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Stadtflair Hamburg

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Heft 3 Herbst 2016 5,50 Euro

Mitten im Leben. Mitten in Hamburg.

NEU!

Mein Viertel und ich

Klein Borstel, Veddel, Groß Flottbek, Ottensen, Tonndorf

Ich fang was Neues an!

Von Kunstkurs bis Qigong – so toll sind die Kurse der VHS

Architektur

Warum Hamburgs Betonbauten besser sind als ihr Ruf Unser Covermodel: Friseurmeisterin Sabine Ernst von „Frau Tolle“, Hoheluft-West

So bunt ist Hamburg!

Wie Hamburger wohnen, was Friseure im Kopf haben und wo es die besten Falafeln gibt


„KULTUR.“

Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt. Wir fördern Kunst und Kultur in Hamburg. Ob ELBJAZZ Festival, die Konzertreihe „Musik in den Häusern der Stadt“ oder der neue Musik-Nachwuchswettbewerb „Uptone“ - Kulturförderung gehört zum genossenschaftlichen Selbstverständnis der Hamburger Volksbank. Mit 38 Filialen und über 120 Standorten leben wir unser Motto „Man kennt sich.“ als partnerschaftliches Geschäftsprinzip und durch viele nachhaltige Förderfreundschaften. Kennen Sie schon Hamburgs erste Stadtschreiberin Doris Konradi? Oder das Jugendprogramm #SoInDerArt der Hamburger Kunsthalle? Wir freuen uns auf Sie beim nächsten Konzert, in der Filiale oder auf Facebook: Hamburger Volksbank Kultur.

www.hamburger-volksbank.de


Moin!

Catrin-Anja Eichinger fotografierte die kulinarischen Stadtrundgänge

Titelfoto: Stephan Bestmann, Fotos: Stephan Bestmann, Catrin-Anja Eichinger, Stefan Heiland

Liebe Leserinnen und Leser, zack, schon ist der Sommer vorbei. Aber bevor uns die ersten Kastanien auf den Kopf fallen, stürzen wir uns noch mal in die Fluten: Autorin Katrin Bergann wagte sich für unsere Rubrik „Mein erstes Mal“ auf Wasserski. Dank Yoga ist sie biegsam und fit, aber auf Skiern oben zu bleiben, ist eben kein Sonnengruß – Katrin kämpfte am nächsten Tag mit einem ordentlichen Muskelkater und schrieb ihren Erfahrungsbericht mit letzter Kraft (ab Seite­60). Falls Sie nicht gleich auf Skier steigen wollen: Die eine oder andere Geschichte im Heft bringt Sie bestimmt auf neue Ideen. Wie wäre es mit einem kulinarischen Stadtrundgang durch St. Georg oder das Grindelviertel (ab Seite 24)? Einem der unzähligen Kurse der erstaunlich modernen Hamburger Volkshochschule (ab Seite 48)? Oder Sie testen­einfach mal einen der von uns vorgestellten­Hamburger­Friseure (ab Seite 36)? Ob mit oder ohne neuer­Frisur: Lassen Sie es sich gut gehen, genießen Sie den Spätsommer und natürlich die neue Stadtflair.

Hut ab, Mütze auf: Wasserski-Novizin Katrin Bergann (l.) mit Sebastian Eppinger, Geschäftsführer der Cablesport Arena Pinneberg, und Kollegin Ulrike Fischer

Ihre

Sie haben Anregungen, Lob, Kritik? Besuchen Sie uns gern auf Facebook: www.facebook.com/Stadtflair

Ulrike Fischer Chefredakteurin

Impressum Verlag: DUMONT Media GmbH, Griegstraße 75, 22763 Hamburg, 040/80 90 57-0, E-Mail: info@dumontmedia.de Kontakt: stadtflair@dumontmedia.de Geschäftsführung: Michaela Schirrmann Chefredaktion (v. i. S. d. P.): Ulrike Fischer (artyfishial.de) Artdirektion und Layout: Nina Carstens und Tanja Leirich (grafikdeerns.de) Redaktion: Ulrike Fischer Mitarbeiter/-innen dieser Ausgabe: Katrin Bergann, Julika Cisek, Claas Gefroi, Sascha Leirich, Angela Meyer-Barg, Rike Schulz Lektorat: Anke Taubitz Objektleitung: Michaela Schirrmann Koordination: Alexandra Jost, Justine Carter Anzeigen: Hamburg First Medien & Marketing GmbH, Geschäftsführung Martin Stedler, kontakt@hamburg-first.de Herstellung: Stefan Fuhr Druck: Möller Druck&Verlag Die DUMONT Media GmbH ist eine 100-prozentige Tochter der Hamburger Morgenpost. Der Nachdruck dieser Ausgabe, auch auszugsweise, ist nicht gestattet. Dieses und weitere Produkte für Hamburg-Fans finden Sie auch unter mopo.de/shop STADTFLAIR I 3


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Hamburgs Friseure haben ein Köpfchen für gute Köpfe – wir haben fünf besondere besucht

24 60 18

Wie, schon 70? Die Sängerin und Komponistin Inga Rumpf im großen Stadtflair-Interview

4 I STADTFLAIR

Lecker! Kulinarische Stadtrundgänge durch St. Georg und durchs Grindelviertel

Mein erstes Mal: Wasserski in Pinneberg


im Herbst 2016 Lebensgefühl Hamburg

Entdecken & Genießen

06 Kurz & gut

24 Kulinarische Stadtrundgänge

Sachen, Tipps und Termine, die das Leben schöner machen

10 „Hier sind wir glücklich“

Teil 6 unserer Serie „Mein Viertel und ich“. Diesmal von Klein Borstel bis Veddel

30 Denk ich an Hamburg ...

Der Autor, Foodexperte und Koch Stevan Paul über Hamburgs kulinarische Seiten

36 Waschen, schneiden, klönen!

Hamburgs Friseure haben viel zu bieten – wir stellen fünf ganz unterschiedliche Haarkünstler vor

66 Ja, wer wohnt denn da?

Hereinspaziert! Acht Hamburger und ihr Wohnzimmer

Auf Schlemmertour quer durch Hamburgs Viertel. Wir testeten St. Georg und das Grindelviertel

32 Catering für jeden Anlass

Hamburgs beste Liefer-Services

48 Volkshochschule? Aber logisch!

Interessante Kurse, nette Leute und jede Menge Ideen für Ihre Freizeit

60 Mein erstes Mal:

Wasserski in Pinneberg Unsere Autorin Katrin Bergann stürzte sich ins Vergnügen

78 Concept Stores

Alles aus einer Hand: schicke Sachen vom Eierbecher bis zum Sofa

82 Alles Gold, was glänzt!

Kunst, Kultur & Stil

18 Inga Rumpf

84 Sport zum Anziehen

Das große Stadtflair-Interview mit der Hamburger Sängerin und Komponistin zum 70. Geburtstag

52 Architektur: Die Letzten ihrer Art

Warum Hamburgs brutalistische Betonbauten besser sind als ihr Ruf

72 Kleine Bühne,

große Wirkung! Hamburgs kleine Theater und was sie jetzt zu bieten haben

86 Buchschätze für den Herbst

Liebe, Drama, Wahnsinn: beste Tipps von Literaturspürnasen unseres Vertrauens

Wünschen oder verschenken – Hamburgs Goldschmiede haben Besonderes zu bieten In diesen Läden finden Sie gute Sportklamotten

90 Raus ins Hamburger Umland

Herbst-Ausflüge von der Insel Neuwerk bis Heuckenlock

96 Schatz, wir haben Besuch!

Tipps von „Hotel Reichshof“Manager Folke Sievers

Immer im Heft 03 Editorial und Impressum 04 Inhalt 98 Vorschau

Die Titelthemen sind mit einem roten Punkt gekennzeichnet

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Tipps & Termine Wenn die Stadt zum Kino wird ...

... können Sie sicher sein, dass Hamburger Filmfest ist! Vom 29. 9. bis 8. 10. zeigen die Macher des Festivals eine Vielfalt nationaler und internationaler Spiel- und Dokumentarfilme, manche sogar als Welturaufführung. Mit dabei sind auch in diesem Jahr die Kinos Abaton, CinemaxX Dammtor, Metropolis, Passage, Studio und B-Movie. Ein Highlight im Vorfeld: die Live-Übertragung der Opernpremiere „Die Zauberflöte“ direkt aus der Staatsoper Hamburg im Rahmen des Binnenalster Filmfests am 23. September. www.filmfesthamburg.de

17. 9.

... und auch am 18. 9. lädt das neue Festival „Elbfest“ zu einem vielfältigen Programm rund um den Hafen. Kulinarik, Musik, Theater, Poetry Slam – viel Spaß! www. elbfest.hamburg.de

KURZ UND

GUT. Es gibt sie, die vielen kleinen Dinge und Termine, die unseren ­Alltag lebenswerter machen. Hier kommen Tipps für September, Oktober und November

Venedig als Ausstellung

Haben wollen! Fotografie, Mode, Design, Illustration, Kinderklamotten und Food-Produkte – das alles und noch viel mehr präsentieren die rund 120 Kreativen aus ganz Deutschland auf dem vierten „Feingemacht Designmarkt“ im CCH am Dammtor. Schon mal ein guter Termin, um die ersten Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Bei kleinen und größeren Snacks, bunten Drinks und chilliger Musik kommt vorweihnachtliche Gemütlichkeit auf. Am 30. 10., 10 –18 Uhr im Congress Center Hamburg, www.feingemacht-markt.de

Kaum eine Stadt hat Künstler über Jahrhunderte so inspi­ riert und herausgefordert wie Venedig: Vittore Carpaccio, William Turner, Claude Monet und Wassiliy Kandinsky, um nur einige zu nennen, haben Licht und Atmosphäre, Menschen und die vielen pittoresken Sehenswürdig­ keiten für die Ewigkeit festgehalten. Die Ausstellung „Venedig, Stadt der Künstler“ im Bucerius Kunst Forum zeigt, warum die Lagunenstadt bis heute einer der inspirierendsten Orte ist. Und mit der Biennale ist die Stadt nach wie vor Treffpunkt zeitgenössischer Künstler. So eine Schau hätte man auch gern mal über Hamburg! 1. 10. 2016–15. 1. 2017, Bucerius Kunst Forum, Rathausmarkt 2,www.buceriuskunstforum.de 6 I STADTFLAIR


RESTAURANT

Relaunch

Futtern & entdecken Auf dem „BesondersLecker“-Food Market können Sie ein ganzes Wochenende lang alles, was besonders lecker ist, genießen: lokale Spezialitäten, Frisches aus der Region, Exotisches aus der Ferne, Süßes und Süffiges – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Zwei genussreiche Tage mit Aktionen, Verkauf und Verkostung. 8. + 9. 10., jeweils 10 –18 Uhr, Erwachsene ab 18 Jahren 5 Euro, Cruise Center Altona, Van-der-Smissen-Straße 5, www.besonders-hamburg.de

meat & beer

Montag bis mittwoch ab 16 uhr donnerstag bis freitag ab 12 uhr samstag bis sonntag ab 9 uhr

opening times

Happy Birthday, Schmidts Tivoli! Am 3. 9. startet die Open-Air-Gala anlässlich des 25. Jubiläums auf dem Spielbudenplatz. Umsonst, draußen, für alle. Wir sind dabei! www.tivoli.de

Fotos: Bucerius Kunst Forum, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Filmfest Hamburg / Christian Spahrbier, PR, Malte Grandt

Wir haben eine Stadtschreiberin Die Kölner Schriftstellerin Doris Konradi, 55, hat das dreimonatige Aufenthaltsstipen­ dium „Hamburger Gast“ der Hansestadt Hamburg gewonnen. Aktuell schreibt sie im Bergedorfer Schloss, im September geht’s ins Foyer des Ohn­sorg­Theaters und ab Okto­ber arbeitet die Autorin dann in der Kultur­werkstatt Harburg am Binnen­ hafen. Ihre Erfahrungen, Begegnungen und literarischen Texte in und über Hamburg präsentiert sie am 29. 10. im Museum für Kunst und Gewerbe (freier Eintritt). Wir sind gespannt, wie sie unsere Stadt sieht! Gefördert wird das Stipendium unter anderem von der Hamburger Volksbank. www.hamburger-gast.de

„Thilfy“ lässt uns glatt vom nächsten Sommer träumen. Das 24 Quadratmeter große Gartenhaus hat alles, was eine Mini-Sommervilla braucht, und wird schlüsselfertig übergeben. Als perfektes Gästehaus auf eigenem Grundstück, als moderne Laube im Schreber­ garten. Ab 18 500 Euro. THILFY TEAM, Schillerstraße 2G, 24576 Bad Bramstedt, Tel. 04192/81 34 40, www.thilfy.de

Restaurant Relaunch · Kleine Seilerstraße 1 20359 Hamburg Tel.: 040 248 74 443 hamburg@restaurant-relaunch.de

Folgt uns auf Facebook & Instagram: relaunchrestaurant, #relaunchrestaurant


Tipps & Termine

Hallo Feierabend! Ein gutes Getränk bei guter Musik – so kommt man abends nach dem Job bestens runter. Das Renaissance Hotel lädt jeden Donnerstag zum „Bricks Beat After-Work“ in die Innenstadt ein. Von urbanen DJ Beats bis hin zu Akustik Singer-Songwriter Pop findet jede Woche ein anderer Künstler seinen Platz auf der Bühne. Dazu die Happy Hour von 18 bis 20 Uhr – und der Feierabend ist perfekt! Renaissance Hamburg Hotel, Große Bleichen, Tel. 34 91 80. Alle Termine und Künstler unter: www.renhotels.com/hamburg

Tanzbare Politik Integration mal andersrum: Markus Sprengler, Mannheimer Musiker und Mitinitiator der Popakademie Baden-Württemberg hat über viele Jahre Länder wie Sambia, Sierra Leone, Namibia und die Inseln Barbados und Jamaica bereist, um mit einheimischen Musikern seine neue CD „Radio Serenity“ (16.9., FIZZ records) aufzunehmen. Der Sound aus fluffigem Reggae, Ska, Pop und Worldbeats geht in die Beine, die politischen Texte in den Kopf! Auf Tour demnächst auch in Norddeutschland. www.sprengler.com

3.9.

www.langenachtderliteratur.de

Das Knust ruft zur Küchensession Wie die Bands alle heißen, kann sich nicht jeder merken, aber die 5. Hamburger Küchensession verspricht nett zu werden. ­Handgemachte Musik aus Deutschland und Norwegen und dazu norddeutsche Köstlichkeiten – gute Idee! www.kuechensessions.de/festival

Nachts im Theater Pünktlich zum Saisonstart öffnen die rund 40 Hamburger Bühnen ihre Vorhänge zur „Theaternacht“ (10. 9.). Für nur 15 Euro pro Person (Vorverkauf) warten Ausschnitte aus aktuellen Produktionen, Kurzprogramme und Specials, Darbietungen von Drama bis Klamauk auf zahlreiche Besucher. Sechs Sonderlinien mit mehr als 50 Bussen verbinden die Spielstätten miteinander. Freuen Sie sich auf ein vielfältiges Programm für Einsteiger und alte Theaterhasen, bei dem es hoffentlich nicht so viel regnet wie letztes Jahr ... www.theaternacht-hamburg.org 8 I STADTFLAIR

Fotos: Deborah Musso, Jacob Boerner, PR

Von 15.30 Uhr bis spät abends und quer durch die Stadt: Auf der langen Nacht der Literatur lesen bekannte Schriftstellerinnen und Autoren aus ihren Werken.


Tische, Stühle, Lampen und Regale: Im Geschäft Lokaldesign gibt es nichts von der Stange, dafür alles von pfiffigen Designern. Di–Sa 11–19 Uhr, Schulterblatt 85, Tel. 65 91 64 83 www.lokaldesign.de

Ab in die Botanik!

Von Markt bis Mittag Gemeinsam Zutaten einkaufen, Hamburg jenseits ausgetretener Pfade kennenlernen und mittags zusammen kochen, das bietet Thomas Sampl von „Smutje’s Land­ gang“ an. Dauer: 4 Stunden, Kostenpunkt: 75 Euro pro Person inklusive Mahlzeit. www.smutjes-landgang.de

Das ist doch mal was, um die Flora des Nordens zu entdecken! Ob die Parks vor unserer Haustür und den Hafen oder die den Schachblumenwiesen in der Haseldorfer Marsch und Schätze wie die Leezener Au: Dieser botanische Wanderführer ist ein wahre Fundgrube für Ausflüge. Mit Karten, ausführlichen Pflanzenbeschreibungen und Routenplaner. H. H. Poppendieck, G. Bertram, B. Engelschall: „Der botanische Wanderführer für Hamburg und Umgebung“, Dölling und Galitz, 19,90 Euro

Möbel, Lampen, Tequila

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Das Wäscherei-Restaurant / Hamburgs schönste Sommerterrasse

ACCESSOIRES

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„Wir leben hier im Luxus. Alles, was man braucht, ist fußläufig oder mit dem Fahrrad erreichbar“ 10 I STADTFLAIR


Mein Viertel und ich

„Wir lieben unser Viertel“ Stadtflair-Serie, Teil 6: Ob nördlich oder südlich der Elbe – jeder Stadtteil hat seinen eigenen Charme. Entgegen aller Vorurteile lässt es sich in sogenannten Problemvierteln ebenso wundervoll leben wie in den hippen Gegenden unsere Stadt. Das Entscheidende ist der liebevolle Blick, den man auf sein Umfeld wirft Texte & Fotos: Rike Schulz und Julika Cisek

Sekretärin Sonja Siech, 49, und Barmann Wendelin Eckold, 54, genießen das „Dolce Vita“ in Groß Flottbek „Auf einer Skala von eins bis zehn liegt die Lebensqualität bei einer glatten Elf“

„In Groß Flottbek leben viele Hanseaten – gediegen und auch ein bisschen vornehm“, sagt Sonja Siech. Wendelin Eckold fügt schmunzelnd hinzu: „Trotzdem fühlen wir uns hier pudelwohl!“ Das Paar, das vor fünf Jahren hierherzog, zelebriert seinen eigenen Lebensstil. „Klar, die Leute gucken, weil wir uns anders kleiden. Aber die Blicke sind nie unfreundlich, eher interessiert. Nur ins Gespräch kommt man nicht so leicht.“ Auch wenn die „Alten“-Quote in ihrer Wohngegend über dem Hamburger Durchschnitt liegt, viele Rentner in den herrschaftlichen Jugendstil-Villen residieren und sich Groß Flottbek aus einer dörflichen Struktur entwickelt hat, geht es in dem beliebten Stadtteil recht „flott“ zu. „Die Menschen wirken manchmal gestresst. Insbesondere der Kult, den manche Eltern um das Bildungs- und Sport-Programm ihrer Kinder veranstalten, ist spürbar. Hockey, Reiten und Tennis gehören hier noch immer zur guten Erziehung“, erzählt die 49-Jährige. Das Gecruise mit den vielen SUVs findet Sonja überflüssig. Sonja und Wendelin lassen es gemächlich angehen, wenn sie mit ihren Fahrrädern durch die Gegend fahren. „Mit dem Rad kann man die Straßen am besten erkunden, Neues entdecken. Oft steigen wir ab, damit wir uns die Architektur der Häuser mit den hübschen Gärten, viele im englischen Stil, besser anschauen können.“ Ausflüge in den LiseMeitner-Park, in dem man im Sommer so famos picknicken kann, gehören ebenso zur Freizeitgestaltung des Paares wie Abstecher ins „Verdi“ in der Waitzstraße. „Dieses Café ist jenseits von Schickimicki. Hier treffen sich Individualisten und Intellektuelle. Die Gespräche sind für mich eine große Inspiration“, erzählt Sonja. Das heißeste Thema beim Cappuccino: der umstrittene Umbau der Waitzstraße. Weil einige Rentner in der Vergangenheit beim Ausparken Vor- und Rückwärtsgang verwechselten und in die Schaufenster der Geschäfte crashten, sollen nun die Robinien-Bäume gefällt und stattdessen Poller gesetzt werden. „Darüber wird viel diskutiert und es haben sich zwei Lager gebildet. Fragt man uns, so ist die Antwort eindeutig: Es sollte bleiben, wie es ist. Wir brauchen es nicht so durchdesignt und up to date wie in der Hafencity!“ | Eis & mehr: „Eiscafé Verdi“, Waitzstraße 13 a, Tel. 89 01 98 27 Lesen: Buchhandlung J. H. Arder, Waitzstraße 24, Tel. 89 27 29 Wein trinken & kaufen: „Café Elb Wein“, Beselerstraße 27, Tel. 88 12 98 19 STADTFLAIR I 11


Mein Viertel und ich

Alternatives Leben, Offenheit, politisches Engagement: Dokumentar Rüdiger Schulz, 64, verliebte sich 1971 in die Vielfalt von Ottensen „Keiner schert sich drum, wie jemand aussieht. Hier richtig aufzufallen ist quasi unmöglich“ Ottensen ist die Mutter aller Arten Hamburger alternativen Lebens. Denn die Öko-Fraktion hat hier ihren Ursprung. Man lehnt sich auf und nutzt die Straßen als Lebensraum. Ottensen begeistert Rüdiger Schulz seit über 40 Jahren immer wieder aufs Neue. „Ich komme aus einem konservativen Elternhaus, dieser Stadtteil war schon damals das komplette Gegenteil. Aufzufallen ist beinahe unmöglich, dafür tummeln sich hier zu viele Freaks. Im Sommer tragen die Leute zum Beispiel ihr Sofa auf die Straße und relaxen in der Sonne“, so der Dokumentar. Kampf den Konventionen, lautete in den 80er-Jahren die Devise. Damals, als das Kaufhaus Hertie noch stand und es den Shopping-Tempel Mercado noch nicht gab, standen an den Hauswänden ­ Parolen wie „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ oder „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“. „Es war die Zeit der Bürgerinitiativen. Man organisierte Demos gegen Atomkraft, 12 I STADTFLAIR

stemmte sich gegen die Bebauung des Kemal-Altun-Platzes. Die BhagwanBewegung gehörte zum Stadtbild wie die Punks auf dem Spritzenplatz“, erzählt der 64-Jährige.

„Stehen Veränderungen an, gründen die Leute Initiativen, um Unsinniges zu verhindern“ Vor dieser Ära war das Viertel im Bezirk Altona anders, wie der 64-jährige Ottenser berichtet. „Hier lebten viele Hafenarbeiter. Dann kamen die Studenten, weil die Wohnungen günstig und WG-geeignet waren. Später wurden sie Lehrer, Anwälte, Therapeuten – und blieben in Ottensen.“ So wie Rüdiger Schulz, der sich einen Dachboden ausbaute und den Wandel seines Viertels gleichermaßen genießt und kritisch

verfolgt. „Natürlich schreitet die Gentrifizierung voran. Ikea in der Großen Bergstraße ist so ein Fall. Einerseits freut man sich über den Nutzen, andererseits wünscht man sich, dass kleine Einzelhändler nicht verschwinden.“ Bis heute steht Ottensen politisch links. „Selbst während der Fußball-WM ist Deutschtümelei verpönt. Der Ottensener hängt lieber die Brasilien-Flagge raus.“ In der Hochburg der Grünen wird oft betont, dass man bis zum Jahre 1864 zu Dänemark gehörte. Warum ist man darauf stolz? Rüdiger Schulz sagt: „Wer autonom leben will, lässt sich eben nicht gern vereinnahmen.“ | Metallwaren: Aulmann, Krüner & Co., Hohenesch 10, Tel. 39 80 37 97 Lieblings-Bistro: „Café Knuth“, Kleine Rainstraße 46, Tel. 46 00 87 08 Lunch: „Eisenstein“, Friedensallee 9, Tel. 390 46 06 Friseur: Stienen & Gürkan, Hohenesch 40, Tel. 31 81 73 78


Künstler-Agentin Ilona Schulz-Baumgart, 54, fand mit ihrer Familie in Klein Borstel ein bodenständiges und märchenhaftes Zuhause

„Mit einem Bein ist man im Alstertal, mit dem anderen mitten im Leben“ So wie Ilona Schulz-Baumgart von Klein Borstel schwärmt, könnte man meinen, das Viertel wäre von den Gebrüdern Grimm erfunden worden. Der 800 Jahre alte Stadtteil ist für die Künstleragentin ein Idyll: „Direkt vor meiner Tür ist das

„Was für andere die Elbchaussee ist, ist für mich die Wellingsbütteler Landstraße“ Alstertal. Das ist mein verwunschener Märchenwald, in dem die Welt noch in Ordnung ist und die Natur wie im Paradies gedeiht.“ Eichhörchen klettern in den Bäumen und manchmal verirrt sich ein Reh in den Garten. Während ihr Gatte Klaus in seinem Partyhit „An der Nordseeküste“ das Meer besingt,

schwärmt seine Ilona von ihrer Heimat. „Dass sich die ersten Bauern im 12. Jahrhundert an diesem Ort niederließen und die Gemeinde stetig anwuchs, wundert mich nicht. Immer wenn wir von Reisen zurückkommen und ich den Boden meines Viertels unter den Füßen spüre, bin ich glücklich.“ In der Haspa-Filiale wird die 54-Jährige mit Bussi begrüßt, auf der Straße umarmt man sich mit Nachbarn, im Friseursalon „Meinecke“ tauscht man den neuesten Klatsch aus. Um die Bewohner über Aktuelles aus der Gegend zu informieren, gibt es sogar ein eigenes Stadtteilmagazin mit Ankündigungen und Anzeigen. In der Stübeheide werden regelmäßig Straßenfeste gefeiert. „Dort ist dann richtig Action angesagt und wir machen gern beim Flohmarkt mit“, sagt Ilona. Wichtig ist auch der kleine Heimatverein, der u.  a. die plattdeutsche Theatergruppe „Speeldeel“ unterstützt.

