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MAGAZIN VISIT HERBST 2020

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Visit

Nr. 3  Herbst 2020

Magazin von Pro Senectute Kanton Zürich www.pszh.ch

Echte Teamarbeit Weshalb Grosseltern und Enkelkinder meist hervorragend harmonieren – und wie beide voneinander profitieren


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inhalt

Foto Titelseite : Daniel Rihs ; Seite 3: Daniel Rihs

Liebe Leserin, lieber Leser Es ist etwas vom Schönsten, was ein höheres Alter schenkt: das Dasein als Grosseltern. «Enkelkinder aktivieren körperlich, geistig und sozial – all das hält jung», erklärt die Entwicklungspsychologin Pasqualina PerrigChiello im Visit-Interview ab Seite 12. Viele sind denn auch mit Begeisterung Grossmama oder Grosspapa. Manche hüten ihre Enkelkinder und entlasten so die Familien der berufstätigen Töchter und Söhne. Wie kostbar dieses Engagement ist, hat nicht zuletzt der Corona-Shutdown gezeigt, als Grosseltern als Betreuungspersonen plötzlich ausfielen. Denn fast jede zweite Grossmutter und bereits jeder dritte Grossvater umsorgen ihre Enkelkinder mindestens einmal pro Woche. Viele weitere tun dies gelegentlich. Selbstverständlich ist das nicht. Und volles Verständnis haben sollten wir, dass nicht alle Grosseltern willens oder in der Lage sind, einen Betreuungsdienst zu übernehmen – etwa weil sie selber noch berufstätig sind oder gesundheitlich eingeschränkt. Oder weil sie weit weg wohnen. Die Waagschale des Glücks muss im Gleichgewicht sein. Auch im Dasein als Grossmama oder Grosspapa. Wie wertvoll Grosseltern sind, das durfte ich selber als Mutter einer inzwischen 18-jährigen Tochter erfahren. Der Kontakt zu meinen Eltern erfolgte in unserer Familie zwar über die grössere räumliche Distanz zwischen Zürich und Genf. Doch der Wert einer Beziehung definiert sich nicht über die Häufigkeit direkter Begegnungen. Entscheidend ist die Innigkeit. Apropos Kontakte: Ich freue mich sehr auf den Austausch mit Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser! Seit Anfang Juli darf ich Pro Senectute Kanton Zürich in ihrer wichtigen Tätigkeit und bei ihrer vielfältigen Arbeit leitend begleiten. Der Austausch und offene Dialog mit unseren Kundinnen und Kunden, Gönnerinnen und Gönnern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist mir ein besonderes Anliegen.

Véronique Tischhauser-Ducrot Vorsitzende der Geschäftsleitung

4 Die Rolle der heutigen Grosseltern ist anspruchsvoller und intensiver geworden. Gleichzeitig ist aber auch die Wertschätzung der in aller Regel unbezahlten Betreuungsarbeit gestiegen.

12 12 «Grosseltern sind Vorbilder», sagt Professorin Pasqualina Perrig-Chiello.

lebensraum  4 Grosseltern und Enkel bereichern sich gegenseitig 12 Ob sie es wollen oder nicht – Grosseltern nehmen eine Vorbildfunktion ein. Gespräch mit der Entwicklungspsychologin Pasqualina Perrig-Chiello

lebensart 16 Journalistin, Schriftstellerin und Feministin: Isolde Schaad (75) reflektiert ihr spannendes Leben 21 Tipps zum Thema 22 Pro Senectute Home – gut umsorgt zu Hause leben 24 Wie sich drei Frauen im Wehntal für Pro Senectute Kanton Zürich engagieren

28 Ein Blick hinter die Kulissen des «Grosseltern»-Magazins.

28 Seit sechs Jahren gibt es in der Schweiz ein Magazin für Grosseltern

lebenslust 34 Alt werden ohne Familienangehörige: Eine Studie von Migros-Kulturprozent fördert wertvolle Erkenntnisse zutage 38 Die Wandergruppe Horgen wandert entlang der Sihl 42 Rätsel 44 Marktplatz 45 Impressum 46 Goldene Zeiten: Die Psychosen der Grossväter

Beilage AKTIV Agenda mit Veranstaltungen und Kursen von Pro Senectute Kanton Zürich

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Unbezahlbar und unbezahlt: Gemäss ­offiziellen Angaben leisten die Grosseltern ­ in der Schweiz jährlich Betreuungsdienste im Umfang von rund 160 Millionen Stunden.

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Der schönste Job der Welt Die Rolle der heutigen Grosseltern ist anspruchsvoller und intensiver geworden. Gleichzeitig ist die Wertschätzung gestiegen. Im Zentrum der Beziehung blieb ein Grundsatz bestehen: Grosseltern haben angeblich Zeit und sind verfügbar. Text: Rita Torcasso  Text Porträts: Markus Sutter  Fotos: Daniel Rihs

Grosseltern bieten Kindern etwas, was bei ihren Eltern mehr denn je Mangelware ist: Zeit, Gelassenheit und soziale Bindung. So lautet das Ergebnis aus mehreren Studien über das Verhältnis von Grosseltern zu ihren Enkeln. Meine Grossmutter entsprach ganz dem Klischeebild – mit Bürzi und geblümter Schürze wohnte sie im kleinen Stöckli des Bauernhauses. Ich liebte sie über alles, obwohl ich sie nur in den Ferien sah oder wenn sie bei uns auf Besuch war. Die «machenden» Grosseltern Heute tragen Grossmütter Jeans und gehen oft noch dem Beruf nach. Und Grossväter sind auch vielbeschäftigt mit Sport und Vereinen. Dennoch engagieren sich beide stärker als frühere Generationen im Alltag der Kinder: 45 Prozent der Grossmütter und ein Drittel der Grossväter betreuen wöchentlich ihre Enkelkinder, weitere 18 Prozent engagieren sich einmal monatlich. Ein Drittel widmet sich einen Tag, jeder Fünfte gar mehr als 20 Stunden pro Woche den Enkeln. Nur gerade ein Viertel der Grossmütter und ein Drittel der Grossväter übernehmen keine Betreuung.* «Die heutigen Grosseltern sind aktiv, ergreifen die Initiative, man könnte sie die ‹machenden Grosseltern› nennen», sagt die Psychoanalytikerin und Buchautorin Katharina Ley. Sie spricht von einem eigentlichen «Grosseltern-Hype». Und erklärt sich die stark aufgewertete Rolle so, dass heute oft eine eher freundschaftliche Beziehung zwischen den Generationen herrsche. Ley: «Die Achtundsechziger mussten sich abgrenzen und sich von den starren Moralvorstellungen der damaligen Zeit befreien».

Bis vor kurzem beantwortete Ley für das «Grosseltern»-Magazin Fragen von Grosseltern (siehe Artikel Seite 28). «Meist ging es dabei um das Verhältnis zwischen den Generationen, um unterschiedliche Welten und Wertvorstellungen.» Am besten funktioniere es, wenn alle drei Generationen die Unterschiedlichkeit anerkennen. «Das gibt die Grundlage, um die verschiedenen Welten entdecken zu können, das bereichert.» Aus ihrer Sicht sind heutige Grosseltern im Umgang mit den Enkeln manchmal fast zu aktiv. «Damit vergeben sie sich eine Chance, etwas mehr Ruhe in den Alltag zu bringen.» Noch immer eher eine Nebenrolle in der gesellschaftlichen Wahrnehmung scheinen die Grossväter einzunehmen. Doch heute hüten sie öfter mit oder betreuen die Enkel auch allein, ein Drittel von ihnen tut das regelmässig. «Noch müssen sie sich in diese Rolle einleben, doch Grossväter möchten ganz klar mehr partizipieren», stellt Katharina Ley fest. Am besten gelingt das, wenn sie selber aktiv werden und zum Beispiel einen Grossvatertag mit den Enkeln verbringen oder eigene Initiativen gründen. So eröffneten zwei Grossväter zu Beginn des Corona-Lockdowns eine «Enkelschule» im Internet, die den Eltern Unterstützung beim digitalen Schulunterricht anbot. Zwischen Liebe und Last Die heutigen Grosseltern sind anders, doch gleich geblieben ist das grosse Glück, das die Geburt der Enkelkinder bedeutet. «Es ist eine wahnsinnige Freude», erinnert sich Katharina Ley. Sie ist heute 74 Jahre alt und dreifache Grossmutter. Vorher habe sie nie den Wunsch verspürt, Grossmutter zu Visit Herbst 2020

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werden, doch dann seien die Enkel ein riesiges Geschenk gewesen. Den ersten Enkel hütete sie regelmässig, heute springt sie jeweils bei Bedarf kurzfristig ein. Während des Lockdowns war sie täglich virtuell mit ihnen in Kontakt. «Doch für mich war immer klar, dass Enkel im Alter nicht mein Lebensmittelpunkt sein sollten», räumt sie ein. Auch Ruth Fries hinterfragt die Rolle der aufopfernden Grossmutter, die immer zur Verfügung steht. Sie ist Mitbegründerin der GrossmütterRevolution. Mit diesem Think-Tank und Netzwerk geben sich Grossmütter aktiv und vielseitig in die Gesellschaft ein. «Eigentlich hatte ich keine Absicht, jemals Enkel zu hüten», erzählt die 71-Jährige. Doch als der erste dann da war, war alles anders, «einfach Liebe». Sie sei eine sehr körpernahe Grossmutter geworden, mit viel «kuschele, schmuse und chräbele» und manchmal etwas verrückten Ideen. Heute sind die Enkel 14 und 12 Jahre alt – und kommen einmal pro Woche zum Essen.

Die Grossväter standen bisher ­ bei der Enkel­ betreuung eher im Hintergrund. Seit einigen Jahren partizipieren sie aber klar mehr.

Vor einigen Jahren strahlte SRF den Dokumentarfilm «Grosseltern zwischen Last und Liebe» aus. Thematisiert wurde der Druck, dem Grosseltern durch die zunehmende Berufstätigkeit der Töchter in der Schweiz ausgesetzt sind, weil es an Betreuungsmöglichkeiten fehlt oder diese zu teuer sind. Es werde einfach erwartet, dass halt das Grosi hüte, in erster Linie die Frauen. «Das hat auch eine politische Dimension, denn mit dieser Erwartung wird Frauen nach Jahren der Berufstätigkeit wieder das alte Rollenbild am häuslichen Herd aufgezwungen», sagt Ruth Fries. Und: «Das Müssen ist belastend, man sollte ohne Zwang und Verpflichtungen Grosseltern sein können.» Die grosse Leistung anerkennen Ruth Fries sprach als eine der Ersten an, dass Grosseltern entschädigt werden sollten. Das

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Bundesamt für Statistik weist die Leistung der Grosseltern mit 160 Millionen Stunden aus; bei einem Stundenlohn von 30 Franken ergäbe das einen Wert von 4,8 Milliarden Franken. «Die Entschädigung muss nicht zwingend ein Lohn sein, doch zum Beispiel, dass Grosseltern einen Steuerabzug machen können.» Und auch Gesten der Wertschätzung wie eine Enkelkarte für kostenlose Mitfahrt der Enkel im Zug wären schön. «Grosseltern sagen dazu oft, dass sie ja gerne hüten. Das ist ein Killer-Argument, das nichts mit der Wertschätzung zu tun hat», sagt Ruth Fries empört. «Ich kenne berufstätige Frauen, die ihre Erwerbsarbeit reduzieren, um Enkel zu hüten, und damit eine Rentenkürzung in Kauf nehmen.» Das Thema Entschädigung ist eines, das schon länger schwelt. Franziska Teuscher (Grüne BE) reichte 2011 im Nationalrat ein Postulat für «eine bessere gesellschaftliche und allenfalls auch finanzielle Anerkennung der Grosselternarbeit» ein. Damit könne die Altersarmut, die vor allem Frauen treffe, gelindert werden. Der Bundesrat beantragte Ablehnung. Als Teuscher aus dem Nationalrat ausschied, wurde das Postulat abgeschrieben. Geändert hat sich seither immerhin, dass die Leistung der Grosseltern vom Bundesamt für Statistik ausgewiesen wird. Wichtige Konstante im Leben der Kinder Bereits mit 53 Jahren wurde Caroline Schmid (Name geändert) Grossmutter, heute hat sie zwei Enkel, fünf und eineinhalb Jahre alt. Sie sagt: «Es war eine grosse Freude, ein wenig wie nochmals Mutter zu werden, aber doch anders, weil ich keine Verantwortung für das Kind trage.» Es ist für sie selbstverständlich, dass sie neben ihrer 90-Prozent-Berufsarbeit und der Betreuung ihrer betagten Mutter Zeit mit den Enkeln verbringt. Seit kurzem lebt ihr Sohn getrennt von der Mutter der Enkel. Betreut werden sie in der Kinderkrippe. «Doch ich springe ein, wenn Aussergewöhnliches anfällt, und der ältere kommt oft zu uns», so Schmid. Auch dank einem Coaching habe sie es geschafft, mit allen Beteiligten ein gutes Einvernehmen zu bewahren. «Ich nehme keine Partei und bin einfach für die Enkel da», sagt sie. Die Sozialarbeiterin räumt ein: «Die Situation ist für mich eine Schule der Toleranz, von der auch ich sehr profitiere.» Das Coaching helfe auch, dass sie nicht zu viel mache und sich überfordere. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass sie für die Enkel Ansprechperson bleibt, zu der sie Vertrauen haben und bei der sie ihre Bedürfnisse anmelden können. «Ich selber hatte zur Grossmutter eine sehr gute Beziehung und holte Rat bei ihr, wenn es mit den Eltern schwierig wurde.» Mehrere Studien belegen heute, dass Kinder, die eine


enge und regelmässige Bindung zu den Grosseltern haben, weniger häufig an Depressionen erkranken – während der Kindheit als auch als Erwachsene. Und dennoch: Ein Besuchsrecht für Grosseltern gibt es in der Schweiz nicht. Grosselternschaft weiterdenken Wie sich die vielseitigen Familienformen – Kleinfamilie, Einelternfamilie, Patchworkfamilie, Regenbogenfamilie, Wahlfamilie – auf das Leben der Grosseltern auswirken, zeigt das Buch «Durch dick und dünn. Grosseltern von heute und ihre Enkel». Es porträtiert die ganze Palette mit Sonnen- und Schattenseiten. Die Psychoanalytikerin Katharina Ley plädiert dafür, dass man sich für neue Formen öffnen sollte. «Es gibt auch eine soziale Grosselternschaft, mit der man die eigene Lebenserfahrung weitergeben kann», erklärt sie. Gesucht werden Wahlgrosseltern für Kinder, deren Grosseltern im Ausland leben oder die aus schwierigen Familienverhältnissen stammen. Und auf einer Plattform können «Wunsch-Grosi» gegen Bezahlung den Eltern Freiräume ermöglichen (siehe Box). «Enkel für Anfänger» heisst eine sympathische Schweizer Filmkomödie zum Thema Wahlgrosseltern, die dieser Tage in die Kinos kommt. Wie ernst Grosseltern ihre Aufgabe nehmen, zeigen die gut besuchten Grosseltern-Kurse, die in drei Zürcher Spitälern durchgeführt werden. Allein im Triemli nahmen im letzten Jahr rund 50 Personen teil (siehe Box). «Vermittelt wird etwa, wie man ein Baby wickelt, zum Schlafen legt oder ernährt, denn in den letzten drei Jahrzehnten hat sich viel verändert», so die Kursleiterin Susanne Jenny. «Und Grosseltern erfahren hier, wie es andere sehen, planen und machen.» Vertiefter auf die Erziehung der Enkel und intergenerationelle Spannungen geht ein Babysitter-Kurs für Grosseltern ein, der vom Roten Kreuz angeboten wird. Dazu Susanne Jenny: «Anders als in früheren Zeiten können viele ihre Enkel bis ins Erwachsenenalter begleiten; der Kurs hilft, junge Menschen besser zu verstehen.» Die Älteren profitieren Der Altersforscher François Höpflinger hält fest: «Der Lernprozess läuft stärker in die Richtung, dass Grosseltern auch von den Jungen profitieren können und dank ihnen den Anschluss an die Welt nicht verlieren. Weniger wichtig geworden ist, dass Alte moralische Werte weitergeben.» Er interessierte sich als Erster dafür, was Grosseltern den Enkeln bedeuten. Die Hälfte der befragten Jugendlichen in der Studie «Enkelkinder und ihre Grosseltern» bezeichneten ihre Beziehung zu den Grosseltern als sehr wichtig, 38 Prozent als eher

wichtig. Am häufigsten wünschten sie sich, dass Grosseltern da seien, wenn man sie brauche, bei Schulaufgaben helfen, bei Kummer unterstützen und Rat bei Streitigkeiten mit den Eltern geben. An den Grosseltern schätzen sie vor allem positive moralische und charakterliche Eigenschaften sowie emotionale Nähe. Mein Sohn schrieb mit 16 Jahren an seinen Grossvater: «Ich habe vor zwei Tagen meinen Lehrvertrag unterschrieben. Deine Lebensgeschichte fand ich äusserst interessant. Ich bin stolz, einen so fleissigen Grossvater zu haben, der in seinem Leben viel erreicht hat. Ich versuche auch aus meinem Leben das Beste zu machen. Dazu gehört Fleiss, Ausdauer und Zielstrebigkeit. Ich hoffe, auch einmal wie Du auf ein erfülltes und schönes Leben zurückblicken zu können.» * Bundesamt für Statistik, Erhebung zu Familien und Generationen 2018

