Einverständnis der Gemeinde Horben, über die Gemeinde Eschlikon, und daran stossende sogenannte Streitwies, letztere im Gemeindebahn Horben liegend, eine neue Strasse könnte erstellt werden. Auf welchem Lokal von Seite Eschlikon zwei Strassenlinie angezeigt werden, es wird aber laut Zuschrift nur eine von derselben empfohlen. Und wird darauf eine Antwort verlangt. «Nach einer langen Diskussion wird der Antrag gestellt, dass in geheimer Abstimmung solle entschieden werden, und zwar so, diejenigen die eine Strasse verlangen sollen auf ihre Stimmzedel schreiben ja, und die aber keine Strasse verlangen
Die Strassen und Wege in und um Hurnen
sollen schreiben nein. Und über diesen Antrag wurde abgestimmt. Das Ergebnis dieser Abstimmung ist folgendes. Von 30 anwesenden Bürger und Ansassen theilten sich die Stimmen wie folgt. dass keine Strasse solle erstellt werden fallen
8 Stimmen
ungeschrieben Stimmzedel, welche als unleslich erkannt wurden
2 Stimmen
gleich oben
Die Antwort des Regierungsrates
20 Stimmen
dass eine Strasse soll erstellt werden fallen
30 Stimmen
dem Protokoll gleichlautend Gegeben und mit dem Gemeindesiegel versehen. Horben den 15. Juni 1857 Gemeindevorsteher Thalmann» Gegen diesen Gemeindebeschluss reichten die Hurner eine Beschwerde beim Regierungsrat ein. Der Regierungsrat befasste sich eingehend mit der Beschwerde der Hurner. Übersetzung «Bezüglich der von den Bewohnern der Ortschaft Hurnen unterm 13. Juni d. Jahres angebrachten Beschwerde über den, eine direkte Strassenverbindung von Hurnen gegen Eschlikon ablehnenden Beschluss, der Ortsgemeinde Horben vom
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7. Juni 1857 wird, nach Einsicht der vom 8. Juli datierten Beantwortung der Mehrheit benannter Gemeinde, sowie des sachbezüglichen Berichtes des Bezirksamtes Tobel vom 3. d. M. und in Betracht:
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Die Strassen und Wege in und um Hurnen
die bezeichneten Nachtheile für Hurnen beseitigt, sondern auch die Verbindung des Sekundarschulortes Eschlikon mit der dahin eingeteilten Munizipalgemeinde Fischingen auf dem kürzesten Wege und ohne erheblich Kosten erzielt wird: 3. Dass die bei dem fraglichen Strassenbau ebenfalls beteiligte Ortsgemeinde Eschlikon eine solche Verbindung verlangt, und endlich 4. von Heinrich Müller, Gemeinde Verwalter in Hurnen, die Entfernung eines die Strasse beengenden baufälligen Häuschens daselbst, unentgeltlich zugesagt worden ist, auf den Antrag des Strassen- und Baudepartements beschlossen.
Antrag des Strassenund Bau departements
1. Dass die Bewohner der Ortschaft Hurnen ihre Verbindung mit Eschlikon auf der bestehenden Strasse über Than und Fliegenast nur mitels eines beträchtlichen Umweges und auf Wiedersteigungen finden können; 2. Dass durch die Fortsetzung des von der Ortschaft Hurnen von Vogelsang her erstellten Strässchens in der projektierten Richtung über das Torfland der Gemeinde Eschlikon nicht nur
1. Es wird der angegriffene Beschluss der Ortsgemeinde Horben vom 7. Juni d. J. aufgehoben und die Gemeinde gehalten eine neue Verbindungsstrasse von Hurnen gegen Eschlikon zu erstellen. 2. Erhalte das Strassen- und Baudepartement mit Zuzug des Bezirksamtes Tobel die fragliche Strasse über das Eschlikoner Gemeindeland östlich von dem bestehenden Fussweg und in der Richtung desselben ausstecken zu lassen. 3. Mittheilung dieser Beschlussnahme an das Strassen- und Baudepartement behuf der Vollziehung, und an die Ortsgemeinden Horben und Eschlikon, sowie an Gemeindeverwalter Müller in Hurnen, durch Protokoll Auszug. Gegeben Frauenfeld den 14. November 1857 Der Präsident des Regierungsrats: Dr. Durrer Der Kanzleidirecktor: Herzog
Die Strassen und Wege in und um Hurnen
Heinrich Müller kaufte dieses alte kleine Haus 1853 von Kaspar Bürgi. Zwischen diesem Haus und dem Haus Zbinden bestand nur ein schma ler Fussweg. Da das Baudepartement beauftragt wurde, für den Bau der Strasse besorgt zu sein, kann davon ausgegangen werden, dass sie an schliessend gebaut wurde.
Unterhalt der Flurstrassen Für den Unterhalt der Flurstrassen war die Munizi palgemeinde zuständig. Sie setzte dafür eine Flur kommission ein. Ein Zeitungsausschnitt aus dem «Volksblatt vom Hörnli» von 1874: «Die Güter und Waldbesitzer, welche das Fahrrecht auf der Flur- und Waldstrasse vom Dorfe Hurnen bis in den Wald beanspruchen, sind eingeladen, zum Zwecke der Verbesserung auf Sonntag den 25. ds., Abends 3 Uhr in der Wirtschaft des Herrn J. Müller in Hurnen zu erscheinen, und zwar umso mehr, weil eine Brückenbaute zur Berathung kommt. Auch ist zu bemerken, dass laut Beschluss der Flurkommission die sämtlichen Flur und Waldstrassen in der Gemeinde durch eine Abordnung untersucht werden und allfällige Güterbesitzer, welche die Strassen oder Seitengräben auf irgendeine Weise beschädigt, unnachsichtlich der kompetenten Behörde verzeigt werden.» Horben, den 22. Oktober 1874 Thalmann, Vorsteher.
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Dies ist der Beweis, dass bis anhin die Flurstrasse Richtung Hurnerwald den Weiherbach mittels ei ner Furt durchquerte. Fünf Jahre später wurden die Landbesitzer von der Flurkommission wieder zu einer Versammlung eingeladen. In diesem Inse rat werden auch Waldbesitzer eingeladen, weil zwi schen dem Eichholz und Egg an der Betternstrasse noch ein Stück Wald vorhanden war. Dieses ist auf der Karte von 1883 nicht mehr eingezeichnet. Es muss in der Zwischenzeit gerodet worden sein.
Die Familie meiner Grossmutte, Pauline Thalmann, im Than hat dieses Inserat aus dem «Volksblatt vom Hörnli» ausgeschnitten und aufbewahrt.
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Die Strassen und Wege in und um Hurnen
Schneeräumung Auch das Pfaden gehört im Winter zum Unterhalt der Strassen. Als der Schule entlassener Jüngling hatte ich das Glück, noch ein paar Jahre dabei sein zu dürfen. Vor den Pfadschlitten wurden im Nor malfall vier Pferde gespannt, hinten die Pferde von Otto Müller, Horben, vorne jene von Adolf Müller, Hurnen. Die Pferde wurden bei uns immer «aufge sessen» geführt. Zur Mannschaft gehörten noch zwei bis vier Helfer auf dem Schlitten, zum Wepfen und Schaufeln. Bei sehr viel Schnee gehörten noch die Pferde von Paul Müller, Riethof, dazu. Albert Felix und Werner
Die Pfadermannschaft Mitte des letzten Jahrhunderts. Auf dem Pferd Adolf Müller, daneben Otto Müller Horben, Ernst Thalmann Eichholz, Ernst Meili, Willi Götte.
Zbinden vervollständigten die Mannschaft. Nach der Schulzeit durfte ich den Platz meines Vaters einnehmen. Wir waren alle Bauern. Eingespannt wurde nach der Stallarbeit um 9 Uhr. Die Runde um die Gemeinde war um 15 Uhr beendet. An vier Orten offerierten uns jeweils Frauen einen Kaffee mit «Zusatz». Die Pferde mit dem Schlitten blie ben auf der Strasse. Selbst ein Fussgänger hatte Mühe, daran vorbeizukommen. Es gab nie auch nur die geringste Opposition. Das waren noch Zeiten!
Umbau des Dorfplatzes in Hurnen 1958 Die Strasse nach Than führte direkt an den Wohn häusern von Zbinden und Burkhalter vorbei. 1958 wurde der Dorfplatz umgestaltet. Der Dorfbrunnen wurde umplatziert. Diese neue Strassenführung war umstritten. Die Bewohner von Hurnen verspra chen einen Beitrag von 2000 Franken. Sämtliche Hausväter zahlten einen Beitrag zwischen 50 und 200 Franken. Dank diesen Beiträgen stimmte die Gemeinde dem Umbau zu.
Die Strassen und Wege in und um Hurnen
Die Kreuzung in Hurnen vor 1958 Der neue Dorfbrunnen, 1987 erstellt
Der Dorfplatz nach1958
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Die Strassen und Wege in und um Hurnen
Staubbekämpfung der Naturstrassen
Einbau von Teerbelägen in den Gemeindestrassen
Bis zum Ende der 1960er-Jahre wurde in der Ge meinde Horben die Staubentwicklung auf den Na turstrassen mit Verspritzen von Altöl bekämpft. Besorgte Bürger ermahnten den Strassenmeister darauf zu verzichten. Darauf ersetzte er das Altöl mit einer Chemikalie, die den Staub auf den Stras sen binden konnte.
Ab 1960 wurden die Gemeindestrassen nach und nach asphaltiert. Weil die Gemeinde Horben vom kantonalen Finanzausgleich profitierte, musste jedes Teilstück vom Regierungsrat bewilligt wer den. Während der Amtszeit meines Vaters als Orts vorsteher kam der Vorsteher des Finanzdeparte mentes, Regierungsrat Stäheli persönlich vorbei, um die Notwendigkeit des Vorhabens zu begut achten, so zum Beispiel am 9. November 1962, als Regierungsrat Stäheli das Strassenstück Hur nen – Than besichtigte und anschliessend mitteilte, dass der vorgesehene Ausbau mit einem Teerbelag und gleichzeitiger Entwässerung finanzausgleichs berechtigt sei.
Die Strassenränder wurden viele Jahre durch Ver spritzen eines Unkrautvertilgers gesäubert. Ge spritzt wurde mit meiner Baumspritze. Wenn dem Strassemeister das «Gspüri» für die richtige Menge fehlte, war das abgeschwemmte Spritzmittel in den Wiesen und Äckern gut sichtbar, was den Bau ern gar nicht gefiel.
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Das Schützenhaus der Schützengesellschaft Egg in Hurnen
Das sportliche Schiessen ist schon alt, in den eid genössischen Abschieden von 1557 (Protokolle der Verhandlungen der eidgenössischen Orte in Baden) Seite 1013 steht: «Das Gesuch der Schützen aus dem Tannegger Amt, man möchte ihrer aus mehr als vierzig Mitgliedern bestehenden Gesellschaft, wie anderen solchen Gesellschaften im Thurgau jährlich eine Summe zu verschiessen geben, wird ad instruendem genommen.» Ob dem Ge such stattgegeben wurde, ist nicht bekannt.
sein. Hans Müller, Riethof, Emil Thalmann, Horben und Paul Senn, Wiezikon, wurden beauftragt eine Schusslinie zu suchen.
Die Geschichte der Schützengesellschaft Egg fin det sich in den Egger Nachrichten Nr. 30, 1995 und in einem Beitrag in der Regional Zeitung von Walter Graf vom 21. Juni 1984 anlässlich der Fahnenweihe.
Aus nicht protokollierten Gründen wurden die Schützen später an die Strasse Hurnen – Wallen wil Richtung Hurnerwald verwiesen. Es wurde be schlossen, die Erdarbeiten für den Scheibenstand, den Unterstand für das Lagern der Scheiben und den Schutz der Zeiger während des Schiessens im Frondienst durch die Schützen zu erstellen.
Am 24. Oktober 1920 wurden auf Anregung eini ger Schützen alle Schiesspflichtigen der Schulge meinde Egg (Ortsgemeinden Horben und Wiezikon) zu einer Versammlung eingeladen. Zweck: Grün dung eines Schiessvereins. Die Schützen waren Mitglied des Militär-Schützenvereins Sirnach. Sie fühlten sich benachteiligt und wollten selbständig
15 Schützen aus den Gemeinden Horben und Wiezikon gründeten die Schützengesellschaft Egg am 12. Dezember 1920. Der erste Präsident, Emil Thalmann, erklärte, er habe an der Strasse Hurnen – Riethof Richtung Stutz eine Schusslinie gefunden.
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Das Schützenhaus der Schützengesellschaft Egg in Hurnen
Die Bauabrechnung vom März 1922 wies einen Gesamtbetrag von 881.15 Franken aus. Die Mu nizipalgemeinde spendete 300 Franken, die Orts gemeinde Horben 400 Franken und die Ortsge meinde Wiezikon 100 Franken. Offenbar waren die Hurner damals noch stolz, den Schiessplatz in Hurnen haben zu dürfen!
Der Scheibenstand anno dazumal: links der «Bunker» für die Zeiger und Kleber während des Schiessens. Mit einem lauten Horn wurden die beiden zum Zeigen gerufen. Auf dem nicht datierten Bild als Kleber, der das Schussloch zukleben musste, Ernst Meili, Friedtal. Der Zeiger mit der Zeigerkelle ist nicht bekannt.
Die vier kleinen Gesellschaften Rickenbach, Wilen, Hub-Busswil, Rossrüti, Egg und etwas später auch noch Braunau schlossen sich zu einem Sechser bund zusammen. Dadurch konnten sie abwech selnd das lukrative Feldschiessen durchführen. Der neue Verein führte im gleichen Jahr auch ein Freundschaftsschiessen durch. Das erste organi sierte die Sektion Wilen auf dem Schiesstand in Hurnen! Am Absenden vom 4. Oktober 1921 wur den Sängerinnen aus Schaffhausen eingeladen! Geschossen wurde auf einer Pritsche in der Wiese. Da die Gemeinde Horben 500 Franken spendete, wurde am 9. April 1927 der Bau eines Schützen hauses beschlossen, das 1927 durch die Schützen im Frondienst erstellt wurde. Bauchef war Adolf Müller, Egg. Das erforderliche Land wurde vom LandhausWirt Rudolf Burgener gratis zur Verfügung ge stellt, mit der Bedingung, dass er das Wirterecht für alle Veranstaltungen rund ums Schützenhaus erhalte. Dank Beiträgen der Ortsgemeinden Hor ben und Wiezikon von 2500 Franken konnte 1953 der Scheibenstand auf sechs Zugscheiben, die in Sirnach für 234 Franken gekauft werden konn ten, umgebaut werden. Der Kostenvoranschlag
Das Schützenhaus der Schützengesellschaft Egg in Hurnen
betrug 8000 Franken. Jedes Mitglied wurde ver pflichtet 35 Stunden Frondienst zu leisten. 1969 wurde in Wallenwil die Schiessanlage zu gefährlich, da sie sich über die Gemeindestrasse nach Bal terswil erstreckte. Es kam zu einer gemeinsamen Schiessanlage in Hurnen, die auf 8 Scheiben ver grössert wurde. Wallenwil zahlte 2000 Franken als Einkaufssumme. Ihr Schützenhaus wurde abgebro chen. An die Kosten von 20 299 Franken leisteten die Gemeinden Horben, Wallenwil, Wiezikon, die Munizipalgemeinde und die Bürgergemeinde Wal lenwil total 12 300 Franken. 1981 erfolgte die Er schliessung durch Wasser und Elektrizität. 1981 schlossen sich die beiden Gesellschaften zu einer Schützengesellschaft Wallenwil-Egg zusammen. Seit 2005 benutzen auch die Schützen der Gesell schaft Eschlikon den Schiessstand in Hurnen. Zum Schutze der Hurner vor allzu viel Lärm setzte die Gemeinde eine maximale Schusszahl pro Jahr auf 18 000 Schuss fest. Im gleichen Jahr waren Bestre bungen im Gange, in Hurnen eine regionale GrossSchiessanlage einzurichten. Ein Lärmschutzgut achten war bereits in Auftrag gegeben worden. Die Schusszahlen wären von 15 000 auf 100 000 er höht worden. Die betroffenen Landbesitzer wehr ten sich mit einem Schreiben an die Gemeinden und an das Raumplanungsamt, welches das Gut achten in Auftrag gegeben hatte. Das Vorhaben versandete auch noch aus anderen Gründen. Auf den 1. Januar 2015 fusionierten die Schützen auch administrativ zu einer Schützengesellschaft Eschlikon.
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Die Post Hurnen Der Dorfpöstler Albert Walder auf der Tour an einem Wintertag
1387 gab es einen Fussbotenkurs St. Gallen – Zü rich über Münchwilen – Eschlikon, von dem man im Hof Hurnen wohl kaum viel erfahren hatte. Ab 1619 wurde der Kurs per Pferd ausgeführt. Noch 1798 hatte der ganze Kanton Thurgau – aus ser Frauenfeld – keine einzige Poststelle. Der Hin terthurgau war jedoch Transitgebiet für durchlau fende Postkurse, die auch Nachrichten aller Art überbrachten. Auf den 1. Januar 1807 übertrug der Kanton Thurgau das ganze Postwesen der Ge neralpostdirektion des Kantons Zürich. Auf den 1. September 1826 richtete Zürich im «Engel» in Münchwilen ein Postbureau ein. Viermal in der Wo che wurden die umliegenden kleinen Ortschaften bis in die Au und Schurten bedient. Darunter er wähnt wird auch Hurnen und Wallenwil. Am 1. Juni 1868 erhielt Wies eine neue Poststelle, von der aus auch Hurnen bedient wurde. Eine neue Postablage in Hurnen wurde am 1. Oktober 1901 eingerichtet. Zum Stelleninhaber wurde der Ein heimische Albert Walder, geboren 1869, ernannt. Er stellte seine Nebenstube als «Postbureau» zur Verfügung. Die Postkunden mussten durch seine Stube ins «Postbureau» gehen. Zwei Botengänge erfolgten täglich, auch am Sonntag! Erst 1921 wurde die Zustellung am Sonntag aufgehoben. 1924 wurde die Ablage zum «Bureau III. Klasse» befördert.
Die Post Hurnen
Über den Tagesablauf eines Dorfpöstlers in der ers ten Hälfte des letzten Jahrhunderts gibt uns der En kel des ersten Posthalters, Albert Walder, gebo ren 1936, in seiner Chronik der Poststelle Hurnen Auskunft: «Nach dem Frühstück, zu welchem stets auf dem Spirituskocher erwärmte Milch gehörte, belud er den Frontgepäckträger seines Velos mit der abgehenden Post und leerte noch den Briefkasten vor dem Haus. Vereinzelt kamen auch noch Kunden zu dieser frühen Zeit an den Postschalter. (wer Ein zahlungen machen wollte, musste dies tun) Um ca. 5.30 Uhr fuhr er dann nach Wallenwil, wo er einen weiteren Briefkasten zu leeren hatte. Dann setzte er die Fahrt zur Poststelle Eschlikon fort, wo er alle Post für den 6-Uhr-Zug zusammenstellte und in den Postschubkarren lud und damit zum Bahnhof marschierte. Nachdem der Austausch am Postwagen stattgefunden hatte, kehrte er zur Poststelle Eschlikon zurück, um die Eingänge zu sortieren. Zum Einzugsgebiet der Post Hurnen gehörten die Weiler Wallenwil, Hurnen, Friedtal, Riethof, Than, Fliegenast, Eichholz und Vogelsang. Diese mussten zweimal täglich bedient werden, ausgenommen Friedtal, Riethof und Fliegenast, welche nur auf der Nachmittagstour besucht wurden. Nachdem die Postsachen nach der Zustellreihenfolge der Haushaltungen sortiert waren, begann mein Vater mit der Vormittagstour in Wallenwil. Dann ging's nach Hurnen, wo in seiner Wohnung bereits der Znüni, den ihm meine Mutter liebevoll
zubereitet hatte, auf ihn wartete. Anschliessend wurden noch die restlichen Weiler bedient. Etwa eine Stunde vor dem Mittagessen konnte die Vormittagstour meist abgeschlossen werden. Danach konnte die Arbeit im Postbureau aufgenommen werden. Dazu gehörte nebst Abrechnungen und Schreibarbeiten natürlich auch der Schalterdienst. Da die Leute in der Umgebung jedoch den offiziellen Öffnungszeiten nicht allzu grosse Beachtung schenkten, musste meine Mutter auch sehr oft diesen Dienst versehen. Nach dem Mittag essen hatte mein Vater dann etwa zwei Stunden frei, die er meist dazu benutzte, im Landwirtschaftsbetrieb meiner Grosseltern mitzuhelfen, besonders im Sommer und Herbst. Vor dem Beginn der Nachmittagstour gab es nochmals eine Schalteröffnungszeit, und um 15 Uhr begann die zweite Reise mit meist voll beladenem Velo. Der prinzipielle Verlauf war gleich wie am Morgen. Nur wurde jetzt der 15.45-Uhr-Zug abgefertigt, und der Zwischenhalt in Hurnen diente dem gemeinsamen Nachtessen in der Familie. Während der Zeit, als ich im Botendienst mithalf, fasste ich auch hier die Post für meine Weiler (ca. 1948 – 1951). Nach der Tour, die am Nachmittag ca. 130 weitverstreute Haushaltungen umfasste, war auch wieder Bureaudienst, wobei vor allem die tägliche Bilanz zu erstellen war. So gab es meist nicht vor 20 Uhr Feierabend. Vor allem vor Feiertagen musste mein Vater oft mehrmals nach Eschlikon fahren, um die Postsachen abzuholen. Selten kam es auch vor, dass mein Onkel Ernst den Paketberg mit dem Pferdefuhrwerk
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Die Post Hurnen
abholen musste. Bei starkem Schnee war das Velo den Anforderungen auch nicht mehr gewachsen, so dass mein Vater die Tour mit einem Davoser-Schlitten zu Fuss bewältigen musste. Dass ein solcher Tag morgens noch früher und abends noch später aufhörte, dürfte klar sein.» Albert Walder junior mit seinem Velo vor dem Restaurant «Zur frohen Aussicht». Foto ca. 1935 mit der Familie Bleiker. Er bewohnte mit seiner Familie die Wohnung rechts im Bild.
1934 übernahm sein Sohn, Albert, geboren 1905 die Poststelle, mehr oder weniger im Vollamt. 1935 wurde ein neuer Eingang gebaut, so dass die Postkunden die Wohnstube nicht mehr durch queren mussten. Die Familie opferte ihre Neben stube für die «Eingangshalle» zum Postschalter. Im Gegenzug konnten der 1790 erstellte Eingang di rekt in die Wohnstube wieder zugemauert und die grosse Treppe abgebrochen werden. Rechts ist die wieder zugemauerte Türöffnung sichtbar. Auf den Einbau des früheren Fensters wurde verzichtet. 1959 starb Albert Walder erst 55 Jahre alt an Lun genkrebs. Die Poststelle wurde von seiner Frau weitergeführt, wobei für den Botendienst verschie dene Aushilfen angestellt wurden, unter anderem auch der Student Kurt Müller aus Hurnen.
Die Post Hurnen
Das Ende der Poststelle Hurnen nach 60 Jahren und zwei Generationen
Auf Ende 1962 reichte Rosa Walder ihren Rücktritt ein. Da weder ein Nachfolger noch ein Lokal zu fin den war und wohl auch aus Rationalisierungsgrün den, wurde die Poststelle Hurnen auf den 5. Januar 1963 aufgehoben. Damit mussten die Postlehr linge nicht mehr wissen, wo Hurnen liegt. Dies soll oft eine Prüfungsfrage gewesen sein, weil Hurnen die einzige Poststelle der Schweiz war, die nicht direkt von der SBB oder einem Postauto bedient wurde.
Es gab zu dieser Zeit auf dem Land noch kaum einen Briefkasten. Der Pöstler musste in jedes Haus hineingehen. Bei uns geschah dies abends in der Regel zwischen 17 und 17.30 Uhr, wenn wir am Abendessen waren. Die Haustür ging auf, Al bert Walder rief «Pooscht». Dann trat er in die Kü che, legte die Post auf den Küchentisch und ver schwand so schnell, wie er gekommen war. Hin und wieder kam es zu einem kurzen Schwatz mit mei nem Vater, über das Wetter, die Ernte, über Politik oder über Tagesaktualitäten wie zum Beispiel ein mal: «Morn hürotet de Eichhölzler».
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Güterhandel und Zerstückelung der Bauernhöfe zu Beginn des 19. Jahrhunderts
Von 1809 bis 1830 haben in Hurnen, Than und Eichholz 35 Bauernhöfe – meistens nur Liegen schaften mit wenig Land – den Besitzer gewech selt, einige davon mehrere Male wegen Konkurses. Ausserdem wurden ausserhalb der Liegenschaften 260 einzelne im Grundbuch eingetragene Parzel len mit Grösse, Flurnamen und den Namen der An stösser gehandelt. Viele dieser Parzellen wurden beim Verkauf der Betriebe vom Hof getrennt und an Nachbarn und auch Personen aus den Nachbar dörfern verkauft. Bei Konkursen organisierten die Gläubiger meistens eine behördliche Gant für den Verkauf des Hofes und der einzelnen Parzellen. Die Grösse der Parzellen betrug ½ Vierling (4,5 Aren) bis 1 Juchart (36 Aren), nur einige wenige umfass ten mehr als 1 Juchart. Von 1830 bis 1840 wech selten wieder 9 Liegenschaften ihren Besitzer.
Als Beispiel diene der Betrieb Nr. 2 der Witwe Mag dalena Müller-Gamper. Sie liess ihren Betrieb 1830 auf einer Gant versteigern, nachdem ihr Gatte Jo hannes Müller gestorben war. Die Zusammen stellung zeigt den Verkauf des landwirtschaftli chen Betriebs. Der Betrieb umfasste ca. 290 Aren Feld, in 21 Parzellen, was einer durchschnittlichen Parzellengrösse von11 Aren entspricht.
Güterhandel und Zerstückelung der Bauernhöfe zu Beginn des 19. Jahrhunderts
Johannes Müller-Schüepp von Hurnen
Haus samt Scheune, Schopf, Kraut- und Baumgarten samt Hof reite, dazu ½ Vierling Garten, ½ Vierling der Scheuerwiesacker
Heinrich Fehr Hurnen
½ Mad (1 Mad = 35 Aren) in der Bünt
Remigi Brühwiler Hurnen
½ Mad in der Rossweid, 1 Vierling Wald in der Reuti, 3 Vierling Wald im Altholz
Heinrich Müller Hurnen
¼ Mad im Hinterriet, 1 Vierling im Strassacker
Kaspar Bürgi Hurnen
¼ Mad die Hauswies, ¾ Mad im Hinterriet, ¼ Mad die Scheuerwies, ¼ Mad im Bachäckerli, 1 Vierling im Hinterriet, 1 Vierling im Bömmertli, ½ Juchart im Thanmoos, 1½ Vierling der hinteren Rossweid, ½ Vierling im Bachacker, ½ Vierling die Bünt, 1½ Vierling Langäckerli, 1½ Vierling Acker im Wald, Holz und Boden, ½ Juchart Holz Hinterrüti, ½ Juchart des Heinrich Hölzli, ½ Juchart der Hinterreuti, 1 Vierling Holz Reuti
Jakob Schoch Than
1½ Vierling in der Scheuerwies, 1½ Vierling der untere Rossweidacker
Heinrich Kunz Than
½ Juchart Acker im Zelgli, 1½ Vierling Holz in der Hinterreuti
Jakob Lüthi Fliegenast
1½ Vierling Holz im Stall
Verkauf des landwirtschaftlichen Betriebs der Witwe Magdalena Müller-Gamper
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Güterhandel und Zerstückelung der Bauernhöfe zu Beginn des 19. Jahrhunderts
Im gleichen Jahr verkaufte alt Schulpfleger Jakob Walder seinem Cousin, Jakob Walder, Gemeinde verwalter, Haus Nr. 10, Kraut und Baumgarten und den 4. Teil Speicher Nr. 14 ohne Land. Das zum Hof gehörende Land verkaufte Jakob Walder in 25 Parzellen an 10 verschiedene Käufer. Diese Ent wicklung ist nicht auf Hurnen beschränkt. Dazu zwei Beispiele. Eschlikon 1839 Josef Wild von Wallenwil verkauft den Brüdern Jo hannes und Kaspar Schiltknecht und Johannes Schüepp von Eschlikon: 1. 2. 3. 4. 5. 6.
Den Gasthof «Löwen» Haus, Scheune, Schopf und Hofreite Die Zehentscheune Das Hofhaus Scheune und Bestallung 12 Parzellen Heuwachs mit total 578 Aren 23 Parzellen Ackerfeld mit total 1512 Aren, ergibt 20 Hektaren und 90 Aren Wies- und Ackerland. 7. 12 Parzellen Wald mit total 606 Aren Noch im gleichen Monat verkaufen die drei Käufer das Lehenhaus (vermutlich als Nr. 2 aufgeführt), dazu das Kulturland und den grössten Teil Wald an 45 Bauern aus dem Dorf und der angrenzen den Region.
Wallenwil Am 19. Juli 1838 kaufen Michael Kübler von Wit tenwil und Compagnon von Benedikt Schwager in Wallenwil dessen ganzen Hof in Wallenwil für 8000 Gulden. Der Hof umfasste neben Haus, Scheune und Hof reite, 60 Parzellen mit total 23 Hektaren und 90 Aren. Allerdings waren mehrere kleinere Parzel len Torfland dabei. Michael Kübler organisiert eine Gant und verkauft den eben erworbenen Betrieb an 55 verschiedene Bauern aus der nahen und weite ren Umgebung. Der Verkaufspreis aller Parzellen beträgt 9813 Gulden. Daraus resultiert innerhalb weniger Tage ein Gewinn von 1813 Gulden abzüg lich die geringen Unkosten. Zum Vergleich Mein Ur-Ur-Ur-Grossvater, Johannes Müller, kauft 1832 die vierzigjährige Liegenschaft Nr. 3 mit Haus, Scheune und 18 Aren Land für 771 Gulden.
