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DentUnique 2015

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P.b.b. 14Z039972 M Universitätszahnklinik Wien, Sensengasse 2a, 1090 Wien

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Das Journal der Universitätszahnklinik Wien

State of the Art: Biopsietechnik – 10 Fortbildung weltweit durch die Universitätszahnklinik Wien – 16 neunerhaus Zahnarztpraxis: Für obdachlose Menschen – 22

Präklinische lehre Lehre Teil 1: Von der Theorie zur Praxis


Editorial

Sehr geehrte LeserInnen!

U

nser Journal DentUnique gibt Ihnen einen exklusiven Einblick in die Tätigkeiten an der Universitätszahnklinik Wien.

Wir berichten über aktuelle Forschungserkenntnisse, schildern PatientInnenfälle und informieren über die zahlreichen Weiterbildungsmöglichkeiten an der Universitätszahnklinik Wien.

Im Fokus dieser und der kommenden Ausgaben steht die Lehre. An der Universitätszahnklinik Wien erhalten die Studierenden eine dreijährige medizinische Grundausbildung mit dem Schwerpunkt Zahnmedizin.

Univ.-Prof. DDr. Andreas Moritz, Vorstand

Anschließend findet die einjährige präklinische Ausbildung an der Universitätszahnklinik Wien statt, gefolgt von einem zweijährigen intensiven praktischen und klinischen Studium in modernst ausgestatteten Räumlichkeiten. Unser Ziel ist eine erstklassige Ausbildung für alle Studierenden, die international gesehen auf einem sehr hohen Standard passiert. Wir möchten Sie mit unserem Journal DentUnique an unserem klinischen Alltag teilhaben lassen und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit mit Ihnen – zum Wohle der ­PatientInnen.

Impressum: Medieninhaber/Herausgeber: Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde GmbH, 1090 Wien, Sensengasse 2a, Tel.: +43-1-40 070, Fax: +43-1-40 070-3039, E-Mail: office-zmk@meduniwien.ac.at, www.unizahnklinik-wien.at Herausgeber: Geschäftsführer Univ.-Prof. DDr. Andreas Moritz und Thomas Stock Erscheinungsort: Wien Auflage: 5.000 Verlag: Albatros Media GmbH, Grüngasse 16, 1050 Wien, office@albatros-media.at, www.albatros-media.at Redaktion: Clemens Nechansky (Leitung), Mag. Marianne Kitzler, Bettina Benesch, Mag. Andrea Fallent, Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer, Carina Weinstabl Grafik & Produktion: Julia Proyer (Leitung), Doreen Agbontaen Verlagsleitung: Mag. Peter Morawetz Designkonzept: Julia Proyer Coverfoto: Universitätszahnklinik Wien/Fuchs Fotos: Falls nicht anders angegeben: Universitätszahnklinik Wien Druck: NÖ Pressehaus, 3100 St. Pölten Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz Die Universitätszahnklinik GmbH ist eine 100-%-Tochtergesellschaft der Medizinischen Universität Wien, www.meduniwien.ac.at/homepage/info/impressum. Grundlegende Richtung des Magazins: DentUnique informiert ZahnärztInnen, Studierende und MitarbeiterInnen der Universitätszahnklinik Wien über Forschung, Fallstudien, Weiterbildungsangebote und die Tätigkeiten der Institution.

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Inhalt

Inhalt

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Forschung 04 Lehre Teil 1: Von der Theorie zur Praxis 07 Neues zu Vitamin D 08 Erosion: Schäden durch Säure vermeiden

Praxis 10 State of the Art: Biopsietechnik 13 Facts über die Universitäts zahnklinik Wien: Fachbe reiche, Ambulanzen, Öffnungszeiten

10

14 Professionelles Bleaching mit Laser 15 Historisches aus dem Zahnmuseum Wien

Menschen 16 Fortbildung weltweit durch die Spezialisten der Universitäts zahnklinik Wien 18 Kluge Köpfe

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Service 19 NEBEOP: Erasmus-Programm an der Universitätszahnklinik Wien 20 IVOS-Kongress: 10th International Vienna Orthodontic Symposium

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21 Physik für bessere Zähne: Bernhard-Gottlieb-Medaille für Univ. Prof. DI Dr. Johann Wernisch

In den Kalender Laser-Workshop Modul I – SOLA Ausbildung zur/zum Laserschutzbeauftragten Kursleitung: Univ.-Prof. DDr. Andreas Moritz Datum: 17. 4. 2015, 14.00–20.00 Uhr und 18. 4. 2015, 9.00–19.00 Uhr Ort: Plurashop, Universitätszahnklinik Wien, Sensengasse 2a, 1090 Wien Anmeldung: m.maurer@pluradent-austria.at Basiskurs Implantologie im Fachbereich für orale Chirurgie/ZMK inkl. Live-OPs, Vorträgen über Anatomie, Histologie, chirurgisches Vorgehen, Prothetik und Übung am Phantom Kursleitung: Univ.-Prof. DDr. Christian Ulm Datum: 12. 6. 2015 Uhrzeit: 7.30–15.30 Uhr Ort: Besprechungszimmer orale Chirurgie, Universitätszahnklinik Wien Anmeldung: oralechirurgie-kurse@meduniwien.ac.at 11th International Vienna Orthodontic Symposium IVOS 2015 Präsident: O. Univ.-Prof. Dr. Hans-Peter Bantleon Datum: 4.–5. 12. 2015 Ort: Palais Niederösterreich www.palais-niederoesterreich.at Anmeldung: maria.strobl@meduniwien.ac.at Informationen: www.ivos.at

22 neunerhaus Zahnarztpraxis: Für obdach- und wohnungslose Menschen

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Forschung

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Forschung

Neu: E-Learning an der Zahnklinik

Teil 1:

Von der Theorie zur Praxis Die Universitätszahnklinik Wien profiliert sich bereits seit 2002 mit einem praxisnahen Studium auch in der Präklinik. Ein Gewinn für Studierende und PatientInnen.

S

eit über einem Jahrzehnt führt der Weg zur Zahnmedizin an der Universitätszahnklinik Wien über das Diplomstudium. Diese Umstellung hat die Ausbildung der ZahnärztInnen grundlegend verändert: „Die Studierenden genießen eine im europäischen Vergleich außergewöhnlich umfassende Ausbildung“, sagt Prof. Dr. Anita Holzinger MPH, Leiterin des Departments für Medizinische Aus- und Weiterbildung der MedUni Wien und Curriculumdirektorin für das Zahnmedizinstudium. Die ersten vier Semester sind weitgehend identisch mit den Inhalten des Studiums der Humanmedizin. Präklinik in zwei Teilen Als präklinische Ausbildung wird die Ausbildung bis zum 8. Semester gerechnet. Sie besteht aus theoretischen Blöcken und vor allem im 7. und 8. Semester aus einer Kombination aus praktikumsrelevanten Vorlesungen

und Praktika. Die Zeit vom neunten bis zum zwölften Semester ist der PatientInnenbehandlung gewidmet. (Details dazu in der kommenden Ausgabe 2/2015) Themen der ersten Semester sind unter anderem die Grundlagen der Medizin, Genetik, molekulare und zelluläre Kommunikation, der Block „Krankheit, Krankheitsursachen- und Bilder“, Organmorphologie, die Blöcke „Kau- und Bewegungsapparat“, „Oralpathologie und innere Organe“, „Gehirn, Sinnesorgane, Schmerz“ sowie die vor kurzem eingeführte Lehrveranstaltung Werkstoffkunde, in der auch Grundlagen der CAD-CAM Technologie vermittelt werden, inkl. Praktikum. Im sechsten Semester beschäftigen sich die Studierenden unter anderem mit Methoden der Medizinischen Wissenschaften, das heißt mit statistischen Grundlagen, der Planung wissenschaftlicher Studien und der Auswertung von Projekten. ‣

Auch in Zeiten neuer Medien wird Basiswissen großteils noch in der klassischen Vorlesung vermittelt. Die Konzentration im Hörsaal lässt allerdings recht bald nach. Wissenschaftlichen Studien zufolge kann E-Learning dagegen Studierende zum selbstständigen Lernen motivieren. An der Universitätszahnklinik Wien fand im Wintersemester 2014/2015 erstmals ein E-Learning-Kurs im Rahmen des Parodontologie- und ProphylaxePraktikums statt. Die Studierenden arbeiteten dabei PatientInnenfälle auf und verwendeten dazu klinische Bilder, Parodontalstatus und Röntgenbilder. Das Feedback war durchwegs positiv und bestärkte Prof. Anita Holzinger darin, diesen Weg weiter zu verfolgen: Das E-Learning soll weiter sinnvoll ausgebaut werden.

