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unclesally*s magazine

Oktober 2008 / Ausgabe 140

TRAVIS Tomte / Everlast / Kaiser Chiefs / Oasis / Peter Fox Cold War Kids / Rise Against / TV On The Radio Polarkreis 18 / Mogwai / Im Test: Thomas D.

www.sallys.net

„Als Rapper würde ich’s erst mal mit Reden versuchen.“ (Thomas D.)

sally*sounds08 Alle Bands, alle Infos

Dänemark WAS GEHT?

Noch was: KINO / COMIX / COMPUTERSPIELE / DIE BESTEN PLATTEN / HÖRSPIELE / BÜCHER / DVDs


unclesally*s magazine

EDITORIAL

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Foto: Ben Dominik

EDITORIAL

Es war einmal.

Vor 140 Ausgaben, im Terrorherbst von 1977, gerät die Welt erstmals seit ihrer Gründung aus den Fugen. Die in Landshut, einem Vorort von Mogadischu, eingeschlossenen Stargäste zur Eröffnung des New Yorker „Studio 54“ verpassen die Party des Jahrhunderts und teilen damit das gleiche Schicksal wie Glam-Rock-Star Marc Bolan, dem der liebe Gott in einem Autowrack in London die Lebenslichtlein ausküsst. Fatale Folgen hat auch der in einer nordhessischen Scheune vollzogene Beischlaf der Dorfschönheit Monika mit einem Angehörigen der US- Army namens Larry Madlock, der seinem abgesonderten Liebestropfen neun Monate später den Namen Mark schenken wird. Am selben Abend, wenige Stunden vor der unabwendbaren Apokalypse, veröffentlicht ein auf übelsten BASF-Chemikalien hängengebliebenes Reichenkind die erste, Uhu verklebte und mit kryptischem Titel versehene Ausgabe einer kioskunwürdigen Zeitschrift namens unclesally*s. Titelthema des papiergewordenen Terrors: Die Mayday in Dortmund. Ein Dank an dieser Stelle an Dr. Carl Djerassi und Dr. Motte, die Erfinder der Pille - auch im Namen von Monika. Heute, auf den Tag genau 25 Jahre nach 1977 und diverse Silberhochzeiten später, besitzen wir noch immer ein paar Gramm BASF-Aktien, die wir kürzlich für folgenden guten Zweck zwangsverpfändet haben: Meine Damen und Herren, Mireille et Mathieu: hereinspaziert zum sally*sounds08-Festival, unserem traditionell parallel zur Popkomm-Messe anberaumten Stelldichein und Knipsdichweg von nationalen und internationalen Stars und Sternchen! Wen wir alles an Bord unserer gebotoxten Fregatte hieven und mit Geld und Essen zum Auftritt nötigen konnten, entnehmt bitte der mehrere Seiten starken Travis-Story plus all den detaillierten sally*sounds08-Details mit detailgenauen Infos zum 10. Oktober, dem Tag, der wo eine Woche nach dem Tag

der Einheit kommt. So steht es geschrieben, im allwissenden Buch der schwäbischen Weisheiten. Ähnlich bezaubernd wie das schwarzumwaldete Ländle ist natürlich auch Dänemark, das finanzstarke Bollwerk der Gutdraufen südwestlich von Litauen. In Dänemark geht einiges, vor allem in der Republik Legoland. Die nahe der Metropole Billund gelegene Plastiknation ist der EINZIGE Ort (neben dem IKEA-Kinderparadies und Tübingen), wo schon Neunjährige den Führerschein überreicht bekommen – gegen ein kleines Taschengeldle that is. Da fragt man sich als Ausländer zu Recht, ob auch die von uns im „Dänen-Special“ verankerten Bands ihre Fahrstunden aus Klimaschutzgründen bereits in Elektroautos absolvieren mussten und ob wir unseren Hering auch ausnahmsweise IM Zelt versenken dürfen?! Die Antworten auf diese und andere an Genialität grenzende Fragen entnehmt bitte den Seiten 48 bis 51. Bis dahin hej und farvel, der Mauswanderer. Grüße und Küsse gehen an dieser Stelle raus an all die lustigen Gesellen, die unsere im letzten Monat anberaumte Leserumfrage ausgefüllt, zugeklebt und abgeschickt haben - wir haben sehr gelacht, vor allem über den Blütenstaub und den einen Brief, der wo sich (und uns) beim Öffnen selbst in die Luft gesprengt hat. Ein Funkenregen wie an Silvester sage ich euch, und das mitten im Deutschen Herbst! Bevor wir aber vor lauter Nostalgie und Halsnichtvollkriegen auch so rot anlaufen wie Bernd Eichinger, wünschen wir allen einen Windbeutel voll Spaß mit unserer sektgetauften und liebestrunkenen Jubiläumsausgabe 140, die ich uns selbst und der Monika widmen möchte. Alles Liebe wünsche ich uns, dein (Smoke) Flo


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INHALT

INHALT

unclesally*s magazine

NO. 140 – Oktober 08 Foto: Erik Weiss

Vollbeat

Foto: Oliver Schümers

Musik: Seite 14

Musik: Seite 46

Musik: Seite 48

AUF ACHSE

TV ON THE RADIO

SPOT ON DENMARK

Auch in diesem Sommer gab’s ordentlich Action am sally*s-Zelt, als wir bei unseren traditionellen „Highfield Games“ Bands gegen Zuschauer antreten ließen. An Bord waren neben Hardcore-Ikone Dennis Lyxzén auch unsere Homies von den Subways und die Jungs von Madsen. Wer bei Jennifer Rostocks „Reise nach Jerusalem“ den Lehmboden küsste und wie man bekifft ein Ruderboot-Wettrennen gewinnt, erfahrt ihr hier.

Sie sind haarscharf an unserem Titel vorbeigeschrammt: TV On The Radio aus New York haben mit ihrem aktuellen Album „Dear Science“ einen zukünftigen Klassiker vorgelegt, den wir nicht nur von oben, unten und hinten beleuchtet, sondern auch gleich zur diesmonatigen Offenbarung gekürt haben. Wie es zu diesem Meisterwerk kommen konnte, erklärt uns TVOTR-Schlagzeuger Jaleel Bunton.

Dänemark auf musikalischem Expansionskurs. Unsere nordischen Nachbarn investieren ihr Vermögen nicht nur in hiesige Immobilien, sondern am 9. Oktober auch in ein reichhaltig bestücktes Musik-Festival und damit in die städtische Kultur, damit Berlin auch immer schön attraktiv bleibt, für Anleger aus aller Welt. Mit dabei: Beta Satan, Veto und weitere Superbands! Leider nicht im Line-Up: Die Shootingstars von Volbeat!

06 STARTER

waren bei Claus Grabke im Studio. Mehr dazu auf Seite 36 und bei sally*sTV!

06 Metallica/ Bloc Party 07 The Streets/ Keane 08 Ramones Museum 09 Farin Urlaub/ The Datsuns 10 Euer Ding

11-16 MUSIK STORIES I

11 12 13 16

Duncan Lloyd Everlast Sugarplum Fairy Lambchop/ Ben Folds/ Herman Dune

17 AUF DER COUCH

Wie wurde aus dem niedlichen Savas Yurderi der Battle-Rap-König und Diss-Weltmeister Kool Savas? Eine Frage, viele Antworten.

18 SPEED DATING

Kurz, bündig und sacklustig: Unsere neue Lieblingsrubrik namens „Speed Dating“. Sechs Bands zum mal kennen lernen.

20 TITEL TRAVIS & SALLY*SOUNDS08

Sie sind die Headliner unseres diesjährigen sally*sounds08-Festivals: Travis! Die Band um Frontmann Fran Healy feiert gemeinsam mit euch und uns am 10. Oktober die Veröffentlichung des neuen Travis-Albums „Ode To J. Smith“. Das wird ein Fest…

28-36 PLATTEN

Kein anderer Monat des Jahres ist mit so vielen musikalischen Highlights bestückt wie dieser Oktober: Oasis, Tomte, Peter Fox, TV On The Radio. Wir haben die Alben für euch vorgehört. Auch im Demodesaster gibt’s Neues zu vermelden: Unsere DSDSuperdemo-Gewinner Niila aus Braunschweig

37 MIXTAPE

Ein lustiges Hate-Tape, diesmal konzipiert von den schottischen Mogwai.

38-44 MUSIK STORIES II

38 Tomte 40 Kaiser Chiefs 41 Amanda Palmer 44 Sonic Syndicate/ Shinedown

42 TEST

Irgendwann trifft’s jeden: Auch Thomas D. wurde vor einigen Jahren stolzer Papi einer Tochter, und wir checkten mal, wie sich der bebrillte Frontflummi der Fantastischen Vier als Vater so schlägt. Aprops schlägt…

45 REISEFÜHRER

Florida: Rückzugsrefugium für Abermillionen amerikanische Rentner und Heimat von den Metal-Core-Freunden von Underoath. Ob man in Florida trotz der allgegenwärtigen Schar Pensionäre trotzdem Spaß haben kann, erfahrt ihr hier.

52-60 MUSIK STORIES III

52 Oasis 54 Rise Against 55 The Spinto Band 56 Cold War Kids 58 Peter Fox

60-63 AUF TOUR

Wart ihr schon mal in der Bronx? Falls nicht, habt ihr nun die Gelegenheit. Auch gut: Die ganze Tour von Trend, das Konzert der Rifles in New York und natürlich eure Konzertfotos Of Death!

64-67 FÜR ZWISCHENDURCH

64 In The Mix 66 Quickies 67 Kreuzworträtsel

68-75 KINO

68 Lemon Tree/ Krabat 69 Die Stadt der Blinden 70 Ananas Express/ Berlin Calling/ Burn After Reading 71 Hellboy/ Der Baader-Meinhof-Komplex 72 Shortcuts 74 Kino DVDs

76 COMPUTERSPIELE

Das beste zum Zocken und ein paar Worte zum Twitter.

78-82 DAS FINALE

78 Hörspiele 80 Comics/ Bücher 81 Redaktionscomic 82 Vorschau/ Impressum/ Screenshots

NEU AUF SALLY.NET

Die letzten Tage unserer Leserumfrage mit Hammerpreisen, ALLE Verlosungen, Tourdaten und Artikel, die neuesten Konzertfotos Of Death und natürlich unser astreines E-Mag zum virtuellen Blättern.


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NEUIGKEITEN

Heute in: Brailleschrift (Tote und Verletzte)

(Trennungen und Pausen)

PINK FLOYD

M.I.A.

MGMT

THE STREETS

Im Alter von 65 Jahren ist Pink Floyd-Keyboarder Richard Wright an einem Krebsleiden verstorben. Als Gründungsmitglied der legendären britischen Rock-Band übte er essentiellen Einfluss auf deren Sound aus und war einer ihrer profiliertesten Songschreiber, u.a. stammt der Welthit „Wish You Were Here“ aus seiner Feder. Schlagzeuger Will Berman verletzte sich bei einem Sprung derart kompliziert am Fuß, dass kurzzeitig seine Karriere gefährdet war und die Tour unterbrochen werden musste. Mittlerweile ist er aus der Gefahrenzone raus, heißt es.

OASIS

Unfreiwilliges Stagediving vollzog Noel Gallagher auf der Bühne des „Virgin Festivals“ in Toronto. Beim Song „Morning Glory“ stürmte ein 47-jähriger Besucher auf die Bühne und stieß den Oasis-Gitarristen von hinten in die Monitorbox. Nach der Überwältigung des Täters durch Crewmitglieder und einer fünfminütigen Pause wurde das Konzert fortgesetzt, der Folgetermin in London wegen der Prellungen an Rippen und Hüften jedoch verschoben. In Bild und Ton lässt sich die Aktion nach Eingabe geeigneter Suchbegriffe bei YouTube verfolgen. Gegen den Täter wurde Anzeige erstattet.

ANDRE YOUNG JR.

Im Frühling seines Daseins als Popstar-Spross ist der Sohn von HipHop-Produzent Dr. Dre tot aufgefunden worden. Der 20-jährige Young war bis spät in die Nacht mit Freunden unterwegs, bevor ihn seine Mutter morgens leblos in seinem Zimmer entdeckte. Die Todesursache ist unklar.

Die britische Elektro-Lady M.I.A. tauscht den Synthesizer gegen eine Kamera und will vorerst keine Musik mehr produzieren, sich dafür aber in der Filmkunst ausprobieren. Ob ihre visuellen Werke ebenso bunt und erfolgreich ausfallen wie die Klangkompositionen, bleibt abzuwarten. “Medium-Wechsel-Dich“, die Zweite: Mike Skinner will im Anschluss an den „Everything Is Borrowed“-Nachfolger das Musikgeschäft hinter sich lassen, das ist keine Neuigkeit. Dass der Kopf von The Streets fortan nicht mehr mit den Kopfhörern auf den Ohren, sondern mit dem Sucherokular am Auge seiner Kreativität freien Lauf lassen möchte, hingegen schon. Das erste Projekt ist ein dokumentarischer Episodenfilm, von dem einzelne Teile bereits bei diversen Filmfestivals eingereicht worden sind. Wir bleiben dran.

(Mitgliederwechsel) FUNERAL FOR A FRIEND

Seine frisch in den USA gegründete Familie hat Bassist Gareth Davies dazu veranlasst, die Position bei der walisischen Band Funeral For A Friend gegen ein neues Leben in Übersee einzutauschen. Nachfolger in der Trauergemeinschaft ist Gavin Burrough, der vormals bei den Hardcore-Recken von Hondo Maclean und The Future spielte.

BLOC PARTY

Bald auch zum Anfassen Nein, Bloc Party scheinen nicht die Art von Kapelle zu sein, die Dinge gern dem Zufall überlässt. Deshalb haben wir uns auch ordentlich erschrocken, als die vier Jungs die Außenwelt nur drei Tage im Voraus von der frühzeitigen DownloadVeröffentlichung ihres neuen Albums „Intimacy“ unterrichteten. Zwei Monate später, nämlich am 24. Oktober kommt die dritte Platte der Avantgarde-Indies dann auch in physischer Form auf den Markt. Was uns das wert ist? Ein Platz auf der Titelseite. In unserer Novemberausgabe erfahrt ihr, warum euch Kele Okereke und Co. auch auf ihrem Drittwerk tanzgierige Indie-Tracks, waghalsige Elektro-Experimente und die große Emotion nicht vorenthalten werden.

MY FAVOURITE NEW BAND

Heute mit: James Hetfield & Kirk Hammit (METALLICA)

Hetfield: Ich mag Bands, denen es gelingt, im Herbst ihrer Karriere noch großartige Alben vorzulegen, so wie wir oder Machine Head zum Beispiel. Die haben sich in meinen Augen mit „The Blackening“ noch einmal selbst übertroffen. Hammit: Ich denke, Lamb Of God sind eine echt gute Band. Aber wenn du mich fragst, wer eines Tages in unsere Fußstapfen treten könnte – da fällt mir niemand ein. Dir etwa? Heimat: metallica.com Auch gut: „Death Magnetic“ - das neue Album von Metallica Auf sallys.net: sally*sTV! Pressetreffen mit Kirk & James

HOLLYWOOD, MON AMOUR (Neue Projekte und Wiedervereinigungen) APPARATJIK

Unter dem Namen Apparatjik haben sich Bassist Guy Berryman (Coldplay), Keyboarder Magne Furuholmen (A-ha) und Stimme Jonas Bjerre (Mew) zusammengefunden, um den Titelsong für die BBC-Dokumentationsreihe „Amazon“ zu entwickeln. Neben dem Ergebnis „Ferreting“ ist auf dem Soundtrack „Amazonas Tribe - Songs For Survival“ auch Musikalisches von Razorlight-Sänger Johnny Borrell und KT Tunstall zu hören.

TRAVIS BARKER

Ex-Blink 182-Drummer und medienaffiner Berufspunk Travis Barker, derzeit bei +44 auf dem Schemel, versucht es nun digitaler. Unter dem Pseudonym TRV$DJAM produziert er gemeinsam mit DJ AM (vor langer Zeit mit der Crossover-Truppe Crazy Town erfolgreich) Mixtapes, bei denen Barker das DJ-Set mit schwingenden Stöcken begleitet. Das Debüt „Fix Your Face“ ist kostenlos unter trvsdjam.com zu bekommen. Parallel spielt Barker derzeit ein Soloalbum ein, für das mit Damian Marley und Willie Nelson Unterstützung aus der Reggae- und CountryEcke bereitsteht.

THE GET UP KIDS

Foto: Tim Klöcker

Der frühere Get Up Kids-Keyboarder James Dewees, derzeit bei Reggie & The Full Effect aktiv, sprach auf einem Konzert aus dem Nähkästchen. Demnach stehen Reunion-Shows und ein neues Album auf der Agenda der 2005 getrennten Band. Also: „Get Up, Kids!“

Das neue Projekt von Marc Collin, einem der beiden Nouvelle Vague-Gründer und -Produzenten, hört auf den programmatischen Titel „Hollywood, Mon Amour’. Das Debütalbum „80’s Movie Songs Reinvented“ ist eine Hommage an Filmsoundtracks der Achtzigerjahre, die darauf neu interpretiert werden. Unterstützender Gesang ist unter anderem von Juliette Lewis, Skye (Ex-Morcheeba) und Yael Naim zu hören.

MGMT & OF MONTREAL

Blikk Fang heißt das Seitenprojekt von Andrew VanWyngarden (MGMT) und Kevin Barnes (Of Montreal). Ob der Blickfang auch musikalischer Natur ist, lässt sich unter purevolume.com/ blikkfang prüfen.

CONOR OBERST

Herbstzeit ist Produktionszeit: Kaum hat Conor Oberst sein Soloalbum „Conor Oberst An The Mystic Valley Band“ herausgebracht, schart er wieder arbeitswütige Kollegen um sich, um neues Material zu produzieren. Mit dabei sind unter anderem der amerikanische Singer/Songwriter M. Ward, Jim James von My Morning Jacket und Produzent Mike Mogis (Bright Eyes, The Faint).

SELIG

Mit Selig steht eine der beliebtesten deutschen Bands der Neunziger nach mehr als zehn Jahren der Trennung gemeinsam im Studio, um im Frühjahr 2009 ein neues Album vorzulegen. Die romantisierte Geschichte zur Auflösung besagt, Sänger Jan Plewka sei während der Studioarbeiten in New York Zigaretten holen gegangen und nie zurückgekommen. Bleibt die Hoffnung, dass er mittlerweile die Vorteile des Nichtrauchens für sich entdeckt hat.


Foto: ErikMIT: Weiss IM HOBBYKELLER

Mike Skinner (THE STREETS)

Wie so viele Engländer schaut auch Mike Skinner gerne mal etwas tiefer ins Glas. Um nach einer seiner vielen hirnzermarterten Nächte die Nerven aber nicht schon am Morgen via Druckbetankung beruhigen zu müssen, geht er lieber vor die Tür, um eine Runde zu rennen: „Das Laufen hilft, in meinem Kopf klar Schiff zu machen und den Gedankenmüll beiseite zu räumen. Ich renne fast täglich, trainiere aber momentan nicht für einen Marathon - eines Tages will ich aber einen laufen.“ Sein Großprojekt „New York Marathon“ war vor einiger Zeit noch aus gesundheitlichen Gründen gescheitert. Heimat: myspace.com/thestreets Foto: Katie Kaars Auch gut: „Everything Is Borrowed“ - das neue Album von The Streets

THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY

(Platten) ANGELS AND AIRWAVES

Der Januar wird ein warmer Monat für die Truppe um den früheren Blink 182-Frontmann Tom DeLonge, wenn sich die Mitglieder wieder in der Studiokabine versammeln, um mit dem Nachfolger zu „I-Empire“ ihr drittes Album einzuspielen.

CLAP YOUR HANDS SAY YEAH!

Clap Your Hands Say Yeah! klatschen im Studio in die Hände, um den nächste Punkt in der Diskografie nach „Some Loud Thunder“ mit Leben zu füllen.

DEFTONES

Der Produktion des neuen Albums „Eros“ kann medial beigewohnt werden. Im bandeigenen MySpace-Blog werden jeden Freitag neue Videoeindrücke aus dem Studio veröffentlicht.

FALL OUT BOY

Am 4. November, dem US-Wahltag, erscheint das neue Fall Out Boy-Album „Folie A Deux“.

Mit „Cross Of My Calling“ erblickt Ende November neues Material aus dem Hause The (International) Noise Conspiracy das Grundrauschen der Welt.

MXPX

Eine Reise in die Achtziger sind das aktuelle Projekt von MXPX. Die Lieblingssongs der Jungs aus dieser Ära werden zurzeit durch den CoverAlbum-Fleischwolf gedreht. Die Produktion eigenen Materials steht für den Jahresanfang 2009 auf dem Programm.

MUSE

Ein Studio am Lago Di Como in Italien ist derzeit Schauplatz für die Aufnahmen des fünften Studioalbums von Muse, dem Nachfolger des 2006 erschienen „Black Holes & Revelations“.

THE NATIONAL

Zur Unterstützung des demokratischen USPräsidentschaftskandidaten Barack Obama haben The National den Song „Mr. November“ aufgenommen und vertreiben entsprechende

DIE GESCHICHTE HINTER DEM SONG

Heute mit: Richard Hughes (KEANE)

DER SONG: THE LOVERS ARE LOSING

„In ’The Lovers Are Losing’ geht es um die Liebenden vs. die Hassenden - so wie die Hippies der Sechziger gegen die Polizei oder so... Wir denken, dass diese Ideale um Liebe und Frieden, an die so viele Menschen tief im Innern glauben, zum Scheitern verur-

teilt sind. Die ‘Lovers‘ verlieren gegen die Leute mit der dicken Kohle, gegen die Ölbarone und wer sonst noch die Fäden in den Händen hält. Viele Menschen glauben zwar, wir würden mehr und mehr auf eine bessere Welt zustreben, doch dabei wird alles nur chaotischer. Ich denke, auf unserer neuen Platte ’Perfect Symmetry’ ging es uns mehr darum, die Welt um uns herum einzubeziehen und nicht - wie bei den Alben zuvor - unsere eigenen Probleme in den Vordergrund zu schieben. Von der Warte aus gesehen ist es sicher eine erwachsenere Platte geworden.“ Heimat: keanemusic.com Foto: Soren Auch gut: „Perfect Symmetry“ - das neue Album von Keane Auf sallys.net: sally*sTV! vs. Drummer Richard Hughes


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unclesally*s magazine

Foto: Suzy Carson

(Der Rest) KISS

Neben der Brotdose, dem Kondomset und gefühlten zwei Millionen anderer MerchandiseArtikel aus dem Hause KISS, lässt sich nun auch mit dem „KISS Hotter Than Hell Ketchup“ ein Tributbeitrag für die Kosten der Altenpflege von Gene Simmons & Co. zahlen. Guten Appetit!

OASIS

Der ersten Präsentation des Albums „Dig Out Your Soul“ in den USA lag eine besondere Idee zu Grunde. Für die Aufführung wurden zahlreiche New Yorker Straßenmusiker engagiert, die die Songs nach einem Übungstreffen mit der Band an wichtigen New Yorker Schauplätzen und U-Bahnhöfen in ihrem individuell eigenen Stil darboten. Der übliche Weg der musikalischen Verbreitung in umgekehrter Reihenfolge, beginnend bei den Straßenmusikern, anstatt bei ihnen zu münden. Eine Filmdokumentation dazu wurde von der Stadt New York in Auftrag gegeben.

RAMONES MUSEUM BERLIN DIE WIEDERERÖFFNUNG!

Nachdem das weltweit einzige Ramones Museum in Berlin-Kreuzberg im November 2007 einem Öko-Seifenladen weichen musste, eröffnet die beliebte Pilgerstätte für Punk- und Musikfans aus aller Welt nun neu in Berlin-Mitte. Auf 160 Quadratmetern und damit gut der dreifachen Fläche des „alten“ Museums gibt es ab dem 10. Oktober mehr als 300 originale Ramones-Exponate aus der 22-jährigen Geschichte der New Yorker Punk-Legende zu bestaunen, darunter unzählige Tour-Shirts, bühnenerprobte Ramones-Kleidung oder handschriftliche Aufzeichnungen der Mitglieder. Eine wesentliche Neuerung des „neuen“ Ramones Museums ist das integrierte Café Mania, in dem Fans und Freunde bei Kaffee, Bier und leckeren Snacks zum Verweilen eingeladen werden. Zur Einweihung des Museums am 11. Oktober wird mit Arturo Vega ein langjähriger Begleiter und engster Mitarbeiter der Ramones live vor Ort sein. Hier alle Details im Überblick

Wann: ab 10.10. Wo: Krausnickstr. 23, Berlin-Mitte Special am 11.10.: Ramones-Diashow mit Arturo

Vega & Memorabilia-Auktion (signierte Fotos, Poster, Shirts) Ramones Museum & Café Mania – die neuen Öffnungszeiten: Di. bis Do. 8.00 bis 18.00/ Fr. 8.00 bis 22.00/ Sa. 12.00 bis 22.00/ So. 12.00 bis 18.00 Uhr Alle Infos: myspace.com/ramonesmuseum, ramonesmuseum.com Wahlkampf-T-Shirts auf ihrer Website. Obama wiederum nutzt eine instrumentale Variante des The National-Songs „Fake Empire“ für einen TV-Spot seiner Kampagne.

NO FUN AT ALL

Bis zum 21. November bleibt noch Zeit, um das Fahrrad standesgemäß tieferzulegen. An diesem Tag erscheint „Low Rider“, das Comeback-Werk der großen schwedischen Hardcore-Pop-Punker.

SONIC YOUTH

Auch Sonic Youth bringen dieser Tage die Studioglasscheiben zum Schwingen. Mit einer Veröffentlichung des 16. Albums darf im Frühjahr gerechnet werden, potentieller Titel ist „The Eternal“.

Freut euch im Oktober auf neue Radiospäße mit Flo Hayler und dem unclesally*sNightflight auf Fritz! Diesmal vom 2. auf den 3. Oktober (Rise Against total zum neuen Album!), vom 16. zum 17. Oktober & vom 30. auf 31. Oktober, jeweils ab 0.00 Uhr. Übrigens: Den sally*s-Nightflight gibt‘s zu jeder Tages- und Nachtzeit im Loopstream auf fritz.de!

RAGE AGAINST THE MACHINE

Als die Polizei der Band nicht gestattete, als Überraschungsgast auf dem kostenlosen „Beyond Partisan“-Open Air-Festival zu spielen, traten Rage Against The Machine spontan vor der Bühne zwischen den Fans auf, um ein kurzes Set per Megaphon zu geben. Ein Videomitschnitt des Spektakels lässt sich unter above-thefold.com bewundern.

WEEZER

Weezer fordern ihre Fans auf, Visuals für die bevorstehende Tour zu produzieren. Loopfähige Videoclips oder Animationen zwischen fünf und 30 Sekunden Dauer werden im Hintergrund projiziert, während die Band davor ihrer Bühnenaktivität nachgeht. In der News-Sektion unter weezer.com gibt’s Näheres zu dieser Aktion.

FOO FIGHTERS

Alle Anhänger der Foo Fighters sollten ihre FanGefühle in der nächsten Zeit auf Eis packen. Laut Rudelführer Grohl habe man sich nie eine ausgedehnte Pause von der Bandarbeit gegönnt, und würde sich diese jetzt auf noch unbestimmt Zeit nehmen. Mit einem neuen Album dürfte also vorerst nicht zu rechnen sein.

METALLICA

Das muss wahre Liebe sein. Mick Cassidys Zuneigung zu seiner Lieblingsband ging so weit, dass der Kalifornier im Sommer 2006 beschloss,

seinen Bartwuchs solange nicht zu stoppen, bis eine neue Metallica-Platte auf den Markt kommen würde. „Death Magnetic“ hat ihn und seine geduldige Gattin nun endlich erlöst, James Hetfield legte übrigens höchstpersönlich Hand und Schere an, um den Fan von seinem mittlerweile 20 Zentimeter langen Gesichtspelz zu befreien.

THE WOMBATS

O du fröhliche, dachten sich The Wombats schon lange vor dem großen Fest und haben entschieden, im Oktober ins Tonstudio zu gehen, um eine Weihnachtssingle einzuspielen. Der Song soll dann später als Download zu haben sein. Alle Einnahmen will man natürlich für wohltätige Zwecke spenden.

THE NEW YORK DOLLS VS. MORRISSEY

Da Morrisseys Herz ja bekanntlich heiß und innig für die New York Dolls schlägt, war es auch er höchstpersönlich, der das Nachwort für Bob Gruens Fotoband „New York Dolls: Photographs“ formulierte. Morrissey selbst zeichnete sich nicht nur für die Organisation der Reunion der Kapelle verantwortlich, sondern verfasste mit „The New York Dolls“ in den Achtzigerjahren selbst mal ein Buch über die Band.

DARKEST HOUR

Nachdem Kris Norris die Darkest Hour-Gitarre kürzlich an den Nagel hängte, stand nur wenige Stunden später schon ein neuer Mann am Sechssaiter der Band. Dieser heißt Mike „Lonestar“ Carrigan und vertrat den Flüchtling Norris bereits auf der Thrash-And-Burn-Tour. Im November möchte sich die umformierte Kapelle in ein Tonstudio begeben, um im Frühjahr des kommenden Jahres eine neue Platte veröffentlichen zu können.

THE KILLERS

Mit dem 21. November steht jetzt der offizielle Veröffentlichungstermin für die neue KillersPlatte fest. Zwei Wochen vor dem Erscheinen von „Day And Age“ werden die Jungs aus Las Vegas aber noch mit „Human“ die erste Single zu Studioalbum Nummer Drei in die Läden bringen.

TOM GABEL

Against Me!-Frontmann Tom Gabel begibt sich kurzzeitig auf Solopfade und wird diesen Schritt mit der Veröffentlichung einer EP namens „Heart Burns“ im Oktober besiegeln. Butch Vig und Billy Bush zeigten sich für die Produktion der mit Gastauftritten von Chuck Ragan und Matt Skiba gespickten, sieben Tracks umfassenden Kurzplatte verantwortlich.

SOPHIA

“There Are No Goodbyes“ erklärt Robin ProperSheppard mit seinem neuen Album, das hoffentlich an den Erfolg von „Technology Won’t Save Us“ anknüpfen kann.

TRAIL OF DEAD

Kurz nach Jahreswechsel darf mit der Veröffentlichung des noch unbetitelten sechsten Studioalbums aus dem Hause Trail Of Dead gerechnet werden, welches komplett live eingespielt wurde.

(Film und Fernsehen) JACK OSBOURNE

“Meet The Osbournes“ war gestern. Jack Osbourne will das Bild, das medial über seinen Vater Ozzy Osbourne gezeichnet wurde, ernsthaft aufbessern. Durch die MTV-Serie sei das Image des ehemaligen Black Sabbath-Sängers verzerrt worden, mit Hilfe einer an Interviews reichen Dokumentation wolle Jack ein „realistisches Bild“ von seinem Vater ermöglichen.

SUFJAN STEVENS

Komplett jungfräulich in Sachen Filmmusik wagte sich Sufjan Stevens an die Vertonung von Natalie Portmans Regiedebüt „Eve“, nachdem Stevens dank der Überredungskunst von Frau Portman erst mal von der Sache überzeugt war. Trotz der Abneigung gegen Soundtracks untermalte er ihre Bilder mit der gewünschten Klavierstimmung.

präsentiert: 1. COLDPLAY Viva La Vida 2. THE SUBWAYS All Or Nothing 3. THE TING TINGS We Started Nothing 4. SLIPKNOT All Hope Is Gone 5. ASP Zauberbruder Der Kabaret-Liederzyklus 6. PENDULUM In Silico 7. BECK Modern Guilt 8. KLOQ Move Forward 9. THE VERVE Forth 10. THE WHIP X-Marks Destination

SINGLES

1. BLOC PARTY Mercury 2. EDITORS Bones 3. KINGS OF LEON Sex On Fire 4. SLIPKNOT Psychosocial 5. COLDPLAY Viva La Vida 6. THE TING TINGS Great Dj 7. ASP DJ Archieve 2 8. POLARKREIS 18 Allein Allein 9. BLACK KIDS I`m Not Gonna Teach Your Boyfriend How To Dance With You 10. THE SUBWAYS Shake! shake!

ALBEN Die Native 25 Charts werden ermittelt aus den Votings der Szene DJs. Mit freundlicher Genehmigung: www.native25.de


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STARTER

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HELDEN & DIEBE

Foto: Rickard Eriksson

Heute mit: Phil Buscke (THE DATSUNS)

FARIN URLAUB

Foto: Erik Weiss

Es ist nicht zu glauben. Da werden noch die Bühnen und Hallen der letzten Ärzte-Tour gefegt und schon steht der Herr Urlaub mit seinem nächsten (dritten) Studioalbum namens „Die Wahrheit Über’s Lügen“ vor der Tür. Keine Ahnung, wie der das macht. Um das rauszukriegen und mal zu fragen, wie es so war, diesmal nicht alles alleine einzuspielen, sondern das Racing Team von Beginn an mit ins Studio zu nehmen, baten wir den langen Blonden nicht nur vor unser Mikro, sondern bombardierten ihn vor laufender sally*sTV-Kamera mit einer lustigen Schnellfragerunde. Dass das lustig wird, war ja irgendwie klar – aber wie lustig es am Ende wurde, seht ihr in Kürze auf sallys. net/sally*sTV. Die komplette Farin Urlaub-Story gibt‘s in der nächsten Ausgabe.

Foto: Bryan Sheffield

ÜBER: DIESE & JENEN

„Wie man mit halbwegs geschultem Auge erkennen kann, sind wir offensichtlich von klassischen Rock-Bands beeinflusst: AC/DC, Radio Birdman, Devo, Led Zeppelin oder The Saints. Was man vielleicht nicht sofort bemerkt, ist, dass wir auch andere, aktuelle Bands abfeiern und uns von ihnen inspirieren lassen. Die Hives, die Hellacopters oder Soundtrack Of Our Lives zum Beispiel. Man kann den Sound und den Look der Datsuns also nicht an einer bestimmten Band oder einem besonderen Einfluss messen; wir klingen vielmehr wie ein Schwamm, vollgesogen mit den letzten 40 Jahren Musikgeschichte. Wenn du mich allerdings fragst, welcher Künstler zeitlebens großartige Musik erschuf und dabei noch gut aussah, dann sage ich: Nick Cave.“ Heimat: thedatsuns.com

Auch gut: „Head Stunts“ - das neue Album der Datsuns


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EUER DING

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EUER DING

LIEBE LESERINNEN UND JUNGS

Das hier ist EURE Seite, auf der ihr uns eure Meinung geigen könnt oder sonst so erzählen, wer oder was euch gerade beschäftigt. Ist das immer lustig, Nachmittage lang mit einer Tube Spaßpilze im Hirn und einem Alkopop am Hals durch die Leserpost zu blättern. Schon interessant, wie und vor allem WO manche von euch so unterwegs sind. Zuvor aber noch dieser der Umfragepost beiliegende Brief von unserer Fan(-in) Katja: von Yolanda, die leider vergaß, die dazugehörige Umfrage auszufüllen und irgendwie unsere Adresse nicht finden konnte: Ja, Tschüss, Yolanda. Zum Abschluss noch die Top 10 unclesally*s Disslist. Das geht bei uns laut Lesermeinung gar nicht: 1. Unübersichtlichkeit 2. Computer-Seiten 3. Kleine Schrift 4. Zu wenig Kritik 5. Zu kritisch 6. Comic 7. Zu viel/wenig musikalische Vielfalt 8. Zu oft vergriffen (Abo is the key, Leute!) 9. Sommer-/Winter-Pause 10. Suchfunktion auf sallys.net

Das findet ihr gut: 1. Schreibstil 2. Rubriken (Test, Reiseführer, Mixtape, Auf Achse) 3. Die Fotos 4. Konzertfotos Of Death 5. sally*sTV 6. Layout (Übersichtlichkeit) 7. Kreuzworträtsel 8. Comic 9. Kostenlos 10. Computer-Seiten

Ach, und danke an Tanja aus Berlin für Salz und Pfeffer. Wir geben unser Bestes.

SCHICKT EURE LESERBRIEFE AN SALLYS@SALLYS.NET ODER PER POST AN UNCLESALLY*S, WALDEMARSTR. 37, 10999 BERLIN.

Hey Katja, danke für den Brief. Wir fanden die Beatsteaks-Aktion auch spitze und uns kam zu Ohren, dass sich die Jungs auch sehr gefreut haben. Wir sehen uns dann beim nächsten Gaslight Anthem-Konzert! So, nun zu euch, liebe Umfrageteilnehmer. Unser Freund Frank aus Kassel liest neben dem unclesally*s auch gerne den „Wildwechsel“ und interessiert sich für „Zoologie“, findet bei uns aber trotzdem „eigentlich alles“ ganz gut. Ganz im Gegensatz zu Robert aus Berlin, der am liebsten „Taucherseiten“ einführen würde, gerne Didgeridoo spielt und sich „manchmal über die Liebe wundert“. Wem sagst du das, Robert. Vielleicht sollten wir Robert mal an Elisa aus Rüdnitz vermitteln, in deren Dorf es zwar „keine Internetleitung gibt“, die aber gerne reitet und bei Gratismagazinen „nix zu meckern“ hat. So eine unkomplizierte Partie findet man selten, Robert. Etwas genauer nimmt es dagegen Saman-

tha aus „NRW“, die ihre Musik „von Freunden kriegt“ und als Hobby „kreativ sein“ angibt. Deshalb bastelt sie sich aus unseren Heftfotos auch immer schicke Buttons. Kreativ sind auch andere Leser: Marion aus Tönisvorst wandert gerne, vor allem über Trödelmärkte, kauft 0,2 DVDs im Monat und will mehr Interviews mit Keith Caputo lesen. Machen wir, Marion, und übrigens: Weil dir unsere Rubrik „Kochen mit...“ nicht gefällt, haben wir die dem Intro geschenkt. An dieser Stelle flugs liebe Grüße nach Köln & danke noch mal für die Hörspieltexte. Wo waren wir? Richtig, Intro. Wir dachten immer, wir vom unclesally*s würden auf Grund unserer relativ simpel gestrickten Persönlichkeiten halbwegs verständliche Texte verfassen, was Julia aus München aber stark anzweifelt. Viel zu viel „Fachchinesisch“ würden wir faseln, manchmal sind wir etwas „wirr“ und bauen „schlimme Schachtelsätze“. Aha. Etwas verwundert hat uns der ihrem Absender-Abschnitt inklusive Wunschgewinn beigelegte Zettel

DAS GUTE GESCHÄFT IN DIESEM MONAT IST: quer durch alle Genres. Hier

kann man Stunden mit Suchen verbringen. Super nette Bedienung und Kaffee gibt‘s auch, und man trifft natürlich auch immer die ortsansässigen Vinyljunkies. Großartig, unbedingt auschecken.“

ZARDOZ RECORDS Schulterblatt 36 22765 Hamburg

„Wann immer ich mit einer meiner Bands in Hamburg spiele oder einfach nur zu Besuch da bin, gibt es einen Ort, dem ich unbedingt einen Besuch abstatten muss! ’Zardoz Records’. Cooler Laden, der auch tatsächlich noch Vinyl verkauft, und was für welches! Ich habe hier schon damals, als Wahl-Hamburger, wahre Schätze für ‘nen schmalen Taler rausgeschleppt (von ’Meteors Live’ bis ’Pet Sounds’). Alles voll mit gebrauchten und neuen Schallplatten,

EMPFOHLEN VON: TEX MORTON

Tex ist Gitarrist bei den legendären Mad Sin und derzeit mit Nitro 17 unterwegs. Sollten euch seine Kapellen ein Begriff sein, dann do as Tex Morton when in Hamburg: Heimat: nitro17.com Auch gut: „On To The Other Side“ - das neue Album von Nitro 17


Könnte auch einer von Tomte sein: Maxïmo Park-Gitarrist Duncan Lloyd.

DUNCAN LLOYD

Einer muss den Anfang machen Er ist nicht unbedingt der bekannteste seiner Band, aber Duncan Lloyd ist der erste, der abseits von Maxïmo Park ein Soloalbum veröffentlicht. Eines ist schon jetzt gewiss: Er wird nicht der einzige bleiben. Auch seine vier Bandkollegen, allen voran Sänger Paul Smith, arbeiten mehr oder weniger intensiv an ihren Soloprojekten. Kurz bevor es für sie mit Maxïmo Park wieder in Studio geht, um Album Nummer Vier aufzunehmen, erscheint ’Seeing Double’, des erste Werk von Gitarrist Duncan Lloyd. Eine spartanische Wohnzimmerproduktion ist es geworden, eine akustische Skizze Sixties-inspirierter Pop-Nummern, die trotz ihrer Einfachheit erahnen lässt, in welcher Band er sonst zu Hause ist. Aber kann man überhaupt von einem wirklichen Soloprojekt sprechen, wenn die Hälfte der Kollegen im Studio und auf der Bühne mithilft? „Ich habe die Songs allein geschrieben und weitestgehend alleineeingespielt, aber Tom [English] wollte auf dem Album gerne die Schlagzeug-Parts übernehmen, und Archis mochte es dann so sehr, dass er live für uns Bass spielen wollte.“ Und schon war die Mini-Version von Maxïmo Park wieder unterwegs. Ein wenig erinnert die Dreierkonstellation an die Zeit vor Karrierebeginn, als Duncan noch mit Archis und Keyboarder Lukas Wooller am Maxïmo ParkProjekt arbeitete. „Auf den ersten Demos, die ich Paul gab, habe ich gesungen. Als er dann dazu kam, wollten wir ihm natürlich die Freiheit geben, sich zu entwickeln und auszudrücken. Ich wollte nie im Zentrum der Aufmerksamkeit sein und ich will es immer noch nicht.“ Wie auch bei seinen Kollegen, ist die kompromisslose Kreativität Grund für die Extra-Arbeit. Und auch wenn er den Erfolg nicht eingeplant hat, dürfte Duncans musikalischer Selbstversuch gesegneter sein als sein Experiment, seine Leidenschaft für American Football auf dem Spielplatz zu etablieren. „Es hat leider nicht funktioniert, dabei ist es so ein Spaß. Dieses Spiel hat einen Zauber und ist sehr bodenständig.“ Ein wenig also wie sein Soloalbum. Bleibt die Frage, von welchem Bandmitglied das nächste Soloalbum kommt. „Ich denke, Paul wird nächstes oder das Jahr darauf etwas veröffentlichen, denn nächstes Jahr gehört wahrscheinlich Maxïmo Park.“ Text: Ina Göritz Heimat: myspace.com/duncanlloyd


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MUSIK STORIES

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38-Jährigen als Teil einer Gesellschaft, deren Mitgliedschaft in HipHop-Kreisen früher mal als fragwürdig galt. In den Achtzigern macht sich Shrody - als eines der ersten „Weißbrote“ am Mic - mit Ice-T’s Rhyme Syndicate einen Namen, gründet später House Of Pain, schreibt mit ‘Jump Around‘ seine Lebensversicherung und macht Crossover salonfähig: „Wir nahmen Rage Against The Machine in unser Vorprogramm. Auch Korn verdanken uns ihre erste landesweite Tour.“ Nach House Of Pain bringt ihm die zweite Lebensversicherung ‘What It’s Like‘ vom Erfolgsalbum ‘Whitey Ford Sings The Blues‘ den Ruf als Songwriter ein, der bis heute den Rapper Everlast in den Schatten stellt. „Ich gebe einen Scheiß auf ’die Leute‘“, sagt er, „da steckt HipHop in allem, was ich tue.“ Egal waren „denen“ auch die Nachfolger. ‘White Trash Beautiful‘ verkam 2004 als Ladenhüter. Ein neues Label musste her, entschied der Künstler selbst. Vier Jahre später also ‘Love, War And The Ghost Of Whitey Ford’. „Und genau darum geht es“, fasst Everlast zusammen, „um Liebe und Krieg. Den Geist nenne ich den Wandel des Sounds. Ich habe mich deswegen nicht verändert.“ Die neuen Songs leben von akustischen Momenten, asynchronen Beats, R’n’B-Qualitäten, einer betont düsteren Grundstimmung und klaren Worten zur Lage der Nation. Seit Januar liegt die Platte bei ‘Warner‘ in der Pipeline, in einem Monat wählen die USA einen neuen Präsidenten. Amerikas Künstler beeilen sich, es Obamas Optimismus gleich zu tun. ‘Kill The Emperor‘ grummelt und hetzt Everlast als vergleichsweise alter Mann ein wenig spät und schlägt eine Brücke zwischen Privatem und Politik. „Die Tage, als dich deine Hautfarbe in Amerika von irgendwas abhielt, sind gezählt“, schlussfolgert der Selfmade-Musiker aus der Nominierung des ersten schwarzen Präsidentschaftskandidaten. Nach über 20 Jahren im Geschäft beschreibt sich Everlast, der vor den Toren von L.A. mit Mutti und Geschwistern ein Häuschen bewohnt, als „upper upper middle class“, denn: „Ich habe gesehen, was richtig reich sein bedeutet!“ Noch einen echten Hit, den hätte er ja schon gerne wieder. Gerade schrieb Everlast die Titelmelodie für die Fernsehserie ‘Saving Grace‘ und einen Song für Snoop Dogg. Songs stehlen, Geld für nichts und die Chicks gratis kriegen – so lief das noch nie: „Wenn du schnell einen Haufen Kohle machen willst, gibt es einfachere Wege“, verrät der tüchtige Erik Shrody das offene Geheimnis seiner stetigen Karriere, während er endlich die Sonnenbrille abnimmt. „Zum Beispiel Drogen dealen.“ Text: Fabian Soethof Heimat: martyr-inc.com Die graue Eminenz des HipHop: Everlast.

EVERLAST

BASTARD-POP

Die Rückkehr des weißen Mannes Eminem ist der erfolgreichste Rapper der Welt. Rage Against The Machine gehen wieder auf Tour. Everlast war früher da, nie weg und meldet sich doch zurück: mit seinem politischsten und dunkelsten Album. Bunte Sneakers, Tarnfarben-Shorts, schwarzes T-Shirt, Klunker an den Handgelenken. Eine Designer-Sonnenbrille versteckt die müden Augen, das graue Haar lässt sich trotz Kahlrasur nicht verbergen. Wie er da auf der Couch eines Hamburger

Nobelhotels lümmelt, will man mit Erik Shrody nicht über die Macht des Geldes, Erfolg und soziale Ungerechtigkeit sprechen. Auch ‘Love, War And The Ghost Of Whitey Ford‘, das fünfte Soloalbum des Grammy-Gewinners Everlast, präsentiert den

Aus der Sample-Technik im HipHop geboren, gilt Bastard-Pop seit den Neunzigern als – anfangs illegaler - Partygarant. Man nehme einen alten Schinken noch älterer Helden, mische einen nicht ganz so alten Kracher dazu und garniere das Ganze mit seiner eigenen Würznote. Bei Everlast heißt das Ergebnis ‘Folsom Prison Blues‘ und ist die erste Single-Auskopplung seines neuen Albums: „Wir spielen gerne Mash-Up-Shows. Einmal schmiss DJ Muggs diesen Cypress Hill-Beat rein, ich spielte und sang Johnny Cash drüber - und die Leute feierten das ab! Da wussten wir, dass wir aus diesem Unfall eine Platte machen müssten. Es findet jeder etwas daran, was er mag!“


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MUSIK STORIES

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SUGARPLUM FAIRY Wenn’s doch passt

Wahrscheinlich hätten die Jungs von Sugarplum Fairy auch mit quietschenden Trötenvariationen oder spartanischen Triangelsonetten die Herzen der Mädchenwelt im Sturm erobert. Doch um sich bis zum dritten Album nach vorne zu hangeln, braucht es mehr als den süßen Nachwuchsrockstar-Look - nennen wir es: unverschämtes Selbstvertrauen. Als 2005 das erste Lebenszeichen in Form des Sugarplum Fairy-Debüts ‘Young & Armed‘ aus ihrer schwedischen Heimat zu uns herüberschwappte, will niemand so recht glauben, dass sie mit dieser naiven Ladung von Sixties-Recycling-Sounds und auf den Millimeter vorhersehbaren Songkreationen wie ‘Stay Young‘ tatsächlich durchkommen sollten. Doch ein spitzbübischer Augenaufschlag hier, eine freche Schmolllippe da und ein nicht zu unterschätzender Anteil von indirektem „Familien-Vitamin B“ von Seiten des großen Bruders aka. Mando-Diao-Frontmann Gustaf Norén - und die Damenwelt liegt Victor, Carl und Co. zu Füßen. Und Album Nummer Drei? Auch mit ‘The Wild One‘ werden sich die Fans nicht umgewöhnen müssen. Laut eigener Aussage hätte für durchgreifende Veränderungen keine Notwendigkeit bestanden, sei man doch noch immer voll und ganz von den

Haben zurzeit eine Menge auf dem Schirm: Sugarplum Fairy.

musikalischen Qualitäten der Vorgängerplatten überzeugt. Und wirklich, eine durchschlagende Innovations-Attacke scheppert anders. Die Mädels wird’s freuen. Süße Gitarren-Pop-Schnittchen, zum Teil mit der unverbrauchten Melancholie des jugendlichen Herzens getränkt, garantieren auch weiterhin einen angenehmen Aufenthalt in der ersten Reihe - ein sagenumwobener Ort, an dem die Herren die Damen noch lange und zahlreich zu emotionalen Höchstleistungen animieren wollen. Angesprochen auf den durchschlagenden Charme eines anderen schwedischen Herzensbrechers

etwas älteren Kalibers zeigen sich die Jungs allerdings verwirrt: „Mädchen mögen Moneybrother? Das ist seltsam. Ich dachte, bei seinen Gigs würden nur alte Männer auflaufen. Wenn ich ein Mädchen auf einem Moneybrother-Konzert wäre, würde ich mich panisch gegen die Ausgangstür pressen und hoffen, dass sie den Typen von der Bühne holen.“ Ein spitzbübischer Augenaufschlag hier, eine freche Schmolllippe da... Text: Christine Stiller Foto: Jan Umpfenbach Heimat: sugarplumfairy.nu Auf sallys.net: sally*sTV! Sechs-Sekunden-Sex mit Brad Pitt.


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AUF ACHSE

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AUF ACHSE...

... HIGHFIELD-GAMES

„Bands gegen die Zuschauer“ – so das alljährliche Motto unserer Highfield Games - ausgetragen auf dem idyllischen Highfield-Gelände nahe Erfurt. Angetreten in den Disziplinen Mau-Mau, Gummitwist, Reise nach Jerusalem (für Ostkinder: „Stuhltanz“) sowie Ruderboot-Wettrennen und dem lustigen Plastikfische-angeln sind neben ein paar abenteuerlustigen Festivalbesuchern auch unsere Freunde von Madsen, Dennis Lyxzén [The (International) Noise Conspiracy], Jennifer Rostock, Less Than Jake und natürlich The Subways! Let the games begin...

Text: Florian Hayler, Fotos: Ben Dominik, Christine Stiller Heimat: subways.net, internationalnoise.com, madsenmusik.de, lessthanjake.com, jennifer-rostock.de Auf sallys.net: sally*sTV! Bands gegen Zuschauer – live vom Highfield!

Freitag Abend, der Morast vor dem sally*s-Zelt: knietief. Die regenresistente Subways-Bassistin Charlotte Cooper hat vorgesorgt und ihre Gummistiefel eingepackt, in denen es sich natürlich wunderbar gummitwisten lässt. Subways-Frontmann Billy Lunn ist auf dem Schulhof angeblich „nie“ mit den Mädchen über Seile gehüpft, nimmt die fast hüfthohe Kautschukhürde aber trotzdem ohne große Probleme. Wenn das mal mit rechten Dingen zugeht…


Nächste Disziplin: Hardcore-Mau-Mau mit Dennis Lyxzén. Der Frontmann der Noise Conspiracy tritt mit Shirt und Boxershort bekleidet zum Kartenduell an, muss sich aber erst mal die Regeln erklären lassen. Nach kurzer Einspielzeit erwischt der Schwede gegen seine Gegner Tracy und Jan einen guten Start, muss sich aber von der bildhübschen Tracy schließlich die Karten legen lassen. Ihr seht: Auch ein erfahrener Revolutionär kann nicht immer gewinnen.

