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USZinside – Ausgabe 3/21

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Nr. 3 — 2021

Dossier: Darm 16

«Darmkrebs behandeln wir im Team.» Ralph Fritsch, Oberarzt meV Onkologie

Neubauten für das USZ 13

Wenn das Herz stolpert 32


Inhalt 16

Der Darm Er nimmt den grössten Teil unseres Bauchraums in Beschlag, verdaut unsere Nahrung und spielt eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern.

5 Nasenneben­höhlen­entzündung

18 Krank oder gesund? Wann ist eine Vor­sorgeunter‑ suchung des Darms nötig?

Für viele ein jährlich wiederkehrendes Leid

29 20 Minuten für einen Blinddarm Welche Darmerkrankungen sind Notfälle?

20 Gute Chancen zur Heilung 6 Neuer Spitalratspräsident

Darmkrebs kann in vielen Fällen gut behandelt werden

André Zemp im Interview

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Tetris 2.0 Komplexes Betten‑ management

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22 «Mit meiner Vorgeschichte macht man sich nichts vor» Sandra Fiedler hat Darmkrebs

#facesofusz Giuseppa Sorrentino ist Sonographeurin

8 Mit Robotertechnik in die Zukunft

24 Nervenzellen im Darm Darm, Gehirn und Psyche hängen zusammen

Daniel Eberli leitet die Klinik für Urologie seit August 2021

10 Qualität messen

32 Wenn das Herz stolpert Wann sind Herzrhythmus‑ störungen gefährlich?

25 Chronisch entzündliche Darmerkankungen

So verbessert das USZ die Versorgung

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

34 Darmbakterien gegen Krebs Barbara Szcerba führt eine Studie dazu durch

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35 Gastbeitrag Atemluftsensoren für Adipositas-Patienten

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Neubauten USZ

«Habe mich neu organisiert»

Anfang Oktober hat das USZ die Baueingabe eingereicht

Colitis ulcerosa begleitet Bruno Giardina seit einigen Jahren

36 Unterwegs im Labyrinth Ein Einblick in die Unter‑ welt des USZ


Liebe Leserin, lieber Leser

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or wenigen Wochen haben wir die Baueingabe für unsere Neubauten Campus MITTE1 und MITTE2 eingereicht. Die Bauprofile stehen, die Unterlagen liegen nun während 30 Tagen öffentlich auf. Wenn alles nach Plan läuft, sollten wir die Baubewilligung im Frühjahr erhalten. 2028 möchten wir den Neubau beziehen können. Welche Nutzungen darin Platz finden, sehen Sie in einer Übersicht in diesem Magazin. Für das USZ sind die Neubauten von zentraler Bedeutung, machen uns doch die alten Gebäude je länger, je mehr zu schaffen.

Gregor Zünd Prof. Dr. med., CEO

Der Baueingabe ist ein sehr langer Prozess vorausgegangen. Wir haben uns intensiv mit den diversen Interessengruppen in unserem Quartier ausei­nandergesetzt. Viele Einwände und Anliegen konnten wir berücksichtigen und hoffen nun, dass wir mit den vorliegenden Plänen auf Akzeptanz oder gar positives Echo stossen. Ich selbst bin überzeugt, dass die neuen Gebäude auch für das Quartier einen Mehrwert bieten und sich sehr gut einpassen werden. Ebenfalls vor Kurzem haben wir den Qualitätsbericht 2020 publiziert. Jedes Jahr erheben wir eine Vielzahl an Parametern, um die Qualität unserer Leistung zu messen. Nur so können wir feststellen, ob wir uns weiter verbessern und gesteckte Ziele erreichen. Dabei ist es wichtig, dass wir an verschiedenen Stellen und unter unterschiedlichen Gesichtspunkten messen: Medizinische Aspekte wie die Infektionsrate gehören ebenso dazu wie Prozessmessgrössen und die Einschätzung sowohl von Zuweisenden als auch von Patien­tinnen und Patienten. Qualität ist deshalb das Resultat eines gemeinsamen Engagements über die gesamte Wegstrecke, vom Aufgebot bis zur Nachsorge. Auf den Seiten 10 – 11 finden Sie eine Grafik, die genau dies veranschaulicht. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und bedanke mich bei allen unseren Mitarbeitenden herzlich für ihr tägliches Engagement zugunsten unserer Patientinnen und Patienten.

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Viaggio tourt durchs USZ Das Bistro NORD wurde während eines halben Jahres umgebaut – es wurde vergrössert und bietet unseren Patient*innen und Mitarbeitenden ab Ende November eine angenehme Atmosphäre. Während des Umbaus konnten sich die Menschen in verschiedenen Zelten und am USZ-Viaggio verpflegen. Sobald der Umbau abgeschlossen ist, wird das Viaggio seinen eigentlichen Zweck erfüllen: mög-

lichst nahe bei den Mitarbeitenden zu sein. Es ist geplant, dass das Viaggio verschiedene Standorte zu verschiedenen Zeiten anfährt, damit alle Mitarbeitenden das Angebot nutzen können. Auch sollen gezielt Baustellen und andere für Verpflegungsangebote schwer erreichbare Orte mit dem neuen Viaggio bedient werden. Lassen Sie sich überraschen: Auch das Angebot soll erweitert werden!

V E R A N S T A LT U N G E N

Was am USZ läuft, erfahren Sie unter www.usz.ch/veranstaltungen Öffentliche Vorträge Forum Die Veranstaltungen werden jeweils live auf dem Facebookund dem YouTube-Kanal des USZ übertragen. Dort können sie auch später nach­­geschaut werden. Infos zu den öffentlichen Vorträgen unter www.usz.ch/forum

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23’754 Kugeln selber produzierte Glacé wurden am USZ zwischen 5. April und 1. Oktober 2021 verkauft. Trotz verregnetem Sommer erfreute sich die hausgemachte Glacé also grosser Beliebtheit. Am meisten verkauft wurden die Sorten Vanille (4032 Kugeln) und Joghurt (3904 Kugeln). 147’458 Stück hausgemachte Produkte produzierte die Hotellerie am USZ vom 1. Januar bis 13. Oktober 2021 selber: zum Beispiel Konfi­türe, Zopf, Eistee, Desserts und vieles mehr.


Höhlenschmerzen Verstopfte Nase, Druckgefühl im Kopf, Fieber und Berührungsschmerzen im Gesicht: Viele Erwachsene erleiden mindestens einmal pro Jahr eine akute Nasennebenhöhlenentzündung. Text: Martina Pletscher Bild: iStock

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ie Nasennebenhöhlen sind luftgefüllte Hohlräume im Schädel. Zu ihnen gehören Stirnhöhlen, Kieferhöhlen und Keil­ beinhöhlen sowie die Siebbeinzellen zwischen den Augenhöhlen. Durch enge Öffnungen sind die Nasenneben­ höhlen mit der Nasenhöhle verbun­ den. «Bei einer akuten Rhinosinusitis, wie die Krankheit medizinisch heisst, ist die Schleimhaut in einer oder meh­ reren Nasennebenhöhlen entzündet. Sind die Schleimhäute angeschwollen oder geschädigt, kann das schleimige Sekret, das die Nase normalerweise zur Selbstreinigung produziert, nicht mehr abfliessen», erklärt Michael Soyka, Leitender Arzt in der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichts­ chirurgie. Der Schleim sammelt sich in den Nebenhöhlen an, wo sich die Erreger im feuchtwarmen Klima schnell ausbreiten und zur Ent­ zündung führen.

oder sind sie mit Fieber über 38 °C ver­ bunden, sollte man den Arzt aufsuchen. «Die akute Rhinosinusitis beginnt im­ mer mit einem viralen Infekt», erklärt Michael Soyka. «Antibiotika sind des­ halb erst einmal nicht nötig. Wirkt die Behandlung jedoch über längere Zeit nicht, hat sich möglicherweise eine bakterielle Entzündung entwi­ ckelt, gegen die dann Antibiotika zum Einsatz kommen können.» Was kann man vorbeugend gegen die unangenehme Entzündung tun? «Zur Vorbeugung trägt alles bei, was die Abwehrkräfte des Körpers stärkt», sagt Michael Soyka. «Also ein allge­ mein gesunder Lebensstil und eine gute Pflege der Schleimhaut, wenn es der Nase mal nicht gut geht.» Aller­ gikerinnen und Allergiker sollten ihre Allergien ernst nehmen und be­ handeln lassen, weil eine vorbeste­ hende Entzündung der Schleimhaut das Risiko für eine akute Entzün‑

KO M P L E X E FÄ L L E

Die ORL-Klinik am USZ ist auf komplexe Fälle spezialisiert und kann mit neuesten medikamentösen Therapien oder – bei einer chronischen Rhinosinusitis – einer Ope­‑ ra­tion für Linderung sorgen: www.usz.ch/orl

d­­ung erhöht. Und: Durch Tragen einer Maske schützt man andere Personen vor einer Erkältung – und damit vor einer vielleicht daraus entstehenden akuten Rhinosinusitis.

Erst abwarten und Tee trinken Typische Symptome sind eine ver­ stopfte Nase, ein schmerzendes Druck­ gefühl und Berührungsschmerzen im Gesicht. Behandeln kann man die akute Rhinosinusitis mit Schmerz­ mitteln, Nasenspülungen mit Salzpro­ dukten und Sprays oder Salben zur Pflege der Schleimhaut. Auch pflanzli­ che Mittel können helfen, viel trinken kann das Wohlbefinden verbessern und so etwas Linderung bringen. In der Regel heilt die Entzündung innerhalb weniger Tage ab. Halten die Besch­wer‑ den unverändert länger als drei Tage an, kehren sie immer wieder zurück

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«Wir müssen alle am gleichen Strick ziehen» Seit dem 1. August 2021 ist André Zemp neuer Präsident des Spitalrats. Ein Gespräch über erste Eindrücke, nächste Ziele und was die Mitarbeitenden erwarten dürfen. Text: Cindy Mäder Bild: Thomas Egli

namentlich die Zusammenarbeit mit der Universität, die wir auf neue Füsse stellen müssen, und die finanzielle Si­ tuation des USZ.

Die finanzielle Lage ist schwierig, die Pandemie macht es nicht einfacher: Was sagen Sie den Mitarbeitenden? Zuerst einmal möchte ich allen einen grossen Dank und grosse Anerken­ nung aussprechen für das, was sie je­ den Tag leisten. Und ich kann ihnen versichern, dass ich mich mit aller Kraft für sie und das USZ einsetzen werde. Die Herausforderungen sind aber tat­ sächlich sehr gross. Deshalb ist es wichtig, dass wir alle am gleichen Strick ziehen und, allen Schwierigkeiten im Alltag zum Trotz, unsere Ziele nicht aus den Augen verlieren.

Eines dieser Ziele ist die Arbeit an der Unternehmenskultur. Was ist Ihnen hierbei wichtig? Ich begrüsse es sehr, dass bereits ver­ schiedene Initiativen laufen, wie bei­ spielsweise die Entwicklung des Ver­ haltenskompasses. Darüber hinaus müssen wir sicherlich weitere Themen anpacken, um den Bedürfnissen der Mitarbeitenden noch besser Rechnung zu tragen, von den Arbeitsmodellen bis zur Führungskultur. Was wir aber alle bereits heute unmittelbar tun können: Wir können einander auf allen Stufen Wertschätzung entge­ genbringen. Und uns gegenseitig mit einem Lächeln begegnen.

André Zemp, Sie sind mitten in den Sommerferien gestartet. Haben Sie etwas vom Sommerloch gespürt? Ganz und gar nicht. Ich habe die Zeit intensiv genutzt, um Gespräche zu führen, sowohl innerhalb des USZ als auch mit Partnerinstitutionen wie der Universität Zürich, um mir rasch ein Bild zu machen.

Sie kannten das USZ bereits von aussen. Gab es Dinge, die Sie trotzdem überrascht haben? Was sich bestätigt hat: Am USZ gibt es sehr viele äusserst engagierte Mitar­ beitende. Überrascht war ich dagegen von der Infrastruktur, die ich ja nur

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punktuell kannte. Das ist für ein Spital eine echte Herausforderung! Nicht nur die vielen Gebäude und langen Wege, sondern auch der teilweise sehr schlechte Zustand. Die Gesamter­ neuerung ist dringend notwendig.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Themen, die Sie nun anpacken wollen? Ein wichtiger Punkt war für mich, zu­ erst einmal die Zusammenarbeit im Spitalrat selbst kritisch zu hinterfra­ gen. In einer Retraite haben wir uns neu organisiert mit dem Ziel, die an­ stehenden Probleme möglichst effizi­ ent angehen zu können. Dazu gehört

ZUR PERSON

André Zemp Der Betriebsökonom André Zemp ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern. Er hat ein Flair für denkmal­ geschützte Gebäude und vergorenen Traubensaft. In seiner Freizeit trifft man ihn oft in seinem eigenen kleinen Weinberg.


