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MuseumsMagazin 1

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Verlagspostamt 6900 Bregenz Erscheinungsort Bregenz, P.b.b. Nr. 0000000000000

museum Herausgegeben vom Vorarlberger Landesmuseumsverein

magazin Jahrgang 1 | Nummer 1

Brandalpe Damüls: Ein ländliches Kulturjuwel kämpft ums Überleben


Brandalpe Damüls 47°17’27’’ N 9°54’33’’ O 1646m ü.M.

Landesmuseumsverein tagte in Thüringerberg

Gefährdetes Kulturgut, dem nach 500-jährigem Bestand das Aus droht.

Generalversammlung rückte Ruine Blumenegg in den Mittelpunkt

Mit der vorliegenden Erstausgabe eines Vorarlberger Museumsmagazins möchte der Vorarlberger Landesmuseumsverein in Kooperation mit dem vorarlberg museum und den Museen des Landes eine neue Plattform bieten, welche der Bedeutung der pulsierenden Museumslandschaft in Vorarlberg gerecht werden will. Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir (1) Zeit und (2) die Mithilfe vieler Akteurinnen und Akteure aus den Museen und deren Umfeld. Das Magazin beabsichtigt, über Entwicklungen in den Museen der Regionen zu berichten, interes-

Der Vorarlberger Landesmuseumsverein ist der älteste kulturgeschichtliche Verein des Landes. Er wurde 1857 gegründet und aus ihm sind unverzichtbare Einrichtungen wie das Landesarchiv, das Landesmuseum, die Landesbibliothek sowie die Vorarlberger Naturschau (heute „inatura“ genannt) hervorgegangen. Heute ist der Verein vor allem um landeskundliche Themen bemüht. Das wurde auch im Rahmen der in Thüringerberg abgehaltenen Generalversammlung deutlich, bei welcher das Heimatmuseum in Sonntag, die Brandalpe in Damüls und die Ruine Blumenegg in Thüringerberg im Mittelpunkt des Interesses standen. Elisabeth Burtscher und Hildegard Bischof führten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch das Walser Heimatmuseum in Sonntag und zeigten den vorwiegend aus dem Vorarlberger Unterland angereisten Gästen Schätze aus der Vergangenheit des Walsertals. Der Historiker Harald Rhomberg und der Bauforscher Raimund Rhomberg wiederum machten auf die prekäre Situation der Ruine Blumenegg aufmerksam. Die Reste der einstmals bedeutendsten Burg des südlichen Vorarlberg harren einer dringlichen Sanierung, die 2010 zwar begonnen wurde, aber finanziell nicht gesichert ist.

sante Ausstellungen und Projekte vorzustellen

Exkursionsausschuss

und vor allem auch immer wieder auf die Men-

Exkursionen sind ein wesentlicher Beitrag zur Vermittlung kulturgeschichtlicher Inhalte und musealen Wissens. Der von Baldur Hämmerle geführte Ausschuss macht vor allem durch mehrtägige Auslandsreisen in den europäischen Kulturraum auf sich aufmerksam. Französische Kathedralen und deutsche Kaiserdome sind dabei genauso ein Ziel wie das unbekannte Venetien oder die Dichterstadt Weimar. Des Weiteren ist der Ausschuss auch bemüht, im Rahmen von Tagesfahrten auf kulturgeschichtliche Besonderheiten im Land und über den Grenzen aufmerksam zu machen und interessante Ausstellungen den Mitgliedern näher zu bringen.

schen hinter den Einrichtungen aufmerksam zu machen. Ein wichtiger Aspekt wird auch die Berücksichtigung der Kulturlandschaft Vorarlbergs – was wir darunter verstehen (wollen), sollten wir übrigens gemeinsam definieren – sein, denn ein jedes Museumsobjekt ist letztlich ein Produkt letzterer und ohne diesen Kontext meist nicht verständlich. Wir laden Sie und euch ein, Ihre beziehungsweise eure Meinung zu diesem Magazin kundzutun und freuen uns schon auf alle Reaktionen. Andreas Rudigier, Christof Thöny

Editorial Unter uns Interview Bernhard Tschofen Initiative Brandalpe Jüdisches Museum Hohenems Meschacher Krippenfiguren Museen im Kleinwalsertal

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Burgenausschuss Der Burgenausschuss blickt auf ein reges Arbeitsjahr 2010 zurück. Im Vordergrund steht die Erhaltung der Burgruinen und Wehranlagen im Land, die sehr viele Arbeitskräfte und finanzielle Mittel in Anspruch nehmen. Der Ausschuss arbeitete vergangenes Jahr bei den Ruinen Alt-Ems (Hohenems), Schwarzenhorn (Satteins), Blumenegg (Thüringerberg), Neu-Montfort (Götzis) sowie bei der Bastion beim Deuringschlössle in Bregenz mit. Besonders interessant war die Durchführung eines Lehrgangs über Sanierung von Bruchsteinmauern, die im Rahmen eines Leader-Projekts bei der Ruine Schwarzenhorn

Museumsarchitektur Studiensammlung des Landes Vorarlberger Flurnamen Schattenburgmuseum Frühmesshaus Bartholomäberg Ruine Blumenegg Landpartie Vorarlberg

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stattfinden konnte. Der Burgenausschuss ist darüber hinaus auch bemüht, archäologische Forschungen im Land zu unterstützen. Zum einen hilft er bei der Erstellung eines Katasters der archäologischen Funderwartungsgebiete in Vorarlberg mit und zum anderen konnten auch eine Reihe von archäologischen Grabungen begleitet werden, wie etwa am Böckleareal in Bregenz, in der Rosengasse und in der Neustadt in Feldkirch oder in der Pfarrkirche in Lingenau. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt sind bauhistorische Untersuchungen, die vor allem von Raimund Rhomberg und Klaus Pfeifer vorgenommen werden und die dem Burgenausschuss wichtige Erkenntnisse zu frühem Bauen in Vorarlberg vermitteln. Zahlreiche Veranstaltungen und Publikationen runden die Arbeit des Burgenausschusses ab.

Numismatischer Ausschuss Die Gesellschaft Vorarlberger Münzfreunde ist der numismatische Ausschuss des Vorarlberger Landesmuseumsvereins und trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat im Gasthaus Rose in DornbirnHatlerdorf. Der Vorsitzende Karl Fischer erfasst derzeit ein Inventar aller Vorarlberger Medaillen, Geldzeichen und Ähnlichem und kann bereits auf eine stattliche Sammlung von mehreren 100 Beispielen blicken. Der Ausschuss ist bemüht, neben stetem Gedankenaustausch und der Organisation von Vorträgen auch private Interessenten zu beraten sowie darüber hinaus durch Publikationen auf sein Wissen aufmerksam zu machen.

Karstausschuss Das Hölloch im Mahdtal, es liegt zum größten Teil auf deutschem Staatsgebiet, ist mit rund 10 Kilometern die größte und wichtigste Höhle des Helvetikums (www.hoelloch.de). Seit einiger Zeit ist ein österreichischer Zugang bekannt, und deshalb sind hier nun neben dem Höhlenverein Sonthofen auch die Vorarlberger Aus schussmitglieder aktiv. Weitere Aktivitäten im Helvetikum betreffen vor allem Höhlen an der Ostseite des Gottesackerplateaus sowie unter anderem das Schneckenloch an der Westseite des Gottesackerplateaus. Das Schneckenloch ist mit rund 1500 Metern die zweitlängste Höhle Vorarlbergs. Das Hauptforschungsgebiet im Ostalpin liegen im Rätikon, wo die Sulzfluhhöhlen und die Weißplatte die Ausschussmitglieder immer wieder anziehen. Die Mäanderhöhle ist mit 998 Metern die längste im Bereich der Weißplatte, die Gauerblickhöhle mit rund 800 Metern die längste bei der Sulzfluh. Auf Schweizer Seite gibt es aber gleich drei Höhlen mit mehreren Kilometern Länge (www.ogh.ch). Emil Büchel, Alexander Klampfer, www.karst.at.

Frauenmuseum Hittisau Symposium Rätoromanen Logo vorarlberg museum Egg Museum Angelika Kauffmann Museum In Erinnerung Veranstaltungen | Impressum

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Skikultur – für ein neues Verständnis von Sport, Tourismus und Region Der Verein ski.kultur.arlberg wurde 2008 gegründet. Vereinszweck ist die Aufarbeitung der Geschichte von alpinem Skisport und Skitourismus in der Arlberg-Region. Bernhard Tschofen, Professor für Empirische Kulturwissenschaft am Ludwig-UhlandInstitut der Universität Tübingen und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Vereins ski.kultur.arlberg, erläutert im Interview, wie Ski und Kultur in dem Projekt zusammenfinden. mm: Herr Tschofen, Sie haben den Begriff „Skikultur“ geprägt, der sich auch im Vereinsnamen „ski.kultur.arlberg“ wiederfindet. Können Sie den Begriff etwas näher erläutern?

fahren und Fremdenverkehr in ihrem Denken und Handeln hinterlassen haben. Deshalb führt das Projekt Interviews mit Menschen aus der Region und solchen, die – als Touristen etwa – dem Arlberg verbunden sind: Es geht um Erinnerungen, um Kommentierungen von privaten Fotografien und nicht zuletzt um Sachzeugnisse – persönliche Andenken zum Beispiel, an die sich Erinnerungen knüpfen. mm: Welche Erinnerungen und Verbindung haben Sie persönlich zum Arlberg?

künftige Entwicklungen versteht. Oder anders gesagt: Der Arlberg kann nicht nur als das historische Labor der modernen Skikultur verstanden werden, er bringt auch das Interesse mit, danach zu fragen, was dieses Erbe heute bedeutet. Das ermöglicht zugleich eine intensive Zusammenarbeit zwischen Forschung und Öffentlichkeit. Und diese Haltung bildet sich auch in den Strukturen unseres Vereins beispielhaft ab: Er vereint Leute aus Theorie und Praxis, um gemeinsam und zum gegenseitigem Nutzen über diese Skikultur und an dieser Skikultur zu arbeiten.

Meine völlig unspektakuläre Skibiografie beginnt auf der längst verbauten „Schnetzers Wies“ hinter der Bregenzer Oberstadt und steigert sich langsam über die Übungslifte am Pfänder und Bödele in Richtung Montafon, wohin aufgrund der Herkunft meiner Familie eine besonders enge Beziehung bestand. Den Arlberg habe

mm: Sie haben die These aufgestellt, ski.kultur wäre eine kommunikative Kultur, können Sie uns diese Aussage näher erläutern?

mus ausgelöst worden ist, am besten zu fassen glauben. Damit ist auch angedeutet, dass wir Bereiche wie Sportgeschichte und Tourismusforschung nicht getrennt behandeln wollen. Im Gegenteil: Wir wollen diese gezielt zusammenführen, um damit die umfassende Prägung des Alpenraums und besonders des Arlbergs durch das „Phänomen Ski“ verständlich machen zu können. Skikultur ist also ein breiter und integraler Begriff, der sowohl die strukturellen und objektiven Dimensionen als auch den symbolischen und subjektiven Bereich umschließen soll: nicht nur Ausrüstung, Lifte und Hotels, sondern vor allem auch Vorstellungen, alltägliche Praktiken und deren Auslegung durch die verschiedenen Akteure. Wir verstehen daher Skikultur auch als offenes Konzept, das wir zum derzeitigen Zeitpunkt noch gar nicht enger umreißen möchten: Es erschließt uns einen spezifischen Zugang und soll in der konkreten Arbeit an Profil und damit an Analyseschärfe gewinnen.

ich erst spät kennen und schätzen gelernt. Persönlich haben sich mir dabei besonders die Erinnerung an die viel zu langen und viel zu schmalen Kästle-Latten (RX mit 210 cm) eingeprägt, mit denen man dem traumhaften freien Skigelände Herr werden und es den Lecher und Zürser Routiniers gleich machen wollte. Das trieb einem auch bei grimmigster Januarkälte den Schweiß auf den Rücken… Heute schätze ich am Arlberg neben der Perfektion des skitouristischen Angebots besonders die hier praktizierte Form der Gastlichkeit. Mit ihr verbindet sich für uns übrigens auch eine wichtige Forschungsfrage: Wir wollen den spezifischen Arlberger Weg in den modernen Wintertourismus erklären. Was sind die sozialen und kulturellen Bedingungen dieses autochthonen, also aus den Ressourcen der Region heraus geleisteten „Wunders in Weiß“? Und wie haben sich diese spezifischen Konstellationen auf die gegenwärtige Kultur der Gastlichkeit ausgewirkt?

hungen verschiedener Ordnungen zueinander lebt. Auch Tourismus ist ja immer „interkulturell“ zu denken, weil sich in ihm die Begegnung verschiedener Kulturen ermöglicht. Skikultur ist kommunikative Kultur, weil sie Menschen verschiedener Herkünfte, Hintergründe und Orientierungen zusammenführt: Sie verbindet Stadt und Land, Zentren und Peripherien, Reisende und Bereiste, verschiedene Schichten und Milieus. Skikultur kommuniziert aber auch kulturelle Ordnungen, vermittelt Wissen, in dem sie sich in so alltäglichen Dingen wie in den Ritualen und Räumen der Gastlichkeit, in der Après SkiMusik oder in der Sprache der Einheimischen mitteilt. Darüber wissen wir noch viel zu wenig, und die Frage nach der kommunikativen Aushandlung der Skikultur steht daher ganz oben auf unserer Agenda.

mm: Einen spezifischen Zugang zu der Thematik bieten dem Projekt auch die „privaten Erinnerungen“. Können Sie ausführen, was damit gemeint ist?

mm: Sie haben vom spezifischen Arlberger Weg gesprochen, was macht den eigentlich den Arlberg mit seinen Ortschaften als Untersuchungsgebiet so interessant?