Wer kennt es nicht: Das große Angelspiel! Sascha Madsen und sein Bassist Niko Maurer sind Rutenprofis und fischen einen Plastikhering nach dem nächsten aus dem Pappaquarium. Ihre Gegenüber Michael und Monika schlagen sich ebenfalls tapfer und stochern sich ein reichhaltiges Abendbrot zusammen. Schmeckt zwar ein bisschen nach Teer, der Fisch, ist aber trotzdem eine willkommene Abwechslung im Festival-Menü aus Plockwurst-Pizza und DreiMeter-Hot Dogs mit Kunstgurken.

Zeit für eine Abkühlung. Trotz Spliff-benebelter Birne rudern die Jungs von Less Than Jake ihren Rivalen Engin und Arienne gnadenlos davon, umrunden die Zieltonne und werfen anschließend ihren hilflos im Stausee treibenden Herausforderern ein paar Rettungsringe zu. Faire Geste.

Letzte Disziplin für heute: Die Reise nach Jerusalem mit Jennifer Rostock. In Jennys Heimat heißt das Spiel zwar „Stuhltanz“, die Regeln sind aber die gleichen: Wer den letzten Hocker erwischt, gewinnt. Nachdem DJane Jennifer zu „Kopf Oder Zahl“ einen Stuhltänzer nach dem nächsten zum Zuschauer degradiert, kämpft Keyboarder Joe im Finale um die Ehre seiner Band, mit Erfolg! Dank exzellenter Beinarbeit, körperlichem Einsatz und ein paar unsauberen Ablenkungsmanövern sitzt er als letzter Kandidat auf der Kiste. Prost.


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MUSIK STORIES

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LAMBCHOP

Die Schatten der Vergangenheit

Leicht hatte es Kurt Wagner zuletzt nicht. Bekanntlich kämpfte der LambchopSänger mit seinem eigenen Körper: Zwei Tumore sorgten für entscheidende Veränderungen im Leben des Kettenrauchers. ‘OH (ohio)‘ nennt sich eine davon! „Als die Diagnose vorsichtig an mich herangetragen wurde, spürte ich zum ersten Mal in meinem Leben die Nähe zum Tod“, erklärt Kurt Wagner heute. „Alles schien plötzlich beschädigt zu sein, und deswegen lautete der Titel des letzten Albums auch ‘Damaged’.“ Glücklicherweise waren beide Tumore gutartig und konnten erfolgreich behandelt werden. „Diese Erfahrung hat mich privat und beruflich verändert. Genau diesen Prozess will ich mit meinen Songs wiedergeben und weiß, dass so was nur über die Texte funktioniert.“ Eine Vorgehensweise, die ‘OH (ohio)’, das neue und zehnte Studioalbum der Band Lambchop, maßgeblich prägte. „Wo wir früher musikalisch einiges ausprobierten, schaffen

wir heute inhaltlichen Raum. Damit unsere Gefühle und Gedanken ihren Platz finden.“ Wobei die aktuellen Songs von Kurt Wagner äußerst verspielt klingen und einen lebensfrohen Pop-Appeal versprühen: „Ich wäre froh, wenn das bei den Leuten genau so ankommt. Sie sollen sich während ‘OH (ohio)’ einfach gut fühlen, ich habe mich blendend bei den Aufnahmen amüsiert – warum also nicht auch ihr?!“ Wie schön, dass Kurt Wagner dabei endlich unter die Arme gegriffen wird. „Meine Band ist momentan eine Idealbesetzung. Einfach super, wie wir miteinander harmonieren!“ Text: Marcus Willfroth Heimat: lambchop.net

BEN FOLDS Reinhold lebt

Schwiegermuttertraum Ben Folds hat auf ‘Way To Normal‘ zu sich selbst und seiner Verbundenheit zu Deutschland zurückgefunden. Zur Normalität nicht. Es gab da mal diesen kruden Plattentitel: ‘The Unauthorized Biography Of Reinhold Messner‘. Das war 1999, die Band zum Album hieß Ben Folds Five. Getroffen haben Folds und Messner sich nie. Aber auch Ben Folds ist seitdem erfolgreich alleine unterwegs, veröffentlichte zwei vom Pop gesegnete Piano-Rock-Alben und diverse EPs und lebt heute mit Frau und Kindern in Nashville, Tennessee. „Die Gitarre entspricht nicht meiner Stimme“, sagt der 43jährige Workaholic am Telefon. „Das Piano ist mein Medium. Es macht die Dinge schöner.“ Für ‘Way To Normal‘ hat Folds auch einen berührenden Song namens ‘Cologne‘ geschrieben. Als Dank an seine deutschen Fans, die 2004 Unterschriften sammelten, ihren Helden wieder auf hiesigem Boden zu erleben? „So kannst du es auch sehen.

Im Text aber geht es um telefonierende Personen, die nicht auflegen wollen. Wie ich und meine Frau zu der Zeit.“ Eine Wiederholung des Balladen-beladenen Vorgängers ‘Songs For Silverman‘ ist ‘Way To Normal‘ nicht, heute haut Ben fröhlich eine System Of A Down-Parodie namens ‘The Bitch Went Nutz‘ oder gleich sein eigenes Fake-Album als Internet-Leak raus - sollen die Leute sagen, was sie wollen. „Ich äußere mich auch über Menschen, die ich nicht kenne“, gesteht Stimmungskanone Folds und zitiert: „Ich liebe diesen Kerl!“ „Er ist tot, Ben.“ „Oh, aber ich mag Elvis immer noch.“ ‘Reinhold‘ ließ Folds in seiner alten Heimat samt Urbesetzung jüngst auch wieder aufleben. Obwohl Messner ja noch quicklebendig kraxelt. Text: Fabian Soethof Heimat: benfolds.com

HERMAN DUNE

Erfindungsreichtum 2.0

Herman Dune treibt der Arbeitseifer und kein Gedanke an den nächsten Zwischenstopp: Nur so konnte Sänger David-Ivar mit ‘Next Year In Zion’ den Abschied seines Band-Bruders André verkraften. „Im Moment können wir nicht sagen, wo es mit Herman Dune hingehen wird – unser neues Album fühlt sich aber fantastisch an“, mystifizieren die beiden Übriggebliebenen gleich zu Beginn des Gesprächs. Mit offenen Augen marschierte das Duo in den letzten zwei Jahren durch die Welt und fand an allen Ecken Inspiration für das neue Album. Auch ohne den ehemals äußerst präsenten André. Wer hätte das gedacht?! „Sein Fehlen ist sicherlich ein Grund, weswegen die Songs beschwingter und weniger melancholisch sind. Er war innerhalb der Band immer das Ying und ich das Yang“, erklärt David-Ivar bedeutungsschwanger. „Wir haben uns super ergänzt! Inzwischen will er jedoch lieber Jazz spielen – und mal ganz ehrlich: So was würde bei uns nicht funktionieren.“

Gut funktioniert indessen einmal mehr das Folk-Verständnis bei Herman Dune. Die Songs besitzen Witz, Charme und sind ein Arbeitssieg gegen das Vergessen. „Den überragenden Song für die Ewigkeit will ich gar nicht schreiben, denn es sind die einfachen Dinge, die hängen bleiben. (überlegt) Es gibt einen Satz von Graucho Marx: ‘Gewinnen sie so viele Waschmaschinen, wie sie tragen können!’ Simpel, und doch werde ich diese Aussage niemals vergessen.“ Darum dreht sich auch ‘Next Year In Zion’: Es sind simple Ansprüche, die das Duo mit diesem Album verfolgt. Den turbulenten Veränderungen der letzten zwei Jahren zum Trotz haben Herman Dune ihre ungebremste Spielfreude behalten. Gute Neuigkeiten, tolle Band! Text: Marcus Willfroth Heimat: myspace.com/therealhermandune


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?!

AUF DER COUCH

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AUF DER COUCH MIT: KOOL SAVAS

Ikone des Battle-Rap, Labelchef, DissKönig. Kool Savas hat sich dank Liedern wie „Schwule Rapper/LMS (Lutsch Mein Schwanz)“ und Zeilen wie „Dicke Titten, enge Muschi, Blaselippen, lange Beine“ oft und gerne als Zielscheibe angeboten - für Rap-Kollegen genauso wie für die Frauenrechts- oder Schwulenbewegung. Der einst in Aachen als Savas Yurderi geborene 33Jährige verbrachte einen Teil seiner Kindheit in der Türkei, zog später nach Berlin und wohnt heute in Heidelberg. Wir baten den Mann mit dem „Hang zur Melancholie“ auf unsere Couch, um mal schön die Hosen runter zu lassen. Interessanter Anblick. Savas, fühlst du dich mehr als Türke oder als Deutscher? Weder noch, Nationalstolz ist das Behindertste, was es gibt. Du kannst ja nichts für deine Herkunft. Am Ende des Tages bin ich beides, und irgendwie ein Weltenbürger. Wenn ich über Deutsche fluche, dann nenne ich die „Kartoffel“ oder „die mit der blöden Frittenart“, dafür nenne ich genauso einige Türken „Kanaken“. Gibt es irgendwelche Traumata, die noch aus deiner Kindheit in der Türkei stammen? Ich habe schon üble Sachen mitbekommen damals. Schießereien auf der Straße, das Militärregime und die Verfolgung von Oppositionellen. Mein Vater kam in den Knast, als ich sechs war. Ich war so abgefuckt auf die Türkei, dass ich total verlernt habe, türkisch zu sprechen. Ich habe erst mit 13 in Berlin wieder damit angefangen. Gab‘s auf Grund eurer Religion irgendwelche Tabu-Themen zu Hause? Meine Eltern hatten immer ein Problem mit Drogen,

und als mein Vater aus dem Gefängnis kam, fand er es auch nicht so cool, wenn meine Freundin und ich gefickt haben. Damals war ich 13 oder so. Das hatte weniger mit der Religion zu tun, er ist eben ultramoralisch und hat harte Prinzipien; er dachte, ich sei dafür einfach noch zu jung. Kommentiere bitte die folgenden Sätze. „Die Frauen wollen belogen werden.“ (Dieter Bohlen) Das ist weder richtig noch falsch. Frauen sind cooler, straighter und ehrlicher als Männer und wünschen sich, dass die Typen genauso sind. Und weil sie nicht wahrhaben wollen, dass die meisten Kerle Fotzen sind, akzeptieren sie die Lügen. „Hinter jedem erfolgreichen Idioten steht eine großartige Frau.“ (John Lennon) Das Gegenteil ist schwer zu beweisen. Die meisten erfolgreichen Männer haben ja eine... Deine größte Schwäche? Sobald mich was stört, bin ich sofort so abgetörnt, dass ich quasi handlungsunfähig werde. Wenn ich bei jemandem penne, und irgendwas gefällt mir nicht bei dem, dann hasse ich plötzlich den ganzen

Typen. Außerdem habe ich einen Hygiene-Tick entwickelt. Wenn jemand schmatzt beim Essen, dann steigt in meine Bauch so viel Wut auf, dass mir komplett der Appetit vergeht. Bist du sehr selbstbewusst? Auf der Bühne schon, aber im Alltag nicht. Ich hasse es, wenn ich in einen Raum oder einen Club komme und alle glotzen mich an. Ich bin eigentlich ziemlich schüchtern. Ein bisschen Selbstbewusstsein erkaufe ich mir aber auch mal ganz gerne: Viele Probefahrten habe ich nur bekommen, weil ich mit dem richtigen Auto vorgefahren bin. Was fährst du? Cayenne Turbo. Neu, ein paar kleine Extras, um die 130.000 Euro. Schon ein Batzen.

FAZIT

„Harte Schale, weicher Kern“ – mit Savas ist eigentlich gut Kirschen essen, zumindest kurzfristig und vor allem als Frau - so lange sie nicht schmatzt beim Blasen. Text: Florian Hayler, Heimat: optikrecords.de Auch gut: „Die John Bello Story 2“ das neue Album von Kool Savas


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SPEED DATING

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SPEED DATING

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tterte Feuerteufel Suchen: Mit Blutwurst gefü ten Wall Of Death. größ zwecks Formation der welt pelstilzchen am Rum Mit ck: dru Ein e erst Der Rhythmen ist ten ack zerh ran Mikro und filig chen Blood zwis o ndw das hier Splatter-Core irge tichen übersers Mes mit und s low Gal s, Brother lig kranker Shit! säten Panic At The Disco. Völ eltern sagen: ger Das werden die Schwie lustiges „Der an em, dies Bei n? lter Schwiegere nden Gegurner erin el Weiße Hai“-Geschnetz die Flucht. Da tig ikar pan ut Bra jede eift gel ergr ise nix mehr. nützen auch Afro und Emo-Fr Vielleicht finden : äre Hochzeit oder kurze Aff m mit reichlich eine in Fire On nds Frie I Set My n bestückten silie uten rges Skalpellen und Wü en?! Fragt sich Leb s für’ u Fra die b Clu schFeti nur, wie lange die überlebt.

SILVER

rte Häute, deren PunkSuchen: Ehrliche tätowie Blink 182 aufhört, bei rock-Bewusstsein nicht s, Social D. und Hanoi sondern bei den Dead Boy Rocks anfängt. gt schon seit 2004 vor. Der erste Eindruck: Lie h stark Glam-infiziert, noc isch opt h Damals auc le musikalisch immer wei tler sind die Norweger mit terer geworden. aggressiver, frecher und fins eltern sagen: Hießen ger wie Sch Das werden die Monroe: Die Mucke l(a) sie Stiv Bators und Michae denn je, aber tragt r tige ürs tzb kra und ist cooler Meerkatzen-Fellund ra sca Ma bitte wieder mehr n im Gesicht. hel Läc Pelz mit einem glitzernden Gemeinsam die : äre Aff ze kur r ode Heiraten zum nächsten KnallerNächte durchmachen bis n den revolutionären Album. Diese Jungs nehme noch ernst. ent shm abli Est Fick mit dem m Heimat: thesilverband.co sing Wolf“ Aktuelles Album: „Wolf Cha

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BONAPARTE Suchen: Dancefloor-erprobte Indie-Kids, die keine Angst vor Schweiß und Kunstblut haben. Der erste Eindruck: Wayne Coyne bekommt Konkurrenz. In den Disziplinen Plüschverkleidung und Bühnenaction haben Bonaparte fast genauso viel drauf wie die Flaming Lips. Das werden die Schwiegereltern sagen: Endlich kommt blaues Blut in die Familie. Heiraten oder kurze Affäre: Für das lose Bandgefüge um Tobias alias Bonaparte dürfte eine feste Bindung nicht in Frage kommen, allerdings könnte der frisch gezapfte AntiPop der Hedonistentruppe einige Spielzeiten überdauern. Heimat: bonaparte.cc Aktuelles Album: „Too Much“

Heimat: isetmyfriendsonfire.com Aktuelles Album: out Laughter“ „You Can‘t Spell Slaughter With

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THE TOULOUSE

Suchen: Unkomplizierte jun ge Menschen mit einer Vorliebe für Pop und schlechtem Gedächtnis. Der erste Eindruck: Am Anfang stand für vier der fünf Jungs eine effektgierig auf Fäkalthemen setzende Kap elle namens Panda. Zum Glück haben sich die Her ren aus dem stinkenden Fell ges chält, um jetzt in englischer Sprache mit verspieltem Indie-Einschlag zum Tanz zu bitten. Das werden die Schwie gereltern sagen: Nette Jungs in sau beren Hemden - was will man mehr?! Hochzeit oder kurze Aff äre : Mit SoundNomaden sollte man sich auch auf Dauer nie langweilen. Solange sie die Oberhemden nur weiter schön selbst bügeln. Heimat: myspace.com/the toulouse

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EMPYR Suchen: Frankophile Fans von Radiohead, Smashing Pumpkins und Muse. Der erste Eindruck: Eine tolle Version europäisch/ amerikanischer Produktionsfreundschaft: perfekter Prog-Pop-Rock mit Über-den-Tellerrand-Tendenzen und Bonvivant-Klasse. Das werden die Schwiegereltern dazu sagen: Gut, dass uns außerhalb Londons mal jemand im Coupé umherfährt. Heiraten oder kurze Affäre: Mon Dieu, was für eine Frage?! Nachdem – bis auf Muse –alle zuvor genannten Referenz-Bands bisher über kurz oder lang mit unsäglichen Qualitäts-Seitensprüngen enttäuscht haben, findet hier nicht nur Jean Paul ein Album zum Goutieren, sondern sein persönliches „Außer Atem“. Heimat: empyrmusic.com Aktuelles Album: „The Peaceful Riot“

CONSTANTINES Suchen: Eine Seele für ehrliche Musik, ein Herz für den Blues und ein Temperament, das nicht allzu viel auf belanglos-leichte Indie-Kost gibt. Der erste Eindruck: Ein spätabendliches Date mit einem leidenschaftlichen Bruce-Springsteen/The-Clash-Hybriden in einer verräucherten kanadischen Eckkneipe. Darin bin ich eigen: Als kanadische Staatsbürger lag ihre Vorliebe für Neil Young-CoverVariationen natürlich schon in der Wiege. Hochzeit oder kurze Affäre: Mit ihrer bereits neunjährigen Geschichte und dem offenbar recht ausgeglichenen Gemüt dürften sie die Gefahren des plötzlichen Bandtods mittlerweile meilenweit hinter sich gelassen haben. Heimat: myspace.com/constantines Aktuelles Album: „Kensington Heights“


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TITEL

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Foto: Erik Weiss


TRAVIS

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins Es ist nicht zu übersehen: Travis, die schottische Indie-Bastion mit Hang zur Melancholie, sind wieder im Geschäft. Nach dem durchwachsenen Erfolg ihrer jüngsten Alben und der anschließenden Abnabelung von ihrer Plattenfirma lässt die Band mit ihrer ‘Ode To J. Smith‘ einen neuen Klassiker vom Stapel. Seine Livetaufe erfährt das neue Album beim diesjährigen sally*sounds-Festival in Berlin – der Stadt, zu der Frontmann Fran Healy eine ganz besondere Beziehung hat. Der Pfad war steinig, doch Travis ließen sich nicht unterkriegen und schaffen mit ihren neuen Songs den Unrat der Vergangenheit beiseite. Von Desillusionierung wollen sie nichts wissen: „Wir hätten es leichter haben können, aber manchmal muss man eben gewisse Dinge mitmachen, um zu sich selbst zurück zu finden!“ Augenscheinlich darf sich diese Band eigentlich nicht beklagen – bereits ihr Debüt ‘Good Feeling‘ aus dem Jahre 1996 war ein Erfolg auf der ganzen Linie. Die Kritiker im Vereinten Königreich schlugen Purzelbäume und fraßen der Combo sprichwörtlich aus der Hand: „Die Euphorie hielt nur ein Jahr, denn als ich bei unserer Plattenfirma mit dem Material zum Nachfolger ‘The Man Who’ ankam, winkten die ab: Kein Mensch würde an so was interessiert sein“, gibt Sänger Fran Healy heute sichtlich gelassen zu Protokoll. Freilich deswegen, weil er sich mit seinen Jungs durchbiss, Ende der Neunziger die Single ‘Why Does It Always Rain On Me?‘ veröffentlichte und Travis einen weltweiten Hit in der eigenen Vita verbuchen konnten. „Es scheint unüberwindbar zu sein, dass wir ständig gegen Windmühlen ankämpfen müssen. Selbst bei den nachfolgenden zwei Platten, die sich millionenfach verkaufen sollten, rümpften die Leute zunächst skeptisch die Nase. Woran das liegt, weiß ich nicht.“ An ihrem reibungsfreien Image vielleicht? Travis sind ja wahrlich nicht die Hotelzimmer demolierenden Rockstars mit Alkohol- und Drogeneskapaden. Als viel zu „niedlich“ werden sie oftmals kritisiert: „Ich sah es nie als etwas Produktives an, sich wie ein Arschloch aufzuführen. Selbst wenn wir heute die Wahl hätten, würden wir nichts an unserem Verhalten ändern!“ Wirklich nicht? Fran, mit dem letztjährigen Longplayer „The Boy With No Name“ ist es zum ersten Mal passiert, dass selbst eingefleischte Fans alles andere als zufrieden waren! Wir lieben das Ding immer noch und es sind unglaublich tolle Songs drauf. Was damals allerdings ein wirkliches Problem darstellte, war das Verhalten unserer Plattenfirma. Die wollten partout Hit-Singles und ließen von dieser Marschrichtung einfach nicht ab. Mit solchen Ansagen kann niemand unbeschwert Songs schreiben. Ich saß oft da und habe mir gedacht, der Song ist doch perfekt – warum sollten da noch irgendwelche Dinge rein, die in deren Augen massentauglich sind?! Habt ihr deswegen euer eigenes Label ‘Red Telephone Box‘ wieder auferstehen lassen? Es ist einfach schöner, wenn du das, was mit deiner Musik nach den Aufnahmen passiert, selbst kontrollieren kannst. Viele dachten immer: „Hey, wenn die so einen Erfolg haben, muss hinter den

Kulissen alles super laufen!“ Man kann sich aber gar nicht vorstellen, mit welch komischen Menschen Travis schon zusammenarbeiten mussten. (überlegt) Meine Frau meinte nach unserem Album „12 Memories“, sie hätte meine schlechte Stimmung sogar auf der Bühne gesehen – obwohl ich jemand bin, der problemlos den Schalter umlegen und mit den Fans einen tollen Abend haben kann. Selbst das ging damals nicht mehr, verrückt! Um sich aus all dem Schlamassel zu befreien, ließen sich Travis für ihr neues, sechstes Album ‘Ode To J. Smith‘ nicht zweimal bitten: Nur ein Jahr nach dem zwiespältigen ‘The Boy With No Name’ legen die vier einen imposanten Nachfolger vor. Als hätte ihnen jemand eine Batterie in den Rücken geschraubt, rockt die Band wieder so heftig wie zu Beginn ihrer Karriere: „Fahrt alles nach oben, ich will es dröhnen hören!“, soll Healy einmal im Studio gesagt haben. Eine solche Leidenschaft für rauen Indie-Rock war man von den Schotten zuletzt nicht mehr gewohnt. Berlin, die neue Heimat von Fran Healy, ist ein

"Beim sally*sounds08 feiern wir die deutsche Live-Premiere von ‘Ode To J. Smith‘, deshalb wird das ein sehr besonderer Gig für uns." (Fran Healy) gutes Gleichnis für die vielen Veränderungen im Hause Travis. Ähnlich wie die deutsche Hauptstadt, befand sich auch das Leben des Sängers in den letzten Jahren in ständiger Bewegung: Er fand die Frau fürs Leben, wurde Familienvater und lernte eine ganz neue Art der Verantwortung kennen. „Jede Veränderung bedeutet eine neue Herausforderung, und genau das ist auch die Kernaussage unseres neuen Albums – dass der gewöhnliche Mensch zu Außergewöhnlichem in der Lage sein muss.“ Eine Ode an den „Otto-Normal-Bürger“, der angesichts seines eigenen Daseins weit mehr leisten muss als diese Kategorie in irgendeiner Weise vermuten lässt. Wenn du mit ein paar Worten ein Resümee über die letzte Zeit mit Travis ziehen müsstest – was würde am meisten hervorstechen? (überlegt) Obwohl es sich wie ein Widerspruch anhört, das ganze letzte Jahr. Zum einen war unsere Tour der absolute Hammer, gerade weil wir davor lange Zeit keine Konzerte geben konnten und nun endlich wieder Kontakt zu unseren Fans aufnahmen. Anderseits fühlten wir uns in den folgenden Monaten fast vogelfrei: Unser Platten- und Publishingdeal lief aus und jeder spürte, dass jetzt die Chance für Veränderungen

gekommen sei. Die wir auch zu nutzen wussten! Du hast im Vorfeld von einem kreativen Druck gesprochen, der die Aufnahmen zu „Ode To J. Smith“ vorantrieb. Ja, das stimmt. Wir hatten nach „The Boy With No Name“ das Gefühl, etwas ganz Großes auf die Beine stellen zu müssen und versuchten dies umzusetzen, indem wir alle Konventionen beiseite schoben. So Marke: Travis sind eine gefühlvolle Indie-PopBand? Fuck you! Wir machen jetzt Prog-Rock – wie im Falle des Songs „J. Smith“. Oder lassen ein längeres Gitarrensolo zu und versuchen dies trotzdem in einen Rahmen von vier Minuten zu pressen. „Keine Regeln!“ - das war die einzige Regel, die wir mit „Ode To J. Smith“ verfolgten. Vielleicht ist das der Grund, weswegen diese Platte das in sich geschlossenste Album ist, das wir je in einem Studio aufgenommen haben. Zwei Schritte vorwärts, keiner zurück. Travis überraschen mit ihrem sechsten Longplayer vor allem deswegen, weil ihnen nichts heilig ist! Bedenkt man die überschwänglichen Lobeshymnen, mit denen die ersten Alben hofiert wurden und die vielen Verrisse, die das letzte Album auslöste, ist die musikalische Radikalität, mit der Travis jetzt um die Ecke biegen, mehr als erstaunlich. So verblüfft der straighte Brit-Pop, den die erste Singleauskopplung ‘Something Anything‘ kräftig vor sich her pumpt. Oder ‘J. Smith‘, ein unförmiges Ungetüm mit stoischem Groove, einer hinterhältigen Explosion und lateinischen Versen aus den Mündern eines Männerchors. Travis vereinen mit solchen Nummern endlich wieder Dinge an einen Tisch, die schon lange nicht mehr zusammen gesessen haben. Eine gefährlich gute Kombination. „Wer etwas riskiert, muss immer damit rechnen dass es schief gehen kann“, erklärt Fran Healy. „Wir sind mit wehenden Fahnen ins Studio, keine Frage. Aber ein mulmiges Gefühl hatte ich trotzdem: Nicht so richtig zu wissen, wo es diesmal hingehen und wie das Ergebnis klingen würde.“ Inwiefern hat dich deine neue Heimat Berlin bei den Arbeiten beeinflusst – gibt es spürbare Berlin-Referenzen auf dem Album? Ganz ehrlich: Selbst wenn ich die Songs auf einer einsamen Insel geschrieben hätte, würde „Ode To J. Smith“ nicht anders klingen. (überlegt) Berlin übt auf mich aber einen unglaublichen Reiz aus: Hier passiert an jeder Ecke irgendwas und für meine Familie ist das Leben sehr angenehm. Wir wohnen im Stadtteil Prenzlauer Berg und leben dort wahnsinnig unbeschwert – niemand stört uns bei alltäglichen Dingen wie Einkaufen oder Essen gehen. Es gibt zudem sehr viele Kinderspielplätze und Parkanlagen, was gerade für meinen kleinen Sohn eine super Sache ist.


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Der Umzug, das neue Album und deine wieder gefundene Spielfreude ergeben einen sehr harmonischen Gesamteindruck! Da irrst du dich nicht, ich bin äußerst zufrieden mit meiner derzeitigen Situation. Wenn man so will, hat auch Berlin einen großen Anteil daran. Nur wo man sich wohl fühlt, ist man in der Lage, gute Arbeit zu leisten! Obwohl ich manchmal Angst vor negativer Presse habe, denn wenn irgendwelche bekannten Menschen eine Wohngegend bevölkern, steigen oftmals die Mieten. Sollte es dazu kommen, werde ich sofort umziehen. Versprochen! Was für Travis nicht weiter schlimm wäre, denn momentan habe ich das Gefühl, überall Musik machen zu können. Zweifelsohne: Wenn eine Band nach über zehn Jahren gemeinsamer Arbeit so einen süchtig machenden Gemischtwarenladen auffährt, können das manche vielleicht nicht nachvollziehen – sollen sie meckern, Travis haben die Qualität, das gekonnt zu ignorieren. Text: Marcus Willfroth Fotos: Erik Weiss Heimat: travisonline.com

Travis live at Koko,© 2007 SONY BMG

Frische Brise: Fran Healy (mit Hut) und seine Jungs.

Damit sich niemand beim ersten Travis-Gig zur neuen Platte ausgeschlossen fühlen muss, wird Nokia die Show an diesem Abend auf einer extra für dieses Ereignis zusammengeschraubten Microsite im Live-Stream übertragen. Als kleines Sahnehäubchen obendrauf dürft ihr an gleicher Stelle auch den Gig der jungen Herren von Polarkreis 18 zelebrieren. Ein Besuch bei www.nokia.de kann also für das Zuhause bleiben entschädigen.

Fran Healy über seine neue Heimat Berlin Es ist schon beeindruckend, wie sehr sich Berlin in den letzten zehn Jahren verändert hat. Das Erstaunliche daran ist aber, dass es die vielen Umstrukturierungen bislang nicht geschafft haben, das eigentliche Bild der Stadt völlig auf den Kopf zu stellen. Wenn ich durch Kreuzberg, Friedrichhain oder auch Prenzlauer Berg laufe, vermitteln mir diese Stadtteile immer noch eine gewisse Ursprünglichkeit. Das mag ich an Berlin! Obwohl ihr aufpassen solltet mit dem ständigen Neubau von irgendwelchen Prachtgebäuden – ein zweites Manhattan wäre wirklich nicht nötig! Fran Healy über sally*sounds08 Beim sally*sounds08 feiern wir die deutsche LivePremiere von ‘Ode To J. Smith‘, deshalb wird das ein ganz besonderer Gig für uns. Ich freue mich auch darüber, dass Travis einen ganzen Abend im Kreise solch junger Bands verbringen dürfen und deren Fans kennen lernen. Das ist ja das Interessante an Festivals: Viele Leute stoßen dort auf Musik, die sie vorher vielleicht gar nicht gehört haben. Außerdem kann ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, denn der Postbahnhof liegt nicht weit von meiner Wohnung entfernt. Ist zumindest näher dran als Schottland!


Für unser geschichtsträchtiges sally*sounds-Festival dürfen wir doch auch in diesem Herbst ein sagenhaftes Line-Up begrüßen. Welche weiteren Bands neben der diesmonatigen Titelcombo Travis beim sally*sounds08-Festival im Berliner Postbahnhof live auftreten werden, haben wir hier einmal zusammengefasst.

THE RIFLES Es hätte DER Record Release-Abend des Jahrhunderts werden können. Neben Polarkreis 18 ließ kürzlich auch die Londoner Indie-Rock-Fraktion The Rifles den 10. Oktober zum Tag der Veröffentlichung von „Pavement Diaries“ ausrufen, doch dann kam der Band „etwas dazwischen“. Was das war, klärten wir mit Rifles-Schlagzeuger Grant Marsh in New York. Grant, warum wurde euer Album schon wieder verschoben? Erst wurde es für das Frühjahr angekündigt, dann für Oktober, derzeit ist die Veröffentlichung für Februar geplant. Wir müssen unsere Fans da um Vergebung bitten, aber wir brauchten eben noch ein bisschen Zeit für die Dinge, die uns neben der Musik auch sehr wichtig sind: Die Gestaltung des Albumcovers zum Beispiel oder die genaue Tracklist. Wir haben uns also entschieden, alle Aspekte der Produktion gut zu durchdenken und sicher zu gehen, dass uns das Album in seiner Gesamtheit auch in ein paar Jahren noch gefällt. Und so was braucht eben seine Zeit. Du als jemand, der das Album schon kennt: Was sind die wesentlichen Unterschiede im Vergleich zu „No Love Lost“, eurem Debüt? Es passiert viel mehr in den Songs, sie sind austarierter, arrangierter, durchdachter. Früher kam einer von uns mit seinem im stillen Kämmerlein verfassten Lied in den Proberaum, heute entstehen unsere Songs bei gemeinsamen Sessions. Das neue Album ist also mehr ein Brandprodukt als noch das erste. Was waren die Highlights der Aufnahmen, was die unangenehmen Seiten? Schön war, mit den Jungs einen ganzen Sommer lang in einem Farmhaus im Norden Englands bei strahlendem Sonnenschein und fernab all des Trubels in Ruhe an den Songs schrauben und sie aufnehmen zu können. Ein ganz neuer Bandspirit ist da aufgekommen. Blöd dabei war nur, dass dabei so viele Ideen entstanden, dass wir vieles verwerfen mussten.

Was erwartet uns bei sally*sounds08? Werdet ihr neue Songs spielen? Logisch, wir sind ganz heiß darauf. Unsere ersten Shows hier in New York haben gezeigt, dass die neuen Songs ganz hervorragend mit den alten Stücken harmonieren. Ich finde es wichtig, den Fans live die Songs zu bieten, die sie kennen und lieben; es wäre arrogant, in erster Linie das neue Material durchzuprügeln. Deshalb hält sich der Mix aus alt und neu bei uns auch die Waage. Auf welche Band freut ihr euch am meisten? Wir kennen ja nur Travis, und auf die freue ich mich schon. Ich gebe zu, dass ich die Band in den letzten Jahren kaum noch gehört habe, aber ich erinnere mich noch daran, wie wir als junge Typen einst Travis in der Brixton Academy gesehen haben, vor 5.000 Leuten! Ich dachte nur: Eines Tages werde ich auch dort stehen. Und es sieht so aus, als würde mein Traum wahr. Wir haben am 21. November unser Heimspiel in Brixton.

Was werdet ihr abends anhaben? Keine Ahnung. Wahrscheinlich das, wonach uns der Sinn steht. Gott sei Dank haben wir bandintern alle einen ähnlichen Geschmack, deshalb passen unsere Outfits auch ohne Absprache relativ gut zusammen. Was werdet ihr trinken und essen? Könnt ihr uns einen Gefallen tun und eine Schiffsladung Baked Beans für uns vorbereiten? Hier in New York sitzen wir diesbezüglich total auf dem Trockenen. Und wenn ihr ein bisschen Bier zum Runterspülen und Jägermeister zum Verdauen parat haltet, dann wären wir euch doppelt dankbar. Heimat: myspace.com/therifles Aktuelles Album: „No Love Lost“/ „Pavement“ (ab vorauss. Februar 2009)


UNDS 08: SALLY*SO

Travis es & The Rifl 18 is e r k & Polar ians & The Kil er & Silvest cher Fis & Roman ntaine o F ip r &T hnhof ba lin – Post 10.10. Ber

Foto: Erik Weiss

THE KILIANS Simon den Hartog reiste soeben noch mit seinem Namensvetter und Tomte-Keyboarder Simon Frontzek durch hiesige Clubs, um die Live-Pause seiner Hauptband The Kilians zu überbrücken. Bevor diese in Kürze in Hamburg ihr zweites Album aufnimmt, spielen die Kilians im Rahmen des sally*sounds08 noch einmal live für ihre Fans. Das dürft ihr erwarten: Simon, auf welche Band freut ihr euch am meisten? Ich bin ein riesiger Travis-Fan, und hatte das Glück, den netten Fran Healy kennen lernen zu dürfen. Es gibt keine Band, die häufiger in unserem Tourbus gespielt wird und die wir alle ohne Abstriche wirklich gut finden. Mit denen eine Bühne im Postbahnhof teilen zu dürfen, ist doppelt schön. Schließlich hat dort alles für uns angefangen. Was werdet ihr abends anhaben? Das, was gerade aus dem Schrank fällt. In Berlin hat mal jemand zu uns gesagt, wie ätzend es doch wäre, dass wir den Stil der Neunziger zurückbringen. Und wenn das so ist, dann bin ich sehr glücklich und zufrieden damit.

Was werdet ihr trinken? Man fängt immer mit einem Bier an, und je nach Konzert oder Laune des Veranstalters gibt’s dann auch mal einen Gin-Tonic oder einen Weißwein. Was werdet ihr essen? Die Küche des Postbahnhofs ist immer exzellent, also mache ich mir gar keine Sorgen: Ich esse einfach das, was auf den Tisch kommt. Wer steht bei euch auf der Gästeliste? Natürlich Thees Uhlmann und Simon Frontzek von Tomte und eine Freundin von mir namens Magdalena. Außerdem ein paar Leute, auf die wir uns sehr freuen und die mit uns im Postbahnhof schon das ein oder andere Mal gut abgefeiert haben. Wer sollte in der ersten Reihe stehen? Dort wünsche ich mir junge, alte, hübsche, nette, nicht nette, schöne und hässliche Menschen. Was sollten die Zuschauer auf die Bühne werfen? Meine Oma fragt immer, ob es denn stimmt, dass immerzu Unterwäsche auf die Bühne fliegt – uns ist das bisher aber nur einmal passiert. Das heißt, ich könnte noch ein paar String-Tangas vertragen. Bei welchem Mädchen werdet ihr übernachten? Vielleicht bei der Sängerin von Silvester, die ist wirklich eine ganz Nette. Welches Konzert gilt es im Postbahnhof zu toppen? Schwer zu sagen, das Konzert steht jetzt schon ganz weit oben in unserer Hitliste. Schon allein wegen des Line-Ups. Foto: Erik Weiss, Heimat: the-kilians.de, Aktuelles Album: „Kill The Kilians“

unclesally*s und NOKIA suchen das sally*sounds08 Kamerakind! Kein Familienfest ohne eure Filmeinlage? Kein Strandurlaub, bei dem ihr eure Freunde nicht mit Videoaufnahmen malträtiert? Dann haben wir hier den Traumjob für euch: Bewerbt euch als Kamerakind und dokumentiert das Festivalgeschehen auf dem diesjährigen sally*sounds08! Wir suchen einen drehfreudigen Musikfreund, den wir mit dem brandneuen, zu filmischen Höchstleistungen fähigen Nokia N96 ausstatten und via Gästeliste zu unserem Festival entsenden werden. Das Handy dürft ihr natürlich behalten, den aus eurem Material entstandenen Clip wird es im Anschluss bei sally*sTV zu sehen geben. Bewerbt euch unter verlosung@sallys.net unter dem Stichwort „Kamerakind Nokia“.


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POLARKREIS 18

Geheimbund der Einsamen Wenn es mehr als 1.000 Stimmen braucht, um einen einzigen Song aufzunehmen, dann gehört das doch ins Guinness Buch der Rekorde, oder? Ob’s geklappt hat, erklären uns Polarkreis 18. Es war ein fixe Idee der Band, das Stimmexperiment ausgerechnet auf einem Konzert auszuprobieren: „Da standen wir im letzten Jahr vor hunderten von Menschen und wussten, jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen“, erklärt Sänger Felix Räuber und meint damit den Chor auf der aktuellen Single ‘Allein Allein‘. „Unser Drummer gab dem Publikum ein Zeichen und plötzlich sangen alle den Liedtitel. Knapp 1.000 Leute, einstimmig! Das war schon der Wahnsinn.“ Dies ist bei weitem nicht das Einzige, was an den Sessions für das zweite Album ‘The Color Of Snow‘ erwähnenswert ist: Die Platte markiert das letzte Stück Musik, das in den legendären Weilheimer Uphon-Studios vor deren Schließung aufgenommen wurde. Jenem Ort also, wo Produzent Mario Thaler bereits brillanten Bands wie The Notwist oder auch den Ingolstädtern Slut unter die Arme griff und für den, ihren musikalischen Stil prägenden Output sorgte. „Mario war sehr engagiert und überließ nichts dem Zufall. Er stimmte sogar unserem Vorschlag zu, ein ganzes Orchester aufzufahren.“ Man mag von dem Power-Pop der sechs Dresdner halten, was man will – Mut zur Größe kann man der Band nicht absprechen. Gerade weil das Debüt wegen dem ganzen Pomp schnell die Kritiker auf den Plan rief: Diese Band will zu viel und sei den eigenen Ansprüchen nicht gewachsen! „An unserem ersten Album haben wir schon zu Schulzeiten getüftelt – natürlich ist man da noch naiver. Es war aber eine konsequente Entwicklung, die seitdem stattfand. Und mal ehrlich: Es ist doch besser zu polarisieren, als völlig egal zu sein!“ Vielleicht auch deswegen, weil es schon genug Stangenware im dem feschen Indie-Bereich gibt? „Nein, das was wir machen, orientiert sich nicht an Trends, sondern daran, was wir wollen.“ Dieser Wille zu etwas ganz Großem ist auf ‘The Color Of Snow’ ausgeprägter als beim letztjährigen Band-Debüt: Hier wird nichts zurückgefahren und Pop kreiert, der erfrischend unterhaltsam ist. Großspurig ja, abgehoben nein.

Felix, auf welche Band freut ihr euch am meisten? Wir kennen die Kilians ganz gut und mögen die sehr gerne, obwohl ich nicht weiß nicht, ob die uns leiden können. Travis sind natürlich eine Riesenband und ein großer Einfluss für uns, deshalb freuen wir uns, sie live sehen zu dürfen. Was werdet ihr abends anhaben? Wir werden wie gewohnt konzeptionell in weiß auftreten. Schön wäre es, wenn das Publikum auch in weiß erscheinen und sowas wie eine „White Parade“ anzetteln würde, das gab es bis dato noch nicht. Was werdet ihr trinken? Da unser Auftritt bei sally*sounds nicht Teil einer Tour, sondern nur so „zwischendurch“ ist, werden wir sicher auch feiern und uns den alkoholischen Getränken widmen: Kombucha gemischt mit Gin.

Polarkreis 18 bei der Volkswagen Sound Foundation Nicht nur uns konnten die Jungs mit ihrer musikalischen Eigenwilligkeit überzeugen. Auch The Hives haben die jungen Dresdner im Rahmen des Pate-Pate-Systems der Sound Foundation-Nachwuchsförderung zu ihren Favoriten erklärt, wie Frontmann Pelle Almqvist kommentiert: „Wir hatten eine Reihe Bands zur Auswahl und Polarkreis 18 haben uns einfach am besten gefallen. Das hat nicht mal was mit dem konkreten Musikstil zu tun, sondern vor allem mit der Qualität der Machart. Vielleicht treten sie ja auch an uns heran, wenn sie mal Probleme haben sollten. Ich denke aber, das Wichtigste ist, dass man als Band authentisch bleibt, denn die Menschen, die deine Kapelle mögen, wissen, was echt ist und was dir von außen aufdiktiert wurde.“ soundfoundation.de

Was werdet ihr essen? Wir mögen sehr gerne Eisbein mit Sauerkraut; wir sind also eher traditionell veranlagt. Wer sollte in der ersten Reihe stehen? Jonathan Mese. Einer der bekanntesten deutschen Künstler, der faschistoide, größenwahnsinnige Kunstprojekte macht. Großartig. Was sollten die Zuschauer auf die Bühne werfen? Blumen! Weiße Narzissen.

Text: Marcus Willfroth Foto: Michael Petersohn Heimat: polarkreis18.de Aktuelles Album: „The Colour Of Snow“


ROMAN FISCHER War: Ein in seiner bayerischen Heimat leicht fehl platzierter Singer/Songwriter, der seinen Songs mit dem Umzug nach Berlin die nötige Freiheit schenkte. Ist: Ein mit Hang zu Kitsch und Pathos ausgestatteter 23-jähriger Bandleader, der nach zwei bemerkenswert erfolgreichen Alben derzeit an neuen Songs arbeitet. Wird: Würde sich Roman entscheiden, seine sentimentalen Balladen auf Heimatsprache umzutexten, wäre er in zehn Jahren so etwas wie die LightVersion eines Jochen Diestelmeyer. Falls nicht, ist er Chris Martins Nachfolger bei Coldplay. Heimat: romandfischer-musik.de Aktuelles Album: „Personare“

ROCK BOX Eure ganz persönlichen Minuten des Ruhmes dürft ihr an diesem Abend in der „Nokia Rock Box“ erleben. Jeder, der sich gerne mal in einem eigenen Musikvideo zappeln sehen möchte, kann sich hier vor einem Bluescreen abfilmen und in einen virtuellen Hintergrund setzen lassen. Die dort entstandenen Clips werden live vor der Rock Box auf Leinwand gezeigt, für euch auf DVD gebrannt und zu guter Letzt unter http://share.ovi.com/sallysounds2008 im Netz hochgeladen, so dass ihr euch den Film auch problemlos auf Festplatte oder Handy ziehen könnt.

TRIP FONTAINE Waren: Jungs aus guten Häusern, die alle nebeneinander im hessischen Dudenhofen standen und aus denen es gut duftete. Sind: Mittlerweile Profis und kernverschmolzen zwischen Frankfurt und Berlin; musikalisch so was wie das zerbrochene Spiegelbild von Michael Jackson mit der Frisur von Mars Volta + Doublebass in ihrer reinsten Form. Doppelt halt. Werden: Wenn sie nicht mit dem kleinen Teufelchen von gegenüber einen Pakt schließen, dann unkommerziell for life. Heimat: tripfontaine.de Aktuelles Album: „Dinosaurs In Rocketships“

SILVESTER Waren: Der Geistesblitz eines Hamburger Mädchens namens Naima Husseini, die ihre an Poesiealbumeinträge erinnernden Kurzgeschichten mal mit Musik unterlegen wollte. Sind: Eine fünfköpfige Pop-Formation mit zwei Mädchen am Mikro und drei Jungs an Gitarre, Bass und Schlagzeug. Ideal für einen Pärchenabend mit viel Händchenhalten und Stirnküssen. Werden: Entweder verwandelt sich der GuteLaune-Pop dank einer zusätzlichen Portion Kitsch in die neuen MIA. oder Silvester arbeiten am textlichen Tiefgang und touren zur Belohnung mit Wir Sind Helden. Heimat: myspace.com/silvestermusik

SALLY*SOUNDS08 10.10. Postbahnhof (Berlin) ABLAUF Große Bühne 19.00 Silvester 20.00 Roman Fischer 21.10. Polarkreis 18 22.50 Travis 00.00 Fritz-Aftershowparty Kleine Bühne 19.30 Trip Fontaine 20.30 The Kilians 22.00 The Rifles 00.00 Fritz-Aftershowparty Tickets: 22 Euro + VVK/ 28 Euro AK

SALLY*SOUNDS08-FOTO OF DEATH Schon bei unserer T-Shirt-Tausch-Aktion auf den diesjährigen Festivals wie Melt! oder Highfield habt ihr euch als ganz besonders fotogene Modelle für unsere „Konzertfotos Of Death“-Galerie bewiesen. Auch im Anschluss auf unseren Konzertabend im Postbahnhof warten wir wieder auf eure Bilder. Schnappt euch Kamera oder Fotohandy, haltet eure besten sally*sounds08-Momente für uns fest und ladet sie auf unserer Website hoch. Die besten Bilder werden mit tollen sally*soundsSouvenirs bedacht!


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PLATTEN/10 GEBOTE

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DIE 10 GEBOTE

AC/DC BLACK ICE

(SonyBMG) Nach acht Jahren Wartezeit kommt mit „Black Ice“ das sehnlichst erwartete, 15. Album von Angus Young & Co. Hier könnte man eigentlich abbrechen - die Fans werden es sowieso kaufen, denn auch auf diesem Album klingen die Australier genauso wie auf den Vorgängern. Das ist ein Knaller für Liebhaber und sorgt für Augenrollen beim traurigen Rest, aber was will man bei einer solchen Institution auch anderes erwarten? Sicher, „Stormy May Day“ hat eine für AC/DC ungewöhnliche Slideguitar und „Anything Goes“ erinnert gar ein wenig an Bruce Springsteen. Davon abgesehen haben aber ausnahmslos alle 15 Stücke den pumpenden Bass, den hypnotischen Rhythmus, die großartigen Gitarren und den nöligen Gesang, den wir von dieser Band erwarten. Die einzige echte Überraschung ist die Albumlänge - „Black Ice“ ist mit 55 Minuten die längste Platte der Band. Halleluja!

Text: Hans Vortisch

METALLICA DEATH MAGNETIC

(Universal) Metallica. Das neunte Studio-Album. Wie immer nur Superlative: Zwei Jahre hatten Hetfield und Co. sich mit Rick Rubin eingeschlossen, über 200 Stunden Demo-Material ausgewertet usf. Und natürlich ist nie eine AlbumProduktion umfangreicher im Internet dokumentiert worden. Höhepunkt – der 15-jährige Bengel, der auf YouTube eine fehlerfreie Karaoke-Version der ersten Single „The Day That Never Comes“ spielte. Ungerührt, Hammett ebenbürtig, unbedingt ansehen! Wer überdies Zeit fand, die unzähligen Threads zum Thema abzugrasen: bitte alles vergessen. Kein Altherrenrock, nicht überfrachtet, kein schlechter Sound, sondern schlicht – so banal das klingen mag – das beste Metallica-Werk seit 17 Jahren. Inspiriert und clever verzahnt sind Mammutwerke wie „All Nightmare Long“. Zwar back-to-theroots (cirka „M.O.P.“), aber ohne die Erfahrungen der Neunziger undenkbar. Punkt.

Text: Michael Jäger

AMANDA PALMER WHO KILLED AMANDA PALMER

BONAPARTE TOO MUCH

HOT CLUB DE PARIS LIVE AT DEAD LAKE

(Moshi Moshi/Universal) Hot Club De Paris, das akustische Hyperaktivitätssyndrom aus Liverpool, biegen mit ihrer zweiten Langspielplatte um die Ecke und foppen das Publikum. „Live at Dead Lake“ ist kein Livealbum, sondern ein musikalischer Hüpfball, eine Ansammlung zappeliger Songs, die all jene kurieren könnten, bei denen auch erhöhte Koffeindosen nichts mehr auszurichten wissen. Veritable Radiohits wie die Single „Hey, Housebrick“ und „Let Go of Everything“ verbreiten ein wohliges Pop-Gefühl, obwohl sie vertrackt sind wie eine Doktorarbeit in Quantenphysik. Versucht doch mitzuklatschen, ihr Rocker. Die Gebrüder Smith und ihr Mitstreiter Rafferty gebärden sich auf Albumlänge wie die Schlümpfe auf Amphetamin, freundlich-aufgekratzt. Sie singen und jaulen im Chor, fuhrwerken wie wahnsinnig auf ihren Instrumenten herum und wirken doch bei aller Komplexität nie angestrengt, eher von sich selbst belustigt. Eine Band zum Verlieben.

I SET MY FRIENDS ON FIRE YOU CAN’T SPELL SLAUGHTER WITHOUT LAUGHTER

Text: Yessica Yeti

(Staatsakt/Indigo) Dieses Kollektiv gehört sicherlich nicht zu den konventionellsten in der Branche. Live bieten Bonaparte eine gelungene Mischung aus Kabarett und Konzert, spielen mit diversen Masken und holen sich auch mal den ein oder anderen Feuerspucker oder schräg angezogene Tänzer/innen auf die Bühne. Auf Platte wirkt ihre Mischung aus Elektro, Punk und Pop zwar nicht so dynamisch wie auf der Bühne, trotzdem funkeln Songs wie „Too Much“ oder „Anti Anti“ vor überbordender Kreativität: eingängige, sich jedoch einer größeren Masse versperrende Refrains, abgedrehte Texte und verquer arrangierte Strukturen bestimmen hier das Klangbild. So wird nicht nur ordinäre Tanzmusik oder dergleichen geboten, man hebt sich angenehm ab. Von der Konkurrenz aus Disko und Pop-Business. Und von der Allgemeinheit jener Bands, die ihr Konzept nur überraschungslos herunterspulen. Sehr erfrischend!

PETER FOX STADTAFFE

RISE AGAINST APPEAL TO REASON

TOMTE HEUREKA

TRAVIS ODE TO J SMITH

Text: Tito Wiesner

Text: Fabian Soethof

Text: Christopher Mühlig

(Roadrunner/Warner) Genau einen Nachmittag lang war Amanda Palmer tot. Nämlich für die Zeit des Fotoshootings für das Cover ihres ersten Soloalbums. Und da hat sie eventuell auch nur so getan als ob. „Who Killed Amanda Palmer“ heißt das Werk der linken Hand der Dresden Dolls. Und hier kommt die Antwort dazu: NIEMAND! Falls das ein musikalischer Suizid sein sollte, ist er tüchtig missglückt. Das mit Hilfe von Ben Folds produzierte Album ist ein Dresden Dolls-Album ohne die Dresden Dolls, voller Perlen, voller Glanz und bisweilen die Krone dessen, was man aus dem Puppenhaus zu hören bekam. Texte voller Scham- und Bodenlosigkeit, Musik aus Fleisch und Blut und endlich die Geigen, die man sich immer schon gewünscht hatte. Gute Nacht, meine Püppchen. Und Willkommen, Bienvenue & Welcome Amanda Palmer!

