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KJB_Hoexter_2026_1-20

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Herausgeber: Der Landrat des Kreises Höxter

Moltkestr. 12, 37671 Höxter

Redaktion: Manuela Kupsch (Leiterin der Redaktion)

Gabriele Böker

Jennier Diekmann

Hans-Werner Gorzolka

Hendrik Köplin

Silja Polzin

Julia Siebeck

Birgit Ulrich

Dr. Kathrin Weiß

Kristin Wiechers

Für den Inhalt der Beiträge sind die Autoren verantwortlich. Das Urheberrecht an den Textbeiträgen und die Rechte an den Abbildungen liegen bei den Autoren bzw. Einlieferern.

© Kreis Höxter 2025

Titelbild: Stadt Höxter, D. Ketz

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.de abru ar.

ISBN 978-3-95954-189-3

Alle Rechte vorbehalten.

Gestaltung: Verlag Jörg Mitzkat

Druck: Gutenberg Beuys Feindruckerei GmbH

Gedruckt auf: Circle Offset Premium White (Blauer Engel zertifiziert)

Verlag Jörg Mitzkat · Holzminden, 2025 · www.mitzkat.de

Inhalt

50 Jahre Kreis Höxter ..... ...........................................................................

von Hendrik Köplin

Jubiläumsjahr stand im Zeichen des Miteinanders........................................................

Kreis Höxter feierte 50-jähriges Bestehen im Festakt und Veranstaltungen I von Silja Polzin

ZEITGESCHEHEN

Vom „Netzwerk Barrierefreier Kreis Höxter“ zum Verein „muvi e.V.“ ........................................

von Corina Murawski und Silvia Vandieken

Königlicher Besuch aus Ghana zum fün ährigen Schuljubiläum in 2024 .....................................

Ein Herzensprojekt: Grundschule St. Walburga Neuenheerse – Private Ersatzschule für die Primarstufe I von Karl-Heinz Schwarze

Vordenker und Macher aus Höxter weltweit im Einsatz für Natur und Umwelt ...............................

Bundesminister a.D. Prof. Dr. Klaus Töpfer war seiner Zeit immer voraus | von Michael Robrecht Mäzen und Weltbürger – einzigartige Museumslandschaft ist sein Vermächtnis

Trauer und Generalkonsul Manfred O. Schröder | von Sabine Robrecht

des Libori-Jungschützenfestes Bredenborn .....................................................

von Stefan Krome 100 Jahre Spielmanns- und Fanfarenzug Ottenhausen

von Norbert Bräkling und Heike Sternberg-el Hotabi Eine Vitaminspritze für die Dorfgemeinschaft ..........................................................

Das Heimatfest in Ovenhausen: Wie ein XXL-Schützenfest wahre Wunder wirkt | von Kai Hasenbein

GESCHICHTE

Kurioses aus dem Kreisarchiv | von Hendrik Köplin Drei Steinheimer Stadtjubiläen .......................................................................

von Johannes Waldhoff

Lichtsymboliken für Hochfeste in Brakel ..............................................................

von Reinhard Koch

Amtmann Kroeger (1856 - 1883) .......................................................................

von Josef Werpup

„An diesem Ort werde ich Frieden geben“ ...............................................................

Ein Bauplan der alten Steinheimer Synagoge (1884) | von Heike Sternberg-el Hotabi

Zur Deutung des Namens von Godelheim (Stadt Höxter) | von Dr. Birgit Meineke

Die Schlacht am Brunsberg – Au ruch in eine neue Zeit ................................................

Erste kulturhistorische Sonderausstellung im historischen Rathaus Höxter | von Michael Koch und Ralf Mahytka

Ein barockes Kleinod und seine bekanntesten Bewohner ................................................

275 Jahre Schloss Rheder bei Brakel | von Dr. Gerlinde Gräfin von Westphalen

„verschnitten und verbraucht“ .......................................................................

Der lange Weg eines Handschriftenfragments von Corvey nach Paderborn | von Wilhelm Grabe Polizeistrafen im Kaiserreich, Anno 1892...............................................................

Beispiele aus dem Amt Beverungen | von Christoph Reichardt

WIRTSCHAFT

Kino in vierter Generation . .........................................................................

