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Wirkstoff 6/2026

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Wirkstoff

Lesestoff für den Fachhandel Selbstmedikation

Datenschutz leicht gemacht

Gelungener Drogeriekongress

Spannende Workshops und Geselligkeit prägten den dreitägigen Schulungsanlass

Die Kampagne unterstützen

Alle Informationen zur grossangelegten Kampagne Selbstmedikation im Überblick

Narben gezielt versorgen

Wie Wunden schön verheilen und wie die Narbenbildung positiv beeinflusst wird

Branche

Mitmachen bei der Kampagne

Die grossangelegte Kampagne «Selbstmedikation» steht in den Startlöchern. Wirkstoff gibt einen Überblick über alle geplanten Massnahmen. Je mehr Drogerien mitmachen, desto grösser die Wirkung.

Impressum Wirkstoff

Drogeriekongress: Herstellung im Fokus

Am dreitägigen Schulungsanlass erlebten Drogistinnen und Drogisten ein vielseitiges Programm rund um Herstellung und Pharmakologie. Neben Workshops und Vorträgen gab es viel Zeit für den persönlichen Austausch.

Herausgeber Schweizerischer Drogistenverband, Thomas-Wyttenbach-Strasse 2, 2502 Biel, Telefon 032 328 50 30, info@drogistenverband.ch

Verlag vitagate ag, Thomas-Wyttenbach-Strasse 2, 2502 Biel Geschäftsführung und Verlagsleitung: Tamara Gygax-Freiburghaus, t.gygax@vitagate.ch

Inserate: Tamara Gygax-Freiburghaus, Marlies Föhn, Valérie Rufer, Janine Klaric, inserate@vitagate.ch

Abonnemente und Vertrieb: Sabine Andersen, vertrieb@vitagate.ch

Redaktion

Publizistische Leitung, Chefredaktorin Wirkstoff: Céline Jenni, c.jenni@vitagate.ch Redaktionelle Mitarbeit in dieser Ausgabe: Claudia Merki, Désirée Klarer, Jasmin Weiss, Martina Huber

Wissenschaftliche Fachkontrolle: Dr. phil.-nat. Anita Finger Weber

Übersetzung: Marie-Noëlle Hofmann

Titelbild: stock.adobe.com/NURUL

Produktion

Layout: Claudia Luginbühl

Druck: Courvoisier-Gassmann AG, Biel ISSN 2673-4974 (Print), ISSN 2673-4982 (Online); CHF 65.–/Jahr, inkl. MWST.

Auflage von 5 469 Ex. WEMF/KS-beglaubigt (9/2025)

7. Jahrgang. Erscheinung 10× jährlich

© 2026 – vitagate ag, Thomas-Wyttenbach-Strasse 2, 2502 Biel

Offizielles Magazin des Schweizerischen Drogistenverbandes und Medium von Angestellte Drogisten Suisse

Schwerpunkt

Daten sammeln und schützen

Gesundheits- und Kundendaten müssen auch in der Drogerie konsequent geschützt werden. Dabei müssen einige gesetzliche Vorgaben beachtet werden. Wirkstoff hat recherchiert, was gilt und wie die Umsetzung aussehen kann.

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Datenschutzexperte im Interview

Rechtsanwalt Martin Steiger erklärt, welche Daten im Drogeriebetrieb besonders schützenswert sind und worauf zu achten ist.

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Totalrevision Grundbildung Ab Anfang Juni kann die Branche Rückmeldung geben zur Totalrevision Grundbildung – ein Überblick.

20 Strategieworkshops

Die Drogeriebranche feilt weiter an ihrer Strategie und hat sich dabei vertieft mit Prävention und Digitalisierung auseinandergesetzt.

Regula Steinemann tritt zurück

Die Rechtsanwältin Regula Steinemann vertrat jahrelang die Interessen von «Angestellte Drogisten Suisse». Nun hat sie beschlossen, ihr Amt niederzulegen. Sie erzählt, welche Fragen immer wieder auftauchten und was sie an der Branche besonders schätzt.

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Gelenke unter Druck Bewegung unterstützt die Gelenkgesundheit, insbesondere bei Übergewicht. Was muss dabei beachtet werden?

31

Angestellte Drogisten Suisse Was muss beachtet werden, wenn eine Drogerie Videoüberwachung zur Diebstahlprävention einsetzt?

32 Narbenpflege

Zwei Fachpersonen erklären, wie die Narbenbildung optimal beeinflusst werden kann. Interview

Schweigen ist Gold

Kundendaten, KI, Stammdaten – Datenschutz ist ein heikles Thema, keine Frage. Um zu sehen, wie unsere Branche damit umgeht, haben wir für diese Ausgabe mehrere Drogerien dazu befragt.

Die Antworten dazu waren so unterschiedlich wie die befragten Akteure: Von Schweigen bis hin zur Beteuerung, man sei bestrebt, alles bestmöglich umzusetzen, war alles dabei. Sobald es hingegen darum ging, wie der Datenschutz im Detail gehandhabt wird, wurde es still.

Mit fehlendem Willen hat das allerdings wenig zu tun. Es ist eher die fehlende Präsenz der Thematik im Berufsalltag. Das überrascht nicht, schliesslich geht es beim Datenschutz um weit mehr als Paragraphen und Bussgelder. Es geht um Vertrauen. Kommt hinzu: Datenschutz ist komplex in der Umsetzung und damit nur schwer greifbar.

Dabei gibt es auch ein paar einfache Grundsätze: «Was an der Theke gesagt wird, bleibt auch an der Theke» ist einer davon. Art. 321 StGB macht aus dem Schweigen keine Bitte, sondern eine Pflicht. Wer diese ernst nimmt, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die Kundenbeziehung.

Denn: Wer sich in einer Drogerie über Haut, Zyklus, Sucht oder Schlaf öffnet, der vertraut. Dieses Vertrauen ist das Fundament unserer Branche. Nicht die doppelten Probon. Nicht der Onlineshop.

Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre.

Andrea Ullius, Geschäftsführer Schweizerischer Drogistenverband, a.ullius@drogistenverband.ch

Machen Sie bei der Kampagne mit! Je mehr Drogerien die Botschaft mittragen, desto grösser ist die Wirkung. Danke, dass Sie dabei sind.

Bereit für die Kampagne «Selbstmedikation»?

Vom 27. Juni bis 12. Juli 2026 und vom 31. August bis 6. September 2026 läuft die Kampagne «Selbstmedikation». Damit zeigt die Drogeriebranche der ganzen Schweiz ihre Kompetenzen.

Das Ziel

Mit der Kampagne soll die Sichtbarkeit der Drogeriebranche gestärkt und die Selbstmedikation gefördert werden. Insbesondere soll die Schweizer Bevölkerung darauf aufmerksam gemacht werden, dass neben allen rezeptfreien Medikamenten auch zahlreiche weitere Produkte und Dienstleistungen in Drogerien erhältlich sind.

Die Botschaft

Alle rezeptfreien Medikamente gibt es in der Drogerie! Naturheilmittel übrigens auch. Alle rezeptfreien Medikamente gibt es in der Drogerie! Den Check der Reiseapotheke übrigens auch.

Das Sujet der Kampagne zeigt die Vielfalt des Angebots in Drogerien. Der Dro gistenstern ist dabei ein starkes Wiedererkennungssymbol. Die Vorgaben gemäss dem Reglement über die Verwendung des Verbandssignets Art. 3.2 machten einen Antrag beim Zentralvorstand nötig. Dieser hat die Verwendung des abgeänderten Logos bis Ende 2027 einstimmig gutgeheissen.

Die Massnahmen

Die Kampagne setzt auf einen vielfältigen Medienmix auf verschiedenen Offline­ und Online­Kanälen und am POS und wird in der ganzen Deutsch­ und Westschweiz gezeigt. Folgendes Material für die Umsetzung in Ihrer Drogerie wird Ihnen zur Verfügung gestellt: Plakat A1 und A4 Digital­Screen­Vorlagen Vorlagen für Social­Media­Posts, Mail­Signatur, Plakate diversen Slogans Medienmitteilungen Vorlagen für den Malwettbewerb Broschüren

Malwettbewerb für Kinder

Ein nationaler Malwettbewerb richtet sich gezielt an Familien und soll Kinder spielerisch mit dem Thema «Gesundheit» in Berührung bringen. Gleichzeitig soll die Drogerie als familienfreundlicher Ort positioniert werden. Die Malvorlage (A4) wird digital bereitgestellt und alle Drogerien haben die Möglichkeit, Malvorlagen auszudrucken und aktiv der Kundschaft abzugeben. Die Kinder geben ihre ausgemalten Bilder bis am 17. August 2026 wieder in der Drogerie ab. Mitmachen können alle Kinder zwischen 2 und 12 Jahren. Zu gewinnen gibt es eine Familienübernachtung in einem Wellnesshotel, einen Globetrotter­Gutschein und Faber­Castell­Farbstifte. Weisen Sie Ihre junge Kundschaft, Eltern und Grosseltern im Gespräch auf den Wettbewerb hin und verteilen Sie kleine Give­Aways für jedes abgegebene Bild (zum Beispiel Traubenzucker, Pflästerli etc.).

Alle Informationen und die Malvorlage finden Sie hier:

Drei Gründe für Ihr Engagement

• Mit Ihrer Teilnahme unterstützen Sie die Positionierung der Drogerie als erste Anlaufstelle in Gesundheitsfragen und erhöhen die Sichtbarkeit der Branche.

• Gemeinsam erreichen wir mehr als alleine und mit Ihrer Unterstützung zeigen Sie Kompetenz und Engagement nach aussen.

• Sie profitieren direkt im Alltag: Die Kampagne schafft zusätzliche Kundenkontakte und stärkt die Bindung zu Ihrer Kundschaft.

Fragen zur Kampagne? Schreiben Sie eine E­Mail an: info@drogistenverband.ch

Inserate (vitagate ag, Ringier Medien, Globetrotter, Millefolia)

Malwettbewerb für Kinder

Plakate zum Aufhängen

Beiträge für Social Media

Digitalscreens im ÖV, an Tankstellen etc.

Medienmitteilungen sowie Mailings direkt an Politikerinnen und Politiker

Online sichtbar auf vitagate.ch und drogerie.ch

Artikel in diversen DrogerieKundenmagazinen, u. a. Drogistenstern und fit&munter

Broschüre «Selbstmedikation» zum Verteilen

Austausch zwischen Herstellung und Pharmakologie

Der Drogeriekongress 2026 an der ESD in Neuenburg bot ein dichtes, vielseitiges Programm: Drei Tage voller spannender Workshops, einer vielbesuchten Ausstellung und Raum für den persönlichen Austausch.

7 Désirée Klarer | Susanne Keller

Arzneimittel nach eigener Formel, Spagyrik, Pflanzenlehre – der diesjährige Drogeriekongress hatte es in sich. Vom 19. bis am 21. April 2026 traf sich die Branche an der ESD in Neuenburg. Drei Tage vollgepackt mit Vorträgen und Workshops zu Themen rund um Herstellung und Pharmakologie. Das dichte Programm zog am Spitzentag – dem Montag – 169 Teilnehmende an. Am Sonntag waren es 75, am Dienstag 92 Teilnehmende. «Gesamthaft hatten wir 270 Besucherinnen und Besucher, davon 54 aus der Romandie», sagt Célia Croset vom SDV und Organisatorin des Drogeriekongresses. Im Gegensatz zu 2025 hat sie den Anlass dieses Jahr von Anfang an betreut. «Es war spannend, die Learnings aus dem letzten Jahr anzuwenden und den Prozess vom Zusammenstellen der Sponsorenpakete über den

Aufbau bis hin zur Durchführung zu erleben», sagt sie.