Infos für Grosseltern

Tipp

Grosseltern-Kurse Sie werden von den ­Spitälern Triemli, Waid und Hirslanden sowie als Babysitting-Kurs für Grosseltern vom Schweizerischen Roten Kreuz Kanton Zürich angeboten: stadt-zuerich.ch, Grosseltern hirslanden.ch, Grosselternkurs srk-zuerich.ch, Grosseltern GrossmütterRevolution Die Bewegung setzt sich für eine zeitgemässe Grosselternrolle ein und bearbeitet in bisher 13 Arbeitsgruppen verschiedene Projekte: grossmuetter.ch Wahlgrosseltern Caritas «mit mir» vermittelt Gotte/Götti für benachteiligte Kinder: caritas-zuerich.ch, mit mir Leihgrosi gegen Bezahlung: misgrosi.ch Bücher und Filme Paula Lanfranconi und Ursula Markus: Durch dick und dünn. Grosseltern von heute und ihre Enkel, hrsg. von Grossmütter­ Revolution, Helden Verlag 2011 François Höpflinger u.a.: Enkelkinder und ihre Grosseltern, Intergenerationelle Be­ziehungen im Wandel, Seismo Verlag 2006. Film: Enkel für Anfänger, Komödie, 2020

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lebensraum

Nähe und Distanz

Charlotte (68) und Werner Wehren (73), Basel

Die Kinder verlassen eines Tages das ­elterliche Haus, heiraten, haben eigene Kinder und schlagen ihre Zelte irgendwo auf, oft in beträchtlicher Distanz zu den Grosseltern. Das ist der Gang der Dinge. Diese Erfahrung machen viele ältere Menschen. Bei Charlotte Wehren und ­ihrem Ehemann Werner aus Basel ist es genau umgekehrt: Die Kinder 8

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ziehen bald wieder in die Nähe, sogar sehr nahe. Der Nähe damit nicht genug: Auch die Schwiegereltern von Kathrin leben in diesem Quartier. Das Hüten der Enkelkinder könnte bei Bedarf also noch aufgeteilt werden. Charlotte freut sich enorm, gibt aber auch zu bedenken: «Bis jetzt war das Zusammentreffen mit den Gross-

kindern für alle immer etwas Besonderes. Aus diesem Highlight werde nun irgendwie der Normalfall. Befürchtet sie nicht, in Zukunft stärker, als ihr lieb ist, in grosselterliche Verpflichtungen eingebunden zu werden, wenn alle so nahe beieinander leben? «Nein», sagt sie überzeugt. «Unsere beiden Töchter und ihre Partner waren sich von Anfang an einig, dass sie für regelmässige Hütedienste eine Kita in Anspruch nehmen und froh sind, wenn sie uns Grosseltern für gelegentliches Hüten einsetzen können.» Nur auf den Support der Grosseltern zu zählen, war keine Option. Charlotte Wehren macht auch keinen Hehl aus ihrer Meinung, dass sie zwar im Notfall für Kinder und Enkelkinder immer einspringen würde, aber eben auch ihr eigenes Leben weiterführen möchte. Sie sei zwar pensioniert, habe aber als Pfarreiratspräsidentin immer noch ein beträchtliches Arbeitspensum, das sie zeitlich stark beanspruche. Auf eine gewisse Abgrenzung scheint sie bei aller Liebe auch aus persönlicher Erfahrung grossen Wert zu legen. Sie wuchs in einem DreigenerationenHaushalt mit ihrer Grossmutter auf und machte in ihrer Jugend nicht die besten Erfahrungen damit. «Ich habe unter ihrer Strenge gelitten», er­innert sie sich. Der Schwiegersohn habe einmal gesagt, die Grossmutter sei ein «Feldweibel im Frauenrock» gewesen. Ihre eigene Mutter sei in einer Zwickmühle gewesen und musste immer wieder vermitteln. «Sie war ja auch froh, dass sich meine Grossmutter um uns gekümmert hat.» Das angespannte Verhältnis zwischen der Grossmutter und ihr normalisierte sich erst in ihrem Erwachsenenalter. Die Grossmutter wurde übrigens über 100 Jahre alt. Dass ein Zusammenleben am gleichen Ort durchaus funktionieren kann, hat hingegen Charlotte Wehrens Ehemann erfahren. «Er ist mit einem blinden Grossvater im gleichen Haus aufgewachsen, und die beiden hatten es sehr gut zusammen.»


«Alte Frauen sind da – auch die Unsichtbaren» Barbara Bischoff (72), Nänikon

Mit 56 Jahren wurde Barbara Bischoff zum ersten Mal Grossmutter. «Das hatten wir nicht gerade erwartet, steckte die Tochter doch noch mitten im Stu­ dium», erinnert sich Barbara Bischoff, die bis zu ihrer Pensionierung als Bildungsverantwortliche arbeitete. ­Gefreut hätten sich trotzdem alle. «Ich half, so gut es ging.» Einmal pro Woche legte sie oder ihr Mann einen regelmässigen Hütetag bei ihrem Enkelkind ein und bot sich ­in dringenden Fällen zusätzlich als Hilfe an. In der Zwischenzeit ist diese jüngste Tochter mit dem Vater des Kindes schon lange verheiratet, zwei weitere Kinder wurden geboren. Die Familie wohnt in der Nähe der Grosseltern im Kanton Zürich. Weniger «face-to-face-­ Kontakt» pflegt Barbara Bischoff nicht überraschend mit den zwei Kindern des Sohnes, der viel weiter entfernt wohnt, in Hamburg.

Barbara Bischoff ist sehr gerne Grossmutter, Unterschiede zu früheren ­Zeiten sind ihr aber nicht entgangen. «Da war ein Kind noch ein Kind, heute ist ein Kind sehr oft ein Projekt.» Um Kinder werde oft ein Riesentheater ­gemacht, sagt sie. Der soziale Druck unter den Müttern, dass alles perfekt sein müsse, sei enorm gross geworden, bedauert sie. Ebenso herrsche in der Schule ein anderer Ton. «Wenn ein Kind schlechte Noten hat, ist für viele Eltern heute einfach die Lehrperson schuld.» Barbara Bischoff macht sich aber nicht nur Gedanken über die Gegenwart, sondern auch über die Zukunft, nicht zuletzt auch über die Zukunft der älteren Menschen. Sie hat sich deshalb d ­ er Zürcher Sektion der «Grossmütter­ Revolution» angeschlossen. Diese ­Organisation wolle die Öffentlichkeit stärker sensibilisieren, ihr aufzeigen,

was insbesondere ältere Frauen Tag für Tag leisteten. «Alte Frauen sind da – auch die Unsichtbaren», stand auf einem Spruchband im Juni 2020 zum 1­-Jahr-Jubiläum des zweiten Frauenstreiks. Zwar werde in den Medien immer w ­ ieder das Bild von wohlhabenden ­Alten gezeigt. Das sei aber nur ein ­kleiner Ausschnitt der Realität, ein sehr ein­seitiges Bild und treffe gerade für ­alleinstehende Frauen im Grossmutter-Alter oft nicht zu. «Viele drohen zwischen Stuhl und Bank zu geraten.» Einerseits seien sie finanziell meist schlechter gestellt als die Männer. Anderseits werde das Gros der Pflege­ arbeit zu Hause immer noch von Frauen geleistet. Deshalb heisse die Organisation auch nicht «GrosselternRevolution». Die Männer müssten eben in eigener Sache aktiv werden, so Barbara Bischoff, die seit bald 50 Jahren mit dem gleichen Mann verheiratet ist.

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Donnerstag ist Grosseltern-Tag Maria (62) und Bernhard Fässler (64), Tobel TG Das erste Lächeln, das erste Krabbeln, das erste Wort, das langsame Erlernen der Sprache, die Entwicklung der motorischen Fähigkeiten: Mitzuverfolgen, wie ein Baby sich von Geburt an in einem rasanten Tempo entwickelt, ist eine wunderbare Sache. Maria und Bernhard Fässer aus Tobel im Kanton Thurgau sind ­momentan Zeitzeugen dieser Entwicklung. Vor eineinhalb Jahren wurden die beiden, die selber drei Kinder haben, erstmals Grosseltern. Dennoch haben sie am Anfang ein bisschen gezögert, als der Sohn und die Schwiegertochter fragten, ob sie sich einen wöchent­lichen Hütedienst an einem fixen Tag vorstellen könnten. «Wir haben nicht sofort Ja gesagt», gibt Bernhard ­Fässler zu, der wegen eines Spitalaufenthalts auf dem Bild hier leider fehlt. Sie wollten zuerst überlegen, ob sie bereit waren, gewisse Einschränkungen in Kauf zu nehmen 10

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und sich zu verpflichten. Eine Lösung musste gesucht werden, weil die Eltern erwerbstätig bleiben wollten. Am Montag und Dienstag jeder Woche fand das Grosskind bereits in der Kita Unterschlupf. Druck setzte jedoch niemand auf. «Wenn wir Nein gesagt hätten, wäre Ophelia einfach noch einen Tag länger in der Kita geblieben», sagt Bernhard Fässler. Doch die (Vor)freude, mit der Enkelin einen Tag pro Woche verbringen zu können und sie aufwachsen zu sehen, überwog schliesslich. Maria und Bernhard Fässler erwecken nicht den Eindruck, als ob sie diesen Schritt bereuen würden, o ­ bwohl sie mit dem Auto immer eine einstündige Hin- und Rückreise nach Cham unter die Räder nehmen müssen. Immerhin verfügen sie inzwischen über mehr zeitlichen Spielraum als ­früher. Ingenieur Bernhard Fässler hat

sich letztes Jahr aus dem Berufsleben zurückgezogen. Und auch Maria Fässler ist heute nur noch mit einem kleinen Teilpensum berufstätig. So pilgern sie jeden Donnerstag nach Cham, gehen mit der Kleinen in der ­Natur spazieren oder sehen sich mit dem Enkelkind Kinderbücher und Familienfotos an... Stellt sie einen Unterschied im U ­ mgang zwischen ihren eigenen ­Kindern und dem Grosskind fest? ­ Ja, sie sei ein bisschen ängstlicher, ­ fällt Maria Fässler auf. «Man möchte auf keinen Fall etwas falsch machen.» Der Rhythmus von einem Besuch pro Woche wurde auch in der ­Corona-Zeit beibehalten. «Aber wir haben uns strikt gegen aussen isoliert und sind jedem Risiko aus dem Weg gegangen», sagt er. Und den Sohn und die Schwiegertochter haben sie auch nicht mehr umarmt, um ein Ansteckungsrisiko möglichst auszuschalten.


«Grosskinder sind das Dessert des Lebens» Heidi Jost (54), Winterthur

Die Familienverhältnisse von Heidi Jost sind etwas kompliziert. Die 54-Jährige lebt heute in zweiter Ehe mit ihrem Mann Mike in Winterthur, der selber zwei Kinder hat. Der ersten Ehe von Heidi Jost sind ebenfalls zwei Kinder entsprungen: Tochter Sarah hat den Enkel Vincent geboren. Der Ex-Mann von Heidi Jost brachte zudem bereits Sohn Kwame in die Ehe mit. Dieser h ­ at zusammen mit seiner Frau Helen zwei Kinder: Maliyah und Enea. Alles in allem eine bunte Multikulti-­Truppe; der Exmann stammt aus Ghana. Patchwork-Familien sind heute keine Seltenheit mehr. Es gibt eine reich­ haltige Literatur, wie in solchen nicht immer einfachen Konstellationen trotzdem ein gutes Zusammenleben möglich ist. In den Buchregalen finden sich auch Märchenbücher über böse Stiefmütter und komplizierte Verhältnisse zu Stiefsöhnen oder Stieftöchtern. Solche Sorgen kennt Heidi Jost nicht. Die Kinder ihres Stiefsohnes und von dessen Frau – zu denen sie ein sehr gutes Verhältnis pflege – seien ihr genauso ans Herz gewachsen wie ihr eigenes Enkelkind Vincent. Sie hat sie auch a ­ ufwachsen gesehen, ihr Stiefsohn ist übrigens nur acht Jahre jünger als sie. «Ich war quasi seine ältere Schwester», sagt sie. Es sei wunderbar, einen Stief­sohn zu haben, an dessen Leben man teilnehmen dürfe, ohne dem Stress d ­ er Schwangerschaft oder der Geburt gleich stark ausgesetzt zu sein wie als direkt Betroffene. Wenn die Enkelkinder Maliyah und Enea zu Besuch kommen, liege es allein in ihrer Kompetenz, wie sie mit den Kindern umgehe. Das Motto heisse: «Du machst es schon richtig». Die Schwiegertochter sei zum Beispiel Vegetarierin und koche entsprechend. Bei Grossmutter Heidi Jost dürften die Enkelkinder aber auch Fleisch essen. Und während die Enkelkinder zu Hause keinen Fernseher ­haben, ist bei ihrer Grossmutter auch

einmal ein Guetenacht-Gschichtli oder ein DVD-­Film ­erlaubt, ohne dass die Eltern intervenieren. Sie schätze diese Freiheiten, geniesse die gemeinsamen Stunden und Tage mit den Enkelkindern sehr. «Gross­ kinder sind das Dessert des Lebens», schwärmt Heidi Jost. Der Besuch des Technoramas in Winterthur sei ein ­fester Bestandteil des Programms. Sonst plane sie möglichst nichts mit den Enkelkindern. «Die Kinder haben ­ in der Schule schon genug Programm.» Sie arbeite selber noch zu 80 Prozent, sagt die Pflegefachfrau und Sozialarbeiterin. Ihr eigenes Leben möchte sie so weiterführen. Heidi Jost ist in einem Mehrgenerationenhaus aufgewachsen. «Meine Grosseltern väterlicherseits haben meine Eltern nach Hause ge­rufen, als diese Unterstützung be­nötigten.» Grosseltern, Eltern, die drei Geschwister und sie lebten faktisch unter einem Dach. Das entspreche allerdings nicht ihrem Wunschszenario.

«Ich schätze die Freiheiten einer Grossmutter, geniesse die gemeinsamen Stunden und Tage mit meinen Enkelkindern sehr.» Heidi Jost

Von Grosi bis Groma, von Dädi bis Grosspi Je vielfältiger und multikultureller das Leben wird, desto breiter wird auch d ­ er Wortschatz rund um die Bezeichnung Grossmutter o ­ der Grossvater. ­ In der Schweiz waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die ­Bezeichnungen Grossmueter und Grossvatter sehr gebräuchlich, wie der Sprachatlas der deutschen Schweiz weiss. Im Bernbiet waren es die Begriffe Grosätti und Grosmüeti. Offenbar ist der Zusatz «Gross-» erst wenige hundert Jahre jung. Sprachforscher gehen d ­ avon aus, dass dies mit der lange Zeit populären französischen ­Sprache zu t­ un hat und dass die Begriffe Grand-maman und Grand-père nach und nach in unseren Sprach­ gebrauch übergegangen sind. ­Beliebt waren (und sind) die ­Bezeichnungen Grosmueter, Grosmueti, ­Grosmutti oder – ­verkürzt –­ Grosi. Im Bündnerland und im St. Galler Rheintal werden noch heute die Begriffe Aani und Nani für ­Grossvater verwendet. Und Eni oder Neni für die Grossmutter. ­ Im Bernbiet und im F ­ riburgischen beliebt waren (und sind) der ­Grosätti. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten sind neuere Wörter hinzugekommen, zum Beispiel Grosspi und Groma. Und selbstverständlich lassen sich die ­moderneren Grosseltern immer mehr mit dem eigenen Vornamen ansprechen. Und weil die deutsche Sprache weit verbreitet ist, hört man oft auch Oma und Opa, ­zuweilen auch Grossmama ­und Grosspapa. Bei Menschen mit Migrationshintergrund kommen die entsprechenden Begriffe ihrer Muttersprache zum Tragen. (rob)

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«Enkelkinder aktivieren körperlich, geistig und sozial»: Pasqualina Perrig-Chiello.

