Im gehobenen Hotelambiente bieten wir Pflege, Physiotherapie und ärztlicher Dienst:
� 4* Superior Ferien- & Kurhotel an traumhafter Lage mit Blick in die Alpen und auf den Vierwaldstättersee
� Drei öffentliche Restaurants inkl. Terrassen
� Abwechslungsreiches Kultur- & Bewegungsprogramm
� 24 Stunden / 7 Tage Pflege- und Ärztepräsenz
� 6 Tage Physiotherapie inkl. Wassertherapie
� Kosmetik, Coiffeur und Podologie
� Kostenloser Shuttlebus gemäss Fahrplan
� Und vieles mehr
Gesund werden, gesund bleiben, gelassen altern.
www.sonnmatt.ch
Liebe Leserin, lieber Leser
Irgendwann wird der Alltag leiser. Verpflichtungen nehmen ab, die Kinder gehen ihre eigenen Wege – und plötzlich entsteht Raum. Auch für Fragen an unsere Beziehungen: Was verbindet uns heute? Und was trägt uns weiter? Einige Partnerschaften zerbrechen in solchen Phasen. Andere gewinnen an Tiefe und Qualität. Nicht wenige bezeichnen ihre späten Beziehungsjahre gar als die erfüllendsten ihres Lebens. Aber was braucht es dafür? Dem gehen wir in unserer Titelgeschichte nach (ab Seite 6). Der deutsche Paartherapeut Michael Vogt nennt ein Zusammenspiel von Intimität, gemeinsamen Werten und Zielen, Individualität und Sexualität als zentral. Die traditionelle Paarbeziehung ist dabei nur einer von vielen Wegen: Wir begleiten zwei Paare –das eine ist durch eine bewegte gemeinsame
Wie gelingt eine glückliche Beziehung? Das verraten uns Beat Schlatter und Mirjam Fischer. > ab Seite 6
Geschichte eng verbunden, das andere findet seine Stärke gerade in der Distanz. Wir sehen täglich, wie vielfältig Verbundenheit im Alter gelebt wird – in Partnerschaften, Freundschaften oder generationenübergreifenden Beziehungen. Darin spiegelt sich ein neues Bild des Alters. Es lädt uns ein, eigene Vorstellungen zu hinterfragen – ein Wandel, den auch Pro Senectute aktiv mitgestaltet. Lesen Sie dazu auch den Bericht über Altersbilder im Wandel der Zeit (ab Seite 18).
Ich wünsche Ihnen viel Lesevergnügen!
Véronique Tischhauser-Ducrot Vorsitzende der Geschäftsleitung
Lebensraum
4 kurz und gut
6 Titelgeschichte: Die Liebe nach vielen Jahren
12 «Auch im Alter gehört Sexualität zu einer zufriedenen Beziehung»: Gespräch mit Michael Vogt 17 Medientipps
Lebensweg
18 Wie sich der Blick aufs Alter wandelt
22 Monika Weber, die Grande Dame der Zürcher Politik
27 Kolumne Christine Brand
Lebenslust
28 Alter Botanischer Garten
30 Sanftes Wandern durchs Hochmoor
32 Aus unserem Kursangebot
33 Meine Passion: Die Kraft der stillen Berührung
34 Agenda
35 Ernährung
36 Rätsel
38 Marktplatz, Impressum
39 Goldene Zeiten
Beilage Aktiv
Aktuelle Veranstaltungen und Kurse von Pro Senectute Kanton Zürich
Folgen Sie uns auf Facebook und LinkedIn.
Monika Weber schaut auf ihr Leben zurück. > Seite 22
Buchautor Kurt Seifert erklärt Altersbilder. > Seite 18
Wertschätzung im Letzigrund
Ein Stadion, ein besonderer Abend und rund 100 engagierte Freiwillige: Das Schulamt der Stadt Zürich lud die Freiwilligen von «Seniorinnen und Senioren im Schulzimmer» am 30. März 2026 in den Letzigrund ein. Nach exklusiven Einblicken hinter die Kulissen sorgte ein Flying Dinner für genussvolle Momente. Stadtrat Filippo Leutenegger und Véronique TischhauserDucrot würdigten den grossen Einsatz der Seniorinnen und Senioren, die den Schulalltag bereichern und wichtige Brücken zwischen den Generationen schlagen.