Crosets persönliches Highlight war die Ausstellung. Sie bot Sponsoren und Teilnehmenden Gelegenheit, einmal in einem anderen Kontext in Kontakt zu treten. «Am Kongress bekommt man mehr mit, als wenn nur der Vertreter vorbeischaut», bringt es die dipl. Drogistin HF Barbara Reichenbach von der Drogerie Aebi in Murten auf den Punkt. Ein weiteres Highlight für Reichenbach: Der Refresher zum Thema «Arzneimittel nach eigener Formel» (ANEF).

Im Spannungsfeld von Lebensmittel und Arzneimittel

So komplex wie die ANEFs sind, wurde das Thema gleich in drei Teile gegliedert:

Vom spannenden Vortrag, zu angeregten Gesprächen in der Pause bis zur Herstellung von Salben und Gels: Der Drogeriekongress bot für alle etwas.

«Idee, Bedarfsabklärung und Entwicklung», «Herstellprozess» und «Lagerung und Inverkehrbringen». Nach den gesetzlichen Grundlagen gab Peter Guerra einen präzisen Überblick über ein Thema, das in der Praxis immer wieder zu Unsicherheiten führt: Wann ist ein Produkt ein Nahrungsergänzungsmittel (NEM), wann ein Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke und wann ein Arzneimittel? Und: Was bedeutet das für die Beratung in der Drogerie?

Anhand von Beispielen wie Ricola­Bonbons, ätherischen Ölen und CBD ­Produkten zeigten die Referierenden, wie eng diese Rechtsgebiete beieinanderliegen. Das Beispiel mit CBD kennt auch Simona Bianchi, Stv. Kantonsapothekerin Graubünden, die den Anlass als Zuhörende besuchte. «Es ist gut, mich darüber zu informieren, was die Drogeriebranche zu ANEF erzählt. Zumal ich erst seit März dabei bin», begründet sie ihre Teilnahme. Sie kennt beide Seiten. Als sie selbst noch als Apothekerin gearbeitet habe, hätte sie sich bisweilen auch über die Vorschriften gewundert. «Wir mussten zum Beispiel im Feuerschrank das Fleckenbenzin und Medizinalbenzin voneinander trennen. Die Fläschchen durften sich nicht berühren», sagt sie. Die Aufgabe der Behörde sei es jedoch, die Umsetzung der Gesetzgebung zu überwachen. Dies, auch wenn für Betriebe oder Fachpersonen gewisse Bedingungen auf den ersten Blick als um­

ständlich erscheinen würden. «Das darf man nicht vergessen», so Bianchi.

Pharmakologie in der Beratungspraxis

Neben dem Schwerpunkt zu ANEF gab es zahlreiche Vorträge und Workshops, die das ganze Spektrum aus dem Drogeriealltag abbildeten. Ein Vortrag, der bis auf den letzten Platz besetzt war, hielt Isidor Ismajili. Der Apotheker und Dozent der ESD eröffnete seinen Workshop mit einer schlichten Frage ans Publikum, die ihm in der Vergangenheit einmal von einer Kollegin gestellt worden war: «Weisst du, was er anstelle von Dafalgan einnehmen kann?» Damit war die Haltung seines Vortrags gesetzt: keine Frontalbeschallung, sondern gemeinsames Erarbeiten anhand von sieben konkreten Beratungsfällen. Von akuten Schmerzen über Migräneverdacht und Halsschmerzen bis hin zu Waden­ und Augenbeschwerden wurde das ganze Spektrum des Beratungsalltags durchgespielt. Dabei stellte Ismajili auch verschiedene Beratungsmodelle für die Triage vor. Sein persönlicher Favorit: das ICE­Schema (Idea, Concerns, Expectations – Ideen, Befürchtungen, Erwartungen). «Doch natürlich sind die Beratungsmodelle je nach Situation und Kundschaft unterschiedlich gut geeignet», betonte Ismajili. Kathrin Benoît, Drogistin EFZ von der Naturdrogerie Ins, war überrascht von diesen Inhalten. «Vom

Gut besucht war auch der Workshop von Emanuel Roggen zum Thema «Von der Pflanze bis zum Topf – ein einzigartiges Produkt zur Kundenbindung».

ICE­Schema habe ich zum Beispiel noch nie gehört.» Auch sonst habe er das toll gemacht. «Nicht einfach eine halbe Stunde pro Wi rkstoff, sondern Fälle mit hohem Praxisbezug und gute Tipps.»

Von der Heilpflanze zur ganzheitlichen Arznei

Weg von der Pharmakologie und hin zum Wesen der Pflanze – so könnte man den Wechsel von Isidor Ismajili zu Christoph Kalbermatten beschreiben. Der Geschäftsführer der Ceres Heilmittel AG stellte einen Ansatz vor, der sich bewusst vom gängigen Denken in Wir kstoffen und Extrakten abhebt. «Bei uns steht die Pflanze als Gesamtheit im Mittelpunkt – ihre Form, ihr Wachstumsverhalten, ihre Geschichte, ihre Charakteristika, ihr Wesen», erläuterte er. Dieses Zusammenspiel versteht man bei Ceres als Signatur der Pflanze. «Sie gibt Hinweise auf die Wirkungsweise, die kein Beipackzettel liefern kann.»

Als Beispiel nannte er den Storchenschnabel (Geranium robertianum), dem eine Wirkung bei psychischem Schock und traumatischen Zuständen nachgesagt wird – auch bei solchen, die länger zurückliegen. Kalbermatten berichtete von einer

eigenen Erfahrung nach einem Autounfall, bei der ihm der Storchenschnabel geholfen habe, den verzögert einsetzenden Schock zu verarbeiten. «Egal, welche Substanz man aus der chemischen Zauberkiste holt, etwas Vergleichbares findet man nicht.»

Monika Aeschbacher, Drogistin EFZ von der swidro Drogerie Nidau in Täuffelen, nutzt Ceres­Produkte regelmässig – gerne auch in Kombination mit Hausspezialitäten. Nach dem Vortrag hat sie sich vorgenommen, das Wesenhafte stärker in ihre Beratung einzubeziehen. «Im Alltag denkt man oft zu wenig an den Menschen hinter den Beschwerden», sagt sie.

Vertrauensaufbau beginnt nicht erst im Geschäft

Dass der Mensch im Mittelpunkt stehen muss, ist auch das Credo von Dominik Kobler. Der gelernte Drogist und Referent von Alpinamed führte die Anwesenden in seinem Vortrag praxisnah von der Marktanalyse über KI und Social Media bis zum Produkt. Dreh­ und Angelpunkt für Fachleute? Vertrauen aufbauen und verstärken. Die Kundschaft komme heute stark vorbeeinflusst in den Laden – mit Meinungen, die schwer zu korrigieren seien. Und nicht immer richtig: Eine Professorin aus Schweden habe eine Krankheit erfunden – und die KI habe prompt passende Behandlungsmöglichkeiten dazu empfohlen. «Wenn wir der KI nicht glauben können, wem denn dann? Den Fachpersonen», so Kobler. Falschinformationen seien ein Problem, doch die KI biete auch noch etwas anderes: Vorarbeit. «Das ist eine Chance für Drogerien», betonte Kobler. Es gelte, diese Leute richtig abzuholen – aber früher als bisher. «Und das geschieht online», sagte er, und empfahl: «Zeigt Gesichter und wer hinter der Drogerie steht, was ihr macht, wie es vor Ort ist.» Wer regelmässig poste und Fachinhalte verständlich aufbereite, baue Vertrauen auf. Und zwar lange, bevor jemand die Türe öffne.

Als praktische Hilfsmittel für die tägliche Arbeit im digitalen Raum nannte er Canva für Etiketten und Posts sowie Google Trends zum Aufspüren aktueller Themen

– derzeit etwa Antioxidanzien, Knorpelaufbau und Jod. «Arzneimittel darf man schliesslich nur bewerben, wenn die Posts nicht geliked, kommentiert oder geteilt werden können», so Kobler. Eine solche Plattform gebe es nicht. Darum sehe er den Fokus bei Produkten für die Kommunikation im Onlinebereich auch bei Hausspezialitäten und Nahrungsergänzungsmitteln. «Gut gemacht – mit Fachwissen, Beratungskompetenz und einzigartiger Positionierung – ist eine Hausspezialität weit mehr als ein Produkt: Sie ist ein Vertrauensanker», betonte Kobler.

Gespräche zwischen Ständen

Dass Kongresse mehr sind als die Summe ihrer Vorträge, zeigte auch die Ausstellung. Diverse Firmen präsentierten Produkte und Neuheiten, der Kaffee lud zum Ver­

weilen und zum Austausch unter Kolleginnen und Kollegen ein. ESD ­Studentin Fabienne Aerni fand die Ausstellung «gut und abwechslungsreich» – wenn auch an manchen Stellen etwas eng.

Am Stand des SDV und der vitagate ag wiederum beantwortete Mitarbeiterin Nadine Leuenberger Fragen zu den neuen Mitgliederkategorien und zur Stellenplattform vitajobs.ch . «Im Gespräch ist besonders die Funktion für die Lebenslaufsuche und ­hinterlegung auf grosses Interesse gestossen», sagt sie. Den direkten Austausch schätzte sie auch für sich selbst: «Hier entstehen im Gespräch oft Ideen, die ich in bevorstehende Arbeiten einfliessen lassen kann.» 

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Weitere Impressionen vom Drogeriekongress finden Sie hier:

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Wenn Beratung riskant wird

Kundendaten sind für Drogerien wertvoll – und sensibel. Zwischen Beratung, Bonusprogrammen und Onlineshops wird Datenschutz zur zentralen Verantwortung. Wer Vertrauen sichern will, muss Daten schützen, transparent handeln und gesetzliche Vorgaben konsequent umsetzen.

7 Désirée Klarer

Es ist ein alltäglicher Moment: Eine Stammkundin betritt die Drogerie, die Drogistin erkennt sie sofort und weiss noch, was sie beim letzten Mal gekauft hat. Ein kurzes «Brauchen Sie wieder …?» ist freundlich gemeint und zeigt Kompetenz. Doch was früher Service war, kann heute zur Datenschutzverletzung werden – und im Extremfall strafbar sein. Datenschutz betrifft längst nicht mehr nur die IT, sondern jeden Beratungsmoment, jede Kundenkarte und jeden digitalen Prozess im Drogeriealltag.

Was gilt – und wann?

Für Drogerien in der Schweiz ist in erster Linie das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG) massgebend. Es gilt seit 2023 und bringt neue Pflichten: Unternehmen müssen transparenter informieren, Daten besser schützen und ihre Bearbeitungsprozesse dokumentieren.¹ Dazu gehört auch die Pflicht, betroffene Personen bereits bei der Beschaffung von Daten über Zweck und Umfang der Bearbeitung zu informieren. Besonders relevant ist dies, weil Drogerien regelmässig mit Gesundheitsdaten arbeiten – und diese gehören zu den besonders schützenswerten Personendaten.² Für solche Daten gelten strengere Anforderungen, etwa bei der Weitergabe oder Speicherung.

Im Gegensatz zum Detailhandel kann in der Drogerie also im Grunde jede Beratung sensible Informationen enthalten – selbst dann, wenn sie auf den ersten Blick harmlos erscheint. Im neuen Datenschutzgesetz wurde zudem auch der Schutzbereich erweitert: Seit der Revision zählen auch genetische und biometrische Daten zu den besonders schützenswerten. Damit wird streng genommen praktisch jeder Kontakt zur Datenbearbeitung. Das fängt bei der Abfrage des Gesundheitszustands an, geht über Hautanalysen im Labor bis hin zu Kundenkonten. Verfügt die Drogerie über einen Onlineshop, kann unter

Umständen auch das DSGVO zum Zug kommen, das europäische Datenschutzgesetz. Sowohl revDSG als auch DSGVO verlangen, dass Daten nur so lange gespeichert werden, wie sie benötigt werden. Sobald der Zweck entfällt, müssen sie gelöscht oder anonymisiert werden.

