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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

ISBN 978-3-95954-130-5

© Wolfgang Bellmer

Lektorat: Nina Schiefelbein

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das Recht auf Vervielfältigung und Verbreitung sowie Übersetzung. Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner

Form ohne schriftliche Genehmigung des Verlags und des Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Gestaltung: Verlag Jörg Mitzkat www.mitzkat.de

Die Reise der Bilder

Roman

Verlag Jörg Mitzkat

Holzminden 2022

TEIL 1

Holzminden, Herbst 1983

Der rote Schienenbus quälte sich durch die Berge, überquerte ein letztes enges Tal und gewann schließlich an Fahrt, als die dichten Fichtenwälder zurücktraten und das Wesertal sich vor ihm öffnete.

Die Gleise führten in weitem Bogen hinunter zu der kleinen Stadt. Wilhelm Bachmeier konnte einen Pulk roter Dächer vor dem in der matten Sonne silbrig glänzenden Fluss erkennen. Ein romantischer Anblick, der nicht wirklich in sein Inneres durchdrang. Im Gegenteil, er fühlte eine gewisse Unsicherheit. Zum ersten Mal ganz auf sich allein gestellt. Würde das gut gehen?

Die Stadt hieß Holzminden, und bis vor einer Woche hatte er nicht gewusst, dass es sie gab. Nicht, dass er etwas gegen kleine Städte auf dem Land hatte, schließlich kam er selbst vom Dorf, aber etwas mehr Trubel und Aufregung hatte er sich schon gewünscht, als Training für das Leben sozusagen. Aber das war zu Hause gewesen, im Bayerischen Wald, weit weg.

Er merkte, dass er müde war. Um sechs Uhr heute Morgen mit dem Bus nach Plattling. Regionalzug nach Nürnberg, IC nach Göttingen. Vor einer knappen halben Stunde mit dem Bummelzug in Kreiensen eingetroffen und nun mit dem Schienenbus von Milchkanne zu Milchkanne nach Holzminden. Zehn Stunden Fahrt, das ging auf die Nerven.

Doch jetzt hatte die Rüttelei ein Ende. Wach auf, Wilhelm, es geht gleich los.

Durch die Fenster auf der anderen Seite sah er eine altertümliche Fabrik, auf deren Dach die Nachbildung einer riesigen Bierflasche thronte.

Eine Brauerei, joa mei, des passt schoo ...

Und gleich hinter dem Bahndamm, eine Kaserne. Panzer in Reih und Glied. Soldaten, die sich in Kampfanzügen über Hindernisse quälten. Arme Säue, dachte er, vielleicht war es doch nicht so

schlecht, Architektur zu studieren, selbst wenn er nur hier einen Studienplatz gefunden hatte. „Mach das Beste draus“, hatte sein Vater in seiner lakonischen Art gesagt und ihm auf die Schulter geklopft.

Aus der Ablage angelte er sich das Zeichenbrett, noch vom Großonkel, schob die Abteiltür auf, nahm seinen Koffer und trat auf den Gang hinaus. Die Bremsen quietschten, und der Zug kam mit einem Ruck zum Stehen.

„Endstation“, tönte es aus dem knarzenden Lautsprecher über ihm. „Hier ist Endstation. Alle aussteigen!“ Wilhelm verzog das Gesicht. Es war so weit, das Abenteuer konnte beginnen.

Am Ausgang traf er auf eine alte Frau. Sie war klein und rundlich, hatte ein freundliches Gesicht und war mit Flanellbluse, kariertem Faltenrock und klobigen orthopädischen Schuhen bekleidet. Sie trug eine dicke, scharf geschliffene Hornbrille, durch die ihre großen grauen Augen etwas hilflos zu Wilhelm aufblickten.

Als sich die Wagentür zischend öffnete, schlug ihnen der Lärm des Bahnhofs entgegen. Ein Lautsprecher gab Unverständliches von sich. Auf den Querstreben der Jugendstilbedachung hockten Krähen und krächzten böse.

Die Frau schob eine prallvolle Basttasche, die mit einem gelben Tuch bedeckt war, bis an den Rand der Stufe und ließ sich, eine Hand am Haltegriff, tastend auf den Bahnsteig hinab. Als sie sich umdrehte und erleichtert zurückblickte, nahm Wilhelm die Tasche und reichte sie ihr hinunter. Die Frau lächelte dankbar und sah den Hund nicht, der von hinten heranschoss, um eine Krähe zu verfolgen, die auf den Bahnsteig geflattert war.

