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Wirkstoff 5/2026

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Wirkstoff

Lesestoff für den Fachhandel Selbstmedikation

Bereit für den Notfall?

Kampagne Selbstmedikation

Welche Massnahmen geplant sind und wie jede Drogerie die Kampagne unterstützen kann

Gegen das Hatschi

Wie das aha! Allergiezentrum Schweiz seit 25 Jahren bei Anfragen rund um Pollen und Co. unterstützt

Lückenhafter Sonnenschutz

Die beste Prävention gegen Hautkrebs ist guter Sonnenschutz, doch an der Umsetzung hapert es oft

Branche

Sichtbarkeit stärken

Die Vorbereitungen für die Kampagne «Selbstmedikation» laufen auf Hochtouren. Welche Massnahmen geplant sind und wie sich jede Drogerie beteiligen kann, damit die Kampagne zum Erfolg wird, lesen Sie hier.

Schwerpunkt

Impressum Wirkstoff

Was tun im Krisenfall?

Wasserschaden, Stromausfall oder Lieferengpässe: Dann und wann tritt der Ernstfall ein. Sind Drogerien und Apotheken auf den Worst Case vorbereitet? Und was braucht es, um für Krisenfälle gewappnet zu sein?

Herausgeber Schweizerischer Drogistenverband, Thomas-Wyttenbach-Strasse 2, 2502 Biel, Telefon 032 328 50 30, info@drogistenverband.ch

Verlag vitagate ag, Thomas-Wyttenbach-Strasse 2, 2502 Biel Geschäftsführung und Verlagsleitung: Tamara Gygax-Freiburghaus, t.gygax@vitagate.ch

Inserate: Tamara Gygax-Freiburghaus, Marlies Föhn, Valérie Rufer, Janine Klaric, inserate@vitagate.ch

Abonnemente und Vertrieb: Sabine Andersen, vertrieb@vitagate.ch

Redaktion

Publizistische Leitung, Chefredaktorin Wirkstoff: Céline Jenni, c.jenni@vitagate.ch

Redaktionelle Mitarbeit in dieser Ausgabe: Astrid Tomczak, Barbara Halter, Désirée Klarer Wissenschaftliche Fachkontrolle: Dr. phil.-nat. Anita Finger Weber Übersetzung: Marie-Noëlle Hofmann

Titelbild: stock.adobe.com/hceinsDesign

Produktion

Layout: Claudia Luginbühl

Druck: Courvoisier-Gassmann AG, Biel ISSN 2673-4974 (Print), ISSN 2673-4982 (Online); CHF 65.–/Jahr, inkl. MWST.

Auflage von 5 469 Ex. WEMF/KS-beglaubigt (9/2025)

7. Jahrgang. Erscheinung 10× jährlich

© 2026 – vitagate ag, Thomas-Wyttenbach-Strasse 2, 2502 Biel

Offizielles Magazin des Schweizerischen Drogistenverbandes und Medium von Angestellte Drogisten Suisse

Interview

Gegen das Hatschi

Geschäftsleiterin Fabienne Hebeisen-Dumas von aha! Allergiezentrum Schweiz erzählt im Interview, welche Dienstleistungen das Kompetenzzentrum bietet und welche Meilensteine in den letzten 25 Jahren erreicht wurden.

6 Frühlings-Branchenkonferenz

An der Branchenkonferenz Mitte April sind die aktuellsten Projekte präsentiert worden, unter anderem der Stand der Totalrevision Grundbildung.

Gerüstet für den Notfall Andreas Koch erzählt, auf welche Notfallkonzepte das Gesundheitsnetzwerk Galenica zurückgreift und was Privatpersonen in ihrer Notfallapotheke haben sollten.

Fachwissen

20

Übelkeit, Verstopfung und Co.

Während der Schwangerschaft leiden viele Frauen an Verdauungsbeschwerden. Dies ist meist auf hormonelle und körperliche Veränderungen zurückzuführen. Was beruhigt die Verdauung?

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Angestellte Drogisten Suisse

Die Einladung zur 87. Mitgliederversammlung Ende Mai mit der Traktandenliste.

Hautkrebsprävention

Guter Sonnenschutz ist das A und O, um sich vor Hautkrebs zu schützen. Ein Experte ordnet die wichtigsten Punkte ein.

Wirkung zeigen

Wegen einer kleinen Schnittwunde am Finger in die Notaufnahme? Solche Menschen gibt es. Darum will der Nationalrat hierfür demnächst eine Gebühr von 50 Franken einführen. Glücklicherweise gibt es jedoch auch genug Menschen, die wissen, dass sie nicht wegen jedes Kinkerlitzchens zum Arzt rennen müssen. Sie behandeln sich selbst. Selbstmedikation wirkt – und sie senkt Kosten. Mit Selbstmedikation wird das Gesundheitswesen entlastet. Ohne Selbstmedikation bräuchte es zudem deutlich mehr ärztliches Fachpersonal, um alltägliche Beschwerden zu behandeln. Darunter etwa Erkältungen, Verstopfung oder eben kleinere Schnittwunden. Trotzdem gilt auch bei der Selbstmedikation: Man sollte wissen, was man tut. Hier kommen die Drogistinnen und Drogisten ins Spiel. Mit grossem Fachwissen und kompetenter Beratung leisten sie einen essenziellen Beitrag zur Gesundheitskompetenz der Bevölkerung. Insbesondere, da sie seit sieben Jahren alle rezeptfreien Arzneimittel abgeben dürfen. Doch wissen das auch Herr und Frau Schweizer?

Mit der grossangelegten Kampagne unter dem Motto «Alle rezeptfreien Medikamente gibt es in der Drogerie!», die Ende Juni startet, will der Schweizerische Drogistenverband genau das sicherstellen und auf die umfassenden Leistungen und Beratungsangebote in den Drogerien aufmerksam machen. Die Massnahmen sind gesetzt, die Aktionen in den Startlöchern. Was es noch braucht für den Erfolg? Jeden einzelnen Drogeriestandort.

Céline Jenni, Leiterin Publizistik, Chefredaktorin Wirkstoff, c.jenni@vitagate.ch

Die Selbstmedikation aufs Parkett –und aufs Plakat – bringen

Der Schweizerische Drogistenverband lanciert gemeinsam mit der vitagate ag die bisher grösste Kampagne zur Selbstmedikation. Was dahintersteckt, welche Massnahmen geplant sind und wie Drogerien davon profitieren – ein Überblick.

7 Désirée Klarer

Die Drogerie ist die erste Anlaufstelle, wenn es um rezeptfreie Medikamente geht. Das weiss die Branche. Doch wissen es auch die Kundinnen und Kunden? Genau hier setzt der SDV mit seiner Kampagne zur Selbstmedikation an – breit abgestützt und mit einem klaren Bekenntnis zur unverzichtbaren Rolle der Drogerien im Schweizer Gesundheitswesen. «Der SDV hat sich bewusst entschieden, konsequent auf das Thema Selbstmedikation zu setzen. Denn die Botschaft ist klar und stark: Alle rezeptfreien Medikamente gibt es in der Drogerie. Das machen wir jetzt umfassend sichtbar», sagt Andrea Ullius, Geschäftsführer des SDV.

Ein

Gemeinschaftsprojekt mit der vitagate ag

Was diese Kampagne besonders macht: Sie ist ein echter Branchenschulterschluss.

Der SDV setzt die Kampagne gemeinsam mit der vitagate ag um. Tamara Gygax, Geschäftsführerin der vitagate ag, koordiniert zusammen mit Andrea Ullius alle Aktivitäten rund um die Kampagne «Selbstmedikation». «Die vitagate ag fungiert in der Zusammenarbeit als Agentur. Sie bringt sich aktiv redaktionell und gestalterisch ein, unterstützt bei der Finanzierung und koordiniert die Aktivitäten auf Social Media gemeinsam mit dem SDV», sagt Claudia Severus, Projektmitarbeiterin Kommunikation beim SDV. Ebenfalls zentral eingebunden ist der «SDV Creative Circle» – eine Werbegruppe bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der Sektionen, Ketten und Gruppierungen (Dr. Bähler Dropa AG, Dromenta und swidro ag) sowie des SDV und der vitagate ag. Erstmals haben sich zudem auch mehrere Gruppierungen bereit erklärt, eine Kampagne des SDV aktiv mitzutragen – für Ullius

Mit 21,5 Millionen Ausstrahlungen soll die Kampagne über 43 Millionen Kontakte erzielen.

ist das ein historischer Moment: «Dass die grossen Ketten und Gruppierungen diese Kampagne gemeinsam tragen, ist ein Meilenstein. Wir zeigen nach aussen, dass wir als Branche geschlossen auftreten können – und wollen.»

Der Höhepunkt: Kampagnenwochen im Sommer

Die Kampagne läuft bereits seit Herbst 2024, doch erreicht sie 2026 mit den Kampagnenwochen im Sommer ihren Höhepunkt mit zahlreichen Aktivitäten. Warum gerade jetzt? Der Entscheid zu einer erweiterten Kampagne geht auf einen langjährigen Wunsch der Sektionen zurück: Schon anlässlich des Verbandsjubiläums wurde eine Publikumskampagne gefordert. Die Delegiertenversammlung stellte im Anschluss an den Strategieprozess die notwendigen finanziellen Mittel bereit – jetzt ist es so weit.

«Der Sommer ist zudem die ideale Saison, um auf aktuelle Gesundheitsthemen wie Sonnenschutz, Insektenstiche oder die Reiseapotheke hinzuweisen und die Beratungskompetenz der Drogistinnen und Drogisten in den Vordergrund zu stellen», sagt Andrea Ullius. Der Kampagnenhöhepunkt ist in den Kalenderwochen 27 und 28 – vom 27. Juni bis zum 12. Juli 2026. Um der Vielfalt der Betriebe gerecht zu werden, kann der Slogan der Kampagne entsprechend angepasst werden: «Alle rezeptfreien Medikamente gibt es in der Drogerie! … [Produkt] übrigens auch.» Diese variable Ergänzung erlaubt es, je nach Standort und Saison individuelle Akzente zu setzen und die Botschaft lokal zu verankern.