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«Grosseltern sind Vorbilder – ob sie wollen oder nicht» Grosseltern zu sein, ist ein sehr beglückendes Gefühl. «Die Welle von Glückshormonen wirkt verjüngend», sagt die emeritierte Professorin und Entwicklungspsychologin Pasqualina Perrig-Chiello. Die Gesellschaft müsse allerdings dafür sorgen, dass die Grossmütter der Babyboomer-Generation wegen ihrer Doppelbelastung nicht im Stich gelassen werden. Interview: Markus Sutter  Foto: Daniel Rihs

Bei meiner Schwester sehe ich gerade, wie ­ sie als Grossmutter aufblüht. Enkelkinder scheinen wie ein Jungbrunnen zu wirken. ­Haben Sie dafür eine Erklärung? Pasqualina Perrig: Abgesehen davon, dass einige

dass Frauen nach wie vor als primäre Ansprechpersonen für die sozialen Belange fungieren. Sie sind das Verbindungsglied der Generationenbeziehungen. Aber das kann sich ändern.

wenige sich am Label «Grossmutter/Grossvater» stören und dieses als ältermachend empfinden, gilt für die grosse Mehrheit, dass Enkelkinder eine Art Jungbrunnen sind. Die Gründe sind psychologischer Art und daher universell: Enkelkinder aktivieren körperlich, geistig und sozial – all das hält jung. Die unbeschwerte Art der Kinder, ihre rasche Entwicklung und Entdeckung der Welt, das ist ansteckend. Die Welle von Glückshormonen wirkt verjüngend. Und: Grosselternschaft ist eine sinnstiftende Rolle und eine neue Aufgabe.

Wiederholt sich quasi für Grosseltern mit ihren Enkeln, was sie bereits einmal als Eltern mit ihren Kindern erlebt haben? Oder sind das zwei unterschiedliche Erfahrungen in unter­ schiedlichen Lebensphasen?

Ist es ein anderes Gefühl, jemand Nahe­ stehenden zu betreuen, dessen Zeit langsam ­ abläuft als jemanden, der das Leben noch vor sich hat?

Auch wenn beide Aufgaben anspruchsvoll und bedeutsam sind, werden sie sehr unterschiedlich wahrgenommen. Die Entwicklung eines Kindes zu verfolgen, ist spannend und beglückend. Die Betreuung einer älteren Person kann auch mit viel Befriedigung verbunden sein, jedoch ist hier die Perspektive zumeist keine positive und somit auch häufig mit chronischer Belastung verbunden. Täuscht der Eindruck oder haben Grossmütter oft ein noch innigeres Verhältnis zu ihren ­Enkelkindern als Grossväter?

Forschungsresultate zeigen in der Tat, dass Frauen mehrheitlich mehr Freude an der Grosselternrolle haben als Männer, dass sie sich mehr in dieser Rolle engagieren und den Kontakt mit den Enkelkindern mehr über das Emotionale definieren als Grossväter. Das hat sehr viel damit zu tun,

Die meisten Grosseltern beschreiben die Erfahrung mit den Enkelkindern als völlig anders als jene mit den eigenen Kindern. Sie empfinden die neue Rolle als weit intensiver, emotionaler und beglückender. Nicht nur das Wegfallen der direkten Verantwortung, sondern auch die Lebenserfahrung und das «Sich-kümmern-dürfen» für die jüngste Familiengeneration spielen eine wichtige Rolle. Dürfen oder sollen Grosseltern weniger streng sein, also mehr durchgehen lassen?

Auch wenn die meisten Grosseltern dazu tendieren, grosszügiger und gelassener zu sein als die Eltern, nehmen sie nachweislich mehrheitlich eine kompensierende Rolle in Sachen Erziehung ein. Je nach Erziehungsstil ihrer Kinder sind sie mehr oder weniger streng. Sie achten ganz offensichtlich im Interesse des Kindes darauf, dass der Erziehungsstil passt. Grosseltern haben letztlich – ob sie wollen oder nicht – als Vorbilder eine erzieherische Funktion. Viele Grosseltern krempeln ihr Leben geradezu um, richten ihre Agenda ganz nach den ­Bedürfnissen ihrer Enkelkinder und von deren ­Eltern aus. Befürworten Sie das?

Nun, das kann nötig und erwünscht sein – sei e­ s aus einem persönlichem Bedürfnis, sei es aus Visit Herbst 2020

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f­amiliärem Interesse. Wichtig scheint mir, dass Und wie lassen sich Konflikte am ehesten dabei keine unausgesprochenen Return-­zufriedenstellend bereinigen? Erwartungen damit verbunden sind. Ansonsten Als Erstes sollten Grosseltern erkennen, dass sie ist der Unfriede programmiert. Hier ist eine bloss eine beratende und unterstützende Funktion ­offene Kommunikation unabdingbar. haben, ohne Anspruch auf direkten Einfluss. Eskalationen lassen sich vermeiden, indem man viel Die Babyboomer-Generation, miteinander spricht, sich nicht zu viel einmischt, die zunehmend ins Grossnicht auf die eigene Erfahrung pocht, sondern «Grosseltern empfinden eltern-Alter kommt, achtet vielmehr auf die Karte von Wertschätzung und ihre Rolle als intensiver, vermehrt auf A ­ utonomie und Respekt setzt.

emotionaler und ­beglückender als früher ­ bei der Erziehung der eigenen Kinder.»

artikuliert auch die eigenen Bedürfnisse stärker. Oder täuscht dieser Eindruck?

Es ist tatsächlich so, dass die Babyboomer die mit der Grosselternrolle zusammenhängenPasqualina Perrig-Chiello den Erwartungen an sie nicht mehr als selbstverständlich erachten. Die meisten sind mit Begeisterung Grosseltern und helfen, wo sie können. Gleichzeitig sind sie sich aber auch bewusster als frühere Generationen, dass die erbrachten Hilfeleistungen auch einen sozialen und wirtschaftlichen Wert haben, und können sich abgrenzen.

Ja, bei den meisten Konflikten ist das die beste Strategie, ausser wenn das Kindeswohl tat­ sächlich und nachweislich in Gefahr ist. Aber in solchen Fällen gibt es externe Hilfe wie etwa die Familienmediation. Einige Grosseltern machen bei Scheidungen ­i hrer Kinder oder Streit mit den Eltern sicher die Hölle durch. Wie sieht die Rechtslage in der Schweiz aus: Haben Gross­eltern ein Recht, ihre Enkelkinder zu sehen, s­ o wie einem Elternteil ein derartiges Recht auch zugespro­ chen werden kann?

Vor allem die Frauen dieser Babyboomer-­ Generation sehen sich oft mit zwei Kernauf­ gaben konfrontiert: Sie kümmern sich um die eigenen Eltern und gleichzeitig auch noch um die Enkelkinder, deren Eltern berufstätig ­­ sind. Werden Grosseltern die zukünftigen Burnout-Kandidaten?

Ein eigentliches Besuchsrecht steht nur den ­Eltern des Kindes zu. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB kann aber den Grosseltern, wenn das Kindeswohl es zwingend verlangt und wenn bereits eine sehr enge Bindung besteht, ein Besuchsrecht einräumen.

Vor allem die Altersgruppe der 55- bis 65-Jährigen befindet sich nachweislich in einer intergenerationellen Sandwich-Situation und wird mit Solidaritätserwartungen seitens der jüngeren wie der älteren Generation konfrontiert. Zudem stecken sie auf dem Arbeitsmarkt als ältere Arbeitnehmerinnen oft in einer heiklen Situation. Es ist daher sehr wichtig, dass diese Thematik von der Gesellschaft wahrgenommen wird. Die Frage nach Entlastungsangeboten ist nicht nur eine ­private, sondern auch eine politische Aufgabe.

Eine letzte, private Frage: Sind Sie selber auch schon Grossmutter?

Nicht immer herrscht Friede, Freude, Eierkuchen im Verhältnis der Generationen. Was sind die grössten Konfliktfelder?

Meinungsverschiedenheiten sind unvermeidlich. Schliesslich unterscheiden sich die Eltern- und die Grosselterngeneration nicht nur durch unterschiedliche Wertvorstellungen, sondern auch durch die Verantwortung. Konfliktfelder entstehen häufig, wenn sich die ältere Generation in die Erziehung der Enkelkinder einmischt oder wenn Enkelkinder instrumentalisiert und in Loyalitätskonflikte gebracht werden. 14

Sollten Grosseltern um des Friedens willen eher nachgeben und sich selber zurücknehmen?

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Ja, seit fast einem Jahr bin ich überglückliche Grossmutter eines kleinen Jungen. Ich versuche aber, mich nicht einzumischen. Schliesslich möchte ich es den jungen Eltern nicht nehmen, ihre eigenen Erfahrungen zu sammeln. Und ich habe volles Vertrauen in sie.

Persönlich Pasqualina Perrig-Chiello (68) ist emeritierte Professorin für Entwicklungspsychologie der Lebensspanne der Universität Bern sowie Psychotherapeutin. Sie leitete ein Nationales Forschungsprogramm zu Generationen­­ beziehungen und publizierte zahlreiche ­Forschungsbeiträge zum mittleren und ­höheren Alter. Seit ihrer Emeritierung leitet sie die ­Seniorenuniversität Bern. Pasqualina Perrig-Chiello ist verheiratet, ­ hat zwei Söhne und ein Enkelkind.


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Mit Training die Lebensqualität stärken Regelmässige Bewegung fördert die Gesundheit beim Älterwerden. Beweglichkeit, Gleichgewicht und Kraft können dank verschiedener Angebote wirkungsvoll trainiert werden.

In der Corona-Pandemie konnten Bewegungskurse nicht mehr stattfinden oder Fitnessstudios mussten schliessen. Diese Zeit hat aber aufgezeigt, dass mit dem richtigen Programm das Training genauso gut auch zu Hause möglich ist – HOMEX ist eines dieser Trainingsprogramme. Angeleitet trainieren HOMEX wurde von Fachpersonen der Universität Zürich entwickelt. Der Name HOMEX leitet sich von «Home Exercise» ab – zu Deutsch Heimtraining. Auf der Website www.myhomex.ch sind Videos mit Übungen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden für jeden Tag zu finden. Die Übungen werden von einer Physiotherapeutin angeleitet.

Bild: iStock

Kurze Dauer, grosse Wirkung Das tägliche HOMEX-Training dauert je nach selbstgewählter Anzahl Kraftübungen zwischen 20 und 40 Minuten. Der Ablauf ist genau festgelegt: Auf ein Aufwärmen folgen Kraftübungen. Den Abschluss des Trainings bilden entspannende Dehnübungen. Was es fürs Trainieren braucht Für die Übungen werden ein Computer, ein Stuhl und ein Trainingsband benötigt. Das Trainingsband kann kostenlos bestellt werden unter dem Link gesundheitsfoerderung-zh.ch/theraband. ­Fragen rund ums Trainingsprogramm und die Motivation beantwortet jeden Mittwoch zwischen 8 bis 11 Uhr eine physiotherapeutische Fachperson unter der Telefonnummer 077 489 24 35.

Ohne Computer trainieren Es gibt auch ein Trainingsangebot für Menschen, die keinen Computer zu Hause haben. Im Rahmen der Kampagne sichergehen.ch ist ein Booklet mit gut erklärten Kraft- und Gleichgewichtsübungen herausgebracht worden.Dieses kann online bestellt werden unter www.sichergehen.ch/booklet-bestellen. Für Leute ohne Computer gibt es die Möglichkeit der telefonischen Bestellung bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU): 031 390 22 22. Mit «DomiGym», dem Bewegungsangebot zu Hause von Pro Senectute Kanton Zürich, lassen sich Beweglichkeit, Kraft und Gleichgewicht zusammen mit einer Betreuungsperson trainieren. Diese stellt ein individuelles Trainingsprogramm zusammen und zeigt die

Übungen zu Hause. Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 058 451 51 30. Gemeinsam spazieren gehen Für alle, die gerne mit anderen Menschen zusammen etwas unternehmen, empfiehlt sich das Spazierangebot ZÄMEGOLAUFE, das in verschiedenen Zürcher Gemeinden angeboten wird. Die Parcours sind zwischen 1 und 10 Kilometer lang und in drei Schwierigkeitsgrade unterteilt: gemächliche, ­gemütliche und zügige Spaziergänge. Weitere Infos: zämegolaufe.ch


Sie hat sich «immer gewehrt und um Gleichwertigkeit und Akzeptanz gekämpft»: Autorin Isolde Schaad.


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Schreiberin und Feministin Mit kritischem Geist beobachtet Isolde Schaad die Gesellschaft und bringt ihre Analyse mit spitzer Feder zu Papier. In Schaffhausen aufgewachsen, lebt die Autorin heute in Zürich. Text: Robert Bösiger  Foto: Ayse Yavas

Isolde Schaad (75) kommt vom Schwimmen in der Limmat, als wir sie – Corona-bedingt – telefonisch erreichen. «Schwimmen ist mein Lebenselixier», sagt sie. Nicht zufällig stehe das Doppelhaus in Wipkingen, in dem sie seit Ende der 1970er-Jahre lebt, unweit der Limmat. «Dieser Fluss», so Schaad, «ist zu meinem Rhein geworden.» Die selbstverwaltete Wohnbaugenossenschaft Neuland hat sie zusammen mit einer Gruppe von Freunden und Freundinnen 1977 ins Leben gerufen. Kindheit im Paradies Isolde Schaad wächst ausserhalb von Schaffhausen als zweite Tochter des Zeichenlehrers und Kunstmalers Werner Schaad (1905–1979) direkt am Rhein auf. «Es war eine paradiesische und glückliche Kindheit», erinnert sie sich. Viel Zeit haben sie und ihre Geschwister am und auf dem Wasser zugebracht. Zuweilen habe sie mit Freunden und dem Lateinbuch den familieneigenen Weidling bestiegen, um Wörtchen zu lernen, «aber das Lateinbuch blieb natürlich geschlossen». Der Zweite Weltkrieg habe in Schaffhausen noch lange nachgewirkt, sagt sie. Weil in Schaffhausen die «Fröntler» eine starke Fraktion bildeten, bekämpft von der SP unter Nationalrat Walther Bringolf, sei ihr die Deutschfeindlichkeit nach dem Krieg noch sehr präsent. Im Volksmund wurde das Schimpfwort «Sauschwobe» oft verwendet. Ihre Eltern aber hatten in Deutschland Künstlerfreunde. Dies waren dann die «guten Deutschen». Mit ihrem Vater habe sie des Öfteren Auseinandersetzungen gehabt. Er habe das, wofür sie stand

und eintrat, nicht so recht akzeptieren mögen. Später versöhnt sie sich mit ihm, schreibt zusammen mit Tina Grütter und Klaus Unger sogar eine Monografie über ihn («Werner Schaad oder Wie ein Kunstmaler sich in der Provinz einrichtet», Meili Verlag, 1980). Jugendzeit in Unruhe Ursprünglich möchte Isolde Schaad wie ihr Vater eine künstlerische Laufbahn einschlagen. Sie studiert Kunstgeschichte, Ethnologie und Publizistik, schliesst aber nicht ab. Denn mittlerweile hat sie bereits Fuss gefasst im Journalismus. Zunächst habe sie ganz klein bei den «Schaffhauser Nachrichten» erste Gehversuche gewagt. Doch schon zu dieser Zeit hatte es ihr die «Zürcher Woche» angetan. Dieses Blatt, eine 1949 gegründete Wochenzeitung, versammelte damals kritisch-nonkonforme Köpfe wie Roman Brodmann, Werner Wollenberger und Rolf R. Bigler. Diese Nonkonformen waren so etwas wie die Vorboten der 68er-Bewegung. Die «Zürcher Woche», die Themen des linken und rechten Lagers aufgriff und kontrovers behandelte, verstand sich als Gegenmodell zur «Weltwoche». Das Blatt wurde um 1969 in das erste Schweizer Nachrichtenmagazin «Sonntags-Journal» umgebaut, hielt aber nur bis 1972 durch. Isolde Schaad schwärmt von dieser neuen Art Journalismus und wird gleichzeitig animiert, selber in die Tasten zu greifen. So macht sie sich rasch als engagierte, linke und feministische Schreiberin bekannt, wird von François Bondy und Dieter Bachmann in die Kulturredaktion der «Weltwoche» eingeführt und von Chefredaktor Visit Herbst 2020

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«Ich hatte eine paradiesische und glückliche Kindheit.» Isolde Schaad

Aus dem Familienalbum von Isolde Schaad: Zusammen mit Schriftsteller-Kollege Franz Hohler (oben) und als junge, emanzipierte Frau (unten).