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Die Liegenschaften-Besitzer 1851 Es erstaunt, dass schon 1850 in der Gemeinde Horben, Grundbuchamt Sirnach, die Parzellen exakt vermessen und ein Verzeichnis aller Liegen schaften und ihrer Besitzer erstellt wurde. In den vorangegangenen Jahrzehnten konnten immer wie der Bauern angrenzende Parzellen erwerben. In den Verzeichnissen sind diese Erwerbungen im mer noch als separate Parzelle aufgeführt. So ist im Verzeichnis meines Ur–Ur–Grossvaters, Hein rich Müller, bei 13 Parzellen er selbst als Besitzer von anstossenden Parzellen aufgeführt. Während in den Urkunden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als kleinstes Flächenmass ½ Vier ling = 4,5 Aren verwendet wurde, so sind 1851 die
Parzellen auf den Quadratfuss genau vermessen worden. Die Grösse wird zuerst in Juchart ange geben (½/¼), (¼ Juchart = 9 Aren = 1000 Quadrat fuss). Es hatten nur sehr wenige Parzellen 1 Juchart oder mehr Grundstücksfläche. Der Rest unter neun Aren wurde in Quadratfuss angegeben (1 Quad ratfuss = 9 m2). Der Anteil der im Grundbuch als Ackerland benannten Parzellen betrug rund 50%. Gemäss diesen Unterlagen hatten nur 3 von 18 Fa milien in Hurnen kein eigenes Land für die Selbst versorgung, wobei Nr. 16/Nr. 17, Nr. 4 und Nr. 5 noch vor kurzem getrennte Besitzer hatten. Die Grösse der Betriebe reichte von 14 bis 600 Aren Kulturland und von 0 bis 136 Aren Wald.
Nr.1 Johannes Walder Haus und Scheune 24 Feldparzellen
5 ½ Juchart + 55 273 Quadratfuss = 49 Aren
Total 265 Aren
12 Parzellen Wald
½ Juchart + 57 100 Quadratfuss = 51 Aren
Total 69 Aren
Nr. 2 Johannes Müller Haus und Scheune samt Schopf 24 Feldparzellen
13 Juchart + 31 780 Quadratfuss = 28 Aren
Total 505 Aren
5 Parzellen Wald
nicht eingetragen, aus anderen Quellen ca.
Total 95 Aren
Die Besitzes verhältnisse im Jahre 1851
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Die Besitzes verhältnisse im Jahre 1851
Die Liegenschaften-Besitzer 1851
Nr. 3 Heinrich Müller Haus und Scheune 17 Feldparzellen
14 ¾ Juchart + 36 873 Quadratfuss = 32 Aren
Total 565 Aren
6 Parzellen Wald
1 Juchart + 25 068 Quadratfuss = 22 Aren
Total 58 Aren
Nr. 4 + 5 Heinrich Fehr Nr. 4 Haus Nr. 5 Haus und Scheune 7 Feldparzellen
2 ¾ Juchart + 5 000 Quadratfuss = 5 Aren
Total104 Aren
3 Parzellen Wald
2 Juchart
Tota 72 Aren
Nr. 9 Konrad Jucker Haus, Scheune und Schopf 15 Feldparzellen
15 ¼ Juchart + 47 236 Quadratfuss = 42 Aren
Total 600 Aren
8 Parzellen Wald
1 Juchart + 42 700 Quadratfuss = 38 Aren
Total 74 Aren
Nr. 10 Johannes Walder Haus und Scheune 18 Feldparzellen
4 ¼ Juchart + 55 367 Quadratfuss = 50 Aren
Total 203 Aren
11 Parzellen Wald
2 ¼ Juchart + 51 300 Quadratfuss = 46 Aren
Total 127 Aren
8 Feldparzellen und 7 Waldparzellen hatten weniger als 9 Aren! Alle Waldparzellen sind gemeinsames Eigentum mit Jakob Walder. Nr. 11 Maria Ida Brühwiler, Witwe des Adam Walder Haus, Scheune und Stallung 26 Feldparzellen
8 ½ Juchart + 78 907 Quadratfuss = 70 Aren
8 Parzellen Wald
keine Grössenangabe
Total 367 Aren
Nr. 15 Jakob Walder, Haus und Scheune 22 Feldparzellen
6 ½ Juchart + 76 241 Quadratfuss = 68 Aren
Total 282 Aren
11 Parzellen Wald
2 ½ Juchart + 50 900 Quadratfuss = 46 Aren
Total 136 Aren
Alle Waldparzellen sind gemeinsames Eigentum mit Johannes Walder. Der Bruder Ulrich hat Wohnrecht und in allen Teilen Unterhaltspflicht.
Die Liegenschaften-Besitzer 1851
Die Besitzes verhältnisse im Jahre 1851
Nr. 16 und Nr. 17 Remigi Brühwiler Haus und Schopf: Die beiden Liegenschaften haben rundum die gleichen Anstösser. Haus und Scheune: Zur einen Wohnung gehörte die Scheune, zur anderen der Schopf. Die Parzellen sind nicht aufgeteilt, da sie den gleichen Besitzer haben. 18 Feldparzellen
6 ¾ Juchart + 9 658 Quadratfuss = 72 Aren
Total 343 Aren
6 Parzellen Wald
1 ¾ Juchart + 24 810 Quadratfuss = 22 Aren
Total 65 Aren
Nr. 18 Felix Seiler Hier sind zwei Wohnungen angegeben, aber weder Scheune noch Stall. 8 Feldparzellen
4 ½ Juchart
Total 162 Aren
1 Parzelle Wald
½ Juchart
Total 36 Aren
Nr. 22 Johannes Rickenmann Haus 3 Parzellen Ackerland
½ Juchart + 1 ½ Vierling
Total 31 Aren
Nr. 24 Ulrich Müller Haus und Scheune 13 Feldparzellen
4 ¼ Juchart + 31 502 Quadratfuss = 28 Aren
5 Parzellen Wald 1 ¼ Juchart + 13 000 Quadratfuss = 12 Aren Auf vorbeschriebenen Liegenschaften haftet noch Zehntkapital von 37 Gulden.
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Total 181 Aren Total 57 Aren
Nr. 26 Jakob Schüepp Haus, Scheune und Stallung 8 Feldparzellen
4 ½ Juchart + 3 766 Quadratfuss = 3 Aren
Total 167 Aren
3 Parzellen Wald
1 Juchart
Total 36 Aren
Nr. 27a Johannes Lattmann Kinder Haus und Bestallung 2 Parzellen Ackerland 1 Juchart + 500 Quadratfuss = ½ Aren Total 36 ½ Aren Da der Johannes Lattmann nicht schreiben kann, so zeichnet er sich mit drei Kreuzen +++. Die Richtigkeit dieser Handzeichen bezeugt Gemeinderat Thalmann in Horben. Nr. 27b Ulrich Bürgi Haus und Scheune 2 Feldparzellen
¼ Juchart + 5 000 Quadratfuss = 5 Aren
Total 14 Aren
1 Parzelle Wald
¼ Juchart
Total 9 Aren
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Die Entwicklung der Landwirtschaft Obstbau
Rebbau Wie diese alte Karte – um 1835 entstanden – be weist, wurden am Südhang des Stutzes Reben ge pflanzt. Auch die alten Flurnamen «Rebenacker» und «Traubenacker» beweisen dies. In den Vor schriften der Käsereigesellschaft Riethof für die Milchbauern wurde mehrmals auf das Fütterungs verbot von Reblaub hingewiesen. Die Reblaus um 1900 besorgte das Ende des Rebbaus am Stutz. In Wallenwil gründeten 2002 einige Wallenwiler ei nen Rebbau-Verein. Sie pflanzten an der Stelle des südlichen grünen Fleckens wieder Reben.
Der Obstbau hatte auch im Hinterthurgau seit Jahr hunderten grosse Bedeutung. Schon im 17. und 18. Jahrhundert steht in den Kaufbriefen meis tens: «Haus, Scheune, Hofreite, Kraut- und Baumgarten». Der Obstbau diente der Selbstversor gung. Laut Steuerrodel des Klosters Fischingen von 1691 mussten in Hurnen die folgenden Besit zer der Baumgärten an Zehnten bezahlen: · Ulrich Brun von seinem bei und vor dem Haus liegenden Baumgärtlein ca. 1 Vierling (9 Aren) gross, 9 Batzen. · Fridli Walder der Junge von seines und seines Vaters Baumgärtlein ca. 1 Vierling gross, 9 Batzen. · Anna Metzgere Witib von ihrem Baumgärtlein hinter dem Haus, 1 Kreutzer. Über den Obstbau und vor allem die Verwertung des Obstes existiert ein zeitgenössisches Doku ment aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts. Johann Conrad Fäsi beschrieb in seiner umfangrei chen «Beschreibung des Zustandes der Landgraf schaft Thurgau» auch den Obstbau. Er schreibt, dass Obstbäume auch im Ackerfeld gepflanzt wurden. Dass die Erträge im Ackerfeld kleiner ausfielen, betrachteten die Bauern nicht als Nachteil.
Die Entwicklung der Landwirtschaft
«Sie ergreifen von zwei Vortheilen den grösseren und beträchtlicheren; sie ziehen die Äste der Bäume so viel als möglich, in die Höhe, damit der Schatten desto kleiner werde; sie halten die spätere Zeitigung und den geringeren Gehalt der Früchte für sehr wenig, indem dieser Abgang durch den beträchtlich grösseren Nutzen der Bäume überflüssig ersetzt wird; denn es geschiehet gar oft, dass über 100 grosse Viertel Birnen können eingesammelt werden. Diese erstaunende Menge der Baumfrüchte wird nun auf folgenden Weise Genuzet: Ein Theil derselben wird von dem gemeinen Mann theils rauh, theils aber gekocht, den Winter hindurch zu seinem täglichen Gemüse gebraucht; ein anderer Theil wird in grossen hölzernen Gefässen aufbewahrt, wozu eine gewisse Menge Wasser gegossen, vermittelst die Birn oder Apfel in eine Gärung gebracht wird, doch so, dass sie der Fäulniss wiederstehen kann; gegen Ende des Winters und Anfangs des Frühlings wird die Birn, die einiche Wochen im Waser gelegen, herausgenommen, in dem Wasser gekochet und als ein angenehmes und gesundes Gericht genossen. Die meiste und weitbeträchlichste Menge dieser Früchte aber wird zu einem Trank, Most genannt, gemacht. Hierbei verfahrt man folgender Gestalt: Man schüttet einiche Läste Birnen in einen grossen aus Eichenholz verfertigten Cirkul, in diesem Cirkul herum wird ein grosser, viele Centner haltender runder Stein, über die hinein geworfenen Früchte 15 – 20 mal gezogen. Dieser Stein wird bisweilen von einem Pferdt, öfters aber von Menshen getrieben. Hernach werden die zermalmete Früchte
unter den Trott Baum gebracht, und der Saft nach belieben herausgepresst. Aus den im Trottbett zurückgebliebenen Hülsen wird, wenn nicht gar aller Saft herausgezogen worden, ein ander sehr starkes und hitziges Getränk, doch in geringer Menge, durch das Feuer herausgebracht, welches die Einwohner Trester Wasser oder Branzt nennen, welches sie den Winter hindurch als erquiukendes und beynahe unentberliches Labsal mit grosser Begierde trinken. Das aus den Birnen selbst gepresste Getränk ist von zweierlei Art, es ist gemeiner oder rauher Most, welcher allzeit mit einem Theil Wasser muss vermischt werden, indem das Wasser dem Getränk die Lauterkeit und Haltbarkeit verschaffet. Die zweite Gattung ist der gesottene Most, da bei dem Feuer die Hälfte ein viel mehr ausgesotten werden muss. Dadurch bekommt das Getränk einen berauschenden Geist, eine überaus liebliche und angenehme Süssigkeit, die nicht geringer ist als bei manchen Arten ausländischer süsser Weine. Ja der Most wird auf diese Weise 20 und mehr Jahre ebnso gut als der Wein haltbar. Diese Gattung Most wird aber nur in sehr reichen und gesegneten Jahren gemacht. Wird aber von dem Rauhen Most durch das Feuer noch mehr als die Hälfte eingesotten, etwan 3 Viertel oder noch etwas dazu, so erhaltet man endlich das Birnenhonig, welches auf vielfältige Weis, ja als eine sehr dienliche Arznei, mit nicht geringem Vortheil genossen wird. Der letzte Theil des Obstes wird theils ganz, theils in Stücke geschnitten, und bei dem Feuer gedörret. Dies geschieht nur in denjenigen Orten, wo man das
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Die Entwicklung der Landwirtschaft
Brennholz im Überfluss geben kann. Dadurch kann das Obst, wenn es sorgfältg gedörret, und das Gute von dem Schlechten abgesondert worden, auf viele Jahre erhalten und gespart werden, durch welche Zubereitung, wenn Missjahre bei dem Obst entstehen, der Schaden zum Theil ersetzt wird.» Die Dörrobsttruhe im Estrich gehörte denn auch bei uns bis ins 20. Jahrhundert in jeden Bauern haushalt. In meiner Generation sind noch die Gitter bekannt, die man mit Obst zum Dörren in das Ofen rohr in der Stube oder die grösseren in den Back ofen in der Küche schieben konnte. Fäsi schreibt kein Wort von einem Handel mit Obst oder Most im 18. Jahrhundert. Über die Bedeutung des Mos tes im bäuerlichen Haushalt gibt ein Bericht aus dem Jahr 1845 Auskunft: «Im algemeinen hält der Thurgauer sehr viel auf das gehörige Einhalten der Ruhezeit um 9 Uhr und 4 Uhr, wo dann leicht bequemen Genuss von Brot und Cyde (Most), der frisch aufs Feld soll gebracht werden, jedesmal drey Viertelstunden und mehr vorüberstreichen, ehe, sey Meister oder Taglöhner, man dran denkt, die oft eilende Arbeit – wie zum Beispiel Heuet, in der erndte – fortzusetzen. Während vor einem halben Jahrhundert noch einem Arbeiter oder Knechte ein Schoppen zum Zwischenbrot genügte, reicht jetzt in manchen Gegenden Thurgaus, eine Maass (etwa 1½ Liter) für die Person bei jeder Mahlzeit kaum hin.» Rechnet man zum Znüni und Zvieri noch das Mittagessen dazu, resultiert ein Mostkonsum von
4 ½ Liter pro Tag. Dass der Most sehr stark mit Wasser verdünnt wurde, dürfte auch aus ökono mischen Gründen geschehen sein.
Die wirtschaftliche Bedeutung Im 19. Jahrhundert bekam der Obstbau zuneh mend Bedeutung. Viele Bauern züchteten eigene Obstsorten. Sie gruben im Wald Wildlinge aus und veredelten diese mit eigenen Sorten. In der thur gauischen Statistik gab es 1859 464 Apfel- und 327 Birnensorten. (Brugger S. 167) Im obstreichen Jahr 1840 wurden ungefähr 200 000 Säcke über den Bodensee verkauft. 1854/55 wurden 55% der thurgauischen Produk tion ausserhalb des Kantons verwertet. Für Mit tellose war es eine begreifliche Versuchung, Obst unter fremden Bäumen aufzulesen. Im Protokoll der Gemeinde Horben vom 3. Herbstmonat 1832 steht geschrieben: «Drittens wurde angenommen, dass bei gesetzlicher Buss verbothen sein solle Morgens vor acht Uhr und Abends nach fünf Uhr Obst aufzulesen, bei einem Sturmwind soll es gänzlich untersagt sein. Dem Eigentümer aber stehe sei es frei unter seine Bäume zu gehen wann er will». Ab dem 1. November durfte jedermann das noch vorhandene Obst auflesen. 1884 war ein Jahr mit durchschnittlichen Obst erträgen und Obstproduzentenpreisen. Für 100 kg Mostobst erhielten die Bauern 10 Fran ken. Laut Lohnerhebungen des Schweizerischen
Die Entwicklung der Landwirtschaft
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Ortsgemeinde
Apfel
Birnen
Kirschen
Zwetschgen
Nuss
in Hausgärten
Eschlikon
1230
1103
44
478
38
160
Wallenwil
431
550
33
218
17
1249
Horben/Hurnen
956
853
45
307
16
2177
2617
2506
122
1003
71
Total
160
Total 3053
6479
Obstbaum-Statistik von 1884
Bauernsekretariates erhielt ein Güterknecht zwi schen 1880 und 1890 einen monatlichen Barlohn von durchschnittlich 24.60 Franken, nebst freiem Zimmer und Verpflegung. In den «Thurgauischen Blättern für Landwirtschaft» von 1888 wurde der Obstbau als einer der ertragreichsten Betriebs zweige bezeichnet. Aus jener Zeit stammt wohl der Spruch «hast du einen Raum, pflanze einen Baum». Der Obsthandel war im 19. Jahrhundert nicht orga nisiert. Auch bestand ein Ausbildungs- und Infor mationsdefizit, ganz besonders im Hinterthurgau. Diesen Mangel versuchten einige initiative Männer zu beheben. Sie gründeten den «Obstbauverein Sir nach und Umgebung». Hauptakteure des Vereins waren – man höre und staune – zwei Lehrer. Emil Eggmann, Lehrer in der Egg, wurde Präsident und der Sirnacher Lehrer Josef Dahinden Aktuar. Nach zehn Jahren löste letzterer seinen Kollegen im Prä sidium ab. Hermann Thalmann vom Than wurde
Hermann Thalmann mit Gattin und Sohn
230
Die Entwicklung der Landwirtschaft
Obstausstellung in der Turnhalle Sirnach im Jahre 1922
Aktuar. Dieser war schon Mitinitiant des Obstbau vereins und ein tüchtiger Obstbauer. Er ging als der «Pomolog Thalmann» in die Geschichte ein. Der Präsident führte den Obsthandel, der Aktuar orga nisierte für die Vereinsmitglieder aus dem ganzen Hinterthurgau viele Kurse, Vorträge und Exkursio nen rund um den Obstbau. 1922 führte der Obstbauverein mit grossem Er folg eine Obstausstellung in der Turnhalle Sirnach durch. Das Obst von über 50 ausstellenden Bau ern wurde von einer Jury, bestehend aus Fachmän nern, beurteilt. Grosser Sieger wurde Hermann Thalmann vom Than.
Er schrieb als Ausstellungsberichterstatter im «Volksblatt vom Hörnli»: « … es war kein Fest, das wir veranstaltet hatten, nein, es war eine belehrende Veranstaltung für den Obstbau, es sollte ein Ansporn sein zur Reduktion der vielen Obstsorten, da es deren viele hat, die nicht anbauwürdig sind und vom Obstmarkt verschwinden sollten. Wenn nun ein jeder Obstbauer seinen Obstgarten durchgeht und die Sorten, die nicht den richtigen Wert haben, mit den empfohlenen gut gehenden Sorten ersetzt, so ist der Hauptzweck unserer Ausstellung erreicht, der Obsthandel würde der Schwierigkeiten, die wir jetzt haben, entbunden und man könnte mit unseren guten, schönen Sorten, die im Tannzapfenland gedeihen, konkurrieren» Der Obstbauverein organisierte in den 20er-Jah ren Baumschnittkurse. Auch hier war Hermann Thalmann der erste Instruktor dieser Kurse. Erste Spritzkurse für Schädlingsbekämpfung wurden durchgeführt, erste Spritzen subventioniert. Die Folge war eine gewaltige Steigerung der Erträge pro Baum.
Ertrag pro Apfelbaum
Ertrag pro Birnbaum
1847/54/55
41 kg
43 kg
1949 – 1968
149 kg
208 kg
Jahre
Die Entwicklung der Landwirtschaft
Nicht bekannt ist mir, wie weit das Alter der Bäume mit einbezogen wurde. Der Verein hatte in den 40er-Jahren gegen 200 Mitglieder. Mein Vater, Adolf Müller, wurde 1928 Aktuar und 1940 zum Präsidenten gewählt. Er erledigte über viele Jahre den gesamten Obsthandel. Zur Illustration entstan den originelle Postkarten, die Missstände darstell ten und Verbesserungen aufzeigten. Dank der guten Preise entstand der sogenannte Streuobstbau. Die Bäume wurden auf dem ganzen Betrieb gepflanzt, auch im Ackerfeld. Bei den da maligen Erntearbeiten, meist noch durch Handar beit, störten die Bäume weniger. Bis zur Obsternte war das Getreide längst geerntet. Das zunehmende Alter der Bäume, die bessere Pflege und die ertragreicheren Sorten führten in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu nehmend zu grossen Überschüssen. Nach dem ersten Weltkrieg versiegte die Möglich keit Mostobst ins Ausland zu exportieren. Dies führte zu einem Gesetz über die Erweiterung des Alkoholmonopols. Dadurch wurde der Preis des Mostobstes dem Markt entzogen, der Bund setzte die Preise fest. Der Überschuss wurde zu Sprit und Schnaps gebrannt und vom Bund übernom men. Mitte des Jahrhunderts wurden die Erträge so hoch, dass die Kapazität der Mostereien nicht ausreichte den Segen der Bäume zu verarbeiten. Oft wurden Lastwagen und Bahnwagen voller Bir nen über Halden oder Bahndämme gekippt, da das Obst nicht mehr verwertet werden konnte.
Der Streuobstbau in Hurnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
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ior»
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Die Entwicklung der Landwirtschaft
Anfangs der 1950er-Jahre führte der Bund Baum fällaktionen durch, um die Mostobst-Überproduk tion einzuschränken. Baumfällergruppen wurden gebildet. Sie fällten den Bauern gratis alte Bäume. 97 000 Hochstamm-Obstbäume fielen dieser Ak tion im Thurgau zwischen 1950 und 1960 zum Op fer, vor allem Birnbäume.
Ackerbau Ackerbau und Obstbau vertrugen sich. Aufnahme 1940 mit Adolf Müller senior und junior.
Adolf Müller mit seinen vier Buben beim Aufräumen von drei riesigen Birn- und zwei Apfelbäumen in der Hauswiese hinter der Scheune. Diese Arbeit wurde ohne Motorsäge erledigt. Dafür blieb uns Buben das Birnenauflesen erspart.
Bis weit ins 19. Jahrhundert bestand die Dreifel derwirtschaft, so auch in Wallenwil, wo die drei Zelgen ausgewiesen sind. In Hurnen und den Wei lern sind keine Hinweise auf die Dreifelderwirt schaft zu finden. Für einen Bauern ist es interessant festzustel len, dass frühere Generationen genau wussten, wo Ackerbau möglich war. Ich versuchte selber, eine «Wiese» ackerbaulich zu nutzen, musste die sen wieder aufgegeben. Mit den früheren Acker geräten konnten gewisse Parzellen gar nicht be arbeitet werden. Heute ist in der Bewirtschaftung dank neuer Ackerbearbeitungsgeräte und starken Traktoren (beinahe) alles möglich. Sogar im Grund buch wurde das Kulturland in Acker- und Wiesland unterschieden. Im neuen Kanton Thurgau bemühten sich neben der Regierung einzelne verdiente Männer, vor allem aus dem Thurthal, um die Entwicklung der Land wirtschaft. Ein flächendeckender Erfolg blieb in
Die Entwicklung der Landwirtschaft
den ersten Jahrzehnten aus. Dies betrifft beson ders den Hinterthurgau. Es scheint, dass die Ak tivitäten, die in der Literatur beschrieben sind, an Hurnen und Umgebung vorbei gegangen sind. Der Hauptgrund dürfte in der florierenden textilen Hei mindustrie zu finden sein. Noch 1866 hatte von 16 Familien in Hurnen nur eine Familie drei Kühe. Um 1820 besass Jakob Walder, der Bruder des Arztes Adam Walder, ein Pferd auf dem Hof, das der Arzt vor allem auch als Transportmittel für den Besuch bei seinen Patien ten einsetzte. Später schaffte erst mein Ur-Gross vater Johannes Müller 1892 ein Pferd an. In den Krisenjahren des ersten Viertels des 19. Jahrhunderts begann der Trend zu grösseren Be trieben. Die einen verkauften freiwillig oder aus fi nanziellen Gründen einzelne Parzellen Kulturland, mit denen andere ihre Betriebe vergrösserten. Zu dem kam es zu mehreren Konkursen. Die grössten Betriebe erreichten ca. 7 Hektaren. Die nächste Generation teilte sie dann wieder. Oft fehlte ein familieneigener Nachfolger, und so wurde der Betrieb auf einer Gant wieder zerstückelt. Den
Verkauf eines Betriebes mit dem dazu gehören den Kulturland und Wald gab es in dieser Periode selten. Die Ackerfläche betrug im Thurgau noch 1850 60% des Kulturlandes. Zum Vergleich: 1930 waren es noch 10% und 1945 trotz Krieg und Plan Wahlen nur 30%. Der Milchpreis lag 1851 – 1860 bei etwa 8 Rappen, 1881 – 1890 bei 12 Rappen. Der Getrei depreis sank in der gleichen Zeit von 33 Franken auf 24 Franken. In Hurnen waren zum Teil die An teile an Ackerland noch etwas höher. Da dieser An teil 60% oder mehr ausmachte, musste mehr als für die Selbstversorgung produziert worden sein. Leider fehlen Unterlagen über die Vermarktung von Getreide, Kartoffeln oder Ölfrüchte. Es gab beinahe an jedem Fluss oder Bach Getreidemühlen, so in Sirnach, Wies, Tannegg, Schurten, Maischhausen etc. In Horben ist eine Windmühle urkundlich er wähnt, in Sirnach eine Ölpresse, wo Ölfrüchte ge presst wurden. Märkte gab es in Fischingen und Wil. Die technische Entwicklung lässt sich am bes ten im Ackerbau demonstrieren.
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234
Die Entwicklung der Landwirtschaft
Der Pflug des 19. Jahrhunderts konnte nicht gewendet werden.
Otto Kocherhans, Than, mit dem Selbsthalter-Pflug auf einem Pachtbetrieb im Kanton Zürich.
Adolf junior und senior mit Kurt. Das «Vielfachgerät» bestand aus einem Grundrahmen. Daran konnten verschiedene Geräte zur Pflege von Getreidesaaten und Hackfrüchten, zur Pflanzung, Pflege und Ernte der Kartoffeln montiert werden,
Kurt Müller beim Striegeln von Winterweizen. Die Unkrautbekämpfung war noch in jeder Hinsicht biologisch, vor der Erfindung der selektiven Spritzmittel. Mit Striegeln und Hacken erreichten die Landwirte damals ein beinahe unkrautfreies Getreidefeld.
Die Entwicklung der Landwirtschaft
235
Entwicklung der Getreideernte Es gab zwei Techniken beim Getreidemähen von Hand: 1. Das Mähen vom stehenden Getreide weg. So konnte einer oder mehrere Mäder eine ganze Parzelle ohne Hilfskräfte (Frauen) mähen. 2. Das Mähen gegen das stehende Getreide. Hier mussten die Helfer(innen) mit dem Mäder aufs Feld und die gemähte Mad zu «Hüfeli auf nehmen». Diese Technik stellte an das Können des Mäders geringere Ansprüche, benötigte aber eine spezielle Sense. Mit ein paar Stroh halmen wurden die Hüfeli zusammengebunden. Die Hüfeli wurden zu Puppen aufgestellt. Das Kurzspritzen war noch lange kein Thema. Roggen wurde auch wegen des Strohertrags angepflanzt. Meine Eltern und Grosseltern. Auf dem weissen Tuch der 6 Monate alte Bruder Adolf. Babysitter zu Hause gab es nicht. Aufnahme Sommer 1937. Ein Mäder mit der speziellen Sense
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Die Entwicklung der Landwirtschaft
Eine sehr grosse Erleichterung war die Mähmaschine, mit der man auch das Getreide mähen konnte. Mit dem «Ableger» wurde das ge mähte Getreide zu «Hüfeli abgelegt». Dazu wurde ein Beifahrer auf dem «Soziussitz» notwendig. Egal bei welcher Mähtechnik, das Ge treide wurde vor der Dreschreife gemäht. Körnerverluste konnten da mit während den Manipulationen des Getreides vermieden werden. Die nicht gebundenen Hüfeli wurden an Stacheldraht Zäune aufge stellt. Der Stacheldraht verhinderte das zur Seite Rutschen des Ge treides. Das Erstellen und Abbrechen der Stacheldraht-Zäune war für zwei Männer eine zeitraubende Arbeit. Auch ein Sturm durfte die Zäune nicht umlegen. Wenn das Getreide trocken und die Kör ner hart waren, erfolgte das «Alegge». Immer drei Hüfeli wurden auf einen Garbenbändel gelegt und zusammengebunden. Da die «Hüfeli» direkt hinter dem Mähbalken abgelegt wurden, waren mindestens fünf Helfer/innen notwendig, die den Weg für die nächste Durchfahrt frei machten. Das Erstellen und Abbrechen der Stacheldraht-Zäune – eine mühsame und zeitraubende Arbeit
Das Umwinden des einen Endes um die Holzklötze ging schnell. Beim Dreschen konnten sie problemlos wieder geöffnet werden.
Die Entwicklung der Landwirtschaft
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Ein Quantensprung war die Erfindung des Bindemähers. Dieser erledigte die erwähnten Arbeiten in einem Arbeitsgang.
Ein fertiges Puppenfeld. Auch solche Bilder gehören der Vergangenheit an.
Das Erstellen der Stacheldraht-Zäune entfiel. Die gebundenen Hüfeli wurden zu Puppen geformt. Drei Generationen. Adolf und Louise Müller, Adolf junior mit Lotti und Tochter Silvia
Das Getreide wurde nach einigen sonnigen Tagen direkt von den Puppen aufgeladen. Auf den perfekt geladenen Fudern Max und Kurt Müller. Unten ihre Eltern, rechts der oft als Erntehelfer eingesprungene Xaver Waldispühl.
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Die Entwicklung der Landwirtschaft
Entwicklung beim Dreschen
Mit dem Flegel wurden die Körner aus den Ähren geschlagen. Mit den grossen Gabeln wurden die Körner aus dem Stroh geschüttet. Dies geschah meistens – aus Platzmangel in den Scheunen – unter dem Dach des Wohnhauses. Daher kommt der Name «Schütti».
Die ersten Dreschmaschinen funktionierten alle nach dem gleichen Prinzip. Das Getreide musste von Hand in die Öffnung links geschoben werden. Die mit grosser Geschwindigkeit rotierende Trommel, mit spitzen Zacken, dreschen die Körner aus den Ähren. Diese Dreschmaschinen waren schon vor der elektrischen Enegie im Gebrauch. Sie wurden durch den Göppel angetrieben.
