Wirkstoff Lesestoff für den Fachhandel Selbstmedikation
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Beim Jobinterview brillieren Herbst- Branchenkonferenz
Für die Zukunft gebaut
Schon wieder erkältet?
Finanzen, Arbeitssicherheit und Versandhandel standen im Zentrum
Die Hänseler AG hat ein neues GMP-Produktionsgebäude errichtet
Kinder sind oft von Infekten geplagt – was bei der Prävention hilft
Branche
Schwerpunkt
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Im Gespräch mit der Branche
So gelingt das Jobinterview
Für die Hänseler AG von morgen
Der SDV hat an der Branchen konferenz mit den Teilnehmenden über die Verbandsfinanzen, Arbeitssicherheit und den Versandhandel diskutiert, um die Branche gemeinsam vorwärts zu bringen.
Egal, ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer: Das Vorstellungs gespräch ist für beide Seiten ein entscheidender Moment. Das Kennenlernen bedarf deshalb einer guten Vorbereitung.
Die Hänseler AG hat ein neues GMP-Produktionsgebäude gebaut. CEO Dr. Dominik Hauser erzählt, was für ein wichtiger Entscheid dieser Bau war und welche Ziele das Unternehmen verfolgt.
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Impressum Wirkstoff
Herausgeber Schweizerischer Drogistenverband, Thomas-Wyttenbach-Strasse 2, 2502 Biel, Telefon 032 328 50 30, info@drogistenverband.ch Verlag vitagate ag, Thomas-Wyttenbach-Strasse 2, 2502 Biel Geschäftsführung und Verlagsleitung: Tamara Gygax-Freiburghaus, t.gygax@vitagate.ch Inserate: Tamara Gygax-Freiburghaus, Valérie Rufer, Marisa Stettler Janine Klaric, inserate@vitagate.ch Abonnemente und Vertrieb: Sabine Andersen, vertrieb@vitagate.ch Redaktion Publizistische Leitung, Chefredaktorin Wirkstoff: Céline Jenni, c.jenni@vitagate.ch Redaktionelle Mitarbeit in dieser Ausgabe: Astrid Tomczak, Barbara Halter, Désirée Klarer, Jasmin Weiss Wissenschaftliche Fachkontrolle: Dr. phil.-nat. Anita Finger Weber Übersetzung: Marie-Noëlle Hofmann Titelbild: stock.adobe.com/PR Image Factory Produktion Layout: Claudia Luginbühl Druck: Courvoisier-Gassmann AG, Biel ISSN 2673-4974 (Print), ISSN 2673-4982 (Online); CHF 65.–/Jahr, inkl. MWST. Auflage von 5 469 Ex. WEMF/KS-beglaubigt (9/2025) 7. Jahrgang. Erscheinung 10× jährlich © 2026 – vitagate ag, Thomas-Wyttenbach-Strasse 2, 2502 Biel
Offizielles Magazin des Schweizerischen Drogistenverbandes und Medium von Angestellte Drogisten Suisse
Interview
Fachwissen
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Editorial
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Infektionsprävention bei Kindern Im Herbst beginnt wieder das alljährliche Husten und Niesen kranker Kinder. Sandra Burri, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, ordnet ein.
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Angestellte Drogisten Suisse Was gilt für den Lohn und die Zeitgutschrift, wenn Feiertage auf einen Samstag fallen? Ernährung bei Endometriose Eine antiinflammatorische Ernährung kann mithelfen, Symptome bei Endometriose zu verringern.
Auf Augenhöhe Wer sich für eine Stelle bewirbt, möchte überzeugen. Für das Vorstellungsgespräch überlegt man sich vorgängig passende Antworten auf alle möglichen und unmöglichen Fragen und hofft, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Doch bei aller Vorbereitung geht oft vergessen: Nicht nur die Bewerberin oder der Bewerber muss überzeugen. Auch die Drogerie muss zeigen, was sie als Arbeitgeberin zu bieten hat. Ein Vorstellungsgespräch ist deshalb keine Einbahnstrasse, sondern im Idealfall eine Begegnung auf Augenhöhe: Beide Seiten haben Erwartungen und möchten herausfinden, ob sie zueinanderpassen. In unserer Titelgeschichte auf Seite 6 wird das Vorstellungsgespräch mit einem ersten Date verglichen. Beide Parteien möchten sich von ihrer besten Seite zeigen. Wer dabei jedoch ein allzu geschöntes Bild vermittelt, riskiert, Erwartungen zu wecken, die sich im Arbeitsalltag nicht erfüllen lassen. Umso wichtiger ist es deshalb, authentisch zu bleiben. Und wenn vor dem Gespräch das Herz schneller schlägt und die Hände feucht werden: Ziemlich sicher ist das Gegenüber auch aufgeregt. Beide Parteien lernen gerade einen neuen Menschen kennen und möchten herausfinden, ob es ein Match ist. Wer sich also gut vorbereitet, offen kommuniziert und authentisch bleibt, kann sich vielleicht schon bald freuen: auf eine neue Stelle oder auf ein neues Teamgspändli. Céline Jenni, Leiterin Publizistik, Chefredaktorin Wirkstoff, c.jenni@vitagate.ch
Miteinander sprechen, Lösungen suchen und gemeinsam vorwärtsgehen: Die Branchenkonferenz bietet dafür einen geeigneten R ahmen. Nächsten Herbst findet sie während den SwissSkills in Bern statt – im Bild das «Meet and Greet» der Drogeriebranche an den SwissSkills 2025.
Solide Basis, klare Schritte An der zweiten Branchenkonferenz im 2026 standen die Verbands finanzen, der Versandhandel und die Arbeitssicherheit im Zentrum. Der SDV hat die Herausforderungen erkannt und handelt: mit konkreten Massnahmen und dem Willen, die Branche gemeinsam voranzubringen. 7 Désirée Klarer |
«Es geht nicht nur ums Sparen, sondern auch darum, gezielt und vernünftig zu investieren – und die Branche in einer Zeit des Wandels handlungsfähig zu halten.» Mit diesen Worten wandte sich Zentralpräsident Jürg Stahl zu Beginn der Branchenkonferenz an die Anwesenden im Hotel Couronne in Solothurn. Und Ausgaben hatte der SDV im vergangenen Jahr einige: gestiegene Kosten für Bildung und Politik sowie Investitionen, die die Branche selbst gewünscht hat und die den Verband langfristig stärken dürften. «Das ist absolut richtig, dass man die Leistungen des Verbandes laufend überprüft und dann Einsparungen macht, wo es sinnvoll ist», betonte der Geschäftsführer und Lei-
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Andé Caradonna
ter Politik, Branche und Kommunikation, A ndrea Ullius. Das Geschäftsjahr 2025 schloss der SDV dennoch mit einem Verlust von 316 400 Franken ab. Allerdings ist hier anzufügen, dass die Mitgliederbeiträge seit 2005 nominal gleichgeblieben sind, «während links und rechts alles teurer geworden ist», so Ullius. Dass der Verband trotzdem über ein solides Eigenkapital verfüge, sei ein Zeichen dafür, dass jahrelang umsichtig gewirtschaftet wurde.
Gegensteuer geben Der Zentralvorstand hat reagiert und macht auch vor den eigenen Reihen nicht
halt: Der Personalaufwand wurde reduziert, vakante Stellen nicht sofort nachbesetzt und der Zentralvorstand kehrt von sechs auf fünf Mitglieder zurück. Auf der Ertragsseite werden die ESD- Semestergebühren für neue Studierende ab 2027 erstmals seit 1996 erhöht – um 500 Franken auf insgesamt 3500 Franken. Für die SwissSkills 2027 beantragt der Zentralvorstand einen einmaligen Sonderbeitrag. Längerfristig sollen zudem die Bildungskosten über einen zweckgebundenen Bildungsfonds transparent ausgewiesen und finanziert werden. Bei der vitagate ag stimmt die Richtung bereits: «Wir waren schon im September über den budgetierten Inserateeinnahmen. Die Entwicklung im aktuellen Jahr ist erfreulich», sagt Tamara Gygax, G eschäftsführerin der vitagate ag.