Die Krähe flatterte davon, ohne sich groß aufzuregen. Der Hund, ein tapsiger junger Bernhardiner, versuchte sich zu fangen, stolperte und rutschte in die alte Frau hinein. Die Tasche entglitt ihren Händen, knallte auf den Boden und kippte zur Seite. Das gelbe Tuch flog davon, und Äpfel fielen heraus. Rote, gelbe, dicke, pralle Äpfel. Sie rollten nach allen Seiten über den gefliesten Boden. Während der Hund erschreckt zur Seite sprang, schwoll das Krächzen der Krähen an. Die Luft brodelte und schwirrte, als

sie sich flügelschlagend auf die Äpfel stürzten. Urplötzlich entbrannte ein erbitterter Streit um die saftige bunte Beute. Gezeter, Gekrächze, fliegende Federn, grimmig hackende Schnäbel, Krallen, die rissen und zerrten. Ein Krieg. Ein Vogelkrieg.

Wilhelm sah die Frau stürzen und sprang vom Wagen, mitten zwischen die kreischenden Vögel, stampfte mit den Füßen, brüllte, schlug mit den Armen, schrie, schwang den Koffer um sich. Die Vögel schlugen empört mit den Flügeln, rissen die Schnäbel auf und schrien zurück. Er machte noch zwei lange Schritte, warf den Koffer zwischen sie und klatschte in die Hände. Dann – endlich – stoben die Krähen auf, umschwirrten flatternd die herbeigelaufenen Menschen und sammelten sich auf der Dachrinne, von wo aus sie erbost herunterkreischten.

Die alte Frau lag zwischen den Äpfeln. Sie lag auf dem Rücken und bewegte sich nicht. Erst als Wilhelm sich über sie beugte, schlug sie die Augen auf, sah sein Gesicht und – lächelte ihn an.

„Ganz schön dreiste Bande“, ächzte sie. „Für einen Moment dachte ich, sie bringen mich um.“ Sie griff nach ihrem rechten Fuß und betastete ihn vorsichtig. Dann atmete sie erleichtert auf, stemmte sich hoch und schob sich mit dem Rücken gegen eine der gusseisernen Säulen, die das Dach hielten. Da saß sie für eine Weile und sagte nichts. Drei Männer, die Musikinstrumente trugen, traten heran und schauten besorgt. Die alte Frau blickte auf und lächelte ihnen zu. „Alles in Ordnung, meine Herren, machen Sie sich keine Sorgen um die alte Frau. Unkraut vergeht nicht.“

Die Männer lachten erleichtert und stiegen die Treppe hinunter zum anderen Bahnsteig, wo der Zug aus Paderborn einlief.

Wilhelm, den ihre mühsam fröhlichen Worte nicht überzeugt hatten, kniete sich neben sie und nahm ihren Arm. „Sie sehen blass aus“, sagte er. Trotz der Umstände bemühte er sich, hochdeutsch zu sprechen, und war nicht unzufrieden mit sich.

Die Frau ergriff seine Hand und drückte sie. „Ich hatte wirklich Angst. Es gab da mal einen Film, da haben Krähen einem Mann die Augen ausgehackt ... und sogar Kinder angegriffen ...“

„Alfred Hitchcock, Die Vögel ...“

„Sie kennen den Film? Das ist doch bald zwanzig Jahre her, und Sie sind ...“ Sie musterte ihn zweifelnd, sein sommersprossiges Gesicht, seine borstigen Haare, die sich wie ein Wuschel verwitterten Strohs unter seiner hochgeschobenen Baseballmütze hervorsträubten. „Sie sind doch sicherlich kaum älter als ...“

„Ich bin neunzehn ...“

„Na, sehen Sie.“

„Mein Großvater hat den Film auf Videokassette, und wenn ich brav war und ...“

„... und die Schularbeiten gemacht ...“

„... und den Kuhstall ausgemistet hatte, durfte ich die alten Filme anschauen, zur Belohnung.“

Sie hielt ihm ihre Hand hin, und er zog die Frau langsam hoch.

„Na, sehen Sie, und jetzt retten Sie eine alte Frau vor diesen Biestern, man weiß eben nie, wozu letztlich etwas gut ist im Leben, wie meine Mutter immer sagte.“

„Mein Opa auch.“

Sie lachten, dankbar, etwas Verbindendes gefunden zu haben.

„Elfriede Neumann.“

„Wilhelm Bachmeier.“ Er legte einen Arm um ihre Schultern. Sie lehnte sich für einen Moment an ihn.

„Ich hoffe, dass ich alte, klapprige Frau Sie nicht aufgehalten habe. Und diese blöden Äpfel! Meine Schwester hat einen großen Garten in Holenberg und wollte sie unbedingt loswerden.“ Sie zog ihm scherzhaft die Mütze in die Stirn. „Und ihr jungen Leute habt es ja immer so eilig.“

Er zog mit dem Fuß seinen Koffer heran. „Keine Angst, ich bin neu hier, und Sie sind die Erste, die ich kennenlerne, und nun werde ich es nie vergessen, wie ich empfangen wurde.“ Er lachte und schob die Mütze wieder zurück.