(Warner) Pierre alleine! Ein Frontdrittel von Seeed auf Hafturlaub vom GruppenArrest. Ein Mann, zwei Drummer und das Babelsberger Filmorchester. Sonst nix. Klingt komisch? Klingt gut! Und weil das ganze Akustik-Ensemble extrem schick am Rechner zusammengebastelt wurde, klingt’s ab und an sogar elektronisch. Wie geht das? Keine Ahnung. Peter kann’s! Wer immer schon vermutete, dass einer der elf Seeed-Köpfe dicker sein muss als die anderen und dass das eventuell der von Pierre aka Peter Fox sein könnte, wird hier also keines Besseren belehrt. Ein urbanes Werk über den Menschen, die Stadt, die Häuser, die Hitze, die nasse Kälte und darüber, warum wir immer noch hier sind - hier in der Stadt: Zum Tanzen.

Text: Yessica Yeti

Text: Volker Bernhard

(Geffen/Universal) „Wir setzen uns keine Grenzen, sondern probieren alles aus, was uns gefällt“, betonte Frontmann Tim McIlrath im Vorfeld der Veröffentlichung von „Appeal To Reason“. Das sind schlechte News für Fans der ersten Stunde, die von Rise Against am liebsten weiterhin ungebremsten Punkrock hören würden; denn mehr noch als der Vorgänger setzt die neue Scheibe auf Abwechslung und schlägt deutlich in Richtung Rock aus. Stücke wie „Long Forgotten Sons“ klingen eher nach Stadion denn nach verschwitztem Club und mit „Hero Of War“ hat man gar eine Ballade im Gepäck. Wer Rise Against damit sämtliche Wut, Härte und Eier absprechen will, irrt aber gewaltig: Songs wie „Collapse“ atmen den Spirit der ‘Fat Wreck‘-Alben, und unabhängig vom Tempo wartet nahezu jeder Titel mit Hymnen-Refrains, intelligenten Texten und dem ungestümen Drang auf, etwas zu ändern - aller gezügelten Härte zum Trotz.

Text: Timo Richard

(Grand Hotel Van Cleef/Indigo) Nach oben kommt unten, nach Sonne kommt Regen, nach „Buchstaben Über Der Stadt“ kommt ein Neuanfang. Tomte wohnen jetzt in neuer Besetzung in Berlin, verabschieden sich trauernd von Hamburg und rufen „Heureka“. Es ist kein einziger Jubelruf, dieses zwischen Zweifel und Hoffnung so zerrissene fünfte Album. Thees Uhlmann ist nächtelang durch Kreuzbergs kalte Straßen flaniert und versucht sich als Sozialarbeiter, Klimaforscher, Außenpolitiker und Chansonier. Der Grat zwischen lauwarmen Selbstreferenzen und großen Tomte-Augenblicken war nie schmaler, das Gefühl der Ernüchterung nie präsenter. Ganz langsam offenbaren sich wunderschöne Indie-Rock-Momente, geläuterte Geschichten und eine die Intimzone überschreitende Ehrlichkeit. Bis, oh Heureka, neue Lieblingslieder wie „Wie Ein Planet“ nicht mehr gehen wollen. Das Leitmotiv hat Uhlmann längst selbst erkannt: „Du nennst es Pathos, ich nenne es Leben.“

(Epitaph/SPV) Das Debütalbum von I Set My Friends On Fire ist der Albtraum eines jeden Stil-Puristen. Es klingt, als hätte ein DJ eine böse Chaos-Grindcore-Platte mit einem Screamo-Album vermischt und als zusätzlichen Gag noch ein paar Stimmverzerrer und Synthies dazu gepackt. Stattdessen sind hier zwei verdammt talentierte und humorvolle Typen aus Miami am Werk, die sich nicht entscheiden können, ob sie den perfekten Highschool-Emo-Hit schreiben oder doch lieber Converge und den Blood Brothers huldigen wollen. Also machen sie beides, mit dem Ergebnis, dass „You Can’t Spell Slaughter Without Laughter“ ebenso wirr und bunt wie großartig ausgefallen ist. Man kann es Grind-Metal-Disco-Emo-Pop nennen, man kann aber auch einfach den Kopf schütteln, die Beine in alle Richtungen werfen und laut mitsingen. Unsere Empfehlung tendiert eindeutig zu letzterem.

Text: Tito Wiesner

(Vertigo/Universal) 1996 lieh sich Fran Healy von seiner Mutter 600 Pfund, um die erste TravisSingle aufnehmen zu können. Zehn Millionen verkaufte Alben später dürften Mami ihr Geld mittlerweile zurück haben. Ende 2007 stehen Travis aber trotz ihres Erfolgs ohne Plattenvertrag da, so wie früher. Das Gefühl der Vogelfreiheit führte dazu, dass sich Travis bei „Ode To J Smith“ ganz auf sich selbst konzentrieren konnten. Das Ergebnis: Ein mitreißendes Album. Die Erfolgstaktik: Konsequentes Kurzpass-Spiel. Dies galt für Dauer des Songwritings (drei Monate) genauso wie der kurze Studioaufenthalt (14 Tage) und nicht zuletzt wie für die Länge der Lieder. Nur einmal wird bei dem für die Band typischen „Last Words“ die Vier-Minuten-Marke geknackt. Für alle anderen zählt: Punktlandung. Zwei Hände voll gelungener, purer, schnörkelloser Pop-Rock Songs und dem ein oder anderen Hit („Song To Self“), wie es so die wenigsten von Travis noch erwartet haben dürften.


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PLATTEN/OFFENBARUNG

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DIE OFFENBARUNG TV ON THE RADIO DEAR SCIENCE

(4AD/Beggars/Indigo) Ein „Wichtig!“ flattert in der Luft. David Andrew Sitek hat es dort hingehängt. Oder besser: Andere haben das für ihn erledigt. Von dem Mann mit der dicken Brille sagen manche, er sei der zukünftige Timbaland. Kann schon sein. Immerhin legte er erst vor kurzem Hand an das Album der Math-Rocker Foals und steuerte dann die Über-Belle Scarlett Johansson durch ihr Debütalbum. Mit seiner eigenen Band TV On The Radio probte Sitek drei Alben lang die Avantgarde. Etwas, was bewundert und beklatscht, selten aber wirklich gehört wird. Krach meets Kunst’n’Klang. Mit „Dear Science“ kommt nun weniger Krach und weniger Kunst, dafür aber noch mehr Klang. Si-

tek, der „Forward Thinker“ (NME), gibt den Art Director of Sound des Jahres 2008. Für TV On The Radio destilliert er die Plattensammlungen der „Gutsozialisierten“, soll heißen: er plündert bei David Bowie, Velvet Underground und den Pixies und stapelt Klötze mit Aufschriften wie „Wave“, „Dub“ und „Rock“ zu einer Wall of Sound übereinander. On Top: Sänger Tunde Adebimpe, seine Soul-Stimme macht daraus den Turmbau zu Babel. PS: Das „Wichtig!“ wird noch lange flattern. Text: Heiko Reusch

1 hoffnungslos ** 2 egal ** 3 üben ** 4 bemüht ** 5 kann man machen ** 6 gut ** 7 vorn dabei ** 8 wichtig ** 9 grandios ** 10 klassiker 1000 ROBOTA DU NICHT ER NICHT SIE NICHT

(Tapete/Indigo) Die Bürde der Jugend lastet schwer auf den Schultern der 1000 Robota. Ihre biographischen Maße 17-1818 weisen sie eindeutig als Schülerband aus, tatsächlich sind die drei Hamburger aber schon viel weiter. Erfolg in England, Rauschen im deutschen Blätterwald und jetzt also die erste Langspielplatte in den Ladenregalen. Letztere hinterlässt aber gerade wegen dieser Vorgeschichte einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits kann man über die ausgeklügelt ruppigen Kompositionen nur staunen, das originelle Soundgewand mit stumpfem Bass, Sprechgesang und hysterischer Gitarre. Andererseits nerven die Robota gerade mit dieser „Reife“, die sie textlich dicht an der Klugscheißerei vorbeirauschen und musikalisch nicht energisch genug zu Werke gehen lässt. Jugendlicher Leichtsinn ist hier stellenweise glatt wegproduziert worden. Gezügelter Aktionismus. 6

Text: Timo Richard

ALL THAT REMAINS OVERCOME

(Prosthetic/Soulfood) Im Gründungsjahr von All That Remains stand der Death-Metal auf dem Bandprogramm der fünf gestandenen Herren, wie dem Erstlingswerk „Behind Silence And Solitude“ deutlich anzuhören ist. Seitdem haben sich Phil Laponte, ehemaliger Shadows Fall-Schreihals, und seine Kollegen mehr und mehr den melodischen Refrains zugewandt, die seit ihrem 2004er Album „This Darkened Heart“ kaum noch wegzudenken sind. Auch auf „Overcome“ schaffen All That Remains wieder einmal die dreckige Blutgrätsche zwischen hymnenhaften Passagen und knallharten MetalRiffs. Der Sprung von der Vorgängerplatte „The Fall Of Ideals“, die im Erscheinungsjahr mehr als 100.000 mal über den Tresen gereicht wurde, ist damit mühelos gelungen und verspricht durchschlagenden Erfolg bei der Metal-Gemeinde. 7

Text: Daniela Bringer

ANE BRUN CHANGING OF THE SEASONS (Determine/Cargo)

NINA KINERT PETS & FRIENDS

(Ninkina/Cargo) In Sachen Cover-Ästhetik ist die Norwegerin Ane Brun ihrer schwedischen Busenfreundin und

Kollegin Nina Kinert eine Nasenlänge voraus. Deren regenbogenfarbiges ProgRock-Design ist nämlich eine visuelle Zumutung. Aber: Don’t judge a book by its cover. Zwar sind die zwei Grazien auf ähnlichen Singer/Songwriter-Pfaden unterwegs, trotzdem könnten sie unterschiedlicher kaum sein: Klingen viele der Balladen auf „Changing Of The Seasons“ arg angestaubt und mit Streichern und Backgroundchören zugekleistert, bezirzt „Pets & Friends“ mit jugendlichem Charme und perkussivem Entdeckergeist. In „I Shot My Man“ träumt Kinert über einem dichten Rhythmusteppich davon, ihren Liebsten mitsamt Frau und Kind eiskalt hin zu metzeln. Ihr „The Art Is Hard“ groovt, quäkt und rasselt zu einem monotonen Computerbeat. „Libras“ hingegen ist himmlischer Akustik-Pop mit Zither-Begleitung und gegen den Strich gebürsteten Handclaps. Zur Belohnung gibt’s eine 8, für Ane Brun diesmal leider nur eine 4.

Text: Nina Töllner

ANI DIFRANCO RED LETTER YEAR

(Rightous Babe/ Rough Trade) Versuchen wir uns vorzustellen, wie Ani DiFranco privat durch‘s Leben geht. Man stellt sich diese Frau immer als Einzelgängerin vor, als verschroben und eigenbrötlerisch. Doch was, wenn sie uns nur täuschen wollte? Denn ihr neues Album „Red Letter Year“ ist eine große Party, opulent und weiträumig. Ein Hauptwerk in ihrem unübersichtlichen Oeuvre. Nach sehr reduzierten, minimalistisch anmutenden Platten begibt sich die Amerikanerin wieder auf die Suche nach dem großen Glück - schwelgt über die Liebe, Politik und über das Leben im Allgemeinen. Posaunen, Orchesterarrangements und jede Menge Klampfen begleiten sie dabei und bieten auf „Red Letter Year“ die wohl fröhlichste Ani DiFranco seit mehreren Jahren. So kann ihr Songwriting auch funktionieren – das war schwer vorstellbar, bislang! 7

Text: Marcus Willfroth

BEN FOLDS WAY TO NORMAL

(SonyBMG) Nach Ausflügen mit William Shattner, australischen Symphonikern, den anderen Bens und

Amanda Palmer ist er endlich zurück auf eigenem Charmebolzen Parkett: und Familienvater Ben Folds aus Nashville, der Elton John der Indie-Whizkids. Und wie er die Arme ausbreitet, so möchte man ihn wieder umarmen: Für Endorphinflashs, wie keine andere Droge sie hinbekäme. Für perfekte und nicht endende Pop-Momente und ein Duett mit Regina Spector. Für Harmonien, die mit Melodien für Millionen fangen spielen. Für rockende Pianos, die Gitarren vergessen machen. Für eine Ode an und aus Köln. Für Parodien auf Musikerkollegen, Misanthropen und sich selbst. Und für ein herrlich unnormales drittes Soloalbum in acht Jahren, auf dem Tausendsassa Folds das Kind im Manne rauskitzelt und vor Dankbarkeit, Innehalten und Frohsinn nur so übersprudelt. Für 41 Minuten ist die Welt ein bisschen besser. Danke dafür, Ben! 8

Text: Fabian Soethof

BLITZEN TRAPPER FURR

(Sub Pop/Cargo) Blitzen Trapper reifen Schritt für Schritt von überspannten Eigenbrötlern zu gewieften Folk-Traditionalisten. Auf ihrem vierten Album bleiben Krach-Eskapaden wie auf dem Vorgänger „Wild Mountain Nation“ aus. Stattdessen hat die Band endgültig keine Scheu mehr vor Country-Anleihen und herzerweichenden Balladen am verstimmten Klavier. Es wirkt so, als würden Blitzen Trapper damit ihre wahre Bestimmung finden, denn so schön spielt kaum jemand die Steel Guitar und die Mundharmonika. 8

Text: Arne Lieb

BLOC PARTY INTIMACY

(V2/Cooperative/ Universal) von Niederkunft Die „Intimacy“ erinnert ein bisschen an die Schlagzeilen von den pummeligen Frauen, denen keiner die Schwangerschaft hat ansehen wollen und die auf einmal ein Kind im Bus gebären. Auch die Wehen zur digitalen Veröffentlichung des dritten Bloc Party-Albums durchzuckten erst 70 Stunden vorher das Internet. Jetzt ist „Intimacy“ da und damit auch die Gewissheit: Es ist ein Mädchen! Ja, Bloc Party haben eine divenhafte Elektro-Indie-Rock-Zicke

geboren, die sich selten entscheidet. „Trojan Horse“ zieht uns erst auf die Tanzfläche, schubst uns dann aber zurück. „One Month Off“ klimpert erst mit den Augen und lässt uns dann doch ratlos dastehen. „Better Than Heaven“ liest gefühlvoll Tagebuch, will uns davon aber nichts erzählen. „Intimacy“ ist ein gelungener Gegenentwurf zur langweiligen Über-Prolligkeit der nervigen Schrammelbands aus dem UK. 8

Text: Heiko Reusch

CHAD VANGAALEN SOFT AIRPLANE

(Sub Pop/Cargo) Der Kanadier Chad Vangaalen ist ein ruheloses Multitalent. Er malt, zeichnet Animationsfilme und hat nun sein drittes Album eingespielt - allein, denn Vangaalen verlässt angeblich ungern sein Zuhause. Das macht aber nichts, denn er präsentiert die charmanten Popsongs auf „Soft Airplane“ mit einer Menge intelligenter Einfälle und auf vielen Instrumenten, einige davon angeblich selbst gebaut. Den roten Faden bekommt das Album durch Chads eigentümlich schönen Stimme, die ein bisschen an Neil Young erinnert, weil sie oft ein Stück höher liegt, als sie eigentlich sollte. 8

Text: Arne Lieb

COLD WAR KIDS LOYALTY TO LOYALTY

(V2/Cooperatvie/ Universal) Das zweite Album der Cold War Kids klingt, als kämen die vier Kalifornier rotzbesoffen aus einer Kneipe gewackelt. Mit dem letzten Bier in der Hand starten sie eine Tour durch die dunklen Arbeiterviertel. Es könnte fast in Großbritannien sein. „Loyalty To Loyalty“ ist weniger verspielt als sein Vorgänger. Herber, schattiger. Es gibt mehr grobkörnigen IndieBlues-Rock, noch mehr scheppernde Gitarren mit Lagerhallen-Sound. Ein halbdurchlässiges Korsett, in dem nur Handrasseln und ein versoffenes Klavier, selten brummende Synthies Platz finden („Reflief“). Nathan Willetts Organ schneidet die Luft in Brocken. In den bedrückten Momenten klingt er wie ein begossener Pudel („Avalanche In B“), in den hysterischen wie der unrasierte Bruder von David Byrne. Mögen CWK ihren stilistischen Unternehmungsgeist diszipliniert haben - sie sind trotzdem so verdammt originell. 7

Text: Gordon Gernand


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CONSTANTINES KENSINGTON HEIGHTS

(Arts&Crafts/Alive) Durch unermüdliches Touren haben sich die kanadischen Constantines auch hierzulande eine kleine Hörerschaft erarbeitet - doch abseits der Bühne geht es nur schleppend voran. Weil englische Bands in Europa das Sagen haben und der Sprung über den großen Teich oft nur über den US-Markt funktioniert; und da interessiert fast niemand für das Fünfergespann. Den Konflikten der Jetzt-Zeit zum trotz, veröffentlichen die Constantines mit „Kensington Heights“ ihren vierten Longplayer im achten Bandjahr. Bestimmt durch Wut, Wucht und Wärme drängeln sich die Songs mit klobigen Gitarrenriffs nach Vorne, harren aus und rudern anschließend akustisch zurück. Klingt überambitioniert, vielleicht sogar kalkuliert. Doch profitiert die Band immens durch dynamische Melodiestränge, man muss ihnen nur zuhören! 7

Text: Marcus Willfroth

THE DATSUNS HEAD STUNTS

(Cooking Vinyl/Indigo) Bands und ihr zweiter Frühlung. Auch den Datsuns gelang 2006 im fünften Jahr des Bestehens mit „Smoke & Mirrors“ ein erneuter Paukenschlag, der mit seinen energiegeladenen und Seventies-getränkten Garage-Rock-Songs nahtlos an das sagenhafte Debüt der Band anknüpfen konnte. Nun also „Head Stunts“, gebaut aus dem lustig durcheinander gewürfelten und neu zusammengesetzten Buchstabensalat des Bandnames und Ergebnis eines echten Lagerkollers. Über neun Monate eingepfercht in der westfälischen Einöde um Gütersloh verfassten die Neuseeländer zwölf Power-Pop-Hymnen, darunter Perlen wie „Hey, Paranoid People“ oder LSDgetränkte Psychedelic-Balladen wie „Eye Of The Needle“. Nach dem Ableben ihrer partners in crime wie einst The D4 oder jüngst den Hellacopters sind The Datsuns eine der letzten ihrer Art und stehen damit unter Naturschutz. Nicht zertreten, sondern füttern und pflegen. 6

Text: Florian Hayler

DEPARTMENT OF EAGLES IN EAR PARK

(4AD/Beggars/Indigo) Das Department Of Eagles ist ein Nebenprojekt von Daniel Rossen, dem Sänger und Gitarristen von Grizzly Bear. Gemeinsam mit seinem alten

College-Mitbewohner Fred Nicolaus bastelt er schon seit Studientagen an Songs, aus denen nun ein zweites Album entstanden ist. „In Ear Park“ klingt zunächst etwas schrullig, entpuppt sich aber als hübsche Sammlung von sehr melodiösen Pop-Songs, bei denen auch andere Grizzly Bear-Mitglieder (Schlagzeuger Chris Taylor war der Nachbar besagter College-WG) tatkräftig mitgeholfen haben. 6

Text: Arne Lieb

DUNCAN LLOYD SEEING DOUBLE

(Warp/Rough Trade) Duncan Lloyd gehört nicht zu den Band-Ausbrechern, die sich mit ihrer Soloarbeit selbst beweisen oder das eigene Selbstbewusstsein ein wenig aufpolstern müssen. Schließlich steht sein Name unter fast allen Hits des ersten Maximo Park-Albums „A Cetrain Trigger“, doch an dessen Über-Hits wie „Going Missing“ oder „The Coast Is Always Changing“ kann sein erster Selbstversuch „Seeing Double“ natürlich nicht gemessen werden. Songs wie „Misfit“ oder „Make Our Escape“ verraten seine musikalischen Herkunft jedoch schon nach den ersten Takten, insgesamt hat Lloyd jedoch weniger dick aufgetragen und ein dezentes und anmutiges Singer/Songwriter-Album gemacht, das die Zeit bis zum nächsten Maximo Park-Hit durchaus überbrücken kann. 6

Text: Britta Arent

DUNGEN 4

(Subliminal Sounds/Broken Silence) Diese Schweden, können doch nur BratgitarrenRock oder schöngeistigen Singer/Songwriter-Pop. Wer bisher diesem Vorurteil erlag, der gebe sich schleunigst eine Ladung Dungen. Die vier Burschen aus Vastergotland nämlich können beides gleichzeitig, gehen auf ihrem vierten Album „4“ auf instrumentale Wanderschaften, nehmen den Zuhörer mit in eine Welt zwischen Fernost, hohem Norden, feurigem Süden und wildem Westen und beweisen, wie viel Luft zwischen Sigur Rós und Wolfmother zum Atmen bleibt. Eben noch in psychedelischen Santana-Gefilden, plötzlich

WAS BISHER GESCHAH Die gute Nachricht zuerst: Es gibt ein neues Album von Damien Jurado! „Caught In The Trees“ (Secretly Canadian/Cargo). Und die genauso so gute Nachricht: Es ist WIEDER toll geworden! Fans von ruhigen Gitarrensongs im Speziellen und Elliott Smith oder Lambchop im Allgemeinen können hier gar nichts falsch machen, auch wenn der gute Mann diesmal ab und an sogar verhältnismäßig flott zu Werke geht. Dass es eine Deluxe-Edition des in den Achtzigern omnipräsenten ZZ Top-Albums „Eliminator“ (Rhino/Warner) gibt, ist auch keine schlechte Nachricht. Eher eine egale. Aber dies sei bemerkt: ZZ Top sind groß! Eine der LÄSSIGSTEN Bands überhaupt, und dem Vernehmen nach gerade dabei, mit Rick Rubin ein neues Album aufzunehmen. Titelstory 2010? Das kann den folgenden Herrschaften wohl nicht passieren, dennoch: Pete Greenwood, ein britischer Jungspund, hat auf „Sirens“ (Heavenly/Cooperative/ Universal) streckenweise wirklich schöne Songs,

die an Nick Drake und Co. erinnern. Giant Sand hingegen kauzen auch auf dem wie gehabt nach Wüste bei Nacht klingenden „proVISIONS“ (Yeproc/Cargo) vor sich hin, als gäb’s kein Morgen, Gestern und Heute. Manch philosophische Schule würde dem zustimmen, und Neko Case und Isobel Campbell schauen auf ein Lied vorbei - irgendwie immer gut, der Howe Gelb. Aber auch immer ziemlich gleich. Oh, gleich ist Schluss! Vorher noch schnell dies: Damon Albarn bleibt seiner Affenliebe treu (sind aber auch coole Viecher, die Primaten) und opfert mit Journey To The West“ (XL/Beggars/Indigo) Gorillaz-Nachfolgeprojekt Monkey jede Hoffnung auf Charterfolg (so what?) einem eklektischen Theatersoundtrack, der nun wirklich mehr nach Residents-meets-B52’s-in-Asien klingt (also ganz gut!), als... oh, doch noch ’ne schlechte Nachricht: Kein Platz m

Text: Torsten Hempelt

und trotz schwedischer Missverständnisse in einem französischem Programmkino-Soundtrack unterwegs, dann wieder bekifftes WoodstockGewichse. Mal verhalten, klein, suchend. Mal laut und wirr, den Faden längst verloren. Ganz schön durchgeknallt, diese Schweden. 5

Text: Fabian Soethof

EMPYR THE PEACEFUL RIOT

(SonyBMG) Die Tatsache außer Betracht gelassen, dass Empyrs-Einzelteile allesamt Mitglieder erfolgreicher französischer Bands waren und wir es mit einer Art Supergroup zu tun haben - „The Peaceful Riot“ rules. Das Debüt von Empyr kann sich in seiner Vielschichtigkeit, strukturellen Finesse und visionärer Kreativität an Alternative-RockGrößen wie frühen Smashing Pumpkins, noch früheren Radiohead und Muse messen lassen. Gleich mit drei alternierenden und harmonierenden Gesangsstimmen farbenprächtig trikoloriert sowie mit einer erlesenen US-Produktion versehen, verbinden Empyr die alternative alte und neue Klang-Welt, Eingängigkeit mit Tiefgründigkeit sowie Kunst mit Köpfchen und kommerzielleren Impulsen. Und das obwohl - rein empirisch - Frankreichs Avantgarde-Rolle im Rock bislang eher unterbesetzt war. Chapeau! 8

Text: Frank Thießies

EVERLAST LOVE, WAR AND THE GHOST OF WHITEY FORD

(PIAS/Rough Trade) Vier Jahre nach „White Trash Beautiful“ ist Everlast zurück, mit neuer Platte und neuen HipHop-Folk-Songs. „Love, War And The Ghost Of Whitey Ford“ heißt das neue, 16 Songs starke Album und liefert mehr Gewohntes als Überraschendes. Erik Schrody aka Everlast lässt seine Whiskey-schwangere Stimme wieder über Beats wandern und vergisst auch die gitarrengestützen Balladen nicht. Das Konzept ist erfolgserprobt und sollte auch mit dem neuen Album funktionieren. Ein Highlight ist das Johnny CashCover „Folsom Prison Blues“, versetzt mit einem Sample aus vergangen Tagen bei House Of Pain. Durchaus gelungen, wie das gesamte Album. 6

Text: Steffen Hoffmann

EXITS TO FREEWAYS SPILLING DRINKS. SPELLING NAMES

(Noisolution/Indigo) Kulturelle Subversion in der Postmoderne ist mausetot. Sagen jedenfalls die Exits To Freeways in fein sarkastischem Ton. Das Trio aus Hamburg steckt trotzdem nicht den Kopf in den Asphalt, sondern verstaut verspielten NoiseRock und fährt über Buckelpisten. Fährt? Ach was: Die drei mit den komischen Künstlernamen sind Raser, Heizer, Husarenreiter. Meistens jedenfalls. Dann kreiselt die Gitarre gleich einem hektischen Insektenschwarm, hechelt der Bass, scheint das Schlagzeug koffeingetrieben. Dort hinein, in dieses Virtuositätenkabinett, schmuggeln sich Melodien, die Songs wie „Narcissus As A Fuckboy“ geradezu grandios machen. Nicht alles zündet derart. Exits To Freeways sind fordernd, gerade nicht subversiv, sondern offensiv unbequem. Eben nicht Indie, sondern Independent. Wie schön. 8

Text: Roy Fabian

FIVE O’CLOCK HEROES SPEAK YOUR OWN LANGUAGE

(Glaze/Rough Trade) Die Five O’Clock Heoes schmücken sich gerne mit Referenzbands wir The Jam, Elvis Costello und The Police, erreichen die somit schön hoch gelegte Latte aber nicht mal auf Zehenspitzen. Dem britisch-amerikanischen Quartett hilft bei dem Gerumpel weder die in den Vordergrund geschobene Nennung ihres derzeitigen Aufenthaltsortes - New York - noch das Duett mit dem Supermodel Agyness Deyn beim Song „Who“. Es hilft alles

nichts, „Speak Your Own Language“ klingt dünn, uninspiriert und dank der Stimme von Frontmann Antony Ellis echt gewöhnungsbedürftig; da verlieren sogar seine kitschigen Texte über Autos und das weibliche Geschlecht ihre Wirkung. Alles wirkt übertrieben, erzwungen und konzipiert - und das nimmt den Songs jegliche Spannung. Five O’Clock Heroes enttäuschen auf ihrem neuen Album auf ganzer Linie und auch Agyness Deyn möchte man bitten, das Mikrofon wieder gegen den Laufsteg zu tauschen. 1

Text: Kati Weilhammer

THE HAUNTED VERSUS

(Century Media/EMI) Es zeichnete sich bereits auf den Vorgängern ab, aber jetzt kann man es endgültig nicht mehr leugnen: The Haunted sind keine Thrash-Metal-Götter mehr. Standen die ersten Alben der Band noch deutlich in der Schule ihrer inoffiziellen Vorgängerband At The Gates, so haben sich die Schweden inzwischen wohl endgültig von den abgedroschenen Pfaden entfernt und ihre neue Kerbe gefunden. Die besteht fast zu gleichen Teilen aus dem guten, bewährten Thrash und Death-Geballer und einer Art groovenden Alternative Rock/Metal. Letzterer nimmt dem Ganzen gehörig Puste aus den Segeln, aber eben nicht durchgehend. Die (neuen) Gesangsmelodien verbinden sich hervorragend mit den genialen Melodien der Gitarren, aber am Besten sind sie leider immer (nur) dann, wenn sie wieder die alten Thrash-Elemente auspacken. 7

Text: Hans Vortisch

HERMAN DUNE NEXT YEAR IN ZION

(City Slang/Universal) Vom schrägen, schwermütigen Nu-Folk zum seichten Americana-Pop: Die zwei Herman Dunes legen sich mit dezenten Klängen ins Strohbett der Lieblichkeit, in dem schon Leonard Cohen, J. J. Cale, Calexico und Cake gekuschelt haben. Marimba, Kastagnetten, verhaltene Bläser, engelsgleiche Background-Gesänge und eine Gitarre, als hätte Chris Rea sie gestimmt, treffen sich zum Tralala auf hohem Niveau. Entstanden ist eine perfekt arrangierte Harmonie, in der jeder Einsatz stimmt, die dafür aber umso berechenbarer dahinfließt und keinen Raum lässt für verstörende Momente aus früheren Tagen. Statt „Burn fire, fire burn for me“ lautet das Credo nun „When the sun rose up this morning, my baby kissed me on the mouth“. Herman Dune bewandern einen schmalen Grat zwischen wahrhaftiger Schönheit und abgeschmacktem Kitsch. 5

Text: Jan Sawallisch

I AM GHOST THOSE WE LEAVE BEHIND

(Epitaph/SPV) I Am Ghost haben ihr zweites Album veröffentlicht, und geändert hat sich - na? - genau, nichts. Wobei, bei genauem und mehrmaligem Hinhören ist dann doch das eine oder andere Detail verbessert worden. Die Melodien sind einprägsamer, die Screamo-Parts ein wenig aggressiver, die Produktion etwas dicker und Frisuren und Düster-Make-Up der fünf Herren sitzen besser als je zuvor. Ansonsten bleibt man aber eben dem handwerklich soliden, recht überraschungsfreiem ScreamoEmo-Mix treu. Aber warum auch nicht: Irgendwo zwischen My Chemical Romance und From First To Last haben I Am Ghost ihre Nische gefunden und mit Songs wie „Don’t Wake Up“ oder der Halb-Ballade „Saddest Story Ever Told“ auch wieder kleine Hits im Gepäck. Leute, die schwarze T-Shirts mit pinkfarbenem Aufdruck mögen, werden das zu schätzen wissen. 6

Text: Tito Wiesner


unclesally*s magazine

I’M FROM BARCELONA WHO KILLED HARRY HOUDINI?

(EMI) Auf ihrem zweiten Album begrüßt das SchwedenKollektiv I’m From Barcelona viele neue Freunde. „Andy“, „Ophelia“ und „Rufus“ sind nur einige von ihnen, die besungen werden, und die Musik dazu ist wieder fröhlich beschwingt wie ein Sommerabend im Märchenwald. Umhertollende Gitarrenmelodien gibt es ebenso wie vertonte melancholische Tagträume, die unter anderem in „Gunhild“ ausbrechen. Klavier, Händeklatschen, Rasseln, Tröten, Streicher, Chöre - 29 Mann können eben allerhand Instrumente spielen und viele tolle HintergrundChöre beisteuern. Dieses Album ist nicht mehr so unbeschwert wie es noch „Let Me Introduce My Friends“ war, doch „Harry Houdini“ ist ebenfalls ein bunter Prachtkerl geworden. 7

Text: Melanie Gollin

JENNY LEWIS ACID TONGUE

(Rough Trade/Beggars/ Indigo) Diesmal ohne die gesangliche Unterstützung der Watson Twins, dafür aber mit u.a. Elvis Costello, M. Ward und Knutschfreund Johnathan Rice an Bord, begibt sich die Rilo Kiley-Chanteuse erneut auf Solopfade. Und wenn man ihr gehupft wie gesprungen, - will sagen: solo oder mit Band - eines nicht vorwerfen kann, dann dass alles gleich klingt. Und so hat „Acid Tongue“ weder mit dem naiv-lieblichen Indie-Pop der frühen, noch dem Hochglanz-Sound der späten Rilo Kiley viel gemein. Und wie ein zweiter Aufguss des Solodebüts „Rabbit Fur Coat“ klingt’s auch nicht. Dafür hier

nun elf Songs zwischen flottem Fetzer („See Fernando“ - Hit!), Piano-Ballade („Trying My Best To Love You“), Gospel-Rock („Jack Killed Mom“) und Rock-Stampfer („The Next Messiah“). Wie immer mit Texten, die des öfteren tatsächlich vor ätzender Bissigkeit triefen (daher die „Acid Tongue“?) und natürlich mit Lewis’ sicherem Gespür für catchy Melodien. 7

Text: Torsten Hempelt

JOEY CAPE BRIDGE

(Bad Taste/Soulfood) Joey Cape konnte uns mit seiner wunderschön-traurigen Stimme bekanntlich schon als Lagwagon-Sänger - dem schnellen Punkrock zum Trotz - einige Schauer über den Rücken jagen. Mit Bad Astronaut perfektionierte er den musikalischen Herzschmerz, bevor der tragische Selbstmord seines Freundes und Bandkollegen Derrick Plourde zum Ende des Nebenprojektes führte. Jetzt ist Cape allein unterwegs, und auch sein erstes Soloalbum hält den hohen Qualitätsstandards Stand: Traumhaft schöne Melodien, dezente Akustik-Gitarre, tieftraurige Texte. Allerdings fehlt den Melancholie-Ohrwürmern das besondere Etwas, das Bad Astronaut auszeichnete, man denke da etwa an die zurückhaltende Elektronik. „Bridge“ ist eben im Grunde „nur“ ein Mann und seine Gitarre; aber eben ein Mann, der genau weiß was er mit diesem Instrument und seiner Stimme für wunderbare Dinge vollbringen kann. 7

Text: Tito Wiesner

KAISER CHIEFS OFF WITH THEIR HEADS

(Universal) Die vom Albumtitel suggerierte drastische Forderung wird die Kaiser Chiefs sicher nicht treffen, trotzdem ist mit „Off With Their Heads“

das eingetreten, was nach dem Tanzflächenfüller „Yours Truly, Angry Mob“ zu befürchten war: den Herren gehen die Hits aus. Keine „Whooas“, keine „RubyRubyRubies“, das Patentrezept für das dritte Album scheint einfach gefehlt zu haben. Oder ist gerade das gepflegte Understatement das bemerkenswerte an „Off With Their Heads“? Wahrscheinlich nicht. Es ist einer Band wie den Kaiser Chiefs kaum zu unterstellen, dass sie sich irgendwann gegen Massenanimation und Fußballstadion entscheidet. Den Lads from Leeds scheint schlichtweg die Puste ausgegangen zu sein und man hätte ihnen bei einem derart saftund kraftlosen Auftritt eine längere Pause zwischen zwei Alben gewünscht. 5

Text: Timo Richard

KEANE PERFECT SYMMETRY

(Universal) Die Gegenwart ist ein schizophrener Ort. Statt in eine niemals endende Sause, musste sich KeaneSänger Tom Chaplin nach dem Erfolg der ersten Keane-Platten direkt in die Reha begeben und seine Alkoholsucht auskurieren. Gewollt oder nicht, der dritte Longplayer der Band handelt unweigerlich von dieser schmerzhaften Erfahrung: Songs wie „Again And Again“ oder „Better Than This“ thematisieren die großen Fragen nach dem Sinn, der Aufgabe und dem Ziel des menschlichen Lebens. Musikalisch wurde das Tempo hörbar angezogen, Bowie-Referenzen circa 1985 mit fetten Keyboardwänden und opulenten Chören kombiniert. Solch ausufernde Strukturen muss man freilich mögen, um „Per-

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fect Symmetry“ und die Band Keane schätzen zu wissen! Je nach Vorliebe, hoch befriedigend oder absolut nervtötend. 6

Text: Marcus Willfroth

KIMYA DAWSON ALPHABUTT

(K Records/Cargo) Fröhliche Tiere, die das Alphabet pupsen, würden bei Kimya Dawson grundsätzlich niemanden irritieren. Zuckersüße Lieder mit dennoch bissigen Texten gehören bekanntlich zu ihrer Spezialität. Bei „Alphabutt“ handelt es sich diesmal aber wirklich um eine Platte mit Kinderliedern, die Kimya zusammen mit Freunden und deren Kindern schrieb und einsang. Die Songlängen sind mit knapp zwei Minuten Länge der Aufmerksamkeitsspanne eines Kindes angepasst und dennoch auch für über Sechsjährige ein Spaß. Thema sind vor allem kleine Tiere, Liebe und Flatulenz in vielerlei Form. Musikalisch bleibt Dawson bei ihrem Stil, fügt lediglich die Erkenntnis hinzu, dass umstürzende Bauklötze auch ein Instrument sind. Für ausgewachsene Menschen wohl nicht ganz das Wahre, um den Spross schon mal in die richtige Musikrichtung zu schubsen aber hilfreich. In diesem Sinn: „G is for Gorilla fart, H is for huge Gorilla fart.“ 5

Text: Melanie Gollin

LAMBCHOP OH (OHIO)

(City Slang/Universal) Lambchop – eher beruhigend-beständige Konstante denn Verfechter der großen Umbrüche, gell? Und so erhitzt das neue Werk von Kurt Wagner & Co. die Gemüter eher wegen der unkonventionellen Vertriebsmethode (das komplette Album liegt als Gimmick dem


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neuen Yps-Heft bei!) als auf Grund plötzlicher Dubstep-Visual Kei-Crossover-Experimente im Klang- und Erscheinungsbild. Also keine Sorge: Lambchop hören sich im Großen und Ganzen an wie immer, auch auf „OH (Ohio)“ gibt es schelmenhaft-herzerwärmenden Nuschelcountry. Selbstredend wie bei jeder neuen Platte der Nashvillains in der Rezeptur verfeinert und mit ein paar wirklich großen Songs ( „National Talk Like A Pirate Day“), so dass der dieses Jahr 50. Wiegenfest feiernde Wagner stolz auf einen nahezu makellosen Katalog zurückblicken kann! Und wie ich den kenne (den Kurt), wird der bestimmt 100 (der Kurt) - und darauf freue ich mich! 7

Text: Torsten Hempelt

LEECH THE STOLEN VIEW (Viva Hate/Cargo)

LEECH/LONG DISTANCE CALLING 090208

(Viva Hate/Cargo) Leech aus Zofingen, Schweiz, machen Musik, die beim ersten Hören sofort fasziniert. Man könnte von Kitsch sprechen, aber das hier geht tiefer, viel tiefer. Die Band transportiert Trauer und Melancholie, aber auch Hoffnung, Freude und eine verträumte Art, wie sie schon lange nicht mehr vertont wurde. Dabei wird komplett auf Gesang verzichtet, was der Musik unglaubliche Tiefe und den nötigen Raum verleiht. Von Air bis Rush könnte man streckenweise jegliche Assoziationen bilden, vergleichen lassen sich Leech aber höchstens mit der Band Long Distance Calling aus Münster, mit der dann auch gleich eine SplitEP veröffentlicht wird. Wer musikalisch so gleich tickt, der sollte auch zusammenarbeiten. 7

Text: Söntke Tümmler

LOVVERS THINK

(Wichita/Cooperative/ Universal) Was haben sich die vier wütenden jungen Herren aus Nottingham dabei wohl gedacht? Nicht viel vermutlich, einfach mal gemacht! „Think“ klingt extrem nach Bier verspritzen, fremde Küchen verwüsten und rücksichtlosem Verhalten in steuerfinanzierten Einrichtungen. Nach 13 Minuten und sieben Songs, deren Titel stark an ein No Future-Manifest erinnern, ist der Spaß auch schon wieder vorbei. Gerade noch rechtzeitig, bevor die Eltern nach Hause kommen - respektive die Freunde in grün an die Tür klopfen. Ein Blick in den Tourkalender der Formation aus Ex-Gefährten von The Murder Of Rosa Luxemburg und Kamikazee legt aber eine weitere Vermutung nahe: Wer in knapp zwei Jahren schon an die 200 Shows gespielt hat, hat wahrscheinlich weder Zeit noch Muße, im Studio abzuhängen und Songs einzuspielen. Ein Extrapunkt für die Fuck-You-Attitüde! 6

Text: Boris Mischke

MERCURY REV SNOWFLAKE/ MIDNIGHT

(V2/Cooperative/ Universal) Der Tag, an dem man Mercury Rev-Platten in der Wellnessabteilung beim Drogeriemarkt um die Ecke kaufen kann, ist nicht fern. Oder man will uns auf den Arm nehmen, und der Name stimmt nicht?! In Wahrheit haben sich Jean Michel Jarre, Michael Cretu und Vangelis zu einer Dreierbande des instrumentalen Grauens zusammengeschlossen, oder? Falls das eine Verschwörungstheorie bleibt, war es das wohl mit Mercury Rev. Jonathan Donahue und Band haben alles über Bord geworfen: Chöre, Refrains und anderes, stö-

rendes Gedöns, wie beim schönen Hit „Goddess On A Highway“ vor zehn Jahren. Alles nicht mehr da. Stattdessen wabernde, sphärische Klangteppichcollagen, die eine gefühlte Ewigkeit dauern. Die akustische Nachgeburt eines schlechten Abends mit zu vielen bunten Pillen in der Dorfdisko. Elektro-Trance-Geschrubber, Esoterik-Mumpitz. Nehme ihnen bitte einer die Keyboards weg! 3

Text: Gordon Gernand

MOCK ORANGE CAPTAIN LOVE

(Mi Amante/Cargo) Warum kennt diese Band hierzulande keiner? Seit geschlagenen 15 Jahren spielen sich Mock Orange die Finger wund, zumindest in den heimischen Staaten wurde das zuletzt in College-Sendern und Fernsehserien gewürdigt. Und plötzlich steht uns dieser herzige „Captain Love“ ins Haus. Den Emo-Post-Punk ihrer frühen Tage haben die vier Jungs aus Indiana auf ihrem siebten Album vollends gegen quirligen Indie-Folk-Rock eingetauscht. Eine hervorragende Wahl; wird doch auch textlich den Sonnenseiten des Lebens gefrönt. Mock Orange schreiben „Songs in D“, motivieren zu besserer Laune („Smile On“) und leihen sich die Mittel der Guten: Das Krude von Pavement, die Hyperaktivität der Spinto Band, die Verschrobenheit von Modest Mouse. Für düstere Szenarien ließen Glockenspiel, rotierende Gitarren und Ryan Grishams Stimmlage sowieso keinen Platz. Kennenlernen! 7

Text: Fabian Soethof

MOGWAI THE HAWK IS HOWLING

(Wall Of Sound/PIAS/Rough Trade) Taktisch ist es selten klug, seine langjährigen Hörer zu verprellen - und Mogwai hätten es sich fast verscherzt. Zwar avancierte ihr letztes Album „Mr. Beast“ zum Kritikerliebling, doch die Fan-

base brüskierte sich über den Wertkonservatismus der fünf Experimentalrocker. War „Young Team“ Ende der Neunziger ein innovatives Meisterwerk, kann „The Hawk Is Howling“ den Faden endlich wieder aufnehmen: Mogwais neues Album ist geprägt durch epische, tendenziell sehr melodiöse Gitarrenwände. Auf Gesang wurde gänzlich verzichtet und die folkigen Ansätze mit derben Riffs vermischt. Ein Befreiungsschlag, der wie ein Heimkino zum Hören anmutet und aktive Vergangenheitsbewältigung betreibt. Im eng gestrickten Postcore-Genre haben Mogwai zu sich selbst gefunden. Und das: wunderbar unangestrengt! 7

Text: Marcus Willfroth

MORIARTY GEE WHIZ BUT THIS IS A LONESOME TOWN

(Naive/Indigo) Gosh Golly! Die vermeintliche Familie Moriarty ist schon ein ziemlich bunter Haufen. Mit ihren amerikanisch-französisch-vietnamesisch-schweizerischen Wurzeln rauscht sie durch sämtliche geographische Raster, und aus der Zeit gefallen ist sie sowieso. In BürgerkriegsOutfits gewandet und mit Banjo, Mundharmonika, Stehbass, Fidel und einem Reisekoffer als Schlagzeugersatz laden die „Geschwister“ Arthur, Thomas, Zim, Charles und Rosemary den Hörer zu einem launigen Ritt zwischen Wildem Westen, Südstaaten-Sumpf und den Theater- und CabaretBühnen der Alten Welt ein. Mit Geschichten wie jener von der 19-jährigen Lily, die Armut und Perspektivlosigkeit in die Hände der Armee treiben, ist die Gegenwart bei allem Spaß am historischen Rollenspiel jedoch auch im Hause Moriarty nie fern. 7

Text: Nina Töllner


OASIS DIG OUT YOUR SOUL

(Big Brother/Indigo) Der alte „Scary Monsters“Witz: Das insgesamt siebte ist bereits das dritte „beste Oasis-Album seit ’Be Here Now’“ in Serie - nur kann sich an die vorangegangenen kaum noch einer erinnern. Dass die alten Reflexe trotzdem greifen, ist das Faszinierende an dieser Band, bei der Musik stets wenig und Haltung alles war. So genommen ist „Dig Out Your Soul“ - ein überwiegend dröger, psychedelisch aufgeblasener Popanz ohne Dynamik und mit mehr Beatles-Zitaten denn je - die konsequente Umsetzung der eigentlichen Idee von Oasis. Proportional zur musikalischen Bedeutungslosigkeit steigt die Zahl der popkulturell aktiven Menschen unter 40 mit Liam Gallagher-Frisuren. Nach „The Shock Of The Lightning“, Liams potenziellem Radio-Hit „I’m Outta Time“ und Noels gelungenem „Falling Down“ fasst der Schlussakkord alles zusammen: „Soldier On“ ist ungefähr zwei Minuten lang von selten gehörter melodischer Brillanz - und mündet danach: im Nichts. Eine herrlich unpointierte Monstranz. 5

Text: Michel Jäger

OF MONTREAL SKELETAL LAMPING

(Polyvinyl/Cargo) Ist ein Synth-CembaloIntro wie damals in den Achtzigern heute überhaupt noch zulässig? Wie viele Tempowechsel dürfen in einen Song, bis er totalitär wird? Starke Fragen stellt bereits der erste Song „Nonpareil Of Favor“ auf dem zehnten Album von Of Montreal. Kein Durchatmen, Nummer zwei „Wicked Wisdom“ stellt die Integrität von Phoenix-Anhängern mit Pluck-Bass und Motown-Drumfills in Frage. Irgendwo kochen dann auch Hot Chip mit Wasser, weiß man nach diesem Stück Reflex- und Reflexionspop aus der Elephant Six-Schule (Neutral Milk Hotel und so...). Wie gewohnt, aber ohne Eigenplagiat lotet Sänger und Komponist in „An Eluardian Instance“ das Polyphone aus. Auf dem Cover springen Adams- und Evafiguren zwischen fleischfressenden Pflanzen und Totempfählen umher. Da leuchtet der Apfel auf unserem Abspielgerät in ganz anderem Licht. 7

Text: Philipp Kohl

PETER BJÖRN AND JOHN SEASIDE ROCK

(Wichita/Cooperative/ Universal) Schön, dass Musiker auch mal beweisen wollen, dass sie ihre Instrumente wirklich beherrschen. Ob der Beweis gleich in Form eines ganzen Albums sein muss, ist fraglich. Die Schweden Peter, Björn und John haben aber genau das gemacht. Inspiriert von ihrer Vergangenheit - zurückkatapultiert in ihre Schulzeit und ihre Erfahrungen im Schulorchester. „Seaside Rock“ ist also ein Werk, geschaffen zur Vergangenheitsbewältigung und erzählt vom damaligen Drang, Rock-Musik spielen zu wollen und Orchestermusik spielen zu müssen. Aber rein instrumental ist „Seaside Rock“ dann doch nicht, denn es finden sich Geschichten auf dem Album, vorgelesen von einem Saxophonspieler aus Norsjö, einem Großvater aus Vika und einem Friseur aus Piteå - den Heimatorten der drei Musiker. Eine Erinnerung, die gut klingt, aber den Gesang vermissen lässt. 5

Text: Kati Weilhammer

P.O.D. WHEN ANGELS AND SERPENTS DANCE

(DBR Records/Cooking Vinyl/Indigo) Sieben Jahre ist es her, dass sich P.O.D. mit ihrem Top-Seller „Satellites“ an die Speerspitze der Nu-Metal-Bewegung setzten. Seitdem hat

die Band vieles verloren: Den Großteil der Fans, den Major-Plattenvertrag und zwischenzeitlich auch Songwriter und Gitarrist Marcos Curiel. Eben jener ist jetzt wieder mit an Bord, den kontinuierlichen Niedergang der Christen-Rocker wird auch er aber nicht aufhalten können; ebenso wenig wie der radikale Stilwechsel, den die Band mit dem neuen Album vollzieht. Zwar verabschiedet man sich größtenteils von den gerappten Strophen und den Stakkato-Riffs; hilft nur alles nichts, wenn weichgespülter Pop-Rock und Pathos der Ersatz sind. Nacken-Brecher wie „God Forbid“ sind die Ausnahme, die meiste Zeit wird belanglos vor sich hin gedümpelt oder gar bei relaxt-experimentellen Tiefpunkten wie „I’ll Be Ready“ auf Santanas Spuren gewandelt. Tragisch, irgendwie. 4

Text: Tito Wiesner

POLARKREIS 18 THE COLOR OF SNOW

(Vertigo/Universal) Hinsichtlich des zweiten Po l a r k r e i s - 18 - A l b u m s wird es abermals ein Metaphernchaos geben: Island wird im Band-Kontext ebenso viel Erwähnung finden wie Kälte, Eis und die endlosen Weiten der schneebedeckten Nordsteppen. Die klirrende Elektronik und frostige Stimme von Felix Räuber wird beschworen werden und ihr Kontrast-Hit „Allein, Allein“ dürfte mit seinem Deutsch-Englisch-Gesang nicht nur in heimischen Landen Erfolg haben. Einsam wird sich auf den Konzerten der sechs Jungs indes niemand fühlen, denn „Allein, allein“ schweißt die Fans ab dem ersten stürmischen Refrain automatisch zusammen. Doch Polarkreis 18 funktionieren auch ohne den Überbau aus melancholischem Frost und grellem Schnee wunderbar. Räuber klingt wie ein unterkühlter Boy George und das wunderbar-harmonische Zusammenspiel von warmer Kammermusik, kühlem Pop und scharfen Synthies ist angesichts ihres jungen Alters einfach unerhört gut. 8

Text: Steffen Meyer

RA RA RIOT THE RUMB LINE

(V2/Cooperative/Universal) Wahnsinn, ist das gut! Mit energetischem, impulsivem und mitreißendem Indie-Rock präsentieren sich Ra Ra Riot auf ihrem Debütalbum „The Rumb Line“. Übersetzt heißt das soviel wie „die Loxodrome“ - eine „Kurve konstanten Kurses“. Besser hätten sie das Album nicht taufen können - denn „The Rumb Line“ wächst Lied für Lied über sich hinaus. Die Schicksalsschläge, zum einen der schnelle Ausstieg des eigentlichen Sängers Shaw Flick und der plötzliche Tod von Drummer John Ryan Pike vor einem Jahr, hat die junge Band auf eine harte Probe gestellt, an der die meisten wohl zerbrochen wären. Nicht aber das Quintett aus Syracuse, New York: die machen jetzt erst recht weiter mit ihrem meisterlichen, melodischen Indie-Rock, für den so manche Band aus dem UK töten würde. 7