Familie Schlinker | von Ute Schlinker

Der Kreis Höxter auf dem Weg zur Zero-Waste-Region .................................................

von Ivonne Meyer

Kreisentwicklungskonzept für den Kreis Höxter ........................................................

von Sarah Thiet, Michael Stolte und Jürgen Drüke

Windenergieausbau im Kreis Höxter & der Planungsregion Ostwesfalen-Lippe .............................

von Heinz-Günther Koßmann

BILDUNG UND KULTUR

Ein Nachruf im Gedenken an einen starken Charakter, eine starke Kunst und einen kundigen Lehrer .......... . 169

Kunstfreunde trauern um Heiner Stiene | von Dieter Scholz

Starke Worte. Starke Orte . .........................................................................

177

Entwicklungsphase eines Demokratie- und Literaturprojekts im Kreis Höxter | von Maja Machalke

Im Höhendorf da tut sich was! ......................................................................

Seit 25 Jahren begeistert das Volkstheater Altenbergen die Menschen im Umfeld des historischen Windrads | von Josef Köhne

Kontaktbeamter für interkulturelle und - religiöse Angelegenheiten (KIA) ..................................

191

Ansprechpartner der Polizei für Menschen mit Migrationshintergrund und alle religiösen Institutionen im Kreis Höxter | von Klaus Geiser

Sozialpädagogische Berufe im Fokus | von Imke Müller-Stauch und Janina Pusch

NATUR UND LANDSCHAFT

Adebar im Aufwind ...... ..........................................................................

Aktuelle Bestandsaufnahme des Weißstorches im Kreis Höxter | von Peter Maciej und Gerd Guse

Von der Raketenstellung zum erlebbaren Hort der Artenvielfalt ......................................... .

Das Natura 2000-Gebiet „Hirschstein“ im Eggegebirge | von Frank Grawe und Peter Maciej

Ein wichtiges Ziel ist nach 30 Jahren erreicht ........................................................... 217

Das Feuchtgebiet Multhöpen in Ottenhausen ist nun Naturschutzgebiet | von Heribert Gensicki und Frank Grawe

Ein Baumeister kehrt zurück ......................................................................... 223

Das Comeback des Bibers im Kreis Höxter | von Fiona Brüggenthies und Peter Maciej

Liebe Leserinnen und Leser,

das zurückliegende Jahr stand ganz im Zeichen unseres Kreisjubiläums mit Festakt und Festgottesdienst im Weltkulturerbe Corvey. Im Zuge der kommunalen Neugliederung wurde unser heutiger Heimatkreis aus den historischen Altkreisen Warburg und Höxter neu gebildet. Mit vielfältigen Veranstaltungen haben wir das Zusammenwachsen und die erfolgreiche Entwicklung würdig in Szene gesetzt und gemeinsam gefeiert.

Zwei Beiträge im vorliegenden Jahrbuch fassen die jüngste Geschichte unseres Kreises und die Aktivitäten im Jubiläumsjahr zusammen.

Dabei blickt unsere Heimatregion auf eine weitaus längere Historie zurück, wie ein Blick in die Rubrik „Geschichte“ verdeutlicht. Mit einem umfangreichen Kulturprogramm wurde das 1250-jährige Bestehen Westfalens gefeiert. Das historische Rathaus in Höxter zeigte in diesem Kontext eine sehenswerte Sonderausstellung mit dem Titel „Die Schlacht am Brunsberg –Au ruch in eine neue Zeit“. Mit multimedialer Technik konnten die Besucherinnen und Besucher in die virtuelle Realität des Mittelalters eintauchen. Jubiläum feierten auch die Stadt Steinheim, die im Jahr 1275 gegründet wurde, und das 1750 erbaute Barockschloss Rheder, das zugleich malerische Kulisse für das Landluftkonzert zum Kreisgeburtstag war.

Landrat Michael Stickeln. Foto: Daniel Winkler

Jubiläen erinnern uns nicht nur an unsere Wurzeln, sondern eröff nen uns auch neue Perspektiven. Die Zukunftsgestaltung bildet einen Schwerpunkt in der Rubrik „Zeitgeschehen“. Das Kreisentwicklungskonzept zeigt die Ausrichtung unseres Heimatkreises bis in das Jahr 2040. Es wurde mit starker Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Repräsentanten aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Ehrenamt, Institutionen und Organisationen entwickelt und weist den Weg, wie wir uns in verschiedenen Handlungsfeldern gemeinsam auf die kommenden Jahrzehnte strategisch vorbereiten. Dazu gehört unser Zero-Waste-Konzept mit dem Ziel, die im Landesvergleich niedrigen Abfallmengen im Kreis Höxter noch weiter zu reduzieren.

