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450 Jahre Campe-Gymnasium 1569 - 2019

Von der Closterschule zum Campe-Gymnasium

FESTSCHRIFT

Herausgegeben vom Campe-Gymnasium Holzminden

Verlag Jörg Mitzkat

Holzminden 2018

Herausgeber: Campe-Gymnasium Holzminden Wilhelmstr. 13, 37603 Holzminden

© Campe-Gymnasium Holzminden 2018

Bibliogra sche Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliogra e; detaillierte bibliogra sche Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abru ar.

ISBN 978-3-95954-450-4

Alle Rechte vorbehalten.

Gestaltung: Verlag Jörg Mitzkat

Verlag Jörg Mitzkat · Holzminden 2018 · www.mitzkat.de

Vorwort

Das Campe-Gymnasium Holzminden blickt in diesem Jahr auf eine 450- jährige Geschichte zurück und gehört somit zu den ältesten und traditionsreichsten Schulen, die aus Gelehrten- und Klosterschulen hervorgegangen sind.

Unser Jubiläum ist Anlass und Verp ichtung zugleich, Fragen nach unserer Herkunft zu stellen, Aussagen über unser pädagogisches Selbstverständnis zu machen und einen Ausblick zu wagen. Schließlich blicken wir im Jubiläumsjahr zuversichtlich nach vorne: in der Hoffnung auf eine gute Zukunft unserer Schule und in der Verantwortung für die jungen Menschen, die uns anvertraut sind und die ihr „Campe“ als ihre Schule mitgestalten.

„Tradition bewahren – Zukunft gestalten“: das sind zwei Fluchtpunkte unseres Handelns in Schule, deren sich die Akteure sehr bewusst sind. Getreu den Grundsätzen unseres Namensgebers Joachim Heinrich Campe „Erkennen, begreifen, gestalten“ und in Anlehnung an unser schulisches Leitbild möchten wir unseren Schülerinnen und Schülern Wurzeln und Flügel mit auf den Weg geben.

Geschichte, Lebensbilder und Schulleben verweisen auf die Vielfalt in unserer Schule. Dazu zählen die Aufarbeitung der Entwicklung des Campe-Gymnasiums aus der Klosterschule Amelungsborn und die Er-

fahrungen, Eindrücke und Aussagen von Personen, die unsere Schule mitgeprägt haben und aktuell mitgestalten.

Nicht fehlen dürfen Fotos und Namen von Schülern und Lehrern sowie besonders das Verzeichnis der Campe-Abiturienten, wobei wir das Jahr 2000 als Zeitenwende und Startpunkt für sinnvoll halten.

Eine Festschrift wie die vorliegende entsteht nur als Gemeinschaftswerk. Den vielen, die uns unterstützt haben, sei es durch eigene Beiträge, sei es durch Hinweise und Ratschläge, danke ich herzlich. Einige Namen verdienen es, besonders hervorgehoben zu werden: so vor allem meine Mitstreiter aus dem Festschrift-Team: Frau Piper und Herr Wellmann. Herr Körber ist ein akribischer Korrektor gewesen und Herrn Mitzkat danke ich für seine zugewandte redaktionelle Betreuung.

Ich wünsche Ihnen und Euch viel Freude beim Lesen und spannende Einblicke in Geschichte und Gegenwart unserer Schule, dem „Campe“.

Grußwort

Von Stephan Weil, Niedersächsischer Ministerpräsident

Sehr geehrte Damen und Herren, 450 Jahre – fast ein halbes Jahrtausend! Zu diesem großartigen Schuljubiläum gratuliere ich dem Campe-Gymnasium Holzminden ganz herzlich. Ganz im Sinne seines Namensgebers, dem aufklärerischen Schriftsteller und Pädagogen Joachim Heinrich Campe, sind Kreativität, Kritikfähigkeit und Weltoffenheit wichtige Eckpunkte des Schulprogramms. Ziel der Schule ist es, Schülerinnen und Schüler zu Toleranz, Solidarität, Hilfsbereitschaft und gegenseitiger Rücksichtnahme zu erziehen. Diese Werte werden am Campe-Gymnasium nachhaltig vermittelt und nachweislich gelebt. Dafür steht eine beeindruckende Sammlung von Zerti katen.