Hans O. Staub gefördert. Der Umgang mit Frauen im Journalismus sei damals – zumindest aus heutiger #metoo-Sicht – fragwürdig gewesen, erinnert sich Isolde Schaad. Oft sei sie einfach «das Meitli» gewesen, das man habe beliebig anstellen können. Sie persönlich aber habe nicht gelitten unter dem Patriarchat, «weil ich mich immer gewehrt habe und um Gleichwertigkeit und Akzeptanz gekämpft habe». Zu dieser Zeit kreuzen sich ihre Wege auch mit den beiden profilierten Persönlichkeiten Niklaus Meienberg (1940–1993) und der Frauenrechtskämpferin Laure Wyss (1913–2002). Engagierte Feministin Trotz der damals goldenen Zeit bei den Printmedien entscheidet sich Isolde Schaad 1974 für eine freiberufliche Tätigkeit. Sie schreibt fortan für alle wichtigen Schweizer Printmedien, spezialisiert sich auf ausgedehnte Reportagen-Texte und Kulturjournalismus. Obwohl sie nie einer Partei angehört, macht sie sich rasch einen Namen als dezidiert linke Schreiberin und Feministin. Als eine, die sich einmischt, wenn es sich zu kämpfen lohnt. Der ehemalige Journalist, Medienrechtsprofessor und SRG-Ombudsmann Roger Blum erinnert sich, wie Schaad sich beim sogenannten «Tagi-Frühling» anno 1986 stark engagierte. Die zivilgesellschaftliche Bewegung kämpfte damals gegen die Bevormundung der freien Meinungspresse, die an der Spitze der Tamedia herrschte. Etwa zur gleichen Zeit konzentriert sich Isolde Schaad zunehmend auf ihre Rolle als Autorin und publiziert Bücher. Ihr Werkverzeichnis umfasst gut ein Dutzend Bücher (vgl. Box). 1984 erschien ihr Erstling «Know-how am Kilimandscharo», 2019 das bisher letzte Buch, «Giacometti hinkt. Fünf 18

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Wegstrecken, drei Zwischenhalte» (Limmat-­ Verlag). Sie beobachtet mit wachen Augen und kommentiert scharf. Ihr 1997 erschienenes Werk «Mein Text so blau» wurde von der Schweizerischen Schillerstiftung zum «Buch des Jahres» erkoren. Apropos Preise: Die «streitlustige Ruferin wider den kulturellen Untergang» heimst zahlreiche Auszeichnungen und Preise ein, so auch 2014 die «Goldene Ehrenmedaille» des Kantons Zürich. Solche Preise bedeuten einerseits Wertschätzung, andererseits helfen sie dabei, als freischaffende Autorin über die Runden zu kommen. Kinder waren zwar einst ein Thema, aber es sei nichts daraus geworden, räumt sie ein. Zudem: «Unsere Generation von Frauen musste kämpfen, um Autonomie und Gleichstellung im Beruf zu erlangen, das hatte damals Priorität, nichts wollten wir weniger als eine bürgerliche Kleinfamilie.» Vermisst hat sie eigene Kinder nicht. Denn in der von ihr mitbegründeten Genossenschaft wurde Wert auf die Mischung von Familie, Paar und Single gelegt. «Nun freuen wir uns, wenn die Enkelkinder den Garten bespielen.» Radikaldemokratin Wie sieht ein typischer Tag im Leben der Isolde Schaad aus? Nach dem Aufstehen mache sie zunächst ihre Turnübungen. Dann, nach der Dusche und nach dem Morgenessen, lese sie ausführlich Zeitung und erledige Administratives. Am Nachmittag gehe sie in ihr Schreibbüro, um zu recherchieren und zu schreiben. Ihr Schreibzimmer ist Teil einer Bürogemeinschaft bestehend aus Filmproduzentinnen, einem Übersetzer und einer Bühnenbildnerin. Isolde Schaad sagt: «Selbstverständlich ist ein solches Schreibzimmer ein kleiner Luxus, aber für mich ist es wichtig.» Dann fügt sie noch an: «Andere haben ein Ferienhäuschen oder eine Ferienwohnung, ich halt mein Büro.» Derzeit arbeitet sie an einem neuen Projekt zu einem Erzählband zum Thema Aufhören. Die Corona-Zeit habe sie etwas in Verzug gebracht. «Jetzt krabble ich langsam wieder hinaus und gehe schwimmen oder Velo fahren und mache Yoga.» Wie zufrieden ist die Frau, die sich selber als «Radikaldemokratin» bezeichnet, mit der Schweiz? «Wir haben eine lebendige Demokratie, die wir unbedingt pflegen und verteidigen müssen», sagt sie. Mit Sorge blickt Isolde Schaad auf zunehmende Rechtstendenzen vor allem in Deutschland. Sie setzt auf die jungen, kreativen Menschen und Politiker sowie auf die Klimajugend. Und sagt: «Viele sind sich nicht so recht bewusst, wie privilegiert wir SchweizerInnen sind. Aber: Wir müssen den Rechts- und Sozialstaat verteidigen!»

Werke von Isolde Schaad Isolde Schaad hat zwischen 1980 und heute zahlreiche Bücher publiziert, die meisten im Limmat-Verlag. VISIT stellt einige kurz vor: «Giacometti hinkt. Fünf Wegstrecken, ­ drei Zwischenhalte» (2019) Packend erzählt die Autorin von den modernen Gangarten in der grossen Kleinstadt und würzt sie mit Betrachtungen aus der Fuss­ gängerpassage. «Am Äquator. Die Ausweitung der Gürtellinie in unerforschte Gebiete» (2014) Eine Erzählung, die in ihrer Brisanz und ­Menschenkenntnis vieles, was heute im ­literarischen Trend liegt, hinter sich lässt. «Robinson und Julia… und kein Liebestod» (2010) Mit diesem Roman erweist sich die Autorin als eine der sprachmächtigsten Figuren der deutschsprachigen Literatur aus der Schweiz. «Mein Text so blau. Der Sound der Literatur. Essays, Stories und Dramen vom Tatort» (1997) Die Autorin seziert und kommentiert bissig den Literaturbetrieb und ihre Schaffer und Vermittler. «Body und Sofa. Liebesgeschichten aus der Kaufkraftklasse» (1994) Die Autorin taucht ohne Berührungsängste ein in die Welt des Konsums. «KüsschenTschüss: Sprachbilder und ­Geschichten zur öffentlichen Psychohygiene» (1989) Scharfzüngige Analyse der Szenensprache ­ in Beizen und in Politik. «Know-how am Kilimandscharo. Verkehrs­formen und Stammesverhalten von Schweizern in Ostafrika» (1984) Die Autorin wandert mit offenen Augen durch Afrika und beschreibt und geisselt dabei das Verhalten der Schweizer.

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Pro Senectute Kanton Zürich


lebensart

Tipps zum Thema Ausgewählt von der Pro Senectute Bibliothek

Filme

Bücher The farewell. Ein Film von Lulu Wang. Zürich: Ascot Elite Home Entertainment, 2019

Als die in New York aufgewachsene Billi von ihren Eltern erfährt, dass ihre geliebte Grossmutter Nai Nai in China nur noch kurz zu ­leben hat, steht ihr Leben kopf. Die Familie beschliesst, Nai Nai im Ungewissen zu lassen und ihr die tödliche Krankheit zu verschweigen. Um die plötzliche Anwesenheit der ganzen Familie plausibel zu erklären, wird kurzerhand eine Spontanhochzeit organisiert… Während Billi versucht, die Lüge aufrechtzuerhalten, stösst sie auf Dinge, die ihr eigenes Leben verändern. Es ist die Chance, sowohl das Land ihrer Eltern als auch den wundersamen Geist i­ hrer Grossmutter wiederzuentdecken. Madame. Die Geschichte eines schwulen ­Jungen und seiner unkonventionellen Grossmutter. Ein Film von Stéphane Riethauser. Berlin: Salzgeber & Co. Medien, 2020 Caroline ist eine Dame, die ihrer Zeit stets v­ oraus war. Die 1920er-Jahre sahen für Frauen eigentlich Heim und Herd als Lebensaufgaben vor. Caroline aber ­befreit sich aus der Ehe, die ihre Eltern für sie arrangiert haben, und wird eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Und auch im weiteren Leben setzt sie sich immer wieder über Grenzen hinweg, die die patriarchale Gesellschaft für sie vor­gesehen hat. Über 50 Jahre später führt ihr Enkelsohn Stéphane ­einen ähnlichen Kampf: Als schwuler Junge in einer grossbürgerlichen Schweizer Familie sucht er der Rolle des ­angepassten, maskulinen Heteros zu entkommen, die alle von ihm zu erwarten scheinen. Alle bis auf seine gross­ artige 90-jährige Oma Caroline.

Spiele Sag mal, Opa! Ein Spiel für Opa und Enkelkind. Elma van Vliet, 2017 «Was ist für dich immer der schönste ­Moment des Tages?», «Wer würdest du gerne einmal sein?», «Was können Kinder besser als Omas und Opas?» Bei diesem kurzweiligen Fragespielen stellen sich Oma oder Opa und Enkel abwechselnd ­lustige, überraschende und interessante Fragen und haben so die Gelegenheit, auf ganz neue Weise miteinander ins Gespräch zu kommen.

Das einzig wahre Buch für Grosseltern und ihre Enkel. Alles, was Kinder lieben. Spiele für ­drinnen und draussen, basteln, bauen, singen, experimentieren, vorlesen u.v.m. Mit Tipps für Ausflüge, spannende Sachgeschichten und Kindergedichte. E. Gordon, T. Lacey. München: Bassermann 2020 Was gibt es Schöneres für Grosseltern und ihre Enkel, als gemeinsam die Welt zu entdecken? Damit die Ideen nie ausgehen, hält dieses Buch eine Menge davon bereit: Egal, ob Drachen steigen lassen oder Schach spielen, ein Baumhaus bauen oder spannende Geschichten erzählen – hier ist für jede Gelegenheit und jede Jahreszeit etwas dabei. Alles, was Grosseltern Spass macht und Kinderaugen zum Leuchten bringt. So klappt's mit dem Welt-Retten. Kompakt-­ Ratgeber: Kleine Veränderungen mit grosser Wirkung. Das offizielle Ideenbuch zur Initiative «Enkeltauglich leben». Anja Haider-Wallner, Mona Haider. München: Mankau, 2020 Wie könnte eine Welt aussehen, die auch noch für unsere Enkel eine lebenswerte Zukunft bietet? Und was kann jeder Einzelne dafür tun? Mehr, als Sie ­glauben! Man muss keine Kinder oder gar Enkelkinder ­haben, um «enkeltauglich» zu leben. Und wir können damit nicht nur die Zukunft verbessern, sondern auch unser eigenes Leben lebenswerter gestalten. Dabei geht es nicht nur um ein ökologisch nachhaltiges Leben, sondern auch um Menschenwürde, Solidarität, Gerechtigkeit und Demokratie. Aber wie werde ich zur Veränderung, die ich mir wünsche? Und wie findet eine neue Art zu leben in meinem Alltag Platz? Ausschlaggebend sind die kleinen Schritte und tagtäglichen Entscheidungen: Was kaufe und esse ich, wie bewege ich mich fort, wie begegne ich meinen Mitmenschen, womit verbringe ich mein Leben? Wir können die Welt verbessern – nachhaltig und mit viel Herz!

Alle vorgestellten Medien können in der Pro Senectute Bibliothek ausgeliehen werden: Tel. 044 283 89 81 bibliothek@prosenectute.ch biblio.prosenectute.ch Visit Herbst 2020

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lebensart

Liebevoll umsorgt zu Hause leben Manchmal schlägt das Pendel zurück – und es sind nicht mehr die Kinder und Enkel, die froh um die Unterstützung durch die Grosseltern sind. Denn auch ältere Menschen brauchen irgendwann Hilfe im Alltag. Pro Senectute Home unterstützt sie mit professionellen Betreuungsangeboten – und entlastet Angehörige. Damit auch weiterhin ein gutes Leben in den eigenen vier Wänden möglich bleibt. Text: Stefan Boss

Viele Menschen hegen den Wunsch, im Alter zu Hause und in vertrauter Umgebung leben zu können. Dies ist auch bei der Mutter von Sabine Hahn nicht anders. Sie wohnt in einem Haus in Zürich. Nach einem Schlaganfall und anschliessender Rehabilitation wurde klar, «Der zwischenmenschliche dass sie künftig auf Unterstützung angewiesen sein Kontakt und Austausch sind würde. «Da ich und meine Schwester beide voll arbeiten, uns sehr wichtig.» können wir diese UnterstütFlurin Truog zung nicht selber leisten», erklärt Sabine Hahn. Deshalb entschied man sich, das Betreuungsangebot Pro Senectute Home (ehemals Perle) von Pro Senectute Kanton Zürich in Anspruch zu nehmen. Gegen die Einsamkeit Seit rund eineinhalb Jahren kommt nun jeden zweiten Tag eine Betreuerin vorbei, um mit der Mutter einzukaufen, das Mittagessen zu kochen oder einfach ein paar Handreichungen im Haushalt zu leisten. Insgesamt dauert der Einsatz jeweils rund vier Stunden. Nach dem Mittagessen arbeiten die Betreuerinnen vielleicht noch im Garten oder machen mit der Mutter ein Gesellschaftsspiel. Neben der praktischen Hilfe geht es auch darum, dass die Mutter nicht lange allein ist. «Einsamkeit macht vielen alten Menschen zu schaffen», weiss Sabine Hahn. Als Professorin für Pflege an der Berner Fachhochschule setzt sie sich auch beruflich mit dem Thema auseinander. An den Wochenenden gehen sie und ihre Schwester oft selber bei ihrer Mutter vorbei. Insbesondere während der Corona-Krise, als ihre 22

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Mutter keine Besuche von Freunden empfangen durfte, waren alle jedoch sehr froh um die Betreuerinnen, die unter Einhaltung der hygienischen Schutzmassnahmen vorbeischauten und mit ihrer betagten 91-jährigen Mutter spazieren gingen. «Die ganze Zeit zu Hause zu bleiben, ist nicht gesund», weiss Sabine Hahn. Besonders positiv am Angebot von Pro Senectute Home sei, dass stets dieselben Personen sich um ihre Mutter sorgten. «Ich fühle mich durch die Arbeit von Pro Senectute Home sehr entlastet», sagt Hahn. Und wenn einmal Probleme auftauchten, finde man beim zuständigen Stützpunkt von Pro Senectute Kanton Zürich stets einen guten Ansprechpartner. Pflege, Betreuung, Haushaltsarbeiten In vielen Fällen helfen die Mitarbeitenden von Pro Senectute Home auch beim Aufstehen, Ankleiden und bei der Körperpflege pflegebedürftiger älterer Menschen. Die Einsätze bestehen häufig aus einer Kombination von Pflege, Betreuung und Haushaltsarbeiten. «Manche ältere Menschen sind noch rüstig und benötigen nur gelegentlich Hilfe», erklärt Flurin Truog, Mitglied der Geschäftsleistung von Pro Senectute Kanton Zürich. «Andere begleiten wir, teilweise in Zusammenarbeit mit der öffentlichen oder einer spezialisierten Spitex, oft bis ans Lebensende.» Alle Betreuungspersonen von Pro Senectute Home verfügten über ein Zertifikat des Schweizerischen Roten Kreuzes, seien in der Region verankert und verstünden Schweizerdeutsch, versichert Truog. Pro Senectute Kanton Zürich bietet darüber hinaus ein breites Paket an weiteren Dienstleistungen


Ältere Menschen wie auch deren Angehörige fühlen sich durch das Angebot von Pro Senectute Home sehr entlastet.

Bild: Getty

an – etwa den Mahlzeitendienst CasaGusto oder eine Umzugshilfe. «Neben der professionellen Erledigung diverser Aufgaben sind uns der zwischenmenschliche Kontakt und Austausch sehr wichtig», so Truog. Liebevoller Service auch rund um die Uhr Doch was tun, wenn sich die gesundheitliche Situation plötzlich verschlechtern sollte? Seit Anfang Jahr bietet Pro Senectute Kanton Zürich auch eine 24-Stunden-Betreuung an: Eine ihrer Fachpersonen lebt dann für einen bestimmten Zeitraum im selben Haushalt mit einem älteren Menschen. Voraussetzung ist, dass die pflegebedürftige Person eine gewisse Selbständigkeit und Mobilität aufweist und für wenige Stunden alleine sein kann, damit die arbeitsrechtlich vorgeschriebenen (und für die Pflegequalität wichtigen) Ruhezeiten des Pflegepersonals eingehalten werden können. Sabine Hahn bespricht mit ihrer Mutter immer wieder auch die Möglichkeiten für den Fall, dass

sich ihr Gesundheitszustand verschlechtern sollte. Wenn Menschen im Alter weniger selbständig werden, habe betreutes Wohnen einige Vorteile, meint sie. «In einer betreuten Alterswohnung oder in einem Pflegeheim ist es wohl einfacher, neue Freundschaften zu schliessen.» Aber auch sie wünscht sich, dass ihre Mutter noch möglichst lange zu Hause leben kann.