Wer Skikultur in dem von uns beabsichtigten umfassenden Sinne untersuchen will, kann sich nicht auf die Dokumentation der strukturellen und institutionellen Entwicklung – der Skischulen und anderen Einrichtungen zum Beispiel – beschränken. Denn Skikultur berührt ja gerade auch alltägliche, emotionale und körperliche Aspekte. Darüber findet sich wenig in den gedruckten Quellen, den Archiven, dem öffentlichen Gedächtnis also. Und wo die Quellen schweigen, sind sie oft zuerst noch zu schaffen. Das gilt vor allem für die uns so wichtige Erfahrungsperspektive: Wir wollen wissen, wie die Menschen am Arlberg die gewaltigen Veränderungen durch den Tourismus erlebt haben, welche Spuren Ski-

Der Arlberg ist uns mehr als nur exemplarisches Feld. In keiner anderen Region lässt sich in solcher Dichte einerseits, in solcher Differenzierbarkeit andererseits Skikultur in ihren historischen und gegenwärtigen Dimensionen untersuchen. Man denke nur an die unterschiedlichen Entwicklungen so nahe beieinander liegender Orte wie Stuben, Lech oder Zürs. Daneben erscheint mir nach allem, was wir bislang wissen, der Arlberg in seiner Entwicklung zwar einmalig, aber auch prototypisch für die österreichische Tourismusgeschichte zu sein. Es ist ein „Tourismus der Einheimischen“, der sich aufgrund der Initiative aus der Bevölkerung zu modernsten Formen aufgeschwungen hat und dabei auch eine eigene Ausdrucksweise gefunden hat. Dies geschah weitgehend ohne die auswärtigen Investoren, wie sie in anderen Alpenländern die Grundlagen für die gegenwärtige Wintersportindustrie gelegt haben. Die Prägung der Region durch die Skikultur hat hier daher auch ein Bewusstsein entstehen lassen, das ein hohes Maß an Reflexion ermöglicht: Skilauf und Wintertourismus werden am Arlberg durchaus als Quellen einer (wenngleich manchmal kritisch gesehenen) regionalen Identität begriffen, als kulturelles Erbe, über das man mehr wissen möchte und das man hier als wichtige Ressource für

Wir sprechen in unserem Projekt bewusst von Skikultur, weil wir damit die umfassende kulturelle und gesellschaftliche Dynamik, die durch Skilauf und Wintertouris-

Wir wollen damit zum Ausdruck bringen, dass es nicht nur eine Skikultur gibt, sondern Skikultur von den Bezie-

„Das Einmalige am Arlberger Tourismus ist, dass er immer ein Tourismus der Einheimischen war.“ Bernhard Tschofen, ski.kultur.arlberg

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mm: Sie haben die Reisenden erwähnt, wie können sich beispielsweise die Urlaubsgäste der Region in das Projekt mit einbringen, welche Rolle spielen sie? Gäste – aus der näheren Umgebung genauso wie der internationale Tourist – sind zentrale Akteure der Skikultur. Es wäre ein Riesenfehler, auf den Einbezug ihrer Erfahrungen zu verzichten. Der Arlberg besitzt eine sehr reiche Stammgäste-Tradition – Familien etwa aus den Ballungsräumen im In- und Ausland, in denen sich über Jahrzehnte und Generationen für uns unersetzliche Erinnerungen, Erzählungen und Materialien erhalten haben. Viele von ihnen sind mit der Region immens vertraut und können durch ihre Beteiligung an unserem Projekt eine wichtige Ergänzung der Binnenperspektive liefern: Wie haben sie die Beziehung zu Gastgebern und Einheimischen erlebt, welche Erfahrungen verbinden sie mit Skilauf und Wintertourismus im ganzen Spektrum zwischen Tiefschneehang, Lawinensperre und Nachtleben? Das Bewusstsein dafür, dass private Erinnerungen und Dokumente nicht banal, sondern im Gegenteil von besonderem Interesse sind, müssen wir aber noch verstärkt kommunizieren. Das Gespräch führte Birgit Ortner (Museum Huber Hus, Lech) – Ausführliche Informationen über ski.kultur.arlberg erhalten Sie unter www.skikulturarlberg.at


Die Damßlser Brandalpe – ein Bild von einer Kulturlandschaft. Wie lange noch?

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Der Name ist Programm und die Lage ist der Hit! Wer will in diesem romantischen Ambiente schon daran denken, dass die verlassenen und verfallenden Gebäude der Brandalpe eigentlich Zeugnis jahrhundertelanger harter Arbeit in der Natur ablegen und (noch) nicht die Kulisse eines zugegebenermaßen schon anspruchsvolleren Tourismus darstellt. Aber das kann sich ändern. Die Brandalpe umfasst eine Fläche von etwa 42 Hektar, und sie befindet sich oberhalb der Damülser Parzelle Schwende auf rund 1650 Metern Seehöhe. Ob diese Alpe als eine Erfindung der Walser im ausgehenden Mittelalter zu bezeichnen ist, entzieht sich unserer Kenntnis – der Name lässt jedenfalls wie auch jener der Parzelle Schwende Zusammenhänge mit Rodungstätigkeiten er-

Glück und Unglück – je nach Betrachterstandpunkt – liegen in der jüngeren Vergangenheit der Brandalpe dicht nebeneinander. Die Verlagerung der Erwerbsschwerpunkte innerhalb der Damülser Bevölkerung von der Landwirtschaft zum Tourismus hat seit etwa den 1970er Jahren dafür Sorge getragen, dass die Brandalpe sukzessive an Bedeutung verloren hat und seit den 1980er Jahren dem Verfall preisgegeben ist. Die fehlende Erschließung durch einen Fahrweg mag diese Entwicklung noch beschleunigt haben – letztlich verdanken wir ihr aber auch das Bild einer der bedeutendsten Kulturlandschaften des Landes Vorarlberg. Der Vorarlberger Landesmuseumsverein unterstützt gerne eine Initiative von Leo Walser, Mitglied im Kulturbeirat des Landes Vorarlberg und jahrzehntelanger Be-

„Die Brandalpe ist kulturgeschichtlich und landschaftlich ein besonderes Kleinod. Diese uralte Kulturlandschaft darf nicht untergehen.“ Leo Walser, Begründer der Initiative ‘Brandalpe Damüls’

Die Zielvorgaben im Natur- und Landschaftsschutzgesetz oder im Kulturförderungsgesetz, aber auch Strategiepapiere der Landesregierung verpflichHinter dem ansichtskartentauglichen Reiz stecken Jahrhunderte an entbehrungsvoller Arbeit. Hermann Bertsch weiß davon zu erzählen. Von seinem Sohn Walter Bertsch stammen übrigens die eindrucksvollen Bilder.

kennen, und die ältesten bislang nachgewiesenen Gebäudeteile datieren ins frühe 16. Jahrhundert. Die 36 Weiderechte an dieser agrargemeinschaftlich organisierten Alpe standen früher im Besitz von fünf Damülser Bergbauern. Heute gibt es nur mehr drei Eigentümer,

fürworter und Kämpfer für den Erhalt traditioneller Maisäßlandschaften in Vorarlberg, gemeinsam mit Verantwortlichen vor Ort, die Brandalpe mit ihren charakteristischen Bauten der Nachwelt zu erhalten. Eine Exkursion auf die Brandalpe im Juni war ein erster Schritt, weitere

ten die öffentlichen Stellen zum Erhalt solcher Kulturlandschaften und zur finanziellen Unterstützung der Eigentümer und Bewirtschafter. So sind etwa im Montafon in den letzten Jahren einige Maisäße mit eingeschränkter oder aufgegebener alpwirtschaftlicher Nutzung infolge exponierter Lage und fehlender Fahrwegerschließung restauriert worden. Nach Meinung des Vorarlberger Naturschutzrates sind „die Berglandschaft sowie traditionelle und im ökologischen Gleichgewicht stehende Kulturlandschaften Grundlage für einen nachhaltigen Tourismus“ (s. Bericht 2009).

Zeugnis karger Wirklichkeiten, retrospektive Idylle, gefährdetes Kulturgut: Der landwirtschaftliche Verbund Brandalpe braucht Kräfte und Mittel, die seinen Bestand sichern.

Insgesamt 42 Hektar groß und nördlich der Damülser Schwende gelegen, präsentiert sich die Brandalpe derzeit noch als intaktes kulturlandschaftliches und architektonisches Ensemble ... derzeit noch.

wovon einer nebenberuflich eine Landwirtschaft betreibt. Die landesweite Besonderheit der Brandalpe liegt auch darin, dass sich hier Maisäßnutzung, Alpwirtschaft und Bergheugewinnung in einer ungewöhnlichen räumlichen und funktionalen Konzentration zeigen.

Überlegungen folgen, über die wir unsere Leserinnen und Leser gerne weiter am Laufenden halten.

Die Restaurierung und Erhaltung der uralten Kulturlandschaft Brandalpe unter Fortführung einer naturverträglichen Alpwirtschaft könnte auch eine gewichtige Ausgleichsmaßnahme zum Natur- und Landschaftsverbrauch durch den Zusammenschluss der Schigebiete von Mellau

Johann Peer Kulturlandschaft Großes Walsertal 316 Seiten, Format 22,6 x 21 cm Gebundene Ausgabe BUCHER Verlag ISBN-13: 978-3990180198

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und Damüls sein.


Ein bisschen Orient im Jüdischen Museum Hohenems Die Türken in Wien. So lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Jüdischen Museum in Hohenems. Der Untertitel „Eine europäische jüdische Gemeinde“ sorgt vielleicht bei weniger Geschichtskundigen für Verwirrung. Doch es handelt sich bei den Türken in der Ausstellung „Die Türken in Wien“ um jüdische, um die sogenannten Sepharden, die neben den Aschkenasen – den „deutschen“ Juden – ihre eigene Geschichte in Europa haben.

allem technisches und kulturelles Wissen mitbrachten, was die Osmanen zu schätzen wussten und deshalb den spanischen Juden viele Rechte einräumten. Neben Ansiedlungen in den europäischen Teilen des Osmanischen Reiches übernahmen die spanischen Juden im Habsburgerreich ab dem 18. Jahrhundert eine Vermittlerrolle zwischen Orient und Okzident. Zahlreiche Juden ließen sich in Wien nieder und genossen als türkische Staatsbürger freie Religionsausübung im Habsburger Reich.