Gezielte Werbung dort,

wo die Leute sind

Die Kampagne ist vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln, an Tankstellen, Poststellen und weiteren stark frequentierten Orten zu sehen. Zusammen mit Livesystems wird gezielt dort geworben, wo Drogerien und SDV-Mischbetriebe ansässig sind. Damit werden voraussichtlich

zwischen 40 und 50 Millionen Kundenkontakte generiert – eine beeindruckende Reichweite. Ergänzt wird die OnlineKampagne durch die Werbung vor Ort in den Drogerien. Hier sorgen Plakate und Sichtbarkeit auf den Screens für zusätzliche Wirkung. «Ergänzt wird die Kampagne durch Medienmitteilungen, Social-MediaPosts und einen Malwettbewerb für Kinder. Auch im Drogistenstern wird das Thema aufgegriffen», sagt Severus. Hinzu kommt die Broschüre «Selbstmedikation», die auch den Mischbetrieben Rechnung trägt. Online stehen zudem Vorlagen für Social-Media-Posts, E-Mail-Signaturen und weitere Plakatvorlagen bereit. Und: Auf den SDVKanälen werden regelmässig Posts und Storys veröffentlicht.

So können Drogerien die Kampagne unterstützen

Es zeigt sich: An grossartigen Ideen und Massnahmen mangelt es der Kampagne nicht. Doch damit die Kampagne ein Erfolg wird, braucht es jede und jeden Einzelnen in der Branche. «Die Kampagne lebt von der Beteiligung der einzelnen Standorte. Jede Drogerie kann Plakate aufhängen, Broschüren auflegen, den Kindermalwettbewerb aktiv bewerben und die eigenen digitalen Kanäle für die Kampagnenbotschaft nutzen», sagt Severus. Für spezifische Bedürfnisse – etwa individualisierte Vorlagen – können sich die Mitglieder direkt an den SDV wenden (info@drogistenverband.ch ). Der Verband unterstützt die Standorte bestmöglich bei der Umsetzung der Kampagne. Denn: «Entscheidend für den Erfolg ist, dass alle Mitglieder vorbehaltlos mitmachen. Nur wenn wir gemeinsam auftreten, entfaltet die Kampagne ihre volle Wirkung – für jeden einzelnen Standort und für die gesamte Branche.» 

Der SDV reorganisiert sich und erneuert die Grundbildung

An der ersten Branchenkonferenz des Jahres 2026 im Best Western Plus Hotel in Bern standen zwei richtungsweisende Themen im Zentrum.

Zum einen die Reorganisation des SDV, zum anderen die laufende

Totalrevision der Grundbildung Drogistin/Drogist EFZ.

Bekannte Gesichter, neue und vor allem schlankere Strukturen: Der SDV hat seine Geschäftsstelle grundlegend neu aufgestellt. Hintergrund ist die angespannte finanzielle Lage. «Es geht darum, neben dem laufenden Tagesgeschäft die weitblickende Handlungsfähigkeit nicht ausser Acht zu lassen. Es ist eine hohe Kunst, das alles unter einen Hut zu bringen», sagt Jürg Stahl, Präsident des Zentralvorstands. Darum habe man unter anderem beschlossen, die weggefallene Stelle von Sandra Wollschläger nicht neu zu besetzen und weitere Personalmassnahmen zu ergreifen. Beispielsweise gibt es seit dem ersten Februar anstelle der drei bisherigen nur noch zwei Kompetenzbereiche. Der Bereich «Wissen, Bildung und Entwicklung» wird von Anita Finger Weber geleitet, der Bereich «Politik, Branche und Kommunikation» von Geschäftsführer Andrea U llius. Tamara Gygax, Geschäftsführerin der vitagate ag, nimmt neu mit Stimmrecht Einsitz in der Geschäftsleitung des SDV und übernimmt die IT-Koordination. Einen ersten Erfolg kann der Verband bereits verzeichnen: Durch die Personalmassnahmen wird das Budget um rund 40 000 bis 45 000 Franken jährlich entlastet.

Koordinierte Massnahmen gegen die finanzielle Schieflage

Doch auch auf Ebene Zentralvorstand tut sich etwas. Um wieder auf Kurs zu kom-

men, wurden drei Arbeitsgruppen gebildet, bestehend aus zwei bis drei Mitgliedern des Zentralvorstands. «Wir haben die Strukturen bewusst schlank gehalten, schliessen aber nicht aus, punktuell auch Externe hinzuzuziehen», erläutert Stahl.

Auch bei der vitagate ag hat es Veränderungen gegeben. Céline Jenni, bislang Leiterin Fachmedien, ist neu in der Doppelfunktion als Leiterin Publizistik und Mitglied der Geschäftsleitung der vitagate ag sowie als Chefredaktorin des Fachmagazins Wirkstoff tätig. Sie folgt damit auf Heinrich Gasser. Weiter arbeitet die Redaktion im Sinne der Effizienzsteigerung neu themenund nicht mehr medienzentriert.

Totalrevision der Grundbildung nimmt Form an

Das inhaltlich weitreichendste Traktandum der Konferenz war die Totalrevision der Grundbildung Drogistin/Drogist EFZ. «Es wurde sehr viel daran gearbeitet. Im Rahmen der Arbeitsgruppe haben wir zudem versucht, die ganze Branche abzubilden», sagt Adrian Würgler, Mitglied des Zentralvorstands, Bereich Bildung. Er betont weiter, dass es sich um einen vorläufigen Stand handle. Relativ fix sei etwa das Qualifikationsprofil. «Die grösste Veränderung ist, dass wir uns neu nicht mehr an Bildungszielen, sondern an Handlungskompetenzen orientieren», ordnet er zu Beginn der Präsentation ein. So gebe es beispiels-

weise den Handlungskompetenzbereich a: «Beraten und Bedienen der Kundschaft». Innerhalb dieses Bereichs wiederum gebe es verschiedene Handlungskompetenzen.

Weniger Sprachlektionen, mehr Praxisbezug

Lernende, die eine Berufsmaturität (BM) machen möchten, werden vom Sprachunterricht dispensiert. Um die für die BM insgesamt nötigen 120 Lektionen Dispensation zu erreichen, wird aktuell ein BM-Konzept ausgearbeitet. Neu ist zudem, dass es voraussichtlich anstelle der 160 Sprachlektionen nur noch deren 80 geben wird. «Ob das Englisch ist oder eine der drei Landessprachen entscheidet die Berufsschule», sagt Würgler. Der Fokus liege darauf, die Sprache im Betrieb anwenden zu können. «Begrüssung und die Abfrage eines Kundenwunsches sollen möglich sein. Eine detaillierte Beratung hingegen nicht.»

Eine Änderung beim Qualifikationsverfahren wiederum ist der Verzicht auf die schriftliche Prüfung. Bei der mündlichen Prüfung soll es nicht mehr um ein reines Abfragen von Fachinhalten gehen, sondern um eine Gesprächssituation unter Fachpersonen in Fachsprache. Dipl. Drogistinnen und Drogisten HF, die bei der Erstellung der Umsetzungsdokumente mitarbeiten möchten, werden gebeten, auf Mireille Schmutz (m.schmutz@drogistenverband.ch ) zuzugehen. Weiter gibt es von Anfang Juni bis Anfang Juli 2026 eine Umfrage für die Mitglieder des SDV. In dieser können sie Rückmeldung zur Totalrevision geben. «Geplant ist der Start des ersten Ausbildungszyklus nach neuer Bildungsverordnung im August 2028», sagt Würgler.

Kampagne und Innovation als Impulsgeber

Neben den strukturellen und bildungspolitischen Themen wurden auch offensive Massnahmen vorgestellt. Die nationale Publikumskampagne «Selbstmedikation» erlebt vom 27. Juni bis 11. Juli 2026 ihren Höhepunkt: Mit 21,5 Millionen Ausstrahlungen

werden voraussichtlich über 43 Millionen Kontakte erzielt. Die Präsenz in öffentlichen Verkehrsmitteln, an Tankstellen und in Poststellen wurde gezielt auf das Einzugsgebiet der Mitglieder abgestimmt. Weitere Details zur Kampagne finden sich auf Seite 4. Parallel dazu hat der SDV die neue Innovationsförderung gestartet – ermöglicht durch die Schenkung der «Alfred und Annemarie Käser-Stiftung». Bis zum 31. Mai 2026 können Mitglieder Projekte einreichen. Für jene, die es verpasst haben: Wie es zur Schenkung gekommen ist und was es braucht, damit ein Projekt angenommen wird, steht im Wirkstoff 4/2026. «Zwei Projekte liegen bereits auf dem Tisch», verrät Ullius. Beim Austausch der Sektionen gegen Ende der Veranstaltung wurde deutlich, dass sie zum einen finanziell gut aufgestellt sind, ihnen aber derzeit die Themen Arbeitssicherheit und Kontrollen durch die Kantonsapothekerinnen und -apotheker zu schaffen machen. Eine Branchenlösung wurde vor einem Jahr bei einer Umfrage deutlich abgelehnt. Andrea Ullius bittet die Mitglieder jedoch darum, Vorkommnisse zu melden. «So können wir beispielsweise feststellen, ob Kontrollen unverhältnismässig sind und entsprechend aktiv werden.» Die nächste Branchenkonferenz findet am 25. September 2026 im La Couronne Hotel Restaurant in Solothurn statt. 

Die Ausgabe vom Wirkstoff 4/2026 mit der Information zur Innovationsförderung können Sie hier nachlesen:

Adrian Würgler, Mitglied des Zentralvorstands und zuständig für den Bereich Bildung, berichtet über den Fortschritt der Totalrevision.

Was tun, wenn es brennt?