Ganz nah für Sie da Pro Senectute Home ist rund um die Uhr für Sie da: Fachpersonen begleiten, pflegen und betreuen Sie dort, wo Sie zu Hause sind, und entlasten pflegende Angehörige. Mit fünf Standorten im Kanton Zürich ist Pro Senectute Home ganz in Ihrer Nähe. Wir kennen uns in der Region bestens aus und gehen gerne auf Ihre Wünsche ein. Informieren Sie sich über Pro Senectute Home auf pszh.ch/home oder rufen Sie uns an: Telefon 058 451 51 51.

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lebensart

Ein engagiertes Trio (von links): Elisabeth Zuber, Rosmarie Fringeli und Monique Forster.

Das Kleeblatt vom Wehntal Rosmarie Fringeli, Elisabeth Zuber und Monique Forster sorgen gemeinsam dafür, dass Pro Senectute Kanton Zürich im Wehntal verankert ist. Mit Fingerspitzengefühl wissen sie Synergien zu nutzen und gleichzeitig den unterschiedlichen Dorfcharakteren gerecht zu werden. Text: Andrea Kippe  Foto: Renate Wernli

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Blühende Wiesen mit Obstbäumen heissen einen Ende Juni in Schöfflisdorf-Oberweningen willkommen. Milane kreisen mit Störchen über einem Feld um die Wette. In der Ferne grüssen die steilen Lägernhänge. Die Natur ist nah, die grosse Stadt scheinbar weit weg, obwohl die Fahrt von Zürich-Oerlikon mit der S-Bahn nur gute 20 Minuten gedauert hat. Hier im Wehntal wirken für Pro Senectute Kanton Zürich die drei Ortsvertretungsleiterinnen Elisabeth Zuber (Niederweningen), Monique Forster (Oberweningen und Schöfflisdorf) und Rosmarie Fringeli (Schleinikon). Der Corona-Lockdown liegt noch nicht lange zurück. Gratulationsbesuche, Grillplausch, Ausflüge – alles war abgesagt. Nun müssen die Aktivitäten, soweit es die aktuellen Vorgaben erlauben, erst wieder Fahrt aufnehmen. «Die Bevölkerung war während des Lockdowns sehr gut organisiert», sagt Monique Forster. «Die Nachbarschaftshilfe hat bestens funktioniert, so dass unsere Freiwilligen, die ohnehin fast alle der gefährdeten Altersgruppe angehören, zu Hause bleiben konnten.»

Beispiel noch den selbstorganisierten Seniorenverein Altissimo sowie verschiedene Frauenvereine. Doch als Konkurrenz sieht Monique Forster diese nicht: «Wir sind mit den anderen Organisationen im Austausch, stimmen Termine aufeinander ab und nutzen die Informationskanäle gemeinsam.»

Spannende Geschichten von früher Eine der wichtigsten Dienstleistungen von Pro Senectute Kanton Zürich sind die Gratulationsbesuche, die von beiden Seiten sehr geschätzt werden, wie Rosmarie Fringeli betont. Die Kontakte zu den älteren Menschen seien kurzweilig und «Die Bevölkerung war interessant, findet das ganze während des Lockdowns Kleeblatt. Auch wenn die Mehrheit sehr gut organisiert. Die der Bevölkerung und der heutigen Seniorinnen und Nachbarschaftshilfe hat Senioren in den letzten 50 bestens funktioniert.» Jahren zugezogen ist, gebe es doch einige Hochbetagte, Monique Forster die ihr ganzes Leben im Wehntal verbracht haben und in diesem ländliDer Mittagstisch «bleibt im Dorf» chen Gebiet stark verwurzelt sind. Vor allem von Die drei Ortsvertretungsleiterinnen verstehen ihnen höre man während der Besuche viele Gesich als Team und arbeiten ganz selbstverständ- schichten über das Leben von einst. Damals waren lich über die Gemeindegrenzen hinweg zusam- die Bauernhöfe am Fuss der Lägern noch zahlreimen – beispielsweise beim Altersnachmittag, bei cher und die Bauernfamilien verkauften ihre Theatervorstellungen oder beim Grillplausch. «Es Waren in Oerlikon oder Baden auf dem Markt. sind ja verhältnismässig kleine Dörfer; da wäre Es sei eindrücklich, was diese Generation alles es schade, wenn wir alles einzeln machen wür- geleistet habe. «Sie kannte nichts anderes als Arden», sagt Elisabeth Zuber. beit, und selbst im hohen Alter So wird das Jahresprogramm können die wenigsten die HänSchaffen Sie gemeinsam gestaltet und die de in den Schoss legen», sagt Freiwilligen werden dort eingeRosmarie Fringeli. ein gutes Umfeld setzt, wo ihre Hilfe am meisten Alle drei OrtsvertretungsMöchten Sie sich gerne in gebraucht wird. Ausserdem sei leiterinnen sind ursprünglich Ihrer Gemeinde engagieren? es natürlich eine Erleichterung, «Zugezogene». Um im neuen Die jeweilige Ortsvertretung Angebote oder Anlässe gemeinUmfeld Kontakte zu knüpfen, ist die offiziell gewählte, sam zu finanzieren. Obwohl sie nutzten sie vor vielen Jahren die ehrenamtliche Vertretung Synergien konsequent nutzen, Möglichkeit, für Pro Senectute von Pro Senectute Kanton legen die drei OrtsvertretungsKanton Zürich im Wehntal verZürich in den Gemeinden. leiterinnen Wert darauf, auch schiedene Aufgaben zu überDie Leitung und ihre Mitglieden einzelnen Dorfgemeinschafnehmen, die sich gut mit dem der setzen sich aktiv und ten gerecht zu werden. Sie bieeigenen Familienleben vereinindividuell für eine bedarfsten zum Beispiel den Mittagsbaren liessen. gerechte Altersarbeit ein. tisch in jedem Dorf individuell Etwas vom Bereicherndsten an und berücksichtigen dabei an ihrem Engagement sei indes Weitere Infos und Kontakt: die jeweiligen Vorlieben der bis heute, den Erzählungen aus Stabsstelle Freiwilligen- und Seniorinnen und Senioren. alten Zeiten lauschen zu dürEhrenamtlichenarbeit Grundsätzlich sei das Angefen. Aus Zeiten, als zum Beispiel Kathrin Schwarz bot für die ältere Generation im die Fahrt mit der Dampfbahn 058 451 51 08 Wehntal gross, meint Monique von Zürich ins Wehntal noch pszh.ch/freiwillig Forster. Nebst Pro Senectute rund dreimal länger dauerte als Kanton Zürich gibt es zum heute. >> Visit Herbst 2020

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Drei Frauen, drei Ortsvertretungen – drei Fragen und Antworten

Monique Forster Ortsvertretung Oberweningen und Schöfflisdorf

Elisabeth Zuber Ortsvertretung ­Niederweningen

Rosmarie Fringeli Ortsvertretung Schleinikon

Seit wann sind Sie für Pro Senectute Kanton Zürich im Einsatz?

Seit 24 Jahren! Als meine Söhne 1996 in die Oberstufe kamen, hatte ich wieder mehr Zeit und wollte neue Menschen kennen lernen. Vor allem auch andere Altersgruppen, das finde ich spannend.

Ich habe mein Amt als Ortsvertretungs­leiterin im Januar 2020 angetreten.

Die Ortsvertretung Schleinikon habe ich im April 2017 übernommen. Für Pro Senectute Kanton Zürich habe ich mich aber schon vor über 25 Jahren in der Nachbar­gemeinde engagiert.

Das Schönste sind für mich die Gratulationsbesuche. Ich geniesse es, mit den Jubilarinnen und Jubilaren Gespräche zu führen und mich über «Allerlei» mit ihnen auszutauschen.

Ich mag die Hausbesuche und den Mittagstisch, weil ich da die ältere Generation kennen lerne und viel Interessantes aus ihrem Leben erfahre.

Welches ist Ihre liebste Aufgabe?

Beim jährlichen Grillplausch im Wald mache ich sehr gerne mit, aber auch die Gestaltung des Jahresprogrammes und die Besuche machen mir Freude.

Welche Lebens- und Berufserfahrung können Sie in Ihre Aufgaben einbringen?

Ich habe Freude an Menschen jeden Alters. Ich war in der Erwachsenenbildung tätig und habe gelernt, individuelle Stärken und Schwächen von Menschen zu erkennen. 26

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Ich war früher in der Schulpflege tätig. Gemeindeübergreifende und administrative Arbeit ist für mich nichts Neues.

Ich war Arztsekretärin und arbeitete immer gerne mit Menschen zusammen. Administrative und organisa­torische Aufgaben liegen mir und ich arbeite gerne im Team.


«Da sind wir uns einig.»

Rotkreuz-Notruf Meine Mutter will ihre Unabhängigkeit, ich ihre Sicherheit. Die Lösung: Der Rotkreuz-Notruf. Im Notfall wird schnell geholfen. Ich bin beruhigt – und sie kann weiterhin zuhause wohnen. Informationen unter Telefon 044 388 25 35

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Geraldine Capaul, Chefredaktorin des «Grosseltern»-­Magazins (stehend) mit ihrem Team vor den Redaktionsräumlichkeiten.

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Gedrucktes Lebensglück Seit sechs Jahren gibt es in der Schweiz ein Grosseltern-Magazin. Grosseltern sind in der Tat eine wichtige Stütze der Gesellschaft. Das Magazin bietet Einblicke in den Alltag heutiger Grosseltern und ihrer Enkel. Text: Rita Torcasso  Foto: Daniel Rihs

Die Redaktion liegt in einer der schönsten Gassen von Baden. Ein grosser, heller Raum. An den Wänden hängen Cover der bisher rund sechzig erschienenen Ausgaben. Das Magazin gibt es nunmehr seit sechs Jahren – und es ist eine Erfolgsgeschichte. «Wir waren im richtigen Moment in den Startlöchern», sagt der Gründer Dominik Achermann. «Beraten hatte uns damals unter anderen auch der Altersforscher François Höpflinger: Er prognostizierte, dass die Rolle der Grosseltern immer wichtiger werde.» Das hat sich bestätigt. Schaut man die Zahlen der letzten fünf Jahre an, gab es sonst in keinem anderen gesellschaftlichen Bereich einen derartigen Boom: 45 Prozent der Grossmütter und 33 Prozent der Grossväter hüten heute regelmässig ihre Enkelkinder. Vielseitige Grosselternrollen Redaktion und Verlag des Magazins bilden sechs Personen. Alle haben einen eigenen Bezug zum Thema. Dominik Achermann erzählt: «Ich sah damals mit meinem eigenen Sohn, wie wichtig die Grosseltern für uns als Familie waren.» Die Idee für das Magazin kam ihm während seiner Ausbildung zum Medienmanager, als es darum ging, ein emotional besetztes Thema für eine Publikation zu finden. Nach der Gründung lancierte das damalige Team auch einen Grosseltern-Tag, der seither jedes Jahr am zweiten Märzsonntag durchgeführt wird. «Er stiess auf grosses Interesse, anfangs konnte man digitale Grusskarten verschicken, 350 wurden bereits das erste Mal versandt, dieses Jahr machten wir ein Special mit vielen Vorschlägen, was Grosseltern an diesem Tag mit ihren Enkeln unternehmen könnten.»

Ein Magazin mit der Zielgruppe Grosseltern war ein absolutes Novum, jetzt ist ein weiteres mit Lizenzvertrag in Deutschland im Aufbau. Ziel sei, die heutige Grosseltern-Rolle zu spiegeln, so der Gründer. Dazu gehöre auch ein kritisches Hinterfragen von gängigen Bildern. Zum Beispiel jenes der Grossmutter, die selbstverständlich immer einfach da ist. Stattdessen gibt es heute eine Vielzahl von unterschiedlichen Grosselternrollen. Das zeigen im Magazin Porträts eines Grossmütter-Paares oder eines Wahlgrossvaters, der drei Kinder einer Bekannten hütet, ebenso wie Diskussionen zum Thema Entschädigung von Grosseltern und ein Dossier über Altersarmut. Selbstverständlich kommen auch die Enkel zu Wort – viele auch bekannte Gesichter erinnern sich an ihre eigenen Grosseltern. Ausserdem wird den Grosseltern gezeigt, in welcher Welt sich ihre Enkel heute bewegen. In jeder Ausgabe gibt es auch einen Blick über die Grenzen, der aufzeigt, wie Grosseltern in anderen Ländern und Kontinenten leben. Der erste Eindruck beim Blättern durch die letzten Ausgaben: Der Zeitgeist, in dem sich Grosseltern bewegen, scheint sich laufend zu verändern. So hat in den letzten fünf Jahren das Engagement der Grossväter stark zugenommen. Diese Wandlung der Grosselternrolle zeigt der Altersforscher François Höpflinger in seiner Kolumne und vier Frauen der GrossmütterRevolution wechseln sich ab mit der Sicht auf ihre eigene Rolle. Die Sicht der mittleren Generation

«Sehr wichtig ist uns, die immensen Leistungen der Grosseltern aufzuzeigen, aus der Sicht der mittleren Generation, zu der wir hier in der ­Redaktion alle Visit Herbst 2020

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gehören», erklärt die Chefredaktorin Geraldine Capaul (siehe Interview auf dieser Seite). Sie leitet die Redaktion seit Ende 2019. An der Schlusssitzung für die Sommernummer geht es lebhaft zu und her. Seite für Seite wird überprüft und diskutiert, ob der Themen-Mix stimmt. «Endlich kehren wir jetzt nach zwei eher dünnen Ausgaben wegen der Corona-Pandemie wieder in die Normalität zurück», freut sie sich. In den Frühjahrsausgaben war die Pandemie ein grosses Thema. Publiziert wurde auch ein Interview mit dem Krisenmanager Daniel Koch – und auf einen Schlag erhielt das Magazin riesige Aufmerksamkeit. «Für uns zeigte das eindrücklich, wie wichtig

die Beziehung zu den Grosseltern heute geworden ist und welch hohen Stellenwert die Arbeit der Grosseltern hat, die mit der Pandemie plötzlich wegfiel.» Aufschlussreich sind denn auch die vielen Briefe von Grosseltern an die Redaktion, welche die Ausnahmesituation ansprechen. Am Schluss der Sitzung geht es um die Planung der September-Ausgabe. Geraldine Capaul erklärt: «Unser Anliegen ist es, bei den Themen nicht nur Grosseltern und Enkel anzusprechen, sondern auch die mittlere Generation stärker einzubeziehen.» Der Herbst beginnt mit einer Reportage über Rassismus. Damit wählt das Magazin wiederum ein Thema mit grosser Aktualität. grosseltern-magazin.ch

«Wir wollen B ­ rücken zwischen den Generationen schlagen» Geraldine Capaul ist Chefredaktorin des «Grosseltern»-Magazins. Was ist ihr wichtig? Braucht es überhaupt ein Magazin für Grosseltern? Geraldine Capaul: Brauchen vielleicht nicht, doch

das Magazin macht die Grosseltern sichtbar und damit auch all das, was sie leisten, und ihre emotionale Bedeutung für die Familie. Geraldine Capaul, 40, lebt in Zürich und hat zwei Kinder, 4 und knapp 1 Jahr alt. Seit November 2019 ist sie Chef­redaktorin des Magazins «Grosseltern».

In welche Richtung soll sich das Magazin unter Ihrer Führung weiterentwickeln?

Wir sehen, dass der «Generationenvertrag» immer mehr strapaziert wird. Es geht darum, Brücken zwischen den Generationen zu schlagen. Geschichten, die sich diesem Brückenschlag widmen und auch kritische Situationen im Alltag beleuchten, finden grossen Anklang. Das Magazin ist kein Ratgeber, sondern es soll eher die Grosseltern begleiten und die Freude an den Enkelkindern fördern. Was halten Sie von Forderungen, ­Grosseltern für ihre Arbeit zu entschädigen?

Für uns ist das ein wichtiges Thema und wir haben auch schon Meinungen dazu veröffentlicht. Wir unterstützen diese Diskussion, weil sie auch dazu führt, dass die Leistungen der Grosseltern sichtbar werden. Was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie angeht, ist die Schweiz noch ein Entwicklungsland. Ohne die Grosseltern würde unser System nicht funktionieren. Allgemein möchten wir auch Gegensteuer geben zur heutigen Tendenz der Retraditionalisierung des Familienbildes, dass Mütter nach der Geburt der Kinder den Beruf 30

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verlassen und auch mangels Unterstützung zu Hause bleiben sollen. Gleichzeitig ist es uns wichtig zu zeigen, dass sich Grosseltern nicht um jeden Preis verpflichtet fühlen sollen, die Enkel zu hüten. Wie halten Sie es persönlich mit Ihren Kindern?