Zukunftschancen bietet auch das vom Bund geförderte Projekt „Starke Worte. Starke Orte: Demokratie durch Kultur“, dem ein Beitrag gewidmet ist. Wir sind glücklich, dass der Kreis Höxter als eine von 30 Regionen in Deutschland für das bundesweite Kulturförderprogramm „Aller.Land“ ausgewählt wurde. Ebenso gehört der verstärkte Ausbau erneuerbarer Energien zu den Zukunftsaufgaben unseres Landes. Im aktualisierten Regionalplan sind die erweiterten Vorranggebiete für Windenergie in Ostwestfalen-Lippe festgelegt. Klar ist, das sich durch den Ausbau das vertraute Landschaftsbild unseres Heimatkreises verändern wird.

Auch dieses wichtige Thema wird im Jahrbuch behandelt.

Exemplarisch für die kreative Kraft familiengeführter Unternehmen steht die Geschichte der heimischen Kinodynastie Schlinker, die bereits in vierter Generation mit cineastischer Leidenschaft und Innovationskraft zum Filmerlebnis mit modernster Technik einlädt. Mehr als 110 Jahre Familien- und Kinogeschichte sind in diesem Jahrbuch nachzulesen.

Herzlich danken möchte ich den Autorinnen und Autoren und allen weiteren Mitwirkenden, die dieses Jahrbuch durch Fotos und ihre redaktionelle Mitarbeit möglich gemacht haben. Ihr Engagement macht dieses Werk so lebendig – auch für kommende Generationen.

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich informative und spannende Lesestunden. Möge Ihnen dieses Jahrbuch spannende Einblicke in die Vergangenheit geben, viele Anregungen liefern und vor allem Zuversicht schenken auf dem gemeinschaftlichen Weg in eine weiterhin gute und erfolgreiche Zukunft unseres Kreises Höxter.

Herzliche Grüße

Ihr

Michael Stickeln Landrat

Auf dem Blatt eines Kellnerblocks wurde das Kreiswappen des Kreises Höxter entworfen. Der Entwurf entstand auf einer Dienstreise nach Norderney, in einem nicht näher genannten Inselrestaurant.

Foto: Kreisarchiv Höxter

50 Jahre Kreis Höxter

Fünfzig Jahre sind eine lange Zeit. Ein halbes Jahrhundert, um genau zu sein. Seinen fünfzigsten Geburtstag konnte im Jahr 2025 auch der Kreis Höxter feiern. Denn am 1. Januar 1975 hatte der neue Kreis Höxter das Licht der Welt erblickt, da an diesem Tag die Altkreise Höxter und Warburg zu einem größeren Doppelkreis zusammengelegt wurden. Zur Kreisstadt hatte der Landtag in Düsseldorf die Stadt Höxter bestimmt. So war man vor allem im Norden des neuen Kreises guter Dinge über den neuen Doppelkreis unter altem Namen. Der ganze Norden? Nicht ganz: In Brakel trauerte man der verpassten Chance nach, selbst zum Kreissitz des neuen Kreises bestimmt worden zu sein.

Und im Süden? Hier fühlte man sich gar nicht wohl mit dem neuen Gebilde. Der Altkreis Warburg hatte einen Hochstiftkreis mit Kreissitz in Paderborn präferiert. Als Alternative hatten sich die Warburger auf einen Doppelkreis eingelassen, der aber eigentlich als Kreis Brakel mit Kreissitz in Brakel in die Geschichte eingehen sollte. Die zentrale Lage Brakels im neuen Kreisgebilde leuchtete als Kompromiss vielen ein. Nur in Düsseldorf sahen die Abgeordneten die Sachlage im September 1974 anders, als zur Abstimmung geschritten wurde.