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Forschung

Das Zahnmedizinische Propädeutikum II setzt sich aus Vorlesungen und Praktika zusammen, die das Ziel haben, die Studierenden auf den bevorstehenden Eintritt in den klinischen Abschnitt möglichst realitätsnahe vorzubereiten. Ab dem 2. Semester werden erstmals Line Elemente angeboten, in denen praxisbezogene, zahnmedizinische Inhalte wie Mundhygiene und manuelle Fertigkeiten trainiert werden. Im 4. Semester werden die zahnspezifischen Lines zahnärztliche Erstuntersuchung, praktisches Repetitorium und ZOrganmorphologie angeboten. Das Line-Element „Patienten mit besonderen Erfordernissen I+II“ lehrt den

Umgang mit psychisch oder körperlich beeinträchtigten PatientInnen in der Zahnmedizin.

Die Präklinik im siebenten und achten Semester ist eine Zeit, in der Vorlesungen durch die praktische Arbeit am Phantom ergänzt werden. Die Studierenden arbeiten am Phantom wie am Patienten, benützen die gleiche Ausstattung, die gleichen Materialien und Instrumente wie später im klinischen Abschnitt. Die Lehrenden zeigen die Behandlungsschritte vor, die Studierenden können über einen Bildschirm jeden Handgriff verfolgen und nachvollziehen. Zusätzlich steht je vier Studierenden ein Behand-

lungsmikroskop für endodontische und präparationstechnische Aufgaben zur Verfügung.

Themen des siebenten Semesters sind u. a. Radiologie & Strahlenschutz, Parodontologie & Prophylaxe, Kariologie – Füllungstherapie – Endodontie, restaurative Zahnheilkunde – festsitzende Prothetik und Kinderzahnheilkunde. Im achten Semester folgen die Blöcke über Prothetische Grundlagen – abnehmbare Prothetik, Chirurgie und Kieferorthopädie. •

Zur Person Univ.-Prof. Dr. Anita Holzinger MPH absolvierte ihre Ausbildung zur Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie an der MedUni Wien. Seit 2011 ist sie Curriculumdirektorin für das Zahnmedizinstudium an der Universitätszahnklinik. Im Frühjahr 2014 erhielt sie die Professur für curriculare Entwicklung an der MedUni Wien, seit Sommer 2014 leitet sie ebendort das Department für Medizinische Aus- und Weiterbildung (DEMAW).

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Fokus Forschung

Neues zu Vitamin D Vitamin-D-Mangel wirkt sich nicht negativ auf die Regeneration des Alveolarknochens aus. Auch eine einzelne Gabe von Calcitriol verbessert die Heilung nicht, zeigen ForscherInnen im Rattenmodell. mit absorbierbarem Kollagenfleece gefüllt: Bei Ratten der Kontrollgruppe und der Vitamin-D-Mangelgruppe tränkten die ForscherInnen das Material mit 40 µl Dimethylsulfoxid (DMSO), in der Calcitriol-Gruppe mit 40 µl 10-9 mol/l 1,25(OH)2D3 (Calcitriol) in DMSO.

Histologische Aufnahme des Defektareals und neu gebildeter Knochen in der (A) Kontrollgruppe, (B) Calcitriol-Gruppe und (C) Vitamin-D-Mangelgruppe nach 21 Tagen

D

er Körper braucht das Hormon Vitamin D für zahlreiche Funktionen, unter anderem für den Knochenaufbau. Ein VitaminD-Mangel steht in Verbindung mit beeinträchtigter Knochenheilung und verminderter Osseointegration. Daraus lässt sich schließen: VitaminD-Mangel reduziert die Regenerationsfähigkeit von Knochen, was durch Vitamin-D-Supplementation aufgehoben werden kann.

Weltweit erste Studie am Kieferknochen Es gibt einige Studien zum Einfluss von Vitamin D auf die Knochenregeneration – insgesamt ist die Datenlage jedoch limitiert. Soweit aus den Datenbanken hervorgeht, wurde bisher keine präklinische Studie im Kieferknochen ­durchgeführt; und unklar ist besonders das ­therapeutische

­ otenzial von lokaler Calcitriol-BeP handlung beim Prozess der alveolären Knochenregeneration bei VitaminD-Mangel. Um nun die Forschungen auf diesem Gebiet auszuweiten, untersuchte ein Team um Alexander Fügl von der ­Universitätszahnklinik Wien den Einfluss einer einmaligen Gabe des Metaboliten Calcitriol bei Vitamin-­D-Mangel an Ratten.1 Die Studie 60 Ratten wurden in drei Gruppen geteilt, jeder Ratte wurde ein Defekt in Unter- und Oberkiefer gesetzt. Anschließend wurden die kleinen Löcher

Ergebnisse Die ForscherInnen zeigten, dass Vitamin-D-Mangel die alveolare Knochenregeneration nicht beeinträchtigt – im Gegenteil: Überraschenderweise hatte der Vitamin-D-Mangel einen begünstigenden Einfluss auf die alveolare Knochenregeneration. Ein weiteres Ergebnis: Die topische, einmalige Gabe von Vitamin D beeinflusst den frühen Heilungsverlauf nicht ­signifikant. Diese Ergebnisse decken sich nicht mit jenen Studien, in denen VitaminD-Metaboliten die Knochenregeneration und den Knochenumsatz bei Vitamin-D-Mangel verbesserten. Ein Grund liegt vermutlich daran, dass der Kieferknochen anders reagiert als die Knochen an Armen und ­Beinen – ja sogar der Knochenmetabolismus innerhalb des Alveolarknochens zeigt regionale Unterschiede. Zudem kam das Calcitriol nur einmal zum Einsatz. Ob diese Ergebnisse auf die klinische Situation umlegbar sind, muss in weiteren Studien untersucht­ werden. •

1 Fügl A, Gruber R, Agis H, Lzicar H, Keibl C, Schwarze UY, Dvorak G. Alveolar bone regeneration in response to local application of calcitriol in vitamin D deficient rats. J Clin Periodontol 2015. DentUnique 1/2015 07


Fokus Forschung

Schäden durch Säure vermeiden Zahnerosionen kommen in der Praxis immer häufiger vor. Die Forschung beschäftigt sich daher zunehmend mit dem Thema. Eine wichtige Erkenntnis: Die meisten Menschen dürfen und sollen nach dem Essen Zähne putzen und nicht zuwarten. Prophylaxe ist essenziell, denn die Erosion lässt sich erst dann erkennen, wenn es eigentlich schon zu spät ist.