Die Spreu wurde mit der Putzmaschine, Windfege oder Röndle gereinigt. Mit der Handkurbel wurde mit dem grossen Schwungrad, unten im Kanal ein starker Wind stoss erzeugt, der die Spreu von den Körnern trennte. Später übernahm auch hier der Elektromotor diese Arbeit.
Die Entwicklung der Landwirtschaft
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Entwicklung beim Dreschen
Geladene Bundessäcke mit Adolf Müller, seinen drei Söhnen und Knecht Paul Egli.
Das Brotgetreide musste in Bundessäcken auf 100 kg tariert werden. Das Getreide wurde vom Bund in den Bahnstationen übernommen und in Eisenbahnwagen verladen. Die Lieferung jedes Produzenten wurde nach strengen Qualitätsmass stäben kontrolliert. Waren die Körner zu feucht,
Lohnunternehmer zogen später im Herbst von Hof zu Hof und dreschten den Bauern ihr Getreide. Auch bei dieser Arbeit war gegenseitige Hilfe unter Nachbarn üblich.
drohte sogar die Zurückweisung ganzer Lieferun gen. Jeder Sack musste mit einer Etikette des Pro duzenten gekennzeichnet sein. Zurückverfolgung des Produktes bis zum Produzenten ist keine Er findung des 21. Jahrhunderts.
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Der Göppel mit dem Über setzungsgetriebe
Die Entwicklung der Landwirtschaft
Der Göppel, das Antriebs aggregat vor der Elektrizität Schon vor der Erfindung der elektrischen Energie wurden Einrichtungen erfunden, die eine Antriebs kraft brauchten. Wasser und Wind waren bekannt für Mühlen und Sägereien. Für die kleineren Ma schinen des Getreidebaus (für das Strohschnei den, Pumpen etc.) wurde der Göppel entwickelt.
Vorführung eines Göppels in Tänikon
Antrieb verschiedener Maschinen über den Transmissions riemen
Er bestand aus einem Übersetzungsgetriebe, an dem ein oder zwei ca. drei bis vier Meter lange Stangen befestigt waren. An deren Ende wurden ein oder zwei Zugtiere eingespannt, die – sofern nö tig – stundenlang ihre Runden drehten. Von diesem Getriebe führte eine Kurbelwelle zu einer weiteren Übersetzung. Über die Transmission des Betrie bes konnten verschiedene Maschinen angetrie ben werden. Es gab auch Modelle bei denen die Kurbelwelle nach oben führte. Auf unserem Betrieb hat mein Ur-Grossvater Johannes Müller um 1890 einen Göppel angeschafft. Mein Vater führte mit dem nicht ortsgebundenen Gerät Lohnarbeiten bei Nachbarn aus. Er sei bis gegen 1930 im Hunzen berg dreschen gegangen. Einen Führer brauch ten damals die an diese Arbeit gewohnten Pferde nicht.
Die Entwicklung der Landwirtschaft
Gründung einer Sennerei-Gesellschaft Riethof 1865 Bau einer Sennhütte Im gleichen Zeitraum mit dem Zusammenbruch der Getreidepreise kam das Ende der Heimwebe rei. Die Landwirtschaft passte sich an und stellte auf Milchwirtschaft um. Am 27. Februar 1865 versammelten sich auf Ini tiative von Johann Müller, Riethof, die Bauern von Hurnen, Than, Eschlikon, Horben und Wallenwil im Restaurant Löwen in Eschlikon. Das Traktan dum war der Bau einer Sennhütte im Riethof. Es wurde beschlossen mit dem Bau sofort zu begin nen. Sie erhielten vom Bezirksamt eine Busse von 25 Franken, weil sie vergessen oder sich die Zeit nicht genommen hatten, die Profile aufzustellen. Für die Finanzierung konnten Aktien zu 100 Fran ken gezeichnet werden. Alle Bauern waren für eine Sennerei, doch Aktien wurden nur für einen Teil der Baukosten gezeichnet, den Rest zahlte der In itiant Johann Müller, Riethof. Eine Liste der Aktio näre wurde nicht protokolliert. Ein Zins wurde nie ausbezahlt. Die Milch wurde dem Senn Zürcher für 9 Rappen pro Liter verkauft. Am 1. Mai 1865 wurde erstmals Milch angenom men, 32 Tage nach dem Baubeschluss! Es war ver mutlich die grösste Umstellung in der Landwirt schaft, die in ein bis zwei Jahrzehnten bewältigt werden musste. Rindviehzucht auf Milchleistung gab es in Hurnen bisher nicht. Spezielle Kenntnisse
Inserat im «Volksblatt vom Hörnli»
in der Fütterung und Betreuung von Milchvieh wa ren kaum vorhanden. Wenn schon, waren die Hurner vor allem für die Selbstversorgung Acker bauern. Die Bauernfamilien verdienten in der Heim weberei gut, die ganze Familie konnte dazu beitra gen. Das Inserat zeigt die damalige Situation in der Landwirtschaft. Die Bauern mussten verpflichtet werden die Milch abzuliefern. Neben dem Zukauf von Kühen mussten Ställe umgebaut oder Neubau ten erstellt werden. Mein Ur-Ur-Grossvater Hein rich Müller baute 1873 eine neue Scheune für 8 Kühe und Jungvieh.
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Die Entwicklung der Landwirtschaft
eine sogenannte AG der Aktionäre. In der Krise der 30er-Jahre zahlte die AG einige Male einen Bei trag von 100 Franken an die Käsereireise. Zweimal stellten die Milchproduzenten ein Gesuch an die AG, vom Hüttenzins des Käsers einen Beitrag an die Milchlieferanten zu zahlen.
Die erste Sennhütte von 1865, angebaut an die kurz zuvor erstellte Scheune des Initianten Johannes Müller im Riethof. Rechts befindet sich – noch knapp sichtbar – der Schweinestall der Familie Müller, den der Käser pachtete. Die Treppe zur Wohnung befand sich noch im Innern des Gebäudes.
Die Landwirtschaft war über Jahrhunderte in ihrer Entwicklung stehen geblieben. Ein Grund war in der Ostschweiz vor allem die Verdienstmöglichkeit in der Heimweberei. Im ersten Viertel des 19. Jahr hunderts begann der Trend zu grösseren Betrieben. Die einen verkauften freiwillig oder aus finanziel len Gründe einzelne Parzellen Kulturland, mit de nen andere ihre Betriebe vergrösserten. Dazu kam es zu mehreren Konkursen. Die damals von den Mitgründern gekauften Ak tien hatten zum Teil ihre Besitzer gewechselt. Nicht alle Lieferanten waren auch Aktionäre. Es gab eine Gesellschaft der Milchlieferanten und
Im Jahr 1933 fanden sie Gehör. Die AG zahlte 20 Rappen pro 100 Kilo gelieferter Milch. Im folgen den Jahr steht im Protokoll: «Aus der Mitte der Versammlung wird der Wunsch geäussert, die Aktionäre möchten ihrerseits den Zuschuss von 0,2 Rappen per Kilo auch wieder leisten. Die Aktionäre scheinen diesbezüglich sehr schwerhörig zu sein und lehnen stillschweigend ab.» Daraus muss ge schlossen werden, dass die meisten Milchlieferan ten keine Aktionäre mehr waren. Von dieser AG, die nie eine wirkliche AG war, gibt es weder Versammlungs Protokolle, Rechnungen noch irgendwelche Akten, obwohl der Hüttenzins des Käsers und die Miete der Wohnung an diese AG bezahlt wurden. Auch sind keine Rechnungen über Gebäudekosten, Steuern, Unterhalt, Versi cherungen etc. vorhanden. Keine Unterlagen ha ben das 20. Jahrhundert überlebt. Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung des Viehbestands. Gemäss der Zahl der gehaltenen Kühe konnte die gelieferte Milchmenge 1866 in Hurnen nicht sehr gross gewesen sein. Bestimmt sahen auch nicht alle Hofbesitzer auf Grund der Grösse ihrer Betriebe und deren Infrastruktur eine Zukunft in der Milchwirtschaft.
Die Entwicklung der Landwirtschaft
243
Entwicklung des Viehbestandes der Hurner Bauern im 19. Jahrhundert (O = Ochsen, K = Kühe, R = Rinder, St = Stier, Z = Ziege, S = Schwein, P = Pferd, Sch = Schaf) Nr.
Betrieb
1822
1839
1851
1866
11
Witwe des Adam Walder
2 K, 1 R
2 K, 1 R
1 K, 1 Z
1K
10
Johann Walder
2 O, 1K, 1 P*
1 K, 1 R
2 K,
2K
9
Georg Jucker
1 K, 1 R
1 K, 1 R, 1 St
1 O, 2 K, 1 Z
3K
22/23 Johann Müller Vater
1K
Johann Müller ist der Vater der folgenden drei Müller, er behielt eine Kuh auf dem Hof von Sohn Ulrich 3
Heinrich Müller
1K
2 K, 1 R
2 K, 1 R
1 K, 2 O
2
Johannes Müller
2 O, 2 K, 1 R, 2 S
2K
1 K, 2 Sch
2 K, 1 O
1 K, 1 R
1 K, 1 R
2Z
?
2K
?
1 K, 1 Z
1 K, 1 R
22/23 Ulrich Müller 1
Johannes Walder
4
Kaspar Bürgi
26
Gebrüder Schüepp
22/23 Jakob Buchegger 16
Josef Brühwiler
17
Witwe Brühwiler
15
Jakob Walder
19
Heinrich Fehr
1 K, 1 Z 1K 1K
2K
1 K, 1 R
1Z 1K
1Z 2 O, 2 K
1 O, 1 K
1 K, 1 St, 1 R 1K
1K
2K 1K
244
Die Entwicklung der Landwirtschaft
Die erste und vierte Seite der Statuten der Sennerei Riethof von 1887
Das Sennerei Gebäude nach dem Anbau von 1885. Rechts der Schweinestall der vom Käser während allen Jahren von der Familie Müller gemietet werden konnte. Wegen Platzmangel im Innern des Gebäudes wurde der Aufgang zur Wohnung nach aussen verlegt.
Die Entwicklung der Landwirtschaft
1869 waren nur 14 Lieferanten, inkl. Eschlikon, Wallenwil und Horben/Egg, eingeschrieben. Viele Bauern hatten immer noch nur eine Kuh, die sie vor allem zum Fuhrwerken brauchten, dazu oft eine grosse Familie, so dass kaum Milch für die Senne rei übrigblieb. 1885 wurde die Sennerei durch einen Anbau nach Süden erweitert. In diesem Anbau wurden die «Gebsen» mit der Abendmilch über Nacht ge lagert. Im gleichen Jahr geriet der Milchkäufer Portmann in Konkurs. Da auch sein Bürge aus Lu zern zahlungsunfähig war, entstand für die Bauern ein Verlust von 5027 Franken. Zwei Jahre später entschied das Luzerner Kriminalgericht, dass der Bürge Aregger der Sennerei Riethof noch 3100 Franken zahlen musste. Die Milch wurde im 19. Jahrhundert im Riethof nicht zu Käse verarbeitet, sondern als Konsummilch nach Winterthur oder Schaffhausen transportiert. 1880 unterschrieben 30 Milchproduzenten aus der Gemeinde Horben, (ohne die Gemeindeteile Egg und Horben) Wallen wil und Vogelsang, den Milchkaufvertrag. Eschli kon war bereits nicht mehr dabei. Das Ende des Jahrhunderts war gekennzeichnet durch einen ständigen Wechsel des Milchkäufers. Schon vor 1900 stieg die Milchproduktion stark an, so dass es bereits zu Absatzproblemen kam. 1906 wurde ein Teil der Milch nach Schaffhausen geliefert. Den Rest verarbeitete Käser Portmann im Riethof zu Käse.
Die Anzahl der Kühe stieg erst im letzten Vier tel des 19. Jahrhunderts langsam an. Die Umstel lung auf Milchwirtschaft konnte nicht mit Knopf druck geschehen. Die Milchkühe mussten zuerst produziert werden. Um viele Kühe kaufen zu kön nen, fehlten das Geld und bei den meisten auch die Ställe. Meine Vorfahren bauten erst 1873 eine neue Scheune an der Strasse nach Eschlikon. Die Umstellung kostete Geld und dies im gleichen Zeitraum, als die Heimweberei zusammenbrach. Im Protokoll der Schulgemeinde Egg steht nach dem ersten Anbau des Schulhauses 1871: «Es schickt sich nicht in dieser schweren Zeit eine Einweihungsfeier durchzuführen.» So tauchte zum Glück für die Kleinbauern die Heim stickerei als neuer Nebenverdienst auf, die für viele weit mehr als nur ein Nebenverdienst wurde. Den gleichzeitigen Ausbau von Viehställen und den Ankauf von Handstickapparaten mit der Errichtung von Räumlichkeiten schafften nicht alle Familien gleich gut und vor allem nicht gleich schnell. Viele dachten, es sei besser, die weitere Entwicklung zu beobachten. Die Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 30er-Jahre war in der Landwirtschaft spürbar. In den Jahren 1935/36 betrug der Milchpreis 18 Rappen und stieg bis Ende 1945 wieder auf 34,5 Rappen.
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Die Entwicklung der Landwirtschaft
Güterarrondierung 1925 bis 1928 In verschiedenen Abschnitten dieser Arbeit ist von der gewaltigen Zerstückelung des Kulturlandes in Parzellen bis zu ½ Vierling die Rede. Wie beim Hof Eichholz aufgezeigt wird, wurden bei Erbteilun gen vor allem die einzelnen Ackerparzellen längs oder quer geteilt. Dies geschah wegen der unter schiedlichen Qualität des Bodens und der Lage der Parzellen. Das war damals, als ohnehin fast alles Handarbeit war, auch nicht derart entscheidend. Durch den Zukauf von Nachbarparzellen konnte die Zerstückelung wieder ein wenig korrigiert werden, um sie bei der nächsten Gant oder Erbteilung wie der zunichte zu machen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen immer mehr Geräte und Maschinen für den Ackerbau und das Wiesland auf den Markt. Sie wurden vermehrt von Pferden gezogen. Die Zerstückelung der Par zellen wurde ein immer grösseres Hindernis für die Bewirtschaftung. Viele Parzellen waren nicht durch Feldwege erschlossen und mussten durch Fahrrechte über Nachbar-Parzellen bewirtschaf tet werden. Die drei Gemeinden Horben, Wallenwil und Wie zikon beschlossen eine Arrondierung durchzu führen. Diese Arrondierung war noch mehr oder weniger freiwillig. Wenn ein Landbesitzer sich wei gerte, eine ihm lieb gewordene Parzelle zu tau schen, konnte er nicht gezwungen werden diese
abzugeben. Die Parzellierung nach der Arrondie rung war nicht so optimal, wie man dies später hätte erwarten können. Ein grosser Fortschritt war es damals trotzdem. Die Neuzuteilung zeigt, wie klein die meisten Be triebe damals in Hurnen noch waren. Dies gibt auch den historischen Kommentaren recht, die sagen, dass dank der guten Verdienstmöglichkei ten der Heimweberei und anschliessend der Heim stickerei die Landwirtschaft in den meisten Fami lien vernachlässigt wurde. Eine Entwicklung der Landwirtschaft war über Jahrhunderte kaum fest stellbar. Eine technische Entwicklung begann zag haft im 19. Jahrhundert.
Die Entwicklung der Landwirtschaft
Die Parzellierung vor der GĂźterarrondierung 1925/1928
Die Parzellierung nach der Arrondierung 1928
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Die Entwicklung der Landwirtschaft
Grösse der Betriebe nach der Güterarrondierung 1928 Gottlieb Müller
gelb
Albert Walder
hellgrün
1044.55 Aren 878.25 Aren
Paul Müller Riethof
803. 92 Aren
Hermann Thalmann Than (Hasler)
798.95 Aren
Hans Müller Riethof
780.38 Aren
Josef Götte Than
582.34 Aren
Heinrich Meili
dunkelgrün
541.17 Aren
Johann Hardegger Landhaus
orange
402.96 Aren
Albert Weibel (Manser)
rosarot
392.50 Aren
Gebr. Felix
dunkelblau
356.42 Aren
Ulrich Fauster (Kocherhans) Than
261.55 Aren
Gottfried Zbinden
hellblau
234.97 Aren
G. Sollberger
braun
265.00 Aren
Georg Hubmann (Waldispühl)
rot
260.00 Aren
Samuel Walder
gelb mit Gitter
210.00 Aren
Bemerkenswert ist nicht nur die Grösse, resp. die Kleinheit der Betriebe, sondern auch die Tatsache, dass die neun Bauern in Hurnen wenig Land direkt um den Hof besassen. Alle Betriebe hatten ihr Do mizil noch im Dorf. Einzelne hatten mehr Kinder im Haus als Kühe im Stall.
Die überbetriebliche Zusammenarbeit in Hurnen Die überbetriebliche Zusammenarbeit funktio nierte in Hurnen sehr gut. Mein Grossvater hatte seit 1892 ein Pferd, und ab 1922 zwei Pferde. Die kleinen Betriebe hatten noch keine Zugmaschinen, sie liehen ein Pferd aus oder liessen die Zugarbeit von meinem Vater mit den Pferden verrichten. Vor allem mit Zbindens war diese Zusammenarbeit in der Heu- und Emdernte über Jahrzehnte sehr eng. Gottfried und später Werner halfen uns, danach wir ihnen, auch mit Pferd und Wagen beim Einführen von Heu und Emd. Solidarität war gefragt, nicht im mer konnte das Heu von beiden vor einem Gewit ter eingebracht werden.
Die Entwicklung der Landwirtschaft
Laut Vaters Kassabuch aus den Zwanziger- bis Vierziger-Jahren und mündlichen Überlieferungen hatte er für die Nachbarn in Hurnen und teilweise der Umgebung während Jahrzehnten viele tägli che Arbeiten, vor allem mit den Pferden, im Lohn ausgeführt. Nur noch der Betrieb Walder hatte ein Pferd. Der zweite Weltkrieg war für die Landwirtschaft eine enorme Herausforderung für die Bewältigung der Arbeiten, insbesondere für die Frauen der wehrpflichtigen Männer. Die Anbaupflicht durch den Plan Wahlen stellte die Kleinbauern in Hurnen vor grosse Probleme. Kurze Notiz dazu aus den Akten des Ackerbau-Stel lenleiters der Gemeinde Eschlikon. «Die unterzeichneten Grundstückbesitzer und Pächter einzelner Landstücke werden verpflichtet, das ihnen zur Verfügung stehende Land für die Selbstversorgung von Kartoffeln und Gemüse äusserst vorteilhaft zu bewirtschaften. Rasen und Blumenanlagen müssen auf ein Minimum eingeschränkt werden.» Diese Verpflichtung unterschrieben 113 Einwoh ner der Ortsgemeinde Eschlikon. Die Bauern hat ten sich so sehr an den Ackerbau gewöhnt, dass er noch viele Jahre danach zur Tradition wurde. Nach einer eidgenössischen Anbauerhebung im Jahre 1950 gab es in der Gemeinde Eschlikon noch 31 Getreideproduzenten. Der kleinste produzierte 5 Aren Dinkel. Der grösste, Jakob Weibel, Ziegelei, 222 Aren. Franz Messerli im Oberdorf zum Beispiel
baute 1950 20 Aren Winterroggen, 10 Aren Win terweizen, 10 Aren Sommerweizen, 10 Aren Din kel (Korn) und 5 Aren Hafer an. Von der Munizipalgemeinde erhielt im November 1939 jeder Pferdebesitzer ein Schreiben. Davon ein Auszug: 1. Jeder Pferdebesitzer hat sich bei einem erneuten Mobilmachungsbefehl – oder auch nur bei einem persönlichen Aufgebot – zur Vorführung mit einem Pferd pünktlich an dem bezeichneten Standort einzufinden. 2. Die An- und Abmeldevorschriften sind strikte zu beachten. Jede Änderung im Bestand der Pferde ist innert 48 Stunden zu melden. 3. Bezüglich Vorführung der Pferde gelten in Zukunft folgende Vorschriften: a. Kein Pferd darf mehr vorgeführt werden, dessen Hufbrand nicht deutlich lesbar ist. b. Jedes Pferd muss ab heute mit anstandslosem Winterhufbeschlag vorgeführt werden. Der Pferdestellungsoffizier wird fehlbare direkt und in verschärftem Masse bestrafen. c. Ferner ist jedes Pferd mit einwandfreier Halfter, einer zweckdienlichen Decke und mit Gurte zu versehen. Dazu kamen noch detaillierte Vorschriften über den Handel mit Pferden. Nichtbeachtung dieser Vorschriften wird mit Busse von 100 bis 10 000 Franken, eventuell verbunden mit Gefängnis bis zu 6 Monaten, bestraft. Die strikte Einhaltung die ser Vorschriften liegt im Interesse jedes einzelnen Pferdebesitzers.
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Maschinenkorporation Hurnen
Die zweite 11-scharige Sämaschine Aebi Kurt Müller mit der ersten Baumspritze beim Düngen der Bäume
Ein Gründungsdatum oder Statuten gibt es nicht. Im Protokoll der Käsereigesellschaft Riethof wird am 4. Februar 1946 erwähnt, dass die Repara tur der Ackerwalze 160 Franken koste. Es wird über die Anschaffung einer eigenen Sämaschine diskutiert. Am 22. Februar kauft die Gesellschaft eine 9- Scharige für 1150 Franken. Die Kosten werden auf die Mitglieder, pro ha, verteilt. Als Ma schinenführer werden Ernst Thalmann und Ernst Meili bestimmt. Am 21. Januar 1950 wird eine Ver sammlung der inzwischen gegründeten Maschi nenkorporation Hurnen protokolliert. Erster Prä sident wird Adolf Müller. Für 4000 Franken wird eine Baum- und Kartoffel motorspritze System «Birchmeier» angeschafft. An deren Vorführung im Eichholz kann ich mich – auf dem Heimweg von der Schule – erinnern. Ein Schulkollege meinte: «Die händ meh Druck als d`Füürwehr.» Als Spritzenmeister wird Paul Müller Riethof bestimmt. 1957 erfolgte, als sehr grosse Erleichterung der Getreideernte, die Anschaffung eines Bindemähers für 5500 Franken. Für die Bedienung und Wartung der Maschine wurden Werner Zbinden und Otto Ko cherhans Than bestimmt. Der thurg. Milchprodu zentenverband zahlte, zur Eindämmung der Milch produktion, einen Beitrag.
Die Entwicklung der Landwirtschaft
Der Maschinenpark umfasste 1965 folgende Ma schinen: Sämaschine Äbi, Glattwalze, Ringelwalze, Kleekarren, Baumspritze und Bindemäher. Die Sä maschine wurde 1970 von 21 Landwirten zwi schen Wiezikon, Hurnen und Holzmannshaus be nutzt, der Bindemäher von 7 Getreideproduzenten. Neuanschaffungen wurden sehr zurückhaltend ge tätigt. 1980 war der Maschinenpark mit 6 Fran ken im Erzeig. Als grössere Anschaffungen wur den 1981 eine Campridgewalze für 2000 Franken und 1985 eine neue Sämaschine Hassia für 5800 Franken gekauft. Durch das neu gegründete Lohnunternehmen Jo hannes Berweger im Than wurde die Maschinen korporation überflüssig. Einzig ein Kuhlift für Kühe, die nicht mehr allein aufstehen konnten, wurde noch angeschafft.
Kurt Müller und Heinz Meili
Viehassekuranz Vor der Gründung einer Viehversicherung über nahm die Gemeinde die Verwertung von Kühen, die durch Krankheit oder Unfall auf dem Hof ge schlachtet werden mussten. An der ersten Jahres gemeinde am 28. Hornung 1817 wurde im ers ten Traktandum beschlossen, dass jedes Tier, das geschlachtet werden müsse, von der Ortskom mission geschätzt werde. Der Schaden zwischen Schatzung und Erlös werde zur Hälfte von der Ge meinde übernommen. Dieser Beschluss wird ein
Jahr später abgeändert. Die Gemeinde übernimmt in Zukunft drei Klauen des Schadens (¾). Protokollauszug Seite 9 des ersten Protokollbuches: «Das 2te der Gemeinde angefallen Stuck Vieh. Nahmlich ein Stier von Johannes Hollenstein im Eichholz. Die Schatzung und Anschlag 44 Gulden. Die Haut des Hs. Adam Müller Metzger auf der Egg für 10 Gulden. Das Fleisch ist am Gewicht 248 Pfund. Das Pfund an 6 Kreuzer bringt 24 Gulden
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48 Kreuzer (1 Gu=60 Kr.) Der Verlust ist also noch 9 Gulden 12 Kreuzer, daran bleibt Hollenstein schuldig 2 Gulden 18 Kreuzer. Das übrige samt den Kösten müssen die Vieh Besitzer gut machen. Im ganzen 39 Stuck Vieh, auf jedes Stuck Vieh noch 14 Kreuzer zu bezahlen. Den 2ten Christmonat 1818» Am 12. Mai 1900 wurde das Gesetz über die obli gatorische Viehversicherung erlassen. Schon zuvor gab es freiwillige Kassen. Für Hurnen fehlen Pro tokolle. Es muss aber noch 1900 eine Viehversi cherung Horben-Wiezikon gegründet worden sein, denn schon am 15. Januar 1901 beginnt das Kas sabuch dieser Korporation, mit dem ersten Ein trag: Barschaft der letzten Rechnung 3.25 Fran ken. Gemäss dem ersten Eintrag am 6. Mai 1900 hielten die Bauern 228 Stück Vieh. Ab 1903 er hielt die Korporation einen Staatsbeitrag von ca. 500 Franken. Schon 1908 kam es zur Trennung von Wiezikon und der Gemeinde Horben. Ab 1913 existierte eine Zuchtstierkorporation. Der Zuchtstierhalter wurde bestimmt und mit 540 bis 800 Franken entschä digt. Viele Jahre war dies Paul Müller im Riethof. 1932 kam es zur Wiedervereinigung der beiden Korporationen. Die Viehversicherung funktionierte wie folgt: · Die Bauern wählten den Vorstand von drei bis fünf Männern. Diese hatten folgende Aufgaben:
· Zweimal im Jahr musste der Viehbestand ge zählt werden. 1 Kuh = 1 Haupt, Jungvieh je nach Alter ½ oder ¼ Haupt. · Festsetzung des Beitrages pro Haupt und je nach Anzahl Schadenfälle, Anzahl der Ein züge im Jahr. · Schatzung der von den Bauern gemeldeten Tiere. · Die noch lebenden Tiere wurden nach Mög lichkeit einem Metzger verkauft. Die Dif ferenz zwischen Schatzung und Schlacht erlös wurde von den Einzügen pro Haupt beglichen. · Auch durch «Völlne» eingegangene Tiere wur den übernommen, wenn das Blut noch aus gelaufen war, was nicht mehr immer möglich war. Dieses Fleisch musste dann mehrmals «gewässert» werden! Die nicht mehr ver wertbaren Tiere wurden dem Besitzer für den Betrag der Schatzung minus 10 bis 20% vergütet. · In jedem Fall musste der Tierarzt eine Fleisch schau durchführen. Ein runder Stempel be deutete, dass das Fleisch in den Handel ge bracht werden darf. Ein dreieckiger Stempel bedeutete, dass das Fleisch nur unter den Bauern verteilt werden darf! Wie die Verteilung des Fleisches an die Bauern or ganisiert war, schildert Albert Wartenweiler vom Fliegenast, geb. 1927, in den Egger Nachrichten Nr. 12 von 1988, wo er Erinnerungen über alte Menschen und Familien der Gemeinde Horben niederschrieb.
Die Entwicklung der Landwirtschaft
«An den Vater von Adolf Müller in Hurnen erinnere ich mich immer wieder. Gottlieb Müller führte die Kasse der Viehassekurranz. Alle Landwirte von Horben waren verpflichtet, je nach Grösse ihres Viehbestandes bei Notschlachtungen von Kühen oder Rindern Assekuranzfleisch zu beziehen. Bernhard Ackermann, Metzgermeister aus Eschlikon, führte damals die Notschlachtungen der kranken oder verletzten Tiere zumeist in den Scheunen der betreffenden Landwirte durch. Nach den Ergebnissen der Viehzählung erfolgte nun die mengenmässige Zuteilung. Jede Fleischportion wurde nun bezeichnet und säuberlich auf einer mit weissen Leintüchern abgedeckten Heuwagenbrücke angeordnet (auch bei warmem Wetter). In der Nähe des improvisierten Fleischladens hatte sich nun der Kassier Gottlieb Müller postiert. Auf seinem Zahltisch lag das Verzeichnis aller Bauern mit der notierten Zuteilungsmenge, daneben zwei weisse Suppenteller mit Wechselgeld. ‹Was er heute nur wieder im Schilde führt?› dachte ich mir, wenn ich das Geld für unsere 4 ½ ‹Hop› Vieh heraus klaubte. Ohne eine knifflige Rechenaufgabe lief die Begegnung mit dem Assekuranz-Kassier nie ab. Das eine Mal prüfte Gottlieb Müller, ob ich das herausgegebene Geld auch richtig nachgeprüft habe, oder er stellt spontan im Zusammenhang mit den Münzen und Noten in den Suppentellern seine obligate Rechenaufgabe. Wie bestaunte ich diesen geschickten Mann; wenn nur diese kniffligen und überraschenden Rechenaufgaben nicht gewesen wären.»
1971 suchten auch die wenigen Bauern von Eschli kon den Anschluss an unsere Korporation. Mit der Zeit schwand die Lust, Fleisch, dessen Qua lität oft fragwürdig war, aus der Scheune des Nach barn zu konsumieren. Besonders bei «Völlni-Kü hen» war der Geschmack auch durch mehrmaliges Wässern nicht vollständig verschwunden. Die Be triebe wurden grösser, die Kleinsten hörten auf, die meisten Bauern holten den Metzger, bevor es eine «Assekuranzkuh» wurde. Dies führte dazu, dass die Viehassekuranzen den grössten Teil ih rer Beiträge für die Verwaltungskosten benötig ten. Immer mehr Assekuranzen gaben ihre Tätig keiten auf, unsere 1980. 1985 wurde das Gesetz von 1900, das eine Vieh assekuranz obligatorisch erklärte, ersatzlos aufgehoben.
