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1-16_Radolfshausen Kopie

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.de abrufbar.

Bildnachweis:

H.-H. Steinmann (Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, Karten bzw. Kartenentwürfe auf S. 8, 14 und 150), Kunstsammlung der Georg-August Universität Göttingen (Landschaftsbild S. 107, Foto: Katharina Anna Haase), Sammlung Brotmuseum Ebergötzen (Merianstich S. 54).

Auszüge aus den Geodaten des Landesamtes für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (Historische Karten, Kapitelillustrationen). Quelle: GeoBasis-DE/LGLN: Kurhannoversche Landesaufnahme des 18. Jahrhunderts. https://www.lgln.niedersachsen.de/ startseite/geodaten_karten/historische_karten/kurhannoversche_ landesaufnahme/kurhannoversche-landesaufnahme-des-18-jahrhunderts-141208.html. Bereitstellung März 2024. Titelbild: Durchziehende Schaf- und Ziegenherde am Weidenberg. Vorsatz: Historischer Wohnturm der Burg Radolfshausen. Buchrückseite: Lindenallee und Mauer im Morgenlicht.

ISBN 978-3-95954-195-4

Alle Rechte vorbehalten.

Verlag Jörg Mitzkat Holzminden, 2026 www.mitzkat.de

Radolfshausen

Ein verschwundenes Dorf und seine (Kultur-) Landschaft

Herausgegeben vom Europäischen Brotmuseum Ebergötzen

Verlag Jörg Mitzkat

Gebautes und Gepflanztes

Di e Amtsgebäude

Repräsentatives, Remisen und Ruinen Der Wohnturm

Stehen Burgen nicht eigentlich auf Bergen?

Nicht immer ein Vorbild an Nachhaltigkeit

Park

Einheimische und Zugezogene unter den Gehölzen Der Garten

Ort der Sehnsucht, Ort des Grauens

Bewahren und Bewegen

Oder was noch davon übrig ist

Energie

Wind und Wasser – uralte regenerative Ressourcen Das Brot

Warum braucht man dafür ein Museum?

Was können wir aus der Vergangenheit lernen?

Vorwort

Warum sollte man sich mit Geschichte beschäftigen? Es gibt wirklich genug aktuelle Probleme. Langweilig und wenig spannend ist es außerdem. Gegen diese ersten Impulse über ein „Geschichtsbuch“ ist gar nicht leicht etwas einzuwenden. Geschichtsschreibung hat sich oft als zusammenhanglose, mit irgendwelchen Jahreszahlen versehene Fakten in den Köpfen festgesetzt. Und das stimmt sogar vielfach. Wer kennt nicht die endlosen Aufzählungen von Königen und ihren Regierungszeiten oder Landkarten mit bunten Ländermustern, die in Geschichtsbüchern und Chroniken ausgebreitet werden. Ob ein Ereignis etwas mit dem 30jährigen Krieg oder einem längst vergessenen Herzog von Grubenhagen zu tun hat, scheint eine verworrene, geheimnisvolle, aber irgendwie unnütze Angelegenheit zu sein.

Klar, es gibt wichtigeres als sich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Dabei kann aus der Geschichte wirklich etwas mitgenommen werden. Vieles, was heute passiert, hat einen Ursprung in der Vergangenheit. Manches, was uns beschäftigt, war auf eine bemerkenswerte Weise auch schon in früheren Zeiten ein Thema. Die Landschaft, die uns so vertraut und selbstverständlich vorkommt, ist in historischen Zeiten von Naturgewalten, aber auch von den Menschen geformt und beeinflusst worden. Es kann interessant und sogar nützlich sein, davon zu wissen.

Geschichte wiederholt sich nicht – jedenfalls nicht 1:1. Aber wir heutigen Menschen können Fragen an die Geschichte stellen, um etwas über uns zu erfahren und darüber, wie wir mit der Welt umgehen. Irgendwann werden wir selber Geschichte sein; schließlich sind wir ja nicht allein auf der Welt. Später wird das, was wir heute tun und lassen, Auswirkungen auf andere haben.

Nach gut 30 Jahren als Einwohner in der hiesigen Gegend zwischen Göttingen und Duderstadt, habe ich zusammengetragen und aufgeschrieben, was ich als Zugezogener selber gerne über meine neue Heimat erfahren hätte. Ein heute verschwundenes Dorf mit dem Namen Radolfshausen bildet den Dreh- und Angelpunkt dieser Geschichte. Der Name des verschwundenen Dorfes ging später auf einen fürstlichen Verwaltungsbezirk, das Forstamt Radolfshausen und noch später auf eine moderne Samtgemeinde über.