Text: Kati Weilhammer

ROSE KEMP UNHOLY MAJESTY

(One Little Indian/Rough Trade) Ein Track auf ihrem neuen Album heißt „Dirt Glow“, ein anderer „Nature’s Hymn“, womit der Rahmen ihrer Musik optimal umschrieben ist: dreckig-brutale Klangwelten gehören ebenso ins Repertoire von Rose Kemp wie die akustische Schönheit harmonischer Akkordfolgen - alles zusammengehalten durch ihre stark verrauchte

Stimme. Was an dieser Künstlerin begeistert, ist die Spannung und Dynamik, die ihre Songs nicht beliebig klingen lassen. Dabei stehen die Melvins Pate und PJ Harvey bekommt ihren ideellen Anteil an der vorwiegend dunklen Stimmung auf „Unholy Majesty“. Doch spätestens beim letzten Düstertrack „The Unholy“ wächst kein Gras mehr auf Gottes Acker und auf eine ganz verschrobene Art, hat Rose Kemp den perfekten Soundtrack für unsere schlimmsten Albträume geschaffen. 6

Text: Marcus Willfroth

SENSES FAIL LIFE IS NOT A WAITING ROOM

(Vag rant/PIAS/Rough Trade) Mit ihrem dritten Longplayer „Life Is Not A Waiting Room“ gilt es für die im Screamo-Topf schmorenden Senses Fail an den Erfolg des Vorgängers anzuknüpfen. Mit jenem charteten die Amis in der Heimat mit „Still Searching“ auf Platz 15 der Billboard Charts und zählen bis heute über 28 Millionen Total Plays auf MySpace. Kein Grund also, nach weiteren Unbekannten in der Gleichung zu suchen: Der Topseller-Screamo von Senses Fail kombiniert geschickt Metal-Core und Punkrock mit Doublebass-Gedresche und Achtziger-Metal-Soli. Nicht fehlen im Potpourri der Wut dürfen triefende Balladen wie sie My Chemical Romance nicht schöner hatten schreiben lassen können. 6

Text: Christopher Mühlig

SHARLEEN SPITERI MELODY

(Mercury/Universal) Um es gleich vorweg zu nehmen: Texas, die von allen Neunziger-Frontfrauen-Pop-Bands immer am unauffälligsten, aber weiß Gott nicht erfolglos blieben, haben sich nicht getrennt. Sängerin Sharleen Spiteri hatte einfach nur mal Lust, ein paar Songs aufzunehmen, die nach all den Einflüssen klingen, die bei Texas eben immer nur am Rande hörbar waren. Sprich: Sixties-Soul, Rock’n’Roll und Pop zwischen Lee Hazlewood und Serge Gainsbourg. Das Problem mit „Melody“ ist allerdings, dass Spiteri weder die einzige noch die erste ist, die sich derzeit auf Dusty Springfield oder Nancy Sinatra beruft. Und weil sie weder die markante Stimme einer Amy Winehouse noch einen Knallerhit à la Duffy auf Lager hat, droht die Schottin zwischen all den Adeles, Gabriela Cilmis etc. ein wenig unterzugehen. Was gar nicht heißen soll, dass ihr nicht absolut elegante, bezaubernde Songs gelungen sind. 7

Text: Patrick Heidmann

SHINEDOWN THE SOUND OF MADNESS

(Atlantic/Warner) Waren schon die beiden Vorgängeralben der PostGrunger mit SüdstaatenFlair respektable Rundumschläge in den Grenzen des Rock, so haben Shinedown mit „The Sound Of Madness“ ihr bisheriges Meisterwerk geschaffen. Mit hoher Balladendichte, aber auch nicht weniger Stampfern für den großen Stadion-Gig zieht die lässig an den Kollegen Nickelback und 3 Doors Down vorbei. Warum? Weil sie mit Brent Smith’s raspelnder Röhre - die sich gelegentlich auch vor der seligen Skynyrd-Ikone Ronnie Van Zant nicht zu verstecken braucht - zum einen den Welten besseren Sänger und mit diesem Album nun endlich auch die besseren Songs haben. Mit mehr als einer guten Handvoll Hymnen und einer polierten, jedoch nicht zu glatt gebügelten PowerProduktion ist das der garantierte und verdiente Einzug in die große Liga sowie ein Meilenstein des melodischen, modernen Hard-Rock. Irre. 6

Text: Frank Thießies


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PLATTEN

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SILVER WOLF CHASING WOLF

(Rodeostar/SPV) Einst durchgestartet als blutjunge und bis zum Anschlag auf Exzess programmierte Glam-PunkCombo, sind die norwegischen Silver mit ihrem dritten Album „Wolf Chasing Wolf“ zur narkosefrei operierenden Noise/Industrial-Kapelle mutiert. Fans dieser unschlagbaren Live-Band werden auf der neuen Platte so herrlich melodiegespickte Hymnen wie „Personal Decay“ oder „Only Boring People Get Bored“ vermissen, dafür haben Silver einen Klanggarten geschaffen, in dem man selbst als Ortskundiger noch frische Früchte pflücken kann. Ergo: Kenner werden diesem Album ein Denkmal setzen, alle anderen bleiben traditionell zu Hause. 5

Text: Florian Hayler

SOLEA FINALLY WE ARE NOWHERE

(Arctic Rodeo/Alive) Schon erstaunlich: Kaum legt man die neue Solea auf, schon wird man von einer sanften Woge mitgerissen und schwebt mit einem seligen Lächeln im Gesicht der Sonne entgegen. Doch sobald man die Lyrics überfliegt, glaubt man zu verstehen, warum Sänger und Texter Garrett Klahn zwischenzeitlich keinen Bock mehr auf Rock-Band hatte und so der Fertigstellung der bereits 2004 entstandenen Songs einige Stolpersteine in den Weg legte: Der Mann hat(te) offensichtlich ganz andere Probleme und generell nicht viel zu lachen. Dazu kamen noch Umbesetzungen und andere Hindernisse, die aber von den alten Hasen allesamt so professionell kaschiert wurden, dass „Finally We Are Nowhere“ seine chaotische Entstehungsgeschichte nicht ansatzweise verrät. Das hier ist warmer, altmodischer Emo-Pop, der daran erinnert, mal wieder die längst vergessenen Whirlpool aufzulegen. 7

Text: Marek Weber

SONIC SYNDICATE LOVE AND OTHER DISASTERS

(Nuclear Blast/Warner) Nennt es melodischen Death-Metal, Metal-Core oder was auch immer – Das dritte Album der Falkenberger Vorzeige-Familie in Sachen härterer Gangart erweist sich mit seiner austarierten Balance aus Zuckerbrot und Peitsche als extrem gelungen. Wenn gedrescht wird, dann richtig, aber mit demselben Ernst wird konsequent auch im melodischen Ausgleich zur Sache gegangen. Hier sind die Gesangspassagen nicht notwendige Entschuldigung für gutturales Gebrüll, sondern gleichwertiges Gegengewicht mit Ohrwurm-Fokus, wird gegroovet und nicht sinn- und ziellos geholzt, und

ist die Band noch Dienstleister am Song. Letzteres Wort kennen die ganzen jungen ganz Harten vielleicht nicht mehr, aber das war früher mal der Grund, warum man auch in der Hart-Sparte Musik geschrieben hat. Fette Platte. 8

Text: Frank Thießies

THE SPINTO BAND MOONWINK

(Fierce Panda/Cargo) In Delaware muss ganz schön oft die Sonne scheinen - nimmt man mal die Spinto Band als Anhaltspunkt. Die sechs jungen Herren aus dem Zwergen-Bundesstaat, die bereits vor ihrem offiziellen Debüt „Nice And Nicely Done“ von 2006 ein halbes Dutzend Langspieler in Eigenregie zusammengezimmert haben, werfen sich auch auf Album Nummer Acht mit jugendlichem Überschwang und unbekümmertem Herzen in die Musik. Was dabei herauskommt, ist leicht überdrehter Indie-Pop mit Plärr-Gesang, Glockenspiel und ganz viel Augenzwinkern. Dazu kann man bestimmt dufte mit seinen Kumpels auf BMX-Rädern durch die Alleen der heimischen Kleinstadt cruisen und sich im Spaß gegenseitig von der Straße abdrängen. Man kann sich aber auch eine Runde am Kopf kratzen und wundern, ob man denn schon so alt und verbittert ist. Je nachdem. 6

Text: Nina Töllner

THE STREETS EVERYTHING IS BORROWED

(Warner) Wie hat er das geschafft? Eine schlaksige Stimme; eine Produktion, die klingt, als wäre er aus Mangel an Alternativen am Rechner geblieben, um mal was aufzunehmen. Das Ganze war großartig und hieß „Original Pirate Material“. Vielleicht ist es seine Aufrichtigkeit und auf seinem vierten Album riskiert Mike Skinner sogar noch mehr davon. Es ist eine elementare Platte, sie handelt von Liebe, Leben und Tod, vielleicht sogar von Gott und wer sich bei sowas im Tonfall vertut, wird meistens demontiert. Es ist ein durchinstrumentiertes Werk, sogar ein Symphonieorchester ist am Start, aber es ist ein Streets-Album, nichts Weichgespültes, und Mr. Skinner ist auch nicht zum Hippie mutiert, wenn er sagt: „I came to this world with nothin’ and I leave with nothing but love...“ Der darf das, der kann das. Er hat es wieder geschafft und man weiß immer noch nicht, warum. 8

Text: Henrik von Holtum

SUGARPLUM FAIRY THE WILD ONE

(Vertigo/Universal) Das dritte Album der kleinen Rackerbrüder von Mando Diao ist leider nicht der erhoffte qualitative Quantensprung, den die Großen mit ihrem

Drittling „Ode To Ochrasy“ damals hingelegt haben. Zu sehr verstricken sich die spätgeborenen Gebrüder Norén hier im seichten Beat-Fahrwasser der Liverpooler Schule und versuchen uns songwriterische Belanglosigkeit im Rebellen-Zwirn zu verkaufen. Da hilft es auch nicht, das Album nach einem Marlon Brando-Klassiker aus dem Jahre 1953 zu benennen und in angelehnter Ledermontur mit Motorrad-Ausstattung auf dem Cover den wilden Mann zu markieren. Einzig Songs wie „You Can’t Kill Rock’n’Roll“, welches trotz klischeehafter Abgeschmacktheit wenigstens im Ansatz noch seinen Titel musikalisch rechtfertigt, oder das an das Lightning Seed’sche „Sense“-Motiv gemahnende „Kick It Up“ stechen hervor. Hier hätte mehr kommen müssen. 5

Text: Frank Thießies

THOMAS D KENNZEICHEN D

(One Artist/Universal) Nach dem eher düsteren Solowerk „Lektionen In Demut“ von 2001 macht sich Herr Dürr diesmal locker. Bestes Beispiel dafür ist die funky produzierte Single „Get On Board“. Trotz Spaßfaktor wird auch eine Botschaft transportiert: Lebensqualität lässt sich nicht an der Dicke des Geldbeutels messen. Einige Leute finden solche Weltverbesserungsversuche albern. Und auch nicht jede Idee zündet. Aber Thomas D ist wirklich besser denn je. In „Der Eine Schlag“ vertont er Weisheiten von Laotse und danach einen tollen Tipp von Douglas Adams: „Keine Panik“. Wer per Anhalter durch die Galaxis reist, die hier entworfen wird, sollte neben dem Handtuch auch die Tanzschuhe dabei haben, denn diese Revolution lädt ein zum Mitfeiern! 7

Text: Holger Muster

THOSE DANCING DAYS IN OUR SPACE HERO SUITS

(Witchita/Cooperatvie/ Universal) Wie? Kommt Pink jetzt aus Schweden? Diese Frage könnte man sich stellen, wenn man „In Our Space Hero Suits“ der aus dem Stockholmer Speckgürtel stammenden Mädchenband Those Dancing Days hört. Auf ihrem Album sind natürlich auch die vorangegangenen Singles „Run, Run“, „Those Dancing Days“ und „Hitten“ zu finden, mit denen die Schwedinnen schon vergangenes Jahr für Furore sorgten. Jetzt ist also das Debütalbum des nach dem Led Zeppelin-Song „Dancing Days“ benannten Quintetts soweit, in die Welt rauszustürmen, um an dem Erfolg des Vorjahres anzuknüpfen. Prinzipiell könnte das Erfolgskonzept der jungen Schwe-

dinnen aufgehen, wenn da nur nicht die Stimme von Lienna Jönsson wäre. Die erinnert nämlich an die amerikanische Sängerin Pink - kein passendes Attribut für ein Erfolgskonzept. 4

Text: Kati Weilhammer

TOM MORELLO: THE NIGHT WATCHMAN THE FABLED CITY

(SonyBMG) Anlässlich der US-Wahlen ist es kaum verwunderlich, dass es in diesen Tagen Neues von Tom Morello aka The Nightwatchman zu hören gibt. Im Vergleich zum Vorgänger „One Man Revolution“ hat sich auf „The Fabled City“ jedoch wenig getan: Tom Morello bleibt ein talentfreier Sänger, kaschiert die weit unter Niveau gespielte Akustikgitarre neuerdings mittels Begleitinstrumenten und endet dabei ansatzweise im Irish-Folk. Selbst das Duett mit Serj Tankian ändert an der Zweifelhaftigkeit dieses Albums nur wenig. Eine Frage sei erlaubt: Warum veröffentlicht der neue alte Bandkollege Zack De La Rocha eine gelungene EP mit Jon Theodore (ExMars Volta) als One Day As A Lion und Morello ein weiteres Soloalbum, anstatt mit einer neuen RATM-Platte politisch wie musikalisch endlich reinen Tisch zu machen? 5

Text: Christopher Mühlig

UNDEROATH LOST IN THE SOUND OF SEPARATION

(Tooth&Nail/EMI) Herr, erbarme dich! Die Zeigefinger-Christen, die jedes ihrer Sackhaare Jesus Christus widmen, sind zurück und haben Erhebendes im Tabernakel. Wer glaubt, Underoath würden im Zuge geistiger Verweichlichung die Brachialbremse ziehen, irrt sich gewaltig. Wäre man selbst so drauf, müsste man vermuten, die sechs Floridanesen wären vom Herrn gesegnet: Auch beim sechsten Album, das wieder die PolePosition der US-Christencharts erklomm (was es alles gibt!?), kreischen und growlen sie, als hinge ihr Seelenheil davon ab. Schwer bekömmlich, noch verfrickelter und kompromissloser als „Define The Great Line“ und ab und an von sauberen Melodien veredelt - Underoath sind der Gradmesser im PosthardscreamometalcorePool. Wenn da nur nicht die aufdringliche Gesinnung wäre, das kann und sollte man wirklich subtiler machen. Amen. 8

Text: Ben Foitzik

VETO CRUSHING DIGITS

(SonyBMG) Die Dänen verstehen es, die richtigen Knöpfe zu drücken. Eine strikte Aversion gegen den synthetisch verarbeiteten Klang darf man allerdings nicht hegen, möchte man sich gut von


Veto unterhalten wissen. Ein wenig gradliniger und Indie-minimierter als ihre Landsmänner von Dúné preschen sie auf ihrem Zweitwerk, geführt von der theatralisch-schneidenden Stimme ihres Sängers, in ein Paket aus hochdosierten Synth-RockHymnen. Der Titel „Built To Fail“ erinnert dabei stellenweise stark an die Debüt-Hits der Klaxons, eine Ähnlichkeit, die sich jedoch schon ab dem nächsten Song wieder mehr und mehr verliert. Statt auf New-Rave-Attitüden setzen Veto auf ökonomisch dichte Klanggebilde, bei denen kein Sound überladen wirkt. 7

Text: Christine Stiller

THE WALKMEN YOU & ME

(Talitres/Rough Trade) The Walkmen wollen den Indie-Rock aus dem Geist des frühen Rock’n’Roll wiederbeleben. Für ihr viertes Album „You & Me“ ließen sie sich hörbar vom Sound und vom Weltschmerz eines Roy Orbinson inspirieren. Und siehe da: Walkmen-Sänger Hamilton Leithauser erweist sich als wahrer Erbe der Crooner und leidet sich aufopferungsvoll durch die so schwer-

mütigen wie stilvollen Songs. Das Mitleiden wird allerdings dadurch erschwert, dass die Aufnahmen trotz namhafter Toningenieure - seltsam kraftlos und verwaschen klingen. 7

Text: Arne Lieb

YO! MAJESTY FUTURISTICALLY SPEAKING...

(Domino/Indigo) Wer den Elektro-Rap ihrer EP „Kryptonite Pussy“ kennt, dürfte bei der Bandbreite des Debütalbums von Yo! Majesty überrascht sein. Die beiden US-Amerikanerinnen Shunda K und Jwl. B eröffnen „Futuristically Speaking“ mit einem etwas sanfteren Beat und ergänzen ihren Sprechgesang um Gitarren, Gesang und Shouts. Textlich geht es in „Fucked Up“ darum, dass sie sich von einem Ex-Freund beziehungsweise seinem Haus und Auto fernhalten sollen. Von den beiden möchte man(n) kein Stalking-Opfer werden. Danach beruhigen sich die Gemüter aber und alle dürfen zum relaxten „Night Riders“ cruisen. „Buy Love“ ist dagegen fast schon eine Akustik-Ballade. Doch keine Angst, Fans des „alten“ Sounds dürften sich über zum Beispiel „Party Hardy“ oder „Club Action“ freuen, denn da ist wieder Tanzen angesagt! 7

Text: Holger „HolK“ Muster

NOCH MEHR REZENSIONEN: SALLYS.NET!

WER HÖREN WILL, MUSS SEHEN Im Leben einer Band kommt irgendwann der Punkt, an dem sich die Mitglieder einer alles erklärenden DVD widmen, die den Fans als roter Leitfaden durch die Bandgeschichte dienen soll. 4Lyn haben mit ihrer frisch zusammengestellten Doppel-DVD „The Good Life Period“ (Rodeostar/SPV) diesen Schritt getan und präsentieren ein verrücktes Programm aus charmanten Einblicken in den Backstagebereich, Making-Ofs und einigen Live-Auftritten. All ihre Abenteuer werden von Sänger Ron Cazzato aus dem Off begleitet und mit einer abwechslungsreichen Mischung aus eigenwilliger Wackelkameraperspektive und professionellen Handkameradrehs dargestellt. Rundum witzig und aufklärend. Auch wenn man es kaum für möglich hält, aber die Beste Band der Welt gab’s schon vor 20 Jahren, und scheiße, sahen die damals JUNG aus. Wie frisch aus der Schule. Dabei waren Die Ärzte dank ihrer Hitplatten wie „Das Ist Nicht Die Ganze Wahrheit“ und Liedern wie „Westerland“ bereits genauso megaberühmt und oberreich wie heute, nur musikalisch war das alles noch irgendwie rodlos. Für Fans der ersten Stunde(n) ist der nun als DVD vorliegende und 1988 im Müncher Theatercafé mitgefilmte „Die Ärzte Live“-Auftritt (SonyBMG) genauso sehenswert wie für Ärzte-Fans neuerer Bauart und damit etwas für die ganze Familie. Wenn eine Fusion Sinn macht, dann diese hier. Am 1. Mai 2006 zerlegte eine etwas andere „Big Band“ das Kentish Town Forum in London. Die legendären Melvins und die nicht unbedeutenderen Fantômas verschmelzen das auf „The Fantômas Melvins Big Band Live From London 2006“ (Ipecac/Soulfood) zu einem mehr als beeindruckendem Konzerterlebnis. Als Bonus gibt es Kommentare von Buzz Osbourne, Dale Cro-

ver, Greg Werckman (Mitbegründer von ‘Ipecac Records‘) und Danny DeVito (richtig gelesen!), leider nur zum Hören. Einziges Manko der DVD ist die stellenweise schwache Bildqualität. Keane-Frontmann Tom Chaplin bringt vollen Einsatz für den guten Zweck. Die Organisation „War Child“ hat seine Band damit beauftragt, ein besonderes Konzert für Kinder in Kriegsgebieten zu veranstalten, aus dem der Mitschnitt „Keane Curate A Night For War Child“ (Eagle) stammt. Im Vorprogramm spielen der unterrepräsentierten Folk-Sänger Teddy Thompson und Finlay Quale, sogar die Pet Shop Boys schauen auf zwei Songs vorbei. Mit Lilly Allen hat die Sache einen kleinen Durchhänger, bis Keane nochmal auf die Euphoriedrüsen drücken. Diese fast zu kurze, aber auch kurzweilige Zusammenstellung hat auch noch einen ganz persönlichen Keane-Irrtum ausgeräumt: Ihre Single von 2006 heißt nicht „Chris de Burgh“, sondern „Crystal Ball“. Dankeschön. Seit über 20 Jahren begeistern Soulwax auf den Bühnen und hinter den Plattentellern mit ihren elektronischen Experimenten. Regisseur Saam Farahmand begleitete die Belgier zwei Jahre lang, filmte atemberaubende Szenen, interviewte die einzelnen Bandmitglieder und befreundete Musiker wie u.a. Justice, Klaxons, Peaches und ließ Soko das Intro einsprechen. Das Ergebnis ist „Part Of The Weekend Never Dies“ (Pias) ein spannender Film über Menschen, die ihren Job mit einer Leidenschaft und Energie erledigen, wie man es selten erlebt. Ein Film, der auch abseits des Musikzirkus spielt und zeigt, dass die Elektrogötter eben auch nur Menschen sind.

Text: Daniela Bringer, Florian Hayler, Söntke Tümmler, Philipp Kohl, Kati Weilhammer


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DEMODESASTER

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DEMODESASTER Zum Wohl!

Im altdeutschen Sprachgebrauch hieß der Oktober auch „Weinmonat“. Angeblich war Karl der Große dafür verantwortlich, der damit auf den Beginn der Weinlese verweisen wollte. Passenderweise können sich die Bands in diesem Monat Rebstöcke verdienen. Hicks. EGOGRILL NUR EIN MONSTER HAT ANGST VOR SICH SELBST

„Das Debüt von Egogrill ist ein Frontalangriff auf unsere Aufmerksamkeitsspannen“, steht im Info zur Platte. Oh ja, mit Boulevard-Rap hat das wirklich nichts zu tun. Auf dem Egogrill brutzelt MC Omega Takeshi sperrige Zeilen für graue Zellen, sein Kollaborateur bit-tuner brät ballaststoffreiche Beats für die Magengrube. So haben Kopf und Bauch was zu tun. Der eine knabbert an Analysen einer in Unwucht geratenen Mediengesellschaft, im anderen rumpeln basslastige Loops in grobschlächtigem Takt. Und je mehr sich beide in ihre Arbeit vertiefen, desto mehr ergibt alles seinen unbequemen Sinn. Fazit: Wer beim Denken aufs Nicken nicht verzichten will, ist bei Egogrill am richtigen Imbissstand. 7 Rebstöcke Heimat: myspace.com/egogrill

GRUBBY THINGS PROMO

Bei allem Respekt, wirklich taufrisch sehen die Grubby Things nicht mehr aus. Hüftsteif ist das Quintett aus Berlin-Kreuzberg trotzdem nicht. Flott und zackig frönt es dem Punk’n’Roll. Dabei geht es weniger um Style als um Lebensgefühl. Das mächtig verlebte Organ der handschellenbewehrten Frontfrau Elvan Decay röchelt jedenfalls eine deutliche Sprache. Dazu gibt es schmuddeliges Akkordgeschrubbe samt fetziger Gitarrensoli. Um von einer Offenbarung zu sprechen, fehlen uns im Moment allerdings ein paar Atü unter der Schädeldecke. Denn so platt es klingen mag: Diese Musik passt vor allem zum Biertrinken und Feiern. 5 Rebstöcke Heimat: myspace.com/grubbythings

SEBASTIAN ARNOLD MAD SCIENTIST DRUMMER

Selten einen treffenderen Plattentitel gelesen. Erstens ist Sebastian Arnold in der Tat im Singular unterwegs. Wobei, ein Schlagzeug, einen Synthesizer und Triggertechnik hat er schon bei sich. Aber die zählen ja nicht richtig. Zweitens weiß der einsame Schlagzeuger aus Berlin damit spleenige Soundwissenschaft zu betreiben. Auf einem Klettergerüst aus organischem Beat turnen dabei allerlei Elektronen herum, mal Purzelbaum schlagend, mal schweinebaumelnd. Das hat Ansätze von Jazz, Funk und vor allem Fusion, ist urban, loungy und auch tanzbar. Manchmal gerät es allerdings auch zur beliebigen Klimperei. Unterm Strich also eine schöne Idee mit einer souveränen, aber nicht ganz überzeugenden Umsetzung. 6 Rebstöcke Heimat: sebastian-arnold.net Live: 10.10. Berlin – Intersoup *** 13.10. Berlin - Junction Bar

THE CURLS CAMERA IN COLOURS

Das passt: The Curls stammen aus Neustadt an der Weinstraße. Klingt nach piekfeinem Ambiente in graumelierter Gesellschaft, die am edlen Tropfen nippt. Doch The Curls straft unsere erste Assoziation Lügen. Der Vierer sprüht juvenile Lebensfreude in seine Instrumente und zaubert Schweinerock aus dem Indie-Hut. Blitzsauber, abgebrüht und eine dicke Lippe riskierend, bei gerade mal 18 Jahren Durchschnittsalter. Einzig „Blue Flower“ zeigt die Bengels etwas nachdenklicher, sprich balladesk. Am Ende halten wir aber fest: In Neustadt an der Weinstraße weiß man offensichtlich doch, wie das geht mit Rock’n’Roll. Wie beruhigend. 7 Rebstöcke Heimat: the-curls.de Live: 24.10. Hassloch – Blaubär

TRAEOS THE AION DRIVE

Kaum zu glauben, dass Traeos noch frei rumlaufen. Nicht im Sinne schwedischer Gardinen natürlich, aber was der Fünfer aus dem Saarland mit seiner ersten EP abliefert, kratzt schon an der Beletage moderner Krawallmusik. Hier prallt Todes-Screamo auf Postcore und Doom, dass man meinen könnte, die Sacramento-Connection aus Deftones und Will Haven trifft sich mit Caliban zum Jam im Berliner Oceanland. Mit dick dröhnender Produktion im Rücken und dem düsteren Sonnenauge im Gesicht zitieren Traeos aus deren Repertoire, ohne allzu stark das Reißbrett auszupacken. Noch eine Prise mehr Kantigkeit setzte dem Ganzen die Krone auf, aber wen interessiert schon unsere bescheidene Meinung. Starkes Debüt, liebe A&Rs! 9 Rebstöcke Heimat: myspace.com/traeos Live: 10.10. Saarbrücken - Devil’s Place *** 11.10. Aachen - AZ

TRILLIAN I MEAN EXACTLY WHAT YOU KNOW

„Eccentric Pop“ heißt die Stilbeschreibung, auf die sich Trillian mittlerweile einigen konnten. Durchaus treffend, aber eine ausgeprägte Zielgenauigkeit scheint diesen Jungs einfach in die Wiege gelegt. Die Ohrwürmer auf dieser Platte beweisen es. Die vier Hallenser haben neben den Spin Doctors bestimmt auch Muse und The Mars Volta gehört, stutzen jedoch deren Bombast und Wahnwitz, um sich irgendwo in der Mitte zu treffen. Dort ist es dann wunderbar melodiös und klar, aber immer auch versponnen und krummtaktig, jazzig-soulig gar. Mal schlägt die Indie-Gitarre knuffige Salti, dann wieder gibt Sänger Ramon zu geschmackvoller Begleitung den Conferencier. Außerordentlich talentierte Band! 9 Rebstöcke Heimat: trillianband.de

DIE REGELN Schickt euer Demo (CD, Tape, Vinyl) inklusive nachfolgender Infos an: unclesally*s, Demodesaster, Waldemarstr. 37, 10999 Berlin. Wir brauchen: Bandinfo, Bandfoto, bevorstehende Live- Auftritte, Homepage und eure Post-adresse (zwecks Belegexemplar). Danke sehr.

NIILA & CLAUS GRABKE Mehr Dynamik, bitte!

Eben noch entschieden Niila unseren in Kooperation mit Claus Grabke ausgelobten Contest „Going Upstairs – Deutschland sucht das Superdemo“ für sich, einige Tage später schon klopfte das Quartett aus Braunschweig bei ihm an die Studiotür und begehrte Einlass. Ein Bericht. Am Anfang war die Reflexion. So macht es Claus Grabke immer, wenn er produziert: „Ich muss wissen, worauf ich mich einstellen kann. Was möchte die Band, wohin wollen die wirklich?“ Deswegen begann alles mit Eisessen, Kaffeetrinken und vor allem Reden. Auf ihrer EP „Ein Guter Grund“ pendelten Niila noch zwischen schwärmerischem Indie und krachigem Garage-Rock – getreu dem Bandmotto: „Wir flüsterten Liebe und schrien Rock’n’Roll“. Jetzt sollten die eigenen Stärken betont werden. Claus meint: „Niila sind keine von diesen hippen, durchschaubaren Bands. Dieser verträumte, fast poetische Stil passt besser zu ihnen.“ Also mehr in Richtung Liebe, ein wenig weg vom exaltierten Rock’n’Roll. Wie beim Titelstück der EP. Auf dem Demo präsentiert sich „Ein Guter Grund“ als epische Ballade, sieben Minuten lang, mit ausladenden, zuweilen auch aufbrausenden Instrumentalpassagen. Was zum großen Glück fehlte, war die Dynamik. „Der Song plätscherte so vor sich hin; das wollten wir eigentlich gar nicht, deswegen haben wir ihn auch fast nie live gespielt“, sagt Sänger und Gitarrist Daniel. Also weg mit der letzten Strophe, das Intro wurde ebenfalls gerafft und das Outro war ohnehin überflüs-

sig. Claus wollte zudem eine Klanglandschaft entwerfen, denn „genauso wichtig wie das Songmaterial ist der Sound“. Also rein mit der „springenden Koboldgitarre“, wie er es nennt, für eine Spur positiven Wahnsinns. Immer in Absprache mit Niila, versteht sich. „Das Gute an Claus ist, dass er nicht instruiert, sondern auf die Leute eingeht und mit Vorschlägen auf den Weg bringt“, glaubt Daniel. Das Ergebnis sind dichte und doch sehnsüchtige 3:48 Minuten. „Ich mag den Song sehr. Er hat jetzt echt Feeling“, sagt Claus. Auch Niila sind mehr als zufrieden, zumal sie nicht nur musikalisch dazu gelernt haben. „Claus hat uns die Augen geöffnet, dass es für eine Newcomer-Band darum geht, permanent am Ball zu bleiben und Eigeninitiative zu zeigen.“ Eine Perle wie „Ein Guter Grund“ ist da sicher nicht die schlechteste Grundlage – nachzuhören gibt’s den Song auf sallys.net. Heimat: niila.de, myspace.com/clausgrabkestudios Auf sallys.net: sally*sTV! Niila in den Claus Grabke Studios Auch gut: „Deadly Bossanova“ – das aktuelle Album von Claus Grabke


APE T X I M A S ‘ E F I L

HEUTE MIT: MOGWAI

Wie die gleichnamigen Fellmonster im Filmklassiker „Gremlins“ entpuppten sich auch die Glasgower Mogwai in Person ihres Keyboarders Barry im Gespräch als verhinderte Monster. Und dafür mussten wir ihn noch nicht mal mit Wasser übergießen oder nach zwölf Uhr füttern. Stattdessen haben wir unser Kuschel-Konzept um 180 Grad gedreht und gemeinsam mit Barry mal richtig schön über Fehlgriffe der PopKultur abgehasst. Welche Lieder würdest du deinem größten Feind als Endlosschleife aufnehmen? Viel Elton John! Gruselig. Die Rolling Stones, damit kriegt man jeden mürbe und dann noch die Ting Tings. Ich hasse die Ting Tings, ich kann dir noch nicht mal ein spezielles Lied von denen sagen, aber die machen mich einfach fertig. Die schlimmste Musik, die ich seit langer Zeit gehört habe. Mit welchem Lied verbindest du eine Situation, in der du sehr wütend warst? Eigentlich bin ich ein friedlicher Typ, deshalb fällt mir keine spezielle Begebenheit ein. Aber wenn ich „Country House“ von Blur höre, werde ich ziemlich wütend. Egal in welcher Situation. Bei welchem Song wirst du schwach, obwohl du ihn eigentlich nicht magst? Dieser Song von Arcade Fire, die erste Single von der ersten Platte („Neighbourhood #1 [Tunnels]“). Das ist eigentlich ja ein ziemlich sentimentales, schlaffes Lied. Aber ich habe meine Frau kennen gelernt, als es gerade lief, deshalb weckt es in mir sehr angenehme Erinnerungen.

Anti, Anti: Mogwai aus Glasgow.

Stell dir vor, du bist ein verrückter Wissenschaftler und kannst dir den perfekten Bandkollegen klonen. Wessen Gene würdest du benutzen? Ich würde den Drummer von Slint (Britt Walford) mit Emelda Marcos kreuzen. Schuhe und dicke Drums, was braucht man mehr... ...und wenn dieses Experiment in die Hose gehen würde? Dann wäre ich wahrscheinlich mit den Eagles auf Tour. Das wäre echt scheiße und unglaublich langweilig. Oder mit einem Monster, das zur einen Hälfte aus Elton John und zur anderen aus Damon Albarn besteht. Du sitzt in der Schaltzentrale der Macht und kannst bestimmen, mit welchem Revival du das Publikum in diesem Jahr quälen wirst. Die Neunziger sind dran: Crossover oder Eurodance? Eurodance! Ich finde Eurodance sehr sexy und es ist bestimmt lustiger als diese Crossover-Vögel. Deine Band hat zu Worten und Texten ein eher gespaltenes Verhältnis. Wenn ihr ein Buch vertonen müsstet, welches würde es sein? Ein achtfaches Doppelalbum zu Alasdair Grays „Lanark“. Ein sehr langes und sehr gutes Buch. Welches Lied hätte niemals geschrieben werden sollen? „Pinball Wizard“ von The Who. Das ist ein absolut beschissener Song Welches ist das schlechteste Cover-Arwork aller Zeiten? Mogwai – “The Hawk is Howling”. Oder nein, warte: Mogwai – “Happy Songs For Happy People”... Text: Timo Richard Heimat: mogwai.co.uk Auch gut: „The Hawks Howling“ – das neue Album von Mogwai


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MUSIK STORIES

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Foto: Jan Windszus


TOMTE

Und es kommt aus dem Osten Bastarde, Chancenschönheit, eine Stadt mit Loch. Thees Uhlmann, Sänger von Tomte, hat schon über so vieles gesungen und dabei immer die richtigen Worte gefunden. „Ich bin bereit, gib mir Korn und Sprite“ forderte Uhlmann vor rund acht Jahren in seinem Lied ‘Korn & Sprite‘, damals der erste Achtungserfolg für die WahlHamburger. Heute geht es bei Tomte nicht mehr um Achtung oder Anerkennung. Die haben sie längst erlangt. Mit ‘Hinter All Diesen Fenstern“ (2003) wurden sie zu einem Aushängeschild des deutschen Indie-Rock made in Hamburg. ‘Buchstaben Über Der Stadt‘, das Uhlmann’sche Manifest der Liebe kletterte 2005 in die Top-Ränge der deutschen Albumcharts. Schön hoch gelegt, die Latte. Doch es ist nicht nur Tomtes Musik, die hoch im Kurs steht. Es ist auch die Person Thees Uhlmann. Zusammen mit Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff (beide bei Kettcar) gründete er 2002 das äußerst erfolgreiche Label ’Grand Hotel van Cleef’, das mit dem alljährliche tourenden „Fest van Cleef“ seinen eigenen Wanderzirkus des Indie etabliert hat; außerdem stand Uhlmann mit Heike Makatsch und Jürgen Vogel im Film „Keine Lieder über Liebe“ vor der Kamera, als Gitarrist der Hansen Band. Das Feuilleton schlägt Dauerpurzelbäume für den 34-jährigen Sänger; Popkultur-Macker und Musiknormalos begeistern sich gleichermaßen für den „Robbie Williams der Germanistikstudentinnen“, wie er einst von einer Radio-Journalistin genannt wurde. Und nun, am Ende des Jubels: ‘Heureka‘, das neue Tomte-Album inklusive Aufnäher zum Rausnehmen und Aufsticken. „Na, endlich“, denkt man da: „Tomte-Jugend! - wurde auch mal Zeit!“ Auch Thees zierte als Heavy-Kid von Hemmoor die beliebte „Business in the front, Party in the back“-Frise, und an seinen einst liebsten Kuttenschmuck kann sich der Mann noch erinnern. „Ein Metallica-Rückenaufnäher! Da kam so eine Hand mit einer Klinge aus dem Klo und darunter stand: ’Metal up your Ass’. Wahnsinnsding!“ Die Tomte-Variante von Klinge aus dem Klo wirkt allerdings dann doch etwas dezenter. Sind ja auch nicht Metallica, die Burschen. Weder musikalisch noch textlich packen Tomte Metal-Fantasien der Generation 40+ aus. Einige Veränderungen gibt es aber trotzdem. ‘Heureka‘ ist das erste Album, das in Berlin geschrieben wurde. Der Umzug vom hedonistischen Hamburg ins noch hedonistischere Berlin hat auch bei Uhlmann seine Spuren hinterlassen. „Es gibt Zeilen“, so Thees, „die konnten nur in Berlin entstehen. Den Song ‘Nichts Ist So Schön Auf Der Welt, Wie Betrunken Traurige Musik Zu Hören“ hätte ich in Hamburg nicht geschrieben, weil in Berlin die Strecken viel größer sind und man kann viel länger iPod hören, wenn man besoffen nach Hause torkelt.“ Doch es ist nicht nur die Stadt, auch Thees’ Privatleben hat sich nicht zuletzt durch die Geburt seiner Tochter gehörig verändert. Während die Songs auf ‘Buchstaben Über Der Stadt‘ nach einem ungestümen, verliebten und zweifelnden Kerl klangen, wirkt der heutige Familienvater auf ‘Heureka‘ vor allem eins: glücklich. „Das wäre ja ziemlich hinterfotzig, wenn ich nach all dem Glück und der Freude, die ich eben erlebt habe, auf der Platte eher Negatives vorgaukeln würde. Das Gefühl, das die ‘Buchstaben‘-Platte so gelenkt hat, also all der Zweifel, das ist immer noch Teil von mir, aber momentan eben nicht so ausgeprägt.“ Damit aber jetzt keine falsche Vorstellung aufkommt: Auf ‘Heureka‘ klingt Thees zwar glücklicher als auf vorherigen Alben, aber immer noch nicht fröhlich genug, um Mickie Krause auf Malle Konkurrenz zu machen. Der Tomte-typische Sound ist geblieben, auch wenn es am Line-Up durch den Ausstieg von Bassist Oliver Koch und Schlagzeuger Timo Bodenstein einige Veränderungen gab. „Es ist immer noch dasselbe Bandgefühl bei Tomte. Wobei ich mir langsam richtig Oldschool-mäßig vorkomme. Auf die Frage: ‘Was machen sie denn beruflich?‘ würde ich antworten: ’Ich spiele in einer Band, die große traurige Akkordformationen zusammenschiebt, und ich singe Texte über mein Leben.’ Deswegen heißt einer unserer Songs ja auch ‘Der Letzte Große Wal‘. Ich komme mir nämlich so vor, als ob ich der Letzte bin, der das noch macht. Um mich herum sehe ich Leute, die sich ganz anders anziehen als ich und wahrscheinlich ein halbes Kokainproblem haben. Und ich fühle mich langsam wirklich eher wie Thin Lizzy als wie 30 Seconds To Mars.“ Text: Heiko Reusch Foto: Jan Windszus Heimat: tomte.de Tomte v. links: Max Schröder, Simon Frontzek, Thees Uhlmann, Dennis Becker


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MUSIK STORIES

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KAISER CHIEFS

Jeder wie er mag: Die Kaiser Chiefs beim Bummeln.

Der Kaisers neue Lieder

Ein sehr schlauer, zynischer Mensch hat mal gesagt „Planen ist schwierig, besonders dann, wenn es um die Zukunft geht.“ Eine simple, aber unumstößliche Wahrheit, wie auch die Schwiegermütterdarlings des StadionBrit-Rocks, die Kaiser Chiefs aus Leeds erst kürzlich erfahren haben. Geplant war ursprünglich, etwas kürzer zu treten, aber dann kam alles anders. Wäre ja auch langweilig, wenn immer alles nach Plan laufen würde, und Langeweile ist etwas, das die Jungs nicht gebrauchen können - behauptet jedenfalls Sänger Ricky Wilson. Und nicht zuletzt wussten schon die alten Römer: „Es ist ein schlechter Plan, der keine Änderung erlaubt!“ „Wir wollten diesen typischen Zyklus - Album, Tour, Album, Tour - durchbrechen; so was kann schnell zur Routine werden, und das ist tödlich. Vor allem für die Kreativität“, erklärt Ricky, der seinem vom NME verliehenen Ruf als „Best Dressed Person“ auch heute wieder gerecht wird und die ästhetisch fragwürdig eingerichtete Bar des Berliner Grand Hotels, das diesmal als Interviewkulisse dient, damit seltsam konterkariert. Wie so oft im Laufe des Gesprächs hat Schlagzeuger und Songschreiber Nick Hodgson sichtlich Freude daran, die leicht schlafmützigen Gedankenrudimente seines Bandkollegen weiterzuführen und zu verbrämen. „Ursprünglich hatten wir nur diese drei Songs, die wir aufnehmen und als Singles oder EP veröffentlichen wollten. Unter anderem das Stück ‘Never Miss A Beat‘. Wir waren ziemlich ausgebrannt und hatten geplant, danach zunächst eine Pause zu machen,um ein wenig Abstand zu gewinnen und neue Inspiration zu finden.“

Das war aber gar nicht mehr nötig, der fehlende Druck und die entspannte Zusammenarbeit mit den Hit-Produzenten Mark Ronson und Eliot James erwiesen sich als der ideale Nährboden für neue Ideen: „Es war nicht abzusehen, dass das Ganze in ein komplettes Album münden würde, dabei saßen wir gut fünf Monate im Studio. Niemand wusste etwas davon, und für uns war die Zeit wie ein riesiges Experiment, eine unendliche Spielwiese. Die restlichen Songs entstanden dabei fast wie von selbst“, erläutert Nick das Schneeballprinzip, das dem Songwritingprozess zu Grunde lag. „Normalerweise ist so viel Freiheit für eine Band unserer Größe ein ziemlicher Luxus…“ So gab‘s für die Songs dann auch tatsächlich nur eine Vorgabe: Nachschub für den Indie-DJ, ergo: Songs, die man „sowohl zu Beginn, in der Mitte und als Rausschmeißer spielen kann.“ Man darf behaupten, es sei ihnen mit dem nun vorliegenden, erneut sehr Morrissey-esk betitelten Drittwerk ‘Off With Their Heads’ durchaus gelungen. Trotz aller kreativer Freiräume verzichten die Chiefs nämlich darauf, ein Dreifachkonzeptalbum zum Thema keltische Mythologie zu veröffentlichen und machen stattdessen das, was sie immer schon am besten konnten: unschlagbar eingängige Gitarren-Pop-Songs mit Hymnenappeal, die sich gleichermaßen aus Power-Pop und Post-Punk/ New Wave speisen. Der auf den beiden Vorgängern definierte Weg wird konsequent weitermarschiert,

nur eben mehr auf den Punkt gebracht. Überraschungen und typische Ronson-Gimmicks findet man allenfalls zwischen den Zeilen, dezente Streicher oder Lily Allen im Background etwa. Keine Zäsur also, sondern einfach Kaiser Chiefs at their best, konzentriert auf 39 Minuten: „Die Kunst ist es, Songs zu schreiben, die nicht nerven und möglichst viele Menschen erreichen. Das Rezept dazu ist, simple Strukturen zu benutzen, ohne beliebig zu klingen. Ich denke, das können wir ganz gut.“ Text: Thomas Müller Heimat: kaiserchiefs.co.uk

MARK RONSON Mark Daniel Ronson (Jahrgang 1975) ist nicht nur auf der Insel einer der derzeit gefragtesten Produzenten. Logisch, denn was der in London geborene New Yorker mit jüdischen Wurzeln anfasst, wird zu Gold. Macy Gray, Christina Aguilera, Amy Winehouse, Lily Allen oder Robbie Williams sind nur einige der Namen der illustren Liste von Musikern, mit denen Ronson zusammengearbeitet oder für die er Hits geschrieben hat. Der Black Music-Fan und mehrfache Grammy-Gewinner ist auch als SoloKünstler unterwegs und Mitbegründer einer eigenen Plattenfirma. Kaiser Chief Ricky Wilson über die Zusammenarbeit: „Wir trafen ihn bei einem Lily Allen Video-Dreh, er trug ein Guns ‘N Roses TShirt und wir dachten nur: ‘Oh mein Gott‘?! Aber wir waren uns sehr sympathisch, also dachten wir: ‘Lasst ihn uns ausprobieren’!“


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MUSIK STORIES

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AMANDA PALMER Tote leben länger

Amanda Palmer lebt. Aber es kommt noch schlimmer! ’Who Killed Amanda Palmer’ heißt das Solo-Album der Dresden Dolls-Sängerin, und während wir alle dachten, die Dolls wären die Summe des Genies ihrer beiden Protagonisten Brian Viglione und besagter Frau Palmer, wird uns jetzt mit aller Wucht der musikalische Sargdeckel auf die feinen Finger geknallt. Denn Amanda kann das auch alleine! Fast alleine jedenfalls. Und zwar ohne Probleme und SO GUT, dass es einem die Tränen in die Augen treibt, auch wenn man gerade NICHT die Finger eingeklemmt hat. Was erst als Soloalbum für Stimme und Klavier geplant war, ist mit ein wenig Hilfe von Ben Folds und vielen Gästen zu einem kleinen Monument der Unabhängigkeit einer großen Künstlerin geworden. Jetzt wissen es alle: SIE ist die große Songwriterin. SIE ist Mutter der kranken Texte ihrer Band und am Ende ist es auch sie, die über Leben und Tod der Dresden Dolls entscheiden wird. Traurig für den armen Brian, der für ein Album nicht mehr sein darf als eine arbeitslose Hand auf dem CD-Cover seiner Duo-Partnerin. Und? Wie geht es weiter Frau Palmer? „Ich wünschte, ich hätte die Antwort. Aber ich weiß es selbst noch nicht.“ Klingt nicht gut. Dennoch. Wer jetzt bereits auf dem Weg ist, den schwarzen Anzug in die Reinigung zu bringen oder

Coole Puppe: Amanda Palmer im Spielzimmer.

mit Rasierklingen an den Unterarmen hantiert, sollte kurz noch einmal Halt machen. Herr Brian Viglione ist permanent mit diversen Projekten auf Tour und alleine im Jahr 2008 auf acht(!) CDs (u.a. bei den NIN) als Gast-Drummer zu hören. Hier ist Trauer fehl am Platz! Und Amanda Palmer? Schwimmt sich

frei, lässt sich gehen und schreibt einige der besten Dresden Dolls-Songs ohne die Dresden Dolls. Na, dann haben wir ja wohl kein Problem. Oder? Text: Yessica Yeti Foto: Pixie Vision Heimat: dresdendolls.com


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TEST

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TEST

THOMAS D.

Im großen Vaterschaftstest

Die gute Nachricht zuerst: Hier gibt es heute keine richtigen und falschen Antworten. Die schlechte: Bei so einem Vaterschaftstest kann man dennoch schnell versagen. Als Vater einer fünfjährigen Tochter sollte Thomas D aber in fast jeder Erziehungsfrage Oberwasser behalten können. Ob er bei den folgenden zehn Fragen trotzdem mal ins Schwimmen kommt?

Frage 1 Deine Tochter nimmt ständig anderen die Spielsachen weg - wenn nötig mit Gewalt:

A Du schleifst sie wegen einer Aggressionsstörung zum Arzt B Egal. „Survival of the Fittest“ gibt‘s auch im Buddelkasten C Ich versuche, ihr wildes Gemüt mit einer täglichen Überdosis Elfenfilme zu zähmen D Ich haue ihr einfach jedes Mal auch eine runter Als Rapper würde ich‘s erst mal mit Reden versuchen, das klassische „Nein, so was macht man nicht. Würde es dir gefallen, wenn andere Kinder dir dein Spielzeug wegnehmen?“ Wenn das nicht klappt, nehme ich IHR mal gewaltvoll das Spielzeug weg. Eigentum, das wissen wir als Künstler ja auch in Bezug auf geistiges Eigentum, gehört jemandem.

Frage 2 Meiner Tochter vermiese ich ungesunde Nahrung am besten durch:

A Knallharte Fakten über Karies und Diabetes

B Am Beispiel meiner eigenen körperlichen Statur C Indem ich fette lahme Kinder als abschreckendes Beispiel benutze D Gar nichts. Soll sie mal essen... A, B und C. Ich bin ständig am erzählen, wovon man fett wird und wovon man Karies kriegt. „Guck dir die Zähne von deinem Vater an, der hat auch nicht zugehört und jetzt ist da alles voller Gold. Das musst du dir erst mal leisten können! Und du willst doch nicht so dick werden wie deine Freundin, oder?!“

Frage 3 Wenn ich könnte, würde ich die Schwangerschaft übernehmen.

A Ja, das würde auch die Vater/Kind-Bindung stärken B Nur wenn sich das überschüssige Gewebe zurückbildet C Die körperlichen Strapazen könnte ich ertragen, den neunmonatigen Alkoholentzug nicht! D Niemals! Das ist Frauensache! D! AUF GAR KEINEN FALL! (lacht) Die Natur hat‘s ja so gewollt! Und ich als naturverbundener

Mensch - ich hab‘ auch gehört, Männer würden an den Schmerzen sterben. Die sind doch viel zu weich, um sich durch so ’ne Scheiße - äh - so ein Wunder zu quälen.

Frage 4 An der Kasse rammt deine Tochter den Einkaufswagen immerzu in die Hacken des Vordermannes. Wie reagierst du?

A Ich mache nichts und erwarte Verständnis B Ich sage ihr sehr deutlich, dass so was nicht geht C Ich bitte die andere Person, das Kind zum Aufhören zu bringen D Ich trete selbst zu, um dem kleinen Racker zu zeigen, wie doll der Hacken brennen kann Je nachdem B oder D. Außer der Vordermann hat‘s verdient, dann muss Papa zeigen, wie man‘s richtig macht. Dann würde man nur einmal in die Hacken fahren müssen und der Fall wäre erledigt. Aber meist hat‘s der Vordermann ja nicht verdient, also B.

Frage 5 Ein Babysitter ist für mich...


A Nicht notwendig B Jemand, der nur zum Einsatz kommt, wenn ich mal keine Zeit habe C Jemand, der mir die unangenehmen Aufgaben des Elternseins abnimmt D Ein Elternersatz Wenn es nach mir ginge, von A bis D alles. Aber meine Frau sagt, es sei wohl Aufgabe der Eltern, auf ihr Kind aufzupassen. Deshalb haben wir keinen Babysitter. Ich würde aber gerne einen einsetzen, um je nach Gelegenheit alles von A bis D von ihm erledigen zu lassen.

Frage 6 Als perfekte Familienfreizeitaktivität betrachte ich...

A Eine Ballettaufführung B Einen Zoobesuch C Einen Trip zum Spielzeugladen D Gemeinsames Fernsehen Videospielen - ein kindfreundliches Heranführen an das neue Medium. Meine Tochter darf zugucken, wie ich zocke und ansonsten neige ich auch dazu, einen kleinen Ritt zum Spielzeugladen als eine großartige Freizeitaktivität zu empfinden. Aber meine Frau will nicht, dass ich die Kleine so verwöhne.

Frage 7 Eine perfekte Kindergeburtstagsfeier veranstalte ich so:

A Zu Hause mit Torte und Topfschlagen B In einer Fastfood-Filiale C Professionell von einem Partyplaner organisiert D Gibt‘s nicht. Keine Nerven für die anderen Bälger A, wobei man D auch schon fast in Betracht ziehen könnte. Bei der letzten Feier war ich der Partyplaner. Das führte dazu, dass ich mich stundenlang zum Vollaffen gemacht habe und nach der Hälfte schon TOTAL am Ende war.

Frage 8 Deine Tochter fängt schon früh an, deine Musik zu hassen - wie intervenierst du?