Strom weg, Wasser im Keller, Kühlschrank ausgefallen:

Wie gut sind Betriebe auf solche Szenarien vorbereitet?

Denn wenn der Ernstfall eintritt, trifft er Drogerien und Apotheken oft unvorbereitet. Wirkstoff hat recherchiert, was es braucht, um für Krisenfälle gewappnet zu sein.

7 Désirée Klarer

Es ist Mai 2025, ein Abend in St. Gallen. Aus den Schachtdeckeln quillt braunes Wasser. Das Fassungsvermögen der Kanalisation stösst an seine Grenzen. Binnen Sekunden drückt das Wasser an jenem Tag von der Kanalisation über die Leitungen auch in die Lagerräumlichkeiten einer Drogerie. Keine Möglichkeit, das Wasser aufzuhalten, kein Warnsignal – das Wasser steigt einfach. «Wenn es wirklich läuft, dann läuft es. Da ist man chancenlos», sagt Roland Wagner, Inhaber der Alpstein Drogerie, die seit ihrer Gründung 1991 bereits mehrfach überschwemmt wurde. «Dann schaut man einfach zu», sagt er nüchtern.

Dass sich solche Szenarien wiederholen, ist zum Glück eher die Ausnahme. Unterschätzen sollte man die Gefahren trotzdem nicht. Sturzregen, Stromausfälle, Lieferengpässe, Cyberangriffe –die Risiken für Betriebe sind vielfältig. Es stellt sich die Frage, wie gut Drogerien und Apotheken darauf vorbereitet sind und was das mit dem Bevölkerungsschutz und unserem Gesundheitssystem zu tun hat. Doch der Reihe nach.

Mehrstufiges System für den Notfall

Zuständig für den Schutz der Bevölkerung im Ereignisfall ist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS). Das BABS koordiniert den nationalen Bevölkerungsschutz, entwickelt Strategien, unterstützt Kantone und sorgt für Warn-, Alarm- und Informationsinfrastruktur.1,2 Verfassungsrechtlich ist die Versorgung primär Aufgabe der Wirtschaft. Die Kantone tragen die Verantwortung für die Gesundheitsversorgung auf ihrem Gebiet. Der Bund wiederum greift subsidiär ein – etwa indem er bei einer schweren Mangellage Pflichtlager freigibt, Importe erleichtert oder bei Pandemien vorsorgliche Massnahmen ergreift. 3-7 Hier arbeitet der Bund zum Beispiel auch mit Swissmedic oder Galenica

(siehe Interview auf Seite 14) zusammen.8 Tritt der Notfall ein, kann die Schweiz unter anderem auf ihr mehrstufiges System zur Sicherstellung der Arzneimittelversorgung zählen. 3–8

Arzneimittelversorgung unter Druck

Die Lage bei der Arzneimittelversorgung ist angespannt. Zwar wurde die Mangellage bei Antibiotika und Impfstoffen im Februar 2026 aufgehoben9, doch Versorgungsengpässe bei Arzneimitteln nehmen weltweit zu.10–16 Die Ursachen liegen mehrheitlich in der globalisierten Produktion – zentralisierte Herstellung, fragile Lieferketten, mangelnde wirtschaftliche Anreize für Hersteller versorgungskritischer, aber unrentabler Medikamente.17,18 Betroffen sind vor allem Generika und günstige Medikamente mit abgelaufenem Patentschutz: Opioide, Antibiotika, Insuline.17,18 Der Bundesrat hat im August 2024 ein Massnahmenpaket beschlossen.19 Im Oktober 2024 wurde zudem die Volksinitiative «Ja zur medizinischen Versorgungssicherheit» eingereicht 20, die den Bund verpflichten will, aktiv Rahmenbedingungen gegen Engpässe bei lebensnotwendigen Heilmitteln zu schaffen. Im Herbst 2025 folgte schliesslich ein Expertenbericht mit konkreten Empfehlungen. 21

Knapp die Hälfte der Bevölkerung ist unvorbereitet

Empfehlungen hat der Bund auch, was etwa den Notvorrat im Privathaushalt anbelangt: Einen persönlichen Notvorrat für mindestens eine Woche – inklusive Nahrungsmittel, Wasser, Hygieneartikel und medizinische Güter. Zur Basisausstattung bei den medizinischen Gütern gehören Hygienemasken, Händedesinfektionsmittel, persönliche Medikamente, Schmerzmittel, Wunddesinfektionsmittel, Verbandsmaterial und Fieberthermometer. 22

Mit dem Link via QR-Code kann jede Person ihren persönlichen Notvorrat berechnen. Damit kann man abschätzen, ob man genug langhaltbare Lebensmittel wie Pasta, Öl, Konserven etc., Hygieneartikel und Arzneimittel zuhause hat.

In der Realität spiegelt sich diese Empfehlung nur begrenzt. Laut einer Studie von Agroscope (2021) verfügen 48 Prozent der Schweizer Bevölkerung nicht über den empfohlenen Notvorrat zu Hause. Jüngere, gut ausgebildete Menschen aus der Romandie sind besonders schlecht vorbereitet; ältere Menschen, die noch Kriegserfahrungen mitbringen, sind deutlich besser für den Ernstfall gewappnet. 23 Ladenlokale sind gesetzlich nicht dazu verpflichtet, beispielsweise einen Notvorrat für die Angestellten bereitzuhalten.

Auf betrieblicher Ebene:

Was das Gesetz vorschreibt

Hingegen tragen Geschäftsführerinnen und Ladeninhaber grundsätzlich die Verantwortung für die betriebliche Notfallorganisation und Evakuierung. Verbindliche Vorschriften auf Bundesebene resultieren aus dem Arbeitsgesetz (ArG) und der Verordnung über die Unfallverhütung (VUV), zudem gibt es kantonale Brandschutzregeln. 24–25 Für alle SUVA-versicherten Betriebe, einschliesslich Drogerien, gelten zudem die SUVA-Richtlinien, die unter anderem eine gut zugängliche Notfallapotheke mit Desinfektions-, Verbands- und Erste-Hilfe-Material vorsehen. 26 Auch beim Thema Brandschutz gibt es verbindliche Vorschriften. Dazu gehören unter anderem Löschgeräte in maximal 40 Meter Abstand, gut sichtbar und gewartet, sowie freie Fluchtwege. 26–28 Für Drogerien sind zudem auch die Vorschriften der Kantonsapotheker verbindlich. Etwa im Bereich der Temperaturvorgaben bei der Lagerung von Arzneimitteln. 29

Eigenverantwortung statt Verbandsweisung

Ob der vielen Regelwerke verwundert es nicht, dass Verbände ihren Mitgliedern punkto Vorbereitung für den Notfall keine klaren Vorgaben machen. Das gilt für Apotheken ebenso wie für Drogerien. «Typischerweise ist das in den QMS-Bestimmungen der jeweiligen Apotheke festgehalten und unterscheidet sich von Apotheke zu Apotheke», erklärt Gregory Nenniger, Mediensprecher des Schweizeri-

schen Apothekerverbands pharmaSuisse. Beispielsweise sei ein Hochwasserschutz nicht für jede Apotheke gleichermassen relevant. pharmaSuisse gibt seinen Mitgliedern entsprechend keine einheitliche Weisung zum Verhalten im Notfall.

Eine klare Linie hat pharmaSuisse hingegen dort, wo alle Apotheken betroffen sind: Der Verband fordert klare Bundeskompetenzen zur Marktüberwachung und Krisenintervention, modernisierte Pflichtlager sowie wirtschaftliche Anreize, damit Hersteller unrentable, aber medizinisch unverzichtbare Produkte weiterhin produzieren. «Die Versorgungssicherheit lässt sich nicht allein durch den Markt gewährleisten», betont Nenniger. Ohne strukturell stärkere staatliche Steuerung bleibe die Schweiz im Ernstfall verletzlich.

Drogistenverband: Sache des einzelnen Betriebs

Dass die Menschen von Ernstfällen trotz bester Absicht überrascht würden, habe man vor nicht allzu langer Zeit gesehen, sagt Andrea Ullius, Geschäftsführer des Schweizerischen Drogistenverbandes (SDV): «Alle Unternehmen sollten eine gewisse Menge an Masken vorrätig haben. Niemand hat das vor Covid-19 wirklich gemacht.»

Ob und wie gut Drogerien auf die nächste Pandemie oder andere unvorhersehbare Ereignisse vorbereitet sind, ist auch beim SDV den Mitgliedern überlassen. Ullius sagt: «Die entsprechenden Schutzmassnahmen zu treffen, ist Sache jedes einzelnen Betriebs.» Er nennt das Beispiel der Temperaturregelung. Dafür gebe es verschiedene Lösungen, wie etwa Notstromaggregate, Kühlschränke mit Batteriepufferung oder autarke Kompressor-Kühlboxen. «Doch jede Drogerie muss selber schauen, wie sie die Kühlung im Falle eines Ausfalls gewährleisten kann», so Ullius. Im Bereich der Datensicherung wiederum könne man immerhin mit wenig Effort schon vor Eintritt eines Notfalls etwas tun, sagt der Geschäftsführer. «Regelmässige Back-ups auf externen Datenträgern und an physisch getrennten Orten sind Pflicht.» Wer etwa nach einem Brand keine Unterlagen mehr habe für die Steuererklärung, habe zu wenig vorgesorgt, bringt es Ullius auf den Punkt.