Ich erhalte viel Unterstützung von meiner Mutter. Sie betreut das kleinere der beiden Kinder, das knapp ein Jahr alt ist, zwei Tage pro Woche, das vierjährige geht in die Krippe. Mir bietet die Unter­ stützung viel: Nur so war es mir überhaupt möglich, die Leitungsposition im «Grosseltern»-­Magazin mit 70-Prozent-Pensum zu übernehmen. Was soll in Zukunft mehr Raum einnehmen im Magazin?

Wir möchten eine gewisse politische Aktualität haben. Nach dem Interview mit Daniel Koch haben wir eindrücklich erfahren, dass solche Themen auf grosses Interesse stossen. Sie gerieten ja mit der Corona-Pandemie als Chefredaktorin in eine Ausnahmesitua­tion. Wie haben Sie das erlebt?

Das Medienecho auf das Interview hat uns buchstäblich «überrannt». Erstmals machte Daniel Koch im Gespräch die Aussage, dass Grosseltern ihre Enkel wieder umarmen dürfen, das wurde dann die offizielle Position. Er rief mich für das Interview abends an, als ich gerade mit den Kindern das Abendessen zubereitete. Ich musste das Gespräch verschieben. So ähnlich haben wohl viele Eltern den Lockdown erlebt, vor allem auch deshalb, weil die Unterstützung der Grosseltern wegfiel.


Wie fit sind Ihre Ohren?

Leserangebot

Sie hören eigentlich noch gut, aber Sie verstehen oftmals schlecht? Sie müssen häufig mit «Wie bitte?» nachfragen, obwohl Sie noch kein Hörgerät benötigen? Mit dem neuen Hörtraining des Hörakustikspezialisten Neuroth können Sie Ihr Sprachverstehen und damit auch Ihre Lebensqualität erheblich verbessern – ganz ohne Hörgeräte. Freuen Sie sich auf einen spannenden Vortrag, wie unser Gehör funktioniert und wie wir es trainieren können. Auch ein Erfahrungs­ bericht zur Hörtrainingsmethode eines Hals-Nasen-OhrenArztes wartet auf Sie. Wer Platz hat, erhält eine schriftliche Bestätigung. Absagen werden aus administrativen Gründen keine verschickt. Der Vortrag – ursprünglich für den 18. März geplant – wird wegen grosser Nachfrage nun sogar an zwei Terminen nachgeholt. Wir bitten Sie um erneute Anmeldung per E-Mail an events@pszh.ch oder mit untenstehendem Talon.

Vortrag Neuroth-Hörtraining

Wann Mittwoch, 7. Oktober, und Dienstag, 13. Oktober 2020 Türöffnung 16.30 Uhr, Vortrag 17.00 – 18.00 Uhr (anschliessend Apéro riche und Besuch der Infostände) Wo Casinotheater Winterthur, Stadthausstrasse 119, 8400 Winterthur Anfahrt Ab Hauptbahnhof Winterthur 5 Gehminuten oder Haltestelle Winterthur Schmidgasse Preis Kostenlos Anmeldung Bis Dienstag, 15. September 2020. Wer Platz hat, erhält eine schriftliche Bestätigung. Absagen werden aus administrativen Gründen keine verschickt.

Talon an: Pro Senectute Kanton Zürich, Magazin Visit, Forchstrasse 145, Postfach, 8032 Zürich, events@pszh.ch

Ich melde

Person(en) an für den Vortrag vom Mittwoch, 7. Oktober 2020, 17.00 – 18.00 Uhr.

Ich melde

Person(en) an für den Vortrag vom Dienstag, 13. Oktober 2020, 17.00 – 18.00 Uhr.

Vorname, Name Strasse

PLZ, Ort

Telefon E-Mail Ort, Datum

Unterschrift

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Im Alter daheim statt im Heim Wer seine Wohnung oder sein Einfamilienhaus barrierefrei und altersgerecht umbaut, kann auch noch mit körperlichen Einschränkungen selbstbestimmt im eigenen Zuhause wohnen bleiben. Man sollte sich aber rechtzeitig um Planung, bauliche Umsetzung und Finanzierung kümmern. Text: Pius Schärli

So lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben – das ist der Wunschtraum der meisten pensionierten Menschen. Das ist verständlich, denn das eigene Zuhause ist über Jahre hinweg zum persönlichen Rückzugsort geworden, zu einer Wohlfühloase auch, in der man einen Grossteil seines Alltags verbringt und seine Habseligkeiten aufbewahrt. Zudem stecken oft viele schöne Erinnerungen in der eigenen Wohnung oder im Haus. Neben der emotionalen Bindung haben Besitzer über Jahre hinweg auch immer wieder Geld für die Instandhaltung der Liegenschaft investiert. Das eigene Zuhause ist somit Heimathafen und Altersvorsorge zugleich. Die Raiffeisen-Studie «Wohnen im Alter» hat nach den häufigsten Gründen fürs Wohnen in den eigenen vier Wänden gefragt – die Ergebnisse überraschen nicht: günstig und selbstbestimmt wohnen, Unabhängigkeit und Wohnqualität. Die Befragung hat aber auch gezeigt, dass sich nur wenige Menschen rechtzeitig konkrete Gedanken darüber machen, ob und wie lange sie ihr Eigenheim behalten möchten oder können. Deshalb lohnt es sich, einen allfälligen altersgerechten Umbau frühzeitig zu planen.

Wohnqualität zählt im Alter noch mehr Das eigene Heim auf Vordermann zu bringen, lohnt sich, denn die Wohnsituation hat einen grossen Einfluss auf die Lebensqualität, das Wohlergehen und die Zufriedenheit – im Alter mehr noch als in jüngeren Jahren. Denn im fortgeschrittenen Alter wird der Alltag früher oder später beschwerlicher. Vor allem dann, wenn sich das aktu­ elle Zuhause nicht als ideale Wohnung

Beratung frühzeitig in Anspruch nehmen Je näher die Pensionierung rückt, desto intensiver beschäftigen sich Menschen mit ihrer Wohnsituation im Alter. Nur jeder Zehnte hat sich aber – laut der Studie «Wohnen im Alter» von Pro Senectute Schweiz und Raiffeisen – vor der Pensionierung schon einmal zur Wohnsituation im Alter beraten lassen. Weitere Infos: RaiffeisenCasa.ch/wohnen55plus

oder als ideales Haus im Alter erweist. Spätestens wenn absehbar ist, dass in naher Zukunft die Beweglichkeit und Gesundheit nachlassen oder ein Partner durch einen Schlaganfall plötzlich pflegebedürftig wird, sollte man sich beispielsweise Gedanken über einen barrierefreien Umbau der Wohnung machen. Rutschige Böden und Teppiche, beschwerlicher Einstieg in die Badewanne, Türschwellen, steile Treppen ohne Handlauf oder Teppichfalten – in der eigenen Wohnung lauern viele Stolperfallen. Die Verletzungsgefahr bei Stürzen im Alter ist hoch. So verletzten sich laut einer Studie der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) über 85000 Menschen, die älter als 65 Jahre sind, jedes Jahr bei einem Sturz. Wenn dann auch noch Sehkraft, Hörvermögen und Reaktionsgeschwindigkeit nachlassen und die Beleuchtung schlecht ist, wird ein Umbau dringend notwendig. Es gibt viele Massnahmen, mit denen die Wohnung sicherer und altersgerechter gemacht werden kann. Aber nicht nur zu mehr Sicherheit soll ein Umbau oder eine Neumöblierung der Wohnung führen. Viele wünschen sich mit zunehmendem Alter auch mehr Komfort zu Hause. Höhere Möbel er-


Auch im Alter glücklich zu Hause leben – das wünschen sich viele. Gute Planung machts möglich.

leichtern das Hinsetzen und Hinlegen; Sitzgelegenheiten und angepasste Küchenflächen können das Kochen erheblich bequemer machen. Sich zu Hause wieder wohlzufühlen – auch das ist für viele das Ziel eines Umbaus. Wie umfangreich dieser Umbau vorgenommen wird, hängt von der ursprünglichen Ausstattung der Wohnung, den individuellen Ansprüchen des Bewohners und dem finanziellen Polster ab. Umbau für neue Mitbewohner Die eigene Liegenschaft neu nutzen kann aber beispielsweise auch bedeuten, Haus, Garten und Umgebung so umzugestalten, dass anstelle einer zwei oder drei Wohnungen Platz finden. Eine davon eignet sich dabei gut zum Älterwerden. Mit einem Umbau kann also unter Umständen neuer, unabhängiger Wohnraum für Fremdmieter oder Familienangehörige, für die eigenen Eltern oder die Familie erwachsener Kinder entstehen. Weshalb also nicht weitergehende Überlegungen anstellen? Neue Mitbewohner im Haus oder auf dem Grundstück bieten die Gelegenheit für soziale Kontakte und unter Umständen auch Unterstützung im Alltag. Die neue Nutzung hat zudem eine ökologische Dimension: Auf

bereits überbautem Grund zusätzliche Wohneinheiten zu schaffen, ist ein wichtiger Beitrag zum haushälterischen Umgang mit dem Boden. Die neue Nutzung – Nachverdichtung in der Fachsprache – erlaubt es zudem, die Belastung arbeitsmässig wie finanziell zu teilen. Denn die zusätzlich entstandenen Wohnungen können verkauft oder vermietet werden. Mit dem Erlös des Verkaufs oder mit den Mieteinnahmen können die Hypothekarzinsen und Unterhaltskosten bestritten werden. Längerfristig werden sich zudem grosse finanzielle Vorteile ergeben. Der Umbau zur Schaffung einer hindernisfreien Wohnung und deren Einbindung in ein tragfähiges soziales Netz können den Verbleib im eigenen Haus bei Hilfs- und Pflegebedürftigkeit begünstigen. Wenn sich dadurch ein Umzug oder ein Aufenthalt im Pflegeheim vermeiden oder aufschieben lässt, werden oftmals grosse Summen Geld gespart. Grössere Umbauten müssen finanziert werden Vor allem bei grösseren Umbauten stellt sich rasch die Frage nach der Finanzierung. Soll der Umbau mit einem Teil des Vermögens finanziert

werden oder braucht es eine Fremdfinanzierung? Auch Pensionierte erhalten noch eine Hypothek, sofern die Tragbarkeit gegeben ist. Eigenheimbesitzer mit tief belehnten Liegenschaften haben oft ihr Vermögen zu einem grossen Teil in ihrer Immobilie investiert. Eine Aufstockung der Hypothek kann finanzielle Mittel freisetzen, um einen solchen Umbau zu finanzieren. Raiffeisen kennt bei der Vergabe von Hypotheken an ältere Kunden keine strengeren Regeln. Es wird immer die nachhaltige Tragbarkeit geprüft. Der unterschiedlichen Wertigkeit eines Pensionseinkommens (keine Sozialabzüge) trägt Raiffeisen dahingehend Rechnung, dass bei der Kreditprüfung eine Tragbarkeit von 38 Prozent möglich ist, im Gegensatz zu 33 ¹/3 Prozent bei Erwerbseinkommen. Das Alter stellt andere Ansprüche ans Leben und Wohnen. Natürlich kann man nach dem Auszug der Kinder im Haus wohnen bleiben und alles so belassen, wie es immer schon war. Wer aber klug ist und weitsichtig denkt, stellt die Weichen für einen Umbau rechtzeitig, solange er dafür noch Kraft und Energie hat.


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Alt, alleinstehend und kinderlos «Alt werden ohne Familienangehörige»: So heisst eine neue Studie, die durch das MigrosKulturprozent in Auftrag gegeben wurde. Visit hat sich mit der Projektleiterin Cornelia Hürzeler über die Erkenntnisse unterhalten. Interview: Robert Bösiger

Jede zwölfte Person hierzulande wird allein­ stehend und kinderlos alt. Dieser Umstand an sich bereitet noch kein Kopfzerbrechen, oder, Frau Hürzeler? Cornelia Hürzeler: Nein, überhaupt nicht. Unsere

Gesellschaft wird immer ausdifferenzierter. Unser Lebensstil wandelt sich, es gibt neue Familienformen. Das ist spannend und macht unsere Gesellschaft bunt und lebendig. Probleme gibt es da, wo wir als Gesellschaft von den Rahmenbedingungen her nicht darauf eingerichtet sind.

«Unser Pflegesystem hinkt der Realität etwas hinterher. Ich glaube, man muss heute hinschauen, um zu verhindern, dass es in ein paar Jahren nicht zu einer grossen Lücke kommt.» Cornelia Hürzeler

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Vor Jahrzehnten war es das Familienumfeld, das diese älteren Menschen getragen hat. Dieses fehlt heute oft. Was bedeutet das?

Unser System an Pflege und Versorgung ist darauf ausgerichtet, dass die Menschen von ihren Angehörigen betreut werden – getreu dem Grundsatz «ambulant vor stationär». Dieser Grundsatz ist an sich richtig, aber er setzt voraus, dass es dafür Rahmenbedingungen gibt. Im Bereich der Pflege ist alles geregelt und es fällt niemand in eine Lücke. Aber alles andere, was nötig ist, damit jemand weiter zu Hause leben kann – das Einkaufen, die sozialen Kontakte –, ist nicht geregelt beziehungsweise baut darauf, dass Angehörige vorhanden sind. Deshalb unsere Frage: Was geschieht, wenn diese Angehörigen nicht vorhanden sind oder auch nicht vor Ort. Unser System hinkt der Realität etwas hinterher und ich glaube, man muss heute hinschauen, um zu verhindern, dass es in ein paar Jahren nicht zu einer grossen Lücke kommt.

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Was könnte denn geschehen?

Wir wissen kaum etwas darüber, welche Strategien Menschen verfolgen, die keine Familienangehörige haben. Vielleicht treten solche Menschen ein paar Jahre früher ins Heim, obwohl dies gar nicht nötig wäre. Nicht, weil ihnen die Pflege fehlt, aber weil sie vereinsamen und die Verantwortung nicht mehr selber übernehmen können oder zu wenig mobil sind für den Einkauf. Es sind zum Teil kleine Dinge, die diese Menschen nicht mehr schaffen und sie letztlich daran hindern, autonom zu Hause zu leben: vom Einkaufen und Putzen bis hin zu Rechnungen bezahlen und die Steuererklärung ausfüllen. Die Situation war während der Corona-Krise ­besonders, was die älteren, kinderlosen und ­alleinstehenden Menschen anbelangt. Es gab eine grosse Welle der Solidarität.

Das stimmt. Aber diese Solidarität und Hilfswelle bröckelt bereits wieder. Denn viele Leute mussten und müssen sich nun selber organisieren. Bei

Persönlich Cornelia Hürzeler (59) ist Projekt­leiterin Soziales von Migros-Kulturprozent beim Migros-Genossenschafts-Bund. Sie ist Soziologin und befasst sich auch mit den Themen Zivilgesellschaft, Demografie und Quartier­ entwicklung. Ursprünglich Primarlehrerin, studierte sie Soziologie, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie Sozialpsychologie. Sie lebt in Zürich.


Foto Titelseite : zVg

«Unser Lebensstil wandelt sich, es gibt neue Familienformen»: Cornelia Hürzeler, Soziologin.

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«Mehr Frauen als Männer altern ohne Familien­ angehörige und Partner. ­Zudem haben Frauen ein ­höheres Armutsrisiko, weil ­sie in der Regel tiefere Renten beziehen.» Cornelia Hürzeler

Corona kam ein doppeltes Problem dazu: Man weiss, dass vor allem über 65-Jährige sich im Rahmen der Freiwilligenarbeit, der Kirche, der Nachbarschaftshilfe stark für noch ältere Mitmenschen engagieren. Gleichzeitig gehörten plötzlich jene, die geholfen haben, selber zur Risikogruppe und benötigten selber Hilfe. Auch dies zeigt, wie brüchig das System ist.

Welches sind für Sie die ­drei zentralen Erkennt­ nisse der Studie «Alt werden ohne Familienangehörige»?

Die wichtigste Erkenntnis für mich ist, dass es sich bei dieser Gruppe überhaupt um eine sozialpolitisch relevante Gruppe handelt. Also, dass es mindestens 8 Prozent aller Pensionierten oder rund 100000 Menschen sind, die ohne unterstützende F ­ amilienangehörige alt werden und alleine leben. Zweitens ist es ein Genderthema: Mehr Frauen als Männer altern ohne Familienange­ hörige und Partner. Zudem haben Frauen ein ­höheres Armutsrisiko, weil sie in der Regel tiefere Renten beziehen. Die dritte Erkenntnis ist, dass es hier eine Forschungslücke gibt; diese Lücke möchten wir schliessen und möglichst auch Empfehlungen abgeben.

Weshalb, Frau Hürzeler, nimmt sich das Migros-­ Kulturprozent dieses Themas überhaupt an?