Uitikon, 11 . März 2026 Stricken für den guten Zweck: Mit klappernden Nadeln und viel Herz strickt der Stricktreff Uitikon kleine Mützchen. Sogar die jüngste Generation macht mit: Ein Mädchen nutzt die Gelegenheit, um beim gemeinsamen Stricken gleichzeitig Deutsch zu lernen. Masche für Masche entstehen – Wärme, Solidarität und Gemeinschaft. Ob geübte Strickende oder Neulinge – alle sind willkommen. Zusammen stricken, zusammen helfen! Von Januar bis Juni 2026 wird in Uitikon einmal im Monat gestrickt. Für jeden verkauften Smoothie mit Mützchen spendet «innocent» eine Portion Gemüse und Früchte an ältere Menschen.
Unterstützung im Treuhanddienst gesucht
Haben Sie ein Flair für Zahlen und behalten gerne den Überblick? Dann suchen wir Sie. Als Freiwillige oder Freiwilliger im Treuhanddienst unterstützen Sie ältere Menschen bei administrativen Aufgaben – und schenken ihnen damit ein Stück Leichtigkeit im Alltag. Gerne informieren wir Sie persönlich und unverbindlich an unserer Info Veranstaltung am Dienstag, 7. Juli, oder Donnerstag, 24. September, 17–19 Uhr in unserem Dienstleistungscenter Zürich an der Seefeldstrasse 94a in 8034 Zürich. Anmeldung: pszh.ch/thdinfoanlass
Fotos: Hans Ulrich Kunz, Mina Monsef, PSZH
Über 299 000 Stunden Herzblut – so viel haben unsere Freiwilligen 2025 für ältere Menschen eingesetzt. Ein Engagement, das bewegt.
Ein besonderes Dankeschön
Im internationalen Jahr der Freiwilligen 2026 setzt Pro Senectute Schweiz ein besonderes Zeichen: Mit dem neu lancierten Prix Merci rückt sie freiwilliges Engagement ins Rampenlicht – und sagt Danke. Ende 2026 wird die Auszeichnung erstmals an eine Person verliehen, die sich mit Herz und Tatkraft für ältere Menschen einsetzt. Der Prix Merci ist mehr als ein Preis. Er ist ein Zeichen der Wertschätzung und ein herzliches Dankeschön an über 17 000 Freiwillige, die sich tagtäglich in der ganzen Schweiz für die ältere Bevölkerung starkmachen.
Auch Pro Senectute Kanton Zürich lebt von Menschen wie ihnen – Freiwilligen, die unsere Angebote mit Leben füllen und erst möglich machen. Dafür sagen wir von Herzen Danke. Stellvertretend für alle schicken wir Fredi Reist ins Rennen um den Prix Merci. Sein Name ist Programm: Fredi «reist» nicht nur gerne um die Welt, sondern auch von Einsatz zu Einsatz, plant neue Angebote und sorgt mit grossem Engagement dafür, dass unsere Arbeit das Leben älterer Menschen bereichert. Mehr über ihn erfahren Sie im Kurzinterview.
Ab dem 16. Juni können Sie abstimmen – das Publikumsvoting läuft bis Ende August. Machen Sie mit und geben Sie Fredi Ihre Stimme: pszh.ch/prixmerci
Selbst aktiv werden?
Freiwilliges Engagement bereichert nicht nur das Leben anderer – sondern auch das eigene. Wenn Sie sich vorstellen können, sich für ältere Menschen einzusetzen, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme. Weitere Infos: pszh.ch/freiwillig
299 000
Persönlich
Alfred «Fredi» Reist
Freiwilliger im Treuhanddienst sowie Leiter der Orts vertretung Richterswil und Samstagern. Er ist nominiert für den Prix Merci.
Was ist Ihre Aufgabe bei Pro Senectute Kanton Zürich? Im Treuhanddienst unterstütze ich momentan vier Personen bei administrativen Themen. Als Leiter der Ortsvertretung Richterswil und Samstagern stelle ich zusammen mit meinem Team lokal ein Ange bot für Seniorinnen und Senioren auf die Beine. Wir gratulieren Jubilierenden, organisieren einen Mittagstisch, Filmvorführungen und vieles mehr.
Was schätzen Sie an dieser Tätigkeit besonders?