Durch Bulimie erosiv veränderte Zähne

D

ie Zahnerosion ist eine durch Säure verursachte Demineralisation der Zahnhartsubstanz. Folgen auf den Säureangriff mechanische Reize, geht der Zahnschmelz unwiederbringlich verloren. Allgemein bekannt ist, dass der pH-Wert der Speisen oder Getränke bei der Erosion eine Rolle spielt: Je saurer die Substanz, desto eher wird der Zahnschmelz angegriffen. Der pH-Wert ist jedoch nicht allein ausschlaggebend für den Grad der Erosion: Von großer Bedeutung ist auch, wie viele Mineralstoffe die Speise oder das Getränk enthält. Besitzt die jeweilige Substanz weniger Mineralien als die ­Zahnhartsubstanz, wird ein Gleichge-

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wicht angestrebt: Der Zahn gibt Mineralien ab.

Prophylaxe Dieses Wissen ist für die ­Prophylaxe von großer Bedeutung: So lässt sich beispielsweise das hohe erosive ­Potenzial von Orangensaft aufheben, indem Kalzium zugegeben wird. Auch Joghurt hat wegen seines hohen Kalzium- und Phosphatgehalts kein erosives Potenzial, obwohl sein pH-Wert niedrig ist. Bei der Zahnerosion spielt die Prophylaxe eine wichtige Rolle, denn erosiver Zahnhartsubstanzverlust kann erst dann ­diagnostiziert werden, wenn bereits irreversible Schäden bestehen.

Gleich Zähne putzen Eine wichtige Frage der Prophylaxe ist die nach der richtigen Zeit des Zähneputzens. Im Rahmen ihres Auslandsaufenthalts in der Schweiz forschte Barbara Cvikl von der Universitätszahnklinik Wien im Team von Professor Lussi an einer Antwort.3 Das Ergebnis des Teams um Adrian Lussi von der Universität Bern: Die Empfehlung, das Zähneputzen nach einem erosiven Angriff nach hinten zu verschieben, sollte überdacht werden. Laut den ForscherInnen ist das Kariesrisiko durch schlechte Mundhygiene größer als der Nutzen durch eine kaum stattfindende Remineralisation durch den Speichel. Lediglich Hochrisikopati­ entInnen könne empfohlen werden, mit dem Zähneputzen zuzuwarten. •

Fotos: Univ. Ass. DDr. Polina Kotlarenko

Derzeit laufen erste erfolgversprechende Studien zur nichtinvasiven Früherkennung der Erosion mithilfe optischer Geräte.1 Als empfehlenswert für Prophylaxe gilt die lokale Anwendung von Fluorid. Auch zinnhaltige ­Präparate wirken als Schutzschicht auf dem Zahn. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Zahn­ oberfläche besonders durch die Kombination mehrerer ­Produkte vor Erosion geschützt wird: Beim Zusammenspiel einer zinnhaltigen Spül­lösung mit einer Fluorid/Zinn/Chitosan-haltigen Zahnpaste addierten sich die positiven Effekte der einzelnen Komponenten zu einem noch besseren Gesamteffekt.2


Fokus Forschung

1 Rakhmatullina E, Bossen A, Höschele C, Wang X, Beyeler B, Meier C, Lussi A. Application of the specular and diffuse reflection analysis for in vitro diagnostics of dental erosion: correlation with enamel softening, roughness, and calcium release. J Biomed Opt. 2011 Oct;16(10):107002.

2 Carvalho TS, Lussi A. Combined effect of a fluoride-, stannous- and chitosan-containing toothpaste and stannous-containing rinse on the preventio of initial enamel erosion-abrasion. Journal of dentistry. 2014;42(4):450-9. Epub 2014/01/21. 3 Lussi A, Lussi J, Carvalho TS, Cvikl B. Toothbrushing after an erosive attack: Will waiting avoid tooth wear? Eur J Oral Sci. 2014 Oct;122(5):353-9.

Erosion bei Bulimie: Spezialambulanz Bis zu 90 Prozent aller Bulimie-PatientInnen leiden unter Zahnerosionen. Die Bulimieambulanz der Universitätszahnklinik Wien ist die zahnmedizinische Anlaufstelle zur Verbesserung des Behandlungsprogramms für Menschen mit Essstörungen. Terminvereinbarungen jeweils Dienstag 8–13 Uhr unter Tel. +43 1 40 070-4935

Zur Person Ass.-Prof. DDr. Barbara Cvikl Fachbereich Zahnerhaltung & Parodontologie

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© Nobel Biocare Services AG, 2014. All rights reserved. Disclaimer: Some products may not be regulatory cleared/released for sale in all markets. Please contact the local Nobel Biocare sales office for current product assortment and available.

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Praxis

Die Biopsie ist der Goldstandard in der Diagnostik von Schleimhautveränderungen. Die Gewebeproben werden unter dem Mikroskop histopathologisch begutachtet und dienen dazu, die klinische Diagnose zu stßtzen oder zu sichern.

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Praxis

State of the Art: Biopsietechnik

V

or der Biopsie wird der jeweilige Fall an der Universitätszahnklinik Wien routinemäßig in der PatientInnenkartei genau dokumentiert. Dazu gehören die genaue Anamnese und Informationen zu Größe, Form und Beschaffenheit des betroffenen Areals. Wichtiger Bestandteil dabei ist die Foto­ dokumentation. Zusätzlich werden die Symptome und ihr zeitlicher Ablauf festgehalten, überdies der Lymphknotenstatus und der palpatorische Befund. Eingang in die Dokumentation finden auch die klinische Verdachtsdiagnose und mögliche Differential­ diagnosen. Auch auf die Aufklärung der PatientInnen wird an der Zahnklinik Wien großer Wert gelegt.

Abb.1: Inzisionbiopsie bei V.a dysplastische Veränderung. Intravitalfärbung, „No touch Prinzip“ elliptische Schnittführung am rechten Zungenrand

Abb. 2: „No touch Prinzip“ Fadenfixierung mit Vicryl 5.0 und Mikroklinge tangential geführt zur Exzisionsbiopsie eines Fibroms an der Zunge

Fotos: Nadine Krier/Orale Chirurgie der Unizahnklinik Wien

Indikationen Zu den Indikationen der histopathologischen Begutachtung gehören • Malignitätsverdacht, • unklare bestehende Läsion mehr als zwei Wochen nach Entfernung der potenziellen Ursache, • Verschlimmerung/Vergrößerung, • chronisches Ulcus, • Induration auf Palpation, • pigmentierte Läsionen, • Verdacht auf Autoimmunerkrankung, • OP-Präparate und • Einschränkung oraler Funktion (fibröse Dysplasie, Exostosen).

Biopsietechniken Die Lokalanästhesie erfolgt an der Universitätszahnklinik periläsional, da es durch intraläsionale Lokalanästhesie zu Verzerrung und Ödemen kommen kann. Die Oberfläche der Gewebeprobe ist elliptisch, da die Wunde auf diese Weise leicht verschlossen werden kann. In die Tiefe gehend erfolgt die Probenentnahme in V-Keilform, um sicherzustellen, dass alle Gewebe­ schichten erfasst werden (S. 12, Grafiken). Vorzugsweise erfolgt die Gewebeentnahme parallel zu Nerven und Gefäßen. ‣

Abb. 3: Stanzbiopsie am harten Gaumen bei Leukoplakie mit intravital Färbung mittels Toluidinblau

Abb. 4: Erythroplakie mit intravital Färbung mittels Toluidinblau und ohne zur Wahl der Biopsie Region

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Praxis

Bei der Inzisionsbiopsie (Grafik A und B) wird bei großen Läsionen und bei Malignitätsverdacht ein repräsentativer Anteil der Veränderung mit angrenzendem gesundem Gewebe mit einer Verteilung von drei zu eins entnommen (S. 11, Abb. 1). Die Probe sollte mindestens eine Fläche von zwei mal zwei Millimetern umfassen. Die Form ist elliptisch. Die Entnahme beginnt am unteren Rand, um die Sicht nicht durch Blutungen zu behindern. Es gilt das „No touch“-Prinzip mit Fadenfixierung (S. 11, Abb. 2): Das Präparat darf keinesfalls mit der chirurgischen Pinzette gequetscht werden. Gerade bei Verdacht auf bullöse Autoimmunerkrankung ist übermäßiges Saugen nicht angezeigt, da es sonst zu artifizieller Spaltbildung kommen kann.