Entwicklung des Waldes Der Wald war schon immer von grosser Bedeu tung für die Bevölkerung, früher allerdings nicht als Lunge der Natur oder als Erholungsraum der Anwohner. Er produzierte das so wichtige Heiz material und Bauholz. Konrad Fäsi, geboren 1727, schrieb Mitte des 18. Jahrhunderts über den Zu stand des Waldes u. a. folgendes: « … Unsere Vorfahren, da sie so viele und erstaunlich grosse Holz und Waldungen vor sich sahen,
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waren noch vor 100 Jahren geglaubt, weder sie noch ihre Nachkommen in den spätesten Zeiten werden jemals an diesem köstlichen Schatz Mangel haben können. Wie so gering wurde in den damaligen Zeiten Holz und Holzboden geachtet. Überfluss macht Verachtung und Verachtung eines Gutes bringt in weniger Zeit unersetzlichen Schaden. … Viele 100 Morgen Waldungen wurden damals ohne Bereuung, ohne Vorsicht ausgestocket und aus fruchtbarem Holzboden schlechtes Ackerfeld und noch schlechtere Wiesen und Rebberge
Die Wald-Eigentümer 1845 Besitzer
Liegenschaften-Nr.
Parzellen
Aren
Johannes Walder
1
8
58.88
Johannes Müller
2
5
54.49
Heinrich Müller
3
5
54.41
Jakob Oberli
4
3
40.77
Kaspar Bürgi
5
8
79.25
Konrad Jucker
9
7
49.80
Jakob Walder
10
11
135.13
Adam Walder
11
8
94.90
Remigius Brühwiler
17
4
45.15
Heinrich Fehr
19
3
40.72
Johannes Kappeler
25
1
18.00
Ulrich Müller
23
4
44.32
angelegt. Die schönsten Holzungen von vielen Jucharten wurden um ein schnödes Geld verkauft, zu Kohlen verbrennt und aussert des Landes versendt … das sogenannte Tannegger Amt habe dermal an diesem unentbehrlichen Schatz einen schönen und sehr schätzbaren Vorrath … » Auch die Gemeindeversammlung der Gemeinde Horben befasste sich immer wieder mit dem Wald. So wurden beinahe während dem ganzen 19. Jahr hundert Holztage bestimmt. Es durfte zum Beispiel in jeder Woche immer nur am Mittwoch Holz ge schlagen werden, auch im eigenen Wald, um die Holzvorräte zu schützen. Für Nicht-Waldbesitzer wurde das Holzsammeln teilweise ganz verboten. Im Protokoll von 1827 steht: «Das abspalten und ausgraben der Stöcke und Wurzeln in Summa aller Holzfrevel der bürgerlichen Waldungen soll bei höchster Buss verbothen werden.» 1832 übernehmen Joannes Müller Horben und Jakob Walder Hurnen freiwillig die Überwachung «über allen Holzfrevel, Hüthen, Jäthen, Grasen und abschneiden dem Laub». Jakob Walder wird «Gemeindforster». Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gehörte praktisch zu allen Liegenschaften auch etwas Wald. Durch Verkäufe und Rückbehalt der Gläubiger bei Kon kursen reduzierte sich die Zahl der Waldbesitzer bis 1845 auf zwölf. Sie besassen in Hurnen zum Teil sehr kleinen Parzellen.
Die Entwicklung der Landwirtschaft
Der seit 1830 in Münchwilen wohnhafte Dr. Adam Walder besass noch 7 Parzellen mit 180,19 Aren. Johannes, Heinrich und Ulrich Müller waren Brü der, der Besitz des Vaters wurde auf die drei Söhne aufgeteilt. Im ganzen Privatwald des Hurnerwaldes gab es keine befestigte, befahrbare Strasse. Alles Nutz holz musste mit den Pferden den ganzen Hang hinunter aus dem Wald geschleift werden. Das Brennholz konnte zum Teil im Wald zersägt und bei gefrorenem Boden mit Wagen oder Fuhr schlitten transportiert werden. Die an der Grenze zu Bernhardsriet gelegenen Parzellen besassen durch acht unterliegende Parzellen das Fahr- und «Schleik»-Recht.
Die Parzellierung des Hurnerwaldes vor der Güter zusammenlegung 1979 – 2003. Die punktierten Linien sind mehr «Schleikwege» als Strassen und bei nicht gefrorenem Boden kaum befahrbar.
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Noch 1880 bestand zwischen Hurnen und Than eine ca. eine Hektar grosse Waldparzelle. Sie wurde noch im 19. Jahrhundert gerodet.
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Noch einige Tipps an die Waldbesitzer aus einem Waldkalender aus dem 13. Jahrhundert:
Mit diesen Fuhrschlitten wurde das Holz aus dem Wald transportiert. Adolf Müller mit seinen Söhnen Adolf, Otto und Max, links unbekannt. Hinten Knecht Brunschwiler. Aufnahme 1946 Da alle bisherigen Waldbesitzer wieder ihren Anteil wollten, gab es auch nach der Zusammenlegung einige kleinere Parzellen. Durch die Güterzusammenlegung Fischingen von 1979 bis 2003, zu deren Perimeter der Hurnerwald gehörte, wurde der ganze Wald mit Strassen erschlossen, die mit Lastwagen befahren werden konnten.
· 31. Januar, 1. und 2. Februar. In diesen drei Tagen gemachtes Holz verfault und wurmt nicht. · Wer aber Bauholz am 1. März schlägt, das wiedersteht der Flamme und brennt nicht. · Wenn Bauholz in den letzten Tagen im Jahr und am 1. Januar gemacht wird, dann den Baum gegen das Tal schneiden. Das Holz fault und wurmt nicht und wird wie Stein. · Holz schlagen dass es nicht brennt ist nur ein Tag, der 1. März. Noch besser nach Sonnenuntergang · Holz zu schlagen, dass es nicht reisst, den 24. Juni zwischen 11 und 12 Uhr. · Holz das bei totem Mond in der Waage geschlagen wird, schwindet nicht, kann grün verarbeitet werden. · Säghölzer sollen geschlagen werden im aufnehmenden Fisch, so werden die Bretter nicht wurmig. · Holz am ersten Märzenfreitag nach Sonnenunter gang gemacht, reisst nicht auf. · Brennholz zu arbeiten, dass es gut nachwächst, soll sein im Oktober im ersten Viertel vom aufnehmenden Mond.» Aus der Zeitschrift: Holz und Motor 1/1989
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Zu diesem Thema zwei eigene Erfahrungen: · Beim Abbruch eines Remisen-Tores 2013, das 1951 gebaut wurde, war ein Drittel des Tores total verwurmt. Bei den anderen zwei Dritteln war kein einziges Wurmloch zu se hen, obwohl die Hölzer ineinander verleimt wurden. · Nach dem Bau des neuen Stalles 1995 wa ren ein Sechstel der Stützen zwischen den Lägern schon nach kurzer Zeit von unten am Verfaulen. Der grosse Rest ist bis heute, mehr als zwanzig Jahre später, noch gesund und ohne Fäulnisschäden. Irgend etwas muss an den erwähnten Zitaten dran sein. Zum Wald gehört auch das Wild. 1780 schreibt Fäsi betreffend des Wildes: «Die in diesem Land befindliche Gewild bestehen meistens in Hasen, Füchsen und Dächsen; das Hochgewild als Hirschen, Schweine etc. sind theils durch die viele privilegierte Jäger, als auch durch die unzählbaren Buschkläpfer gänzlich ausgerottet, nur ein Reh ist in den thurgauischen Waldungen ein seltenes Gewild. Wer als Wunder etwaun eines ausgefehrtet, so sammeln sich beinahe alle vornehme und niedrige Jäger von einischen Stunden her zusammen, um alle ihre Jägerlist und Geschicklichkeit anzuwenden, den ferneren Aufenthalt und ihre künftige Vermehrung zu hintertreiben.» Kaum zu glauben, aber 100 Jahre später wird im Rechenschaftsbericht des Regierungsrates spe ziell vermerkt: «Auf dem Ottoberg ist ein Reh gesichtet worden.» 1882 wurde die Rehjagd für das ganze Jahr verboten. .
Güterzusammenlegung Hurnen und Wallenwil 1980/90 Ende der 70er-Jahre unternahm ich einen Anlauf, eine private Zusammenlegung der Hurner Bauern zu realisieren. Meine Kollegen von Hurnen waren im Prinzip einverstanden. Davon bekam das Meli orationsamt in Frauenfeld Kenntnis. Bei einem Ge spräch mit dessen Vertretern machten sie mich auf die Risiken aufmerksam. Jeder könne bei einer pri vaten Abmachung aussteigen, wenn es ihm nicht mehr passe. Ausserdem sei der dringende Bau von Flurstrassen nicht finanzierbar. Sie seien beinahe erschrocken, dass sie Hurnen und Wallenwil ver gessen hätten. Mit den Güterzusammenlegungen Sirnach/Eschlikon (als Folge des Nationalstras senbaus), Balterswil/Bichelsee und Fischingen, in dessen Perimeter der Hurnerwald inbegriffen war, sei alles rundum erledigt. Die Herren des Meliorati onsamts waren bereit, sofort eine Minizusammen legung Wallenwil/Hurnen an die Hand zu nehmen. Die Gemeinde Horben musste als ganze Körper schaft bereit sein, einen Anteil von 5% an die Kos ten zu übernehmen, auch wenn Horben/Egg nicht mehr in den Perimeter eingeschlossen wurde. Die ses kleine, übersichtliche Unternehmen ging zügig über die Bühne.
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Die Neuzuteilung nach der GZ: · gelb Betrieb Otto Müller · hellgrün Betrieb Bruno Meili Friedtal · blau Werner Zbinden · orange Hans Felix · braun Josef Lautenschlager · rosa Martin Waldispühl · hellblau Franz Manser
Die Liegenschaften-Besitzer Hans Felix, Leo Fuster und Franz Manser verzichteten zum grössten Teil auf eine Neuzuteilung. Zudem konnte die GZ noch 5 ha von Walter Falk im Vogelsang erwerben. Dies bedeutete, dass den Verbliebenen fast alle Wün sche in Bezug auf die Neu- und Mehrzuteilung er füllt werden konnten. Nur marginale Einsprachen ohne richterliche Folgen waren zu behandeln, was sonst in keiner GZ-Korporation der Fall war. Die Waldflächen im Hurnerwald wurden mit der gleich zeitig stattfindenden GZ Fischingen arrondiert. Der Antritt der neuen Parzellen fand 1990 statt. Niemand hätte damals gedacht, dass diese Neu ordnung in der Hurner Landwirtschaft nur 2½ Jahr zehnte lang Bestand haben werde.
Die alte Güterstrasse Hurnen – Pumpenhaus – Scheibenstand. Otto und Heidi Müller mit Markus und Daniel. Das neu gebaute Güter strassennetz, das von den Betrieben Müller und Meili gebraucht wurde.
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Der Strassenbau während der GZ, links die neue Strasse zum Knabenacker und Hurnerwald, ganz rechts die neue Strasse Schützenhaus – Scheibenstand – Hurnerwald, in der Mitte die aufgehobene Strasse Pumpenhaus – Scheibenstand – Hurnerwald. Vorne die «Umfahrungs strasse» von Hurnen für den Landwirtschaftsbetrieb Müller.
Von der Sennerei- zur Käsereigesellschaft Riethof Alle Milchproduzenten aus Hurnen und Than, brachten ihre Milch immer in die Käserei im Riet hof. Deshalb gehört ein kurzer Rückblick dieser Organisation in die Dorfgeschichte von Hurnen.
wurde, waren die Milchproduzenten auf die Käse zuteilung durch die Käseunion angewiesen. Im Ap ril 1918 beschwerte sich die Käsereigesellschaft bei der Käseunion:
1911 wurde der Bau einer neuen Käserei disku tiert. Sie wäre auf 40 000 Franken zu stehen ge kommen und hätte ihren Standort in Hurnen ge habt. Das Projekt wurde jedoch nicht ausgeführt, da in Vogelsang von Oberhänsli eine neue Käse rei gebaut wurde.
«Seit einigen Jahren haben wir in unserer Hütte kein Pfund Käse und Butter mehr beziehen können, weshalb wir in dieser kritischen Zeit gegenüber anderen Gesellschaften im Nachteil sind. Wir ersuchen sie dringend, da gegenwärtig nirgends Käse erhältlich ist, uns auf die bevorstehende Heuernte sowie für jeden Monat für Käse zu sorgen, ansonst die Milchlieferungen erheblich zurückgehen werden. Etwas muss der Bauer doch auch haben!»
Da im Riethof während des ersten Weltkrieges die Milch nach Schaffhausen und Winterthur geliefert
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Die Warnung wirkte. Schon wenige Tage später traf eine erste Zuteilung von 100 Kilo Käse ein. Schon wenige Jahre nach dem Krieg war wieder Überfluss, die Bauern mussten auf 200 Kilo gelie ferter Milch ½ kg Käse beziehen. 1925 kaufte der Milchverband in Winterthur die Milch. Sie musste als Reguliermilch dienen, der Rest sollte zu Käse verarbeitet werden.
Die Käsereigesellschaft 1949: hinten v.l. Elsa Fuster, Leo Fuster (verdeckt) Service des Rest. Willi Göte, unbekannt, Adolf Müller, Service Personal vorne v.l. Karl Kobelt, Albert Walder (Posthalter), Jakob Hasler, Ida Meili, Frau Walder (Post) Ernst Meili, Frau Kobelt, Louise Walder, Ernst Walder (verdeckt), Anna Hasler, Berta Graf, Marie Zbinden, Paul Müller senior (verdeckt), Ernst Graf, Käser, Albert Felix, Hans Müller senior, Johann Hollenstein, Wilma Felix, Frau Hollenstein, Louise Müller, Lina Müller, Lisbeth Götte, Jakob Bleiker, auf dem Kinderwagen Gottfried Zbinden, im Kinderwagen der Carchauffeur, Herr Stucki. Zu diesem Foto habe ich eine ganz besondere Beziehung. Nelli Stucki, die Tochter des Chauffeurs, war in der gleichen Klasse in der Egg und mein heimlicher Schwarm. Ich erinnere mich sehr gut, mit welchem Stolz ich als Viertklässler ihr dieses Foto überreichen durfte.
Am 18 April 1927 konnte mit Käser Ernst Graf ein Kaufvertrag abgeschlossen werden. In den folgen den Jahren machte sich die Absatzkrise immer mehr bemerkbar. Neben der Überproduktion an Käse konnte auch die Butter nicht mehr verkauft werden. Pro Kuh und Monat musste der Bauer nun ein halbes Kilo Käse beziehen. Der Milchpreis sank auf 18 Rappen. Die Milchlieferung wurde auf 2900 Kilo pro Hektar Kulturfläche kontingentiert. Von 1929 bis 1941 wurden die frischen Appen zeller-Käse im Keller des neu gebauten Wohnhau ses des Nachbarn Paul Müller gelagert. Dann brach 1939 der zweite Weltkrieg aus, und al les änderte sich. Die Rückbezugspflicht wich der Rationierung, der Milchpreis stieg auf 38 Rappen. Die Kontingentierung wurde wieder abgeschafft. Nach dem Krieg stieg die Milchproduktion. Eine Anbaupflicht für Getreide bestand nicht mehr. Die Käserei im Riethof genügte den Anforderungen nicht mehr. 1949 wurde ein Baufonds für eine neue Käserei eröffnet.
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Der Milch- und Käsemarkt geriet 1951 abermals ins Stocken; der Preis begann wieder zu sinken. Der Ackerbau und die Rindviehmast wurden stark gefördert. Die Gesellschaft wurde verpflichtet, jährlich sechs Masttiere abzuliefern. Wie dies um gesetzt wurde, ist mir nicht bekannt. Das Bauvorhaben einer neuen Käserei wurde 1953 konkret. De Baukosten wurden auf 260 000 Fran ken veranschlagt, was für die Bauern nicht trag bar gewesen wäre. Am 5. Februar 1953 beschlossen die Bauern, nicht selber zu bauen und der Käser-Familie freie Hand zu geben, einen Neubau mit Wohnung und Schwei nestall zu bauen, selbstverständlich mit der Ver pflichtung, die Milch weiterhin in der Käserei Riet hof zu verarbeiten. Walter Graf hatte bereits einen Bauplatz von Paul Müller in Aussicht. Bis zum Neubau mahlte mein Vater dem Käser Ernst Graf alle Getreidekomponenten mit seiner Mühlenanlage im alten Ökonomiegebäude (heute Richard Bosshart). Alles Getreide musste auf dem Rücken die Treppe hochgetragen werden. Dann musste das gemahlene Getreide aufgeladen und im Riethof abgeladen werden. Der Boden wurde so stark (über-)belastet, dass Käser Ernst Graf mich oft fragte: «Hebet de Bode no?»
Die von Ernst und Sohn Walter Graf gebaute Käserei mit Schweinestallung. Am 1. Mai 1957 konnte das frisch vermählte Ehepaar Walter und Elsa Graf-Meier in den Neubau einziehen.
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Nach dem Neubau war Graf nicht mehr auf diese Dienstleistung angewiesen. Die eigene Mühleein richtung besorgte dies effizienter. Nach dem Neu bau mietete die Gesellschaft von der AG die Räum lichkeiten und richtete eine Gefrieranlage ein. Dies entsprach damals einem grossen Bedürfnis, da noch nicht in jedem Haushalt Gefriertruhen vor handen waren. Auch die Wohnung wurde nach dem Auszug der Käser-Familie wieder vermietet.
100 Jahre Käserei Riethof 1965 Der Präsident Adolf Müller bei der Begrüssung des 100Jahr-Jubiläums der Käserei Riethof 1965. Auf der Bühne der Männerchor Egg. Links aussen Albert Felix senior, in der Mitte Albert Felix junior.
50 Jahr Jubiläum Käser Familie Graf 1978 Links das Käser Ehepaar Elsa und Walter Graf, als Redner Präsident Paul Müller und Gattin Marlis. Inzwischen holte der Käser Walter Graf auch die Milch der Milchproduzenten der eingegangenen Käserei Haag in Eschlikon ab.
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Auszeichnung Paul Gehri produzierte ausgezeichneten Appenzeller Käse, wie der Zeitungsausschnitt beweist.
125-Jahr Jubiläum im Jahre 1990 Die Festgemeinde beim Jubiläum 125 Jahre Käsereigenossenschaft Riethof. Vorne links das Käser-Ehepaar Paul und Vreni Gehri. Gegenüber Präsident Paul Müller.
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Kauf durch Paul Gehri 1980 kauft Paul Gehri die Käsereiliegenschaft von Walter Graf. Paul wuchs in Wallenwil auf, wo sein Vater die Käserei betrieb. Paul und Vreni Gehri waren von 1980 bis1992 das beliebte Käser Ehepaar im Riethof. Paul verunglückte wenige Jahre nach dem Wegzug vom Riethof schwer. Er ist seither querschnittgelähmt.
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Peter und Ruth Gantenbein
Kauf der Käserei 1992 durch Peter und Ruth Gantenbein. Die Familie Gantenbein kam von Baumannshaus (Bumishus) in der Gemeinde Egnach, wo sie die Dorfkäserei in Pacht hatten, in den Hinterthurgau. Die Bauern erhielten wieder ein initiatives KäserEhepaar als Milchkäufer. In den folgenden Jahren wurde auch noch die Milch der Bauernbetriebe von Sirnach und Vogelsang im Riethof zu Käse verarbei tet. Wegen Umstellung einiger Milchproduzenten
auf Bio oder auf Silowirtschaft, oder wegen Auf gabe der Landwirtschaft, reduzierte sich die Zahl der Milchlieferanten in den folgenden Jahren. Da von profitierten diejenigen, die der Käserei treu blieben. Ihr Anteil an Milch, die zu Käse verarbei tet wurde, erzielte einen bedeutend höheren Preis.
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Gründung der Milchlieferungs gesellschaft Riethof Die Bauern machten es der Politik vor. Kurz vor der Bildung der Einheitsgemeinde Eschlikon 1997, be stehend aus den Gemeinden Eschlikon und Wallen wil und einem Teil der Gemeinde Horben, schlos sen sich die Milchproduzenten dieser zukünftigen Politischen Gemeinde Eschlikon zur «Milchliefe rungsgesellschaft Riethof» zusammen. Dadurch entstand für uns Bauern eine entscheidende Än derung in der Milchannahme. Peter Gantenbein schaffte einen Milchtransport-Wagen an, mit dem er bei uns Bauern auf dem Hof die Milch einmal täglich abholte. Wir wurden verpflichtet, einen Milchtank anzuschaffen und die Milch auf 4 bis 6 Grad abzukühlen. Die Bilder, dass der Bauer oder einer seiner jugendlichen Familienmitglieder die Milch mit beladenem Veloanhänger zur Käserei brachten, gehörten damit der Vergangenheit an. Milchmenge und deren Verwertung 2016 (gerundete Zahlen): Bei den Bauern abgeholt 2 500 000 kg Von auswärts zugekauft 250 000 kg Total verarbeitet 2 750 000 kg was 270 000 kg Käse ergibt oder eine Produktion von 740 kg Käse pro Tag. Verwertung der Milch Apenzeller Käse Wildberger Wallenwiler Vollmundiger
1 900 000 kg 640 000 kg 80 000 kg 100 000 kg
Daniel Müller auf dem Heimweg von der Käserei
Ein entscheidender Schritt für die Zukunft der Appenzeller Käserei war der Um- und Neubau von Peter Gantenbein 2007.
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Zur Produktion von Joghurt wurden 30 000 kg Milch verarbeitet. Dies ergab eine Produktion von 35 000 Litern Joghurt im Jahr. Es ist nur logisch, dass diese Mengen auch die richtigen Einrichtungen benötigten. Der eigene Milchtankwagen ist für den täglichen Transport von 2 750 000 kg Milch/Jahr konzipiert. Zur Freude der Milchproduzenten steht mit Raffael die zweite Generation Gantenbein bereit, dereinst den Betrieb zu übernehmen. Auch eine computer gesteuerte Produktionsanlage benötigt heute ein Milchverwertungsbetrieb dieser Grösse. Das Käser Ehepaar Peter und Ruth Gantenbein-Scheiwiller im neuen Käselager, das 7000 Laib Käse aufnehmen kann. Heute besorgt ein Roboter die Pflege der Käselaibe. Rafael Gantenbein
Milchtankwagen für den täglichen Transport von 2 750 000 kg Milch im Jahr
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Käser Gantenbein, Milchlieferanten und Bau ern der Gemeinde beteiligten sich immer mit ei nem Raclette- und Fondue Stübli an der ESWA in Eschlikon.
Die Raclette Stübli Mannschaft des Käsers und der Bauern an der ESWA 2011. Stehend v. l. Johanna und Bruno Meili, Ernst Berger, Mario Gantenbein, Heidi und Otto Müller, Sitzend v. l. Peter Gantenbein, Käser Lehrling Oliver Bieri, Astrid Ruckstuhl, Ruth Gantenbein, vorne Fredi Frey.
Ein ganz spezielles Ereignis für die Milchlieferungsgesellschaft. Neun Schwingerkönige zu Gast im Raclette Stübli der Milchlieferungsgesellschaft Riethof an der ESWA 2011 in Eschlikon Ein Autor hat ein Buch über die Schwingerkönige der letzten Eidg. Schwingfeste an dieser ESWA vorgestellt. Deshalb gaben sich 9 ehemalige Schwingerkönige bei uns die Ehre. Sitzend v.l. Karl Meli, Arnold Ehrensberger, Thomas Sutter, Arnold Forrer Stehend v. l. Ruedi Hunzberger, Adrian Käser, Kilian Wenger, Jürg Abderhalden, David Roschi.
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Milchwirtschaft in Eschlikon In dieser Arbeit habe ich Eschlikon bewusst links liegen lassen, da über die Geschichte von Eschli kon ein ausführliches Werk von Paul Geiger exis tiert, dazu ein Nachfolgewerk von Karl Tuchschmid: «Vom 19. ins 20. Jahrhundert». Paul Geiger hat über die Landwirtschaft in vergangenen Zeiten ei niges geschrieben. Über die Milchwirtschaft, die es damals auch noch kaum gegeben hat, aber kein Wort. Karl Tuchschmid hat die Landwirtschaft und damit besonders auch die Milchwirtschaft vollkom men vergessen. Ich erlaube mir deshalb einen kur zen Abstecher nach Eschlikon. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Milch produzenten in Eschlikon getrennt, in eine Milch lieferungsgesellschaft Eschlikon Dorf und Eschli kon Station.
Milchlieferungsgesellschaft Eschlikon Station Bis 1937 waren diese Bauern Mitglieder der Milch lieferungsgesellschaft Holzmannshaus-Buch. We gen Unstimmigkeiten mit dem Milchkäufer Stähli in Holzmannshaus traten am 12. Mai 1937 Edu ard Deuscher, Paul Kaiser, David Senn, Johann Stä heli, Johann Aemisegger, Otto Hubmann, Werner Thalmann und Theo Würmli aus der Gesellschaft aus und beschlossen die Gründung einer neuen Gesellschaft.
Am 18. Mai wurde der Vorstand gewählt: Paul Kaiser, Präsident Eduard Deuscher, Aktuar und Kassier David Senn, Beisitzer Die Bauern hatten es eilig. An der Sitzung vom 6. Juli wurde der Aktuar beauftragt, bis zur Versamm lung Statuten in zweifacher Ausführung zu schrei ben. Die Versammlung wurde auf den 7. Juli ange setzt. Die Statuten wurden einstimmig genehmigt! Im Gegensatz zu den umliegenden Käsereien ge hörten sie zur Silozone. Die Milch wurde als Kon summilch verwertet und nicht zu Käse verarbeitet. Dies wurde damals nicht als Nachteil empfunden und noch einige Zeit mit einem Silo- oder Konsum milchrappen entschädigt. Der Bund bezahlte die sen dem Milchkäufer, der diesen Rappen an die Bauern weitergab. Am 14. Mai 1952 kritisierte der Kassier an der Versammlung, dass dieser Konsum milchrappen seit 8 Monaten nicht ausbezahlt wor den sei. Milchkäufer Hans Stäheli versicherte, die ser werde in den nächsten Tagen ausbezahlt, seine Frau habe die Zahlungen vergessen. Ab 1953 ist Conrad Tobler der neue Milchkäu fer. Die ältesten Eschliker werden sich noch an sein Milchauto im Dorf und das «Chäslädeli» an der Bahnhofstrasse erinnern. Gustav Ender wird als erster Wallenwiler in die Gesellschaft aufgenommen.
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Im Mai 1956 beschliesst die Versammlung, sich bei der Schulhaus- und Turnhallen-Einweihung mit dem Motto «Qualitätsmilch» am Umzug zu beteiligen. 1965 starben gleich zwei der drei Vorstandsmit glieder, die seit der Gründung dabei waren. Am 20. März der Aktuar und Kassier Ernst Hofmann und am 31. Juli David Senn.
Sennerei-Gesellschaft Eschlikon Wie im Riethof bestand in Eschlikon eine Senne rei-Gesellschaft. Über diese Gesellschaft fehlen mir Unterlagen. Sicher ist sie jünger als der Riet hof. 1866 waren im ersten Vorstand der Senne rei Riethof vertreten: Vorsteher Schiltknecht von Eschlikon, Vorsteher Braun und Johann Kaiser von Wallenwil. Gegründet worden sein dürfte die Sen nerei Eschlikon um 1900.
Auflösung der Gesellschaft 1973 Da Konrad Tobler nach dem 1. Mai die Milch nicht mehr abnehmen wird, beschliessen die fünf ver bliebenen Milchproduzenten Paul Kaiser, Otto Hub mann, Gustav Ender, Konrad Tobler und David Senn die Gesellschaft aufzulösen. Otto Hubmann und Gustav Ender werden von der Käsereigesellschaft Eschlikon aufgenommen und verzichten auf die Silowirtschaft. Die Betriebe von Werner Aemisegger, gepachtet von Konrad Tobler, und David Senn geben die Tierhaltung auf. Paul Kai ser will nicht auf Silo verzichten. Seine Milch kann nur im Sommer von der Käserei übernommen wer den. Damit ist diese Gesellschaft nach nur 36 Jah ren wieder verschwunden. Eine Besonderheit war, dass sie nur von einem Präsidenten, Paul Kaiser, geführt wurde. Er war die tragende Person – bei der Gründung und bei der Auflösung. Und noch eine Besonderheit: Die Sitzungen und Versamm lungen fanden nie im Restaurant Eisenbahn statt. Stefan Eggenberger war als einziger «Unterdörfler» von Anfang an Mitglied der Käserei Eschlikon Dorf.
Am 26. April 1916 fand eine Versammlung der Milchlieferanten der Sennerei-Gesellschaft Eschli kon statt. Im Protokoll schreibt der Aktuar Adolf Schiltknecht, dass sich nach erfolgtem Verkauf der Schweinestallungen die Sennerei-Gesellschaft Eschlikon auflösen werde. Um die Milch doch vor teilhaft zu verwerten, solle jedoch wieder eine neue Gesellschaft der Milchlieferanten gegrün det werden.
Milchlieferungs-Genossenschaft Eschlikon Zur Vorbereitung wurde eine Kommission von sieben Männer gewählt: Theodor Greuter, Otto Greuter, Werner Leutenegger, Albert Reich, Emil Schüepp, Adolf Schiltknecht und Johann Weibel. Die Chargen für den Vorstand wurden ausgelost, ein eher ungewöhnliches Vorgehen: Präsident: Johann Weibel Vizepräsident: Theodor Greuter Kassier: Emil Schüepp Aktuar: Adolf Schiltknecht
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Die Mitgliedschaft unterschrieben 46 Personen, dies obwohl in den Statuten unter Paragraph 4 «Mitgliedschaft» steht: «Mitglieder der Genossenschaft können alle Landwirte der vorgenannten Gemeinde werden.» Das bedeutet, dass es 1916 in der Gemeinde Eschlikon 55 Landwirte hatte, inklusive die 9 Mitglieder der Gesellschaft Eschlikon-Station. Unterschrieben haben: 7 x Greuter, 5 x Schilt knecht, je 4 x Schüepp und Leutenegger, 3 x Büch ler und 2 x Kocherhans. Die Milch wurde dem bis herigen Käufer, Käser Schmid, geliefert. Schmid verkauft 1918 die Käserei an Herrn Meis ter. Dieser muss eine Kaution von 20 000 Fran ken leisten. 10 000 Franken auf einem Konto und 10 000 Franken mit solider Bürgschaft. Schon 1922 ist im Protokoll mit Simon Bachmann ein neuer Milchkäufer erwähnt. Die Zahl der Genossen schaftsmitglieder reduzierte sich bis 1927 auf 31. 1946 verkauft der Käser Simon Bachmann die Kä serei an Albert Haag von Rickenbach. Der Aktuar vermerkt, dass die Auskünfte über Haag in Ricken bach positiv seien. Sie wünschen aber vom neuen Käser die Anschaffung einer automatischen Milch waage. Das Wägen mit der alten Stangenwage hat – nicht nur in Eschlikon – immer wieder zu Dis kussionen geführt. Es soll Käser oder Metzger ge geben haben, die elegant mit dem kleinen Finger der Stange ein kleines «Schüpfchen» in die ge wünschte Richtung geben konnten!