Sie runzelte die Stirn und kniff die Augen zusammen. „Sie arbeiten hier? Wo?“

„Bauschule, erstes Semester, das morgen beginnt. Meine Eltern wollen, dass ich Architektur studiere, was Besseres werde als Bauer, nach zehn Generationen ... Ich habe mich gesträubt, aber ... nun bin ich hier.“

Sie nickte. „Ach, mein Junge“, sagte sie und streichelte über seinen Arm, „Sie können ja mal schauen, ob es Ihnen hier gefällt, und wenn nicht ... können Sie immer noch zurückgehen. Versuchen Sie es, ein anständiges Zimmer ...“ „... habe ich noch nicht“, sagte er zögernd, „ich kenne mich mit solchen Dingen nicht so aus.“

Sie lächelte ihn beruhigend an, während sie tastend ein paar Schritte machte. Er nahm die Tasche auf und reichte sie ihr.

„Kommt Zeit, kommt Rat“, sagte sie tröstend, „was halten Sie davon, wenn wir in Ruhe die Äpfel aufsammeln und dann gehe ich langsam nach Hause ...“

„Oder ich bringe Sie langsam nach Hause“, korrigierte er sie. „Widerrede gibt es nicht“, fügte er lachend hinzu und drohte scherzhaft mit dem ausgestreckten Zeigefinger.

Zu seinem Erstaunen nickte sie, als hätte sie nichts anderes erwartet. „Und dann mache ich uns einen schönen Tee und wir unterhalten uns mal über die Zimmerfrage. Ich habe da so eine Idee.“ Sie hob ihrerseits den Zeigefinger. „Und merken Sie sich eins, Widerrede gibt es nicht.“

Sie hatten nicht weit zu laufen. Elfriedes Haus lag nur wenige hundert Meter entfernt in der Bahnhofstraße, eine zweistöckige, über und über mit Efeu bewachsene Jugendstilvilla. Eine quietschende Gartenpforte führte in einen Vorgarten, der von Büschen und Kletterpflanzen umwuchert war. Zwischen den Pflastersteinen wuchs Moos. Ein Eichhörnchen sprang von einem Ast, verharrte einen Moment vor ihren Füßen und hüpfte dann weiter, ohne sich sonderlich zu beeilen.

Elfriede drehte sich nach Wilhelm um, während sie in ihrer Jackentasche nach dem Hausschlüssel kramte. „Das ist Günnie“, sagte sie stolz. „Ich wohne allein hier, und wir sind Freunde. Normalerweise werden Eichhörnchen nicht älter als neun, mein Günnie ist schon ganz grau im Gesicht und bestimmt schon zehn oder elf, vielleicht, weil ich so gut auf ihn aufpasse und immer die Katzen verjage. Und ihm Nüsse unter die Büsche lege. Manchmal denke ich, dass er mich mitleidig ansieht, weil ich allein bin und

alle tot sind, die ich geliebt habe, aber er hat sein angeborenes Misstrauen nicht überwinden können, na ja, vielleicht hat er ja recht damit, die Zeit ist so ... unzuverlässig ... erst recht für allein lebende Frauen, wissen Sie ...“ Sie zwinkerte ihm zu. „Junge Männer, die einem wieder auf die Beine helfen, wenn man hinfällt, sind selten.“

Der Eingang lag unter einem Vordach, drei Stufen führten hinauf. Sichtlich zufrieden, ihre Situation noch rechtzeitig erklärt zu haben, öffnete sie die schwere schwarz lackierte Haustür und bat Wilhelm hinein.

Hinter der Tür begann eine andere, vergangene Welt. Ein hoher, langer Flur, mit Perserteppichen ausgelegt. Mit Ornamenten bedruckte Tapeten. Wandleuchter zwischen den Türen, die in die Zimmer führten. Der Salon, wie Elfriede Neumann ihn nannte, lag gleich rechts.

Sie nötigte ihn auf ein rot gepolstertes Sofa, bat um etwas Geduld und verschwand wieder. Von irgendwoher hörte er Geschirr klappern und einen Wasserhahn rauschen. Und er hörte sie fröhlich vor sich hin singen und schmunzelte darüber, dass offensichtlich er der Grund für ihre gute Laune war. Er wunderte sich, dass er ihr so anstandslos gefolgt war, und fragte sich, wohin das führen sollte. Es war immerhin schon Nachmittag, und er musste daran denken, etwas für die erste Nacht in der fremden Stadt zu finden. Andererseits hatte es ihn gefreut, die alte Frau vor Schlimmeren bewahrt zu haben, auch wenn der Anlass eher trivial gewesen war. Äpfel und Krähen. Seine Eltern würden es nicht glauben, dass er deswegen nun auf diesem Ungetüm von Sofa in diesem burgähnlichen Haus saß und darauf wartete, dass die Hausfrau ihm einen Tee machte.