Tetris 2.0 Spätestens in der Coronapandemie wurde auch für die breite Bevölkerung klar: Spitalbetten sind nicht einfach Schlafplätze im Spital. Wie komplex das Bettenmanagement aber tatsächlich ist, wird erst auf den zweiten Blick klar. Text: Manuela Britschgi Bild: Partner & Partner

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ie individuelle Patientensituation steht für uns immer im Zentrum jeder Entscheidung», betont Christoph Krucker, Leiter des zentralen Bettenmanagements. Die elf Mitar­beitenden des zentralen Bettenmanagements platzieren rund um die Uhr und sieben Tage die Woche alle Not­ falleintritte, Intensivpatienten und Patientinnen auf den Intermediate-­ Care-Stationen im USZ. Es geht dabei darum, für jede Patientin und jeden Patienten den für sie optimalen Betreu­ ungsplatz im USZ zu finden.

Betten-Tetris Eine optimale Bettenauslastung liegt bei 80 bis 85 Prozent – nur so bleibt ausreichend Platz für die zahlreichen Notfallpatienten im USZ, die stationär aufgenommen werden müssen. Liegt die Belegung darüber, besteht die ­Gefahr, dass Notfallpatienten einem anderen Spital zugewiesen werden müssen. Das zentrale Bettenmanagement verwendet darum viel Energie darauf, dass solche extremen Engpässe gar nicht erst entstehen. Dazu muss man vorausschauen und Dinge planen, die kaum planbar sind. Denn nie‑ mand weiss mit Sicherheit, wie viele Notfälle in den nächsten Stunden im Spital eintreffen. «Es ist darum umso wichtiger, dass die Mitarbeitenden des zentralen Bettenmanagements kontinuierlich in engem Austausch mit den verschiedenen Fachbereichen sind: Wie viele Austritte sind für den nächsten Tag geplant? Welche und wie

viele Eintritte? Wie ist die aktuelle Personalsituation? Gibt es spezielle ­Patientensituationen, wie sterbende Patienten, bei denen das zweite Bett im Zimmer nicht genutzt werden kann?», erklärt Christoph Krucker. Kommunikation ist also zentral für die Planung, die das hochqualifizierte Fachpersonal des zentralen Bettenmanagements erstellt. Es gibt unzählige Faktoren, die beachtet werden müssen. «Ein Gesamtbild erhält man nur, wenn alle Beteiligten einbezogen werden», sagt Christoph Krucker dazu. «Es ist ein bisschen wie Tetris spielen. Es braucht viele Drehungen und Wendungen, damit jeder einzelne Stein passt.»

Blickrichtung: Zukunft Um die Bettenbelegung im USZ auch künftig gut gestalten zu können, wurde das Projekt «Zentrales Belegungsmanagement» gestartet. Zusätzlich begleitet das zentrale Bettenmanagement Projekte, die einen Einfluss auf die Bettenauslastung haben. «Der Fokus liegt für die Zukunft auf einer gleichmässigeren Verteilung der Bettenbelegung über die Woche», sagt Markus Altmann, Projektleiter und Stv. Leiter des zentralen Bettenmanagements. Hier setzt das Projektteam zukünftig zusammen mit den Kliniken bei den geplanten Eingriffen an. ­Zudem wird die Notfallkoordination optimiert. Ziel ist es, Belegungsspitzen zu vermeiden, um auch zukünftig jederzeit für alle Personen da zu sein, die eine stationäre Behandlung im USZ benötigen.

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Mit Robotertechnik in die Zukunft Die Klinik für Urologie operiert häufig roboterassistiert. Daniel Eberli prägte die Einführung der innovativen Operationstechnik am USZ mit und will als Klinikdirektor das robotische Know-how im Team laufend weiterentwickeln. Text: Jolanda van de Graaf Bilder: Nicolas Zonvi

Klinikdirektor Daniel Eberli operiert schon seit mehr als zehn Jahren roboterassistiert.

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iner riesigen Spinne gleich ­winden sich die vier Arme des Operationsroboters um Daniel Eberli. Aber nur für das Foto. Bei Eingriffen steht der Klinikdirektor am Bedienterminal und dirigiert die Roboterarme, an denen filigranes Feinwerkzeug steckt. «Wir operieren robo­ter­­­ assistiert punktgenauer, als meine Hand es je könnte.» Die Schere bei-

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spielsweise verfügt über Klingen, die nicht mal die Grösse des kleinsten Victorinox-Taschenmessers haben. Zehn Jahre Praxiserfahrung, 650 Eingriffe per Roboter und Zertifizie­ rungen für spezielle Robotikmethoden zeichnen den neuen Mann an der Spitze der Klinik für Urologie aus. Seine Begeisterung für roboter­ assistierte Operationstechnik kommt

nicht von ungefähr. «In der Urologie erkannten wir die Vorteile für unsere Patientinnen und Patienten früh. Beim Eingriff verlieren sie praktisch kein Blut, wir können sehr präzise arbeiten, und die Erholungszeit verkürzt sich massiv.» Dass durch die neuen technologischen Möglichkeiten Organe und Gewebe erhalten werden können, ist ein weiterer Vorteil. Nicht ohne Grund


gehört die Klinik für Urologie des USZ schweizweit zu den innovativsten Playern mit grosser Entwicklungskraft und zieht sowohl Auszubildende als auch Patienten aus der ganzen Welt an.

Wissenstransfer im Team Das technische Know-how entwickelt sich indessen rasant weiter. «Ich ­erwarte, dass in jedem unserer Fachbereiche mindestens zwei Teammitglieder Weltklasse sind.» Dabei setzt Daniel Eberli auf Austausch und Wissens­transfer. Bei Einsätzen in ausländischen Kliniken sollen sich die Chirurgen neues technologisches

«Stammzellen entwickeln sich zu Schliessmuskelzellen.» Daniel Eberli, Direktor der Klinik für Urologie

Wissen aneignen, die erworbenen Tech­ niken zurück ans USZ bringen und im Team laufend weiterentwickeln. Mit der roboterassistierten Chi­ rurgie kommt Daniel Eberli auch klar dem Wunsch seiner Hauptklientel nach. 75 Prozent seiner Patienten sind männlich und befinden sich in der zweiten Lebenshälfte. «Viele Männer sind technikaffin und erwarten bei Eingriffen modernstes Gerät.» 6000 neue Fälle von Pros­tatakrebs werden in der Schweiz jährlich registriert. 1500, meist betagte Männer, sterben daran. «Sehr viele Patienten können demnach erfolgreich behandelt werden», so Daniel Eberli.

Stammzellen zur Therapie von Harninkontinenz Auch Frauen wenden sich an die ­Klinik für Urologie, wenn sie auch klar in der Minderheit sind. Ihre Beschw­er‑ den drehen sich hauptsächlich um Er‑ krankungen an den Nieren oder um Harninkontinenz. «Inkontinenz ist schambehaftet und gehört immer noch zu den Tabuthemen», moniert Klinikdirektor Daniel Eberli. Alleine in der Schweiz geht man von über

400’000 betroffenen Frauen und Männern aus. Grund dafür kann eine Schwächung des Beckenbodens oder des Blasenschliessmuskels sein. Das zertifizierte Kontinenz- und Beckenbodenzentrum, ein gemeinsames Angebot verschiedener Kliniken des USZ, bietet dahingehende Therapiemöglichkeiten an. Mit der Stammzellforschung widmet sich das klinikeigene Forschungslabor allerdings einem neuen Therapieansatz bei Harninkontinenz. Stammzellen können nämlich die Muskelfunktion des Gewebes übernehmen, in das sie eingepflanzt werden. «Werden nun Stammzellen in den Blasenschliessmuskel implantiert, entwickeln sie sich zu Schliessmuskelzellen», ­erklärt Daniel Eberli. In dieser Forschungs­ arbeit ist das USZ weltweit führend. Derzeit läuft die erste klinische Studie mit 60 Probandinnen. «Wir sehen darin grosses Potenzial für eine dauerhafte Verbesserung der Lebens‑ qualität unserer Patientinnen.»

Hand in Hand: Technik und Forschung Dass die Urologie um die Jahrtau­ sendwende vor wichtigen Entwicklungsschritten stand, beeinflusste Daniel Eberli massgeblich bei der Wahl seiner medizinischen Fachrichtung. Tullio Sulser, sein Vorgänger als Klinikleiter, wurde sein Mentor und ­för­derte insbesondere Eberlis zweiten fachlichen Schwerpunkt, die Stammzellforschung. Das Wissen dazu erwarb Daniel Eberli in einem Forschungs‑ jahr an der Harvard Medical School in Boston und einem dreijährigen PhD in Molekularer Medizin an der Wake University in North Carolina. Nach seiner Rückkehr 2008 baute er am USZ das Forschungslabor für die Stammzellforschung auf. Der Rollenwechsel zum Klinikdirektor ist für Daniel Eberli ein spannender Perspektivenwechsel. «Tullio Sulser sah stets das grosse Bild und trieb mich weiter an, wenn ich in der Forschung oder der Technik steckenzubleiben drohte. Jetzt ist es an mir, mein Team zu motivieren und dabei in die Zukunft zu blicken.»

Die Klingen des Roboters sind extrem fein.

Abseits der Spitzenmedizin: Entwicklungszusammenarbeit Neben den technologischen Fort­ schritten in der Spitzenmedizin legt Daniel Eberli grossen Wert auf die ­Entwicklungszusammenarbeit. Gemeinsam mit seinem Team baute er im vergangenen Jahr im togolesischen Universitätsspital in Kara die Infrastruktur für moderne Behandlungsmöglichkeiten bei gutartigen Prostatavergrösserungen auf, schulte das Personal und führte erfolgreich erste Eingriffe durch. «Um dort Leben zu retten, braucht es Herz und Handwerk, keine Roboter», erklärt Daniel Eberli. KU R Z P O R T R ÄT

Daniel Eberli Spezialisiert auf die Behandlung von Prostatatumoren und -vergrösserungen, verfügt Daniel Eberli für seine Eingriffe über die Zertifizierung in roboterassistierter Operationstechnik. Daneben betreut er das Labor für Stammzellforschung, das er an der Klinik für Urologie aufgebaut hat. Daniel Eberli (50) wohnt mit seiner Frau und zwei Söhnen im Teenager­alter in Zürich-Oerlikon. Seine Freizeit verbringt er mit dem Reparieren alter Uhren.

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Wo Qualität gemessen wird Zur Bewertung der Qualität im Spital werden kontinuierlich Daten erhoben. Diese Kennzahlen werden vor, während und nach einer Behandlung am USZ systematisch erhoben, ausgewertet und verglichen, um daraus Massnahmen ableiten zu können. So bleibt der Qualitätskreislauf erhalten, und die Versorgung wird stetig verbessert. Text: Barbara Beccaro Bilder: Tobias Willa

Zahlen aus den Kliniken Zuweisende Ärztinnen und Ärzte

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Eine hohe Zufriedenheit der zuweisenden Ärztinnen und Ärzte ist wichtig. Die Erhebungen zeigen auf, wie sie die Leistung des USZ wahrnehmen. Ihre Rückmeldungen sind ein Kontrollinstrument für die Kliniken und ermöglichen zielgerichtete Verbesserungen.

Diagnosespezifische Indikatoren, Komplikationsraten, Prozesskennzahlen und weitere Daten zeigen den Erfolg einer Behandlung auf. Dafür werden in den Kliniken und Instituten Register, Kohortenstudien, klinische Studien oder interne Messungen angelegt und systematisch analysiert.

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Vermeidbare Wiedereintritte Wiedereintritte (Rehospitalisierungen) ins Spital können geplant sein. Sie können aber auch die Folge von Komplikationen, von nicht gestellten Diagnosen oder von zu frühen Entlassungen sein. Einige dieser Gründe können direkt beeinflusst werden. Deshalb misst und überwacht das USZ die Wiedereintritte.

Infektionsüberwachung

Eintritt

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Schätzungsweise 100’000 Patientinnen und Patienten in der Schweiz erleiden pro Jahr während eines Spitalaufenthalts eine infektiöse Komplikation. Das USZ verfolgt das ehrgeizige Ziel, die Rate der nosokomialen Infektionen auf 5 Prozent zu senken.


Austritt

Delirmanagement Es braucht eine hohe Aufmerksamkeit für das Management von Delir, da es sich dabei um einen medizinischen Notfall handelt, der sofort behandelt werden muss. Je länger ein Delir dauert, desto gravierender sind die Folgen. Am USZ besteht ein standardisiertes Delirmanagement.