A

B

Grafik A und B: Inzisionsbiopsie bei großen Läsionen und Malignitätsverdacht C

D

Grafik C und D: Exzionsbiopsie bei kleineren Läsionen

Bei der Exzisionsbiopsie (Grafik C und D) werden gestielte, kleine (<10 mm) oder exophytische Läsionen komplett entfernt. Die Probe ist elliptisch, die Klinge zur Läsion hin geneigt (S. 11, Abb. 2).

Adjuvante Methoden Bei der Wahl der Lokalisation hilft die Färbung mit Toluidinblau intravital (S. 11, Abb. 4). Auf diese Weise werden dysplastische Zellen angefärbt, was die Wahl der R ­ egion bei der Inzisionsbiopsie erleichtert. Die Nahtentfernung erfolgt fünf bis zehn Tage nach der Biopsie; im ästhetischen Bereich werden die Nähte eher früher entfernt. Der Patient, die Patientin wird zwei bis drei Wochen nach der Biopsie zur Befund­ besprechung gebeten. •

Das Team Priv.-Doz. DDr. Gabriella Dvorak, Fachbereich Orale Chirurgie, Universitätszahnklinik Wien Univ.-Prof. Dr. Klemens Rappersberger, Abteilung für Dermatologie, Krankenhaus Rudolfstiftung

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Verruköse Leukoplakie photodynamische Diagnostik mittels 5-ALA, intravital Färbung mit Toluidinblau und Nativaufnahme

Fotos: Nadine Krier/Orale Chirurgie der Unizahnklinik Wien

Die Stanzbiopsie (S. 11, Abb. 3) ist bei hartem Untergrund geeignet. Notwendig ist dafür ein rechtwinkeliger Zugang. Wegen der runden Wundränder ist der Wundverschluss schwierig. Die Stanzbiopsie ist kontraindiziert bei vesikulobullösen Autoimmunerkrankungen, da sie zur Ablösung des Epithels oder zu artifizieller Spaltbildung führen kann.


Praxis

Gut zu wissen Universitätszahnklinik Wien, Sensengasse 2a, 1090 Wien

Anfahrt: Öffentliche Verkehrsmittel: • 37/38/40/41/42 von Schottentor – Haltestelle: Schwarzspanierstraße • 40/41/42 von Währinger Straße – Volksoper – Haltestelle: Sensengasse • 5/33 Haltestelle: Lazarettgasse • 43/44 Haltestelle: Lange Gasse (kurzer Fußmarsch durch das Alte AKH) Mit dem Auto: Gebührenpflichtige BOE-Parkgarage in der Sensengasse 3. Bitte beachten Sie, dass im gesamten 9. Bezirk Kurzparkzone ist. Fachbereiche: • Zahnerhaltung und Parodontologie • Unit – Zahnärztliche Ausbildung • Kieferorthopädie • Orale Chirurgie • Prothetik • Radiologie

Spezialambulanzen: • Spezialambulanz für Laserzahnheil kunde Ansprechpartner: Monika Dangl Tel.: +43 1 40 070 2323

Foto: Universitätszahnklinik Wien

• Spezialambulanz für Endodontie Ansprechpartner: Selma Sulejmanovic Tel.: + 43 1 40 070 2145 • Spezialambulanz für ästhetische Zahnheilkunde Ansprechpartner: Monika Dangl Tel.: +43 1 40 070 2323

• Spezialambulanz für Funktions störungen Ansprechpartner: Alexandra Wolfer Tel.: + 43 1 40 070 4930

• Spezialambulanz für Bulimie Ansprechpartner: Kathalin Maté Tel.: +43 1 40 070 4935

• Spezialambulanz für Mund- und Schleimhauterkrankungen Ansprechpartner: Kathrin Fröschl Tel.: + 43 1 40 070 4121 Ansprechpartner/Innen – Kontakte: Zentrale Aufnahme Stefanie Brandner, Agnes Font, Bettina Lackner, Monika Saffer, Cornelia Schmid, Katharina Celar-Vojtechovsky Tel.: +43 1 40 070 2000 E-Mail: aufnahme-zmk@ meduniwien.ac.at

Allgemeine Ambulanz Gertraud Huber, Gabriele Pleininger, Karoline Schweinberger, Irene Horvath Tel.: +43 1 40 070 2020 E-Mail: ambulanz-zmk@ meduniwien.ac.at

Klinische Bereiche • Zahnerhaltung und Parodontologie Sekretariat: Edda Gsell Tel.: +43 1 40 070 2101 E-Mail: zahnerhaltung-zmk@ meduniwien.ac.at • Prophylaxecenter Leitstelle: Marion Hahn Tel.: +43 1 40 070 4720 E-Mail: prophylaxecenter@ meduniwien.ac.at • Kieferorthopädie Leitstelle: Katrin Wychera, Evelyne Marchsteiner Tel.: +43 1 40 070 4320

Sekretariat: Maria Strobl Tel.: +43 1 40 070 4301 E-Mail: kfo-zmk@meduniwien.ac.at • Orale Chirurgie Leitstelle, OP-Organisation: Kathrin Fröschl Tel.: +43 1 40 070 4121 Sekretariat: Brigitte Kneidinger Tel.: +43 1 40 070 4101 E-Mail: oralchir-zmk@ meduniwien.ac.at

• Prothetik Sekretariat: Bettina Haruksteiner Tel.: +43 1 40 070 4901 E-Mail: prothetik-zmk@ meduniwien.ac.at • Radiologie Leitstelle: Christine Niziolek Tel.: +43 1 40 070 2420 E-Mail: radiologie-zmk@ meduniwien.ac.at

Öffnungszeiten: Immer nach Terminvereinbarung! • Aufnahme von PatientInnen Zentrale Aufnahme und Notbehand lungen: Montag–Freitag 7.30–13 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertage 8–13 Uhr • Behandlungszeiten in den klinischen Bereichen Montag–Freitag 8–16 Uhr nach Terminvereinbarung • Kieferorthopädie: Montag–Donnerstag 8–17 Uhr, Freitag 8–13 Uhr DentUnique 1/2015 13


Praxis

Abb. 1: Anfangszustand (Zahnfarbe A3, Vita-Farbschlüssel)

Abb. 2: Zustand nach zwei Laserbehandlungen im Zeitraum von vier Wochen: Kontrolle der erreichten Zahnfarbe mit dem Farb­ ring A1: eindeutig hellere Zähne, Lippenretraktor noch in situ

Abb. 3: Definitiver Zustand nach zwei Monaten

Abb. 4: Das Lächeln mit strahlend hellen Zähnen, die den Erwartungen des Patienten entsprachen

Professionelles Bleaching mit Laser Viele Models und Schauspieler haben es – und auch in weniger glamourösen Berufen wird es immer wichtiger: das strahlende Lächeln als Visitenkarte. Ein Trend, der sich auch in der Spezialambulanz für ästhetische Zahnheilkunde bemerkbar macht.