Ein bisschen gemütlich sitzen, Tee trinken, ein Stück Kuchen essen, vielleicht auch zwei, das war nicht schlecht. Wahrscheinlich Apfelkuchen zu dieser Jahreszeit. Im Dorf gab es Apfelkuchen, wohin er auch kam, und jede Hausfrau hatte ihr eigenes Rezept: mit Mandeln oder ohne, in der Springform oder auf dem Blech, mit Sahne oder mit Streuseln oder beidem. Und man durfte nicht Nein sagen, um die Bäckerinnen nicht zu beleidigen. Und loben

musste man können, auch wenn der Kuchen missraten war. Vorgestern hatten seine kleinen Neffen ihrer Mama zum Geburtstag einen Apfelkuchen gebacken, hatten allerdings vergessen, ihn rechtzeitig aus dem Ofen zu nehmen. Wilhelm hatte das Werk trotzdem gelobt und war mit einem dankbaren Blick belohnt worden. Am Ende hatte der Schwager einen Schnaps ausgegeben und ihm zugezwinkert. Einen gut abgestandenen Cognac würde er auch jetzt nicht ablehnen ...

Das Sonnenlicht fiel in Streifen durch die gerüschten Gardinen herein. Es spiegelte sich in Glasscheiben von flachen Schaukästen, die nebeneinander in Regalen an der gegenüberliegenden Wand standen. Er erhob sich vom Sofa und ging näher heran. Zahllose Reihen mit aufgespießten Käfern. Ihre Flügel schillerten in allen Regenbogenfarben wie Opale. Auf seinen Armen begann etwas zu jucken. Er schob den Hemdsärmel zurück und kratzte sich.

„Die Käfer sind von meinem Mann“, hörte er Elfriedes Stimme hinter sich. „Er war käferverrückt, war auf der ganzen Welt hinter ihnen her, hätte sich lieber um seine Firma kümmern sollen.“

Wilhelm fühlte sich ertappt, zog beiläufig den Ärmel wieder herunter und ging zum Tisch zurück.

„Es gibt Apfelkuchen“, sagte Elfriede Neumann, „ich hoffe, Sie mögen Apfelkuchen, ich habe da mein eigenes Rezept, mit Mandeln, ein bisschen wie Bienenstich ...“

Der Kuchen war tatsächlich gut, die Apfelspalten waren in eine Puddingschicht gebettet.

Es gab schwarzen Tee in kleinen Meißner Tassen mit blauem Muster. Es knackte, als sie die heiße Flüssigkeit auf den weißen Kandis goss. Von der Seite ließ sie flüssige Sahne hineingleiten. Diese verschwand, ohne eine Spur zu hinterlassen, und wallte in der Mitte, dort, wo der Kandis lag, wieder auf.

„Wie das Leben“, sagte die alte Frau nachdenklich, „manchmal sieht alles so ruhig aus, ist durchsichtig und klar, und man denkt, den Dingen bis auf den Grund blicken zu können ... und dann, plötzlich, ist alles anders und man sieht nichts mehr.“ Ihre Augen füllten sich mit Tränen.

Wilhelm hatte das Gefühl, Opfer einer sonderbaren Vertrautheit zu sein. Um sich abzulenken, nahm er die Tasse, atmete den aufsteigenden Dampf ein, trank und nickte. „Lecker“, lobte er, „schmeckt schön süß.“

„Auch wie das Leben“, nickte sie, „es schmeckt süß, und man lässt sich oft täuschen.“

Wilhelm überlegte, ob er gehen sollte. Diese dunklen Andeutungen. Ziemlich nervig.

Und doch.

Ihre Worte klangen, so unverständlich sie auch sein mochten, so ehrlich und so ernsthaft, fast ein wenig, als riefe sie nach Hilfe. Wenn ich jetzt gehe, überlegte er, wenn ich jetzt gehe, bestrafe ich sie dafür, dass sie so offen zu mir ist. Dann ist sie wieder allein. Und ich fühle mich mies. Er rang sich ein Lächeln ab. „Ich glaube“, sagte er, „in England trinken die Leute ihren Tee so, wie Sie es tun.“

„Nein, in Norddeutschland, auf den Inseln beispielsweise. Wangerooge. Dort bin ich geboren.“

Er hatte nicht wirklich eine Ahnung, wo genau dieses Wangerooge lag. Irgendwo da oben, wo das Land so merkwürdig platt war. In Bayern jedenfalls nicht. Nordsee. Oder Ostsee?

„Das ist weit, von da nach hier“, sagte er versuchsweise.