Das USZ setzt im OP routinemässig Checklisten als evidenzbasiertes Hilfsmittel mit Verlaufs-, Überprüfungs-, Bestätigungssowie Erledigungscharakter ein. Damit wird die schnittstellenübergreifende Information unterstützt und werden fachspezifische Risiken adressiert.

Postoperative Wundinfektionen sind häufige nosokomiale Infektionen. Alljährlich wird die kontinuierliche Inzidenzmessung von postoperativen Wundinfektionen in der Herzund Gefässchirurgie und der Viszeralchirurgie publiziert.

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Sicherheitsstandards im OP

Postoperative Wundinfekte

Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen (MuM) MuM sind strukturierte Fallbesprechungen des Behandlungsteams, in denen rückblickend Komplikationen, ungewöhnliche Behandlungsverläufe und Todesfälle aufgearbeitet werden. Sie sind ein wichtiger Beitrag zur medizinischen Behandlungsqualität und dienen dem individuellen Lernen und der konkreten Verbesserung von Strukturen und Prozessen im Spital. Die Umsetzung des MuM-Standards wird am USZ auditiert.

Patientenbewertungen Die Bewertung der Leistung eines Spitals durch seine Patientinnen und Patienten ist eine wichtige Kennzahl. Ihre subjektive Wahrnehmung ist zentral für die kontinuierliche Auseinandersetzung mit und die Verbesserung von Abläufen und der Kommunikation. Eine hohe Zufriedenheit kann den medizinischen Behandlungsablauf mit beeinflussen.

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MEHR DAZU

Dies ist eine Auswahl von Kennzahlen, die im Qualitäts­bericht des USZ transparent ausgewiesen werden. Den aktuellen Bericht mit den Indikatoren und Kennzahlen, die 2020 erhoben wurden, finden Sie online: www.usz.ch/qb2020

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Campus MITTE1|2 Wie wird der USZ Campus aussehen, wenn die ersten Neubauten stehen? Welche Nutzungen finden darin Platz? Auf diese und weitere Fragen gibt eine Ausstellung Antworten.

Am 18. Oktober und damit einige Tage vor der öffentlichen Auflage der Baueingabe zu Campus MITTE1|2 konnte die Ausstellung zu den ­­ geplanten Neubauten in der Alten Anatomie eröffnet werden. Herzstück der Ausstellung sind die beiden Modelle: jenes zum Hoch­ schulgebiet Zürich Zentrum, das die Einbettung der Neubauten des USZ wie der Universität mit dem Forum UZH zeigt; und jenes von MITTE1 und MITTE2 im Massstab 1:100. An digitalen Stelen erfahren die Besu­ cher*innen mehr über die Architektur und die Überlegungen dahinter. Zu­ dem wird aufgezeigt, wie der Nachhal­ tigkeit in allen ihren Dimensionen

Rechnung getragen werden soll. Im Zentrum stehen aber die me­ dizinische Nutzung und der Mehrwert für die Patient*innen. Ein digitales Querschnittsmodell lädt dazu ein, sich durch das Gebäude zu klicken, und eine ganze Reihe von Visualisierungen hilft, sich die Zukunft bereits heute vor Augen zu führen. Und man erfährt, wie ein topmodernes Logistiksystem künftig neue, individuelle Services er­ möglichen wird. Die Ausstellung wird während rund sechs Monaten bestehen bleiben. Für Mitarbeitende ist sie frei zugäng­ lich. Für Gruppen, interne wie externe, werden Führungen organisiert. Anfra­ gen richten Sie bitte an bau@usz.ch

FACHBEGRIFF EINFACH ERKL ÄRT

Was ist eigentlich die Blut-Hirn-Schranke?

Flavio Vasella, Assistenzarzt Neurochirurgie

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Die Blut-Hirn-Schranke ist eine spezifisch durchlässige Membran zwischen dem Hirngewebe und dem Blutstrom. Diese Barriere verhindert, dass Krankheitserreger wie Viren und Bakterien sowie Gifte, aber auch ­Botenstoffe und Antikörper aus dem Blut in das zentrale Nervensystem gelangen. Der kontrollierte Austausch zwischen Blut und Hirngewebe sorgt zudem dafür, dass die chemische Zusammensetzung der Flüssigkeit zwischen den Zellen weitgehend konstant bleibt. Umgekehrt verhindert die Blut-Hirn-Schranke, dass Botenstoffe und bestimmte Salze in den Körper ausströmen. Narkosemittel und Blutgase können jedoch durch die Membran dringen und so ins Gehirn gelangen, aber auch fettlösliche ­Substanzen wie Nikotin und Alkohol. Andere Substanzen wie beispielsweise Zucker (Glucose) werden aktiv über Transporteiweisse durch die Blut-Hirn-Schranke geschleust. Störungen und Veränderungen der Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke können dazu führen, dass Krankheitserreger und giftige Stoffe in das Gehirn eindringen und dort zum ­Anschwellen und zu Durchblutungsstörungen führen. Das Wissen über solche «Schrankenstörungen» macht sich die Medizin aber auch zunutze, indem entsprechende Medikamente gezielt so entwickelt werden, dass sie die Blut-Hirn-Schranke überwinden.


Blick in die Zukunft Einmal mit Photovoltaik-Elementen bestückt, einmal von Pflanzen umrankt: Die geplanten Neubauten des USZ sollen das Bild des Hochschulquartiers in Zukunft mitprägen. Anfang Oktober hat das USZ die Baueingabe eingereicht. Text: Cindy Mäder Bilder: Atelier Brunecky, kühr design

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Operationssäle Rund zwei Dutzend Operationssäle sind auf drei Stockwerke verteilt. Vier davon sind Hybrid-OPs, die mit bildgebenden Geräten wie beispielsweise Computertomografen (CT) ausgestattet sind.

Laborforschung Auch für die klinische Forschung ist im Neubau Platz vorhanden. Die unmittelbare Nähe zum Spitalbetrieb ist für diese Forschungsprojekte essenziell.

Blick ins Gebäude Wo werden welche Nutzungen unterbracht? Das zeigt die Grafik unten. Und rechts dasselbe Gebäude – aus ganz leicht anderer Perspektive von aussen.

MITTE1

7 6 5 4 3 Alte Anatomie

2 1 0 -1

-2 -3 Ansicht von der Gloriastrasse aus

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Innenhof

Helikopterlandeplatz

MITTE2


Normalbettenstation Nur noch Einzelzimmer: Das bedeutet mehr Privatsphäre, Ruhe und Erholung für die Patientinnen und Patienten, aber auch mehr Platz für die Pflege und eine bessere Bettenauslastung.

Intensivstation Insgesamt werden im Neubau in acht Einheiten maximal 94 Intensivpflegebetten Platz finden. Dazu gehört auch ein Schlaganfallzentrum, spezialisiert auf die Pflege von Patientinnen und Patienten nach einem Hirnschlag.

Bettenstationen Normalpflege Dialyse Bettenstationen Intensivmedizin

Bettenstationen Normalpflege Dialyse

Notfallzentrum

Bettenstationen Intensivmedizin Notfallzentrum

Zentralapotheke

Zentralapotheke

Restaurant

Restaurant Küche Technik

Küche

Laborforschung

Technik

Administrativer Bereich

Laborforschung

Operationssäle

Interventionszentrum Schlaganfall und Herz

Administrativer Bereich

Radiologie

Lager und Anlieferung Parking

Operationssäle Interventionszentrum Schlaganfall und Herz

Eingangsbereich

Radiologie

Eingang Notfallzentrum, Ambulanz

Lager und Anlieferung Parking Eingangsbereich Eingang Notfallzentrum, Ambulanz

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Der Darm Er nimmt den grössten Teil unseres Bauchraums in Beschlag. Er sorgt dafür, dass unsere Nahrung verdaut wird, und er spielt eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern. Zudem produziert er Hormone und ist mit Millionen von Nervenfasern ausgekleidet. Der Darm hat vielfältige Aufgaben.

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Text: Katrin Hürlimann Bild: Nadja Baltensweiler

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Zwischen Dünn- und Dickdarm liegt der Blinddarm (8). Sein Wurmfortsatz ragt sackförmig nach unten in die Bauchhöhle. Die Ileozö­ kalklappe (9) ist der Verschluss zwischen Dick- und Dünndarm und nur in diese Richtung durchgängig. Sie verhindert, dass Darminhalt und Bakterien in den keim‑ ärmeren Endabschnitt des Dünndarms, den Krummdarm (6), eindringen können.

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Nach dem Zwölffingerdarm (3) folgt als nächster Abschnitt des Dünndarms (5) der Leerdarm (4). Dort werden dem Nahrungsbrei Nährstoffe und Wasser entzogen. Der Rest wird weiter in den Krummdarm (6) transportiert. Um die Nährstoffe besser aufnehmen zu können, ist die Schleimhaut des Dünndarms stark gefaltet. Die etwa vier Millionen Darmzotten (7) vergrössern die Oberfläche auf circa 400 bis 500 Quadratmeter.

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Das Darmnervensystem (13) ist ein Teil des vegetativen Nervensystems. Es besteht aus einem Geflecht von etwa 100 Millionen Nervenzellen, das fast den ganzen MagenDarm-Trakt durchzieht. Es regelt die Darmbeweglichkeit und die Schmerzwahrneh‑ mung. Die Nervenfasern liegen zwischen der Schleim‑ haut und der Muskelschicht des Verdauungssystems.

Der Pförtner (2) ist der Ausgang vom Magen (1) in den Darm. Er reguliert den Übergang der Nah‑ rung in den Darm. Im Ruhezustand ist er ge‑ schlossen. Der erste Ab‑ schnitt des Dünndarms (5) heisst Zwölffingerdarm (3). Er ist mit der Bauchhöhle verwachsen.

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Im Dickdarm (10) wird der Stuhl eingedickt. Er bereitet die unverdaulichen Teile der Nahrung für den Stuhl‑ gang vor.

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Der Enddarm (11) endet im Analkanal (13) und ist circa 20 cm lang. Im letzten Abschnitt, dem Mastdarm (12), wird der Darminhalt bis zur nächsten Entleerung gespeichert.

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So bleibt der Darm gesund Eine ausgewogene Ernährung und genügend Bewegung halten das Verdauungsorgan fit. Vorsorgeuntersuchungen können das Risiko für Darmkrebs massiv reduzieren. Text: Helga Kessler Bilder: Steffi Sonderegger, Nico Wick

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s ist ein merkwürdiges Organ: Auf einen fünf bis sechs Meter langen dünnen Schlauch mit vielen Falten und Zotten folgt ein circa ein Meter langer, dickerer Abschnitt. Ein Muskel verschliesst das Ganze gas‑ dicht. Der Ort der Verdauung wirkt auf den ersten Blick sehr simpel, ist aber äusserst komplex: Im Darm werden nicht nur Nährstoffe aufgeschlossen und aufgenommen, sondern auch Krankheitserreger abgewehrt, Hormone ausgeschüttet, Enzyme und Vita­‑ mine produziert. «Funktioniert alles reibungslos, ist der Darm gesund», sagt der Leitende Arzt Michael Scharl von der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie. Damit der Darm ge‑ sund bleibt, müssen die geschätzt 40 Quadratmeter umfassende Darm‑ schleimhaut und das aus Billionen von Bakterien bestehende Mikrobiom perfekt zusammenspielen.

rück. Drüsenzellen produzieren den Schleim, der Nahrungsbrei und Stuhl gut rutschen lässt. Blutgefässe unter der Schleimhaut transportieren zusam‑ men mit den Lymphgefässen verdaute Nährstoffe ab. Millionen von Nerven‑ zellen regulieren weitgehend unab‑

hängig vom Gehirn die Tätigkeit der Darmmuskulatur, steuern den Blut‑ fluss und die Ausschüttung von Hor‑ monen. Ist die Nervenregulation im Darm gestört, macht sich das in Form von Bauchschmerzen bemerkbar, etwa bei einem Reizdarm.

Training fürs Immunsystem Die Schleimhaut ist gleichzeitig Barri‑ ere und Ort des Austauschs: Sie hin‑ dert die Mikroorganismen einerseits daran, sich im Körper auszubreiten, andererseits steht sie mit ihnen in Kon‑ takt und trainiert so das Immunsys‑ tem. «Je mehr verschiedene Bakteri‑ enarten es hat, desto besser», weiss Michael Scharl. Im Dünndarm schüt‑ tet die Schleimhaut Verdauungsen‑ zyme aus und nimmt Nährstoffe auf, im Dickdarm gewinnt sie Wasser zu‑

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Am USZ Flughafen befindet sich das grösste Endoskopiezentrum der Schweiz. Eine Darmspiegelung sollte man präventiv ab 50 Jahren durchführen lassen.