I

mmer häufiger kommen PatientInnen mit dem Wunsch nach perfekten weißen Zähnen zu den ExpertInnen der Spezialambulanz. Um das Gebiss dauerhaft „weißer“ zu machen, stehen mehrere Behandlungsmöglichkeiten zur Aufhellung der Zähne zur Verfügung: 14 DentUnique 1/2015

Eine Reihe von Home-BleachingProdukten (die Methode für zu Hause) und zahlreiche Varianten von In-Office-Bleaching. Bei Letzterem werden Bleaching-Gels mit höheren Peroxidkonzentrationen verwendet, die ausschließlich vom Zahnarzt angewendet werden dürfen.

Basische „Bleichmittel“ Die Wirkweise des Bleachings beruht auf der Freisetzung von freien Radikalen aus dem Wasserstoffperoxid des Gels und deren Diffusion durch den Schmelz und Dentin. Welche Radikale entstehen, hängt vom pH-Wert des Gels ab. Während saure Gels, die


Praxis

Zeitfaktor Um die Einwirkzeit des Bleaching-Gels zu reduzieren und die Folgeschäden einzuschränken, kann Energie durch spezielle Lampen und Laser zugefügt werden. Durch Energieabsorber im Gel wird der Bleaching-Vorgang beschleunigt. Herkömmliche Lampen verfügen über ein breites Lichtspektrum, von dem das Gel nur einen Teil absorbiert. Dadurch entsteht Verlustwärme, was wiederum zu Schmerzen führen kann. Aufgrund der Monochromasie (eine Wellenlänge) des Laserlichtes wird die gesamte Energie selektiv vom – auf eine bestimmte Wellenlänge abgestimmten – Gel­absorber aufgenommen. Dies bedeutet, dass nicht jedes Bleaching-Gel für jeden Laser geeignet ist. Dentalfirmen stellen ihre Lasergeräte daher mit entsprechend dafür entwickelten Bleaching-Gels her, die einen basischen pH-Wert aufweisen. Dadurch werden einerseits reaktivere Perhydroxyl-Radikale gebildet, die für einen länger anhaltenden Aufhellungseffekt sorgen. Andererseits verursacht ein Gel mit basischem pH-Wert keine Veränderung der Zahn­ oberfläche oder Entmineralisierung.

Gel an einem jungen Patienten durchgeführt. Der Patient präsentierte sich mit der anfänglichen A3-Farbe des Vita-Farbschlüssels (siehe Abb. 1). Im Durchschnitt ist eine Verbesserung von sechs bis zwölf Helligkeitsgraden auf der Skala möglich, wobei gelb verfärbte Zähne besser ansprechen. Vor dem Bleaching ist die gründliche Reinigung der Zahnoberfläche von jeglicher organischer Materie notwendig, anschließend wird der Gingivaschutz appliziert. Nachdem bei diesem Patienten das Bleaching-Gel in gleichmäßiger Schichtstärke aufgetragen wurde, erfolgte die Laserapplikation. Um eine eventuelle – jedoch sehr seltene – Zahnempfindlichkeit zu minimieren, wurde im Anschluss das Kaliumnitrat enthaltende Desensitizing-Gel aufgetragen. Die Wiederholung erfolgte nach zwei Wochen. Für ein optimales Ergebnis ist eine entsprechende Compliance wichtig. Patienten müssen sich daher streng nach den Vorgaben für die „postoperative“ Zeit richten. Das bedeutet: absolute Abstinenz von allen Zahn verfärbenden Mitteln (u. a. Kaffee, Nikotin, Rotwein, Beeren) in den ersten 72 Stunden, die danach bis zur Wiederholung der Behandlung mit Vorsicht zu konsumieren sind. Der Effekt hält über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren an, er ist jedoch vor allem von den jeweiligen Konsumationsgewohnheiten abhängig. •

Fallbericht Im vorliegenden Fall wurde das Bleaching mittels Biolase-Diodenlaser in Kombination mit LaserWhite20-

Zur Person Dr. Mladen Regoda, Unit – Bereich Spezialambulanz ästhetische Zahnheilkunde Spezialambulanz mikroskopische Endodontie

Damals Foto: DDr. Johannes Kirchner/ Zahnmuseum

in den meisten Home-Bleaching-Produkten enthalten sind, nicht sehr effiziente freie Radikale enthalten und die Zahnoberfläche angreifen, werden in basischen Gels wesentlich aktivere Perhydroxyl-Radikale frei.

Fiedelbogen Wann das erste Mal an Zähnen aus therapeutischen Zwecken gebohrt wurde, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Aelius Galenos von Pergamon (129–199 n. Chr.), Leibarzt des römischen Kaisers Marc Aurel und neben Hippokrates der wohl berühmteste Arzt der Antike – zitiert jedenfalls ­Archigenes aus Apameia, der von 98 bis 115 n. Chr. in Rom als Arzt arbeitete: „Wenn es (das Übel) bei keinem der vorher genannten Mittel weicht, der Schmerz aber heftig ist, so verwende ich nach Durchbohrung des Zahnes mit einem zarten Bohrer (leptó trepáno) die erwähnten Arzneien.“ Dies galt der Beseitigung des akuten Schmerzes, aber nicht von Karies. Erste Abbildungen findet man bei Giovanni Andrea della Croce (1509–1575) und Andreas Vesal (1514–1564). Der bei Croce abgebildete Fiedelbogen diente aber nur der Knochendurchbohrung bei Anfertigung von Skeletten. Der berühmte französische Arzt Pierre Fauchard (1678–1761) beschreibt einen „Fiedelbogen“ in der ersten Ausgabe seines „Le Chirurgien Dentiste“ noch als technisches Gerät zur Herstellung von Zahnersatz, in der zweiten Auflage 1746 für die ­Wurzelkanalbehandlung. Der Fiedelbogen aus dem Zahnmuse­ um Wien (Abb.) mit seinen Elfenbein­ griffen stammt sicher aus einem später für einen Zahnbehandler betuchter PatientInnen angefertigten Instrumentenset. Das lässt darauf schließen, dass noch im 19. Jh. solche Bohrgeräte zum Einsatz kamen. Inwieweit der Fiedelbogen für kariöse Läsionen verwendet wurde, ist unklar. • DDr. Johannes Kirchner, Kustos des Zahnmuseums Wien

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Menschen

Fortbildung weltweit durch die Spe Universitätszahnklinik Wien

Update Refresher Erstmalig fand in der Reihe „Update Refresher“ des Forums für medizinische Fortbildung (FomF) eine zahnmedizinische Veranstaltung statt, und zwar am 7. und 8. November 2014 in Wien. In 30- bis 40-minütigen Blöcken präsentierten SpezialistInnen der verschiedensten Fachdisziplinen der Universitätszahnklinik Wien unter wissenschaftlicher Leitung von Univ.-Prof. DDr. Andreas ­Moritz vor rund 300 TeilnehmerInnen die neuesten diagnostischen und therapeutischen Leitlinien der Zahnmedizin. Dabei wurde vor allem auf Praxisrelevanz großer Wert gelegt.