Ruhig bleiben und einen kühlen Kopf bewahren

Gebrannt hat es bei Christian Meister, dipl. Drogist HF und Inhaber der «Meister am Sprengiplatz»-Drogerie zwar noch nie. Doch ansonsten hat er mit seinem Geschäft schon einiges erlebt: «Blitzeinschlag, Sturmschäden und einen Hackerangriff», zählt er auf. Auch Stromausfälle hatte er schon drei. «Diese haben allerdings alle unter einer Stunde gedauert», präzisiert er nüchtern. Einen Generator oder ein anderes Back-up für Stromausfälle hat er nicht. Das Wichtigste funktioniert bei ihm auch ohne Strom. «Zahlen können Kundinnen und Kunden bei Stromausfall bar. Falls jemand eine Quittung möchte, haben wir einen Quittungsblock bereit.» Es gibt auch Kartenlesegeräte mit Akku, mit denen man einige Stunden ohne Strom überbrücken kann. Wichtig sei aus seiner Sicht, in Ausnahmesituationen ruhig zu bleiben und einen kühlen Kopf zu bewahren. «Nur so kann man die notwendigen Schritte einleiten», sagt er. Alle Mitarbeitenden von Meister wissen zudem, wo die Feuerlöscher sind und wie man sie bedient. «Aber einen Evakuierungsplan haben wir zum Beispiel noch nicht», so Meister. Künftig möchte er das Thema Notfall stärker in den Fokus rücken.

Erste­Hilfe­Kurs bereits geplant

Auch die Drogerie Bremgarten möchte dem Thema mehr Beachtung schenken, wie Sina Wetzstein, dipl. Drogistin HF und Co-Geschäftsführerin, verrät. Einen Erste-Hilfe-Kurs haben sie bereits geplant, Verbandsmaterial ist vorhanden und die Datensicherung läuft automatisch, samt Back-up in der Nacht. «Zudem ist der Supporter von Propharma zum Glück immer erreichbar, auch über eine Notfallnummer», sagt sie. Die Daten sind also gesichert. Wie steht es um die Kühlung allfälliger Arzneimittel? Bei einem Stromausfall wäre der Kühlschrank kein grosses Problem, da sie keine gekühlten Arzneimittel hätten, winkt sie ab. «Wir haben darin nur persönliche Sachen.» Fällt die Kasse aus, sollen die Kundinnen und Kunden möglichst bar bezahlen. «Wir schreiben auf, was verkauft wurde, und tippen es nachträglich. Eine Schliessung kommt deswegen sicher nicht in Frage», betont sie.

«Man lernt immer aus dem Seich»

Auch Roland Wagner denkt nicht daran, seinen Laden jemals wegen eines Notfalls zu schliessen. Mehrfach von Überschwemmungen heimgesucht, weiss er mittlerweile, was im Ernstfall nützt: «Barrieren setzen und dafür sorgen, dass das Wasser nicht in höhere Bereiche fliesst, ist das Einzige, was dann noch geht», sagt er. Mit der Erfahrung von mehreren Überschwemmungen hat der Drogist zudem klare Konsequenzen gezogen: keine Ware mehr in den untersten 25 bis 30 Zentimetern, kein Karton und keine Paletten auf dem Boden – alles wird sofort in der Höhe gelagert oder auf Wagen gestellt. «So kann man die Sachen im Ernstfall rasch verschieben.» Kassensysteme und Elektronik befinden sich ebenfalls mindestens 30 Zentimeter über dem Boden. «Beim ersten Mal musste ich das Speichermodem ersetzen lassen», begründet er. Im Lager verwendet er zudem ausschliesslich robuste Metallgestelle. Das Regenwasser vom Hausdach leitet er inzwischen direkt in die Kanalisation ab und nicht mehr übers Haus. «Man lernt immer aus dem Seich», sagt Wagner. Und meint trocken: «Die Versicherung sagt irgendwann, man sei quasi selbst schuld.»

Schliessen musste er nach keiner der Überschwemmungen. Das Wasser komme meist abends, am nächsten Morgen kämen Feuerwehr und Putzinstitut. «Wir haben immer offen.» Trotz der Erlebnisse: «Einen eigentlichen Notfallplan haben wir nicht», gibt er offen zu. Was er statt eines entsprechenden Dokuments hat: Alle wichtigen Nummern parat und Mitarbeitende, die wissen, wo der Feuerlöscher ist und was im Ernstfall zu tun ist. «Wir hatten immerhin genug Gelegenheit, das zu üben.» 

Das vollständige Literaturverzeichnis finden Sie hier:

«Wir können auf bevorzugte Unterstützung des Bundes zählen»

Andreas Koch ist Leiter Wholesale & Logistik beim Gesundheitsnetzwerk Galenica, das bei der Grundversorgung in der Schweiz eine grosse Rolle spielt. Ein Gespräch über Notfallkonzepte, Stromausfälle und die Frage, was jede und jeder zuhause haben sollte.

7 Désirée Klarer

Andreas Koch, Galenica betreibt Hunderte von Apotheken schweizweit. Was passiert, wenn eine davon wegen einer Krise schliessen muss?

Andreas Koch: Unsere Apotheken verfügen über umfassende Notfallkonzepte. Darin ist vorgesehen, dass andere Standorte unseres dichten Netzwerks einspringen, wenn ein Betrieb aufgrund einer Notlage schliessen muss. Zusätzlich sehen die Notfallkonzepte die Möglichkeit von Notfallschaltern vor. Wer zudem unseren digitalen Rezepte-Manager nutzt, kann Medikamente auch online bestellen und nach Hause liefern lassen.

Und wenn ein Medikament komplett fehlt – nicht nur an einem Standort, sondern generell?

Dann suchen die Apothekerinnen und Apotheker nach geeigneten Alternativen und stimmen sich bei Bedarf mit der verschreibenden Ärztin oder dem verschreibenden Arzt ab.

Kommen wir zu Wholesale und Logistik. Galexis, Alloga – wie krisenfest sind die Lager? Auch hier bestehen umfassende Notfallkonzepte. So können wir auch in einer Krise die Versorgung mit kritischen Medikamenten möglichst sicherstellen. Für den Katastrophenfall können wir aufgrund der Wichtigkeit unserer Infrastruktur zudem auf bevorzugte Unterstützung durch den Bund zählen.

Ich nehme an, dazu gehört auch das Szenario Stromausfall. Wie sind Ihre Lager diesbezüglich abgesichert?

Für sämtliche Standorte stehen Notstromaggregate zur Verfügung, die grundsätzlich auch längere Unterbrüche überbrücken können. In den

Apotheken selbst unterscheiden sich die Konzepte je nach Standort – aber da vor Ort meist kleinere Mengen gelagert werden, können Produkte mit speziellen Kühlanforderungen auch schneller umgelagert werden.

Das klingt gut. Doch was ist, wenn zusätzlich das Internet ausfällt?

Das wäre tatsächlich eine Herausforderung. Der Grossteil der Bestellprozesse ist heute digitalisiert – ohne Internet liesse sich nur noch ein kleiner Teil manuell abbilden. Dann greifen Notfallkonzepte, um die Logistik kritischer Medikamente zu sichern. Immerhin ist der Apothekenbetrieb vor Ort im Notfall und als kurzfristige Lösung selbst ohne Internetzugang möglich, wenn auch mit gewissen Einschränkungen.

Am besten ist es, wenn man im Notfall gar nicht erst nach draussen gehen muss. Welche rezeptfreien Medikamente und Materialien sollten Privatpersonen in ihrer Notfallapotheke haben?

Wir empfehlen eine gut ausgerüstete Hausapotheke für rund zehn Tage. Neben persönlichen Medikamenten braucht es einen Grundstock an Schmerzmitteln, fiebersenkenden Mitteln, Magen-Darm-Präparaten und Antiallergika – dazu Verbandsmaterial wie Pflaster, sterile Kompressen und Desinfektionsmittel. Hilfreich sind ausserdem Schere, Pinzette, Einweghandschuhe und Hygienemasken.

Was gilt es dabei zu beachten?

Es gilt, die Medikamente regelmässig auf ihre Haltbarkeit zu prüfen. Das klingt banal – ist aber entscheidend und wird gerne vergessen. 

Andreas Koch ist seit 2020 als Leiter Wholesale & Logistik für die Galenica tätig. zVg

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Einladung zur 87. Mitgliederversammlung vom 27. Mai 2026

Der

Vorstand von Angestellte

Drogisten Suisse lädt alle Verbandsmitglieder herzlich zur 87. Mitgliederversammlung ein.

Ort

Hotel Taverne zum Kreuz, Hauptgasse 18, 4600 Olten

Datum

Mittwoch, 27. Mai 2026

Programm 16.15 Uhr Begrüssung, Mitgliederversammlung ca. 17.30 Uhr Gemeinsames Abendessen spätestens 21.00 Uhr Ende der Veranstaltung

Anmeldungen

Bitte melden Sie sich bis am 18. Mai 2026 per E-Mail an: sekretariat@drogisten.org

Regula Steinemann, Rechtsanwältin und Geschäftsführerin Angestellte Drogisten Suisse. Dies ist eine Seite von Angestellte Drogisten Suisse. Die Meinung der Autorin muss sich nicht mit jener der Redaktion und/oder des Schweizerischen Drogistenverbandes decken.

www.drogisten.org

Traktanden der 87. Mitgliederversammlung

1. Begrüssung

2. Wahl der Stimmenzählerinnen und Stimmenzähler

3. Genehmigung des Protokolls der 86. Generalversammlung vom Donnerstag, 19. Juni 2025

4. Genehmigung des Jahresberichts 2025

5. Genehmigung der Jahresrechnung 2025 und Kenntnisnahme des Revisorenberichts

6. Entlastung der Mitglieder des Vorstands für das Geschäftsjahr 2025

7. Genehmigung des Budgets 2026

8. Festlegung des Jahresbeitrags 2026

9. Wahlen

a. Vorstand

b. Externe Revisorin: Alexandra Krucker-Bögli

c. Bestätigung der externen Geschäftsstelle und Wahl des Geschäftsführers (neu Christoph Balmer)

10. Eingegangene Anträge 11. Varia

Folgende Unterlagen werden rechtzeitig vor der Mitgliederversammlung auf unserer Homepage zum Download zur Verfügung stehen: Protokoll der GV 2025 und Jahresbericht 2025.

Die Jahresrechnung 2025 und das Budget 2026 können auch vorgängig per E-Mail oder telefonisch bei der Geschäftsstelle angefordert werden.