Mich treibt an, dass ich anderen Menschen helfen kann. Und bei den Anlässen, die wir in der Ortsvertretung organisieren, ist es immer schön, die zufriedenen Gesichter zu sehen. Personen aus ihrer Einsamkeit zu holen und ihnen ein paar schöne Stunden zu bieten, erfüllt mich mit grosser Zufriedenheit.
Was gefällt Ihnen an älteren Menschen vor allem?
Die Ruhe. Ältere Menschen blicken mit Erfahrung auf ein langes Leben zurück. Dies gibt ihnen eine andere Einstellung und einen anderen Blick auf viele Themen. Im Alter muss man vieles nicht mehr, darf aber noch viel. Was können ältere von jüngeren Menschen lernen?
Der Umgang mit Neuem kann ältere Menschen verunsichern oder gar überfordern. Dies kann bei einem OnlineBahnbillett beginnen. Bei vielen solchen Themen können oft sogar die Enkel ihren Grosseltern Unterstützung bieten. Ältere Menschen sollten offen sein, die gebotene Hilfe anzunehmen.
Wenn Sie zaubern könnten: Was würden Sie verändern? Den Freiwilligengedanken, das Miteinander und Füreinander, sollten wir noch stärker leben. Gerade im Alter sind wir aufeinander angewiesen.
Sie blicken schon auf 53 Ehejahre zurück und lieben sich noch immer: Ursula und Rüdiger Findeisen heute (grosses Bild) und einst (auf dem Foto links).
Die Liebe nach vielen Jahren
Ob in langjährigen Ehen oder neuen Verbindungen: Wenn die Zeit kostbarer wird, erhält die Liebe mehr Gewicht – und die Chance, gerade jetzt sehr erfüllend zu sein.
Text: Mirjam Oertli Fotos: Gabi Vogt
Irgendwann wird der Alltag leiser. Vieles, was das Leben geprägt hat, fällt allmählich weg: Die Aufgaben werden weniger, die Kinder gehen ihren eigenen Weg, und plötzlich ist Zeit da, während die Jahre kostbarer werden. Nicht selten stellen sich Paare jetzt Fragen, für die lange kein Platz mehr war. Wer sind wir füreinander geworden? Was verbindet uns noch? Und was trägt unsere Beziehung heute?
Das kann herausfordern. Es kann aber auch die Phase sein, in der eine Beziehung neue Qualität erlangt. «Entscheidend ist, wie es einem Paar gelingt, mit den Veränderungen in späteren Lebensphasen umzugehen», sagt Michael Vogt. Der emeritierte Professor der Hochschule Coburg erforscht Partnerschaft und Sexualität im Alter. Übergänge wie die Pensionierung oder der Auszug der Kinder, aber auch das Älterwerden, seien für viele Menschen sehr herausfordernd und würden von Paaren oft unterschiedlich erlebt, so der Paartherapeut. Umso wichtiger sei es, dass sie über ihre inneren Veränderungen im Austausch bleiben. «Wenn es gelingt, die Verbindung zueinander zu erhalten, kann eine Beziehung im Alter sehr erfüllend sein.»
NACH DER RUSHHOUR DES LEBENS
Es gehöre zu den ständigen Aufgaben langjähriger Paarbeziehungen, das Zusammensein in den jeweiligen Lebensphasen laufend neu zu definieren, schreibt Pasqualina Perrig Chiello in ihrem Buch «Wenn die Liebe nicht mehr jung ist». Die Entwicklungspsychologin und emeritierte Professorin der Universität Bern hält darin auch fest, dass Studien zur Zufriedenheit langjähriger Paare ein uneinheitliches Bild zeichnen. Viele deuteten jedoch auf einen Uförmigen Verlauf hin – mit einem Tiefpunkt in der Lebensmitte und einer Besserung der Ehezufriedenheit nach dem Auszug der Kinder. Gerade in der Lebensmitte, der «Rushhour» des Lebens, sagt Michael Vogt, bleibe die gegenseitige emotionale Wahrnehmung manchmal auf der Strecke. In diesen Jahren des Funktionierens kann leicht verloren gegangen sein, wer der andere jenseits des Alltags und seiner Rollen, etwa als Elternteil, war. «Sich jetzt bewusst Zeit zu nehmen für ein neues Miteinander, ermöglicht es, einander wieder neu zu begegnen.» Beschränken sich Gespräche jedoch auf Einkaufslisten und Stromrechnungen,
«Wenn es gelingt, die Verbindung zueinander zu erhalten, kann eine Beziehung im Alter sehr erfüllend sein.»