Versandhandel: Der SDV kämpft an allen Fronten Damit alle Massnahmen ihre volle Wirkung entfalten können, braucht es auch die richtigen Rahmenbedingungen im Markt. Ein Thema, das hier nicht ausser Acht gelassen werden darf, ist der Versandhandel mit OTC-Medikamenten. Dass dieser kommt, ist seit dem Ständeratsentscheid vom 11. Juni 2026 klar. Der SDV hat sich frühzeitig positioniert und gemeinsam mit pharmaSuisse und weiteren Verbänden Stellung bezogen. Im Raum steht unter anderem die Frage, ob der Versandhandel auch über Arztpraxen möglich sein soll. «Ob der Nationalrat diesen Punkt noch korrigiert, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen», so Stahl. Immerhin habe die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats (SGK-N) beschlossen, das Geschäft zu stoppen und die Vernehmlassung zum P aket 3b abzuwarten. «Ein Etappensieg, den der SDV aktiv mitbewirkt hat», so Andrea Ullius. Die Haltung des Verbandes sei klar: Kein grundsätzlicher Widerstand, solange für alle Anbieter dieselben Bedingungen gelten würden und die Beratungspflicht nicht aufgeweicht werde. Was die Branche konkret brauche, seien Nachversand und Hauslieferdienst an
die eigene Kundschaft. «Wenn die Kunden nicht zu euch kommen können, müsst ihr zu den Kunden», betont der Geschäftsführer.
Arbeitssicherheit: Der SDV unterstützt Zu reden gab auch das Thema Arbeitssicherheit. Ein Blick auf die Kontrollen zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (ASGS) in Drogerien zeichnet ein gemischtes Bild: Während der Kanton Thurgau der Branche Professionalität attestiert, sind die Anforderungen in Bern besonders hoch. Häufige L ücken betreffen die Benennung einer Sicherheitsverantwortlichen, die Dokumentation von Schulungen sowie die Themen Schwangerschaft und psychische Gesundheit. Der SDV überarbeitet seine Unterlagen und stellt ab 2027 aktualisierte Dokumente mit Checklisten zur Verfügung. Bei den Anwesenden zu reden gab auch die Preisanschreibepflicht hinter der Theke sowie die diesbezüglich unterschiedlichen Regelungen je nach Kanton. Wer die Grundlagen kennt und dokumentiert, ist auf der sicheren Seite.
Offline gewinnt
Totalrevision der Grundbildung
In der Sektionsrunde zum Schluss zog sich der Wunsch nach mehr Harmonisierung durch. Sei dies bei Kontrollen der Kantonsapothekerinnen und Kantonsapotheker ebenso wie bei Stellvertretungsregelungen. Jürg Stahl hatte zuvor die Idee ins Spiel gebracht, eine der beiden Jahreskonferenzen künftig digital durchzuführen. Die Teilnehmenden winkten ab, und der Tag selbst zeigte, warum. Was anderswo bereits funktioniert, wer mit denselben Herausforderungen kämpft, wie man eine Lösung gefunden hat: all das erfährt man im Gespräch, in der Pause, an der Kaffeemaschine. Genau das, was Stahl zu Beginn der Konferenz schon angesprochen hatte: gemeinsam nach vorne. Die nächste Branchenkonferenz findet am 9. April 2027 in Zürich statt, die übernächste im Rahmen der SwissSkills am 17. September 2027 in Bern.
Auch die Totalrevision der Grundbildung Drogistin/ Drogist EFZ macht Fortschritte. Aus der Branchenanhörung im Sommer mit rund 200 Rückmeldungen wurde deutlich, dass die neue Bildungsverordnung grundsätzlich positiv aufgenommen wird. Offen ist noch die Form der Berufskundeprüfung. Im September und Oktober war die Bereinigung des Bildungsplans und der Bildungsverordnung am Laufen. Ende Oktober gingen diese Dokumente dann zum SBFI (Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation) für die Ämterkonsultation. 11/2026 | Wirkstoff
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Gut vorbereitet ins orstellungsgespräch 7 Barbara Halter
Arbeitnehmer und Arbeit geber treffen beim Jobinterview mit ihren Wünschen und Vorstellungen aufeinander. Fachpersonen erklären, wie sich beide Seiten optimal auf das Gespräch vorbereiten können und was es zu beachten gilt.
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Arbeitnehmer «Was sind Ihre Stärken und Schwächen?» Auch wenn diese Frage für viele Personalfachleute so nicht mehr zeitgemäss daherkommt, die Antwort interessiert den Arbeitgeber natürlich trotzdem. «Insgeheim geht es immer um Stärken, Fähigkeiten und Kompetenzen, ob man nun direkt fragt oder die Frage im beruflichen Kontext anders verpackt», sagt Rahel Trachsel, Berufs- und Laufbahnberaterin und Co-Leiterin des Berufsberatungs- und Informationszentrums (BIZ) Thun. Wer zu einem Gespräch eingeladen wird, kommt deshalb nicht umhin, sich vorher mit den eigenen Kompetenzen auseinanderzusetzen. Trachsel berät im BIZ Menschen von der 8. Klasse bis kurz vor der Pensionierung. In den Gesprächen spielen die Auseinandersetzung mit den Fähigkeiten, Werten und Zielen eine zentrale Rolle. Als Co-Leiterin stellt sie zudem selbst neue Mitarbeitende ein und weiss, welchen Stellenwert das Vorstellungsgespräch hat. «Es gibt mir ein ganzheitliches Bild», sagt sie. «Aus Lebenslauf und Motivationsschreiben allein kann ich nicht erkennen, ob die Chemie stimmt. Alles kann schön formuliert und aufbereitet sein, den Menschen dahinter lerne ich aber nur im persönlichen Gespräch kennen.»
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Recherchieren mithilfe des eigenen Beziehungsnetzes Zur Vorbereitung auf das Gespräch empfiehlt Rahel Trachsel folgende Punkte: • Recherche: Ob ich mich bei einem kleinen KMU oder bei einer internationalen Firma bewerbe, macht einen Unterschied. Auch Stadt oder Land prägen die Kultur eines Betriebs. Idealerweise sammelt man schon für die Bewerbung Informationen über den Arbeitgeber. Vor dem Vorstellungsgespräch lohnt es sich, nicht nur die Website anzuschauen, sondern auch Menschen aus seinem Beziehungsnetz zu kontaktieren, die den Betrieb persönlich kennen. «Ihre Aussagen haben ebenso ein Gewicht, als wenn man Informationen über die Firma von einer vorgesetzten Person hört. Man erfährt auch, ob die Werte, die ein Unternehmen auf der Website aufführt, in der Praxis gelebt werden.»
• Persönliche Auseinandersetzung: Was bringe ich mit? Worin bin ich gut? Wo gibt es Entwicklungspotenzial? Was motiviert mich, dort zu arbeiten? Was kann und will ich zum Erfolg der Firma beitragen? Und falls ich mich weiterentwickeln möchte: Sehe ich in dieser Stelle das Potenzial dafür? Die Notizen zu diesen Fragen dürfen ins Gespräch mitgenommen werden. «Spicken und sich Zeit für eine Antwort nehmen ist völlig in Ordnung. Ein Vorstellungsgespräch ist schliesslich keine alltägliche Situation und unter Stress vergisst man leicht Dinge, die einem wichtig sind.» • Lohnfragen: Je nach Arbeitsort kann der Lohn steigen oder sinken. Wichtig ist, dass man sich vorab über die branchenüblichen Löhne informiert und für sich ein Minimum und ein Maximum festlegt. «Die Frage nach dem Lohn kann immer kommen. Wenn man darauf keine Antwort weiss, fühlt man sich rasch in die Ecke gedrängt. Das ist unangenehm.»
Worauf zielen die Fragen ab? Am Tag des Vorstellungsgesprächs halten viele kurz inne, wenn sie vor dem Kleiderschrank stehen: Was ziehe ich am besten an? Als Grundregel gilt, sich an der branchenüblichen Kleidung zu orientieren. «Man muss nicht im Anzug erscheinen, wichtig ist ein sauberes und gepflegtes Auftreten», sagt Rahel Trachsel. Ist am selben Tag eine Führung durch die Firma oder sogar ein Probearbeiten geplant, sollte die Kleidung dazu passen. Oft beginnt das Gespräch mit sogenannten Eisbrecherfragen: Sind Sie gut angekommen? Können Sie uns etwas über Ihren Lebenslauf erzählen? Das klingt zunächst nach Smalltalk, doch schon hier hört der Arbeitgeber genau hin. Er achtet zum Beispiel darauf, welche Schwerpunkte jemand im Lebenslauf setzt und kann daraus die Motivation für die Stelle ableiten. «Die Herausforderung besteht darin, als Bewerberin oder Bewerber zu erkennen, welche Absichten hinter den einzelnen Fragen stehen», sagt Trachsel. Wer sich bereits bei der Vorbereitung damit befasst, sitzt im Gespräch einiges entspannter da. Auch Formulierungen zu eigenen Kompetenzen lassen sich im Voraus überlegen. «Ich rate beispielsweise davon ab, nur das Wort teamfähig zu verwenden», sagt die BIZ-Leiterin. Statt auf solche grossen Worte zu setzen, veranschaulicht man die
Arbeitgeber «Was sind Ihre Stärken und Schwächen?» Diese Frage gehört zu den Klassikern jedes Vorstellungsgesprächs. Alle mussten sie wohl schon einmal im Laufe ihres Berufslebens beantworten. Und gerade, weil sie alle kennen, hält der Psychologe und Professor Benedikt Hell wenig von ihr. «Meiner Meinung nach eignet sie sich nicht einmal zum Aufwärmen zu Beginn des Gesprächs. Sie ist unkreativ, und die Antworten helfen mir als Arbeitgeber kaum dabei, die Passung einer Person einzuschätzen.» Benedikt Hell forscht und lehrt an der Hochschule für Angewandte Psychologie der Fachhochschule Nordwestschweiz im Bereich Eignungsdiagnostik. Er untersucht, was es braucht, damit im Bewerbungsprozess Stellenprofile und Personen zueinander passen. Diese Erkenntnisse fliessen nicht nur in die Personalauswahl von Unternehmen ein, sondern auch in die Berufs- und Laufbahnberatung.