Die Schülerinnen und Schüler haben mithilfe eines selbst initiierten Planspiels ihrer Schule zum Prädikat „Humanitäre Schule“ verholfen. Sie ist auch evaluierte Buddy-Schule und stellt damit soziale Verantwortung im Umgang miteinander und mit Schwächeren in den Vordergrund. Das Campe-Gymnasium ist darüber hinaus Umweltschule in Europa, Fairtrade-Schule und MINT-freundliche

Schule und legt Wert auf Nachhaltigkeit und Verantwortung im Umgang mit der Umwelt und unserer Einen Welt. Die von der Schule praktizierte Solidarität ist vorbildlich und gehört ebenso zur gymnasialen Bildung wie der Erwerb unterschiedlichster Kompetenzen in den einzelnen Unterrichtsfächern. Die vielfältigen schulischen Angebote tragen entscheidend dazu bei, dass sich die Schülerinnen und Schüler und die Lehrkräfte mit ihrem Gymnasium identi zieren. Begabungen werden in überzeugender Weise durch vielfältige Schwerpunkte gefördert.

Für die bisher geleistete Arbeit und das hohe Engagement spreche ich den Lehrerinnen und Lehrern, der Schulleitung und allen anderen Beschäftigten der Schule meinen Dank aus. Mein Dank gilt auch der Schüler- und der Elternschaft, die sich immer wieder aktiv in ihre Schule einbringen. Ich wünsche Ihnen eine weiterhin erfolgreiche Arbeit zum Wohle aller Schülerinnen und Schüler.

Hannover, im Oktober 2018

Stephan Weil Niedersächsischer Ministerpräsident

Grußwort

Von Landessuperintendent Eckhard Gorka, 58. Abt des Klosters Amelungsborn

„Gott hat die Welt so entworfen, dass sie der tugendhafte Mensch durch seine eigene Kraft zu einem Ort der Glückseligkeit nicht nur gestalten kann, sondern muss“

Joachim Heinrich Campe

Wenn ein Gymnasium sein 450-jähriges Bestehen feiert, ist das nicht nur ein Grund zur Freude, sondern auch ein Grund, auf seine Geschichte zurückzublicken.

Zwei Aspekte scheinen mir besonders erwähnenswert:

Die Anfänge dieser Schule nden sich im Kloster Amelungsborn, zu dem es bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts enge Beziehungen gab. Zisterziensermönche haben hier in einer abgelegenen Gegend ein Kloster erbaut, die ehemalige Einöde kultiviert und zu einem einladenden Ort umgestaltet. Im Zuge der Reformation erhielt das Kloster mit dem Schulbetrieb die wichtige Aufgabe, Schüler zum Universitätsstudium vorzubereiten. Geringe Schülerzahlen führten zwar bald zum Umzug der Schule in die nahegelegene Stadt Holzminden, doch die Beziehungen zum Kloster blieben bestehen.

Nach der Zusammenlegung mit dem Holzmindener Mädchengymnasium wurde die neue Bildungseinrichtung nach einem Pädagogen, Jugendbuchautoren, Verleger und Sprachforscher benannt, der früher selbst Schüler des Jungengymnasiums in Holzminden gewesen war: Joachim Heinrich Campe.

Campe war von ganzem Herzen Erzieher im Sinne eines ganzheitlichen Bildungsideals. Ziel seiner Bildungsbemühungen war eine Erziehung zur Freiheit, die den Menschen über sich selbst hinausführen sollte. Seine Erziehungsmethoden waren seiner Zeit weit voraus. Anders als vielen seiner Zeitgenossen, ließ er seine Schüler nicht einfach

nur Texte auswendig lernen.

Ihm kam es eher auf die Bildung des Charakters an. Dazu bediente er sich gern der Form der Erzählung, anhand derer er die ihm wichtigen Lerninhalte wie nebenbei vermittelte. Sein bekannteste Beispiel einer solchen den Unterricht prägenden „Rahmenerzählung“ ist die Geschichte des jungen Robinson, der auf einer einsamen Insel strandet und sich dort zunächst allein, später in Begleitung seines treuen Gefährten Freitag durchschlagen muss.

Mit dieser Erzählung, einer Weiterführung des bekannten Romans „Robinson Crusoe“ von Daniel Defoe, fand er bei seinen Schülern einen solchen Anklang, dass er sie später unter dem Titel „Robinson der Jüngere“ veröffentlichte. Dieses Werk gilt als der erste Jugendroman der Weltliteratur und wurde ein großer Erfolg. Er schildert im Wechselspiel von Erzählung und lehrreichen, an eine junge Hörerschaft adressierten Kommentaren die Entwicklung des jungen Tunichtguts Robinson zu einer gereiften Persönlichkeit, der es gelingt, der Einsamkeit zu trotzen und die Natur zu kultivieren.