Die grössten Risiken im Alltag

Wer nun glaubt, die heikelsten Situationen im Umgang mit sensiblen Daten entstünden durch komplexe Technik, irrt. Typische Stolperfallen sind unter anderem: Notizen mit Kundendaten am Arbeitsplatz, unverschlüsselte E­Mails oder die Weiterleitung von Rezepten über private Messenger­Dienste. Gerade hier verschwimmen im Alltag oft die Grenzen zwischen effizienter Kommunikation und datenschutzkonformem Verhalten. Auch Kassensysteme bergen Risiken: Wer hat Zugriff? Sind Bildschirme für Dritte einsehbar? Werden Passwörter regelmässig aktualisiert? Besonders sensibel ist die elektronische Kommunikation. Tools wie die Plattform pharmAdvice können hierbei unterstützen (siehe Zusatztext «pharmAdvice – online sicher beraten» unten).

Wie gross ist das Risiko wirklich?

«Ist es denn wirklich so schlimm, wenn versehentlich einmal Informationen zu einem Kunden offen herumliegen?» dürfte sich nun der eine oder andere fragen. Wie realistisch ist es, dass dies wirklich Folgen hat? Die Antwort lautet: Das kommt darauf an. Das revDSG sieht Bussen von bis zu 250 000 Franken vor. 3,4,6 Voraussetzung für eine solch hohe Strafe ist unter anderem, dass ein Vergehen vorsätzlich begangen wurde. Ein fiktives Beispiel: Eine Drogerie speichert Informationen zur Medikamentenhistorie im Kundenprofil

pharmAdvice – online sicher beraten

Drogerien beraten zunehmend online. pharmAdvice der vitagate ag bietet eine einfache Lösung, um die Daten nach revDSG zu schützen (siehe Interview auf Seite 19). Die Plattform bietet eine Chat- und Videoberatung mit automatisierter Dokumentation und ist direkt in die eigene Website integrierbar. Für SDV-Mitglieder ist der Service bereits ab CHF 150 pro Jahr verfügbar. Nadine Leuenberger steht Ihnen bei Fragen gerne zur Verfügung, n.leuenberger@vitagate.ch.

ab. Nachher verwendet sie ebendiese Daten im Marketing und schickt dem Kunden beispielsweise Werbung für passgenaue Produkte. Das ist dann problematisch, wenn der Kunde bei Angabe der Gesundheitsdaten nicht darüber informiert worden ist, dass diese auch zu Marketingzwecken verwendet werden können. Verletzt werden können dabei unter Umständen die Grundsätze der Transparenz und der Verhältnismässigkeit. Ob das Vergehen letztlich gebüsst wird und wie hoch die Busse ausfällt, ist von Fall zu Fall verschieden. Für Drogerien entscheidender als die Busse ist jedoch oft ein anderer Faktor: der Vertrauensverlust. Schweizerinnen und Schweizer hegen grundsätzlich kein grosses Vertrauen mehr in die Datenschutzregelung unseres Landes. 5 Wer unsorgfältig mit sensiblen Daten umgeht, riskiert zudem nicht nur rechtliche Konsequenzen, sondern auch langfristige Schäden für die Reputation und damit für die Kundenbeziehung. Wichtig ist zudem: Anders als nach der DSGVO richtet sich die strafrechtliche Verantwortlichkeit nach dem revDSG grundsätzlich gegen die Person, die den Verstoss unmittelbar begeht, und nicht gegen das Unternehmen.6

Datenschutz in der Betriebskultur verankern

Umso wichtiger sind regelmässige Schulungen. Sie sind nicht nur eine gesetzliche Erwartung, sondern der wirksamste Schutz vor Fehlern im Alltag. Entscheidend ist dabei weniger die Theorie als die Praxisnähe. Erfolgreiche Schulungskonzepte setzen auf konkrete Situationen aus dem Arbeitsalltag: Wie reagiert man bei einer Auskunftsanfrage? Was ist bei Rezeptdaten zu beachten? Darf ein Kunde verlangen, dass seine Daten gelöscht werden? Und welche Kommunikationswege sind zulässig? Wirkstoff hat einige Drogerien gefragt, wie sie mit dieser Thematik umgehen. Die Drogerien gaben kaum Auskunft zu Details, beteuerten jedoch allesamt, dass sie bestrebt sind, den Datenschutz bestmöglich umzusetzen. Um dies zu gewährleisten, sind kurze, wiederkehrende Trainings oft wirksamer als einmalige Grundschulungen. Zumal sich die Technologie auch im steten Wandel befindet. Datenschutz wird damit zur Führungsaufgabe – und zu einer Frage der Betriebskultur:

Wer Mitarbeitende sensibilisiert, reduziert Risiken nachhaltig.

Interne Schulung zur Umsetzung des revDSG

Wie das gehen kann, zeigt das Beispiel von Dromenta. Die Gruppierung organisierte bereits 2023 systematische Schulungen. «Im Jahr 2023 unterstützten wir unsere Mitglieder bei der Umsetzung des neuen Datenschutzgesetzes. Zu diesem Zweck organisierten wir eine Veranstaltung, bei der wir sie über die neuen Richtlinien informierten und ihnen sämtliche erforderlichen Unterlagen zur Verfügung stellten», sagt Geschäftsführer Markus Koch. Die Erfahrung der Gruppierung zeigt, dass sich der Aufwand gelohnt hat: «Wir hatten bis heute keine Probleme», so Koch. Als das Thema in den Medien gross aufgegriffen worden sei, habe es einzelne wenige Anfragen von kritischen Kunden gegeben. «Diese sind aber ziemlich schnell wieder abgeflacht und heute ist das kein Thema mehr.»

Kundschaft möchte wissen, was mit den Daten geschieht

Auch die Dr. Bähler Dropa AG geht beim Thema Datenschutz systematisch vor. Johnny Schuler, Leiter Marketing, berichtet von strukturierten Prozessen. «Unsere verbindliche Datenschutzrichtlinie für Mitarbeitende ist Teil unseres QMS und somit automatisch ein integraler Bestandteil im Arbeitsprozess.» Die Umsetzung erfolgt mehrstufig. Am Anfang stehen die Datenschutzrichtlinien, die allen Mitarbeitenden zugänglich sind. Entsprechende Beiträge im Intranet untermauern das Thema. «Zudem unterstützen wir sie mit Informationsmaterial für die Kunden, das auf unsere Datenschutzerklärung hinweist», sagt Schuler. Weiter stehe eine speziell geschulte Person allen Mitarbeitenden für individuelle Fragen oder Anliegen zum Datenschutz zur Verfügung. Bei konkreten Anfragen ist die Kette ebenfalls vorbereitet: «Sowohl für ein Löschungsbegehren als auch für ein Datenauskunftsbegehren gibt es einen klar definierten Prozess.» Beides sei schon vorgekommen. Ein Zeichen, dass Datenschutz verstärkt ins Bewusstsein der Kundschaft gerückt ist? Eine pauschale Aussage sei schwie­

rig, sagt Schuler. «Tendenziell würde ich sagen, dass sich viele Kunden sensibler mit dem Thema auseinandersetzen und wissen wollen, was mit ihren Daten – insbesondere bei Rezeptbezügen, respektive bei unserer Kundenkarte – passiert.»

Die beiden Riesen halten sich bedeckt

Rossmann und Müller wiederum reagieren zurückhaltender auf Detailfragen. RossmannSprecherin Nathalie Schwertner verweist auf «interne, teils sicherheitsrelevante Abläufe», zu denen keine detaillierte Auskunft gegeben werden könne. Das Unternehmen betont jedoch: «Der Schutz von Kundendaten hat für Rossmann höchste Priorität – das Vertrauen unserer Kundinnen und Kunden ist unser wichtigstes Gut.» Rossmann halte sich strikt an alle geltenden gesetzlichen Vorgaben. «Dazu gehört auch die regelmässige und umfassende Schulung unserer Mitarbeiter», so Schwertner. Müller wiederum hebt die organisatorische Struktur hervor: «Wir sind Mitglied im Berufsverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD), haben einen betrieblich bestellten Konzerndatenschutzbeauftragten, Datenschutzkoordinatoren in den Ländern und Abteilungen sowie verschiedene wirksame Massnahmen in den Bereichen Compliance, IT­Sicherheit und Datenschutz ergriffen, um unsere Kundendaten bestmöglich zu schützen.»

Datenschutz: Fester Unterrichtsbestandteil an der ESD

In der Schweiz ist Datenschutz bereits in der Ausbildung verankert, wie das Beispiel der ESD zeigt. Direktorin Ludmilla Wüthrich berichtet: «Im Unterricht kommt dieses Thema mehrfach vor; sei es im Umgang mit Daten von Firmen/Drogerien für Marketingzwecke bei diversen Projekten oder auch im Rahmen der Diplomarbeiten.» Dabei lebt die Schule vor, was sie lehrt. «Wir dürfen keine

Information an unbefugte Dritte weiterleiten; es dürfen keine Informationen betreffend Diplome an Dritte weitergegeben werden, nur die Person, die es direkt betrifft, bekommt die Information», erklärt Wüthrich die gelebte Praxis. Auch die Studierenden sind von Anfang an in diese Kultur eingebunden und lernen, dass «die Passwörter sorgfältig behandelt werden, keine unerlaubten Seiten besucht oder Downloads durchgeführt werden.» So entwickeln angehende Drogistinnen und Drogisten bereits während der Ausbildung ein natürliches Gespür für den Umgang mit sensiblen Daten.

Was gerne vergessen geht

Ein Gespür ist ein guter Anfang – aber es reicht nicht. Im Alltag braucht es auch entsprechende Strukturen. Ein oft übersehener Punkt ist beispielsweise die eigene Datenschutzerklärung: Die meisten Betriebe haben eine – aber sie ist veraltet, schwer auffindbar oder bildet die tatsächlichen Bearbeitungsprozesse nicht mehr korrekt ab. Dabei ist sie das wichtigste Dokument gegenüber der Kundschaft und kann im Streitfall entscheidend sein. Wer zum Beispiel ein Gewinnspiel durchführt, muss sicherstellen, dass die Datenverarbeitung in diesem Zusammenhang in der Datenschutzerklärung aufgeführt ist oder auf eine separate ergänzende verweist. Mehr dazu im Interview mit Martin Steiger auf Seite 16. 

Das vollständige Literatur verzeichnis finden Sie hier:

Auskunft gegenüber Angehörigen an der Drogerietheke

Der SDV hat ein Merkblatt zur Schweigepflicht gegenüber Ehepartnern und nahen Angehörigen verfasst. Neben den kantonalen Gesundheitsgesetzen gehört auch das Datenschutzgesetz als rechtliche Grundlage dazu.

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«Datenschutz ist ein Prozess –kein einmaliges Projekt»

Martin Steiger ist Rechtsanwalt und Datenschutzexperte. Im Gespräch erklärt er, welche Daten im Drogeriebetrieb besonders schützenswert sind, warum der Serverstandort Schweiz keine Sicherheitsgarantie ist – und warum jede Drogerie mit einem Dateninventar beginnen sollte.

Martin Steiger, an welche Daten denkt man im Drogeriebetrieb zuerst, wenn es um Datenschutz geht?

Martin Steiger: An Gesundheitsdaten – und das zu Recht. Drogerien leben schliesslich von dieser Art vertraulicher Information. Aber auch Geschäftsinterna, Mitarbeiterangelegenheiten und internes Know­how sind schützenswert. Grundsätzlich gilt: Sämtliche Daten dürfen nicht in die Hände unberechtigter Personen gelangen.

Wo entstehen im Alltag unbewusst Risiken? Häufig dort, wo man es am wenigsten erwartet: an der Theke. Wenn andere mithören können.

Rechtsanwalt Martin Steiger befasst sich schwerpunktmässig mit dem Recht im digitalen Raum, also insbesondere auch mit dem Datenschutz.

