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BAECHE im Weserbergland_1-12

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BerichtezurregionalenGewässerkunde

Band1:BornheimerBäche.Von Alfter und Roisdorf bis Wesseling. Einenaturhistorisch-ökologischeGewässerkunde,2022.

Band2:RoisdorferBrunnen.Das Selterswasser vomVorgebirgein BerichtenderBonnerProfessorenBISCHOFundHARLESS, 2023.

Band3:DieBächeimBrohl-undVinxtbachtal.–AufdenSpurendes BalneologenOttoEwich.Einehistorisch-ökologischeGewässerkunde,2023.

Band4:DiePaderquellen–einekulturhistorischeGewässerkunde. MitRechercheninderRegionalliteratur,2023.

Band5:SiegaueundSiegmündungamRhein.EinenaturkundlichhistorischeGewässerkundemitExkursionen,2023.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.de abrufbar.

ISBN 978-3-95954-142-8

© Fotos und Texte: Georg Schwedt Alle Rechte vorbehalten.

Gestaltung: Georg Schwedt

Verlag Jörg Mitzkat Holzminden, 2023 www.mitzkat.de

VORWORT

Der Autor, der aus Hessisch Oldendorf stammt und dort bis zum AbschlussdesStudiums(inGöttingen)aufwuchs,hatsichalsChemiker–zuletztanderTUClausthal–übermehralsdreiJahrzehntemitMethoden und Anwendungen der Analytik in der Wasserchemie beschäftigt undzahlreicheDiplom-undDoktorarbeitenindiesemThemenbereich angeleitet.AuchdiesogenannteFeld-oderVor-Ort-Analytikmiteinfachen halbquantitativen Verfahren im Vergleich zur Laboranalytik war einTeildieserArbeiten.

Ölgemälde:DerAutor1946/47vorderWeserlandschaft (gemaltvonHansSchweikart)

1972habeichimChemischenUntersuchungsamtHagendiebundesweit erste Abteilung für Wasseruntersuchungen und Umweltschutz aufgebautundgeleitet.

2011habeichmeineErfahrungenausPraxisundForschungerstmalsan BächenimHohensteingebiet–amTotenbornundamBlutbach–durch AnalysendirektandenBächenangewendet.AnmeinemjetzigenWohnsitzinBonnkonnteich2021aninsgesamt47BächenähnlicheUntersuchungen durchführen. Bei den persönlichen Begehungen der Bäche wurde deutlich, wie verzweigt und wie wichtig eine solche Gewässerstrukturfür eine Region ist, aberauch, wie ungenau oft die gewässerkundlichen Angaben z. B. in Karten über die Quellgebiete und VerläufederBächeinvielenFällensind.

Diese neuen Erfahrungen veranlassten mich, nach Informationen über die mir aus der Jugend bekannten Bäche rund um Hessisch Oldendorfzusuchen,wobeisicheinähnlichesBildwieinBonnergab. Der NABU Hameln-Hessisch Oldendorf-Aerzen ist hier besonders aktiv underfolgreich;inBonngibtes auch Bachpatenschaften. Die topographischen Karten können jedoch nicht immer eine eindeutige Aussage überQuellenundBachverläufevermitteln.

Versuche, von den Behörden – dem Umweltamt des Kreises HamelnPyrmont,derFlussgebietsgemeinschaftWeserbzw.demNiedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)inHildesheim–detaillierteInformationenzuerhalten,waren nurzumTeilerfolgreich,d.h.eslagenrelativwenigehydrologischeDatenvor. EinenBachentwicklungsplanwieinBonnkonnte ich nichtermitteln.FürdreiFließgewässersysteme–Rohde(ne)rBach,Hollenbach undHeßlingerBach–existierenjedoch„Wasserkörperdatenblätter“mit Handlungsempfehlungen,ausdenenzitiertwird. Und so entstand der Plan, Exkursionenan 20 Bächendurchzuführen,Beobachtungenzuregistrieren,Wasserprobenanausgewählten Stellenzuentnehmenundzuanalysieren,worüberhierausführlichmit ErgänzungenausRecherchenberichtetwerdensoll.

Im ersten Teil werden anhand von Schriften der Heimatkunde (für Schulen) aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert die gewässerkundlichen Gegebenheiten und Veränderungen im Wesertal zwischen denZuflüssenEmmerundExter,zwischenHamelnundRinteln,zitiert underläutert.

Im zweiten Teil wird über die bisherigen Untersuchungen der NABUzurBachökologieundüberRenaturierungenberichtet.SiestammenausdenJahren1987und1996.

Im dritten Teil folgt der Bericht über die eigenen Begehungen undUntersuchungenandengenanntenBächenimOktober2022(Hess. Oldendorf)bzw.Sommer2023.

InsgesamtwaresdasZiel,GewässerkundeundÖkologiemitGeschichte undKulturim Naturpark Weserbergland zwischenHameln-Hess.Oldendorf-Hameln in detaillierten Darstellungen zu verbinden, wobei auch diepersönlichenErfahrungenundKenntnissedesAutorsmiteinfließen sollten.