Ein Vorstellungsgespräch ist wie ein Date Bevor es darum geht, mit welchen Fragen Arbeitgeber die Stärken und Schwächen einer Person herausfinden können, eine grundsätzliche Klärung: Was ist eigentlich der Zweck eines Vorstellungsgesprächs? «Früher diente es als reines Selektionsinstrument», sagt Benedikt Hell. «Die Informationen flossen vor allem in eine Richtung, von den Bewerbenden zum einstellenden Unternehmen.» Inzwischen hat sich
der Arbeitsmarkt zum Arbeitnehmermarkt gewandelt. Einzelne Branchen tun sich schwer, ihre offenen Stellen zu besetzen. «In den letzten Jahren ist es wichtiger geworden, qualifizierte Arbeitskräfte für das eigene Unternehmen zu gewinnen», so Hell. Das Vorstellungsgespräch kann dabei helfen. Der Arbeitgeber soll die Bewerberinnen und Bewerber realistisch über die Tätigkeiten informieren und gleichzeitig die zentralen Werte des Unternehmens als Arbeitgeber darstellen. Hell vergleicht das Vorstellungsgespräch gern mit der Partnerwahl: «Wie bei einem ersten Date möchten sich beide Seiten vorteilhaft präsentieren. Für eine langfristig tragfähige Zusammenarbeit ist es jedoch klüger, realistisch und authentisch zu bleiben, statt ein geschöntes Bild zu vermitteln», sagt Hell. Und fügt schmunzelnd hinzu: «Anders als bei einem Date sollte die Auswahlentscheidung allerdings anhand zuvor definierter, berufsbezogener Kriterien getroffen werden.»
Eine Anforderungsanalyse erstellen Die Eignungsdiagnostik hat ausgiebig erforscht, welche Auswahlverfahren die spätere berufliche Leistung am besten vorhersagen können. «Aktuelle Metaanalysen zeigen, dass sorgfältig entwickelte Interviews zu den leistungsfähigsten Einzelverfahren der Personalauswahl gehören», sagt Benedikt Hell.
Benedikt Hell empfiehlt das multimodale Interview nach Heinz Schuler. «Seine Grundidee ist, dass z wischen standardisierten Teilen und freieren Abschnitten abgewechselt wird», sagt Hell. • Kennenlernen und Einführung: Alle beteiligten Personen stellen sich vor und der Ablauf des Gesprächs wird erklärt. Es wird eine konstruktive Gesprächsatmosphäre geschaffen. • Selbstvorstellung: Die Bewerberin oder der Bewerber stellt sich vor. Dies kann unterschiedlich anspruchsvoll gestaltet werden. Man kann die Person bitten, auf bestimmte Teile ihres Lebenslaufs genauer einzugehen (zum Beispiel: «Weshalb haben Sie sich bei uns beworben?» oder «Was hat Ihnen in Ihrer Ausbildung zur Drogistin am besten gefallen?»). Oder man gibt eine zeitliche Vorgabe («Bitte stellen Sie sich in fünf Minuten vor.»). • Freier Teil: Nachfragen zur Selbstvorstellung mit dem Ziel, miteinander ins Gespräch zu kommen. • Biografiebezogene und situative Fragen: Gezielte Fragen zur beruflichen Biografie. Zudem wird die Person gebeten, sich in konkrete Situationen des Berufsalltags zu versetzen. • Tätigkeitsinformationen: Die Person wird gründlich informiert: Was sind die wichtigsten Aufgaben? Wie sieht das Arbeitsumfeld aus? Wie hoch ist der Lohn? Das Vorgehen sollte möglichst standardisiert sein. • Gesprächsabschluss: Raum für Rückfragen und weitere Beziehungspflege. Buchtipp: Heinz Schuler: Das Einstellungsinterview. Erschienen beim Hogrefe V erlag, 2018. 11/2026 | Wirkstoff
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Der Aufbau eines Vorstellungsgesprächs
Arbeitnehmer Eigenschaft besser mit einem konkreten, positiven Beispiel. «Teamfähig» könnte zum Beispiel sein: «Wenn kurz vor Ladenschluss noch ein Kunde hereinkommt, nehme ich mir Zeit und springe, falls nötig, auch für eine Kollegin ein. So hat man am Ende einen zufriedenen Kunden und gleichzeitig Umsatz fürs Geschäft gemacht.»
Mutig nachfragen
Hilfreiche Links zum Thema Bewerbung Erwachsene, Vorstellungsgespräch finden Sie hier: biz-links-be.ch
Beliebt sind auch Fragen wie: «Können Sie uns ein Beispiel für eine Situation nennen, in der Sie nicht mehr weiterwussten?» Sie zielt nicht auf Schwächen ab, sondern darauf, mit welchen Strategien jemand aus einer schwierigen Lage das Beste macht und die Herausforderung positiv annimmt. Das Schweizer Arbeitsgesetz hält fest, dass im Vorstellungsgespräch nur Fragen zulässig sind, die in einem direkten Zusammenhang zum Arbeitsplatz und zur Arbeit stehen. Unzulässig sind etwa Fragen nach der Familienplanung oder der Gesundheit. Erkundigt sich jemand direkt oder indirekt nach einem Kinderwunsch, könne man durchaus etwas kokett antworten: «Ich verstehe Ihre Frage, im Moment sieht es bei mir so und so aus …» Rahel Trachsel empfiehlt, dem Arbeitgeber Verständnis entgegenzubringen und gleichzeitig transparent zu sein. «Ein Kinderwunsch darf aber nicht der Grund für eine Absage sein. Das ist rechtlich nicht korrekt.»
Auf der anderen Seite zeigen sich gerade in solchen Situationen die Werte und Haltungen eines Arbeitgebers deutlich. Wer bald eine Familie gründen möchte, fühlt sich wahrscheinlich in einem Umfeld wohler, in dem das möglich ist. Am Ende des Gesprächs dürfen Stellensuchende meist selbst Fragen stellen. Sind Rahmenbedingungen wie die Arbeitszeiten noch zu unklar, ist jetzt der richtige Moment, nachzufragen. Trachsel empfiehlt, vorgängig die persönlichen Rahmenbedingungen und den Handlungsspielraum zu klären. «Wenn man mit einer fixen Vorstellung kommt, kann es schwierig werden.» Wie sich die besten Bedingungen aushandeln lassen, hängt auch vom Arbeitsmarkt ab. «Wer gesucht ist, sitzt automatisch am längeren Hebel, als wenn es ein Überangebot gibt.» Unabhängig von der Marktlage sollte ein Vorstellungsgespräch auf Augenhöhe stattfinden und ein Miteinander sein. «Als Arbeitgeberin möchte ich meine künftige Mitarbeiterin kennenlernen, gleichzeitig soll sie auch mich kennenlernen können», sagt Trachsel. Dabei dürfe sich die Interviewsituation auch umdrehen. «Wenn ich als Bewerberin meine Stärken und Schwächen offenlege, darf ich auch mutig sein und Ähnliches zurückfragen.» Ausformuliert könnte dies dann zum Beispiel so lauten: Was darf ich von Ihnen als Führungsperson erwarten? Wie sieht unsere Zusammenarbeit aus? Schliesslich geht es nicht nur darum, zu überzeugen, sondern auch herauszufinden, ob man zueinander passt.
Bewerbungsunterlagen mit KI erstellen Bruno Balsamo ist Coach am Laufbahnzentrum Zürich. Sein Schwerpunkt liegt auf der Begleitung von Jugendlichen.