Wenn Unterlagen offen herumliegen. Oder wenn im Beratungszimmer noch erkennbar ist, wer zuletzt dort war. Diskretion kommt im Tagesgeschäft manchmal zu kurz – nicht aus bösem Willen, sondern weil viel los ist.

Was lässt sich dagegen tun?

Oft reicht schon ein kurzer Rückzug in den Beratungsraum. Das kann man als Fachperson auch aktiv ansprechen: «Ich möchte das lieber drinnen besprechen.» Das wird von Kundinnen und Kunden in der Regel sehr positiv aufgenommen.

Was ist beim Beratungsgespräch in der Drogerie aus datenschutzrechtlicher Sicht wichtig?

Eine schriftliche Einwilligung ist nicht nötig, denn die Beratung wird verlangt. Wer aber Notizen erstellt, sollte dies transparent kommunizieren.

Und was gilt für den Umfang der Notizen?

Sie müssen auf das Erforderliche beschränkt sein – also auf den Zweck der Beratung. Streng genommen unterliegt auch eine Notiz auf einem Post­it dem Datenschutz. Die betroffene Person kann später Auskunft über ihre Daten verlangen. Ob die Daten physisch abgelegt oder digital gespeichert werden, ist jedem Betrieb selbst überlassen.

Welches Recht gilt für eine Schweizer Drogerie –das DSG, die DSGVO oder beides?

Die Faustregel: Für eine Drogerie in der Schweiz gilt immer das schweizerische Datenschutzrecht und damit in erster Linie das Bundesgesetz über den Datenschutz, also das DSG.

Und die europäische DSGVO?

Die europäische Datenschutz­ Grundverordnung kommt ergänzend ins Spiel, wenn eine Drogerie Angebote an Personen im EU­Raum richtet. Ein Newsletter, der auch ins Ausland geht, oder eine Grenzdrogerie mit europäischer Kundschaft –dann kann die DSGVO greifen.

Eine verbreitete Annahme: Daten auf Servern in der Schweiz sind sicherer als solche im Ausland. Korrekt?

Nein, das ist ein Mythos. Entscheidend ist immer, wer wie auf die Daten zugreifen kann – nicht, wo die Server physisch stehen. Das europäische Datenschutzrecht ist in manchen Bereichen sogar strenger als das Recht in der Schweiz. Der Serverstandort allein gewährleistet nicht die Datensicherheit.

Wie lange dürfen Kundendaten aufbewahrt werden?

Die Faustregel lautet: So kurz wie möglich, so lange wie nötig. Bei Buchhaltungsbelegen sind das normalerweise zehn Jahre. Bei der Patientendokumentation, auch für Notizen, gelten das kanto­

nale Gesundheitsrecht und die Ver jährungsfrist für Personenschäden. Das bedeutet normalerweise eine Aufbewahrung während 20 Jahren. Die Dauer der Aufbewahrung leitet sich vor allem aus gesetzlichen Pflichten und den geltenden Verjährungsfristen ab.

Was empfehlen Sie einer Drogerie, die jetzt mit dem Datenschutz beginnen möchte?

Beginnen Sie jetzt! Der erste Schritt ist ein Dateninventar: Welche Daten über welche Personen werden wofür bearbeitet? Wo liegen die Daten und wer hat Zugriff? Nur wer diesen Überblick hat, kann erkennen, wo Handlungsbedarf besteht.

Und dann?

Regelmässig dranbleiben. Zum Beispiel: alle drei Monate eine Stunde einplanen und sich fragen: Gab es Änderungen? Gibt es neuen Handlungsbedarf? Datenschutz ist kein einmaliges Projekt, sondern ein stetiger Prozess. Und wer dabei an fachliche Grenzen stösst, muss sich die notwendige Unterstützung durch Fachpersonen holen –so wie bei der Buchhaltung und anderen Themen ausserhalb der eigenen Fachkompetenz auch.

Datenschutz bei pharmAdvice

Als Online-Beratungstool müssen die Daten bei pharmAdvice gut geschützt sein. Martin Steiger hat die vitagate ag bei diesem Prozess unterstützt.

Martin Steiger, Sie haben die vitagate ag bei der datenschutzrechtlichen Entwicklung von pharmAdvice begleitet. Was war die grösste Herausforderung?

Das Ziel war, die Plattform nach dem Prinzip «Privacy by Design» zu gestalten: Welche Daten braucht man wirklich – und wie genau schützt man diese Daten? Dafür haben wir eine Datenschutz­Folgenabschätzung gemacht: Welche Risiken bestehen, welche technischen und organisatorischen Massnahmen gegen diese Risiken werden ergriffen? Am Ende konnten wir grünes Licht geben.

pharmAdvice nutzt externe Anbieter. Bleibt die vitagate ag trotzdem in der Verantwortung? Ja, immer. Wer Daten auslagert, bleibt selbst verantwortlich. Das regelt man in erster Linie vertraglich – und man muss genau prüfen, wer wie auf welche Daten zugreifen kann.

Chats auf pharmAdvice enthalten Gesundheitsdaten. Reicht eine Checkbox als Einwilligung?

Mit einer Checkbox wird eine Einwilligung erteilt. Eine solche Einwilligung funktioniert, wenn sie informiert, freiwillig und ausdrücklich erfolgt. Bei pharmAdvice ist das gegeben: Die Nutzung erfolgt freiwillig und die Information ist gewährleistet. Mit einer Checkbox kann ausserdem die erteilte ausdrückliche Einwilligung dokumentiert werden.

Wer haftet, wenn bei der Nutzung von pharmAdvice etwas schiefgeht?

Das kommt darauf an, wo das Problem entstanden ist. Gibt zum Beispiel eine Drogerie fehlerhafte Daten ein, liegt die Verantwortung bei ihr. Entsteht hingegen ein Sicherheitsproblem auf der Plattform selbst, steht die vitagate ag in der Pflicht. Nach aussen – gegenüber der Kundschaft – haftet im ersten Schritt aber immer die Drogerie, weil sie den direkten Kontakt hat und erst einmal für die Bearbeitung der Daten verantwortlich ist. 

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Totalrevision Grundbildung

Qualifikationsverfahren, Bildungsverordnung und Bildungsplan sind erarbeitet, nun geht es an den Feinschliff. Ab Anfang Juni kann die Branche Rückmeldung geben. Ein Überblick, wo die Totalrevision der Grundbildung steht.

7 Céline Jenni | Miriam Kolmann

Die Grundbildung Drogistin/Drogist EFZ nimmt in der Totalrevision langsam Form an. In den letzten Wochen und Monaten sind neben dem Qualifikationsprofil auch die Bildungsinhalte entstanden. «Da die Erarbeitung von Bildungsverordnung und Bildungsplan ein laufender Prozess ist, kann es immer noch zu Änderungen kommen», sagt Mireille Schmutz. Sie ist beim SDV verantwortlich für den Bereich Grundbildung und hat die Co­Projektleitung für die Totalrevision inne. Stand Ende April würden die Eckpfeiler zwar stehen, jedoch gebe es im Mai noch weitere Gespräche mit der B&Q­Kommission. «Im Juni steht zudem die Branchenanhörung an», erzählt sie, «diese Rückmeldungen fliessen dann ebenfalls ein und können noch zu Anpassungen im Bildungsplan und in der Bildungsverordnung führen.»

Beraten und bedienen

Sicher ist: Neu wird sich der Beruf Drogist/Drogistin EFZ an Handlungskompetenzen orientieren und nicht mehr an

Bildungszielen (siehe Berichterstattung im Wirkstoff 3/2026). Das heisst, das gesamte Wissen soll neu angewandt vermittelt und mit Beispielen verknüpft werden, so dass das Wissen im Berufsalltag konkret angewendet werden kann. Eine Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern aus Sektionen, Gruppierungen/Ketten, Berufsfachschulen, überbetrieblichen Kursen (üK) und einer pädagogischen Begleitung haben dazu fünf Handlungskompetenzbereiche definiert:

a. Beraten und Bedienen der Kundschaft

b. Herstellen von Drogerieprodukten

c. Bewirtschaften von Waren

d. Planen und Umsetzen von Marketingmassnahmen

e. Vorbereiten, Überwachen und Optimieren des Tagesbetriebs

Diese Handlungskompetenzbereiche lassen sich wiederum in verschiedene Handlungskompetenzen unterteilen. So gehört zum Beispiel zu Punkt a dazu, dass Drogistinnen und Drogisten ihre Kundschaft bedienen und Produkte verkaufen und sie sowohl im Erhalt als auch der Wiederherstellung der

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Anhörung Kantone & weiterer Akteure, Fertigstellung Bildungsplan & Bildungsverordnung

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Einführung und Start neue Grundbildung

Gesundheit ganzheitlich beraten und entsprechende Drogerieprodukte empfehlen. «Der Handlungskompetenzbereich a, um die Kundschaft zu beraten und zu bedienen, ist am grössten», verrät Frank Storrer, CoProjektleiter bei der Totalrevision Grundbildung. «Dieser Bildungsinhalt ist nämlich zentral für die Arbeitsmarktfähigkeit von Drogistinnen und Drogisten.» Durch die neue Handlungskompetenzorientierung habe sich hier die Aufteilung in Erhalt und Wiederherstellung der Gesundheit aufgedrängt: «Zudem können wir die Ganzheitlichkeit als Stärke der Drogerie noch mehr ins Zentrum rücken», sagt Storrer. «Mit den Handlungskompetenzen rücken neu auch Drogeriedienstleistungen mehr in den Vordergrund und auch Kompetenzen zu Verkauf und Beratung im digitalen Raum finden Platz.»

Änderungen bei den üKs

Bei den überbetrieblichen Kursen (üK) gibt es ebenfalls Anpassungen. «Neu werden es zwei Tage mehr sein, also insgesamt 16 Tage», sagt Mireille Schmutz. Der thematische Fokus geht von Verkaufsgesprächen zu Herstellung sowie Erstellung und Umsetzung eines Marketingplans bis hin zu Drogeriedienstleistungen (siehe Tabelle unten). Neu wird die Herstellung im zweiten Lehrjahr um einen üK­Tag erweitert und neu hinzugekommen sind die Drogeriedienstleistungen (im dritten Lehrjahr). «Dazu gehört zum Beispiel Wundversorgung, Stützstrümpfe anpassen oder Messungen durchführen – das sind alles Fertigkeiten, die wunderbar in einem üK

vermittelt werden können», sagt Schmutz. Und über alle Betriebe hinweg liessen sich die Kompetenzen zu Drogeriedienstleistungen in einem üK auch vereinheitlichen, da die Angebote in den Betrieben unterschiedlich sind. Insgesamt wird es drei Kompetenznachweise geben, die direkt nach jedem Kurs stattfinden.

Die Kurskosten der üKs werden durch die Kantone subventioniert. Die Sektionen und Drogerien tragen aber einen grossen Teil der Kosten. Das heisst, mit mehr üK­Tagen müssen die Betriebe auch mehr bezahlen. «Das stimmt», räumt Schmutz ein, «doch es gibt einen grossen Nutzen, wenn diese Fertigkeiten richtig gelernt werden.» Zudem: Wenn man die Anzahl der üK­Tage mit anderen Berufen vergleiche, dann seien es verhältnismässig immer noch sehr wenige. «Deshalb ist die Erhöhung um zwei Tage angebracht», betont Mireille Schmutz. 

Mireille Schmutz, Co-Projektleiterin bei der Totalrevision, steht Ihnen bei Fragen gerne zur Verfügung: bildung@drogistenverband.ch

Machen Sie mit … … und geben Sie bei der internen Branchenanhörung Rückmeldung zur Totalrevision Grundbildung. Ab dem 8. Juni finden Sie via QR-Code alle relevanten Informationen und das Feedback-Formular. Danke für Ihre Teilnahme!