Michael Vogt
Zwei Paare, zwei Formen einer Beziehung: Mirjam Fischer und Beat Schlatter (links), Ursula und Rüdiger Findeisen (rechts).
werden bestimmte Themen nicht mehr angesprochen – alte Verletzungen, das Altern, die Sexualität kann sich die Beziehung in ihren Routinen verfestigen. Diese vermitteln zwar Stabilität, so Vogt. «Sie können jedoch dazu führen, dass man sich nicht mehr in seiner Ganzheitlichkeit wahrgenommen fühlt.» Und dies sei der Hauptgrund, warum langjährige Paare sich trennen.
ZUNEHMEND «GREY DIVORCES»
Dass dies heute häufiger vorkommt, zeigt die Entwicklung der durchschnittlichen Ehedauer bei einer Scheidung: Während sie in der Schweiz im Jahr 2000 noch bei 13,1 Jahren lag, stieg sie bis 2024 auf 15,8 Jahre. Das Bundesamt für Statistik führt die Zunahme darauf zurück, dass immer mehr Scheidungen nach zwanzig oder mehr Ehejahren erfolgen. Diese sogenannten «Grey Divorces» nehmen auch in anderen Ländern zu.
Eine späte Scheidung zwingt – ähnlich vielleicht wie der Tod des Partners – zu einer völligen Neuorientierung. Für die Lebensqualität scheint sie gemäss Psychologin Pasqualina Perrig Chiello aber langfristig die bessere Lösung zu sein, als unglücklich verheiratet zu bleiben. Zumal: Wer sich irgendwann wieder auf eine Partnerschaft einlässt, kann überaus positive Erfahrungen machen. Laut schwedischen Altersforschern erleben manche Menschen ihre späten Partnerschaften sogar als die erfüllendsten ihres Lebens.
Romantische Beziehungen fördern soziale Verbundenheit und beugen Einsamkeit vor. Weil Einsamkeit mit sinkender Lebenszufriedenheit, kognitivem Abbau und weiteren gesundheitlichen Risiken
zusammenhängen kann, ist eine gute Beziehung auch eine Art Schutzfaktor. Späte neue Partnerschaften fordern aber auch traditionelle Altersbilder heraus. Noch immer wird hohes Alter oft mit Asexualität assoziiert. Und manchmal führt eine späte neue Beziehung laut Paartherapeut Michael Vogt auch zu Konflikten im Familienverband. Etwa wenn die erwachsenen Kinder Mühe damit haben, dass die Mutter einen neuen Freund vorstellt. Frauen binden sich allerdings seltener neu als Männer, wie Studien zeigen. Traditionelle Rollenerwartungen tragen dazu bei, dass viele Frauen das Alleinleben vorziehen: Sie befürchten, sich erneut um jemanden kümmern und den gemeinsamen Haushalt führen zu müssen.
VIELFALT AN BEZIEHUNGSFORMEN
Solchen Sorgen können alternative Beziehungsmodelle etwas entgegensetzen, die klassischen Rollenund Beziehungserwartungen eine Absage erteilen. Ein Beispiel ist «Living Apart Together», kurz LAT. Dabei leben Paare bewusst in getrennten Wohnungen – ohne dies als Vorstufe für ein späteres Zusammenziehen zu sehen.
Von einem bewussten Entscheid sprechen auch Beat Schlatter und Mirjam Fischer. Der Komiker und die Buchproduzentin haben vor fünfzehn Jahren geheiratet, sind aber nie zusammengezogen. Beide schätzen die Rückzugsmöglichkeit, die ihnen ihre zwei Wohnungen lassen. «Um als Künstler Ideen zu haben, brauche ich einen Ort, an dem ich so etwas wie Müssiggang pflegen kann», so Schlatter. «Und wir wollen auch nicht über Kleinigkeiten diskutieren.» Etwa über herumliegende Kleiderhaufen
Gerhard Born
Foto:
oder benutzte Pfannen. «Die Maschinerie des Alltags kann eine Beziehung auch auffressen», sagt Fischer (siehe Seite 11).