Die Sepharden Diese fast in Vergessenheit geratenen, aus Spanien vertriebenen Juden erlebten eine Diaspora über ganz Europa. Als Schicksalsjahr gilt hier 1492 – im selben Jahr als Kolumbus eine neue Welt entdeckte, wurde in Spanien nach 800 Jahren die arabisch-muslimische Herrschaft durch die Reconquista beendet und die Juden aus Spanien vertrieben. Ihr Weg führte zunächst nach Nordafrika, über Italien vor allem ins Osmanische Reich und über Portugal kommend war für viele das Ziel Holland und Norddeutschland. Die Lebensbedingungen waren für die Sepharden im Osmanischen Reich gut, da sie vor

Die Exponate in der Ausstellung – u.a. die ältesten erhaltenen Toraaufsätze in Europa aus dem Jahr 1600, Inkunabeln, Druckwerke und Ritualgegenstände – veranschaulichen die Geschichten über Händler und Kaufleute, über Denker und Musiker und spannen den Bogen auch bis nach Hohenems. Josef Sulzer und die Osmanische Nationalhymne

Familie Hirschfeld und der Handel in Konstantinopel Die jüdische Hohenemser Familie Hirschfeld –Textilfabrikanten u.a. auch in St. Gallen – wanderte nach Konstantinopel aus und deren Nachkommen nach Alexandria. Der von dort aus organisierte Baumwollhandel erreichte über das Mittelmeer Hohenems – und die dort fabrizierten Textilien wurden wiederum nach Alexandria exportiert. Die Vernichtung der sephardischen Gemeinden und ihre Verdrängung aus dem historischen Gedächtnis sind ein weiteres wichtiges Thema der Ausstellung, die in deutscher und türkischer Sprache den BesucherInnen ein fast vergessenes Stück Geschichte näher bringen soll.

Josef Sulzer, der Sohn des berühmten aus Hohenems stammenden Kantors Salomon Sulzer, hatte durch zahlreiche Reisen als Musiker bei den Wiener Philharmoni-

Susanne Emerich

Türkische Volkshymne, geschrieben von Josef Sulzer, Wien 1915; Österreichische Nationalbibliothek, Wien, Musiksammlung

Ismail Acar: All Sultans Triptych, Istanbul 2009

Der Türkische Tempel (Synagoge der sefardischen Gemeinde) in der Zirkusgasse, Wien 1900; Jüdisches Museum Wien

kern auch gute Beziehungen ins Osmanische Reich. So komponierte er während des Ersten Weltkriegs für den damaligen Sultan Muhammed V eine Volkshymne, die als inoffizielle Nationalhymne Verwendung fand.

Rimmonim (Toraaufsätze) aus dem Osmanischen Reich, um 1600; Jüdisches Museum Budapest

Marie-Louise Motesiczky, Porträt von Elias Canetti; Wien Museum

Die Türken in Wien. Eine europäische jüdische Gemeinde 5. April bis 2. Oktober, Jüdisches Museum Hohenems Di - So und an Feiertagen 10-17h

Meschacher Krippenfiguren in neuem Glanz Das Meisterwerk Erasmus Kerns ist restauriert Sie sind wahrscheinlich die frühesten und mit Sicherheit die bekanntesten Barockskulpturen, die aus einer Vorarlberger Werkstatt stammen: die Meschacher Krippenfiguren. Erasmus Kern schnitzte diese 1624 für die Pfarrkirche in Feldkirch. Heute befindet sich dieses Werk in der Kirche zu Meschach und außerhalb der Weihnachtszeit im vorarlberg museum in Bregenz. Erasmus Kern ist die dominierende Künstlererscheinung Vorarlbergs in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Seine Feldkircher Werkstatt belieferte das ganze Land und darüber hinaus auch Auftraggeber aus den angrenzenden Regionen. Nur wenige Arbeiten können aufgrund

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von Archivalien, Inschriften oder Signaturen dem Meister direkt zugeordnet werden. Die Krippenfiguren gehören dazu. Die akademischen Restauratorinnen Elisabeth Scheel und Ilse Prenner haben jüngst eine Konservierung beziehungsweise Restaurierung der fünf erhal-

tenen Figuren vorgenommen. Aufgrund der nur noch reduziert erhaltenen Fassung aus der Zeit um 1624 sahen die Restauratorinnen in Absprache mit dem Bundesdenkmalamt davon ab, diese freizulegen und legten daher Wert darauf, die derzeit sichtbaren Fassungen zu sichern. Substanzfestigende Maßnahmen, die Sanierung des durch Anobienbefall geschädigten Holzbildträgers, die ästhetisch befriedigende Präsentation der Skulpturen und die stabile Befestigung der Figuren auf neuen, einheitlichen Bodenplatten standen im Vordergrund der durchgeführten Arbeiten. Die Restaurierung wurde auch aus Mitteln des Vorarlberger Landesmuseumsvereins gefördert. Andreas Rudigier, Brigitte Truschnegg


Alles Walser – Museen im Kleinwalsertal Der frühere Direktor des Vorarlberger Landesmuseums, Elmar Vonbank, hatte die ihm gestellte Aufgabe perfekt ausgeführt. Fast zu perfekt, denn das Heimatmuseum, das Vonbank 1969 eingerichtet hatte, ist inhaltlich und vom Aufbau her festgeschrieben. Wechselnde Ausstellungen sind nicht möglich, und die Dauerausstellung ändern wollten die Verantwortlichen bislang nicht wagen. Dabei tut sich einiges und manches kulturgeschichtliche Thema ist auf der Suche nach einer (neuen) Heimat im Kleinwalsertal. Das Walsermuseum Das Walsermuseum in Riezlern ist ein klassisches Heimatmuseum mit allen dazugehörigen Elementen. Im Zentrum des ersten Raumes steht ein Relief mit der dreidimensionalen Darstellung des Kleinwalsertals. Die an den Wänden gruppierten Vitrinen vermitteln einen knappen Überblick über die Geologie, Flora, Fauna und Geschichte des Tales. Wenn der Talchronist und Muse-

In einem weiteren Raum werden die volkskundlich relevanten Objekte präsentiert, die typisch für das Kleinwalsertal sind. Der Walserheilige Theodul wird hier ebenso gezeigt wie die Walsertracht oder spezielle Erzeugnisse des Brauchtums, die mit den Festen im Jahreskreislauf in Zusammenhang stehen. Unter dem Strich bleibt ein schönes, in die Jahre gekommenes Heimatmuseum, das über das Jahr rund 4000 bis 5000 Menschen Unterhaltsames und Wissenswertes zum Kleinwalsertal bietet. Der Umstand, dass etwa 80 Prozent Gäste das Museum besuchen, macht uns schon darauf aufmerksam, dass das Tal heute beinahe zu 100 Prozent vom Tourismus lebt. Es überrascht deshalb auch nicht, dass das Heimatmuseum ebenso wie das im Folgenden angeführte Walserhaus jeweils touristischen Dienststellen angegliedert oder nachgeordnet sind. Einen Museumsverein gibt es im Übrigen nicht, aber zumindest die Absicht, einen solchen zu gründen, ist gegeben. Ein Depot existiert, wird aber von Stefan Heim als Mangel bezeichnet. Die Inventarisierung er-

serhaus errichtet wurde, das im Laufe der Zeit auch eine umfangreiche Sammlung zur Wintersportgeschichte und im länderübergreifenden Verbund eine so genannte „Bergschau“ integrierte. Letztere möchte unter Einbeziehung unterschiedlicher sinnlicher Erfahrungen („fühlen und riechen“) und im Stil moderner Naturkundemuseen beziehungsweise Naturparkhäuser die Natur der Region einem vorwiegend städtisch sozialisierten Publikum näher bringen. Eine einfache mechanische Darstellung erklärt den BesucherInnen das Prinzip der jahreszeitlich bedingten Wanderung der Landwirte, die ihre Kühe der Vegetation nach bis auf die Alpen treiben. „Zia ond Faara“ heißt das Geheimnis und meint „Ziehen und Fahren“, kein Wunder also, dass es im Montafon etwa auch die Bergfluren „Fahren“ und „Ziersch“ gibt. Während das Heimatmuseum in seinem Erscheinungsbild und in seinen Vermittlungsmöglichkeiten statisch wirkt, zeigen sich im Walserhaus dynamische Elemente. Das gilt vor allem für die vielen Räumlichkeiten, die der Vermittlung dienen. Ein Steinzeitmuseum für das Kleinwalsertal? Nicht zuletzt seit den aufsehenerregenden Grabungen Walter Leitners auf der Alpe Schneiderküren (unterhalb des Gottesackerplateuas gelegen) ist klar, dass das Kleinwalsertal in größeren Mengen über Radiolarit, dem wichtigsten Rohstoff der Steinzeit, verfügt. Radiolarit wurde hier in vorgeschichtlicher Zeit abgebaut, und damit gehört das Kleinwalsertal neben der Wiener An-

umsbetreuer Stefan Heim zu erzählen beginnt, kommt Leben in die Objekte. Bemerkenswert ist, dass das auf private Sammlungen zurückzuführende Museumsgut nicht immer ganz freiwillig in das Museum Eingang fand. So erzählt der Chronist von einem Menschen, der nicht mehr in der Lage war, seine fälligen Gemeindeabgaben zu leisten, weshalb er seine geologische Sammlung dem Museum übereignen musste. Detlef Willand, der Heimatforscher des Kleinwalsertals, berichtet wiederum nicht ohne Stolz, dass schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts interdisziplinäre Forschung im Großraum Kleinwalsertal betrieben wurde. Damals war das Walsertal noch zu 100 Prozent ein von der Landwirtschaft geprägtes Land. Die in Ahorn gedrechselten Schüsseln stellen ein signifikantes Requisit jener Jahre dar.

folgt durch Stefan Heim beziehungsweise Studenten und zuletzt auch mithilfe der Unterstützung des Landes (M-Box-Eingaben). Das Walserhaus Das wird noch deutlicher, wenn wir einen Schauplatzwechsel nach Hirschegg vornehmen, wo 1982 das Wal-

tonshöhe zu den wichtigsten Fundorten in Österreich. Auf dieser Ausgangslage aufbauend sind die Verantwortlichen Kleinwalsertals bestrebt, eine museumsähnliche Schausammlung zu errichten, die dem Inhalt der Sache und den Wünschen des modernen Museumspublikums gerecht wird. Menschen aus der Wirtschaft und aus dem Tourismus interessieren sich zunehmend für kulturelle Belange. Kultur wird künftig auch als Thema des Tourismus gesehen. Kleinwalsertal verfügt über 11.000 Gästebetten (mit 1,5 Millionen Nächtigungen pro Jahr), wobei die Verteilung zwischen Winter und Sommer schon fast 50:50 beträgt. Andererseits lagen die Zahlen auch schon rund 20 Prozent höher. Das Potenzial für mehr ist also da. Andreas Rudigier

Eugen E. Hüsler, Andreas Strauß ALPEN, das bedrohte Paradies 192 Seiten, ca. 180 Abbildungen, Format 24,5 x 30,5 cm, Hardcover mit Schutzumschlag BRUCKMANN Verlag ISBN-13: 978-3-7654-4620-7

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Lustvolle Akzente – kleine Museen beleben die Vorarlberger Kulturlandschaft Ein Landesmuseum samt Direktion erfindet sich neu, und allenthalben ist Aufbruchstimmung spürbar. Museen, auf dem Land vor allem, registrieren mit erwartungsvollem Interesse die aktuellen Entwicklungen in Bregenz. Denn eine längst im Depot verstaubte Hoffnung lebt auf: Die Chancen stehen günstig, dass sich endlich eine lebendige, fruchtbare und dauerhafte Partnerschaft etablieren kann, zwischen Landesmuseum und Museen auf dem Land. Unabhängig davon agieren einzelne Museen im Klostertal, im Bregenzerwald, am Arlberg und im Montafon seit geraumer Zeit höchst „auffällig.“ Abgesehen von ihrer je eigenen architektonischen Marke entwickeln diese kleinen Regionalmuseen immer wieder exquisite Projekte. Mit teils erstaunlich großer Ausstrahlung.