A Ich rede ihr ins Gewissen, Blut ist schließlich dicker als Wasser B Sie kann hassen, was sie möchte C Ich schleime, indem ich vorgebe, sie künftig mitentscheiden zu lassen D Manche nennen es Gehirnwäsche, ich nenne es Dauerbeschallung! Ich würde es begrüßen, wenn sie meine Musik in jungen Jahren schlecht findet, so dass sie sie nach der Pubertät mag. Ich sage mal B - obwohl es natürlich nicht stimmt: Ich wäre gekränkt und enttäuscht, aber solange sie stattdessen nicht anfängt, Aggro Berlin zu hören, wäre das wohl okay.

Frage 9 Dein Kind wird in der Schule immerzu von einem Mitschüler geärgert. Wie gehst du vor?

A Das sollen die mal schön selbst klären B Ich rede meinem Kind gut zu, halte mich aber nach außen zurück C Ich schnappe mir das kleine Monster und stelle es zur Rede D Ich petze beim Lehrer und/oder seinen Eltern Hingehen, umhauen! Ich würde ganz gnadenlos den Großen raushängen lassen und diesem kleinen Pups so Angst machen, dass ich entweder von seinem Vater Schläge kriege, oder so was nie wieder passiert. Es ist ja meine Tochter. Ich habe überhaupt noch nie Gewaltfantasien gehabt, aber da würde es bei mir aussetzen!

Frage 10 Dein minderjähriger Sprössling kommt mit seinem ersten Alkoholrausch nach Hause getorkelt. Was sagst du?

A „Bist du bescheuert! Willst du so enden wie ich?!“ B „Alkohol macht fett.“ C „Das Kind wird endlich erwachsen!“ D „Ein Bierchen in Ehren ist schon okay...“ Ich sage A und B, denke aber C. Das gehört zum Aufwachsen dazu. Je früher der erste Kater kommt, desto eher merkt man vielleicht auch, dass Alkohol in Übermaßen nicht gut ist. Ich würde sagen: „Weißt du eigentlich, was du dir damit antust? Morgen früh weißt du‘s“ (lacht). Wenigstens wäre sie dann zu betrunken, um einen abzuschleppen...

FAZIT Ein ausgeprägter Beschützerinstinkt und das nötige Wissen um Anstand und Moral machen Vater D. zum nahezu perfekten Papa. Ein Zustand, der genau so lange gesellschaftsfähig bleibt, bis er kommt, um dir gepflegt eins hinter die Löffel zu geben, weil du Daddy‘s kleinem Liebling das Knäckebrot geklaut hast. Scharfsinnig setzt Vater D. bei seiner Erziehung auf die umgekehrte Psychologie. In Sachen Ernährungsberatung sollte er die Schraubzwingen allerdings ein wenig lockern - denn auch akutes Trotzverhalten hat unterm Strich schon zu Karies und Fettleibigkeit geführt. Text: Christine Stiller Foto: Boris Breuer Heimat: thomasd.net Auch gut: „Kennzeichen D“ die neue Platte des Superpapas Tourdaten siehe Seite 63


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MUSIK STORIES

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SONIC SYNDICATE Extrem(e) ansprechend

Irgendwo im metallisch schallenden Spannungsfeld von Cradle Of Filth, In Flames, Bullet For My Valentine und My Chemical Romance machen es sich die sechs Schweden von Sonic Syndicate gemütlich und umschiffen auf ihrem dritten Album ’Love And Other Disasters’ zugleich die seichte Gefahr, zu bequem zu klingen. Immer wenn eine Band den Schritt zu mehr Melodiösität und damit auch Musikalität wagt, sind die Ausverkaufs-Schreie der Urfans schon aus weiter Ferne zu hören. „Ich finde das albern“, zeigt sich Gitarrist Robin Sjunnesson solchen Unkenrufen gelassen gegenüber. „Jede Band, die einen Plattenvertrag unterschreibt und Alben veröffentlicht, kann man nach dieser Logik ja als kommerziell bezeichnen. Unsere Geschmäcker in der Band sind nun mal weit gefächert und das kommt bei diesem Album nun hörbar zum Tragen.“ So loten Sonic Syndicate hierauf den Spannungsbogen der Extreme, zwischen Pop und Prügel perfekt aus und wollen sich nicht in eine stilistische Ecke pressen lassen, sondern qualitative Genre-Grundlagen eher eine Runde weiter und auf ein höheres Level transponieren. „Manche sagen, wir seien Emo, andere halten unsere Musik für Black-Metal. Wir versuchen eben, alles in unserem Sound unterzubringen. Es gibt Songs, die den Death-Metal-Kids zusagen und andere, die eher die Alternative-Rocker ansprechen. Und genau um diese

Geben sich ganz natürlich: Sonic Syndicate aus Schweden.

Vielfalt geht es uns. Auf YouTube habe ich letztens übrigens gelesen, unsere Musik sei ‘Disney Channel Metal’. Das fand ich ziemlich witzig“, lacht Robin. Nun, familiäre Tendenzen sind bei Sonic Syndciate allein schon in der Besetzung gegeben, schließlich ist Robins Bruder Richard einer der zwei Sänger und Bruder Robert Teil des Gitarristen-Triumvirats. Und dann hat man mit Bassistin Karin auch noch ein Metal-Mädel an Bord. „Die feminine Seite der Band zeigt sich eher an der Tatsache, dass wir alle Make-Up tragen“, scherzt Robin. „Nein, Karin hat keine Sonderstellung in der Band, und wir als Brüder auch nicht. Unsere gemeinsame Familie heißt Sonic Syndicate.“

Der Gleichberechtigungsgedanke bezieht sich also nicht allein auf die musikalische Bandbreite der Brüder und Schwermetall-Schwester im geschmacksoffenen Geiste. Schön zu hören. Mindestens genauso wie ‘Love And Other Disasters‘. Text: Frank Thießies

Heimat: sonicsyndicate.com

SONIC SYNDICATE AUF TOUR 4.10. Köln - Palladium *** 5.10. Wiesbaden Schlachthof *** 19.10. München - Zenith *** 24.10. Dresden - Alter Schlachthof *** 25.10. Berlin - Columbiahalle

SHINEDOWN Think Big!

„Post-Grunge“ – für viele nur der fette Wurmfortsatz des Alternative-Rock, erfreut sich dieses Subgenre jenseits des großen Teiches unverändert enormer Beliebtheit. In Old Europe ist man da reservierter. Und so kommt es, dass auch Bands wie Shinedown aus Jacksonville, Florida, in den Staaten die Rockcharts anführen, Rob Zombie supporten und Platin einfahren, und hierzulande trotzdem noch mal für intime Promo-Gigs ranmüssen. So wie an diesem diesigen Nachmittag in Hamburg. Kaum 100 Menschen haben sich vor der improvisierten Bühne versammelt, hauptsächlich Fachpublikum und ausgewählte Fans. Richtige Stimmung will nicht aufkommen. Dezentes Fußwippen, höflicher Applaus, Hard-Rock ist anders. Die Musiker nehmen es professionell und geben trotzdem Vollgas. Zur Gitarrenbegleitung seines Kollegen Nick röhrt sich Sänger Brent Smith durch das kurze Set, bis ihm der Schweiß aus den Tattoos quillt und seinen Kajal in schwarze Sturzbäche verwandelt. Sein Stimmvolumen ist gewaltig. Fast vergisst man, dass hier nur akustisch agiert wird. Zeitsprung: Selber Ort – vier Stunden früher. Brent (gut gelaunt und noch knochentrocken) sitzt zwischen seinen Bandkollegen Nick und Barry und betont die Vorzüge solcher Auftritte. Er sieht sie als

Geben sich’s natürlich: Shinedown aus Florida.

Gelegenheit, Songs auf ihren tatsächlichen Gehalt zu testen. „Ob ein Lied wirklich knallt, merkst du doch erst, wenn du es so ‘herunterbrichst’. Außerdem können Hard-Rock-Songs auf einer einfachen Gitarre auf eine ganz andere Art explosiv sein als mit einer Riesen-Anlage.“ Als Fingerübung sicher interessant. Bei der Produktion des aktuellen Albums verließ man sich aber lieber auf Live-Orchester und geballte Mischpultpower. ‘The Sound Of Madness‘ ist teilweise so voluminös geraten – man fragt sich, wie sie die

Scheibe hinterher durch die Studiotür bekommen haben. „Das war nicht leicht“, lacht Brent. „Wir wollten es eben GROSS – in jeder Hinsicht.“ Text: Matthias Pflügner

Heimat: shinedown.com

DISTURBED & SHINEDOWN AUF TOUR 14. & 15.10. Hamburg – Docks *** 17.10. Berlin – Columbiahalle *** 18.10. Düsseldorf – Philipshalle *** 20.10. München – Zenith *** 21.10. Leipzig – Haus Auensee *** 26.10. Karlsruhe - Europahalle


ROCK'N'ROLL REISEFÜHRER MIT UNDEROATH DURCH FLORIDA Krokodile, Haie, Stachelrochen, reiche Witwen und Schönheits-Operationen – dieses Florida scheint ein wirklich traumhaftes Fleckchen Erde zu sein. Wie sehr die sechs jungen Herren von Underoath ihre Heimat Tampa und das dortige Umland bei all dem Tourstress zur neuen Platte „Lost In The Sound Of Separation“ wirklich vermissen müssen und welche Dinge einen Besuch im Touristen-Hotspot Nordamerikas durchaus attraktiv machen könnten, erzählen euch Bassist Grant Brandell und Sänger Spencer Chamberlain. Jungs, Tampa oder Miami? Grant: Tampa! Miami ist ein bisschen mehr „ghetto“, ziemlich dreckig jedenfalls. Tampa ist viel hübscher – mehr im Stile eines netten Vorortes. Wie heißt eurer Lieblingsclub oder eure Lieblingsbar in Tampa? Spencer: Die “New World Brewery” (1313 East 8th Avenue) ist eine Outdoor-Bar und ein entspannter Ort mit netten Leuten. Manchmal haben sie da am Wochenende auch ein paar Live-Shows. Wo kann man sich sonst noch gut die Zeit vertreiben? Grant: Clearwater Beach an der Westküste. Da gibt es viele kleine Shops direkt am Strand, eine schöne Gegend, wo auch viele junge Leute rumhängen. Und für die Kulturfreunde unter uns? Hat Florida denen was zu bieten? Grant: Nicht wirklich. Das ist wahrscheinlich das größte Manko dort. Spencer: In Florida liegt aber die älteste Stadt der USA, die von Europäern gegründet wurde und durchgehend besiedelt war: St. Augustine. Ein sehr cooler Ort mit hübschen alten Gebäuden und dem ganzen Kram. Was ist eure Lieblingsattraktion in Disney World? Grant: Der „Rock‘n‘Roller Coaster“ oder „Mission: Space“, „Expedition Everest“ ist auch recht gut. Stimmt es, dass Leute ihre Kinder in Disney schon mal an die Leine nehmen? Spencer: Ja, da haben sie Kinder an der Leine. Manchmal ist das wohl einfacher so. Vor zwei Tagen haben wir auch ein angeleintes Kind gesehen, das war allerdings in Großbritannien.

Wo ist Floridas Natur am schönsten? Grant: Die Everglades sind toll. Da gibt es die Sumpfgebiete mit Alligatoren, seltenen Vögeln und anderen coolen Tieren. Die „Alligator Alley“, auch als „Everglades Parkway“ bekannt, führt durch das Gebiet. Früher war der noch nicht umzäunt und die Alligatoren lagen überall am Straßenrand herum. Jetzt ist es dort aber sicherer. Welche Tiere müssen wir sonst noch fürchten? Grant: Es gibt Wasserschlangen und Quallen – nicht die ganz schlimme tödliche Sorte so wie in Australien, aber sie können dir trotzdem ganz schön wehtun. Außerdem muss man im Wasser immer ein wenig mit den Füßen scharren, um nicht versehentlich auf Stachelrochen zu treten. Haie findet man an der Atlantikküste, aber Angriffe sind selten. Wo sieht man die schönsten Menschen? Spencer: Wahrscheinlich am South Beach in Miami: Models, oben ohne und mit extrem hoher Schönheits-OP-Quote. Wenn wir nun aber nicht nach Schönheit, sondern einem sehr alten, sehr reichen Ehepartner suchen, wo fangen wir an? Spencer: Die gibt’s eigentlich überall. In einem Gebiet namens Hyde Park im Süden von Tampa stehen die großen Hütten mit ihren reichen Bewohnern. Wer sind die schlimmsten Florida-Touristen? Grant: New Yorker! Sie haben den übelsten Akzent und die unmöglichste Art Auto zu fahren. Besonders die Leute aus Staten Island. Runter von unserer Insel! Text: Christine Stiller Heimat: underoath777.com Auf sallys.net: sally*sTV! Düster mal anders Auch gut: „Lost In The Sound Of Separation” - das aktuelle Album von Underoath


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MUSIK STORIES

Foto: Michael Lavine

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TV ON THE RADIO Tanzstunden für Nihilisten

Nach zwei Alben Berichterstattung aus den entlegeneren Regionen der Rock-Galaxie setzen sich TV On The Radio mit ’Dear Science’ ins selbstgemachte Nest. Da ist es plötzlich so weich und warm geworden, dass auch schräge Vögel mal für ein Elf-Eier-Omelett vorbeifliegen. Nur die religiöse Rechte bleibt bitteschön draußen. „Zwei Dinge sind uns seit dem letzten Album widerfahren“, erklärt Jaleel Bunton, Schlagzeuger bei TV On The Radio und auskunftsfreudiger Fan seiner neuen Platte. „Erstens: Wir sind viel auf Tour gewesen und dabei auf andere Gedanken gekommen. Fröhlichere Gedanken. Die andere Sache habe ich gerade vergessen.“ Bunton sagt, als Band verbringe man inzwischen so viel Zeit auf Tour, dass man zwangsläufig zusammenwachsen würde. Als Beleg dafür klingt das neue Album ‘Dear Science‘ wie ein einziger großer Song, die experimentelle Seite ihres AvantgardeRock zwangsverpflichtet für die melodieseligsten Momente ihrer Karriere. Der große TVOTR-Stilmix, verchromt für eine Sonntagsfahrt über die Hauptstraße: „Wir sind einfach als Band gereift, sind älter und erfahrener geworden. Wir haben mehr Ideen, wir haben Arbeit vor uns.“ Im Falle von ‘Dear Science‘ ist das auch Trauerarbeit. Sänger Tunde Adebimpe verlor gleich mehrere Familienmitglieder im Vorfeld der Aufnahmen, und auf dem warmherzigen ‘Family Tree‘ vermeint man das auch zu hören.

„Als ich jung war, kam ich mir wahnsinnig smart vor, weil ich so pessimistisch war. Jeder junge Nihilist glaubt, das wäre der einzige Weg, um intelligent rüberzukommen. Mit dem Alter kapiert man dann aber, dass man sowieso irgendwann draufgeht, und da amüsiert man sich doch besser gleich so gut es geht.“ (Jaleel Bunton) Trotzdem ist die neue LP mehr Sonnenstrahl als Wolkenbruch, auch weil die Mitglieder der Band laut Bunton „im Herzen eigentlich Romantiker“ sind. „Als ich jung war, kam ich mir wahnsinnig smart vor, weil ich so pessimistisch war. Jeder junge Nihilist glaubt, das wäre der einzige Weg, um intelligent rüberzukommen. Mit dem Alter kapiert man dann aber, dass man sowieso irgendwann draufgeht, und da amüsiert man sich doch besser gleich so gut es geht.“ Und auch wenn TV On The Radio traditionell zu den Bands gehören, die eher über die richtigen Dinge mosern, macht sich bei ihnen mittlerweile eine fast schon orientalische Gelassenheit breit. „Es wird irgendwann tatsächlich schwer, permanent enttäuscht zu sein. Wenn man ins Straucheln kommt, ist das zwar erst mal ein Schock, aber wenn man für anderthalb Stunden fällt, muss man mit der Zeit etwas anzufangen lernen.“ Wobei: Im aktuellen politischen Klima der USA ist es nur die halbe Miete, seine persönliche Revo-

lution für beendet zu erklären. Bunton spürt eine gewisse Gleichgültigkeit um sich herum, in einem „Land, das eine lange Geschichte der Heuchelei hat. Der Song ‘Red Dress‘ handelt davon, nicht apathisch zu werden. Das ist ein Aufruf, auch an uns. Und ein Aufruf, sich zu freuen. Es geht darum, die Realität zu feiern, heftiger zu leben.“ Jaleel sagt, er hätte Barack Obamas Bücher gelesen, und sich „noch nie so repräsentiert gefühlt.“ Wenn der demokratische Kandidat die Wahl verliert, so Bunton, „dann nicht, weil McCain gewinnt. Ich glaube, es wäre ein ziemliches Statement zur Rassenzugehörigkeit.“ Als Frustabbau empfiehlt er inzwischen das Tanzen, auch wenn er selbst „dringend Tanzstunden gebrauchen“ könnte. „Tanzen lässt mich lebendig und zugehörig fühlen. Und es hilft, aus dem Zynismus auszubrechen. Fünf Minuten vorher und zehn Minuten nachher sieht es vielleicht anders aus, aber wenn ich tanze, kann ich nicht deprimiert sein. Dann fällt mir wieder ein, dass doch nicht alles Ruß und Verderben ist.“ Um das Leben zwischen den Stühlen geht es auch bei ‘Dear Science‘. Jaleel ist der Meinung, die angesprochene Wissenschaft könne der menschlichen Existenz die ganze Seele entziehen, und würde trotzdem als Segen verkauft. „Bei allen unbestreitbaren Vorteilen steht sie der menschlichen Entfaltung doch manchmal einfach im Weg. Das muss man als schmutziges, stinkendes, virenverseuchtes Wirtstier auch akzeptieren. Wenn Wissenschaft die neue Religion ist, muss ich passen. Sie hat nicht dieses Monopol auf die Wahrheit.“ Mit wirklichkeitsentrückten Hardcore-Christen kann Bunton deshalb trotzdem nicht viel anfangen. Auch wenn er von einer friedlichen Koexistenz von Religion und Wissenschaft träumt, hält er die Bibel nicht für ein Schulbuch und kreationistische Standpunkte „für völlig verfehlt. Ich kann keine vernünftigen Gespräche mit jemandem führen, der nicht anerkennt, dass Schimpansen und Menschen doch verdammt verwandt aussehen“. Und eine passende Geschichte dazu hat er auch noch: „Eine Bekannte von mir erzählte mir von ihrem Kind, das im Erdkundeunterricht danach fragte, ob Afrika und Südamerika vielleicht früher mal ein Kontinent gewesen sind, und der Lehrer sagte offenbar ganz selbstbewusst: Ausgeschlossen! Ich meine, wer das nicht erkennt, leidet doch wohl sehr unter Realitätsverlust, oder?“ Text: Michael Haacken Foto: Michael Lavine Heimat: tvontheradio.com

TV ON THE RADIO AUF TOUR 27.9. Hamburg - Reeperbahn Festival *** 28.9. Berlin - Roter Salon *** 21.11. Köln - Kulturkirche *** 24.11. Hamburg - Markthalle *** 25.11. Berlin - SO36


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DÄNEMARK

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WHOMADEWHO

Ente gut, alles gut!

Ein Land expandiert: So trifft sich neben der bereits omnipräsenten Schar dänischer Immobilienmakler in Kürze auch die nordische Musikelite in Berlin, um in „die eigene Zukunft“ zu investieren. Pünktlich zur bevorstehenden Popkomm-Messe gibt es neben reichlich „Snaps“ mit dem „Spot On Denmark“-Festival auch ein buntes Fest der dänischen Klänge zu bestaunen. Wir haben bei den anreisenden Combos mal nachgehakt, was da so geht, in Sachen Deutsch-Dänischer Freundschaft.

VETO

Ziffern zerquetschen Veto zeigten 2006 mit ’There‘s A Beat In All Machines’, wie wenige Geräte es braucht, um Saiten mit Amplituden zusammen zu bringen. Jetzt sind sie zurück, mit lauterer Platte und größerem Plattendeal. Wenn Frontmann Troels seinen beachtlichen Bart nicht hätte, würde er kaum aussehen wie 25. Dabei war der früher noch länger. „Bei meiner Hochzeit hat ihn unser Drummer Mads abgeschnitten. Das ist so ein Brauch in Dänemark, dem Bräutigam die Krawatte abzuschneiden. Aber ich hatte gerade keine an und war ohnehin betrunken. Also egal.“ Alles unter Kontrolle. Und doch nicht: Das ist die Machart von Vetos neuem Album ‘Crushing Digits‘. „Wir desorganisieren unsere Musik“, erklärt Troels, der nebenher alias SuperTroels befreundete Musiker remixt. „Wir bauen Bits, Bytes und Rhythmen zusammen, und brechen nachher wieder alles auf.“ Um dieses Reflexionslevel zu erreichen, haben sie sich regelrecht weggesperrt. Eine Woche lang mieteten sie ein altes Hotel auf einer dänischen Insel, schrieben Songs, warfen sich gegenseitig Samples und Akkorde zu, verließen das Haus nur zum Angeln.

„Who Made Who“ heißt nicht nur ein Song von AC/DC, sondern auch eine Combo aus Kopenhagen, die im Gegensatz zu Angus & Co. in wesentlich seichteren Gewässern fischt. Pop, Avantgarde, Disco – daraus haben WhoMadeWho einen Sound geknetet, den sie live und in Skelett-Outfits gekleidet in astreinen Indie-Rock verwandeln. Klingt schräg? Ist noch schräger!

Die wichtigste dänische Band? Aqua! Haha. Was denken Dänen über Deutsche? Dänen und Deutsche sind sich im Grunde ziemlich ähnlich. Ihr seid aber definitiv besser organisiert, wenn es um Pünktlichkeit geht und sowas. Leckeres dänisches Essen? Ehrlich gesagt, gibt’s keine dänische Delikatesse, aber unser Smørrebrød scheint im Ausland ganz gut anzukommen. Welche Eigenschaft ist „typisch dänisch“? Die Dinge locker zu nehmen und immer Zeit für ein Entspannungsbierchen zu haben. Wieso ist Dänemark das schönste Land der Welt? Wegen unserem Sozialsystem. Dänemark in einem Wort? Entspannt. Dein Verein? FC Barcelona. Text: Philipp Kohl, Heimat: vetonet.dk Aktuelles Album: „Crushing Digits“

Zwei Jahre nach ihrem Debütalbum ’There‘s A Beat In All Machines’ sind die bekennenden Soulwax-Fans nicht nur härter geworden, sondern auch besser, und zwar in jedem Handwerk, das sie für sich beanspruchen: Mixing, Programming, Instrumente dazu spielen. Nun holte man sich auch externe Hilfe von Produzent Carsten Heller, und der wirkt wie Sagrotan gegen den DIY-Geruch. Dass die neue Platte so runder, trackiger klingt, ist logische Folge; ruhige Stücke, Radiohead-Anleihen fallen weg. Analogien mit Duné (die natürlich viel süßer aussehen) drängen sich da bisweilen auf, aber das kann auch ein Effekt höherer Produktionsgewalt sein, Managements, die derzeit einen „dänischen“ Sound modellieren. Dass Veto ihren Kopierschutz vor allem live ausspielen, ist ein großer Vorteil. „Wir lassen nichts vorprogrammiert, wir programmieren auf der Bühne!“, verteidigt Troels. Beim diesjährigen Festival-Gig in Roskilde klappte das gut, ekstatische „Veto“-Chöre wanderten durch das übervolle Zelt. Ob sie auf der Popkomm ähnlich reüssieren, darauf darf man gespannt sein.

Die wichtigste dänische Band? Ein klassischer Komponist namens Jacob Gade. Er hatte genauso maßgeblichen Einfluss auf unsere Musik wie die legendären Laid Back mit ihrem Hit „Bakerman“! Welche Eigenschaft ist „typisch dänisch“? Die Dänen behaupten, sie wären so gemütlich und entspannt - das sind sie aber nur vordergründig. In Wahrheit sind sie das Gegenteil von dem, was Hans Christian Andersen in seinem Märchen „Das hässliche Entlein“ beschreibt: nach außen sind sie schön, stolz und mächtig wie ein Schwan, aber unter der Fassade sind sie klein, hässlich und gemein. Größtes Vorurteil gegenüber Deutschen? Die üblichen Klischees halt: Ihr seid zu penibel, nehmt alles supergenau, seid immer pünktlich und diszipliniert. Meine Erfahrung mit Deutschen ist aber eine andere: Ihr seid sehr aufgeweckt und smart, lasst aber auch mal Fünfe gerade sein. Leckeres dänisches Essen? Wenn ich euch etwas aus Dänemark mitbringen müsste, dann Hering auf Pumpernickel, und zum Runterspülen ein Gläschen „Snaps“. Wieso ist Dänemark das schönste Land der Welt? Ist es nicht! Früher hatten wir eine kunst- und kulturfreundliche Regierung, die insbesondere junge Filmemacher und Musiker unterstützt hat. Heute wird nur noch das gefördert, was amerikanischen Mainstream produziert – sprich Unterhaltung, die dafür designt wurde, die Leute zu verblöden. Sehr schade. Dein Verein? Ganz klar: Das „Johnny Cash Bicycle Team“ – ein Verein aus sechs Radsportlern, den wir finanziell unterstützen. Das sind gute Freunde von uns, nicht sehr erfolgreich, aber sympathisch. Heimat: whomadewho.dk, aktuelles Album: „Green Version“


BETA SATAN

Im Kopf einer dänischen Wildsau Beta Satan geben sich nicht nur auf der Bühne durchgeknallt. Klaus H. Nielsen alias Q ist Schlagzeuger und geistige Führungsspitze des diabolischen Crossover-Quintetts und ein Traum für alle Hobbypsychologen. Wie besessen mag ein Mann sein, der sich einst mit dem Pop-gesüßten Tiger TunesEnsemble seine Brötchen verdiente, obwohl ihm die folgenden Rock-Attitüden aber eigentlich viel besser stehen?! In seinem schlimmsten musikalischen Albtraum stünde er selbst nicht hinter dem Beta Satan-Debütwerk ’Girls’, sondern säße in Gestalt einer 20-jährigen veganen Blondine in einem kleinen Cafe und teilte nur von der Akustikklampfe begleitet seine innersten Gefühle mit dem Publikum. Natürlich bedeutet das nicht, dass der gute Klaus sein Herz nicht auch für blonde Damen öffnen könnte. Vor allem wohlhabend sollten sie sein. „Meine ideale Fangemeinschaft würde aus reichen, gutaussehenden Mädchen bestehen - nein, streicht das - aus REICHEN Mädchen, das genügt vollkommen. Aussehen und Alter sind mir schnuppe. Ich setze auf die Kohle und will eine ganz gewöhnliche REICHE Frau!“ Das größte Kompliment, das man ihm als Mann machen könnte, drehte sich dabei nicht um den Job, sondern die Optik: „Wenn Leute deine Musik loben, ist es immer schmeichelhaft. Aber die Mädchen sollten auf mich zukommen und sagen, wie toll ich aussehe. Ich bin nämlich ein ziemlich hässlicher Typ. So wie Martin Gretschmann von The Notwist, der hat mir mal erzählt, er hätte den gleichen Wunsch.“ Gut zu wissen, nur was passiert, wenn die wichtigste Frau im Leben zwar über das Aussehen hinwegsieht, man sie aber im

Gegenzug nicht von den eigenen musikalischen Qualitäten überzeugen kann? Klaus’ Mutter gefällt die Musik des satanischen Quintetts jedenfalls kein bisschen! Klingt beruhigend?! Welche halbwegs normaltickende Mutter schwoft sich schon in der ersten Reihe einer Beta Satan-Party durch krachend-psychopathische Crossover-Lawinen, die ihr Sohnemann und Co. da aus den Instrumenten zaubern?! Eben. Alles fit im Staate Dänemark. Klaus frönt dem Wahnsinn, und wir kuscheln mit. Text: Christine Stiller Heimat: betasatan.dk Aktuelles Album: „Girls“

Die wichtigste dänische Band? Michael Jackson. Ein fantastischer Künstler. Schade das mit der Haut, der Nase und dem Auseinanderfallen der Visage. Leckeres dänisches Essen? Unsere pharmazeutische Industrie ist monströs! Riesige Fabriken, die eine Menge wundervoller Pillen herstellen: Prozac, Sipramil, Lithium, Tylenol, Codein, Vicadin, Fontex, Cipralex, Ketogan, Rohypnol.. die Liste dieser göttlichen Güter ist endlos. Endlos! Wieso ist Dänemark das schönste Land der Welt? Ist es gar nicht. Ohne Scheiß, wir haben auf Grund unseres Reichtums enorme Probleme mit Übergewicht. Wir saufen und rauchen so viel, dass das Fortbestehen der nächsten Generation in echter Gefahr ist. Die Leute hier stolpern wie Zombies durch die Innenstädte und werden mit jeder Sekunde fetter und blasser. Es wäre praktisch, wenn hier mal jemand vorbeikäme und die ganzen ScheißNutella-Gläser aus den Regalen nehmen würde.

CARPARK NORTH „All Things To All People“ proklamierten Carpark North anno 2006 mit ihrem ebenso betitelten Album, das neben „Human“ mehr als eine Hymne für Fans von verspieltem Elektro-Rock bereithielt. Die Veröffentlichung des neues Albums „Grateful“ mag den Gerechtigkeitssinn der Dreierbande zwar kurzzeitig außer Kraft setzen, denn durch einige Breitengrade Vorsprung kamen ihre Landsleute bereits in den Genuss des neuen Langspielers, doch die Wiedergutmachung lässt nicht lange auf sich warten. Lau Højen, Søren Balsner und Morten Thorhauge werden im Zuge der „Spot On Denmark“-Nacht im Berliner Postbahnhof neue wie alte Hits präsentieren und mit personeller Verstärkung aufspielen. Heimat: carparknorth.dk, aktuelles Album: „Shall We Be Grateful“


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DÄNEMARK

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VOLBEAT

Fortsetzung folgt Zwischen welchen musikalischen Polen das Herz Volbeats schlägt, ist auf den Armen des Sängers Michael Poulsen abzulesen. Den rechten ziert der Schriftzug „Social Distortion“, den linken „Elvis Presley“. Zusammen ergibt das die explosive Mischung, die ’Guitar Gangsters & Cadillac Blood’ zum Album-Highlight des Spätsommers werden lässt. Obwohl sie es bei dem überzeugenden Rock-Sound gar nicht nötig hätten, haben sich die Jungs zusätzlich etwas einfallen lassen. Gut die Hälfte der Songs bilden die Story von ’Cadillac Blood’ – einem Typen, der tot im Cadillac gefunden wird. Doch beim Eintreffen der Polizei ist die Leiche verschwunden und die Suche nach seinem Mörder beginnt. „Zur Geschichte gehört natürlich der Titeltrack und die Single ’Maybellene I Hofteholder’. Das Ganze endet dann mit ’Broken Man And The Dawn’. Wobei es womöglich irgendwann weiter geht!“ Im Schreiben epischer Dramen ist Michael Poulsen schon geübt. Auf der ersten Platte gab es den Song ’Danny And Lucy’, bei dem ein junges Mädchen mit einem Typen durchbrennt und dabei stirbt. Auf dem Zweitling klärte ’Firesong’ über die Hintergründe auf, während in ’Mr. And Mrs. Ness’ die Mutter von Lucy tot aufgefunden wird. „Bei ’Mary Ann’s Place’ geht es darum, wie Mr. Ness am Grab seiner Frau noch mal mit ihr redet.“

Die wichtigste dänische Band? Michael Poulsen: Wenn du mich fragst, dann Metallica. Lars Ulrich ist ja Däne. Oder müssen alle Mitglieder aus Dänemark kommen? Thomas Bredahl: In dem Fall sage ich mal Gasolin, die in den Siebzigern tolle Sachen gemacht haben. Deren Sänger Kim Larsen veröffentlicht jetzt übrigens immer noch Platten. Der ist so was wie ein Nationalheld!

Und Antwort erhält! Pernille Rosendahl von Storm beziehungsweise Swan Lee bittet als Mary Ann ihren Mann um Vergebung. Zum großen Kino fehlt jetzt nur noch das nötige Kleingeld – aber die Chancen, dass die Jungs Plattenmillionäre werden, stehen ja nicht schlecht!

Größtes Vorurteil gegenüber Dänen? Michael Poulsen: Vielleicht, dass wir einfach unverschämt gut aussehen? Wobei das ja nicht unbedingt was Negatives ist.

Text: Holger Muster, Heimat: volbeat.dk Aktuelles Album: „Guitar Gangsters & Cadillac Blood“

Größtes Vorteil gegenüber Deutschen? Thomas Bredahl: Deutsche lieben Hierarchien! Bei uns in Dänemark sind alle eher auf einer Ebene - ob das nun in Bands oder in Fir-

men ist. Vielleicht sind wir deswegen auch so nett? Leckeres dänisches Essen? Michael Poulsen: Es gibt so eine Spezialität aus Leber, aber besser ist eigentlich unser Schwarzbrot. Das schmeckt wie Malzbier! Wieso ist Dänemark das beste Land der Welt? Thomas Bredahl: Wir zahlen vielleicht hohe Steuern, aber dafür leben wir auch in einem Wohlfahrtsstaat. Das Gesundheits- und Bildungssystem ist einmalig. Die Unterschiede zwischen Arm und Reich sind nicht so ausgeprägt wie zum Beispiel in Amerika. Dänemark in einem Wort? Michael Poulsen: Heimat!

THE BLUE VAN

Ohne Soße!

Wenn sich eine Band nach dänischen Vehikeln zum Abtransport geistig Verwirrter benennt, dann möchten wir eigentlich gar nicht wissen, was in der Karre abgeht. Wir haben mit den psychedelischen Retro-Freunden von The Blue Van aus Kopenhagen trotzdem mal einen Blick riskiert. Was muss man an dänischen Raststätten unbedingt bestellen? Hot Dogs und Kaffee!

was auch nur ansatzweise nach Soße aussieht oder schmeckt. Sonst gibt das eine Riesensauerei.

Die schönste dänische Strecke zum mal langfahren? Irgendeine! Es gibt nichts schöneres, als in einer lauen Sommernacht und nach einer netten Aftershow-Party leicht angesoffen durch die Prairie zu heizen. Als Beifahrer, versteht sich.

Mit welcher dänischen Band würdet ihr euren Blue Van teilen? Mit den Figurines oder Highway Child vielleicht. Im Grunde sind alle willkommen, die nett und trinkfest sind. Solange sie keine Soßen dabei haben…

Gibt’s irgendwas, was die dänische Polizei in eurem Bus lieber nicht finden sollte? Schafft an Bord, was ihr wollt, in Dänemark gibt’s keine Gesetze! Aber lasst alles zu Hause,

Heimat: thebluevan.com Aktuelles Album: „Man Up“


THE RIVER PHOENIX

Let there be Rock, verdammt nochmal! Von einer Band, die auf dem idyllischen Eiland Bornholm aufgewachsen ist, erwartet man keine Nachhilfestunden in Sachen Zukunftsmusik. Dass The River Phoenix trotzdem vieles besser machen als so mancher Zeitgenosse aus der Emo-Retorte, beweisen sie auf ihrem jetzt erschienenen Debüt ‘Ritual’. Seit elf Jahren spielen die fünf inzwischen in Kopenhagen lebenden Freunde bereits zusammen und wollen nichts weiter als „einfach nur ehrliche RockMusik machen“. Klar, schließlich „gibt es kaum noch Bands, die wirklich verdammt rocken“. Was genau The River Phoenix unter „wirklich rocken“ verstehen, erkennt man bei ihren Live-Shows: Mit drei Gitarren, mehrstimmigem Gesang und geschätzten 30 Fußpedalen pusten sie dem Publikum eine Powerhymne nach der anderen um die Bartstoppeln und das vibrierende Bauchgefühl sagt einem, dass sich die „Kämpfe, die wir ausfechten mussten, um dort anzukommen, wo wir jetzt sind“, durchaus gelohnt haben. Text: Boris Mischke Heimat: myspace.com/theriverphoenixband Aktuelles Album: “Ritual”

Größtes Vorurteil gegenüber Dänen? Das durch die Teilnahme am Irak-Krieg und durch die Mohammed-Karikaturen ausgelöste Missverständnis, Dänemark hätte eine anti-muslimische Haltung. Größtes Vorurteil gegenüber Deutschen? Hm, das ist schwer zu sagen, ihr seid eigentlich ganz okay. Ich meine, euch wird die ganze Nazigeschichte immer noch so sehr nachgetragen, obwohl ihr damit so gar nichts mehr zu tun habt und echt ein großzügiges und nettes Land seid. Nein ehrlich, ihr könntet wirklich eine Menge Scheiße bauen und ich würde euch immer noch mögen. Welche Eigenschaft ist “typisch dänisch”? Dänemark hat keine Persönlichkeit. Dänemark ist wie ein Chamäleon. Es macht immer das, was gerade angesagt ist.

9.10. Berlin - Postbahnhof Live: The Blue Van & Spleen United & Beta Satan & Veto & Carpark North & Who Made Who & DJ Mike Sheridan Tickets: 6 Euro + VVK, 8 Euro AK Einlass: 19.00 Uhr Beginn: 20.00 Uhr


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MUSIK STORIES

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OASIS

Brauchtumspflege Wenn Oasis in diesen Tagen ihr siebtes Studio-Album ’Dig Out Your Soul’ veröffentlichen, ist vieles wie immer und eigentlich doch alles ganz anders. Ruhiger sind sie geworden, fast bescheiden. Wir sprachen mit Liam Gallagher in London. Am besten ist natürlich das ganze Drumherum. Zwar sind die markigen Sprüche, der ewig währende Bruderzwist und all die anderen Konstanten im Oasis-Kosmos routinemäßige PR-Maßnahmen. Aber manche Sachen passieren auch einfach nur so - und immer zur richtigen Zeit! Dass jemand auf die Bühne springt und Noel Gallagher schubst, woraufhin Konzerte abgesagt und eilige Bulletins verfasst werden, mag normal sein. Für Oasis aber bedeutet es die gefühlt 93. pannenbehaftete Nordamerika-Tour in Folge - es ist ein bisschen wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Noch besser: die Akte Jay-Z. Handelt es sich bei dem Zwist am Rande des britischen Glastonbury-Festivals doch um eine Art Reimport. Wie keine RockBand vor ihnen hatten Oasis von Beginn ihrer Karriere an die Mechanismen des Gangsta-HipHop beliehen, um sich öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. Und ähnlich wie bei den ganz frühen East Coast vs. West Coast-Grabenkämpfen entsprang das Dissen bei den Gallaghers aufrechtem Hass - was ja das Tolle an dieser Band war. Nun, da hüben wie drüben alles automatisiert ist (und zum Glück keiner mehr erschossen wird) kam es endlich zum Gipfeltreffen: Gallagher, der Ältere, legte vor mit seiner spießigen Bemerkung, ein HipHopper habe auf dem größten Rock-Festival Europas nichts verloren. Jay-Zs Replik erfolgte in Form einer verdaddelten „Wonderwall“-Version. Jay-Z: eins, Oasis: null. Inzwischen haben ein paar spanische Scherzkekse ein ’Ojayzis - Cooking Soul’ betiteltes Bastard-Pop-Album ins Netz gestellt - ein Heidenspaß. Im Schatten derartiger Ereignisse konzentrierten sich Oasis in den letzten zwei Jahren erstaunlich harmonisch und konventionell auf ihr Kerngeschäft

- sie nahmen in London und Los Angeles elf neue Songs auf und stritten sich dabei nur wenig. Nachdem Noel früher meist ätzte, seinen Bruder im Studio nur selten gesehen zu haben, war Liam diesmal angeblich meist der Erste vor Ort und half gar, das Equipment zu verkabeln. Einziger Aufreger: die Demission von Zak Starkey, inzwischen ersetzt durch den ehemaligen Robbie Williams-Schlagzeuger Chris Sharrock. Ansonsten arbeiten sie weiter an der Revitalisierung ihrer zuvor am eigenen Ego gescheiterten Band. Und so klingt vieles bekannt, was die Gallaghers erzählen. Man sei jetzt eine richtige Viererband mit Gem Archer und Andy Bell. Noel habe keine Lust mehr, die schwere Last des Songschreibens alleine zu schultern - und wer Songs schreiben will, muss auch Interviews geben und so weiter. Also darf man wählen: Noel oder Liam alleine oder Gem und Andy zusammen. Es gibt härtere Entscheidungen. Liam Gallagher sitzt im Hauptquartier der Oasis-Plattenfirma ’Big Brother’. Die goldenen Schallplatten hängen auf dem Klo. Wegen familiärer Verpflichtungen gibt er, ebenso wie Noel, nur drei Interviews am Tag. Der Sänger ist ein bisschen vergrätzt, zwei der von ihm geschriebenen Songs - seine besten, wie er sagt - haben es nicht auf die Platte geschafft - das letzte Wort hat immer noch sein Bruder. Trotzdem: „Our kid“ macht sich als Autor. Es war ein langer Weg von ’Little James’ bis ’I’m Outta Time’, einer schlichten, aber schönen Schmachtballade aus Liams Feder, die das Potenzial hat, der Band erstmals seit längerer Zeit einen Radio-Hit zu bescheren. „Keine Ahnung, wovon meine Songs handeln und wo ich damit hin will“, sagt Liam - was natürlich egal ist, weil die thematische Bandbreite dieser britischen Biertrinker-Musik ohnehin überschaubar ist, und man eigentlich noch nie so richtig


Die schon wieder: Oasis v. links: Gem Archer, Noel Gallagher, Liam Gallagher, Andy Bell.

wusste, worum es ging in Zeilen wie „I’m feeling supersonic, give me gin and tonic“. Irgendwas mit Rock’n’Roll und Freiheit halt. Eines jedoch will Liam nicht - sein Rüpel-Image bedienen: „Es sind andere an der Reihe, über ’Cigarettes & Alcohol’ zu texten, ich kann das noch singen, aber nicht darüber schreiben. Der Liam von 1998 würde mich wahrscheinlich hassen für diesen Satz: Ich bin älter geworden, habe Kinder und eine Frau. Es ist für mich schöner, nachmittags wach zu sein als um vier Uhr morgens betrunken. Aber ich würde noch jeden kleinen Pisser unter den Tisch trinken.“ Klar. Sie müssen jetzt nur vielleicht ein bisschen aufpassen, dass sie nicht zu normal werden. Schließlich sind die News-Spalten ihr Kapital. Text: Max Knaut

Foto: Lawrence Watson

Heimat: oasisinet.com

DIE GALLAGHER-DISS-CHARTS Jedem normalen Menschen wären bei all den Hasstiraden, die die Gallaghers auf ihre Feinde abfeuern, längst die Stimmbänder abgefault. Hier sind unsere Top-3. 1. Noel (auf die Frage, wen er - hätte er nur eine Kugel - lieber abknallen würde, Phil Collins oder Robbie Williams): „Phil Collins ist mir scheißegal. Ich würde ihn nicht abknallen [...] Robbie würde ich die Kugel einlegen, weil er sie ja früher oder später sowieso selbst benutzen wird, er ist so ein brutal unglücklicher Mensch.“ 2. Liam: „Ich hasse Radiohead und Coldplay nicht. Ich wünsche ihnen keine Unfälle oder so, nur denke ich, dass ihre Fans langweilig und hässlich sind und nicht so aussehen, als hätten sie Spaß beim Konzert.“ 3. Noel: „18 Jahre lang war ich auf Drogen, mich hat’s aber nie SO schlimm erwischt, als dass ich hätte sagen können ’Weißt du was? Ich finde die Kaiser Chiefs sind brillant!’“


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RISE AGAINST

Rise Against v. links: Joe Principe, Tim McIlrath, Zach Blair, Brandon Barnes.

Die bessere Alternative Chicago, deine Kinder. Quasi parallel zu ihren Sandkastenkumpels vom Alkaline Trio veröffentlicht auch Tim McIlrath mit seiner Gang Rise Against ein neues Punk-Manifest. „Appeal To Reason“, so der händereichende Titel des neuen Albums, ist Tims erneut in Hymnen verpackte Abrechnung mit sich und der Welt da draußen. Tim, eurer letztes Album „The Sufferer & The Witness“ erschien vor zwei Jahren, zwischenzeitlich habt ihr die Welt zweimal umrundet, euren Gitarristen verloren und durch einen neuen ersetzt, eine weitere EP eingespielt und zuletzt ein komplett neues Album fertig gestellt. Was dagegen, wenn man euch als Workaholics bezeichnet? Nein, ich denke, das trifft den Nagel ziemlich auf den Kopf. Uns wird die Arbeit aber auch ziemlich leicht gemacht – überall, wo wir auftreten, schlagen uns die Wogen der Begeisterung entgegen, das motiviert natürlich ungemein. Trotzdem hättet ihr euch doch zunächst eine Pause gönnen und ein wenig Zeit mit der Familie verbringen können. Aber dank „Appeal To Reason“ sind die nächsten Monate sicher anderweitig verplant?! Stimmt, wir hätten uns auch noch Zeit lassen können, aber wir hatten in den letzten Wochen so einen Lauf, dass es keinen wirklichen Grund gab, die Reißleine zu ziehen. Wir standen musikalisch vor einem Berg an Ideen, haben viel mit Tempi experimentiert und ich hatte genügend Themen, die ich in Texte verbauen konnte. Außerdem wollten wir das Album unbedingt noch vor der nächsten US-Präsidentschaftswahl veröffentlichen.

Welche Zielscheiben hast du diesmal anvisiert? Wer muss das neue Rise Against-Album fürchten? Mich beschäftigt natürlich noch immer die allseits grassierende Ignoranz und Gleichgültigkeit der amerikanischen Bevölkerung gegenüber ihrer Regierung und globalen Problemen wie Umweltzerstörung oder Krieg. Mit „Hero Of War“ haben wir erstmals seit „Swing Life Away“ einen AkustikTrack aufgenommen. Das Stück ist allerdings kein Love-Song, sondern purer Protest. Weht dir eigentlich in deinem engeren Umfeld ob deines Standpunkts öfter mal ordentlich Wind ins Gesicht? Stehen eure Eltern, Ehefrauen, Cousins oder Geschwister uneingeschränkt hinter eurer Band? Sagen wir so: Egal, auf wen ich „privat“ so treffe – die Person weiß immer mehr über mich als ich über sie. Kein Wunder: Ich reiße seit acht Jahren in meinen Songs und in Interviews das Maul auf und erläutere meine Sicht der Dinge. Dass damit nicht jeder einverstanden ist und dass es zwischen mir und meinem Dad deshalb auch schon ordentlich geraucht hat, liegt auf der Hand. Mittlerweile sind wir aber beste Kumpels, schließlich habe ich ihm bewiesen, dass man auch als Musiker ein verantwortungsvoller Familienvater mit gesichertem Lebensunterhalt sein kann.

Sind Rise Against eine ambitionierte Band? Habt ihr das nächst höhere Level stets im Blick? Wir sind ambitioniert, aber trotzdem noch immer völlig überwältigt von unserem derzeitigen Status. Wir wollten eigentlich nie mehr als im Van durch Amerika reisen, Konzerte spielen und auf den Fußböden anderer Punks übernachten. Deshalb fällt es mir schwer zu verstehen, wieso manche Band einen Status anstrebt wie den von U2 oder den Rolling Stones. Alles, was wir wollten, war so cool zu werden wie Black Flag, Minor Threat oder Pennywise. Text: Florian Hayler Heimat: riseagainst.com

WHO THE FUCK IS ZACH BLAIR? Der Gitarristenposten bei Rise Against ist ein Schleudersitz. Nach Mr. Precision, Kevin White, Todd Mohney und Chris Chasse heißt der neue Mann an den sechs Saiten Zach Blair, und der macht laut Aussage von Tim McIlrath eine exzellente Figur: „Zach hält sich angenehm im Hintergrund und versucht, meine und Joes (Principe, Bass) Vision vom Rise Against-Sound in die Praxis umzusetzen. Das ist ihm auf dem neuen Album auch sehr gut gelungen, von daher haben wir hoffentlich eine lange gemeinsame Zukunft.“


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THE SPINTO BAND Das Kind im Manne

„Wir sind ziemlich hyperaktive, spaßige Typen, die viel herumalbern und einen guten Sinn für Humor haben. Wir nehmen uns selbst nicht so ernst.“ So Jeffrey Hobson auf die Frage, ob er und seine fünf Spinto Band-Kumpels keine Lust hätten, mal ein bisschen erwachsen zu werden. Wer sich ‘Moonwink‘, das offiziell zweite Album der Ostküsten-Indie-Popper, zu Gemüte führt und sich durch ihr liebevoll gehegtes Internet-Universum klickt, könnte meinen, die jungen Herren hätten auch mit Anfang/Mitte 20 immer noch vor allem eines im Kopf: Flausen. In selbstgemachten Nonsens-Werbespots zur neuen Platte fachsimpeln sie im Gemüsebeet über die kommende Ernte oder machen auf der Veranda einem Bienennest den Garaus. Ganz zu schweigen vom Video zur Single ‘Summer Grof‘, in dem die Rasselbande aus Delaware von einem Bombardement aus Wasserbomben, Mehl, Farbe und Konfetti richtig schön eingesaut wird. Da überrascht es doch ein wenig, wenn sich Spinto Band-Schlagzeuger Jeff als eher dröger Gesprächspartner entpuppt, der sich unerwartet vernünftige, fast langweilige Statements aus der Nase ziehen lässt. So ist zu erfahren, dass das, was auf ‘Moonwink‘ aufgekratzt und leichtfüßig wie eine

Irgendwie farbenblind: The Spinto Band aus Delaware.