„Es ist so schön dort. Mein Mann kam als Student auf die Insel. Er hat sich sofort in dieses kleine karge Paradies verliebt ... und in mich.“ Sie lachte und trocknete sich die Tränen mit der Spitze eines zusammengefalteten Taschentuches. „Meine Eltern hatten ein Häuschen mit Garten, direkt vor den Dünen. Da waren Käfer. Käfer überall. Sie krabbelten auf mir herum, wenn wir in den Dünen lagen und uns sonnten ...“ Ihre Lippen kräuselten sich, als sie hinzufügte: „Vielleicht hat er sich ja deshalb in mich verliebt.“ Die Teekanne, mit der sie nachschenken wollte, verharrte in der Luft.

„Aber Sie sind letztlich hier gelandet“, half er ihr.

Sie nickte ihm dankbar zu. „Seine Familie hatte eine Fabrik, eine Ziegelei. Er musste zurück, und ich bin mitgegangen. Damals war das eben so, der Mann hatte das Geld, und die Frau ging dahin, wo der Mann war.“

„Wenn man auf diese Weise glücklich ist ...“

Sie biss sich auf die Lippen. „Wie gesagt, erst ist alles so klar, und dann ...“ Sie goss sich selbst Tee ein, dann Sahne, nahm einen Schluck und stellte die Tasse wieder ab. „Wir hatten eine Tochter, aber sie starb, als sie zwei war. Das hat er nie verkraftet, ist regelrecht geflüchtet, war dauernd unterwegs wegen der verdammten Käfer. Sie wurden zu einer fixen Idee. Er reiste sogar nach Tansania, Uganda, suchte dort den Neptunides polychrous, diese Biester gibt es nur dort.“

Sie stand auf, ging zum Regal, öffnete einen Kasten, zog mit spitzen Fingern einen Käfer heraus, wartete, bis Wilhelm den Arm ausstreckte, und legte das Insekt auf seine Hand.

Es sah ein bisschen aus wie ein Maikäfer, nur in Giftgrün, schwarzer Kopf mit hellem Mittelstrich, als ob der kleine Kerl die Stirn in Falten zog, während er vor den Menschen flüchtete.

„Mein Mann suchte sie hinter einem Wasserfall, ganz oben im Felsen. Dabei ist er ausgerutscht. Das Wasser hat ihn einfach weggespült. So muss es gewesen sein. Er war allein. Gefunden haben wir ihn nie.“ Sie stellte die Teekanne zurück auf das Tablett. „Und jetzt habe ich nur dieses vertrocknete Tier ...“

Wilhelm hätte die alte Frau gern in den Arm genommen. „Und die Ziegelei?“, fragte er stattdessen.

„Was sollte schon sein? Wir hatten niemanden, der die Firma führen konnte. Und dann kamen die Nazis. Die wollten die Gebäude unbedingt haben, also habe ich verkauft, musste ich verkaufen. Für einen Appel und ein Ei, wie man so sagt. Ich bin hierhergezogen. Die Kerle haben sich alles genommen, auch den Ringofen für irgendwelche Versuche mit Gas und Granaten, und natürlich die schöne alte Villa, in der wir gewohnt haben. Sie lag versteckt hinter einem Waldstück, und das hat sie wohl gereizt, wie man heute weiß. Niemand konnte sie hören, die Schreie der gefolterten Menschen, oh Gott, wie schrecklich!“

Sie atmete tief ein und wieder aus, aber er wusste, dass sie gerade erst am Anfang ihrer Geschichte war und dass die Worte aus ihr herauswollten, dass sie nur noch nicht wussten, wie. Er fingerte ein Stückchen Zitrone aus einem Glasschälchen, lutschte

den Saft heraus und knabberte, als sie immer noch nicht weitersprach, das Innere der Schale ab.

„Gefolterte Menschen?“, echote er schließlich.

„Die Gestapo. Sie haben in der Villa gefoltert und gemordet. Die Leute in der Stadt, ich auch, haben es immer geahnt, aber es blieb ein Gerücht, keiner hatte den Mut, genau zu fragen.“ Sie begann zu weinen und suchte in den Falten ihres Rocks nach ihrem Taschentuch, fand es nicht und griff sich eine Serviette. „Es ist das schlimmste Haus in der Stadt, immer noch“, fuhr sie schließlich fort, „alle nennen es das Henkerhaus, bis heute, auch in der Zeitung, und neben dem Brennofen der Ziegelei finden sie immer mal wieder Skelette ... Die Leute von der Bundesvermögensverwaltung haben es mir wiedergegeben. Sie wussten nicht, was sie damit machen sollten, denn wohnen wollte keiner darin, es war und ist wie ein Fluch, der über allem lastet. Menschen können verfemt sein, verachtet werden, ausgestoßen aus der Gemeinschaft, und bei diesem Haus ist es nicht anders, es ist verflucht.“