Da Wehklagen nichts half und viel Arbeit wartete, mussten sich alle Beteiligten zusammenraufen und ans Werk gehen. Als erstes sichtbares Symbol der neuen

Einheit entstand das neue Kreiswappen. Die Symbiose aus den Wappen der Vorgängerkreise vereint mit Hochstiftkreuz, Weser und Warburger Lilie die Symbole der Altkreise. Der Entwurf entstand im hohen Norden. Auf einer Dienstreise nach Norderney, wo sich das Kinderkurheim des Kreises befand, saßen Oberkreisdirektor Paul Sellmann, Kreisdirektor Dieter Diekmann und Kreisbaudirektor Rudolf Beul in einem Inselrestaurant zusammen und entwarfen das Wappen auf einem Kellnerblock.1

Fünfzig Jahre später zeigt sich, dass der Kreis Höxter nicht nur in Form von Wappen zusammengewachsen ist und auf viele erfolgreiche Projekte im Sinne der Bürger zurückblicken kann.

Im Mai 1975 wählten die Bürgerinnen und Bürger des neuen Kreises erstmals einen gemeinsamen Kreistag. Bis dahin war der Kreis kommissarisch geführt worden. Nach der Wahl der Abgeordneten wurde Paul Sellmann Oberkreisdirektor des neuen Kreises, Alex Brunnberg übernahm das Amt des ehrenamtlichen Landrats.

Besonders im Bereich der Infrastruktur wurden im neuen Kreis schnell neue Großprojekte umgesetzt. Zwei neue Weserbrücken entstanden zwischen 1973 und 1982. Zuerst die Brücke von Höxter-Corvey nach Lüchtringen/Holzminden und danach die Brücke von Würgassen nach Herstelle. Zwischen 1977 und 1984 erhiel-

Oberkreisdirektor Paul Sellmann und Landrat Alex Brunnberg ließen sich die Jungfernfahrt der FSM HÖXTER nicht entgehen.

Foto: Kreisbildstelle Höxter (Lothar Michels)

ten alle Städte des Kreises Anschluss an die Ferngasversorgung. Sogar ein Verkehrslandeplatz mit Flugplatztower und Flugzeughallen entstand zwischen 1973 und 1979 auf dem Räuschenberg bei Höxter.

Den Fremdenverkehr nahm der neue Kreis ebenfalls in den Blick: Der Weserradweg R99 und der Randwanderweg R1 von Höxter in die Niederlande lockt jedes Jahr zahlreiche Radtouristen in den Kreis Höxter. Sogar an einem Personenschiff für die Befahrung der Weser beteiligte sich der Kreis Höxter. Der Dampfer „Höxter“ konnte 400 Fahrgäste aufnehmen, um die Weser vom Wasser aus zu erleben. Ein eigener Fremdenverkehrsverband warb für den Kreis Höxter auf Messen, um Touristen in die Region zwischen Egge, Weser und Diemel zu locken.

Darüber hinaus wurde in die Sicherheit und die Bildungsmöglichkeiten der Bewohner des Kreises investiert. Es entstanden neue Rettungswachen und Polizeistationen im Kreisgebiet, ebenso wurden neue Berufsschulen wie die Kaufmännische Schule in Höxter gebaut und bestehende wie die Johann-ConradSchlaun-Schule in Warburg erweitert. Dazu entstanden drei neue Sporthallen an den Berufsschulen in Höxter, Brakel und Warburg.

Auch das Kreishaus selbst erfuhr Zuwachs. Nachdem das König-Wilhelm-Gymnasium seinen alten Standort an der Moltkestraße aufgegeben hatte, um in einen Neubau zu ziehen, übernahm der Kreis Höxter das Gebäude als Kreishaus 2. Es wurde 1976 umgebaut und durch eine Fußgängerbrücke mit dem Kreishaus 1 verbunden.

Im Bereich der Kultur- und Heimatpflege unterstützte der Kreis zahlreiche Projekte. Besonders das Format „Unser Dorf soll schöner werden“ begleitete der Kreis federführend. Aber auch unterstützende Maßnahmen zur Erhaltung von Gedenkstätten und historischen Gebäuden trug der Kreis bei. Die Förderungen ließen so manches Gebäude in neuem Glanz erstrahlen.

Ebenso förderte der Kreis kulturelle Veranstaltungen im musikalischen und musealen Bereich.