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Bruno Balsamo, wie hilft künstliche Intelligenz (KI) bei der Erstellung des Bewerbungsdossiers? Bruno Balsamo: Die KI ist ein effizientes Werkzeug, um Inhalte zu ordnen und dem Dossier eine klare Struktur zu geben. Ausserdem hilft sie bei der sprachlichen Überarbeitung: Sie kürzt auf Verlangen Sätze, schärft Formulierungen, entfernt Wiederholungen und korrigiert Rechtschreibfehler. Sie dient auch als Ideengeber. Wenn ich im Motivationsschreiben nicht mehr weiterweiss, kann die KI Stichworte und Argumentationslinien liefern. Wo liegen die Risiken? KI generiert leicht falsche Inhalte oder schreibt zu hochgestochen. Man muss die Texte gut prüfen und an die eigene
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Person anpassen, um beim Arbeitgeber glaubwürdig rüberzukommen. Die KI neigt zudem dazu, viel zu lange Sätze zu machen oder viele Gedankenstriche zu verwenden. Grundsätzlich gilt: Die KI liefert das Rohmaterial. Die persönliche Note, die in jeder Bewerbung erkennbar sein muss, kann nur ich einbringen.
Wie gelingt das? Indem ich für das Motivationsschreiben nach eigenen Formulierungen suche und die KI als Unterstützung verstehe: Man gibt beim Chatbot persönliche Erfahrungen und Kenntnisse in Stichworten ein und lässt daraus einen Text formulieren. Je konkreter und persönlicher meine Inputs sind, desto besser arbeitet auch die KI.
Arbeitgeber Doch wie gelingt ein solches Gespräch? Zwingend sind Struktur und Standardisierung. Jedes Gespräch benötigt einen klaren Aufbau und jeder Person sollten ähnliche Fragen gestellt werden – wie bei einer Prüfung in der Schule. Zur Vorbereitung erstellt der Arbeitgeber eine sogenannte Anforderungsanalyse. Er überlegt sich die wichtigsten Anforderungen des Jobs. Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Welche Aufgaben müssen erfüllt werden? Und welche Fähigkeiten braucht die Person, um diese Aufgaben gut erfüllen zu können? «All diese Kompetenzen sollten während des Gesprächs systematisch abgefragt werden», sagt Hell. «Gleichzeitig helfen sie dem Arbeitgeber bei der Formulierung des Stelleninserats.» Während des Gesprächs fliessen die Informationen in beide Richtungen. Der Arbeitgeber sammelt nicht nur Informationen über die Person, sondern informiert auch über die Stelle selbst. «Die Bewerberin oder der Bewerber soll anschliessend fundiert entscheiden können, ob die Stelle zu den eigenen Erwartungen und Zielen passt.» Vorsicht ist geboten, wenn man als Interviewer zu viel redet und zu wenig nachfragt. «Gute Interviewerinnen und Interviewer hören aufmerksam zu, fragen gezielt nach und dokumentieren die Antworten nachvollziehbar. Wer selbst den grössten Redeanteil beansprucht, gewinnt meist zu wenig relevante Informationen.»
Wie formuliert man gute Fragen? Nun zurück zum Anfang, zur etwas abgedroschenen Frage nach den Stärken und Schwächen einer Person. Wie stellt man als Arbeitgeber einen guten Fragenkatalog zusammen? Grundsätzlich geht es darum, die Fragen so zu formulieren, dass sie unmittelbar mit dem
Job zusammenhängen. Die Anforderungsanalyse bietet dafür die Basis. Zu jeder Kompetenz überlegt man sich, wie man diese im Gespräch am besten abfragen kann. «Bewährt hat sich eine Kombination aus biografiebezogenen und situativen Fragen», sagt Hell. Die biografiebezogene Frage zielt auf die Vergangenheit einer Person, etwa auf ihre Erfahrungen. Sie könnte zum Beispiel lauten: «Wie konnten Sie an Ihrer vorherigen Stelle Ihr Wissen in der Homöopathie im Geschäft einbringen?» Der andere Fragetyp, die situative Frage, blickt dagegen nach vorne. Dabei kommen möglichst realistische, aber kritische Situationen aus dem Arbeitsalltag zum Einsatz. Zum Beispiel: «Stellen Sie sich vor, Sie bedienen einen anspruchsvollen Kunden, der ein Produkt wünscht, das zurzeit nicht erhältlich ist. Wie würden Sie sich in dieser Situation verhalten?» In der Vorbereitung leistet die KI gute Unterstützung und Inspiration, um Entwürfe für Fragen zu erstellen. Man gibt die gewünschten Kompetenzen ein und fordert den Chatbot auf, daraus je eine biografiebezogene und eine situative Frage zu formulieren. Das Resultat lässt sich weiterentwickeln und auf das gewünschte Niveau anpassen, indem man die KI auffordert, die Frage anspruchsvoller oder weniger anspruchsvoll zu formulieren. «Dabei kann man auch eingeben, dass die KI zu jeder Frage gleich einen Vorschlag für Bewertungskriterien mitliefert», empfiehlt Benedikt Hell. Zur Vorbereitung gehört auch, dass sich der Arbeitgeber ein Bewertungssystem überlegt. «Es bewährt sich, während des Gesprächs nach jeder Frage kurz zu dokumentieren, wie die Person darauf geantwortet hat.» Am Ende lassen sich auf dieser Basis die verschiedenen Bewerberinnen und Bewerber leicht miteinander vergleichen, um hoffentlich die am besten geeignete und kompetenteste Person für die Stelle auswählen zu können.
Wenn das Vorstellungsgespräch online stattfindet
Rahel Trachsel und Benedikt Hell bevorzugen ein Vorstellungsgespräch vor Ort. Aber auch online lassen sich strukturierte und aussagekräftige Vorstellungsgespräche führen. Das digitale Format verändert jedoch einzelne Rahmenbedingungen, etwa die Wahrnehmung nonverbaler Signale, die Gesprächsdynamik und die Bedeutung technischer Störungen. «Wer nicht so versiert ist, sollte unbedingt einen Probedurchlauf machen. Ausserdem rate ich davon ab, das Gespräch auf dem Handy zu führen. Auf einem grösseren Bildschirm erkennt man sich besser», sagt Trachsel. Wichtig sei zudem ein ruhiger Platz, an dem zum Beispiel weder Baulärm stört, noch Kinder versehentlich ins Zimmer platzen. Bedenken sollte man auch den Hintergrund: Der Arbeitgeber zieht daraus unter Umständen Schlüsse auf die Persönlichkeit. «Eine Bücherwand und ein Surfboard können ganz unterschiedliche Assoziationen auslösen», sagt Hell. «Und deren Interpretationen sind hoch spekulativ und für die Beurteilung der beruflichen Eignung nicht verlässlich.» 11/2026 | Wirkstoff
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«Wir haben für die Hänseler AG von morgen gebaut» Seit über neun Jahren führt Dr. Dominik Hauser die Hänseler AG. Mit dem neuen GMP-Produktionsgebäude in Herisau hat das Unternehmen einen seiner wichtigsten Meilensteine gesetzt. Im Gespräch erklärt Hauser unter a nderem, weshalb der Bau weit mehr ist als ein neues Dach über dem Kopf. 7 Désirée Klarer |
Miriam Kolmann
Dominik Hauser, Sie sind ursprünglich Biologe und kamen über Marketing und Verkauf in die Pharmaindustrie. Was hat Sie gereizt, die Gesamtverantwortung der Hänseler AG im Jahr 2017 zu übernehmen und was begeistert Sie neun Jahre später noch immer? Dominik Hauser: Vor allem die Möglichkeit, erstmals die Gesamtverantwortung für ein Unternehmen zu haben. Plötzlich habe ich erlebt, was es bedeutet, wenn ein Rohstoff fehlt oder eine Maschine stillsteht. Man versteht auf einmal die ganze Wertschöpfungskette. Als Biologe kenne ich das: Ein Experiment funktioniert selten auf Anhieb. Dann beginnt man zu überlegen, wie man es besser machen könnte. Genau dieses ständige Weiterentwickeln begeistert mich bis heute – genauso wie die Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden, die Verantwortung übernehmen wollen. Welche Entscheidung hat die letzten neun Jahre am stärksten geprägt? Ganz klar der Entscheid für den GMP-Neubau. Um 2018/2019 war klar, dass unsere Infrastruktur erneuert werden musste. Hinzu kam, dass mehrere Schweizer Pro-
duktionsbetriebe in unserem Umfeld ihre Herstellung einstellen mussten, weil sie zu spät investiert hatten. Das wollten wir nicht riskieren. Also haben wir neu gebaut, Laufwege optimiert und die Produktion konsequent auf GMP-Standard (Anm. d. Red. «Good Manufacturing Practice», auf Deutsch «Gute Herstellungspraxis») ausgerichtet. Das war auch ein Vertrauensbeweis der Eigentümer, die sich das am teureren Standort Schweiz zutrauen mussten. Die wichtigste Lektion: Chancen frühzeitig erkennen, mutig entscheiden, konsequent umsetzen. Was bedeutet dieser Neubau für Hänseler? Der Neubau ist weit mehr als ein neues Gebäude. Er zeigt, dass wir an den Standort Herisau und an die pharmazeutische Produktion in der Schweiz glauben. Wir wollten nicht warten, bis wir an unsere Grenzen stossen, sondern rechtzeitig investieren. Welches Ziel haben Sie damit verfolgt? Effizienzsteigerung? Es war nie ein einzelnes Ziel, sondern das Zusammenspiel mehrerer Faktoren:
Dr. Dominik Hauser ist seit 2017 CEO der Hänseler AG in Herisau. Der promovierte Biologe war zuvor in verschiedenen Führungsfunktionen in der Pharmaindustrie tätig und verantwortet heute die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens. In seiner Freizeit findet er Ausgleich in der Familie, im Freundeskreis und beim Sport in der Natur. 11/2026 | Wirkstoff
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Bunte Blätter, grauer Arbeitsalltag?