Digitale Abformung Ein Schwerpunkt war die digitale Abformung (Computer-aided Impressioning) durch CAD/CAM (Computer aided Design/Computer aided Manufacturing). Sie gehört zu den aktuell spannendsten Entwicklungen in der Zahntechnik. Fast täglich kommen neue Materialien auf den Markt, die Technik ermöglicht sämtliche Variationen vom einzelnen Implantat bis hin zur Totalprothese. Die Universitätszahnklinik Wien ist in Klinik und Forschung maßgeblich an der weiteren Entwicklung der Technik beteiligt. Mehr dazu siehe DentUnique 3/2014, ab Seite 8. 16 DentUnique 1/2015

Wiener Prothetisches Konzept Einen weiteren, viel beachteten Beitrag zum „Update Refresher“ lieferte Univ.-Prof. DDr. Eva Piehslinger, Bereich Prothetik, Universitätszahnklinik Wien. Sie stellte das Wiener Prothetische Konzept dar. Es handelt sich dabei um ein Gesamtkonzept zur Rehabilitation von komplexen Fällen. Es werden PatientInnen mit Funktionsstörungen im Kauorgan einem genau definierten Diagnose- und Behandlungsplan zugeführt, der im interdisziplinären Dialog mit anderen Fachdisziplinen ausgeführt wird. Hierbei wird vor allem auf eine genaue anamnestische und klinische Untersuchung der PatientInnen Wert gelegt. Anamnestische Erhebungen bezüglich Problemen in anderen Gelenken, Kopfschmerzen oder Beschwerden beim Kauen können dann interdisziplinär mit den PhysiotherapeutInnen sowie den NeurologInnen abgeklärt werden. Die prothetische Rehabilitation wird anhand der axiografischen Daten und nach diagnostischem Aufwachsen individuell an die PatientInnensituation angepasst.

SOLA-kongress Der achte Kongress der International Society of Oral Laser Applications (SOLA) fand von 21. bis 22. September 2014 in Peking in Kooperation mit dem Peking Union Medical College (PUMC) statt. Zwischen dem PUMC und der Universitätszahnklinik Wien besteht eine enge Aus- und Fortbildungskooperation. Vorgeschaltet waren Modul I und II des dreistufigen Aus­bildungsprogramms mit rund 600 TeilnehmerInnen aus aller Welt. Weiters berichteten die RednerInnen über neue wissenschaftliche Erkenntnisse und lieferten Informationen zu State-of-the-Art-Vorgangsweisen für KlinikerInnen. Die Themen reichten von der konservierenden Zahnheilkunde über die Chirurgie bis zur Parodontologie. Von der Universitätszahnklinik Wien referierte das Laserteam, DDr. Markus Laky, Assoc. Prof. Univ.-Doz. ­Dr Xiaohui RauschFan sowie Dr. Birgit Nawrath, über „Laseranwendung in der Parodontalchirurgie“. Klinikvorstand Prof. Andreas Moritz berichtete über die aktuellen Ergebnisse aus der Forschung im Bereich Hartgewebspräparation. PENN Endo Global Symposium Zu dieser von 4. bis 6. Dezember im Palais Ferstel, Wien, abgehaltenen Veranstaltung kamen etwa 400 BesucherInnen aus 40 Nationen. Für die Organisation waren die Österreichische Gesellschaft für Endodontie (ÖGE), die University of Pennsylvania und die Universitätszahnklinik Wien verantwortlich. Knapp 40 „young scientists“ hielten Kurzvorträge und Posterpräsentationen. Sie bilden durch gegenseitige Einladungen ein starkes weltweites Netzwerk.

Foto: MUW

Unter maßgeblicher Beteiligung der Universitätszahnklinik Wien findet laufend eine Reihe hochkarätiger Veranstaltungen zur Fortbildung von ZahnärztInnen statt. Hier einige Highlights aus den letzten Monaten:


ezialisten der Adventkongress Der Adventkongress der Österreichischen Gesellschaft für „Esthetic Dentistry“ (OEGED) fand von 12. bis 13. Dezember an der Universitätszahnklinik Wien statt. Ein Highlight bildete das bereits zum dritten Mal durchgeführte „Heraeus Kulzer Ästhetik Projekt“. Dabei führten sieben nominierte Studierende der heimischen Universitätszahnkliniken einen Feldtest mit genauer Dokumentation sowie Begründung der gewählten Materialien und Ins­ trumente durch. Das Niveau der Präsentationen war sehr hoch, mit den ersten beiden Plätzen wurden zwei Studierende der Universitätszahnklinik Wien ausgezeichnet: Linda Schwarz belegte den ersten, Mathias Lidauer den zweiten Rang. Cand. med. dent. Linda Schwarz dazu: „Mein Thema lautete ,Restitution eines Frontzahnes nach einem Frontzahntrauma‘. Es handelte sich um einen 23-jährigen Patienten mit einer Sportverletzung. Der Zahn wurde wurzelbehandelt und verfärbte sich infolgedessen dunkel, was den Patienten störte. Wir entschieden uns zu einem internen Bleaching und dem Wiederaufbau der Schneidekante in einer In-Office-Sitzung. Ich habe das Prozedere mittels dreidimensionaler Computersoftware dargestellt. Dazu scannte ich ein Gipsmodell des Kiefers und animierte diese Darstellung am Computer, sodass sie sich während der Präsentation drehte.“ ÖGZMK Förderpreis Am 14. Jänner wurden in der Universitätszahnklinik die Förderpreise der ÖGZMK vergeben. Die Preisträger: 1. Platz: Stefanie LOIDL, Zahngesundheit bei Patienten mit Diagnose eines Plattenepithelkarzinoms im oberen Aerodigestivtrakt zwischen 6 Monaten und 5 Jahren nach Therapie 2. Platz: Anne KAST, Einfluss der prothetischen Versorgung auf die mund-gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Patienten mit oralem Lichen Planus 3. Platz: Omar HAMID, Collagen membranes as carriers for prolyl hydroxylase inhibitor: Evaluation of the release with bioassays IVOS-Kongress Am 5. und 6. Dezember feierte der jährlich stattfindende IVOS-Kongress (International Vienna Orthodontic Symposium) sein zehnjähriges Jubiläum. Bericht auf Seite 20. •

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Kluge Köpfe Hier stellen wir Ihnen einige MitarbeiterIn­nen des äußerst kompetenten Teams der Universitätszahnklinik vor:

Dr. Katharina Giannis

Dr. Katharina Giannis ist Leiterin der Spezialambulanz für Endodontie an der Universitätszahnklinik Wien. Neben ihrer lehrenden Tätigkeit bei der Betreuung von Studierenden ist sie auch in der postgraduellen Ausbildung involviert. Nach ihrer Anstellung 2007 als Universitätsassistentin an der Abteilung für konservierende Zahnheilkunde folgte das Curriculum „Spezialist für Endodontie‘‘, welches sie mit Auszeichnung absolvierte. 2009 hospitierte Dr. Giannis an der University of Pennsylvania sowie in einer Praxis in Philadelphia mit dem Schwerpunkt Endodontie und Ästhetik. 2010 erhielt sie das Diplom als „Micro Dentistry and Micro Surgery Specialist‘‘ der Schweizer CarlZeiss-Akademie. Neben zahlreichen Publikationen konnte sie aktuell ein Patent für die Medizinische Universität Wien anmelden. 18 DentUnique 1/2015

Dr. Michael Bertl

DDr. med. dent. Gabriela Eisenmenger

DDr. Gabriela Eisenmenger promovierte 1995 zum Doktor der gesamten Heilkunde. Bevor sie 1997 ihre Ausbildung zur Fachärztin für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universitätsklinik Wien begann, war sie am Krankenhaus Hainburg tätig. Nach abgelegter Facharztprüfung und abgeschlossenem Studium zum Doktor der Zahnheilkunde absolvierte sie eine Facharztausbildung zur Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgin im Allgemeinen Krankenhaus Wien. 2009 wechselte sie vom AKH an die Abteilung für Orale Chirurgie der Zahnklinik. Ihre chirurgischen Schwerpunkte sind unter anderem der Kieferknochenaufbau mit Beckenkamm und die Versorgung hochatropher Oberkiefer mit Jochbein-Implantaten. Seit Februar 2014 teilt DDr. Eisenmenger ihre Tätigkeit auf den Fachbereich Orale Chirurgie und den neu geschaffenen Bereich der Kinderzahnheilkunde auf. Als Teil des Kinderteams liegen ihre Aufgaben neben der Kariesbehandlung in der chirurgischen Sanierung von überzähligen Zahnablagen, Lippen- und Zungenbändchenkorrekturen.