Dass unkonventionellere Modelle heute sichtbarer gelebt werden, nimmt Konventionen etwas von ihrem Druck. Eine wachsende Offenheit für unterschiedliche Lebensentwürfe zeigt sich auch in neuen Wohnformen für ältere Menschen. Vielerorts entstehen Alterswohngemeinschaften oder generationenübergreifende Projekte, die den klassischen Paarhaushalt erweitern oder gar in Frage stellen. Ein Meilenstein ist das erste queer freund liche Alterszentrum der Schweiz, das derzeit in der Stadt Zürich entsteht. Das neue Bild des Alters, das sich in solchen Projekten spiegelt, kann auch dazu anregen, eigene, womöglich überholte Vorstellungen
Partnerschaften neu beleben
Mit dem Älterwerden verändern sich Beziehungen, Nähe und Zuwendung. Ein Kurs von Pro Senectute Kanton Zürich zeigt praxisnah, wie bestehende Partnerschaften neu belebt werden können und wie auch Alleinstehende erfüllende Formen von Verbundenheit erleben. Achtsamkeit im Miteinander sowie das richtige Gleichgewicht von Nähe und Distanz eröffnen Raum für Freude, Lebendigkeit und Geborgenheit und machen es möglich, Liebe und Beziehungen in neuer Qualität zu erfahren. Geleitet wird der Kurs von Reto Kneubühler, dipl. Sexualpädagoge. Nächster Termin: 5. November 2026, 13:30–16:30 Uhr, in Zürich. Weitere Infos und Anmeldung: pszh.ch/erfuellende-beziehungen
davon zu hinterfragen, wie man in späteren Lebensphasen wohnen, leben und Beziehungen gestalten möchte.
Doch bei aller Vielfalt und trotz mehr «Grey Divorces»: Viele langjährige Ehen bleiben intakt –auch wenn nicht alle rundum zufrieden sind. Im Rahmen ihrer Forschungen hat die Psychologin Pasqualina Perrig Chiello Antworten zur Partnerschaftszufriedenheit von 494 Personen ausgewertet, die im Schnitt 75 Jahre alt und seit rund 50 Jahren verheiratet waren. 59 Prozent von ihnen stellten sich als recht glücklich heraus, während 41 Prozent mit ihrer Beziehung deutlich weniger zufrieden waren.
«Jedes Paar hat seine Geschichte, seine Ansprüche und Ambitionen», schreibt Perrig Chiello in ihrem Buch. Von aussen lasse sich kaum beurteilen, was richtig und falsch sei. Sie verweist auf eine Studie aus Bayern, in der sich ein Drittel der Befragten als «stabil unglücklich» bezeichnete. So wirke nicht nur gemeinsames Glück, sondern nicht selten ein «verbindendes solides Unglück» für Beziehungen stabilisierend.
IM GESPRÄCH BLEIBEN
Was aber zeichnet Beziehungen aus, die beide Partner auch nach Jahren erfüllen? Ursula und Rüdiger Findeisen etwa blicken auf 53 Ehejahre zurück –und auf eine Liebe, die einst zwischen Winterthur und der DDR begann und eine abenteuerliche Flucht nach sich zog, die ihre Beziehung bis heute prägt und trägt. «Wenn man so etwas gemeinsam erlebt, sogar Gefängnisstrafen in Kauf genommen hat, wirft man nicht mehr schnell den Bettel hin», sagt Rüdiger Findeisen. Darüber hinaus sei es wichtig, immer wieder miteinander zu reden, sich auch Platz zu lassen und das Körperliche nicht zu vergessen, sagt Ursula Findeisen (siehe Seite 10).
Auch Paartherapeut Michael Vogt nennt ein Zusammenspiel von Intimität, gemeinsamen Werten und Zielen, Individualität und Sexualität als zentral für eine erfüllte Partnerschaft (siehe Interview ab Seite 12). «Und dass man im Gespräch bleibt, sich auch Fragen stellt – etwa: Wie geht es dir mit mir? –, ohne zu meinen, die Antwort schon zu kennen.» Wenn Paare dann auch gemeinsam zurückblicken und über Vergangenes sinnieren, könne das sehr sinnlich sein. «Vielleicht erinnere ich mich an einen Geruch, ein Lächeln. Und ich sehe in die Augen, die mich anschauen, und merke, wie viel vom Zauber des Beginns die Jahre überdauert hat.»