Der Stadtteil punktet zudem mit einem Abenteuerspielplatz und großbürgerlicher Architektur. Und wie ist der typische Klein Borsteler? „Auf jeden Fall kein Yuppie“, sagt Ilona. „Wir sind bodenständig, kümmern uns um andere, statt mit Statussymbolen zu protzen.“ | Friseur: Salon Peggy Meinecke, Stübeheide 157, Tel. 59 82 12 Brötchen: Bäckerei Vollstädt, Stübeheide 157, Tel. 59 04 53 Eis: „Tom’s Eiscafé“, Stübeheide 153, Tel. 18 15 46 28 Ilonas Agentur: www.bunds-team.de

LEIDENSCHAFT SCHMECKT MAN. TRADITION AUCH.


Mein Viertel und ich

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Für Entertainerin Love Newkirk, 59, ist Tonndorf eine „göttliche Fügung“ – vor zehn Jahren zog sie mit ihren Kindern her und will nie wieder woanders leben „Der Spirit meines Viertels ist international“ Hier ist der Name Programm: Tonndorf – ein Dorf in der Stadt. Als kleiner Stadtteil im Bezirk Wandsbek ist es ein beliebter Wohnort für Menschen aus aller Welt. Love Newkirk, Sängerin, Schauspielerin und Entertainerin, seit über zehn Jahren ansässig, erzählt: „Im Job liebe ich die große Bühne, privat finde ich das Kleinstadt-Flair meines Stadtteils sehr charmant.“ Die Künstlerin aus Pennsylvania kam Anfang der 90er-Jahre nach Hamburg und entdeckte ihr Ein­ familienhaus per Zeitungsannonce. „Vom Naturell her „Es ist eine relaxte bin ich eine richtige Gegend mit einem sehr aktiven GeKleinstadt-Pflanze meinschaftsgefüge. und passe vermutlich In unserer Straße leiht man sich Zuauch deshalb so cker, man schnackt gut in diesen Bezirk“ miteinander quer über den Garten­ zaun, die Kinder gehen zusammen in die RudolfSteiner-Schule und man sieht sich dann und wann in der Kirche im Sonnenweg“, erzählt die 59-Jährige. Die Pastorin, sagt sie, sei sehr engagiert, gerade was die Kinder- und Jugendarbeit anbelangt. Das beschauliche Umfeld Tonndorfs ist ein Pluspunkt, den die Vierfach-Mutter schätzt. „Wenn mein jüngster Sohn Isyah abends zum Basketball-Spielen in den Park geht, mache ich mir keine Sorgen. Okay, inzwischen ist er 18 und kann sich verteidigen – aber auch als meine Kids kleiner waren, hatten sie eine unbeschwerte Bullerbü-Kindheit.“ Die Möglichkeiten für OutdoorSport sind in Tonndorf vielfältig, die Infrastruktur ist gut. Und am Berliner Platz findet man alles, was das Herz begehrt. Loves Lieblings-Tipp ist jedoch das „Haus am See“. Nicht nur, weil es neben dem Eingang einen Teich gibt, an dem diverse Vogelarten wie Enten und Kraniche brüten, sondern weil hier Kultur und Soziales Hand in Hand gehen. „Ich habe bei einem Benefizkonzert für Flüchtlinge mitgemacht. Die Betreiber bieten zudem Ausstellungen, veranstalten Feste und Flohmärkte und unterstützen Mütter mit vielen Angeboten. Eine super Einrichtung, die man nicht genug loben kann!“ | Treffpunkt: Haus am See, Schöneberger Straße 44, Tel. 66 85 14 10 Blumen: Sonnenblume, Tonndorfer Hauptstraße 78, Tel. 66 28 42, Love Newkirk: www.lovenewkirk.de

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Mein Viertel und ich

Designer Karsten Gollnick, 51, zog aus pragmatischen Gründen vor 15 Jahren auf die Veddel – und fand hier seinen Ankerplatz

„Wenn ich anderen erzähle, welche Vorzüge mein Viertel hat, ernte ich nicht selten erstaunte Blicke“ Freie Auswahl! Als Karsten Gollnick sich auf der Veddel Wohnungen anguckte, konnte er sich zwischen 15 frisch sanierten Objekten entscheiden. „Es lief damals ein Programm, mit dem man den Stadtteil verändern wollte. Es sollten Menschen aller Alters- und Gesellschaftsschichten angelockt werden, um einen gesunden AnwohnerMix herzustellen – zu Mietpreisen, die ihres­gleichen suchen. Viele zahlen um die sieben Euro pro Quadratmeter. Und sehr viel teurer ist es bis heute nicht geworden“, erzählt der Designer, der sich deshalb auch als „Kind der ersten Stunde“ bezeichnet. Den Charme des einstigen Arbeiterviertels mit den akkuraten RotklinkerBlocks der 20er-Jahre konnte er sich nicht entziehen. Spricht der 51-Jährige von Veddel, klingt es wie eine Ode an einen Ort, der zu Unrecht mit Vorurteilen belegt ist: „Aus meiner Wohnung sehe ich die Elbphilharmonie, die großen Schiffe beim Cruise Terminal und jedes­

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Feuerwerk – ein Paradies! Wie der Leinpfad, nur ohne Bootsanleger. Ich habe hier Ruhe und bin in sieben Minuten mit der S-Bahn in der Innenstadt.“ Von der Mär, dass es eine erhöhte Kriminalitätsrate geben soll, hält der Gewandmeister nichts. „So’n Quatsch!

„Der Döner-Mann ist eine feste Institution. Aber leider mangelt es sonst an Kneipen und Geschäften“ Man kennt sich, das Gemeinschaftsgefühl hat fast familiären Züge. Ich glaube, auf der Veddel passiert beinahe weniger als anderswo.“ Kleiner Wermutstropfen zwischen Elbdeich und Grünanlagen: „Wir haben zwar tolle Handwerker wie Kunstdrucker Christian Bartsch oder Fotograf Volker Hansen sowie natürlich den Döner-Mann, aber leider

mangelt es an netten Geschäften, Kneipen und Restaurants.“ Nur die kultige „Fischgaststätte“ suchen auch Ortsfremde auf. Gollnick führte selbst mal einen Laden, mittlerweile hat er sein Atelier in die eigenen vier Wänden verlagert. Seine „Spezialität“: Alltagsgegenstände mit Pfiff. „Ich hatte auch mal eine Kopftuch-Kollektion für Muslima“, so der Schneidermeister. Klar, Multikulti ist auf der Veddel längst selbstverständlich. Karsten: „Man respektiert einander. Die verschiedenen Kulturen machen den Charme dieses Viertels aus.“ Er lacht. „Man könnte auch sagen, auf meiner Insel ist die Welt zu Hause.“ | Italiener: „Pizzeria Piccola“, Wilhelmsburger Platz 14, Tel. 79 00 84 90, Bäcker: Scotland Jard, Veddeler Brückenstraße 162, Imbiss: „Veddeler Fischgaststätte“, Tunnelstraße 70, Tel. 78 63 89 Karsten Gollnick: www.veddelaner.de


Die neue Royal Opera House-Saison live auf der groĂ&#x;en Kinoleinwand Opern- und Balletthighlights der Saison 2016/17 Alle Titel und Termine im Kino oder online unter uci-kinowelt.de


Über Jahrzehnte im Musik-Business gut beschäftigt zu sein schaffen nur wenige – und Inga Rumpf denkt auch mit 70 nicht ans Aufhören

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Hamburger Stars

The Voice of Germany Inga Rumpf hat musikalisch alles erlebt. Sie schrieb Rockgeschichte, tourte mit Weltstars und brachte den Gospel in den Michel. Ob Rock, Blues oder Jazz: Seit fünf Jahrzehnten reißt die waschechte Hamburger Deern ihr Publikum von den Sitzen. Wir trafen die Ausnahmesängerin in der „Alten Mühle“ in Eppendorf Interview: Sascha Leirich|Fotos: Stephan Bestmann

I

n Musikerkreisen gilt die charismatische Inga Rumpf als beste Sängerin Deutschlands. Das liegt zum einen an ihrer prägnant-rauchigen Stimme, mit der die 70-Jährige seit über 50 Jahren ebenso energisch wie gefühlvoll umzugehen vermag. Zum anderen aber auch an dieser Intensität, mit der sie sich der Musik hingibt. Ihr musikalisches Spektrum ist ebenso bunt wie ihre Karriere. Dabei ist Inga Rumpf keine Rampensau, sondern eine bodenständige, selbstbewusste Frau, der man ihre jahrzehntelangen Erfahrungen anmerkt. Beständigkeit spielt in ihrem Leben eine wichtige Rolle, daher hat sie auch die „Alte Mühle“ für den Interviewtermin vorgeschlagen – ein Traditionslokal, das sie seit vielen Jahren schätzt. Wir sind gespannt auf unser Treffen. Und gehen anschließend beseelt nach Hause ...

Stadtflair: Hier in Eppendorf gab es früher das legendäre „Onkel Pö“. Denken Sie gern an die gemütlichen Zeiten zurück? Inga Rumpf: Ja, denn das war ein wichtiger Lebensabschnitt.

Das „Pö“ war sehr lebendig und hatte eine tolle Atmosphäre, man hat sich dort mit vielen Musiker-Kollegen getroffen und verrückte Erlebnisse geteilt.

Gab es einen Künstler, von dem Sie damals besonders beeindruckt waren?

Al Jarreau war toll! Ich hatte an dem Abend selber ein ­Konzert und kam erst recht spät zu seinem Auftritt ins „Pö“ – da war er schon heiser. Trotzdem war ich sehr beeindruckt. Später habe ich seinen Song „Spirit“ mit der Peter Herbolzheimer Band gesungen. STADTFLAIR I 19


Hamburger Stars Wenn Inga lacht, gehen alle Lichter an! Im Biergarten der „Alten Mühle“ setzte dazu hanseatischer Sommerregen ein

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City Preachers, Frumpy, Atlantis – mit welcher Ihrer ehemaligen Bands verbinden Sie die schönsten Erinnerungen?

Dem Anfang wohnte immer etwas Wunderbares inne, man wusste nie, wohin die Reise geht – das hatte was von Aufbruchsstimmung. Mit den City Preachers waren wir in Deutschland unterwegs, mit Frumpy europaweit, und mit Atlantis sind wir sogar bis nach Amerika gekommen. Bei Frumpy allerdings entstand durch die verschiedensten Stilistiken der Musiker so eine Art „Ursuppe“, daraus haben sich viele tolle Songs und Improvisationen entwickelt. Sie schreiben seit über 50 Jahren Musikgeschichte. Gibt es einen musikalischen Moment, auf den Sie besonders stolz sind?

Es gibt viele Glücksmomente. Zum Beispiel, wenn man ein tolles Stück geschrieben hat. Oder natürlich die Momente nach einem Konzert, das gelungen ist – wenn der ganze Saal, die Band und die Bühne im Einklang standen. Und ich hatte tolle Begegnungen wie die mit B. B. King, den Rolling Stones oder Dr. John.

„Für meinen ersten Auftritt gab’s fünf Mark“ Können Sie sich noch an Ihren ersten Auftritt erinnern?

Ja, da war ich vier Jahre alt! Mein Vater war Seemann und hat mich bei einer Betriebsfeier eines Schiffes auf den Tisch gehoben­und gesagt: „Nun, mien Deern, sing mal was.“ Da habe ich gesungen und war damit ganz glücklich. Anschließend­drückte mir der Chef fünf Mark in die Hand – das war viel Geld! – und ich dachte „Das mach’ ich jetzt öfter!“ Das war ein Zeichen fürs Leben. Heute empfinde ich es als Privileg, von meiner Kunst leben zu können.

Hutprobe: Die Liebe zur See ist geblieben, der Anker am grauen Filzhut zeugt davon. Ingas Strohhut (u.) zeigt die ländlichen Seite der Sängerin – seit vielen Jahren lebt sie auf einem alten Resthof in der Wesermarsch

Sie haben auf allen Hamburger Bühnen gespielt. Auf welcher am liebsten?

Die „Fabrik“ ist einer meiner Lieblingsorte. Und natürlich der Hamburger Michel, wo ich 17 Jahre lang den Motorradgottesdienst musikalisch begleitet habe. Sie sind eine richtige Hamburger Deern. Welche Anziehungskraft übt das Element Wasser auf Sie aus?

Ich wollte zur See fahren, sogar mal Funkerin werden. Seefahrt war für mich als Kind ganz spannend. Das hat auch etwas mit Fernweh zu tun. Ich wollte raus aus den beengten Verhältnissen, in denen ich aufgewachsen bin. Und dann entdeckte ich die Musik für mich als Türöffner. Aber ich habe immer noch einen Anker an meinem Hut! Haben Sie denn etwas „Anständiges“ gelernt?

Parallel zu meinen musikalischen Anfängen habe ich eine Lehre als Dekorateurin absolviert, weil meine Mutter es so wollte. Das war eine harte Zeit: Ich war immer müde und im Schaufenster war es im Sommer heiß und im Winter kalt. Aber es waren gute drei Jahre, in denen ich auch viel Freiräume­hatte und Disziplin gelernt habe. Aber mit dem letzten Lehrtag war dieses Kapitel beendet.

Sie sind in Ihrer Karriere mehrfach ausgezeichnet worden, u. a. als „beste Sängerin“. „Die Zeit“ bezeichnete Sie als „Superstar“. Wie behält man da die Bodenhaftung?

Indem man aufs Land zieht! (Lacht) Ruhm und Erfolg haben zwei Seiten – und sind beide sehr flüchtig. Für mich war immer die Musik das Wichtigste. Ich habe 1971 einen Song geschrieben, der sehr prophetisch war: „I’m Going To The Country“ – und das ist Jahrzehnte später tatsächlich ­eingetreten. Genießen Sie die Freiheit auf dem Land?

Absolut! Ich habe das Trauma der kleinen Wohnung mit vier Personen, in der ich aufgewachsen bin. Da stand auf engstem Raum alles rum: Schuhkartons, Einmachgläser, alle möglichen Sachen – es war unbeschreiblich. Und irgendwann habe ich gedacht: „Ich brauche Platz!“ Und den habe ich sowohl in meiner Eppendorfer Atelierwohnung, die ich zum Teil an zwei Musiker untervermietet habe, und auf dem Land natürlich auch. STADTFLAIR I 21


Hamburger Stars

In Hayns Park in Eppendorf kommt die Komponistin und Texterin Inga Rumpf auf neue Ideen. Ulrike Fischer und Autor Sascha Leirich (r.) würden im wahren Leben wohl dabei stören

Inwiefern hat sich Ihr Musikgeschmack im Laufe Ihrer Karriere verändert?

wieder mal einen deutschen Song, das fällt mir aber nicht leicht. Da müsste ich erst eine völlig neue Denkebene erreichen.

Er hat sich erweitert! Ich bin geprägt von schwarzer Musik und komme ursprünglich vom Blues. Dann wurde ich lauter mit Rock. Dann leiser mit Jazz. Dann wieder lauter in den Welche Musik hören Sie selbst gern zu Hause? Kirchen mit Gospelmusik. Das sind alles Musikstile, die aus Ich muss gestehen, dass ich zu Hause wenig Musik höre. einer Quelle kommen. Und mit jedem Altersabschnitt hat sich Und die mache ich selber. auch das Verständnis für einen bestimmten Musikcharakter­ entwickelt. Früher hätte ich mich beispielsweise nie zugetraut, einen Billie-Holiday- oder Gershwin-Song zu singen. „Eigentlich wollte ich Sie sind vor Kurzem 70 Jahre alt geworden und haben ein umjubeltes Geburtstagskonzert in der „Fabrik“ gespielt. Gibt es eine weitere Musikrichtung, der Sie sich in Zukunft widmen möchten?

Ich habe schon versucht, ein bisschen klassisch zu werden. Wenn ich Auto fahre, höre ich nur Klassik. Ich hatte eine wunderbare Einladung nach London in die Royal Albert Hall zu einer Aufführung von Carl Orffs „Carmina Burana“. Davon war ich sehr beeindruckt! Für die Musik einer Märchen-CD meines Managers Andreas habe ich mich bereits mit klassischen Elementen befasst. Das war meine erste klassische Komposition. Vor über 40 Jahren erschien Ihr letztes Album mit deutschen Texten. Wäre das auch eine Option?

Vielleicht, das weiß ich noch nicht. Ich schreibe hin und 22 I STADTFLAIR

Funkerin werden“

Aus Sex, Drugs and Rock ‘n’ Roll wurden im Laufe Ihrer Karriere Liebe, gutes Essen und Jazz – ein schleichender Prozess oder bewusste Entscheidung?

Das war ein Prozess, der sich im Laufe meines Lebens so ergeben hat. Ich vermisse auch die alten Zeiten nicht. Ich fühle mich heute freier als je zuvor! In meinen diesjährigen­ Terminkalender habe ich als Jahresmotto geschrieben: „Ich werde 70. Ich habe ein gutes Leben. Ich kann nähen, stricken, computern, Auto fahren, gärtnern, Gitarre und ­K lavier spielen, Englisch und kochen.“ Was will man mehr? Aber singen können Sie doch auch!

Na, das ist doch ganz selbstverständlich. (Lacht)


War Ihre Stimme eigentlich schon immer so rauchig?

Ja, schon als Kind habe ich gekräht! Meine Mutter, die auch noch im hohen Alter auf meinen Rockkonzerten in der „Fabrik“ war, kam anschließend immer zu mir und sagte: „Das war ja alles gut und schön, aber warum schreist du immer so?“ Sie hatte recht, aber ich musste ja irgendwie gegen das Schlagzeug ansingen.

DER NEUE JAGUAR F-PACE

DURCH UND DURCH EIN JAGUAR.

Gibt es Orte in Hamburg, wo Ihnen Songs einfallen?

An der Elbe. Immer dort, wo Wasser fließt, kommen mir die besten Gedanken. Oder wo etwas in Bewegung ist – das fördert die Kreativität. An einem Tisch mit einem weißen Blatt Papier hingegen fällt mir nichts ein. Darüber habe ich auch einen Song geschrieben: „In The 25th Hour“.

„Ich würde gern in der Elbphilharmonie singen“ Was schätzen Sie an Eppendorf?

Der Stadtteil Eppendorf ist grandios! Ich liebe dieses dörflich-städtische Flair mit der Hochzeitskirche und dem Mühlenteich, den tollen Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants – und den wunderschönen Jugendstilhäusern. Sie haben im Laufe Ihres Lebens auch Enttäuschungen und Schicksalsschläge hinnehmen müssen. War Musik immer eine Fluchtmöglichkeit?

Ja, die Musik war mein Rettungsanker, ich habe Trauer umgesetzt in Texte. Als 2002 zuerst mein Mann starb und kurze Zeit später auch meine Mutter, habe ich in dieser Phase viele­ Songs geschrieben. „Easy In My Soul“ habe ich meinem Mann Nikolaus, der auch meine Muse war, gewidmet. Wie schwer ist es, diesen Song auf der Bühne zu spielen?

Manchmal muss ich mich schon beherrschen, da habe ich einen Kloß im Hals. Ich singe ihn trotzdem gern, weil es so tiefgehende Momente sind. Auch in der Trauer kann man Glück empfinden, weil man trauern darf. Abschließende Frage: Wie sehr freuen Sie sich auf die Elbphilharmonie?

Es muss ein großes Erlebnis sein, dort zu singen. Das würde ich gern tun – mit einem schönen Streicherarrangement. |

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Intimes Studiokonzert für zu Hause Erst exklusiv auf Vinyl, seit 2014 auch als CD erhältlich: „White Horses“ – eine musikalische Sternstunde, live und analog ohne nachträg­ liche technische Bearbeitung eingefangen. Für dieses Album hat sich Inga Rumpf, begleitet von Joe Dinkelbach am Piano und Thomas Biller am Bass, ins Hamburger Studio von Joja Wendt begeben und vor 40 hand­ verlesenen Gästen 18 intime Songs eingespielt, aus denen der Blues spricht. (LP: edel content/CD: 25th Hour Music). Touren, Info und mehr: www.ingarumpf.de

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Rubrik

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Kulinarische Stadtrundgänge

So lecker isst Hamburg Man nehme: ein Grindelviertel, ein großes Stück St. Georg, zwei erfahrene Stadtführer, ein paar nette Cafés, Restaurants und Geschäfte. Dazu reichlich Hamburgische Geschichte – fertig sind zwei kulinarische Stadtrundgänge. Kommen Sie einfach mit! Text: Ulrike Fischer|Fotos: Catrin-Anja Eichinger

Impressionen vom Grindelviertel und aus St. Georg. Die freundliche junge Frau hier unten links ist Stadtführerin Madeleine Lang von der Grindel-Tour

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Kulinarische Stadtrundgänge

Deftig und exotisch, süß und aromatisch: Die Grindel-Tour ließ keine kulinarischen Wünsche offen

Das Grindelviertel: Viel Geschichte zwischen Falafeln und Waffeln Der Spaziergang von der Staatsbibliothek bis zu den Grindelhochhäusern ist gehaltvoll – und das liegt nicht nur an den kulinarischen Köstlichkeiten

A

m Treffpunkt beim Eingang der alten Staatsbibliothek steht das Mahnmal am Platz der jüdischen Deportierten und Madeleine Lang, unsere kulinarische Stadtführerin, erklärt gleich die Herkunft des Namens Grindel: „eine Bezeichnung für eine Sperrvorrichtung oder einen natürlich Wall“ und berichtet vom ehemals blühenden jüdischen Leben. Wir laufen über das UniGelände mit seinen zahlreichen unterschiedlichen Bauten: „Dafür gab es keinen Masterplan, die Universität ist nach und nach gewachsen“, weiß Madeleine. Schon sitzen wir, zwölf Hamburger jeden Alters, in einem Bistro an der Grindelallee, bei dem sich alles um den Spieß dreht: Schweinefilet, Rind, Hühnchen, alles köstlich und mit selbst gemachten Soßen serviert. „Wir haben für jeden kulinarischen Hotspot zehn Minuten“, mahnt Madeleine freundlich. Da wir alle noch hungrig sind, ziehen wir gern weiter. Nächster Halt: das „Falafel Haus“ von Ali Daher in der

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Grindelallee 44. Ohne Übertreibung: Es sind die besten Falafeln, die ich je gegessen habe. Schon Alis Vater hatte einen Laden in der Schanze – hier in der Grindelallee ist das „Falafel Haus“ bei Studierenden beliebt, schließlich gibt’s die Portion schon ab 3 Euro. Wir biegen rechts vorm Studentenwohnheim ab, laufen Richtung Abaton-Kino und bleiben links davon stehen. Das Gebäude von 1908, das auch die „Pony Bar“ beherbergt, war vor gut hundert Jahren Hamburgs größtes Fuhrunternehmen, 200 bis 400 Pferde kamen darin unter. Kurz betreten wir das Foyer (heute gehört das Gebäude zur Uni), hinten sieht man durch ein kleines Fenster, noch Originalreste des Pferdehofes. Weiter geht’s! In der Bornstraße zeigt Madeleine uns die klassischen Terrassenhäuser, die Anfang des Jahrhunderts hier gebaut wurden: „Damals modernster Standard und sehr begehrt!“ Schräg gegenüber holt uns ein düsteres Kapitel Hamburger Geschichte ein. In der Bornstraße 22 befand sich


während des Nationalsozialismus ein sogenanntes Judenhaus. Bis zu 200 Kinder, Frauen und Männer hielten sich zeitweise hier auf, bevor sie nach Theresienstadt oder Auschwitz deportiert wurden. Paradox: Ursprünglich waren diese Häuser von wohlhabenden jüdischen Kaufleuten für in Not geratene jüdische Familien eingerichtet worden. Heute ist die Bornstraße 22 ein normales Wohnhaus, doch die vielen Stolpersteine auf dem Gehweg erinnern an die Deportierten. Im ebenerdigen Ladengeschäft hat vor Kurzem die „Küchen­revue“ eröffnet: Wir kosten selbst gebackene Kuchenkreationen von Silvia Gierloff. Schnell sind die Teller geleert. Süßes hilft. Nach einem Besuch des Joseph-Carle­ bach-Platzes, wo Grundriss und Deckengewölbe der ehemaligen Bornplatzsynagoge abgebildet sind, pausieren wir bei einem alteingesessenen Italiener auf ein Stück Pizza. Passt jetzt noch Nachtisch rein? Die Waffeln im „Salon­ Wechsel Dich“, Grindelhof 62, auf je-

den Fall! Ein verwinkeltes Café, das gleichzeitig ein Laden ist. Möbel, Geschirr, ja sogar die Bilder an den Wänden kann man kaufen. Hinten lädt eine hübsche Klamottenauswahl zum Shopping ein. Jetzt geht’s durch die Rutschbahn (heißt so, weil es hier früher ein Restaurant mit großer Rutsche gab), bis wir vor einer Toreinfahrt auf der rechten Seite stehen. Rutschbahn 11, Hinterhof: „Hier steht die junge und die alte Klaus, schon mal was davon gehört?“, fragt Madeleine. Alle schütteln den Kopf. „Eine Klaus ist ein jüdisches Lehr- und Studierhaus“, klärt uns Madeleine auf. „Dieses hier ist während der Nazizeit nur durch einen Zufall stehen geblieben.“ Heute wird hier unter anderem Yoga unterrichtet. Dazu passt unsere letzte Station: ein ayurvedisches Restaurant in den Grindelhochhäusern. Das vegetarische Curry: köstlich! Im Nachgang denke ich, was für eine Leistung, teils so schwere historische Brocken mit leichter Kost zu verbinden –­Chapeau, Madeleine! | STADTFLAIR I 27


St. Georg: „Pulled Pork“, erlesene Teesorten und feinster Bio-Käse Der zweite kulinarische Stadtrundgang führt vom Hamburger Hauptbahnhof bis zum Hansaplatz. Gay-Viertel? Multi-Kulti? Touristen-Hotspot? Ja!