Zum Nachlesen

Hier finden Sie den Wirkstoff 3/2026 mit dem Artikel «Neue Bildungsziele».

Die üKs im Überblick

Lehrjahr Thematischer Fokus Anzahl Tage

1 Einführung Verkaufsgespräche

2 Einführung Herstellung 4 (mit Kompetenznachweis)

2 Erstellung und Umsetzung eines Marketingplans und Verkaufspräsentation 2 (mit Kompetenznachweis)

2 Einfache Verkaufs- und Beratungsgespräche 1

3 Vertiefung Herstellung 5 (mit Kompetenznachweis)

3 Drogeriedienstleistungen 1

4 Anspruchsvolle Verkaufs- und Beratungsgespräche 1

Gemeinsam für eine starke Strategie

Die Branchenstrategie des Schweizerischen Drogistenverbandes ist in aller Munde. Was viele nicht wissen: Im Hintergrund wird im Austausch mit der Branche weiter an einem noch schärferen Profil gearbeitet. Teil davon waren jüngst zwei spezifische Workshops. Eine Rückschau.

7 Désirée Klarer | Susanne Keller

Wer den Wirkstoff 11/25 gelesen hat, weiss: Hinter dem Branchen­Strategieprozess des Schweizerischen Drogistenverbandes (SDV) steckt viel Arbeit. Rund 1500 Personen aus der Bevölkerung und über 1000 Kundinnen und Kunden wurden zum Fremdbild befragt. 200 Mitgliederstimmen wiederum zeigten das Selbstbild der Branche. Im Rahmen von acht Branchenworkshops, vier DrogerieForen und einem Zukunftstag wurden im Anschluss die Eckpfeiler der neuen Branchenstrategie erar­

Projektleiter Frank Storrer moderiert die verschiedenen Workshops zur Strategie und diskutiert mit den Teilnehmenden.

beitet. Im Prozess wurde darauf geachtet, die jeweiligen Zwischenresultate weiterzuverwerten. «So sind beispielsweise einige Erkenntnisse aus dem DrogerieForum mit 30 Teilnehmenden in einem spezifischen Workshop mit fünf bis zehn Teilnehmenden weiterentwickelt worden», sagt Frank Storrer, Projektleiter Strategie. Das Resultat kann sich sehen lassen. Nebst einer klaren Mission und Vision wurden Ende 2025 auch fünf strategische Geschäftsfelder und deren Prioritäten bestimmt: «Selbstmedikation», «Komplementärmedizin», «Herstellung», «Beratung und Prävention» sowie «Digital».

Von den Geschäftsfeldern zur Umsetzung

Im Austausch zur Strategie ist an der letzten Generalversammlung der Wunsch entstanden, zwei vielversprechende Themenkreise weiter zu vertiefen. «Diesem Wunsch haben wir mit den beiden Workshops ‹Lokal Digital› und ‹Präventionsinsel(n)› entsprochen», sagt Elisabeth von Grünigen, die das Strategiethema auf Stufe Zentralvorstand betreut. Begleitet wurden die Workshops durch Enrico Kopatz, Fachexperte eHealth, und Dr. Thomas Steffen, Präsident Public Health Schweiz. Bei den Präventionsinseln sind die Anwesenden zum Schluss gekommen, dass die Drogeriebranche nicht das ganze Meer der Prävention besetzen kann. «Darum haben wir uns auf einzelne Inseln fokussiert», sagt Storrer. Herausgekommen sind drei thematische Hauptinselgruppen:

Gesundheit stärken: Das grösste Zukunftspotenzial hat die Arbeitsgruppe bei der Insel «Aktiv und gesund bis ins Alter» und – unter anderem – dem Thema Longevity verortet. Orientierung geben: Dazu gehört beispielsweise die Insel «Mutter und Kind» – vom Kinderwunsch über die Schwangerschaft bis zur Gesundheit von Kind und Mutter. Beschwerden begleiten: Hier liegt der Fokus auf chronischen Leiden und mentaler Gesundheit.

Die Drogerie ins Digitale übersetzen

Beim Workshop «Lokal Digital» wiederum ging es darum, Wege zu finden, wie die lokale Stärke einer Drogerie – Vertrauen, persönliche Beratung und Erreichbarkeit – optimal in die digitale Welt übersetzt werden kann. Die Teilnehmenden haben versucht herauszufinden, was in Zukunft Mindestanforderungen an die Betriebe sein könnten (nachfolgend einige Beispiele):

1. Auffindbarkeit und Zugänglichkeit:

Die elektronische Präsenz einer Drogerie sollte so professionell gestaltet sein, dass das grosse Vertrauen, welches die Kundinnen und Kunden heute in die Drogerie haben, nicht gefährdet wird.

2. Bedarfsanalyse und Beratung:

Wer heute oder in Zukunft bezahlte Beratungen anbietet, sollte diese nicht nur online buchbar machen, sondern sie auf Kundenwunsch auch elektronisch durchführen können.

3. Verkauf:

Jede Drogerie – ob alleinstehend oder an eine Plattform angebunden – sollte in Zukunft in der Lage sein, Produkte online verkaufen zu können (click&collect, click&reserve).

4. Unternehmerisch: Die neuen digitalen Trends bieten viele Chancen für den einzelnen Betrieb. Beispielsweise um die Betriebskosten zu senken, effizienter zu werden oder besser zu skalieren. Die Betriebe sollten die Chancen deshalb unter Berück­

sichtigung der eigenen Gegebenheiten optimal nutzen.

5. Nachbetreuung und Community: Hier dürften sich in Zukunft zahlreiche neue Möglichkeiten für die einzelnen Betriebe ergeben. Wichtig wird es dann, die passenden Services für den eigenen Betrieb herauszupicken und professionell umzusetzen.

Weichen stellen für eine erfolgreiche Zukunft

Insbesondere der Verband, aber auch die Gruppierungen seien generell gefordert, wenn es darum gehe, Rahmenbedingungen zu schaffen, Befähigung sicherzustellen und Orientierung zu geben. «Dazu gehören gleich lange Spiesse auf politischer Ebene, die Vernetzung über das Gesundheitsdossier oder die Anpassung der Grundbildung», nennt Storrer einige Beispiele in Hinblick auf die Umsetzbarkeit von «Lokal Digital».

Auf die Frage hin, wie er die Strategiearbeit mit den Branchenvertreterinnen und ­vertretern bisher empfunden habe, betont Storrer: «Das Engagement, die Energie und die Kompetenz der Branchenvertreterinnen und ­vertreter begeistert mich immer wieder aufs Neue.» Egal, ob in einem spezifischen Workshop oder im Rahmen eines DrogerieForums – die Themen seien anspruchsvoll gewesen und die Diskussionen entsprechend intensiv. «Doch auch wenn es mal hitzig wurde, so waren die gegenseitige Wertschätzung und der Respekt im Raum immer spürbar.»

Der SDV prüft nun, ob und wie die Resultate der Workshops – etwa im Rahmen des nächsten DrogerieForums – weiter vertieft werden können. Denn das Ziel bleibt klar, betont Storrer: «Eine Strategie, die nicht auf Wolkenschieberei, sondern auf Realitätsnähe und Umsetzbarkeit fusst.» 

Fachwissen aus der Drogerie wird oft unterschätzt

Bis Ende März vertrat Regula Steinemann während fast 16 Jahren die Interessen der Angestellten der Drogeriebranche. Seit April amtet die Anwältin neu als Gerichtspräsidentin. Im Gespräch mit Wirkstoff sagt sie, was sie für Drogistinnen und Drogisten erreicht hat, warum sie diese einst zur Notlüge ermunterte und welches Thema ein Dauerbrenner war.

Regula Steinemann, ein briefmarkengrosses Foto begleitet seit Jahren Ihre Kolumnen in der Publikation für den Fachhandel, dem heutigen «Wirkstoff». Eine junge Frau lacht da zu den Lesenden. Wer steckt dahinter?

Regula Steinemann: Eine 46 Jahre alte, verheiratete Frau und Mutter einer achtjährigen Tochter, die als Rechtsanwältin fast 16 Jahre in der Kanzlei Furer & Partner in Basel tätig gewesen ist und ebenso lange als Geschäftsführerin von «Angestellte Drogisten Suisse».

Und was macht Sie sonst noch aus? Ich bin ein grosser Familienmensch, eingebettet in ein vielfältiges soziales Umfeld und habe zudem drei Patenkinder. Ich fahre Ski, halte mich gerne in der Natur auf − im Wald beim Bräteln, im Schrebergarten meiner Eltern, an den Seen in der Schweiz. Wir gehen mit Freunden und deren Kindern Minigolf spielen, mit den Eltern oft in die Ferien. Zwei Katzen leben mit uns, ich spiele Harfe – leider nicht mehr so häufig wie auch schon.

Woher kommt Ihre Passion für die Jurisprudenz?

(Lacht) Ursprünglich wollte ich Biologie studieren oder Lehrerin werden. Weil ein Jurastudium aber zahlreiche Berufsmöglichkeiten bietet, habe ich mich schliesslich für diesen Weg entschieden.

Danach haben Sie noch weiter studiert, das Anwaltspatent gemacht. Es war nicht mein Ziel, Anwältin zu werden. Meine ehemalige Chefin hat mich dazu motiviert. Jene Arbeitsstellen, die mich interessierten, setzten ein Anwaltspatent voraus, wie auch bei Furer & Partner. Dort haben auch die zu betreuenden Rechtsgebiete super gepasst. Im Studium hatte ich mir als Wahlfächer Arbeits­ und Sozialversicherungsrecht ausgesucht. Soziale Gerechtigkeit war mir immer wichtig, ich wollte mich für die Schwächeren in der Gesellschaft einsetzen.

Juristen müssen analytisch denken können. Was hilft im Beruf sonst noch?

Regula Steinemann

Regula Steinemann wuchs in Frenkendorf BL auf. Heute lebt die 46-Jährige mit Mann und Tochter in Füllinsdorf. 2006 schloss sie ihr Jurastudium an der Universität Basel ab, 2010 erlangte die Juristin das Anwaltspatent des Kantons Basel-Stadt. Im selben Jahr trat die Rechtsanwältin ihre Stelle bei der Kanzlei Furer & Partner in Basel an und übernahm die Geschäftsführung von «Angestellte Drogisten Suisse». Per 1. April 2026 wurde sie Gerichtspräsidentin am Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost in Sissach. Von 2015 bis 2023 war Steinemann Mitglied des Landrats Baselland, welchen sie während eines Jahres präsidierte. Seit zwei Jahren ist sie Gemeinderätin von Füllinsdorf.

Was man lernt, ist eine sachliche, aber dennoch empathische Herangehensweise. Häufig stecken hinter Streitigkeiten persönliche und emotionale Schwierigkeiten. Meine Aufgabe ist es, das Grundproblem zu eruieren. Als junge Anwältin lagen mir der streitige Weg und das Gewinnen eher. Je älter ich werde, desto bedeutender ist für mich, möglichst für beide Parteien mit einem Vergleich eine gute und beidseitig akzeptierte Lösung hervorzubringen. Die Menschen sind mir wichtig.

«Eine einvernehmliche Lösung war vielen Drogistinnen und Drogisten wichtig. Das entspricht ganz meiner Philosophie.»

Diese Sozialkompetenzen waren auch als Geschäftsführerin von «Angestellte Drogisten Suisse» gefragt, wo Sie die Interessen der Angestellten der Drogeriebranche vertraten. Welche Themen beschäftigen Drogistinnen und Drogisten besonders?

Fragen nach dem Lohn waren immer Thema. Etwa: Welches Salär ist nach 15 Jahren in der Branche und mit Stellvertreterfunktion angemessen? Ich gab Tipps für eine gute Verhandlungsbasis. Fragen rund um die Teilzeitarbeit, das Arbeitszeugnis, die Schwangerschaft oder den Mutterschaftsurlaub waren ebenfalls häufig.