«Wir

informieren, geben Orientierung und stärken die Selbstkompetenz»

Brennende Augen, eine tropfende Nase: Viele Menschen leiden unter allergischen Reaktionen. Das aha! Allergiezentrum Schweiz unterstützt seit 25 Jahren Betroffene und Fachpersonen. Geschäftsleiterin Fabienne Hebeisen-Dumas erzählt, was sich in den letzten beiden Jahrzehnten verändert hat – und welche neuen Herausforderungen zu meistern sind.

7 Astrid Tomczak | Miriam Kolmann

Fabienne Hebeisen-Dumas, 25 Jahre aha!

Allergiezentrum Schweiz: Welches Geschenk haben Sie sich selbst gemacht?

Fabienne Hebeisen­Dumas: Wir haben unser Jubiläum genutzt, um gemeinsam mit unseren Partnern zurückzublicken. Viele begleiten uns seit Jahren – Mitglieder des Stiftungsrats, der wissenschaftliche Beirat, Fachpersonen aus unterschiedlichen Bereichen, Gesundheitsorganisationen und Sponsoren. Im Alltag sind wir stark mit der Aktualität beschäftigt. Der Anlass hat uns bewusst gemacht, was in diesen 25 Jahren alles entstanden ist. Das war für uns ein schönes Geschenk.

Gab es einen Moment, der Sie besonders berührt hat?

Ja. Ein ehemaliger Stiftungsrat hat spontan ein Gedicht für aha! geschrieben und vorgetragen. Das war ungeplant und sehr bewegend. In solchen Momenten spürt man, warum man sich für diese Stiftung engagiert.

Welche Meilensteine waren prägend?

Ein zentraler Meilenstein war die Lancierung des Allergie-Gütesiegels im Jahr 2005. Die Idee entstand aus einem konkreten Bedürfnis: Betroffene brauchen im Alltag Orientierung und Sicherheit, etwa beim Einkaufen. Das Gütesiegel hilft, geeignete Produkte rasch zu erkennen. Dieses Projekt steht exemplarisch für unsere Arbeitsweise – wir entwickeln Angebote aus den Bedürfnissen der Betroffenen heraus.

Und weitere Meilensteine?

Ein weiterer wichtiger Schritt war der Ausbau unseres Schulungs- und Beratungsangebots. Wir unterstützen Menschen mit Allergien, Asthma oder Hauterkrankungen dabei, mit ihrer chronischen Erkrankung im Alltag umzugehen. Diagnose und Therapie liegen beim ärztlichen Fachpersonal. Doch im Alltag tauchen viele praktische Fragen auf. Hier setzen wir an: Wir informieren, geben Orientierung und stärken die Selbstkompetenz. Ein Meilenstein war auch die App «Pollen-News», die wir seit

Fabienne Hebeisen­Dumas hat an den Universitäten Freiburg und Montreal Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert. Danach war sie im Gesundheitswesen u. a. in den Bereichen Gesundheitsförderung, Prävention, Jugendförderung, NPO-Management und Organisationsentwicklung tätig. Seit 2023 ist sie Geschäftsführerin der Stiftung aha! Allergiezentrum Schweiz. An ihrer Arbeit mag sie «den Blick fürs Ganze zu behalten und gemeinsam mit meinem Team Strategien zu entwickeln, die langfristig funktionieren. Ich schätze es, gemeinsam mit meinem Team etwas zu bewirken und Entscheidungen zu treffen, die wirklich einen Unterschied machen – für die Stiftung und für die Betroffenen.» Die 47-Jährige ist vierfache Mutter und wohnt im Kanton Freiburg. Den Ausgleich zum Arbeitsalltag sucht sie in der Bewegung und in der Natur.

Der schnelle

Weg zu fundierter Beratung

Ob Allergien, Atemwegsbeschwerden, Hautthemen oder Intoleranzen: Das aha! Allergiezentrum Schweiz ist eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene und Fachpersonen. Die Stiftung vermittelt verständliche, wissenschaftlich fundierte Informationen, bietet persönliche Beratung und unterstützt Menschen dabei, ihre Erkrankung im Alltag besser zu bewältigen. Die Beratung unter aha.ch/ infoline ist kostenlos.

Damit ergänzt die Stiftung aha! Allergiezentrum Schweiz die medizinische Versorgung.

2011 betreiben. Ende 2025 zählte sie rund 105 000 aktive Nutzerinnen und Nutzer. Mit Pollendaten in Echtzeit bietet sie Betroffenen einen konkreten Mehrwert im Alltag.

Wie haben sich die Anfragen in den letzten 20 Jahren verändert?

Unsere drei Hauptthemen sind konstant geblieben: Atemwegsallergien, Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen sowie Hauterkrankungen wie Neurodermitis. Was deutlich präsenter geworden ist, sind Fragen rund um Intoleranzen.

Auch die Art, wie Menschen Unterstützung suchen, hat sich verändert. Sie erwarten viele niederschwellige, flexible Zugänge zu verlässlichen Informationen. Dazu passt auch unser heutiges Beratungsangebot: Neben der telefonischen Beratung ohne Termin bieten wir eine Beratung mit Termin – telefonisch oder online via Teams – sowie eine E-Mail-Beratung an. Die Beratung mit Termin wird sehr gut genutzt. Sie ermöglicht vertiefte Gespräche in einem geschützten Rahmen.

Wer wendet sich an Sie – eher Betroffene oder Fachpersonen?

Der überwiegende Teil unserer Angebote richtet sich an Betroffene. Gleichzeitig bieten wir Weiterbildungen für Fachpersonen an – etwa für Apotheken- oder Drogerieteams, medizinische Praxisassistentinnen, Ernährungsberatende oder Lehrpersonen. Für uns sind aber beide Bereiche wichtig. Wir haben den Anspruch, sowohl niederschwellige Anlaufstelle für Betroffene als auch Kompetenzzentrum für Fachpersonen, Medien, Schulen und die Politik zu sein. Wir stellen keine Diagnosen. Wenn unklar ist, ob eine Erkrankung vorliegt, verweisen wir konsequent an Ärztinnen und Ärzte. Unsere Aufgabe ist es, vor und nach der Diagnose Orientierung zu bieten und Informationslücken zu schliessen.

Welche Rolle können dabei Drogerien spielen?

Drogerien sind für viele Menschen eine erste Anlaufstelle bei allergischen Beschwerden. Sie beraten niederschwellig. Wichtig ist eine klare Rollenteilung: Erstberatung leisten und bei Bedarf weiterver-

weisen. Uns ist wichtig, dass Drogistinnen und Drogisten wissen, dass sie sich bei fachlichen Fragen an uns wenden können. Ebenso können sie Kundinnen und Kunden an uns verweisen, wenn vertiefte Informationen nötig sind. Diese Zusammenarbeit erhöht die Qualität der Versorgung.

Täuscht eigentlich der Eindruck oder beginnt die Pollensaison tatsächlich früher?

Der Eindruck täuscht nicht. Eine aktuelle Factsheet-Publikation der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz hält fest, dass die Pollensaison insgesamt früher beginnt, später aufhört und intensiver wird. Von Jahr zu Jahr gibt es Schwankungen, aber über mehrere Jahrzehnte betrachtet ist dieser Trend erkennbar.

Welche Rolle spielt der Klimawandel?

Er verändert die Bedingungen für Pflanzen. Dadurch können sich Arten etablieren, die früher weniger verbreitet waren, etwa Ambrosia. Auch die kombinierte Belastung durch Luftschadstoffe und Pollen kann allergische Reaktionen verstärken.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Spontan fallen mir Olivenbäume ein. Sie werden heute auch in Regionen gepflanzt, in denen sie früher kaum vorkamen. Solche Entwicklungen beobachten wir genau, weil die Pollen der Olivenbäume Allergien auslösen könnten – mit konkreten Folgen für Betroffene.

Nehmen Allergien denn insgesamt zu?

Oft ist von rund 20 Prozent Betroffenen in der Bevölkerung die Rede. Diese Zahl basiert jedoch auf älteren Erhebungen. Aktuelle epidemiologische Daten wären sehr wünschenswert. Ob die Prävalenz tatsächlich gestiegen ist, lässt sich derzeit nicht eindeutig beantworten. Durch die verlängerte Pollensaison ist jedoch der Leidensdruck bei vielen Allergikerinnen und Allergikern gestiegen.

Wo begegnen Ihnen die grössten Missverständnisse?

Vor allem bei der Unterscheidung zwischen Allergie und Intoleranz. Eine Nahrungsmittelallergie ist immunologisch bedingt und

kann schwere Reaktionen auslösen. Eine Intoleranz beruht auf anderen Mechanismen. Diese Differenzierung ist vielen nicht klar. Auch bei Themen wie Laktose oder Gluten beobachten wir eine starke öffentliche Präsenz. Manche Menschen verzichten vorsorglich, ohne gesicherte Diagnose. Unser Ziel ist es, sachlich zu informieren und Klarheit zu schaffen.

Wo sehen Sie das Allergiezentrum in zehn Jahren?

Weiterhin als Kompetenzzentrum für Allergien, Asthma, Intoleranzen und Hauterkrankungen– als verlässlicher Partner innerhalb der Versorgungskette, der relevantes, aktuelles und gesichertes Wissen vermittelt.

Was bereitet Ihnen Sorgen?

Die Informationslandschaft verändert sich stark. Viele Menschen erhalten Antworten

über Suchmaschinen oder KI-Systeme. Dabei besteht die Gefahr, dass Inhalte verkürzt oder vermischt werden. Unsere Herausforderung ist es, als verlässliche Quelle sichtbar zu bleiben. Optimistisch stimmt mich, dass die persönliche Beratung und die Schulungen weiterhin stark nachgefragt werden. Der direkte Austausch schafft Vertrauen.

Zum Schluss ganz praktisch: Was raten Sie Menschen mit akuten Pollenbeschwerden?