In späteren Protokollen wird die Mitgliederzahl nicht mehr angegeben, hin und wieder die Anzahl der Anwesenden. 1957 waren immer noch 20 Bau ern von Eschlikon anwesend, ohne das Unterdorf. Als Versammlungsort dieser Gesellschaft kamen nur die Restaurants Eisenbahn, Löwen und Waage in Frage. Am 9. Mai 1973 werden Otto Hubmann und Gus tav Ender von der aufgelösten Gesellschaft Station aufgenommen. Nicht aber Paul Kaiser. Er ist nicht bereit auf Silofutter zu verzichten und darf nur im Sommer Milch in die Käserei liefern, was damals noch erlaubt war. An der Versammlung vom 1. Nov. 1974 wird be kannt, dass Käser Albert Haag den Milchkaufver trag auf den 30. April 1975 kündigen werde. Sein Sohn Walter hat die Ausbildung als Käsermeis ter abgeschlossen, sieht aber bei dieser geringen Milchmenge keine Zukunft. Es kam zu einer Zusammenarbeit mit unserem Käser Walter Graf. Die Bauern brachten die Milch zum Sammelplatz beim Brunnen vor der Linden scheune, wo sie Walter Graf abholte. Als nur noch Max Hubmann und Hans Leutenegger Milch pro duzierten, brachten sie die Milch direkt in die Kä serei. Dies war der erste Schritt zur Bildung der Milchlieferungsgesellschaft Riethof.
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Betriebsgemeinschaft Meili, Müller, Forrer 2012 Die Tierschutzgesetzgebung verlangte neue Ab messungen in den Stallbauten. Der alte Laufstall von Bruno Meili erfüllte diese Anforderungen nicht mehr. Heinz Forrer, Wallenwil, besass noch einen Anbinde-Stall. Die Abmessungen der Läger im Laufstall von Markus Müller sind grenzwertig. Dies veranlasste die drei Betriebsinhaber, Bruno Meili, Markus Müller und Heinz Forrer, zu Verhand lungen, ob eine gemeinsame Zukunft der drei Be triebe möglich sein könnte. Diese intensiven Ge spräche mit Fachleuten aus Beratung und Bildung des Kantons Thurgau führten 2013 zur Gründung einer Betriebsgemeinschaft. Notwendig wurde der Neubau eines Milchviehstalles für 130 Milchkühe und zwei Melkrobotern. Der erst 15 Jahre alte Lauf stall von Markus Müller wird weiterhin für die ca. 25 bis 30 Galtkühe und trächtigen Rinder des Be triebes verwendet. Der alte Stall von Bruno Meili dient der Haltung der Aufzucht- und Mastkälber aus dem eigenen Betrieb.
Die Mannschaft der Betriebsgemeinschaft vor dem Offenstall mit 130 Liegeplätzen. Von links Lehrling Fabian Schönholzer, Markus und Regina Müller mit Eliane und Laurina, Heinz Forrer, Johanna und Bruno Meili
Der neue Stall mit 130 Liegeplätzen und zwei Melkroboter. Die FotovoltaikAnlage auf dem Dach produziert jährlich für gut 100 Haushaltungen den Strom. Diese wurde vom EW Zürich installiert. Bruno Meili hat die Dachfläche vermietet.
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Die grosse Herde gemeinsam auf dem Stutz
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Biogasanlage im Riethof Auf Initiative von Michi Müller, Riethof, versammel ten sich am 11. Mai 2006 Markus Müller, Hurnen, Bruno Meili, Friedtal, Peter Gantenbein, Riethof und Urban Schwager, Balterswil, zwecks Gründung einer GmbH und Bau einer Biogasanlage für die Verwertung des Hofdüngers der Beteiligten: · Peter Gantenbein mit 55 Schweinen Grossvieheinheiten · Bruno Meili mit 40 Rindvieh GVE und 38 Poulet GVE · Markus Müller mit 40 RVGVE · Michi Müller mit 40 RVGVE · Urban Schwager, Balterswil, mit 55 Hühnern GVE Am 27. Juni, gründeten die fünf Männer die öko energie gmbh riethof. Die «Rindergülle» der Betriebe von Michi Müller, Bruno Meili, Markus Müller und – seit der Betriebs gemeinschaft – auch des ehemaligen Betriebs For rer sowie die «Schweinegülle» des Käsereibetriebs Gantenbein werden durch Bodenleitungen in den Fermenter gepumpt. Diese Flüssigkeit wird gemischt mit Poulet-Mist vom Betrieb Bruno Meili, Hühnermist vom Be trieb Schwager, Pferdemist vom Betrieb Letter in Eschlikon und weiteren Cosubstraten. Das aus strömende Methangas treibt einen Generator an, der Strom erzeugt. Die Abwärme wird zur Heizung
dreier Wohnhäuser im Riethof und des Ferkelstalls des Käsers benutzt. Im Sommer wird sie zur Erwär mung der Zuluft von Heubelüftungen verwendet. Die vergorene «Gülle» wird den Landwirten durch die gleichen Bodenleitungen wieder zur Düngung der Felder zurückgepumpt. Der «Gülle» konnte nicht nur viel wertvolle Alternativenergie, das Me thangas, entnommen werden. Sie ist auch für die Düngung der Felder wertvoller. Der Stickstoff ist für die Pflanzen verträglicher. Es werden keine Nährstoffe entzogen.
Die im Bau befindliche Biogasanlage, ganz links der Nachgärer, links der Fermenter, rechts der Technikraum und das Lager für die Feststoffe
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Geschäftsführer der gmbh ist Michi Müller, Riethof. Er ist für den gesamten Betrieb der Anlage verant wortlich. Sein Stellvertreter, der bei Abwesenheit des Geschäftsführers immer anwesend sein muss, ist Markus Müller Hurnen. Der Plan zeigt die von der Biogasanlage kommende Bodenleitung, mit sieben Hydranten. Damit kön nen über 50 Hektaren der Betriebsgemeinschaft mit dem Schleppschlauchverteiler «gegüllt» wer den. Die Gülle gelangt direkt in den Boden, wo mit geringe Ammoniak-Verluste und beinahe keine Geruchsemissionen für die Nachbarn entstehen.
Der Grabenbagger öffnet den Graben in den Bruno Meili die 6 m-Rohre einlegen wird.
Nach der Betriebsgemeinschaft gelangt auch die Gülle vom Betrieb Forrer in die Anlage. Darauf wurde ein zweiter Fermenter, grüne Umrandung, gebaut. 2016 produzierte die Anlage 1,17 Millio nen Kilowatt-Stunden. Der Betrieb der Biogasanlage hatte auch willkom mene Nebenwirkungen. Bei der Reinigung der Mastställe – Poulet, Legehennen, Kälber, Pferde (Letter in Eschlikon) – musste der Mist meistens an Mieten auf den Feldern zwischengelagert wer den, was von den Behörden toleriert wurde, aber nicht erwünscht war. Heute wird alles von der Bio gasanlage übernommen, gelagert und bei Bedarf an die Bauern abgegeben.
Plan der Biogasanlage mit den Bodenleitungen und den sieben Hydranten
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Viele Interessierte am Tag der offenen TĂźr der Biogasanlage
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Wärmeverbund Hurnen GmbH Auf Initiative von Markus Müller erstellte Herr Rott weiler aus Balterswil eine Machbarkeitsstudie für eine Schnitzelheizung auf seinem Betrieb. Zu die sem Zweck wurden die Bewohner von Hurnen am 8. Dezember 2009 zu einem Informationsabend eingeladen. Es ging darum, das Interesse an ei nem Anschluss an ein Fernwärmenetz abzuklären. Nach verschiedenen Gesprächen bekundeten vier Hausbesitzer Interesse an diesem Projekt. Als zu sätzliche Wärme-Bezüger unterschrieben Max und Christa Hubmann und Corina Lang den Vertrag.
Die fünf an die Fernwärme-Leitung angeschlossenen Wohnhäuser.
Für die Finanzierung wurde eine GmbH mit den vier interessierten Ehepaaren gegründet: William und Viola Boye, Präsidium Adolf und Lotti Müller, Geschäftsführung Markus und Regina Müller, Unterhalt der Anlage und Besorgung der Schnitzel Otto und Heidi Müller, Protokoll Christian und Anna Neff sind seit dem Kauf des Wohnhauses vom Ehepaar Hubmann die neuen Wärmebezüger. Die Schnitzelheizanlage konnte im bestehenden Heizraum im Wohnhaus von Markus Müller installiert werden. Der Heizkessel wurde von aussen in das Gebäude geschoben. Der Lagerraum in der Scheune entstand dank der Betriebsgemein schaft. Markus Müller hält nur noch Galttiere und Rinder im Stall. Deshalb wird für die Lagerung und Zubereitung des Futters weniger Platz benötigt.
Wärmeverbund Hurnen GmbH
Für die Beschickung des Schnitzelbunkers mietet Markus Müller den Manitu der Biogasanlage. Die Abgasmessungen des Amtes für Umwelt des Kantons Thurgau haben ergeben, dass die Schnitzelheizung in Hurnen eine Menge Feinstaub au die Umgebung abgibt, die weit unter dem ge setzlich zulässigen Grenzwert liegt. Diese Feinstaubmessungen werden alle zwei Jahre wiederholt. Der jährliche Wärmeverkauf wird dank den 2015 und 2016 neu angeschlossenen drei Wohnhäusern markant steigen. Von 2011 bis 2016 wurden 612 443 kWh verkauft. Der Ofen für die Holzschnitzel wird in den Heizraum geschoben. Mit dem Manitu befördert Markus die Schnitzel vom Lager in der Scheune in den Bunker.
Bau des Schnitzelbunkers, aus dem durch ein Schneckengetriebe die Schnitzel in den Ofen befördert werden.
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Wärmeverbund Hurnen GmbH
Das von Schmalz und Söhne total umgebaute Haus Nr. 50 wurde dem Wärmeverbund angeschlossen.
Im Sommer 2016 erfolgt der Anschluss des von Cornelia Müller und ihrem Partner Patrick Fanchini in der Ergeten gebauten Wohnhauses.
Markus Müller baute anstelle des 1873 gebauten Kuhstalls ein neues Wohnhaus Nr. 42. Das Stöckli wird von seinen Eltern Heidi und Otto Müller bewohnt.
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Entwicklung von Hurnen aus der Vogelschau Hurnen
Hurnen, 1940.
Hurnen im Frühjahr 1955. Das Restaurant Landhaus im Vordergrund wurde erst 1864 gebaut. Links davon, an der Strasse, befand sich das Zweifamilienhaus, das 1880 niederbrannte und nicht wieder aufgebaut wurde. Das Gebäude rechts mit der Schifflistickmaschine wurde um 1900 gebaut. In der Dorfmitte befand sich bis 1835 die Zehntenscheune des Klosters Fischingen.
In Hurnen wurden im 20. Jahrhundert bis 1965 lediglich der Heuturm links (1962) und 4 Ökonomie-Anbauten erstellt.
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Entwicklung von Hurnen aus der Vogelschau
1974 verkaufte Leo Fuster der Baufirma Ziltener in Wallenwil eine Parzelle im Süden von Hurnen. Darauf baute Walter Ziltener vier Einfamilien Häu ser, eines – das untere an der Strasse – für sich und seine Frau. Die anderen erwarben die Familien Lüscher, Schmidhuser und Handschiz. Nach dem Tod von Leo erwarben René und Susanna Thalmann die Lie genschaft. Hugo und Edith Lüscher blieben Hur nen bis heute treu. Schmidhausers verkauften an Viktor und Luzia Mächler. Das vierte Haus erlebte viele Wechsel. Herr Senn aus Fischingen kaufte das Haus als Kapitalanlage. Heutiger Mieter ist die Familie Christian und Karin Schmid-Michel. Hurnen von Norden, 1990.
Die neuen Wohnhäuser und die Autogarage im Süden von Hurnen, 2016.
Vier Familien prägten Hurnens Geschichte der letz ten vier Jahrhunderte: · 17. Jahrhundert Familien Braun mit 54 Geburten · 1664 – 1826 Familien Huber mit 74 Geburten · 1655 – 1938 Familien Walder mit 98 Geburten · 1621 bis heute Familien Müller mit 109 Geburten
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Die Wohnsiedlung Ergeten Die Parzelle Die Parzelle heisst «Ergeten» oder «In den Stau den», wie sie in früheren Jahrhunderten auch ge nannt wurde. Zwischen Than und Hurnen hat es verschiedene Quellen, die – bevor sie trainiert wur den – dieses Land wenig ertragreich machten. Die Entwicklung von Ergeten begann, als sich noch keine Raumplanungsbehörde darum kümmerte. Die Geschwister Paul und Anna Meili bauten auf dem Land ihres Bruders das erste Haus. Daran rechts anschliessend auf dem Land von Adolfs Vater bauten 1970 Adolf und Lotti Müller-Schilt knecht das zweite Haus. 1973 folgten Kurt und Rosmarie Müller-Grubenmann dem Vorbild sei nes Bruders. In den Jahren 1981 und 1983 bau ten Max und Christa Hubmann, sowie Lino und Margrit Casol die beiden nächsten Wohnhäuser an der Strasse. 1990 baute die Gemeinde die Er schliessungs-Strasse Ergeten.
Ergeten 1943. Links Adolf Müller (6 Jahre) und rechts Otto Müller (3 Jahre).
Ergeten 1990
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Die Geschwister Zbinden bauten auf dem Land ihres Vaters die ersten Häuser an dieser ErschliessungsStrasse. Von links: Werner und Trudi Zbinden-Hörnimann, Hansueli und Marlis Zbinden-Altweg, Atilio und Annemarie Scirtuicchio-Zbinden. Kurt und Rosmarie Müller bauten das orange Haus, nachdem sie ihr erstes Haus an der Strasse an die Familie Lang verkauft hatten. 2015 zog das Ehepaar in eine Eigentumswohnung nach Hofen-Sirnach und verkaufte das Haus an Stefan und Stefanie Kümin.
Die fertigen Einfamilienhäuser links im Bild erwarben die Familien Andreas und Claudia Wildi (vorne) und Max und Silvia Koblet (hinten). Hinten im Bild das Haus von Mario und Marianne Haas-Müller.
1996 bauten Mario und Marianne Haas-Müller ein Einfamilienhaus. Seit 2001 sind William und Viola Boye Besitzer der Liegenschaft. Sie beteiligten sich aktiv an der Gründung der «Wärmeverbund GmbH Hurnen». Nach dem Landabtausch mit Hans Fe lix, der das Bauland im Abtausch mit Kulturland – im Rahmen der Güterzusammenlegung 1980 bis 1990 – erwerben konnte, baute die Firma Ziltener die andern beiden Häuser.
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Die Siedlung Ergeten ist bis 2017 auf 13 EinfamilienHäuser angewachsen.
Solche Siedlungen sind gewissen Raumplanern in Frauenfeld ein Dorn im Auge. Für Hurnen ist dies ein Glücksfall. Junge Familien mit kleinen Kindern zogen in dieses Quartier ein. Sie brachten Leben in das Dorf. Als der Autor die Mittelstufe der Pri marschule in der Egg besuchte, um 1950, lebten im alten Dorf Hurnen ungefähr 40 Kinder, von 1 bis 18 Jahren. Seit vielen Jahren wohnen in diesen Wohnhäusern von damals keine Kinder mehr. Dank den Neubauten im Süden und Ergeten im Norden lebt Hurnen und ist nicht zu einer Alterssiedlung
geworden. 2017 leben wieder 14 Kinder im Schulund Vorschulalter in sieben Familien in Hurnen, gleichzeitig auch neun Rentner-Ehepaare und zwei Einzelpersonen über achtzig. Mehrere Personen in diesen Neubauten stellten sich über viele Jahre in der Gemeinde und der Schule als Behördemitglie der zur Verfügung. Wir «alten» Hurner hätten diese Mandate aus personellen Gründen gar nie über nehmen können. Diese Probleme auf dem Land in teressieren die Raumplanungspolitiker in Frauen feld kaum. In Hurnen sind sie aber Realität.
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Geschichte vom Than Die Flurnamen beweisen noch im 20. Jahr hundert, dass die Kuppe einst bewaldet war.
Tannmoos, nordwestlich von Hurnen, wurde bis heute zu «Damos» verstümmelt. Tannwies liegt zwi schen Egg und Mösli. Beide haben mit dem Weiler Tann nichts zu tun, sondern waren ein Moos bei ei nem Wald und eine Waldwiese. Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts existierte zwischen Hurnen und Than eine Waldparzelle von ca. einer Hektar. Da auch der Hof Eichholz etwa gleich alt sein dürfte, war die Kuppe des Than min destens bis ins 15. Jahrhundert bewaldet, in der Gegend vom Eichholz vor allem mit Eichen. Auch die Flurnamen im Parzellenplan des Kulturlandes vor der Güterarrondierung 1925 beweisen immer noch, dass die Kuppe des Than einst bewaldet war.
Entstehung und Bedeutung des Namens Der Name Tann ist die frühere Bezeichnung von Wald. Der Hof entstand durch Roden von Wald. Je nach Schreiberling entstanden die Namen Tan, Than, Thann, Dahn – oder wie auf diesem Kar tenausschnitt – Daah bis zum heute gebräuchli chen Than. In der Gemeinde Horben gibt es noch zwei Flurnamen mit dem Wortstamm «Tann». Das
Erste Erwähnung des Hofes Tann, Daah, Thann, Than Erstmals erwähnt wird der Hof Tann 1485, ohne Namen der Bewohner, in einem Gerichtsurteil bei einem Streit zwischen Sirnach und Wiezikon um deren «Trieb- und Trättrecht». Dies ist eine im Orts archiv Wiezikon erhaltene Urkunde. Der Hof kann um einiges älter sein. Am ehesten könnte der Hof Moos zum Teil im Hof Tann aufgegangen sein, mit dem Auftauchen vom Hof Tann verschwindet der Hof Moos aus den Akten.
Geschichte vom Than
Die Bewohner Laut Bevölkerungsverzeichnis lebten 1637 das Ehepaar Uli und Cill Brun-Isenring mit vier Kindern auf dem Tannhof. Im gleichen Haushalt lebte Ulis Bruder Fridli. Daraus kann man schliessen, dass mindestens schon die Eltern der Brüder im Than lebten. Da in jener Zeit die gleichen Vornamen in einer Familie favorisiert wurden, und in der gros sen Hurner Brun Dynastie diese Vornamen in jeder Generation vorkommen, ist eine verwandtschaftli che Beziehung sehr wahrscheinlich. 1640 lebte Uli nicht mehr. Die Witwe führte den Hof mit ihren sechs Kindern zwischen 5 und 19 Jahren und ihrem Schwager Fridli weiter. Ein gu tes Beispiel, wie die sozialen Probleme im Mittel alter gelöst wurden, lieferte die Familie Brun im Than. Der ledige Fridli lebte im Haushalt des Bru ders. Als die Eltern gestorben waren, bewohnte Fridli mit fünf Neffen und Nichten den Haushalt. 1646 starb Fridli. Der älteste Sohn von Uli, Mar tin, geboren1621, war mit Anna Leutenegger ver heiratet. Die beiden beherbergten neben ihrem ei genen Kind Elisabeth auch noch fünf Geschwister von Martin. Martin Braun wohnte im nordöstlichen Teil des grossen Gebäudes. (heute Josef Götte) 1652 war der jüngere Bruder, Friedli, geboren 1624, mit Wibert Cappeler verheiratet. Gemäss dem Bevölkerungsverzeichnis lebten die beiden Familien Brun in einem eigenen Haushalt. Eine zweite Wohnung muss also inzwischen angebaut und der Hof geteilt worden sein, was damals in
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Karte von 1830 – 1838 zeigt die ersten beiden Höfe im Than (Daah)
wirtschaftlich guten Zeiten in den Familien üblich war. Der erste Hof im Than ist die grosse Liegen schaft, in der heute Albin Hasler und Josef Götte wohnen. 1670 hiessen die Bewohner im Than nicht mehr Brun sondern Braun, dies als Folge einer allge meinen Verhochdeutschung der Namen durch die Pfarrherren. (Lütenegger – Leutenegger, Grü ter – Greuter, Flügenast – Fliegenast, Rütibach – Reu tebach etc.). Die beiden Familien Braun wohnten noch mit 13 Kindern im Than. 1673 erfolgte mit Felix Braun, Sohn von Fridli, die letzte Geburt eines Braun im Than. Vor 1678 sind beide Familien vom Than weggezogen, Martin nach Eschlikon, Fridli kehrte vor 1682 als Witwer mit vier Kindern nach Hurnen zurück. 1670 wohnte Baschi Bürgi mit Frau Margaretha Zürcher und einem Baby als Mieter im Haus von Martin Braun. Dem Ehepaar Bürgi wer den 1672 und 1674 noch zwei Knaben im Than geboren. Man kann davon ausgehen, dass sie das Haus übernehmen konnten. Ihre Anwesenheit im Than ist kurz, nach 1674 wohnen sie nicht mehr im Than. Schon 1675 wurde das erste von drei Kin dern der Familie Johann und Bärbel Häny-Ammann
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Geschichte vom Than
von Eschlikon im Than geboren. Mit ihnen kam auch der 66-jährige Grossvater Hans Häny. Er starb 1684 im Than. Die Familie ist schon über 50 Jahre in Eschlikon nachweisbar. Die Familie Häny und der Tannhof bieten die Gele genheit, einen Streitpunkt über die Gerichtsinstan zen des 17. Jahrhunderts mehrfach zu verfolgen. Im Jahr 1686 mussten sich die Ehrengesandten der regierenden sieben Orte an der Tagsatzung in Baden mit der Familie Häny im Tannhof befassen. Es ging dabei um die Zehntenrechte der Streitt wies, 18 Jucherten (6,5 ha) gross, rechts der Strasse Mösli-Riethof, im Norden bis an das Hor ber Riet. Gerichtsparteien waren die Gebrüder und Vögte des Gerichtes am Tuttwiler Berg, Johann Ru dolf und Felix Ruckstuhl von Hofen auf der einen und Johannes Hänys Frau und Kinder vom Tannhof auf der anderen Seite. Der Vater der beiden Brüder, Felix Ruckstuhl, kaufte 1646 von sechs Männern aus Sirnach, Hofen und Hub die Zehntenrechte der Streittwies. Seine Söhne beanspruchten die Zehn tenrechte dieser Streittwies, was aber von der Fa milie Häny im Tannhof bestritten wurde. Die Brüder Ruckstuhl erhielten von den Gerichten im Tann egger Amt Recht, worauf die Hänys an den eidge nössischen Landvogt im Thurgau – zu dieser Zeit ein evangelischer aus dem Stande Glarus – gelang ten. Dieser gab der Familie Häny Recht und hob die erstinstanzlichen Urteile auf. Die Brüder Ruck stuhl erhoben 1686 Beschwerde bei den eidge nössischen Gesandten der sieben Orte in Baden. Die oberste richterliche Behörde gab ihnen recht. Der Landvogt habe übel gesprochen. Frau Häny
erhielt aber 12 Stück Kerner als Entschädigung für ihre Umtriebe. Sie wurde ja gegen ihren Wil len nach Baden geladen. Einer der Verkäufer der Streittwies war Urech Ammann von Hofen. Mög licherweise waren verwandtschaftliche Beziehun gen zu Bärbel Häny, geborene Ammann, vorhan den. Sie glaubte sich dadurch im Recht. Warum hier von Frau Häny und ihren Kindern die Rede war, ist nicht bekannt, starb doch ihr Ehemann erst 1690. Hatte sie sich als geborene Ammann mehr Chancen ausgerechnet? Hier besteht der Verdacht, dass die Religion mitbe stimmt hat. Die Hänys waren evangelisch, die Fi schinger Gerichte katholisch dominiert. Der Glar ner Landvogt evangelisch. Die Gesandten in Baden hätten eigentlich neutral sein sollen. Wohl aus Er barmen mit der einfachen Bäuerin aus dem Than wurde ihr die Entschädigung zugesprochen. Innert dreier Jahre (1690 – 1693) starben die Eltern und zwei Söhne, 26 und 16 Jahre alt, im Tannhof. Als Waisenkind blieb der 1681 geborene Johan nes. Er wurde von Verwandten in Eschlikon auf genommen. Dieser Hof beschäftigte auch in den kommenden Jahrzehnten die Gerichte. In Hurnen zog in den 80er-Jahren des 17. Jahrhunderts als erste Katholiken eine Familie Peterlein ein, von Littenheid kommend. Dieser Johannes Peterlein muss in den Besitz des halben Tannhofes gekom men sein. 1699 geriet er mit seinem Hof in Hur nen in Konkurs. Sein Gläubiger, Junker Alexander Ziegler von Schaffhausen, verlangte von Peter lein, dass er ihm beide Höfe übergebe. Peterlein
Geschichte vom Than
wehrte sich dagegen, er sei der Meinung gewesen, er könne sich auf dem Tannhof finanziell erholen. Das Niedergericht entschied für Peterlein. Alexan der Ziegler appellierte an das Appellationsgericht des Amtes Tannegg, die zweite Stufe der damali gen Rechtsprechung, ein zwölfköpfiges Gremium aus dem Amt Tannegg. Er habe Peterlein 270 Gul den vorgestreckt, dazu kämen noch 121 Gulden aufgelaufene, nicht bezahlte Zinsen. Er habe An recht auf den Tannhof. Johannes Peterleins Für sprecher führte an, sein Mandant habe einen ande ren Schuldbrief von 130 Gulden mit dem Tannhof als Unterpfand. Dieser Brief sei älter als derje nige von Hurnen und laute auf Antony Sultzer aus Schaffhausen. Das Gericht entschied für Peter lein, Ziegler erhielt den Hof in Hurnen nicht, jedoch den Tannhof. Peterlein wurde auch die Zinsschuld von 121 Gulden, vom Hof in Hurnen herrührend, erlassen. Ziegler wollte das Urteil nicht akzeptie ren und erklärte, er werde in Frauenfeld appellie ren. Das Gericht belehrte ihn, dass er dies in Ba den tun müsse. Nach einigen Stunden Bedenkzeit akzeptierte er das Urteil.
Sultzer versuchte den wertlosen Schuldbrief zu verkaufen und suchte jemanden, den er über den Tisch ziehen konnte. Er fand ein Opfer in Leutnant Fridli Schiltknecht in Eschlikon. Angeblich weil ihm der Tannhof verleidet sei, wolle er den Schuldbrief verkaufen. Als Beweis trennte er das Siegel vom Brief und händigte dieses dem Eschliker Leut nant aus. Dieser fiel darauf herein und zahlte die 130 Gulden. Nun wollte er mit Hilfe der Gerichte seine Rechte geltend machen. Nach der Nieder lage beim Niedergericht zog er die Sache an das Appellationsgericht weiter. Seine Prozessgegner waren Leutnant Ammann aus der Wies im Namen von Peterlins Waisenkinder sowie Ulrich Peterlin von Littenheid, der Vater von Johannes Peterlin. Schiltknecht beteuerte, er habe den Schuldbrief rechtmässig gekauft und dafür das Siegel erhalten. Das sei ihm von Sultzer schriftlich bestätigt wor den. Er verlangte den Hof oder das Geld. Ammann und Ulrich Peterlin erklärten, Sultzer habe zuge geben, dass er durch eigenes Verschulden seine Rechte am Tannhof verloren habe. Schiltknecht hätte dieses Siegel nie kaufen dürfen.
Nach dem Tod von Johannes Peterlein hätte nach damaligem Recht Antony Sultzer 10 Tage Zeit ge habt, seinen Anspruch auf den Tannhof geltend zu machen. Doch Sultzer vergass, wie er an der Ge richtverhandlung zugab, durch eigenes Verschul den die Frist und verlor dadurch seine Rechte auf den Tannhof. Sein Schuldbrief war wertlos.
Das Gericht erkannte «dass niedergerichtlich wohl gesprochen und übel appelliert wurde». Schilt knecht musste die Gerichtskosten von 1 Gulden und 12 Batzen bezahlen. Weil er den Gerichts herrn, den Abt von Fischingen, «verschimpft» hatte, brummte ihm das Gericht noch eine Busse von 10 Kreuzer auf. Schiltknecht beschwerte sich über das Urteil und kündigte einen Weiterzug nach Baden an, verzichtete jedoch darauf. Der halbe Tannhof ging in den Besitz des Littenheiders Ulrich
Der Tannhof blieb weiterhin in der Gerichtsmühle des Amtes Tannegg und der Tagsatzung in Baden.
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Peterlin. Doch der Tannhof kam noch nicht zur ge richtlichen Ruhe. Noch einmal klagte Schiltknecht vor Gericht. Er verlangte von Ulrich Peterlein die 130 Gulden oder die Übergabe des Tannhofes. Wie der blitzte er beim Niedergericht ab und wieder appellierte er an das Appellationsgericht des Tan negger Amts. Erneut verlor Schiltknecht. Ulrich Pe terlein wurde als Besitzer des Tannhofes bestätigt – ohne Schuldbrief.
Pfarrbüchern. Möglicherweise wohnten sie in der zweiten Wohnung im Haus von Martin Brun, in der 1670 die Familie Bürgi wohnte. Es ist in jener Zeit ein Glücksfall, wenn die Geschichte eines Betrie bes aus Akten rekonstruiert werden kann. Dies ist im Falle dieses halben Tannhofes möglich.