Darüber hinaus setzte sich der Kreis für die Wirtschafts- und Strukturförderung ein. Ziel des Kreises war es seit den 1970er-Jahren, gute wirtschaftspolitische Impulse durch gezielte Maßnahmen der Regionalentwicklung zu setzen. Dies mit dem strategischen Ansatz, Arbeitsplatzpotenziale zu erschließen, gute Einkommensmöglichkeiten zu bieten, die Wirtschaftskraft zu steigern und eine lebenswerte Umwelt zu erhalten. Um all dies zu erreichen, setzte die Kreispolitik gezielte Impulse, die Planungs- und Förderungsvoraussetzungen sowie die Standortfaktoren zu optimieren.2

Der Kreistag entschied sich 1996 eine Neuerung anzugehen: ein hauptamtlicher Landrat sollte nun an der Spitze des Kreises stehen. Als Oberkreisdirektor Paul Sellmann im März 1996 in den Ruhestand ging, endete mit seinem Ausscheiden aus dem Amt im Kreis Höxter die Doppelspitze aus Oberkreisdirektor und ehrenamtlichem Landrat. Hubertus Backhaus vereinte nun beide Ämter in einer Person. Als höchster Repräsentant des Kreises stand er an der Spitze der Kreisverwaltung, wie der ehemalige Oberkreisdirektor, stand aber auch dem Kreistag vor, wie der vormals ehrenamtliche Landrat. Darüber hinaus war er auch Chef der Kreispolizeibehörde. Seit 1999 wird der Landrat direkt von den Bürgerinnen und Bürgern des Kreises gewählt. Auf Hubertus Backhaus folgte 2009 Friedhelm Spieker. Dieser wurde 2020 von Michael Stickeln abgelöst.

Mit Hubertus Backhaus hielten auch Computer Einzug in die Kreisverwaltung. Die modernen Geräte, die heute nicht mehr vom Arbeitsplatz wegzudenken sind, revolutionierten ab 1997 die Arbeitsweise im Kreishaus und lösten die lang genutzten Schreibmaschinen ab. Eine eigene Internetseite kann der Kreis Höxter ebenfalls seit 1997 sein Eigen nennen. Was heute gewöhnlich erscheint, war 1997 hochmodern. Ge-

Auf Messen warb der Kreis Höxter für seine touristischen Angebote zwischen Diemel, Egge und Weser. Hier auf der Deutschen Tourismus Börse in Berlin im Jahr 1982.

Foto: Amt für Fremdenverkehr Kreis Höxter (E. Desel)

meinsam mit den zehn Städten präsentierte sich der Kreis erstmals im Internet und ermöglichte so das schnelle Au nden von Informationen über das Gebiet sowie die Kontaktaufnahme per E-Mail.

Auch wenn Höxter die Kreisstadt des neuen Kreises Höxter war, tagte der Kreistag dennoch in Brakel. Eine Übereinkunft, die noch im Altkreis Höxter geschlossen wurde, als der Kreis Brakel 1832 im Altkreis Höxter aufging. Auch nach der Neustrukturierung der Kreise blieb Brakel Tagungsort. Dies änderte sich erst, als der Kreis Höxter die ehemalige Aula des König-Wilhelm-Gymnasiums im Kreishaus 2 umfassend renovieren ließ. Seit März 2000 tagt der Kreistag nun in Höxter.

Seit 2004 begleitete der Kreis den Antrag zur Anerkennung Corveys als kulturelles Erbe der Menschheit von universeller Bedeutung. Am 21. Juni 2014 hatte sich die Mühe gelohnt: Corvey wurde zum UNESCO-Welterbe ernannt. Grund für die Anerkennung war in erster Linie das Westwerk, das zwischen 873 und 885 erbaut wurde. Im Mai 2015 wurde die Ernennung mit einem Festakt besiegelt. Dabei wurde eine UNESCO-Plakette enthüllt.

Ein Faustpfand des Kreises Höxter ist seine reizvolle Landschaft, die zahlreiche Gäste von außerhalb anzieht. Dass sich Tourismus und Naturschutz nicht ausschließen, bewies der Kreis mit seinem erfolgreichen Projekt „Erlesene Natur“. Natur schützen und gleichzeitig erlebbar machen ist das Ziel. Aushängeschilder wie der Weser-Skywalk mit Aussichtsplattform zwi-

schen Würgassen und Bad Karlshafen an den Hannoverschen Klippen oder das Weidenpalais in Rheder sind nur zwei von vielen sehenswerten Erlebnisgebieten.