HessischOldendorf/Bonn

Prof.GeorgSchwedt ImSommer2023

Einleitung und Einführung

Aus meiner Grundschulzeit in der damaligen Volksschule HessischOldendorf/WeserbesitzeichnochdasSchulbuchimFach Heimatkunde –mitdemTitel:

Grafschaft Schaumburg. Mein Heimatland. Ein Heimatbuch für Schule und Haus.

Bearbeitet im Auftrage des Kreislehrervereins Grafschaft Schaumburg von Heinrich Borcherding, Friedrich Kölling, Heinrich Langhorst, Walter Maack, Dr. Hahnfrit Putzer, Karl Vogt

Herausgeber: Verlag C. Bösendahl, Druckerei- und Verlags-Gesellschaft mbH, Rinteln/Weser.

DiesesSchulbuchwurdewenigeJahrenachdemZweitenWeltkriegam 15. Februar 1951 durch das Niedersächsische Kultusministerium für denSchulgebrauchgenehmigt.

In dieser Heimatkunde – entstanden vor über 70 Jahren – sind noch heutelesenswerteTexteüberdie Bäche in der Region Hessisch Oldendorf enthalten,diehieralsEinführungzitiertwerdensollen.ZweiderAutoren,denLehrerundHeimatforscher Friedrich Kölling (1899-1980)und denRedakteur(Schriftleiter)der Schaumburger Zeitung undHeimatforscher Walter Maack (1907-1971)habeichalsSchülernochkennengelernt.

Aus der Heimatkunde

ImKapitel Das Wesertal istu.a.imAbschnitt Die Geländestufe überdie Bächezulesen:

Am nördlichen und südlichen Rande der Weserniederung hebt sich das Gelände, bald in steilem Anstieg, bald mit sanftem Schwung, zu der welligen, von vielen kleinen Bächen durchzogenen Ebene, die den oberen Talboden bildet und allmählich hinanführt zu den Bergen, die das Tal

begrenzen. Das ist die Geländestufe, die sogenannte „untere Weser-Terrasse “. Sie ist der Uferrand der ältesten, sehr breiten, ursprünglich die ganze Niederung ausfüllenden Weser.

(…)

Im östlichen Talabschnitt schneiden die vom Süntel herabkommenden Bäche das Vorgelände der Berge in durchweg südwestlicher Richtung. Der bedeutendste unter ihnen ist der am Hohen Nacken entspringende Nährenbach, der die Mulde von Haddessen über Höfingen bis Fischbeck geschaffen hat. Er führt bei der Schneeschmelze und bei starken Gewittern erhebliche Wassermengen zu Tal. Am Nachmittag des 9. Juli 1926 ging über dem Ostsüntel ein schwerer Wolkenbruch nieder, der den tiefer gelegenen Teil von Haddessen unter Wasser setzte und in den betroffenen Häusern eine einen halben Meter starke Schlammschicht zurückließ. Zum Schutze gegen solche plötzlichen Wassereinbrüche legte Fischbeck oberhalb des Dorfes im Jahre 1906 eine Stauanlage an. Die Wasserkraft des Baches wird durch fünf Wassermühlen in Höfingen und Fischbeck ausgenutzt.

Auch der Alberbach bei Krückeberg, der Blutbach bei Zersen, die Bäche von Barksen und Segelhorst und der Rohdener Bach haben Mulden in die Ebene eingeschnitten und sie zu einer welligen Landschaft umgestaltet. Die Wässer des Hohenstein-Gebietes vereinigen sich bei der Pappmühle oberhalb Zersen. Beim Dorfe haben sie einen ähnlichen steilen Uferrand geschaffen wie die alte Weser bei Krückeberg. Auch der Blutbach trieb früher fünf Mühlen, darunter die Pappmühle und die Bannsieksmühle, die abseits und landschaftlich schön liegen.

Der Rohdener Bach entspringt in Langenfeld, stürzt bei der Langenfelder Mühle eine zwanzig Meter hohe Felswand hinunter, durchfließt das Höllental und den schönen Schneegrund und vereinigt sich oberhalb der Rohdener Pappmühle mit dem Abflusse des Iborns. Diese mächtige, in jeder Sekunde zwanzig Liter Wasser spendende Quelle, die früher wie ein Märchenbrunnen unter einer starken Buche aus dem Felsen hervorquoll, ist 1926 abgefangen worden und speist seitdem die gemeinsame Wasserleitung von Segelhorst, Rohden und Hess. Oldendorf. Der einst starke

Bachlauf hat das Tal von Rohden ausgespült. Ein Teil des Wassers wird östlich von Welsede unter dem Schieferberg entlang geleitet und versorgt mit dem von Segelhorst kommenden Böhmbach den Westgraben der alten Umwallung von Hess. Oldendorf. Der Rohdener Bach lieferte früher sechs Mühlen die Wasserkraft.

DerLangenfelderWasserfallum1801 (LudwigPhilippStrack(1761-1836),LithographundKupferstecher)

Alle diese Bäche, bis auf den Nährenbach und den westlichen Arm des Rohdener Baches, sammeln sich bei Hess. Oldendorf und münden hier als Weserangerbach in die Weser.