Ein Blick in die aktuelle Pollenprognose, entweder auf pollenundallergie.ch oder in der App «Pollen-News», hilft, den Tag zu planen. Bei hoher Belastung sollten Symptome frühzeitig behandelt werden. Antiallergische Medikamente können unterstützen. Zudem helfen einfache Massnahmen wie abendliches Duschen, um Pollen aus den Haaren zu entfernen. 

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In der JuniAusgabe von Wirkstoff erwartet Sie an dieser Stelle ein Gespräch mit Regula Steinemann, ehemalige Geschäftsführerin Angestellte Drogisten Suisse.

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Verdauung in der Schwangerschaft

Übelkeit, Verstopfung und Sodbrennen gehören für viele Schwangere zum

Alltag. Die Beschwerden sind meist eine natürliche Folge von hormonellen und körperlichen Veränderungen. Eine Hebamme und eine Drogistin erklären, was helfen kann.

Während der Schwangerschaft leidet nahezu jede Frau an Übelkeit, Verstopfung oder Sodbrennen. Die Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Je nach Schwangerschaftswoche verschwinden sie wieder oder treten möglicherweise gar nicht auf. Denn jede Schwangerschaft verläuft anders.

Glatte Muskelzellen entspannen sich

Während der Schwangerschaft dominiert das Hormon Progesteron. Es schützt das ungeborene Kind vor Abstossreaktionen oder einer zu frühen Geburt, indem es entspannend auf die glatten Muskelzellen wirkt. Das ist entscheidend, da auch die Gebärmutter aus solchen Zellen besteht.

«Aus physiologischer Sicht ist es nicht überraschend, dass sich die Verdauung während der Schwangerschaft verändert», sagt Nora Spiri. Sie ist Hebamme und arbeitet bei der Familienberatung der Stadt Zürich. Spiri stellt fest, dass vielen Frauen in der Schweiz nicht bewusst ist, dass sie sich bereits während der Schwangerschaft von einer Hebamme beraten lassen können. «Die meisten suchen ausschliesslich eine Gynäkologin oder einen Gynäkologen auf. Deren Zeit ist jedoch oft begrenzt. Für längere Gespräche – etwa über Verdauungsbeschwerden – bleibt daher häufig wenig Raum.» Als Hebamme kann sie individueller auf die Bedürfnisse der Frauen eingehen und Probleme ganzheitlicher betrachten.

7 Barbara Halter

Gleichzeitig beeinflusst Progesteron den Verdauungstrakt, da Magen und Darm ebenfalls viele glatte Muskelzellen aufweisen. Unter seinem Einfluss werden sie träger. Die Peristaltik, also die Bewegung, die die Nahrung durch Magen und Darm transportiert, funktioniert in der Schwangerschaft verlangsamt. Während der Schwangerschaft verdoppelt oder verdreifacht sich die Zeit, in der die Nahrung im Verdauungstrakt bleibt. Dadurch wird ihr vermehrt Wasser entzogen und der Stuhl wird fester. Es kommt zu Obstipation, Verstopfung.

Ein interessantes Detail zu Durchfall in der Schwangerschaft: Tritt er gegen Ende der neun Monate auf, ist dies ein positives Zeichen. «Es zeigt, dass die Gebärmutter aktiv wird», erklärt Spiri. Gegen Ende der Schwangerschaft kommt es zu einem funktionellen Progesteronentzug. Dadurch kommt es zu Kontraktionen der Gebärmutter und der Darm kommt in Bewegung, was zu Durchfall führen kann. Zudem werden vor der Geburt vermehrt Prostaglandine gebildet, diese regen ebenfalls die Peristaltik an.

Beim Menstruationszyklus ist es übrigens ähnlich: Kommt es zu keiner Schwangerschaft, wird die aufgebaute Gebärmutterschleimhaut nicht benötigt. Da der Progesteronspiegel dann abfällt, fördern die Kontraktionen der Gebärmutter das Abstossen der Schleimhaut. Viele Frauen haben deshalb Durchfall zu Beginn der Menstruation.

Wenn Übelkeit ein gutes Zeichen ist

Zurück zum Progesteron während der Schwangerschaft: Es wirkt auch auf den Ösophagussphinkter, den Schliessmuskel zwischen Magen und Speiseröhre. Dadurch steigt vermehrt Magensäure auf, was zu Sodbrennen führt. Dies tritt meist gegen Ende der Schwangerschaft auf, da das grösser werdende Kind zusätzlich auf den Magen der Mutter drückt.

«Unter Sodbrennen litten schwangere Frauen schon immer, das lässt sich in früherer Literatur nachlesen», sagt Nora Spiri. Andere Aspekte der Verdauung hätten sich

jedoch in der heutigen Zeit verstärkt. «Wir bewegen uns weniger, haben jederzeit genug Nahrungsmittel und essen tendenziell grössere Portionen.»

Ein Klassiker unter den Schwangerschaftsbeschwerden ist Übelkeit und Erbrechen. Verursacht wird es meist durch das Hormon Beta-HCG, das ebenfalls zum Erhalt der Schwangerschaft beiträgt. «Zu Beginn ist der hohe Beta-HCG-Spiegel, der zu Übelkeit führt, ein gutes Zeichen dafür, dass sich der Körper auf die Schwangerschaft einstellt und die Frucht behalten will», sagt Spiri. In den meisten Fällen lässt die Übelkeit im Verlauf der Monate nach. Hält sie jedoch bis ins zweite Trimester an oder bleibt stark ausgeprägt, kann sie kräftezehrend sein. Wenn die Übelkeit so stark wird, dass Frauen ständig erbrechen, spricht man von Hyperemesis gravidarum. Dann ist eine ärztliche Behandlung erforderlich.

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Wirkstoffe bei Verdauungsbeschwerden in der Schwangerschaft

Jede Indikation muss während der Schwangerschaft kritisch hinterfragt werden. Folgende Tabelle bietet einen kurzen Überblick, welcher Wirkstoff bei Verstopfung, Erbrechen/Übelkeit oder Sodbrennen möglicherweise geeignet sein könnte. Grundsätzlich muss bei jeder Beratung für den Einsatz von Arzneistoffen hinterfragt werden, ob eine Therapie zwingend notwendig ist oder ob es auch nicht medikamentöse Massnahmen gibt. Dabei soll die geringstmögliche Dosis und kürzestmögliche Behandlungsdauer gewählt werden.1

Auf www.embryotox.de gibt es zudem weitere hilfreiche Informationen, ob ein Wirkstoff für eine schwangere Kundin empfohlen werden kann. Denn gemäss einer Studie aus Frankreich nehmen 90 Prozent der Frauen während der Schwangerschaft Arzneimittel ein.1

Wirkstoff Geeignet während der SS? Hinweis

Erbrechen, Übelkeit

Fenchel (fruct.), Kamille (flos.), Melisse (fol.)

Geeignet

Ingwer (rad.) Geeignet

Pfefferminze (fol.) Vermutlich geeignet

Mittel der 1. Wahl; Fenchel nur als Tee (nicht als ätherisches Öl) und nicht in zu grossen Mengen

Nicht länger als 6 Tage anwenden aufgrund von unerwünschten Arzneimittelwirkungen, kontraindiziert bei Reflux

Meclozin Geeignet Mittel der 1. Wahl, Einzeldosis 20–25 mg, maximale Tagesdosis 50–100 mg

Pyridoxin (Vitamin B6)

Sodbrennen

Calcium-/ Magnesiumcarbonat

Geeignet Maximale Tagesdosis 150 mg

Geeignet Mittel der 1. Wahl

Natriumalginat Geeignet Mittel der 1. Wahl

Omeprazol Geeignet Mittel der 1. Wahl

Pantoprazol Vermutlich geeignet

Anis (fruct.) Vermutlich geeignet

Als Tee oder Gewürz kurzfristig anwendbar

Eibisch (fol./rad.) Geeignet Nicht gleichzeitig mit Eisenpräparaten einnehmen, Resorption von anderen Medikamenten kann beeinträchtigt werden; Kaltwasserauszug herstellen (statt Heisswasser)

Fenchel (fruct.), Kamille (flos.)

Wirkstoff Geeignet während der SS? Hinweis

Verstopfung

Füll- und Quellstoffe (Floh-/Leinsamen, Kleie etc.)

Lactulose, Lactitol, Macrogol, Mannit, Sorbit

Biscodyl, Natriumpicosulfat

Geeignet Mittel der 1. Wahl, Trinkmenge mindestens 2 Liter pro Tag

Geeignet 2. Wahl nach Quellstoffen

Vermutlich geeignet

Mittel der 3. Wahl zur kurzfristigen Anwendung. Wird kontrovers diskutiert. Kann wehenauslösend wirken (aufgrund evozierter starker Darmtätigkeit)

Glauber-/Bittersalz Ausnahmefälle Kann wehenauslösend wirken (aufgrund evozierter starker Darmtätigkeit); kontraindiziert bei Herz-Kreislauf- und/oder Nierenerkrankungen

Anthrachinonderivate (Aloe, Rhabarber, Senna, Condurango, Cascara)

Kontraindiziert

Anthrachinone sind toxikologisch unzureichend untersucht

Rizinusöl Nicht empfohlen Kann wehenauslösend wirken, ist nach Herba pro matre kontraindiziert in der ganzen Schwangerschaft

Glycerinsuppositorien Geeignet

Organische Magnesium-Verbindungen

Organische NatriumVerbindungen

Geeignet Maximale Tagesdosis 15 mmol/Tag

Geeignet Kurzfristig

Geeignet Fenchel nur als Tee (nicht als ätherisches Öl) und nicht in zu grossen Mengen

Geeignet = Humandaten vorhanden, kein relevantes Risiko ersichtlich, geeigneter Wirkstoff Vermutlich geeignet = keine ausreichenden Humandaten, vermutlich geeignet (keine teratogenen Hinweise aus Tierversuchen) Ausnahmefälle = nicht geeignet als OTC-Empfehlung; Abgabe nur unter ärztlicher Kontrolle und/oder nur in Ausnahmefällen Nicht empfohlen = keine ausreichenden Humandaten, Anwendung nicht empfohlen (auffällige Hinweise für mögliche Teratogenität beim Tier) Kontraindiziert = kontraindiziert (Hinweise auf embryonale/fetale Beeinträchtigung bzw. Beeinträchtigung des Säuglings)

Tabelle und Informationen gemäss: 1 Geisser R. OTC-Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit – Update. Im@il Off. 2023; (Ausgabe 13 & 14).