Das Migros-Kulturprozent könnte auch «Sozialprozent» heissen. Das Kulturprozent steht für die Bereiche Kultur, Soziales, Bildung und Freizeit. Im Bereich Soziales versuchen wir Themen ins Rampenlicht zu setzen, die bis jetzt noch kaum Aufmerksamkeit hatten. Alt werden ohne Familie ist genau ein solches Thema. In den vergangenen Jahren war das Thema Angehörigenbetreuung stark im Fokus. Zu Recht. Aber man hat leider immer vergessen, dass es nicht immer Angehörige gibt. Hier schauen wir genauer hin. Für die künftigen Herausforderungen braucht es gute gemeinsame Lösungen, die im Zusammenspiel von Staat, Markt und Zivilgesellschaft entwickelt werden. Nun liegt die Studie vor. Was geschieht nun ­damit und wie geht es weiter?

Die Studie erbrachte eine gute Resonanz, weil wir zeigen konnten, dass das Thema «Alt werden ohne Familienangehörige» gesellschaftlich und sozialpolitisch hochrelevant ist. Das haben wir vorher nicht gewusst. Nun sind wir daran, eine grössere Nachfolgestudie durchzuführen, um hier anzusetzen. Wir wollen erfahren, wie sich ältere Menschen ohne Familienangehörige organisieren; in einem zweiten Schritt analysieren wir das Umfeld und die Rahmenbedingungen und können dann daraus Handlungsempfehlungen ableiten. Wenn alles klappt, kann diese Studie Anfang Jahr beginnen.

Alt werden ohne Angehörige Jede fünfte ältere Person in der Schweiz wird ohne Kinder alt, jede zwölfte hat zudem ­keinen Partner beziehungsweise keine Partnerin. Das zeigen Zahlen des Bundesamts für Statistik, die die Fachhochschule Nordwestschweiz im Auftrag von Cornelia Hürzeler, ­Projektleiterin Soziales bei Migros-Kulturprozent, analysiert hat. In Zahlen: 8 Prozent oder rund 100000 ältere Menschen leben ­ in der Schweiz, die ohne Angehörige oder ­Partner alt werden. Die Studie «Alt werden ohne Familienangehörige» wurde durch Migros-Kulturprozent initiiert und im Mai 2020 publiziert. Frauen sind stärker betroffen als Männer – nämlich doppelt so oft: Männer gehen laut Studie nach dem Tod ihrer Partnerin oder

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i­ hres Partners eher wieder eine Beziehung ein als Frauen. Frauen beziehen zudem oft ­tiefere Renten und können sich die benötigte Betreuung wie eine Haushaltshilfe nicht ­leisten. 43 Prozent aller 70- bis 80-jährigen Frauen leben ohne Partner – bei den Männern sind es knapp 20 Prozent. Knöpfel Carlo, Meuli Nora (2020): Alt werden ohne Familienangehörige. Muttenz: Fachhochschule Nordwestschweiz, Institut Sozialplanung, Organisatorischer Wandel und Stadt­ Tipp entwicklung ISOS. im-alter.ch


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Die Wanderung fßhrt durch eine wunder­ bare Landschaft und entlang der Sihl, unter anderem durch abenteuerliche Tunnelwege (Bild unten).

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Idyllische Wanderung entlang der Sihl Dem Flusslauf der Sihl folgend und auf den Hügeln des Zimmerbergs: Visit hat nach der Corona-Zwangspause die Wandergruppe Horgen von Hirzel nach Schönenberg ein gutes Stück am Wasserlauf der Sihl begleitet. Text und Fotos: Robert Bösiger

Schon die Fahrt mit dem Bus vom Bahnhof Horgen am Zürichsee hinauf nach Hirzel auf dem Zimmerberg bietet viel: Aussichten, schöne Häuser und liebliche Landschaft. Dass die Mitglieder der Wandergruppe Horgen Schutzmasken tragen, nehmen sie gerne in Kauf. Denn zum Glück findet nun – endlich – wieder eine Wanderung statt, nach einer dreimonatigen Corona-Zwangspause. Und dies erst noch bei prächtigem Wetter. Bei der reformierten Kirche Hirzel, erbaut im Jahre 1620, verlassen wir das Postauto. Der Hauptstrasse entlang führt uns der Weg vorbei am Johanna-Spyri-Museum. Zusammen mit dem legendären Kunstturner Jack Günthard (1920–2016) gehört die Schriftstellerin Johanna Spyri (1827– 1901) wohl zu den bekanntesten Persönlichkeiten dieses 2000-Seelen-Dorfes, das seit 2018 politisch zu Horgen gehört. Wieder, denn tatsächlich gehörte Hirzel bis 1773 zu Horgen, war dann aber lange Jahre eigenständig. Via Spreuermühle… Ausgang Hirzel passieren wir die erst 30 Jahre alte katholische Kirche St. Antonius und wandern durchs Grüne talabwärts Richtung Sihl. Unterwegs geniessen wir die wunderbare Gegend und bewundern die vielen alleinstehenden alten Linden auf jedem Hügelchen. Diese Hügellandschaft gibt ein erstklassiges Motiv für jeden Landschaftsmaler und jede Landschaftsfotografin. Beim Rothus, einem imposanten Bauernbetrieb, überqueren wir die Strasse und erreichen bald die Spreuermühle. Die wechselvolle Geschichte dieser Mühle lässt sich gut 600 Jahre zurückverfolgen. Zahlreiche Geschichten – glückliche und unglückliche – sowie Besitzerwechsel ranken sich um dieses Anwesen. Auch Johanna Spyri und ihre Schwestern sollen sich hier im Tanz- und Speisesaal vergnügt haben.

… hinab zur Sihl Weil wir noch einen längeren Weg vor uns haben, bewundern wir die Mühle nur von aussen. Zunächst relativ eben, dann steiler führt uns der Weg hinab zur Sihl. Nun geht es diesem Fluss entlang, der sich 69 Kilometer von seiner Quelle am Drusberg (2282 m ü. M.) im Kanton Schwyz durch die Kantone Schwyz, Zug und Zürich schlängelt und schliesslich in die Limmat mündet. Bei Einsiedeln wird die Sihl mit der Minster zum Sihlsee gestaut, dem mit einer Oberfläche von rund 11 Quadratkilometern grössten Stausee des Landes. Es liegt auf der Hand, dass das Wasser schon seit vielen Jahrzehnten auch zur Energiegewinnung verwendet wird. Beim Sihlsprung überqueren wir die heute etwas weniger wilde Sihl statt mit einem Sprung bequem über die Eisenbrücke. Danach geht es einen abenteuerlichen Weg weiter. Teilweise laufen wir unter überhängenden Felsen, teilweise begehen wir Tunnels. Plötzlich weitet sich unser Blick wieder und die ganze Herrlichkeit grüner Wiesen und Wälder hat uns wieder. Vorbei an einer Fischzucht erreichen wir das Restaurant Sihl­matt. Das «Sihlmätteli» befindet sich abgeschieden auf einer idyllischen Wiese am Sihlufer. Es ist heute ein beliebtes Ausflugsziel. Die Forelle und ein Glas Wein haben hier seit einem halben Jahrhundert Tradition. So legen auch wir einen Halt ein und trinken etwas auf der Sonnenterrasse. Türkenbund und Energiegewinnung Gestärkt geht es wieder weiter. Kaum losmarschiert, gelangen wir an den «Suenerstäg», wo wir die Sihl erneut überqueren. Wieder geht es dem Fluss entlang. Wir bewundern die Blütenpracht der Türkenbundlilie am Wegrand und die grossen, mit Moos bewachsenen Steinkolosse. Und immer wieder ­ Visit Herbst 2020

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erfreuen wir uns am Blick auf den dahinmäandrierenden Fluss. Dem einen oder anderen mag in den Sinn gekommen sein, dass die Sihl etwa 15 Prozent zum Stadtzürcher Wasser beiträgt. Der Sagenbach gelangt über einen flachen Wasserfall in die Sihl. Bald erreichen wir das 1895 erbaute Elektrizitätswerk Waldhalde. Mit diesem Kraftwerk entstand damals das grösste Elektrizitätswerk der Schweiz. Dabei wird das Sihlwasser in Hütten abgezweigt und in einem Stollen von 2,2 Kilometern Länge zum Teufenbachweiher geführt. Von dort aus wird das ­Wasser in einer Druckleitung mit 72 Metern Gefälle zu den Turbinen und Generatoren in der Waldhalde geleitet und wieder in die Sihl entleert. Vorbei an diesem Kraftwerk müssen wir nun einen guten Teil der Höhenmeter, die wir zur Sihl hinuntergewandert sind, wieder gewinnen. Bald steigt der Weg wieder homöopathischer an und wir erreichen Finsterseehalden. Gegenüber, am anderen Hang, befindet sich die Interkantonale Strafanstalt Bostadel, wo Schwerverbrecher einsitzen. Wir aber fühlen uns frei und wandern Richtung Teufenbachweiher. Dieses Gewässer liegt auf dem Gemeindegebiet von Wädenswil. Wir geniessen die Aussicht auf den grossen Weiher und ­sehen den Wasservögeln zu. Zu beobachten sind hauptsächlich die (zänkischen) Blässhühner, aber auch Teichhühner, Schnatterenten und Stockenten. Wo der Tirggel herkommt Dann führt der Weg nach einer kurzen Steigung und vorbei an Moorwiesen entspannt durch sanfte Hügel zur Gemeinde Schönenberg, die sich vor bald zwei Jahren Wädenswil angeschlossen hat. Uns fallen beim Durchqueren der Gemeinde die teilweise prächtigen ­alten Häuser auf. Und auch die Tirggelfabrik Suter sticht uns ins Auge. Gut möglich, dass einige der Wandergruppe bisher nicht wussten, wo der Ursprung der bekannten Züri-Tirggel liegt. Wir jedenfalls haben Schönes erlebt und vieles erfahren. So steigen wir erfüllt von diesem prächtigen Wandertag im Zentrum von Schönenberg in den Bus, der uns wieder nach Horgen und nach Hause führt. 40

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Zu sehen gibt es auf unserer Wanderung vieles – natürlich Gewachsenes und von Menschenhand Erschaffenes.

Wegweiser Hinfahrt Mit der S-Bahn nach Horgen und von dort mit dem Postauto 150 nach Hirzel Kirche Wanderzeit Zirka 3 Stunden für gute 10 Kilometer. Aufstieg etwa 300 Meter, abstieg rund 280 Meter; einfache Wanderung, die trotzdem gutes Schuhwerk verlangt Sehenswürdigkeiten - Reformierte Kirche Hirzel - Katholische Kirche Hirzel - Meta-Heusser-Heim (Geburtshaus von Johanna Spyri) - Johanna-Spyri-Museum - Spreuermühle - Hügellandschaft mit ihren typischen Linden - Sihlsprung - Weg der Sihl entlang mit über- hängenden Felsen und Tunnel - Teufenbachweiher - Tirggel-Fabrik Suter, Schönenberg Einkehrmöglichkeiten: Restaurant Spreuermühli Sprümüli 2, 8816 Hirzel Tel. 044 729 91 37 info@spreuermühli.ch spreuermühli.ch

Restaurant Höchi Höchi 1, 8816 Hirzel Tel. 044 729 91 54 info@restauranthoechi.ch restauranthoechi.ch Restaurant Sihlmatt 6313 Menzingen Tel. 041 755 12 44 info@sihlmatt.ch Täglich geöffnet sihlmatt.ch Hotel-Restaurant Rössli Wädenswilerstrasse 2 8824 Schönenberg Tel. 044 788 12 73 info@roessli-schoenenberg.ch roessli-schoenenberg.ch Restaurant Tanne Tanne 16, 8824 Schönenberg Tel. 044 788 11 04 Rückweg Ab Schönenberg mit dem Bus 150 zurück nach Horgen und zum Wohnort Wandergruppe Horgen Margrit Mändli Tel. 044 725 19 23 fvwandern@gmail.com pszh.ch/gruppe/wandergruppehorgen


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Ein Hotel mit Tradition Die Geschichte des Central Sporthotels Davos spiegelt sich deutlich in der Entwicklung des Ortes wider. Heute bekannt als höchstgelegene Stadt Europas und berühmt für die Vielfalt des Sport-, Freizeit- und Kulturangebotes, startete Davos schon früh die Karriere als beliebtes Reiseziel. Ebenso weit zurück wie die Geschichte von Davos reicht auch die Betriebsgeschichte des Central Sporthotels. Gelegen in der Tobelmühlestrasse erinnert das Hauses noch heute an den Anfang als Mühle, denn der Gründer­vater der Mühle und gleichzeitig auch Ururgrossvater der heutigen Hoteliers­ familie betrieb schon damals, neben seiner Tätigkeit als Müller, Säumer und Weinhändler, das sogenannte Gasthaus zur Tobelmühle. Viel mit Ross und Wagen unterwegs, um etwa Weizen aus dem Etschtal und Wein aus dem Veltlin zu holen, chauffierte er so zugleich den einen oder anderen Passanten zu seinem Gasthaus, worauf sich schon bald ein Wachsen vom Gasthaus zum beliebten Passantenhotel ergab. Der Mühlestein aus dieser Zeit ist quasi als «Zeitzeuge» im Hotel ausgestellt. Seit damals hat sich das Hotel mehrfach neu erfunden, es wurde neu gebaut und immer wieder geschmackvoll re­no­ viert und bietet heute als modernes 4-Sterne-Hotel geräumige Zimmer, alle mit Balkon, einen grosszügigen Eingangsbereich und eine Lobby zum Verweilen, ein gemütlich-­elegantes À-la-carte-Restaurant «Bündnerstübli» als auch ein wunderschönes Halbpensionsrestaurant «Tobelmühle» mit ex­ zellenter Küche. Die charmante Hotelbar, ein Wellnessbereich mit Hallenbad (5×12 Meter und 29 0 C), biologischer

und finnischer Sauna, ein Dampfbad und ein kleiner Fitness­ raum sowie Massagebehandlungen und ein Solarium ­r unden das Angebot ab. Im Spätsommer und im Herbst bietet Davos goldene Tage, meist schon etwas kühlere Nächte, aber grandioses Wanderwetter! Im Hotel und im Restaurant verwöhnen wir unsere Gäste mit Herbst- und Wildspezialitäten und natürlich mit unserem aufmerksamen Service. Central Sporthotel Davos**** Tobelmühlestrasse 1 7270 Davos Platz Tel. 081 415 82 00 Fax 081 415 83 00 www.central-davos.ch reservation@central-davos.ch


lebenslust

Gewinnen Sie Übernachtungen im Central Sporthotel Davos (siehe Seite 41)

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Das gewinnen Sie : Übernachtungen im Central Sporthotel Davos 1. Preis 2. Preis 3. Preis 4. – 10. Preis

3 Übernachtungen für 2 Personen ( Doppelzimmer, Frühstücksbuffet ) 2 Übernachtungen für 2 Personen ( Doppelzimmer, Frühstücksbuffet ) 1 Übernachtung für 2 Personen ( Doppelzimmer, Frühstücksbuffet ) 1 Beobachter-Ratgeber «Testament, Erbschaft» im Wert von Fr. 35.90

Visit dankt dem Central Sporthotel in Davos für die drei Hauptpreise und dem Beobachter für die offerierten Ratgeberbücher.

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Sudoku So nehmen Sie an der Verlosung teil Senden Sie eine Postkarte mit dem ­Lö­sungswort und Ihrer vollständigen Adresse an : Pro Senectute Kanton ­ Zürich, Magazin Visit, Forchstrasse 145, Postfach, 8032 Zürich. Oder ein E-Mail an: raetsel@pszh.ch Pro Person ist nur eine Einsendung erlaubt. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden ausgelost und ­direkt benachrichtigt. Der Rechtsweg ist aus­geschlossen. Einsendeschluss : 10. Oktober 2020 Lösungen Preis­rätsel aus Visit 2 / 2020

So funktioniert Sudoku Füllen Sie das Gitter so aus, dass jede Reihe, jede Spalte, alle 3 x 3 Boxen die Zahlen 1 bis 9 enthalten. Alle Neune in einer Reihe : Eine ausgefüllte Reihe muss jede der ­an­gegebenen Zahlen beinhalten. Es ist pro Zelle nur eine Zahl e ­ in­zugeben. Es gibt neun Reihen in dem Rastergitter, für die alle d ­ asselbe gilt.

Lösungswort: Geschei t Gewinnerinnen und Gewinner Visit-Preisrätsel 2 / 2020 1.–10. Preis: Alfred Zeugin, Wernetshausen Béatrice Golinelli, Herrliberg Elisabeth Lott-Büttiker, Adliswil Cornelia Moser-Hagger, Teufen Hanspeter Schmid-Schmid, Uster Silvia Schuppli, Niederhasli Ursula Schnellmann, Zürich Patrizia Staubli-Bigi, Grüt Walter Dubach, Watt Theres Früh, Zürich Lösung Sudoku aus Visit 2 /2020

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lebenslust

Marktplatz

Zu verkaufen

Wir bieten Ihnen die Möglichkeit zu einem kostenlosen, nicht kommerziellen ­Privatinserat. Senden Sie Ihren Text an: marktplatz@pszh.ch oder per Post an: Pro Senectute Kanton Zürich, Marktplatz, Forchstrasse 145, 8032 Zürich.

