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Liederbuch_Manfred_Hausin_1-20

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Und hab ich Unmut doch erregt

Mit all meinen Geschichten

Hab ich ermutigt und bewegt

Mit Liedern und Gedichten

Impressum

© alle Texte: Manfred Hausin

Alle Rechte vorbehalten

Zeichnung Spielmann: Sylvia Neusz, Porträfotos Manfred Hausin: Philipp Thonet

Satz und Layout der Noten: Hans-Jörg Maucksch, Mastering Engineer

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.

Die automatisierte Analyse des Werkes, um daraus Informationen insbesondere über Muster, Trends und Korrelationen gemäß §44b UrhG („Text und Data Mining“) zu gewinnen, ist untersagt.

ISBN 978-3-95954-200-5

Verlag Jörg Mitzkat Holzminden 2026

Manfred Hausin

Dass wir unsere Lieder singen

Die singbaren Texte des Erzpoeten & Eulenspiegel

Das Liederbuch

Inhaltsverzeichnis

KAPITEL 3

KAPITEL 4

Millieustudie in 6 Strophen

Lied des überzeugten Kriegsdienstverweigerers

Das Lied von der Extrawurst

Der Zweck all meiner Lieder

Kleine Einladung zu einem großen Fest

im Garten des Erzpoeten M.H.

ANHANG

Nachwor: Der „olle“ Dichter mit seinen Liedern

Kapitel

Zu guter letzt

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Der alte Dichter

Der alte Dichter geht zum letzten mal auf Lesung

Er sitzt ganz dünn vor einem furchtbar dicken Buch

Der Dezernent schätzt ihn und wünscht herzlich Genesung

Die Stirn tupft er mit einem schwarzen Taschentuch

Drei alte Frauen kauern auf den harten Stühlen

Ihre Gesichter sind ganz welk und fieberfahl

Zutiefst ergriffen sind sie von alten Gefühlen

Wär nur so neon nicht das kalte Licht im Saal

Bundesverdienstzäpfchen verlieh man ihm am Bande

Doch er wehrt ab und sagt: sowas ist doch fürn Arsch

Einst führten Lesereisen ihn durch alle Lande

Und die Kritiken über ihn warn selten harsch

Das Publikum ist lang schon ausgeblieben

Und Bücher von ihm kennt ja keiner mehr

Und niemand weiß noch was er einst geschrieben

Jaja das Alter ist für manchen Dichter schwer

Er schrieb verquast langweilige Novellen

Im Pfefferminzteelyrikschreiben war er groß

Ganz sicher war er keiner von den Hellen

Die Preise fielen ihm ja nur so in den Schoß

Sein Opus magnum hat weit über 1000 Seiten

Dem Leser nimmt es seine letzte Lebenskraft

Im Blocksatz tut dem Auge es Verdruß bereiten

Was eigentlich der Inhalt ganz alleine schafft

Die Frauen die an seinem Weg sich bückten

Die liegen lange schon tief unter grünem Gras Und ihre Briefe die ihn einst so sehr entzückten