Architektonische Markierungen Auch kleinere Museen in Vorarlberg rücken zunehmend ins Blickfeld überregionaler Wahrnehmung. Nicht zuletzt die Qualität der Architektur – Altbau ebenso wie Neubau - hat einzelne Häuser im Sinne einer Marke etablieren können. Immerhin wird Architektur für Kultureinrichtun-

und charakteristische Ausformungen, um wahrgenommen, zitiert, diskutiert, rezipiert, und immer wieder besucht zu werden. Die globalisierte Leitwährung Kultur ist mittlerweile auch zu einem regionalspezifischen Identitätsbarometer aufgestiegen. Dessen überregionale Anziehungskraft signalisiert eine Stärkung ländlicher Standorte und ihrer Identität; im Bregenzerwald, am Arlberg, im Montafon, im Klostertal. Maßgebliche Herausforderung war und ist es, diese Museumsbauten mit dem architektonischen Status eines „Sinnankers“ zu versehen. Nicht selten definiert auch Museumsarchitektur ein produktives Spannungsfeld zwischen Alt und Neu. Alte und neue Architektur im Dialog signalisiert ein Weiterdenken, Weiterinterpretieren von Tradition, um auch unsere Gegenwart für die Zukunft lesbar zu machen. Der irritierende Kontrast kann durchaus ein Gewinn sein, sowohl für Neu als auch für Alt. Es ist ein Bauen im Dialog mit der Landschaft, in Korrespondenz mit dem Dorf, im Spannungsfeld zwischen den Zeiten; im Dialog also mit dem Bestand, beim Um-, Ein-, Aus-, Weiter- und Neubauen. Auf diese Weise erhielten Museumslandschaften in Graubünden, Südtirol, in Vorarlberg und an-

gen und Museen zunehmend und generell ein elementarerer Bestandteil unseres Erwartungshorizonts. Landschaftliche Reize einerseits und baukulturelles Engagement auf der anderen Seite sind heute entscheidende Standortfaktoren, nicht zuletzt unter touristischen Gesichtspunkten. In zunehmendem Maße gilt dies auch für Museumsarchitektur.

dernorts architektonische Wahrzeichen, und immer mehr kleine Museen versuchen, ihre jeweils spezifische Angebotspalette in einen qualitätsorientierten architektonischen Rahmen zu stellen.

Urbane Museumsarchitektur generiert schon seit langem spezifische Merk- und Wiedererkennungsorte. Aber auch Heimatmuseen auf dem Land folgen diesem

Aktuelles und rege diskutiertes Beispiel für diese Entwicklung ist das Montafoner Heimatmuseum. Die Fachjury urteilte über den Siegerentwurf von Marte.Marte Architekten im eben genannten Sinne: „Wenn Heimat bedeutet, Identität zu schaffen, gelingt den Projektverfassern eine ausgezeichnete städtebauliche, funktionale und architektonische Antwort auf die sehr anspruchsvolle Aufgabe, nämlich das neue Heimatmuseum in der Talschaft zu verankern und neu zu positionieren.“

Trend, nicht zuletzt in Vorarlberg; beim Versuch nämlich, auf diesem Weg eine neue Klientel zu gewinnen und langfristig zu binden. Analog zum Bilbao-Effekt kann in Vorarlberg durchaus ein Hittisau-Effekt geltend gemacht werden, der auch für weitere „Hoffnungsträger“ der Vorarlberger Museumslandschaft wirksam werden kann. Musealisierte Kultur und Tradition braucht signifikante

Ein Projekt in der Warteschleife

Tatsächlich hätten dieses Museumskonzept und sein architektonischer Entwurf das Potential, beste Voraussetzung für ein zukunftsfähiges Heimatmuseum schaffen. Möglicherweise legt dieses Museumsprojekt in der gegenwärtigen Entscheidungsphase sogar die Nagelprobe ab, ob museale Erfolgsgeschichten wie jene in Hittisau, Schwarzenberg, Klostertal – und möglicherweise in Lech – eine gänzlich neu und eigenständig definierte Fortsetzung finden können.

Was tun die da? Kultur wird, nicht zuletzt im Rahmen touristischer Entwicklungen, auch zu einem Differenzierungsfaktor. Gäste widmen sich mit wachsendem Interesse dem Gewordensein, dem Dasein und dem Werden der Region. Gleichzeitig aber scheint Zukunft, speziell bei den Bewohnern des ländlichen Raums, immer noch etwas zu sein, das die Menschen erst dann lieben, wenn es Vergangenheit geworden ist. Der Ortsbezug gehört neben Funktionalität und Repräsentanz seit jeher zum Instrumentarium der

Museumsarchitektur. Wie jedoch solch topographische Orientierung formal umgesetzt und welche Ideen leitmotivisch wirksam werden, kann stark differieren. Einmal gilt es, das denkmalgeschützte Objekt zu erhalten und durch eine zeitgemäße Adaptierung zu optimieren – wie in Schwarzenberg und im Klostertal. Ein andermal gilt es, neue architektonische Akzente zu setzen – wie in Hittisau und möglicherweise in Schruns. Immer jedoch baut die Architektur ein Spannungsfeld auf. Gerade die innovativen Museen in den Regionen Vorarlbergs definieren und positionieren sich immer aufs neue zwischen popularisierender Öffnung und reflexiver Konzentration, zwischen Profanisierung und Sakralisierung, zwischen lokaler Identität und universellem Modernismus. Es lohnt sich, näher hinzusehen und zu erfahren, was die da tun, die Vorarlberger Museen auf dem Land; mit ihrer je eigenen Ausstellungsformaten, ihren spezifischen Erzählweisen, ihrer charakteristischen Architektur. Und ganz besonders lohnt sich hinzusehen, welche Formen von Partnerschaft – zwischen bestens aufgestellten Museen auf dem Land und dem wirkungsmächtigen Landesmuseum – sich in einer gemeinsamen Zukunft etablieren können. Bruno Winkler

Bereits in den letzten Jahren hat sich das Montafoner Heimatmuseum immer stärker als Ort spannender Aus-

Chris van Uffelen Museumsarchitektur 511 Seiten, Format 29,8 x 26,6 cm Gebundene Ausgabe h.f. ullmann publishing ISBN-13: 978-3833160332

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einandersetzungen profiliert. Hier agiert ein Heimatmuseum als Begegnungswerkstatt und als Labor für produktive Auseinandersetzungen. Als Ort, an dem Fragen der regionalen Identität anhand der eigenen Geschichte und gegenwärtiger Interessen stets neu verhandelt werden. Dieses dynamische Innenleben sollte sich auch architektonisch artikulieren dürfen. „Dass ein Gebäude seinen kulturellen Kontext reflektiert, ist ebenso wichtig wie seine Aufgabe, meteorologischen Widrigkeiten zu trotzen.“ (Alain de Botton, Glück und Architektur).

Fotos: cukrowicz nachbaur architekten, marte.marte architekten, Montafoner Heimatmuseum Schruns


Im Elfenbeinturm – ein Besuch in der Studiensammlung des Landes Denn: Für einen im Museum arbeitenden Wissenschaftler ist die Studiensammlung seine Heimstätte, wo er fern von Telephon und allen anderen täglichen Ablenkungen jenen Aufgaben dienen kann, zu denen er ja berufen wurde. (Pittioni, Richard: Schausammlung – Studiensammlung. Überlegungen zur Fragen der Musealorganisation. In: Führer durch die Museen und Sammlungen in Vorarlberg II, 1979) Telefone haben zwischenzeitlich Einzug in die Studiensammlung erhalten, ebenso wie Computer und andere moderne Kommunikationsmedien. In größerer Anzahl kamen sie im Gefolge der Mitarbeiter des Landesmuseums, die, nach Abriss des Altbaus am Kornmarktplatz heimatlos geworden, im November 2009 für drei Jahre in den Brachsenweg übersiedelt sind. Seitdem erfüllt den „Elfenbeinturm“, wie der Prähistoriker Richard Pittioni die Studiensammlung in o.g. Artikel auch nennt, emsiges Treiben: Ein Team von Kuratoren durchforstet die Sammlung auf der Suche nach interessanten Exponaten für das neue vorarlberg museum, das 2013 eröffnen wird. Das Schrillen der Klingel kündet vom regen Besucherverkehr. Fachleute jeglicher Couleur – Wissenschaftler, Gestalter, Journalisten – geben sich die Klinke in die Hand. Und wenn auch nicht täglich, so sind die in

regelmäßigen Abständen anberaumten Führungen durch die Studiensammlung längst zur willkommenen Ablenkung für das Museumsteam geworden. Was erwartet den Besucher in dem von außen eher unscheinbaren Gebäudekomplex, der seit den 50er Jahren

in mehreren Etappen im Bregenzer Stadtteil Vorkloster errichtet worden ist? Hier wird auf mehr als 2000 qm Fläche die Kulturgütersammlung des Landes Vorarlberg, zu der neben der Sammlung des vorarlberg museums auch die Sammlung des Kunsthaus Bregenz gehört, ge-

lagert. Allein die Sammlung des Landesmuseums umfasst ca. 160.000 Exponate aus der Frühzeit bis zur Gegenwart. Archäologische Funde werden ebenso bewahrt wie Kunstwerke, volkskundliche Objekte und andere historische Hinterlassenschaften. Ein Archiv und eine Bibliothek ergänzen die Bestände. Die Aufnahme von Filmen, Tondokumente und digitalen Medien, die heute als immaterielles Sammlungsgut zu den wichtigen Zeugnissen kulturellen Lebens gezählt werden, bedingt neue technische Maßnahmen. Selbstverständlich erfordert der Erhalt der einzigartigen Sammlung besondere Vorkehrungen, die nicht nur die Sicherheit, sondern auch das Raumklima betreffen. Temperatur und Luftfeuchte werden mit hohem technischem Aufwand den spezifischen Anforderungen der Objekte angepasst. Die Lagerung und Verwaltung der kaum überschaubaren Bestände an zwei- und dreidi-

mensionalen Gegenständen unterschiedlichster Materialität ist eine Herausforderung. Lange Zeit wurden Inventarbücher – zunächst hand- dann maschinenschriftlich – geführt, die später von Karteikarten ergänzt wurden. Heute werden die Sammlungsgüter über eine moderne Datenbank verwaltet. Festgehalten werden nicht nur Formalien wie Maße, Materialien, Standort, sondern auch Angaben zur Objektgeschichte, zum Erwerb, zur Herstellung, zum Künstler. Somit wird sichergestellt, dass nachfolgende Generationen von Wissenschaftlern das Objekt auch lange nach seiner Aufnahme in die Museumssammlung in seinen historischen Kontext einordnen können. Gelagert wird die Sammlung in speziellen Vorrichtungen und Möbeln. Alleine für die Gemäldesammlung sind Bildgehänge mit einer Lauflänge von 543 m und einer Gesamtfläche von 2158 m2 vorhanden. Dreidimensionale Gegenstände werden vorzugsweise in Raum füllenden Rollregalen gelagert, wohingegen Zeichnungen, Drucke und andere Papiererzeugnisse in gesonderten Kabinetten in Planschränken untergebracht sind. Trotz ausgefeilter Logistik leidet die Studiensammlung – wie fast alle Museen – unter erheblichem Platzmangel. Diese Problematik wird sich auch dann nur geringfügig bessern, wenn Anfang 2013 ein Großteil der Museumsmitarbeiter und mit ihnen ca. 5000 bis 7000 Objekte die Studiensammlung verlassen werden um im neuen vorarlberg museum am Kornmarktplatz zu wirken. Bis dahin möchten wir Sie ganz herzlich einladen, einen Blick hinter die Kulissen musealer Arbeit zu tun und die Gelegenheit zur Teilnahme an einer Führung durch die Studiensammlung nutzen. Im Rahmen der ca. 90minütigen Veranstaltungen stellen die Mitarbeiter des Hauses ihre jeweiligen Arbeits- und Sammlungsbereiche persönlich vor und beantworten gerne Ihre Fragen. Die nächste Führung findet im Herbst statt. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an info@vorarlbergmuseum.at. Silvia Groß

Vorarlberger Flurnamen: Teil des österreichischen Kulturerbes Die Sammlung Werner Vogts findet Anerkennung. Sie ist außergewöhnlich und umstritten zugleich, sie ist aber zweifellos einer der wichtigsten Beiträge zur Vorarlberger Landeskunde des 20. Jahrhunderts: die Vorarlberger Flurnamensammlung von Werner Vogt, die in neun Bänden durch den Vorarlberger Landesmuseumsverein in den 1970er und 1980er Jahren herausgegeben worden ist. Nun hat die Nationalagentur für das immaterielle Kulturerbe der österreichischen UNESCO-Kommission jüngst diese Flurnamensammlung für die Aufnahme in das Nationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich befürwortet.

Werner Vogt legte zwar nicht als Erster eine Sammlung Vorarlberger Toponyme an, aber das Ergebnis seiner Sammelaktivitäten führte zum umfassendsten und überzeugendsten Inventar an Vorarlberger Flurnamen. Seine jahrzehntelangen Bemühungen führten dazu, dass die Bedeutung der Vorarlberger Flurnamen nachhaltig Eingang in das Bewusstsein der Vorarlberger Bevölkerung fand. Vogt trug mit seiner Sammlungstätigkeit, die er ehrenamtlich durchführte, wesentlich dazu bei, dass der reiche und sprachgeschichtlich vielgestaltige Flurnamenbestand Vorarlbergs vor dem Vergessen bewahrt werden konnte.