Scannen statt Laub rechen!
Zeit für einen Tapetenwechsel. vitajobs.ch – dein Tor zur Traumstelle.
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Versorgungssicherheit stärken, Kapazitätsgrenzen überwinden, Regularien erfüllen, Raum für Wachstum schaffen. Wir haben nicht für die Hänseler AG von heute gebaut, sondern für jene von morgen. Was zeichnet die «Hänseler von morgen» aus? Der Bau ermöglicht uns zusätzliche Kapazitäten, modernisierte Abläufe und mehr Flexibilität. Das wiederum stärkt Verfügbarkeit, Qualität und Liefersicherheit unserer Produkte. Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten. Können Sie ein Beispiel nennen? Gerne. Nehmen wir Pulvermischungen. Früher haben wir kaum Pulvermischungen hergestellt. Dann kam ein Kunde auf uns zu und fragte, ob wir das gemeinsam umsetzen könnten. Also haben wir zusammen eine Anlage beschafft und eine Partnerschaft aufgebaut. Ähnlich war es bei der Serialisierung: Für ein Medikament, das auch in Europa vertrieben wird, braucht es eine grosse Anlage, um jedes Produkt eindeutig per QR-Code zurückverfolgen zu können. In der Schweiz wäre das heute noch gar nicht nötig. Wegen dieser Partnerschaft und mit Blick auf die Zukunft haben wir aber bewusst investiert. Wie weit sind Sie punkto Automatisierung in der Produktion fortgeschritten? Das hängt stark vom Produkt ab. Kleine Chargen für Drogerien oder Apotheken füllen wir teilweise noch von Hand oder halbautomatisch ab. Bei grossen Chargen läuft vieles vollautomatisch – wir können heute bis zu 12 000 Liter auf einmal herstellen. Mit der zweiten Flüssigabfülllinie haben wir den Automatisierungsgrad deutlich erhöht. Gleichzeitig hat sich unser Geschäft verändert. Inwiefern? Früher produzierten wir vor allem auf Lager, heute fertigen wir immer häufiger für konkrete Kundenaufträge. Das stellt ganz andere Anforderungen an Planung und Organisation.
Sie bezeichnen die gute Herstellungspraxis (GMP) als Teil der Hänseler-DNA. Was heisst das im Alltag, etwa bei Betäubungsmitteln wie Methadon oder Opium sowie bei Säuren und Laugen? Es braucht präzises Arbeiten, eine umfassende interne Ausbildung und viel Kontrolle durch das Qualitätsmanagement im Labor.
«Die Lieferketten sind komplexer geworden und bei einzelnen pharma zeutischen und vor allem pflanzlichen Rohstoffen bleibt es anspruchsvoll.» Wie stellen Sie sicher, dass sich die Mitarbeitenden daran halten? Mitarbeitende unterschreiben für jeden Arbeitsschritt. Abweichungen sind bei GMP nicht möglich. Ist eine Etikette schief aufgeklebt, wird das Produkt entsorgt. Qualität ist bei uns kein Schlagwort, sondern tägliche Praxis. Welche Rolle spielt die GDP-Zertifizierung? Die gute Vertriebspraxis (Anm. d. Redaktion: GDP, «Good Distribution Practice») sichert kontrollierte Bedingungen bei Lagerung, Transport und Distribution. Das garantiert Sicherheit entlang der ganzen Lieferkette. Vorausgesetzt, am Anfang der Lieferkette steht ein Rohstoff bereit zur Weiterverarbeitung. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation in diesem Bereich? Die Lieferketten sind komplexer geworden und bei einzelnen pharmazeutischen und vor allem pflanzlichen Rohstoffen bleibt es anspruchsvoll. Naturprodukte in pharmazeutischer Qualität beispielsweise sind auch international schwerer erhältlich. Warum ist das so? Die Gründe sind unterschiedlich. Früher haben wir beispielsweise Kräuter aus der Ukraine bezogen. Heute sucht dort verständlicherweise niemand mehr Kräuter. Solche Entwicklungen stellen Lieferketten 11/2026 | Wirkstoff
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von einem Tag auf den anderen auf den Kopf. Hinzu kommt, dass die regulatorische Komplexität gestiegen ist und Geschwindigkeit an Bedeutung gewonnen hat. Die Versorgungssicherheit ist schlicht ein Dauerthema, das uns wohl konstant begleiten wird.
«Die Versorgungssicherheit ist schlicht ein Dauerthema, das uns wohl konstant begleiten wird.» Aus welchen Regionen stammen aktuell ihre wichtigsten Lieferanten? Europa spielt nach wie vor eine zentrale Rolle. Daneben arbeiten wir seit vielen Jahren mit ausgewählten Partnern in Indien und Asien. Entscheidend ist weniger das Herkunftsland als die Fähigkeit, Qualität und Zuverlässigkeit dauerhaft sicherzustellen.
In der Dezember/ Januar-Ausgabe von Wirkstoff erwartet Sie an dieser Stelle ein Gespräch mit Michael Severus und Christian Köhli, Verfora AG.
Und wie gelingt dies? Versorgungssicherheit entsteht durch langfristige Partnerschaften und vorausschauende Beschaffung. Ein unterschätzter Erfolgsfaktor sind verlässliche Forecasts. Eine enge Lieferantenbeziehung sichert uns in Krisensituationen eher die gewünschten Rohstoffe. Um uns davon unabhängiger zu machen, bauen wir zusätzlich eine zweite Bezugsquelle auf.
Was gibt Ihnen die eigene Marktstellung an Sicherheit? Unsere langjährige Präsenz und Rohstoffkompetenz sind sicher ein Vorteil. Eine hundertprozentige Garantie gibt es hingegen nicht. Am Ende ist unser Geschäft ein Vertrauensgeschäft: Vertrauen in die Schweizer Strukturen und ihre Sicherheit – und dieses Vertrauen entsteht durch Menschen, nicht durch Systeme. Welche Rolle spielen die hiesigen Drogerien für ihr Geschäft? Drogerien gehören seit über 60 Jahren zum Kern unserer Identität. Der Fachhandel macht noch immer deutlich mehr als die Hälfte unseres Geschäfts aus, auch wenn der Anteil an internationalen Industriekunden gewachsen ist. Was geben Sie den Drogerien abschliessend mit auf den Weg? Ich wünsche mir, dass wir den offenen Dialog weiterführen. Natürlich gibt es manchmal unterschiedliche Erwartungen – Drogerien wünschen sich ein möglichst breites Sortiment, wir müssen gleichzeitig auch die Wirtschaftlichkeit im Blick behalten. Solche Fragen lassen sich aber am besten gemeinsam klären. Entscheidend ist, dass wir einander zuhören und die Bedürfnisse der anderen Seite verstehen. Genau daraus entstehen langfristig die besten Lösungen.
SwissSkills 2027 – Save the Date Die nächste Berufsmeisterschaft Drogist /Drogistin EFZ findet vom 14. bis 18. September 2027 in Bern statt. Scanne den QR-Code, lass dich inspirieren und verpasse keine News, damit du 2027 nicht nur zuschaust, sondern mittendrin bist …
… wir sehen uns in Bern!