Ich wünsche dem Campe-Gymnasium, dass in seinen Mauern an das ganzheitliche Bildungsideal seines Namensgebers auf zeitgemäße Weise angeknüpft wird und dass hier Schülerinnen und Schüler zu selbständigen und verantwortungsvollen Persönlichkeiten heranwachsen. Und ich wünsche den Schülerinnen und Schülern Lehrer, deren Unterricht ebenso spannend und abwechslungsreich ist wie die Abenteuer, die Robinson Crusoe in Campes Jugendroman erlebt. Seien Sie alle herzlich gegrüßt und Gott befohlen.

Eckhard Gorka Landessuperintendent, Abt des Klosters Amelungsborn

Grußwort

Von Hartung von Campe, Vorsitzender der v. Campe‘schen Familienstiftung

Es war eine Idylle, in die Joachim Heinrich Campe im Sommer des Jahres 1746 hineingeboren wurde: das braunschweigische Dorf Deensen liegt malerisch abgeschieden am bewaldeten Nordhang des Sollings, die Hofstellen mit ihren Fachwerkhäusern gruppieren sich locker um eine Wasserburg in vagem Weserrenaissancestil, die Kinder spielen barfuß am Dorfteich zum Fuße der Wasserburg oder hüten Gänse und tränken Kühe und Ochsen. Die Idylle war jedoch nur vordergründig: Deensen hat durch die Nordlage nasses und kühles Wetter, die Böden sind steinig und wenig fruchtbar, die bäuerlichen Familien und Tagelöhner mussten für ihre Subsistenz hart arbeiten. Die Kindersterblichkeitsrate war hoch.

Der Vater, Burchard Hilmar Campe, betrieb an besagter Stelle vor dem Dorfteich einen Hof und Krug, sowie einen Handel mit Garn und Leinen. Er war der Sohn der Deenser Pastorentochter Christa Maria Stachius, gestorben 1722 als Haushälterin des örtlichen Gutsherrn Burchardt Hilmar von Campe. Es gilt als sicher, dass Letzterer der (uneheliche) Vater des Kindes war. Dafür spricht nicht nur die Namensgleichheit (allerdings ohne Adelspartikel), sondern auch die Tatsache, dass der Gutsherr die Patenschaft über das Kind übernahm und ihn mit dem Hof (dem sog. Camphof) ausstattete.

Die Mutter des kleinen Joachim Heinrich, Anna Lucia Klingemann, war die Tochter eines Steuerbeamten in Eschershausen. Das Paar hatte insgesamt acht Kinder, wovon zwei früh starben. Heute gibt es keine direkten Nachkommen mehr.

Wenn man die oben geschilderten dör ichenVerhältnisse mit dem späteren Lebenslauf und dem aufklärerischen Wirken des Joachim Heinrich Campe vergleicht, kann man über den Werdegang nur staunen. Der Weg führt von der Dorfschule – schon 1643 gab es in Deensen Dor ehrer, die meist zwischen 6 und 7 Uhr morgens (danach mussten die Kinder in Hof und Feld arbeiten) versuchten, den Dorfkindern das Buchstabieren und Rechnen beizubringen – 1760 in die Sekunda der kurz vorher nach Holzminden verlegten Amelungsborner Klosterschule (dem späteren Gymnasium), und mit 18 zum Theologiestudium an die Universität Helmstedt. Damit stellen die Jahre am heutigen Campe-Gymnasium für den jungen Joachim Heinrich Campe eine wesentliche Entwicklungsstufe dar, sind sie doch in der Altersstufe zwischen 14 und 18 Jahren für jeden Jugendlichen prägend.

Welches in dieser Zeit die Faktoren waren, die den Schüler Joachim Heinrich antrieben und seine Neugier und seinen Fleiß be ügelten, mag an anderer Stelle erwähnt sein. Es bleibt, dass diese Schule es verstanden hat, die Grundlagen für sein späteres Wirken zu legen. Ich wünsche dem heutigen Campe-Gymnasium ein gutes Gedeihen und dass es weiter die Wirksamkeit an den Tag legt, die sein Namensträger der Schule zu verdanken hat.