Auch zukunftsweisende Bauprojekte hat der Kreis erfolgreich umgesetzt. So entstand 2018 das moderne Kreisarchiv im Innenhof des Kreishauses 1, das als historisches Gedächtnis der Region die Vergangenheit bewahrt. Der 2024 eröffnete BildungsCampus Handwerk in Brakel bildet aus für die Welt von Morgen. Auf einer Fläche von 4500 Quadratmetern finden Lernende moderne Werkstätten, Labore und Unterrichtsräume. Ausgebildet werden sie in Handwerksberufen im Bereich Metall, Elektro, Sanitär sowie Heizungs- und Klimatechnik.

Ein Highlight der jüngeren Geschichte der Region war die Landesgartenschau in Höxter, die die Kreisstadt und den Gesamtkreis von April bis Oktober 2023 in den Fokus der Öffentlichkeit NRWs rückte.3

Hendrik Köplin

Kreisarchiv Höxter

Quellen:

1: Sellmann, Paul: Der neue Großkreis Höxter – eine Jahrhundertentscheidung der Vernunft, in: Kreis Höxter 1803 – 1883. S. 67-73

2: Kreis Höxter. Verwaltungsbericht 1975 - 1995. 20 Jahre Leistungsbilanz.

3: Verwaltungsbericht 1996 - 2009; Verwaltungsbericht 2010 – 2020; Kreisjahrbücher des Kreises Höxter.

Die erste Internetseite des Kreises Höxter präsentierte den Kreis und seine Städte. Foto: Kreisbildstelle Höxter

Landrat Michael Stickeln begrüßte beim Festakt zum Kreisjubiläum Repräsentanten des Landes und der kommunalen Familie (von links): Bürgermeister Johannes Schlütz (Nieheim), stellvertretender Bürgermeister Franz-Josef Wegener (Borgentreich), Bürgermeister Daniel Hartmann (Höxter), Bürgermeister Tobias Scherf (Warburg), Bürgermeister Josef Suermann (Marienmünster), Landrat Michael Stickeln, Landtagsabgeordneter Matthias Goeken, Bürgermeister Burkhard Deppe (Bad Driburg), NRW-Landtagspräsident André Kuper, Bürgermeister Hubertus Grimm (Beverungen). Regierungspräsidentin Anna Katharina Bölling, stellvertretende Bürgermeisterin Jutta Robrecht (Brakel), Bürgermeister Carsten Torke (Steinheim), Regionalratsvorsitzender Heinz-Günter Koßmann und Kreisdirektorin Manuela Kupsch. Foto: Kreis Höxter/Jürgen Drüke

Kreis Höxter feierte 50-jähriges Bestehen mit Festakt und Veranstaltungen

Jubiläumsjahr stand im Zeichen des Miteinanders

Mit einem bunten Jubiläumsprogramm feierten die Menschen im Kreis Höxter den 50. Geburtstag ihres Heimatkreises, der 1975 durch die Vereinigung der Altkreise Höxter und Warburg gebildet wurde. Aus diesem Anlass wurde ein prägnantes Logo „50 Jahre Kreis Höxter“ entwickelt, das die vielfältigen Aktivitäten zur Feier des Kreisgeburtstages farbenfroh begleitete. Die markanten Farben und Symbole standen für die Vielfalt der zehn Städte und 124 Dörfer, die den Charakter des Kreises Höxter prägen. Vor dem Kreishaus wehte das Jubiläumsbanner neben der Landes- und der Kulturlandflagge.

Zum musikalischen Auftakt des Jubiläumsjahres gab das Landespolizeiorchester Nordrhein-Westfalen ein fulminantes Benefizkonzert mit mehr als 400 Gästen in der Stadthalle in Brakel. Der Erlös kam dem Frauen- und Kinderschutzhaus im Kreis Höxter zugute. Somit war das Konzert mehr als ein grandioses Musikerlebnis. „Wir haben nicht nur ein kulturelles Highlight erlebt, sondern zugleich ein starkes Zeichen für Solidarität und gesellschaftliches Engagement gesetzt“, sagte Landrat Michael Stickeln bei der Spendenübergabe an den Sozialdienst katholischer Frauen Warburg als Träger der Zufluchtsstätte.