O

kay, Das Wetter ist eher

mäßig, aber echte Hamburger, vier Berliner, eine Buxtehuderin mit über 80-jähriger Mutter und Tour-Guide Joachim Quirin stört das nicht. Wir treffen uns Kirchenallee/Ecke Bremer Reihe und erfahren, dass der Hamburger Hauptbahnhof von Berliner Architekten gebaut und 1906 eröffnet wurde. „Das Viertel“, so Joachim Quirin, „hat seinen Namen vom heiligen Georg, so hieß im 12. Jahrhundert das damals noch außerhalb Hamburgs liegendende Lepra-Hospital.“ Später wurde St. Georg ein Dorf, in dem Schäfer, Handwerker, aber auch Ärzte lebten und arbeiteten. Wir schlendern vorbei am Schauspielhaus (eine Privatinitiative Hamburger Bürger, 1900 eröffnet, Deutschlands größtes Sprechtheater) und steuern auf die Lange Reihe 1 zu, wo uns Daniel vom „Bear Claw“ schon mit „Sweet Potato Fries And Pulled Pork“ erwartet. Die Süßkartoffel-Sticks sind

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knusprig, das Fleisch, das mit einer Art Bärenklaue auseinandergezogen wird (deshalb Bear Claw) könnte zarter nicht sein. Nächster Halt: die Heilige Dreieinigkeitskirche St. Georg. Joachim erzählt von der wechselvollen Geschichte der Kirche und weist auf das jahrzehntelange Engagement für Aids-Kranke hin: „In den Achtzigern herrschte ja totale Panik – die Unterstützung und Betreuung von Aids-Kranken und ihren Familien war damals bahnbrechend!“ Danach geht’s wenige Schritte weiter zu einem indischen Restaurant mit gehaltvollen Vorspeisen. Wir ahnen schon: Das Abendessen fällt aus. Auf der Koppel laufen wir weiter Richtung „Koppel 66“, dem „Haus für Kunst & Gewerbe“. Die ehemalige Maschinenfabrik wird seit über 30 Jahren kulturell und als Atelierhaus für Kunsthandwerker genutzt. Toll, dass es so was noch gibt! Wir verlassen das Gebäude auf der anderen Seite und stehen mitten auf der Langen Reihe,


Kulinarische Stadtrundgänge

Tour-Guide Joachim Quirin (l. u.) führte kenntnisreich durch das bunte Viertel hinterm Hauptbahnhof. Drumherum: Impressionen von dem dreistündigen Rundgang

Hauptstraße St. Georgs. Hier befindet sich auch der Teeladen, den wir gleich gegenüber besuchen wollen. „Aber vorher zeige ich euch noch das HansAlbers-Haus“, bremst uns Joachim und bleibt vor der Hausnummer 71 stehen. Was er dann alles über Albers’ Leben und Wirken erzählt, wäre eine eigene Geschichte wert. Jetzt aber rüber in die „t.Boutique & t.Bar“, Lange Reihe 68, in der wir drei ganz unterschiedliche Tees verkosten – dazu gibt’s Gebäck mit Tee-Extrakt. Mmh! Hier kann man sich ewig durch diverse Aromen schnüffeln und Inhaber Martin Sasse weiß alles über Anbau und Herstellung – aber wir leben ja auch in der Tee-Hauptstadt Europas! Gestärkt verlassen wir den Teeladen und biegen in die Danziger Straße ein. Links ein riesiger Sexshop, wenige Meter weiter der katholische St. Mariendom von 1893, dann passieren wir das „S.L.U.T“, die berüchtigte Gay ­Fetisch-Bar, und landen in einer orien­

talischen Bäckerei, die uns verboten süße Baklava serviert. Mehr Multikulti geht nicht! Oder doch? Der restliche Weg führt vorbei an der Centrum-Moschee mit ihren abnehmbaren Türmen, der Kabarett-Bühne „Polittbüro“, dem legendären Varieté „Hansa Theater“, in dem einst Siegfried und Roy auftraten. Wir überqueren den Hansaplatz, sozialer Brennpunkt seit eh und je. „Alles Käse + Co.“ heißt unsere letzte Station in der Ellmenreichstraße 28. Inhaberin Isolde Werner (zieht gerade um in die Weidenallee 44) hat zwei Platten vorbereitet, die die ganze Vielfalt ihres BioKäses, „alles aus der Region von kleinen Manufakturen!“, widerspiegelt. Käse schließt den Magen, heißt es so schön, und wir sind am Ende der Tour angelangt. Wie die anderen auf den kulinarischen Stadtrundgang gekommen sind, will ich noch wissen. „Mundpropaganda“, sagt eine der Teilnehmerin und schmeckt genüsslich dem letzten Stück Käse nach. |

Lust auf eine kulinarische Tour? Die Idee zu kulinarischen Stadtrund­ gängen hatte Elke Freimuth bereits vor acht Jahren. 2012 gründete sie mit Katrin Buck die eat-the-world GmbH. Mittler­ weile sind bundesweit Rundgänge in 26 Städten im Angebot, Preis pro Tour und Person: 33 Euro inklusive Tasting. Info & Buchung: www.eat-the-world.com STADTFLAIR I 29


Denk ich an Hamburg ...

Sein Humor ist hintergründig, die Lesungen meist ausverkauft. Der gebürtige Ravensburger Stevan Paul könnte womöglich locker als Schauspieler arbeiten

„Hamburg als Gericht? Eine gute Aalsuppe!“ Koch, Foodstylist, Autor und Blogger: Stevan Paul beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Kulinarik. Jetzt hat der Wahlhamburger seinen ersten Roman geschrieben, in der auch Hamburg eine Gastrolle spielt. Grund genug, ihn über die genießerische Seite der Stadt zu befragen Interview: Ulrike Fischer|Fotos: Ulrike Fischer, Ralf Bille

D

arf man einem Fachmann für Kulinarik selbst gebackene Kekse mitbringen? Ach, mal einpacken. Stevan Paul taucht pünktlich zum vereinbarten Termin im italienischen Eckcafé „Fele“ in der Bismarkstraße unweit seiner Wohnung auf. Am Abend zuvor hat er erstmals aus seinem neuen Roman „Der große Glander“ gelesen. Die ausverkaufte

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Veranstaltung im Thalia Theater Gaußstraße war ein voller Erfolg. Stadtflair: Herr Paul, wie kommt man vom Kochen zum Schreiben? Und dann noch von Ravensburg nach Hamburg? Stevan Paul: Ich habe in einer Zeit

kochen gelernt, als noch die Pfannen durch die Küche flogen und man richtig zusammengefaltet wurde, wenn was

schiefging, das gefiel mir nicht. Außerdem hatte ich schon immer mehr vor, wollte gern schreiben, Neues probieren. Während ich auf einen Studienplatz in Heidelberg wartete, bekam ich in Hamburg einen Praktikumsplatz bei der Zeitschrift „Essen & Trinken“. Chefredakteurin Angelika Jahr hat mich nach zwei Wochen eingestellt. Das war die Wende in meinem Leben.


Was hat sich dadurch verändert?

Man ließ uns Junge raus in die Welt, wir machten damals Pressereisen bis in die USA. Hamburg war für mich buchstäblich das Tor zur Welt, ich konnte großartige Erfahrungen sammeln. Nur ­schreiben durfte ich als Koch bei „E & T“ nicht. Ein Koch, der schreiben kann? Das war einfach nicht auf der ­Liste. Aber genau das wollte ich! Und dann haben Sie dem Verlag den Rücken gekehrt?

Ich habe mich nach fünf Jahren selbstständig gemacht. Aber alle meine heutigen Berufe habe ich im Verlag gelernt: Foodstylist, Kochbuchautor etc. Früher stand ich ja nur an den Kochtöpfen. Wie würden Sie die Hamburger Restaurant-Szene beschreiben?

Im Großen und Ganzen eher bodenständig. Das liegt am Hamburger an sich, der gern isst, was er kennt. Aber es hat sich auch eine tolle junge ­Gas­tro-Szene entwickelt. Die „Tarterie St. Pauli“, das „Trific“, das „Dionysos“ mit seiner authentischen griechischen Küche beispielsweise, die kochen alle sehr modern. Oder Stephanie Döring mit ihrer „TVino Weinbar“ – es tut sich was in der Stadt! Wie sagte eine Kollegin neulich: „Die Innovationen mögen aus Berlin kommen, aber hier in Hamburg machen wir’s richtig und verdienen auch noch Geld damit!“ Betrachten sich die Hamburger Lokale eher als Konkurrenten oder ziehen alle an einem Strang?

Es sind alle sehr gut vernetzt, versuchen eher, gemeinsam etwas zu bewegen in der Stadt. Und Köche wie Tim Mälzer und Steffen Henssler sind da mit im Boot oder schon zu etabliert?

Klar sind die etabliert. Allein schon übers Fernsehen, aber gerade deshalb können sie auch viel bewegen. Wie hat sich die regionale Küche in den letzten Jahren entwickelt?

Die Hamburger halten ja ihre eigene Küche gar nicht so hoch – was ich schade finde! Denn modern interpretiert sind typische Hamburger Gerichte, aber auch die schleswig-holsteinische Küche reich und schön und repräsentationsfähig. Was mir sehr gut gefällt, sind die – Tim Mälzer hat das mal so

Ein Hobby? Ein Beruf? Bei Stevan Paul verschwimmen die Grenzen. Hauptsache, es geht um Essen und Genuss

genannt – Restaurants in zweiter Reihe. Die haben keinen Michelin-Stern, kochen aber gleichbleibend gut zu bezahlbaren Preisen. Denken sie nur an das „Nil“ am Pferdemarkt: Seit 25 Jahren diese Qualität zu fahren – Chapeau! Oder „Kitchen Guerilla“ und „Focacceria“ – was die sich immer einfallen lassen! Das ist wichtig, weil wir so auch die Jungen mit gutem Essen erreichen.

„Hamburg hat viele gute Restaurants in der zweiten Reihe, also ohne Stern, aber mit hervorragender Küche“ Wer durch die Stadt spaziert, könnte eher denken „Essen auf Rädern“ sei angesagt – die Lieferszene boomt.

Ich verstehe diese Idee nicht. Persönlich nicht und auch aus kulinarischer Sicht nicht. Warum muss man in einer Großstadt Essen mit dem Rad oder Auto durch die Gegend fahren, wo man ein paar Schritte entfernt vom nächsten Restaurant oder Bistro wohnt? Stattdessen lässt man sich lieber teures Essen liefern, das mit viel Energie lange rumgefahren wird. Aber gut, es ist ein Trend, hoffentlich kein großer. Wie sieht es mit den Kochtüten aus?

Die finde ich gut! Weil die Leute wieder selbst kochen. Kochen ist wunderbar, es kann nach der Arbeit herrlich erholsam und meditativ sein. Kochtüten oder auch Läden wie das „Kochhaus“ haben die Leute wieder in die Küche gelockt. Wo sollte Ihrer Ansicht nach jeder Hamburger mal gegessen haben?

Puh, das ist schwer zu sagen, da würde

ich vielen unrecht tun, wenn ich nur einen nenne, außerdem steigen dann ­ die Erwartungen ins Unermessliche. Aber ich habe eine Liste mit Tipps für Hamburg-Besucher, die ich auf Anfrage­gern verschicke. Was wäre Hamburg als Gericht?

Ich finde, dass die Hamburger Aalsuppe ein schönes Spiegelbild der Stadt ist: In den Zutaten grundsolide, super regional und heimisch, aber dann raffiniert gewürzt – da kommen der Hafen und die internationalen Gewürze ins Spiel. Auch das norddeutsche Faible für süß und sauer finde ich schön. Dazu diese Bescheidenheit, nach dem Motto: „Es ist ja nur eine Aalsuppe“. Aber vielleicht ist auch gar kein Aal drin, sondern alles, was noch so da war und zum Schluss noch ein Stück Siedfleisch – so ist Hamburg! Und welche Rolle spielt Hamburg in Ihrem neuen Buch?

Klar geht es um die Liebe zum Kochen und Essen, aber in diesem Fall auch um die Hamburger Verlagsszene – da werden sich einige wiedererkennen. Ihr Wunsch an die Hamburger?

Gehen Sie öfter essen und genießen, aber nicht immer nur in Ihrem Viertel! (PS: Die Kekse blieben in der Handtasche) |

Ein Koch, tausend Ideen Stevan Paul ist Autor zahlreicher Kochbücher, schreibt kulinarische Texte für Zeitungen und Magazine und unterhält mit Nutriculinary.com ein viel gelesenes Genussblog. Sein Roman „Der große Glander“ über einen verschollenen EatArt-Künstler, der plötzlich in Hamburg auftaucht, erscheint im Mairisch Verlag. Mehr Info: www.stevanpaul.de STADTFLAIR I 31


Catering-Tipps

Schnitzel, Tomate-Mozzarella, Flammkuchen, Hühnchen – alles am Spieß, alles von „Kaiserwetter“

Was dürfen wir liefern? Kaiserwetter Catering Bodenständig und herzlich

Catering ist eine Kunst für sich, und „Kaiserwetter Catering“ hat mit seinem Angebot eine eigene Note gefunden: hamburgisch, bodenständig und liebevoll. Und schmecken tut’s auch. „Kaiserwetter“ versteht sich als Alternative zum schnellen Asiaten und Italiener, 32 I STADTFLAIR

kommt gleichzeitig ein bisschen altmodisch, modern und kreativ daher. Wie wäre es mit Schnitzelchen am Spieß mit Curry-Dip oder hausgemachten Wraps mit Lachs und Wasabi? Ansonsten gibt’s alles fürs Event: vom schlichten Partyservice über edle Buffets bis zum Rundum-Paket. Wer das Food-Konzept probeschme-

cken möchte, isst am besten im Laden in der Innenstadt oder in der Ottenser Hauptstraße 7. Bleichenbrücke 11 (Altstadt), Tel. 34 39 02, www.kaiserwetter-catering.de

Feinbeisser Event & Catering Hamburg

Speisen mit gutem Gewissen

„Feinbeisser“ gehört zu den

klassisch-modernen Anbietern und liefert bei Bedarf auch ein Rundum-Paket, von Menü, Buffet und Fingerfood für alle Anlässe bis zu Bar und Service. Das Besondere: Bei allem steht konsequent die Nachhaltigkeit im Fokus. Das bedeutet zum Beispiel: Der Fisch stammt aus zertifizierter Fischerei, das Fleisch vom eigenen

Foto: PR

Nein, wir meinen nicht die vielen Fahrradlieferanten, die seit Kurzem quer durch die Stadt sausen – hier geht’s um feine Platten, raffinierte Snacks und leckere Buffet-Variationen, mit denen Sie Ihre kleine bis große Gästeschar verwöhnen


Schlachter, Eier kommen immer aus Freilandhaltung, den Kaffee produziert eine kleine Rösterei in Italien und das Gemüse ist aus regionalem Ökolandbau. Da kann man mit gutem Gewissen reinhauen. Süderstr. 77 (Hammerbrook), Tel. 39 90 73 40, www.feinbeisser.de

Partyservice Warnecke Klassiker und modernes Urgestein

Seit 84 Jahren bedient die alteingesessene „Fleischerei Warnecke“ ihre Kunden mit Waren und traditionellem Handwerk. 1932 wurde der Betrieb gegründet und ist in Hamburg und im Umland wohlbekannt. Ebenso wie der klassisch-moderne Partyservice des Saseler Familienunternehmens. Von hausgemachten Wurstspezialitäten über Buffet und Fingerfood bis zum Verleih von Möbeln und Service bietet das Hamburger Urgestein das komplette Programm. Hier macht’s die Mischung aus Tradition und Zeitgeist. Saseler Chaussee 33 (Sasel), Tel. 536 13 36, www. partyservice-warnecke.de

Japanfeinkost

„Konnichiwa!“ Sushi wie in Japan

Wenn die runden schwarzen Tabletts von Masatoshi Fukue auf den Tisch kommen, geht ein Raunen durch die Gästeschar: Denn Sashimi, Maki-Rollen und Sushi sind so lecker, dass man sich ranhalten muss, damit nicht gleich alles weg ist. Das Traditionsgeschäft „Japanfeinkost“ gegenüber der Grindelhäuser bietet bereits seit 1953 japanische Kulinarik. Man kann Kochkurse buchen, Zutaten einkaufen und online im virtuellen Kochbuch stöbern, das Schritt für Schritt erklärt, wie die verschiedenen Gerichte gelingen. Aber gar

nichts tun und einfach nur genießen, ist auch eine Option. Und wenn alle Platten mal durchbestellt sind, kann man einfach wieder von vorn anfangen. Grindelberg 41 (Harvestehude), Tel. 422 19 14, www.japan-feinkost.de

Sashimi Sushi

Fernöstliches Event-Catering

Hoch die Stäbchen! Sushi vom Feinsten in traditioneller Aufmachung gibt’s bei dem Hamburger Unternehmen „Sashimi Sushi“. Entweder lassen Sie sich Platten liefern oder bestellen SushiKöche, die die köstlichen Spezialitäten vor den Augen der Gäste an einem edlen Tresen zubereiten. So wird das Catering ganz nebenbei zum Event. Und vielleicht lässt sich auch der eine oder andere Kniff abgucken. Die Zutaten fürs Sushi kommen zurzeit aus guten Gründen nicht aus Japan. Der Fisch stammt stattdessen aus Nordsee, Mittelmeer, Atlantik und Indischem Ozean. Alle Fischimporte werden durch die europäische Lebensmittelbehörde EFSA kontrolliert.

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Leinpfad 75 (Winterhude), Tel. 46 06 30 21, www.sashimi-sushi.de

Bergourmet

Vielfalt aus dem Hamburger Südosten

Thomas Heise und Ulrich Peters sind alte Hasen in Sachen Catering. Seit über 25 Jahren liefern sie von Bergedorf quer durch die Stadt, was immer das Kundenherz begehrt. Ob das Party-Buffet „Texas“, u.  a. mit Spareribs in HonigWhiskey-Marinade und Hähn­chenschenkeln in Chili-Zitronenpfeffer, oder der Klassiker „Hamburg meine Perle“ mit hanseatischen Köstlichkeiten von Currywurst bis Rote Grütze mit Vanillesoße. Sie schmausen

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Catering-Tipps

Pollhof 3 (Bergedorf), Tel. 735 33 45, www.bergourmet.de

Frau Ultrafrisch

Da weiß man, was man hat

Janina Lin Otto hat genug von der industriellen FoodFertigung gesehen, um zu wissen: Drin ist nicht immer, was draufsteht. Bereits nach einem knappen Jahr schmiss sie ihren Job bei einem großen Lebensmittelkonzern, um sich mit ihrem Restaurant und CateringService „Frau Ultrafrisch“ selbstständig zu machen. Hier bestimmt die Hamburgerin selbst, was auf den Tisch kommt: Fingerfood in allen Variationen, raffinierte Salate aus der Region, Suppen und Eintöpfe wie von Oma, deftige Braten und Vegetarisches aller Art. Hofweg 95 (Winterhude), Tel. 24 43 24 21, www.ultrafrisch.de

Holy Dogs

Hotdogs mit Wumms

Es muss nicht immer Buffet 34 I STADTFLAIR

sein: Allein der Foodtruck mit dem Kaleidoskop-Logo von „Holy Dogs“ ist ein Hingucker. Insgesamt bietet der junge Caterer mit Foodtruck eine unkomplizierte, kreative Alternative zum klassischen Catering. Geliefert werden Hotdogs satt und in bester Qualität, auch für Vegetarier und Veganer. Hausgemachte und traditionell handgerollte Brötchen, Soßen mit Wumms, „geile Toppinge“ (O-Ton des Herstellers), grobe Kartoffelecken, Bioland-Fleisch und frisches Drumherum sind die Zutaten für diese „heiligen Hunde“, die den Ikea-Hotdog ruck, zuck alt aussehen lassen. Ditmar-Koel-Str. 16 (St. Pauli), Tel. 0175/114 05 41, www.holydogs.de

Mexiko Straße

Softe Tortillas und scharfe Salsas

Noch ein Foodtruck: „Mexiko Straße“ bringt authentische mexikanische Ess­ kultur nach Hamburg. Hier stehen mexikanische Köche am Herd und bereiten mit viel Leidenschaft die Speisen ihrer Heimat zu. Alles ent-

steht aus regionalen frischen Zutaten direkt in Handarbeit im Truck. Die Rezepte stammen aus verschiedenen Regionen in Mexiko. Dabei reichen die Salsas von mild bis sehr, sehr, sehr scharf. Die Soft-Tortillas sind glutenfrei. Und wer mag, kann die „Taco Flat Rate“ buchen. Viva Mexico mitten in Hamburg! Gertigstr. 24 (Winterhude), Tel. 01514/640 98 07, www.mexikostrasse.com

Deli Street Food

New York lässt grüßen

Die Idee: Streetfood wie in New York. Der Foodtruck: ein Chevrolet P34 Stepvan, Baujahr 1986, bis 2014 noch in New York eingesetzt. Jetzt rollt er für den Caterer „Deli Street Food“ durch Hamburg. Das Essen kommt auf Wunsch aber auch ohne Truck: frisches Finger-Slow-Food aus regionalen Zutaten, rustikal, klassisch, bio – alles ist möglich. Selbstverständlich wird jeder Happen sorgfältig zubereitet, allein für den Pulled-Pork-Burger gart das Fleisch mehrere Stunden. Eine Event-Location

in Barmbek für 50 Gäste ergänzt das Konzept. Radekoppel 25 a (Lehmsahl-Mellingstedt), Tel. 0172/300 73 36, www.deli-streetfood.de

Vincent Vegan

Der Jedi der Caterer

Seine Mission: Kampf dem Food-Mainstream. Er ist ein veganer Jedi, der beweist, dass alles ohne Fleisch nicht nur gesund, sondern auch exorbitant lecker sein kann. Mit kreativen fleischlosen Ideen macht er ein junges Catering mit und ohne Truck, aber immer in pflanzlicher Mission mit klassischen Fast-Food-Speisen in Vegan und Slow und damit gewissenskompatibel. „#the base“ im Phönixhof ist der Heimathafen der Vincent Veganer: Jeden Sonntag öffnet die Location zum Frühstück, kann aber auch gemietet werden. Ruhrstr. 11 a (Bahrenfeld), Tel. 89 06 55 67, www.vincent-vegan.com

Elb Crafted Catering Klassiker mit Fingerspitzengefühl

„Elb Crafted Catering“ ge-

Fotos: PR

lieber ohne Fleisch und tierische Produkte? Auch dafür wurde ein Buffet kreiert.


Alles frisch und zu Hause muss niemand abspülen: warme und kalte Platten von „Elb Crafted Catering“, fleischlose Versuchung bei „Vincent Vegan“, erlesene Kreationen für besondere Anlässe inklusive Service bei „Feinbeisser Event & Catering Hamburg“ (v. l.)

genauso wie kreative Ideen, mit und ohne Fleisch oder vegan. Verschiedene hanseatische Locations zum Mieten runden das Programm ab. Alles zusammen macht den jungen Caterer zu einem modernen hanseatischen Klassiker mit Fingerspitzengefühl. Mittelweg 24 d (Rotherbaum), Tel. 593 53 57 27, www.elbcrafted.de

Hackbaron

Hanseatisch, hip und handgemacht

staltet Catering auf die feine hanseatische Art. Der Service ist unaufdringlich, die Foodkonzepte sind stilsicher und den Anlässen und Wünschen

angepasst. Auf den Tisch kommen nur Speisen aus saisonalen, regionalen und ökologischen Produkten, klassische Buffets und Menüs

Sehnsucht

nach

Das „beste Hack der Welt von Rindern, die frei und gesund auf regionalen Weiden gelebt haben“. Dieses Versprechen gibt der „Hackbaron“ für seine Hauptzutat. Seine Spezia-

lität ist hanseatisches Hack mit originellem Drum­ herum. Neben klassischen Hackgerichten wie Chili con Carne und Spaghetti Bolognese bietet der junge Caterer das komplette Programm: Live-Catering, Menüs mit und ohne Hack, Service, Equipment, Sound, für große und kleine Gruppen. Alle Dips und Toppings sind eigene Kreationen, Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe müssen draußen bleiben. Sein Motto: „Kulinarische Hacklights zu fairen Preisen“ stellt der Hackbaron gern unter Beweis. Ehrenbergstr. 54 (Altona), Tel. 226 16 26-0, www.hackbaron.de

WÄRME?