Hartung von Campe

Vorsitzender der v. Campe‘schen Familienstiftung

Grußwort

Den langjährigen Geburtstag einer traditionsreichen Lehranstalt zu feiern, bedeutet normalerweise, einen besonderen Ort erfolgreicher Bildungsvermittlung zu würdigen. Das verhält sich bei dem 450-jährigen Geburtstag des Campe-Gymnasiums anders. Was wir hier vor allem feiern, ist kein Standort, sondern eine Idee.

Wichtigster Impuls bei der Gründung der Schule vor 450 Jahren war, Bildung und Wissen möglichst breit an Kinder weiterzugeben. Durch die vom braunschweigisch-wolfenbüttelschen Fürsten Julius 1568 staatlich durchgesetzte Reformation wurde das katholische Zisterzensierkloster Amelungsborn evangelisch. Aber nicht genug damit, bekam das Kloster ein Jahr später die Aufgabe, eine Lateinschule zu gründen. Aus dem protestantischen Glaubensort sollte nunmehr dauerhaft auch ein Bildungsort werden. Julius war ein Visionär. Er wusste schon im 16. Jahrhundert, dass eine funktionierende Volkswirtschaft möglichst vieler gebildeter Untertanen bedurfte.

Diese Schulgründung strahlte schnell auch auf die unmittelbare Umgebung aus. Schon 1637, also während des dreißigjährigen Krieges, etablierte sich dank der Amelungsborner Lateinschule ein Ableger in Negenborn. In der „Kinderschule“ wurden Kinder aus den umliegenden Dörfern vor allem im Glauben, aber auch in anderen Fächern unterwiesen. 18 Jahre später zog auch diese Schule nach Amelungsborn, nachdem bereits 1647 im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel die Schulp icht eingeführt wurde. Julius Bildungsidee hatte in August dem Jüngeren einen Weiterentwickler gefunden.

Nicht zuletzt dürfte auch das Amelungsborner „Bildungszentrum“ ein wichtiger Leuchtturm für dieses Streben gewesen sein.

Der Umzug 1760 nach Holzminden in die Uferstraße ist nur scheinbar eine Zäsur. Denn auch hier stand der Gedanke im Mittelpunkt, mithilfe von Bildung, da, wo sie am meisten bewirken kann, eine bessere Volkswirtschaft und damit auch bessere Lebensverhältnisse zu schaffen.

Schon mit diesem Umzug war auch der Auftrag verbunden, akademisches Wissen stärker zu vermitteln. Von entscheidenderer Bedeutung aber war das Wirken Joachim Heinrich Campes nur ein paar Jahre später. Das heutige Gymnasium trägt dessen Namen nicht von ungefähr. Denn der Schriftsteller und Pädagoge stammt nicht nur aus der Nähe Amelungsborns bzw. Holzmindens. Er hat auch versucht, bahnbrechende schulpolitische Reformen direkt hier vor Ort in Bewegung zu setzen. Reformen, die liberalere Strukturen des Schulsystems und nichts weniger als die Herauslösung von Bildung aus dem Ein ussbereich der Kirche vorsahen. Für viele seiner Zeitgenossen, nicht zuletzt auch in Holzminden, kamen diese Ideen zu früh. Sie sollten sich nach ihrem Scheitern 1790 erst im 20. Jahrhundert deutschlandweit entscheidend durchsetzen.

Der Gedanke, dass auch Frauen eine ebenso bedeutende Rolle im Bildungs- und später Arbeitsleben spielen sollten, hat sich im ersten Ansatz 1894 mit dem erneuten Umzug der Schule in die Wilhelmsstraße und der damit verbundenen gleichzeitigen Etablierung der

Mädchenschule am alten Standort Uferstraße verwirklicht. Aus der Mädchenschule sollte sich die „Oberschule für Mädchen“ bzw. das „Gymnasium für Mädchen“ entwickeln, das ich selbst ab 1966 besucht habe. Den anschließenden Umzug in die Liebigstraße habe ich als Elfjährige als etwas Besonderes erlebt: Die neuen, hellen Klassenzimmer boten Platz, die naturwissenschaftlichen Fachräume ließen uns als Kinder schon vor dem Unterricht an der wunderbaren Welt chemischer und physikalischer Versuchsanordnungen teilhaben.