Eng gekoppelt ist das körperliche Wohlbefinden mit der Bakterienbesiedlung im Darm. Rund zwei Kilo Mikroorganismen tummeln sich vor allem im Dickdarm. Quasi als Gegenleistung für die Unterkunft tragen Bakterien des Darmmikrobioms etwa zur Synthese des Glückshormons Serotonin oder des Schlafhormons Melatonin sowie zur Synthese der Vitamine E, B12 und Folsäure bei. Die Darmbakterien sind beteiligt an der Synthese von Gallensäuren, und sie bauen Ballaststoffe ab, die der Mensch sonst nicht aufnehmen könnte. Aus Zellulose stellen sie ­kurzkettige Fettsäuren her – diese wiederum dienen genau den Bakterien als Futter, die Krankheitserreger beseitigen und vor Entzündungen schützen.

Stuhltransplantation nach Infektion Breiten sich bestimmte Bakterien auf Kosten von anderen aus, kann das ­sensible System aus der Balance geraten. Besonders gefürchtet ist eine Infektion mit Clostridioides difficile, die zu schweren und lebensbedrohlichen Durchfallerkrankungen führt. Schlägt die Behandlung mit verschiedenen Antibiotika fehl, wird das gesamte ­Mikrobiom über eine Stuhltransplantation ausgetauscht. «Die Therapie machen wir etwa jede zweite Woche», sagt Michael Scharl. Der Stuhl und dessen Bakterienzusammensetzung liefern den Gastroenterologen wichtige Hinweise, etwa über das Risiko für Darmkrebs. Entsprechende Tests sind bereits in der Entwicklung. Von frei verkäuflichen Tests, die über Stuhlproben Auskunft über mögliche Risiken geben sollen, rät Michael Scharl eher ab: «Derzeit kann man daraus noch zu wenig konkrete Konsequenzen ableiten.» Der Gastroenterologe rät zu einem gesunden Lebensstil mit regelmässiger körperlicher Bewegung und abwechslungsreicher Ernährung. «Gut ist eine ausgewogene Kost mit Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse und Obst, nicht zu viel Zucker und wenig verarbeitetem Fleisch und möglichst mit frischen Produkten», sagt Ernährungsberaterin/-therapeutin Brigitte Baru. Ballaststoffe, wie sie vor allem in pflanzlichen Nah-

rungsmitteln vorkommen, fördern das Wachstum schützender Bakterien. Die empfohlenen 30 Gramm pro Tag seien

von Hämorrhoiden sinnvoll sein. Zur Darmkrebsvorsorge wird immer eine komplette Spiegelung empfohlen. «Bei 30 von 100 Personen finden wir Polypen, die wir entfernen können», sagt Christoph Schlag. Leider nehme im Kanton Zürich nicht einmal jeder dritte Erwachsene über 50 die Vorsorgemöglichkeit wahr. Für alle Zweifler hat der Gastroenterologe eine gute Nachricht: «Die meisten, die schon eine Koloskopie haben machen lassen, sagen hinterher, dass es gar nicht so schlimm war.»

«Ballaststoffe fördern das Wachstum schützender Bakterien» Brigitte Baru, Ernährungsberaterin/-therapeutin

jedoch für die meisten Menschen schwer zu erreichen, meint Brigitte Baru. Wer seine Ernährung optimie‑ ren wolle, tue dies am besten nicht von heute auf morgen: «Eine Um­ stellung braucht Zeit, der Darm muss sich an die höhere Menge Nahrungs­ fasern gewöhnen können.»

Darmspiegelung ab 50 Gerät die Darmflora durcheinander, kommt es zu Störungen wie Durchfall oder Verstopfung. Gravierender ist, wenn sich die Darmschleimhaut entzündet (s. Artikel S. 25) und wenn sie zu wuchern beginnt. Aus zunächst gutartigen Polypen können sich mit der Zeit bösartige Tumore (s. Artikel S. 20) entwickeln. «Ab 50 Jahren sollte man sich einer ersten Darmspiegelung ­unterziehen», sagt Christoph Schlag, Leiter der Endoskopie. Im grössten ­endoskopischen Zentrum der Schweiz mit Standorten am Zentrum sowie am Ambulatorium am USZ Flughafen statt Circle werden jährlich etwa 2700 komplette Darmspiegelungen (Koloskopien) durchgeführt. Die Spiegelung von Teilabschnitten (Sigmoidoskopie für die letzten 40 cm, Proktoskopie für Enddarm und Anus) kann zur Kontrolle nach einer Tumor­operation oder zur Behandlung

AUSFLUG INS EIGENE H Ö H L E NSYST E M

Ein leichtes Beruhigungs- und Narkosemittel lässt die Person während der Darmspiegelung auf der Liege schön zugedeckt schlafen. Der Gastroenterologe schiebt vorsichtig einen etwa 1,5 Meter langen dünnen und biegsamen Schlauch, das Endoskop, bis zum Beginn des Dünndarms vor. Dann beginnt der Untersucher mit dem langsamen Rückzug des Endoskops. Lichtquelle und Videokamera an der Spitze sorgen für klare Bilder auf dem Monitor – wer nicht schläft, sondern zuschaut, erlebt einen spannenden Ausflug ins eigene Höhlensystem. Entdeckt der Gastroenterologe einen Polypen, entfernt er diesen mit einer Schlinge oder einer Zange. Die Schleimhaut heilt von selbst wieder. Nach rund 30 Minuten ist alles vorbei. Zeit für einen Kaffee.

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Gute Chancen für die Heilung Zeitpunkt der Diagnose, Lage des Tumors und Stadium der Erkrankung haben Einfluss auf die Behandlung von Darmkrebs. Fast immer wird operiert, die molekulare Pathologie liefert Ansatzpunkte für personalisierte Medikamente. Text: Helga Kessler Bilder: Nicolas Zonvi

W

enn wir den Tumor in einem frühen Stadium entdecken, können wir Darmkrebs fast immer heilen», sagt Viszeralchirurg Matthias Turina. Heilung bedeutet, dass der Krebs nicht zurückkehrt. Generell seien die Überlebenschancen bei Darmkrebs gut. Eine Operation ist jedoch fast immer nötig. Wenn möglich entfernen die USZ-Chirurgen Tumor und befallene Lymphknoten minimalinvasiv statt mit einer offenen Operation. Technisch besonders herausfordernd sind Eingriffe im unteren kleinen Becken, wo Enddarm, Blase und Sexualorga­ne eng nebeneinander liegen. Dann «entscheiden Millimeter über den Erfolg der Operation», sagt Matthias Turina.

Der Roboter operiert präziser Bei Krebs im Enddarm – dem häufi­g­ sten Ort von Darmtumoren – setzt der Spezialist deshalb gerne den Opera­tionsroboter Da Vinci ein: «Der Ro­­boter sieht mehr, und er kommt auch besser hin als wir mit den Händen.» So­wohl bei Enddarm- als auch bei ­Dickdarmkrebs legen die Chirurgen oft einen künstlichen Darmaus‑ gang, ein Stoma, damit die Wunde nicht mit Stuhl verunreinigt wird und schneller heilt. Nach einigen ­Wochen kann das Stoma mit Ausnahme weniger Fälle, wo der Tumor sehr nahe am Anus lag, wieder entfernt werden. «Wir versuchen, die Rate an Stomata so tief wie möglich

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Catherine Bürgi baut in der Stoma- und Kontinenzberatung Ängste ab und vermittelt Wissen.


zu halten», sagt Matthias Turina. Er weiss, dass die meisten Patienten mit Darmkrebs Angst vor einem künstlichen Darmausgang haben.

Stomaberatung bereits vor Operation «Es ist sehr wichtig, dass die Patien­ tinnen und Patienten wissen, was auf sie zukommt, und sich psychologisch vorbereiten können», erklärt Catherine Bürgi, Pflegeexpertin im Team der Stoma- und Kontinenzberatung. Das erste Gespräch erfolgt bereits vor der Operation. «Wir erklären den Betroffe­ nen, was auf sie zukommt, und legen zusammen fest, wo am Bauch der Aus­ gang liegen soll.» Auch Angehörige werden auf Wunsch miteinbezogen. In diesem ersten Gespräch werden auch die Form des Verschlusses sowie die Technik der Entleerung und Rei­ nigung gemeinsam besprochen. «Eine grosse Sorge ist oft der Geruch», sagt die Pflegeexpertin. Das sei allerdings «gar kein Thema mehr», denn die ­Beutel, in die der Stuhl fliesst, seien absolut dicht und zudem mit einem Kohlefilter ausgestattet. Wandern, Joggen, Schwimmen, selbst Sauna­ besuche seien heute mit einem Stoma möglich. Patienten mit einem Stoma werden auch nach dem Austritt aus dem Spital durch die Stoma- und Konti­ nenzberatung betreut, entweder im USZ oder in der Nähe des Wohnorts.

Tumorstadium und Rückfallrisiko 4750 Menschen in der Schweiz erkran­ ken laut Krebsliga pro Jahr neu an Darmkrebs. Betroffen sind am häufigs­ ten Menschen über 50 – die Darm­ spiegelung zur Früherkennung und allenfalls Entfernung von gutartigen Darmpolypen wird deshalb derzeit ab diesem Alter empfohlen (s. Text S. 18). Entdeckt jemand bei sich Blut im Stuhl oder diagnostiziert der Haus­ arzt eine Blutarmut unbekannter Ursache, gehört die Darmspiegelung zur Abklärung. Wird Dickdarmkrebs (Kolonkarzi­ nom) diagnostiziert, folgen weitere Untersuchungen, um Metastasen in anderen Organen auszuschliessen. Bei Dickdarmkrebs ohne Metastasen

ist die Erstbehandlung fast immer eine Operation. Die Pathologin ermittelt am Operationspräparat das genaue Tumorstadium, von dem das Risiko eines Rückfalls und damit auch die Behandlung abhängen. Bei den Sta­ dien I und II ist der Tumor auf die Wandschichten des Darms begrenzt, im Stadium III finden sich Tumorzel­ len in den mitentfernten Lymphkno­ ten – in solchen Fällen wird immer mit einer Chemotherapie nachbehandelt. Beim Enddarmkrebs (Rektumkar­ zinom) erfolgt vor der Operation eine aufwändige Diagnostik mit zusätzlicher Magnetresonanztomografie (MRI) und Enddarmspiegelung (Endosono­ grafie). Eine Vorbehandlung, meist mit Strahlentherapie, soll den Tumor verkleinern und das Rückfallrisiko nach der Operation reduzieren. Bei grossen, fortgeschrittenen Rektum­ karzinomen hat sich das Vorgehen

«Wir versuchen, Darmkrebs auch dann zu heilen, wenn sich bereits Metastasen gebildet haben.» Ralph Fritsch, Leiter Darmtumorzentrum

seit Kurzem völlig verändert. «Wir ­ziehen quasi die Nachbehandlung mit Strahlen- und meist auch Chemo­ therapie vor, weil man in Studien ge­ sehen hat, dass die Patienten besser ansprechen und deutlich seltener Rück‑ fälle haben», sagt Ralph Fritsch, medizinischer Onkologe und Leiter des Darmtumorzentrums. Die Vorbehandlung könne bis zu fünf Monate dauern.

Der Stomabeutel kommt bei einem künstlichen Darmausgang zum Einsatz.

Nicht zu früh palliativ behandeln Im Stadium IV hat Darmkrebs bereits in andere Organe gestreut, und die Be­ handlung wird nun komplexer. «Jede Erkrankung ist anders, es gibt erhebli­ che Unterschiede in der Aggressivität und im Verlauf», sagt Ralph Fritsch. In einem «molekularen Profiling» versu­ chen die Pathologen herauszufinden, welche Änderungen in der DNA des Tumors zur Entartung der Zelle geführt haben. KRAS, NRAS und BRAF sind Tumorgene, bei denen man häufig Mu‑ tationen findet. Manche dieser Gen­ veränderungen können mit zielgerich­ teten Medikamenten behandelt wer­ den. In seltenen Fällen, wo sich Erbgut‑ abschnitte wiederholen, sind Krebs­ immuntherapien wirksam. «Die Behandlung von Darmkrebs ist fast immer multimodal», sagt Ralph Fritsch. Entscheidend für den Erfolg sei, dass es ein eingespieltes Team aus Darm- und Leberchirurgen, Radioon­ kologinnen, molekularen Pathologen, Onkologinnen und weiteren Diszipli­ nen gebe, die sich in Tumorboards regel‑ mässig austauschten. Hinzu komme die grosse Erfahrung mit komplexen, häufig fortgeschrittenen Tumorer­krankungen, wie sie an einem univer­ sitären Zentrum behandelt werden. «Wir versuchen, Darmkrebspatientin­ nen auch dann zu heilen, wenn sich bereits Metastasen gebildet haben»,

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sagt Ralph Fritsch. Sei die Erkrankung aber zu weit fortgeschritten, sei eine Heilung noch immer nur in Ausnah­ mefällen möglich. Dennoch sei es ­ omplexen Darmkrebserkrankun­ bei k gen oft sinnvoll, eine Zweitmeinung einzuholen, betont Viszeralchirurg Matthias Turina. «Wir sehen immer wieder Fälle, wo Darmkrebspatienten zu früh palliativ behandelt wurden.»