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Vogt nahm dabei seit Aufnahme seiner Sammeltätigkeit in den 1950er Jahren bereits vorweg, was nicht nur das UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes 2003 vorsieht, sondern auch aufgrund anderer UNESCO-Abkommen zum Schutz des kulturellen Erbes (Übereinkommen von 1954, 1970 und

1972) mittlerweile zur gängigen globalen Praxis mutierte: die Aufsammlung und Dokumentation des kulturellen Erbes als erster Schritt zum Schutz und zur Pflege jener Kulturgüter und kulturellen Errungenschaften, die es Wert sind, für die nächstfolgenden Generationen erhalten zu werden. Erst durch die nie endende Sammelleidenschaft von Werner Vogt wurde das reiche sprachgeschichtliche Erbe in einem kleinen Teil des Alpenraums manifest. Das Namengut reflektiert nicht nur die Wahrnehmung

der Natur durch die Bevölkerung, sondern vermittelt auch geschichtliche Hintergründe und liefert Information über die (historische) Landnutzung. Werner Vogt ist auch als Pionier zu würdigen, verwirklichte er bereits vor Jahren jene Forderungen, die später als Maßnahmen zur Erhaltung der kulturellen Vielfalt in die Alpenkonvention Eingang fanden (Kapitel II, Deklaration „Bevölkerung und Kultur“, 2006). Der Wert der Bemühungen von Vogt und sein richtungsweisender Ansatz zum Schutz des immateriellen Kulturerbes können daran ermessen werden, dass mittlerweile in der Anlage zur bereits erwähnten Deklaration der Alpenkonvention die Errichtung von Dokumentationszentren für die Zeugnisse des kulturellen Erbes empfohlen wird. Diese Zentren – die imposante Sammlung von Werner Vogt umfasst Tausende von Dokumenten – stellen einen wichtigen Schritt für die Pflege des sprachlichen Erbes dar. Vorarlberg ist in der günstigen Situation, auf einen solchen Schatz zurückgreifen zu dürfen. Peter Strasser


Bewegte Geschichte, lebendig erzählt – das neue Schattenburgmuseum in Feldkirch Einer mehrere Jahre dauernden Phase des Aus- und Umbaus folgte am 5. Februar 2010 die Neueröffnung des Schattenburgmuseums in Feldkirch. Im Rahmen eines umfangreichen Projekts bemühte sich der Heimatpflege- und Museumsverein unter der Führung von Obmann Manfred A. Getzner seit mehreren Jahren um eine Erweiterung des Museums. In diesem Zusammenhang konnten acht neue Räume für Ausstellungszwecke zugänglich gemacht werden, welche seit rund 60 Jahren verschlossen geblieben waren.

chern zugänglich sind. Dem Umbau ging eine umfassende bauanalytische und dendrochronologische Untersuchung voraus, welche bedeutende neue Erkenntnisse zur Geschichte der Burg und der Stadt Feldkirch lieferte. Der im 13. Jahrhundert errichtete älteste Teil der Burganlage erlebte im Laufe der Jahrhunderte eine bewegte

Der Rundgang durch die oberhalb von Feldkirch thronende Burg führt nunmehr durch 18 Räumlichkeiten, wobei die Ausstellung neu und zeitgemäß gestaltet ist. Die Themen reichen unter anderem von der Alltagsgeschichte der Stadt Feldkirch über die „Umkämpfte Heimat“ – wobei neben historischen Waffen auch historische Ereignisse um Feldkirch dargestellt werden – bis hin zur regionalen Kunstgeschichte. Neu gestaltet ist auch die traditionsreiche Waffenkammer, die auf die Sammlung von Schusswaffen aus den beiden Weltkriegen des als „Zimbapfarrer“ bekannt gewordenen Wendelin Gunz zurück geht. Begehbarer Bergfried Das Herzstück von Schattenburg und Museum ist ohne Zweifel der markante Bergfried, dessen ehemalige Depoträume im Zuge der Erweiterung nunmehr den Besu-

hervorragende Handwerkskunst und stammt aus dem Jahr 1456. Die Aussichtsplattform des Bergfrieds war teilweise bereits während der Zwischenkriegszeit für Besucher begehbar. Während des Zweiten Weltkriegs wurde dieselbe militärisch genutzt und konnte deshalb wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen nach Kriegsende nicht mehr geöffnet werden. Ein erklärtes Ziel des Umbauprojekts war die erneute Öffnung der Aussichtsplattform für Museumsbesucher. Die ehemalige Wehrplattform erhielt 2009 einen neuen Holzboden, weshalb nunmehr bei Führungen durch das Museum die herrliche Aussicht auf Feldkirch und das Rheintal genossen werden kann. Die Schattenburg ist ohne Zweifel einer der markantesten Orte der Vorarlberger Landesgeschichte. Der Initiative des Heimatpflege und -museumsvereins ist es zu verdanken, dass das Museum einer grundlegenden Modernisierung unterzogen werden konnte und der historische Bergfried mit seiner Aussichtsplattform erstmals seit Jahrzehnten wieder zugänglich ist. Die Tatsache, dass seit der Neueröffnung bereits mehr als 30.000 Besucher gezählt werden konnten, ist unter anderem ein starker Beweis dafür, dass sich die Initiative gelohnt hat. Christof Thöny

Geschichte. Infolge einer Pulverexplosion brannte der Turm 1427 aus, weshalb ein Pult-Notdach errichtet werden musste, welches östlich auf der Mauerkrone auflag. Dies beweist, dass der ursprüngliche Bergfried mindestens ein Stockwerk höher war. Der heute noch bestehende Dachstuhl veranschaulicht

Informationen: www.schattenburg.at Öffnungszeiten: Mo - Fr 9-12h/13:30-17h Sa, So und an Feiertagen 10-17h

Frühmesshaus Bartholomäberg – ein erfreulich wachsendes Museum Der Reigen der vom Heimatschutzverein Montafon betreuten Museen wurde im Juni 2009 um ein weiteres Haus erweitert: Mit dem alten Frühmesshaus in Bartholomäberg konnte ein wertvolles historisches Objekt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Hinsichtlich der Adaptierung wurden neue und innovative Wege beschritten. Die BesucherInnen sollten praktisch von Beginn an Zeugen der Renovierung werden und am wachsenden Museum teilhaben können. Ein Haus mit Geschichte Entsprechend dem hohen Anspruch des Heimatschutzvereins in Fragen der kulturhistorischen Forschung wurde das alte Frühmesshaus zunächst mustergültig hinsichtlich seiner Baugeschichte untersucht. Die relevanten Daten lieferte der Dendrochronologe Klaus Pfeifer, der den ursprünglichen Bau des Objekts im Jahr 1658 nachweisen konnte. Die Inschrift „1658“ am Giebel des Hauses und die Stiftung der römisch-katholischen Frühmesspfründe am Bartholomäberg 1657 untermauern dieses Faktum.

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Weitere Aus- beziehungsweise Umbauten im Obergeschoss wurden Ende des 18. Jahrhunderts vorgenommen. Bis heute stellt das alte Frühmesshaus ein herausragendes Beispiel für die frühbarocke Architektur des Montafons wie auch des benachbarten Graubündens dar. Bis ins 20. Jahrhundert herauf beherbergte es den jeweiligen Frühmesser von Bartholomäberg – den Inhaber der aus der Frühmessstiftung von 1657 finanzierten Pfründe, der die jeweilige Messe vor dem Arbeitsbeginn der Bevölkerung abzuhalten hatte. Der Typus des Frühmessers ist in den vergangenen Jahrzehnten in Vorarlberg weitgehend verschwunden; so auch am Bartholomäberg, weshalb das Frühmesshaus für andere Zwecke genutzt wurde. Seit einigen Jahren stand das geschichtsträchtige Gebäude leer, und der Zahn der Zeit sowie die Spuren des Wandels machten sich in seinem inneren und äußeren Erscheinungsbild bemerkbar. Das wachsende Museum Mit der Frage eines möglichen Abbruchs konfrontiert, entschied sich die Gemeinde Bartholomäberg für einen Ankauf des alten Frühmesshauses. Eine Neueindeckung des Daches zum Schutz vor dem weiteren Verfall wurde alsbald in Angriff genommen. Anknüpfend an diese wichtigen Maßnahmen schaltete sich der Heimatschutzverein – federführend vertreten durch Obmann Andreas Rudigier und Kurator Bruno Winkler – ein, der ein Konzept für ein wachsendes Museum entwickelte, das mustergültig für Prozesse dieser Art werden könnte – auch weit über die Region hinaus. Das Einhergehen von behutsamer Renovierung des Hauses und Vermittlung von historischen Inhalten im wachsenden Museum ist das zentrale Anliegen.

Die bauliche Instandsetzung des Frühmesshauses – die von der Öffentlichkeit ständig begleitet wurde – ist bereits weit fortgeschritten. Seine Rolle als Ort der Begegnung, des kulturellen Austausches und der Vermittlung jedoch wird weiter wachsen. Ein engagiertes Team garantiert diese dynamische Weiterentwicklung, verantwortlich begleitet von Marianne Werle, Brigitte Frast und Marieluise Werle. Ihr Einsatz und ihre Aktivitäten beweisen, wie sehr Museumsarbeit vom Engagement von Personen aus der jeweiligen Umgebung der Museen abhängt. Der Blick über das Tal Dem Besucher des Frühmesshauses Bartholomäberg fällt sofort der beeindruckende Blick auf das Montafon und den Rätikon auf. Diese alpine Aussicht wurde bei der Eröffnung des Museums im Sommer 2009 ins Zentrum gerückt; eingebettet in den Themenschwerpunkt „Mensch und Berg“ des Heimatschutzvereins Montafon. Die privilegierte Lage – einstmals galt übrigens auch der Name Montafon nur für den Raum Bartholomäberg – macht das Frühmesshaus Bartholomäberg zu einem perfekten Standort für das „Montafoner Museum“ schlechthin. Das räumliche Forum bietet das historische Gebäude, für eine wachsende Begegnung der Menschen mit der Geschichte sorgen die Aktivitäten, welche darin stattfinden. Christof Thöny Sonderausstellung: „Die Welt des Luzius Hauser“ 2. Juli - 31. Oktober Frühmesshaus Bartholomäberg Di - Sa, jeweils von 15-18h


Ist die Ruine Blumenegg noch zu retten? Eine sorgenvolle Betrachtung

Förderverein und Burgenausschuss um Erhaltung bemüht Die Ruine Blumenegg symbolisiert wie keine andere Anlage die gemeinsame Geschichte der Blumenegg-Gemeinden und des Großen Walsertals. Das Bewusstsein dafür ist aber leider nicht bei allen Gemeinden gegeben. Bemühungen des Landesmuseumsvereins, die Erhaltung der Ruine zu fördern, beantwortete zum Beispiel die Gemeinde Bludesch unter ihrem neuen Bürgermeister Michael Tinkhauser mit dem Austritt aus dem Verein.

Sitz der Werdenberger Grafen Die Burg Blumenegg entstand im 13. Jahrhundert als Sitz der Grafen von Werdenberg. Der Name Blumenegg wurde nachweisbar erstmals 1265 genannt. Die Burg bildete den Mittelpunkt der so genannten Grafschaft im Walgau, die 1416 in den Besitz der Freiherren von Brandis gelangte und knapp 100 Jahre später von den Grafen von Sulz gekauft wurde. 1612 erwarb schließlich das Benediktiner-Reichsstift Weingarten die Reichsgrafschaft Blumenegg. Die Fürstäbte von Weingarten regierten

Blumenegg bis 1802, und nach zwei Jahren im Besitz des Prinzen Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau kam Blumenegg schließlich 1804 an Österreich. Bedeutendster Herrschaftssitz im südlichen Vorarlberg Neben der Burg Jagdberg hat sich Blumenegg am besten erhalten. Die ausgedehnte Anlage mit einem Bergfried und einem repräsentativen mehrstöckigen Wohngebäude verweist auf den einstigen Sitz einer hochadeligen Dynastie. Die Burg brannte nachweisbar dreimal: 1405 wurde sie von den Appenzellern in Brand gesteckt, 1650 und 1774 brannte sie weitere Male. Nach 1774 wurde sie dem Verfall preisgegeben, der sich gerade in den letzten Jahrzehnten extrem beschleunigt hat.