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Hamburger Friseure

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Waschen, schneiden, klönen Rund 1450 Friseursalons kümmern sich ums Hamburger Haupthaar – von Eppendorf-Blond bis zur Rocker-Tolle ist alles zu haben. Wir besuchten fünf ganz unterschiedliche Haarkünstler und fragten nach Werdegang und Philosophie Texte: Ulrike Fischer|Fotos: Stephan Bestmann

Hier noch ein bisschen kürzer? Sabine Ernst vom Salon „Frau Tolle“ (hier mit Stammkunde Björn) ist für ihre exakten Rocker-Schnitte beliebt. Wie der Laden aussieht? Bitte umblättern!

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Hamburger Friseure

„Vielleicht irgendwann ein größerer Laden mit Bar – das wäre mein Traum“ Seit dreieinhalb Jahren gibt’s den kleinen Salon „Frau Tolle“ in der Hoheluftchaussee. Inhaberin Sabine Ernst, von Kopf bis Fuß auf die amerikanischen Fünfzigerjahre eingestellt, schneidet aber nicht nur Rocker-Frisuren, sondern auch ganz „normalen“ Frauen, Männern und Kindern das Haar, schließlich hat sie in einem klassischen Salon gelernt. Den Beruf wählte sie ursprünglich, weil sie Maskenbildnerin werden wollte. „Aber dann fand ich das Handwerk so spannend, dass ich dabeigeblieben bin“, erzählt die 46-Jährige. Ihre Selbstständigkeit kam spät, erst mit Anfang 40. „Aber vielleicht war das genau richtig so. Man kennt sich in der Szene, ich hatte schon jede Menge Stammkunden“, erklärt Sabine. Heute freut sie sich, dass die meisten Kunden reinkommen, sich setzen und sagen: „Mach mal einfach, Bine!“ | Hoheluftchaussee 143, Tel. 42 93 99 51, www.frautolle.de 38 I STADTFLAIR

Im Salon von Sabine Ernst entdeckt man überall Fundstücke aus den Fünfzigern. Ihre Tattoos liebt sie, macht aber keine Religion draus: „Manches ist einfach nur Körperschmuck“


„Manche Jungs mit Bärten sind ganz schön eitel, aber insgesamt sind die Hamburger recht pflegeleicht!“


Hamburger Friseure

Schönes Haar auch in Iserbrook! Anja Neumann beim Frühstücks-Interview in der „Lilla Loungen“

„Kluge Mädchen“ kommen überallhin Anja Neumann, 57, jobbte schon während der Schulzeit beim Friseur und startete gleich nach dem Abi ihre Lehre. „Die meisten Frisuren und Schnitte fand ich damals schrecklich!“, erzählt sie lachend. Initialzündung lieferte ein Seminar von „Rolf & Bernd“ angelehnt an die Schnittphilo­sophie des englischen Star­ friseurs Vidal Sassoon: „Da dachte ich: Genau das will ich!“ Nach der ­Lehre, mit 18, wechselte Anja dann zu Vidal nach London – und kehrte nach einem halben Jahr mit Heimweh und Know-how zurück. Mehrere Jahre frisierte sie bei „Rolf & Bernd“, machte sich schließlich selbstständig als Stylistin und Make-upArtistin. „Ich war in der ganzen Welt für Zeitschriften unterwegs, habe mit tollen Leuten zusammen­gearbeitet“, erzählt sie. Irgendwann wollte Anja trotzdem mehr Zeit für ihren Sohn haben. Vor elf Jahren eröffnete sie ihren Salon „Kluge Mädchen“. „Genau das sind wir – Friseurinnen mit Abitur“, lacht Anja. „Bei uns geht’s familiär zu, mittags wird für alle gekocht. Meine Mitarbeiter sind nicht nur gut ausgebildet, sondern auch treu – wie die meisten unserer Kunden.“ | Max-Brauer-Allee 271, Tel. 317 37 77, Filiale Schenefelder Landstr. 185, Tel. 30 33 02 85, www.klugemaedchen.de 40 I STADTFLAIR


„Meine Mitarbeiter sind genauso treu wie die meisten unserer Kunden“ „Wir waren fünfmal für den ,German Hairdressing‘-Award nominiert – es wird Zeit, dass wir ihn endlich gewinnen!“

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Hamburger Friseure

Ein Mann, ein Salon! Mit diversen Rasierern, scharfen Messern und unzähligen Styling­ produkten lassen sich hier Hipster, kleine Jungs und harte Kerle verschönern

Coole Schnitte für Jungs und Männer: „Herr Schneider“ – wie der Name schon sagt Der gebürtige Wolfsburger hätte Steuerberater werden oder bei VW arbeiten können – da kam der Friseurberuf, von dem er anfangs null Ahnung hatte, gerade recht. Das ist jetzt 32 Jahre her und längst ist „Herr Schneider“ eine alter Hase, der die Haare seiner ausschließlich männlichen Kundschaft am liebsten wie früher mit dem Messer schneidet. Überhaupt früher – die Fünfziger sind für den 50-jährigen Christian Schneider die beste Zeit: „Meine erste Platte von Elvis hatte ich schon mit zwölf. Angeblich soll er ja gestorben sein, aber das ist natürlich nur ein Gerücht ...“ Ein paar Meter weiter residierte einst seine ehemalige Chefin Marlies Möller: „Beeindruckend, was sie geschaffen hat, ich habe viel von ihr gelernt“, erzählt Christian anerkennend. Kritisch hingegen betrachtet er die Frisur des Fotografen: „Darf ich mal? Ich würde ja hier ein bisschen kürzen und da auch. Komm nächste Woche noch mal vorbei, ich mach dir das dann.“ Der Fotograf will erst mal Rücksprache mit seiner Frau halten ... | Tesdorpfstr. 14 (am Mittelweg), Tel. 52 59 40 80, www.herrschneider.de 42 I STADTFLAIR


„Mit dem Messer Haare schneiden – das können nur die wenigsten. Ich habe es mir über die Jahrzehnte selbst beigebracht“


Hamburger Friseure

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„Ob ,Cut and Go‘ oder eine Haarfarbe, die nur zehn Minuten einwirkt: Unser Angebot muss zu den Bedürfnissen unserer Kundinnen passen“

Marion Vieth ist eine der wenigen Friseure, die montags geöffnet haben – dafür ist samstags zu

Vom Industrie-Job zur Lieblingsfriseurin Gelernt hat Marion Vieth in der Nähe von Münster in einem ganz kleinen Salon. Schnell wollte sie in die Großstadt: „Zum Hamburger Starfriseur Peter Polzer, den fand ich super!“, erzählt die 45-Jährige. „Mit Anfang 20 war ich beeindruckt von Hamburg. Die Frauen waren cool und chic – und ich fand die auch im Kopf jung.“ Vom Laden am Gänsemarkt ging’s auf die Meisterschule, dann zu einer Friseurfachschule, die zwar keinen Job für die frischgebackene Meisterin hatte, aber einen guten Kontakt zur Firma Schwarzkopf, bei der Marion schließlich eineinhalb Jahre Produkte und Inhaltsstoffe testete, was sie auch heute noch macht: „Perfekt für mein Business als Friseurin,­denn ich kenne mich wirklich aus.“ 2007 eröffnetet die zweifache Mutter ihren Salon am Eppendorfer Weg. „Hier sind viele inhabergeführte ­Geschäfte, es ist nicht alles so neu und chic, eine gute Mischung finde ich ­wichtig.“ Und was zählt für sie im Job? „Eine ganzheit­liche transparente ­Beratung vom Schnitt bis zur Farbe. Hamburger wollen wissen, was sie für ihr Geld kriegen – und das ist völlig okay! | Eppendorfer Weg 166, Tel. 72 96 70 93, www.vieth-hairstyling.de STADTFLAIR I 45


Hamburger Friseure

„Dass ein Schnitt gut ist, merkt man eigentlich erst, wenn er rausgewachsen ist – und die Haare dann immer noch gut sitzen!“

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Hamburg trägt Polzer

Angekommen im Lieblingsjob: Roman Bartl in seinem Privatsalon in der Vereinsstraße

Sobald man Romans Reich in der Vereinsstraße betritt, kehrt Ruhe ein. Und das liegt nicht am schönen Raum mit nur einem Friseurstuhl und dem idyllischen Blick in den Hinterhof – sondern an der Ausstrahlung des Friseurmeisters: entspannt wie ein Zenmeister. Roman Bartl lernte in Erding nahe München, sein damaliger Chef nahm ihn mit in die weite Welt zu Frisurschauen in Mailand und Paris, wo Marlies Möller noch live die Haare schnitt. „Da spürte ich, dass da noch mehr geht“, erzählt Roman. Er suchte sich ein Zimmer im hippen London und landete auf Umwegen bei Vidal Sassoon. „Eine lehrreiche, aber knallharte Schule, und der Deal war, dass ich danach in Deutschland arbeite. So kam ich nach Hamburg“, erzählt Roman. Der nächste große Schritt: Die Eröffnung des ersten deutschen Lifestyle-Shops für die NaturkosmetikFirma Aveda. „Ein tolle Zeit, ich möchte keinen Tag missen. Trotzdem fehlte mir nach ein paar Jahren das, wofür ich mal angefangen habe: Haare schneiden!“ Heute betreut Roman Bartl seine Kundinnen in seinem Privatsalon, immer nur eine Kundin hat Platz in dem Untergeschoss des klassischen Altbaus. „In dieser intimen Atmosphäre können sich meine Kundinnen total entspannen, ich bin nur für sie da.“ Seine Spezialität? „Man sagt mir nach, ich hätte ein Händchen für schwieriges Haar.“ |

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Spezialist für schwieriges Haar: Roman Bartl

Vereinsstraße 72, Tel. 23 51 75 25 oder 0179/459 91 68, www.friseurmeister-romanbartl.de

Hamburg trägt Polzer Hier finden Sie uns: www.peter-polzer.de · Facebook · Twitter · Instagram


Weiterbildung

„Ich fang was Neues an!“ Gibt es etwas, das man auf der Hamburger Volkshochschule nicht lernen kann? Wir haben unsere Autorin einfach mal auf Entdeckungstour geschickt Text: Angela Meyer-Barg |Fotos: Ulrike Fischer, Angela Meyer-Barg

K

önnte ja sein, dass Zeichnen, Architektur zeichnen, Flot- zen-Bücher, einige Bleistifte, andere einer auf den Farö- te Linie, lockerer Strich, Urban Sket- Buntstifte, eine Teilnehmerin schwört er-Inseln mit Ein- ching? Halt, Seite 45: „Tiere zeichnen auf Kugelschreiber. Los geht’s: beim heimischen in deren im Tierpark Hagenbeck“, das könnte Pavianfelsen liegen die Modelle schon Muttersprache re- passen. in Positur, die roten Hinterbacken den möchte – dem rausgestreckt. Silbernacken recken das Manne (oder der Frau) kann geholfen Treffpunkt Affenfelsen an einem Profil, Äffchen kleben ihren Müttern werden. Der „Schnupperkurs Faröisch Sonntag. Eine kleine Gruppe hat sich auf dem Rücken. Die Blöcke werden lernen“ umfasst acht Stunden. Könn- um Kursleiterin Petra Schoenewald an die Steinmauer gelehnt, das Auge te auch sein, dass einer dringend Bier versammelt, die Ausrüstung ist un- sucht sein Ziel, los geht’s. Schnell muss brauen, Ukulele spielen oder jonglieren kompliziert: einige haben große Zei- man sein, weil die Modelle gar nicht will oder in feinen Krinolinen zu Tän- chenblöcke dabei, andere kleine Skiz- daran denken, stillzuhalten. Den perzen des Biedermeier übers sönlichen Ausdruck soll Parkett schweben möchjeder finden, Perfektion te – treten Sie näher, treist Nebensache. „Scheiten Sie ein, und lassen Sie tern ist erwünscht“, sagt sich von dem angestaubten Schoenewald, die neben Namen nicht irritieren: ihrer Dozenten-Tätigkeit Die gute alte Volkshochals freie Künstlerin arbeischule ist heute ein Multitet. „Ich fände es schlimm, Konzern, der alles bietet. wenn jedes Bild so ausBerufliche Fortbildung sieht, als käme es aus dem wie Persönlichkeits-EntPetra-Malkurs.“ Wer gewicklung, Sport, Spaß, Ernau hinguckt, sieht mehr. nährung, Heimatkunde, Dass Affenschnauzen deKreativität – oben genannnen von Hunden ähneln te Exotenkurse inklusive. etwa. Und ein veritabler 518 Seiten, 16 FachgebieSilberrücken auch von hinte, eine Bandbreite von A ten entzücken kann. Weiwie „Alexander-Technik“ ter geht’s zum Tiger, der bis Z wie „Zeitmanagehinter hohem Schilf döst ment“ – wo nur beginund nur gelegentlich einen Blick riskiert. Dann zu den nen? Vielleicht bei einem Elefanten, beliebte MotiKlassiker. Zeichnen. Und ve, weil sie sich so langsam schon beginnt die Qual Tierisch gut: Beim Zeichnen guckt man sich die Tiere viel genauer an. bewegen. Grafikerin Petra der Wahl: Grundkurs Kursleiterin Petra Schoenewald (o. l.) bespricht später die Ergebnisse

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„Bei Hagenbeck macht das Zeichnen besonders viel Spaß – und man verbringt auch mal einen Tag an der frischen Luft!“

schiebt den Strohhut zurück und kneift ein Auge zusammen, um ihr Motiv zu fokussieren. Sie war schon mehrmals dabei, wie andere auch: „Es ist immer ein schöner Tag an der frischen Luft, und ich lerne dazu.“ Viele Grafikdesigner sind in Schoenewalds Kursen, die einen Ausgleich zur Arbeit am Computer suchen. Viele, die ihr Talent in langen Berufsjahren unter Aktenbergen vergraben mussten – jetzt flitzen die Buntstifte übers Papier, bei der Nachbesprechung im Café werden Skizzen begutachtet und verglichen, das nächste Motiv werden die Fischotter sein. Volks-Hoch-Schule, VHS. Der Name klingt sexy wie ein Staubsaugerbeutel, hat aber seine Berechtigung, findet Marlene Schnoor, 59, die Geschäftsführerin. In ihrem Geschäftszimmer im bunten Schanzenviertel laufen alle Drähte zusammen, hier werden die Programme zusammengestellt, die alles, wirklich alles umfassen. 1919 wurde die Hamburger VHS gegründet, im selben Jahr wie die Hamburger Uni. Anfangs lag der Schwerpunkt auf politischer Bildung, die Menschen sollten fit gemacht werden für die Demokratie. Seitdem hat sich viel getan. Neue gesellschaftliche Trends wie Gesundheitsvorsorge und Ernährungsberatung wurden aufgenommen, manches, was altbacken schien wie Töpfern und Stricken, feiert gerade ein erstaunli-

Ihr Talent pflegt Grafikdesignerin Petra Lange schon einige Jahre bei der VHS. Ihr Tipp (außer Zeichnen im Tierpark Hagenbeck): das „VHS-Sommeratelier im Hafen“

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Weiterbildung

Dr. Volker Thönnes konfrontiert in seinem Philosophiekurs alte Denker mit dem aktuellen Weltgeschehen. Viele seiner Kursteil­ nehmer kommen seit Jahren

ches Comeback. Das Programmheft, das dreimal im Jahr neu erscheint, wird dicker und dicker – in diesem Sommer wurden an 16 Standorten in Hamburg 8144 Kurse angeboten, 1700 Kursleiter beschäftigt, knapp 100 000 Teilnehmer gezählt, zwischen 70 und 75 Prozent davon sind weiblich. Warum das so ist? „Frauen sind bildungsbeflissener“, sagt Schnoor. Gibt es Kurse, bei denen die Geschäftsführerin ihr Veto einlegen würde? Durchaus. Nichts aus dem Bereich Esoterik kommt ins Portfolio, keine therapeutischen Angebote, keine juristische Beratung. Die Nachfrage regelt das Angebot. Wenn sich Marlene Schnoor etwas wünschen könnte, dann ein eigenes Haus für ihre Akademie, eine Art Leuchtturm, der die Freude am Lernen bis in den letzten Winkel der Stadt signalisiert. 50 I STADTFLAIR

Testlauf zwei, Philosophie in Wellingsbüttel. Die hohe Schule der Denker und Theoretiker, jener Intellektuellen also – hallo Vorurteil –, die in ihren schwarzen Rollkragenpullovern am liebsten unter sich bleiben. Dozent Dr. Volker Thönnes knallt schwungvoll ein schmales Büchlein auf das Pult und legt

Die Gegenwart platzt ins Klassenzimmer: Was würde Machiavelli heute der Kanzlerin raten? los. Es geht um Machiavelli, den schlauen Fuchs des frühen 16. Jahrhunderts, dessen Theorien über die Mechanik der Macht auch heute noch gelten. Eine kurze Passage wird vorgelesen, aber dann platzt schon die Gegenwart ins Klassenzimmer, in dem zehn Diskutanten sit-

zen. Was würde Machiavelli heutzutage der Kanzlerin raten? Und wie würde er Premier Camerons Verhalten im Brexit beurteilen? Es wird geschrieben und notiert, dann melden sich die ersten. Cameron wird niederargumentiert, der Kanzlerin zugestanden, dass sie ihre Gegner wegbeißt, nur an Erdoğan scheiden sich die Geister. Im Sinne von Machiavelli macht er alles richtig. Zeigt Führungsstärke ohne Rücksicht auf Verluste. Aber zu Machiavellis Zeiten gab es auch noch keine Flughäfen und keine Selbstmord­ attentäter mit Patronengürteln. Und ja, der alte Stratege aus Florenz war ein Misanthrop, der von den Menschen grundsätzlich nicht viel hielt. „Leichter vergisst einer den Tod seines Vaters als den Verlust seines Erbteils“, zitiert Thönnes grinsend. Der 42-Jährige mit der schwarzen Jeans und dem kahlen Kopf widerlegt das Klischee vom weltfernen Denker, ist nicht im Wolken­kuckucksheim unterwegs, sondern mitten im Leben. Am Anfang seiner VHS-Tätigkeit musste er allerdings Lehrgeld zahlen: „Da sagten mir meine Freunde, Volker, das versteht doch keiner.“ Jetzt konfrontiert er die alten Denker mit der Gegenwart und nimmt seine Zuhörer mit. Viele Stammhörer sind dabei, Menschen, die ihren Synapsen gern mal die Sporen geben. Als Nächsten wird er Seneca besprechen. Thönnes zieht ein zerrupftes Büchlein aus der Aktentasche: „Über das Glück“. Seine Augen leuchten. Seneca ist einer der Größten! Testlauf drei: Qigong im Hamburger Innocentia-Park. Ein schwüler Wind fächelt durch die Blätter der hohen Bäume, zehn Teilnehmer stehen im Kreis, beugen den Rumpf und heben ihr Qi, ihre Lebensenergie. Sie biegen sich nach links und schieben mit sanften Bewegungen „die Wolken auseinander“, fahren mit den Händen über den Kopf und „lassen den Tiger über den Kopf steigen“. Auf dem Gehweg hetzen Jogger vorbei, in der Rasenmitte treffen sich Hundebesitzer, die Menschen unter den Bäumen ticken anders. Anke Dockendorf bittet ihre Teilnehmer, die Thymusdrüse zu klopfen, die Oberbauchorgane zu begrüßen, die Galle aufzuwecken und das Tor des Lebens warm zu reiben – eine Stelle am unteren Lendenwirbel. Der 79-jährige Georg ist seit 20 Jahren dabei: „Qigong wirkt auf Dauer“, sagt er. „Das


Qigong trainiert die Tiefenmuskulatur, senkt den Blutdruck und macht beweglich wie ein Kind geht irgendwann ins Unterbewusstsein über.“ Die sanften Bewegungen, die mit poetischen Bildern verbunden werden, sind viel mehr als Gymnastik an frischer Luft, erläutert Dockendorf. Qigong trainiert die Tiefenmuskulatur, senkt den Blutdruck, macht die Menschen „beweglich wie ein Kind, kräftig wie ein Holzfäller und geschmeidig wie Bambus im Wind“. Auf jeden Fall ist Qigong das Gegenprogramm zu einer Fitnesswelle, die auf hämmernde Musik und heftige Bewegungen setzt. Georg hat mit „Wolken teilen“ und „Affen abwehren“ seine verkalkte Schulter kuriert, die Dozentin Dockendorf die schwerwiegenden Folgen eines Motor­ radunfalls ausgeglichen. Vayu ist ihr zweiter Name. Vayu wie Wind. Am Ende der 90 Minuten liegt ein Lächeln auf den Gesichtern. Die Energie fließt, der Tag kann kommen. Volkshochschule bedeutet Bildung für jeden. Ohne Prüfung, ohne besonderen Schulabschluss, ohne dickes Gehalt oder üppige Rente. „Am Geld“, so Geschäftsführerin Schnoor, „darf Bildungsteilhabe nicht scheitern.“ 6,25 Millionen Euro gab die Stadt Hamburg im Jahr 2015 dazu, dadurch bleiben die Gebühren erschwinglich. Wer keine 800 Euro oder mehr für eine Management-Weiterbildung auf dem freien Markt übrig hat, kann hier für kleines Geld seine Führungsstärke stärken. Etwa im Umgang mit Pferden lernen, wie man klare Anweisungen gibt

und die richtigen Entscheidungen fällt („Pferdestärke – Führungsstärke“, acht Stunden für 144 Euro). Wer keinen Bildungsurlaub einreichen oder Schwächen vor den Kollegen offenlegen mag, kann hier nach Feierabend Sprachen lernen, ComputerKurse belegen, seine Rhetorik schulen, Existenzgründung und Berufswege planen, Buchführung und Controlling lernen, Zertifikate für Beruf und Weiterbildung erwerben. Die VHS richtet sich an alle: An Kinder und Jugendliche, für die auch ein Talent-Campus in den Ferien angeboten wird. An diejenigen in der Rushhour des Lebens, die weiterkommen wollen, und an die Entschleunigten, die sich fragen: Und nun? Was kann jetzt noch kommen? Viel. Nämlich Ausblicke in die Fülle des Lebens. Wer erst mal anfängt, ein Fenster nach dem anderen zu öffnen, hat sein Leben lang gut zu tun. Letzter Versuch: Wie sähe es denn aus mit den Erwerb des Jodeldiploms, frei nach Loriot? Kein Problem. Nur leider ist der Kurs „Jodeln und Wandern im Ötztal“ dieses Jahr schon gelaufen. Aber das nächste Programmheft ist soeben erschienen und sorgt auf seinen über 500 Seiten garantiert wieder für die Qual der Wahl. |

Und wo geht’s zu meinem Kurs? Wenn Sie überlegen, den einen oder anderen Kurs zu belegen, besuchen Sie unbedingt auch die Website der VHS. Die ist so einfach wie sinnvoll gestaltet und bietet einen guten Programm-Überblick. Und gerade beim Stöbern entdeckt man Sachen, auf die man vielleicht gar nicht gekommen wäre: www.vhs-hamburg.de

FORK

01.10. LAEISZHALLE KLEINER SAAL

SILLY 11.11. MEHR! THEATER AM GROSSMARKT

KATIE MELUA 17.11. CCH1

OYSTERBAND 30.11. KNUST

Qigong im Inno-Park: Nach 90 Minuten Training liegt ein Lächeln auf allen Gesichtern

TICKETS UNTER 0 18 05 - 2001 www.ticketmaster.de *0,20 € / Anruf inkl. MwSt, Mobilfunkpreise max. 0,60 € / Anruf inkl. MwSt


Architektur

„Hallo, hier Kirche!“ Wie ein ­Ausrufezeichen mit Flüstertüte zeigt sich der Glockenturm der Petruskirche in Lokstedt. Das Ensemble mit dem wuchtigen Turm wurde 1968 vom H ­ amburger Architekten Gerd Pempelfort errichtet

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Die Letzten ihrer Art Liebe oder Hass – die Architektur des Brutalismus der 1960er- und 1970er-Jahre lässt offenbar nur diese beiden Emotionen zu. Brutalismus – bereits das Wort klingt bedrohlich, nach grobschlächtigen, unsere Städte zermalmenden Klötzen. Und ja: Der Name ist Programm, jedoch in einem ganz anderen Sinne, denn der Begriff Brutalismus bezieht sich auf den prägenden unverputzten Sichtbeton, auf Französisch „béton brut“. In Hamburg verschwinden die brutalistischen ­Bauten nach und nach, wenige stehen unter Denkmalschutz. Der Hamburger Architektur-Experte Claas Gefroi erklärt, warum sich der Erhalt (meistens) lohnt

Fotos: Ulrike Fischer, Otmar Landt (StaatsarchivHamburg), Uwe Rohwedder (Wikipedia.org)

G

eometrische Großformen, rohe Baustoffe und hervorgekehrte Konstruktionsdetails waren die Merkmale einer neuen Architektur, die eine Abkehr von der klassischen Moderne einleitete. Es begann damit, dass sich die Leitfigur der Moderne Le Corbusier nach dem Zweiten Weltkrieg dem nackten, roh geschalten Beton zuwandte, um daraus skulptural durchgeformte Baukörper zu erschaffen. Sein Kloster Sainte-Marie de La Tourette in Éveux (1956-60) sowie der Wohnkomplex Unité d’Habitation in Marseille (1947-52) sind der Inbegriff für diese skulpturale Betonkunst. Der englische Architekturkritiker Reyner Banham sah darin einen kraftvollen Gegenpol zum formelhaft gewordenen Internationalen Stil und erfand, sich auf Corbusiers „béton brut“ beziehend, den Begriff Brutalismus. Von England ausgehend verbreitete sich die Bewegung in viele Länder; Schwerpunkte bildeten Japan, Indien, die USA und die Bundesrepublik Deutschland. Leichte Beute für die Abrissbirne Geliebt wurden die rohen, zumeist von innen nach außen entwickelten und deshalb oft rücksichtslos wirkenden Bauten nur von wenigen. Die Kompromisslosigkeit und gestalterische

Radikalität verstören viele Menschen bis heute und machen die in der Presse oftmals als „Bausünden“ diffamierten brutalistischen Gebäude zu einer leichten Beute der Abrissbirne. Die Motive für den Abriss sind unterschiedlich: In Großbritannien werden die Bauten aus ideologischen Gründen bekämpft – allen voran von Prince Charles, dem die architektonische Moderne insgesamt ein Gräuel ist. In Deutschland verschwinden sie, weil man ihre Funktionalität anzweifelt, weil sie nicht den neuesten Energieeinsparverordnungen entsprechen oder durch fehlende Pflege Sanierungsbedarf aufweisen. Doch es wächst Widerstand: In Hamburg werden immer mehr von ihnen unter Denkmalschutz gestellt und im Internet organisieren sich die Freunde dieses Architekturstils. Ganz vorn dabei ist die FacePrägnant zeigen sich die kirchlichen Bauten des Brutalismus. Oben die vor dem Abriss gerettete MaximilianKolbe-Kirche in Wilhelmsburg, rechts die ehemalige Simeonkirche in Hamm

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Eine Pyramide in der City Nord? Auf jeden Fall viel zu interessant, um sie dem Erdboden gleichzumachen

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Architektur Die lieben nicht nur Lebensmittel, sondern auch den Brutalismus: Edeka-Zentrale in der City Nord (r.). Das ehemalige Polizeipräsidium am Berliner Tor ist eine Hommage an Le Corbusier, den Inspirator dieses Architektur-Stils (u.)

book-Gruppe „Brutalism Appreciation Society“ mit derzeit fast 41 000 Mitgliedern. Auch auf Instagram, Flickr oder Twitter wird dem Brutalismus in Wort und Bild gehuldigt. Und auf der vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Kooperation mit der Wüstenrot Stiftung ins Leben gerufenen Website sosbrutalism.org wächst eine Datenbank mit brutalistischen Bauten in aller Welt. 2017 schließlich zeigt das DAM eine große Brutalismus-Schau.