Dr. Michael Bertl studierte Zahnmedizin an der Medizinischen Universität Wien. Seit 2009 ist er als Assistenzarzt im Fachbereich Kieferorthopädie an der Universitätszahnklinik Wien tätig. Dort übernahm Dr. Bertl im Jahr 2011 die Leitung des Messlabors und ist des Weiteren als stellvertretender Blockkoordinator des Blocks Z-9 im Einsatz. Seit 2014 ist er „provisional member“ des European Board of Orthodontists. Er ist Verfasser diverser Publikationen und Buchbeiträge und hält national und international Vorträge. Zudem lehrt Dr. Bertl im Diplomstudium Zahnmedizin und ist an der postgraduellen kieferorthopädischen ­Ausbildung beteiligt.

Ingrid Sperlich

Ingrid Sperlich hat seit 1994 mehrere Stationen an der Universitätszahnklinik absolviert. Seit 2012 ist sie für Kommunikation und Koordination zwischen Curriculumsdirektion, den Koordinatoren des Zahnmedizinstudiums und dem Rektorat verantwortlich. Besonderes Anliegen ist ihr soziale Kompetenz in allen Führungsebenen. Dafür setzt sie sich im Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen ein.


Service

Erasmus-Programm an der Universitätszahnklinik Wien Eine hohe internationale Qualitätsauszeichnung erhielt die postgraduelle Ausbildung der Kieferorthopädie. Sie wurde durch „NEBEOP“ akkreditiert.

D

ie postgraduelle Ausbildung Kieferorthopädie unter der Bereichsleitung von O. Univ.Prof. Dr. Hans-Peter Bantleon an der Universitätszahnklinik Wien hat sich 2014 dem Zertifizierungsprogramm „NEBEOP“ (Network of Erasmus Based European Orthodontic Program) gestellt. Sie erhielt nun als eine von nur 13 Universitäten in Europa diese internationale Akkreditierung. Im Rahmen des Akkreditierungsprozesses wurde die dreijährige universitäre Ausbildung zur Kiefer­orthopädin/zum Kieferorthopäden umfassend evaluiert. Beurteilt wurden sowohl die theoretische und klinische Qualität der Ausbildung als auch die vorhandene Infrastruktur der Universitätszahnklinik Wien. In Europa gibt es 231 Abteilungen für Kieferorthopädie, in denen Zahnärztinnen und Zahnärzte nach ihrem Studium eine vertiefende Ausbildung in diesem Fach erlangen können. Seit 2012 zertifiziert das „NEBEOP“ im Auftrag der European Orthodontic Society diese Ausbildungsprogramme, um europaweit höchste Qualitätsstandards in der Kieferorthopädie zu etablieren. 2014 ist die Anzahl an vollwertigen Mitgliedern, welche diese Standards zur Gänze erfüllen, nun mit der Universitätszahnklinik Wien auf 13 angewachsen.

O. Univ.-Prof. Dr. Hans-Peter Bantleon mit den Erasmusstudentinnen

Die Universitätszahnklinik Wien sieht es als richtigen Schritt, an diesem Programm teilzunehmen und damit international aufzuzeigen. •

DentUnique 1/2015 19


Service

10th International Vienna Orthodontic Symposium Der IVOS-Kongress feierte sein zehntes Jubiläum. Zahlreiche international anerkannte Referenten ­trugen zum Thema Ästhetik vor.

A

m 5. und 6. Dezember 2014 fand der IVOS-Kongress (International Vienna Orthodontic Symposium) in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften statt. Eine Vielzahl an international namhaften Vortragenden folgte der Einladung von O. Univ.-Prof. Dr. HansPeter Bantleon. Die diesjährige Tagung stand unter dem Thema „The ­Aesthetic Challenge: Goals – Means – Sustainability“.

Informative Vorträge Eröffnet wurde der Kongress von Prof. Dr. Henry Keazor mit seinem Vortrag „From Sense to Sensibility“. Er konnte mit einem philosophischen Rückblick auf die Geschichte der Ästhetik zeigen, dass diese seit jeher zu den Grundbedürfnissen der Menschheit zählt. Über verschiedene Therapieoptionen von kraniomandibulären Dysfunktionen sprach Dr. Elizabeth Menzel. Sie zeigte, dass deren Ursachen häufig in der Asymmetrie des Oberkieferzahnbogens liegen. Dr. Menzel absolvierte ihr Zahnmedizinstudium in Südafrika und an den Universitäten in Kiel und Frankfurt. Dr. Jörg Schwarze zeigte in seinem Vortrag anhand von Patientenbeispielen, dass Extrusion, Translation und Wurzel-Tip mit Aligner-Therapie zwar schwieriger umzusetzen sind, aber mit den heute gängigen Aligner-Materialen durchaus möglich sind. Vom Vortragenden Dr. Jean Stéphane Simon wurden verschiedene Behandlungswege der 20 DentUnique 1/2015

lingualen Klasse-II-Therapie vorgestellt. Anhand von Patientenbeispielen zeigte Dr. Simon, dass eine Profilverbesserung ausschließlich durch eine kombinierte kieferorthopädische-­

kieferchirurgische Therapie erzielt werden kann. Über mukogingivale Chirurgie referierte Doz. Dr. Gernot Wimmer in seinem Vortrag „Challenges in the Aesthetic Soft Tissue Rehabilitation“. Einer der international gefragtesten Referenten und Preisträger des „Distinguished Teacher Award 2015“, Doz. Dr. Frank Weiland, sprach über die geschlechterspezifischen Veränderungen im Laufe des Lebens, deren Auswirkungen auf die Langzeitstabilität einer kieferorthopädischen Behandlung sowie die daraus resultierende Notwendigkeit einer lebenslangen dentalen Retention bzw. deren potenzielle Gefahren. Die Vorteile einer gänzlich digital durchgeführten lingualen Behandlung präsentierte Dr. ­Andrea Thalheim. Sie war von 2008 bis 2010 Präsidentin der deutschen Gesellschaft für ­Linguale ­Orthodontie. Rahmenprogramm Die Pausen zwischen den einzelnen Vorträgen boten beste Möglichkeit, die interessanten und innovativen Stände der Aussteller zu besichtigen. Die am Abend des 5. Dezembers 2014 im Palmenhaus abgehaltene Gettogether-Party bot Gelegenheit zu Informationsaustausch und Networking. Als Präsident des International Vienna Orthodontic Symposiums und in Vertretung des Organisationskomitees und seiner Mitarbeiter dankt O. Univ.-Prof. Dr. Hans-Peter Bantleon allen Teilnehmern, Sponsoren und Ausstellern für den erfolgreichen Kongress. •

O. Univ.-Prof. Dr. Hans-Peter ­Bantleon und Univ.-Doz. Dr. Frank Weiland beim IVOS-Kongress

2015 wird der elfte IVOS-Kongress am 4. und 5. Dezember im Palais Niederösterreich stattfinden. Nähere Informationen auf www.ivos.at