Sind im Tresor vom Schillerarchiv unter Glas

Der alte Dichter geht zum letzten Mal auf Reisen

Doch niemand nimmt davon noch groß Notiz

Er will sichs einmal noch nochmal beweisen

Die nächste Lesung gibt demnächst er im Hospiz

Der alte Dichter lädt zu seiner letzten Lesung

Er liegt ganz dünn vor einem furchtbar dicken Buch

Im Zimmer riecht es leicht schon nach Verwesung

Aus jetzt – und Schluss! Nun aber ists genug…

Vorspiel

Zwischenspiel

Zwei Gedichte

Zwei Gedichte schreib ich noch

Oder schreibt sie wohl das Leben

Dem mein eignes ich gegeben

Bis zum tiefen Fall ins Loch

Zwei Gedichte schreib ich noch

Dies hier ist für euch geschrieben

Eines noch ist mir geblieben

Bis zum steilen Flug ins Hoch

Bis zum tiefen Fall ins Loch

Will ich noch Gedichte schreiben

Auf dass die Gedichte bleiben

Zwei Gedichte schreib ich noch

Liebe Durst und Rauch

Ob ich berühmt bin ist mir Wurst

Doch bin ich nicht berüchtigt

Wenn sich der Rauch verflüchtigt

Verspür ich großen Durst

Ob ich vergessen werd ist gleich

Solang ich nicht vergesse

Bekam oft in die Fresse

Bin hart und zart zugleich

Ob ich beliebt bin ist egal

Doch lieben – weiß ich – kann ich

Dich lieb ich wirklich bannig

Vor Kälte schützt ein Schal

Und ob vergeht die Welt in Rauch

Brennt vorher doch ein Feuer

Dass Altes sich erneuer

So brenn und trink und schmauch

Letztes Lied

So manches Bier goss ich daneben

So mancher Schnaps fiel um

Doch bleibt mir noch genug zum Leben

Kommt Freunde lasst uns einen heben

Setzt euch um mich herum

So manche Freundin ging mir flöten

So mancher Freund blieb weg

So mancher Riss ist nicht zu löten

Ein größrer Kolben wär vonnöten

Es fettet mancher Fleck

So manches Lied hab ich geschrieben

So manches Lied schrieb mich

Und ist nur dies davon geblieben

Dann will ich noch paar Bier reinschieben

Prost Freunde dann besauf ich mich

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Dass wir so lang leben dürfen

Dass wir so lang leben dürfen

Schnäpse kippen Rotwein schlürfen

Feurig würzen Biere stürzen

Prassend unser Leben kürzen

Dass wir so sehr lieben können

Loser sind die gern gewönnen

Blind vor Tränen krank vor Sehnen

Fallen weil wir uns anlehnen

Dass wir so sehr lieben können

Dass wir so viel kämpfen müssen

Meist vergebens oft verbissen

Nichts von Dauer nur die Trauer

Kennen wir jetzt viel genauer

Dass wir unsre Lieder singen

Sie durch laute Zeiten bringen

Manchmal nur ganz leise summen

Aber niemals ganz verstummen

Dass wir unsre Lieder singen

Dass wir noch Gedichte schreiben

Und zwar solche die einst bleiben

Stark wie Eichen die nicht weichen

Zart wie Seerosen auf Teichen

Dass wir grüne Gärten bauen

wo die Elfen in den lauen

Nächten zwischen Pflanzen tanzen

Sorgen uns ums Wohl des Ganzen

Dass wir grüne Gärten bauen

Dass wir tiefe Brunnen bohren

Unbeirrbar unverfroren

Hart uns schinden Quellen finden

Seher sind unter den Blinden

Dass wir euch als Freunde nennen

Und durch euch erst Freundschaft kennen

Mit euch lachen Pläne machen

Glut im kalten Haus entfachen

Dass wir euch als Freunde nennen

Dass wir so lang leben dürfen

Schnäpse kippen Rotwein schlürfen

Feurig würzen Biere stürzen

Prassend unser Leben kürzen

Dass wir so lang leben dürfen

Steh nicht im Goldnen Buch der Stadt

Steh nicht im Goldnen Buch der Stadt

Hab keine großen Preise

Bin nicht behängt mit Orden satt

Bin noch auf meiner Reise

Steh nicht im Goldnen Buch der Stadt

Nach mir heißt keine Straße

Bin Mitglied nicht im Großen Rat

Nicht Sprecher einer Klasse

Nach mir benannt wurde kein Platz

Nicht Stadion noch Schule

Hab mit gemacht bei keiner Hatz

Hielt fern mich von Bambule

Sie nannten nach mir keine Schlacht

Kein Kriegsschiff keinen Flieger

Verlieren hat mir nichts gemacht

So war ich auch kein Sieger

Und hab ich Unmut doch erregt

Mit all meinen Geschichten

Hab ich ermutigt und bewegt

Mit Liedern und Gedichten

Habe begangen manchen Streich

Wenn ich es recht besehe

Arm geh ich – an Erinnerung reich

An Liebe Freundschaft Nähe

Am Ende hat sich ja gelohnt

Mein Fahren und mein Singen

Hab mich und andre nicht geschont

Will es zu Ende bringen

Bleibt gerne noch ein bisschen hier

Lang dufte euch der Flieder

Ich geh schon vor und mach Quartier

Wir sehen uns ja wieder

Werde ich endlich flach gelegt

Und das zum letzten Male

Dann bitte seid recht froh bewegt

Legt Geld in Charons Schale

Und wer mich recht zu ehren weiß

Der leere seinen Humpen

Und summe meine Lieder leis

Und rauche einen Stumpen

Steh nicht im Goldnen Buch der Stadt

Hab keine Großen Preise

Bin nicht behängt mit Orden satt

Noch bin ich auf der Reise

Bonusverse:

Und wer mich recht zu ehren weiß

Mich und den guten Goethen

Der singe unsre Lieder leis

Und schlürfe Sekt aus Flöten

Doch wer mich gar nicht ehren will

Der trinke Schnaps aus Kannen

Und lege sich aufs Lager still

Und ich ziehe von dannen

Und wer mich gar belehren will

Trink Wasser aus Zisternen

Dann klingt die Stimme nicht so schrill

Und er kann von mir lernen

Einmal noch

Einmal noch unter Kumpanen

Einmal noch Applaus absahnen

Nochmal Nacht der Poesie

Mit der ganzen Compagnie

Einmal noch zusammen singen

Nochmal mit den Hüften schwingen

Einmal noch Gesang und Tanz

Leben pur noch einmal ganz

Einmal noch zusammen sprechen

Und mit euch gemeinsam zechen

Mit dem großen Publikum

30 Jahre sind schon um

Nochmal mit euch schwadronieren

Schnabulieren pokulieren

Pantomime Puppenspiel

Lieder und Musik ganz viel

Einmal noch zusammen streiten

Eingedenk der alten Zeiten

Scherz Satire recht viel Spaß

Auch für uns wächst schon das Gras

Also hoch jetzt die Pokale

Bald erlöscht das Licht im Saale

Einmal noch nur noch einmal

Lange Nacht in Teutschenthal

Auf uns

Immer schreibe ich noch Lieder

Ja ich singe immer noch

Seh Dich Liebste immer wieder

Doch wie lang wie lange noch

Immer fühl ich noch das Beben

In den Adern rotes Blut

Immer noch bin ich am Leben

Dir und meinen Freunden gut

Immer noch mag ich ihn trinken

Diesen purpurroten Wein

Mag in ihm und Dir versinken

Und noch immer bei euch sein

Hab euch noch an meiner Seite

Hoffentlich recht lange noch

Rauchend trinkend liebend gleite

Letztlich dann auch ich ins Loch

Sehe wie die Blätter fallen

Und wie weißer Nebel wallt

Bin fast einziger von allen

Fühle jung mich noch – nicht alt

Seht der Rauch zieht leicht von hinnen

An die schwere Wolkenwand

Möchte gern noch mal beginnen

Setz die Pfeife neu in Brand

Ja es ist nur schwer zu fassen

Wir sind doch noch immer da

Drum ihr Freunde – Hoch die Tassen

Und ein donnerndes Hurra

Wünsche euch noch viele Jahre

Wenn ich längst gegangen bin

Dass ihr steht an meiner Bahre

Und ich liege drin …

Zwischenlied

Ich kann nicht davon leben

Von dem was uns ernährt

Was uns ernährt

Das ist nicht zu erstreben

Ich kann nur davon singen

Von dem was uns beschwert

was uns beschwert

Das wird uns nicht bezwingen

Ich will das nicht nur träumen

All das was uns verwehrt

Was uns verwehrt

Das wollen wir nicht versäumen

Ich kann sie niemals ordern

Die Waffen für Gewalt

Hier heißt es für mich: Halt

Das lasse ich nicht fordern

Ich kann das nicht ertragen

Den Lug und den Betrug

Davon hab ich genug

Das lässt mich nicht verzagen

Das Leben zu begreifen

Ja das fällt manchmal schwer

Und doch: ich will ja mehr

Statt Stacheldraht nur Schleifen

Bevor ins Grab wir sinken

Erhebe ich das Glas

Jawohl ich gönn mir das:

Mit euch auf uns zu trinken

Ich weiß es kommen Zeiten

Für Frieden auf der Welt

Gut ists um uns bestellt

Wenn wir den Weg bereiten

Wenn wir den Weg beschreiten

Viele Lieben

Viele Lieben musstest du erleiden

Und die eine hast Du auch erlebt

Magst auch heute Schönheit noch nicht meiden

Bist noch einer dem das Herz erbebt

Glaubtest oft Du kämpfst für Dich alleine

Gegen eine ganze wilde Welt

Denn noch ists um Freiheit die ich meine

Auf der Erde nicht so gut bestellt

Viele Kämpfe hast Du überstanden

Niederlagen viele überlebt

Und befreit von Fesseln Ketten Banden

Bist Du doch der Erde nicht entschwebt

Viele Tode wollten Dich schon fällen

Und den letzten fürchtest Du nicht mehr

Ließest nie Dich von den Mordgesellen

Werben für ihr großes graues Heer

Deine Fehler hast Du Dir verziehen

Und der Herbst zieht lächelnd übers Land

Nun da bald die letzten Rosen blühen

Hast am Ende Du es auch erkannt:

Viele Lieben musstest du erleiden

Und die eine hast Du auch erlebt

Magst auch heute Schönheit noch nicht meiden

Bist doch einer dem das Herz erbebt

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