Fotos: Ulrike Fischer, Claus-Joachim Dickow (commons.wikimedia.org)

Zukunftsvision mit beschränkter Haltbarkeit Hamburg hat (noch) ein bemerkenswert reiches brutalistisches Erbe. Im Gegensatz zu Städten wie Frankfurt wurden hier nach dem Krieg die großen Konzernzentralen nicht in der Innenstadt angesiedelt, sondern in der neuen Bürostadt City Nord. Und so sind dort, trotz Abrissen wie der BP-Zentrale (1971, Architekten: Kraemer, Pfennig & Sieverts) bis heute einige architekto­ nisch hochinteressante Beispiele für den Brutalismus zu finden. Das Prägnanteste ist zugleich auch das Gefährdetste: die von

Die ehemalige Oberpostdirektion kann man sich bestens als Kulisse für Science-­ Fiction-Filme vorstellen Gerhard Weber und Georg Küttinger geplante, zwischen 1969 und 1977 errichtete ehemalige Oberpostdirektion am Überseering. Ein gewaltiger, futuristischer Großbau, den man sich gut in Science-Fiction-Filmen wie „Blade Runner“ vorstellen kann: Der Komplex mit seinen 55 000 Quadratmeter Nutzfläche gliedert sich in mehrere, in Winkeln zueinander stehenden Trakte, die sich nach oben winkelförmig verjüngen – was dem Bau den Spitznamen Postpyramide einbrachte. Er wird horizontal von Beton-Brüstungsbändern gegliedert, die die Fluchtbalkone nach außen abschließen. Sie werden durch-

stoßen von den Köpfen der ebenfalls aus Beton gefertigten Aufhängungen, was – typisches Merkmal des Brutalismus – sehr schön das Konstruktionsprinzip hervorkehrt. Obgleich das Gebäude bis heute seine gestalterische Kraft bewahrt hat, trotz mehrmaliger Besitzerwechsel in gutem Zustand ist und es Vorschläge für eine Umnutzung zum Hotel- und Wohngebäude gibt, wird es, wegen Mängeln beim Brandschutz abgerissen. Nicht weit entfernt am New-York-Ring steht die Zentrale des Lebensmittelkonzerns Edeka (1972-74, Architekten: Peter Erler & Siegfried Wolske). Es ist dies ein wunderbar ausdifferenzierter, fein gegliederter, plastischer Bau, bei dessen Planung ganz offensichtlich Kenzo Tanges Präfekturgebäude Kagawa in Takamatsu Pate gestanden hat. Wie die Postpyramide besitzt dieser Stahlbetonskelettbau Brüstungselemente und außen sichtbare Verankerungen aus Betonfertigteilen. Umlaufende rote Jalousieverkleidungen, weiße Brüstungsbänder, schwarze Halterungen und noch dazu blaue Sonnenschutzrollos spielen wunderbar mit Farben und Kontrasten und zeigen, dass die Betonbauten mitnichten unisono grau und trist sind. Algier in Hamburg Le Corbusier gilt als Urvater und Inspirator des Brutalismus, weil er als Erster den nackten, roh geschalten Beton offen zur Schau stellte und damit plastisch durchgeformte Fassaden herstellte. Das erste Projekt in diesem Stile war sein Hochhaus der Cité des affaires in Algier. Es wurde nie gebaut, doch schon die Zeichnungen (1939) riefen eine enorme Wirkung unter Architekten hervor – auch in Hamburg: Das von Hans Atmer, Jürgen Marlow, Hans Th. Holthey sowie Egon Jux und Harro Freese geplante Hamburger Polizeipräsidium am Berliner Tor (erbaut 1958 bis 1966) ist bis in die Details

eine Hommage an Corbusiers visionären Entwurf. Sie wurde in der Stadt zwiespältig aufgenommen: „Bemerkenswerterweise stieß dieser Rückgriff auf den monumentalen Brutalismus Le Corbusiers anfänglich jedoch auf Ablehnung bei den Vertretern der Polizei im Preisgericht mit der Begründung, dass ein öffentlicher Hochbau in einem demokratischen Staat auch in gestalterischer Hinsicht Bürgernähe symbolisieren müsse.“1 Der Fehlschluss, dass allein offene und transparente Gebäude Ausdruck von Demokratie und Bürgernähe seien, ist bis heute ein Grund für die Ablehnung brutalistischer Architektur. Immerhin blieb das Hochhaus bestehen. 2004 zog die Polizei in einen Neubau in der City Nord und das Gebäude wurde zum Bürohaus umgebaut, wobei die maroden Betonlamellen durch Profile in Leichtbauweise ersetzt wurden. Die Hinzufügung zweier neuer Bürohochhäuser auf dem Grundstück nimmt dem Solitär leider einiges von seiner Prägnanz und Monumentalität. STADTFLAIR I 55


Architektur

Ein Bunker, der keiner ist „Wiwi-Bunker“: Das Wort löste bei Generationen von Studenten Angstschauer aus. Der böse Spitzname für das „Verfügungsgebäude IV“ (Architekten: C. F. Fischer, H. v. Bassewitz, K. Gelhaar, D. Hoor, Fertigstellung: 1974) der Universität Hamburg zwischen VonMelle-Park und Grindelallee bedient das Klischee der dunklen, schweren Monstrosität, das vielen brutalistischen Bauten anhängt. Der damals dringend benötigte Erweiterungsbau für den Fachbereich Wirtschaftswissenschaften (mit Foyer, Mensa, Hörsälen, Seminarräumen, Bibliothek und Büros) ist noch immer das zweitgrößte Gebäude der Universität und sprengte seinerzeit den Maßstab des Campus. Doch trotz seiner gewaltigen Baumasse dominiert er sein Umfeld nicht, sondern fügt sich ein. Der Anblick eines Bunkers mag sich angesichts eines komplett gläsernen Erdgeschosses mit Cafés, Geschäften und Asta-Büros sowie durchgängigen Fensterbändern in den Obergeschossen nicht einstellen. Lediglich die infolge der ungewöhnlich hohen Geschosse (4,25 Meter!) großformatigen Brüstungstafeln sind in Sichtbeton ausgeführt und zeigen die Zugehörigkeit zum Brutalismus. Im Inneren allerdings gibt es bis heute Probleme: Die zahlreichen innen liegende Hörsäle und Seminarräume machen die Orientierung im verwinkelten Gebäude nicht leicht. Da es je56 I STADTFLAIR

Der Anblick eines Bunkers mag sich angesichts des gläsernen Erdgeschosses mit Cafés nicht einstellen doch als Skelettbau errichtet wurde, ist seine Grundrissstruktur flexibel und lässt sich gewandelten Bedürfnissen anpassen – ganz im Gegensatz zu den meisten heutigen Universitätsbauten. Ein Beispiel, wie so etwas geht, gibt das vom Architekten André Poitiers 2003 neu gestaltete, poppige Foyer. Da die Universität in den Sechziger- und Siebzigerjahren einen gewaltigen Entwicklungsschub erlebte, besitzt sie bis heute noch einige weitere eindrucksvolle brutalistische Bauten, die hier nur aufgezählt seien: das Geomatikum, das Verfügungsgebäude II und die Staatsund Universitätsbibliothek. Kirchenskulpturen Es gilt, ein Kleinod zu entdecken. Es liegt gut versteckt und, dem Dornröschenschloss gleich, eingewachsen in einem beschaulichen, grünen Wohngebiet Lokstedts (Winfridweg). Die evangelisch-lutherische Petruskirche (mittlerweile umgewandelt zum Gemeindehaus) wurde 1968 vom Hamburger Architekten Gerd Pempelfort

errichtet. Sie gliedert sich in ein mehrfach gefaltetes Kirchengebäude und einen frei stehenden Glockenturm. Der Kontrast könnte nicht größer sein: Die Kirche ist in warmen Backstein, Kupfer und Glas gefertigt, wirkt kleinmaßstäblich und einladend. Umso schroffer und monumentaler erscheint der benachbarte Turm. Zwei gewaltige Betonscheiben erheben sich in die Höhe und tragen die weit oben angebrachten, von Lamellen geschützten Glocken. Zwischen den Wänden des Turms windet sich eine offene, ebenfalls in Beton ausgeführte Treppe 105 Stufen hinauf auf eine Plattform in 28 Meter Höhe. Dieser (leider völlig im Grün von Bäumen verborgene) Turm gehört in seiner Rohheit und skulpturalen Kraft zu den beeindruckendsten Hinterlassenschaften des Brutalismus in Hamburg. Hier offenbart sich, wie gut der Gestus des Brutalismus zum Kirchenbau passt: Gotteshäuser sind Fixpunkte im Stadtbild, sie sollen aus ihrem Umfeld hervorstechen und den Blick bannen. Einige weitere wichtige brutalistische Kirchen müssen erwähnt werden: Die in ihrer Art einzigartige Wilhelmsburger Maximilian-Kolbe-Kirche (1974, Architekt: Jo Filke), deren Sichtbetonkörper sich spiralförmig in die Höhe windet, wurde unlängst vor dem Abriss bewahrt und wird nun saniert. Von den vielen Kirchbauten des Hamburger Ostens im Stile des Brutalismus sei stell-

Fotos: Dirk Ingo Franke (commons.wikimedia.org), Ajepbah (commons.wikimedia.org)

Der „Wiwi-Bunker“ (l.) und das Geomatikum (u.), beide nicht sehr beliebt, werden gerade saniert. Ein zweiter Blick lohnt sich!


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Architektur

Wohnen in Anti-Idyllen Vielleicht weil der Brutalismus für eine gewisse Anti-Haltung steht, gibt es nur wenige Wohnbauten in diesem Stil. Die meisten Menschen wollen es privat eben doch lieber heimelig und althergebracht. Und doch gibt es einige Preziosen: So hat der Architekt und Bildhauer Thomas Darboven, Großcousin des Kaffee-Königs Albert Darboven, in Othmarschen (Gottorpstraße 1) 1975 ein Wohn- und Atelierhaus gebaut, das im Kleinen die ganze Programmatik brutalistischer Architektur in sich vereinigt: Die Seitenwände sind aus Beton-Fertigteilen geschichtet, die nur dort, wo es unbedingt notwendig erschien, von Öffnungen für Fenster und Türen durchbrochen sind. Zum Garten hin öffnet sich das Haus mit bodentiefen Verglasungen, die jedoch unterteilt

sind von Betonstützen, die das Raster des Tragwerks im Außenraum vorzeigen. Auch die Unterzüge werden bis nach außen geführt und dort zu skulpturalen Köpfen ausgeformt. Im Inneren ermöglicht das Stützenraster weite Raumfluchten. Treppenraum und Oberlicht werden durch Betonwellen in Szene gesetzt. Bemerkenswert ist auch der 1968 fertiggestellte Geschosswohnungsbau im Pöseldorfer Weg 7 des Hamburger Architekten Peter Paul Schweger, in dem er mit seiner Familie in einer sich über zwei Etagen erstreckenden Maisonettewohnung lange selbst lebte. Der massive Sichtbeton, die Inszenierung des Treppenhauses als Turm, erkerartige Ausbuchtungen und nach oben schräg abschließende Fenster lassen den Bau trutzig und wehrhaft erscheinen – eine moderne Burg inmitten des pittoresken Gründerzeitviertels. Liebeserklärung an ein Betonhaus Weithin sichtbar und deshalb dem einen oder anderen Elbspaziergänger vertraut ist das Haus des Architekten Gerhart Laage auf dem Süllberg (Süllbergstreppe 3 a) von 1965, in dem er bis zu seinem Tod 2012 mit seiner Fa-

milie lebte. Mitte der Sechzigerjahre muss es ein Schock für die Bewohner des Süllbergs gewesen sein: Der harte, rohe, kühle Sichtbetonkubus bedeutete den Einbruch der Moderne in die dörfliche Idylle. Noch heute erscheint die stoische Kiste wie ein Fremdkörper im lieblichen Ambiente; ihre Flanken sind geschlossen, nur zur Elbe hin öffnet sie sich mit Fensterbändern, die den Bewohnern einen grandiosen Panoramablick bieten. Auch innen ist der Beton allgegenwärtig, denn Decken, Wände, Treppe, ja sogar der große Küchentisch sind in Beton gegossen, nackt und rau, frei von Farbe oder Verkleidungen. Welche Kraft und Schönheit, welchen Schutz und Geborgenheit ein solch „brutales“ Haus ausstrahlen kann, das beschrieb Gerhart Laage in einer „Liebeserklärung eines alten Mannes an ein Haus aus Beton“: „Tja, nun sind wir alt, meine Frau und ich, und ich bin so grau geworden wie unser Betonhaus schon immer war. Unsere Ménage-à-trois jedoch besteht und belebt uns unverändert. (…) Dieses Haus aus Beton ist unser Lebenstraum. Wir lieben die langdauernd archaische Kraft und Schönheit des Materials. Und wenn man das Haus vom Elbufer aus oder von einem Schiff aus der Ferne sieht, wirkt es zwischen allem anderen ruhig und gelassen. Vielleicht steht es auch deshalb – und nicht wir – inzwischen unter Denkmalschutz.“2 Dem gefährdeten brutalistischen Erbe dieser Stadt ist zu wünschen, dass möglichst viele Menschen seine Qualität und Schönheit erkennen und sich für dessen Bewahrung einsetzen. Viel Zeit dazu bleibt nicht mehr. |

Nur wenige Wohnhäuser wurden im Stil des Brutalismus gebaut. Links ein Bau des Bildhauers und Architekten Thomas Darboven in Othmarschen (Gottorpstraße 1), rechts das Haus des verstorbenen Architekten Gerhart Laage auf dem Süllberg, in dem seine Frau bis heute lebt

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1 Ralf Lange: Architekturführer Hamburg, Stuttgart, 1995 2 Gert Kähler und Hans Bunge (Hg.): Der Architekt als Bauherr. Hamburger Baumeister und ihr Wohnhaus, Dölling und Galitz Verlag

Fotos: Sabine Ganczarsky (Staatsarchiv Hamburg), Gert von Bassewitz

vertretend die in Backstein und BetonFertigteilen errichtete, an Le Corbusier erinnernde Simeonkirche im Stadtteil Hamm genannt (1966, Architekten: Friedhelm Grundmann, Herbert Kuhn und Friedhelm Zeuner, 2003 zur griechisch-orthodoxen Kirche des heiligen Nikolaus umgewandelt).


Advertorial

Porsche 356 Speedster beim StadtparkRevival

Motorsport mit Tradition Porsche Zentrum Hamburg beim Stadtpark-Revival

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ldtimer live erleben: Mit sorgsam gepflegten klassischen Fahrzeugen und einem der schönsten Straßenrundkurse Europas lockt das 15. Stadtpark-Revival am 3. und 4. September Tausende Besucher in den Park im Hamburger Norden. Das Porsche Zentrum Hamburg beteiligt sich auch in diesem Jahr an der Rundfahrt und bringt mit Roland Asch einen Renn-Profi in die Hansestadt: Er präsentiert in den Sonderläufen einen Porsche 968. Mit einem Porsche GT 3 und einem 918 Spyder gehen zwei weitere Porsche-Klassiker an den Start. Für Mathias Busse, Vorsitzender der Geschäftsführung Porsche Niederlassung Hamburg, ist das Event von besonderer Bedeutung: „Porsche ist eine Marke mit langer Tradition. Das Stadtpark-Revival bietet für uns ideale Bedingungen, die Faszination Porsche für unsere Kunden und Fans der Marke erlebbar zu machen.“ Der Stand der Porsche Niederlassung Hamburg steht in diesem Jahr unter dem Motto „40 Jahre Transaxle und Classic“. Eine elegante Auswahl aus der „Porsche Driver’s Selection“ lädt zum Weekend-Shopping ein, Snacks und Getränke helfen gegen den großen oder kleinen Hunger. Rallye-Liebhaber können Roland Asch am Samstag und Sonntag in mehreren Rennen in Aktion erleben. Das Hamburger Stadtpark-Revival findet seit 1999 alljährlich im September auf einer abgesperrten Strecke mitten in und um die Grünanlage des Stadtparks statt. Heute wie damals gehen Rennfahrzeuge und Sportwagen an den Start – darunter auch Oldtimer-Fahrzeuge.

Ausstattung und Enthusiasmus bietet der nördlichste Porsche Classic Partner in Deutschland umfassenden Service. Ein fünfköpfiges Expertenteam unter Führung von Porsche Classic Berater Dennis Neumann und Werkstattmeister Dirk Hennings sorgt für qualifizierte Beratung. „Unsere Klassiker üben eine besondere Faszination aus – mehr als 70 Prozent aller jemals gebauten Porsche-Fahrzeuge fahren heute noch. Wir haben die Leidenschaft unserer Kunden für ihre klassischen Sportwagen schon immer geteilt und freuen uns sehr, als offizieller Porsche Classic Partner nun einen besonderen Service zu bieten“, sagt Steffen Knies, Geschäftsführer des Porsche Zentrum Hamburg Nord-West. Eine Neuauflage der beliebten Classic Klinik erleben Porsche-Freunde am 10. September im Porsche Zentrum Hamburg Nord-West. Damit Old- und Youngtimer-Besitzer den einzigartigen Fahrspaß auch in Zukunft uneingeschränkt genießen können, bedarf es viel Liebe und Pflege. Alle Besitzer klassischer Modelle sind herzlich zum Besuch in der Porsche Classic Service Klinik in die Holsteiner Chaussee 151 eingeladen, wo spezialisierte Service-Mitarbeiter diese Fahrzeuge kostenlos auf Herz und Nieren prüfen und begutachten. Als Belohnung für den bestandenen 33-Punkte-Check wird auf Wunsch die begehrte Porsche Classic Card ausgestellt. Fans von luftgekühlten Schmuckstücken aus allen Epochen nutzen diesen Tag nicht nur zum Fahrzeug-Check-up, sondern lassen sich auch von eingeladenen Dienstleistungsunternehmen beraten. Dabei steht beispielsweise die Aufbereitung von Blech, Lack, Felgen und Leder im Fokus. |

Kompetenz für klassische Fahrzeuge im Porsche Zentrum Hamburg Nord-West Das Porsche Zentrum Hamburg ist seit März 2016 offizieller Porsche Classic Partner. Im Rahmen des Programms bieten beide Hamburger Betriebe neben dem vielfältigen Angebot für Neufahrzeuge auch Service rund um klassische Porsche-Modelle an. Mit technischem Know-how, besonderer Porsche 993 Turbo mit „Turbo S“-Look und stolzen 450 PS


Mein erstes Mal

Ab auf ’n Teich Mit 56 noch mal was Neues anfangen? Aber immer! Und dann gleich Wasserski, ein Sport, der Arme und Beine in reine Muskeln verwandelt und bei dem man eine tolle Figur macht – wenn man es kann. Unsere Autorin stürzte sich ins Vergnügen Text: Katrin Bergann|Fotos: Stefan Heiland

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lügellahm nennt man das wohl. Als ich aufwache, kann ich den linken Arm kaum bewegen. Ich muss grinsen. Ja, gestern bin ich geflogen, fast jedenfalls. So fühlte es sich zumindest an. Gestern bin ich das erste Mal Wasserski gefahren. Wer mich dabei beobachtet hat, wird wohl

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eher sagen, ich hätte es versucht. Und geflogen sei ich dabei auch, hingeflogen und das ziemlich oft. Als der Anruf aus der Stadtflair-Redaktion kommt, ob ich nicht Lust hätte, Wasserski auszuprobieren, stehe ich gerade im Garten meiner Mutter: Der Himmel ist grau und ein leichter Nieselregen fällt, Hamburger Sommer eben. Sofort entsteht vor meinem inne-

ren Auge folgende Szene: Eine Wasserskiläuferin wird mit wehendem Haar von einem schicken Motorboot übers tiefblaue Meer gezogen. Klarer Himmel, das gleichmäßige Geräusch des Motors, Wassertropfen glitzern auf gebräunter Haut. Ich sage zu, bevor mein Gehirn einschreiten kann. Am besagten Morgen schaue ich dann doch etwas skeptisch in den Spiegel.