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Feiertage am Samstag: Was gilt in der Drogeriebranche? Im Jahr 2026 fallen zwei Feiertage auf einen Samstag: der 1. August und der 26. Dezember. Auch der 2. Januar 2027 fällt auf einen Samstag. Dies kann Fragen aufwerfen, ob Mitarbeitende für diese Tage Anspruch auf Lohn, eine Zeitgutschrift oder Ersatzfreizeit haben. 7 Christoph Balmer
Ein Blick in den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Drogeriebranche kann in Bezug auf diese Frage Klarheit schaffen. Der GAV gilt für die Mitglieder des Schweizerischen Drogistenverbandes (SDV) und deren Angestellte. Abweichungen vom GAV sind nur zugunsten der Arbeitnehmenden zulässig (Art. 1 Abs. 1 und 2 GAV). Der GAV sieht vor, dass der Bundesfeiertag dem Sonntag gleichgestellt ist und Arbeitnehmende zusätzlich Anspruch auf mindestens acht weitere bezahlte Feiertage pro Kalenderjahr haben. Fällt ein gesetzlicher Feiertag auf einen Sonntag, entfällt der Anspruch. Feiertage, die in die Ferien fallen, werden hingegen nicht als Ferientage angerechnet (Art. 30 Abs. 1 bis 3 GAV).
Vereinbarte Arbeitszeiten sind entscheidend
Christoph Balmer, Rechtsanwalt und Geschäftsführer Angestellte Drogisten Suisse Dies ist eine Seite von Angestellte D rogisten Suisse. Die Meinung des Autors muss sich nicht mit jener der Redaktion und/oder des Schweizerischen Drogistenverbandes decken.
www.drogisten.org
Ob ein Feiertag an einem Samstag zu einer Zeitgutschrift führt, hängt wesentlich von der vereinbarten Arbeitszeit ab. Wer regelmässig oder gemäss Dienstplan am Samstag arbeitet, darf durch einen Feiertag keine Minusstunden erhalten. Die an diesem Tag üblicherweise geschuldete Arbeitszeit ist als bezahlte Feiertagszeit zu berücksichtigen. Eine Nachleistung der ausgefallenen Stunden kann nicht verlangt werden (Art. 30 Abs. 1 bis 3 GAV). Anders ist die Situation bei Teilzeitangestellten mit festen Arbeitstagen. Arbeitet
eine Person beispielsweise jeweils nur von Montag bis Mittwoch und ist der Samstag stets frei, fällt ein Feiertag auf einen ohnehin arbeitsfreien Tag. Der GAV hält hierzu fest, dass die Feiertagslage im jeweiligen Kalenderjahr zu akzeptieren ist. Es besteht in diesem Fall grundsätzlich kein Anspruch auf einen zusätzlichen freien Tag, eine Zeitgutschrift oder eine zusätzliche Auszahlung (Art. 30 Abs. 4 GAV).
Feiertagszuschlag möglich Für Mitarbeitende mit flexibler Teilzeitarbeit sieht der GAV einen Ausgleich vor. Wer beispielsweise eine bestimmte Wochenstundenzahl leistet, ohne feste Einsatztage zu haben, erhält einen Feiertagszuschlag von 2,97 Prozent. Dieser ist auf der Lohnabrechnung in Franken auszuweisen. Alternativ kann ein anteiliger Anspruch auf freie Tage vereinbart werden. Der Bundesfeiertag bleibt jedoch stets zusätzlich geschuldet (Art. 30 Abs. 4 GAV). Entscheidend sind somit nicht allein das Pensum oder die Lohnart, sondern die vereinbarten Arbeitstage und die konkrete Einsatzplanung. Bei Unklarheiten empfiehlt sich ein Blick in den Arbeitsvertrag, auf den Dienstplan und auf die Lohnabrechnung. Sollten danach weiterhin Unklarheiten oder Unstimmigkeiten bestehen, empfehlen wir, das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen und die Situation gemeinsam zu klären. 11/2026 | Wirkstoff
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Ernährung bei Endometriose – ein wichtiges Zusammenspiel Endometriose ist weit verbreitet: eine von zehn Frauen im gebärfähigen Alter leidet darunter. Die Therapiemöglichkeiten sind jedoch begrenzt. Die Ernährung kann mithelfen, belastende Symptome zu verringern. 7 Jasmin Weiss
Endometriose ist eine komplexe und noch nicht ausreichend erforschte Erkrankung, welche etwa 10 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter weltweit betrifft.¹ Dabei befindet sich endometriumähnliches Gewebe ausserhalb der Gebärmutter und siedelt sich innerhalb der Geschlechtsorgane oder im Bauchraum, am Darm oder der Blase an.1,2 Dieses Gewebe verursacht eine chronische Entzündung.¹ Mögliche Beschwerden sind Unterleibsschmerzen, schmerzhafte Menstruationen, Schmer-
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zen beim Geschlechtsverkehr, beim Stuhlgang oder beim Wasserlassen sowie Müdigkeit, Unfruchtbarkeit, gastrointestinale Beschwerden und depressive Symptome.1,3 Endometriose kann bis heute nicht geheilt werden.² Therapeutisch werden Medikamente eingesetzt oder Operationen durchgeführt. Die Rezidivrate ist hoch.² Unterstützend können verschiedene alternative Therapiemöglichkeiten helfen, unter anderem Physiotherapie, Osteopa-
thie, TENS-Geräte (transkutane elektrische Nervenstimulation), Phytotherapie, Ernährungsanpassungen und körperliche Aktivität.⁴
Antiinflammatorische Ernährung Verschiedene Studien deuten auf einen positiven Einfluss der mediterranen und antiinflammatorischen Ernährung auf die unterschiedlichen Symptome bei Endometriose hin.5 Die Ernährung kann die Endometriose nicht heilen, Betroffene berichten aber, dass dadurch belastende Symptome verringert werden können und die Lebensqualität gesteigert werden kann. Diese Ernährungsform kann die Entzündungsprozesse, die Verdauung und die Darmmikrobiota positiv beeinflussen. 5,6 Die bisherige Studienlage ist jedoch begrenzt. Die antiinflammatorische Ernährung gleicht stark der mediterranen Ernährung.¹ Der Fokus liegt jedoch verstärkt auf entzündungshemmenden und entzündungsfördernden Lebensmittelbestandteilen.¹ In manchen Studien wird nicht zwischen der mediterranen und der antiinflammatorischen Ernährung unterschieden. Eine antiinflammatorische Ernährungsweise zeichnet sich unter anderem durch einen hohen Gemüse- und Früchtekonsum aus.¹ Um eine möglichst hohe und vielfältige Zufuhr an sekundären Pflanzenstoffen zu erzielen, sollte die Auswahl abwechslungsreich und farbenfroh sein.¹ Als Eiweissquellen empfehlen sich magere tierische und pflanzliche Proteinquellen und fettreicher Fisch aufgrund seines Gehalts an Omega-3.1,3 Die Kohlenhydratzufuhr sollte nicht zu hoch ausfallen und möglichst aus Vollkornprodukten bestehen.¹ Olivenöl eignet sich als Fettquelle.5 Idealerweise werden Gewürze mit entzündungshemmenden Inhaltsstoffen wie Ingwer oder Kurkuma eingebaut.¹ Der Verzehr von rotem Fleisch wird mit einem höheren Endometrioserisiko in Verbindung gebracht.¹ Es hat ausserdem einen entzündungsfördernden Effekt.¹ Milchprodukte werden nicht mit einer Erhöhung des En-
dometrioserisikos oder einer entzündungsfördernden Wirkung assoziiert.¹ Zugesetzte Zucker, tierische Fette und Transfettsäuren können hingegen eine entzündungsfördernde Wirkung haben.³ Zu bedenken bei den entzündungsfördernden Inhaltsstoffen ist, dass die Menge das Gift macht und nicht per se alles verboten sein sollte.