Auch dieses Urteil anerkannte Fridli Schiltknecht nicht. Er appellierte am 27. März 1699 an die Eh rengesandten der sieben eidgenössischen Orte nach Baden. Mit Urteil vom 18. Juli 1699 bestä tigte Baden das vorinstanzliche Urteil. Schiltknecht musste an Ulrich Peterlin 30 Gulden und an Ge richtskosten 9 Gulden und 9 Batzen bezahlen. Zu sätzlich wurde er für das sinnlose Appellieren mit 25 Talern gebüsst. So kam Ulrich Peterlein von Lit tenheid, dank dem Konkurs am Hof in Hurnen und dem Tod seines Sohnes Johannes, zu einem schul denfreien halben Tannhof. Das Gericht ermunterte zwar Ulrich Peterlein, dem unglücklichen Schilt knecht die Hälfte des Geldes freiwillig zu geben. Ob er dies tat, ist nicht bekannt.
Die 1716 geborene Elisabeth Peterlein, eine En kelin des früheren Besitzers Johannes Peterlin, heiratete 1740 Felix Ruckstuhl von Hofen, einen Sohn des Johann Ludwig Ruckstuhl. Dieses Paar wurde Besitzer des Hofes. Schon bald finden wir den Tannhof wieder in alten Urkunden, auch die ses Mal im Zusammenhang mit der Streittwies. Diese wurde 1724 von Quartierhauptmann Felix Ruckstuhl und dessen Bruder Andreas, Richter im Gericht am Tuttwiler Berg, für 50 Gulden an das Kloster Fischingen verkauft. Die beiden Verkäu fer waren Enkel des Felix Ruckstuhl, der 1646 die Lehensrechte an der Streittwies gekauft hatte. Am 5. Dezember 1746 verkaufte das Kloster «auf ihr underthäniges bitten und anhalten.» dem Felix Ruckstuhl und der Elisabetha Peterlein aus dem «Thaahof» die 18 Jucherten grosse «Streittwys» für 55 Gulden.
Nach dem «Underpfand des anderen Briefs» um fasste der Betrieb einen halben Hof im Than und nur ca. 140 Aren Kulturland und einen Teil am Moosholz. 1708 sind u. a. die Brüder Johannes und Josef Ilg im Tann auf der Liste der Knaben und Mädchen, die vom Bischof von Konstanz die heilige Confirmation erhielten. Von dieser Fami lie existieren keine weiteren Eintragungen in den
Dem Ehepaar Ruckstuhl wurden acht Kinder ge schenkt. Beim Tod des Vaters 1788 lebten noch drei, Elisabetha (geb. 1746), Josef (1748), Maria Anna (1756). Nach dem Tod des Vaters kam es zur Erbteilung. Josef erhielt das Haus, die «Neüschür», die Stallung, den Speicher, die «Hofreiti» und die Hauswiese. Alle anderen Parzellen wurden in drei Teile geteilt, an den Sohn und die beiden Schwäger.
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Die Mutter erhielt «freie Wohnung und unklagbare Unterhaltung» auf Lebenszeit, dazu «jährlich 4 Mutt Kernen, 6 Viertel Muoss, 18 Pfund Schmalz und 20 Gulden so der Sohn und die beiden Schwägeren zu bringen hatten.» Dies ist eines der vielen Beispiele, wie Betriebe mit ansehnlicher Grösse durch Erbteilungen und dank guter Verdienstmöglichkeiten im Textilgewerbe, geteilt und zu Kleinstbetrieben geworden sind. Ei nige konnten durch Zukauf einzelner Parzellen den Betrieb wieder vergrössern. Einer der Schwäger, verheiratet mit Anne-Marie, war Felix Baumgartner in Büfelden. Als der ledig gebliebene Josef Ruckstuhl 1819 starb, erbten die Söhne seiner Schwester Anne-Marie, Josef Anton und Matthäus Baumgartner in Büfelden, den Be trieb ihres Onkels. Josef Ruckstuhl konnte in den dreissig Jahren der Bewirtschaftung seinen Betrieb stark vergrössern. Er umfasste ca. 420 Aren Wies land, ca. 460 Aren Acker und 108 Aren Wald, davon 70 Aren im Thanholz zwischen Than und Hurnen. Im Testament des Josef Ruckstuhl gehörten zu den Begünstigten seine Magd, der Dienstbub, der Pfar rer, die Kirche, die katholische Schule in Sirnach und die Kinder seines Nachbarn Johann Brühwiler. Die Ortsgemeinde Horben entstand im Jahre 1812. Im ersten Protokollbuch, datiert von 1816, sind alle erwachsenen Männer als Bürger der Gemeinde aufgeführt. Nur zwei Männer wohnten im Than: Josef Ruckstuhl und Johannes Brühwiler, Besitzer des anderen zusammengebauten Tannhofes. 1826
verkaufte die Witwe des Josef Anton Baumgart ner, Maria Ida, ihrem Bruder Johann Hollenstein im Eichholz die Hälfte des Hauses, der Scheune und des Speichers mit Kraut und etwas Baumgar ten und ca. die Hälfte des Kulturlandes und des Waldes. Matthäus Baumgartner verkaufte die an dere Hälfte des Hauses, der Scheune, des Krautund Baumgartens und die Hofreite mit der anderen Hälfte des Landes an Josef Hollenstein im Eichholz. Der Hof umfasste vor der Teilung ungefähr 4,5 Hek taren Feld und 2 Hektaren Wald. 1827 verkaufte Josef Hollenstein das Haus mit Schopf und dem freistehenden Speicher an der Strasse mit dem Land an Heinrich Kunz von Hofstetten. Der Spei cher wurde 1831 abgebrochen. Otto Kocherhans, geboren 1895, hörte eine aus heutiger Sicht amüsante Episode und erzählte sie weiter. Heinrich Kunz sei der erste Bauer gewesen, der einen Heuwender angeschafft habe. Er hatte drei Töchter, die jeweils an Tanzveranstaltungen von den jungen Bauern gehänselt worden seien: «Muss immer eine von euch mit einem Kessel nebenher laufen, damit die Kühe nicht das Heu verscheissen?» – «Nein wir binden ihnen einen Sack an den Arsch», sollen sie geantwortet haben! Heinrich Kunz hatte 1866 lediglich eine Kuh. Seine Tochter Barbara heiratete im Oktober 1864 Jakob Meili von Madetswil. 1870 ist dessen Sohn Heinrich Besitzer der Liegenschaft. 1886 baut Heinrich Meili eine frei stehende Stickerei. Nach Heinrichs Tod ist 1907 die Witwe als Besitzerin auf geführt. Ihr Sohn Heinrich baute 1913 das Friedtal.
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Die Liegenschaft im Than wechselte den Besitzer von Vitus Küng über Johann Hug und 1931 zu Jo hann Gmünder. Josef Götte, der Bruder von Willi Götte, mietete die zweite Wohnung des Nachbar hofs. Später konnte er die Liegenschaft von Gmün der käuflich erwerben. Er war Schreiner. Den Kuh stall baute er in eine Schreinerwerkstatt um, wo er in der Freizeit uns und anderen Bewohnern defekte Fensterscheiben reparierte und andere kleine Schreinerarbeiten besorgte. Heutiger Be sitzer ist sein Sohn Josef Götte, geboren 1946. Haus Haidlauf Die freistehende Stickerei wechselte von Gmünder zu Josef Anton Wirth. Dieser baute 1920 die Sticke rei, mit einem Stockwerk darüber, in ein Wohnhaus um. Nächster Besitzer wurde Josef Haidlauf. Von unserm Stall konnte ich ihn jeden Morgen während dem Melken beobachten, wie er mit seinen lan gen Beinen rassig nach Eschlikon marschierte. Die Erbengemeinschaft Haidlauf verkaufte das Haus 1996 an Andreas und Eva Müller. Nach Umbauten der Wohnung zügelte das Ehepaar am 1. April 1997 ins Than. Nach dem Tod ihres Mannes verkaufte Eva Müller das Haus an die Familie Casanova. Die Stickerei und danach das Wohnhaus wurden auf der Betriebsfläche des Bauernhofes gebaut. Der damalige Besitzer des Hofes, Heinrich Meili, baute die Stickerei in seiner Hauswiese. Eine aus gemarchte Zufahrt war nicht nötig. Als die Be sitzer wechselten, wurde die Zufahrt mit einem Fahrrecht zum Wohnhaus geregelt. Dieses besteht noch heute.
Der andere Teil des zusammengebauten Hofes (später Hof Hasler) Die erwähnten zwei Familien Brun in Than können seit 1637 und bis gegen Ende des 17. Jahrhun derts nachgewiesen werden. Gemäss dem evan gelischen Bevölkerungsverzeichnis wohnten seit 1670 jedoch keine Familien Brun im Than. Somit besteht eine Lücke. Erst am 1. Januar 1693 wurde im Than eine Tochter Elsbeth des Ehepaares Ulrich Rüegg und Margareth Forrer geboren. Dies ist der einzige Hinweis einer Familie Rüegg im Than. Am 8. Januar 1697 findet sich im katholischen Pfarrbuch die Geburt eines Sohnes des Ehepaares Hans-Ru dolf und Anna-Barbara Peterli-Gurschler. Am 20. April 1698 folgten eine Tochter und ein Jahr spä ter ein tot geborenes Kind. Die Familie muss fort gezogen sein. Im katholischen Pfarrbuch ist kein Mitglied der Familie mehr erwähnt. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts muss Hansjörg Baumgartner den Hof gekauft haben. Am 30. Juni 1747 wird im Than ein Töchterchen des Ehepaares Hansjörg und Elisabeth BaumgartnerIsenring geboren. Vom Kloster Fischingen erhielt er ein Darlehen von 100 Gulden, womöglich für den Kauf des Hofes, das er 1756 und 1762 je zur Hälfte abzahlte.
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Grosse Trauer im Hause Baumgartner Was das Ehepaar Baumgartner-Isenring an Leid auf dem Tannhof erleben musste, übersteigt jede Vor stellungskraft. Von 1747 bis 1764 wurden zwölf Kinder geboren, elf von ihnen starben zwischen dem 8. Februar 1748 und dem 4. Dezember 1764. Keines wurde älter als drei Jahre! Unvorstellbar ist besonders der Herbst 1750; die Mutter hatte in den vorherigen vier Jahren vier Kinder geboren. Das älteste war nur einjährig gestorben, die ande ren drei verschieden im Alter von zwei Monaten, ei nem und zwei Jahren innerhalb eines Monats. Dies wiederholte sich vier Jahre später. Am 20., 26. und 30. September 1754 starben alle drei seit 1750 geborenen Kinder. Zwischen 1757 und 1764 stan den Baumgartners noch viermal am Grab eines ih rer Kinder. In diesem Monat und im vorhergehen den August starben noch weitere sechs Kinder aus Hurnen und Eichholz. Ob eine ansteckende Krank heit grassierte, ist nicht bekannt. Am 12. Juli 1765 verkaufte Hansjörg Baumgartner den ganzen Betrieb an Basche Sedelberger: «mit Hus Schür Wissen äckher feldt Waidt und Holz zu kauffen für und umb 3000 Gulden 2 Schiltle dublonen und 4 frauen Thaler Trinkgeld. Mit all jenen rechten und gerechtigkeiten wie es Verkäufer bishin besessen und eingehabt.» Von der Familie des Basche Sedelberger sind keine Einträge in den Pfarrbüchern. Seine Anwesenheit im Than dürfte von kurzer Dauer gewesen sein. Der Kaufpreis war im Vergleich zu anderen Hö fen recht hoch. Hansjörg Baumgartner muss von
seinem Nachbarn Josef Ruckstuhl die Streittwies erworben haben. Im Kaufbrief steht: «Die Strittwis belangnendt ist weilen angedingt, dass wenn er Käufer solche nicht anzunehmen gedenkhe inner Frist 14 Tage solle und wolle er Verkäufer ihme Käufer hier umben 400 Gulden und 1 neue Dublone am Kaufschilling (Kaufsumme) abrechnen lassen und besagte Wyyss selbsten zu Handen nehmen.» Schon um 1770 muss Peregrin Brühwiler den Hof erworben haben. Am 10. April 1773 gebar seine Frau Maria Anne, geborene Sigmann, ein Mädchen im Tannhof. Ein Jahr später starb ein Knäblein die ser Familie, das nicht im Thann geboren wurde. Gegen Ende des Jahrhunderts übernahm Sohn Jo hannes Brühwiler den Hof. Seine Frau Agathe, ge borene Hinder, gebar von 1790 bis 1807 elf Kin der. Wie viele andere hatte auch diese Familie eine grosse Kindersterblichkeit zu beklagen. Johannes Brühwiler muss tüchtig gewesen sein. Er kaufte von 1810 bis 1825 insgesamt ca. 350 Aren Kulturland, vorwiegend im Raum Hurnen und 60 Aren Holz im Thanholz und im Beterenholz (zwi schen Eichholz und dem Schulhaus Egg). Er war von 1819 bis 1826 der zweite Vorsteher der jun gen Gemeinde Horben. Schon 1826 verkaufte Jo hann Brühwiler den Hof an die Brüder Ulrich und Jakob Schoch von Eschlikon. 1837 umfasste der Betrieb 24 Parzellen, ca. 1100 Aren Kulturland und 25 Aren Wald. Dies war damals mit Abstand der grösste Betrieb in Hurnen und Umgebung.
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Jakob Schoch gehörte zu den wenigen, die sich der Landwirtschaft verschrieben haben. Weder ge hörte er 1850 zu den 37 Webern der Gemeinde Horben, noch baute er – wie so viele andere Ende des 19. Jahrhunderts – eine Stickerei. 1866 hatte Jakob Schoch zwei Kühe und vier Ochsen. Diese dürften beim Bau der Eisenbahn für den Transport der Erde im Einsatz gewesen sein.
Jakob Schoch baute 1874 ein neues Wohnhaus, zwischen seine Scheune und Wohnhaus des Nachbarn. Auf dem Bild die Familie Thalmann um 1945. Vorne rechts, in der Betonplatte eingemauert, der Auslauf der «Güllegrube». Das Fass konnte ohne Pumpe gefüllt werden. Links die von Jakob Hasler 1956 gebaute Scheune. Rechts die Liegenschaft Josef Götte nach den verschiedenen Umbauten.
Jakob Schoch gehörte 1892 zu den Initianten und Aktionären der Wasserkorporation Hurnen-ThanEichholz. Heinrich Thalmann, Besitzer der Lie genschaft (Götte), kaufte um 1900 den ganzen Hof. 1907 ist Hermann Thalmann, Sohn von Hein rich, Besitzer des Hofes. Hermann Thalmann war mit Leib und Seele Obstbauer, er war der «Pomolog Thalmann». Den Hof übernahm sein Sohn Emil Thalmann, genannt Miggel. Er verkaufte den gan zen Hof 1946 an Jakob und Anna Hasler-Alder von Lommis. Dieser baute 1956 eine neue Scheune, verbunden mit einem Zwischenbau. Den Hof über nahmen 1968 sein Sohn Urs Hasler und Agnes Kappeler. Dank Urs Hasler musste ich nicht mehr viel Mist von Hand verzetten. Er schaffte sich schon früh eine Mistzettmaschine an und führte in der Region Lohnarbeiten aus. Urs Hasler stieg in den Heu- und Strohhandel ein und baute 1976 eine Lagerhalle. Diese brannte nach drei Jahren samt Inhalt vollständig nieder. Sein Bruder Niklaus baute eine gleiche Halle wieder auf. Den Betrieb übernahm 2006 sein Sohn Albin. Er baute 2009 den Kuhstall und die Scheune in eine Garage und Werkstatt um. 2015 erfolgte eine massive Vergrös serung der Heu- und Strohhalle.
Geschichte vom Than
Der Hof Hasler nach der Vergrösserung der Heuund Strohlagerhalle.
Liegenschaft Paul Götte 1812, bei der Gründung der Ortsgemeinde Hor ben, sind im Than nur die beiden früher erwähn ten Männer aufgeführt. Diese Liegenschaft kann damals noch nicht vorhanden gewesen sein. Im Assekuranzbuch fehlen die Jahre 1828 bis 1856. Im Verzeichnis der Kaufbriefe sind Neubauten oder Abbrüche nicht erfasst. Im Kartenausschnitt der Sulzberger Karte ist dieser Hof eingezeichnet. 1834 ist ein Tauschgeschäft beurkundet, das die sen Hof betrifft. Josef Hollenstein, wohnhaft in Gupfen, gibt dem Jo sef Bernet, wohnhaft im Eichholz, Haus, Scheune, Hofreite und Krautgarten «samt zwei Mad, die Scheuerwies alles beieinander im Than, stosst an die Strasse», dazu noch einige Parzellen Land.
Bernet gibt dem Josef Hollenstein sein im Eich holz stehendes Haus, Scheune, Hofreite und Kraut garten. Josef Bernet zahlt einen Aufpreis von 575 Gulden. Josef Bernet verkaufte die Liegenschaft 1845 an Jakob Buchegger von Hurnen. Buchegger stammte aus dem Vogelsang. Er kaufte in Hurnen einen Hof und wohnte 20 Jahre dort. Josef Bernet zog nach Wallenwil. Er kaufte 1846 das Wirtshaus mit der halben Scheune und dem halben Schopf. 1848 überliess Jakob Buchegger den Hof seiner Toch ter Katharina.1852 ging der Hof von Katharina Bu chegger an ihre Brüder Heinrich und Jakob Bu chegger über.
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Heinrich Thalmann und Elisabeth geb. Thalmann von Wiezikon, die Eltern meiner Grossmutter.
mir einmal, er könne sich erinnern, dass sein Vater Schuhe getragen habe, die ihm Heinrich Thalmann im Than nach Mass anfertigte. Trotzdem gehörte er zu den Initianten bei der Gründung der Senne rei Riethof und deren Bau im Jahre 1865. Als Nach folger, der die Liegenschaft hätte übernehmen sol len, war Sohn Emil vorgesehen. Dieser war Mitglied des Männerchors Egg und besuchte mit dem Chor die eidgenössische Landesausstellung 1881 in Zü rich. Dort muss er eine verdorbene Wurst verzehrt haben. Er wurde schwer krank und starb noch im gleichen Monat.
Liegenschaft Paul Götte 1985. Der Bauherr und das Baujahr sind nicht exakt bestimmbar. Es muss zwischen 1812 und 1830 geschehen sein. Der Anbau vorne rechts erfolgte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Das gleiche Schicksal erlitt seine Schwester Lis beth. Auch sie starb, nach dem Besuch in Zürich, noch im November 1881. Vermutlich waren beide Opfer einer Salmonellen-Infektion. Durch diesen Schicksalsschlag fehlte die Nachfolge. Den Hof er warb 1908 Georg Zimmermann. Schon 1911 folg ten Josef Götte, Bürger von Wildhaus und 1942 dessen Sohn Willi.
Die Gebrüder Heinrich und Ulrich Thalmann, die beiden Söhne des Ortsvorstehers und Schulprä sidenten Heinrich Thalmann in Horben, kauften 1859 von Jakob Buchegger diese Liegenschaft. Die Brüder Thalmann wurden 1847 zum Dienst im Sonderbundskrieg gegen die katholischen Orte aufgeboten. 1863 wurde Heinrich, geboren 1821, alleiniger Besitzer der Liegenschaft. Er war Schuhmacher. Theo Eberli im Vogelsang erzählte
1973 brannte der freistehende Schopf nieder. Noch nicht abgekühlte Grasmehlsäcke, die Willi mit dem Wagen in den Schopf rollte, lösten den Brand aus. An dieser Stelle baute Willi Götte 1975 eine neue Scheune und Stall. Mit Paul folgte die dritte Generation Götte auf diesem Betrieb. Paul verpachtete den ganzen Betrieb 2004 an Jörg Thal mann im Eichholz.
Geschichte vom Than
1851 bestanden im Than drei Bauernhöfe mit der folgenden Grösse: Nr.203 Jakob Schoch (der Bruder Ulrich hat Wohn- und Unterhaltsrecht) Haus und Scheune 30 Feldparzellen
22 ½ Juchart + 62 605 Quadratfuss = 83 Aren
Total 893 Aren
4 Parzellen Wald
4 ¼ Juchart + 11 800 Quadratfuss = 11 Aren
Total 164 Aren
1 Parzelle Torfland
Total 1.6 Aren
Nr. 204 Heinrich Kunz Haus und Scheune 11 Feldparzellen
4 ½ Juchart + 22 866 Quadratfuss = 21 Aren
Total 183 Aren
8 Feldparzellen
3 ¾ Juchart + 24 685 Quadratfuss = 22 Aren
Total 157 Aren
2 Parzellen Wald
22 200 Quadratfuss
Total 20 Aren
Nr. 205 Jakob Buchegger Haus und Scheune
1 Parzelle Torfland
Haus Kocherhans 1864 baute Heinrich Thalmann eine frei stehende Scheune neben seinem Hof. 1879 baute er als ers ter in der Gemeinde ein Stickereigebäude an diese Scheune. Es begann die Hochkonjunktur der Heimsticke rei. Fast in jedem Haus wurden in den nächsten 20 Jahren Handstickapparate installiert und dafür
Total 4,5 Aren
An- oder Neubauten erstellt. Über der Stickerei baute Heinrich ein Wohnhaus, weshalb die Treppe ausserhalb der Stickerei zur Wohnung erstellt wer den musste.
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und Maschinen verwendet. Paul Götte erwarb das Kulturland, das Jörg Thalmann im Eichholz pach tete. Die Waldparzelle mit dem Burghügel der «von Moos» im Moosholz kaufte 1988 Otto Müller in Hurnen.
Bau der späteren «Wirtschaft zur frohen Aussicht»
Links, hinter den Bäumen, die 1864 gebaute Scheune, rechts im Erdgeschoss, die 1876 an die Scheune angebaute Stickerei, darüber die 1894 gebaute Wohnung. Im Garten von rechts das Ehepaar FausterThalmann, die Töchter Lisbeth, Rosa und Berta und die ledig gebliebene Schwester Emma Thalmann.
Den Hof übernahm Heinrichs Sohn Wilhelm. Nach dessen Wegzug nach Bern ging der Betrieb an Heinrichs Schwiegersohn Ulrich Fauster von Münchwilen. Er war verheiratet mit Tochter Bertha. Der Betrieb wurde aufgelöst und blieb Eigentum der Erbengemeinschaft Fauster. Bewohnt wurde das Wohnhaus mit Stickerei von der ledig geblie benen Tochter Berta Fauster, das Land wurde ver pachtet. 1950 kehrte Tochter Rosa mit Ehemann Otto Kocherhans ins Than und bewirtschaftete den Betrieb bis ins hohe Alter. Johannes Berweger er warb die Liegenschaft. Die ehemalige Stickerei im Erdgeschoss wird als Einstellhallen für Traktoren
1886 baute Heinrich Thalmann, offenbar für sei nen Sohn Adolf, ein Wohnhaus an der Strasse nach Sirnach. Denn schon ein Jahr später ist im Asse kuranzbuch der Gebäudeversicherung Adolf Thal mann als Besitzer aufgeführt, mit der Zusatzbe merkung «ausgebaut». 1891 baute Adolf Thalmann eine freistehende Scheune neben das Wohnhaus. Mit einem 1895 erstellten Zwischenbau vergrös serte Adolf Thalmann den Wohnraum im ersten Stock. Im Erdgeschoss wurde die Wirtschaft um eine Bühne vergrössert. Ob Adolf Thalmann, der ein begeisterter Sänger gewesen sein soll, den An bau auch dem Männerchor Egg zuliebe realisierte, ist nicht bekannt. Dass der Männerchor gerne ein Lokal in der Gemeinde für die Durchführung seiner Unterhaltungen gehabt hätte, ist nachvollziehbar. Adolf Thalmann, geboren 1854, der Bruder mei ner Grossmutter, heiratete im Mai 1883 Elisabe tha Müller von Hurnen, geboren 1857, die Schwes ter meines Grossvaters. Die beiden eröffneten am 28. August 1897 die Wirtschaft «Zur frohen Aus sicht». Anlässlich des Jubiläums zum 50-jährigen
Geschichte vom Than
Auf einer Postkarte von 1906 ist an der Dachtraufe der Zwischenbau ersichtlich.
Bestehen des Männerchors Egg erwähnte der Fest redner, dass der Männerchor an diesem Datum bei ihrem Sängerkollegen Adolf Thalmann im Than zur Eröffnung seiner Wirtschaft eingeladen sei. Am 12. Februar 1898 fand die erste Abendunter haltung des Männerchors im Than statt, und am 8., 15. und 22. Februar 1899 führte der Männerchor an seiner Unterhaltung zum ersten Mal ein Thea ter auf der Bühne der «Wirtschaft zur frohen Aus sicht» auf. Im Herbst 1946 durfte ich als Erstkläss ler auf dieser Bühne, im Theater des Männerchors, als «Schauspieler» auftreten. Emmi Giger von Hur nen, später Röthlisberger-Giger in Wiezikon, war in diesem Theaterstück mein «Mami».
Adolf Thalmann und Elisabetha Müller
Adolf war Fergger, das heisst, er war Arbeitgeber für die vielen Heimsticker in der Region. Er be sorgte die rohe Ware zum Besticken, sammelte die fertig bestickten Tücher wieder ein und war für den Transport nach St. Gallen, mit der Bahn, besorgt. Diese Uebergabe fand in der Regel am Sonntag in der Wirtschaft statt, den Lohn bestimmte der Ferg ger. Das gleiche geschah in Hurnen, wo Johannes Müller 1869 das Restaurant Landhaus baute und ebenfalls Fergger war. Die beiden waren also Kon kurrenten. Jeder Heimsticker konnte seinen Ferg ger auswählen. Adolf Thalmann machte in der Regel, auf dem Heimweg von der Bahnstation, in Sirnach einen Zwischenhalt in der «Sonne» in Wiezikon. Im Früh jahr 1922 erlitt er nach dem Besuch in der «Sonne» einen schweren Hirnschlag. Für das Pferd war dies
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kein Problem, es brachte seinen Meister – auch ohne geleitet zu werden – sicher nach Hause. Dort angekommen, konnte Adolf jedoch weder spre chen noch vom Bock hinuntersteigen. Er starb we nige Tage später, am 11. März 1922.
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Jakob Bleiker beim «Büschelen»
Die Familie des Heinrich Thalmann beherrschte zu dieser Zeit Than und Eichholz. Sohn Albert kaufte im Eichholz die Liegenschaft, die später von der Familie Liechti bewohnt wurde. Hermann kaufte von Jakob Schoch die Liegenschaft Hasler. Wil helm übernahm die vom Vater erstellte Liegen schaft mit Scheune und Stickerei mit dem auf die Stickerei gebauten Wohnhaus (Kocherhans). Sohn Emil war auserkoren, die elterliche Liegen schaft zu übernehmen. Das Schicksal wollte es an ders. Johann Thalmann im Eichholz war ein Cousin der Geschwister Thalmann im Than. 1928 kaufte Jakob Bleiker von St. Peterzell, mein Grossvater, die Liegenschaft. Jakob Bleiker betrieb neben der Wirtschaft eine kleine Landwirtschaft mit 2 bis 4 Kühen. Schon 1934 verkaufte Jakob Bleiker den Hof an Christoff Arnt. Ihm folgten in kurzen Abständen, Fritz Scheidegger, Fritz Wyss und Alois Sidler. Im Viehverzeichnis der Viehversicherung ist 1940 Gottfried Bütikofer aufgeführt. Er besass 4 Kühe. Auf Bütikofer folgte 1947 Karl Kobelt. Er wirtschaf tete in diesem Jahr mit 3 Kühen und 2 Rindli. Die Witwe führte den Bauernhof und die Wirtschaft noch einige Jahre weiter. Auf Grund von Eintragun gen in der Buchhaltung, die mein Vater in den 20erJahren erstellte, wurde sie von ihrem Bruder und Neffen in Hurnen unterstützt.
Jakob Bleiker war nach dem Verkauf noch viele Jahre Weibel der Gemeinde Horben. Er half auch noch seinem Schwiegersohn Adolf Müller in Hur nen bei verschiedenen Arbeiten, insbesondere war er für das «Büschelen» des Brennholzes verantwortlich.
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Karl Kobelt verliess im Frühjahr 1950 mit seiner Familie das Than und zog nach Hurnen (in die zweite Wohnung bei Josef Lautenschlager). Nach her führte er – vor allem seine Frau – das Restau rant «Landsberg» in Krillberg. Auf Kobelt folgte das Ehepaar Hertig. Bei der Viehzählung im November 1954 hatte Rudolf Hertig 4 Kühe. Rosa Kocherhans schrieb in ihrem Kalender am 29. April 1955: «Wegzug der Familie Hertig nach Wald.» Und am 30. April 1955: «Familie Berweger zieht ein.» 1958 ist Witwe Berweger mit 5 Kühen 1 Rindli und 39 Schweinen im Verzeichnis. 1962 folgt das Ehe paar Johannes und Annemarie Berweger-Frisch knecht. Sie bewirtschafteten den Betrieb mit 7 Kü hen und 50 Schweinen. Die Mutter von Johannes Berweger führte die Wirtschaft noch ein paar Jahre weiter, allerding nur, wie sie mir einmal sagte: «Damit ali, wo gern en Kafi oder e Bier trinke wötet, bi mir ichere chöned.» Die junge Bäuerin Annemarie hatte keine Freude am Wirten. Dies war schon damals eine Bedin gung, um erfolgreich zu sein. Sie verzichtete auf das Wirtepatent. Damit verschwand die «WIRT SCHAFT ZUR FROHEN AUSSICHT» nach nur gut 50 Jahren wieder.
Das Ehepaar Hertig auf der Käsereireise 1950. Von links Anna Hasler, Liesbeth und Willi Götte, das Ehepaar Hertig, mit dem Rücken zur Kamera Paul Müller senior.
Nach der Auflösung der Betriebsgemeinschaft Berweger-Müller baute Johannes Berweger ein Lohnunternehmen im Ackerbau auf. Der Umfang wurde so gross, dass er die Schweinehaltung auf gab. Er beschäftigte zwei bis drei Maschinenführer, die auch den Unterhalt und die meisten Reparatu ren ausführten. Seit 2013 führt Johannes junior das operative Geschäft, tatktäftig unterstützt von seinen Eltern.
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Maschinenpark der Familie Berweger.
Lohnunternehmen Berweger für Ackerbau.
Die Kappelle «Heublüemli», Albin Hasler rechts und Michael Berweger. Dieses Duo war während vielen Jahren eine sehr beliebte Unterhaltungs- und Tanzkapelle im Hinterthurgau.