Auf die Plätze, fertig, platsch! Der Neoprenanzug sitzt, Autorin Katrin Bergann gibt ihr Bestes, aber das reicht leider noch nicht (bitte umblättern)

Der Himmel ist immer noch grau, wir fahren nicht nach Portofino, sondern in die Cablesport Arena nach Pinneberg. Ich frage mich, ob es sich überhaupt lohnt, Make-up aufzulegen. Ich entscheide mich dafür. Zwar ahne ich bereits, dass mir der Untergang bevorsteht, aber ich will wenigstens gut dabei aussehen. Die Anlage betrete ich mit einem etwas mulmigen Gefühl. Geschäftsführer Sebastian Eppinger, jung, durchtrainiert, gutaussehend, nimmt mich und das Stadtflair-Team in Empfang. Die Anlage besteht aus einem schilfumstandenen See, auf der rechten Seite lädt ein Beachclub mit Strand, Palmen und Bar zum Relaxen ein, links die Rezeption, Umkleidekabinen und ein Shop. Chillige Beats wehen von der Bar herüber, es könnte glatt Urlaubsstimmung aufkommen, wäre der Himmel nicht so grau. Mir ganz recht, so ist die Anlage wenigstens relativ leer

und ich werde nicht zu viele Zuschauer bei meinen ­ersten Versuchen haben. „Norddeutschlands schönste Wasserskianlage, eine Sechs-Mast-Anlage, 450 Meter Länge, kurze Laufwege, anfängeroptimiert“, heißt es im Werbeprospekt. Anfänger­optimiert! Das gibt mir Hoffnung. Nachdem wir unser Eintrittsbändchen erhalten haben, geht es gleich wei-

„,Anfängeroptimiert‘ heißt es im Werbeprospekt der Cablesport-Anlage – das gibt mir Hoffnung“ ter zum Shop. Shopleiter Nick, jung, durchtrainiert, mit cooler schwarzer Brille, händigt uns unsere Neoprenanzüge aus, wir trotten zur Umkleide. Zunächst müssen wir uns in die Neoprenanzüge reinwursteln. Gar nicht so

einfach, denn die sind feucht und sollten ja eng sitzen, wie eine Wurstpelle eben. Also wursteln wir. Das dauert ein bisschen, fühlt sich dann aber gut an, wie eine Ganzkörper-Shapewear. „Hält alles gut in Form und bringt die Figur optimal zur Geltung“, witzelt die Redakteurin. Die Witzfiguren sind dann allerdings wir, als wir die Umkleide verlassen. „INSIDE FRONT“ prangt in großen Lettern außen auf ihrer Brust, bei mir, noch peinlicher, auf dem Rücken. Die Jungs grinsen. „Ich kann lesen, echt,“ stammle ich, „muss wohl an der Aufregung liegen.“ Also wursteln wir uns wieder raus und dann erneut rein, diesmal richtig herum. Nick spielt uns die Videoanleitung vor mit angeblich allem, was wir wissen müssten. „Seid ihr ins Wasser gefallen und es kommt ein anderer Wasserskioder Wakeboard–Fahrer direkt auf euch zu, einfach abtauchen und bis drei STADTFLAIR I 61


Mein erstes Mal

Palmbeach in Pinneberg: Wer nicht fahren mag, hat hier genug zu gucken und genießt den Spätsommer bei einem Kaltgetränk

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„I believe I can fly“: Katrin hebelt es auch beim zweiten Mal aus den Skiern, obwohl sie den Anzug im Gegensatz zu vorher richtig rum trägt (o. r.). Vor ihrem nächsten Versuch zieht Fotograf Stefan mal eben lässig ein paar Runden mit dem Wakeboard (r.)

zählen“, ist alles, was ich mir von den Sicherheitsregeln merken kann. Beim Start vom Steg soll man tief in die Hocke gehen und die Arme am sogenannten „Mitnehmer“ lang lassen, zwischen den beiden Hindernissen hindurchfahren und rechts an der rosa Boje vorbei, dann in eine Linkskurve schwenken, indem man das Gewicht auf das rechte Bein verlagert. „In der Linkskurve gibt es ordentlich Zug, es ist also wichtig, dass ihr die Skier rechtzeitig ausrichtet“, erklärt Nick. „Gab es hier schon Todesfälle?“, frage ich und will am liebsten abtauchen und bis 5000 zählen. Danach ging alles ganz schnell, Schwimmweste überziehen, Mats, jung, durchtrainiert mit coolem Hut, half mir, in die Halterungen der Skier zu schlüpfen, und trat mit einem kräftigen Tritt nach, damit sie auch fest saßen. „Auf welches Bein muss ich das Gewicht verlagern, wenn ich um die Kurve will?“, versuchte ich noch zu fragen, „rechts oder links?“ Die Antwort

hörte ich zwar noch, aber mein Gehirn konnte sie nicht mehr verarbeiten, war wohl gerade mit Adrenalin geflutet. Ich ging tief in die Hocke, Mats drückte mir den Griff in die Hand, oben am Mast leuchtete ein grünes Lämpchen

„,Der nächste Zug ist deiner‘, hörte ich Mats noch sagen. Und schon ging es ab“ auf. „Der nächste Zug ist deiner“, hörte ich ihn noch sagen, schon ging es ab. Ich spürte den Wasserwiderstand unter meinen Skiern, richtete mich auf, ließ die Arme lang, flitzte zwischen den beiden Sprungschanzen hindurch und umfuhr die Boje rechts in einer eleganten Linkskurve. So hätte es sein sollen. Was wirklich geschah: Ich spüre gar nichts, mein Hirn setzt einfach aus, ich rase auf ein Hindernis mit einer Eis-

cremewerbung zu, auf dem steht „eiskalt abheben“, ich lese „eiskalt ableben“, mein Hintern hängt immer noch im Wasser, zieht eine Fontäne hinter sich her und bevor ich die rosa Boje im Wasser auch nur ausmachen kann, ziehe ich reflexartig die Arme an und klatsche gleich darauf ins Wasser. Aber hey, ich habe überlebt, und es hat überhaupt nicht wehgetan. Ich schwimme zurück ans Ufer, steige aus dem Schilf, klemme mir die Skier unter die Arme und laufe zurück zum Steg. Bevor ich den zweiten Versuch starte, wischt mir die Redakteurin die verlaufende Wimperntusche aus dem Gesicht, wegen der Fotos. Zweiter Versuch: Ich gehe tief in die Hocke, der Mitnehmer kommt, zieht mich zwischen den beiden „Obstacles“, wie die Hindernisse von erfahrenen Wasserskifahrern genannt werden, hindurch auf die rosa Boje zu. Mein Hintern hängt immer noch im Wasser und ich weiß immer noch nicht, ob ich STADTFLAIR I 63


Mein erstes Mal

Yes! Beim dritten Mal gelingt es Katrin, oben zu bleiben – darauf einen Cappuccino! Und die Entdeckung eines weiteren Hobbys: Andere beim Stürzen beobachten

das Gewicht in der Kurve nun erst auf das rechte oder linke Bein oder umgekehrt verlagern soll. Ich versuche mich aufzurichten, strecke die Beine durch und fahre in einem 45-Grad-Winkel rückwärts zum Wasser liegend links an der rosa Boje vorbei. Dann kommt der ruckartige Zug der ersten Kurve und ich hebe ab. Für einen kurzen Moment kann ich fliegen. Zurück auf dem Steg sehe ich das Malheur, meine linke Wade ist total geschwollen. Ich habe noch nicht einmal gespürt, dass ich mich verletzt habe. Dann platzt die vermeintliche Schwellung mit einem Blub, und das Seewasser läuft unten aus dem Neoprenanzug heraus. „Du hattest nur Wasser am Bein, nicht im Bein“, beruhigt mich die Kollegin. Inzwischen hat sich der Fotograf umgezogen, er stand vor 20 Jahren zuletzt auf einem Wakeboard, ist aber passionierter Snowboarder. Stefan steigt aufs Brett, fährt los, als wäre nichts, dreht vier Runden und kommt grinsend 64 I STADTFLAIR

an Land. Angeber! Aber ein bisschen neidisch bin ich schon. Dritter Versuch: Die Sonne kommt durch, Mats macht mir Mut. Diesmal gehe ich nicht ganz so tief in die Ho-

„Zwischen den beiden Hindernissen gelingt es mir tatsächlich, mich aufzurichten – ich fahre!“ cke, der Mitnehmer zieht mich auf den See hinaus, und zwischen den beiden Hindernissen gelingt es mir tatsächlich, mich aufzurichten. Und dann fahre ich! Das Wasser spritzt und hinterlässt glitzernde Tropfen auf meinem Neoprenanzug, der Wind spielt in meinen Haaren (meine Haarspange liegt bereits am Grund des Sees), ich gleite dahin, höre das Schilf im Wind rascheln, sommerliche Beats von der Bar herüberwehen, übertönt vom Johlen und Beifallklatschen am Steg.

Das Glück dauert zwar nicht lange, ich sage nur rosa Boje und Linkskurve, aber jetzt weiß ich, es ist möglich. Mit etwas mehr Übung würde es mir vielleicht sogar gelingen, die Kurven zu meistern und eine volle Runde zu fahren. Aber fürs Erste habe ich genug, man soll sein Glück nicht überstrapazieren. Außerdem herrscht jetzt reger Betrieb. Wir holen Kaffee von der Bar, den ich genüsslich am Steg sitzend trinke – und erst jetzt stelle ich fest, wie viel Spaß es macht, den anderen zuzusehen. Ob die waghalsigen Sprünge der Wakeboarder oder die unzähligen lustigen Versuche der Anfänger – allein dafür lohnt sich die Fahrt nach Pinneberg! |

Auf einen Versuch kommt’s an! Falls wir Sie auf den Geschmack gebracht haben: Info, Impressionen, Preise und eine Anfahrtsbeschreibung finden Sie auf: www.cablesport.de


Wohnzimmer

Hamburger Einblicke Ein Wohnzimmer sagt mehr als tausend Worte – vor allem über die Menschen, die darin leben. Volker Schimkus und Rike Schulz haben in den letzten Jahren rund 200 Räume für die „Hamburger Morgenpost“ in Szene gesetzt. Hier eine kleine Auswahl

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Jutta von Perfall Etwas chaotisch sieht es schon aus aber Chaos macht bekanntlich auch kreativ. Seit sechs Jahren bastelt, pinselt und kleistert Jutta von Perfall in ihrem Wohnatelier im Portugiesenviertel an allem, was nicht niet- und nagelfest ist. Die studierte Kommunikationsdesignerin liebt die Arbeit mit Farben und Stoffen. Zusammen mit ihrem Künstlerkollegen Frank Bürmann verkauft sie im Künstlerhaufhaus „The Art of Hamburg“ ihre selbst gemachten Unikate. „Ich könnte mir auch vorstellen, auf einem Schiff zu leben, irgendwo hier im Hafen.“ Aber vorerst ist die selbst ernannte „Kaufhausdirektorin“ mit ihrem hellen, 120 Quadratmeter großen Wohnatelier ganz zufrieden. |

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Ulla Jahn Die Möbelhändlerin liebt urbane Vielfalt, die Mischung aus Leben und Industrie. Stücke aus ihrem Geschäft „Func.“ finden sich auch in ihrer Dachgeschosswohnung in Altona. Die gebrauchten Möbel aus Schulen oder Fabriken restauriert sie größtenteils selbst. |

Nappa Weger Die Gastronomin aus Blankenese stammt ursprünglich aus Thailand. Um mehr über das Heimatland ihres Vaters zu erfahren, zog sie nach Deutschland. Seit den 70er-Jahren lebt Weger in Hamburg. Und hat sich auch beim Wohnen ein bisschen Thailand bewahrt. |

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Wohnzimmer

Esther Bejarano Seit 30 Jahren lebt die Antifaschistin in ihrer 3-Zimmer-Wohnung in Groß Borstel. „Das ist mein Ruhepol, der Ort, wo ich Kraft schöpfe.“ Die 91-Jährige ist eine der letzten Überlebenden von Auschwitz, die unermüdlich als Mahnerin und Zeitzeugin unterwegs ist. |

Sebastian Suckow Spontan hat der Fahrradhändler seinen Job gestartet (das Bambus-Rad entdeckte er in Amsterdam). Spontan entstand auch die Bilderwand, weil Suckow und seine Frau nicht mehr die weiße Wand anstarren wollten. Ganz spontan könnte man sich davon inspirieren lassen. |

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Wohnzimmer

Holger Hechtenberg Hausarbeit mag er gar nicht, Rock ’n’ Roll umso mehr – der Mitinhaber des Hamburger Fashionund Lifestylelabels „Pyrate Style“ lebt in einem Haus in Schnelsen, wo er Schmuck entwirft, an seinem Retro-Bike rumschraubt und das Leben genießt. |

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Petra Bunjes Die Designerin lebt im Herzen von Altona in einer kleinen Seitengasse. Hier bewohnt sie mit ihrem Lebensgefährten ein Haus mit vier Stockwerken. Die vielen Einzelstücke und Accessoires und die wechselnde Wandfarben machen den Charme des Hauses aus. |

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Theater

Villa Kunterbunt: Das Klubhaus St.Pauli auf dem Spielbudenplatz beherbergt auch das Schmidtchen und das Restaurant „Alte Liebe“

Kleine Bühnen mit großer Wirkung Schmidtchen

Große Kleinkunst auf der Reeperbahn

Es ist schon ein Wahnsinnserfolg, den Corny Littmann mit seinem Team rund um das Schmidt Theater über die Jahre hingelegt hat. Ohne Subventionen, aber mit unermüdlichem Einsatz, gutem Geschäftssinn und dem richtigen Mix von Klamauk, Kabarett und 72 I STADTFLAIR

Satire etablierten sich die Theater weit über die Grenzen Hamburgs hinaus. Die jüngste Gründung heißt Schmidtchen und bietet Kabarett-Programme vom Feinsten. Im September freuen wir uns auf das erste Solo-Programm „Gaaanz ruhig“ des Komödianten und Sängers Nik Breidenbach, Karl Dall kann es im Oktober nicht lassen,

und im November schlagert sich Kathi Damerow als Ost-Schlagersternchen Gabi Mut durchs Programm. Für Speis und Trank sorgt die „Alte Liebe“ gleich im Haus, das mit seiner schillernden Fassade schon an sich einen Besuch wert ist. Spielbudenplatz 21–22 (Reeperbahn), Tel. 31 77 88 99, www.tivoli.de

Foto: PR

Die großen Theater der Stadt haben die meisten Hamburger schon mal besucht, aber was ist eigentlich mit den kleineren? Wir haben uns die aktuellen Spielpläne angesehen und ein vielfältiges Programm für Jung und Alt entdeckt


Das Schmidtchen ist die jüngste Kabarettbühne der Stadt, das Hansa Varieté Theater das älteste Deutschlands. Dazwischen: jede Menge Spielfreude auf den kleinen Hamburger Bühnen

Theater | Konzert | Ballett | Oper | Tanz

Hamburger Sprechwerk

Tanz und Spiel auf großer Bühne

Mit der Eigenproduktion „Der Optimierte“, ein Stück über die Folgen von Genmanipulation, eröffnet das Hamburger Sprechwerk die diesjährige Saison. Vor 13 Jahren wurde das Theater für die professionelle freie Theaterszene gegründet. Mit ihren Maßen von zehneinhalb Meter Tiefe und gut 13 Meter Portalbreite gehört die Bühne zu den größten Off-Theater-Spielräumen der Stadt. Neben anspruchsvollen Eigenproduktionen bietet das Sprechwerk Raum für ambitionierte Gastspiele. Die Spannweite reicht dabei von der Performance über modernen Tanz bis zu Komödien, klassischem Drama, Musik-Kabarett oder Konzerten. Die Tanzszene hat sich ein Refugium im Haus geschaffen, in dem sie qualitativ hochwertige Choreografien eigener sowie internationaler Künstler zeigt. Klaus-Groth-Straße 23 (Borgfelde), Tel. 24 42 39 30, www.hamburgersprechwerk.de

Lichthof Theater Produktive Freiheit

Ödön von Horvaths „Glaube, Liebe, Hoffnung“ ist die erste Premiere der neuen Saison im Lichthof, und man darf gespannt sein, wie Regisseur Helge Schmidt und Choreograf Jonas Woltemate dieses doch recht schroffe Stück in die Gegenwart holen. Mit jährlich 14 Premieren ist das 1994 gegründete Lichthof Theater – gemessen an seiner Größe – wohl das produktivste freie Theater der Stadt mit gemeinnützigem Anspruch. Für seine originellen, kritischen Kommentare zu menschlichen Beziehungen, zur Zeit und Gesellschaft und für seine kontinuierliche Nachwuchsförderung wurde das Lichthof-Team 2008 mit dem „Pegasus“-Preis für Hamburger Privattheater ausgezeichnet.

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„Glück ist was für starke Nerven“ – mit dieser kabarettistischen Gebrauchsanleitung werden die Macher von Das Schiff ab Oktober garantiert für Glücksgefühle

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Deutsches Schauspielhaus Thalia Theater Hamburger Symphoniker Kampnagel Elbphilharmonie Konzerte Ernst Deutsch Theater Hamburgische Staatsoper NDR Elbphilharmonie Orchester The English Theatre Ohnsorg Theater Komödie Winterhuder Fährhaus Philharmoniker Hamburg Schmidt Theater Hamburger Camerata Hamburger Kammerspiele Imperial Theater St. Pauli Theater Kammerkonzerte Altonaer Theater Engelsaal Alma Hoppes Lustspielhaus Hamburger Kammeroper Monsun Theater Kirchenkonzerte Das Schiff Sprechwerk Lichthof Theater Ensemble Resonanz Harburger Theater Thalia in der Gaußstraße

w w w. t h e a t e r g e m e i n d e - h a m b u r g. d e


Theater 11. September für Menschen ab vier gespielt wird. In der ehemaligen Rösterei kommen vor allem Produktionen und Gastspiele von Kindertheatergruppen zur Aufführung. Jedes Stück ist eine Welt aus Bildern, Sprache, Gesten, Tanz, Musik, Film und Kunst. 2011 eröffnete im Theater zudem ein Laborraum, der sich ganz den Themen Kindheit und Wissenschaft widmet. So beantworten die kleinen Forscher Fragen wie „Warum drucken wir nicht unser eigenes Geld?“ oder „Wie viele beste Freunde kann man eigentlich haben?“ und setzen ihre Ergebnisse in Theaterstücke um. Hasselbrookstraße 25 (Wandsbek), Tel. 250 72 70, www.fundus-theater.de

Kellertheater

Kultur unterm Brahmskontor

Jubiläum! Seit 60 Jahren bietet das Kellertheater im Hamburger Brahmskontor modernes Literatur-Theater, aber auch Klassiker, Musicals, Kindertheater und Lesungen. Mehr als 100 Mitglieder und zwölf engagierte Regisseure feilen laufend am Programm. Im September wird Repertoire gespielt (zum Beispiel „Der alte Mann und Mr. Smith“ von Peter Ustinov), im Oktober lohnt sich bestimmt die Premiere von „Der Gott des Gemetzels“. Johannes-Brahms-Platz 1, Tel. 84 56 52, www.kellertheater.de

The English Theatre

Tiefgründig bis heiter geht es im Kellertheater zu, innovativ und experimentell präsentiert sich das Hamburger Sprechwerk (u.)

sorgen, zumal man bei der kabarettistischen Gruppentherapie auch mitmachen kann. Kabarett, Musik und Theater auf höchstem Niveau – dafür steht das legendäre Theaterschiff. Mit eigenem Ensemble und hochkarätigen Gästen unterhält es das Publikum seit über 35 Jahren. Wer einmal auf Hamburgs schwimmender Bühne war, wird von der Atmosphäre schwärmen: In unmittelbarer Nähe zu den Künstlern – kein 74 I STADTFLAIR

Platz ist weiter als sieben Meter von der Bühne entfernt – genießt das Publikum großes Theater auf kleinstem Raum. Holzbrücke 2/Nikolaifleet (Altstadt), Tel. 69 65 05 60, www.theaterschiff.de

Fundus Theater

Bühne für Kinder und Forscher

„Ein Loch ist meistens rund“ lautet der Titel des Gastspiels aus Berlin, das am

Das English Theatre of Hamburg e.V. startet mit einem packenden Drama in die neue Saison. In „Orphans“ (Waisen) geht es um zwei ungleiche Brüder, die ihre Eltern früh verloren haben und deren Leben sich wendet, als ein Gangster sich bei ihnen einnistet und die Vaterrolle übernimmt. Die beiden Amerikaner Robert Rumpf und Clifford Dean haben den ältesten deutschen Theaterbetrieb in englischer Sprache 1976 gegründet, seit 1981 spielt das Theater seine Stücke an der Mundsburg. Das English Theatre arbeitet ausschließlich mit englischen Schauspielern. Das Publikum, hauptsächlich deutsch, aber immer wieder mit Besuchern aus aller Welt, dankt es dem eingetragenen Theaterverein mit langjähriger Treue. Lerchenfeld 14 (Uhlenhorst), Tel. 227 70 89, www.englishtheatre.de

Fotos: Hinnerk11 / Wikimedia Commons, Jon Zimmermann

Von Hamburg in die weite Welt


Die 2te Heimat

Kultur und Kulinarik

Im Theater 2te Heimat bereiten Thomas Gisiger und Andreas Löher ihren Gästen eine ganz besondere Pause vom Alltag: abwechlungsreich und genussvoll. Gegeben wird ein Theaterabend mit einem anschließenden Essen, bei dem das Publikum sich mit Tischnachbarn über das Stück (meist tragikomisch) oder das Leben austauschen kann. Das Menü aus drei Gängen wird jeweils auf das Theaterstück abgestimmt. Angelehnt an die Kultursalons des vergangenen Jahrhunderts treffen im Kleinod an der Max-Brauer-Allee Kultur, Kulinarisches und Kommunikation aufeinander. Und das alles für 73 Euro pro Person. Max-Brauer-Allee 34 (Altona), Tel. 30 60 65 41, www.die2teheimat.de

Hamburger Puppentheater Mehr als Kasperletheater

Die Spielzeit eröffnet das Hamburger Puppentheater am 18. September mit „Richard, der stärkste Rabe der Welt“ für Kinder ab vier, „Die Schachnovel-

le“ nach Stefan Zweig eröffnet dann das Erwachsenenprogramm am 24. September. Das Hamburger Puppentheater ist vielfältig: Mal bevölkern Handpuppen die Bühne, mal Marionetten und Stab- oder Flachfiguren.

Das Altonaer Theater bringt Literatur auf die Bühne. Aktuell: ein Roman von Thomas Brussig Jedes Stück orientiert sich an den Erlebnis- und Erfahrungswelten der Kinder ab vier Jahren. Dienstag und Mittwoch lädt das Haus vorrangig Gruppen aus Kindertagesstätten und Schulen zu sich ein, die Sonntage gehören den Bühnen, die nicht aus Hamburg stammen. Zweimal im Monat gibt es auch Figurentheater für die Großen. Auch Workshops rund um die Themen Figurenbau und Puppenspiel sind im Angebot. Bramfelder Straße 9 (Barmbek), Tel. 23 93 45 44, www.hamburgerpuppentheater.de

Theater Bergedorf Haus im Park

Ulli Bähnk und Roland Renner werden ihr Bestes geben, wenn sie hier Ende September wieder als „Laurel & Hardy“ auf der Bühne stehen. Das Haus im Park, 1977 von der KörberStiftung als Teil eines BegegnungsZentrums erbaut, bietet abwechslungsreichen Theatergenuss auf hohem Niveau, und das liegt in erster Linie an der hervorragenden Kooperation mit dem Altonaer Theater, dem OhnsorgTheater und den Hamburger Kammerspielen: Intendant Axel Schneider hat ein gutes Händchen für einen Mix aus Schauspiel, Musical, Comedy und Kabarett. Die Bergedorfer danken es ihm mit regelmäßigen Besuchen. Gräpelweg 8 (Bergedorf), Tel. 72 57 02 65, www.theater-bergedorf.de

Altonaer Theater

Literatur für Jung und Alt

Das Altonaer Theater bringt zuvorderst Literatur auf die Bühne – und das wird sich auch in der aktuellen Saison nicht ändern. Waren in der Vergan-

15.9. bis 8.1. STADTFLAIR I 75 Foto: Ingo Boelter


Theater Hansa Varieté Theater

Hamburgs Schmuckschatulle

Auch in der neunten Saison bietet das verantwortliche St. Pauli Theater hier ein modernes Unterhaltungskonzept aus Varieté, abwechselnd präsentiert von Kabarettisten und Schauspielern. Bei Speis und Trank erleben die Besucher einen Abend mit internationalen Artisten wie Schattenspielern, Poledancern, Jongleuren oder Handstand- und Rollschuh-Akrobaten. Seit der Neueröffnung im Januar 2009 begeistern die Macher des Hansa-Theaters, die gleichzeitig auch das legendäre St. Pauli Theater leiten, die Besucher dieses einmaligen Hauses. Steindamm 17 (St. Georg), Tel. 47 11 06 44, www.hansa-theater.de

Theater Kontraste

Das Winterhuder Fährhaus

Frech, provozierend und brandaktuell präsentiert sich die kleine Bühne in der Komödie Winterhuder Fährhaus. Das preisgekrönte Theater zeigt zum Saisonstart „Hinter der Mauer ist das Glück“ von Benjamin Lauterbach, eine lustig-bitterböse Farce über ein zukünftiges Deutschland, das sich komplett abgeschottet hat. Hier ist alles öko, es gibt kein Plastik und keine Ausländer – bis eine Besucherin aus dem fernen China das deutsche Glück erforschen will ... Hudtwalckerstraße 13 (Winterhude), Tel. 48 06 80 80, www.komoedie-hamburg.de

Das kleine Hoftheater

„Herr Ober, bitte noch ein Piccolöchen!“, das ist im Hansa Varieté Theater erwünscht. Im Altonaer Theater kommen besonders Literatur-Begeisterte auf ihre Kosten (u.)

genheit bereits „Anna Karenina“, „Der Steppenwolf“ oder „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ zu sehen, setzt Intendant Axel Schneider im September auf Thomas Brussigs „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“, einen Roman, der erst nach dem Drehbuch zu Leander Haußmanns Film „Sonnenallee“ entstand, weil der Autor noch viel mehr zu erzählen hatte. Wie sich das auf der Bühne macht, 76 I STADTFLAIR

kann man ab dem 11. Sepember sehen. Das Altonaer Theater zeigt einen guten Mix aus Eigenproduktionen und Gastspielen. 1783 an der Palmaille eröffnet, zog es 1954 in die Aula des ehemaligen „Haus der Jugend“ in der Museumstraße. Der im Stil des Neuen Bauens errichtete Stahlbetonbau steht im bewussten Kontrast zum Altonaer Rathaus. Museumstraße 17 (Altona), Tel. 39 90 58 70, www.altonaer-theater.de

Seit über 30 Jahren leiten Petra Behrsing und Claudia Isbarn das kleine Hoftheater in Horn mit Leidenschaft und Sinn für Qualität – und haben es zu einem beliebten Anlaufpunkt für die Bewohner von Horn, Hamm und Billstedt gemacht. Die vielfältigen Aktivitäten der Bühne tragen dazu bei, diese Stadtteile lebendiger, lebens- und liebenswerter zu gestalten. Bis zu sieben Eigenproduktionen, Gastspiele und Lesungen stehen auf dem Programm. Im September hat die intelligente wie geistreiche Beziehungskomödie „Achterbahn“ von Eric Assous Premiere. Bei der Martinskirche 2, Tel. 68 15 72, www.hoftheater.de

Fotos: PR, Thomas Huang

Anspruchsvolles für die Nachbarschaft


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Concept Stores

Hier kaufen wir gern!