Auch in der Politik sind Sie tätig, sitzen seit fast zwei Jahren im Gemeinderat von Füllinsdorf. Davor waren sie Mitglied des Landrats Baselland, dem Kantonsparlament. Wie kamen Sie dazu?

Ich bin in die Politik hineingerutscht. Auch dort kann ich mich sozial engagieren. Es ist schön, etwas zu bewegen. Als Gemeinderätin bin ich für Umweltschutz, Kultur, Freizeit und die Vereine zuständig. Es hat mich gefreut, dass der Gemeinderat der Sanierung eines Spielplatzes zugestimmt hat. Mir geht es als Mutter auch darum, für jüngere Generationen Verbesserungen zu erzielen.

Auf welche Erfolge können Sie als Geschäftsführerin von «Angestellte Drogisten Suisse» zurückblicken?

Auf den völlig revidierten Gesamtarbeitsvertrag (GAV), der per 1. Januar 2017 in Kraft trat. Ein Meilenstein war und ist dabei die Einführung einer obligatorischen Krankentaggeldversicherung. Einzigartig – aber auch schon im alten GAV enthalten – ist und bleibt eine spezielle Regelung bei Mutterund Vaterschaftsurlaub, wobei es anstelle von Vaterschaftsurlaub neu «Urlaub des anderen Elternteils» heisst und gleichgeschlechtliche Ehen einbezieht. Weiter enthält der GAV eine verbindliche Empfehlung für ein jährliches Mitarbeitergespräch, das schriftlich festgehalten werden soll. Es lohnt sich, das Regelwerk gelegentlich zur Hand zu nehmen, da Sozialpartner stetig Verbesserungen verhandeln und Gesetzesänderungen aufnehmen. Der neuste GAV gilt ab 1. Januar dieses Jahres.

Wie wirkte sich das Internet auf die Anfragen bei der Geschäftsstelle aus?

Viele einfache juristische Fragen können heute im Internet bei offiziellen, seriösen Quellen selbst geklärt werden. Die Rechtsberatungen wurden dadurch tendenziell weniger, aber anspruchsvoller und auch zeitintensiver.

Haben sich die Beratungsthemen im Lauf der Zeit verändert?

Zugenommen haben Mobbingfälle oder längere Arbeitsausfälle wegen zwischenmenschlichen Problemen am Arbeitsplatz.

Probleme wohl auch mit dem Chef oder der Chefin. Was ist zu tun?

Als erstes sollte man das Gespräch suchen. Ging es um eine nicht korrekte Anwendung des Gesetzes und kam die Angestellte mit dem Problem zu mir, schrieb ich dem Vorgesetzten eine Mail oder thematisierte das Problem in meiner Wirkstoff­Kolumne. So konnte ich einen Sachverhalt für die ganze Branche klären. Eskalierte eine Situation, boten wir via Rechtsschutzversicherung Unterstützung an. In der Regel macht dies die Situation aber nicht besser – häufig kommt es dann zur Beendigung

des Arbeitsverhältnisses und gerade dann sind die Angestellten froh um rechtliche Unterstützung und Begleitung.

Kamen Sie so zu Ihren Themen im «Wirkstoff»?

Sehr viele Inhalte meiner Kolumnen kamen aus der Praxis, auch aus anderen Wirtschaftszweigen, die ich auf die Drogeriebranche ummünzte. Neue Bundesgerichtsentscheide und Gesetzesänderungen flossen ein, oder eben auch aktuelle Fragen, die auf meinem Tisch landeten, sowie Inputs der Redaktion.

Erhalten alle Drogeriemitarbeitenden bei «Angestellte Drogisten Suisse» kostenlose Beratung?

Seit Anfang dieses Jahres steht sie allen Aktivmitgliedern zu, Rechtsschutzversicherung im Arbeits­ und Sozialversicherungsrecht inklusive.

Welche Eigenheiten bestehen in der Drogeriebranche? Ich habe immer sehr gerne mit Drogistinnen und Drogisten gearbeitet. Sie sind aufgestellte, pragmatische, sozial eingestellte, ausgleichende Persönlichkeiten. Eine ein vernehmliche Lösung war vielen von ihnen wichtig. Das entspricht ganz meiner Philosophie. Dann finde ich die Gesundheitsbranche an sich spannend. Dahinter steckt ein unglaubliches Fachwissen, das oft unterschätzt wird. Die Entlöhnung entspricht nicht immer der Qualifikation. Der Mindestlohn einer EFZ­Angestellten ist mit 52 000 Franken pro Jahr eher tief. Ich sehe da aber Unterschiede von Drogerie zu Drogerie. Das Gesamtpaket muss jedoch stimmen, wozu die Wochenarbeitszeit oder die Anzahl Ferientage auch gehören. Die Sozialpartnerschaft mit dem Schweizerischen Drogistenverband SDV ist auf Augenhöhe und funktioniert gut.

Erinnern Sie sich auch an kuriose Fälle, die bei Ihnen landeten?

(Überlegt) Nein. Was ich aber nicht mehr vergessen werde, ist die Reaktion einer Leserin auf eine meiner ersten Kolumnen mit dem Titel «Lügen erlaubt?» im d-inside aus dem Jahr 2011. Dabei ging es um die Frage, wie man sich als Bewerberin bei unzulässigen Fragen des potenziellen Arbeitgebers juristisch korrekt verhält. So darf zum Beispiel der Wunsch, eine Familie zu gründen, oder eine bestehende Schwangerschaft nicht angesprochen werden. Geschieht es trotzdem, darf eine Notlüge herbeigezogen werden. Entsprechend stand es in meinem Text. Die Rückmeldung der Leserin war, dass es nicht vertrauensfördernd sei, sich mit einer Notlüge eine Stelle zu ergattern. Ich habe Verständnis für diesen

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Einwand. Dennoch war es wichtig, die objektive Rechtslage darzulegen.

Ende März haben Sie die Kanzlei Furer & Partner verlassen und damit auch die Geschäftsführung von «Angestellte Drogisten Suisse» abgegeben. Per 1. April wurden Sie zur Gerichtspräsidentin am Zivilkreisgericht Basel-Landschaft Ost in Sissach gewählt. Ein Karrieresprung, ein anspruchsvolles Amt. Was reizt Sie daran? Einerseits die Vielfalt des Rechtsgebietes. Ich werde mich mit Gebieten befassen, mit denen ich mich in den letzten Jahren etwas zu wenig beschäftigen konnte, wie zum Beispiel Erbrecht. Andererseits arbeite ich sehr gerne im Team – beim

«Die Sozialpartnerschaft mit dem Schweizerischen Drogistenverband SDV ist auf Augenhöhe und funktioniert gut.»

Gericht sind das Gerichtspräsidien, Gerichtsschreiber, Kanzleimitarbeitende und Volontäre. Besonders in den letzten Jahren als Partnerin und selbstständige Rechtsanwältin in der Kanzlei war das weniger der Fall.

Als Gerichtspräsidentin nehmen Sie eine andere Rolle wahr. Ich muss die Positionen von Angeklagtem und Kläger sachlich austarieren und ein Urteil gestützt auf das Recht fällen, unparteiisch und unvoreingenommen. Möglich sind auch Vergleiche mit dem Ziel, eine für beide Parteien akzeptable Einigung zu erzielen.

Wie verändert dieser Stellenwechsel Ihren Alltag?

Als Anwältin war mein Arbeitsalltag zerstückelt, sowohl inhaltlich wie auch geografisch. Mein neuer Arbeitsplatz ist

ortsgebunden am Gericht in Sissach. Regelmässigkeit und Planbarkeit der Arbeit lassen sich besser mit meinem Familienleben vereinbaren und waren mit ein Grund für den Wechsel. Als Rechtsanwältin und Geschäftsführerin der Angestelltenverbände ist eine Arbeitsplanung schwierig. Ich arbeitete oft am Wochenende, hatte viele Abendtermine. Meine Tochter wird älter, sie hat mehr Ansprüche. Deshalb habe ich auch alle Arbeitnehmerverbände abgegeben. Die Anwaltstätigkeit ist komplett weg. Was weiter bleibt, ist meine Arbeit im Gemeinderat und die Betreuung weniger ehrenamtlicher Stiftungen.

Was vermissen Sie an Ihrer früheren Arbeitsstelle in der Kanzlei?

Sehr viel! Ich liebte diesen Job. Hätte sich die Chance, ans Gericht zu wechseln, nicht ergeben, wäre ich weiter sehr glücklich mit meiner bisherigen Tätigkeit. Ich vermisse meine Kollegen und Kolleginnen, das Strafrecht, die Geselligkeit, auch mit den Arbeitnehmerverbänden und den dortigen (Vorstands­)Mitgliedern.

In der Juli/August-Ausgabe von Wirkstoff erwartet Sie an dieser Stelle ein Gespräch mit Thomas Wirth, CEO von Biomed AG.

Nachfolge

Der Nachfolger von Regula Steinemann als Geschäftsführer von «Angestellte Drogisten Suisse» ist Christoph Balmer. Er arbeitet ebenfalls als Anwalt bei Furer & Partner. Christoph Balmer wird in einer der kommenden Wirkstoff-Ausgaben vorgestellt.

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Gelenke unter Druck

Übergewicht und Adipositas wirken sich negativ auf die Gesundheit aus – auch auf das muskuloskelettale System. Bewegung und sportliche Aktivitäten unterstützen dabei die Gelenkgesundheit.

7 Jasmin Weiss

Schon im Kindesalter kann ein zu hohes Gewicht Einfluss auf die Gelenkgesundheit nehmen. Durch das Übergewicht werden die Knochen und Gelenke übermässig belastet und die Muskeln überaktiviert. Das Risiko, eine Fehlstellung der Gelenke wie ein Hohlkreuz, Plattfüsse, Rundschultern oder X­Beine zu entwickeln, ist bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen erhöht. Durch die Fehlstellungen können Schmerzen auftreten und das Risiko einer musku­

loskelettalen Erkrankung oder Arthrose im Erwachsenenalter steigt deutlich an. Neben dem erhöhten Druck auf die Körperstrukturen durch das Gewicht bewegen sich übergewichtige Kinder und Jugendliche meist weniger, was die körperliche Entwicklung ebenfalls beeinflussen kann.¹

Bei Erwachsenen ist die Entwicklung zwar abgeschlossen, dennoch leiden die Gelenke unter einem erhöhten Gewicht. Melanie Liechti, Physiotherapeutin MSc, stellt klar:

«Vor allem die gewichtstragenden Gelenke wie die Hüfte, Knie, Fussgelenke und Wirbelsäule leiden durch ein zu hohes Gewicht und werden wegen der stärkeren mechanischen Belastung mehr beansprucht.» Es seien aber auch nicht tragende Gelenke betroffen. «Wir sehen zum Beispiel, dass es bei Hand­ und Fingergelenken bei übergewichtigen Personen vermehrt zu rheumatoiden oder arthritischen Beschwerden kommt. Das Fettgewebe hat eine endokrine Funktion, dazu gibt es Studien. Die Vermutung ist, dass dies dann die chronische Entzündung stimuliert oder anfeuert und dies dann die Schmerzen verstärkt beziehungsweise unterhält.»