Art Clap Your Hands Say Yeah meets frühe Weezer daher kommt, das Ergebnis langwierigen Feilens ist. „Nick (Gesang/Gitarre) und Thomas (Gesang/ Bass) bringen normalerweise die Grundidee eines Songs zur Probe und dann arbeiten wir ein paar Monate dran. Wir schreiben Pop-Stücke und haben gerne alles exakt.“ Überhaupt sei das Sextett, das bereits seit frühen Teenie-Tagen gemeinsam musiziert, nicht an Schnellschüssen interessiert. „Unser

Ziel ist eine langfristige Karriere im Musikgeschäft. Wir wollen uns entwickeln, die Dinge langsam nehmen und sicher gehen, dass wir sie richtig machen.“ Herrjemine, ganz so erwachsen muss es nun auch nicht sein. Dann doch lieber die übliche Portion Kindskopf-Charme, Jungs. Text: Nina Töllner Heimat: spintoband.com


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COLD WAR KIDS

Unter der Sonne Kaliforniens Matt Maust, Bassist der Cold War Kids, ist in der Amtszeit von Ronald Reagan groß geworden, unser Autor Heiko Reusch hingegen verbrachte seine Kindheit unter Helmut Kohl. Zwei Geschädigte, ein Thema: Der Kampf zwischen Ost(küste) und West(küste). Matt Maust sieht erschöpft aus. Die Augenränder sind so groß wie Teller, das Gesicht ist eingefallen, der Bart lang und zersaust. Fehlt eigentlich nur noch eine nachdenklich Pose in schwarz-weiß und schon würde eine fleischgewordene Bild-Fantasie von Anton Corbijn da sitzen. Doch inszeniert ist hier nichts. Matt ist einfach nur übermüdet. Die Veröffentlichung von ‘Loyalty To Loyalty‘, dem zweiten Album der Cold War Kids aus San Diego steht an, und ab Ende September beginnt eine drei Monate dauernde Tour durch die USA und Europa. Wer mit so viel Druck im Nacken noch frisch wirkt, der steht – das haben wir mittlerweile gelernt – unter dem Verdacht des Fremdblut-Dopings. „Keine Sorge, mir geht’s gut“, wirbelt Matt trotz all des Stresses heraus und schießt hinterher: „Ich bin süchtig nach Aktion. Kaum hatten wir letztes Jahr zu Ende getourt, da wollte ich, dass es wieder weitergeht. Ich war wie auf Entzug und wollte sofort wieder Musik machen und touren.“ Das klingt erst einmal nach künstlerischer Manie wie sie im Klischee-Bilderbuch steht und erinnert an das Schlagzeug-verprügelnde „Animal“ aus der Muppet-Show – doch die Musik der Cold War Kids klingt nicht nach Übereifer, Hektik oder gar Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Die Mischung aus Blues, Country und Indie-Rock ließ die Songs auf dem umjubelten Debütalbum ‘Robbers & Cowards‘ eher gemächlich dahin gleiten. Wenn es so etwas wie vertonte Entschleunigung gibt, dann wurde sie von den vier Jungs aus Kalifornien vorbildlich auf Platte gebannt. Doch nicht überall in den USA freute man sich über das Debütalbum. Mit dem Zeigefinger deutete man auf die „christlichen Texte“ der Band und rümpfte erst einmal die Nase. Statt rotziger Gossenattitüde verbreiten die Cold War Kids in den Texten eher die zwischenmenschliche Liebe, was in Zeiten des US-Super-Christentums bei vielen Indie-Liebhabern nicht so recht zünden wollte. Indie und der Stoff aus dem Konfirmationsunterricht - das geht nicht zusammen, das muss sich feindlich gegenüberstehen – so will es eines der letzten Gebote des Indie-Genres. „Das Interessante ist“, sagt Matt, „dass der Vorwurf, wir seien zu christlich in unseren Texten, vor allem von den Journalisten der Ostküste kam, in Europa hat das niemanden interessiert. Für die Ostküstler passen aber auch Worte wie ‘Kalifornien‘ und ‘Indie-Band‘ nicht so wirklich zusammen. Indie in den USA - das kommt traditionell aus New York, Athens oder aus Seattle. Oft wurden wir in Interviews von New Yorker Journalisten gefragt, wie wir in Kalifornien leben könnten. Die verbinden alles mit Kalifornien, was furchtbar ist: Schwarzenegger, Botox-Frauen und den ganzen Hollywood-Glamour. Manchmal glaube ich, wir hätten uns ‘Cold War Indie Kids‘ nennen sollen – so feindlich stand uns das Ostküsten-Lager gegenüber. Es ist ja auch eine ziemlich große Distanz und natürlich feiern die lieber ihre eigenen Bands ab. Das sind eben deren Prioritäten.“ Vieles an der Westküste nerve auch ihn, doch so oft sei er ja gar nicht da, weil er eben mit den Cold War Kids so viel toure, sagt Matt und zappelt dem Album-Release, den Fragen des nächsten Journalisten und der anstehenden Tour entgegen. Auftakt dafür ist übrigens in San Diego, dann folgen Gigs in Los Angeles und San Francisco. An die Ostküste, nach New York, wagen sich die Cold War Kids erst viel, viel später. Ja, auch die Indie-Herrschaften aus Kalifornien wissen, wie man Prioritäten setzt. Text: Heiko Reusch Heimat: coldwarkids.com Cold War Kids v. links: Matt Aveiro, Jonnie Russell, Nathan Willet, Matt Maust

COLD WAR KIDS AUF TOUR 11.11. Frankfurt - Mousonturm *** 12.11. Hamburg - Knust *** 15.11. Berlin - Lido *** 18.11. München - Atomic Café


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PETER FOX 21st Century Fox

Dieser Tage purzelt nun schon das zweite E mit einem Soloalbum aus dem Seeed-Kosmos. Nach Demba ist es nun Pierre, der als Peter Fox mit ’Stadtaffe’ seine „Filmmusik zum Dänzen“ veröffentlicht - und dieser Untertitel hält, was er verspricht. Wer die Single kennt, mag denken, dass ’Alles Neu’ nur zum Teil stimmt. Auch für den Rest des Albums gilt: man hört schon genau, wo der Herr Fox sonst so hinter einem der Mikros steht. Aber dann stimmt es eben doch. „Kein Song des Albums wäre so mit Seeed möglich gewesen. Dann hätte ich ja vorschlagen müssen: ‘Geht mal alle Kaffee trinken, ich mache zwölf Songs nur mit Drums und Orchester, bei denen ich alles alleine singe.’ Dieser Sound und die Idee, alles konsequent auf deutsch zu machen, ist nicht Seeed-kompatibel. Deshalb musste ich das auch ohne Seeed machen“, fasst Pierre das Konzept des Albums zusammen und gähnt. Die gestrige Nacht im Studio scheint eine lange gewesen zu sein.

Müde, aber zufrieden sitzt er auf seinem Sessel und nimmt sogar die Information, dass das Mittagessen

auf Grund des immensen Journalistenandrangs leider ausfallen muss, gelassen. Die bisherigen Resonanzen der schreibenden Zunft „sind super! Außer die vom Rolling Stone. Die haben gesagt, das sei doch wie Bushido - nur ohne den ekligen Sex und mit Geigen“, lacht er und schüttelt den Kopf. „Als ich hörte, dass sie nichts über meine Platte machen wollten, hat mich das schon enttäuscht. Es hätte mich gefreut, wenn auch Menschen, die irgendwo bei Bob Dylan stehen geblieben sind, etwas über sie hätten lesen können.“

Eigentlich wollte Pierre das Album ja nur produzieren, deshalb stand am Anfang die musikalische Idee: „Ich wollte etwas machen, was es so noch nicht gegeben hat und hatte genug von den ganzen Synthie-Beats. Auf E-Gitarren stehe ich auch nicht so,

denn erstens ist zu dem Thema irgendwie schon alles gesagt und zweitens machen sie ganz schnell jeglichen Raum in der Musik zu.“ Also ging es zurück in die Zukunft: Schlagzeug und Orchester liefern die komplette Musik und damit einen ganz eigenen Sound, der intensiv, fett und dabei gleichzeitig filigran ist, der mitten im Bauch landet und von dort unweigerlich in Füße, Beine, Arme, Hände und Hintern krabbelt.

Von Anfang an also kein bescheidenes Projekt. Aber solo heißt ja auch nicht, dass man wirklich alles alleine machen muss, und so kommt allerlei Unterstützung von der etwas entfernteren Seeed-Verwandtschaft: Einer der Schlagzeuger, die in einer dreiwöchigen Trommel-Session in Frankreich die Beats einspielten, ist Roy, der schon bei Miss Plat-


num und Lychee Lassi hinter den Fellen saß. Zwei Bands, die auch Vincent Graf von Schlippenbach aka DJ Illvibe als Mitglied oder Produzent kennt. Ganz abgesehen davon, dass er bis 2005 bei Seeed hinter den Turntables stand, inzwischen Teil des Produktionsteams „The Krauts“ ist (das nicht nur Miss Platnum oder Boundzound produziert hat, sondern auf derselben Etage residiert, auf der sich auch der Seeed-Proberaum befindet), war er auch an dieser Produktion entscheidend beteiligt. Wer jetzt den Faden verloren hat, merkt sich einfach, dass es um so was wie Familie geht.

Bevor das Orchester ins Spiel kommen konnte, brauchte man die entsprechenden Partituren. Also suchte und sammelte Vincent Orchesteraufnahmen, die dann zerschnipselt und neu zusammengesetzt wurden. Pierre bastelte am Klavier oder am Synthie Dummys mit Plastik-Strings und dann kam ein Fachmann, der alles mit den jeweiligen Notenschlüsseln der unterschiedlichen Instrumente niederschrieb, um die Ideen für das echte Orchester spielbar zu machen. „Das war ein ganz schöner Aufwand, hat aber Spaß gemacht. Für das Orchester war es natürlich ein relativ abstraktes Spielen. Wir haben das ja dann teilweise noch mal auseinander genommen oder umgeschnitten.“

Bis hierher lief alles noch nach Plan, denn Pierre wollte das Album ja nur produzieren, singen sollte Thomas Callaway, besser bekannt als Ce-Lo Green. „Die Instrumentals waren fertig, als sich heraus kristallisierte, dass Cee-Lo auf Grund des immensen Erfolges von Gnarls Barkley keine Zeit haben würde. Inzwischen war auch schon wieder ein Jahr vergangen und die letzte Seeed-Platte lange genug her, so dass ich auch wieder Lust hatte zu texten. Nach und nach hatte ich auch genügend Themen zusammen und eine erste Vision auch für die sprachliche Seite des Albums. Das wurde dann zu einer neuen Herausforderung: eine gute deutsche Pop-Platte zu machen, die gut gereimt ist, zu der man sich bewegen kann, und die sich inhaltlich um Sachen dreht, die mich bewegen und meine Gefühle widerspiegeln.“

„Ich hatte die Themen und habe angefangen zu schreiben, aber man kommt dann irgendwann an einen Punkt, wo es gut ist, jemanden zu haben, dem du das mal vorlesen kannst, der dich verbessert oder einen Vorschlag macht. So macht das auch viel mehr Spaß.“ An dieser Stelle kommt Monk aka Duffy ins Spiel, der zum gedank- und textlichen Sparringspartner wurde. Im Ergebnis eine verdammt fruchtbare Zusammenarbeit, denn die Texte sind ernst bis ironisch, kitschig bis böse, traurig bis albern, die Reime sitzen perfekt und das Spiel mit den Worten ist schlau. Erstaunlich übrigens, wie am Ende Musik und Text zu einer Einheit werden, obwohl in diesem Fall ja die Musik immer zuerst da war.

Natürlich geht es immer mal wieder und immer anders auch um das schwache Geschlecht, das man hier anbetet, dort zur Bar trägt, mit dem man am See 20 Kinder zeugt, das Trauer trägt, wenn man(n) weiter zieht, das putzt, kocht, tanzt, Haut zeigt und einen rettet, wenn man mal wieder den Kopf verloren hat. Kein Wunder, schließlich war es entscheidend und von Anfang an an all dem hier beteiligt - denn: „Singen kommt bei den Bräuten gut an“. Pierre lacht. „Am Anfang war das schon eine Motivation. In einer Band Gitarre spielen war cool, aber singen wollte keiner. Ich hab‘s dann trotzdem mal probiert und schnell gemerkt, dass die Frauen das super finden. Ich bin vor Scham im Boden versunken, als ich mich selbst gehört habe, aber irgendwelche Mädchen fanden‘s toll und das war auch ein Grund, dabei zu bleiben.“

Es hat sich gelohnt - für uns und für ihn, die „Abrissbirne der deutschen Szene“, der laut Presseinformation jetzt und hiermit auszieht, ’die deutsche Pop-Musik zu retten’. Kein unbescheidener Auftrag, aber hey, wer es schafft, als Seeedling tatsächlich mit dem Kiffen aufzuhören, der kriegt auch das hin. „Das war sicher nicht die erste Motivation, dieses Album zu machen. Aber ja, ich finde vieles hier zu vermottet und öde und habe das Gefühl, dass sich die Leute tendenziell zu schnell zufrieden geben. Natürlich ist nicht alles scheiße, aber dafür, dass wir 80 Millionen sind, die in einem Land leben, das eine durchaus relevante Musikgeschichte hat, finde ich das meiste dann doch reichlich schwach. Es ist schade, dass viele Leute so viel wollen, aber so wenige bereit sind, alles dafür zu geben.“

Pierre hat alles gegeben - so und so, wenn auch mit einem kalkulierbaren Risiko. Die nächste Überraschung wird uns dann Ende November erwarten, denn dann werden wir wissen, wie er die Herausforderung lösen wird, diesen Film auf eine Bühne zu bringen. Der Cast steht schon fest und erinnert ebenfalls an Seeed: „Es werden insgesamt zwölf Musiker sein, davon sind fünf Schlagzeuger.“ Apropos - keine Frage übrigens, ob es sich bei dem Album eher um Musik für zwölf Filme oder doch für zwölf Szenen aus ein und demselben Film handelt: „Durch den Sound, der ja aus einer Drum-Session und immer demselben Orchester besteht, ist es für mich eine Einheit. Klar gibt es den ein oder anderen Ausreißer, aber im Großen und Ganzen geht es um die Themen eines Typen, der über 30 ist und in einer großen Stadt lebt - egal, ob das jetzt Berlin, Hamburg, Madrid oder London ist.“ Großes Kino eben. Text: Caroline Frey Fotos: Erik Weiss/Felix Broede Heimat: peterfox.de

PETER FOX AUF TOUR 28.11. Osnabrück - Rosenhof *** 1.12. Mannheim - Capitol *** 3.12. Nürnberg - Hirsch *** 6.12. München - Muffathalle *** 8.12. Köln - LMH *** 9.12. Dresden - Schlachthof *** 10.12. Hamburg - Große Freiheit *** 12.12. Berlin - Postbahnhof


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KONZERTE DES MONATS

unclesally*s magazine

KONZERT DES MONATS THE RIFLES

19.9. New York - Mercury Lounge

Man erwartet so einiges, geht man in New York zu einem seit Wochen ausverkauften Konzert. Musikliebhaber mit kurios gestylten Haarkreationen und außergewöhnlichen Schuhen, die sich euphorisch in einen kochenden Club pferchen, in dem Blut und Wasser von der niedrigen Decke tropfen. Die Decke ist niedrig und heiß wird es langsam auch, aber man wartet vergeblich darauf, von nach vorne drängenden Mitkonzertgängern überrannt zu werden. Vielleicht lag es an der vorgerückten Stunde oder den einlullenden Vorbands - der kanadischen Singer/Songwriterin Lidi Ortega und den Folk-Poppern Noah And The Whale -, aber das seit Wochen die Rifles herbeisehnende Publikum in der „Mercury Lounge“ hält sich spürbar zurück und verfolgt das Set der angereisten Londoner mit leichtem Kopfund rhythmischem Fußwippen. Im Gegensatz zu ihrem Publikum spielen sich The Rifles zackig, aber ein wenig schweigsam durch ihr atemloses Set. Dabei wird der allbekannte Opener „She’s Got Standards“ mit derselben Portion Post-Euphorie bedacht wie die beiden darauf folgenden neuen Songs. Der Rest des Sets ist eine ausgewogene Mischung aus alten RiflesLieblingsliedern und neuen Anwärtern darauf. Unschlagbares As in den hochgekrempelten Ärmeln der

Band sind ihrer unwiderstehlichen Hymnen, unter anderem das Single-würdige Highlight des im Februar erscheinenden neuen Albums namens „Pavement Diaries“. Die Handvoll deutscher Fans im Publikum haben schon mal einen Vorgeschmack erhalten, auf

das, was da im Oktober auch hierzulande live zu hören und zu erleben sein wird. Gut so, denn irgendwie fehlt da schon etwas, wenn man bei so einem Konzert nicht wenigstens einmal angerempelt wird... Text & Foto: Maritta Seitz

KONZERTFOTOS OF DEATH Ihr geht doch alle auf Konzerte. Und macht dabei - Fotos? Die wollen wir sehen. Und prämieren. Denn an dieser Stelle küren wir die „Konzertfotos Of Death“ - egal, ob mit Handy oder der Digitalen geschossen. Schickt uns euer Konzertfoto inklusive Namen der geknipsten Band/Person, Ort, Datum und zwei Sätzen dazu, wie’s so war, auf dem Konzert. Entweder per Mail an sallys@sallys.net oder aber ihr ladet euer Foto ganz einfach auf sallys.net hoch. Da könnt ihr dann auch die Fotos der anderen bestaunen und euren Senf dazugeben. Die besten, schrägsten und lustigsten aus den letzten Wochen zeigen wir euch hier: GEKNIPST VON: DEEZ

1000 ROBOTA 16.8. Hamburg - Dockville GEKNIPST VON: DEEZ

Den rotzigen Deutsch-Punk von 1000 Robota durften Dockville-Besucher gleich zweimal erleben. Auch wer die Band noch nie zuvor gehört hatte, konnte Texte wie „Wir bauen eine neue Stadt“ problemlos mitgrölen.

Mit so einem vergleichsweise heftigen Auftakt des sonst eher gemütlichen Indie-Festivals Dockville waren viele Besucher anscheinend überfordert - oder sie hatten es Freitag nicht bis um 17.00 Uhr zur Hauptbühne geschafft. Escapado eröffneten die dreitägige Sause auf der Elbinsel mit ihren durchdachten Indie/Hardcore-Meisterwerken. Gemosht wurde wenig, dafür ließen sich tolle Fotos schießen...

der Editors, bei einer kleinen Akrobatikeinlage auf seinem Klavier zu dem Song „Push Your Hands Towards The Air“.

GEKNIPST VON: M45C

Die beiden Jungs aus Glasgow sehen sich selbst mit ihren Songs in bester Tradition von den Beatles und Simon & Garfunkel - und wer sie auf ihrer Tour live erleben durfte, wird dem kaum widersprechen...

GENTLEMAN 10.8. Köln - Domplatte GEKNIPST VON: JOEKEEPSROCKING

Ein cooles Konzert in einer beeindruckenden Location.

GEKNIPST VON: KATHRIN MÜLLER

Zu sehen ist Tom Smith, der Sänger

THE HELLACOPTERS 15.9. Hamburg – Markthalle GEKNIPST VON: FRANGELIC

EDITORS 16.8. Berlin – Zitadelle/Motor im Grünen Festival ESCAPADO 15.8. Hamburg – Dockville

10.8. Berlin – Zimmer 16

MARTIN AND JAMES

Danke an unclesally*s für die Tickets - war ein tolles Konzert - und so voll habe ich die Markthalle wohl noch nie erlebt! ALLE wollten die Hellacopters noch mal sehn...


unclesally*s magazine

BEATSTEAKS 29.8. Berlin – Wuhlheide

ab dem ersten Lied in eine hüpfende, springende und innerhalb kürzester Zeit ziemlich verschwitzte Masse. LTJ waren gut gelaunt, machten Fun und berichteten in teilweise recht langen Ansagen zwischen den Songs über ihren Tagesverlauf. Allerdings, wer kauft sich schon eine Eintrittskarte, um zu hören, dass vor dem Konzert ein fränkischer Braten geschmeckt hat?!

KONZERTFOTOS OF DEATH/TOURBUS

Im Tourbus mit:

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präsentiert von

EL*KE

GEKNIPST VON: EYEDEA

Für alle Leute am Radio und die, die nicht dabei sein konnten. Es spielten sich unfassbare Szenen ab - nackte Oberkörper, Orgien...

JENNIFER ROSTOCK 10.8. Eschwege - Open Flair Festival GEKNIPST VON: NICKI RAMONE

Die Jennifer wollte sich trotz mehrerer Aufforderungen einfach nicht ausziehen. Dafür aber das Publikum - und der Mikroständer wurde zum Kleiderschrank.

BE YOUR OWN PET 26.8. London - Dingwalls GEKNIPST VON: SARAH

Das beste Konzert überhaupt, inklusive absolutem Chaos, Zerstören der Instrumente und abschließendes Bühnestürmen aller Fans. Krönender Abschluss des leider allerletzen Konzerts der Band...

DREDG 4.9. München – Muffathalle GEKNIPST VON: MALACLYPSE

Gavin Hayes ist ein komischer Kauz: Statt Songs anzusagen, tippt er wie einst Jack Nicholson in „Shining“ auf einer alten Schreibmaschine rum, zerknüllt den Zettel und wirft ihn ins Publikum. Was wohl drauf stand?

MANDO DIAO 23.8. Uelzen – Albrecht-Theer-Platz

Eben noch auf Tour mit Billy Idol und Anheizer für Iggy & The Stooges, ist die Berliner Rock-WG El*Ke, bestehend aus Peter, Mücke und Hubi, nun solo unterwegs. Klar, dass da per Anhalter reisende Bordsteinschwalben gerne gesehen sind. Wie sieht er aus, der ideale El*Ke-Tourbus? Peter: Ein Mercedes-Sprinter voll mit Zigaretten, Getränken und einer täglich frischen Bild-Zeitung. Mücke: Mal ein „Sponge Bob“-Heftchen mit Plastikspielzeug oder eine SpiegelAusgabe wäre auch nicht verkehrt. Hubi: Schön wäre eine Karre, bei dem nicht immer alle Flaschen auf die Straße kegeln, sobald man die Tür aufmacht. Wer wird am häufigsten geblitzt? Peter: Hubi, weil der immer fährt! Mücke fährt nie. Hubi: Ich habe zurzeit 14 Punkte in Flensburg, aber das ist mir egal. Als Beifahrer verfalle ich immer in panische Angst, deshalb muss ich selbst ran. Nur manchmal, nach einem Konzert oder einer feucht-fröhlichen Aftershow-Party, darf ein anderer hinter’s Steuer. Um welche Gegenden macht ihr einen weiten Bogen? Mücke: München ist nicht wirklich entspannt. Die Leute sind alle nett, aber wir sind neulich in einer Nacht dreimal von der Polizei angehalten worden, auf einer Strecke von zwei Kilometern! Dabei ist die Stadt doch SPD-regiert... Wo gibt’s die schönsten Mädchen? Peter: Berlin, Hamburg, Köln und Dresden. Und da, wo Meer und gute Luft ist. Mücke: Obwohl die knackigen Hühner auf der Schneepiste in Val Thorens auch nicht zu verachten sind. Trotz der Moonboots. Ein typisches Raststätten-Ritual? Peter: Als erstes gehen wir pinkeln. Danach gibt’s meist Kaffee und diese Heißwürstchen, die in dem Wassertrog an der Kasse stehen - seit morgens um sechs... Hubi: Wenn wir nichts kaufen, sondern nur auf’s Klo wollen, dann springen wir auch mal übers Drehkreuz...

GEKNIPST VON: DEEZ

Lass es Liebe sein!

Nehmt ihr in eurem Tourbus Leute mit? Hubi: Meistens haben wir keinen Platz, aber neulich haben wir eine Anhalterin mitgenommen. Die hat später sogar noch einen Fünfer dazugetan... Text: Florian Hayler Foto: Ben Wolf

Heimat: alleselke.de

EL*KE AUF TOUR LESS THAN JAKE 19.8. Würzburg - Soundpark Ost GEKNIPST VON: ROLAND HORNAUER

Rund 350 Besucher bekamen den gewohnt satten und energiegeladenen Ska-Punk von LTJ ab. Folglich verwandelte sich zwei Drittel davon

THRICE 20.8. Münster - Sputnikhalle GEKNIPST VON: MAZ

Thrice, ein Traum auf CD, unbeschreiblich live. Die wohl beste LiveBand, die zurzeit auf irdischem Boden wandelt (im Bild der Virtuose Teppei).

2.10. Lübeck – Treibsand *** 3.10. Meppen – Kolpinghaus *** 4.10. Hannover – Faust *** 8.10. Oldenburg – Amadeus *** 9.10. Köln – Luxor *** 10.10. Braunschweig – Merz *** 11.10. Bielefeld – Falkendom *** 14.10. Hamburg – Knust *** 15.10. Berlin – Postbahnhof *** 16.10. Erfurt – Engelsburg *** 17.10. Dresden – Groove Station *** 18.10. Magdeburg – Blow Up *** 22.10. München – 59 to 1 *** 23.10. Stuttgart – Keller *** 24.10. Düsseldorf – Rolling Stone im Ratinger Hof *** 25.10. Dortmund – FZW *** 26.10. Wiesbaden – Schlachthof *** 31.10. Erlangen – E-Werk * wird fortgesetzt


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PRÄSENTIERT

unclesally*s magazine

Foto: Nebiat Yainishet

PRÄSENTIERT

TOUR DES MONATS TREND

Auf die Straße, fertig, los! Als Harald Schmidt Witze über „die dicken Kinder von Landau“ riss, hatten Trend grade Stefan „Fezer“ Freisberg als Frontmann rekrutiert und damit ihr Line-Up komplettiert. Die Witze von Schmidt sind längst so gut wie vergessen, für Trend hingegen geht es inzwischen in die nächste Runde. Mit ihrem dritten Album „Vier“ (lustig…) im Anschlag ziehen die Pfälzer in Kürze wieder durch die Clubs, um Verweigerungshaltung 2.0 live zu präsentieren. „Wir Haben Einen Auftrag“ proklamierte das Quartett auf „Das Produkt“, und der ist auch fünf Jahre nach Veröffentlichung ihres Debütalbums noch lange nicht erfüllt. Zu clever, um Deutsch-Punk zu sein, zu provokant, um als Indie-Klamauk durchzugehen, positionieren sich Trend auch mit ihrem neuen Album direkt neben Turbostaat und Muff Potter.

TREND AUF TOUR

Nicht nur Attitüde, auch die Bühne haben sich Peter, Fezer, Boris und bereits mit beiden Bands geteilt. Nun geht es für Trend abermals auf Tour, um zu beweisen, dass nicht nur dicke Kinder aus Landau kommen, sondern auch Musik, die begeistern und verändern kann. Trend eben.

10.10. Hannover – Glocksee *** 11.10. Darmstadt – Knabenschule *** 12.10. Kassel – tba *** 13.10. Bremen – Nook *** 14.10. Siegen – Vortex *** 15.10. Münster – Gleis 22 *** 16.10. Dortmund – FZW *** 17.10. Hamburg – Molotow *** 18.10. Köln – Gebäude 9 *** 19.10. Freiburg – White Rabbit

Mit einer E-Mail an verlosung@sallys.net habt ihr die Möglichkeit, für sämtliche von uns präsentierten Shows den ein oder anderen Gästelistenplatz zu ergattern. Bitte schreibt den Namen eurer Wunschkonzert-Combo in den „Betreff“ und gebt eure Adresse an! AIRBOURNE

17.12. Berlin - O2 Arena (+ Die Toten Hosen) 18.12. Hamburg - Grünspan 19.12. Hannover - TUI Arena (+ Die Toten Hosen) 21.12. München - Backstage 22.12. Bremen – AWD (+ Die Toten Hosen) 23.12. Erfurt – Messe (+ Die Toten Hosen) 26.12. Frankfurt – Festhalle (+ Die Toten Hosen) 28.12. Aschaffenburg - Colos-Saal 29.12. Köln – Arena (+ Die Toten Hosen)

BETA SATAN

09.10. Berlin - Postbahnhof 10.10. München - Backstage

02.11. Berlin – Columbiahalle 04.11. Rostock – Moya 05.11. Kiel – Max 06.11. Bremen – Modernes 07.11. Köln – Palladium (ausverkauft!) 08.11. Morbach – Baldenauhalle 17.11. Offenbach - Capitol 18.11. Hannover – Capitol 20.11. Würzburg – Soundpark Ost 21.11. Stuttgart – Zapata 23.11. Nürnberg – Hirsch 24.11. Mannheim – Capitol 27.11. Münster – Skaters Palace 28.11. Kaiserslautern – Kammgarn 29.11. Fulda - Kreuz 27.12. Köln - Palladium

DYNAMITE DELUXE

BONAPARTE

28.10. Berlin - Admiralspalast 29.10. Chemnitz - Weltecho 30.10. Dresden - Chemiefabrik 31.10. Leipzig - Sweat 01.11. Pfaffenkirch - Boogaloo 03.11. München – 59 to 1 04.11. Ulm - Club Eden 05.11. Stuttgart - Keller 06.11. Köln - Tsunami 12.11. Münster - AMP 13.11. Kassel - K19 14.11. Hannover - Glocksee 15.11. Hamburg - Uebel & Gefährlich

CLUESO & BAND

21.10. Suhl – CSS 28.10. Hamburg – Docks 29.10. Hamburg – Docks (ausverkauft!) 30.10. Dresden – Alter Schlachthof 31.10. Münster – Skaters Palace (ausverkauft!)

16.10. Bochum – Matrix 20.10. München – Muffathalle 21.10. Köln – E-Werk 23.10. Oldenburg – Weser-Ems-Halle 24.10. Hameln – Sumpfblume 25.10. Dresden – Alter Schlachthof 26.10. Kassel – Musiktheater 28.10. Nürnberg – Hirsch 29.10. Kempten – Kulturbox Allgäu 30.10. Wiesbaden – Schlachthof 31.10. Freiburg – Haus der Jugend 01.11. Mannheim – Alte Feuerwache 02.11. Saarbrücken – Garage 07.11. Hamburg – Große Freiheit (ausverkauft!)

EARTHBEND

04.10. Oberhausen - Zentrum Altenberg 16.10. Hannover - Faust 20.10. Freiburg - Jazzhaus 21.10. Erlangen - E-Werk 22.10. Rostock - Mau Club 23.10. Leipzig - Conne Island 27.10. Dresden - Groove Station 28.10. Köln - Underground 30.10. Konstanz - Kantine 31.10. Immenstadt - Rainbow 14.11. Stuttgart - Keller Klub 15.11. Nürnberg - Club Stereo 16.11. Hannover - Faust 17.11. Mainz - Asta Cafe 18.11. Torgau - Kulturbastion 20.11. Berlin - White Trash

22.11. Magdeburg - Sackfabrik 28.11. Erfurt – Stadtgarten 12.12. Osnabrück – Westwerk

19.11. Oberhausen – Turbinenhalle 20.11. Wiesbaden – Schlachthof 21.11. München – Tonhalle

EL*KE

THE FOALS

02.10. Lübeck – Treibsand 03.10. Meppen – Kolpinghaus 04.10. Hannover – Faust 08.10. Oldenburg – Amadeus 09.10. Köln – Luxor 10.10. Braunschweig – Merz 11.10. Bielefeld – Falkendom 14.10. Hamburg – Knust 15.10. Berlin – Postbahnhof 16.10. Erfurt – Engelsburg 17.10. Dresden – Groove Station 18.10. Magdeburg – Blow Up 22.10. München – 59 to 1 23.10. Stuttgart – Keller 24.10. Düsseldorf – Rolling Stone im Ratinger Hof 25.10. Dortmund – FZW 26.10. Wiesbaden – Schlachthof 31.10. Erlangen – E-Werk 07.11. Chemnitz – Bunker 08.11. Cottbus – Gladhouse 14.11. Potsdam – Waschhaus 19.11. Bremen – Tower 20.11. Osnabrück – Kleine Freiheit 21.11. Nordhorn – Kleine Scheune 22.11. Herne – Flottmann Halle

FETTES BROT

15.11. Würzburg – S. Oliver Arena 16.11. Erlangen – Heinrich Lades Halle 17.11. Mannheim – Mainmarktclub 18.11. Siegen – Siegerlandhalle 19.11. Göttingen - Stadthalle 21.11. Offenbach – Stadthalle 26.11. Augsburg – Kongresshalle 27.11. Erfurt – Stadtgarten 28.11. Münster – Halle Münsterland 30.11. Magdeburg - AMO 01.12. Rostock – Scandlines Arena 02.12. Oldenburg – Weser-Ems-Halle/Halle 7 03.12. Lingen – Emslandhallen 05.12. Hamburg – ColorLine Arena

FLOGGING MOLLY

12.11. Hamburg – Große Freiheit 18.11. Berlin – Huxleys

21.11. Frankfurt – Batschkapp 22.11. Berlin – Frannz Club 23.11. Köln – Luxor 24.11. München – 59 to 1

THE FRATELLIS

09.11. München - Backstage Werk 12.11. Köln - Live Music Hall 13.11. Berlin - ColumbiaClub

GIRLS IN HAWAII

02.12. Köln – Gebäude 9 03.12. Hamburg – Knust 04.12. Berlin – Lido 05.12. Hannover – Glocksee 06.12. Wiesbaden – Schlachthof

GOGOL BORDELLO

26.11. Köln – Live Music Hall 29.11. Hamburg – Fabrik 30.11. Bochum – Zeche 02.12. Mannheim – Feuerwache 03.12. Saarbrücken – Garage 04.12. Lindau – Club Vaudeville

JENNIFER ROSTOCK

02.10. Passau - Proli 04.10. Traustein – Club Metropolitain 11.10. Nürnberg – Frankenhalle 13.10. Köln – Live Music Hall 16.10. Osnabrück – Rosenhof 17.10. Halle/Saale – Volkspark 23.10. Nürnberg – Hirsch 05.11. Linz – Posthof


19.11. Bielefeld – Stereo 20.11. Frankfurt – Batschkapp 21.11. München – Backstage 04.12. Leipzig – Werk 2 05.12. Erfurt - Centrum 06.12. Dresden – Scheune

08.11. Dresden – Tante JU 13.12. Essen - JZE 20.12. Paderborn – Kulturwerkstatt 26.12. Ratzeburg – Burgtheater 27.12. Münster – Sputnikhalle 03.01.09 Osnabrück – Hyde Park

KAIZERS ORCHESTRA

ORISHAS, STEREO MCS, OHRBOOTEN, LES BABACOOLS

11.11. Kassel – Musiktheater 12.11. München – Muffathalle 14.11. Aschaffenburg – Colos-Saal 16.11. Düsseldorf – Stahlwerk 20.11. Stuttgart – Longhorn 21.11. Berlin – Postbahnhof

KILL HANNAH

12.10. Hamburg – Logo 13.10. Berlin – Knaack 14.10. Aschaffenburg – Colos-Saal 15.10. Köln – Underground 16.10. München – 59 to 1

20.11. Stuttgart – Liederhalle 21.11. Freiburg – Güterbahnhof 22.11. Frankfurt – Jahrhunderthalle 24.11. München – Tonhalle 25.11. Köln – E-Werk 27.11. Hamburg – Docks 28.11. Berlin – Tempdrom

PETER FOX

28.11. Osnabrück – Rosenhof 01.12. Mannheim – Capitol 03.12. Nürnberg – Hirsch 06.12. München – Muffathalle 08.12. Köln – Live Music Hall 09.12. Dresden – Schlachthof 10.12. Hamburg – Große Freiheit 12.12. Berlin – Postbahnhof

PIGEON DETECTIVES

29.10. Hamburg – Uebel & Gefährlich 30.10. Köln – Luxor 31.10. München – 59 to 1 01.11. Berlin – Lido

LOOK SEE PROOF

01.10. Stuttgart – Schocken 02.10. München – 59 to 1 08.10. Berlin – Magnet

MOGWAI

29.10. Köln – Live Music Hall 06.11. Berlin – Huxleys 08.11. Hamburg – Große Freiheit 10.11. Frankfurt – Mousonturm 11.11. Dresden – Alter Schlachthof 12.11. München – Backstage Werk

MONSTER MAGNET

29.10. München – Backstage 31.10. Wiesbaden – Schlachthof 01.11. Köln – Live Music Hall 02.11. Hamburg – Große Freiheit 04.12. Hannover – Capitol 05.12. Saarbrücken – Garage 07.12. Stuttgart – Longhorn 08.12. Nürnberg – Hirsch 09.12. Leipzig – Werk 2 10.12. Berlin – Huxleys

MONTREAL

07.11. Amberg – Klärwerk

OHRBOOTEN

09.12. Berlin – Yaam 10.12. Berlin – Magnet Club 12.12. Berlin – Maria 14.12. Berlin – Cassiopeia

THE ROCKS

01.10. München – Orangehouse 02.10. Stuttgart – Keller Club 04.10. Berlin – Bang Bang Club 05.10. Dresden – Beatpol

ROCKY VOTOLATO

01.10. Freiburg – Auditorium 02.10. Köln – Gloria Theater

THE ROOTS

19.11. Köln – E-Werk 26.11. Hamburg – Docks 27.11. Berlin – Columbiahalle

SMOKE BLOW

14.11. Leipzig – Conne Island 15.11. Chemnitz – Bunker 12.12. Kassel – K19 13.12. Heilbronn – Stereo Total 19.12. Hannover – Chez Heinz

I Am Ghost

THE BRONX Nein, The Bronx stammen nicht aus dem Norden Manhattans, sondern aus Los Angeles, und veröffentlichten bereits zwei selbstbetitelte Alben, vollgeladen mit Garage-Punk-Hits. Im Oktober kommt die Bronx für einen Blitzbesuch nach Köln, um dort nicht nur eines ihrer blut- und schweißtriefenden Konzerte zu spielen, sondern auch die Songs des neuen Albums „Bronx III“ vorzustellen. Pflaster gibt’s übrigens am Tresen.

LIVE 23.10. Köln - Underground THE SUBWAYS

04.11. Saarbrücken – Roxy 05.11. Frankfurt – Batschkapp 06.11. Köln – Live Music Hall 08.11. Bremen – Schlachthof 09.11. Hamburg – Markthalle 11.11. Berlin – Kesselhaus 12.11. Leipzig – Conne Island 13.11. München – Backstage 18.11. Stuttgart – Die Röhre 19.11. Bochum – Zeche 20.11. Münster – Skaters Palace

THOMAS D.

10.12. Berlin – Admiralspalast 11.12. Hamburg – Docks 12.12. Dresden – Schlachthof 14.12. Köln – Live Music Hall 15.12. Stuttgart – Theaterhaus 19.12. München – Tonhalle

11.10. Herford * Line-Up: Fear My Thoughts, Fire In The Attic, Callejon, Parachutes & Special Guest www.x-herford.de

BRITISH MUSIC FESTIVAL

20.10. Berlin – Kesselhaus * Line-Up: Art Brut, Love Minus Zero, Steranko, Russian Gun Dogs, Sly Digs www.kulturbrauerei-berlin.de/programm

T-MOBILE EXTREME PLAYGROUNDS THE STREET SESSION

29. & 30.11. Berlin – Velodrom * Skateboard und BMX Contest * Line Up: The Offspring u.a. t-mobile-playgrounds.de

TURBOSTAAT

02.10. Marburg – Kulturladen Kfz 03.10. Düsseldorf – Stone/Ratinger Hof 04.10. Trier – Exil 05.10. Freiburg – Jazzhaus 09.10. Stuttgart – Landespavillon 10.10. Augsburg – Kantine 11.10. Bamberg – Live Club 12.11. Essen – Zeche Carl 13.11. Frankfurt – Nachtleben 14.11. Erfurt – Centrum 15.11. Hannover – Korn 17.12. Kassel – K19 18.12. Leipzig – UT Connewitz 19.12. Berlin – SO36 20.12. Darmstadt – Oettinger Villa

VAMPIRE WEEKEND

02.11. Hamburg – Uebel & Gefährlich 03.11. Berlin – Kesselhaus 04.11. Köln – Live Music Hall

I AM GHOST Am 2. Oktober erscheint das neue I Am Ghost-Album namens „Those We Leave Behind“. Damit ihr nicht zu denen gehört, die einsam und zurückgelassen im Kämmerlein schmoren, verabredete euch mit euren Emo-Kumpels am besten für eine dieser Shows:

EVENTS

BLESSED BY A BROKEN HEART & I AM GHOST & DEVILS GIFT AUF TOUR

9.10. Hamburg - Docks * Line-Up: Story Of The Year, Horse The Band, MUCC, Callejon www.myspace.com/tasteofchaoseurope

3.11. Bremen – Schlachthof *** 4.11. Hamburg - Logo *** 11.11. Berlin - Kato *** 12.11. Dresden - Scheune *** 18.11. Stuttgart - Landespavillion *** 20.11. München - 59 to 1 *** 29.11. Köln - Underground *** 30.11. Saarbrücken - Roxy *** 1.12. Aschaffenburg - Colos-Saal

HARDCORE/METAL X-CESS II

TASTE OF CHAOS

SALLY*SOUNDS08

10.10. Berlin – Postbahnhof * Line-Up: Travis, The Rifles, The Kilians, Polarkreis 18, Silvester u.a. www.sallys.net

DAS VOLLPLAYBACKTHEATER DIE DREI ??? U ND DIE BEDROHTE RANCH 04.11. Hannover - Capitol 05.11. Bielefeld - Rudolf Oetker Halle 06.11. Hagen - Stadthalle 07.11. Lingen - Theater an der Wilhelmshöhe 08.11. Köln - Live Music Hall (ausverkauft!) 09.11. Herford - Club X 10.11. Oberhausen - Luise Albertz Halle 11.11. Bochum - RuhrCongress (Grosser Saal) 12.11. Lüneburg - Vamos! Kulturhalle 13.11. Bonn - Brückenforum 14.11. Bremen - Pier 2 15.11. Düsseldorf - Stahlwerk 16.11. Mönchengladbach - Das Rote Krokodil 26.11. Berlin - Postbahnhof am Ostbahnhof 27.11. Kassel - Nachthallen (Musiktheater) 28.11. Celle - CD Kaserne 29.11. Oldenburg - Cäciliensaal 30.11. Hildesheim - Audimax der Hochschule 07.12. Osnabrück - Stadthalle 08.12. Krefeld - Kulturfabrik 09.12. Münster - Halle Münsterland 10.12. Köln - Essigfabrik 11.12. Paderborn - Capitol Musiktheater 12.12. Hamburg - Grosse Freiheit 36 (ausverkauft!) 13.12. Hamburg - Grosse Freiheit 36 (ausverkauft) 18.01. Trier - Europahalle 21.01. Stuttgart - Theaterhaus (Halle T1) 22.01. München - Muffathalle 24.01. Augsburg - Reese Theater 25.01. Nürnberg - Hirsch 10.02. Hamburg - Docks


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MIX

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COCA-COLA SOUNDWAVE DISCOVERY TOUR 2008

Live-Finale am 3.Oktober

Am Tag der Deutschen Einheit präsentiert Coca-Cola das musikalische Rahmenprogramm vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Beliebte Bands und Künstler wie Klee, Ich & Ich und Jennifer Rostock werden für euch am 3. Oktober auf die große Bühne klettern. Desweiteren geht an diesem Tage die Coca-Cola Soundwave Discovery Tour 2008 in die finale Runde. Die letzten drei Bands, die nach Online-Voting auf coke.de und Expertenjury-Entscheidungen aus insgesamt 1.200 Kapellen ausgewählt wurden, werden die Show eröffnen. Wer die Soundwave Tour 2008 letztendlich gewinnen wird, dürft ihr entscheiden. Vom 4. bis 20. Oktober gilt es unter coke.de für Samavayo, Mr. Virgin & His Love Army und The Folks abzustimmen. Das Berliner Alternative-Ensemble Samavayo möchte sich nicht lange mit musikalischem Schnickschnack und effekthaschenden Klangspielereien aufhalten: Geradlinig nach vorne gezirkelter Alternative-Rock und eine Live-Dynamik, die sicher jedem Familienausflügler am 3. Oktober die Krawatte aufrollen wird. Nicht weniger emotionsgeladen dürfte es an diesem Tag bei Mr. Virgin And His Love Army aus Worms zugehen. Die flippigen jungen Burschen propagieren ihren „Riot On The Dancefloor“ mit solch frech dahingerotzter Rock’n’Roll-Inbrunst, dass sich

JÄGERMEISTER ROCK:LIGA 2008

The Offspring

13.10. Frankfurt – Batschkapp *** 14.10. Leipzig – Werk 2 *** 15.10. München – Backstage *** 16.10. Stuttgart – Röhre *** 17.10. Erfurt – Centrum Shitdisco

Was: Coca-Cola präsentiert das Fest zum Tag der Deutschen Einheit Wann: 3.10.2008 Wo: Berlin - Brandenburger Tor Live: Klee, Ich & Ich, Jennifer Rostock, Thomas Godoj, Samavayo, Mr. Virgin And His Love Army, The Folks u.a. Finales Online-Voting: 4.-20.10. auf coke.de

METALLICA

Einige Metallica-Fans unter euch werden sicher froh sein, diesen Text hier überhaupt wieder lesen zu können. Ein Veilchen am Auge, ein Bluterguss am Schienbein, eine Unterarmfraktur -- und alles umsonst?

Während die Gruppe A mit Bloodlights, Die Mannequin und Oceansize ihren Sieger mittlerweile küren konnte, geht es vom 13. bis 17. Oktober mit den Partien in Gruppe B im Rock:Liga-Turnier weiter. Hier treffen Metronomys synthetische Klangwelten auf kanadischen Trash-Effekt von Crystal Castles und die schottischen Dance-Punks von Shitdisco. An den folgenden fünf Abenden wird euer Applaus wieder über Sieg oder Niederlage entscheiden können.

METRONOMY & CRYSTAL CASTLES & SHITDISCO AUF TOUR

Die müden Knochen dürften dann spätestens beim Auftritt der jüngsten Finalteilnehmer wieder voll und ganz in die Gelenkpfanne springen. Eine gewisse Vorliebe für die Hochzeiten des Grunge können The Folks aus Darmstadt wohl nicht verleugnen - verquirlen aber das, was da an Pearl Jam und Nirvana erinnern dürfte, mit launigen Melodien im Zeichen des guten alten Gitarren-Pop. Ihr seht also, ein Besuch am Brandenburger Tor dürfte sich lohnen. Alle Infos gibt es unter coke.de.

To Whom The Ball Falls

Aufwärmtraining in Gruppe B

jaegermeister.de

auch noch der letzte Schläfer im Regierungsviertel zur Feier des Tages aus den Kissen pellen wird.

T-MOBILE EXTREME PLAYGROUNDS

The Street Session in Berlin

Nachdem man sich bei der diesjährige Dirt- und Summer Session jeweils über ausverkaufte Reihen freuen durfte, gilt es nun, sich die Tickets für die kommende Street Session zu sichern. Am 29. und 30. November steht im Berliner Velodrom alles im Zeichen der weltbesten Skateboard-Künstler und BMX-Akrobaten. Für die musikalische Unterhaltung werden am Finaltag unter anderem The Offspring sorgen. Wer sich die Bühne mit den Herren teilen wird, bleibt vorerst noch geheim. Alle Neuigkeiten und Infos gibt es natürlich aktuell im Netz unter t-mobile-playgrounds.de

Wann: 29. & 30.11. Wo: Berlin – Velodrom Tickets: 29.11. (Training & Erste Finalrunde)

nur Tageskasse: 5 Euro; 30.11. (Finale und Konzert): 19 Euro; 5-Freunde-Ticket für 76 Euro zzgl. Gebühren

Beim Record Release-Konzert am 12. September in der Berliner o2 World ließen Metallica pechschwarze Wasserbälle von der Decke hageln, die nur mit sehr viel Glück und/oder sehr viel echtem Körpereinsatz zu ergattern waren. Bei uns kam beides zusammen, und da wir außerdem noch so großzügige Kerle sind, verschenken wir unter verlosung@sallys.net (Stichwort: „Nicht gefangen“) unseren eigenen Metallica-Ball an einen von euch, der uns mit einem netten Metallica- Schnappschuss von sich beweisen kann, dass er dieses rare Souvenir auch wirklich verdient hat.


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QUICKIES

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QUICKIES

Alles nur gekauft

REMIX DELUXE MUSIK-CONTEST Gute Ohren und flotte Finger

Klangtüftler aufgepasst. Auf maxi-king.de ist euer Kreativeinsatz gefragt. Verpasst dem Maxi King-Song ein neues auditives Gewand und gewinnt einen einwöchigen Trip für zwei Personen nach Miami - 1.000 Euro Taschengeld gibt’s inklusive. Außerdem winken im Rahmen des Remix Deluxe CodeGewinnspiels unter selber Adresse auch noch andere tolle Preise. Der Code vom Dreier-Pack Kinder Maxi King macht euch hier vielleicht zu einem neuen Peugeot Scooter-, Philips Hifi-System- oder Congstar-Handypaket-Besitzer. Auf sallys.net sollt ihr aber auch nicht leer ausgehen. Wir verlosen das kompakte HiFiMicrosystem MCM700/12 von Philips mit direkter USB-Wiedergabe im Wert von 300 Euro. maxi-king.de

COCA-COLA

Flaschensammeln

In diesen schnelllebigen Zeiten ist es doch schön, wenn man sich auf eine stabile Größe im Leben verlassen kann. Coca-Cola ist seit 122 Jahren keinen Zentimeter vom hauseigenen Originalrezept abgewichen und wird nach wie vor ohne zusätzliche Konservierungsstoffe und ohne künstliche Aromen hergestellt. Verändert hat sich immer nur die Flasche. Mal grün, mal weiß oder gerne auch in Fußball-Sonderedition – drei der historischen Behältnisse gibt´s in je drei exklusiven Coca-Cola-Packages auf sallys. net zu gewinnen. Mit im Paket sind neben dem Flaschentrio auch jeweils eine Coca-Cola-Retrotasche sowie ein Skim-Board.

BIBOP UND KLARMOBIL Bringen euch zum Plaudern

Ölt schon mal die Kiemen. Seit dem 22. September gibt es in 300.000 bibop-Aktions-Sixpacks je einen Gutschein für ein 10-Euro-Startguthaben bei klarmobil.de. Löst einfach unter www.bibop.de/klarmobil oder via Telefon-Hotline den Code von eurem bibop-Sixpack ein und erwartet eure Prepaid-Karte in der Post. Bis zum 30. November 2009 habt ihr Zeit, eure Gutscheincodes einzulösen.Wir haben für einen von euch ein exklusives „bibop Party-Plauder-Paket“ ergattert. Bestehend aus einem Sixpack „bibop black cola“ und „bibop black tropic“, einem G 502 Musik-Handy von Sony Ericsson inklusive klarmobil.de-Prepaid-Karte mit 10 Euro Startguthaben. Obendrauf spendiert der Schwarzbiermix den Sony Bluetooth Lautsprecher MBS-100 zur kabellosen Musikrundumbeschallung auf eurer nächsten Party. Mit etwas Glück könnt ihr das „bibop Party-Plauder-Paket“ bei uns auf sallys.net gewinnen. bibop.de

coke.de

FISHERMAN’S FRIEND

Machen euch zu Skihasen und Pistenrabauken

Warum es sich dieser Tage besonders lohnen dürfte, der Fisherman’s Friend-Homepage mal einen kleinen Besuch abzustatten? Mit etwas Glück kann man vor Ort noch bis Dezember schicke winterliche Preise gewinnen. Zehn limitierte Snowboards von K2 warten hier in hübschem, schwarz-weißgestreiften Fisherman’s Friend-Design auf neue Besitzer. An gleicher Stelle werden außerdem fünf Snowboard-Reisen für jeweils zwei Personen zur Ski & Boarderweek Val Thorens 2009 verlost: Bus-Anreise, Unterkunft, Sechs-Tage Skipass und das Ski & BoarderweekEventticket sind hierbei inklusive. Auf sallys.net verlosen wir im Gegenzug einen praktischen, prall mit Fisherman’s Friend-Pastillen gefüllten K2-Snowboard-Rucksack sowie fünf Winterpakete bestehend aus einer kuschelig-warmen K2 Snowboarding-Bommelmütze, einem Eiskratzer für alle frostigen Lebenslagen und jede Menge starker kleiner Pastillen, die euch die minzefrische Kühle bis an den Gaumen jagen. Noch Fragen? Die Teilnahmekarten gibt es jetzt im Handel, online gewinnt man unter: fishermansfriend.de.

NOKIA N96

Die neue Perle der N-Series

Ein bisschen surreal klingt es schon, was dieses kleine Schmuckstück so alles leisten kann. Das Nokia N96 vereint auf engstem Raum nicht nur 16 Gigabyte Speicherplatz, eine 5-MegapixelKamera, ein integriertes GPS, einen TV-Ausgang und Media Player, es ist außerdem mit einem sogenannten DVB-H ausgestattet, durch den Fernsehen auf hohem Qualitätsniveau und das Abspielen multimedialer Inhalte optimal gewährleistet wird. Wir werden das technische Wunderwerk auf dem sally*sounds08 von euch testen lassen. Mehr zu sehen vom N96 gibt es also demnächst bei sally*sTV auf sallys.net! nokia.de

NICI-WILD FRIENDS KOLLEKTION Freundschaft auf zehn Pfoten

Schoßhund und Schmusekatze bleiben heute mal im Sessel sitzen. Wir machen uns auf den Weg Richtung Wüste, wo die Freunde Mo und Melinda schon sehnsüchtig auf ihren großen Auftritt warten. Mo das Kamel und Melinda die Ameise sind die Stars der neuen Wild Friends-Kollektion aus dem Hause Nici. Neben diesen kleinen sympathischen Gefährten stehen aber auch Taschen und reizende Accessoires für eure Wohnküche ganz im Zeichen wilder Welten. Im Nici-Shop habt ihr jetzt die freie Wahl – doch mit etwas Glück könnt ihr auch eines von drei dieser ungleichen Paare auf sallys. net gewinnen. nici-shop.de


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X-WORT

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QUERGEFRAGT Einfach die Antworten auf die Fragen in die dazugehörigen Kästchen kritzeln, und somit im besten Fall das richtige(!) Lösungswort ermitteln. Das könnt ihr dann per Postkarte oder E-Mail an uns schicken und nehmt damit automatisch teil an der Verlosung von fünf Exemplaren des Travis-Albums „Ode To J. Smith“. Einsendeschluss ist der 1. November ’08. [Sämtliche Umlaute (also ä, ö, ü) werden zu Vokalen (ae, oe, ue) und alle Begriffe werden ohne Leerzeichen geschrieben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.]