Höhepunkt im Jubiläumsjahr war der Festakt im ehrwürdigen Ambiente der Welterbestätte Corvey. Die Feierlichkeiten begannen mit einem multireligiösen

Landrat Michael Stickeln zur Geburtsstunde des heutigen Kreises Höxter: „Was vor 50 Jahren mit Skepsis begann, hat sich zur Erfolgsgeschichte entwickelt“, sagte er beim Festakt im Kaisersaal von Schloss Corvey. Foto: Kreis Höxter/ Jürgen Drüke

Gottesdienst in der ehemaligen Abteikirche mit Vertretern verschiedener Kirchen und Religionsgemeinschaften, die im Kreis Höxter beheimatet sind. In einer Grußbotschaft erinnerte der Paderborner Erzbischof, Dr. Udo Markus Bentz, an die Kraft und Bedeutung des Glaubens für ein Zusammenleben der Menschen in Würde und verantwortlichem Miteinander.

Zum o ziellen Festakt im Kaisersaal begrüßte Landrat Michael Stickeln rund 150 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Kirche und gesellschaftlichem Leben. „Was vor 50 Jahren mit Skepsis begann, hat sich zur Erfolgsgeschichte entwickelt“, sagte der Landrat. Ziel der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen sei es gewesen, durch die Bildung größerer Strukturen die Leistungskraft der Verwaltung zu stärken. „Die leidenschaftlich geführten Debatten in der Geburtsstunde unseres heutigen Kreises dürfen wir durchaus als Ausdruck einer lebendigen Demokratie verstehen. Aus heutiger Sicht können wir nur eine positive Bilanz ziehen“, führte Stickeln weiter aus. Der Landrat ließ die Geschichte der vergangenen fünf Jahrzehnte Revue passieren, würdigte seine Amtsvorgänger und ihre Verdienste und dankte den ehemaligen und aktiven Kreistagsmitgliedern und Verwaltungskräften für ihr Engagement. „Es sind die Menschen in den zehn Städten und 124 Ortschaften, die unseren Heimatkreis mit ihrer Gestaltungskraft prägen.“

Landtagspräsident André Kuper sagte, er sei sehr gern als Festredner in den Kreis Höxter gereist, den er als „hochentwickelte Region und ganz oben in Nordrhein-Westfalen“ bezeichnete. Für die Menschen hier sei es damals die richtige Entscheidung gewesen, die beiden historischen Altkreise Höxter und Warburg im Zuge der kommunalen Neugliederung zum Kreis Höxter zu vereinen. Das Kulturland sei eine ebenso liebens- wie lebenswerte Region mit einem ausgeprägtem Gemeinschaftssinn. „Wir leben in einer Zeit, in der oft

das Gegensätzliche, die Abgrenzung, das Trennende und die Kontroverse betont werden“, sagte der höchste parlamentarischer Repräsentant des Landes in seiner Festansprache. Entscheidend sei jedoch der Blick auf das Verbindende, den Zusammenhalt und den gesellschaftlichen Konsens. Dies bilde das starke Rückgrat für unsere Demokratie. „Wie das erfolgreich funktioniert, ist im Kreis Höxter an vielen Stellen in vorbildlicher Weise zu erleben“, hob der Landtagspräsident hervor.

In einer humorigen Talkrunde sorgte Moderator Thomas Philipzen im Gespräch mit zwei Urgesteinen aus Politik und Verwaltung und zwei Angehörigen der jungen Generation für eine unterhaltsame Geschichtsstunde mit interessanten Impulsen für die Zukunftsgestaltung. Für den musikalischen Rahmen sorgten zwei Kulturpreisträger des Kreises Höxter, der Interkulturelle Chor und Instrumentalisten der Musikschule Höxter.

Die Wanderausstellung „50 Jahre Kreis Höxter“ startete im Mai im Museum im „Stern“ in Warburg. Zehn Rollbanner mit 43 ausstellungsbezogenen Abbildungen nahmen die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Zeitreise von den Anfängen 1816 bis in die Gegenwart. Fotos, Karten und Aktenauszügen trugen zur Veranschaulichung der Kreisentwicklung bei. Acht Originalexponate machten Geschichte lebendig und zogen die Betrachter besonders in ihren Bann. Dazu gehörte auch der legendäre Kellnerzettel mit der ersten Skizze des neuen Wappens für den vereinigten Kreis Höxter. An einer Hörstation konnten Interessierte die Stimme von Oberkreisdirektor Paul Sellmann hören.