Gelenkserkrankungen und Übergewicht

Ein zu hohes Gewicht fördert degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates wie Arthrose und Rückenbeschwerden sowie Bandscheibenvorfälle, wobei das Risiko steigt, je höher das Gewicht ist. 2–4 Das Risiko für Arthrose beispielsweise verdoppelt sich bei adipösen Personen im Vergleich mit normalgewichtigen Menschen. 3 Adipöse Menschen unterziehen sich öfter operativen Eingriffen für Gelenksprothesen, wobei das Risiko für Komplikationen und Protheseninfektionen bei dieser Populationsgruppe höher ist. 2,3

Durch die zusätzliche Belastung werden vor allem die gewichtstragenden Gelenke komprimiert. Durch die Bewegung sind die Gelenke bei zu hohem Gewicht dauerhaft kleinen Schädigungen ausgesetzt. Das Gelenk durchläuft aufgrund dessen andauernde Wundheilungsprozesse. Neben der mechanischen Schädigung verursacht Arthrose gemäss neueren Untersuchungen auch Entzündungen der Gelenkschleimhaut.³

Dabei sind Schmerzen weit verbreitet: 11,2 Prozent der Erwachsenen haben täglich Schmerzen und es ist der häufigste Grund, weshalb Menschen ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Adipositas ist eine Erkrankung, die am häufigsten mit chronischen Schmerzen assoziiert ist. Damit in Zusammenhang stehen auch ein reduziertes psychisches Wohlbefinden und eine

verminderte körperliche Funktionsfähigkeit. Chronische Schmerzen belasten die Lebensqualität der Betroffenen und sind mit hohen Kosten für das Gesundheitssystem verbunden. 5

Schmerzhafte Angelegenheit

Am häufigsten treten muskuloskelettale Beschwerden auf. In Zusammenhang mit Adipositas sind es vor allem Rückenschmerzen. Untersuchungen zeigen, dass Adipositas mit einer erhöhten Schmerzintensität und Beeinträchtigung aufgrund von Schmerzen verbunden ist. Dies betrifft Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen. Die Häufigkeit von Schmerzen nimmt, vor allem bei Frauen, mit steigendem Body­Mass­Index (BMI) zu. Menschen mit einem höheren BodyMass­Index entwickeln ausserdem eher chronische Schmerzen. Untergewichtige Menschen weisen ebenfalls eine erhöhte Schmerzintensität und Beeinträchtigung durch Schmerzen auf, was zeigt, dass Untergewicht ebenfalls problematisch sein kann. 5

Aktivität steigern

Bewegung unterstützt grundsätzlich die Gewichtsabnahme und die Gelenkgesundheit. Aber: Betroffene leiden oft unter Schmerzen, wenn sie sich mehr bewegen. Wie man aus diesem Teufelskreis herauskommt, ist eine Herausforderung. «Es kommt ganz darauf an, was der Fokus ist und was die Menschen für eine Vorgeschichte haben», berichtet Melanie Liechti. «Bei Personen mit starken Schmerzen oder untrainierten Personen ist es wichtig, ganz langsam die Bewegung zu steigern. Wenn jemand schon an chronischen Schmerzen leidet, ist die Patientenedukation zentral. Wenn sich der Schmerz chronifiziert hat, ist das Schmerzempfinden nicht mehr immer verlässlich, auch wenn der Schmerz sehr real ist. Die Belastungsgrenze bei diesen Personen ist deutlich tiefer und sollte miteinbezogen werden, wenn die Bewegung gesteigert werden soll.»

Bewegung ist für die Gesundheit wichtig, auch bei Menschen mit nichtübertragbaren Krankheiten, wozu neben Diabetes oder chronisch obstruktiver Lungenerkrankung auch Arthrose und Rückenschmerzen gehören. Eine positive Wirkung hat bereits eine geringe Steigerung der körperlichen Aktivität. Menschen mit nichtübertragbaren Erkrankungen können sich an den Bewegungsempfehlungen für gesunde Menschen orientieren. Dabei wird wöchentlich insgesamt 150 Minuten ausdauerorientierte Aktivität mit moderater Intensität oder 75 Minuten mit erhöhter Intensität sowie zwei Mal pro Woche muskelkräftigende Aktivität empfohlen. Ist dies aufgrund der Erkrankung nicht möglich, sollte die Aktivität der Situation entsprechend angepasst werden. Bevor die körperliche Aktivität begonnen wird, sollten Menschen mit nichtübertragbaren Krankheiten dies ärztlich rücksprechen und mit einer Bewegungsfachperson die Art, Dauer und Intensität der Bewegung an die individuelle Situation anpassen. Dasselbe gilt bei Verschlechterung der Krankheitssituation.6

Welche Sportarten

sind empfehlenswert?

Melanie Liechti empfiehlt schonende Aktivitäten bei Gelenkserkrankungen. «Besonders gelenkschonend sind zum einen Spazieren oder Nordic Walking, da diese

Genuss mit Wirkung

Ernährung bei entzündlichem Rheuma

Bewegung für unsere Gelenke die alltägliche Belastung darstellt. Auch Bewegungen, bei welchen der Druck auf die Gelenke reduziert wird, wie zum Beispiel Schwimmen, Aquagym oder Fahrrad fahren, schonen die Gelenke.» Die Belastung innerhalb des Trainings könne auch entscheidend sein, so kann Yoga oder Pilates je nach Bewegung gelenkschonend sein oder eben weniger. Wenn man einen Handstand mache und Sprünge einbaue, könne dies für das muskuloskelettale System auch sehr belastend sein, so die Physiotherapeutin. Dies müsse man individuell betrachten und es könne nicht verallgemeinert werden. Bei den Bewegungsempfehlungen bezüglich der Gelenke gibt es keine Unterschiede, ob jemand normal­ oder übergewichtig ist. «Wichtig ist, in welchem Trainingszustand sich eine Person befindet und dass die Bewegung daran angepasst und langsam gesteigert wird», betont Liechti, «und vor allem muss die physische Aktivität Spass machen, damit sie längerfristig beibehalten wird.» 

Das vollständige Literaturverzeichnis finden Sie hier:

Ernährung bei Gelenkserkrankungen

Bei vielen chronischen Erkrankungen wird eine antientzündliche Ernährung empfohlen, so auch bei rheumatischen Erkrankungen wie Arthrose. Um die Gelenke zu entlasten, ist bei Übergewicht oder Adipositas eine Gewichtsabnahme sinnvoll, nicht nur aufgrund der höheren Belastung der Gelenke durch das Gewicht, sondern auch, weil das Fettgewebe die Bildung entzündungsfördernder Substanzen verstärkt.7

Eine antientzündliche Ernährung kann bei Gelenkserkrankungen Schmerzen vermindern und die Bewegungsfähigkeit Betroffener optimieren. Deshalb sollte die Ernährung neben medikamentösen und therapeutischen Massnahmen ebenfalls thematisiert werden. Bei der antientzündlichen Ernährung werden potenziell entzündungsfördernde Lebensmittel reduziert und potenziell entzündungshemmende Lebensmittel bevorzugt konsumiert.7 Was es hierbei zu beachten gilt, fasst die Broschüre der Rheumaliga Schweiz zusammen:

Videoüberwachung im Ladenlokal

Immer mehr Unternehmen setzen zur Diebstahlprävention auf Videoüberwachung. Diese Tendenz wird durch die fortschreitende Digitalisierung und die tiefen Anschaffungskosten für eine Überwachungskamera verstärkt.

Welche Auswirkungen hat die Videoüberwachung auf die Mitarbeitenden und was gilt es zu beachten?

Christoph Balmer, Rechtsanwalt und Geschäftsführer Angestellte Drogisten Suisse

Dies ist eine Seite von Angestellte Drogisten Suisse. Die Meinung des Autors muss sich nicht mit jener der Redaktion und/oder des Schweizerischen Drogistenverbandes decken.

www.drogisten.org

Die Videoüberwachung stellt datenschutzrechtlich eine Bearbeitung von Personendaten dar. Private Unternehmen, die in ihren Ladenlokalen eine Videoüberwachung einsetzen, müssen daher das Bundesgesetz über den Datenschutz (DSG) beachten. Die Videoüberwachung kann somit grundsätzlich nur zulässig sein, wenn eine Einwilligung vorliegt oder ein überwiegendes privates oder öffentliches Interesse besteht. Darüber hinaus muss die Videoüberwachung immer verhältnismässig, zweckgebunden und transparent sein. Da sich in Ladenlokalen nicht nur Kundinnen und Kunden aufhalten, sondern auch die Mitarbeitenden, ist neben dem Datenschutz auch Art. 328 OR zu beachten, welcher ausdrücklich die Arbeitgebenden zum Schutz der Persönlichkeit der Mitarbeitenden verpflichtet. In Bezug auf die Videoüberwachung muss darüber hinaus auch Art. 26 ArGV beachtet werden, welcher festhält, dass Überwachungs­ und Kontrollsysteme, die das Verhalten der Mitarbeitenden am Arbeitsplatz überwachen sollen, nicht eingesetzt werden dürfen.

Umsetzung in der Praxis

Einigkeit besteht dahingehend, dass der Einsatz einer Kamera zum Zweck der Überwachung und Kontrolle von Mitarbeitenden unzulässig ist. Auch die Überwachung von Bereichen mit hoher Privatsphäre (zum Beispiel Umkleideraum) oder solchen, die

der Erholung dienen (zum Beispiel Pausenraum), ist grundsätzlich nicht gestattet. Zulässig kann die Videoüberwachung von Ladenlokalen somit einzig dann sein, wenn der Zweck der Videoüberwachung der Diebstahlprävention und Sicherheit in öffentlich zugänglichen Bereichen dient. Dabei ist aber im Sinne der Verhältnismässigkeit und mit Blick auf das Arbeitsrecht darauf zu achten, dass die Videokameras so positioniert sind, dass die Mitarbeitenden möglichst nicht erfasst werden. Der Fokus der Kamera ist auf die Kundenzone, die Eingänge und Regale zu legen. Weiter ist zu beachten, dass die Videoaufnahmen nur für eine kurze Zeit gespeichert werden sollten und nur ausgewählte Personen Zugriff auf die gespeicherten Videoaufnahmen haben. Im Sinne der Transparenz muss sichergestellt sein, dass die Videoüberwachung vor Betreten des Kamerabereichs mit Hinweisschildern von den Kundinnen und Kunden tatsächlich wahrgenommen werden kann.

Auf der Webseite des Eidgenössischen Datenschutz­ und Öffentlichkeitsbeauftragten können sich Interessierte vertieft und gut verständlich mit dieser kontroversen Thematik auseinandersetzen (www.edoeb.admin.ch). 

Narben und Narbenpflege

Ob eine Narbe kaum sichtbar oder auffällig sein wird, hängt nicht nur vom Zufall ab. Eine Molekularbiologin und ein Dermatologe verraten, was die Narbenbildung beeinflusst und was jede und jeder selbst dazu beitragen kann, dass Wunden möglichst schön verheilen.

Eine Kollision mit einem Möbel, ein Schnitt mit dem Küchenmesser, ein Kaiserschnitt, eine Herzoperation oder eine schwere Akne – überall, wo nicht nur die oberste Hautschicht verletzt wird, sondern auch die darunter liegende Lederhaut und Blutgefässe, entsteht eine Narbe. Direkt nach der Verletzung ziehen sich die betroffenen Blutgefässe zusammen, und nachdem die Blutgerinnung eingesetzt hat, verschliesst ein Netz von Fibrinfäden und darin verklebten Blutplättchen die Wunde schnell und provisorisch. In einer Entzündungsreaktion zerstören und entfernen Immunzellen in der Wunde kaputtes Zellgewebe, Schmutz sowie Bakterien und andere Krankheitserreger. Zellen der verletzten Lederhaut werden angeregt, Granulationsgewebe aufzubauen – ein Ersatzgewebe, bestehend aus neuen Zellen und aus extrazellulärer Matrix, vor allem Kollagen. Dieses Gewebe wird dann wiederum zu Narbengewebe umgebaut (siehe auch den Artikel zur Wundheilung im Wirkstoff 4/2026).