Than und Eichholz am Ende des 20. Jahrhunderts. Links vorne die von Willi Götte gebaute neue Scheune.
Geschichte vom Than
Die Wasserversorgung im Than Einige Rätsel gab anfänglich die Frage auf, wo her die Bewohner der Höfe im Than das Wasser für Mensch und Tier holen sollten. Rosa Kocher hans-Fauster erzählte mir, dass früher im Haus ih rer Mutter (Liegenschaft Paul Götte) im Keller ein Wasserloch vorhanden war, aus dem das Wasser geschöpft werden konnte. In den anderen Liegenschaften wurden tiefe Brun nen gebaut, aus denen das Wasser geschöpft wer den konnte. Albin Hasler restaurierte seinen Brun nen vor dem Haus, ohne Einbau der alten Pumpe. Der von Albin Hasler restaurierte Brunnen.
Handpumpe neben dem Kellerabgang, mit der das Grundwasser gepumpt werden konnte.
Restaurierte alte Pumpe. Josef Götte *1946 hat die Brunnenröhre 1990 wieder ausgegraben und die alte Handpumpe funktionstüchtig installiert.
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Eichholz Die Karte von H. K. Gyger aus dem Jahr 1667 zeigt, dass ein nicht unbedeutender Weg vom Tösstal über Balterswil – Hurnen – Eichholz – Wiezikon Rich tung St. Gallen führte. Diese Strasse ging an Wal lenwil, Eschlikon, Sirnach und Wil vorbei nach St. Gallen. Dass hier Eichholz und nicht Than erwähnt wird, ist nachvollziehbar. Wie der Kartenausschnitt von 1830/38 zeigt, lagen die Höfe Than und Eich holz damals nahe beisammen. Der Kartograf von 1667 hatte diese als Einheit wahrgenommen. Es darf daraus nicht der Schluss gezogen werden, Eichholz sei älter als Than. Vermutlich hatte er ei nen Bewohner vom Hof Eichholz nach dem Namen gefragt. Es gab ja noch keine Karten, auf denen er nachschauen konnte.
Karte von H. K. Gyger 1667
Eichholz
Erste Erwähnung eines Hofes Eichholz Die erste Erwähnung eines Hofes im Eichholz be findet sich in Lehenbeschrieben des Klosters St. Gallen im Stiftsarchiv St. Gallen. Dies dürfte der eingezeichnete Hof sein. · 1577; Hans Brunschwiler usem Aichholz; (Bd. LA 139) · 1579; Jakob Kauffmann usem Aichholz; (Bd. LA 142) Das heisst nicht, dass es im 16. Jahrhundert be reits zwei Höfe im Eichholz hatte. Der kurze Ab stand der beiden Lehenbauern deutet eher darauf hin, dass Kauffmann der Nachfolger von Brun schwiler auf diesem Hof war. Die beiden Bauern waren auch nicht wirklich Lehenbauern des Klos ters, sondern freie Besitzer des Hofes. Wie andern orts (Hof Hurnen) erwähnt, wurden solche Lehen briefe im Kloster St. Gallen immer wieder erneuert, obwohl die Bauern Eigentümer waren. Das Klos ter St. Gallen hatte schon vor dem 6. Jahrhundert kaum mehr echte Lehenhöfe im Hinterthurgau. Nur die evangelischen Pfarrer mussten ab 1637 das Bevölkerungsverzeichnis nach Zürich senden. Bis 1742 waren die Bewohner vom Eichholz katho lisch. Hinweise aus dem Leben der Bewohner der Höfe existieren nur, wenn die Obrigkeit oder die Richter bei Differenzen eingeschaltet wurden und Akten erstellt werden mussten.
Gemäss dieser Karte 1830 – 1838 befand sich der erste Bauernhof im Eichholz links an der Strasse von Than Richtung Wiehalde. Bei dem erwähnten Hof muss es sich um diesen Hof handeln.
Eine solche Urkunde liegt im Gemeindearchiv der Gemeinde Wiezikon. Unter Baumgartner, dem Ammann des Amtes Tannegg, schlossen die Ge meinde Wiezikon und Peter Hollenstein im Eichholz 1664 einen gütigen Vergleich betreffend Einzäu nungen der Güter Hollensteins. Peter Hollenstein war verheiratet mit Elisabeth Senn. Sie starb 1657. Peter Hollenstein starb am 22. Juli 1666. Den ersten Eintrag im Ehe-Buch des katholischen Pfarrbuches von Bewohnern des Eichholzes fin den wir am 15. Februar 1665. Johann Senn vom Rütibach heiratete Anna Gartenmann aus dem Eichholz. Eine Familie Gartenmann muss den Hof Eichholz bewirtschaftet haben. Eintragungen über diese Familie in den Pfarrbüchern sind keine zu finden.
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Von 1667 bis 1688 gebar Anna Senn-Garten mann 12 Kinder, von denen die Hälfte früh ster ben musste. Danach gibt es keine Eintragungen mehr über die Familie Senn vom Eichholz. Im Juni 1696 heiratet Jakob Peterli von Littenheid, Maria Huber aus dem Eichholz. Es muss in der Zwischen zeit eine Familie Huber den Betrieb Senn erworben haben. Das Ehepaar Peterli-Huber hatte sieben Kinder die im Eichholz geboren wurden. · Johannes *7. März 1707, heiratete 1746 Anne-Marie Schoch. · Peregrin *26. August 1715, heiratete 1751 Maria Eggin. Nach deren Tod am 4. November 1757 heiratete er am 6. Januar 1758 Cathrin Kappeler.
Übersetzung der ersten Zeilen der Akte, die sich im Archiv des Klosters Fischingen befindet «Akte den 27ten Augst 1784 Heüt dato ist die ganze Verlassenschaft d. Johannes Peterlis auf dem Eichholtz obrikeitlichen beschriben und vertheilt worden. Erben sindt 2. Die Witib Anna-Maria Schoch. Die andere Hälfte fahlt auf 12 Köpf.»
Die zwei Brüder besassen offensichtlich die bei den Höfe, die auf der Karte eingetragen sind. Jo hannes hatte keine Kinder, Peregrin zwei Töchter. Er starb 1774. Nach dem Tod des Johannes, am 26. Juni 1784, fand schon zwei Monate später die Erbteilung statt. Diese Akte der Erbteilung vom 27. August 1784 ist im Archiv des Klosters Fischin gen vorhanden. Alle 12 Erbberechtigten sind aufgeführt. Neben Cathrina, der Tochter von Peregrin, sieben Peterli von Littenheid (auch die Peterli in Hurnen stamm ten von Littenheid) und vier Eggen (Verwandte von Peregrins erster Frau) von Mühlebach. Catharina Peterli, eine Tochter von Peregrin, heiratete 1778 Johann Hollenstein.
Eichholz
Johann Hollenstein wird Haus und Scheune und die Hälfte Fahrnis samt den Aktiv-Schulden als sein Eigentum überlassen. Er muss aber die jähr lichen Grundzinsen und Zehnten, «Fahl» und «Lass» sowie alle obrigkeitlichen Kosten gemeinsam mit der Witwe Anne-Maria Schoch bezahlen. Ausser dem muss er jedem der elf Miterben, nebst einem Mutt Kernen, 84,5 Gulden auf nächsten Martini in bar bezahlen. Bewertet man all diese Bedingungen, dann war das keine Erbschaft. Johann Hollenstein bekam die Ge legenheit, diesen halben Hof käuflich zu erwerben. Die Land- und Waldparzellen wurden geteilt, die eine Hälfte an die Witwe Maria Schoch, die andere an Catharina Peterli, die Gattin von Hollenstein. Ein Ausschnitt aus dieser Akte von 1784 zeigt die Gründe der unglaublichen Parzellierung in Parzel len bis zu ½ Vierling (4,5 Aren).
Das geteilte Ackerfeld; links der Witwe Maria Schoch; rechts der Catharina, der Tochter von Peregrin.
Rechte Seite von oben: der Theil gegen Hurnen der undere Theil Acker der ober Theil allda der ober Theil allda der under Theil allda der under Theil allda der undere Theil der obere Theil der obere Theil Ergethen Holtz und Boden der under Teil allda
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Fahl (Fall)
33 Gulden (dem Kloster, beim Tod eines Leibeigenen) Lass 20 Gulden (wie oben, wenn keine Leibeserben vorhanden waren Obrigkeitliche Kösten 1 Gulden 9 Kreuzer Schreiber 3 Gulden Weibel 3 Gulden Verzehrt 1 Gulden 9 Kreuzer Heutige Zeillkösten und Zehrung 4 Gulden Den Schäzern 1 Gulden Laut (Beleg): ausgelegt 11 Gulden Total 78 Gulden 18 Kreuzer, geerbt hatten sie je 55 Gulden!
Das Loch vor dem Haus in der Gass kann die Witib fürderhin zum thung (Dünger) machen allein beibehalten. Dass nebendt dem Stahl aber hat sie nur so lang dem Hollenstein gefählig zum Nuzen zu gebrauchen.» Bei den Löchern muss es sich um Mist gruben und/oder Güllengruben gehandelt haben. Im Lehenbuch des Klosters Fischingen am Ende des 18. Jahrhunderts steht geschrieben: «Der Besitzer des Guets im Eichholz soll jährlich auf Martini so lang einem Herrn gefällig für Heu und kleinen Zehnten 2 Gulden 30 kr. zahlen.» Darunter steht geschrieben: «Der Marchungsbrief liegt in C III S. 49 No. 3 Diese Marchung betrifft die Winnegg Zinset 1792 – 1797.»
Gebühren aus der Erbteilung
Auch die Wiesen und sogar die Waldparzellen wur den alle quer- oder längsgeteilt. Wenn heute oft die hohen Gebühren kritisiert werden, so waren die Gebühren aus dieser Erbteilung sehr hoch. Weitere interessante Bedingungen: «Die Aich bey dem Haus gebührt dem Hollenstein alleinig, hingegen aber kann die Witib das Haus auf 1 Jahr lang alleinig in Besitz nehmen, und das Dach helfen gemeinsamb underhalten, die Scheür wirdt auch gemeinsam gebraucht, und das Dach auff gleicher weiss in guothen Stand gehalten.
Namen sind keine erwähnt, diese Zinsen betrafen den Hof, egal wer ihn bewirtschaftete. Man muss davon ausgehen, dass der einstige Hof Winnegg im Hof Eichholz aufgegangen ist. Bei dem erwähn ten Hof muss es sich um den ältesten Hof im Eich holz handeln, der 1784 bereits geteilt wurde. (Nr. 155 und 156 auf dem Plan). Als Beweis dienen die Brandassekuranz-Nummern. Diese Nummern blie ben vom Anfang der Aufzeichnungen an die glei chen (1808 bis 1861). Wegen der fehlenden Jahre 1830 bis 1856 haben wir leider auch keine Infor mationen. Neubauten, Rückbauten und Brandfälle sind in der Regel nur in den Assekuranzbüchern der Gebäudeversicherung ausfindig zu machen.
Eichholz
Die Nummerierung begann in Hurnen. Than hatte die Nummern 151 bis 154. Im Eichholz hatten die beiden Gebäude auf dem Plan die Nummern 155 und 156, dazu eine Nummer 178, d. h. 1811 muss ein neues Haus gebaut worden sein. Josef Hollenstein baute 1811 Haus und Scheune im Eichholz, Nr. 178. Diese Liegenschaft wurde an die Nr. 156 angebaut. Nach der Gründung der Ortsgemeinde Horben 1812 wurden im Protokoll der ersten Jahresgemeinde-Versammlung 1816 die Einwohner aufgezählt, die Bürger der Gemeinde wurden. Aus dem Eichholz waren es Johann Hollen stein und Josef Hollenstein. Das Eichholz bestand vor 1811 aus den später abgebrochenen Liegen schaften 155 und 156. Nr. 155 · 1577 Hans Brunschwiler · 1579 Jakob Kaufmann · 1664 und unbestimmte Jahre davor, Peter Hollenstein, gestorben 1665. · 1665 bis unbestimmt Familie Gartenmann · Von unbestimmt bis mindestens 1688 (Geburt des letzten Kindes) Johann Senn-Gartenmann · Danach eine unbestimmte Zeit eine Familie Huber · 1696 heiratete Jakob Peterli eine Maria Huber vom Eichholz. · 1746 die Söhne des Ehepaars PeterliHuber. Johannes Peterli und Annamarie Schoch gemeinsam mit Peregrin Peterli und Maria Eggin.
· 1784 Johannes Hollenstein und Catharina Peterli (die Tochter von Peregrin) · 1804 Johannes Hollenstein und Barbara Kopp (von Wallenwil) · 1821 Anton Huber aus dem Kanton St. Gallen, auf Zins im Eichholz wohnhaft, ersucht die Gemeinde Horben um eine Auf enthaltsbewilligung. Diese wird ihm erst nach einem zweiten Gesuch 1820 erteilt. Vermutlich hat Johann Hollenstein den Hof an Huber verpachtet. · 1828 verkauft Johann Hollenstein an Jakob Thalmann von Wiezikon Haus samt Schopf. · 1831 Witwe des Jakob Thalmann selig ver kauft Josef Bernet Jünger von Sirnach Haus, Schopf und Krautgarten. Gemäss den im Jahre 1856 wieder aufgetauchten Assekuranz-Büchern existierte dieser Hof nicht mehr.
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Nr. 156 · Spätere Nummerierung Nr. 207 mit Nr. 206 zusammengebaut · 1834 Tauschgeschäfte: Josef Hollenstein, Gupfen, gibt dem Josef Bernet, Eichholz, Haus, Scheune, Hofreite und Krautgarten, alles im Than. (Liegenschaft P. Götte) · Bernet gibt dem Josef Hollenstein sein im Eichholz stehendes Haus, Scheune, Hofreite und Krautgarten. · Josef Hollenstein, Gupfen, tauscht mit Johann Hollenstein, Eichholz. · Josef gibt dem Johann das von Josef Bernet eingetauschte Haus. · Nach diesen Tauschgeschäften ist Johann Hollenstein Besitzer des Betriebs. · Das Haus brach er 1880 ab, die Scheune schon 1871. Er war bereits Besitzer von Nr. 209. Haus Nr. 206 · Haus und Scheune wurden 1811 von Josef Hollenstein neu gebaut. Haus Nr. 206, gebaut 1811. Foto 1995
· 1819 Andreas Huber, Gupfen, erhält Be trieb von Josef Hollenstein, Eichholz, ein neu erbautes Haus, «Schür» mit viel Land · 1857 Ulrich Hubmann vereinigt Haus und Scheune und baut diese an Nr. 207. · 1861 Ulrich Hubmann repariert das Wohnhaus. · 1862 neue Nummern · Nr. 206 Ulrich Hubmann verkauft an Jakob Schmidhauser. · 1866 hat Jakob Schmidhauser drei Kühe. · 1873 Jakob Schmidhauser verkauft an David Thalmann, Jünger, von Wiezikon · 1874 ist wieder Witwe Schmidhauser Besitzerin der Liegenschaft. · 1879 Johann Georg Rickenmann · 1881 Heinrich Thalmann vom Than · 1884 sein Sohn Albert Thalmann · 1926 Adolf Thalmann, danach blieb der Hof in der Familie. (siehe Nr. 210) · Der Hof wurde an Ernst Klee verpachtet. 1947 folgte sein Schwiegersohn mit 2 bis 3 Kühen. Die Familie Krüsi-Klee zog am 11. Oktober 1958 nach Horben. Die Liegenschaft wurde an Hans und Elsbeth Liechti vermietet.
Stickerei Nr. 208 Johann Rickenmann *1847 baute 1890, wie viele andere, eine Stickerei, die später abgebrochen wurde.
Eichholz
Haus Nr. 209 Hans Jakob Rickenmann vom Fliegenast heira tete 1802 Magdalena Metzger aus Münchwilen. Er konnte den Hof von Johann Hollenstein erwer ben, da er keine männlichen Nachkommen hatte. 1820 machte er in hohem Alter ein Testament für seine drei Töchter. Die drei Kinder des Ehepaares Rickenmann-Metzger wurden im Eichholz gebo ren. Anna Barbara *1813 heiratete 1835 Johann Müller aus Hurnen, den späteren Erbauer des Re staurants Landhaus. Noch 4 Generationen Ricken mann wurden im Eichholz geboren. Als Betriebsin haber folgten Sohn Johannes *1812 mit Ehefrau Barbara Niedermann *1819 aus der Hub. 1866 hatte Johann Rickenmann drei Kühe. 1867 wurde eine alte Scheune abgebrochen und eine neue ge baut. Es folgte mit Sohn Johannes *1847 die dritte Generation Rickenmann. Er heiratet Elisabeth Leu tenegger *1847, von Eschlikon. 1910 übernah men deren Sohn, Johann Werner *1884 und Frieda Schegg, Berneck, den Hof. Johann Werners Sohn, Werner *1916, liess sich in Zürich einbürgern. Er erzählte mir bei einem Besuch in der alten Heimat einiges über seine Jugendzeit im Eichholz. (siehe am Schluss dieses Kapitels) Im Jahre 1920 kaufte Johann Thalmann den Be trieb. Ihm gehörte bereits der andere Teil des zu sammengebauten Hofes. Beide Höfe blieben in der Familie. (siehe Nr. 210). 1922 folgte Sohn Adolf Thalmann-Bietenhader, 1953 Enkel Hans, verhei ratet mit Ella Rutishauser. Seit 1996 ist mit Jörg die vierte Generation Thalmann Besitzer des gan zen Eichholzes.
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Wohnhäuser Nr. 209 und 210 Das Foto zeigt, dass nicht das ganze Haus gleichzeitig gebaut wurde. Über die Bauherren und Daten fehlen die Unterlagen.
Die Geschichte dieses Hofes kann, nach dem Um bau des Wohnhauses durch Jörg Thalman, mehr oder weniger rekonstruiert werden. Gebaut wurde zuerst der mittlere Teil mit Quergiebel von Friedrich Rickenmann *1804, in den Jahren 1825 bis 1845. Wegen fehlender Unterlagen kann das genaue Da tum nicht ermittelt werden. Nach Auskunft von Jörg Thalmann wurde der Wohnteil rechts in die da malige Scheune gebaut. Die beiden Brüder Fried rich *1804 und Johannes *1812 machten noch vor
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1845 gemeinsame Sache. Sie bauten auch einen neuen Wohnteil links an das Wohnhaus. Die be stehende Wohnung und die Betriebsfläche wurden aufgeteilt. Die Gebäude erhielten die Assekuranz nummern 209 und 210. Haus Nr. 210 · 1862 Friedrich Rickenmann, Bruder von Johannes Rickenmann. · 1866 hatte Friedrich Rickenmann eine Kuh. Mit 75 Jahren verkaufte er 1878 an Schwiegersohn Jakob Spörri.
· 1882 Gekauft durch Vorsteher Ulrich Thalmann von Horben, teilweise neu ge baut. Dies dürfte ein Ausbau für den stei genden Milchviehbestand gewesen sein. · 1893 Johann Thalmann von Bernhardsriet · 1897 Neubau Stickerei · 1922 Sohn Adolf Thalmann · 1953 Enkel Hans Thalmann · 1996 Urenkel Jürg Thalmann
Der Hof Eichholz ca. 1950 mit den Kavalleristen Hans und Ernst Thalmann, daneben meine beiden Cousins Werner Schmid und Arthur Bernhard, Enkel von Jakob Bleiker.
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1851 bestand das Eichholz aus vier Bauernhöfen mit den folgenden Grössen: Nr. 206 Rudolf Hubmann Haus und Scheune 10 Feldparzellen
4 ¾ Juchart + 44 100 Quadratfuss = 40 Aren
Total 283 Aren
Auf diesem Grundstück lasten Zehnten von 23 Gulden 3 Parzellen Wald
¾ Juchart + 27 000 Quadratfuss = 24 Aren
Total 51 Aren
Nr. 207 Franz Josef Hollenstein Haus und Schopf und eine Scheune Nr. 208 8 Feldparzellen
6 ¾ Juchart
Total 243 Aren
2 Parzellen Wald
1 ¼ Juchart
Total 45 Aren
Nr. 209 Johannes Rickenmann Haus und die Hälfte Scheune mit Bruder Friedrich 13 Feldparzellen
268 826 Quadratfuss = 241 Aren
Total 241 Aren
Auf diesem Grundstück lasten Zehnten von 21 Gulden. 4 Parzellen Wald
62 000 Quadratfuss
Total 56 Aren
Nr. 210 Friedrich Rickenmann Haus und die Hälfte Scheune mit Bruder Johannes 14 Feldparzellen
1 Juchart + 250 11 Quadratfuss = 240 Aren
Total 276 Aren
Auf diesem Grundstück lasten Zehnten von 13 Gulden. 5 Parzellen Wald
73 600 Quadratfuss = 66 Aren
Total 66 Aren
Der Zehntenloskauf vom Kloster Fischingen hatte im Eichholz offenbar noch nicht stattgefunden.
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Regierungsrat Jakob Stark befasste sich 1993 in seiner Dissertation «Zehnten statt Steuern» mit der Ablösung der Zehnten in der Helvetik und den an schliessenden Jahrzehnten im Thurgau. Die Bau ern hatten die Zehnten an die Gerichtsherren, dem Kloster Fischingen, zu zahlen. Dazu kamen die Steuern des neuen Kantons Thurgau. Die Ab lösungssummer betrug im Thurgau in der Regel das 20-fache der Zehnten. «Die Pflichtigen hatten gegenüber den Eigentürmern die Möglichkeit, die Zehnten oder Grundzinsen in Geldschulden umzuwandeln, für die das bisher belastete Land haftete. Sie mussten zu 5% verzinst werden.» (Jakob Stark, Seite 237) Es scheint, dass nur die drei Bauern im Eichholz diesen Weg der Verschul dung des Betriebes wählten. Berufe der über 18-jährigen Bewohner 1850 im Eichholz: · Witwe Anna von Aarburg · Franz Josef Hollenstein, geboren 1805 Weber · Johannes Rickenmann, geboren 1812 Viehhändler · Friedrich Rickenmann, geboren 1804 Viehhändler
Erinnerungen von Werner Rickenmann *1914 an seine Jugend im Eichholz Die Generation von Werner Rickenmann und sei nen drei Schwestern, 1912 bis 1922 im Eichholz geboren, war die letzte von 10 Generationen, die seit dem 16. Jahrhundert im Fliegenast und ein Zweig im Eichholz geboren wurden. · Pfarrer Hohl von Sirnach hatte den Weiherbach gepachtet. Wir Buben hatten die Fische oft gefangen, die dem Pfarrer gehörten. Er meinte dann, die Fische beissen heute wieder nicht an. Wir stauten den Weiherbach und steckten Karbidlampen in Bierflaschen. Nach dem Anzünden der Lampen waren alle Fische auf einer Länge von10 bis 20 Metern tot. · Der gestaute Webereikanal war ebenfalls voll von Forellen. Er war im Eigentum der Weberei Sirnach. Fischen durften nur die drei Direktoren. Die Aufsicht hatte ein junger Angestellter der Weberei, der im Töbeli wohnte. Wir drei, vier Kumpels im Schulalter waren ebenfalls hinter den Fischen her. Wir versteckten uns hinter den Gebüschen, wurden aber trotzdem oft erwischt. Auch der Sohn des Vorstehers und Gemeindeammanns Friedinger war dabei. Wir wurden oft erwischt, aber nie in Sirnach angezeigt. Der junge Aufseher hatte ein Auge auf eine der älteren Schwestern der Lausbuben.
Eichholz
· Ein Herr Äpli von der Weberei Sirnach wanderte oft über das Eichholz. Der junge Werner erhielt jedes Mal 20 Rappen. Das sprach sich schnell herum. Da der Herr Äpli seine Wanderungen immer etwa um die gleiche Zeit unternahm, sammelten sich immer mehr Buben um diese Zeit im Eichholz und verschwanden nach Erhalt des Zwanzigers wieder nach Hurnen. · Unser Betrieb (209) war grösser als der «Thalmannsche». Ohne eine Elek trikerLehre absolviert zu haben, installierte ich die erste Transformereinrichtung dank Weiterbildungs-Kursen. · Nach mündlichen Überlieferungen von Vater und Grossvater sollen im Burghügel im Moosholz ein goldenes Kegelreis und eine goldene Kugel verschollen sein. Wir Buben suchten mit Hacke und Schaufel. Dabei stiessen wir auf die Fundamente der Burg. · Als kleiner Bub kam ich einst mit dem Vater von Vogelsang her. Wir kehrten im Restaurant Landhaus ein. Sticker Samuel Walder gesellte sich zu uns. Er erzählte dem Vater, dass er noch gut essen und trinken und das Leben geniessen wolle. Der Doktor habe ihm gesagt, dass er nur noch 14 Tage zu leben habe. Am 15. Tag danach starb Samuel Walder.
Zum Schluss ein Ereignis das zeigt, dass mündli che Überlieferungen nicht immer frei von persön lichen Emotionen weitergegeben werden oder un absichtliche Änderungen erfahren. Bericht 1 von Werner Rickenmann «Auf dem Heimweg nach Mösli-Fliegenast betrachtete ich das Wasser und die Bienen an den ersten Blumen. Plötzlich sah ich eine Frau im Strassengraben liegen. Ich rannte ins nächste Haus, das Herrn Wartenweiler gehörte. Die Frau war die Schwester dieses Bauern. Sie pflückte Blumen am Bachrand. Als Epileptikerin hatte sie einen Anfall und sie stürzte in den Strassengraben. Ihr Körper staute das Wasser, und sie ertrank.» Bericht 2 von Rosa Kocherhans Jahrgang 1902 «Es wurde erzählt, ein im Fliegenast wohnender Mann, der oft über den Durst getrunken habe, sei auf dem Heimweg vom Mösli nach Fliegenast betrunken in den Strassengraben gefallen. Sein Körper habe das Wasser gestaut. Er sei im aufgestauten Wasser ertrunken.» Es ist schwer zu glauben, dass im gleichen Zeit raum von wenigen Jahren zwei Menschen in den gleichen kleinen Strassengraben stürzten und auf die gleiche Weise sterben mussten.
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Fliegenast Entstehung und Bedeutung des Namens
Der alte Hof Fliegenast, rechts der Strasse vom Than nach Büfelden. Hier wohnten vor dem Brand 1874 vier Familien. Rechts davon der heute noch bestehende Hof Wartenweiler.
Das Alter des Hofes In der Wallenwiler Offnung von 1509 wird erwähnt, dass Horben im Eschliker Riet «Trättrecht» hat. 1589 wird in einem Zusatz präzisiert, dass Hor ben, nicht aber der Hof Rütibach «Trättrecht» habe. Der Hof Flügenast, am Rande des Riets gelegen, wäre bestimmt – positiv oder negativ – erwähnt worden, hätte er schon bestanden. In Kombina tion mit der Erwähnung des ersten bekannten Be wohners vom Flügenast kann davon ausgegangen werden, dass der Hof gegen Ende des 16. Jahrhun derts gebaut wurde.
Zu Beginn der Aufzeichnungen in den Pfarrbü chern, ca. 1620, wurde noch «Flügenast» oder «Fleugenast» geschrieben. Erst durch die Verhoch deutschung durch die Pfarrherren ergab sich das Fliegenast. Gemäss dem Historisch–Biografischen Lexikon ist ein «Flüger/Fleuger» eine verächtliche Bezeichnung für einen kleinen oder leichtsinnigen, flüchtigen Lebemenschen, besonders auch in Be zug auf Frauen. «Ast» oder auch «Näscht» ist in vielen alten Rede wendungen und Sprichwörtern zu finden. · Er ka ebe nu vo eim Ast uf de ander hüpfe. · Uf de Äscht umespringe. (sich widersprechen) · Er hät en Ast. (Er ist etwas verrückt.) · Er got gern uf d'Äst. (Er liebt den Umgang mit Frauen.) Aus der Kombination der Deutungen dürfte es er laubt sein, den Ursprung des Namens dem ersten Bewohner und Erbauer des Hofes zuzuschreiben. Als erste Person finden wir im evangelischen Pfarr buch von Sirnach einen evangelischen Ricken mann. Abraham Rickenmann vom Fleugenast. Er
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war 1621 Pate bei der Taufe eines Sohnes von Uli Brun im Than, ebenso 1626 bei einer Taufe der Familie Buchegger in Hurnen. Damals war es üb lich, dass – für jene Verhältnisse – gut situierte Nachbarn und nicht Verwandte Pate standen. Ab raham wurde vor 1580 geboren. Der Geburtsort ist nicht bekannt. Im evangelischen Pfarrbuch der Gemeinde Sirnach gibt es ausser der Fliegenäst ler keine Rickenmann. Im katholischen Pfarrbuch gibt es keinen einzigen Eintrag eines Rickenmann aus der Gemeinde Hor ben. Man darf davon ausgehen, dass er als katholi scher Wallenwiler geboren wurde. Er war in erster Ehe mit Zill Kappeler und in zweiter Ehe mit Elsbeth Huber verheiratet, beide aus einer evangelischen Familie. Wir befinden uns immer noch in der Zeit der Gegenreformation. Der Abt des Klosters Fi schingen hatte den Auftrag, das Tanneggeramt wie der katholisch zu machen. Wallenwil wurde schon früh wieder zu 100% katholisch. Abraham Ricken mann dürfte konvertiert haben. Ob es ganz freiwil lig geschah, ist für uns nicht wichtig. In verschiede nen historischen Arbeiten ist zu lesen, dass es in jenen Jahrhunderten für einen Mann Ehrensache gewesen sei, ein geschwängertes Fräulein nicht «sitzen» zu lassen. Heiratete ein Wallenwiler eine evangelische Frau, so war er in Wallenwil kaum mehr willkommen. Auch der Spott dürfte ihm si cher gewesen sein. Es ist wahrscheinlich, dass er von den Wallenwilern, gemäss beschriebener Deu tung, mit den Beinamen «Fleuger» und «Ästler» ver sehen wurde. Deshalb könnte der Hof seinen Na men erhalten haben.
Sicher liegt Nyffenegger mit der Meinung falsch: «Zweig mit Laub, der dazu dient, von einem eingespannten Zugtier die Fliegen wegzuscheuchen.» (Siedlungsnamen des Kantons Thurgau, Band 1 Seite 486.) Schon eher seine zweite Variante: «der Hof eines Mannes mit dem Familien- oder Übernamen FLÜGENAST.»