WAAGERECHT 3. Michael J. & Peter von Seeed teilen sich diesen Nachnamen (engl.) 6. Musikalisches Kollektiv, unter der Leitung dieses frz. Feldherren 8. Keine Sportlergemeinschaft, sondern Farin Urlaubs Backing Band 10. Headliner der diesjährigen sally*sounds-Vollversammlung 12. Titel des dritten Bloc Party-Albums 15. Pfälzer Band mit Hype-bringendem Namen 16. Kirk Hammits neue Lieblingsband überlässt dieses Tier dem Herrn (engl.) 18. Anderes Wort für Rundfunkempfänger 21. Hobby von Mike Skinner 22. „The Peaceful Riot“ haben wir dieser Band zu verdanken 24. Letzer Tag des Jahres und Opener des sally*sounds08 25. Chem. Verbrennung mit Licht und Wärme sowie Single von Jennifer Rostock 26. Wie Batman, Hulk oder Superman ist auch dieser Kino-Held Profi-Weltretter 27. Dänische Fleischspezialität und Raststätten-Highlight der Band Blue Van

SENKRECHT 1. Einspruchsrecht und Band aus Århus 2. Die auf dem 66° 33' 39" nördl. & südl. Breite gelegenen Breitenkreise kennt man auch mit 18 addiert als Dresdener Band 4. Musikalischer Rhythmus (engl.) 5. Tom Morello ist der ... 7. In diesem „Land“ kann man laut Underoath Kinder an der Hundeleine sehen 9. Acht Jahre hat diese Band gebraucht, um „Black Ice“ zu veröffentlichen 11. Stadt in Frankreich und Band im „Speed Dating“ 13. Sharleen Spiteris Hauptband ist nur dem Namen nach in diesem Staat zu Hause 14. Duncan Lloyd spielt eigentlich in dieser Band 17. „The Hawk Is Howling“ heißt das neue Album von wem? 19. Ab sofort wieder aktive Band von Jan Plewka 20. Schweigen ist Gold, reden ist diese Band (engl.) 23. Das Vollplaybacktheater verfrachtet Die Drei ??? aktuell an diesen Ort 24. Anders für Musikstil 28. „Way To ... “ titelt das neue Ben Folds-Album

Das Lösungswort des Rätsels aus der letzten Ausgabe lautete: „Nashville“.


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KINO

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LEMON TREE

KRABAT

Drei Fragen an: Hiam Abbass Sie ist der einzige palästinensische Filmstar der Welt: Hiam Abbass. Mit Filmen wie „Roter Satin“, „Die syrische Braut“ oder „Paradise Now“ wurde sie zu einem Fixpunkt des europäischen und israelischen Kinos, Zurzeit ist die 47-Jährige in zwei Filmen zu sehen: in Amos Gitais „Trennung“ und in Eran Riklis’ Berlinale-Hit „ Lemon Tree“. Frau Abbass, wer über sie schreibt oder spricht, versucht meist irgendwie ihre Identität und Herkunft zu definieren. Wie beschreiben sie sich selbst? Ich bin Palästinenserin – aber eben gleichzeitig aus Israel. Aber vermutlich irritiert es manche Menschen, dass man sich als Palästinenserin bezeichnet und trotzdem israelische Papiere besitzt. Und dass ich längst seit 20 Jahren in Frankreich lebe – und zusätzlich einen französischen Pass habe – macht die Sache wohl nicht unkomplizierter!

Drei Fragen an: David Kross Beschäftigt sie denn diese Thematik überhaupt? Oder wird das immer nur von außen an sie herangetragen? Indem immer wieder erwartet wird, dass ich mich zu Nationalitäten und Kulturen positioniere, bin ich natürlich gezwungen, mich damit auseinanderzusetzen. Aber privat verfolgt mich das kaum. Ich bin seit 1991 Französin, und von Frankreich aus hat sich mein ganzer beruflicher Werdegang entwickelt. „Lemon Tree“ erzählt vom Nahost-Konflikt, rückt aber eine sehr persönliche Geschichte in den Mittelpunkt. Ist es trotzdem ein politischer Film? Nicht in dem Sinne, dass er dem Zuschauer eine Lektion vermitteln möchte. Es geht dem Regisseur einfach um eine zwischenmenschliche Geschichte, wie sie sich auch in Wirklichkeit innerhalb dieses Konflikts zwischen Israel und Palästina zugetragen haben könnte. Aber natürlich lässt sich auch im Privaten immer etwas Politisches sehen. Interview: Patrick Heidmann

Er ist erst 18, aber David Kross gilt schon jetzt als eine der größten Hoffnungen des deutschen Kinos. Detlev Buck entdeckte den Schleswig-Holsteiner für sein Großstadtdrama „Knallhart“, nun spielt er in „Krabat“ seine zweite Hauptrolle. Und demnächst folgt die dritte: neben Kate Winslet in der US-Produktion „Der Vorleser“! David, kanntest du eigentlich den Roman „Krabat“ von Otfried Preußler? Nein, und auch in meinem Freundes- und Familienkreis war das Buch erstaunlicherweise relativ unbekannt. Aber natürlich habe ich es dann im Vorfeld des Films gelesen. Vielleicht war es sogar hilfreich, dass ich es vorher nicht kannte, denn so konnte ich unvoreingenommen an den Stoff herangehen und hatte nicht schon tausende eigene Bilder im Kopf.

LEMON TREE

KRABAT

Wenn man die täglichen Nachrichten sieht, kommt man sich oft vor wie in einer traurigen Zeitschleife: Selbstmordanschlag in Jerusalem, Angriff auf den Gaza-Streifen, Streit um das Westjordanland. Der israelische Regisseur Eran Riklis komprimiert den Nahost-Konflikt zu einer kleinen Parabel, ohne den Blick für die Komplexität zu verlieren. Die palästinische Witwe Salma (Hiam Abbass) lebt von dem Ertrag ihres Zitronenhains in der West Bank. Als der israelische Verteidigungsminister ins angrenzende Areal zieht, sollen die Bäume auf Grund von Terrorgefahr gefällt werden. Salma beginnt, um ihre Bäume zu kämpfen und zieht nicht nur vor Gericht, sondern auch das Interesse der Medien auf sich. „Lemon Tree“, Publikumsliebling der Berlinale 2008, erzählt einen großen Konflikt anhand eines Einzelschicksals. Dabei tappt er aber nicht in die überambitionierte Symbolfalle, sondern bleibt nah bei seinen lie-

Spätestens seit „Harry Potter“ und „Herr der Ringe“ weiß jedes Kind, dass Fantasy im Kino ein Renner ist. Nur im deutschen Film hat man diesbezüglich den Trend fast verschlafen. So ist es jetzt an Marco Kreuzpaintner, der mit „Sommersturm“ schon den ersten schwulen deutschen Mainstreamfilm inszenierte und zuletzt mit „Trade“ sein selbstbewusstes US-Debüt vorgelegt hat, die Welt der Mythen und Special Effects als erster zu betreten. Seine Verfilmung von Ottfried Preußlers populärem Jugenddrama „Krabat“ über den jungen Titelhelden (David Kross), der in der geheimnisvollen Mühle des Meisters gemeinsam mit anderen jungen Männern nicht nur schwarze Magie, sondern auch über Verantwortung, Liebe und das Erwachsenwerden lernt, erweist sich als durchaus gelungenes Wagnis. Die moderat eingesetzten Effekte

bevoll gezeichneten Protagonisten. Und durch seine ausgewogene Mischung von Komödie und Drama ist es kein moralinsaures Zeigefinger-Kino, sondern ein kluger, verständnisvoller Film. Text: Cornelis Hähnel Kinostart: 2. Oktober 2008


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KINO

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DIE STADT DER BLINDEN Drei Fragen an: Gael García Bernal Es ist eine der aufwändigsten deutschen Produktionen des Jahres. Merkt man das bei den Dreharbeiten? Klar, es war auf jeden Fall etwas ganz anderes, als was ich von „Knallhart“ kannte. Plötzlich war ich eben nicht im Berliner Alltag von heute, sondern während des 30-jährigen Krieges im 17. Jahrhundert und konnte zaubern. Vor der Green Screen habe ich auch zum ersten Mal gedreht. Da wurde die Arbeit richtig technisch – aber auch das hat viel Spaß gemacht. Du bist in fast jeder Szene zu sehen. War das nicht unglaublich anstrengend? Wir hatten über 80 Drehtage, und davon hatte ich zwei frei. Das ist natürlich manchmal hart und erschöpfend. Einiges wurde auch in Rumänien gedreht, da war es zu allem Überfluss richtig kalt. Thermo-Unterwäsche tragen ging da leider nicht, denn zu den Kostümen gehörte, dass man unsere freie Brust unterm Hemd sieht. Interview: Patrick Heidmann

Mit „Amores perros“ und „Y tu mamá también“ wurde Gael García Bernal zum Star. Nach Filmen wie „Babel“, „Science of Sleep“ oder „La mala educación“ reißen sich Filmemacher um den 29-Jährigen. So auch der Brasilianer Fernando Meirelles, der Bernal neben Julianne Moore und Mark Ruffalo für „Die Stadt der Blinden“ verpflichtete.

Man weiß letztlich nichts über Deine Figur, wer sie ist oder woher sie kommt. Erschwert das den Zugang? Ich fand das im Gegenteil ganz befreiend. Es war für mich, als würde ich eine Fee im „Mittsommernachtstraum“ spielen: bei der würde man auch nicht nach Hintergrundinformationen fragen. Für die Geschichte, die „Die Stadt der Blinden“ erzählt, war es eben eigentlich nicht wichtig, was diese Menschen vorher gemacht haben, sondern nur, wie sie sich in dieser neuen Extremsituation verhalten.

Gael, in „Die Stadt der Blinden“ bist du zur Abwechslung mal ein richtig fieses Arschloch. Ist das schwerer zu spielen als einen Sympathieträger? Das kann man so nicht sagen, beides kann schwierig sein. Jede Rolle hat ihre ganz eigene Komplexität, und wenn man seine Arbeit gut machen will, dann ist kein Film ein Kinderspiel. Aber im Idealfall gibt es bei jeder Rolle irgendwann den Aha-Moment – und dann weiß man, wie man sie richtig angehen muss.

Sie drehen auf der ganzen Welt, aber um Hollywood scheinen sie meist einen Bogen zu machen... Es ist ja heutzutage nicht mehr so einfach, die Nationalität eines Films festzulegen. Denken Sie nur an „Babel“, der Regisseur ist Mexikaner, ein Großteil des Geldes kam aus den USA und die Handlung spielte in Japan und Afrika. Ich entscheide mich meist für eine bestimmte, eher unkommerzielle Art von Filmen. Aber dabei geht es immer um Inhalte und die Filmemacher. Interview: Patrick Heidmann

DIE STADT DER BLINDEN

können zwar nicht mit Hollywood mithalten, aber die düster-romantische Atmosphäre stimmt und die Schauspieler (darunter Daniel Brühl und Robert Stadlober) wissen zu überzeugen. Text: Patrick Heidmann Kinostart: 9. Oktober 2008

Eine mysteriöse Epidemie greift um sich, die Menschen innerhalb kürzester Zeit erblinden lässt. Die Regierung ordnet Quarantäne an und verfrachtet alle Infizierten in eine verlassene Heilanstalt. Dort werden die Kranken sich selbst überlassen und jeder Fluchtversuch mit dem Tod geahndet. Als sich die Situation unter den Gefangenen in unerträglicher Weise zuspitzt, liegt es an der einzigen Sehenden (Julianne Moore), die Initiative zu ergreifen und die verrohenden Menschen vor sich selbst zu schützen. „Die Stadt der Blinden“ hält sich als Literaturverfilmung eng an die Romanvorlage des portugiesischen Nobelpreisträgers José Saramango. So liest sich auch der Film als Parabel auf gesellschaftliche und politische Missstände, eine verloren gegangene Menschlichkeit. Regisseur Fernando Mereilles („City of God“) gelingt es zwar in gewohnter Manier die Ästhetik des Romans vi-

suell stilsicher in einen Kinofilm zu übertragen. Trotz guter Schauspieler und Sets mit Endzeitflair schafft es der Film jedoch nicht über seine gesamte Länge packend zu überzeugen. Text: Lasse Holler Kinostart: 23. Oktober 2008


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KINO

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ANANAS EXPRESS Viel Rauch um nichts

Mit Filmen, in denen die Hauptdarsteller die meiste Zeit bekifft durch eine entsprechend hirnlose Handlung stolpern, ist das so eine Sache. Sitzt man nüchtern im Kino, kommt es ganz auf den eigenen Erfahrungsschatz an, ob man das Leinwandgeschehen amüsant findet oder aber die Typen doch eher für völlig verpeilt erklärt. Aber lernen wir unsere Cheech & Chong-Verschnitte erst einmal kennen: Dale (Seth Rogen) gibt sich am liebsten dem grenzenlosen Cannabiskonsum hin und schaut mal wieder bei Saul (James Franco), dem Dealer seines Vertrauens vorbei, um sich Nachschub zu besorgen. Der schwatzt ihm einen besonders edlen Stoff namens Ananas Express auf. Als Dale jedoch wenig später einen Mord beobachtet, in den Ted (Gary Cole), der gefährlichste Drogenbaron der Stadt verwickelt ist, fällt Dale vor Schreck der Joint aus dem Mund. Den Stummel wiederum findet Ted und erkennt anhand der seltenen Gras-Mischung, wer hier grade Zeuge seines tödlichen Verbrechens

geworden ist. Also trommelt Ted seine Handlanger zusammen und schickt sie los, um die Mitwisser ein für allemal kaltzustellen. Das kindisch bekiffte Getue sämtlicher Figuren geht einem bald auf die Nerven, wenngleich Rogen und Franco ihre sympathischen Loser-Typen mit viel Charme verkörpern. Leider wird die KifferKomödie, deren Story eh schon so dünn ist wie ein Zigarettenblättchen, gegen Ende auch noch mit einer ordentlichen Portion Action zugedröhnt, die aus dem Gelaber ähnlich sinnloses Geballer werden lässt. Also entweder vor dem Trip ins Kino schon mal vorglühen oder den Besuch besser gleich ganz knicken und auf die DVD warten. Text: Dirk Lüneberg Kinostart: 23. Oktober 2008

BERLIN CALLING Kalkbrenner ruft

Der Berliner Elektro-DJ Ickarus (Paul Kalkbrenner) ist Anfang 30, hat seine Jugend längst noch nicht hinter sich und tourt mit Freundin Mathilde (Rita Lengyel) durch die Clubs. Die beiden sind ein eingeschworenes Paar, das zwischen Turntables, Drogen und durchtanzten Nächten eine enge, wenn auch nicht unproblematische Beziehung führt. Als Ickarus auf einem Trip hängenbleibt, landet er allerdings in der Nervenklinik, wo ihm die Alt-Achtundsechzigerin Frau Dr. Petra Paul (Corinna Harfouch) mit einer Mischung aus Reserviertheit und ärztlichem Autoritätswillen zusetzt. Im Unterschied zu jüngsten Musikerporträts im Kino, die sich meist schon verstorbenen Legenden widmen, entwirft „Berlin Calling“ ein Bild der Techno-Generation der Neunziger Jahre und zeigt mit Kalkbrenner in der Rolle des DJs einen Künstler der Gegenwart. Der Leipziger, der den Minimal-Techno zum Film komponierte, meistert in der dritten Kinoarbeit Hannes Stöhrs sein Schauspieldebüt.

Berliner Dialekt, Unbekümmertheit und Alltagsferne machen Ickarus, der seinen musikalischen Obsessionen auch im Krankenbett nachgeht, zum Sympathieträger des Films. Das zwischen Besorgtheit und Vergnügungssucht pendelnde Temperament Mathildes scheint derweil nach kurzer Zeit ebenso vertraut wie die rigoros agierende Labelchefin Alice (Megan Gay). Schade nur, dass der Film dem Konflikt zwischen DJ und Ärztin soviel Raum gibt und dabei auch noch „Einer flog übers Kuckucksnest“ zitiert. Das Spiel Paul Kalkbrenners ist Story genug. Text: Kathleen Prüstel Kinostart: 2. Oktober 2008

BURN AFTER READING Wenn Dumme Dummes tun

Die Coen-Brüder haben derzeit einen Lauf. Nur wenige Monate nach „No Country For Old Men“ kommt schon der nächste Film in die Kinos, und die beiden enttäuschen auch dieses Mal nicht. „Burn After Reading“ ist mal wieder eine waschechte Komödie, der Abschluss der „Idioten-Trilogie“ (nach „O Brother, Where Art Thou?“ und „Ein (un)möglicher Härtefall“), wie George Clooney es nennt. Hier spielt er den notorischen Frauenaufreißer Harry, der eine Affäre mit der eiskalten Katie (Tilda Swinton) hat. Die bereitet sich gerade auf ihre Scheidung von Osbourne (John Malkovich) vor, einem jüngst gefeuerten CIA-Mitarbeiter, und trägt dazu allerlei Materialien von seinem Computer zusammen. Eben diese Dateien landen schließlich in den Händen der Fitnessstudio-Mitarbeiter Linda (Frances McDormand) und Chad (Brad Pitt), die damit Osbourne erpressen wollen, um Linda – übrigens auch eine von Harrys Eroberungen – endlich die heiß ersehnten Schönheits-OPs zu finanzieren.

Man könnte „Burn After Reading“ problemlos als kleine Verwechslungskomödie bezeichnen, in der allerlei unvernünftige bis schlichte Leute jede Menge dummer Sachen tun. Doch die Coens wären nicht die Coens, wenn sie nicht neben einer ausgesprochen amüsanten Mischung aus Skurrilität und Albernheit noch ein ganz besonderes As im Ärmel hätten. In diesem Fall ist das ihr erstklassiges Ensemble, aus dem Malkovich, McDormand und der herrlich bekloppt frisierte Pitt herausstechen. So wird dann aus „Burn After Reading“ fast doch noch ganz großes Kino. Text: Patrick Heidmann Kinostart: 2. Oktober 2008


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KINO

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HELLBOY – DIE GOLDENE ARMEE From Hell with Love

Sicher, „The Dark Knight“ ist der beste Batman aller Zeiten, großartiges Unterhaltungskino, daran gibt es nichts zu rütteln. Aber wenn man mal ehrlich ist: so richtig cool ist Batman an sich ja nicht. Ein schnöseliger, chauvinistischer, stinkreicher Magnat, der seine persönlichen Phobien und Traumata zu besiegen versucht, in dem er sich des Nachts in Latexkostümen in absoluter Selbstüberschätzung über das Gesetz stellt und einen auf dicke Hose macht. In Sachen Identifikation also absolut ungeeignet, übrigens genauso wie der Vollhonk Peter Parker, Amerika-Maskottchen Superman oder dieser grüne Brutalo Hulk. Aber zum Glück gibt es noch einen wahren Held der Herzen: Hellboy. Der raucht, kann auch betrunken Verbrecher jagen und hält sich Haustiere. Dabei ist er eigentlich eine Ausgeburt der Hölle, die Nazis haben ihn 1944 zusammen mit der okkulten Thule-Gesellschaft und „The Former Uri Geller“, Rasputin, aus der Unterwelt heraufbeschworen. Aber ein Professor nahm ihn unter seine Fittiche und unterrichtete ihn im Kampf gegen das Böse. Jetzt muss der rote Muskelprotz mit den abgesägten Hörnern erneut die Welt retten. Die Unterwelt, oder vielmehr Prinz Nuada, hat den Menschen den Kampf angesagt. Um die Herrschaft zu übernehmen, will er die Goldene Armee, eine unbesiegbare Bataillon von

70 mechanischen Kriegern, aus dem ewigen Schlaf erwecken. Zu diesem Zweck braucht Nuada alle drei Teile der Krone seines Vaters. Doch Hellboy, seine heiße Freundin Liz und der Fischmann Abe haben auch noch ein Wörtchen mitzureden. Fantasy-Visionär Guillermo del Toro beweist auch beim zweiten Teil der als Trilogie angelegten Hellboy-Reihe, dass er den Spagat zwischen Kunst und Kommerz perfekt beherrscht. Schon allein die detailverliebte Ausstattung und das grandiose Make-Up überzeugen auf Anhieb. Die ActionSequenzen sind frei nach der Devise „Ein-bisschen–geht-noch“ gedreht, hier gibt’s keine Scheu vor Superlativen, ohne aber dabei der peinlichen

Übertreibung in die Falle zu gehen. Und natürlich zeigen sich die Special-Effects durchweg in Höchstform. Aber bei „Hellboy“ stimmt nicht nur die Optik, sondern auch der Inhalt. Zwar läuft es hier auch nach dem klassischen Suchen-KämpfenRetten Schema ab, aber das passiert mit soviel Humor, Selbstironie und einem liebevollen Blick für die Charaktere, dass selbst bekannte Wendungen erfrischend charmant wirken. So ist „Hellboy 2“ die Blockbuster-Pflicht dieses Herbstes und auf dem besten Weg, Batman zumindest an SympathieWerten weitaus zu übertreffen. Text: Cornelis Hähnel Kinostart: 16. Oktober 2008

DER BAADER MEINHOF KOMPLEX Chronologie statt Psychologie

Alle haben aufgeregt auf diesen Film gewartet, dabei gibt es eigentlich nichts zu sehen, was man nicht schon wüsste. Ausgehend von Stefan Austs Sachbuch „Der Baader Meinhof Komplex“ erzählt der Film die Geschichte des deutschen Terrorismus in den Siebzigerjahren. Mit einem Song von Janis Joplin und Bildern der nackten Sylt-Urlauberin Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) im Sommer 1967 beginnt die Erzählung, wenig später liefert Regisseur Uli Edel („Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“) beeindruckende Bilder von den Unruhen anlässlich des Schah-Besuchs, während derer der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen wird. Später sieht man, wie Rudi Dutschke (Sebastian Blomberg) angeschossen wird, die Studentin Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) mit ihrem Freund Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) aus Protest gegen den Vietnamkrieg ein Kaufhaus in Brand setzt und die Journalistin Meinhof immer tiefer in die radikale Szene gerät, bis die drei schließlich die RAF gründen. Der Aufenthalt im palästinensischen Trainingscamp, die Banküberfälle und Bombenanschläge, der spätere Prozess und die Haft im Gefängnis Stammheim, die Morde an Buback und Ponto – bis zur Erschießung Hanns Martin Schleyers, mit der der Film endet, wird so gut wie nichts ausgelassen.

„Der Baader Meinhof Komplex“ ist auf Augenhöhe mit den Terroristen erzählt; was nicht in ihrem Blickfeld ist, kommt im Film so gut wie nicht vor. Das ist ein legitimer Ansatz, denn Edel glorifiziert die RAF nicht; cool ist hier bestenfalls das eigene Selbstverständnis. Die brutale Gewalt wird bedrückend und in nüchternen Bildern dargestellt, nicht als reißerische Action. Doch die neutrale, historisch korrekte Erzählhaltung bleibt unbefriedigend. Ein bisschen weniger Chronologie und dafür mehr Psychologie hätte gut getan. Um ja nicht ins Spekulative zu geraten, verzichtet „Der Baader Meinhof Komplex“ auf jeden Versuch von Analyse oder Deutung – und erzählt wenig über seine Protagonisten. Von wenigen Einbli-

cken ins Meinhofsche Familienleben und einer kurzen Szene im Wohnzimmer der Ensslins abgesehen, erfährt man kaum, woher diese Menschen kommen und wie aus ihnen Terroristen wurden. Für einen Spielfilm – zumal einen, dessen Thema hinlänglich dokumentiert wurde – ist das etwas zu wenig. Was den Film immerhin eindeutig zur Fiktion macht, sind seine Schauspieler. Hier wurde aufgefahren, was Rang und Namen hat im deutschen Kino. Das immerhin ist jede Aufregung wert. Text: Patrick Heidmann Kinostart: 25. September 2008


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KINO SHORTCUTS

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2ER OHNE

10 SEKUNDEN

ANONYMA

Wer junges deutsches Kino in exzellenter Verfassung erleben will, dem sei dieses Coming of Age-Drama ans Herz gelegt. Als Ludwig (Jacob Matschenz) neu ans Gymnasium kommt, welches Johann (Timo Mewes) bereits besucht, freunden sich die beiden schnell an. Schließlich teilen sie dasselbe Hobby: Das Rudern, bevorzugt im Titel gebenden 2er ohne Steuermann. Ludwig will jedoch mehr als reine Freundschaft, er will, dass Johann zu einer Art Bruder für ihn wird. So treten die beiden 17-Jährigen bald wie unzertrennbare Zwillinge mit kahl geschorenen Schädeln und identischen Klamotten auf. Die fast schon symbiotische Beziehung der beiden bekommt erste Risse, als sich Johann in Ludwigs Schwester Vera (Sophie Rogall) verliebt und er deshalb seinem Rudergefährten nicht mehr die alleinige Aufmerksamkeit schenken kann. Tolle Bilder und Schauspieler, eine starke Story und authentische Figuren weit jenseits aller Fernsehfilmästhetik – all dies gibt es in „2er ohne“ (ab 16.10.) zu entdecken. Deshalb unbedingt ansehen!

Dieser Film von Nicolai Rohe beruht auf den wahren Begebenheiten von 2002, als über dem Bodensee zwei Flugzeuge miteinander kollidiert sind. Zehn Sekunden der Regungslosigkeit haben zum Tod von mehr als 70 Menschen geführt, als der verantwortliche Fluglotse die Katastrophe starr und wie benebelt auf seinem Bildschirm verfolgte. In „10 Sekunden“ (ab 2.10.) selbst geht es jedoch vor allem um die Nachwirkungen der Geschehnisse für einige der Beteiligten wie den Fluglotsen (Wolfram Koch), seine Frau (Marie Bäumer) oder den Polizisten Harald (Sebastian Blomberg), der seinerzeit am Unglücksort zugegen war und seitdem von Albträumen geplagt wird. Mit seiner unkonventionell-verschachtelten Erzählweise, toll eingefangenen Bildern und beeindruckenden Schauspiel-Leistungen (wieder einmal großes Kino: Hannah Herzsprung) hebt sich der Film angenehm ab vom Gros ähnlich gearteter Produktionen. Und auch wenn das über die gesamte Spielzeit manchmal etwas anstrengend ist: Es lohnt sich.

April 1945, die Rote Armee steht vor ihrem Einmarsch in Berlin. Wie immer in Kriegssituationen stehen Massenvergewaltigungen auf der Tagesordnung. Eine Frau (Nina Hoss) will sich dieser Erniedrigung widersetzen und sucht sich einen russischen Offizier als „Beschützer“ – als Gegenleistung schläft sie mit ihm. Eine Journalistin, die auch nach ihrem Tod nicht namentlich genannt werden wollte, hat diese Ereignisse in einem Tagebuch festgehalten. Max Färberböck wagt sich mit „Anonyma“ (ab 23.10.) an die Verfilmung des dichten und schwierigen Stoffes. Doch trotz hochkarätiger Besetzung gelingt es ihm nicht wirklich, den kühlen, sachlichen Ton des Buches auf die Leinwand zu übertragen. Nur wenige Szenen haben eine emotionale Intensität, die den damaligen Schrecken wiedergeben könnte. Ein solides Werk, das ein bis heute verschwiegenes Thema anspricht, aber die Erfahrungen der unbekannten Frau nicht in derselben komplexen Intensität zu vermitteln vermag.

AUTISTIC DISCO

DAS FREMDE IN MIR

Für die breite Masse ist der neue Film von Hans Steinbichler („Hierankl“) nicht gemacht. Die Geschichte erzählt von einer Gruppe aufmüpfiger Jugendlicher, die an einer Art Resozialisierungsprojekt teilnehmen müssen. So etwas kennt man ja aus dem Fernsehen. Wo dieses Camp für Problemkinder auf RTL eine Ranch in der Wüste sein mag, ist es bei „Autistic Disco“ (ab 9.10.) eine entlegene Berghütte. An dieser Stelle sind die Gemeinsamkeiten aber auch schon zu Ende. Die experimentelle Erzählung verweigert sich von Anfang an jeder möglichen Erwartungshaltung und kommt ohne konventionelle Dramaturgie daher. Meditative Aufnahmen des Bergpanoramas wechseln mit zerhackten Schnittfolgen, schwer verdaulichen Dialogen und ungewohnter Schauspielführung. Die musikalische Untermalung tut ein Übriges. Zugänglich ist etwas anderes, könnte man auch sagen und wie immer bei Experimenten dieser Art bleibt es dem Zuschauer selbst überlassen, ob er sich darauf einlässt oder nicht.

Schon der Filmtitel klingt hart und verstörend. Eine ähnliche Gefühlskälte durchdringt den gesamten Film von Emily Atef, in dem es um die Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Tabuthema der postnatalen Depression geht. Aufopfernde Mutterliebe wird immer vorausgesetzt. Aber was, wenn diese sich einfach nicht einstellen will? Regisseurin Atef dringt mit ihrer großartig agierenden Hauptdarstellerin Susanne Wolff in die Abgründe dessen vor, was für die meisten Menschen emotional kaum nachvollziehbar erscheint. In sehr bedächtigem Tempo und einer authentischen Form von Unruhe vermittelt „Das Fremde in mir“ (ab 9.10.) beim Zuschauen ein treffendes Gefühl von Unwohlsein, das teilweise so unbequem ist wie das Thema selbst. Dennoch strahlt der Film eine merkwürdige Faszination aus, die das Drama trotz der auszuhaltenden Anstrengung zu einer ehrlichen und sehenswerten Veranstaltung macht.

DIE GESCHICHTE VOM BRANDNER KASPAR

Text: Dirk Lüneberg

Text: Peter Meisterhans

Text: Daniel Schieferdecker

Text: Daniel Schieferdecker

Text: Cornelis Hähnel

Der bayerische Heimatfilm feiert seine fröhliche Wiederauferstehung. Und so kommt nach „Räuber Kneißl“ nun mit „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ (ab 16.10.) die Verfilmung eines urbayerischen Volksstücks in die Kinos. Irgendwo im ländlichen Oberbayern lebt im 19. Jahrhundert der Brandner Kaspar (Franz Xaver „Baby Schimmerlos“ Kroetz) und treibt als Wilderer sein glückliches Unwesen. Als eines Tages der Tod (verkörpert von einem hinter einer Maske kaum erkennbaren Michael Bully Herbig) Kaspar abholen will, füllt der ihn mit Schnaps ab und schlägt noch weitere 21 Jahre Lebenszeit für sich heraus. Doch damit bringt der gerissene Hallodri die himmlische Buchführung durcheinander, so dass Petrus sich gezwungen sieht, ein Machtwort zu sprechen. Regie-Urgestein Joseph Vilsmaier hat hier einen krachledernen Schwank inszeniert, für dessen Genuss eine gewisse Bayern-Begeisterung absolut notwendig ist. Text: Dirk Lüneberg


unclesally*s magazine

HOUSE BUNNY Shelley (Anna Faris) lebt in der legendären Playboy-Mansion – bis zu ihrem 27. Geburtstag. Mit der Begründung, sie sei nun zu alt, muss sie den überdimensionalen Hasenstall verlassen und sich eine neue Bleibe suchen. Zufällig landet sie an der Uni, bei der Zeta-Schwesternschaft, den Freaks des Campus. Deren Haus steht auf Grund zu wenig neuer Mitglieder kurz vor der Räumung. Und so beschließt Shelley kurzerhand, die Mauerblümchen zu den heißesten und beliebtesten Bunnies der Uni zu machen. „House Bunny“ (ab 9.10.), produziert von Adam Sandler und geschrieben vom Team von „Natürlich Blond“, ist eine charmante Komödie, angeblich über Selbstverwirklichung und Identitätsfindung. Dass dies allenfalls nach HollywoodMaßstäben passiert, ist verständlich. Wer aber einen ordentlichen No-Brainer nicht scheut und eine Überdosis Pink und Rosa locker wegstecken kann, wird hier gut unterhalten sein.

LE SILENCE DE LORNA – LORNAS SCHWEIGEN

KINO SHORTCUTS

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DER LOVE GURU

Text: Sebastian Gosmann

Nach sechs Jahren ist Mike Meyers mit einer neuen Kunstfigur zurück auf der Leinwand. „Endlich!“, wird da so mancher Austin-Powers-Fan denken. Doch die Geschichte um seine Neuerschaffung, den not- und erfolgsgeilen Guru Pitka, ist dermaßen dämlich geraten und wirkt derart lieblos zusammengeschustert, dass sich selbst der größte Fan des Kanadiers schnell verarscht fühlen dürfte. So verkommt „Der Love Guru“ (ab 2.10.) zu einer narzisstischen Nummernrevue, die ohne Frage den künstlerischen Tiefpunkt im Schaffen des ansonsten durchaus talentierten Komikers darstellt. Wenn doch wenigstens die Gags zünden würden! Zwar albert und blödelt sich Myers nach Kräften durch die 92 Minuten, doch am Ende ist es regelmäßig er selbst, der am meisten lacht über die unzähligen – bis auf (zu) wenige Ausnahmen – zotigen oder sonst wie geschmacklosen Kalauer. Da kann auch Justin Timberlakes denkwürdig uneitler Auftritt als wohlbestückter Eishockey-Torhüter Jacques „Le Coq“ Grande nichts mehr retten.

NEULICH IN BELGIEN

NORDWAND

YOUNG @ HEART

Das Leben der 41-jährigen Matty (Barbara Sarafian) ist das genaue Gegenteil von Glück: Vom Ehemann für eine Jüngere verlassen, unzufrieden mit dem Job und die Probleme dreier Kinder am Hals. Der Unfall mit dem pöbeligen Truck-Fahrer Johnny (Jurgen Delnaet) passt da bloß ins vergilbt-zerrissene Bild, als dieser sich mitten im heftigsten Wortgefecht plötzlich in Matty verliebt. Aber abgesehen von dem großen Altersunterschied, seiner Vorstrafe und der allgemeinen Unruhe bei Matty: Kann das gut gehen? Der Debütfilm von Christophe van Rompaey war in seinem Heimatland Belgien ein Publikumserfolg – und zwar zu Recht. Wundervoll authentisch, sympathisch geerdet und immer die nötige Spur anders, als man denkt, nimmt „Neulich in Belgien“ (ab 16.10.) seine Zuschauer mit in das triste Arbeiterviertel von Gent. Von dort aus lässt der Film sein hoffnungsvolles Licht in die verletzlichen Herzen all derer strahlen, die sich ab und an ähnlich verloren fühlen wie Matty. Und das dürften (leider) die Meisten sein.

Die Bezwingung des Eigers über seine nördliche Seite wird 1936 von den regierenden Nazis zum letzten ungelösten Problem der Alpen und damit zu einer nationalen Aufgabe erklärt. Die Begeisterung für den Nationalsozialismus hält sich bei Toni Kurz (Benno Fürmann) und Andi Hinterstoisser (Florian Lukas) zwar in Grenzen, dafür teilen die beiden Berchtesgardener die Leidenschaft fürs Bergebesteigen. Und machen sich – wie zeitgleich viele andere Kletterer aus ganz Europa – mit dem Fahrrad auf in die Schweiz, um die berüchtigte Mordwand als erste zu bezwingen: Ein gefährlicher Wettlauf in der Vertikalen beginnt. Für einen Film von Clip-Guru Philipp Stölzl ist „Nordwand“ (ab 23.10.) von seinem Look und seiner Erzählweise her erstaunlich konventionell geraten. Das auf wahren Begebenheiten und Personen beruhende Titanic-am-Berg-Drama ist zwar toll besetzt, gut gespielt und wird packend und intelligent inszeniert, hat letztlich aber herzlich wenig zu erzählen.

Anfang der Achtziger kam ein Pfleger in einer Senioren-Residenz in Massachusetts auf Anregung einiger rüstiger Rentner auf die Idee, einen etwas anderen Chor zu leiten. Die Young @ Heart-Truppe gilt heute als Phänomen. Ihr Repertoire reicht von den Talking Heads bis Coldplay, neu im Programm ist „Schizophrenia“ von Sonic Youth. Wahrlich nicht das bevorzugte Liedgut der Alten, daraus machen sie keinen Hehl. Doch während dem Zuschauer die Protagonisten immer mehr ans Herz wachsen, erwärmen diese sich für den schrägen Song. Regisseur Stephen Walker zeigt in einem hingebungsvollen und sympathischen Dokumentarfilm den Prozess, wie sich die Gruppe einem Titel annähert und ihn sich zueigen macht. All ihre Energie stecken sie hinein und ihr Lebenswille wirkt ansteckend, auch wenn die Gesundheit bei dem einen oder anderen dann doch nicht mitspielt. Das I-Tüpfelchen sind die ironisch-witzigen Videoclips, z.B. zu „I Wanna Be Sedated“ von den Ramones oder „Stayin’ Alive“ von den Bee Gees.

Text: Cornelis Hähnel

Text: Daniel Schieferdecker

Auch im neuen Film der belgischen Regie-Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne dreht sich alles um die Frage nach Gewissen, Moral und Schuld. So wird das Handeln ihrer Protagonistin Lorna maßgeblich bestimmt von dem niederträchtigen Plan des skrupellosen Kleinmafioso Fabio: Um die belgische Staatsbürgerschaft zu erhalten, führt die gebürtige Albanerin eine Scheinehe mit dem Junkie Claudy, der jedoch bald mithilfe einer Überdosis aus dem Weg geräumt werden soll, damit Lorna frei ist für die Heirat mit einem reichen Russen, der wiederum ebenfalls belgischer Staatsbürger werden will und sich das einiges kosten lässt. „Le silence de Lorna – Lornas Schweigen“ (ab 9.10.) ist ein famos gespieltes, in das winterliche Grau einer trostlosen Vorstadt getauchtes Stück Sozialrealismus, dessen formale Reduziertheit und zwischenmenschliche Kälte ebenso mitreißend wie abstoßend ist. Nur für Leute, die nach dem Kino nicht noch tanzen gehen wollen!

Text: Dirk Lüneberg

Text: Sebastian Gosmann

Text: Elisabeth Nagy


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KINO DVD

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DVD DES MONATS IRON MAN (Concorde)

Spider-Man, Batman, Superman – die Liste weltweit populärer Comic-Helden und deren Verfilmungen ist lang. Iron Man hingegen hat es bisher nie so recht ins kollektive Gedächtnis der Allgemeinheit geschafft und konnte es hinsichtlich seines Bekanntheitsgrades zu keiner Zeit mit seinen omnipräsenten Mitstreitern für das Gute aufnehmen – bis zum Frühjahr 2008. Denn Dank der neugewonnen Unabhängigkeit des Marvel-Verlages aus dem Hollywood’schen Klammergriff, den Fähigkeiten von Jon Favreau auf dem Regisseurs-Posten und nicht zu-

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(Sony) Ben (Jim Sturgess) ist ein nerdiger Einser-Student, der nicht viel macht außer lernen und arbeiten, weil er für sein angestrebtes Harvard-Studium schlappe 300.000 Dollar benötigt. Als ihm sein MathematikProfessor Mickey Rosa (Kevin Spacey) anbietet, ihn in sein Black Jack-Team aufzunehmen, um in Las Vegas richtig abzuräumen, ist die Verlockung einfach zu groß – und zwar in jeglicher Hinsicht. Toller Zocker-Film, der zwar manchmal ein wenig vorhersehbar ist, aber dennoch allerbeste Unterhaltung bietet. Dazu gibt es einen Audiokommentar sowie ein paar Dokumentationen als Bonusmaterial.

Text: Daniel Schieferdecker

ABGEDREHT

(Senator/Universum) Störenfried und Videothekar Jerry (Jack Black) macht seinem Kollegen Mike (Mos Def) das Leben schwer, vor allem als er mit magnetisiertem Schädel alle VHSKassetten löscht. In Panik beginnen die beiden, die Filme mit ihrem Camcorder für ihre Kunden nachzudrehen. Die Notlösung entpuppt sich bald als Erfolgskonzept – und ihr Store mit dem feinen Namen „Be Kind Rewind“ wird schnell zu einem der angesagtesten der Stadt. Doch bald stehen die Filmproduzenten auf der Matte und fordern Tantiemen in Milliardenhöhe. Nach „Vergiss mein nicht“ und „Science of Sleep“ frönen diesmal leider mehr seine Protagonisten ihrem Spieltrieb als Regisseur Michel Gondry selbst. Lediglich mit Making Of und Interviews ausgestattet, fällt auch die DVD wenig verspielt aus.

Text: Lars Rössl

DAS WAISENHAUS

(Senator/Universum) Laura (Belen Rueda) hat das Waisenhaus gekauft, in dem sie einst aufgewachsen ist und möchte daraus ein Heim für behinderte Kinder machen. Lediglich ihr Sohn benimmt sich zunehmend merkwürdig und spielt mit imaginären Freunden, bis er plötzlich verschwindet. Es beginnt eine Suche, die Laura auch in ihre

letzt der darstellerischen Großtat von Robert Downey jr. (unterstützt von Jeff Bridges und Gwyneth Paltrow) ist Iron Man seit seinem Kino-Start durchweg in aller Munde. Zu Recht, dürfen die Verantwortlichen doch ohne falsche Bescheidenheit von sich behaupten, mit „Iron Man“ eine der besten Comic-Verfilmungen überhaupt geschaffen zu haben. Darin geht es um den schwerreichen Rüstungsindustriellen Tony Stark, der bei einem Geschäftstermin in Afghanistan von Terroristen entführt und gezwungen wird, eine wirkungsvolle Wunderwaffe für sie zu

entwickeln. Doch statt sich an deren Instruktionen zu halten, schraubt er lieber an einem multifunktionalen Kampfanzug herum, mit dem er sich aus seiner misslichen Lage befreit, und der ihm fortan bei seinem Feldzug gegen das Böse in „Iron Man“ verwandelt. Auch die umfangreichen Extras mit Making Of, Interviews und Hintergrund-Dokus über die Visual Effects oder die Schauspielarbeit machen den Film zu einem absoluten Must-See – und zwar nicht nur für Genre-Fans.

Vergangenheit führt. Bisweilen ein etwas verwirrender, aber handwerklich durchaus überzeugender Horrorthriller, der in seinem Heimatland Spanien schiere Begeisterungsstürme ausgelöst hat und von niemand Geringerem als Guillermo Del Toro produziert wurde. Die DVD gibt’s wahlweise ohne Extras oder als Limited Edition mit Making Of, entfallenen Szenen, Interviews und mehr.

nachvollziehbar bleibt die Entwicklung der Ereignisse innerhalb nur weniger Tage. Immerhin aber werden Gefahr und Faszination solch eines autokratischen Systems stellenweise deutlich. Zu empfehlen ist die Premium Edition mit umfangreichen Extras.

Text: Daniel Schieferdecker

DIE SIMPSONS – STAFFEL 11

(Fox) Im US-TV starten die „Simpsons“ dieser Tage mit ihrer 20. Staffel. Bei uns steht auf DVD erst mal Nummer Elf auf dem Plan. Spätestens die kam bei Fans und Kritikern nicht mehr so gut an wie die vorangegangenen. Dennoch brauchen die „Simpsons“ den Vergleich mit sonstiger Fernsehunterhaltung nicht zu scheuen. Zudem enthält die Staffel einige bedeutende Folgen, wie etwa „Ned Flanders: Wieder allein“, in der Neds Frau das Zeitliche segnet oder „Hinter den Lachern“, die einen witzigen Blick „hinter die Kulissen“ der gelben Familie gewährt. Die Box strotzt wieder mal vor amüsanten Extras und ist zudem als limitierte Auflage erhältlich.

Text: Peter Meisterhans

DIE WELLE

(Constantin/ Highlight) Viele erinnern sich bestimmt noch an die Verfilmung der „Welle“ für das US-Fernsehen, die hierzulande praktisch Pflicht ist im Unterricht: Aus ganz normalen Kids werden im Rahmen eines zunächst harmlosen Schulprojekts plötzlich linientreue Anhänger einer faschistoiden Bewegung, genannt „Die Welle“. Die deutsche Neuauflage mit Jürgen Vogel als Lehrer ist insgesamt leider nicht überzeugend. Zu stereotyp sind die Charaktere und zu wenig

Text: Daniel Schieferdecker

Text: Peter Meisterhans

DORNRÖSCHEN

(Disney) Zum ersten Mal als ZweiDisc-Set auf DVD und Bluray und natürlich komplett in restauriertem Ton und Bild packt das Haus Disney einen seiner großen Zeichentrickklassiker aus. Basierend natürlich auf dem Grimm‘schen Märchen und der Musik von Tschaikowsky kam die Geschichte von Prinzessin Aurora, der bösen Hexe Malefiz und dem tapferen Prinzen Philip erstmals 1959 in die Kinos und war damals der aufwändigste Animationsfilm aller Zeiten. Auch heute noch dürfen Jung und Alt getrost im Heimkino dahin schmelzen ob so viel vergnüglicher Pracht, die obendrein mit jeder Menge Bonusmaterial wie einem alternativen Anfang, zusätzlichen Songs und einem Making Of daherkommt.

Text: Jonathan Fink

EIN VERLOCKENDES SPIEL

(Universal) George Clooney inszeniert sich selbst als in die Jahre gekommenen FootballSpieler in den Zwanzigerjahren, als der Sport auch in den USA noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Um sein Team aufzumöbeln, verpflichtet er den CollegeStar und Kriegshelden Carter Rutherford (John Krasinski). Hinter dem ist auch die hitzköpfige Journalistin Lexie Littleton (Renée Zellweger) her, die sich an die Fersen des plötzlich erfolgreich aufspielenden Teams hängt. Ebenso klamaukige wie klassische Screwball-Comedy, die nie rundherum überzeugt, an der aber alle Beteiligten sichtbaren Spaß hatten. Auf DVD gibt’s außerdem entfallene Szenen.

Text: Dirk Lüneberg

FUNNY GAMES US

(Warner) Michael Haneke hat von seinem ersten großen Erfolg „Funny Games“ (zugleich sein größter Skandal) selbst ein US-Remake gedreht. Zwar war die identische Neuverfilmung kein großer Kassenschlager, machte aber Sinn. Die Geschichte der zwei Jungs, die grundlos eine Kleinfamilie ermorden, sollte diesmal vor allen Dingen das unbeschwerte amerikanische Publikum schockieren. Dabei geht es Haneke nicht um Provokation, sondern um Reflektion des eigenen Gewaltkonsums, denn der Zuschauer wird hier zum eigentlichen Protagonisten. Vor allen Dingen für Fans und Neueinsteiger unverzichtbar, auch wenn man Bonusmaterial vergeblich sucht.

Text: Cornelis Hähnel

HALF NELSON

(Kinowelt) Eigentlich fühlt sich Dan (Ryan Gosling) eher zum Schriftsteller als zum Lehrer berufen. Doch mit dem Schreiben geht es nicht recht voran, was auch daran liegt, dass Dan zu oft zur Crack-Pfeife greift – und er von der 13-jährigen Drey (Shareeka Epps) beim heimlichen Drogenkonsum auf dem Schulklo erwischt wird. Ryan Fleck inszeniert die Geschichte um diese entstehende, ungewöhnliche Freundschaft in einem ähnlich fiebrigen Stil, in dem Dan sein unstetes Leben durchstreift. Dass der Regisseur dabei manchmal ebenfalls ein wenig von der erzählerischen Ideallinie abkommt, wird durch die Leistungen seiner beiden Hauptdarsteller sowie der üppigen DVD-Specials kompensiert.

Text: Dirk Lüneberg

ITTY BITTY TITTY COMMITTEE

(Salzgeber) Anna ist lesbisch, hat kleine Brüste und führt ein unzufriedenes, bürgerliches Leben. Eines Abends lernt sie die radikale Feministin Sadie kennen, die sich für die C(I)A, die „Clits in Action“ engagiert. Anna ist fasziniert von den emanzipierten Frauen, vor allen Dingen von Sadie. „Itty Bitty Titty Committee“ ist ebenso witzig wie politisch. Regisseurin Jamie Babbit (auf der DVD auch im In-

Für Verlosungen bitte eine MailWeitere mit Filmtitel und Lösung an verlosung@sallys.net schicken. Postkarte geht natürlich auch. DVD-Besprechungen findet ihr auf www.sallys.net.


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terview zu sehen) zeichnet ein selbstironisches Bild des Status Quo des westlichen Feminismus und stellt die Frage, ob man noch für Ideale kämpfen muss und wenn ja, in welcher Art. Ein angenehm unverkrampfter Film für mehr weibliche Selbstbestimmung.

Text: Cornelis Hähnel

NO COUNTRY FOR OLD MEN

(Paramount) Nach Filmen wie „The Big Lebowski“ kehren die Coen-Brüder mit diesem mit vier Oscars ausgezeichneten Film zurück zum Verbrechen. Der Weg führt ins Texas der Achtzigerjahre, als Vietnam-Veteran Llewelyn Moss (Josh Brolin) in der Wüste den Tatort eines geplatzten Drogendeals entdeckt – und Javier Bardem als wortkargen, ulkig frisierten Killer auf den Plan ruft. Entstanden ist ein grandioser „Texas Noir“-Thriller und eine Reflexion über das Böse, mit lakonischen Dialogen und einer hochkonzentrierten Erzählweise. Die Extras sind nicht ganz so aufregend, lohnen aber mit den Features „Die Arbeit mit den Coens“ und „Tagebuch eines Sheriffs“ sowie einem Making Of durchaus.

Text: Sascha Rettig

PRIVATE PRACTICE – ERSTE STAFFEL

(Disney) Addison (Kate Walsh) entflieht den Gefühlswirren im Seattle Grace Hospital und schließt sich einer Praxisgemeinschaft in Los Angeles an. Aber auch die neue Clique scheint gegen ihr persönliches Chaos nicht wirklich zu helfen. Im Gegenteil: die Gemeinschaft aus einem verwitweten Heilpraktiker, einer von Selbstzweifeln geplagten Therapeutin und einem unerfahrenen Internisten verspricht diverse Partnerkonstellationen. Nach bewährtem „Grey’sAnatomy“-Muster ist auch dieses Spin-Off ein hochemotionales Crossover aus Patientenschicksalen und dem altbekannten Bäumchen-WechsleDich-Spiel. Die DVD-Edition bietet mit Outtakes, zwei erweiterten Episoden, einem Blick hinter die Kulissen und verschiedenen Kommentaren eine solide Ausstattung.

Text: Lars Rössl

SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE

(Prokino/EuroVideo) Mit seiner dritten und bislang vollkommensten Regiearbeit verfilmte der USamerikanische Maler und Bildhauer Julian Schnabel auf kongeniale Weise den gleichnamigen autobiographischen Roman des ehemaligen „Elle“-Chefredakteurs Jean-Dominique Bauby (großartig: Mathieu Amalric), der nach einem Schlaganfall – bis auf das linke Auge – komplett gelähmt war. Der bewegende Film schildert die mühsame Arbeit an seinem späteren Bestseller, den Bauby mittels eines speziell für ihn entwickelten Alphabets über Monate hinweg diktierte. Das Bonusmaterial hält neben dem obligatorischen Making Of und einem Audiokommentar auch ein ausführliches Interview mit Regisseur Schnabel bereit.

Text: Sebastian Gosmann

SEX AND THE CITY

(Warner) Hoch die Cosmos! Mit großer Erleichterung durf-

ten wir feststellen, dass das Leinwandabenteuer unserer liebsten FernsehFrauenclique die hohen Erwartungen, trotz manchem Kritikpunkt (die Nebenrolle von Jennifer Hudson etwa ist komplett überflüssig), einigermaßen erfüllte. Sarah Jessica Parker und vor allem Cynthia Nixon sind darstellerisch in bester Form, die Mode schwankt wieder zwischen umwerfend und fragwürdig und dass Samantha wieder Single ist, wurde höchste Zeit. Kann man sich also problemlos ebenso oft angucken wie die Serie, nicht zuletzt dank entfallenen Szenen, einem Making Of und anderen Specials, die sich auf der Special Edition finden lassen.