DARMKREBSBEHANDLUNG

Ralph Fritsch und Matthias Turina arbeiten nicht nur für Patienten mit Darmkrebs eng zusammen.

Informationen gibt es unter ww.usz.ch/darmkrebsbehandlung

Aufstehen, Krönchen richten, weitergehen «Meine Mutter war gerade mal 32 Jahre alt, als bei ihr Darmkrebs diagnostiziert wurde. Meine Urgrosseltern sind an Krebs gestorben. Krebs ist so gesehen ein steter Begleiter meiner Familie. Und jetzt, ich kann es nicht anders sagen, ist die Reihe an mir.» Text: Flavian Cajacob Bild: Nicolas Zonvi

«A

n meinem 41. Geburts­ tag hatte ich Blut im Stuhl. Mit einer Vorge­ schichte wie der meinen macht man sich nichts vor. Trotzdem habe ich mich der Untersuchung vom 4. Juni mit ­einer gewissen Hoffnung gestellt. Vielleicht, dachte ich, sinds ja bloss Hämorrhoiden. Ich weiss noch, wie ich im Gesund­ heitszentrum des USZ am Flughafen Zürich gelegen und aufs Rollfeld ge­ schaut habe, als mir die Ärztin den

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Befund offenbart hat: Ein Tumor im Darm. Im selben Moment hob draussen vor dem Fenster ein Flugzeug ab. Mir ist nur ein Gedanke durch den Kopf geschossen: Ich will überleben, ich will leben. Am 24. Juni wurde ich operiert. Ein tolles Team. Die Ärzte am USZ haben 20 Zentimeter meines Darms entfernt, 21 Lymphknoten inklusive. Obs gut kommt? Das kann man nicht abschlies­ send sagen. Derzeit mache ich grad eine Chemo. Die nächsten fünf Jahre

bin ich quasi auf Bewährung. Mein Kopf ist fit, der Körper weniger. Die Energie reicht gerade, um fünfzig Pro­ zent zu arbeiten. Das ist für mich das Härteste: Die Einschränkung, was den Job anbelangt. Denn ich arbeite un­ glaublich gerne. Ich bin am Flughafen Zürich als Safety und Quality Manager tätig. Die Fliegerei ist meine Leidenschaft. Ich habe Kerosin im Blut. Meine erste Frage nach der Operation war denn auch, wann ich wieder arbeiten kann, und


nicht, ob ich wieder gesund würde. Ich kann einfach nicht zu Hause sitzen und Däumchen drehen. Ich muss etwas machen, sonst fällt mir die Decke auf den Kopf. Mit meiner Geschichte gehe ich ziemlich offen um. Meine Freundinnen und Freunde wissen fast alle auch Bescheid über Hans-Georg. Hans-Georg, das ist mein Stoma, mein künstlicher Darmausgang. Ich musste dem Beutel

irgendeinen Namen geben, das Ding ist mir ja momentan ziemlich nahe. Und Hans-Georg passt ganz gut, finde ich. Einige meiner Arbeitskolleginnen und -kollegen haben mich auch schon zum Arzttermin begleitet. Und wieder andere haben mir von ihren eigenen Schicksalen erzählt oder davon, dass sie auch jemanden in der Familie mit Darmkrebs hätten. Kürzlich hat

mich jemand auf einen zehn Jahre jüngeren Kollegen im Team aufmerksam gemacht, der dieselbe Diagnose erhalten hat wie ich vor einem halben Jahr – das ist heftig! Für mich war der Krebs nie ein Begleiter, mit dem man gemeinsam eine Herausforderung meistern muss. Auch als Feindbild habe ich ihn mir nicht aufgebaut. Der Krebs hat mich ganz einfach überlistet. Diese Ein­ stellung hilft mir, positiv zu bleiben. Das ist das Wichtigste: Du darfst nie den Mut verlieren. Aufstehen, Krönchen richten, weitergehen. So sehe ich das.

«Mit meiner Vorgeschichte macht man sich nichts vor.» Sandra Fiedler, Patientin

Sandra Fiedler geht offen mit ihrer Darmkrebserkrankung um.

Ich denke, die Fälle in meiner Familie, die ganze Vorgeschichte, sie haben dazu beigetragen, dass ich bei den ersten Anzeichen gleich zur Kontrolle gegangen bin und einen relativ pragmatischen Umgang mit dem Darmkrebs gefunden habe. Macht einen Check! Geht lieber zum Arzt, als im Internet zu googeln! Wartet nicht! Das ist mein Ratschlag an alle, die Symptome aufweisen. Im besten Fall entpuppt sich das Ganze als Lappalie, im schlechtesten hat man immerhin noch Zeit zu handeln. Auch wenn ich momentan vor allem am Reagieren bin, so will ich doch schnellstmöglich wieder in den Modus «Agieren» gelangen. Ich freue mich darauf, Weihnachten bei meiner Familie in Deutschland zu verbringen. Als kinderlose Frau habe ich früher immer über die Festtage gearbeitet, das hat mir nichts ausgemacht. Jetzt merke ich, dass mir die Nähe zu meinen Eltern, zu meiner Schwester und meinem Neffen unglaublich viel bedeutet. Und dann will ich wieder fliegen. Ich will nach Dubai, ich will nach New York, ich will meine Freunde besuchen. Ich will reisen. Ich will leben! Und Hans-Georg, der kann dann gerne zu Hause bleiben.

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Mehr Nervenzellen im Darm als im Rückenmark Darm, Gehirn und Psyche hängen zusammen, so viel ist klar. Die Mechanismen dahinter sind allerdings noch nicht im Detail geklärt. Das Thema hat viel Potenzial. Text: Katrin Hürlimann Bilder: Tobias Willa, Nicolas Zonvi

Gerhard Rogler, Direktor der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie

Gerhard Rogler, «Es schlägt mir auf den Magen» ist nur eine von ­ vielen Redewendungen, die auf den Zusammenhang zwischen Gehirn und Darm deuten. Was sagt die Wissenschaft dazu? Ja, das ist tatsächlich so. Der Zusammenhang zwischen dem Nervus Vagus, dem zehnten Hirnnerv, und dem Darm ist nachgewiesen. Es gibt eine sogenannte Darm-Hirn-Achse. In der Darm­ wand befinden sich mehr Nervenzellen als im Rückenmark. Diese kommunizieren mit dem Gehirn und um­ge­kehrt. Sie leiten zum Beispiel Schmerzen weiter und regeln die Darmtätigkeit: Sehen wir leckeres Essen, nimmt die Darmtätigkeit zu – bevor man überhaupt isst. Was man immer klarer sieht: Darmbakterien sind nicht passiv, sie bilden Botenstoffe, die im Gehirn auch vorkommen.

Wie beeinflussen sie das Gehirn? Man weiss zum Beispiel, dass bei Patienten mit Depressionen bestimmte Stämme von Darmbakterien fehlen. Aktuelle Studien untersuchen, ob mittels Stuhltransplantationen De-

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pressionen reduziert werden können. Bei Kindern mit Autismus können Stuhltransplantationen zu Verbesserungen führen, das hat man nachgewiesen. Der Zusammenhang zwischen Darmbakterien und der Psyche ist ­bewiesen. Leider ist aber bisher nicht bekannt, wie er funk­tioniert. Umgekehrt wissen wir, dass Stress über die Hirn-Darm-Achse Auswirkungen auf den Gastrointestinaltrakt hat und Veränderungen der Darmaktivität und der Wahrnehmung von Bauchschmerzen hervorrufen kann. So kann Stress ein Auslöser von Entzündungsschüben bei chronisch entzündlichen Darm­ erkrankungen sein. Es gibt spannende Daten dazu, dass Stressreduktion und die Stimulation des Vagusnervs chronisch entzünd­liche Darmer­‑ kr­ankungen verbessern können.

MIKROBIOMTHERAPIE AM USZ

Die Klinik für Gastroenterologie hat einen neuen Bereich Mikrobiomtherapie eingerichtet, fokussiert auch auf funktionelle Darmerkrankungen und arbeitet eng mit dem Institut für komplementäre und integrative Medizin zusammen. Reizdarmpatient*innen werden dort unter­stützend mit Mind-BodyMedizin, ­Akupunktur und Hypnose behandelt: www.usz.ch/gastroenterologie

Die Darmfunktion kann also verschiedene Krankheiten beeinflussen?

Soll man also auf eine spezielle Ernährung achten, um dem Darm, dem Gehirn und dem Immunsystem möglichst viel Gutes zu tun?

Die Gastroenterologie ist mit diesem Thema in letzter Zeit stark in den ­Fokus gerückt. Viele Fachgebiete wie Psychiatrie, Neurologie und sogar ­ die Dermatologie wollen mit uns zusammenarbeiten. Selbst die Behandlung von schwarzem Hautkrebs scheint einen Zusammenhang mit Darmbakterien zu haben. In einer Studie wurde bei Stuhltransplantationen ein Drittel der Patient*innen, die vorher nicht auf die Immuntherapie angesprochen haben, zu Respondern, sie haben danach also auf die Therapie angesprochen. Der Darm hat demnach auch einen Ein­fluss auf unser Immunsystem.

Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl! Essen Sie das, was Ihrem Darm guttut, machen Sie keine einseitigen Diäten, und: Verzichten Sie auf Stuhlanalysen ohne einen Fachspezialisten. Das bringt gar nichts. Stress vermeiden oder wenn möglich reduzieren hilft auch für einen gesunden Darm, ein gutes Immunsystem und eine hohe Lebensqualität.


Schwere Entzündung – unklare Ursache Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind schmerzhaft und belasten bei vielen Betroffenen auch das Sozialleben. Eine medikamentöse Behandlung verschafft momentane Linderung, längerfristig ist eine Operation für viele Patienten unumgänglich. Text: Flavian Cajacob Bilder: Nadja Baltensweiler, Partner & Partner

Ansammlung von Entzündungszellen Schleimhaut Bindegewebe mit Blutgefässen Muskelschicht Äussere Gewebeschicht

Morbus Crohn durchdringt alle Schichten der Darmwand

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und 20’000 Menschen in der Schweiz sind von einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, kurz IBD, betroffen. Unter diesem Kürzel zusammengefasst werden Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, die typischerweise bei Männern und Frauen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr erstmals auftreten. «Eine

Colitis ulcerosa betrifft nur die Darmschleimhaut

konkrete Ursache dafür ist meist nur sehr schwer auszumachen», sagt Luc Biedermann, Leitender Arzt der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie. «Häufig wirken verschiedene Faktoren zusammen.» Vererbung und Lebensweise könnten diesbezüglich ebenso in Betracht gezogen werden wie Umwelteinflüsse, ein Ungleichgewicht der

Darmflora oder ein irritiertes Immunsystem, so Luc Biedermann.

Gestörte Barrierefunktion Da gerade am Anfang einer Erkran‑ kung die Symptome vielfach subtil ausfallen, werden sie von den Betroffenen mitunter ignoriert oder als Reizdarm abgetan. Typische

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Morbus Crohn – Vom Mund bis After Colitis ulcerosa kann im gesamten Verdauungstrakt von Mund bis After auftreten. – Entzündung Die Entzündung ist oft fleckenförmig verteilt, unterbrochen von gesunden Abschnitten. Alle Schichten der Darmwand können entzündet sein.

Colitis ulcerosa

– Fisteln Es kann zu Fisteln oder Verengungen im Darm (Stenosen) kommen.

– Dick- und Enddarm Die Erkrankung betrifft fast nur den Dickdarm und den Enddarm. – Entzündung Die Entzündung breitet sich gleichmässig im Dickdarm aus, ausge‑ hend vom Enddarm. – Darmschleimhaut Nur die Darmschleim‑ haut, die innere Schicht der Darm‑ wand, ist entzündet.