Die Burgfreunde setzen sich für Blumenegg ein Die Gründung des Vereins „Burgfreunde Blumenegg“ im Jahr 2007 soll nun dem Verfall eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler der Region entgegentreten. Dokumentation und Restaurierung stehen im Mittelpunkt der Aktivitäten, die finanziellen Möglichkeiten sind aber beschränkt, und deshalb bitten die Burgfreunde die Mitglieder des Vorarlberger Landesmuseumsvereins und andere HelferInnen um Unterstützung. Kontakt: Verein „Burgfreunde Blumenegg“, Obmann Hans Bösch, Wiesenweg 4, 6713 Ludesch, Tel 0650/7325325, hans.boesch@vol.at Harald Rhomberg, Andreas Rudigier

Franz Josef Huber Wo Graf und Ritter Burgen bauten Jahrbuch 2008-2010 Vorarlberger Landesmuseumsverein ISBN 3-901803-11-4

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Landpartie Vorarlberg – eine Expedition in die Geschichte unserers Landes Lange Zeit – bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts – war Vorarlberg weitgehend ein „weißer Fleck“ in der Landschaft. Erst mit der aufkommenden Textilindustrie wurde auch die Vermarktung des Landes in touristischer Hinsicht entdeckt. „Landpartie Vorarlberg“, der neue Text/Bildband der Grafikdesignerin Rita Bertolini, ist reich an Geschichten, die uns in die Anfangstage des exklusiven Wintersports in Vorarlberg entführen. Die geografisch geordneten Textbeiträge stammen vom Historiker Meinrad Pichler, der ORF-Redakteurin Ingrid Bertel, dem Direktor des vorarlberg museum, Andreas Rudigier, und dem Bregenzer Stadtarchivar Thomas Klagian. In der Buchpublikation gründen auch zwei Ausstellungen in Bregenz, die zurzeit unter dem Titel „Landpartie Vorarlberg – eine Expedition in die Bregenzer Stadtgeschichte“ im Martinsturm, sowie in der RiBgalerie zu sehen sind. Rund 30.000 Bilder aus privaten sowie öffentlichen Archiven hat die aus dem Bregenzerwald stammende Designerin und Verlegerin Rita Bertolini für ihre bislang vierte Buchpublikation digitalisiert. In dem 384 Seiten starken Buch präsentiert sie teils spektakuläres, teils nostalgisches, teils aber auch skurriles, fotohistorisches Bildmaterial. Auf einem sind etwa auf einem Bahngleis in den Bregenzer Hafenanlagen stehende Dandys um 1906 zu sehen; ein anderes zeigt die Douglass-Hütte um 1900. Im Buch versammelt sind aber auch rund 700 Ansichten – einige finden sich etwa auf dem ersten illustrierten Fremdenverkehrsplakat aus dem Jahre 1893.

Ergänzt wird das Buch durch spannende Geschichten mit dem Automobil zu reisen, unterstützten den gerade und aussagekräftige Zitate, etwa eines Franz Michael erst in Schwung gekommenen Tourismusboom. Felders, der um 1857 in einem Bregenzer Hotel eine äuDas an ein breites Publikum gerichtete Buch ist im Berßerst demütigende Erfahrung matolini Verlag Bregenz erschienen. chen musste. „Als ich ein Glas Für die beiden Ausstellungen, die vom Bregenzer Kulturamtsleiter Wolfgang Fetz Bier verlangte, frug man, ob ich’s auch bezahlen könne, und als ich initiierte Sommerausstellung im Martinsgar noch um Nachtherberge zu turm und auch jene in der RiBgalerie am bitten wagte, wurde ich zum LöKornmarkt, konnten teilweise höchst oriwenwirt gewiesen, der als Herginelle Exponate gefunden werden, so bergsvater der Zünftler alles etwa ein zweiköpfiges Schwein. behalten müsse.“ Dem mittelalterlichen Wahrzeichen der Ende des 19. Jahrhunderts war Landeshauptstadt, das auf zwei Stockdie Stickerei im Textilland Vorarlwerken bravourös bespielt wird, steht, berg zu einem wichtigen Erwie es sich anlässt, eine neue, strahlende werbszweig geworden, die Zukunft ins Haus. Beide Ausstellungen aufkommenden Industriebauten sind bis Herbst zu sehen. prägten das Bild vieler Orte. Damit einhergehend ist auch die Annette Raschner Entwicklung des Fremdenverkehrs zu sehen. Nach und nach wurde Vorarlberg als Schiparadies Landpartie Vorarlberg – Eine Exentdeckt. 1904 wurde am Bödele pedition in die Bregenzer Stadt- Das Rahmenprogramm beinhaltet fünf klassische Landpartien mit geführten Exdas erste Schispringen – damals geschichte peditionen in die Bregenzer Stadtgenoch auf einfachen Sprunghügeln schichte, u.a. gibt es ein historisches abgehalten. Knapp drei Jahre spä- 17. Juni bis 18. September Abendessen, eine Landpartie mit dem ter sollte dort der erste Schilift Martinsturm Bregenz Mohrenbus und einen Ausflug mit dem Mitteleuropas in Betrieb genom- 17. Juni bis 1. Oktober Schiff zum Zeppelinmuseum. men werden. Der Bau der ersten RiBgalerie am Kornmarkt Anmeldung unter: www.v-ticket.at oder Straßen und schließlich die Mög- Öffnungszeiten: 10-17h www.laendleticket.com lichkeit, im Zug, per Schiff oder (Montag = Ruhetag Martinsturm)

Zugpropeller der Dornier Do X, des lange Zeit größten Passagierflugzeugs der Welt

Links: Originalmobiliar und -gedeck aus dem Hotel ,Weißes Kreuz‘. Rechts: Eines der damals populären Hochräder.

Das zweiköpfige Schwein in der RiBgalerie.

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Rita Bertolini Landpartie Vorarlberg 384 Seiten, Format 28,4 x 21,6 cm Bertolini Verlag, Bregenz Gebundene Ausgabe ISBN-13: 978-3950270617


„Ich behandle Themen, die Menschen angehen.“ Das Frauenmuseum in Hittisau legt dieses Jahr den Schwerpunkt auf ein brisantes Thema: „Frauen und Gewalt“ ist der Titel der Ausstellungsreihe, die den Bogen spannt von der Ausstellung „Die elf Gebote“ der Künstlerin Mariella Scherling-Elia über „Frauen im Kreuzfeuer“ der britischen Fotografin Jenny Matthews bis zu „Silent Witness“ - einer Ausstellung in Kooperation mit der IFS-Frauennotwohnung, die vor Augen führt, dass Gewalt an Frauen nicht nur an Kriegsschauplätzen in aller Welt stattfindet, sondern direkt vor der eigenen Haustüre. mm: Das Thema „Gewalt“ zieht sich durch Ihre Arbeit – sei es Euthanasie, die Auseinandersetzung mit den Gewaltverbrechen an Frauen in Bosnien oder Afghanistan sowie das Leiden von Kindern. Weshalb diese Thematik?

„Die Menschen können sich nicht überwinden, auf ein Blatt Papier zu treten, auf dem ein Kind abgebildet ist – aber wie sieht die Realität aus?“ Mariella Scherling-Elia, Künstlerin

Ich vertrage keine Ungerechtigkeit. Beginnen wir mit dem „Kinderleid“. Das Konzept war folgendermaßen gedacht: Zwischen zwei filigranen Wänden sollte der gesamte Fußboden mit Fotografien von Kindern aus aller Herren Länder ausgelegt werden. Gedacht war eine Ausstellung in Paris, die nie kuratiert wurde, da zwar Interesse an meiner Arbeit da war, aber diese Thematik offensichtlich zu „heikel“ ist. Die Menschen können sich nicht überwinden, auf ein Stück Papier zu treten, auf dem ein Kind abgebildet ist…aber wie sieht die Realität aus? Da ist diese Scheu kaum vorhanden, man hört es jeden Tag, in den Meldungen über misshandelte, missbrauchte, getötete Kinder. Das ist erschreckend, was ist das für eine Gesellschaft? Und ich sehne mich danach, richtiggehend in den Farben zu wühlen mit Händen und Füßen, denn ich fühle mich befreit, wenn ich durch meine Arbeit etwas zu diesem Thema sagen und ausdrücken kann. mm: Deshalb auch die Thematik „Gewalt an Frauen“? Um der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, um die Menschen zu genauerem Hinsehen zu motivieren? Teilweise verstört Ihre Offenheit der Darstellung den Betrachter – beispielsweise bei den Vergewaltigungsbildern, die zum Thema Bosnien entstanden sind.

Mariella Scherling-Elia, Burquas Meiner Meinung nach kann so ein eminent wichtiges Thema nicht anders dargestellt werden, als die Wahrheit zu zeigen, was soll man da beschönigen? Vor allem die Mächtigen, auch die Kirche sollte da hinsehen, denn ich habe die Stimme der Kirche damals in Bosnien nicht gehört, und deshalb war es mein Wunsch, vor allem die Kirche mit meiner Arbeit anzusprechen. Das Schicksal dieser Frauen ist für mich ein Grund gewesen, auf diese Art und Weise zu agieren. Anders hätte es für mich künstlerisch nicht ausgedrückt werden können. Heute würde ich es noch stärker darstellen. mm: In Ihrer Ausstellung fällt dem Besucher sofort die Installation der Burquas ins Auge. Weshalb haben sie diese Darstellungsweise gewählt? Ich kenne kein anderes Kleidungsstück, das einerseits für eine Frau gedacht ist und andererseits den weiblichen Körper derartig verhüllt wie die Burqua. Und das Thema Gewalt spielt wieder eine Rolle – denn der Mann bzw. die Religion entscheidet, was die Frau tragen muss. Um das zu verdeutlichen, wollte ich keine neuen Burquas haben, die ich sofort bekommen hätte. So waren Telefonate bis nach New York nötig, um diese getragenen, tausendmal gewaschenen und an der Sonne getrockneten Burquas zu bekommen, die aus Islamabad stammen. Als ich das Paket bekommen habe, habe ich gleich eine angezogen. Ungefähr zehn Minuten lang habe ich mir vorgestellt, wie es der Trägerin darin ergangen ist. Dürfen die Frauen Freude empfinden beim Zusammensein mit dem anderen Geschlecht? Dürfen sie sich überhaupt an ihrer weiblichen Figur erfreuen? In diese Frauen habe ich mich durch das Einhüllen in die

Burqua richtig körperlich eingefühlt. Und es ist mir nicht gut dabei gegangen. mm: Sie stellen zum ersten Mal im Frauenmuseum aus. In diesem Jahr wurde zum hundertsten Mal der Weltfrauentag gefeiert. Wie ist ihre Einstellung dazu? Ich finde ein Frauenmuseum hat die Aufgabe, zu ergänzen. Die Dinge aus Frauensicht darzustellen, es ist höchste Zeit dafür. Ich bin keine Feministin, doch ich begrüße es, dass es der Frau gelungen ist, den Mann aufzurütteln und ihre Sichtweise zu verdeutlichen. Man sollte versuchen, nie von vornherein schlecht über etwas zu denken, zuerst die jeweilige Sichtweise betrachten und dann argumentieren. Natürlich, außer über gewisse Machtmenschen – da ist es besser nicht zu wissen, was ICH denke. Denn wenn es unmenschlich zugeht in einem Land, wer ist verantwortlich? Immer der, der an der Spitze steht. Ich nenne die Mächtigen Polypen, die das Volk umschlingen. Diese politische Sprache beispielsweise bringt mich fast zur Verzweiflung: die Milliarden einfrieren, was ist das für ein blödes Wort! Ich würde es einwärmen – das Geld austeilen – einwärmen, weil es zum Leben führen würde, soziale Infrastruktur, Kultur, Brot, alltägliche Lebensmittel, wenn natürlich ein guter Parmesan und ein Espresso dabei wäre, das wäre perfekt. Das Gespräch führte Susanne Emerich im Atelier von Mariella Scherling-Elia, Hohenems, 3. April 2011.

Frauen im Kreuzfeuer Jenny Matthews Silent Witnesses. Stumme Zeugen 6. Mai bis 21. August, Frauenmuseum Hittisau Do 15-20h, Fr 14-17h, Sa & So 10-12/14-17h Jenny Matthews, Schönheitssalon, Afghanistan 2009

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Symposium „Rätoromanen“ – der Arbeitskreis für interregionale Geschichte tagte in Schaan Am 20. November 2010 veranstaltete der Arbeitskreis für interregionale Geschichte des mittleren Alpenraums (AIGMA) im Pfarrzentrum Schaan ein Symposium, das der Geschichte und Gegenwart der rätoromanischen Sprache in der Ostschweiz, Liechtenstein und Vorarlberg gewidmet war. Als Gastgeber der Veranstaltung trat der Historische Verein Liechtenstein auf, dessen Präsidentin Eva Pepic die Teilnehmer willkommen hieß. Im Zuge der Tagung wurde auch der erste Band der Schriftenreihe des Arbeitskreises vorgestellt, der den Titel „Zeit des Umbruchs: Westösterreich, Liechtenstein und die Ostschweiz im Jahr 1809“ trägt und der beim Arbeitskreis sowie seinen Mitgliedsvereinen erhältlich ist.