Jahrzehntelang leistete Univ.-Prof. DI Dr. Johann Wernisch Beiträge für die Zahnmedizin. Dafür erhielt er nun die Bernhard-Gottlieb-Medaille

Physik für bessere Zähne

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er Laser ist in der zahnärztlichen Praxis zu einem ganz alltäglichen Arbeitsgerät geworden. Vor zwanzig Jahren war das noch ganz anders. Prof. Johann Wernisch arbeitete jahrzehntelang an neuen Behandlungsmethoden für die Zahnmedizin und war maßgeblich an der Entwicklung von Techniken beteiligt, die sich inzwischen weltweit verbreitet haben. Gemeinsam mit Prof. Andreas Moritz von der Universitätszahnklinik Wien leistete Prof. Johann Wernisch Pionierarbeit im Bereich der Lasertechnik. Laserstrahlen für die Zahnmedizin Zur langjährigen Zusammenarbeit mit Prof. Johann Wernisch sagt Prof. ­Andreas Moritz: „Ein wichtiges Resultat unserer Kooperation war eine Behandlungsmethode für schmerzempfindliche Zähne.“ Mit Lasern und einem speziellen Gel kann man die Dentinkanälchen verschließen, die ins Innere des Zahns führen – damit lassen sich Schmerzen deutlich lindern. „Heute werden diese Methoden weltweit angewandt, doch bis das möglich wurde, war jahrelange Forschung nötig“, sagt Prof. Johann Wernisch. Aus der Zusammenarbeit von TU Wien und Medizinischer Universität Wien im Bereich der Zahnmedizin gingen zahlreiche ­wissenschaftliche Kooperationen hervor.

Würdigung für das Lebenswerk Für seine jahrzehntelange Kooperation mit der Universitätsklinik für Zahnmedizin erhielt Prof. Johann Wernisch im Dezember 2014 die goldene Bernhard-Gottlieb-Ehrenmedaille „Pro Merito“. Er ist erst der dritte Preisträger, dem diese Würdigung zugesprochen wurde. •

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„Wir wollen Obdachlosen ihr Lächeln zurückgeben“

Begleiteten die Studierenden in den sozialen Einrichtungen: Dr. Rinet Dauti, Ulrike Kornberger, Ingrid Sperlich, Dr. Jaryna Eder, Mag. Dr. Alexander Franz (v.l.)

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Foto: Johanna Rauch/Zahnarztpraxis

In der neunerhaus Zahnarztpraxis im 5. Wiener Gemeindebezirk werden obdachund wohnungslose Menschen behandelt. Ein verpflichtendes Praktikum vermittelt StudentInnen der Zahnmedizin im siebenten Semester ein Gefühl für den Umgang mit speziellen PatientInnen.


Service

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erade obdach- und wohnungslose Menschen haben einen schlechten Zahnstatus, wie Studien belegen. Länger unbehandelte Karies, mangelnde Mundhygiene, nicht selten Scham vor unangenehmen Blicken im Wartezimmer und Angst vor bürokratischen Hürden oder anfallenden Kosten hindern wohnungslose Menschen daran, regelmäßig eine Zahnärztin/einen Zahnarzt aufzusuchen. 2009 gründete das neunerhaus, eine junge Sozialorganisation in Wien, daher die neunerhaus Zahnarzt­praxis für obdachlose Menschen. „Die Wohnung zu verlieren kann schnell gehen. Gute Zähne sind essenziell, um wieder aus dieser Situation herauszufinden“, erklärt Peter Wirth, ehrenamtlicher zahnärztlicher Leiter im neunerhaus. „Zahngesundheit braucht man für Job, Wohnung und Beziehung. Wir Zahnärzte können hier nachhaltig helfen“, so Wirth. Die Zahnärztinnen und Zahnärzte arbeiten im Rotationsprinzip ehrenamtlich – unterstützt von zwei AssistentInnen. Das Angebot reicht von konservierenden Behandlungen, Sanierungen, Prothetik, Chirurgie bis zu Endodontie. Eine Sozialarbeiterin im Praxismanagement bietet weiterführende Beratung.

Praktikum gegen Berührungsangst Einen Einblick in den Arbeitsalltag der Zahnärztinnen und -ärzte vor Ort haben Studierende an der Zahnmedizinischen Universität Wien letztes Wintersemester erhalten. Gemeinsam mit einer Begleitperson haben je vier Studierende ein Praktikum in der Zahnarztpraxis des neunerhauses absolviert. Während zwei Studierende in der Praxis bei den Behandlungen zusehen konnten, teilten die beiden anderen im Wartezimmer Zahnbürsten und Zahnpasten aus und versuchten, mit den wartenden PatientInnen ins Gespräch zu kommen. Nach der Halbzeit wurde gewechselt, sodass jede und jeder Studierende beide Settings durchlaufen konnte. „In der Lehrveranstaltung ‚PatientInnen mit besonderen Erfor-

dernissen‘ sollen die Studierenden den sozialen Umgang mit obdachlosen PatientInnen lernen. Sie soll ihnen auch helfen, Berührungsängste abzubauen“, erklärt Lehrveranstaltungskoordinator Mag. Dr. Alexander Franz. Das Feedback der Studierenden ist durchwegs

Ehrenamtliche Zahnärztinnen und Zahnärzte gesucht! Allein 2014 suchten rund 1.300 PatientInnen 3.900 Mal die neunerhaus-Zahnarztpraxis auf. Über 13.000 Behandlungen wurden durchgeführt – Tendenz steigend. Rund 30 ehrenamtlich tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte teilen sich die 16 Ordinationsstunden pro Woche. Um den Ordinationsbetrieb aufrechtzuerhalten, sucht das neunerhaus Zahnärztinnen und -ärzte, die sich ehrenamtlich engagieren. Infos unter www.neunerhaus.at

positiv. „Ich finde es sehr wichtig, dass wir diese Erfahrung machen“, sagt Reinald Achim, Zahnmedizinstudent an der Universitätszahnklinik Wien. „Ich denke, viele StudentInnen wussten bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal, dass es so eine Organisation gibt und was für eine große Hilfe sie für viele Menschen ist.“

Für Zahngesundheit sensibilisieren Dr. Thomas Gravogl ist einer jener Zahnärzte, die im neunerhaus PatientInnen behandeln. Seit drei Jahren übernimmt er einen Dienst pro Monat. Der Unterschied zu seiner herkömmlichen Tätigkeit liegt vor allem im offenen Umgang mit den PatientInnen. „Die Praxis ist modern ausgestattet. Wir legen Wert auf Qualität. Wichtig ist, dass sich unsere PatientInnen willkommen fühlen – wir sind alle per Du. Die Sozialarbeiterin unterstützt dabei, bald wieder am Regelgesundheitssystem teilhaben zu können“, sagt Gravogl. Seinen KollegInnen legt Gravogl ans Herz, sich im neunerhaus zu engagieren. „Was man hier lernt, lernt man fürs ganze Leben. Schön ist auch die Dankbarkeit, die uns die PatientInnen entgegenbringen. Und wir freuen uns, wenn wir den Obdachlosen ihr Lächeln zurückgeben können.“ •

Spendenkonto neunerhaus: IBAN: AT25 3200 0000 0592 9922 BIC: RLNWATWW

Zur Person Dr. med. dent Thomas Gravogl ist an der Universitätszahnklinik Wien im Ausbildungsbetrieb der Studierenden tätig und übernimmt einen Dienst pro Monat im neunerhaus.

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