Erst frühstücken, dann shoppen, hinterher Kaffee trinken und später einkaufen – so geht das in der „Alsterliebe“

Mag ja sein, dass das gute alte Warenhaus eine Idee von gestern ist, aber diese Concept Stores leben nicht schlecht davon. Denn die Inhaber stellen mit Liebe und Know-how zusammen, was nicht an jeder Straßenecke zu finden ist

Fräulein Wunder Das gewisse Etwas

Bei einer Shoppingtour durch die Schanze und ihre vielen kleinen Boutiquen lohnt es sich immer, einen Stopp bei „Fräulein Wunder“ einzulegen. Hier findet man Mode von ausgewählten skandinavischen Herstellern sowie Taschen und Schmuck von Hamburger Jungdesignerinnen. Neben den vielen ausgefallenen Marken gibt es auch bekannte Labels wie Liebeskind Berlin zu entdecken. Die netten Frauen im La78 I STADTFLAIR

den stehen einem mit Rat und Tat zur Seite und verleihen jedem Outfit das gewisse Etwas. Mo–Sa 11–20 Uhr, Susannenstr. 13 (Sternschanze), Tel. 36 19 33 29, www.fraeuleinwunder-hamburg.de

Jimmy

First- und Secondhand-Überraschungen

Wer mit seinen Freundinnen oder Freunden gern Secondhand-Läden nach Schätzen durchforstet, ist bei „Jimmy“ hervorragend aufgehoben.

Denn Inhaber Jimmy Blum, der nebenbei auch Hamburgs LangschläferFlohmärkte organisiert, bietet nicht nur erstklassige Ware von Louis Vuitton über Cavalli bis hin zu Chanel, sondern auch noch einen netten Drink dazu. Darüber hinaus kann man in der „Firsthand“-Abteilung vom „House of Glamour“ jede Menge Mitbringsel entdecken: von Seifen über Gesichtspflege bis hin zu Düften ist für jeden etwas dabei. Ein rundum wunderbares Shoppingerlebnis, bei dem man am


Seit 30 Jahren „sehen und gesehen werden“ in Eppendorf. „Kaufrausch“ in der Isestraße war einer der ersten Läden mit Shop-in-Shop-System Ende sogar noch ein gutes Fläschchen Wein für zu Hause erstehen kann. Mo–Fr 12–20, Sa 11–16 Uhr, Hartungstr. 20 (Rotherbaum), Tel. 71 66 49 55, www.jimmyhamburg.de

Alsterliebe

Concept Store trifft Espresso-Bar

Einen Wohlfühl(t)raum mit Genusserlebnis im Alstertal verspricht Inhaberin Saskia Schäfer – und man mag ihr gar nicht widersprechen. Schließlich sind die schönen Handtaschen, Damenaccessoires, Dekorationsartikel, Kissen, Tischleuchten und Geschenk-Ideen mit viel Liebe zum Detail ausgesucht. Zwischen all den Dekoträumen findet man eine kleine, aber feine Espresso-Bar mit hausgemachten Kuchen, kleiner Frühstückskarte und Kaffeespezialitäten. Der Kaffee kommt aus Hamburg von „Mr. Hoban’s Coffee Roastery“, die vielfältige Produktauswahl der „Alsterliebe“ hingegen von Herzen.

dung eröffnet. Trotzdem erfährt man im guten alten „Kaufrausch“ immer noch ein ganz besonderes Shoppingerlebnis. Aktuell sorgen hier das Café „Harry’s“ und die diversen Abteilungen für Wohn- und Modeaccessoires samt Dessous und Bademode, Lederwaren, und (Haar-)Schmuck für eine einzigartige Einkaufswelt mit Atmosphäre zum entspannten Stöbern und Verweilen. Mo–Fr 11–19, Sa 11–18 Uhr, Isestr. 74 (Harvestehude), www.kaufrausch-hamburg.de

Abraham

Das Barmbeker Original

Seit 1975 betreiben Gunda und Peter Bachmann ihr Geschäft in der Barmbeker Hellbrookstraße, das sie liebevoll altmodisch „Romantikladen“ nennen. Zu den beruhigenden Klängen von Mozart bis Vivaldi genießt man hier eine besonders entspannte und heime-

lige Atmosphäre. Die Aufteilung des urigen Geschäfts in drei Kategorien hat sich längst bewährt: Hier ausgewählte italienische Mode mit ausgefallenen Accessoires, dort originelle, hochwertige Geschenkartikel vom Becher bis zur Duftkerze und dazu noch etwas Süßes aus der Patisserie-Abteilung, die vor allem mit Leckereien wie belgischen ­ Pralinen verzaubert.

Mo–Fr 10–18, Sa 10–13.30 Uhr, Hellbrookstr. 63 (Barmbek-Nord), Tel. 61 66 57

Chocofeh

Ausgefallen anders

Leichte Sneaker, und originelle Stiefel, farbenfrohe Sandalen und jede Menge bezaubernden Schmuck in allen Farben findet man bei „Chocofeh“ zu jeder Jahreszeit. Daniela Garbe stellt seit 14 Jahren ein Sortiment zusammen, das so individuell wie sie selbst ist. Besonders Schmuck-Liebhaberinnen kom-

Mo–Fr 9–18.30, Sa 10–15 Uhr, Frahmredder 1 (Wandsbek), Tel. 38 04 71 31, www.alsterliebe-hamburg.de

Kaufrausch

Fotos: PR, hfr

Die Mutter aller Concept Stores

Für die einen ist es „nur“ ein schöner, verwinkelter Altbau in der Isestraße, für die anderen die Mutter aller Hamburger Concept Stores. Das „Kaufrausch“ ist Einkaufskultur mit Geschichte: Vor 30 Jahren brachte Unternehmerin und Schmuckdesignerin Martina „Micke“ Herbolzheimer die Shop-inShop-Idee aus London mit, tat sich mit Freunden zusammen und „Kaufrausch“ wurde quasi über Nacht zum Eppendorfer Szene-Treff für Werber, Kreative und Journalisten. Längst hat sich Herbolzheimer verabschiedet und wenige Gehminuten entfernt ihr Schmuckgeschäft „M. Herbolzheimer“ und unweit davon ein weiteres schickes Geschäft für Abendbeklei-

Mode aus erster und zweiter Hand bei „Jimmy“, Schickes von Kopf bis Fuß im legendären „Kaufrausch“ – irgendwas findet man hier immer!

STADTFLAIR I 79


Concept Stores Neuer „smukkeStore“ in der Weidenallee 2 a: Am 27. August lädt Inhaberin Miriam Blomeier zur großen Eröffnungsparty mit DJ, bunten Getränken und leckeren Snacks

smukkeStore

Alles neu macht der August

Die schlechte Nachricht zuerst: Inhaberin Miriam Blomeier schließt ihren hübschen Laden im Eppendorfer Weg im August. Und jetzt die gute Nachricht: Am 27. August eröffnet sie ihren neuen „smukkeStore“ in der Weidenallee im Schanzenviertel: größer, schöner und endlich auch mit kleinem Café, wie sie es sich schon immer gewünscht hat. „Smukke“ ist Dänisch und heißt „wunderschön“. Und tatsächlich findet man viele schöne Dinge aus Skandinavien und den Niederlanden: attraktive Klein- und Großmöbel ebenso wie trendige Wohnaccessoires oder stylishe Mode. Seit 2012 betreibt Miriam ihr Business und beim Betreten des Ladens spürt man sofort, dass hier eine Könnerin waltet und schaltet. Miriam hat Dekorateurin gelernt, Bühnenbilder gebaut und auch als Stylistin für Modeproduktionen gearbeitet. Die Sprüche an den Wänden zeugen von ihrer persönlichen Lebenseinstellung: „Jeder Mensch ist gut, so wie er ist, und sollte sich wohl in seiner Haut fühlen.“.

men voll auf ihre Kosten. Von Blumenketten über große, bunte Ohrringe bis hin zu zarten Kettchen gibt es alles. Wer in fröhlich buntem Ambiente stöbern möchte, der kommt zu „Chocofeh“! Mo– Fr 12–20, Sa 11–19 Uhr, Schulterblatt 92 (Sternschanze), Tel. 41 35 91 55, www.chocofeh.de 80 I STADTFLAIR

Lagerhaus

Shop-in-Shop mit großem Angebot

Buchstäblich ein Touristenmagnet im Herzen St. Georgs! Ursprünglich als zeitlich begrenzter Lagerverkauf eröffnet, wurde das Konzept vor mehr als 20 Jahren aufgrund des großen Erfolges auf Dauer ausgerichtet. Das Angebot ist über die Jahre stetig erweitert worden und bietet heute einen Mix aus Wohnaccessoires, originellen Geschenk­ ideen und eine große Auswahl Küchenporzellan und Haushaltshelfer. Zu dem Shop-in-Shop-Konzept gehören „The Butchery“ Coffee-Roasters, die „Holling“-Boutique und ein Friseur. Mo–Fr 10–20, Sa 10–19 Uhr, Lange Reihe 27 (St. Georg), Tel. 24 14 16, www.lagerhaushamburg.de

TiBreizh

Crêperie, Boutique und Kunst

Wer auf der Suche nach etwas bretonisch Gestreiftem ist, wird hier das wahrscheinlich größte Sortiment an Streifenpullovern und -T-Shirts in Hamburg finden. Nach dem ausgiebigen „Streifen-Stöbern“ geht es in dem alten Kaufmannshaus aus dem Jahre 1700 weiter in die hauseigene Crêperie des „TiBreizh“ (bretonisch für „Haus der Bretagne“), wo nicht nur süße Crêpes, sondern auch herzhafte Galettes auf der Speisekarte stehen, denn der bekennende Bretone isst nicht nur einen Crêpe, sondern mindestens drei! Möchte man, abgesehen von dem Blick auf den Nikolaifleet, noch etwas

Fotos: PR, Stephan Bestmann

Viele Inhaberinnen kommen aus dem DekoBereich und wissen, wie man was zusammenstellt – da passt auch die Socke zum Sessel

Mo–Fr 10.30–14 und 15–19, Sa 10.30–16 Uhr, Weidenallee 2 a (Schanze), Tel. 43 27 58 24, www.smukkestore.de


Ihr Gesicht ist einzigartig, geben Sie ihm einen besonderen Rahmen!

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Bitte lächeln! Kosmetikerin Maria (l.) und Alexandra vom Café „Riva“ in der „Lilla Loungen“ mussten mal eben als Fotomodelle einspringen – geht doch, oder!? Unten warten selbst gebackene Kuchen und Eis auf Kundschaft

Schönes genießen, sollte man eine der regelmäßig wechselnden Kunst-Ausstellungen besuchen. Créperie: Täglich 12–22 Uhr, Boutique: Mo–Sa 11–20 Uhr, Deichstr. 39 (Neustadt), Tel. 37 51 78 15, www.tibreizh.de

Lilla Loungen

Skandinavien in Iserbrook

Das ist das Schöne, wenn man für „Stadtflair“ unterwegs ist: Beim Fototermin mit „Kluge Mädchen“Chefin Anja Neumann (S. 40) entdeckten wir diesen netten Concept Store mit Café, Friseur, Kosmetikerin, Yoga-Kursen, Kinderturnen und, und, und ... Inhaberin Kati Hein hat eine Art Bullerbü-Villa geschaffen, in der sich jeder wohlfühlt, vor allem aber Freundinnen, Mütter und Kinder auf ihre Kosten kommen. Café: Mo–Fr 9–18 Uhr, Friseur: Di+Mi 10–20 Uhr, Do+Fr 10–19 Uhr (weitere Öffnungszeiten/Termine siehe Website), Schenefelder Landstraße 185 (Iserbrook), Tel. 64 85 70 99, www.lillaloungen.de

STADTFLAIR I 81


Goldschmiede Drin ist, was draufsteht: Im „PrunkWerk“ feilt Patrizia-Romina Spenga an ihren Schmuckstücken

Patrizia-Romina Spenga, die „PrunkWerk“ im Jahr 2008 gegründet hat. Kundinnen und Kunden finden hier Unikatschmuck, Kleinserien und individuelle Ehe- und Verlobungsringe. Darüber hinaus kann man sich bei regelmäßigen Goldschmiede-, Emaille-, Guss- und Trauringkursen selbst als Designer ausprobieren, sei es als Anfänger oder bereits mit Vorkenntnissen ausgestattet. Mo und Mi 12–18 Uhr und nach Verein­barung, Grindelallee 43 (Rotherbaum), Tel. 35 56 20 93, www.prunkwerk.de

Aurim

Von der Fantasie beflügelt

Sie sind auf der Suche nach einem besonderen Schmuckstück? Möchten ein Unikat für ihren Schatz anfertigen lassen? Oder wollen am liebsten selbst zur Tat schreiten? Diese Goldschmiede sind Ihnen gern dabei behilflich Jonathan Johnson Der Star der Subkultur

Kreativer Schmuck für alle, die das Besondere lieben: Dafür ist Jonathan Johnson nicht nur bei den Granden der Hamburger Subkultur der Goldschmied des Vertrauens. Mit Sänger und Clubbetreiber Rocko Schamoni hat er die „Scheiße by Schamoni“Kollektion gefertigt, für Moonbootica die „Shine“-Halskette, Erfolgsautor Heinz Strunk trägt seinen Schmuck ebenso wie die Künstlerin Angie Reed. Eigentlich wollte der charismatische Mann auf die Kunstakademie, fand sich dann aber in einer Pforzheimer 82 I STADTFLAIR

Schmuckfabrik wieder. So nahm das goldene Zeitalter seinen Anfang. Heute erschafft der Wahlhamburger Ringe, Halsketten, Broschen und mehr mit subversivem Geist in seinem Atelier in der Poolstraße. Termine gern nach Vereinbarung, Poolstraße 20 (Neustadt), Tel. 40 16 31 13, www.jonathanjohnson.de

PrunkWerk

Kreatives im Grindelviertel

In diesem attraktiven Atelier im Grindelviertel ist Kreativität oberste Maxime. Immer mittendrin: Goldschmiedin

Do–Fr 11–19 Uhr, Sa 11–16 Uhr, Klosterallee 104 (Hoheluft-Ost), Tel. 46 37 03, www.aurim.de

Judith Lotter

Persönliches fürs Leben

Aus fair gehandeltem Gold, Silber, Edelsteinen, lieb gewonnenen Schätzen des Alltags und edlen Fundstücken fasst Goldschmiedin und Designerin Judith Lotter Herzensangelegenheiten in hochwertigen Schmuck. Getreu ihrem Motto „Individuell gestalteter Schmuck kann weit mehr sein als nur der optische Ausdruck von Schönheit“, werden in ihrem Goldschmiede-Atelier persönliche Designs zu einem handgefertigten Schmuckstück fürs Leben.

Foto: hfr, Tom Kamlah, Adele Maschner

Wie das funkelt!

André Kröger ist kein Dienstleister, André Kröger ist ein Überzeugungstäter, der quasi rund um die Uhr an seiner Mission arbeitet. Die Poesie des Lebens einzufangen und dann als liebevolle Momentaufnahme wieder loszulassen, ist seine Herangehensweise an die fantasievollen Schmuckstücke (sowohl Einzelstücke als auch dauerhafte Kollektionen), mit denen er dem Vollkommenen nahe sein möchte. Der Hamburger verarbeitet dafür hauptsächlich Gold, Silber, Edelsteine, Perlen, Horn, Holz und Emaille, meist verziert mit floralen Verzierungen und Tier-Motiven.


Wer gern selbst mal etwas schmieden möchte, ist herzlich willkommen. Entsprechende Kursangebote finden Sie auf der Homepage. Di–Fr 14–19 Uhr und nach Vereinbarung, Lange Straße 22 (Altona-Altstadt), Tel. 553 72 07, www.judith-lotter.de

Goldene Zeiten

Individualität als Leitmotiv

Einzigartige Schmuckstücke zu fertigen, die perfekt auf ihre Träger abgestimmt sind - das war schon immer das Ziel von Inhaber Michael Holst. Der Fokus in seinem Ottenser Geschäft liegt auf der klassischen Schmuckgestaltung und -fertigung. Silberringe und Diamantcolliers entstehen auch gern durch den Einsatz eher untypischer Materialien wie Holz, Glas, Kunststoff und Leder. Auch der Verwirklichung individueller Kundenwünsche steht Michael Holst stets aufgeschlossen gegenüber. Di–Fr 10–13 Uhr und 14–18 Uhr, Sa 10.30–13.30 Uhr, Eulenstraße 77 (Ottensen), Tel. 390 65 76, www.goldenezeiten.com

und Wertvorstellungen sein und die Facetten ihrer Persönlichkeit symbolisch zur Geltung bringen. Übrigens: Alle verarbeiteten Edelsteine sind natürlich, das heißt nicht manipuliert, bestrahlt, gefärbt, geölt oder gelasert. Di–Fr 10–19 Uhr, Sa 10–16 Uhr und nach Vereinbarung, Grindelhof 45 (Rotherbaum), Tel. 44 80 92 92, www.tbschmuck.de

Suse Linke

Unikate zur ewigen Verbundenheit

Es muss passen und einander bedingen. So lebt Suse Linke, so arbeitet sie und so entsteht ihr Unikatschmuck im kombinierten Atelier und Laden in der Bellealliancestraße. Seit 1992 schmiedet sie Gold und „gießt den Wunsch nach ewiger Verbundenheit in eine erfühlbare Form“. Das Ergebnis: Prachtvolles von Ringen über Manschettenknöpfe bis hin zu Collierketten. Suse Linke erschafft aus fossilen Schätzen neues Leben. Und was für eines. Di–Fr 14–19 Uhr, Bellealliancestraße 39 (Eimsbüttel), Tel. 439 60 21, www. werkstatt-fuer-unikatschmuck.de

Lange & Sleebloom

Nana Hellwege

In der beeindruckenden Kulisse der historischen Zeisehallen gibt es allerlei glitzernde Versprechen zu entdecken: zeitlos schöne Trauringe, matt schimmernde Creolen, golden glänzende Colliers. Die erfahrenen Goldschmiedemeisterinnen Annika Lange und Heike Sleeboom entwerfen und produzieren hier, im Herzen Ottensens, in Handarbeit erlesene Schmuckstücke. In der Kunstwerkstatt bietet sich zudem die Möglichkeit, unter professioneller Anleitung selbst ein solches Kleinod herzustellen.

„Schmück dich glücklich“ ist der Leitspruch der Inhaberin Katrin Hellwege, die Wert auf Authentizität, Persönlichkeit und Individualität legt. Bei sich, bei ihren Schmuckstücken, bei ihren Kundinnen. Die Atmosphäre im Geschäft ist warm, der Schmuck klar und pur, manchmal mit einem Hauch zur Verspieltheit. Mutter Nana Hellwege hatte schon nicht mehr an die familiäre

Erlesenes in den Zeisehallen

Klares und pures Design

Goldschmied Jonathan Johnson designte für Rocko Schamoni die Kollektion „Scheiße by Schamoni“ – eigenwillig! Übernahme geglaubt, schließlich arbeitete Katrin als Justitiarin. Aber das (Schmuck-)Gen war stärker, und so wechselte Katrin Hellwege noch mal den Beruf. Das hat sich gelohnt: Hellweges Schmuck trägt eine unverwechselbare Handschrift und ist weit über Hamburgs Grenzen hinaus bekannt. Mo–Fr 10.30–18 Uhr und nach Vereinbarung, Colonnaden 25 (Neustadt), Tel. 38 61 04 42, www.nana-hellwege.de

Liebes Stück

Für immer und ewig

Ob man seine alten Schätze aufpolieren, etwas komplett Neues entdecken oder eine Idee umsetzen lassen möchte – bei Dorothee Bonk ist man seit bald 20 Jahren gut aufgehoben. Die Wahlhamburgerin zog vor gut einem Jahr mit ihrer Goldschmiede nach Ottensen und folgt auch dort ihrem Ansatz, beim Kauf ihrer Edelsteine und Metalle stets großen Wert auf fairen Handel zu legen. Das passende Symbol „für immer und ewig“? Dank der einfühlsamen Beratung geht hier jeder mit dem perfekten Schmuckstück nach Hause. Di–Fr 10–18 Uhr, Sa 10–14 Uhr, Arnoldstraße 43 (Ottensen), Tel. 46 63 53 55, www.liebesstueck.com

Di–Fr 10–14 Uhr und 15–19 Uhr, Sa 11–16 Uhr, Friedensallee 7–9 (Ottensen, in den Zeisehallen), Tel. 39 90 31 68, www.langeundsleeboom.de

Thomas Becker Einzigartig und fair

Der Begriff „Ecofair“ wird bei Thomas Becker großgeschrieben und verbindet zwei wichtige Kriterien, die an die Herkunft der Rohstoffe gestellt werden: ökologische Gewinnung und fairer Handel. Die einzigartigen Schmuckstücke sollen dabei für die Kunden Ausdruck ihrer Ideale

Jedes Stück ein Unikat: Suse Linke betreibt ihren Laden-Atelier in der Bellalliancestraße. Thomas Becker (r.) hat sich auf ökologisch-fairen Schmuck spezialisiert

STADTFLAIR I 83


Sportgeschäfte Ja, wo laufen sie denn? Zum Beispiel zum „Laufwerk“ mit seiner guten Auswahl

Niendorfer Laufladen Der Laufladen mit Auszeichnung

Ob neue Laufschuhe, Fitnessklamotten fürs Sportstudio oder Zubehör aller Art – in diesen Hamburger Sportgeschäften werden Sie bestens beraten. Da fühlt man sich schon in der Umkleide fit

Laufwerk

Der Allrounder

Ob Gelegenheitsläufer, Gesundheitssportler oder Ironman – im „Laufwerk“ finden Läufer aller Leistungsklassen ebenso wie Walker und Triathleten alles für ihren Sport. Um bei dem großen Angebot an Bekleidung, Laufschuhen und Zubehör die richtige Auswahl zu treffen, steht einem eine kompetente Beratung zur Seite, die auf sportwissenschaftlichem Know-how fußt. Dazu gibt es Laufstilanalysen, Leistungsdiagnostik und Trainingsplanung und das „Laufwerk“Kursprogramm wird sogar von den gesetzlichen Krankenkassen gefördert. Mo–Fr 10–19 Uhr, Sa 10–16 Uhr, Hoheluftchaussee 42 (Hoheluft), Tel. 27 80 87 77, www.laufwerk-hamburg.de 84 I STADTFLAIR

Lunge

Hamburger Laufladen

Seit über 30 Jahren bietet der Laufladen ein qualitativ und quantitativ hochwertiges Sortiment. Neben der kompetenten und individuellen Fachberatung, digitaler Videoausrüstung, der Laufbandanalyse mit dem „Woodway Profi-Laufband“ und dem dreifachen Laufkurs bei einem Personaltrainer, lebt „Lunge“ von der Passion seiner Gründer: die Brüder Lars und Ulf Lunge sind selbst aktive und erfolgreiche Langstreckenläufer und wissen ganz genau, worauf es bei der Auswahl der Sportartikel ankommt.

Inhaber Jens Gauger weiß, wovon er spricht: Er ist selbst Leistungssportler und 40-facher schleswig-holsteinischer Meister. Dementsprechend legt er großen Wert auf bestmögliche Beratung beim Kauf, sei es Sportausstattung für Herren, Frauen oder Kinder. Doch seine Leidenschaft fürs Laufen hört da nicht auf: Mit der Gründung des Vereins Hamburger Laufladen e. V. fördert er auch in einem zweiten Projekt das Laufen und die Leichtathletik allgemein in Hamburg. Getreu dem Motto „anfangen, durchhalten, schneller werden“.

Jahrzehntelange Erfahrung und Kompetenz

Mo–Fr 10.30–19 Uhr, Sa 10–18 Uhr, Fuhlsbüttler Straße 29 (Barmbek), Tel. 29 77 28, www.lunge.de

Ein Leben fürs Laufen

Mo–Fr 11–19 Uhr, Sa 10–16 Uhr, Ohlsdorfer, Str. 60 (Winterhude), Tel. 18 19 12 11, www.hamburger-laufladen.de

Mo–Fr 10–18 Uhr, Do 10–20, Sa 10–14 Uhr, Tibarg 56 (Niendorf), Tel. 552 27 98, www.niendorfer-laufladen.de

Stadium

Design und Funktion

„Bewegung macht Spaß“, lautete einst die Gründungsphilosophie des kleinen Sportgeschäfts. Heute ist „Stadium“ eine der größten Sportmarktketten Europas und eröffnete 2014 auch den ersten Store in Hamburg. Ob für eine Wandertour auf dem Jakobsweg, einen Laufmarathon oder den Urlaub auf der Skipiste: Hier wird man fündig. Dabei setzt das Familienunternehmen auf das Zusammenspiel von Qualität, Design und Funktionalität, sei es bei der neuen Filiale in Harburg oder direkt am Altonaer Bahnhof. Mo–Mi , Sa 10–20 Uhr, Do–Fr 10–21 Uhr, Ottenser Hauptstr. 6 (Altona), Tel. 39 10 99 81, www.stadium.de

Foto: hfr

Schick zum Training

Sorgfältige Beratung von sportlich ambitionierten Mitarbeitern steht im 130 Quadratmeter großen Store im Vordergrund und das spiegelt sich auch in der Auszeichnung von Stiftung Warentest wider: Im April 2015 wurde dem „Niendorfer Laufladen“ die beste Kaufberatung für Laufschuhe in Hamburg bescheinigt. Schönes Extra: Jeden Dienstag (19.30 Uhr, Treffpunkt: Sportplatz Sachsenweg) startet einen Laufgruppe mit professioneller Anleitung für alle Leistungsniveaus. Kostenpunkt: drei Euro pro Person.