Erscheinungen im Zuge einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung manifestieren sich etwa als mit Stuhl­ unregelmässigkeit einhergehender Durchfall, als Blut im Stuhl oder als Bauchkrämpfe. Begleitend auftreten können Antriebslosigkeit, Fieber oder Abgeschlagenheit. Patientinnen und Patienten mit IBD leiden häufig zusätzlich unter einer gravierenden Einschränkung des Intim- und des Soziallebens; mit den Auswirkungen der Krankheit geht oft ein Rück‑ zug aus dem gewohnten Alltag oder eine aufgezwungene Isolation einher. «Betroffene müssen letztlich auch ­lernen, mit einem lebenslangen Be-

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gleiter zurechtzukommen, deshalb hilft bei der Krankheitsbewältigung manchmal auch der Beizug eines Psychotherapeuten», erklärt Philipp Schreiner, Oberarzt an der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie. Während Colitis ulcerosa ausschliesslich den Dickdarm befällt, ist bei Morbus Crohn der gesamte Verdauungstrakt vom Mund bis zum After betroffen. Die entzündeten Darmabschnitte hängen in der Regel nicht zusammen, kranke und gesunde Bereiche wechseln sich also ab. Sowohl bei Morbus Crohn als auch bei Colitis ulcerosa ist die natürliche Barrierefunktion der Darmwand gestört,

Bakterien können dadurch nahezu ungestört in die Darmwand eindringen. Infolgedessen schaltet der Körper in den Abwehrmodus, Entzündungsre­ aktionen sind die Folge.

Krankes Gewebe entfernen Eine eigentlich Heilung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gibt es (noch) nicht – Beschwerden allerdings können gemindert und die Lebensqualität damit wieder gesteigert werden. «Gerade deshalb ist das früh‑ zeitige Erkennen der Erkrankung wichtig», betont Luc Biedermann. «Was die medikamentöse Behandlung anbelangt, kann in neun von zehn Fällen


eine rasche und anhaltende Besse‑ rung erzielt werden.» Zur Anwendung ­gelangen hauptsächlich Kortison oder andere Immunsuppressiva, ver‑ mehrt aber auch Biologika, die zur Bekämpfung der Entzündung Antikör‑ per einsetzen. In erster Linie setzt die Medizin dabei auf die Verringe‑

«Betroffene müssen lernen, mit einem lebenslangen Begleiter zurechtzukommen.» Philipp Schreiner, Gastroenterologe

rung oder Unterbindung von Entzün‑ dungsschüben. Viele Betroffene von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa schaffen es denn auch dank Medikamenten, den Alltag mehr oder weniger geordnet zu be­wältigen. Manchmal aber ist eine Operation unumgänglich, erläutert Philipp Schreiner. Dies zum einen, weil eine Medikamenteneinnahme über längere Zeit aufgrund der Nebenwir‑ kungen nicht ratsam ist; zum ande‑ ren können sich in den verschiedenen Entzündungsabschnitten Fisteln oder Abszesse bilden und einen Ein‑ griff notwendig machen. «Rund 15 Prozent der Colitis-ulcerosa-Pati‑ enten müssen sich mit den Jahren einer Operation unterziehen, bei den Patienten mit Morbus Crohn sind es 40 bis 50 Prozent», erklärt Philipp Schreiner. Im Falle von Morbus Crohn wird das kranke Gewebe, bei Colitis ulcerosa in der Regel sogar der ganze Dickdarm entfernt. Neue Techniken ermöglichen dabei einen chirurgisch schonenden Eingriff. Auch hier ist das primäre Ziel, die Lebensqualität der von einer chronisch-entzünd‑ lichen Darmerkrankung Betroffenen dauerhaft zu steigern.

Individuelle Häufigkeit Nichts mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zu tun hat dagegen das Thema Obstipation – umgangs‑ sprachlich Verstopfung. Häufig ist

die Darmträgheit eine Begleiterschei‑ nung einer anderweitig gelagerten Erkrankung. Eine gewisse Rolle spielt unter anderem die genetische Ver­ anlagung. Aber auch die Ernährung, das Rauchen, etwaige psychische ­Beeinträchtigungen, die Einnahme von Medikamenten oder anhalten‑ der Stress können ihren Teil zur Obsti‑ pation beitragen. Studien gehen davon aus, dass in Industriestaaten jeder und jede Dritte von Zeit zu Zeit oder sogar anhaltend darunter leidet. Was aber, wenn Blähungen und Bauchkrämpfe anhalten, wenn zu‑ sätzliche Bewegung, eine Umstellung der Ernährung und Hausmittel wie

Tee oder warmes Wasser den trägen Darm partout nicht wieder in Schwung bringen? Dann ist eine Konsultation der Ärztin oder des Arztes sicherlich angezeigt, um mögliche Ursachen zu ergründen. Dasselbe gilt, wenn Durch‑ fallepisoden schon fast zur Normalität werden. Als Faustregel gilt ganz grund‑ sätzlich: Halten Verdauungsprobleme länger als drei Monate an, kann von «chronisch» gesprochen werden. Alles zwischen drei Mal täglich und drei Mal in der Woche liegt im Rahmen des Nor‑ malen. Die Häufigkeit des Stuhlgangs ist letztlich eben nicht nur eine intime, sondern auch äusserst individuelle An‑ gelegenheit.

N A N O PA R T I K E L U N D D A R M E N T Z Ü N D U N G E N

In zahlreichen Lebensmitteln und Hygieneprodukten stecken sogenannte Nanopartikel. Diese Zusatzstoffe verleihen den Produkten einen im wahrsten Sinne des Wortes «glänzenden» Auftritt. Allerdings können die Nanopartikel von den Darmschleimwänden aufgenommen werden und Entzündungsreaktionen im Darm auslösen respektive verstärken; im schlimmsten Fall führt dies zu chronisch-entzündlichen Darmer­ krankungen oder Darmkrebs. Auf diesen Zusammenhang hat Gerhard Rogler, Direktor der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie, bereits vor mehreren Jahren hingewiesen. Besonders auf dem Radar haben Forscherinnen und Forscher in diesem Zusammenhang Titandioxid – oder E171. Dieser Zusatzstoff kommt in fast allen weissen Lebensmitteln und in vielen Hygieneprodukten vor. Beispielsweise also in Mehl, Zucker, Kaugummis, Mozzarella oder Zahnpasta. Von der Weltgesundheitsorganisation WHO wird Titandioxid schon ­länger als potenziell krebserregend eingestuft, in verschiedenen Ländern der EU ist der Einsatz von E171 heute bereits verboten. Nun will die Schweiz nachziehen: Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinär­wesen BLV plant gestützt auf das Vorsorgeprinzip ein baldmögliches Verbot von Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff. Ein genauer Termin für das Inkrafttreten der neuen Gesetzesregelung ist allerdings noch nicht bekannt.

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«Habe mich neu organisiert» Vor sieben Jahren wurde bei Bruno Giardina (38) Colitis ulcerosa diagnostiziert. Die chronisch entzündliche Dickdarmerkrankung verläuft in Schüben und ist bis heute unheilbar. Text: Jolanda van de Graaf Bild: Thomas Egli

die Krankheit informieren und sie besser verstehen.

Wie gehen Sie im Alltag mit Ihrer Krankheit um?

Gewappnet für den Krankheitsschub: Bruno Giardina legte sich für Beruf und Alltag neue Strategien zurecht.

Bruno Giardina, wie kam es zur Diagnose Colitis ulcerosa? Meinen ersten Krankheitsschub er‑ lebte ich mit 31 Jahren an einem Wellness-Weekend. Bald war klar, dass dies keine Magen-Darm-Grippe war. Bei der Diagnose war ich wie gelähmt. Relativ rasch konnte ich aber offen darüber sprechen. Dabei halfen auch meine Familie und meine Partnerin.

Was bedeutet es, dass die Krankheit bislang unheilbar ist? Ich vertraue in die Forschung und nehme derzeit am USZ an einer Studie teil. Diese Medikamente nehme ich immer freitags ein, damit ich mich am Wochenende erholen kann. Grundsätzlich kommt der Weg zu passenden Medikamenten einer Odyssee gleich und ist sehr ermüdend.

Wie äussert sich die Krankheit? Die Bauchkrämpfe sind kolikartig und

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sehr schmerzhaft. An Schlaf ist nicht zu denken. Während eines Schubs bin ich darum nicht mehr voll leistungs‑ fähig. Die Erschöpfung nach einem Schub ist gross. Auch Privates muss ich immer wieder kurzfristig absagen.

«Ich trage immer eine Tasche mit Ersatzwäsche bei mir.» Bruno Giardina, Patient

Sollte der Arbeitgeber von der Erkrankung erfahren? Ein kontrovers diskutiertes Thema in unserer Patientenvereinigung Crohn Colitis Schweiz. Es gibt keine gesetzli‑ che Informationspflicht. Ich entschied mich aber für Transparenz, denn so konnten sich meine Vorgesetzten über

Wir Betroffene möchten möglichst normal leben. Dafür habe ich mich neu organisiert. Ich trage zum Beispiel immer eine Tasche mit Ersatzwäsche bei mir. Denn es gab schon Momente, in denen die Toilette zu weit weg war. Egal ob Shoppingcenter oder Business‑ termin, zuerst rekognosziere ich den Weg zu den Toiletten. An Konzerten stehe ich am Rand, um bei Bedarf unbehelligt rauszugehen. Längere Fahrten per Auto/Zug oder Flüge plane ich im Voraus, denn sie können rein psychisch eine Herausforderung sein. Wichtig ist der Zugang zu öffentlichen WC-Anlagen. Einen «Eurokey» zum Öffnen von Behindertentoiletten im öffentlichen Raum erhält man bei Pro Infirmis oder bei unserem Verein (www.crohn-colitis.ch).

Was beschäftigt Sie als Präsident der Patientenvereinigung Crohn Colitis? Es ist wichtig, chronische Darmkrank‑ heiten zu enttabuisieren. Noch heute spricht der Mensch nicht gerne über Beschwerden, die mit dem Stuhlgang zu tun haben. Wir fördern deshalb den Austausch zwischen den 3000 Mit‑ gliedern mit diversen Untergruppen, zum Beispiel einer für junge Betroffene. Und wir möchten die Öffentlichkeit auf unsere Bedürfnisse insbesondere in Bezug auf sanitäre Anlagen sensi­ bilisieren.


20 Minuten für einen Blinddarm Was für Spitäler zu Routineoperationen führt, ist für Betroffene sehr unangenehm und schmerzhaft: die Blinddarmentzündung. Nicht immer ist eine solche eindeutig zu erkennen. Auch andere Darmnotfälle müssen sorgfältig abgeklärt werden. Wann soll man bei Darmbeschwerden zum Arzt oder zur Ärztin? Text: Katrin Hürlimann Bild: Adobe Stock

«F

ast täglich operieren wir am USZ Blinddarmentzündungen», sagt Matthias Turina. Der Leitende Arzt der Klinik für Viszeral- und Trans­ plantationschirurgie operiert selber schon seit über zwanzig Jahren entzündete Blinddärme. Eine erfahrene Chirurgin entfernt einen solchen in zwanzig Minuten. «Ist der Blinddarm schon geplatzt oder zur Umgebung verklebt, kann die Operation allerdings wesentlich länger ­dauern», weiss Matthias Turina. Dann muss der ausgetretene Eiter drainiert, müssen allen­falls verklebte Stellen gereinigt und der Blinddarm entfernt werden. «Es gibt schon typische Anzeichen für eine Blinddarmentzündung, es ist aber nicht immer ein­deutig», erklärt Dagmar Keller Lang, die Direktorin des Instituts für Notfallmedizin. «Oft fängt der Schmerz im Oberbauch an, rechts oder links, wandert Richtung Bauchnabel und setzt sich dann in den rechten Unterbauch ab.» Kommt eine Patient*in mit solchen Bauchbschwer­den, werden eine Laboruntersuchung und ein Ultra­schall durchgeführt. Ist die Diagnose Blinddarmentzündung nicht eindeutig, werden die Patienten auf den nächsten Tag nochmals ein­ bestellt. Ist jedoch klar, dass der Blinddarm raus muss, wird innerhalb der nächsten sechs Stunden operiert.