Ein historischer Garten- und Gebäudekomplex in der Gemeinde Ebergötzen zeugt noch heute von Resten dieser Geschichte. Menschen, ihre Siedlungstätigkeiten und ihre politischen Ordnungen sowie Land- und Forstwirtschaft haben Spuren hinterlassen, die bis heute um die vermutliche Dorfstelle herum und in der umliegenden Natur und Landschaft nachwirken. Bei näherem Hinsehen entpuppen sich auch Klima, Energie und Biologische Vielfalt als Themen, die nicht nur historisch mit dieser Region verwoben, sondern sogar hoch aktuell sind. Nicht zuletzt ergänzt das Europäische Brotmuseum Ebergötzen, das heute seinen Sitz in dem historischen Anwesen hat, einen weiteren Aspekt: Brot und Ernährung. Eine ideale Kulturlandschaft!

Ich habe versucht, alle diese Themen nach bestem Wissen zu recherchieren und sie in einen gemeinsamen Rahmen zu stellen, sie einzuordnen und in der Geschichte nach Verbindungen zwischen den vergangenen Epochen und unserer Zeit zu suchen. Der Anspruch war, einen verständlichen Text zu schaffen, der dennoch den komplexen Zusammenhängen gerecht wird. Das ging am Ende sogar ohne zu viele verwirrende Details aus dem 30jährigen Krieg und weitestgehend ohne die Namen von Herrschenden und ihre Regierungszeiten aufzulisten. Das hoffe ich jedenfalls.

Ein herzlicher Dank gilt allen, die zum Entstehen dieses Buches beigetragen haben. Eine ausführliche Würdigung findet sich am Ende des Textes.

Horst-Henning Steinmann Ebergötzen, im Frühjahr 2026

Raumbezug dieses Buches. Die Gesamtansicht ist in etwa deckungsgleich mit der historischen Karte des Alten Amtes Radolfshausen. Der Kreis markiert die Lage des Ortes Radolfshausen und des historischen Amtsgeländes.

Das Amt Radolfshausen in der Darstellung der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1785. Hauchzart sind in Rot die Grenzen zu erkennen. Im Norden sind sie durch den Kartenzuschnitt nicht vollständig im Bild. Hier verlief die Grenzziehung unterhalb der Ziegelei Hölle, über den Klappenhau und den Lauseberg (letzteres sind Waldareale). Die südliche Ausdehnung erstreckte sich bis Potzwenden und Falkenhagen. Waake und Bösinghausen gehörten zum „Adeligen Gericht Waake“ und damit in dieser Zeit nicht zum Amt. Im Osten ist die Grenze zum Eichsfeld sichtbar. Die weißen Stellen wurden nicht kartiert. Sie befanden sich nach damaliger Sicht im Ausland und die Arbeit von kartierenden hannoverschen Offizieren hätte sicher zu zwischenstaatlichen Irritationen geführt. Die Karte gilt aufgrund ihrer kunstvollen Ausführung und Lagegenauigkeit für ihre Zeit als herausragend. Noch heute können die Informationen mit aktuellen Karten verschnitten werden, um beispielsweise die Lage von Gewässern oder Feuchtbiotopen zu rekonstruieren. Einige Landschaftselemente wurden aber seinerzeit, aus welchen Gründen auch immer, bei der Kartierung übersehen oder nicht berücksichtigt.

„Letzten

Donnerstag fuhr ich daselbst wieder ab, im offenen Wagen, durch mein altes enges Hacketal. Rechts der Weg, links der Schlängelbach, beiderseits dicht heran bewaldete Hügel; rote Felsbrocken daraus hervordrängend. Vorn hinaus das Dörflein Waake.“

Wilhelm Busch (Januar 1887): Brief, zitiert nach W. Schubert (1977)

Kein Buch über diese Region ohne ein Zitat von Wilhelm Busch! In diesem Briefausschnitt beschreibt er mit dem altertümlichen Wort „daselbst“ die Abfahrt von einem seiner Besuchsaufenthalte in der Bachmann‘schen Mühle in Ebergötzen (der heutigen Wilhelm-Busch-Mühle). Die Fahrt ging in Richtung Göttingen zum dortigen Bahnhof. Der Schlängelbach im engen Tal ist die Aue. Der Wald und die Felsen sind noch heute allgegenwärtig. Mit ein paar Worten hat Busch die ganze Szenerie umrissen, die im Folgenden genauer betrachtet wird.

Raum und Zeit

Der Fokus Worum geht es hier?

Einen konkreten Ort oder ein Dorf mit dem Namen Radolfshausen gibt es heute nicht mehr. Aber auf der halben Strecke zwischen Göttingen und Duderstadt, im südniedersächsischen Hügelland gelegen, befand sich ein Dorf, dessen Existenz urkundlich belegt ist, dessen Überreste aber nicht mehr auffindbar sind. Seine Spuren haben sich im Laufe der Zeit verloren. Gemessen an den wenigen Zeugnissen dieses Dorfes ist der Name aber durch die Jahrhunderte erstaunlich sichtbar geblieben – und ist es noch heute. An der Göttinger Straße 7 in Ebergötzen befindet sich ein historischer Gebäude- und Parkkomplex, der zwischen 1590 und 1850 Sitz des hannoverschen Amtes Radolfshausen war (näheres ab Seite 56). Der Name prägte anschließend für gut ein Jahrhundert das Forstamt Radolfshausen der Niedersächsischen Landesforsten. Heutiger Träger des Namens ist die Samtgemeinde Radolfshausen, die in den 1970er Jahren aus einer niedersächsischen Verwaltungsreform hervorgegangen ist.