1990 wanderte „meine“ Schule in die Wilhelmstraße und bekam jenen Namen, den sie heute zu Recht mit Stolz trägt. Eine Generation später wird die nunmehr zusammengeführte Schule an die Liebigstraße zurückkehren.

In ihrer wechselvollen, 450 jährigen Geschichte hat die Schule sich sehr viel bewegt, aber sie hat auch viel bewegt. Sie ist jahrhundertelang so etwas wie ein „Bildungsleuchtturm“ geblieben, der auch überregional gestrahlt hat. Vermutlich wurde gerade deswegen immer wieder so viel über sie diskutiert und gestritten.

Ich wünsche dieser Schule nach ihrer lebhaften Vergangenheit eine ebenso lebendige Zukunft. Denn Lebendigkeit ist ein Indiz für Gestaltungswillen. Und den brauchen wir im Landkreis Holzminden nach wie vor dringlich.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Angela Schürzeberg Landrätin des Landkreises Holzminden

Grußwort

Im diesem Jahr begeht das Campe-Gymnasium die Feierlichkeiten zu seinem 450-jährigen Bestehen. Zu diesem besonderen Jubiläum gratuliere ich im Namen der Stadt Holzminden, aber auch ganz persönlich, sehr herzlich.

Gegründet als Klosterschule im ehemaligen Zisterzienserkloster Amelungsborn und 1760 in die Stadt Holzminden verlegt, stellt das Campe-Gymnasium einen wichtigen Teil des schulischen Angebotes nicht nur in Stadt und Landkreis, sondern auch weit darüber hinaus, dar.

So wird auch die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Holzminden nicht unwesentlich von der hohen Qualität dieser Bildungseinrichtung bestimmt. Dies bedeutet aber auch gleichzeitig eine Verp ichtung aller Verantwortlichen, das Holzmindener Campe-Gymnasium auch zukünftig im Bestreben nach optimaler Aufgabenerfüllung zu unterstützen. Dem kommt der Landkreis als Schulträger im Bereich des baulichen Zustandesmit erheblicher nanzieller Beteiligung der Stadt Holzminden - durch den angestrebten Schulringtausch und der damit verbundenen umfangreichen Modernisierung der Schulanlage nach.

Der Gebäudezustand einer Schule ist aber nur ein Teil der qualitativen Ausrichtung. Wesentlich wichtiger und entscheidender ist das Engagement von Schulleitung und Lehrkräften. Das Campe-Gymnasium hat sich in seiner Geschichte nie als reiner Wissensvermittler gesehen. Es verstand sich stets im Sinne seines Namensgebers als Bildungseinrichtung im positiven und eigentlichen Sinn dieses Wortes. So nimmt das Campe-Gymnasium

mit seinen Lehrerinnen und Lehrern einen Bildungsauftrag weit über die allgemeine Wissensvermittlung wahr. Diesen Anspruch zu erfüllen, war und ist aber nur möglich mit einem erheblich über das Normale hinausgehenden Engagement des Lehrkörpers. Die Vielfalt von außerschulischen Aktivitäten in einer beeindruckenden Anzahl von Arbeitsgemeinschaften, angefangen vom Rudern über das Schachspiel bis zum Sanitätsdienst sowie einer Vielzahl musischer Angebote, zeugt von dem hervorragenden Einsatz aller Beteiligten.

Und noch etwas gilt es hervorzuheben: Es ist die hohe Identi kation der Schülerinnen und Schüler mit „ ihrem „ Gymnasium. Deutlich sichtbar - um nur ein Beispiel von vielen zu nennen - in den von den Schülerinnen und Schülern organisierten Demonstrationen zum Erhalt der Schule am Standort.

So darf mit Recht mit großer Zuversicht in die Zukunft geschaut werden. Mit einer in wenigen Jahren vollzogenen baulichen Modernisierung, aber vor allem mit seinen hervorragenden und hochmotivierten Lehrerinnen und Lehrern sind die Voraussetzungen gegeben, viele weiterer solcher Jubiläen erfolgreich begehen zu können.

In diesem Sinn wünsche ich dem Campe-Gymnasium für die Zukunft alles Gute!

Jürgen Daul Bürgermeister der Stadt Holzminden

Der reformatorische Anfang 1569: Herzog Julius gründet in Amelungsborn eine Klosterschule mit 13 Stipendiaten

Förderer der Region: Herzog Carl I. sorgt mit seiner Verfügung für den Umzug der Klosterschule in die Stadt Holzminden 1760.