Anerkennung ihrer Sprache als offizielle Landessprache der Schweiz und deren Bedeutung für die Einigung des Landes als Nation näher. Prof. Gerhard Wanner, Geschäftsführer des Arbeitskreises, setzte sich mit der Rezeption „der Rätoromanen“ in der Vorarlberger Landesgeschichtsschreibung auseinander, die bis in die 1980er Jahren stark von ideologischen Tendenzen beeinflusst war.

Arbeitskreis für interregionale Geschichte

Die Referate Sechs ReferentInnen aus unterschiedlichen Fachrichtungen setzten sich – moderiert von Valentin Vincenz – in ihren Ausführungen mit unterschiedlichen Sichtweisen auf das Rätoromanische auseinander, wobei Prof. Guntram Plangg in seiner Einführung die Grundlagen dieser alten Sprache des churrätischen Raums und ihren Nachklang in zahlreichen Orts- und Flurnamen thematisierte. Der Historiker Peter Erhart, Leiter des Stiftsarchivs St. Gallen, bot einen historischen Überblick über die Geschichte der Region im Frühmitteltalter und die Spuren des Rätoromanischen in den spärlich erhaltenen Quellen aus jener Zeit, wobei sein Fokus speziell auf den ethnischen Spannungen zwischen Rätoromanen und Alemannen lag. Rico Valär von der Universität Zürich brachte anhand des interessanten Beispiels des Sprachaktivisten und Literaten Peider Lansel in seinem Vortrag die Forderung der Rätoromanen aus dem Jahr 1938 um

nur von Erfolgen, sondern auch von vielerlei Anfeindungen und Rückschlägen begleitet waren. Wenngleich die Referate in ihrer Qualität variierten, zeigte das Symposium dennoch eindrucksvoll die Bedeutung der Geschichte der rätoromanischen Sprache für die Region und die Vitalität der heutigen vierten Landessprache der Schweiz auf, deren Pflege freilich nicht immer nur unter günstigen Voraussetzungen erfolgt.

Die letzten beiden Referate des Symposiums waren schließlich der gegenwärtigen Situation des Rätoromanischen als vierte Landessprache der Schweiz gewidmet. Anna Alice Dazzi, wissenschaftliche Leiterin der in Chur angesiedelten Lia Rumantscha, die sich der Erforschung und Erhaltung des Rätoromanischen verschrieben hat, vermittelte den ZuhörerInnen die Tätigkeit dieser Sprach- und Kulturvereinigung. Voller Leidenschaft und Begeisterung schilderte schließlich der Publizist Chasper Pult Erfahrungen und Erlebnisse aus jahrzehntelangen Bemühungen um Anerkennung und Pflege der rätoromanischen Sprachen, wobei diese nicht

Der Arbeitskreis für regionale Geschichte wurde 1989 von Robert Allgäuer (Liechtenstein), Heribert Küng (St. Gallen) und Gerhard Wanner (Vorarlberg) ins Leben gerufen – mit dem Ziel, eine lose grenzüberschreitende Organisation zur Kooperation zu schaffen und die vergleichende Geschichtsschreibung zu forcieren. Im Laufe der Jahre trat die Vereinigung immer wieder mit Veranstaltungen an die Öffentlichkeit. Sechs Publikationen wurden bis 2006 – meist in Kooperation mit der Rheticus Gesellschaft – herausgegeben, wobei die Themenwahl vielfältig gestaltet war. Neue Impulse erhielt der Arbeitskreis, der sich seit 2008 offiziell „Arbeitskreis für interregionale Geschichte des mittleren Alpenraums“ nennt, ab 2006 durch den Beitritt weiterer Organisationen, vornehmlich aus Vorarlberg. An die 20 Institutionen und Privatpersonen gehören diesem derzeit an, und mit der Publikation der Referate des Symposiums im Jahr 2009 erhielt der Arbeitskreis nunmehr auch eine eigene Schriftenreihe. Christof Thöny

Neues Erscheinungsbild vorarlberg museum – Sagmeister (be)sticht durch Schlichtheit In den vergangenen Monaten hat der Bau des vorarlberg museums am Kornmarktplatz rapide Fortschritte gemacht und die bis auf Höhe der alten Bezirkshauptmannschaft hochgezogenen Mauern lassen ahnen, wie das Gebäude nach seiner Fertigstellung Ende 2012 aussehen wird. Der Erneuerungsprozess, den das Landesmuseum momentan durchläuft, betrifft nicht nur das architektonische, sondern auch das grafische Erscheinungsbild: Anfang 2010 wurde der in New York lebende Designer Stefan Sagmeister gebeten, ein neues Corporate Design für das Museum in seiner Heimatstadt Bregenz zu entwickeln. Sein Entwurf, der im März 2011 im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, bezieht sich unmittelbar auf die Architektur von cukrowicz nachbaur architekten. Das Logo des vorarlberg museums, eine

aus drei Ebenen gebildete Raute in den Farben orange, ocker und schwarz versinnbildlicht die drei Ausstellungsgeschosse des neuen Museums. Die eingängige Grundform lässt sich sowohl farblich wie auch formal variieren ohne dabei ihren Wiedererkennungswert einzubüßen.

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Dies gewährleistet vielseitige Einsatzmöglichkeiten, die von der Gestaltung von Briefpapier, Visitenkarten, Plakaten, Katalogen und Werbemitteln bis zur Beschilderung des Hauses im Innen- und Außenraum reichen. Manch Leserin oder Leser mag sich nun fragen, ob es Kultur- und Bildungsinstitutionen, deren gesellschaftliche Bedeutung unumstritten ist, denn nötig haben, auf (Werbe)mittel zurückzugreifen, die wir vorwiegend aus der Konsumwirtschaft kennen. Diese Frage lässt sich eindeutig bejahen, denn Museen haben in den letzten Jahren

einen massiven Wandel des institutionellen Selbstverständnisses durchlaufen. In der Vergangenheit definierten sie ihren gesellschaftlichen Wert eher mittel- bis langfristig über ihre Sammlungs- und Forschungstätigkeit und wurden nur von einem kleinen Kreis „Eingeweihter“ wahrge-

nommen und genutzt. Als Ausdruck eines Demokratisierungs- und Emanzipationsprozesses strebt man heute die aktive Teilhabe aller Bevölkerungsschichten am kulturellen Leben an. Aus diesem Grund organisieren Museen Ausstellungen, Vorträge, Führungen, Schulprogramme und andere Veranstaltungen, die selbstverständlich professionell beworben werden müssen, um im vielfältigen Angebot von Kultur-, Bildungs- und Freizeitprogrammen, unter denen die Vorarlberger wählen können, wahrgenommen zu werden. Aber wie andernorts auch muss für Vorarlberg festgestellt werden, dass der Anteil der Bewohner, die regelmäßig Museen besuchen, mit unter 10% relativ niedrig ist und weitere Anstrengungen von Seiten der Kultureinrichtungen von Nöten sind. Letztendlich ist es also gerade das Wissen um die Bedeutung musealer Arbeit und der damit einhergehenden gesellschaftlichen Verantwortung, das die Institutionen bewegt, im Bereich Kommunikation medienwissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen und auf Qualität und Professionalität zu setzen. Und so steht zu hoffen, dass das neue Logo des vorarlberg museums in Zukunft nicht nur Markenzeichen des Hauses sein wird, sondern darüber hinaus auch in weiten Kreisen als „Gütesiegel“ für ein ansprechendes Kultur- und Bildungsangebot auf hohem Niveau wahrgenommen wird. Silvia Groß


Von Erzgaunern im Bregenzerwald Von 30. April bis 21. August 2011 beschäftigt sich die aktuelle Ausstellung im EGG Museum mit einem eher unbekannten Thema: Diebe und Räuber, die während der frühen Neuzeit den Bregenzerwald und andere Regionen des Landes unsicher machten, bilden den Schwerpunkt. Keine Räuberromantik Dabei ist von der Räuberromantik, deren Vorstellungen sich vor allem durch die zeitgenössische Literatur des 19. Jahrhunderts in den Köpfen der Menschen gefestigt hatten, wenig zu spüren. Die Realität sah anders aus. Dies wird im EGG Museum am Beispiel des Georg Meier vermittelt. Meier wurde am 30. Mai 1779 in Alberschwende nach einem Einbruch durch den Bregenzerwälder Hans Bilgeri mit Steinwürfen überwältigt und mit Strumpfbändern gefesselt. Während seiner Haft im Egger Gefängnisturm erzählte der gebürtige Südtiroler Meier seine Lebensgeschichte. Georg Meier 1758 in Südtirol geboren, führte Meiers Lebensweg bereits im Kindesalter in die Kriminalität. Durch den frühen Verlust seiner Eltern und fehlendem sozialen Rückhalt

schloss er sich gemeinsam mit seinem Bruder einer Bande an, nach missglücktem Raub und einem Zuchthausaufenthalt führte Meiers Weg von Tirol nach Süddeutschland über die Ostschweiz nach Vorarlberg. Vor dem Hochgericht Egg wurde Meier im Alter von 21 Jahren aufgrund seiner unzähligen Straftaten, die vom Mundraub bis zu gewaltsamen Einbrüchen reichten, zum Tode verurteilt. Intention der Ausstellung Die Basis dazu bilden die Forschungsergebnisse von Birgit Heinzle, die den Fall Georg Meier als Thema ihrer Diplomarbeit wählte. Die Basis dazu bildete der im Vorarlberger Landesarchiv aufliegende Gerichtsakt aus dem Hochgericht Egg. Die Ausstellung spannt den Bogen vom Kindesalter bis zur Hinrichtung Georg Meiers und versucht das wahre Räuberdasein in der Frühen Neuzeit aufzuzeigen. Dabei soll mit romantischen Räuberklischees aufgeräumt und das ärmliche Leben entwurzelter Menschen in der Frühen Neuzeit thematisiert werden, deren Überlebenskampf nicht selten mit dem Tod endete. Susanne Emerich

Erzgauner und armer Sünder Georg Meier: Ein Räuber im 18. Jahrhundert 30. April bis 21. August, EGG.museum Do & Sa 15-17h, Fr 14-17h, So 10-12h

Der vollendete Traum vom Glück – Angelika Kauffmann in Schwarzenberg 2009 Heldinnen, 2010 Wahlverwandte, 2011 Liebende – so liest sich die Trilogie des Traums vom Glück, die das Angelika Kauffmann Museum in Schwarzenberg nun den dritten Sommer in seinen Bann zieht.

Veranstaltungen zur Ausstellung Kunstgenuss zu Mittag August: Mi 31 // September: Do 1* / Fr 2 / Mo 5 / Mi 7 Jeweils 11.30 – ca. 12.00h * Führungen in englischer Sprache Angelika Kauffmann Museum Bei dieser Führung wird je ein Werk vertieft betrachtet. Wir tauschen Seh-Erlebnisse aus und schärfen unseren Blick für Wesentliches. Euro 10,– / für Mitglieder kostenlos

Dabei ist es ein Selbstporträt der Künstlerin in Bregenzerwaldtracht, welches zunächst das Interesse des Publikums auf sich vereint. Angelika Kauffmann (1741-1807) malte dieses Bild in der Zeit um 1757/59 möglicherweise bei einem Heimataufenthalt. Heute wird das Gemälde in den berühmten Florentiner Uffizien aufbewahrt, und es ist der Hartnäckigkeit der Kuratorin Petra Zudrell zu verdanken, dass diese bezaubernde Arbeit in der heurigen Ausstellung in Schwarzenberg zu sehen ist.