Die Bewohner vom Flügenast Im Flügenast/Fliegenast sind 9 Generationen nachweisbar. Ungefähr 100 Rickenmann Kinder kamen dort auf die Welt. Nachdem in den ers ten 100 Jahren immer eine Familie Rickenmann im Flügenast wohnte, nahm ab der dritten Ge neration die Zahl der Familien stark zu. Abra ham,1648 – 1713, ein Enkel des erwähnten Ab raham Rickenmann, hatte die Söhne Hans Jakob *1671, Friedrich *1683 und Sebastian *1685. Alle drei Familien wohnten im Flügenast. Von den letz ten beiden entwickelten sich zwei Linien Ricken mann im Fliegenast. Wohnraum entstand durch Anbauten am bestehenden Gebäude. Von 1714 bis 1734 wurde in diesem Haus im Durchschnitt pro Jahr ein Kind geboren. Von diesen blieben fünf Familien im Flügenast. Spätestens in dieser, eventuell schon eine Gene ration vorher, wurde das immer alleinstehende Wohnhaus (später Wartenweiler) ohne Scheune gebaut. Die fünf Frauen dieser Generation geba ren 24 Kinder im Flügenast, davon 16 in den Jahren
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1758 – 1768. Die zweite Hälfte des 18. Jahrhun derts war der Höhepunkt der «Fliegenästler Ri ckenmann-Sippe». Ca. 1775 lebten etwa 24 Per sonen mit diesem Namen im Fliegenast. In der sechsten Generation, geboren zwischen 1755 und 1777, heirateten sechs Männer und zwei Frauen, wohnhaft gewesen im Flügenast. Die Mädchen hei rateten nach Hurnen (Müller) und Egg (Sprenger). Christof *1759 zog nach Dingenhart und wurde der Stammvater der zahlreichen Rickenmann-Linie von Matzingen/Thundorf, die viele bekannte Män ner hervorbrachte. Seine Schwester Anne-Marie *1761 heiratete 1785 Hans-Jakob Gibel von Tur bental. Sie war bis 1818 Besitzerin einer Wohnung des grossen Hauses. Johannes *1762, verheira tet mit Anna Schiltknecht aus Eschlikon, sorgte für den Weiterbestand der Familie Rickenmann im Fliegenast. Seine beiden Söhne, Sebastian *1784 und Johannes *1788, wurden 1815 aus militäri schen Gründen aktenkundig. 1803 war der Thurgau ein eigenständiger Kan ton geworden. Jeder Kanton hatte eine eigene Ar mee und musste diese bei Bedarf der Eidgenos senschaft zur Verfügung stellen. Der Kanton hatte aus einer waffenfähigen Mannschaft eine Kantons miliz von 2000 meist ledigen Männern gebildet. Am 1. März landete Napoleon in Cannes; der Krieg der Grossen tobte rings um die Schweiz. Der Bund konnte vom Kanton Thurgau 1954 Mann zur Ver teidigung der Grenzen einfordern, davon waren im Jahr 1815 während längerer Zeit 1584 Mann im Einsatz.
Am 21. März 1815 dislozierte ein Infanterie-Ba taillon unter Oberstleutnant Rüpplin zu Fuss auf die Höhen des Waadtländer Juras, unter ihnen Jo hannes Rickenmann *1788 vom Fliegenast. Die Familie wollte ihren Sohn lieber zu Hause haben. Sie suchten und fanden in David Schellenberg aus Matzingen einen Ersatzkrieger. Sie schlossen mit ihm einen Vertrag, der alle finanziellen und ande ren Bedingungen regelte. Mit diesem, von seinem Bruder Sebastian Rickenmann unterzeichneten Vertrag, marschierte Schellenberg Richtung Jura. Doch Johannes Rickenmann, der Vater der beiden Söhne, erhielt folgenden Brief: «An Johannes Rickenmann Pfarrey Sirnach – in Münchwilen abzugeben Flügenast Canton Thurgaüw Im Lager zu Valeyre den 3ten Brachmonath (Juni) 1815 Da es mir unmöglich ist, Eüren Sohn Johannes Rickenmann durch den zugesanten David Schellenberg auswechseln zu lassen, so gebe ich Eüch hiermit zur Nachricht, dass euer Sohn, der diese Unmöglichkeit selbst einsieht, mich bittet euch zu sagen, dass ihr dem David Schellenberg zu dem ihm schon als Reisekosten bezahlten 12 Gulden nur noch per Tag 12 Batzen auszubezahlen habet, welches per Tag hin und her, als für 10 Tage, noch 8 Gulden betragt, wobey er dann in allem 20 G. erhoben haben wirdt und dessnahen gut bezahlt ist. Rupplin Obristleütnant und Cmendant des 1ten Thurgaer Bataillons.»
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Die Truppen kamen – ausser kleiner Scharmützel – nicht zum Einsatz. Nach 10 strengen Marsch tagen erreichte das 1. Bataillon Rüpplin am 3. Au gust wieder Frauenfeld. Johann Rickenmann wurde am 5. August 1815 mit seinen Kameraden vom Re gierungsrat feierlich entlassen. Die Söhne des er wähnten Sebastian, Gottlieb und Georg, wurden 1847 zum Sonderbundskrieg gegen die katholi schen Kantone aufgeboten. Anne-Marie, eine Schwester der Rickenmann-Brü der heiratete 1799 Rudolf Thalmann von Wiezi kon. Er baute auf der anderen Seite der Strasse einen Hof. Anna Barbara, eine zweite Schwester, heiratete 1795 den Lehrer Jakob Lüthi. Wo er Leh rer war, ist nicht bekannt, auf jeden Fall nicht in der Egg. Er wurde Mitglied eines neu gegründeten Erziehungsrates des Kantons Thurgau. Auch war er Gemeindeschreiber der Gemeinde Horben. Er konnte einen Anteil des erwähnten grossen Hau ses von seinem Schwiegervater erwerben. Dieser Hausteil und auch derjenige von Jakob Gibel ge langten nach ihnen wieder in den Besitz der Fami lien Rickenmann.
Hans Jakob *1773, von der anderen Linie der Ri ckenmann im Flügenast, heiratete 1802 Magda lena Metzger von Münchwilen. Er kaufte eine Lie genschaft im Eichholz, wo nach ihm noch vier Generationen wohnten. Ein Zweig der Rickenmann lebte einige Zeit in Hur nen, ein Enkel des Hans Jakob, Johann, geboren 1814, starb 1863 in Hurnen. Dessen Nachkom men verliessen den Hinterthurgau. Ein Urenkel, Kurt Werner, 1914 – 1974, lebte in Kreuzlingen und machte Karriere im Militär. Er brachte es bis zum Divisionär. 1965 war Divisionär Rickenmann Gast im Restaurant Landhaus in Hurnen. Anwe send waren mein Vater Adolf Müller, Ortsvorstehr von Horben, und Hans Müller, Schulpräsident der Schulgemeinde Egg. Leider sind keine Akten über diesen Besuch vorhanden. Bekannt ist jedoch, dass die Schulkinder dem hohen Gast ein Ständ chen sangen. Die Nachkommen des Sebastian, der das militä rische Gesuch unterschrieb, wohnten im grossen alten Vierfamilienhaus. Ein Teil der Enkelkinder be wohnte beim Totalbrand 1874 dieses Haus.
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Fliegenast
1851 bestand das Fliegenast aus vier Bauernhöfen mit folgenden Grössen: Die Häuser und Scheunen, mit ** bezeichnet, sind Teile der grossen alten Liegenschaft. Witwe A. Marie Thalman-Rickenmann Haus und Scheune ** 6 Feldparzellen
31 059 Quadratfusss
Total 28 Aren
Sebastian Rickenmann Haus und Scheune** Haus und Krautgarten (später Haus Wartenweiler) 31 Feldparzellen
8 Juchart + 156 695 Quadratfuss = 141 Aren
Total 429 Aren
4 Parzellen Wald
2 Juchart + 11 950 Quadratfuss = 11 Aren
Total 83 Aren
Ulrich Thalmann Haus ** und Scheune (1840 auf der anderen Seite der Strasse gebaut, heute Betrieb Berger) 20 Feldparzellen
1 Juchart + 300 368 Quadratfuss
Total 306 Aren
3 Parzellen Wald
38 900 Quadratfuss
Total 35 Aren
Dr. Geisser Wil (als Gläubiger kurze Zeit Eigentümer) Haus und Scheune ** 10 Feldparzellen
¼ Juchart + 89 990 Quadratfuss
Total 90 Aren
1 Parzelle Wald
10 000 Quadratfuss
Total 9 Aren
(im Stall im Hurnerwald)
Fliegenast
Die Parzellierung im 19. Jahrhundert war im Flie genast noch viel ausgeprägter als in Hurnen. Dies beweisen die durchschnittlichen Parzellengrössen: Witwe A. M. Thalmann Sebastian Rickenmann Ulrich Thalmann Dr. Geisser
4,7 Aren 13,8 Aren 16,8 Aren 9,0 Aren
«Eines Abends im Jahr 1879 war der alte Sebastian Rickenmann im Hause meiner Grossmutter im Than zu einem Feierabend-Gespräch zu Gast. Dabei meinte Baschi: ‹Mir händ es alts verlotterets Hus; es isch nöd meh wert, als dass es emol abebränne wür.› Am anderen Morgen kam Baschi in aller Frühe wieder. ‹Säged bitte niemerem, was ich eu gescht Obed verzellt ha; ich has ganz sicher nöd azündt.›
Der Grund dürfte in der Entwicklung des Hofes begründet sein. Bis zum Brand des alten Hauses 1879, in dem die erwähnten vier Familien wohnten, blieb der Hof in der Familie. Er wurde auf Söhne oder Schwiegersöhne vererbt und/oder aufgeteilt. Die Erben wollten die gleiche Bodenqualität ihres Landes. Das einfachste war die Teilung der ein zelnen Parzellen bis unter 10 Aren. Dies war, als noch von Hand gesät und geerntet wurde, auch kein allzu grosser Nachteil. Die Bewirtschaftung wurde mit mündlichen oder geschriebenen Fussund Fahrwegrechten geregelt.
Das Haus war in der Nacht vollständig nieder gebrannt! Die Söhne Hans Jakob *1815, Georg *1823 und Tochter Anna Marie, die Witwe von Ja kob Sprenger, verloren ihre Wohnung. Hans Jakob und Georg zogen an einen unbekannten Ort. Ge org starb 1898 in Wiezikon. Anne-Marie wurde vom Bruder Gottlieb im freistehenden Haus (Wartenwei ler) aufgenommen. Der Name «Baschi» stimmt mit der Jahrzahl nicht überein, was einem Fehler bei der mündlichen Überlieferung zuzuschreiben ist. Auch muss es nicht unbedingt am Abend vor dem Brand gewesen sein.
Das Ende des vor 1600 gebauten alten Hauses
Von 1600 bis 1900 wurden in den Familien Ricken mann im Fliegenast und im Eichholz 110 Kinder geboren.
Der Kern des alten Rickenmann-Hauses wurde sehr wahrscheinlich kurz vor 1600 gebaut. Es wurde im Laufe der Zeit zu einem Vierfamilienhaus ausgebaut. Der angebaute Stall und die Scheune wurden in vier Teile aufgeteilt. Verschiedene Ein richtungen konnten von allen genutzt werden. Eine mündliche Überlieferung von Rosa KocherhansFauster, einer Cousine meines Vaters, erzählt das Ende dieses alten Komplexes.
Der Hof Wartenweiler Beim Brand des alten Gebäudekomplexes, 1879, war Gottlieb Rickenmann Besitzer dieses Wohn hauses ohne angebaute Scheune. Er besass ¾ der Scheune im abgebrannten Haus. 1866 hatte er drei Kühe.
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Fliegenast
Albert Wartenweiler *1927 schreibt in einem ausführlichen Aufsatz in den Egger Nachrichten Nr. 12, 1988: «Im Jahre 1883 wurde Scheune und Stall an das spätere Wohnhaus der Familie Wartenweiler angebaut. Aus dem sehr bescheidenen Wohnhaus, in dem während des Baus der Eisenbahnlinie Winterthur – Wil italienische Gastarbeiter gewohnt hatten, entwickelte sich damit plötzlich ein Bauernhaus. Ulrich Wartenweiler, der Onkel meines Vaters, ein fleissiger, sparsamer Weber, konnte unsere heutige Liegenschaft im Fliegenast erwerben. So wurden
Albert senior die Familiengründung und der Start im Fliegenast ermöglicht. Vater Wartenweiler betrieb nun zusammen mit der Mutter und ihrem älteren Bruder Ernst Würthele das kleine landwirtschaftliche Heimwesen; daneben arbeitete er während vieler Jahre in einem Sirnacher Baugeschäft.» Der Bau von Scheune und Stall dürfte die Folge des Totalbrandes der alten Liegenschaft gewe sen sein. Albert richtete in Stall und Scheune eine Schreinerwerkstatt ein. Heute bewohnt die Witwe Liselotte Wartenweiler und ihr Sohn Thomas die Liegenschaft.
Der Bauernhof Berger
Werner und Frieda BergerRamseyer
Ulrich Thalmann, ein Sohn von Hans Rudolf Thal mann von Wiezikon, der 1799 Anna Maria Ricken mann vom Fliegenast heiratete, baute 1840 auf der anderen Seite der Strasse einen neuen Stall und eine neue Scheune. 1866 hatte er drei Kühe. Die neue Scheune brannte 1868 nieder. Schon im folgenden Jahr baute er einen neuen Bauern hof. Ulrich Thalmann, der Sohn des Erbauers der Liegenschaft, heiratete 1870 Anna Stahl von der Hub. Ihnen wurden drei Töchter, aber keine Söhne geschenkt. Die Töchter blieben ledig. Berta über nahm den Hof des Vaters. Emil Müller, der Bruder des Schmieds Albert Müller in Wiezikon, wurde ihr Angestellter. Deshalb verschwand der Name Thalmann nach drei Generationen vom Flügenast. Für relativ kurze Zeit bewirtschafteten Samuel Flü ckiger – sein Enkel Ernst wohnt noch in Eschlikon – Jakob Hinterberger und ab 1942 Emil Flubacher
Fliegenast
aus dem Baselbiet den Hof. Seine beiden Töchter Elsbeth und Ruth zog es in die Heimat ihrer Vorfah ren. Sie heirateten zwei Brüder aus dem Baselland. Auf den Basler Emil Flubacher folgte 1956 das Ber ner Ehepaar Werner und Frida Berger-Ramseyer. Er baute einen Kalbermast-Betrieb auf. Werner war über Jahre ein sehr seriöser, angenehmer Partner im Ankauf unserer Mastkälber. Heute sind dessen Sohn und Schwiegertochter Ernst und Hildegard Berger-Mahler die Besitzer des Hofes. Ernst wech selte vom Milchwirtschaftsbetrieb zur Mutterkuh haltung, und die 1990/91 erbaute Scheune wurde den neuen Bedürfnissen angepasst. Die Wasserversorgung bestand, wie im Than, aus einem 4 Meter tiefen Brunnen, aus dem man das Wasser hochpumpen musste. Ernst Berger hat den Brunnen wieder ausgegraben. Er beabsichtigt, die Pumpe zu restaurieren. Später wurde oberhalb des Weihers eine Quelle gefasst.
Der Hof Berger 2016 Die Bewohner vom Fliegenast 2017. Von links Simon, Stefanie, Ernst und Hildegard Berger, Lieselotte Wartenweiler und ihr Sohn Thomas.
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Riethof Die 1861 in Horben gebaute und 1864 wieder abgebrochene Scheune. Sie wurde im Riethof wieder aufgebaut.
Die Familie Müller von Horben baute den Hof Riet hof. Diese Familie stammt, wie die Hurner Müller, von der Mühle in Schurten. Ein Zweig zog nach Wiezikon und in die Egg. Die Familie expandierte in die Murgebene und baute dort einen Bauernhof. Johann Müller *1792, verheiratet mit Anna Marie Büchi von Oberhofen, betrieb in Horben eine Wind mühle. Wohl mit dem gleichen Antrieb unterhielt er eine Sägerei und einen Holzhandel. Auch ist belegt,
dass die Familie im Anbau von Obstbäumen erfolg reich war. In der Mitte der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verdiente sie mit dem Obstbau viel Geld. Johannes Müller kaufte und tauschte Mitte des Jahrhunderts mehrere Parzellen in der Gegend des späteren Riethofs. Seine Söhne Jakob *1830, verheiratet 1861 mit Elisabeth Huber von Ober hofen und Johannes *1833, verheiratet 1863 mit Katharina Müller von Aawangen, beabsichtigten
Riethof
offenbar eine Betriebsteilung. Für den jüngeren Johannes bauten sie eine zweite Scheune. Da sie viel Kulturland Richtung Stutz erwerben konnten, erachteten es die Brüder Müller in Horben als sinn voll, den zweiten Hof dort zu erstellen, wo sie be reits viel Land besassen. Die Bewirtschaftung des Kulturlandes in der Region des Riethofs wäre von Horben aus sehr mühsam und ineffizient gewe sen. Sie nahmen es auf sich, Stall und Scheune in Horben wieder abzubrechen und an der Wegkreu zung Hurnen – Eschlikon und Wallenwil – Büfelden wieder aufzubauen. Gegenüber erfolgte 1862 der Bau eines Wohnhau ses, das architektonisch identisch mit dem Wohn haus in Horben ist. Das Ehepaar Johannes und Ka tharina Müller-Müller heiratete 1863 und dürfte in das neue Wohnhaus eingezogen sein. Der Hof beim Riet wurde der Riethof. Johann Müller war der Ini tiant für den Bau einer Käsehütte, die – urkundlich belegt – 1865 gebaut wurde. Die anderen, ange gebenen Baudaten stammen aus den AssekuranzBüchern. Der effektive Baubeginn muss früher ge schehen sein. Es ist anzunehmen, dass der Bau des Wohnhauses und die Verlegung der Scheune etwa zur gleichen Zeit erfolgten. Der Weg von Horben nach Riethof zur Betreuung des Viehbestandes war sehr weit. Der Bau einer Scheune in Horben wurde der Brandassekuranz 1861 gemeldet. Die Verlegung nach dem Riethof wurde erst mit dem Bau der Käsehütte bekannt. Johannes Müller hatte 1866 mit 6 Kühen den grössten Viehbestand der Gemeinde. Das Ehepaar hatte sieben Kinder, wo von fünf innerhalb eines Jahres starben. Der 1869
geborene Johannes übernahm den Hof mit seiner Frau, Anna Frei von Hutzenwil. Die beiden Söhne aus dieser Ehe, Hans *1896, der 1918 Luise We ber heiratete, und Paul *1898 beschlossen eine Betriebsteilung. Auf der anderen Seite der Strasse wurde eine neue Scheune mit Stall gebaut. Vor der Heirat von Paul Müller mit Lina Müller von Hurnen, wurde 1926 noch ein neues Wohnhaus gebaut.
Die Hochzeit von Paul Müller mit Lina Müller von Hurnen. Die beiden Familien Müller von Riethof und Hurnen sind auf diesem Foto vereint.
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Riethof
Riethof 1928. Oben die alte Scheune mit angebauter Käserei. Rechts der 1881 von Johann Müller erstellte Schweine stall, den der Käser pachtete. Links das 1862 gebaute Wohnhaus. Vorne die nach der Betriebsteilung neu erstellte Scheune und das neue Wohnhaus, das Paul und Lina Müller von Hurnen 1926 vor ihrer Heirat bauten.
Riethof
Den väterlichen Hof übernahm der 1918 gebo rene Hans. Er heiratete 1949 Anna Bachofner von Fehraltdorf. Die fünfte Generation Müller im Riet hof, Hansruedi *1950 mit Ehefrau Heidi Schönhol zer, stellte den Hof auf biologischen Landbau um. Heidi führte viele Jahre einen florierenden Hofla den. Nachdem sie einige Jahre den Betrieb in ei ner Generationengemeinschaft führten, sind nun Michael Müller und seine Frau Jasmin Ebnöther Inhaber des Hofes. 1964 übernahm Sohn Paul *1932, nach der Heirat mit Marlies Ender von Wal lenwil, den andern Hof.
Biogasanlage
Claude Rohner bei den ersten Versuchen, ein eigenes Bier zu brauen.
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Riethof
Die Tochter und die drei Söhne von Paul und Mar lies Müller zeigten kein Interesse an einer Über nahme des Betriebs. Deshalb verkaufte ihn Paul an seine verwandten Nachbarn, Hansruedi und Heidi Müller-Schönholzer. Damit ist der eine Generation vorher geteilte Betrieb wieder eine Einheit. Hansruedi und Heidi Müller verkauften die Lie genschaften 2005 an Claude und Regina Rohner. Claude begann mit Partnern ein eigenes Bier, das «Riethöfler Bier», zu brauen, vorerst in den Öko nomiebauten im Riethof. Später mieteten sie die ehemaligen Räumlichkeiten der Käserei Baumann in Horben. Claude Rohner zusammen mit seinen Partnern Aus dem ersten Bierfest ist das in der Region zur Tradition gewordene «Riethof Fest» entstanden, unter Mitwirkung des Käser-Ehepaars Gantenbein mit Fondue und des Bio-Hofs mit Fleischspeisen.
s'Riethöfler-Bier
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Friedtal Der von Heinrich Meili im Jahr1913 gebaute Bauernhof an der Strasse Hurnen – Eschlikon. Der Bauherr nannte ihn «Friedtal». Das Bild beweist die Existenz der Stickerei, die längs der Strasse gebaut wurde. Noch sind die zugemauerten zwei Fenster sichtbar. Der Kuhstall wurde hinter der Stickerei gebaut.
Jakob Meili von Madetswil heiratete 1864 Bar bara Kunz vom Than und übernahm den Hof sei nes Schwiegervaters im Than. 1851 umfasste der kleine Hof 183 Aren. Die Meilis expandierten vom Than Richtung Stutz. Ihr Sohn Heinrich, verhei ratet mit Anna Rickenmann vom Eichholz, baute 1913 einen neuen Bauernhof an der Strasse Hur nen – Eschlikon und nannte den Hof «Friedtal». Sein
Vater baute schon früh im Than ein Stickereilokal. Die Stickerei durfte auch im Friedtal nicht fehlen. Er integrierte sie zwischen Haus und Scheune. Heinrich Meili war 1890 Gründungsmitglied und später Präsident der Wasserkorporation HurnenThan-Eichholz. Der Hof wurde wohl deshalb die ser Wasserkorporation angeschlossen, eine an dere Wasserversorgung gab es im Friedtal nicht.
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Friedtal
Paul und Anna Meili bauten ihr Wohnhaus in die grüne Wiese.
Der erste Laufstall im Kanton Thurgau
Dem Ehepaar wurden die Söhne Ernst, Paul und Heinrich, sowie die Tochter Anna geschenkt. Ernst heiratete Ida Walder von Hurnen und übernahm den Hof. Er war viele Jahre Strassenmeister der Ge meinde Horben, ein bescheidener Nebenerwerb. Paul und Anna blieben ledig. Sie bauten 1954 das erste Haus der späteren Siedlung Ergeten auf dem Land des Bruders. Deren Neffe Albert ist heute Be sitzer dieses Wohnhauses. Dieser Wohnhausbau in die grüne Wiese war damals möglich, da noch keine Bauzonen vorhanden waren. Keine Raumpla ner in Frauenfeld interessierten sich dafür. Nach dem frühen Tod von Ernst Meili wurde das Land einige Jahre an die Betriebsgemeinschaft Berwe ger-Müller verpachtet. 1976 konnte Sohn Bruno Meili den Hof übernehmen, gleichzeitig auch den jenigen seines ledigen Onkels Ernst Walder in Hur nen. Scheune und Stall in Hurnen wurden als Be triebszentrum genutzt. Bruno Meili baute 1980 als einer der ersten im Kanton Thurgau einen Laufstall und verlegte das Betriebszentrum von Hurnen ins Friedtal. Dieser ehemalige Laufstall wird seit der Gründung der Be triebsgemeinschaft Meili-Müller-Forrer, mit relativ geringen Umbauten, als Kälberaufzucht- und MastStall genutzt. Der Betrieb von Bruno Meili ist auch beteiligt an der Biogasanlage im Riethof.
Friedtal
Bruno und Johanna Meili-Oswald (vorne) in fröhlicher Runde. Bruno war Initiant der Betriebsgemeinschaft Meili-Müller-Forrer, die den Bau eines Milchviehstalles für 130 laktierende Kühe, mit zwei Melkrobotern, notwendig machte.
Friedtal mit dem neuen Milchviehstall, gebaut 2013. Im Hintergrund der überbaute Südhang von Eschlikon.
1995 baute Bruno Meili einen Poulet-Maststall für 8000 Tiere.
Melkroboter
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Der Anfang des Stammbaums der Hinterthurgauer MĂźller, erstellt von Karl Tuchschmid, Eschlikon.
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Der Schuldbrief 1738 von Heinrich Müller. 700 Gulden mussten in 7 Jahren abbezahlt werden. Heinrich Müller kam von Riet bei Schurten.
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Die Pfandbriefe der zweiten Generation M端ller, 1790. Der ganze Betrieb haftet. Abel M端ller 800 Gulden, 300 Aren Kulturland und 108 Aren Wald nach der Teilung des Betriebs.
Samuel M端ller 400 Gulden, 233 Aren Kulturland und 105 Aren Wald nach der Teilung des Betriebs.
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Der Parzellenplan um 1820 zeigt ungefähr die Lage und die Grössen: rot die Parzellen von Abel Müller grün die Parzellen von Samuel Müller blau die Parzellen, die Abels Sohn Johannes kaufte
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1880 abgebrochen, Neubau durch Familie Felix
Strasse nach Wallenwil Schematischer Plan der Situation im Jahre 1790. Jakob und Conrad M端ller waren Br端der der vierten Generation des Georg M端ller, der im Jahre 1670 von Schurten kam.
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Die Grosseltern Pauline und Gottlieb MĂźller mit ihren Kindern Lina, Frieda, Adolf und Ernst. Ganz rechts die ledige Annette MĂźller.
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Adolf MĂźller vor dem ersten Stall, den sein Urgrossvater im Jahre 1873 baute. Aufnahme ca. 1925.
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Erbsenanbau 1944. Die geernteten Erbsen konnten jeweils am Abend am Bahnhof Eschlikon eingeladen werden.
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Die Gebrüder Müller bei der Holunderernte. Während der Ernte gab es jeweils 14 Tage oder noch länger «Holderzune» zum «Zobig». Ich habe später nie mehr einen Holunderbaum dieser Grösse mit einem so mächtigen Stamm gesehen.
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Die Rapsernte – eine Gemeinschaftsarbeit der ganzen Familie und der Nachbarn. Der Raps wird zum Trocknen an Heinzen geladen.
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Die Heinzen werden auf Tücher gekippt. So können Körner-Verluste der dürren Schoten minimiert werden.
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Max Müller mit den «Pferden» Fritz Müller, Riethof, Otto und Adolf Müller vor der Westwand des Kuhstalls.
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Die Eltern des Autors, Louise und Adolf MĂźller. Aufnahme ca. 1965.
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Bau eines Jauchekastens. Ein Meter wird eingeschalt und betoniert. Anschliessend wird die Schalung an den drei Säulen hochgezogen und betoniert. Hinten rechts die Scheune des Betriebs Walder vor dem Abbruch und Umbau durch Ernst Meili.
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Heidi Müller-Senn mit der 9. Generation Müller in Hurnen, Thomas, Daniel, Markus und Cornelia. Aufnahme 1989.
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Der Betrieb MĂźller 1990.
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Neubau der Scheune mit Laufstall. Er erfolgte in den Jahren 1996/97 mit sehr viel Eigenleistung.
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Laufstall der GaltkĂźhe nach dem Umbau des alten Milchviehstalls im Jahre 1998.
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Der alte Stall vor dem Abbruch und Neubau des Wohnhauses 2014.
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Markus und Regina Müller-Lenzlinger mit den drei «Mädels» Linda, Eliane und Laurina. Aufnahme 2015.
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Die Familien MĂźller 2017.
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Schlusswort und Dank Der umfangreiche Stammbaum ab 1600 der Fa milie Müller von Schurten, verfasst von meinem Sekundarlehrer Karl Tuchschmid, war der Ursprung meines Hobbys. Am Anfang schrieb ich verschie dene historische Beiträge in den Egger Nachrich ten, die dank der Zusammenarbeit mit Ruedi Isler entstanden sind. Nach dem Verfassen einer Fami lien- und Betriebs-Chronik reifte der Entschluss, mein Wissen in eine Geschichte von Hurnen ein fliessen zu lassen und damit der interessierten Nachwelt zu erhalten. Diese Arbeit war nur möglich dank grosser Unter stützung der Mitarbeiter des thurgauischen Staats archivs und der historischen Bibliothek in Frauen feld. Mein Dank gilt dem Personal der Archive, insbesondere dem ehemaligen Staatsarchivar Dr. Bruno Meyer, den Mitarbeitern, Bruno Giger und Stefan Gossweiler. Einen besonderen Dank ver dienen auch Frau Margrit Jakob und alle anderen Mitarbeiter, die meine Wünsche immer erfüllten. Ein herzliches Dankeschön geht an die Organisa tionen, Mitglieder meiner Familie und Freunde, die das Werk finanziell unterstützten:
Bürgergemeinde Wallenwil Gemeinde Eschlikon Kulturamt Thurgau aus dem Lotteriefonds Kultur Thurgau Ottoberg Ueli Mattenberger, VMA Media, Affeltrangen Raiffeisenbank am Bichelsee Thur Kultur Betriebsgemeinschaft Meili-Müller-Forrer William und Viola Boye Adolf und Lotti Müller Ernst und Esther Müller Kurt und Rosmarie Müller Max und Claudia Müller Willi und Marianne Kaiser Ueli Mattenberger von der Firma VMA Media in Affeltrangen hat mit viel Aufwand und Liebe mein Schuldeutsch aus den 1950er-Jahren korrigiert und mit den Texten und unzähligen Bildern ein Buch gestaltet. Ein besonderer Dank geht an mei nen Sohn Thomas. Ohne seine Hilfe und computer technische Unterstützung hätte ich das Manu skript nicht in digitaler Form schreiben können.
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Friedtal und Riethof 2017
Otto MĂźller
Geschichte von Hurnen