Im Herzen der Stadt: 1894 wird der Schulneubau an der Wilhelmstraße eingeweiht. Im Geiste der Kaiserzeit wird dem „Deo Litteris“ das „Patriae“ angefügt – für Gott, für die Wissenschaften, für das Vaterland. Der 1976 eingeweihte Erweiterungsbau verdeckt das alte Portal.

Neubau für das Mädchengymnasium: Als Privatschule in Holzminden 1891 gegründet, 1908 als öffentliche „Städtische Höhere Schule für Mädchen“ zugelassen, erlebt die Schule eine wechselvolle Geschichte. 1966 bekommt das Mädchengymnasium an der Liebigstraße einen Neubau.

Großes Bild: TAH, Bildvorlage: Stadtarchiv Holzminden, kleines Bild: Schulfest der Mädchenschule 1931

Das Campe heute: Durch eine wenig feierliche Pressemitteilung wird 1990 die Zusammenlegung der beiden Gymnasien zum „Campe-Gymnasium“ bekanntgegeben. Heute ist das „Campe“ das einzige allgemeinbildende Gymasium im Landkreis Holzminden und schaut erneut einem Umzug entgegen.

Fulminanter Start ins Jubel-Jahr: Beschwingt und begeisternd!

Der Abend des 22.10.2018 in der St. Josef-Kirche: die lange geplante Auftaktveranstaltung für unser Jubel-Jahr, draußen laues Herbstwetter, Blätter segeln durch das Abendlicht, drinnen feierlicher Kerzenschein und erwartungsvolles Stimmengewirr.

Es ist der 200. Todestag unseres Namensgebers, Joachim Heinrich Campe. Ihm zu Ehren haben wir uns für diesen Tag als den Beginn unseres Jubiläums-Jahrs „450 Jahre Campe-Gymnasium“ entschieden. Sicher wird es uns Herr Campe verzeihen, dass wir dafür ausgerechnet eine katholische Kirche ausgesucht haben, er, der Aufklärer und Kir-

Motto-Preisträgerinnen Jule Budde und Jule Fischer nehmen die Preise von den Schülersprechern Malte Halling und Jonathan Horn (v.l.n.r.) entgegen. Foto: Kathrin Fischer

chenkritiker! Aber das zentrale Projekt des Abends, eine Messe, gehört nun mal in eine Kirche, wie es Schulleiter Georg Muschik in seiner Eröffnungsrede augenzwinkernd bemerkt. Zudem war der Ursprung unserer Schule vor 450 Jahren ja ebenfalls kirchlich, wenn auch reformatorisch.

Vor vollbesetzten Kirchenbänken begrüßt Herr Muschik alle Anwesenden, zahlreiche geladene Gäste, den Redner des Abends, Herrn Reinhard Krebs und natürlich die Mitwirkenden der beiden Chöre, die Instrumentalisten und die Chorleiter aus beiden Schulen. Natürlich dankt er besonders dem Gastgeber des heutigen Abends, der die geschmückte Kirche und das Josefshaus zur Verfügung stellt. Was gilt es zu feiern? – Diese Frage klärt Herr Muschik denn auch gleich, geht es doch nicht nur um Campe, sondern vor allem um die Gründung unserer Schule im Jahr 1569 als kleine Latein- und Klosterschule im nahegelegenen Amelungsborn. 13 junge Schüler begannen damals als Stipendiaten ihre mühevolle höhere Schullaufbahn, nachdem sich der Herzog von Braunschweig überall im Land für die Gründung reformatorischer Schulen eingesetzt hatte. In einem schwungvollen Bogen geht es durch die Schulgeschichte, der Schulleiter streift das Jahr 1760, in dem die Schule nach Holzminden verlegt und mit der dortigen Stadtschule verschmolzen wurde – und unser junger Joachim Heinrich Campe sich genau in diesem Jahr als einer der ersten Stipendiaten in das große schwarze Immatrikulationsbuch der „Herzoglichen Klosterund Stadtschule“ in Holzminden einschrieb. Anschließend bittet Herr Muschik die Schülersprecher Malte Halling und Jonathan Horn nach vorn, um mit ihnen zusammen die Preisverleihung für den Schülerwettbewerb vorzunehmen. Die Schülervertretung des Campe-Gymnasiums hatte im Frühjahr zu einem Motto-Wettbewerb für das Jubiläumsjahr aufgerufen und unter vielen fantasievollen und kreativen Vorschlägen drei Favoriten