Nähmaschine, Elna Jubile Electrionic, gut

Oder benutzen Sie untenstehenden Talon.

Stück. Regula Stiegelbauer, 044 761 34 09

Wir bemühen uns, möglichst alle Inserate im Visit zu veröffentlichen. Wir bitten jedoch um Verständnis, dass kein Anspruch auf Publi­kation besteht. Einsendeschluss : 10. Oktober 2020

­erhaltener Zustand. CHF 100. L. Jucker, ­Stegwiedstr. 2, 8496 Steg im Tösstal, 077 403 54 68, ab 18 Uhr Günstig abzugeben: diverse Langspielplatten Klassik, Volksmusik, Schlager, Dixie, ca. 60

Tonstudiogeräte. Mischpult, Effektgräte, Sampler usw.. Alles zusammen guter Preis. Alice Vogel-Duss, 044 935 23 70, alice_vogel@bluewin.ch Fernsehsessel DAHLIA inkl. Hocker (Interio) weisses Leder, gut 1 Jahr alt, neuwertig, ­wegen Todesfall abzugeben (Neupreis CHF 1100) zu CHF 400 bar. 044 302 31 72 Solides Damenvelo (Villiger) mit tiefem ­Einstieg. Günstiger Preis. Forchstr. 158, 8032 Zürich, 044 381 98 24, abends Aus Nachlass: National-Häkelei 10 m ­gehäkelte Bändel, 4 Spulen entsprechendes Garn, div. Vorlagen dazu. Inkl. Porto CHF 20. Schaufelberger Vreni, Allmendstr. 5, 8700 Küsnacht, 044 910 58 76 Für Hobby: Werkzeugmaschine Meyer-Burger

Serie 8 Farblithografien «die Lehrlinge des grafischen Gewerbes», signiert Berni Merz, ca. 1948, gerahmt, CHF 250, Schwerlastgestell aus Winkelprofil, 4 Tablare, zerlegbar, H 150 cm, B 75 cm, T 30 cm, neuwertig, CHF 20, Flick Max, Zürichstr.156, 8910 Affoltern a.A, 044 761 71 15, rumafli@bluewin.ch Pensionierter Uhrenmacher verkauft Fach­ bücher sowie Kleinmaterial zur Reparatur von mechanischen Uhren. Schöne Neuenburger Le Castel und Zenith mit Sockel, Junghans Regulator, Junghans Wanduhr mit Batterie­ betrieb, kleine Schwarzwald Schilduhr, ­moderne Wanduhr mit Gewichten. Alles ­gebraucht, aber in sehr gutem Zustand. Div. Armbanduhren neu. PC für Schüler oder Senior. Acer Aspire Desktop Computer. Windows 10 installiert, Multi Card Reader integriert, mit 10 USB Schnittstellen. Ohne Office Programm, Drucker Bildschirm CHF 95, Marianne Hügli van der Kuijl, Bächliwis 34, 8184 Bachenbülach, 044 862 74 35, ­mariannehuegli@bluewin.ch Zu verkaufen wegen Wohnungsauflösung ein älteres intaktes Schulpiano mit vermutlich Nussholzgehäuse. Auch Noten vorhanden. Sofortige Besichtigung nach Absprache, Preis nach Absprache am Standort: Seefeld-Zürich. Ulrike Klauser, Dübendorf, 076 343 05 46 oder ulrike.klauser@bluewin.ch

zum Bohren, Drehen, Fräsen von Holz und Metall, mit viel Zubehör, 380 V/10A, Spitzenweite 450mm, Spitzenhöhe verstellbar bis 200mm, Preis nach Vereinbarung, G. Ritter, Zelglistr. 2, 8181 Höri, 044 860 24 01 Schallplatten, Jazz, Top Hits, Cocktil, Volkstümlich, Klassisch etc. Preis per Stück CHF 3.

Zu verschenken Noten für diatonische Handorgel. M. Schärer, Aubrigstr. 27, 8804 Au, 044 781 28 60 Eine gut erhaltene, gepflegte Friteuse «frifri piccolo», 044 937 17 20

Lieselotte Nievergelt-Frick, 8953 Dietikon, 044 740 40 76

Privat inserieren Ich möchte in der nächsten Visit-­Ausgabe ein kostenloses Inserat ­platzieren unter der Rubrik   Zu verkaufen   Zu verschenken  Gesucht   Reisen, Ferien , Erholung  Allerlei Ihr Inserat nehmen wir gerne auch per E-Mail entgegen: marktplatz@pszh.ch Bitte geben Sie im Betreff die entsprechende Rubrik an. 44

Visit Herbst 2019

Text ( maximal 50 Wörter )

Vorname, Name   Adresse, PLZ, Ort   Tel.

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Bitte ankreuzen, was im Inserat erscheinen soll.


Allerlei

Impressum Visit ist das Magazin von Pro Senectute ­Kanton Zürich. Es richtet sich an Spenderinnen und Spender sowie an die interessierte Öffentlichkeit.

Gesucht

Dipl. Mechanikmeister mit polymechanischer Werkstatt, pensioniert, möchte weiterhin ­behilflich sein beim Lösen von mechanischen Problemen. Werner Frey, Sonnenbühlstr. 8, 8305 Dietlikon, 044 833 430 91, E ­ rreichbar 9–10 Uhr.

Dialekt-Hörspiele vom Radio Beromünster aus den Fünfzigerjahren und später. Auf Tonband oder Cassette. Rudolf Wanner, Untere Bühlenstr. 7, 8708 Männedorf, ­ruediwanner@bluewin.ch

Tango Argentino 50 plus-Kurse im Gemeinschaftszentrum Oerlikon, Di-Abend, ­Neubeginner und Fortgeschrittene. www.tango50plus.ch, tangogender@gmail.com, 079 470 61 49

Verlag und Redaktion

Suche Einstellplatz für Wohnmobil, Länge 6,7 m, Breite 2,27 m, Höhe 2,93 m. Walter Appenzeller, Zelgistr. 74, 8122 Binz, 079 244 10 31, wa.appenzeller@bluewin.ch

Günstig: Sammlung Kaffeerahmdeckeli, Druckerpartonen Canon PG-510 Black, ­ CL-511 Color, CL-513 Color. 8910 Affoltern a.A, Tägerfeldstr. 3, 044 761 19 66, ernst-idi@bluewin.ch

Leitung Marketing und Kommunikation

Kaffeerahmdeckeli-Sammlung, Hat jemand Interesse? Muss abgeholt werden. ­ Trudi Blauenstein, Chübelackerstr. 11, 8104 Weiningen, 044 750 59 85

Redaktionsmitglieder

Ansichtskarten, z.T. mehr als 60 Jahre alt. ­Musikerbiographien u.a., Bücher über bildende Kunst, Klaviernoten u.a., Gotthold Weiss, Metzgerweg 6, 8906 Bonstetten, ­ 044 700 00 56, gotthold.weiss@freesurf.ch

Suche Roman von Gabriela (Gaby) Dorn, ­«Alles hat seine Zeit», im Verlag leider ­vergriffen. Anruf bitte 044 930 54 53 Wir sind eine junge Familie mit zwei Kindern (2 und 4 Jahre) aus Zürich und suchen kurzoder mittelfristig ein Einfamilienhaus in ­Zürich oder Umgebung zum Kauf oder zur langfristigen Miete. Liegt Ihnen Ihr Zuhause am Herzen und möchten Sie es so gepflegt wissen wie bisher? Wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme. Familie Samuel und Christina Brandner, Tel. 076 566 56 59, ­samuel.brandner@gmail.com.

Erscheinungsweise/Auflage

Vierteljährlich, 24 634 Expl. (Wemf) Pro Senectute Kanton Zürich Forchstrasse 145, Postfach 8032 Zürich, Tel. 058 451 51 00, Konto : PK 87-709119-2 Monica Flückiger Redaktionelle Realisation, Konzept  und Layout

bachmann medien ag, Basel www.bachmannmedien.ch Ivo Bachmann, Robert Bösiger, Ariane Denogent, Monika Greter, Daniel Rihs, Karin Schmidiger, Eva Tobler, Rita Torcasso, Flurin Truog Mitarbeit an dieser Ausgabe

Stefan Boss, Andrea Kippe, Markus Sutter, Renate Wernli, Ayse Yavas Druck

Vogt-Schild Druck AG Inserate

Zürichsee Werbe AG Laubisrütistrasse 44, 8712 Stäfa Tel. 044 928 56 11, Fax 044 928 56 00, visit@fachmedien.ch www.fachmedien.ch

CH-Arzt-Ehepaar (Bündnerin und Innerschweizer) mit 2 Kindern (3- und 1-jährig), sucht bezahlbares Wohneigentum (Haus oder Wohnung) für unsere kleine Familie in Zürich oder Umgebung, da wir in der Stadt Zürich ärztlich tätig sind. Wir freuen uns auf seriöse VerkäuferInnen. Ruedi Lichter, 079 623 90 82, rudolf.lichter@gmail.com

Abonnement + Adressänderungen

28 Franken pro Kalenderjahr Kontakt : Tel. 058 451 51 24 oder E-Mail an visit-magazin@pszh.ch Für unverlangt eingesandte Unter­lagen übernimmt Visit keine Verantwortung.

Visit abonnieren   Ich möchte Visit kennenlernen. Bitte senden Sie mir gratis ein Probeexemplar.   Ich möchte Visit ab sofort abonnieren ( 4 Ausgaben pro Kalenderjahr : 28 Franken ).   Ich möchte folgender Person auf meine Kosten ein Abonnement von Visit schenken ( 4 Ausgaben pro Kalenderjahr : 28 Franken ). Bestellungen einsenden an : Pro Senectute Kanton Zürich, Magazin Visit, Forchstrasse 145, Postfach, 8032 Zürich oder bestellen Sie direkt : Tel. 058 451 51 24 E-Mail: visit-magazin@pszh.ch

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goldene zeiten

Eine spezielle Beziehung: Grossvater und Enkel in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Bild: Arnold Thiel / Quelle: Schweizerisches Sozialarchiv

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Die Psychosen der Grossväter Von Ivo Bachmann*

«Jesses, dä het ja roti Hoor!» So soll Grossmutter Josefa meine Geburt kommentiert haben. Sie war am Kindbett die einzige Vertreterin meiner grosselterlichen Genspender. In ihrer Generation gab es das sanft gewellte blonde Haar oder die verspielt gelockte braune und schwarze Haarpracht. Aber kupferrote Härchen? Das musste ein Wunder sein. Oder Schlimmeres. Meine Grossmutter war damals schon seit Jahren Witwe, aber schwarz gekleidet wie beim ersten Trauertag. Eine gläubige Seele, pflichtbewusste Hausfrau und gütige Mutter. Und wohl auch eine liebevolle Grossmama. Jedenfalls verbindet uns eine süsse Form der Zuneigung: Wie mir meine Grossmutter eine Waffel aus ihrem Küchenschrank reicht – das ist das einzige Bild von ihr, das mir meine eigene Erinnerung schenkt. Ich war knapp drei, als Josefa in den Himmel stieg. An Louisa, die andere Grossmutter, habe ich überhaupt keine Erinnerung. Sie starb Jahrzehnte vor meiner Geburt an Tuberkulose. Und auch zu den Grossvätern fehlt mir jede persönliche emotionale Spur. Lange bevor ich Geschichten schreiben konnte, waren sie beide längst Geschichte. Der eine hiess Fridolin und war Wagnermeister – ein Mann mit handwerklichem Geschick. Kaum einer baute damals, so wurde erzählt, schönere Wagenräder und prächtigere Kutschen. Er soll mit den Jahren jedoch zunehmend eigensinnig geworden sein. Wenn zum Beispiel der wuchsfreudige Birnbaum auf der Wiese des Nachbarn den freien Blick aus seiner Wagnerwerkstatt zur Kirchenuhr trübte, schnitt er das wild wuchernde Astwerk kurzerhand kürzer. Altersstarrsinn oder Altersdemenz? Oder Hang zur Weitsicht? Wir wissen es nicht. Der andere hiess Robert – ein strenger Vater und ziemlicher Rechthaber. Dass seine Söhne – meine Onkel – Polizist, Buchhalter oder Lehrer wurden, war wohl seinen Genen geschuldet. Grosspapa Robert schuftete in der damaligen Viscosi, die eigentlich Viscosuisse hiess und in ihren Fabrikhallen in Emmenbrücke Nylonstrümpfe für Europas Damenbeine produzierte. Manche seiner Kolleginnen und Kollegen kämpften damals für gerechtere Arbeitsbedingungen und traten 1918 gar in einen Generalstreik – doch solches Revoluzzerzeug wollte meinem Grossvater partout nicht in

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Winter 2020

den Kopf. Er folgte seinem eigenen Kompass und war stolz auf sein Erreichtes – ein hübsches Heimetli ganz in der Nähe der grossen Fabrik. Wie es sich anfühlt, als kleiner Junge von einem Grossvater umarmt zu werden – das weiss ich deshalb leider nicht. Als jüngstes Kind einer grossen Familie hatte ich das Pech – oder auch das Glück – der späten Geburt. Und dennoch stecken sie bis heute je zu einem Viertel in mir drin, der eigensinnige Fridolin und der rechthaberische Robert. Wie prägten mich diese Vorfahren? Wie viele schwarze Murmeln haben sie mir

Die richtig tiefen Abgründe verdanken wir unseren Grosseltern. Denn eine Handvoll ihrer Gene bleibt stets in uns drin. weitergereicht? Und welche Charaktereigenschaften gebe ich selber – nun ebenfalls Grossvater – an meine Enkelkinder weiter? Der französische Philosoph Gilles Deleuze (1925– 1995) war der Meinung, von Vater und Mutter stammten die Neurosen, von Grossvater und Grossmutter die Psychosen. Die richtig tiefen Abgründe verdankten wir demnach den Grosseltern. Klar ist: Eine Handvoll ihrer Gene bleibt stets in uns drin. Was sich hingegen ändert, ist die soziale Rolle, die man als Grossvater spielen darf. Inzwischen entdecken auch die älteren Herren den wirklich schönsten Job der Welt. Bereits jeder dritte Grossvater hütet wöchentlich seine Enkelinnen und Enkel. Diese heissen nun zum Beispiel Naomi und Malin und tragen noch je einen Sechzehntel Fridolin und Robert in sich. Als ihr Grossvater geniesse ich jede Umarmung mit ihnen. Auch wenn sie keine roten Härchen haben. Wie durch ein Wunder. Oder Schlimmeres.

* Ivo Bachmann ist Geschäftsführer von bachmann medien ag, die auch das Visit redaktionell begleitet. Er war zuvor unter anderem Chefredaktor des « Beobachters » und der « Basler Zeitung ».

Das Thema im nächsten Visit: Reise nach innen Erinnerungen, Träume, Fantasiewelten: Ein Streifzug durch die unendlichen Weiten der Imagination. Erinnerungen als Quelle der Reflexion, Sehnsucht und Inspiration. Virtuelle Realitäten – die neue schöne Welt?

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Wir sind für Sie da – Sozialberatung Finanzen, Gesundheit, Lebensgestaltung, Wohnen, Vorsorge, Recht – Finanzdienstleistungen Büroassistenz, Steuererklärungs- und Treuhanddienst, Rentenverwaltung – Hilfen zu Hause Pro Senectute Home – Pflege und Betreuung zu Hause, CasaGusto – Mahlzeitendienst, Umzugs- und Packhilfe – Freizeitgestaltung Bewegung und Sport, Bildung und Kultur – Freiwilliges und ehrenamtliches Engagement in den Gemeinden, Besuchsdienst, Treuhanddienst, Bewegung und Sport, Generationen im Klassenzimmer etc. – Beratung in der Altersarbeit Beratung von Gemeinden und Institutionen, Pensionierungsvorbereitung

Limmattal und Knonaueramt, Schlieren, Telefon 058 451 52 00 Oberland, Wetzikon, Telefon 058 451 53 40 Pfannenstiel, Meilen, Telefon 058 451 53 20 Unterland und Furttal, Bülach, Telefon 058 451 53 00 Winterthur und Weinland, Winterthur, Telefon 058 451 54 00 Zimmerberg, Horgen, Telefon 058 451 51 20 Stadt Zürich, Zürich, Telefon 058 451 50 00

Unse r stlei e stu cent ngser

Dien

Kanton Zürich www.pszh.ch


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