„Sie hätten es weggeben können. Warum sich damit belasten?“

Sie setzte sich auf, die Knie nach außen, die Ellenbogen auf den Schenkeln. „Was Sie sich denken! Niemand wollte es haben, und wenn jemand kam, dann, um es abzureißen. Das Haus, in dem ich mit meinem Mann so glücklich gewesen bin! Menschen können resozialisiert werden, dachte ich mir, jeder muss eine Chance haben, warum soll das mit Häusern nicht genauso sein?“

„Ein Bewährungshelfer für ein Haus? “

Sie verkniff sich ein Lächeln. „Jedenfalls etwas in der Richtung. Es gibt die sogenannte Bauschule in der Stadt, sie ist die älteste in ganz Deutschland. Jetzt eine Fachhochschule. Sie bilden Ingenieure aus und Architekten.“

„Deshalb bin ich hier“, erinnerte er sie freundlich, „morgen beginnt das erste Semester.“

„Ach ja, na wunderbar, dann wissen Sie ja Bescheid.“ Sie nahm seine Tasse und schenkte ihm noch einmal ein, ordnete dann mit spitzen Fingern die Kuchenstücke auf dem Teller. „In der Hochschule tun sie ja nichts anderes, als sich mit Gebäuden zu beschäftigen. Neubau, Sanierungen, Umplanungen nutzloser Häuser, das

ganze Programm. Warum, so fragte mich dieser verrückte Maler, der jetzt im Erdgeschoss haust, warum können die sich nicht der Sache annehmen? Studenten könnten billig vor Ort wohnen und gleichzeitig das Gebäude erforschen, ganz wissenschaftlich, sachlich, unvoreingenommen, ohne die alten Geschichten aufzuwärmen. Und dann überlegen, wozu das Gebäude heute taugen könnte.“

Wilhelm nickte, er hatte verstanden. „Eine Art Entnazifizierung, nannte man es nach dem Krieg nicht so?“

Sie legte den warmen Teelöffel an ihre Oberlippe und begann zu lächeln. „Entnazifizierung eines Gebäudes. Klingt seltsam, ist seltsam, auch, dass niemand vorher darauf gekommen ist ...“ Sie drückte seine Hand. „Aber es trifft den Kern der Sache.“

„Und die Hochschule?“

„Sie waren erst etwas pikiert, wollten kein billiges Aufräumkommando für die Nazis sein, aber dann haben sie einen neuen Rektor bekommen, und der hat begriffen. Dass es in Wahrheit eine Chance ist. Studenten können dort billig wohnen und sozusagen an Ort und Stelle ihre Studien in die Praxis umsetzen. Bestandsaufnahme, Vermessung, Neuvermessung, Planung. Etwas ganz Neues entstehen lassen, möglichst etwas Soziales, damit alle in der Stadt Vorteile davon haben.“

Wilhelm hörte auf zu kauen und sagte an dem Kuchenstück, das er gerade im Mund hatte, vorbei: „Und Sie haben wieder ein vollwertiges Haus – nicht doof, das Ganze. Geschickt eingefädelt.“

„Und? Was ist schlimm daran?“, brauste sie auf. „Jeder hat doch etwas davon, die Schule, die Studenten, die Stadt und letztlich ich.

Ein Schandfleck weniger.“

Sie lehnte sich über den Tisch. Er schaute in ihr von Runzeln und Falten durchzogenes Gesicht, registrierte die gerötete Bindehaut ihrer Augen, die wässrigen Pupillen und das allmählich verblassende Schwarz der Iris. Zeichen des Alters. Und trotzdem zeigten ihm ihre Worte, dass sich mehr in dieser Elfriede Neumann verbarg als die Resignation einer betagten Frau.

Doch dann blickte er auf das so liebevoll arrangierte Teeservice und den Kuchen und rief sich zur Ordnung. Schließlich war beides

möglich, geschäftlich auf Draht zu sein und fürsorglich als Gastgeberin. Dann fragte er sich aber doch, ob sie das Gespräch nicht mit Bedacht in eine gewisse Richtung gelenkt hatte. Nun denn, er würde bald erfahren, ob sie etwas im Schilde führte, und wenn ja, was. Er musste nicht lange warten.