Text: Patrick Heidmann

THINGS WE LOST IN THE FIRE

(Paramount) Wie schon ihre hochgelobten Arthouse-Produktionen „Open Hearts“ und „Brothers“ handelt auch das Hollywood-Debüt der dänischen Regisseurin Susanne Bier von Menschen, deren Leben von plötzlichen Schicksalsschlägen aus der Bahn geworfen wird. Auch wenn die Inszenierung dieser ungewöhnlichen Freundschaft zwischen der nach dem tragischen Tod ihres Mannes Brian in unendliche Trauer verfallenen Audrey und dem drogenabhängigen Jerry (sensationell: Benicio del Toro), einem guten Freund Brians, in ihrer Intensität nicht ganz an ihre Vorgängerwerke heranreicht, ist Bier dennoch ein solides, ergreifendes Drama gelungen. Als Bonus gibt’s entfernte Szenen und eine aufschlussreiche Featurette.

Text: Sebastian Gosmann

TÖDLICHE ENTSCHEIDUNG – BEFORE THE DEVIL KNOWS YOU’RE DEAD

(Koch Media) Es war kaum zu erwarten, dass Regie-Altmeister Sidney Lumet („Die 12 Geschworenen“) mit 83 Jahren noch einmal einen solch frischen und raffinierten Thriller auf die Leinwand zaubern würde. Zahlreiche Rückblenden und Perspektivwechsel strukturieren die zutiefst unmoralische Geschichte um zwei unterschiedliche Brüder (grandios: Ethan Hawke und Philip Seymour Hoffman), die auf Grund finanzieller Probleme den Schmuckladen ihrer Eltern überfallen. Doch nach dem gründlich missglückten Coup haben sie eine schwere Last zu tragen. Audiokommentar, Making Of und Behind the Scenes-Material runden diese absolut empfehlenswerte Veröffentlichung ab.

Text: Sebastian Gosmann

WILDE UNSCHULD

(Concorde) Eigentlich kommt diese inzestuöse Familiengeschichte aus der Welt der ach so armen Reichen der Sechziger und Siebziger recht blasiert, affig und letztlich pseudo-provokant daher. Aber die grandiose Julianne Moore als Mutter und der immer leicht irritierend wirkende Brite Eddie Redmayne als ihr schwuler Sohn gewinnen der optisch eleganten Inszenierung Tom Kalins dann doch noch sehenswerte Seiten ab. Durchaus interessant hätte möglicherweise auch das Bonusmaterial ausfallen können, doch außer einem Making Of hat die DVD nichts zu bieten.

Text: Patrick Heidmann

KINO DVD

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WIN A LOT Auch in diesem Monat könnt ihr wieder zahlreiche der hier vorgestellten DVDs gewinnen. Schickt uns einfach eine Postkarte oder Mail (verlosung@sallys.net) mit dem Kennwort „DVDVerlosung“ und eurem Wunschtitel. Zu gewinnen gibt es: 3x Abgedreht, 3x Das Waisenhaus, 3x Half Nelson, 3x Tödliche Entscheidung, 3x Sex and the City, 3x Private Practice, 3x 21, 3x Meer is nicht, 3x Die Welle, 3x Funny Games U.S. 3x Wilde Unschuld, 3x Itty Bitty Titty Committee, 3x Tage des Ruhms, 3x Liebe um jeden Preis, 3x Jellyfish, 3x Engel im Schnee, 3x Die Anruferin, 3x Chance’ Highschool Abenteuer, 2x Dornröschen (Blu-ray), 2x Die Simpsons 11, 2x Iron Man, 2x Schmetterling und Taucherglocke, 2x Things We Lost in the Fire, 2x No Country For Old Men, 2x Ein verlockendes Spiel + Soundtrack und 1x Little Britain – Great Box.

BEST OF THE REST

So viel missglückter Schwachsinn verstopft Monat für Monat die Leinwände, gerade jetzt in der mauen Herbstsaison. Wie kommt das eigentlich, wo es doch so viele sehenswerte Filme gibt? Auf DVD hat zumindest derzeit manch kleiner Geheimtipp Premiere, der es mit dem Kinodurchschnitt mehr als nur aufnehmen kann. „Engel im Schnee“ (Warner) etwa ist ein wirklich gelungenes Kleinstadtdrama mit Sam Rockwell, an dessen Seite die schöne Kate Beckinsale endlich auch mal schauspielerisch begeistert. Die ähnlich süße Audrey Tautou erfreut derweil in „Liebe um jeden Preis“ (Sunfilm) als materialistische Romantikerin, die nach viel Hin und Her in dieser Komödie in den Luxushotels Südfrankreichs doch noch die Liebe findet. Ebenfalls aus Frankreich, aber ungleich dramatischer kommt „Tage des Ruhms“ (Kurt Media/Ascot Elite) daher, ein packender Kriegsfilm über nordafrikanische Soldaten im Zweiten Weltkrieg, der in Cannes prämiert und für den Oscar nominiert wurde. Gelungen schließlich ist auch die US-Produktion „Chance’ Highschool Abenteuer“ (Pro-Fun), über einen schwulen Teenager, der sich an einer neuen Schule durchschlagen muss, was mitunter fast „Breakfast Club“-Qualitäten hat. Und „Boarding Gate“ (Ascot Elite) hat immerhin die faszinierende Asia Argento in der Hauptrolle zu bieten. Eine zweite Chance bietet die DVD derweil jenen Filmen, die zwar im Kino liefen, dort aber untergegangen sind. Das muss nicht immer an der Qualität liegen, wie z.B. der poetische und wunderschöne israelische Episodenfilm „Jellyfish“ (Arsenal/Good Movies) beweist. Aber auch das deutsche Drama „Die Anruferin“ (EuroVideo) ist, nicht zuletzt Dank Hauptdarstellerin Valerie Koch, sehenswert, genauso wie der türkische Glaubensthriller „Takva – Gottesfurcht“ (Epix/EuroVideo), der u.a. von Fatih Akin produziert wurde.

Text: Patrick Heidmann

KULT

LITTLE BRITAIN – GREAT BOX (Polyband/WVG Medien)

Die Sketchshow von und mit Matt Lucas und David Walliams und ihren herrlichen Figuren wie Daffyd Thomas, Andy und Lou oder natürlich Vicky Pollard ist das Komischste, was seit einer ganzen Weile aus dem britischen Fernsehen zu uns rübergeschwappt ist. So großartig böse, herrlich absurd und hochgradig albern ist sonst niemand – sogar in der überraschend gelungenen deutschen Synchro mit Oliver Kalkofe und Oliver Welke. Diese fantastische Box umfasst acht DVDs mit allen drei Staffeln, dem „Abroad“-Special und der neuen „Little Britain Live“DVD. Ein absolutes Muss! Text: Patrick Heidmann

Für Verlosungen bitte eine MailWeitere mit Filmtitel und Lösung an verlosung@sallys.net schicken. Postkarte geht natürlich auch. DVD-Besprechungen findet ihr auf www.sallys.net.


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COMPUTERSPIELE

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JUST FAKE IT

STAR WARS: THE FORCE UNLEASHED

(Activision) Getestet für: PS3, PS2, Xbox360, Wii, DS, PSP Auch ein Oberbösewicht wie Darth Vader kann nicht alles alleine machen – früher oder später benötigt er einen Schüler, der in seine Fußstapfen tritt und die ganzen störenden Jedis aus der Welt schafft. In „Star Wars: The Force Unleashed“ wird dem Spieler eben jene Ehre zuteil, der Auserwählte zu sein und sich mit gezücktem Lichtschwert durch Horden von Sturmtruppen, AT-STs, diverse Monster und so einiges mehr zu schnetzeln. Das integrierte Attribut-System sorgt dabei dafür, dass sich die eigene Waffe durch erfolgreiche Missionen immer weiter aufmotzen lässt und bald mit beeindruckenden Lichtblitzen imponiert. Als Jedi verfügt man aber natürlich auch über die „Macht“ und setzt einfach herumliegende Gegenstände wie Steine, Kisten oder wenn vorhanden auch Raumschiffe ein, um sie aus der Ferne auf den Gegner zu schleudern. Die Story präsentiert sich dabei ebenso spannend wie überraschend komplex; Lucas Arts legte großen Wert darauf, dass die zwischen „Star Wars: Episode

III - Die Rache der Sith“ und „Star Wars: Episode IV - Eine neue Hoffnung“ angesiedelte Geschichte des Spiels allen Fans der Reihe inhaltlich genug zu bieten hat. Auch optisch wird „The Force Unleashed“ seinem Namen voll und ganz gerecht: Schauplätze wie der Wookiee-Heimatplanet Kashyyyk glänzen mit Details und wunderbaren Szenerien, die massive Dauer-Action wirkt dank beeindruckender Grafik-Effekte und brachialer Soundkulisse noch imposanter. Einzig das etwas unfaire Speichersystem und die teils hakelige Bedienung bei Fernangriffen trüben das positive Gesamtbild etwas; Nachwuchs-Jedis sollten sich von derartigen Kleinigkeiten aber natürlich nicht vom Griff zum Lichtschwert abhalten lassen. Text: Tito Wiesner

SPORE

(Electronic Arts) Getestet für: PC Mit „Spore“ wollte sich Will Wright einen Jugendtraum erfüllen und nicht weniger als die Geschichte des Universums in die Hände von PC-Besitzern legen. Wer schon immer eine eigene Spezies erschaffen wollte, kann hier also endlich loslegen. Das Ganze ist dabei deutlich weniger kompliziert als man zunächst annehmen würde: In insgesamt fünf Stufen, die jeweils einem eigenen und nicht sonderlich komplexen Mini-Spiel entsprechen, darf sich vom Einzeller bis zum Herrscher des Weltraums vorgearbeitet werden. Wurde eben noch in der Amöbensuppe geschwommen, steht als zweites der Landgang inklusive DNA-Mittagspause an. Es folgt die Stammes-Phase, in der in einer Art Echtzeit-Strategie andere Völker bekämpft werden, und die Zivilisations-Phase mit einer Reihe militärischer Optionen. Am Ende geht es in den Weltraum, viel Action inklusive - und zurück bleibt

der Eindruck, dass Wright die großen Erwartungen zwar nicht ganz erfüllen konnte, einmal mehr aber dank zahlloser Ideen, putziger Grafik und viel Abwechslung eine wahre Wundertüte von Spiel erschaffen hat. Text: Tito Wiesner

Der einzige deutsche Politiker, der es bisher wirklich gemacht hat (und das sogar richtig gut), ist Hubertus Heil. Während seines Besuchs auf dem US-Parteitag der Demokraten hat er - ganz wie der Politstar Barack Obama - in die Tasten seines Blackberrys gegriffen und im 140 Zeichentakt auf Twitter.com live nach Deutschland berichtet. Die Webszene hierzulande war von diesem Move des sonst eher langweiligen SPD-Generalsekretär begeistert. In den vielen Berichten über diese Aktion stand zudem, dass der gute Hubertus auch erst 36 Jahre alt ist (diese Information fand ich fast genauso sensationell wie die, dass er jetzt twittert). Soviel zu Hubertus, der inzwischen auch schon wieder aufgehört hat und bei Twitter nur noch eine digitale Ruine zurückließ. Dabei ist die Webbevölkerung inzwischen mehr als bereit für twitternde Prominenz. Wir sehnen uns nahezu danach, virtuellen Kontakt zu haben - zu virtuellen Politikern. Das zeigt der zunehmende Trend, sich seinen Politiker bei Twitter einfach selbst zu bauen. Bestes Beispiel ist der User namens „Muentefering“, der sich direkt nach dem Machtwechsel bei der SPD auf Twitter zu Wort gemeldet hat. Es wäre auch wirklich naiv, daran zu glauben, dass ein 68-jähriger Berufspolitiker und Bald-Parteivorsitzender nichts anderes zu tun hat, als unmittelbar nach seinem politischen Comeback einen Account bei einem hierzulande fast unbekannten Microbloggingdienst anzulegen. Und andere kreieren weitere Politiker-Profile, um etwas vom digitalen Ruhm dieses prominenten Fakes abzubekommen - ganz ähnlich wie bei der Aktion mit dem gefakten Steve Jobs in den USA. Wir wollen nah dran sein und Twitter gibt uns das Gefühl, dem Menschen näher zu kommen und gleichzeitig bleibt ein Abstand erhalten, der die Kommunikation für den Twitternden effektiv und trotzdem ungefährlich macht. Wenn Prominente twittern, ist das ein bisschen so wie virtuelles Hände schütteln, wie ein Bad in der Menge, ohne dass der Personenschutz in Panik geraten muss. Leider wird das noch lange eine Utopie bleiben, denn bis es einen deutschen Politiker gibt, der Twitter wirklich langfristig und authentisch benutzen wird, werden noch Jahre vergehen. Zum Glück können wir uns in der Zwischenzeit mit den Fakes vergnügen. Nur der User „Kurt Beck“ hat unmittelbar nach dem Müntefering die Internetbühne betreten hat, seine Twitter-Karriere an den Nagel gehängt. Aber der war auch als Digitalausgabe ziemlich langweilig, weiß *Lou Canova Mehr Twitter gibt es auf Twitter: twitter.com/metronaut twitter.com/loucanova


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COMPUTERSPIELE

Seite 77

TOO HUMAN

VIVA PINATA

FACEBREAKER

Die Menschheit war ja auf PC und Konsolen schon öfter in Gefahr, und immer wieder musste der Spieler ran und die Kohlen aus dem Feuer holen. Im Falle von „Too Human“ bekommt er dafür aber ein recht faszinierendes virtuelles Alter Ego gestellt – Baldur nämlich, eine kybernetische Gottheit. Charakterdesign und Story sind die großen Trümpfe des exklusiv für die Xbox360 erscheinenden Action-Rollenspiels: Nordische Götter treffen auf den Cyberspace und bieten so einen faszinierenden Mix aus Mythologie und Science Fiction. Das Gameplay, bei dem in bester Diablo-Manier mit Nah- und Fernwaffen durch die bösen Monster-Horden geschnetzelt werden darf, weiß zu gefallen. Nach ein paar Stunden stellt sich aber Ernüchterung ein: Die Geschichte kommt ins Stocken, die Gegnerscharen wiederholen sich. Und irgendwie nervt es, wenn die Kamera so ungünstig steht, dass man beständig unverschuldet auf die Mütze respektive den Götterschädel bekommt. Da wäre mehr drin gewesen.

Ungewöhnliche Spielkonzepte haben es oft schwer – das konnte man bei „Viva Pinata“ für die Xbox 360 beispielhaft erleben. Zwar wurde das Spiel mit Bestnoten und Awards überschüttet, die Verkaufscharts blieben in weiter Ferne. Trotzdem erscheint das Ganze jetzt auch für Nintendo DS und macht hier dank eingängiger Touchscreen-Steuerung sogar noch ein bisschen mehr Spaß: Aus einem öden Brachland muss eine grüne Wiese mit vielen Pflanzenarten gemacht werden, auf der sich, die nötige Sorgfalt vorausgesetzt, schon bald die ersten Tierchen niederlassen. Aus Würmern werden Vögel und früher oder später gar kunterbunte Raubtiere, und mit etwas Glück siedeln sich bald auch richtig seltene PinataArten im heimischen Zoo an. Natürlich kommen sich die kleinen putzigen Tierchen auch mal ins Gehege, man sollte als Spieler also schon gefestigt genug sein, um auch den ein oder anderen Pixeltod eines lieb gewonnen Paradies-Lebewesens zu verkraften.

„Facebreaker“ ist ein sehr amüsantes, augenzwinkerndes Boxspiel. Entwickelt wurde der ArcadeSpaß von den Machern von „Fight Night“. Ähnlich wie bei Spaß-Auskoppelungen anderer EA SportsGames haben die Entwickler offensichtlich große Freude daran gehabt, mit dem Genre zu spielen und ihre künstlerische Freiheit bei der GameplayEntwicklung ausleben zu können. Und so treffen bei „Facebreaker“ eine sehr gute Steuerbarkeit und Spielphysis mit einer guten Portion Selbstironie und Genre-Veräppelung zusammen, um gemeinsam einen draufzumachen. Der Spieler kann dabei zwischen verschiedensten Charakteren mit entsprechenden Eigenschaften wählen oder - wie sollte es anders sein im 2.0-Zeitalter - sein eigenes Foto hochladen und so den Charakter seiner Träume zu erstellen. Vor allem im Multiplayermodus macht das Spiel großen Spaß und ist eine witzige Alternative zu den sonstigen Haudruffundschluss-Spielen.

GEHEIMAKTE 2

STALKER – CLEAR SKY

MERCENARIES 2

2006 waren Max und Nina das Überraschungspärchen im Adventure-Genre – im ebenso spannenden wie gewitzten Point&Click-Titel „Geheimakte Tunguska“ boten sie Rätselfreunden beste Unterhaltung. Zwei Jahre später wartet nun der nächste Fall auf das mittlerweile getrennt lebende Pärchen, nur dass diesmal anstatt seltsamer Natur-Phänomene eine düstere Bruderschaft im Mittelpunkt der Ermittlungen steht. Die sagt nämlich nicht nur die bald drohende Apokalypse voraus, sondern scheint auch weltweit für Chaos, Wirtschaftskrisen und Morde verantwortlich zu sein. Nina startet am Hamburger Hafen und Max beginnt in indonesischen Tempelanlagen mit seiner Arbeit – früher oder später gehen beide doch wieder gemeinsame Wege. Bis dahin erwarten den Spieler spannende Gespräche, schöne Schauplätze sowie fordernde Logik- und Inventarrätsel. Da verschmerzt man gerne, dass sich die technischen Veränderungen zum Vorgänger im Bereich „marginal“ bewegen.

Die Veröffentlichung von „Stalker: Shadow Of Chernobyl“ verlief alles andere als reibungslos. Ein atmosphärisch beeindruckender Shooter war den Entwicklern von GSC Game World am Ende allerdings trotzdem gelungen, so dass auch die Erwartung an das neue, die Vorgeschichte erzählende „Stalker: Clear Sky“ hoch war. Zu hoch, wie man schnell feststellen musste. Dabei ist die Story durchaus spannend: Im Jahr 2011 kommt es zu schweren Explosionen rund um den berüchtigten Kernreaktor in Tschernobyl. Als Folge entsteht eine unwirtliche Zone voller Mutanten, Glücksjäger und magischer Artefakte, und der Spieler steckt als Angehöriger einer von mehreren verfeindeten Fraktionen mittendrin. Schade nur, dass in „Clear Sky“ nicht radioaktive Strahlung, sondern massive Bugs das größte Problem sind: Das Spiel stürzt auch mit den aktuellsten Patches häufig ab, die Missionen sind nicht immer logisch, der Schwierigkeitsgrad ist frustrierend hoch.

Der langjährige Erfolg von GTA kann mit Sicherheit auch damit erklärt werden, dass jegliche Angriffsversuche anderer Entwicklerstudios komplett in die Hose gingen. Leider kann man „Mercenaries 2“ auch in die Schublade „nice try“ ablegen. Die Grundidee, das GTA-Prinzip in ein Krisengebiet in Südamerika zu verlegen und dem Spieler als Söldner entsprechendes Kriegsgerät an die Hand zu geben, um damit entsprechend durch eine komplett zerstörbare Landschaft zu ballern, klingt super. Aber leider hört der Spaß ziemlich schnell auf. Schlechte Steuerung und vor allem eine ziemlich platte Geschichte mit sich ständig wiederholenden Sprüchen seitens der Spielcharaktere machen aus „Mercenaries 2“ leider keine ernst zu nehmende Alternative zu GTA. Vielmehr wird wieder einmal unterstrichen, wie gut gute Spiele im Vergleich zu schlechten Spielen sind.

(Microsoft) Getestet auf: Xbox360

Text: Tito Wiesner

(Deep Silver) Getestet auf: PC

Text: Tito Wiesner

(THQ) Getestet auf: Nintendo DS

Text: Tito Wiesner

(Deep Silver) Getestet auf: PC

Text: Tito Wiesner

(EA Sports) Getestet auf: PS3

Text: Lukas-C. Fischer

(Electronic Arts) Getestet auf: PS3

Text: Lukas-C. Fischer


Seite 78

HÖR-/BÜCHER

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ULRICH BASSENGE WALK OF FAME

(WDR/Der Hörverlag) Wir schreiben die Siebzigerjahre, der Regisseur heißt Teddie Romero, der Produzent Harvey W. Blitz, die Hauptdarstellerin Pussy Stanton. Da kann man sich schon ungefähr vorstellen, was für einen Film die drei gemeinsam drehen: Zombie-Sexploitation-Trash der schlimmsten Sorte. Schöner Quatsch, den Autor Ulrich Bassenge mit sichtlich Begeisterung für die Siebziger-Autokino-C-Filme da zusammen fabuliert hat, und dessen um lesbische KZ-Aufseherinnen, Vergewaltigungen, irre Folterer und Untote drehende Handlung er in Zwischenszenen immer wieder von den Trash/ Splatter-Regisseuren Jörg Buttgereit und Thilo Gosejohann kommentieren lässt. Teilt man deren Interesse am Kulturmüll nicht, wird man „Walk of Fame“ vielleicht selbst für reichlich debilen Quark halten. Kein Klischee - von der Besetzungscouch bis zu Gestümper am Set - wird ausgelassen, und die Witze sind manchmal genauso platt, wie die verstellten Stimmen nervig. Schade, denn eigentlich ist die Idee originell. (52:39 Minuten)

Text: Moritz Honert

LUTZ VON WERDER 1968 – EIN BILDUNGSROMAN

MACABROS

Im Interview: Olaf Seider Olaf Seider heißt der Mann, der diesen Lebenstraum stemmt - also den, die Herr-der-Ringe-eske Story von Björn Hellmark alias Macabros endlich zu Ende zu erzählen. Bitte nicht falsch verstehen, aber ist das schon Wahnsinn oder nur halb? Haha, verstehe ich nicht falsch. Wenn mich jemand fragt, ob ich verrückt bin, dann sage ich „Ja.“ Und ich sage auch: „Wenn Folge 125 fertig ist, gehe ich in Rente.“ Die Produktion der Hörspiele ist sehr teuer, und ich kann nicht davon leben. Aber „Macabros“ ist so ein wunderschönes Projekt, und solange privates Geld und die Einnahmen der verkauften Folgen die Kosten tragen, werde ich weitermachen. Die Originale sind längst Kult, was wolltet ihr aber unbedingt anders machen? Seider: Vor allem den Fehler, die Serie so wie jedem anderen Geisterjäger umzusetzen, zum Beispiel John Sinclair. Bei Macabros ist aber die Rahmenhandlung, also der Fantasy-Einfluss, einfach deutlich wichtiger. Warum wolltet ihr nicht die Folgen erzählen, nach denen die Original-Hörspiele abbrechen? Wir wollten den Held von vornerein anders anlegen. Unser Macabros ist nicht so cool. Eher überfordert, unsicher – er wird erst im Laufe der Folgen stärker, wenn er sich seiner Bestimmung stellt. Welche Erfahrungen habt ihr mit der Inthronisation von Gosejohan gemacht? Seine Sprecher-Skills sind eher überschaubar, dafür könnte er Türöffner für jüngere Hörer sein. Douglas Welbat, der Original-Sprecher von Macabros und Dialogbuchautor der Europa-Serie, ist mittlerweile Produzent von Kinofilmen wie „7 Zwerge“ und sicher nicht zu haben. Seine Stimme und die vieler bekannter Sprecher würde zudem nicht zu der Rolle passen, wie wir sie angelegt haben. Man sollte sich von dem Bild, das man sich in jungen Jahren von Macabros gemacht hat, endlich lösen - und schon wird man merken, dass Simon das Ganze gar nicht so schlecht macht. Text: Linus Volkmann

MACABROS DER FLUCH DER DRUIDIN

(Edel) Die Groschenromanserie „Macabros“ vom kürzlich verstorbenen Dan Shocker aus den Siebzigern und Achtzigern wird neu vertont. Keine neue Nachricht, doch nach der Initialisierungsdoppelfolge von vor zwei Jahren verstummte die GroßprojektAmbition (125 Folgen geplant!) umgehend wieder. König Rechtsstreit, die alte Sau, hatte auch hier zugeschlagen. Doch nun ein erneutes Go!, und immer noch in der Hauptrolle: der fidele C-Promi-Punchingball Simon Gosejohan. Sonst nur professionelle Stimmen und Gosedings hält sich meinetwegen auch ganz tapfer. Mit „Der Fluch der Druidin“ erscheint nun ein Teil, der bereits vor über 20 Jahren von Europa umgesetzt wurde. Die neue Version setzt weniger auf Expressionismus-Prosa im Agenten’n’MonsterEpos, sondern auf sorgfältigere Charakterentwicklung, auch der Splatter ist leicht zurückgenommen. Geil aber, dass das verrückte Wort „Batiskaf“ damals wie heute auftaucht. So nennt man wohl eine fahrende Tauchkapsel.

Text: Linus Volkmann

(Wolpertinger Hörbücher) Das mit der Revolution hat ja dann nicht so recht geklappt. Der Kapitalismus regiert 40 Jahre nach 1968 immer noch. Wieso eigentlich?, fragt sich Lutz von Werder und erinnert sich. Daran, wie es war, als Ohnesorg erschossen wurde, wie der Kinderladen scheiterte, weil der Arbeiternachwuchs alles kaputt machte, an die SDS-Sitzungen und die schlechten Gedichte. Trotzdem ist „1968“ keine Abrechnung eines Enttäuschten. Vielmehr kommt von Werder durch die Rückschau zu der Erkenntnis, dass „die letzte Revolution“ immer noch aussteht. 1968 war einfach zu früh. Dieses Fazit kann man je nach Anschauung naiv oder höchst erhellend finden, was bleibt, ist ein unterhaltsamer und lebendiger Einblick in die Zeit vor 40 Jahren. (63:33 Minuten)

Text: Moritz Honert

FRIEDRICH ANI WER LEBT, STIRBT

(SWR/Lübbe Audio) Kein leichter Fall, den Kommissar Jonas Vogel, der blinde Kripo-Ermittler da lösen soll: Mord, Eifersucht, Vater-und-Sohn-Konflikt, Asylproblematik, Ehestreit. Ganz schön viel Holz für 57 Minuten Hörspielkrimi. Tempo oder Spannung kommen dabei aber leider trotzdem nicht auf. Sprecher wie Walter Renneisen und Roman Knižak spielen zwar gut, doch neben der vielleicht nur wegen der knappen Spielzeit wirren Handlung stören vor allem die von ihrer Machart, nicht von ihrem Inhalt, arg ins Mystery-Genre schielenden Szenen, in denen die Blindheit des Ermittlers zum Thema wird. Die Bücher von Friedrich Ani werden regelmäßig Bestseller. Nach diesem Hörspiel weiß man leider nicht so recht, warum. (56:25 Minuten)

Text: Moritz Honert

HEINZ ERHARDT NATÜRLICH DIE AUTOFAHRER WITWER MIT FÜNF TÖCHTER

(Eichborn/Lido) Hach, schöne heile Welt. 1000 gute Gründe könnte man finden, Heinz Erhardt, dem Spaßonkel der Wirtschaftswunderjahre, mit den Werkzeugen der Kritischen Theorie am Zeug zu flicken. Tut man dann aber doch eher selten, irgendwie ist er einfach zu drollig. Eichborn/Lido hat nun aus zwei seiner Spätfünfziger-Biedermeier-Kinostreifen Hörspiele gemacht. Da können wir den Hauptdarsteller zwar nicht lustig wackeln sehen, dafür gibt es aber die schön in Mono rauschenden Tonspuren mit Peter Frankenfeld, Trude Herr oder Chris Howland. Die erklärenden Überleitungen spricht der Schauspieler und Erhardt-Enkel Marek Erhardt. Der über-

treibt zwar ordentlich mit seinem auf Putzigkeit gebürsteten Sprachstil, aber andererseits passt das ja schon wieder zu den vor Harmlosigkeit berstenden Geschichten. (59:23 Minuten/74:34 Minuten)

Text: Moritz Honert

DIE SCHWARZE STUNDE (5) ANDREAS GRUBER - DER FÜNFTE ERZENGEL

(Hörspiele Welt) Tja, dumm gelaufen: Kardinal Reichenvater liegt tot auf der Straße, in seiner Hand hält er die Visitenkarte des Journalisten Erich Lohmann. Leider hat der keine Ahnung, wie die da hingekommen sein könnte. Dass sich plötzlich die Polizei für ihn interessiert, ist allerdings Lohmanns geringeres Problem: Denn der Mord war nur der Auftakt. Nicht weniger als die Apokalypse steht vor der Tür. Eine acht Jahre alte Geschichte des österreichischen Mystery-Autoren Andreas Gruber wurde hier für die fünfte Folge der Serie „Die schwarze Stunde“ umgesetzt. Die bietet zwar Freunden von Verschwörung, Tod und Teufel die bekannten und beliebten Schauplätze und Requisiten, hätte aber ruhig ein wenig mehr Struktur und Tempo vertragen können. Vorleser ist Jörg Karrenbrock, der auch schon bei den neuen Macabros-Episoden als Erzähler zu hören ist. (89:57 Minuten)

Text: Moritz Honert

ALS DIE AUTOS RÜCKWÄRTS FUHREN HENNING VENSKE

(Highscoremusic.com/ Oomoxx) Die Siebziger brachten Westdeutschland viele kuriose Kinderhörspiele - dieses hier, das jetzt nach zähem Rechteringen neu aufgelegt werden konnte, ist nicht weniger als der irre König unter ihnen. Protagonist Lassdas Pinökel Superstar, eine Art elfjähriger Bart Simpson mit Hang zur Weltflucht, lebt mit Vater und Mutter im Reihenhaus einer Kleinstadt. Sein Alltag besteht aus Schule, Abendbrot, Autoritätskonflikten und Gaga-Fantasien. Henning Venske (siehe Sesamstraße) schrieb dieses hochgradig intelligente und subversive Stück, das irgendwo zwischen antiautoritärer 68er-Wut, Surrealismus und Klamauk hin und her pendelt. Ein überaus grelles Stück Hörspielgeschichte, das bestimmt auch heute noch verstören und begeistern kann. (52 Minuten)

Text: Felix Scharlau

SONST ERSCHIENEN

Musiker aller Orten! Beim siebten Teil von „Caine“ (Lausch) namens „Dunkler Prophet“ ist Smudo als Dr. Henry Rollins (sic!) zu hören. Als solcher tut er zwar nicht viel, doch ist die Folge trotzdem eine der stärksten Nummern bisher, da der Hörer viel über die bewegende Vergangenheit von FBI-Agentin Linda Watkins erfährt. Auch die Jungs von „Point Whitmark“ (Decision) erhalten im neuesten Fall „Der Duft Der Finsternis“ Hilfe aus der Musikbranche: Mr. Reedoo von Culcha Candela spricht den Radiohörer Dave. Die Kulisse des verschneiten „Nachtparks“, aus dem Tiere und eine junge Praktikantin entführt werden, ist originell gewählt, aber die Auflösung dann leider doch etwas lahm. Einen musikalischen Gast, allerdings von einer anderen Baustelle, gibt es auch in den Folgen 7 („Hinter schwarzen Spiegeln“) und 8 („Das blinde Auge des Horus“) aus der Reihe „Schattenreich“ (Lübbe Audio): Dero von Oomph!. Ansonsten kann über die beiden Werke leider wenig gesagt werden, weil sich die Handlung inzwischen völlig auf nebulöse Anspielungen beschränkt und die permanenten Zeit- und Handlungssprünge beim besten Willen nicht mehr nachzuvollziehen sind. Wesentlich geradliniger kommen die drei neuen Geschichten von „Handyman Jack“ (LPL Records) in der Box „Der letzte Ausweg“ daher. Alle Freunde der Selbstjustiz bekommen dabei erneut Erzählungen voller Schusswaffen, Geiselnahmen und reaktionärem Outlawtum zu hören, die genauso gestrickt sind wie die aus der ersten Box „Schmutzige Tricks“, aber auf unerklärliche Weise viel interessanter geraten sind.

Text: Holger Muster, Moritz Honert


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kommt vom Band, also von den Originalkassetten. Ihr glaubt, dass man sich die dann ja genauso gut zu Hause anhören könnte? Schon wieder falsch. Nicht nur, weil es ein so liebevolles Bühnenbild gibt, weil die dann doch irgendwie pantomimischen Qualitäten der Schauspieler so großartig sind, sondern vor allem, weil es die Pause-Taste gibt, die Raum schafft für allerlei Interpretationsunfug. Kurzum - es darf und wird viel gelacht werden! Freut euch also auf einen Abend, der an Kurzweil, Spaß und Unterhaltung schwer zu überbieten sein wird.

DAS VOLLPLAYBACKTHEATER

Die Drei ??? und die bedrohte Ranch

Das Vollplaybacktheater lädt zur nächsten Runde. Noch sitzen Britta, SupaKnut, David, Sven, Doktor Thomas und Christoph im Proberaum, aber im November geht es wieder auf die Bühnen dieser Republik. Da alle, die sich das Spektakel schon mal angeguckt haben, jetzt losrennen werden, um sich ihre Karte zu sichern, sollten die, die keine Ahnung haben, was mit „visueller Synchronisation von Hörspielen“ gemeint sein könnte, noch einen Zahn drauflegen. Also am Besten erst Karte kaufen, dann weiterlesen - denn erfahrungsgemäß, sind die Aufführungen der Jungs und des Mädels ruckzuck ausverkauft. Wieder da? Fein. Dann jetzt zu dem, was euch er-

wartet. Die Drei ??? war eine verdammt erfolgreiche Kinderkrimi-Hörspielserie und wurde dann zu so etwas wie Kult – sprich: die, die das damals in ihren Kinderzimmern auf klapprigen Kassettenrekordern hörten, finden‘s immer noch irgendwie gut, wenn Justus, Peter und Bob ihre Ermittlungen aufnehmen. Die sechs da oben bringen diese Geschichten nun also auf eine ganz spezielle Art und Weise auf die Bühne: Sie sprechen nicht. Keine Sorge, das ist auch kein abstrakter Pantomimen-Tanz, der Ton

Was? Ihr seid doch zu spät dran gewesen? Dann schreibt eine Mail mit dem Betreff „Drei ???“ und eurer Wunschstadt an verlosung@sallys.net und vielleicht habt ihr ja Glück, eine von unseren Karten zu ergattern. Wir sehen uns da! Alle Termine und Infos gibt es übrigens unter vollplaybacktheater.de

DAS VOLLPLAYBACKTHEATER AUF TOUR 4.11. Hannover - Capitol *** 5.11. Bielefeld Rudolf Oetker Halle *** 6.11. Hagen - Stadthalle *** 7.11. Lingen - Theater an der Wilhelmshöhe *** 8.11. Köln - Live Music Hall (ausverkauft!) *** 9.11. Herford - Club X *** 10.11. Oberhausen - Luise Albertz Halle *** 11.11. Bochum - RuhrCongress (Grosser Saal) *** 12.11. Lüneburg - Vamos! Kulturhalle *** 13.11. Bonn Brückenforum *** 14.11. Bremen - Pier 2 *** 15.11. Düsseldorf - Stahlwerk *** 16.11. Mönchengladbach - Das Rote Krokodil *** 26.11. Berlin - Postbahnhof am Ostbahnhof *** 27.11. Kassel - Nachthallen (Musiktheater) *** 28.11. Celle - CD Kaserne *** 29.11. Oldenburg - Cäciliensaal *** 30.11. Hildesheim - Audimax der Hochschule *** im Dezember geht’s weiter!

WEIRDOZ

Computerspiele zum Hören Literaturadaptionen, Hörspiele auf der Basis von Filmtonspuren, sogar Comicumsetzungen: kennt man alles. Das Label Weirdoz kümmert sich seit kurzem um die Vertonung von Computerspielen. Anlässlich des Erscheinens der nach „Legend“ zweiten Serie „Sacred – Der Schattenkrieger“ sprachen wir mit Regisseurin Patricia Nigiani und Produzent Udo Baumhögger über das Label und ihre Pläne. Wieso ausgerechnet Computerspiele? Udo: Wir wollten etwas Neues machen, und unser Labelchef Martin Ruiz Torreblanca ist seit Ewigkeiten in der Branche als Übersetzer tätig. Außerdem bieten die Welten unheimlich interessante Geschichtenkonzepte. War es einfach, die Computerspielproduzenten zu überzeugen? Udo: Viele Spieleleute waren anfangs skeptisch. Die kannten nur Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg. Als sie hörten, was wir so machen, haben sie aber sofort zugesagt. Wie habt ihr die Spiele ausgewählt, die jetzt die Grundlage der Geschichten sind? Patricia: Wir gucken uns an, was gut umzusetzen ist. Beide Titel waren groß und aktuell. Dass unsere ersten Serien beide aus dem Bereich Fantasy stammen, ist Zufall. Andere Projekte sind im Gespräch.

Darüber können wir aber noch nicht reden. Wie frei seid ihr bei der Ausgestaltung? Patricia: Bei „Legend“ haben wir uns stark am Spiel orientiert. „Sacred“ geht ein wenig weiter. Wir dürfen uns frei in den Welten bewegen, sind aber immer im Gespräch mit den Lizenzgebern. Die Spiele haben ja ihre eigenen Legenden und historischen Hintergründe. Da muss man aufpassen, dass nichts durcheinander gerät. Sonst ärgert man die Fans. Wie aufwändig ist die Produktion der Hörspiele? Patricia: Die ersten Drehbuchentwürfe für „Sacred“ haben wir im Januar 2008 gemacht, im Sommer 2009 soll die fünfte und letzte Folge erscheinen. Uwe: Der Aufwand ist schon enorm. Die fünf „Sacred“Teile haben wir alle gleichzeitig aufgenommen. Dafür mussten 150 Rollen besetzt werden, die wir überall in Deutschland aufgenommen haben. Mit unserem Stab

von fünf, sechs Leuten könnten wir aber theoretisch alle sechs bis acht Wochen ein Hörspiel rausbringen. Wünscht ihr euch manchmal ein größeres Budget? Udo: Das würde wahrscheinlich keinen Unterschied machen. Wir haben, was wir brauchen. Wenn man nur zwei Stimmen aufnimmt, braucht man ja kein riesiges Mischpult. Patricia: Teuer sind nur die namhaften Sprecher. Da können ein paar Tausender pro Tag draufgehen. Muss man die denn beschäftigen? Patricia: Wir haben auch unbekanntere Stimmen dabei. Ich habe aber festgestellt, dass Produktionen für die Presse häufig erst interessant werden, wenn bekannte Synchronsprecher dabei sind. Text: Adam Schneider Heimat: weirdoz.de


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BÜCHER/COMICS

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JENS NINK

Rockterrine: So schmeckt Rock’n’Roll! (Rockbuch Verlag)

Katrin, Simone und Samaneh haben es sich zur Aufgabe gemacht, hart arbeitenden Musikern die wohlverdienten Mahlzeiten im anstrengenden Touralltag nicht nur genießbar, sondern zu einem magen- und seelenschmeichelnden Erlebnis zu machen. Was sie Bands wie Muff Potter, Billy Talent, Beatsteaks, Millencolin oder Reisliebhaber Helge Schneider in ihrer langjährigen Erfahrung hinterm Kochtopf liebevoll servierten und wie man das Ganze zu Hause geschmacksecht selber kocht, hat Jens Nink nun praktischerweise auf Papier gebannt und mit einer amtlichen Ansammlung Bilder, Bandkommentare und Interviews der bekochten Kapellen garniert. Text: Christine Stiller

STEVIE CHICK PSYCHIC CONFUSION. THE SONIC YOUTH STORY

(Omnibus Press) Inzwischen ist es eigentlich interessanter, über Sonic Youth zu lesen, statt ihre jeweils neuen Platten zu hören. Aber, aber - meine Damen und Herren! Anstatt voreilig zu Teer und Federn zu greifen, nehmen sie lieber die frohe Kunde zur Kenntnis, dass „Psychic Confusion“ eben ein interessantes Buch ist, das die interessante Geschichte von Thurston, Kim & Co. beleuchtet, und - eben weil sie so wichtig sind, dass superviele wichtige Vögel der letzten 20 Jahre ihre Schnäbel, pardon: Wege mit denen der Schalljugend kreuzten - auch durch Exkurse zu fesseln weiß, in denen Gaststars auftauchen, die sich gewaschen haben!

Text: Torsten Hempelt

SABINE MÜLLER & MAX NUSCHELER (HRSG.) KOPFHÖRER. KRITIK DER UNGEHÖRTEN PLATTEN

(Salon Alter Hammer) Wäre ich hier und jetzt der erste und einzige, der behauptet, er habe das Buch nicht gelesen und würde es trotzdem besprechen? Wohl kaum - zu nahe liegt der Witz. Denn in „Kopfhörer“ geht es um genau diese Idee: Knapp 50 mehr oder minder bekannte Leute, die „irgendwas mit Musik“ zu tun haben, geben hier ihren Senf zu Platten ab, die sie nie gehört haben. Oder zumindest nie gehört haben sollten oder wollen, denn hier werden u.a. auch Alben abgehandelt, die man nur dann nicht wenigstens zum größten Teil kennt, wenn man...

na ja, eben dauerhaft in irgendeinem Umstand ist, der bedingt, dass man gar keine Musik hört. Anyhoo - ich habe also ein bisschen darin herumgeblättert und finde: Im Großen und Ganzen ist’s leider so, dass wenig phantasievoll zu Werke gegangen wird, stattdessen nutzen die meisten Autoren die Möglichkeit zum Schreiben von ambitionierten Analysen, schlichten Selbstdarstellungen oder eben letzten Endes doch ziemlich „normalen“ Besprechungen. Nur eben „ironisch“.

Text: Torsten Hempelt

meinen, so sei auch seine Musik, was zumindest für die letzten 25 Jahre auch stimmt. Thematisch in seiner üblichen Lebenswelt zwischen Tresen, Agitprop, Selbsthuldigung und natürlich den Damen angesiedelt, sind die durchaus charmant bis komischen Bilder deutlich inspiriert vom Schaffen des Stern-Illustrators Friedrich Karl Waechter – und damit vom Stil der Achtzigerjahre. Das größte, selbst geschaffene Kunstwerk ist ohnehin Lindenberg selbst, und diesem wird gehuldigt: Lindenberg bei der Arbeit, Lindenberg im Interview, Lindenberg mit Schröder, Steinmeier, Immendorff – wo das Leben ein öffentlich zelebrierter Akt ist, wird der Kunstband bisweilen zur Halbbiografie. Am besten sind die Stasi-Akten: Des informellen Mitarbeiters Analyse der Kunstfigur Udo Lindenberg geriet zwar hölzern, aber durchaus treffend. Drumherum hat er nun ein paar Männchen hingemalt.

Text: Michael Jäger

UDO LINDENBERG DAS LINDENWERK

(Schwarzkopf & Schwarzkopf) Bereits 2005 erschien ein erstes „Lindenwerk“. Dass die erweiterte Neuausgabe – in der limitierten Erstauflage auf 3.000 signierte Exemplare begrenzt – in dieselbe Zeit fällt mit der musikalischen Wiederkunft des Mannes, der den deutschen Rock erfand, ist natürlich absolut kein Zufall. Jenseits wohlfeiler Marketingstrategien fällt jedoch auf, dass Lindenberg zunehmend ernst genommen wird im Kunstbetrieb. Die hohen Preise für seine Bilder und Ausstellungen in angesehenen Galerien und Museen sind auch, aber nicht allein mit der Prominenz und dem Exotenstatus des Urhebers zu erklären. „Einen Lindenberg“ an der Wand zu haben, gilt in gewissen Kreisen als schick. Nun ist Udos „Kunst“ ja eine Art naive Höhlenmalerei mit Schnaps und natürlich eindimensional. Manche

NILES FREAKS OF THE HEARTLAND

(Cross-Cult) Eigentlich weiß bis heute niemand genau, wie es passierte. Oder warum. Fest steht, dass eines Tages fast alle Frauen im Tal schwanger waren. Wir halten nichts von diesem neumodischen Verhütungskram. Weitaus seltsamer war, dass alle Neugeborenen Freaks waren. Ich meine mit riesigen Verwachsungen und so. Und einige von ihnen haben so Fähigkeiten. Eines sah gar mehr aus wie eine Ratte als ein Mensch. Weiß Gott! Der Pfarrer riet uns, sie tot zu schlagen. Ich hätt’s auch gemacht. Aber die meisten sperrten diese Dinger stattdessen in den Keller... oder die Scheune. Wir rede-

ten nie darüber. Erst recht nicht mit Fremden. Das ist jetzt schon ewig her und jahrelang ging alles gut. Bis der Freak von Lee eines von Mollys Schweinen erledigte. Da hat er ihn endlich kalt gemacht. Ich meine, diese Dinger sind riesig geworden. Heute ist es ein Schwein und morgen man selbst. Also beschlossen wir, kurzen Prozess mit ihnen zu machen. Das haben sie irgendwie mitgekriegt. Sie sind abgehauen. Alle. Und die richtigen Kinder haben sie gleich mitgenommen. Henry drüben haben sie vorher erschlagen und seine Frau aufgehängt - die hatte eh eine viel zu lasche Hand. Sein Bengel ist auch weg. Mit dem Freak. Das wundert mich nicht. Ich habe mal eines Nachts, als ich zu spät nach Hause kam, die beiden heimlich über die Felder toben sehen. Glaube, die waren befreundet oder so was. Das muss man sich mal vorstellen! Befreundet mit einem Freak, der fast doppelt so groß ist und noch nicht mal richtig sprechen kann. Aber damit ist jetzt endgültig Schluss! Gleich sind die anderen hier. Und dann gehen wir sie suchen und tun etwas, was wir schon vor vielen Jahren hätten tun sollen. Die werden das Tal nicht verlassen! „Freaks of the Heartland“ ist eine wunderschöne düstere und zugleich unglaublich warme Comicerzählung, die sich zwar eines durchaus klassischen Horrormotives bedient, seine Protagonisten aber nie in die Klischeefalle haut.

Text: A.Hartung Heimat: Cross-cult.de

V/A POMME D’AMOUR 7 GESCHICHTEN ÜBER DIE LIEBE

(Die Bibyotek) Sieben Comic-Zeichnerinnen aus vier europäischen Ländern erzählen Liebesgeschichten, und es ist keine Rosamunde Pilcher in Sicht. Großartig! Kein Schleim, kein Kitsch, keine klebrige Romantik. Kein vordergründiger Feminismus und keine hippen Klischees über „die neuen jungen Zeichnerinnen aus Europa“. Was hier zusammengescribbelt wurde, ist nah am Leben, liest sich wie ein Buch und fühlt sich an wie ein Abend mit Freunden bei Bier, Kippen und kaltem Rotwein. Ein Abend, an dem man sich plötzlich alles erzählt und die Geschichten auspackt, die einem das Glück gebracht, die hässlichen verheilten Narben verpasst und die Absurdität des Lebens bis zum Kopfschütteln spüren ließen. Ein Liebesgeschichten-Bilder-Tagebuch voller Kunst und Können. Paz Boïra, Verena Braun, Élodie Durand, Claire Lenkova, Ulli Lust, Barbara Yelin und Laureline Michon. Vielen Dank, dass wir kurz in euer Leben gucken durften. Gerne wieder!

Text: Yessica Yeti Heimat: diebiblyothek.eu/pomme-d-amour Hardcover Preis 19,90 Euro

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Immer, wenn die Wirtschaft am Ende ist, rettet sie sich kurz vor dem endgültigen Ladenschluss mit der Dummheit ihrer Konsumenten. Das sind wir! Zuerst taufen sie allen Kram, den wir bereits gekauft haben, einfach um. Sie geben ihm neue funky Namen und noch endstylischere Verpackungen, stellen ihn wieder in die Läden und verkaufen uns den ganzen Flinz als „irgendwas total anderes Geiles“ noch mal. Anschließend produzieren sie den Müll dann noch in Spezialversionen, für Boys, für Girls, für Frauen, für dicke Frauen, für total fette Frauen, für den neuen Mann, den alleinstehenden Hund und für Nazis mit Vollbart. Dann sind sie reich! Also wird aus Hipp im Glas der Smoothie, aus Nudeln Pasta, aus Fanta Bionade, aus Dackel wird Jack Russel, aus mp3 m4p, aus Rumlungern Wellness und aus dem Ski-Stock der Nordic-Walking-Stock. Nur um uns diesen dämlichen Stock zu verkaufen gibt es diesen „Sport“ überhaupt! Früher hatten wir Fernseher - heute haben wir Flatscreens. Tolle Sache! Aber auf beiden läuft „Frauentausch mit Toto und Harry“ und das ist scheiße. Egal mit wie vielen Pixeln. Der Erfinder des Nassrasierers erfand gleichzeitig auch, dass Männer ihre Bärte nicht mehr besitzen wollten. Diese „Umorientierung“ nennt man Trend. Als dann alle keine Bärte mehr hatten, erfand er, dass Frauen ihre Achselhaare doof fanden. Das machte keinen Sinn. Aber ein Trend muss keinen Sinn machen. Er erfand, dass Muschis aussehen müssen wie Nacktschnecken und irgendwann dann, dass die GANZE FRAU aussehen muss wie eine Nacktschnecke. Das Rasier-Geschäft boomte! Tucholsky schrieb: „Frauen haben es ja von Zeit zu Zeit auch nicht leicht. Wir Männer aber müssen

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uns rasieren.“ Quatsch mit Haaren! Die meisten Rasierer werden mittlerweile an Damenschnauzbärte und Wadenhaare verkauft. Mehr Fläche! Frauen müssen sich enthaaren UND haben ihre Tage. Stark! Und wie geht’s weiter? Jetzt sind wir Jungs wieder dran. Vorhaut ab und GanzkörperRasur. Noch mehr Fläche! Haare sind bäh - das ist jetzt Trend! Leider. Und in zwei Jahren rasieren sich dann die Hunde. Ginge der Bananenkonsum zurück, die Industrie würde die Gelbfrucht-Plantagen sofort nur noch mit Espresso und Rote Bete-Saft gießen. Die neuen Bananen wären dann Pink und hießen BanenergyPrick, Ben’n’Anna oder West Bam-ana und könnten besser raven als Red Bull. Oben reinstecken - drei Tage wach! Hypa. Und bei Kaiser’s gäb’s dann die Retronane. Eine Banane. In gelb. Zwei Euro. Wer in den USA zeitgeistig seinen Durst löscht, trinkt das neue erfrischende „Meat-Water“. Jajaja. Das ist GENAU das, was ihr jetzt denkt. WURSTWASSER! Nur mal so: Ab morgen verkaufe ich meinen Mittelstrahl-Urin bei Starbucks im Kühlregal. Aus Scheiß mach heiß. Aus Moral oral. Aus unten raus oben rein. Recycling. Da bin ich dabei! Yessica Yeti

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Titelfoto Travis: Erik Weiss Frank Abel, David Biene, George DuBose, Birte Filmer, Ali Ghandtschi, Heidi Hartwig, Tim Klöcker, Torsten Roman, Oliver Schümers, Sandra Steh, Jan Umpfenbach, Erik Weiss, Jan Windszus, Ben Wolf

INTERVIEWS

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IM KINO

The Vines

Mit „Highly Evolved“ starteten The Vines vor fast zehn Jahren ihre Karriere, ab dem 31. Oktober erfahrt ihr in unserer Novemberausgabe nicht nur mehr über ihr neues Album „Melodia“, sondern alles über die aktuellen Machenschaften von Deichkind, Snow Patrol, Iglu & Hartly, The Stills und natürlich unseren Titelhelden Bloc Party.

Der Winter rückt näher - und das neue 007-Abenteuer ebenfalls. Doch es dreht sich im Kino nicht alles nur um „Ein Quantum Trost“. Denn schließlich gibt in Wim Wenders’ „Palermo Shooting“ Campino sein Leinwanddebüt, präsentiert sich „Waltz With Bashir“ als vielleicht bester, auf jeden Fall aber ernsthaftester Animationsfilm des Jahres und kommt mit der Komödie „Willkommen bei den Sch’tis“ der erfolgreichste französische Film aller Zeiten nach Deutschland. Lustiger als der alberne Titel des neuen Bond-Films ist aber auch die nicht!

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unclesally*s #140 / Oktober 2008  

die Septemberausgabe mit Geschichten von und mit Tomte, Thomas D., Kaiser Chiefs, Oasis, Peter Fox, Cold War Kids, Rise Against, TV on the...