Liebe Liebe! Ein Theaterprojekt in Kooperation mit dem Vorarlberger Landestheater (Regie: Dirk Diekmann) Mi, 7. & 14. Sept. / Mi, 5. & Fr, 7. Okt., 19.30h, Angelika Kauffmann Museum Die Autoren Elisabeth von Samsonow, Arno Geiger und Friedhelm Kändler wählten ein sie besonders ansprechendes Gemälde der Ausstellung aus und verfassten je einen literarischen Text dazu. Schauspieler interpretieren diese Texte im Rahmen von fünf Vorstellungen jeweils vor dem betreffenden Gemälde. Euro 15,– / Mitglieder 10,–

Im Mittelpunkt der aktuellen Kauffmann-Schau steht aber die Liebe und aufgrund der ausnahmslos mythologischen Themen vor allem das Schicksal der Liebenden. Ariadne auf Naxos ist so ein Beispiel, das von Astrid Reuter im Begleitbuch zur Ausstellung eingehend beschrieben und anhand der verschiedenen KauffmannMotive verglichen wird. Das Titelmotiv der Ausstellung zeigt Amor als Warnenden mit erhobenem Zeigefinger im so genannten Schweigegestus, womit schon angedeutet wird, dass die Liebe bei Kauffmanns Protagonisten kompliziertere Wege geht und nicht immer im Happy-End ihren Abschluss findet. Andreas Rudigier

Der Faden der Ariadne Angelika Kauffmann, Selbstporträt (um 1757/1759)

Vortrag von Dr. Astrid Reuter (Kunsthalle Karlsruhe) Fr, 14. 0kt., 20h, Angelika Kauffmann Museum Der Mythos der Ariadne hat Angelika Kauffmann im Laufe ihres Lebens wiederholt beschäftigt. Die Varianten des Themas geben einen Einblick in die stilistische und motivische Variationsbreite ihrer Werke. Euro 10,– / Mitglieder 7,– www.angelika-kauffmann.com

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Reiseziel Museum! Mit Spaß der Kultur auf der Spur Sonntag, 7. August 2011 Sonntag, 4. September 2011 In 28 Vorarlberger Museen

Exkursion „Wellness – römisch“ Samstag, 17. September 2011, ganztägig Kaiseraugst (CH) In der Unterwelt eines Badepalastes (Ausstellung in den renovierten römischen Rheinthermen in Augusta Raurica, Führung mit Dr. Brigitte Truschnegg)

Die Vorarlberger Museen laden kleine Museums-Reiseleiter und Reiseleiterinnen mit ihren Familien auf eine spannende Entdeckungreise ein. So werden die Ferien zum Erlebnis!

Informationen: www.vorarlberg.at/kinderindiemitte

Gesellschaft und Recht im Alpenrheintal (wissenschaftliche Tagung) Samstag, 27. August 2011, 9-16h Berufsschulzentrum Buchs BZB, Aula Die Tagung des Historischen Vereins des Kantons St. Gallen findet in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kulturforschung Graubünden statt und in Partnerschaft mit dem Werdenberger Jahrbuch und dem Arbeitskreis für Interregionale Geschichte des mittleren Alpenraums. Das Thema „Gesellschaft und Recht im Alpenrheintal“ betrifft ein Gebiet, das sich über die Kantone Graubünden und St. Gallen sowie über das Land Vorarlberg und das Fürstentum Liechtenstein erstreckt und damit Grenzen sprengt und Perspektiven öffnet. Die ReferentInnen sind: Cornel Dora (Historischer Verein St. Gallen), Pascale Sutter (Sammlung Schweizer Rechtsquellen), Rezia Krauer (Stadtarchiv St. Gallen), Michael Kasper (Montafoner Museen, Universität Innsbruck), Matthias Zimmermann (Historiker), Florian Hitz (Institut für Kulturforschung Graubünden) – ab 14 Uhr ist eine Führung durch Werdenberg geplant. Teilnahme kostenlos, Anmeldung bis 21. August 2011 unter info@hvsg.ch

Die blühende Handelsstadt Augusta Raurica war kurz vor der Zeitenwende aus einer Koloniegründung (44 v. Chr.) der Römer erwachsen und entfaltete rund 400 Jahre lang ein reges Leben und eine eindrucksvolle Bautätigkeit. Augusta Raurica gehört zu jenen Römerorten der näheren Umgebung, wo eine große Anzahl an römischen Monumenten (Theater, Tempelbezirk, Forum, Amphitheater) im freien Gelände bequem besichtigt werden kann. Eine besondere Attraktion stellt darüber hinaus die Rekonstruktion eines römischen Wohnhauses dar. Hier kann man durch die bemalten und möblierten Wohnräume eines römischen Atriumhauses spazieren und einen lebendigen Eindruck von der römischen Wohnkultur gewinnen.

Josef Herburger 1922-2011

HINWEIS: Die Veranstaltung ist entgegen ursprünglicher Ankündigungen um eine Woche vorverlegt worden. Die Kosten für den Bus und den Eintritt betragen 50 Euro. Anmeldungen bei Brigitte Truschnegg bis zum 3. September 2011, Tel 0699-10981911, brigitte.truschnegg@uibk.ac.at 13. interregionale Alpgespräche: Kulturlandschaft und Tourismus im Alpenraum Samstag, 24. September 2011, 11-16h Walsersiedlung St. Martin im Calfeisental (bei Bad Ragaz, CH)

Rudolf Giesinger 1920-2010

Die Alpgespräche stehen im Zeichen des Wechselspiels von Kulturlandschaft und Tourismus. Referenten sind Axel Zimmermann (Journalist), Rolf Wildhaber (Wildhüter), Markus Hobi (Alpwirtschaftskommission St. Galler Bauernverband), Björn Caviezel (CEO Tourismus Heidiland AG), Hansjürg Gredig (Historiker), Ruth Moser (Biosphärenpark Großes Walsertal). Anmeldungen unter Tel 0664-1104992 oder a.rudigier@vorarlbergmuseum.at

Werden Sie Mitglied! Mit Ihrer Mitgliedschaft unterstützen Sie die Arbeit der Museen im Lande und tragen zum Erhalt der Kulturlandschaft Vorarlberg bei. Zusätzlich genießen Sie folgende Vorteile: •Kostenloses Abo des Museummagazins •Anspruch auf ein Freiexemplar des wissenschaftlichen Jahrbuches •Detaillierte Informationen über Vereinsveranstaltungen •Ab 2013 freier Eintritt in das neue vorarlberg museum Kontakt: Vorarlberger Landesmuseumsverein, Wacker Villa, Römerstraße 24, 6900 Bregenz, wackervilla@vlmv.at; Tel 0664-1104992

Eugen Dobler 1910-2011

Vorarlberger Landesmuseumsverein Präsident: Andreas Rudigier, Vizepräsident: Thomas Klagian Geschäftsführerin: Brigitte Truschnegg, Kassierin: Karin Tagwerker-Wehinger

Herausgeber: Vorarlberger Landesmuseumsverein Römerstraße 24, A-6900 Bregenz Für den Inhalt sind die angeführten Autorinnen und Autoren verantwortlich.

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Idee und inhaltliches Konzept: Andreas Rudigier, Christof Thöny Redaktion und Beiträge: Susanne Emerich, Silvia Groß, Birgit Ortner, Annette Raschner, Andreas Rudigier, Peter Strasser, Christof Thöny, Brigitte Truschnegg, Bruno Winkler

Produktion: Frank Mätzler Druck: Vorarlberger Verlagsanstalt, Dornbirn Auflage: 2500 Fotonachweis: Die Fotos stammen, wenn nicht anders ausgewiesen, von den jeweiligen Institutionen.

Josef Herburger ist untrennbar mit der Geschichte des Vorarlberger Landesmuseumsvereins verbunden. Über viele Jahre wirkte er als Leiter des Fahrtenausschusses, und er sorgte in diesem Amt für zahlreiche schöne Stunden, welche die Mitglieder des Museumsvereins im ausgehenden 20. Jahrhundert erleben durften. Herburger wurde als sechstes von sieben Kindern der Wirtsleute Josef und Maria Herburger vom Weißen Kreuz in Feldkirch-Altenstadt geboren. Die Heirat mit Annelies Lampert führte in nach Götzis, von wo sie 1969 wieder nach Altenstadt zogen. Beruflich agierte Herburger über Jahrzehnte in der Wirtschaftskammer, wo er zuletzt das Amt des Innungssekretärs ausübte, ein Fach, das ihn mit vielen unterschiedlichen Dienstleistungsberufen in Berührung brachte. Die Altenstädter Zeit ist auch mit einem großen Engagement für die Heimatkunde verbunden, die 2001 auch in der Gründung eines eigenen Heimatkundevereins gipfelte, dessen erster Obmann er werden sollte. Publikationen und Exkursionen füllten das Vereinsprogramm und die letzten Lebensjahre Josef Herburgers aus. Sein Tod im Frühjahr 2011 ruft wieder einmal die bedeutenden Leistungen der ehrenamtlich tätigen Heimatkundler in Erinnerung, deren Zahl beständig abnimmt. (ar)

„Altach Schule, gute Schule“ fasste 1978 ein türkischer Vater eines Volksschulkindes die Situation in Altach zusammen. Und diese Feststellung hatte vor allem einen Grund: Rudolf Giesinger. Er wurde 1920 in Altach geboren, sein Vater war Bürgermeister oder „Vorsteher“, wie es damals hieß, seine Mutter starb früh. Giesinger wurde zum Volksschullehrer ausgebildet und nach kriegsbedingter Verzögerung übte er diesen Beruf von 1945 bis 1981 fast durchgehend in Altach aus. Seine kompetente und liberale Haltung führten letztlich auch zum eingangs angeführten Urteil. Der Neubau der Altacher Kirche in den 50er Jahren und auch deren Neugestaltung in den 90er Jahren standen in enger Verbindung mit dem Namen und Wirken Giesingers. Das gemeinsame Einstehen für den Erhalt des Fensters von Hannes Bertle brachten Rudolf Giesinger auch mit dem heutigen Präsidenten des Landesmuseumsvereins und Verfasser dieser Zeilen zusammen. Giesinger entwickelte früh ein Interesse für Lokalgeschichte, das er nach seiner Pensionierung umfassend ausbauen konnte. In den 80er und 90er Jahren organisierte Giesinger Ausstellungen zur Altacher Geschichte, und 1993 erfolgte die Herausgabe eines Bildbandes zum „alten Altach“. Höhepunkt war dann zweifellos die Herausgabe des zweibändigen Geschichtswerks zu Altach, welches er gemeinsam mit Harald Walser 1999 fertigstellen konnte. Der Aufbau des Altacher Pfarrarchivs gehört zu den weiteren bemerkenswerten Hinterlassenschaften Giesingers. Rudolf Giesinger starb im September 2010. (ar)

Wenn wir uns auf die Suche nach den bedeutendsten Museumspionieren des 20. Jahrhunderts in Vorarlberg machen würden, an ihm kämen wir nicht vorbei: Eugen Dobler ist der Inbegriff der Museumsgeschichte des Großen Walsertals. Dobler wurde 1910 als sechstes von zehn Kindern in Blons geboren. Mit Ausnahme kriegsbedingter Abwesenheit übte Eugen Dobler von 1936 bis 1970 das Amt des Schulleiters von Blons aus. Schicksalhaft war für ihn wie für alle anderen Menschen in Blons das Jahr 1954. Das furchtbare Lawinenunglück sollte ihm aber „nur“ den Besitz, nicht aber die große Familie mit den sieben Kindern nehmen. Die Erinnerung an dieses Unglück ist durch die 1982 erstmals erschienene Publikation „Leusorg“ weit über die Grenzen des Walsertales festgehalten. Eugen Dobler erwies sich als Heimatforscher beziehungsweise Ortschronist im klassischen Sinn, der als Dorfschullehrer, Organist und Trachtenpfleger charakteristische Aufgaben dieser inzwischen weitgehend ausgestorbenen Spezies erfüllte. Gleichzeitig trat er aber auch als Obmann des Verkehrsverbandes und langjähriger Geschäftsführer der Regio Großwalsertal in den Wahrnehmungsraum der Öffentlichkeit. Dobler war auch Gründungsmitglied der Vorarlberger Walservereinigung, und als sein Lebenswerk ist an dieser Stelle das Heimatmuseum in Sonntag zu nennen, dessen Sammlung durch das Lawinenunglück von 1954 und den Brand von 1986 jeweils großen Schaden erlitt und dennoch von ihm jedes Mal wieder unermüdlich aufgebaut wurde. Im stolzen Alter von 100 Jahren verstarb Eugen Dobler im Mai 2011 und Vorarlbergs Museumswelt verneigt sich vor einer herausragenden Persönlichkeit seiner Geschichte. (ar)


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