Am linken Weserufer geht die Stromniederung unmerklich in die Geländestufe über. Bis Hemeringen und Heßlingen breitet sich eine fruchtbare Ebene aus; erst bei diesen Orten steigt das Gelände allmählich an. Die drei von Friedrichsburg, Friedrichshagen und vom Hemeringer Berg kommenden Bäche vereinigen sich in Fuhlen und münden bei der alten Münchhausen-Mühle in die Weser. Der Heßlinger Bach trieb früher fünf Mühlen.

DieserverständlicheundanschaulicheText,derunsjedochheutevom Niveau doch relativ hoch für die Verwendung in der Grundschule erscheinenmag,lädtunsauchein,denBeschreibungensiebenJahrzehnte späterzufolgen.ZweiBachnamensindheutenichtmehrgebräuchlich: Böhmbach und Weserangerbach (s.unterHollenbach).

GEWÄSSERKUNDE

Im Folgenden wird der heute wenig verwendete Begriff GEWÄSSERKUNDE gebraucht, der hier deshalb näher definiert werden soll. Ein LehrbuchmitdiesemTitel,alsStandardwerkinseinerZeitbezeichnet, stammtvondemGeographen,HydrologenundLehrerWalterWUNDT (1883-1967), Honorarprofessor an der Universität Freiburg, welches 1953imSpringer-Verlag(Berlin,Göttingen,Heidelberg)erschien.

WundtdefiniertedieGewässerkundewiefolgt:

„Die Gewässerkunde bildeteinenTeilderGeophysikundbeschäftigesich mit der Beschreibung der Gewässer des Festlandes, wobei sie aus als (kontinentale)‚Hydrographie‘bezeichnetwird.DarüberhinausbeschäftigtsiesichimSinnevon‚Hydrologie‘mitdenErscheinungendesWassers über und unter der Erdoberfläche und ihren natürlichen Zusammenhängen.(…)DieGewässerkundedesFestlandeskannin Limnologie (limne griech. = See) und Grundwasserkunde aufgeteilt werden, zu denendie Potamologie (potamosgriech.=Fluß)alsdritteErscheinungder kontinentalenHydrographiehinzutritt.(…)“

Heuteistfür Gewässerkunde allgemeinderBegriff Hydrologie gebräuchlich. Die HYDROLOGIE umfasstals Lehre alle Erscheinungsformendes Wassers(Gewässer–stehendundfließend)aufundunterderErdoberfläche und ist wieder in Einzeldisziplinen wie Binnengewässerkunde (Limnologie)undGrundwasserkunde(Hydrogeologie)unterteilt.Auch die Hydrochemie wird als ein Teilgebiet der Hydrologie verstanden.

SpeziellbezeichnetmanmitGewässerkundenureinenTeilderHydrologie,dervorallemden Wasserkreislauf beinhaltet.

Die Hydrologie befasstsichinsgesamtmitdemWasserinderBiosphäre, d.h.mitallenseinenErscheinungsformen,ZirkulationenundVerteilungen in Raum und Zeit, berücksichtigt die physikalischen, chemischen undbiologischenEigenschaftenundWechselwirkungenmitderUmwelt einschließlichderBeziehungzuLebewesen.

InderSystematikder Gewässertypen werden Binnengewässer in Fließgewässer und Still(Stand)gewässer unterteilt. Wir werden im ZusammenhangmitdenBächenimWesertalfolgendeArtenvonBinnengewässernantreffen:

AlsnatürlicheFließgewässerspielenoftschon Rinnsale (kleiner als1mbreit)undvorallem Bäche (1bis3mbreit)diewichtigsteRolle. KünstlicheFließgewässertretenals Kanäle auf.NatürlicheStillgewässer (manchmal auch als Standgewässer bezeichnet) sind Tümpel (periodischaustrocknend), Weiher (kleineSeen)und Seen.KünstlicheStillgewässersind Teiche.BächenkönnennachHerkunftundEigenartinWaldbäche,WiesenbächeundWildbächeunterteiltwerden. Wildbäche sind Gebirgsbäche,dienachdemForstgesetz(§99Abs.1)wiefolgtbeschriebenwerden:

„EinWildbachimSinnediesesBundesgesetzesisteindauerndoderzeitweisefließendesGewässer,dasdurchrascheintretendeundnurkurze Zeit dauernde Anschwellungen Feststoffe aus seinem Einzugsgebiet oder aus seinem Bachbett in gefahrdrohendem Ausmaße entnimmt, diesemitsichführtundinnerhalboderaußerhalbseinesBettesablagert undeinemanderenGewässerzuführt.“

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz definiert bzw. beschreibt speziell auch die Bezeichnung Qualitative Gewässerkunde, die fürdieBächeallgemein,vorallemfürderenReinheitbzw.Belastungvon Interesseist:

„Industrialisierung, intensive Landnutzung und wachsender Konsum habenzueinemstarkenEintragwasserunlöslicher,schwerbelastbarer

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