ausjuriert: Johannes Winter – mittlerweile Abiturient des Sommers 2018 und wegen des Studiums nicht vor Ort, Jule Fischer, damals 9-3 und Jule Budde, damals 7-3, hatten die besten Vorschläge. Johannes Winters Motto „Wir leben Campe – Gemeinsam für Vielfalt und Tradition“ wird mit dem zweiten Preis belohnt, Jule Fischer nimmt den 3. Preis entgegen für ihr Motto: „Das Campe ist alt – wir bleiben jung“. Jule Budde kann sich über den ersten Preis für ihr Motto, das bereits alle Veröffentlichungen ziert: „Tradition bewahren, Zukunft gestalten“ freuen. Herzlicher Applaus begleitet die Preisverleihung.

Dann leitet der Schulleiter über zum musikalischen Teil des Abends, dem Deutsch-Polnischen-Chor-Projekt, hervorgegangen aus dem Kooperationsvertrag zwischen dem „Campe-Gymnasium Holzminden“ und dem Liceum „Adam Mickiewicz“ in Głubczyce von 2004.

Der europäische Rahmen an diesem Abend passt perfekt und verleiht dem Jubiläumsauftakt einen besonderen Glanz, die Harmonie und die herzliche Freundschaft zwischen beiden Chören sind hörbar und spürbar und übertragen sich schnell auf das begeisterte Publikum. Fulminant und mit unglaublicher Spielfreude verzaubern die Chöre „Chór Mieszany LO w Głubczycach“, „Cantabile“ von der Głubczyce Middle School no 1, der „Capricolium“ der Głuchołazy High School (unter der Leitung von Tadeusz Eckert und Ewa Maleńczyk) und die „Smilin‘ Faces“, der Schulchor des Campe-Gymnasiums Holzminden unter der Leitung von Paul Symann, das Publikum. Zusammen mit den federleicht-perlend und perfekt aufeinander abgestimmt spielenden Instrumentalisten Karolina Peczkis am Saxophon, Lena Dreker (Piano), Malte Halling (Bass) und Moritz Rekel (Schlagzeug) bringen sie mit der „Latin Jazz Mass“ des deutschen Komponisten Martin Völlinger eine beschwingte, mitreißende Stimmung in die Kirche. Der Helbling-Verlag, der die Noten herausgibt, schreibt treffend dazu: „Interessant und abwechslungsreich ist die satztechnisch und musikalisch aus-

gesprochen vielfältige Messe, die Kombination unterschiedlichster Rhythmen und Stile – von Salsa, Samba, Bossa Nova, Rumba, Tango, Gospel bis zu Pop-Ballade und Funk. Abwechslungsreiche Grooves, einprägsame, charakteristische Melodien, die ausgefeilte Harmonik, improvisatorische Elemente, Solo-Passagen, ein vielfältiger Chor- und Instrumentalsatz sowie der große formale Reichtum sprechen eine große Zuhörerschaft an.“

In vier Sprachen – Lateinisch, Deutsch, Englisch und Polnisch – folgt Stück um Stück:

Die wunderbare Zusammenarbeit der Chöre wird auch ermöglicht durch die Unterstützung des Landkreises Holzminden, des Deutsch-Polnischen Jugendwerks, der Rainer-Bickelmann-Stiftung und der Sanddorf-Stiftung. So konnte am Wochenende zuvor in einem gemeinsamen Workshop in

Silberborn geprobt werden und auch eine Aufführung in der Klosterkirche Corvey am Tag zuvor statt nden.

In einer feierlichen Zeremonie zwischendurch gibt es herzliche Glückwünsche und Briefe von der polnischen Partnerschule, übersetzt von unserer Kollegin Karin AlbrechtHennigfeld, die mal eben aus dem Chor auf das Podium springt und in beide Sprachen dolmetscht, um dann wieder im Chor zu singen. Und nicht zuletzt erinnern die Chorleiter daran, wie wichtig gerade in heutigen Zeiten der Austausch, die Freundschaft und der Zusammenhalt der Menschen über Grenzen hinweg sind. Musik verbindet offensichtlich