Individuelle Lösungen finden

Als Hebamme ist es Nora Spiri ein Anliegen, dass Frauen verstehen, was während der Schwangerschaft in ihrem Körper passiert. Dieses Wissen wirke sich auch positiv auf die Geburt und das Wochenbett aus. «Das Verständnis hilft, mit den Beschwerden umzugehen und sie nicht als etwas Falsches zu empfinden. Aber natürlich müssen Frauen Blähungen oder Verstopfung nicht einfach hinnehmen», sagt sie. Doch was hilft konkret? Nadine John kennt sich damit bestens aus. Sie führt in Luzern die Wäsmeli Drogerie und ist zweifache Mutter. Ihre ältere Tochter ist drei Jahre alt, die jüngere feiert nächstens ihren ersten Geburtstag. «Meine beiden Schwangerschaften verliefen ganz unterschiedlich, auch was die Beschwerden betrifft», sagt sie. Aus eigener Erfahrung weiss sie, dass Pauschalisierungen schwierig sind. Jede Frau müsse individuell herausfinden, welche Tipps ihr helfen – oder eben nicht. «Bei der Verdauung spielt zum Beispiel oft die Lage des Kindes eine Rolle –und darauf hat man keinen Einfluss.»

Grundsätzlich empfiehlt sie, auf die Ernährung zu achten: Hülsenfrüchte, Kohlgemüse und fettige Speisen meiden, stilles Wasser statt kohlensäurehaltiger Getränke wählen und insbesondere den Zuckerkonsum reduzieren, um Blähungen vorzubeugen. Förderlich für die Verdauung sind bitterstoffreiche Lebensmittel wie Radicchio, Rucola, Chicorée, Grapefruit, Artischocken oder Salbei. Empfehlenswert ist ausserdem, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen. «Das hilft auch bei Übelkeit. Gerade morgens kann ein Cracker noch vor dem Aufstehen guttun, damit der Magen nicht völlig leer ist», sagt John. Hebamme Nora Spiri rät zudem, eine Thermosflasche mit warmem Wasser neben dem Bett bereitzuhalten. «Es aktiviert den MagenDarm-Trakt. Zusätzlich kann etwas Ingwer im Wasser gegen Morgenübelkeit helfen.»

Was bei Verstopfung hilft

Bewegung wie Spaziergänge oder sanfte Yogaübungen sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr unterstützen die Verdauung.

Um den Stuhl weicher zu machen, helfen Flohsamenschalen. Sie binden viel Wasser, werden jedoch nicht verdaut. «Morgens nimmt man einen Teelöffel Flohsamenschalen zusammen mit einem grossen Glas Wasser ein», sagt Nadine John. Von abführenden Heilmitteln rät sie ab, da diese manchmal Wehen auslösen können. Wenn die Beschwerden jedoch mit viel Trinken, Bewegung, Quellstoffen oder osmotischen Mitteln wie beispielsweise Lactulose nicht besser werden, kann nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt ein Präparat mit dem Wirk stoff Bisacodyl eingenommen werden. Dies ist aber nicht zur regelmässigen oder langfristigen Anwendung gedacht (siehe Zusatztext «Wi rkstoffe bei Verdauungsbeschwerden in der Schwangerschaft» auf Seite 22).

Viele Frauen erhalten Magnesium gegen Verstopfung verschrieben. «Es macht den Stuhlgang weicher, wie Laktose übrigens auch», sagt Spiri. «Das lässt sich auch bei Babys beobachten. Da ihre Verdauung noch nicht vollständig funktioniert, sind sie auf einen sehr weichen Stuhl angewiesen. Eine milchbasierte Ernährung ergibt daher Sinn.» Sie hat noch einen praktischen Ratschlag: Beim Toilettengang die Füsse auf einen Hocker stellen. Dadurch verändert sich der Winkel im Beckenbereich, die Darmentleerung wird leichter und der Druck auf den Schliessmuskel verringert sich. Denn je stärker gepresst wird, desto mehr leiden die Gefässe, was wiederum die Bildung von Hämorrhoiden begünstigt.

Vertrauen, statt sich stressen

Wenn Sodbrennen auftritt, empfiehlt Nadine John basisch wirkende Mittel wie Heilerde oder gängige Produkte aus dem Handel. «Mir persönlich haben am besten Spaziergänge an der frischen Luft mit meinem Hund geholfen», sagt sie, und spricht damit eine weitere Ebene an: die psychische Komponente. Eine Schwangerschaft kann bei vielen Frauen Ängste und Unsicherheiten auslösen. «Ich plädiere dafür, der Natur zu vertrauen und dem Wissen, dass man in guten medizinischen Händen ist, statt sich durch zu viele Sorgen stressen zu lassen», sagt John. Oder anders ausgedrückt: auf das eigene Bauchgefühl hören. 

Hautkrebsprävention: Der Schutz vor der Sonne bleibt lückenhaft

In der Schweiz gehört Hautkrebs zu den häufigsten Krebserkrankungen.

Laut dem Lausanner Professor und Dermatologen Olivier Gaide ist besonders das Basalzellkarzinom weit verbreitet. Es trifft vorwiegend ältere Menschen und lässt sich in den meisten Fällen gut behandeln.

Dafür braucht es aber Sensibilisierung.

Wenn sich das Leben so richtig gut anfühlt, fühlen wir uns wohl in unserer Haut. Dann gibt es wiederum Situationen, die zum Ausder-Haut-Fahren sind. Ob Glücksgefühle oder Genervtheit – die Haut gilt als Spiegelbild der Seele. Auf Emotionen reagiert sie ohne unser Zutun – und manchmal sichtbar für alle Umstehenden. Wer kennt nicht das unangenehme Gefühl, aus Verlegenheit zu erröten?

Die Haut ist das grösste und schwerste Organ des Menschen. Ungefähr zwei Quadratmeter umhüllen und schützen den Körper vor Kälte, Hitze, aber auch Krankheitserregern. Sie reguliert die Körpertemperatur und erfüllt

7 Barbara Halter

ihre Aufgabe als Sinnesorgan. Die Haut besteht aus drei Schichten: der Oberhaut, der Lederhaut und der Unterhaut.

Zusammenspiel zwischen Haut und Psyche

Für das, was die Haut für den Menschen bedeutet, bekommt sie meist wenig Beachtung. Erst wenn es juckt und kratzt – oder im schlimmsten Fall nach einem Unfall mit schweren Verbrennungen – versteht man, wie wertvoll, fragil und überlebenswichtig dieses Organ ist. «Wir können nicht ohne

unsere Haut leben. Unser Körperbild ist eng mit ihr verbunden. Kommt es zu Beschwerden, sind diese meist sichtbar. Meine Patientinnen und Patienten betreffen Veränderungen der Haut nicht nur körperlich, sondern oft auch psychisch», sagt Olivier Gaide. Er ist Professor und Dermatologe am Universitätsspital Lausanne und leitet seit 2021 das Zentrum für Melanome und Hauttumore. Gaide wird von der Forschung angetrieben. Wo fehlt es zurzeit der Wissenschaft an Erkenntnissen? Er lacht bei dieser Frage: «Es gibt wahnsinnig viel, was wir über Hautkrebs noch nicht wissen.» In seinem Fokus steht unter anderem die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden. «Als ich in der Abteilung begonnen habe, wurden rund zehn Prozent der Patientinnen und Patienten wieder gesund. Heute sind es bis zu fünfzig Prozent – aber das ist noch nicht genug.» Olivier Gaide und sein Team entwickeln in Lausanne neue Mikroskope, die einfach zu handhaben sind und die Dermatologinnen und Dermatologen zur Diagnose direkt auf der Haut platzieren können, um Hautkrebs zu diagnostizieren. Eine Biopsie – das Entnehmen einer Hautprobe zur Untersuchung unter dem Mikroskop – wird mit dieser Technik künftig vielleicht nicht mehr nötig sein.

Mit steigendem Alter steigt

das Risiko

Der häufigste Hautkrebs ist das Basalzellkarzinom, gefolgt vom Plattenepithelkarzinom. Bei beiden handelt es sich um sogenannten weissen Hautkrebs. «Diese Tumore entwickeln fast keine Metastasen, weshalb sehr wenige Betroffene da-

ran sterben. Deshalb werden sie, anders als Brust- oder Darmkrebs, oft nicht in offiziellen Studien erfasst. Doch sie sind sehr, sehr häufig», sagt Olivier Gaide. Das Basalzellkarzinom ist in der Schweiz die häufigste Krebsform überhaupt. Jährlich erkranken schweizweit rund 20 000 bis 25 000 Menschen daran. Betroffen sind alle Altersgruppen, gelegentlich auch Personen ab dem zwanzigsten Lebensjahr, jedoch nimmt das Risiko mit steigendem Alter und bei Störungen des Immunsystems zu. «Die weite Verbreitung des Basalzellkarzinoms hat auch damit zu tun, dass die Menschen immer länger leben. Mit den Jahren ist fast jede und jeder in der Schweiz davon betroffen», so der Professor. Wie bei anderen Hautkrebsarten sind Personen mit heller Haut, blonden oder roten Haaren, blauen, grünen oder grauen Augen besonders gefährdet. Jahrelanges Arbeiten im Freien erhöht ebenfalls das Risiko. Das Basalzellkarzinom entwickelt sich am häufigsten an Körperstellen, die intensiv der Sonne ausgesetzt sind: auf dem Kopf (vor allem bei wenig Behaarung), im Gesicht, an Ohren, Hals, Schultern und Rücken. Es wächst langsam, über Monate und Jahre.