FODMAP-arme Ernährung Bei den Betroffenen kommt das Reizdarmsyndrom zwei- bis dreimal so häufig vor wie bei Frauen, die nicht an Endometriose erkrankt sind.¹ Bei beiden Erkrankungen besteht häufig eine viszerale Überempfindlichkeit, wodurch die Schmerzen verstärkt werden.¹ Eine mögliche Massnahme bei einem Reizdarmsyndrom kann die sogenannte FODMAP-arme (fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole) Ernährung darstellen.³ Dabei werden bestimmte Kohlenhydrate für eine kurze Zeit vermieden, um diese danach einzeln auszuprobieren und die Verträglichkeit zu testen.³ Dies sollte in Begleitung einer Fachperson, zum Beispiel im Rahmen einer Ernährungsberatung, erfolgen.1,3 Eine FODMAP-arme Ernährung kann die gastrointestinalen Beschwerden bei Endometriose-Betroffenen mit Reizdarmsyndrom um 50 bis 80 Prozent reduzieren.¹
Weitere Ernährungsfaktoren Zusätzlich können einfache Massnahmen hilfreich sein. Dazu gehören beispielsweise eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Reduktion von Alkohol, Koffein und Kohlensäure. Ein optimiertes Verteilen auf kleinere, aber häufigere Mahlzeiten kann ebenfalls helfen.³ Untersuchungen deuten auf einen Zusammenhang zwischen der Darmmikrobiota und Entzündungsprozessen sowie dem Östrogenstoffwechsel im Körper hin.³ Beides ist für die Pathogenese der Endometriose relevant.³ Eine mikrobiotafreundliche Ernährung mit vielen Nahrungsfasern und Polyphenolen sowie gegebenenfalls Prä-
Mehr über die chronisch- inflammatorische Erkrankung Endometriose können Sie in der Ausgabe 11/2024 von Wirkstoff nachlesen.
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und Probiotika könnte einen positiven Einfluss auf die Symptomatik haben.³ Der Verzicht auf Weizen oder Gluten kann bei Betroffenen ebenfalls die gastrointestinalen Symptome, Müdigkeit und Schmerzen reduzieren.¹ Die Forschung ist noch begrenzt und zu bedenken ist, dass der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel nicht immer risikofrei ist, unter anderem besteht das Risiko eines Nährstoffdefizits sowie negativer psychologischer Auswirkungen bei der Vermeidung von Gluten.1 Auch deshalb ist es wichtig, Auslassversuche in Begleitung einer Fachperson durchzuführen.¹ Eine Pilotstudie zeigt eine mögliche Symptomverbesserung durch eine Reduktion von Nickel in der Nahrung, wobei hier noch weitere Forschung notwendig ist.¹ Es gibt ausserdem Untersuchungen mit körpereigenem Histamin, welche auf einen Zusammenhang zwischen Histamin und den Schmerzen bei Endometriose hindeuten.7,8 Es braucht jedoch auch hier weitere Forschung, um herauszufinden, ob diese Erkenntnis als therapeutische Strategie genutzt werden kann.7,8 Auch wenn der Verzicht auf bestimmte Inhaltsstoffe bei vielen Betroffenen die Symp tome verbessern kann, trifft dies nicht auf alle zu. Von Diäten ohne eine Indikation ist abzuraten.4
entspannende Wirkung auf die Zellen der glatten Muskulatur haben und krampflösend wirken.9 Dadurch könnte es gegen die Schmerzen bei Endometriose wirken.4,9 Bei Regelschmerzen ohne Endometriose wurde auch bei Zink- und Kalziumgabe eine Schmerzlinderung beobachtet.⁴ Vitamin C und E sind wichtig, um den oxidativen Stress im Körper zu reduzieren.3 Omega3-Fettsäuren, welche unter anderem in Fischöl enthalten sind, können die Bildung entzündungsfördernder Verbindungen im Körper hemmen.1 Untersuchungen zeigen, dass die Einnahme von Fischölkapseln die Schmerzen bei Frauen mit primärer Dysmenorrhö, den starken krampfartigen Menstruationsschmerzen, verringern kann.1,4 Zu beachten ist, dass die Dysmenorrhö auch aufgrund anderer Ursachen als Endometriose auftritt und die Schmerzintensität bei Frauen mit oder ohne Endometriose unterschiedlich sein kann.1
Wie können Supplemente unterstützen? Neben den ärztlichen Therapien kann die Gesundheit bei Endometriosepatientinnen in gewissen Fällen auch durch Supplemente unterstützt werden. Magnesium kann eine
Das vollständige Literatur verzeichnis finden Sie hier:
Periodenprodukte magnific.com
Mittlerweile gibt es verschiedenste Periodenprodukte: • Produkte, welche das Blut vaginal aufsaugen, wie Tampons oder Menstruationsschwämme. • Produkte, welche das Blut vaginal auffangen, wie Menstruationstassen und Menstruationsdiscs. • Produkte, welche das Blut ausserhalb des Körpers aufsaugen, wie Binden, Periodenunterwäsche und waschbare Binden. Die Studienlage, ob bestimmte Produkte einen positiven Einfluss auf die Schmerzen haben können, ist äusserst dünn und lässt noch keinen Vergleich zu. Bei Frauen mit Endometriose besteht häufig eine viszerale Überempfindlichkeit, wodurch Schmerzen verstärkt werden.1 Bei Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder im Beckenboden können vaginale Produkte (Tampons, Tassen) unangenehm sein, dann sind Binden oder Periodenunterwäsche eine Alternative. Es lohnt sich, individuell die unterschiedlichen Produkte auszutesten, da das Fehlen von Studien nicht bedeutet, dass es keinen Unterschied gibt.
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Infekte bei Kindern: Vorbeugen und behandeln Es ist so sicher wie der Wechsel der Jahreszeiten: Kaum sinken die Temperaturen, beginnt die Erkältungssaison – und bringt Eltern zuweilen an den Rand der Verzweiflung. Fast scheint es, als sei der Nachwuchs dauernd am Schniefen, Husten und Fiebern. Sandra Burri, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, ordnet ein. 7 Astrid Tomczak
Kaum etwas hat das Infektionsgeschehen bei Kindern so sehr beeinflusst wie die Corona-Pandemie. Masken, Abstand, konsequentes Zuhausebleiben bei Krankheit: Was zur Eindämmung von Sars-CoV-2 gedacht war, bremste auch praktisch alle anderen Atemwegsinfekte aus, wie Sandra Burri, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Präsidentin von Kinderärzte Schweiz, sagt: «Alle Infekte sind während der Pande-
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mie markant zurückgegangen – es gab viel weniger Kinder und Jugendliche, die wegen Infektionen hospitalisiert werden mussten. Aber auch in der Praxis hatten wir praktisch keine Konsultationen mehr wegen kranker Kinder.» Allerdings war dieser Effekt nur von kurzer Dauer. Offenbar haben viele Menschen ihre Gewohnheiten nicht nachhaltig angepasst. Sobald die Massnahmen wegfielen, kehrten auch die Infekte
zurück, und zwar praktisch auf das Niveau von vor der Pandemie. Die Kinderschar ist seither nicht gesünder unterwegs. Doch auch der von vielen befürchtete ReboundEffekt mit überdurchschnittlich vielen Infekten ist nicht eingetreten. Die manchmal genannte «Immunitätslücke» existiert für die meisten Infektionen schlicht nicht: Das Immunsystem der Kinder wurde durch die Pause nicht geschwächt, es fehlte lediglich vorübergehend die übliche Durchseuchung in der Bevölkerung.
Plötzliche Häufung im Sommer Eine Ausnahme gibt es allerdings – und die betrifft ausgerechnet jenen Erreger, der Eltern und Fachpersonen am meisten beschäftigt: das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV. Dabei handelt es sich um einen hochansteckenden Erreger von Atemwegsinfekten, mit dem sich die meisten Kinder bis zum zweiten Geburtstag und nahezu alle bis zum dritten Geburtstag das erste Mal infizieren. Bei älteren Kindern und Erwachsenen verläuft RSV meist wie eine gewöhnliche Erkältung, bei älteren Menschen und Risikopersonen kann es aber zu schweren Verläufen kommen. Bei Säuglingen kann RSV eine Bronchiolitis – eine Entzündung der kleinen Atemwege – auslösen und ist damit eine der häufigsten Ursachen für eine Spitaleinweisung im ersten Lebensjahr. Normalerweise tritt RSV vor allem im Winter auf. Ebenfalls gibt es einen ZweiJahres-Zyklus, bei dem sich stärkere und
schwächere Epidemien abwechseln. Nach Corona geriet dieser Rhythmus durcheinander: RSV tauchte plötzlich mitten im Sommer auf, wie Sandra Burri auch in der Praxis beobachtet hat. «Es hat ein, zwei Jahre gedauert, bis sich das wieder eingependelt hat», sagt sie. Die Erklärung dafür liegt nicht in einem veränderten Virus, sondern in der fehlenden Grundimmunität: Weil RSV während der Pandemie kaum zirkulierte, war ein ganzer Jahrgang Kinder und mit ihnen ein Teil der erwachsenen Bevölkerung dem Virus lange nicht ausgesetzt. Als die Zirkulation wieder einsetzte, traf das Virus auf besonders viele empfängliche Personen und breitete sich entsprechend ungebremst aus. Das ist mit dem Begriff «Immunitätslücke» gemeint: kein geschwächtes individuelles Immunsystem, sondern ein zeitversetzter Nachholeffekt bei der Gesamtbevölkerung.