«Der Körper verschliesst Wunden so schnell wie möglich, damit er möglichst wenig Flüssigkeit verliert und keine Krankheitserreger eindringen können», sagt Molekularbiologin Sabine Werner. «Der Preis für schnelle Wundheilung ist, dass das neue Gewebe nicht mehr dieselben Eigenschaften hat wie das ursprüngliche.» Es ist weniger elastisch, kann nicht schwitzen, hat keine Haare. Und während die meisten Verletzungen zu feinen weissen Linien verheilen, werden manche zu sogenann­

ten hypertrophen Narben, die verdickt und manchmal rot sind und oftmals jucken oder schmerzen. Im schlimmsten Fall entwickelt sich sogar ein Keloid, bei dem das Bindegewebe weit über das ursprüngliche Narbenbett ins umliegende Gewebe hinauswächst, und das ohne Behandlung dazu neigt, weiter zu wachsen – ähnlich einem gutartigen Tumor.¹

Welche Faktoren die Wundheilung und Narbenbildung beeinflussen, erforscht Sabine Werner seit Jahren. Sie ist Professorin am Institut für Molekulare Gesundheitswissenschaften an der ETH Zürich und leitet die Forschungsinitiative SKINTEGRITY.CH, an der neben Universität und ETH Zürich weitere Schweizer Hochschulen, Universitätsspitäler und Industriepartner beteiligt sind.²

Die Narbenbildung günstig beeinflussen

Ein wichtiger Faktor, der die Narbenbildung beeinflusst, ist zunächst einmal die Grösse der Wunde, erklärt Werner: Je grösser sie ist, desto mehr Granulationsgewebe muss gebildet werden, desto ausgeprägter wird die Narbe. Von zentraler Bedeutung ist auch die Lage: Liegt die Wunde an einer Stelle, wo starker mechanischer Zug ausgeübt wird, zum Beispiel bei einem Gelenk, dann ist die Narbenbildung erhöht – und damit auch die Gefahr, dass die Narbe hypertroph wird. Und nicht zuletzt sind

Es dauert eine lange Zeit, bis Narben gut verheilt sind –Narbencremes und Massagen unterstützen diesen Prozess.

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die Gene entscheidend, hält Werner fest: «Manche Patientinnen haben nach einem Kaiserschnitt sehr grosse Narben, bei anderen sieht man diese nach einer Weile fast gar nicht mehr.» Die zugrundeliegenden Gene seien noch wenig bekannt, die Forschung dazu läuft. Und dann gibt es noch eine Beobachtung, die Forschende seit gut dreissig Jahren fasziniert: Wird ein ungeborenes Kind noch im Mutterleib operiert – was bei bestimmten Fehlbildungen wie beispielsweise einem offenen Rücken geschieht – entstehen bis zum Ende des zweiten Trimesters überhaupt keine Narben. Null. Eine mögliche Erklärung sind laut Werner zwei Komponenten: Dass beim Fötus die Entzündungsreaktion wesentlich geringer und kürzer ist als bei Erwachsenen und dass er zudem in einer feuchten Umgebung ist. Beides hat wesentlichen Einfluss auf das entstehende Bindegewebe. Erst zu Beginn des letzten Trimesters setzt die Narbenbildung auch beim heranwachsenden Kind ein. Was genau sich zu diesem Zeitpunkt verändert

und wie sich diese Mechanismen auf die Wundheilung bei Erwachsenen übertragen lassen, ist Gegenstand aktueller Forschung. Aber bereits heute ist klar, dass sowohl die Stärke der Entzündungsreaktion wie auch die Feuchtigkeit sowohl Wundheilung wie auch Narbenbildung beeinflussen. Wie also kann man aktiv dazu beitragen, dass eine Wunde zu einer möglichst unauffälligen Narbe verheilt? Im Fall von Operationsnarben wird der Grundstein für eine schöne Narbe gelegt, noch bevor die Wunde zu heilen beginnt: im Operationssaal. «Schneidet und näht man entlang natürlich vorkommender Linien und Falten der Haut und vermeidet man beim Verschluss soweit es möglich ist Spannung auf der Wundnaht, so sieht man die Narbe danach viel weniger», sagt Jürg Hafner, leitender Arzt der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich. «Wichtig ist auch, wie genäht wird», sagt Hafner. An den meisten Stellen des Körpers wird in mehreren Schichten genäht: In der Tiefe werden Fäden gesetzt, die das Gewebe zusammen­

Narbenmassage

halten und so Spannung von den oberen Hautschichten nehmen, und die sich mit der Zeit selbst auflösen. Die äussere Hautschicht kann sichtbar oder intrakutan genäht werden, also knapp unter der Hautoberfläche. «Eine sorgfältige Nahttechnik reduziert das Risiko für unschöne Narben», sagt der Dermatologe. Bei kleineren Wunden – etwa der aufgeschlagenen Stirn eines Kindes – braucht es oft gar keine Naht. Wundränder, die sauber aufeinanderliegen, können mit klebenden Papierstreifen (Strips) oder Gewebekleber geschlossen werden, um die Wundränder genau zu vereinen.

Was jetzt zählt:

Pflaster, Creme, Geduld

Ob Operationsnarbe oder aufgeschlagenes Knie: Was im Spital oder in der Arztpraxis passiert, liegt meist nicht in den Händen der Betroffenen. Was danach kommt, schon. Sobald die Wunde versorgt ist und sie das Spital oder die Arztpraxis verlassen, beginnt der Teil der Narbenpflege, den sie selbst beeinflussen und wo Drogistinnen und Drogisten kompetent beraten können. Einerseits können Narbencremes helfen. Laut Hafner ist deren positive Wirkung bei silikonhaltigen Präparaten am besten belegt. Auch bei Cremes mit Inhaltsstof­

fen wie Kollagen und Hyaluronsäure gibt es Studien, die einen Nutzen aufzeigen. «Einen positiven Effekt hat aber auch die Narbenmassage an sich», hält Hafner fest. Dazu massiert man die Narbe mit einer, zwei oder drei Fingerbeeren oder dem Handballen oder der Handfläche (je nach Ausdehnung und Lokalisation der Narbe) mit langsam kreisenden Bewegungen. Weiter können passende Pflaster und Verbände helfen, die verletzte Stelle sauber und leicht feucht zu halten und die Spannung zu reduzieren – etwa Hydrokolloidverbände oder Strippflaster, die gut haften. Sie schützen das neue Gewebe zudem vor UV­Strahlung: Besonders bei Menschen mit pigmentierter Haut kann eine frische Narbe, die ungeschützt der Sonne ausgesetzt wird, dauerhaft dunkel werden. Normalerweise empfiehlt Hafner, die frisch verheilte Naht in den ersten vier bis acht Wochen nach der Fadenentfernung mit einem Strip ­ oder Silikonpflaster oder einem Hydrokolloidverband zu schützen. «Der Verband ist wie eine zweite Haut: Man kann ihn ruhig mehrere Tage lang drauflassen, damit duschen und sich pflegen. Und: Heilen braucht Zeit.» Es sei wichtig zu verstehen, dass Narben einige Monate bräuchten, bis sie diskret erscheinen und nicht mehr stören.

Kein tägliches Reinigen, kein mehrfaches Wechseln des Verbands, wie Hafner und wei­

Nach der Wundheilung kann mit der Massage um die Narbe herum begonnen werden. Sobald das Narbengewebe stabil ist, kann auch auf der Narbe massiert werden. Die Narbenmassage sollte über einen längeren Zeitraum und immer wieder durchgeführt werden, bis das Narbengewebe weich ist. Die Massage dehnt und verschiebt das Gewebe und erhöht die Gewebeelastizität. Zusätzlich bewirkt sie eine starke Durchblutung im Narbengebiet und löst Verklebungen im Bindegewebe.4

Entlang der Narbe In kreisenden Bewegungen zur Narbe hin

Auf die Narbe zu Durch die Narbe durch

tere Forschende auch in einem Artikel zur Behandlung chronischer Wunden schrieben, der 2024 im «International Wound Journal» erschien: Viele Empfehlungen, die aktuell in der Wundheilung weit verbreitet seien, seien blosse Rituale, die auf Überzeugungen und Traditionen beruhten und nicht auf wissenschaftlicher Evidenz. So sei etwa keineswegs belegt, dass jede Wunde bei jedem Verbandswechsel gereinigt werden müsse. Im Gegenteil: Bei Wunden, die sich gut entwickeln, könnte eine Manipulation des Wundbetts die Heilung sogar verlangsamen, weil dabei Zellen und Wachstumsfaktoren gestört werden, die den Heilungsprozess aktiv fördern.³

Auch der Schorf – der oft als störend empfunden und weggekratzt wird – verdient eine Rehabilitation. Er ist nicht bloss eine unschöne Kruste, sondern biologisch sinnvoll: eine natürliche Abdeckung, unter der die Neubildung der Epidermis ungestört ablaufen kann. Kinder, die ihren Schorf wegkratzen? «Das ist nicht schlimm», sagt Hafner. «Die Natur verzeiht das.»

Ist eine Narbe auch vier Wochen nach der Verletzung noch rot, steht sie über das Niveau der umliegenden Haut heraus, juckt oder schmerzt sie, dann sollten Betroffene nicht länger mit Selbstmedikation probieren: hypertrophe Narben und Keloide sollten von Ärztinnen und Ärzten behandelt werden, die sich damit auskennen. «Insbesondere die Behandlung von Keloiden ist bis heute schwierig», sagt Hafner. Nach den meisten Behandlungen wachsen die Keloide einfach wieder nach und werden manchmal sogar noch grösser als zuvor. Früher habe man meistens Kortison (rezeptpflichtig) ins Keloidgewebe gespritzt, aber in vielen Fällen nützt das nur wenige Wochen. Deshalb benutzt man heute häufig eine Kombination aus Kortison mit einer kleinen Menge 5­Fluorouracil (rezeptpflichtig), einem Medikament zur Krebsbehandlung, welches das Zellwachstum hemmt. Bei Frauen im gebärfähigen Alter muss während dieser Behandlung eine sichere Empfängnisver­

hütung gewährleistet sein. Eine weitere Option ist eine chirurgische Korrektur: Das Keloid wird herausgeschnitten, die Wunde mit möglichst wenig Spannung optimal genäht – und dann direkt danach lokal nachbestrahlt, damit sich kein neues Keloid bilden kann. Schliesslich lassen sich Keloide auch mit flüssigem Stickstoff in örtlicher Betäubung einfrieren. Laut Hafner konnte diese Technik in den letzten Jahren weiterentwickelt werden und ergebe ebenfalls gute Resultate.

Gute Bedingungen für die Heilung

Wie die Narbenbildung grundlegend verändert werden könnte, ist derweil Gegenstand intensiver Forschung – auch im Rahmen von SKINTEGRITY.CH. Werners Gruppe an der ETH Zürich hat etwa gezeigt, dass ein bestimmtes Signalmolekül –Activin – die Narbenbildung fördert, wenn es in zu grossen Mengen produziert wird. Wird es gehemmt, fällt die Narbe kleiner aus, aber die Wundheilung wird dafür verlangsamt. Ingenieurinnen und Ingenieure der ETH haben zudem Methoden entwickelt, um die Narbenentwicklung nichtinvasiv zu verfolgen und so früh abzuschätzen, ob eine ausgeprägte Narbe entstehen wird. Bis solche Erkenntnisse in neue Therapien münden, braucht es noch einige Jahre. «Aber die neuesten Fortschritte wären ohne interdisziplinäre Zusammenarbeit nicht möglich gewesen: Damit wir hier vorankommen, müssen Grundlagenforschung, Klinik, Ingenieurwesen und Pharmazie Hand in Hand arbeiten», sagt Werner.

«Letztlich heilt uns die Natur», sagt Hafner. «Unsere Aufgabe ist es, möglichst gute Be dingungen zu schaffen. Und wie gesagt: Die meisten Narben brauchen eini ge Monate, bis sie gut akzeptiert werden können.»

Pflaster und Verbände helfen, Wunden und Narben sauber zu halten und vor UV-Strahlung zu schützen.

Das vollständige Literaturverzeichnis finden Sie hier:

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