Gaide nimmt in der Bevölkerung eine grosse Sensibilität für das Thema Hautkrebs wahr. Die meisten Menschen wüssten, dass UV-Strahlung schädlich sei. «Wo es aber hapert, ist am richtigen Verhalten. Viele schützen ihre Haut nicht konsequent. Ausserdem weiss ein Grossteil nicht, dass ein Basalzellkarzinom rasch, kostengünstig und unkompliziert zu behandeln ist.» Bei einem Verdacht entnimmt die Hautärztin oder der Hautarzt eine Gewebepro-

So sieht ein Basalzellkarzinom aus

Weisser Hautkrebs zeigt sich mit verschiedenen Symptomen, die meist schmerzlos und unauffällig sind. Da das Basalzellkarzinom meist farblich nicht verändert ist, fällt die Hautveränderung zunächst kaum auf – deshalb auch der Name weisser Hautkrebs. Verdächtige Symptome sind beispielsweise kleine, schorfige Stellen, die über Wochen nicht abheilen, rötliche Stellen mit einem perlenschnurartigen Randsaum, glänzende, halbkugelige Knötchen, derbe oder narbenähnliche Veränderungen und hautfarbene Verdickungen. Fachleute unterscheiden dabei vier typische Erscheinungsformen: oberflächliches Rumpfhaut-Basalzellkarzinom (Bild 1), knotiges Basalzellkarzinom (Bild 2), geschwulstartiges Basalzellkarzinom (Bild 3) und narbenähnliches Basalzellkarzinom (Bild 4).

be, die unter dem Mikroskop untersucht wird. Sind Tumorzellen vorhanden, muss das Basalzellkarzinom vollständig entfernt werden. Dafür gibt es verschiedene Methoden, je nach Art und Grösse des Tumors sowie je nach Alter und Gesundheitszustand der Patientin oder des Patienten.

Die Haut spürt UV­bedingte Schäden

Derma Suisse empfiehlt, monatlich einen Haut-Check zu Hause durchzuführen, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Bei Auffälligkeiten sollte man die Hautärztin oder den Hautarzt aufsuchen; gewisse Spitäler, wie das Universitätsspital Zürich, bieten zudem Online-Beratungen an, bei denen Fachpersonen anhand eines Fotos eine Diagnose stellen. Die Sonne und der Mensch pflegen eine jahrhundertelange Beziehung – eine sehr

einseitige, die in den letzten Jahren schwieriger geworden ist. Mit «It’s complicated» lässt sich dieser Beziehungsstatus wohl am treffendsten umschreiben. «Wir brauchen die Sonne. Sie hilft uns, Vitamin D herzustellen und ist wohltuend. Die Sonne beeinflusst die gesamte Gesundheit positiv – auch für das Herz und die Lunge ist es wichtig, dass man nach draussen geht», sagt Olivier Gaide. Er fügt hinzu: «Jedoch genügen für die Bildung von Vitamin D wenige Minuten in der Sonne. Im Sommer sind es zehn Minuten, im Winter dreissig. Das liegt unter der Zeitdauer, in der die Haut geschädigt werden kann.» Ein gebräunter Teint hat für den Dermatologen eine ganz andere Bedeutung als für jene, die sich im Sommer gern in der Badi in der Sonne aalen. Was viele als attraktiv und gesund empfinden, ist eigentlich ein Schutzmechanismus der Haut. «Sie kann zwar keine UV-Strahlen erkennen, aber sie spürt die

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UV-bedingten Schäden in den Zellen. Als Reaktion bräunt sich die Haut und baut so eine Protektion auf», sagt Gaide. Dieser Schutz wirkt jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt – danach kann es auch bei gebräunter Haut zu einem Sonnenbrand kommen, einer starken Schädigung der Haut, die in Wirklichkeit eine Entzündung ist. Bei leichten bis mittleren Symptomen reicht der Besuch in der Drogerie oder Apotheke. Bei starken Schmerzen sollte man ärztliche Hilfe aufsuchen. «Medikamente können die Entzündung etwas lindern.»

Drinnen bleiben zwischen 11 und 15 Uhr

Worin besteht der Zusammenhang zwischen einem Sonnenbrand und Hautkrebs?

Wann führt das eine zum anderen? «Es handelt sich um komplexe biologische Abläufe, die im Detail für den Laien schwierig zu erklären sind», sagt Olivier Gaide. Schon nach einem Sonnenbrand gibt es Mutationen in den Zellen. Diese lösen unterschiedliche Reaktionen aus. Entsteht dann Hautkrebs, ist das die Folge mehrerer Zellmutationen. «Wir sprechen in der Krebsforschung immer von Risiko. Es gibt Menschen, die in ihrem Leben mehrere Sonnenbrände hatten und trotzdem keinen Hautkrebs bekommen. Hingegen leiden andere an Hautkrebs, obwohl sie kaum Sonnenbrände

hatten.» Was nach heutigem Wissensstand gesichert ist: «Die Sonnenbrände, die wir in jungen Jahren bekommen, erhöhen das Risiko für Hautkrebs stärker als jene im Erwachsenenalter. Deshalb ist der Schutz von Kindern besonders wichtig.»

Wenn Olivier Gaide im Sommer das Haus verlässt, setzt er sich stets einen Hut auf. «Mit meiner Glatze bin ich besonders gefährdet.» Er plädiert im Umgang mit der Sonne für gesunden Menschenverstand. «Wer sich vernünftig verhält, plant Aktivitäten im Freien auf den frühen Morgen oder den Abend und meidet die Sonne zwischen 11 und 15 Uhr. Bei starker Sonneneinstrahlung schützt man sich mit Hut, Sonnenbrille und langärmliger Kleidung. Wo die Haut nicht bedeckt werden kann, verwendet man zusätzlich Sonnencreme.»

Sonnenschutz als Lifestyle gegen Falten?

Was er niemandem empfiehlt, sind lange Aufenthalte in der prallen Sonne – etwa an einem Strand –, und zwar auch nicht mit Sonnencreme. Dass man zum Beispiel an einem windigen Tag unterschätzt, wie intensiv die Sonne brennt und erst abends bemerkt, dass die Haut gerötet ist, kann jedem passieren. «Ich sage meinen Patientinnen und Patienten: Ein kleiner Sonnenbrand pro Jahr ist vertretbar – aber wenn

So entsteht weisser und schwarzer Hautkrebs

&Dieser Artikel wird in ähnlicher Form im Drogistenstern 3 erscheinen, die Verteilung erfolgt zwischen dem 19. und 26. Juni 2026.

Basalzellkarzinom Melanom

Oberhaut

Basalzellen

Melanozyten

Lederhaut

Das Basalzellkarzinom entwickelt sich in den Basalzellen der Epidermis. Jede intensive Sonneneinstrahlung beschädigt Basalzellen in ihrer Struktur. Die Zellen vergessen dabei die erlebten Schädigungen nicht. Die UV-Einstrahlung kann Basalzellen entarten, das heisst, sie verändern sich genetisch, und sie können in unterschiedlichen Formen in das umliegende Gewebe hinein wuchern. Das Basalzellkarzinom breitet sich nur selten in andere Organe aus – im Gegensatz etwa zum Melanom – aber kann das umliegende Gewebe zerstören. Das Melanom, schwarzer Hautkrebs, ist eine der gefährlichsten Formen von Hautkrebs. Es entwickelt sich aus den farbstoffbildenden Zellen der Haut (Melanozyten). Melanozyten bilden Melanin und sind für die Bräunung der Haut verantwortlich. Beim Melanom entarten die Melanozyten und vermehren sich unkontrolliert. Je nach Stadium sind auch Lymphknoten betroffen und es liegen Metastasen vor. Weisser und schwarzer Hautkrebs unterscheiden sich in ihrem äusseren Erscheinungsbild und in ihrer Entstehung deutlich, auch wenn bei beiden Erkrankungen eine zu starke UV-Strahlung der wichtigste Risikofaktor ist.

Unterhaut

man sich fünf oder zehnmal verbrennt, hat man ein Problem. Das fällt für mich unter dummes Verhalten.» Inzwischen raten Dermatologinnen und Dermatologen, bei der Gesichtspflege ganzjährig Produkte mit Sonnenschutz zu verwenden. Aus gesundheitlicher Sicht ist das für den HautkrebsSpezialisten nicht zwingend notwendig. «Es geht hier um Lifestyle. Meine Kolleginnen und Kollegen raten zu einem ganzjährigen Sonnenschutz, um die Hautalterung zu minimieren. Ich gewichte anders: Für mich zählt mehr, keinen Hautkrebs zu bekommen, als faltenlos zu bleiben», sagt er. Und fügt verschmitzt hinzu: «Ich persönlich mag Frauen mit Fältchen um die Augen lieber als solche mit künstlich gestraffter Haut.» Auch Selbstreflexion gehört zur Forschung. In den vergangenen Jahren wurde viel Aufklärungsarbeit zu Haut und Sonnenschutz geleistet – doch Olivier Gaide fragt sich auch, wie wirkungsvoll diese Kampagnen

sind. «Studien aus Australien zeigen, dass junge Menschen dort seltener an Hautkrebs erkranken als die Generation vor ihnen. Die Kampagnen lohnen sich also», freut sich Gaide. Künftig wird zusätzlich der Klimawandel eine Rolle spielen. Er erhöht den UV-Index und damit das Risiko für Hautkrebs. Demgegenüber steht das Verhalten der Menschen. «In Ländern wie SaudiArabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo die Temperaturen sehr hoch sind, verbringen die Bewohnerinnen und Bewohner den Grossteil des Tages drinnen. Vielleicht werden wir unseren Lebensstil auch dementsprechend anpassen.» Für die Haut wären dies gute Aussichten. 

Das vollständige Literaturverzeichnis finden Sie hier:

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