Säuglinge wirksam schützen Für Eltern gibt es aber gute Nachrichten: Mit der passiven RSV-Immunisierung können Säuglinge jetzt wirksam vor schweren RSV-Erkrankungen geschützt werden. Dabei handelt es sich nicht um eine klassische Impfung. «Es ist kein Impfstoff, bei dem der Säugling selber Antikörper bildet, sondern wir spritzen direkt die Antikörper», erklärt Sandra Burri. «Das hat den Vorteil, dass der Schutz viel schneller aufgebaut wird und es nicht davon abhängt, wie reif das Immunsystem des Säuglings schon ist.» Die Antikörper wirken praktisch sofort
RSV in Zahlen (Schweiz) magnific.com
• 1–2 % aller Säuglinge und Kleinkinder werden in der Schweiz jährlich wegen einer schweren RSV-Erkrankung hospitalisiert, da die Sauerstoffsättigung ungenügend oder das Trinkverhalten schlecht ist. • Vor der Pandemie (Saisons 2014/15–2019/20): im Schnitt 2,4 % aller Säuglinge unter einem Jahr pro Saison hospitalisiert. • Im besonders gefährdeten 2. Lebensmonat waren es vor der Pandemie 6,4 %, in der Saison 2022/23 stieg dieser Wert auf 10,7 %. • Über 80 % der wegen RSV hospitalisierten Säuglinge sind gesunde, nicht frühgeborene Kinder – RSV trifft nicht primär Risikokinder. • Nicht hospitalisierte, ambulant behandelte Fälle werden in der Schweiz nicht systematisch erfasst – eine Gesamtzahl aller Infektionen gibt es daher nicht. Praktisch jedes Kind macht aber bis zum 2. Geburtstag mindestens eine RSV-Infektion durch. • Todesfälle sind bei guter medizinischer Versorgung selten, kommen in der Schweiz aber jedes Jahr vor. Quelle: BAG-Bulletin 36/2025 (RSV), bag.admin.ch/rsv 11/2026 | Wirkstoff
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und schützen rund fünf bis sechs Monate, also über eine ganze RSV-Saison – definiert von Anfang Oktober bis Ende März. Seit Herbst 2024 steht dafür der monoklonale Antikörper Nirsevimab (Abgabekategorie A) zur Verfügung, seit dieser Saison zusätzlich Clesrovimab (Abgabekategorie A). Beide werden als Einzeldosis verabreicht: Säuglinge, die in die RSV-Saison hineingeboren werden, erhalten die Immunisierung möglichst rasch nach der Geburt; wer ausserhalb der Saison zur Welt kommt, erhält die Immunisierung im Oktober vor seiner ersten Saison. Die Kosten trägt die obligatorische Krankenpflegeversicherung.
Auch Schwangere können vorbeugen Werdende Mütter, die ihren Säuglingen den Pieks ersparen möchten, haben eine
Alternative: die maternale Impfung. Dabei werden Schwangere zwischen der 32. und 36. Schwangerschaftswoche geimpft, wenn der Geburtstermin zwischen Oktober und März liegt. Der Körper der Schwangeren bildet Antikörper, die über die Plazenta ans Ungeborene weitergegeben werden. Damit ist dieses für die ersten rund sechs Lebensmonate geschützt. Der Nachteil: Die Impfung muss mindestens 14 Tage vor der Geburt erfolgen, sonst bleibt zu wenig Zeit für den Antikörpertransfer. Die Kosten übernimmt auch hier die Grundversicherung. Wie wirksam sind aber diese Optionen? Zahlen, die das Bundesamt für Gesundheit zusammengetragen hat, zeigen, dass die RSV-bedingten Spitaleinweisungen deutlich zurückgegangen sind: Für Nirsevimab wird die Wirksamkeit in der Zulassungsstudie mit rund 83 Prozent beziffert, für die maternale Impfung mit 56 Prozent. In der Praxis zeigt sich der Effekt direkt im Ar-
Stärke beginnt an der Haarwurzel. u
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beitsalltag: Wo früher Säuglinge mit tiefer Sauerstoffsättigung teils zweimal täglich zur Kontrolle einbestellt werden mussten, habe sich die Situation heute «extrem verbessert», so Burri. Auch die Akzeptanz der Eltern ist laut der Ärztin hoch. «Das Thema hatte eine grosse Medienpräsenz und viele Eltern sind entsprechend gut informiert.» Das grösste Missverständnis: die Verwechslung mit einer gewöhnlichen Impfung. Genau hier können Drogerien in der Beratung ansetzen, indem sie den Unterschied – fertige Antikörper statt Eigenproduktion – klar und verständlich erklären.
Sicherheit: mögliche Nebenwirkungen Die gute Nachricht vorweg: Ernsthafte Nebenwirkungen sind bei allen drei Optionen die Ausnahme. Nirsevimab und Clesrovimab verursachen am ehesten das, was man von jeder Spritze kennt – die Einstichstelle kann kurz schmerzen, sich röten oder anschwellen, gelegentlich kommt Fieber oder ein Hautausschlag dazu. Das legt sich in aller Regel von selbst wieder. Schwere Zwischenfälle waren in den Studien nicht häufiger als bei Kindern, die den Wir kstoff nicht erhielten. Wie bei jedem gespritzten Antikörper ist in seltenen Fällen eine allergische Reaktion bis hin zum anaphylaktischen Schock möglich – deshalb gilt, wie bei Impfungen üblich: nach der Verabreichung noch kurz beobachten. Bei der maternalen Impfung spürt die Mutter selbst etwas mehr: Schmerzen an der Einstichstelle sowie Kopf- oder Muskelschmerzen kommen etwas häufiger vor, klingen aber meist nach wenigen Tagen wieder ab.
Was hilft gegen Erkältungen? Bleibt die Frage, die Eltern wohl am häufigsten in der Drogerie stellen: Was hilft sonst noch gegen die ständigen Erkältungen? Die Antwort von Sandra Burri ist zunächst einmal ernüchternd: «Gegen Viren ist kein Kraut gewachsen. Da gibt es relativ wenig, das wirklich evidenzbasiert ist»,
sagt sie. Vitamin-C- und Zink-Kombipräparate würden von manchen Eltern mit älteren Kindern nachgefragt und liessen sich durchaus empfehlen. Vitamin C kann bei regelmässiger Einnahme Erkältungen leicht verkürzen, aber nicht verhindern. Zink kann bei Erwachsenen eine beginnende Erkältung möglicherweise etwas verkürzen. Für Kinder und zur Vorbeugung fehlen jedoch überzeugende Daten. Was hingegen klar hilft, sind simple Hygienemassnahmen: Händewaschen, Abstand bei akuter Erkrankung – und vor allem eine Regel, die im Alltag oft unterschätzt wird: Kranke Kinder sollten 24 Stunden ohne fiebersenkende Medikamente fieberfrei sein, bevor sie zurück in die Kita oder die Schule gehen. Wer sein Kind zur Betreuung bringt, wenn es am Morgen noch Fieber hatte, trägt aktiv zur Verbreitung bei. Wichtig für die Beratungspraxis ist zudem die Einordnung, was «normal» ist: Untersuchungen zeigen, dass Kita-Kinder auf rund zehn Infekte pro Jahr kommen – häufiges Kranksein im Kleinkindalter ist also keine Auffälligkeit, sondern Teil der normalen Immunreifung, insbesondere im ersten Kitaoder Spielgruppenjahr. Wo aber liegt die Grenze zur ärztlichen Abklärung? «Wenn der Allgemeinzustand eines Kindes wirklich schlecht ist, gehört es sicher zum Kinderarzt. Auch ein Säugling unter einem Jahr mit Fieber gehört in der Regel zum Kinderarzt.» Gleiches gelte für starken Husten mit dem Gefühl von Atemnot. Alles andere lässt sich im Einzelfall beurteilen – hier ist die Beratungskompetenz der Drogerie gefragt, ohne dass eigene Diagnosen gestellt werden. Was soll das Beratungspersonal in Drogerien und Apotheken aus alledem mitnehmen? Für Sandra Burri ist die Botschaft klar: «Bei viralen Infekten sollte man nicht nervös werden – es braucht einfach seine Zeit, es gibt kein Allerweltsmittel.» Und letztlich gilt das, was schon unsere Grossmütter wussten: Fieber und Schmerzen lindern, viel trinken, Ruhe und Schlaf.
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