„Es gibt dort sieben große Zimmer“, sagte sie mit neutraler Stimme, „zwei Küchen und drei Duschen, ideal für junge Leute, sich zusammenzutun, um Geld zu sparen.“

„Eine WG, eine Wohngemeinschaft.“

„Richtig, eine Wohngemeinschaft, so nennt man das heute wohl. Dieser Maler, von dem ich sprach, der alles in Gang gebracht hat, er hat sein Atelier dort und soll eigentlich auf alles aufpassen. Zwei Studentinnen und zwei Studenten, nett oder nicht so nett, ich weiß es nicht, junge Leute eben. Man hört, dass sie allerhand Trubel veranstalten. Was mir nicht passen würde, wenn es überhandnimmt. Aber was weiß ich schon, ich alte Frau. Ich frage immer mal nach, aber sie wimmeln mich ab, obwohl ich die Eigentümerin bin und es eigentlich mein gutes Recht ist ...“

„Sie könnten einen Anwalt beauftragen.“

Sie gestattete sich ein nachsichtiges Lächeln. „Und die Sache verkomplizieren? Einen Vorgang daraus machen, ohne dass am Ende etwas dabei herauskommt?“

Wilhelm sah zu Boden und wippte mit einem Bein, als könnte ihm das beim Nachdenken helfen. „Sie sprachen von sieben Zimmern“, sagte er schließlich, „und von fünf Personen, die darin wohnen. Der Maler, die zwei jungen Frauen, zwei junge Männer.“

„Der Maler hat zwei Zimmer. Das siebte bewohnte auch ein Student, er ist letzte Woche ausgezogen, hat sich noch bei mir ausgeweint, weil, wie er sagte, ihm das Ganze nicht geheuer war, insbesondere dieser Maler, so ein Schleimer, der einem nicht in die Augen sehen kann. Tut nichts, außer ein bisschen herumzupinseln, malt riesige Leinwände voll, abstrakt, knallbunt, keiner weiß so richtig, was er damit sagen will. Und dann schleicht er herum, mischt sich überall ein. Den Guru, so nennen sie ihn, diese jungen unerfahrenen Menschen. Hat sie offenbar in seinen Bann gezogen und schaut ihnen auf die Finger, wenn sie das Gebäude

erforschen. Eine eingeschworene Gruppe, und Neulinge mögen sie gar nicht. Den jungen Mann, von dem ich sprach, haben sie jedenfalls schnell wieder vergrault.“

„Hört sich dramatisch an.“

Sie verschränkte die Arme vor der Brust und blickte ihm in die Augen. „Aber wenn man ehrlich ist: Wirklich Konkretes gibt es nicht. Nur Gerede, schlechte Gefühle und vielleicht auch nur die Vorurteile einer alten Frau. Die Sitten sind eben anders heutzutage, lockerer, freier ...“

Wieder wusste er nicht, was er sagen sollte. Die Sitten waren so, wie sie waren, und wenn zwei Mädchen und drei Jungen nebeneinander wohnten, konnte viel passieren. Obwohl meistens kaum etwas geschah. Selbst in seinem Dorf – oder vielleicht gerade da? – wussten die Mädchen ziemlich genau, wen oder was sie wollten. Oder wen oder was sie nicht wollten. Wie auch immer.

Er fühlte, dass das Gespräch in eine Sackgasse geraten war und dass es nun wirklich Zeit war zu gehen. Er stand auf und zog seine Jacke an. „Na denn“ sagte er, „dann will ich mal. War schön, Sie getroffen zu haben. Und der Apfelkuchen war toll, ich werde meiner Mutter davon erzählen, wenn ich sie heute Abend anrufe. Sie will ja wissen, wo ich gelandet bin.“

Er hatte geglaubt, dass sie ihn hinausbegleiten würde, aber sie blieb einfach sitzen und schaute nachdenklich zu ihm auf. „Vielleicht ist es ja ein Zufall“, sagte sie, „dass mir die Tasche mit den Äpfeln umgefallen ist und dass Sie mich gerettet haben ...“

„Aber das war doch selbstverständlich.“

Sie wischte seinen Einwand mit einer flatternden Handbewegung zur Seite. „Papperlapapp. Nichts ist selbstverständlich im Leben. Lassen Sie mich ausreden. Und jetzt stellt sich heraus, dass Sie ein Zimmer suchen und dass ich ein Zimmer habe, und ich frage mich, ob das nicht ein Zeichen des Himmels ist. Ein freundlicher, hilfsbereiter, gestandener junger Mann und eine Villa, wo schon Studenten wohnen, wie Sie einer werden wollen. Und die Bude, so sagt man doch, die Bude ist gerade frei geworden und kostet praktisch nichts, weil ja eine Aufgabe damit verbunden ist, nämlich das Haus neu zu gestalten.“

Er sah sie merkwürdig berührt an. „Ich soll dort wohnen, ist es das, was Sie vorschlagen?“

Sie nickte begeistert. „Hört sich doch gut an, finden Sie nicht? Auch dass wir uns schon so nett kennengelernt haben. Sie können mich ab und zu besuchen, wäre doch schön, der Tee hat Ihnen doch geschmeckt, nicht wahr?“ Sie zögerte. „Und ich hätte jemanden, mit dem ich mal vernünftig reden könnte ...“ Ihre Worte kamen vorsichtig, als ob sie einen Faden durch ein Nadelöhr schob.