Viele Ursachen für Darmverschluss Ein anderer, relativ häufiger Notfall ist der Darmverschluss. Auch hier sind Symptome und Ursachen alles andere als einheitlich. «Es kann sich um ein Problem am Dünndarm handeln, das sich wieder legt. Es kann aber auch sein, dass die Patientin einen fortge­ schrittenen Krebs des Dickdarms hat. Oder: Der Dünndarm verschliesst sich, weil der Patient aufgrund einer vorangegangenen Operation Verwach­ s­ungen hat oder auch wegen eines ­Leistenbruchs», erklärt Matthias Turina. Im Vergleich zum entzündeten Blinddarm muss aber nicht jeder Darmverschluss operiert werden. Insbesondere verwachsungsbedingte Formen des Dünndarmverschlusses können oft mit konservativen Massnahmen behandelt werden: mittels Infusionen, Legen einer Magensonde und Verzicht auf Nahrung für eine bestimmte Zeit.

wieder Personen mit seltenen oder speziellen Darmerkrankungen. Der Vor‑ teil am USZ ist, dass wir dann rund um die Uhr mit Spezialist*innen unter‑ schiedlicher Kliniken abklären können, worum es sich handelt, und die Erkrankung unverzüglich korrekt behandeln können», ergänzt Matthias Turina. Soll man also mit unklaren Bauchbeschwerden immer in den Notfall gehen? «Primäre Anlaufstelle bei leichteren Schmerzen oder solchen, die schon länger bestehen, sollte immer die Hausärzt*in sein», sagt Dagmar Keller Lang. «Liegen sogenannte Red Flags wie zum Beispiel Kreislaufinstabilität, eine stark angespannte Bauchmuskulatur, massive Schmerzen oder hohes Fieber vor, sollte aber eine umgehende Zuweisung an ein Zentrumsspital erfolgen.»

Unklare Bauchschmerzen genau beobachten «Täglich kommen Menschen mit Bauchbeschwerden zu uns», erzählt Dagmar Keller Lang. «Natürlich sind längst nicht alle unklaren Bauchschmerzen gefährlich, aber es kann sich durchaus um lebensbedroh­‑ liche Zustände handeln.» Ein Gross‑ teil der Betroffenen erhält schnell eine Diagnose. «Es gibt aber immer

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#facesofusz Giuseppina Sorrentino Die Sonographeurin arbeitet seit drei Jahren in der Echokardiographie der Klinik für Kardiologie. Die Echokardiographie ist ein Teil der kardiologischen Weiterbildung. «Nur in wenigen Ländern kann man Sonographie studieren. Ich hatte das Glück, diese Ausbildung in Italien absolvieren zu können.» Text: Moritz Suter Bilder: Christoph Stulz

Steckbrief Giuseppina Alter: 28 Jahre Beruf: Sonographeurin Am USZ seit: 3 Jahren Arbeitspensum: 100 Prozent Lieblingstätigkeit: Kontakt zu Patienten, privat: Sport Heimatland: Italien Grösste Herausforderung: präzise Messung über längere Zeit

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#facesofusz ist unsere Serie auf Instagram. Jeden zweiten Mittwoch erscheint ein Porträt über engagierte, interessante und aussergewöhn­ liche Mitarbeitende, die sich mit Haut und Haaren ihrer Arbeit am USZ verschrieben haben. www.instagram.com/ universitaetsspitalzuerich


Mein Arbeitsplatz am USZ

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achdem ich vor vier Jahren mein Studium in ­Italien abgeschlossen hatte, machte ich mich auf die Suche nach einer Arbeitsstelle. Ich wusste schon früh, dass ich gerne im Ausland arbeiten würde. Das USZ bot mir eine Chance – seither übe ich hier den Beruf aus, den ich liebe. Wir sind ein Team von zehn Sono­ grapheur*innen, aber der grosse Zusam­ menhalt und das Vertrauen machen uns fast zu einer kleinen Familie: Neben den schönen Momenten teilen wir auch die Uneinigkeiten und Probleme – und lö­ sen sie gemeinsam. Als Sonographeurin schalle ich pro Tag etwa sieben bis acht Pa­‑

Ein normaler Arbeitstag von Giuseppina: schallen, schallen, schallen.

«Das USZ hat mir die Möglichkeit gegeben, charakterlich und vor allem auch beruflich zu wachsen» Giuseppina Sorrentino, Sonographeurin

tient*innen. Dabei sind grösste Konzent­ ration und Präzision gefragt, was sehr anstrengend sein kann. Jede Messung ist für den Patienten extrem wichtig und muss äusserst genau sein. Danach bespre­ che ich meine Ergebnisse mit dem Ober­ arzt, und wir entscheiden gemeinsam, wie es mit dem Patienten weitergehen soll. Die schönsten Momente erlebe ich, wenn ich eine Verbesserung bei einer Patientin beobachten kann. Natürlich freut sie sich darüber am meisten, aber auch mich macht das extrem glücklich. Grossen Kontakt mit den Betroffenen habe ich aber leider nicht, denn während der Untersu­ chung sollten wir nicht viel mit ihnen sprechen. Wenigstens kann ich mich vor­ her und nachher mit ihnen austauschen – und ihnen so auch gut zureden, denn viele Menschen machen sich grosse Sorgen bei Herzproblemen. Ich möchte noch viel lernen und mich weiterbilden, um in Zukunft noch kom­ petenter zu werden. Gerne wäre ich auch in zehn Jahren noch am USZ.

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Das präzise Schallen verlangt höchste Konzentration.

SONOGRAPHEURIN

Im universitären Herzzentrum arbeiten zehn Sonographeur*innen mit Ultraschall. Sie analysieren während ungefähr 30 Minuten die Aktivitäten des Herzens. Worauf genau geachtet werden muss, variiert je nach Patient. Der Unter­suchungsablauf ist am USZ aber standardisiert.

Die Pause verbringt Giuseppina am liebsten im Garten oder auf der Dachterrasse WEST: «Wenn denn mal die Sonne scheint!»

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Wenn das Herz stürmt, stolpert oder stillsteht Viele Menschen kennen das: Plötzlich setzt das Herz einen Schlag aus. Oder es schlägt scheinbar ohne Grund rasend schnell. Beides kann unangenehm werden und Angst machen. Nicht immer grundlos. Die gute Nachricht ist aber: Die meisten Arrhythmien sind gut behandelbar. Text: Cindy Mäder Bild: Christoph Stulz

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äglich schlägt unser Herz rund 100’000 Mal. Durch rhyth­ mische Kontraktionen wird das Blut aus den Vorhöfen in die Haupt‑ kammern gepresst. Von der rechten Hauptkammer gelangt es in die Lunge, wo es mit Sauerstoff angereichert und über den linken Vorhof zum Her­ zen zurückgeführt wird. Die linke Hauptkammer pumpt das Blut sodann über die Hauptschlagadern in den Körper, zu Organen und Muskeln, um diese mit Sauerstoff zu versorgen. Die Bewegungen der beiden Vor­ höfe und Hauptkammern sind exakt aufeinander abgestimmt und werden vom sogenannten Sinusknoten aus über elektrische Impulse gesteuert. Ist die elektrische Leitung gestört, ge­ rät das Herz ausser Takt und damit auch der koordinierte Blutfluss. Und das kann gefährlich werden.

Zwei Arten von Herzrhythmus­ störungen Bei Herzbeschwerden gilt es immer als Erstes abzuklären, ob die Ursache in einer zugrundeliegenden Erkrankung liegt. Das kann ein Herzinfarkt sein, aber auch Probleme mit den Herzklap­ pen oder ein angeborener Herzfehler.

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In diesen Fällen wird zuerst die Grund­ erkrankung therapiert. Im besten Fall wird dadurch auch die Herzrhyth­ musstörung behoben. Findet sich ­dagegen keine Grunderkrankung, ­handelt es sich primär um ein elek‑ trisches Problem. Das ist bei rund der Hälfte aller Patientinnen und Patienten, die wegen Herzrasen oder Herzstolpern in die Abklärung kommen, der Fall.

Keine Altersfrage Es sind dabei keineswegs nur ältere Menschen, die Firat Duru, Kardio­loge und spezialisiert auf Rhythmologie, bei sich in der Sprechstunde empfängt. Der grosse Teil ist zwisch­en 20 und 40 Jahre alt und bisher scheinbar völlig gesund. «Einzelne Stolperer sind normal. Wenn sie aber öfter auftre­ten oder das Herz ohne Grund rast, sollten auch junge Menschen die Ursache abklären lassen», erklärt der Herzspezialist. Die meisten Be­ schwerden sind gut behandelbar, sei es me­dikamentös oder dann mittels sogenannter Ablation: Bei dieser Technik wird die Zone im Herzmuskel, die für die elektrischen Störungen verantwortlich ist, stillgelegt.

WIEDERBELEBUNG

Was gemeinhin als Herzstillstand bezeichnet wird, ist sehr oft auch das Gegenteil: Die Herzkammern «flimmern» mit bis zu 500 Schlägen pro Minute. Dadurch kommt der Blutfluss praktisch zum Erliegen, die lebensnotwendige Versorgung mit Sauerstoff versiegt. Jetzt zählt jede Sekunde: Die Überlebenschance sinkt in diesem Zustand um 10 Prozent pro Minute. Reanimation mittels Herzmassage ist wichtig, um mechanisch einen minimalen Blutfluss zu gewährleisten. Stoppen lässt sich das Flimmern aber nur mit dem Defibrillator: Der starke Strom­stoss kann wieder Ordnung in die elektrischen Ströme im Herzen bringen. Damit Vorhöfe und Kammern wieder rhythmisch im gewohnten Takt schlagen.


Eine Landkarte der Herzströme Aber wie findet man heraus, wo die Störung entsteht? «Wir sind heute in der Lage, eine eigentliche ‹elektrische Landkarte› des Herzens zu erstellen», erklärt Firat Duru. «Dazu provozieren wir mittels Katheter den Herzmuskel und messen zugleich über zwei weitere Katheter, wie sich die elektrischen Ströme verbreiten.» Anschliessend wird die Stelle, die die Störung verursacht, mittels Radiofrequenzenergie lokal ver‑ ödet. In der Regel können die Patien‑ ten noch am gleichen Tag wieder nach Hause gehen. Bei manchen Menschen liegt das Problem aber nicht an einer einzel­nen Stelle, sondern im Herzmuskel selbst. Die gefährliche Muskelkrankheit ist schwierig zu entdecken. «Leider ist der plötzliche Herztod oftmals das erste Anzeichen dieser Krankheit», wie Firat Duru sagt. Es ist das Bild, das spätes­ tens seit der Fussballeuropameister‑ schaft im Sommer 2021 viele kennen: ein Fussballspieler, der plötzlich ­zusammenbricht und nur dank so­ fortiger Reanimation gerettet wer­den kann.

Noch zu oft zu spät erkannt Die heimtückische Krankheit hat einen komplizierten Namen: Arrhyth‑ mogene rechtsventrikuläre Cardio­ myopathie (ARVC). Bis heute weiss man nur sehr wenig darüber. Die Krankheit ist in vielen Fällen vererbt, begünstigt wird sie oft durch grosse körperliche Anstrengung, wie sie im Spitzensport vorkommt. «Im Profi­ fussball sind Gesundheitschecks mit

Corinna Brunckhorst und Firat Duru beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dem Thema Herzarrhythmien. Hier stehen sie im Herzkatheterlabor.

Belastungstests vielerorts inzwischen Routine», so Firat Duru. Besteht der geringste Verdacht auf Unregelmässig‑ keiten, werden die Sportler zur vert­ief­ ten Abklärung in ein medizinisches Zentrum geschickt. «Die Diagnose ist aber noch immer schwierig zu stellen, sodass die Er‑ krankung oft nicht erkannt und auch unterschätzt wird», ergänzt Corinna Brunckhorst. Vor genau zehn Jahren hat sie zusammen mit Firat Duru ein Schwerpunktzentrum für ARVC

Z U R I C H A R VC P R O G R A M

Das Universitätsspital Zürich ist weltweit führend in der Forschung zu ARVC. Das Programm unter der Leitung von Firat Duru und Corinna Brunckhorst wurde bereits 2011 etabliert mit dem Ziel, das Verständnis für die Erkrankung und damit auch deren Diagnostik und Therapie zu verbessern. Seit 2018 arbeitet das USZ eng mit der Johns Hopkins University in den USA zusammen, um gemeinsam ein Risikomodell für ARVC zu erarbeiten. Unterstützt wird das Projekt unter anderem durch die USZ Foundation und den Schweizerischen Nationalfonds (SNF).

am Universitären Herzzentrum ge‑ gründet und ein spezialisiertes Team aufgebaut. Zusammen erforschen sie diese komplexe und unterschätzte Krankheit auf der Suche nach spez­i­ fischen Biomarkern, Einflussfaktoren von Sport und Hormonen sowie ein‑ deutigen diagnostischen Kriterien. «Bei Betroffenen stellen wir häufig die ­In­dikation für einen implantierbaren Defibrillator.» Bei einer akuten, le­bens­­ gefährlichen Herzrhythmusstörung gibt dieser einen Stromstoss ab, der die normale Herzaktivität wieder her‑ stellt. «Das ist eine Lebensversiche‑ rung für die oft noch jungen Patientin‑ nen und Patienten.» Beide Kardiologen betonen aber: ARVC ist relativ selten, ein generelles Screening für Hobbysportler nicht angezeigt. Von entscheidender Bedeu‑ tung ist jedoch, auf seine Herzgesund‑ heit zu achten und einen gesunden Lebensstil zu pflegen. «Das Herz ist das einzige Organ, das wir so direkt spü‑ ren», meint Corinna Brunckhorst mit einem Lächeln, «umso mehr sollten wir darauf achten.»