Foto: Merle Smollich und Greta Steffens, Schülerredaktion

ganz besonders, diese Freundschaft wird auf jeden Fall weitergehen, da sind sich alle einig. Zwischen beiden Teilen der Messe tritt auch Reinhard Krebs, OStR a.D. am Campe-Gymnasium und bester Campe-Kenner ans Mikrofon und nutzt den 200. Todestag Campes zu dessen Würdigung in einer launigen Rede: „Keiner kennt Campe - Versuch einer Aufklärung“. In einem lebendigen Vortrag ziehen das Leben und Wirken, Scheitern und Kämpfen Campes für seine Ideale an den Zuhörern vorbei, man erlebt zusammen mit ihm seine brennende Begeisterung für die Ziele der Aufklärung, seine Aufenthalte in Paris mitten in den Wirren der Französischen Revolution, „Jahre, in denen er vom Theologen

Freuen sich über den gelungenen Abend: Ewa Maleńczyk, Paul Symann, Georg Muschik, Tadeusz Eckert und Rein-

zum Psychologen und Pädagogen wurde, zu einem Pädagogen, der für eine neue Zeit und eine neue Gesellschaft einen neuen Menschen bilden wollte, einen Menschen, der das Erdenleben nicht mehr nur als Bewährungsprobe für die ewige Seligkeit im Jenseits ansieht, sondern der durch vernünftiges Denken und Handeln schon im Diesseits zur Glückseligkeit gelangen kann“, so Krebs. Campe schrieb eine allererste „Schulenzyklopädie“ (Curriculum) für den Lehrstoff von der Elementarschule bis zur Universität, die den Anforderungen der neuen Zeit entsprach, entwickelte dazu passende Schulbücher, was eine Weltpremiere war, und trieb die Professionalisierung des Lehrerberufs durch die Einführung von „P anzschulen junger Lehrer“ (= Lehrerseminare ) voran mit dem Ziel, die „Allgegenwart des Religiösen im Unterricht zu beenden und langfristig die Trennung von Kirche und Staat zu erreichen“. Der 1792 zusammen mit George Washington und Friedrich Schiller zum Ehrenbürger der Französischen Republik ernannte Joachim Heinrich Campe hat auch 200 Jahre nach seinem Tod nichts von seiner Aktualität eingebüßt.

Der zweite Teil der „Latin Jazz Mass“ folgt, swingend vergeht die Zeit wie im Flug, und das Publikum erklatscht sich noch eine Zugabe. Im Anschluss hat Kollege Jan-Torben Saenger mit einer Gruppe Schülerinnen und Schüler für einen kleinen, stimmungsvollen Sektempfang im Josefshaus gesorgt, wo man noch lange zusammensteht und den Abend gut gelaunt ausklingen lässt.

Reinhard Krebs klärt über Campe auf Foto: Merle Smollich und Greta Steffens, Schülerredaktion
hard Krebs
Foto: Merle Smollich und Greta Steffens, Schülerredaktion

… auch in der Schule tut sich etwas:

Anlässlich des Jubiläums hat die Historische Bibliothek des Campe-Gymnasiums einige wertvolle alte Bücher der Klosterschule für eine kleine Ausstellung im Foyer des Campe-Gymnasiums zur Verfügung gestellt. Es handelt sich dabei um eine Auswahl von Elegien des römischen Dichters Ovid, den ersten Band des Historischen und Kritischen Wörterbuchs des französischen Aufklärers Pierre Bayle und zwei Bände einer Einführung in die Naturwissenschaften des deutschen Professors Christian Wolff. Schon an dieser kleinen Auswahl ist die Vielfältigkeit der höheren Schulbildung ablesbar!

Gleichzeitig ndet eine Ausstellung von Illustrationen der 10-3 zum Klosterleben unserer Schüler in Amelungsborn statt. Leporellos und Bilder geben Einblicke in den Alltag der Schüler, ein Modell der Klosteranlage und eine Zeichnung des (lange abgerissenen) Schulgebäudes neben der Kirche zeigen das mühselige und einfache Leben und Lernen im Kloster.

Fotos: Jette Piper
Thomas Tigges

GESTERN

Klosterschule einfacher Privileg

Rohrstock schön Bestrafung geregelt Strafen

toll Tradition angesehen

Schläge

schrecklich Hölle lustig

unmodern neu anders schwierig anstrengend schrecklich

altmodisch damals dreckig

disziplinierter Amelungsbornunverändert langweilig besser

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