Zur Auswahl standen Ausschnitte historischer Reden zur Debatte über die Kreisneuordnung in den 1970er Jahren.

Die Jubiläumsausstellung „50 Jahre Kreis Höxter“ wurde von Kreisarchivar Hendrik Köplin und dem Mitarbeiter des Kreisarchivs, Stephan Meyer, erstellt. Nach dem Auftakt in Warburg wurde sie im Korbmachermu-

Einen hochklassiges Musikerlebnis im Jubiläumsjahr bot das Landluftkonzert der Nordwestdeutschen Philharmonie vor der malerischen Kulisse von Schloss Rheder. Foto: Kreis Höxter/Silja Polzin

seum Dalhausen, in der Alten Waage in Brakel, im Möbelmuseum Steinheim und abschließend im September im Kreishaus in Höxter gezeigt.

Einen weiteres hochklassiges Musikerlebnis bot im Juni das Landluftkonzert vor der malerischen Kulisse von Schloss Rheder. Mit der Klangfülle des Orchesters spielte die Nordwestdeutsche Philharmonie populäre Evergreens aus Lateinamerika und Filmmusik bekannter Blockbuster der letzten fünf Jahrzehnte. Rund 400 Konzertgäste genossen die musikalische Zeitreise unter freiem Himmel. Landrat Michael Stickeln als Schirmherr würdigte das Jubiläumskonzert als Paradebeispiel für Landkultur und Engagement. „Dieses ehrenamtlich organisierte Konzert bot eine einzigartige Gelegenheit, die Magie bekannter Melodien in dieser besonderen Atmosphäre zu erleben“, sagte er.

Zu den sportlichen Höhepunkten, die dem Jubiläum des Kreises gewidmet waren, gehörten als Sinnbild für Gemeinschaft, Ausdauer und Teamgeist der JubiläumsWeserbergland-Triathlon und das Kreisfußballturnier

Hunderte von Zuschauerinnen und Zuschauern feuerten die Sportlerinnen und Sportler in Höxters Freizeitanlage rund um den Godelheimer See von der ersten bis zur letzten Sekunde an. Foto: Kreis Höxter/Jürgen Drüke

der kommunalen Familie, an dem Teams der Städte und des Kreises teilnahmen.

Bereits vor dem Startschuss verbuchte der Weserbergland-Triathlon im Jubiläumsjahr den ersten Rekord. Mit 310 teilnehmenden Athletinnen und Athleten war die sechste Auflage des beliebten Sportevents schnell ausgebucht. Sie kamen aus München, Berlin und sogar aus der Schweiz. Hunderte von Zuschauerinnen und Zuschauern feuerten die Sportlerinnen und Sportler in Höxters Freizeitanlage rund um den Godelheimer See von der ersten bis zur letzten Sekunde an.

Nach 700 Meter Schwimmen, 20,5 Kilometer Radfahren und fünf Kilometer Laufen rannte Triathlet Roman Reeschke als Erster ins Ziel, mit einer Zeit von nur 1:00:46 Stunden. Bei den Frauen gewann Svenja Rehr den anspruchsvollen Wettkampf mit einer Zeit von 1:15:46 Stunden. Organisiert wird das traditionelle Großereignis vom Kreissportbund, dem Kreis und der Stadt Höxter. Landrat Michael Stickeln und Kreissportbundvorsitzender Reiner Stuhldreyer nahmen gemeinsam die Siegerehrung vor. Gefeiert wurden am Zieleinlauf alle Triathletinnen und Triathleten - egal ob sie einen Podestplatz erreichten oder nicht.

„Das Jubiläumsjahr mit seinen vielfältigen Aktivitäten stand ganz im Zeichen des Miteinanders“, sagte Landrat Michael Stickeln an der letzten Station der Wanderausstellung „50 Jahre Kreis Höxter“. Die Ausstellungseröffnung im Kreishaus in Höxter bildete den Abschluss des Veranstaltungsreigens im Jubiläumsjahr.

Silja Polzin

Pressestelle des Kreises Höxter

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