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Darmbakterien als Helfer gegen Krebs Eine Studie am USZ untersucht die Rolle des Mikrobioms im Kampf gegen Krebs. Text: Martina Pletscher Bild: Thomas Egli

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mmuntherapien sind eine starke Waffe gegen Krebs. Immer wieder gelingen damit geradezu spekta­ kuläre Behandlungserfolge. Die Immun­t herapien sind jedoch nur bei wenigen Krebsarten wirksam, etwa bei Melanomen, Lungen- und Brustkrebs und bei einer bestimmten Art von Darm­ krebs. Und: Etwa die Hälfte der Pat­i­ entinnen und Patienten reagiert auf die Immuntherapie gar nicht oder nur schwach. Die biomedizinische For­ schung konnte inzwischen zeigen, dass die Zusammensetzung des intes­ tinalen Mikrobioms der Patienten ­darüber entscheidet, ob die Immunthe­ rapie Wirkung entfaltet oder nicht. Das intestinale Mikrobiom bezeich­ net die Gesamtheit aller Mikro­orga‑ nismen im Magen-Darm-Trakt eines Menschen – früher sprach man von

der «Darmflora». Das Mikrobiom kann das Immunsystem, den Stoffwechsel und das Hormonsystem beeinflussen. Bei zahlreichen Krankheiten geht man aufgrund von Studien davon aus, dass es einen Zusammenhang mit dem intestinalen Mikrobiom gibt, etwa bei entzündlichen Darmerkrankun­ gen, bei Diabetes mellitus und Krebs­ erkrankungen. Und das Mikrobiom ist veränderbar. Diesen Umstand macht sich die Medizin seit einiger Zeit zu­ nutze, indem Krankheiten über die Veränderung des intestinalen Mikro­ bioms (Fecal Microbiota Transplant, FMT) behandelt werden. So werden Menschen mit chronischen entzündli­ chen Darmerkrankungen schon seit einiger Zeit mit der Übertragung von aufbereiteten Darmbakterien gesun­ der Personen behandelt.

Barbara Szczerba untersucht eine Blutprobe auf Krebszellen.

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Nach der Bakterienübertragung wirkt die Immuntherapie «Zwei kleine Studien haben bisher lediglich gezeigt, dass FMT auch bei Melanom-Patienten funktioniert. Patienten, die auf die Immuntherapie nicht reagiert hatten, sprachen auf die Therapie an, nachdem ihnen Darm‑ bakterien von Patienten, die reagiert hatten, übertragen worden waren», fasst Barbara Szczerba den aktuellen Stand der Forschung zusammen. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie arbeitet in einem For­ schungsteam der Klinik um Michael Scharl mit, das diesen Ansatz in einer klinischen Studie vertiefen will. «Wir wollen herausfinden ob das FMT-Ver­ fahren auch bei anderen Krebsarten wirksam und sicher eingesetzt werden kann und wie wir das Mikrobiom des Spenders und der Empfänger optimal aufeinander abstimmen.» Die Erfolgs­ rate könnte so noch einmal verbessert werden. Zahllose Patientinnen und Patienten könnten nach einer FMT eine Immuntherapie machen, auf die sie vorher nicht ansprachen. Ob die Im­ muntherapie nach der FMT die ge­ wünschte Wirkung zeigt, kann daran abgelesen werden, wie viele Tumor­ zellen im Blut der Patienten zirkulie­ ren. Werden sie weniger oder sind sie verschwunden, ist dies ein Zeichen dafür, dass die Krankheit nicht fort­ schreitet. Start der Studie soll noch im Winter 2021 sein; angelegt ist sie auf drei Jahre.


GASTBEITRAG

Mit kleinsten Sensoren den Stoffwechsel aus der Atemluft überwachen In der Schweiz sind etwa 40 Prozent der erwach­ senen Bevölkerung übergewichtig, mehr als 10 Pro­ zent sogar adipös. Dabei erhöht Adiposität das ­Risiko für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Blut­hochdruck oder Diabetes. Über die letzten Jahre hat eine Gruppe von Ärzten und Ingenieurinnen des USZ und der ETH neuartige Atemluftsensoren entwickelt, die den Fettstoffwechsel hochauflö­‑ send in Echtzeit überwachen können. Im Rahmen einer neuen Studie am USZ sollen diese Sensoren in ein benutzerfreundliches, mobiles Gerät integriert und betroffenen Patientinnen und Patienten zur Verfügung gestellt werden. Personalisierte Ernährungsempfehlungen sind ent­ scheidend für eine wirkungsvolle Behandlung von Adi­ positas. Ziel ist es, die unkontrollierte, oft über den ganzen Tag verteilte Nahrungsaufnahme in einen kon­ trollierten, zeitlich geplanten Rhythmus mit definier­ ten Fastenabschnitten zu überführen. Die Dauer dieser Fastenabschnitte sollte auf die individuellen Reaktio­ nen des Stoffwechsels bemessen sein. Dies bedingt eine Überwachung des Stoffwechsels. Bis heute ist es allerdings schwierig und für den Pa­ tienten mühsam, den Fettstoffwechsel des Körpers zu messen. Dazu ist typischerweise ein Stich in den Finger für eine Blutanalyse nötig. Atemluftsensoren, die Azeton messen, bieten eine äusserst vielverspre­ chende Alternative für den klinischen Alltag. Sie erlau­ ben es, präzise Informationen über den menschlichen Fettstoffwechsel anhand einer schnell durchgeführten, schmerzfreien Messung zu liefern. Bisher gab es jedoch keine entsprechenden Sensoren, die qualitativ über­ zeugend und für den klinischen Alltag geeignet waren. Dank Fortschritten in der Nanotechnologie ist es nun

gelungen, hochpräzise Atemluftsensoren zu entwi­ ckeln, die Stoffwechselparameter in der Atemluft prä­ zise messen können. Diese wurden bereits mit ersten Probanden am USZ und an den Universitäten in Basel und Innsbruck erfolgreich während der Diät und der physischen Aktivität getestet. Ziel dieser Studie ist es nun, die selbstentwickelten Atemluftsensoren in ein handliches Produkt zu überführen, das die Resultate der Atemanalyse auf einer Smartphone-App in Echt­ zeit anzeigt. Damit soll diese Technologie den am USZ behandelten Adipositas-Patientinnen und -Patienten zur Verfügung gestellt werden, um deren Behandlung durch massgeschneiderte Diäten und Empfehlungen zu sportlichen Aktivitäten verbessern zu können. Die Forschung zu solchen Atemluftsensoren läuft auch für andere Anwendungsbereiche auf Hochtouren. So sollen Ammoniaksensoren bald dabei helfen, den Harnstoffzyklus zu überwachen. Zudem sind trag­­‑ bare Detektoren in Arbeit, die eine Methanolvergiftung in der Atemluft messen können – ähnlich dem Alko­ holsensor der Polizei, der eine Vergiftung mit dem Trink­alkohol Ethanol anzeigt. Dieses Projekt wird durch den USZ Innovationspool gefördert und ist Teil des Projekts der Hochschul­ medizin Zürich «Zurich Exhalomics». Zudem ist die USZ Foundation auf der Suche nach weiteren Part­ nern, die dieses Projekt unterstützen möchten. Andreas Güntner, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung, Universitätsspital Zürich

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Unterwegs im unterirdischen Labyrinth 23 Kilometer lang sind die Gänge im USZ-Untergrund – ein veritables, vielen unbekanntes Labyrinth. Man braucht ein bisschen Übung, um sich zurechtzufinden. Und warm ist es dort, unter der Erde. Aber was passiert alles in den Gängen unter dem Spital? Wer arbeitet da? Die Palette ist breit: Hier geben wir einen kleinen Einblick in die Untergrundwelt des USZ. Text: Moritz Suter Bilder: Nicolas Zonvi

Omer Nezic begleitet eine Patientin zu ihrem nächsten Termin. Mit den futuristischen Vehikeln geht das ganz entspannt!

Mit grosser Sorgfalt bereitet Sonia Valente in der Bettenreinigung die Betten für Patientinnen und Patienten vor: Dazu gehört die Reinigung, das Beziehen der Betten und das Bereitstellen.

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Marina Ignjatovic hat am Abend spektakuläre Geräte für sich allein. Hier reinigt sie einen Bestrahlungsraum.


Mit Hochgeschwindigkeit nichtmedizinische Ware durch die Gänge transportieren: die Spezialität von Arif Dauti.

Projektleiter Otto Kühne inspiziert den Fortschritt der Bauarbeiten in der neuen Wärmeübergabestation.

In der Mechanik wird allerhand repariert: Hier macht Nicolas Genhart einen Feuerlöscher wieder betriebsbereit.

In der Poststelle wird auch der Bluttransport geregelt. Dylan Brullo hat eine Lieferung erhalten und bereitet sie für die interne Weiterverwendung vor.

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Das medizinische Bilderrätsel Bild: Martin Oeggerli mit Swiss TPH, Universitätsspital Basel und FHNW

Erkennen Sie das Motiv auf dem Bild? Raten Sie mit beim medizinischen Bilderrätsel. Die Auflösung finden Sie unterhalb des Bildes, kopfüber geschrieben.

Impressum USZinside Das Magazin richtet sich an Mitarbeitende sowie Besucherinnen und Besucher des USZ. Herausgeberin Universitätsspital Zürich, ­Unternehmenskommunikation Redaktionsleitung Katrin Hürlimann Redaktion USZ Barbara Beccaro, Manuela Britschgi, Claudio Jörg, Cindy Mäder, Martina Pletscher, Moritz Suter Externe Autoren Flavian Cajacob, Andreas Güntner, Helga Kessler, Jolanda van de Graaf Layout Partner & Partner Druck Vogt-Schild Druck AG Korrektorat Susanne Brülhart Bilder Adobe Stock, Atelier Brunecky, Nadja Baltensweiler, Thomas Egli, iStock, kühr design, Martin Oeggerli mit Swiss TPH, Universitätsspital Basel und FHNW, Steffi Sonderegger, Nicolas Zonvi Auflage 12’500 Exemplare Erscheinungsweise Dreimal jährlich: März/Juli/November Kontakt uszinside@usz.ch

F O LG E N S I E U NS ! UniversitaetsspitalZuerich Unispital_USZ universitaetsspitalzuerich

Menschliches Exkrement Menschliche Exkremente enthalten Millionen von Bakterien. Sie helfen uns, Nahrung zu

verdauen und Nährstoffe aufzunehmen, aber dienen auch zum Schutz der Darmwände.

Universitaetsspital Zuerich Universitätsspital Zürich

Drucksache myclimate.org/01-20-838173

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Universitätsspital Zürich


Mit jeder Spende können wir mehr bewirken.

Wir fördern medizinische Innovationen, die das Leben der Menschen unmittelbar verbessern. usz-foundation.com


ZUR PERSON

Ralph Fritsch, Leiter Darmtumorzentrum

Der Onkologe arbeitet seit Januar 2019 am USZ. Er ist auf gastrointestinale Onkologie, molekulare Onkologie und translationale Forschung spezialisiert. Bei der Darmkrebsbehandlung arbeitet das Darmtumorzentrum besonders eng mit der Viszeralchirurgie, der Radioonkologie, der Gastrologie, der Pathologie und Molekularpathologie, der onkologischen Fachpflege und dem Cancer Center Zurich zusammen. Ralph Fritsch schätzt es, am USZ mit den jeweils Besten in ihren Bereichen zusammenarbeiten zu dürfen. Der exzellente Teamspirit im Darmtumorzentrum und der Fokus auf spezialisierte Medizin und die gute Betreuung der Patientinnen und Patienten machen den Alltag im USZ unglaublich abwechslungsreich, wenn auch herausfordernd.

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Disziplinen

Arten Darmkrebs

gibt es: das kolorektale Karzinom (Dickdarm oder Enddarm) und den Dünndarmkrebs.

sind an der Behandlung von Darmtumorpatient*innen beteiligt, darunter Onkologie, Viszeralchirurgie und Gastroenterologie.

4 760 Menschen

erkranken in der Schweiz pro Jahr an Darmkrebs. Nur 260 von ihnen an Dünndarmkrebs, die grosse Mehrheit leidet an Dickdarmkrebs. Für die Prävention ist die Darmspiegelung zentral.


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USZinside – Ausgabe 3/21 by Universitätsspital Zürich - Issuu