Seine Lippen kräuselten sich. „Und der Ihnen so nebenbei berichten könnte, was sich in Ihrem Haus so tut ...“

Sie wippte mit einem Bein. „Na und? Was ist dabei?“

Er lachte, streckte den Zeigefinger aus und zielte auf sie. „Ich bin nicht James Bond, Whisky Soda, gerührt, nicht geschüttelt, nein, dazu eigne ich mich nicht.“

Sie zog an seinem Ärmel, nötigte ihn auf das Sofa zurück, legte eine Hand auf die seine und strich mit dem Daumen über seine Knöchel. „Die Frage ist immer, ob man jemandem schadet, mit dem, was man macht. Hier geht es doch darum, ein gutes Werk zu tun, für die Stadt, etwas Soziales, etwas, von dem man nachher sagen kann, wir haben zusammengehalten, wir haben etwas geschafft!“ Sie stupste ihn an. „Kein James Bond. Los, sagen Sie Ja. Ihre Mutter wird so stolz auf Sie sein!“

Das war der Punkt, an dem ihm die ganze Komik der Situation bewusst wurde. Irgendwie hörte sich das alles an wie Ohnsorg­Theater, Tratsch im Treppenhaus.

Warum eigentlich nicht?

Er nahm ihre Hand und legte sie sanft auf den Tisch zurück. „Wenn Sie es so sagen, da ist etwas dran ...“ Plötzlich fühlte er sich wie befreit. Wenn er es recht betrachtete, hatte eine umgestürzte Tasche die meisten seiner Probleme bereits gelöst. Er hatte eine Bleibe, ein Zimmer, sogar mit Dusche und mit Küche. Was wollte er mehr. Und fast umsonst war sie auch.

Er fragte sich, wie die Mädchen aussahen. Hoffentlich waren sie nicht zu dünn. Dünne, scharfgesichtige Frauen machten ihm Angst.

Wie auch immer, kaum, dass er angekommen war, hatten die Dinge bereits ihre Ordnung gefunden. Eigentlich liebte er es ja, wenn alles seine Ordnung hatte, wenn er wusste, woran er war. Er grinste. Er wusste, dass die Alte ihn beobachtete, aber er grinste, ganz ungeniert.

Nur ganz weit hinten in seinem Gehirn meldete sich schüchtern ein Hauch von Zweifel, der ihm sagen wollte, dass er sich, obwohl es noch Herbst war, gerade auf Glatteis begeben hatte.

Elfriede Neumann hatte ein altes Victoria­Fahrrad noch aus der Zeit nach dem Krieg. Sie lieh es ihm, nachdem sie telefonisch mit diesem Maler die Übergabe des Zimmerschlüssels klargemacht hatte.

Das Fahrrad war ein Monument vergangener deutscher Ingenieurskunst, blau lackiert mit goldenen Streifen entlang der Schutzbleche. Ballonreifen. Eine breite, durch Schutzblech abgeschirmte Kette, gut geölt. Ein großer Gepäckträger mit ausklappbarem Festhaltebügel, der sich, durch Spiralfedern gespannt, in die Seite seines Koffers bohrte.

Elfriede Neumann machte sich Sorgen wegen des Dynamos für die Beleuchtung. Aber er wehrte ihren Vorschlag ab, zur Sicherheit und zur Probe ein paar Mal die Bahnhofstraße auf und ab zu fahren, und machte sich auf den Weg, den sie ihm auf einem Einkaufszettel aufgezeichnet hatte. „Mit kleinem Abstecher an der Bauschule vorbei, damit Sie sie schon mal gesehen haben“, hatte sie hinzugefügt. Der Abschied war so herzlich, als ob sie sich seit Jahren kannten, und doch hatte er zugleich etwas Geheimnisvolles, etwas Konspiratives an sich, und Wilhelm fühlte sich tatsächlich ein bisschen wie James Bond, der, von M mit einem Super­Waffen­Fahrrad ausgerüstet, in einen neuen gefährlichen Auftrag gesandt wurde.

Er blickte sich noch einmal um. Da stand sie und winkte ihm nach und hatte so gar nichts von einer kaltherzigen Geheimdienstchefin, die Männer zum Töten in die Welt hinausschickte. Aber, wie man wusste: Gute Tarnung war das halbe Leben in diesem Metier. Er beschloss, wieder in die reale Gegenwart zurückzukehren, und als er das rucklige Basaltpflaster der Bahnhofstraße hinter sich hatte und rechts vor ihm schon der rote Backsteinbau der Hochschule auftauchte, hatten sich auch seine krausen Gedanken über seine konspirative Zimmerbeschaffung bereits verflüchtigt.

Das Gebäude der Bauschule thronte Ehrfurcht gebietend über dem Haarmannplatz, eine breite Treppe führte hinauf zu einem

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