Mehrere Jahrhunderte lang waren die Menschen, die umliegenden Dörfer, Felder und Wälder dem Amt Radolfshausen – und damit den Herrschenden im „Staat Hannover“ – unterstellt. Zeitweilig war an dieser Stelle sogar von einer Burg die Rede. Es handelte sich also um das hiesige Verwaltungszentrum schlechthin. Heute wird das ehemalige Amtshaus vom Europäischen Brotmuseum Ebergötzen genutzt. Ein ehemaliges Wirtschaftsgebäude des Amtes ist heute Sitz der zum Forstamt Reinhausen gehörenden Revierförsterei Ebergötzen und untersteht damit den Niedersächsischen Landesforsten. Die übrigen Gebäude und Grundstücksflächen gehören der Gemeinde Ebergötzen, die das Eigentum zu Beginn der 2000er Jahre aus Landesbesitz übernommen hat. Der Weg zwischen der Göttinger Straße und dem Parkplatz im Süden ist als Spazierweg jederzeit geöffnet. Ein Teil des Außengeländes ist für Besucherinnen und Besucher des Brotmuseums zugänglich und kann abseits des Hauptweges während der Öffnungszeiten betreten werden. Gemeinsam mit der wenige 100 Meter östlich gelegenen Wilhelm-Busch-Mühle finden sich damit in Ebergötzen zwei herausragende historische Orte, die als Museen erlebbar sind. Von dem Areal des Amtes und der Burg Radolfshausen ging aufgrund der von dort ausgeführten Verwaltungsfunktionen über viele Jahrhunderte ein

Radolfshausen: Blick über die Dächer des ehemaligen Amtssitzes. Rechts/Mitte: Das Amtshaus. Links: Das ehemalige Wirtschaftsgebäude des Amtes.

erheblicher Einfluss auf die hier lebenden Menschen und die nähere Umwelt aus. Andersherum prägte die Umwelt die Landschaft und die Landnutzung. Bei näherem Hinsehen stand damit vieles in Wechselwirkung zueinander. Das Buch soll zeigen, dass diese gegenseitige Beeinflussung von Mensch und Landschaft in diesem Gebiet schon lange vorher bestand und mit dem Untergang des Alten Amtes nicht aufgehört hat, sondern nach wie vor andauert. Der Zeitrahmen spannt sich deshalb über die engere Existenzzeit des Amtes hinaus von der Frühzeit bis heute (siehe Zeitstrahl auf Seite 15).

Die seit 1973 bestehende Samtgemeinde Radolfshausen ist hingegen nicht mehr Gegenstand dieses Buches. Der Gebietszuschnitt dieses „neuen Amtes“ ist seit der Gemeindereform der 1970er Jahre erweitert worden, was an dieser Stelle den inhaltlichen Rahmen sprengen würde. Die Erzählstruktur des Buches ist nicht linear von früher bis heute aufgebaut. Die Reise durch die Zeit erfolgt innerhalb der Kapitel und bei Bedarf über die Kapitel hinweg. Es ist ausdrückliche Absicht, jeweils mit einem aktuellen Aspekt unserer heutigen Lebenswirklichkeit zu enden.

Die Karte auf Seite 8 zeigt die Lage des Alten Amtes Radolfshausen in der Bildmitte. Im weiteren Text wird in diesen Bereich hineingeblickt. Einige Kapitel befassen sich mit Themen, die in diesem zentralen Bereich aufzufinden sind. Bei einem kleinen überschaubaren Rundgang können

diese Stellen bzw. Objekte angeschaut werden. Umliegende Landschaften, die umgebende Natur oder naheliegende Plätze, die bemerkenswerte menschliche Spuren aufweisen, sind in dieses Buch mit einbezogen. Sie können bei Spaziergängen erwandert werden.

Das Buch befasst sich mit der nördlichen Hälfte des alten Gebietes und reicht dabei etwas über die historischen Amtsgrenzen hinaus. Die kartographischen Übersichten am Ende des Buches geben eine Zusammenfassung einiger der behandelten Themen mit ihrem Raumbezug wieder. Die Standorte der landschaftlichen Bildmotive sind ebenfalls aufgeführt und damit bei Wanderungen auffindbar (siehe auch die Karte auf Seite 150 am Ende des Buches).

Das Gelände des historischen Amtes Radolfshausen im heutigen Gebäudebestand. Über die Lage des untergegangenen Ortes Radolfshausen gibt es keine genaue Kenntnis. Vermutlich lag der Ort aber innerhalb des Kartenausschnittes in der Nähe der Burganlage. Mehr Informationen dazu und zu den Gebäuden finden sich ab Seite 75.

Zeitstrahl zur Einordnung der im Buch behandelten Themen, die sich – abgesehen von den geologischen und frühgeschichtlichen Ereignissen – in diesem Zeitfenster abgespielt haben.

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