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anp 02|2017 Liebe sich wer kann?

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Liebe sich wer kann? … und was die Bibel dazu sagt von Oliver Mahn

„Gott ist Liebe“ so steht es im 1. Johannesbrief (4,16) und ­gerne wird mit diesem Satz die ganze Botschaft der Bibel zusammengefasst. Nächstenliebe, Feindesliebe, Bruderliebe, Gottesliebe, Liebesgebot, … In der Bibel ist sehr oft die Rede von „Liebe“. Über 200 Mal taucht allein das Wort „Liebe“ auf. Wenn man nach allen Formen des Wortes „lieben“ sucht, findet man sogar über 700 Stellen. Liebe scheint das große Thema der Bibel und des christlichen Glaubens zu sein.

Liebe ist doch auch etwas so Schönes. Sie begegnet uns ­überall in unserem Leben. Männer lieben Frauen und Frauen lieben Männer. Es könnte so einfach sein. Aber Liebe ist nun mal nicht einfach! Frauen lieben Frauen und Män-

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ner ­lieben Männer, es gibt Bisexuelle, Transgender und viele andere Lebensund Liebesformen. Sie alle sind genauso gelebter Teil unserer Gesellschaft. Aber für viele Menschen scheint Liebe nicht gleich Liebe zu sein. Ehe: Das Bündnis der Liebe?

Wenn zwei Menschen sich lieben, können sie heiraten. Das gilt allerdings in den meisten Ländern unserer Erde nur für Mann und Frau. Nur in 22 Ländern können auch zwei Männer oder zwei Frauen heiraten. Nach der Entscheidung des Bundestages vom 30. Juni wird Deutschland das 23. Land. In ein paar weiteren Ländern, gibt es mit der „eingetragenen Lebenspartnerschaft“ eine abgestufte Form. Aber warum eigentlich? Ist die Liebe zwischen zwei Frauen oder zwei Männern weniger wert als zwischen Mann und Frau? 2013 hat auch das Parlament in Frankreich dafür gestimmt, dass nun auch

gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen. Minutenlang ­applaudierten die Abgeordneten und stimmten S­ prechchöre an: „Gleichheit – Gleichheit – Gleichheit“. In den Tagen vor und nach der Abstimmung waren hunderte Menschen auf die Straße gegangen und hatten gegen die Öffnung der Ehe demonstriert. Viele der Menschen beriefen sich auf ihren christlichen Glauben. Im selben Jahr sagte Kanzlerin ­Angela Merkel noch in einem Fernsehinterview, dass sie sich mit der Gleichstellung homosexueller Menschen schwertue. Die Kanzlerin vertritt dabei eine Partei, die das Christentum sogar im Namen trägt. Aber was sagt eigentlich die Bibel zum Thema Homosexualität?

Als erstes fällt dabei auf, dass im Gegensatz zur Liebe, Homosexualität ein klares Randthema in der Bibel ist. Jesus hat sich nie zu dem Thema geäußert und auch nicht die Propheten im Alten


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Foto: © Halfpoint / Fotolia, Illustration (Aufnäher): © lubashka  /   Fotolia (bearbeitet von elfgenpick), Regenbogen: elfgenpick

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Testament. Gerade einmal sechs Stellen lassen sich in der ganzen Bibel zu dem Thema finden. Eindeutig ist aber auch, dass an diesen wenigen Stellen Homosexualität scharf verurteilt wird und sogar mit dem Tod bestraft werden soll. Ist nun damit alles klar? Haben die Demonstranten in Frankreich und die sich schwertuende Kanzlerin also doch Recht und können sich auf die Bibel stützen? Nein, ganz so einfach ist es nicht! Es gibt über die Interpretation der Bibel keine einheitliche Meinung. Die Bibel erzählt uns von Menschen, die Erfahrungen mit Gott gemacht und diese aufgeschrieben haben. Es sind Geschichten von ganz bestimmten Menschen, die zu ganz bestimmten Zeiten gelebt haben. Wenn ein Text in der Bibel nun Homosexualität ablehnt, müssen wir erst einmal schauen, was damals überhaupt Homosexualität war. Die meisten Texte der Bibel sind

zur Zeit der Griechen und Römer entstanden. Zu dieser Zeit hatte Sexualität (homo und hetero) immer mit Macht und Herrschaft zu tun. Es gab immer einen, der Macht über den anderen hatte. So hatte zum Beispiel der Mann die Macht über die Frau. Gleichgeschlechtliches Verhalten war entweder der Sex eines älteren Mannes mit einem Jungen von 12 bis 18 Jahren oder mit einem Sklaven. Wenn die Bibel Homosexualität verurteilt, hat sie sie in Form von Pädophilie oder sexueller Nötigung vor Augen. Zweifellos ist eine Verurteilung hier mehr als angemessen. Homosexualität heute

Aber das ist nicht mehr das Bild, das wir von homosexuellen Beziehungen heute haben. Heutige Partnerschaften sind Beziehungen zwischen zwei Menschen, die sich lieben und die Verantwortung füreinander und gegebenenfalls auch für eine Familie übernehmen wollen. Solche Partnerschaften mit Hilfe der Bibel

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und des christlichen Glaubens abzuwerten ist verantwortungslos und falsch. Homosexualität in der ­evangelischen Kirche

Die evangelischen Kirchen in Deutschland haben begonnen, das zu erkennen. Sie haben erkannt, dass es in Partnerschaften um Liebe geht und dass daher nicht die sechs Bibelstellen zur Homosexualität maßgeblich sind, sondern die über 700 Stellen über die Liebe. In 16 von 20 evangelischen Landeskirchen in Deutschland können sich gleichgeschlechtliche Paare im Gottesdienst segnen lassen oder getraut werden. Es ist wunderbar, dass auch unser Land, das sich ja gerne für viel moderner als die „angestaubte“ Kirche hält, im Jahr 2017 erkannt hat, dass es um Liebe und Verantwortung füreinander geht. Eine lange überfällige Einsicht! Denn Liebe ist Liebe!

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