Sport Schuster Aus Tradition gut

Das Fachgeschäft in der Eppendorfer Landstraße hat neben einer ausgesuchten Auswahl ein Pfund, mit dem es wuchern kann: Es ist laut eigener Aussage „das älteste Sportgeschäft Hamburgs“. Und weil Tradition verpflichtet, stehen auch heute noch kompetente und freundliche Beratung im Mittelpunkt bei „Sport Schuster“. Im gewohnt familiären und angenehmen Umfeld lässt man sich hier die Zeit, die es braucht, bis das ideale Equipment an den Mann oder an die Frau gebracht wurde. Mo–Fr 10–18 Uhr, Sa 10–15 Uhr, Eppendorfer Landstr. 7 (Eppendorf), Tel. 460 22 20, www.sport-schuster.com

Sporthaus am Tibarg Alles fürs ganze Jahr

Von Fußball bis Ski-Verleih: Auf 400 Quadratmetern

gibt’s im Niendorfer Sportgeschäft nicht nur namhafte Marken, sondern auch einen exzellenten Service rund um Ausrüstungsfragen. Tennisoder Badminton-Saiten innerhalb von 24 Stunden bespannen lassen? Kein Problem. Beflockungsservice für Fußballtrikots? Gern! Das „Sporthaus am Tibarg“ ist ein Sportladen für jeden Bedarf und jede Jahreszeit. Mo–Fr 10–18.30, Sa 9–16, Tibarg 39 b (Niendorf), Tel. 58 31 76, www.sporthaus-am-tibarg.de

Odlo

Sportliches Norwegen

Alles begann mit dem Verkauf von Trainingshosen für Eiskunstläufer. Mittlerweile ist „Odlo“ eine der ersten Adressen für innovative Sportbekleidung. Gründer Odd Roar Lofterød entwickelte die erste elastische Trainingshose aus synthetischer Helanca-Faser sowie

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die erste geruchshemmende Unterwäsche. Das Sortiment umfasst über 550 verschiedene Produkte für nahezu jede Sportart. Mo–Sa 10–20 Uhr, Ballindamm 40 (Neustadt), Tel. 30 39 28 61, www.odlo.com

Trionik

Umfassender Ansatz

Radfahren, Laufen, Triathlon und Schwimmen sind die Kernkompetenzen des Teams von „Trionik“, das unter anderem aus erfahrenen Sportphysiotherapeuten, Zweiradmechanikern und BewegungsanalyseExperten besteht. Der Ansatz hier ist nicht weniger als allumfassend. So veranstaltet „Trionik“ auch Lauf und Rad­treffs, Laufworkshops und Athletiktraining, man kann sich Fahrräder leasen und sogar ein Trainingslager mit Trainieren und Relaxen

unter der Sonne Mallorcas ist im Portfolio enthalten. Mo–Fr 10–20 Uhr, Sa 10–16 Uhr, Barmbeker Str. 2–6 (Winterhude), Tel. 75 11 98 90, www.trionik.de

Sport Sander

Der Rundumversorger in Harburg

Fußball und Mannschaftsausrüstungen, Tennis, Running, Walking, Inlineskates, Ski, Indoorsport und Hockey: Hier ist für jeden Sportinteressierten etwas dabei. Highlights bei „Sport Sander“: der gute Service in Sachen Racketbesaitungen und der Ski-Service in hauseigener Werkstatt. Ein Hamburger Traditionsunternehmen – aktuell geführt von Ulrike und Henning Sander. Mo–Fr 9–18.30 Uhr, Sa 10–15 Uhr, Harburger Ring 31 (Harburg), Tel. 77 29 49, www.sport-sander.de

#lovemybike

Batavus Bäumker GmbH Oldenburger Str. 4 48429 Rheine Tel.: 05971-86010 www.greens-bikes.com


Hamburg liest

Goldene Herbstauslese Liebe, Drama, Wahnsinn – unsere Literatur-Spürnasen haben wieder packende Geschichten für Sie entdeckt – und wünschen viel Vergnügen beim Lesen!

DIE BUCHEXPERTINNEN: (v. l.) Annerose Beurich (Stories!), Heike Heymann-Rienau (Heymann), Sigrid Lemke und Nicole Christiansen (Buchhandlung Christiansen)

BUCHHANDLUNG CHRISTIANSEN, Tipps vom Team Christiansen www.buchhandlung-christiansen.de

Paargeschichten

Zwei Paare mit kleinen Kindern be­ gegnen sich in den Ferien am Meer. Sie verbringen viel Zeit miteinander und stellen bald fest, dass sie neben dem ge­ meinsamen Wohnort Zürich noch viele weitere Parallelen im Leben teilen. So ist es für alle selbstverständlich, dass der Kontakt auch nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub nicht abreißt. Romy, die ihre verrück­ ten Ideen am liebsten so­ fort in die Tat umsetzt, erfährt von einer leer stehenden Wohnung im Mietshaus von Meret und Dres und die beiden Fami­ lien werden Nachbarn. Ro­ mys Ehemann Jan und seine neue Nachbarin Meret füh­ len sich immer stärker zuein­ ander hingezogen und durch die Nähe tun sich plötzlich neue Möglichkeiten auf. Die Autorin erzählt uns diese 86 I STADTFLAIR

Liebesgeschichte in Form eines Briefes, den Meret ihrem Jan drei Jahre später schreibt. Im Rückblick schärft sich ihr Blick auf das Wesentliche und die Em­ pathie für die vier Protagonisten entlässt den Leser tief berührt. Nicole Christiansen Mireille Zindel: Kreuzfahrt, Kein & Aber Verlag, 19,90 Euro

Wie es kreucht und fleucht

Autorin Sue Hubbell, ehemals Bib­ liothekarin in Rhode Island, zog mit ihrem Mann vor vielen Jahren in die Ozark Mountains von Missouri. Mitt­ lerweile ist sie eine geschiedene Frau um die fünfzig und lebt als Bienenzüch­ terin auf einer einsam gelegenen Farm. Sie erzählt von ihrem einfachen, aber sehr arbeitsreichen Leben im Jahres­ lauf von Frühling zu Frühling. Detail­ liert und eindrucksvoll beschreibt sie Tiere wie Kupferkopfschlangen und Buschhornwespen oder beobachtet, wie Fledermäuse mit ihrem Abendessen, den Nachtfaltern, kommunizieren. Auch wenn viele dieser Tiere in unseren Breitengraden nicht existieren, lädt uns Sue Hubbell ein, die Natur genauer zu beob­ achten und jedes Lebewesen mit Respekt zu betrachten. Ihre Spra­ che ist klar und elegant und sie zeigt ihr Landleben, wie es wirklich ist – ohne „Landlust“-Romantik. „Leben auf dem Land“ erschien erstmals vor 30 Jahren und ist nun end­ lich wieder auf Deutsch erhältlich . Sigrid Lemke Sue Hubbell: Leben auf dem Land, Diogenes Verlag, 22 Euro


STORIES! DIE BUCHHANDLUNG Tipps von Annerose Beurich www.stories-hamburg.de

Die Kraft des Ungesagten

Fotos: Michael Zapf, Ulrike Schmidt, privat, PR

Kurz nach ihrem sechzehnten Geburtstag wird Lydia ver­ misst. Wir befinden uns in den Siebzigerjahren, eine Kleinstadt in Ohio, eine amerikanischchinesische Familie, ein aka­ demisches Umfeld. Kurze Zeit später wird Lydia ertrunken auf­ gefunden. Unfall, Selbstmord, Verbrechen? Schicht um Schicht zieht Celeste Ng die Hüllen vom familiären Alltag ab. Präzise und akribisch legt sie Liebe, Ver­ lustangst, Enttäuschung, Erwartung, Projektion und Verletzung frei. Da ist Lydias Mutter Marilyn, das „all american dream girl“, die sich gera­ de mit dieser Rolle niemals begnügen wollte. James, Lydias Vater, der als chi­ nesischer Einwanderer ausschließlich von völliger Integration träumt. Und Lydias Geschwister, die innerhalb des kulturellen Spannungsfeldes Platz und Identität suchen. Das, was „nicht er­ zählt wird“, das Sprachlose und Unge­ sagte innerhalb dieser Familie hat unge­ heure Kraft und zielt mitten ins Herz!

Ein atemberaubendes, poetisch-faszi­ nierendes und eindringliches Debüt. Und: Ein dankbares PS an die Ham­ burgerin Brigitte Jakobeit für die groß­ artige Übersetzung. Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte, dtv, 19,90 Euro

Ein ungeheures Familiengeheimnis

Edvard wächst allein mit seinem Groß­ vater auf einem einsamen Bauernhof in der norwegischen Einöde auf. Sei­ ne Eltern hat er als Kind auf tragische Weise verloren: Bei einer gemeinsamen Reise nach Frankreich zu Kriegsschau­ plätzen des Ersten Weltkrieges wurden die beiden durch eine Mine getötet. Nach dem Tod des Großvaters findet Edvard Briefe, Dokumente und Fotos, die verdeutlichen, dass hinter der dürf­ tigen Version des Geschehens, die ihm weitergegeben wurde, ein Familienge­ heimnis ungeheuren Ausmaßes steckt. Er begibt sich auf eine lange Reise, die ihn über die Shetlandinseln bis an die Somme führt. Ein wunderbares, span­ nend-intensives, bilderstarkes Buch: Familienthriller, Zeitgeschichte, Ent­ wicklungsroman – alles drin! Lars Mytting ist bei uns durch „Der Mann und das Holz – eine Kulturge­

schichte des Holzes“ bekannt gewor­ den. Und so verwundert es nicht, dass in dieser Roman-Wundertüte neben Edvard und seinen Wegbegleitern auch Flammbirken und Walnussbäume eine entscheidende Rolle einnehmen. Unbedingt lesen! Lars Mytting: Die Birken wissen‘s noch, Insel Verlag, 24,95 Euro

Liebe, Leiden und Intrigen

Die Ehe von Lulu und Gerald währt nur kurz – aber das Zerwürfnis zwi­ schen ihnen hält ewig. Hochbetagt treffen sie ein letztes Mal aufeinander: Und stürzen gemeinsam von einer mallorquinischen Klippe in den Tod. Peter Nichols schickt in seinem De­ bütroman die Erben der beiden und mit ihnen die Leser zum Ursprung des Konflikts. Sommer um Sommer, Generation um Generation führt er uns zurück in das Jahr 1948. Lieb­ schaften, Leidenschaften und Intrigen verändern sich. Sommer, Hitze, In­ selleben und Müßiggang bleiben. Ein wunderbar-unverzichtbarer Roman, der seine Spannkraft durch die un­ gewöhnliche Rückwärts-Perspektive erhält. Peter Nichols: Die Sommer mit Lulu, Klett-Cotta, 22,95 Euro

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Hamburg liest

Vom Erinnern und Vergessen

Stellen Sie sich vor, es gäbe eine Art „Erinnerungs-Staubsauger“, der ver­ gangene Situationen und Erlebnisse

aus unserem Ge­ dächtnis absaugt und auf einem externen Spei­ cher lagert. Im Bedarfsfall, zum Beispiel einer Demenz, könnte mit diesen abge­ speicherten Daten die eigene Erin­ nerungsleistung wieder aktiviert werden. Klingt schlüssig, oder? Mit dieser Utopie spielt Anthony Doerr in seinem kleinen Zauberwerk „Memory Wall“. Alma, eine ältere Dame, wohnt allein mit ih­ rem Faktotum in einem Villenvorort von Kapstadt. Sie verliert ihr Gedächt­ nis. Auf Tausenden von Kassetten sind ihre Erinnerungen an ihr Leben, ihre Ehe und ihren verstorbenen Mann ab­ gelegt. Auch die Erinnerung an einen sensationellen Fossilienfund, den ihr Mann kurz vor seinem Tod gemacht hat. Und dieses Wissen ist nicht nur für Alma interessant. 134 kostbare Seiten

Amnesie des Krieges

Ein Mann zwischen zwei Frauen – ei­ gentlich keine neue Geschichte, oder? Chris erleidet während des Ersten Weltkrieges einen Granatenschock und damit verbunden eine komplette Am­ nesie. Er erinnert sich nicht an die letz­ ten fünfzehn Jahre seines Lebens, nicht an sein prächtiges Landgut im Süden Englands, nicht an seine wunderschö­ ne Frau Kitty, nicht an Status, Ruhm und Erfolg. Einzig die Erinnerung an Margaret, seiner Jugendliebe, ist leben­ dig geblieben. Um welchen Preis wird es gelingen, Chris in die Gegenwart zurückzuholen? 1918 ist dieser, nun erstmalig übersetzte kleine Roman er­ schienen. Rebecca West thematisiert darin als erste Autorin ihrer Zeit die Traumata des Ersten Weltkrieges. Auf­ rüttelnd und unbedingt zu entdecken. Rebecca West: Die Rückkehr, dtv, 16,90 Euro

Tahar Ben Jelloun: Der Einschnitt, Berlin Verlag, 16 Euro

Liebeserklärung an das Leben

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Anthony Doerr: Memory Wall, Verlag C. H. Beck, 14,95 Euro

und Sein eines Mannes – in allen Le­ bensaltern. „Der Einschnitt“ ist eine Liebeserklärung an das Leben.

BUCHHANDLUNG HEYMANN Tipps von Heike Heymann-Rienau www.heymann-buecher.de Schreiben, um zu leben – erzählen, um weiterzuleben: Tahar Ben Jelloun wagt sich an das Unaussprechliche, er findet Worte für das, worüber man(n) sonst schweigt. Zu groß ist die Scham, zu stark die Sorge angesichts der schreck­ lichen Diagnose in den Augen anderer fortan als „entmännlicht“ zu gelten. Die Ärzte attestierten dem Schrift­ steller, Jahrgang 1944, Prostatakrebs. Kein Einzelschicksal, wahrlich nicht, aber dieses eine macht Mut, denn Ta­ har Ben Jelloun sucht und findet neue Kraft, indem er vom Unsagbaren er­ zählt. Voller Vertrauen in die Sprache schafft er große Literatur – aus dem Erfahren und Erleben, aus den Ängsten und Schrecken eines Einzelnen lässt er eine Erzählung werden, die bei allem Persönlichen das Universelle enthält, das Allgemeine, das für jeden Leser Anteilnahme stiftet und ein Hinterfra­

über Erinnern und Vergessen, in glas­ klarer Prosa und zauberschönen Bil­ dern.

Die Geschichte einer hochbegabten Köchin

gen des eigenen Selbst. Wie würde es mir damit gehen? Was könnte ich tun? Tahar Ben Jelloun wählt die Perspekti­ ve eines erkrankten Freundes, der Ant­ worten braucht auf das Warum. Beein­ druckend, wie Jelloun das Bangen um die körperliche Versehrtheit verbindet mit dem Erinnern an unbeschwerte Tage und Nächte, in denen der Leib die reine Lust erlebte. Und er überzeugt mit Nachdenklichem über das Werden

Es gibt Menschen mit dem absoluten Gehör. Beneidenswert. Wie auch die Gabe des vollkommenen Geschmacks­ sinnes. Kann es nicht geben? Der Autor J. Ryan Stradal würde widersprechen – mit Nachdruck und in Form dieses Romans, einen besseren Beweis für die kühne Behauptung kann es nicht ge­ ben. Und das alles liest sich auch noch überaus unterhaltsam. Wer es ist, der die „Geheimnisse der Küche des Mitt­ leren Westens“ kennt? Eva Thorvald! Eine begnadete Kö­ chin, die Gaumen­ freuden zu kreieren weiß, dass Gour­ mets und GastroKritiker aus dem Staunen nicht herauskommen. Eine beeindru­


ckende Karriere, umso mehr, weil die Heldin nicht mit dem sprichwörtlich „goldenen Löffel“ im Mund groß wur­ de. Ihre Kindheit war eine Zeit des Ab­ schieds: Die Mutter verließ die Familie für einen Sommelier und dem Vater war kein langes Leben geschenkt. Den­ noch ging das Mädchen seinen Weg. Eva Thorvald wird zur erfolgreichsten Köchin Nordamerikas. Erfolg und An­ erkennung wünsche ich auch Stradal, dem mit seinem Roman eine wunder­ bar leichte, aber nie oberflächliche Fa­ miliengeschichte geglückt ist. J. Ryan Stradal: Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens, Diogenes Verlag, 24 Euro

Große Gefühle, leicht erzählt

Der Literatur-Nobelpreis blieb ihm zwar versagt – Graham Greene ist den­ noch ein Klassiker geworden. Ganz zu Recht und das nicht nur wegen seiner Erfolgsbücher „Der dritte Mann“ oder „Unser Mann in Havanna“. Robert Louis Stevenson („Die Schatzinsel“) war sein Großonkel. Stolz und Bürde? Ganz sicher. Aber Greene schaffte es, sich einen eigenen Namen zu machen.

Schon früh begann er zu schreiben. Und sei­ ne Reisen nach Asien und Afrika waren Un­ ternehmungen, die ihn auch schriftstellerisch inspirierten. Antrieb beim Schreiben war für ihn, was mit Menschen geschieht, die in den Kon­ flikt von Gut und Böse geraten – ein zeitloser Wi­ derstreit und deshalb ist Greenes Werk so zeitlos. Dass dieser Mann auch über Humor und Ironie verfügte, beweisen zwei Bücher, die jetzt im Wagenbach-Verlag erscheinen: „Heirate niemals in Monte Carlo“ und „Verleihe niemals deinen Mann“. Glück im Spiel – Pech in der Liebe?! Es ist das alte Lied, das aber selten so humorig und hintersin­ nig angestimmt wurde wie von Gra­ ham Greene. Eine leichte Sommer­ lektüre, die man aber auch im Herbst noch einmal zur Hand nimmt, denn gute Bücher liest man mehr als einmal. Das gilt auch für die Fortsetzung „Ver­

leihe niemals deinen Mann“. Wer glaubt, eine Hochzeitsfeier sei die größte Herausforderung an die künftigen Ehe­ leute, der möge mit Graham Greene die Flitterwöchner begleiten. Eine schönere Reise in das Abenteuer Ehe und Leben ist kaum vorstellbar. Graham Greene: Heirate nie in Monte Carlo/Verleihe niemals deinen Mann, Verlag Klaus Wagenbach, je 16 Euro

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Herbst-Ausflüge

Herrlich, dieser frische Wind! Der Sommer ist noch lange nicht vorbei – und geht mit diesen Ausflügen locker in die Verlängerung! Kommen Sie mit an die fast unberührte Elbe, zur Elbmündung oder zum Nord-Ostsee-Kanal, springen Sie in den Schaalsee oder entdecken Sie Heuckenlock im Norden der Süderelbe

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Reif für die Insel? Dann auf nach Neuwerk

Das autofreie Inselchen in der Elbmündung ist ein Vogelparadies – und schon die Anreise ein A ­ benteuer. Lasst uns losfahren Hamburger haben es gut: Wenn sie reif für die Insel sind, müssen sie nicht mal den Bezirk Mitte verlassen. Als einzige deutsche Großstadt besitzt Hamburg nämlich eine eigene Insel: Neuwerk, einst Piratennest, heute ein autofreies Paradies für Touristen und andere Vögel. Egal, ob Sie sich dem Mini-Eiland zu Fuß durchs Watt nähern, mit dem Wattwagen durch die Priele spritzen oder die Fähre „Flipper“ nehmen, schon die Anreise nach Neuwerk ist ein großes Vergnügen. Als Erstes taucht der wuchtige Neuwerker Leuchtturm aus dem Dunst auf, Hamburgs ältestes Bauwerk. Vor 700 Jahren ließen Hamburger Kaufleute den mächtigen Wehrturm in der Elbmündung errichten. Heute ist das einstige Piratenbollwerk eine Pension. Neuwerk liegt mitten im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer, der seit Kurzem zum Unesco-Weltnaturerbe zählt. Abends, wenn die Tagesgäste Neuwerk verlassen haben, gehören Wiesen und Deich wieder den Vögeln, den kreischenden Lachmöwen, den akrobatischen Seeschwalben, den Austernfischern mit ihren roten Beinen. Einmal rund um Hamburgs Perle im Watt zu schlendern dauert rund 90 Minuten. Zu gucken gibt es dabei eine ganze Menge: Vögel, Tanker am Horizont, den Turm, den verwitterten Friedhof der Namenlosen, das Nationalparkhaus, die kleine Inselschule, Pferde, Hasen ... Sie können auch preiswert im Heu schlafen oder schön in einer Viersternesuite im Hotel „Nige Hus“. Direkt nebenan treffen sich abends Gäste, Wattführer, Vogelkundler und Insulaner am Tresen im Restaurant „Zum Anker“, dem heimlichen Herzen der Insel. Jeden Mittwoch ist Heimatabend, da greift Wirt Lüder zum Schifferklavier und der ganze Anker singt mit: „An der Nordseeküste ...“ Mal rüberwandern zur Vogelinsel Scharhörn, Wattwürmer bestaunen, Bernstein suchen, mal ein paar Tage gar nichts tun und dabei nichts verpassen: So sieht Wellness auf Neuwerk aus. |

Die Wattführer kennen den Weg – und jeden Wurm beim Namen

Foto: Florian Quandt

Viele Wege führen nach Neuwerk Die Insel Neuwerk liegt rund 20 Kilometer nordwestlich vor Cuxhaven. www.hamburg.de/neuwerk Anfahrt: Mit der Bahn im Stundentakt vom Hauptbahnhof in eindrei­ viertel Stunden nach Cuxhaven; vom Bahnhof ca. 20 Minuten Gehweg zum Anleger „Alte Liebe“. Mit dem Auto über die B73 bis Cuxhaven (von der Innenstadt knapp 130 Kilometer). Hier den Hinweisschildern „Helgoland/Fährhafen“ und „Alte Liebe“ folgen. Ein gut ausgeschilderter Parkplatz (4 Euro/Tag) steht am alten Hafen zur Verfügung. Dann weiter mit der Fähre: www.cassen-eils.de Tipp: Gute Speisen und ordentlich Klönschnack gibt’s im Restaurant „Zum Anker“ im Hotel „Nige Hus“: www.inselneuwerk.de STADTFLAIR I 91


Herbst-Ausflüge

So viel Schaf muss sein! Hunderte Woll­ produzenten dösen und grasen auf der ­Hetlinger Schanze. Bitte immer schön die Gatter schließen, sonst büxen sie aus

Hinter Wedel beginnt das Glück: die Hetlinger Schanze Hier kann man wunderbar zwischen blökenden Schafen wandeln, einem Planetenlehrpfad folgen oder einfach nackt am Strand liegen Schnepfen, Kiebitze und Blaukehlchen nutzen das Naturschutzgebiet zum Brüten, Menschen den 200 Meter breiten Strand zum Sonnen und Baden – und das gern auch mal nackt. Die Hetlinger Schanze an der Elbe ist ein inoffizielles, aber geduldetes FKK-Gebiet, über dem sogar der Seeadler seine Runden dreht. Das Paradies fängt gleich hinter der Kläranlage an: Kaum haben Sie die passiert, beginnt ein Fußweg direkt zum Deich. Jetzt trennt Sie nur noch eine Pforte von einem der schönsten und mit sieben Kilometer auch längsten Strände an der Elbe. Bitte die Pforte wieder schließen – damit die auf dem Deich weidenden Schafe nicht abhauen! Segelboote ziehen träge die Elbe hinunter, ein paar Kilometer elbaufwärts stehen „Elbekreuzung 1 und 2“. Das ist der amtliche Name der mit 189 Metern höchsten Freileitungsmasten Europas. Einer steht auf der Hetlinger Elbseite, der andere auf der Elbinsel Lühesand. Wer sich am Strand auf einem angetriebenen Baumstamm niederlässt, sitzt auf historischem Grund: Das einst fruchtbare Ackerland wurde 1658 von den Schweden überfallen, der Landstrich niedergebrannt. Deshalb errichteten die Dänen eine Feldschanze, die zusätzlich mit Kanonen ausgestattet wurde. Heute erinnert nur noch eine Infotafel an die kriegerische Vergangenheit. Der Naturschutzbund hat unweit davon einen elf Meter hohen Beobachtungsturm errichtet, von dem Sie einen traumhaften Blick weit über Elbe und Haseldorfer Marsch genießen. Außerdem gibt es hier einen 92 I STADTFLAIR

Wasserlehrpfad, der auf 14 Tafeln die Bedeutung des Wassers für das Leben und die Landschaft darstellt. Und schließlich endet an der Hetlinger Schanze mit dem Pluto auch ein sechs Kilometer langer Planetenlehrpfad. Vom Wedeler Jachthafen aus sind die Planeten maßstabsgerecht im Verhältnis unter­ einander und zur Sonne aufgebaut. |

Wo war das noch mal? Hetlingen liegt sieben Kilometer nordwestlich von Wedel in der Haseldorfer Marsch Anfahrt: Mit der S1 bis Wedel, von dort weiter mit der Buslinie 589 bis zur Haltestelle Hetlingen, Schulstraße. Von dort aus ca. zehn Minuten Fußweg über die Straße Idenburg zur Elbe. Mit dem Auto fahren Sie auf der B431 bis Wedel und weiter nach Holm. Dort links ab auf die L261 nach Hetlingen, dort links in die Schulstraße. Nach 300 Metern erreichen Sie einen kleinen Parkplatz an der Schanze. Tipp in der Umgebung: Die Gaststätte „Zur Alten Schleuse“ ist ein uriger Bier­ ausschank in historischem Gebäude. Holmer Straße 20, ­Hetlingen, Tel. 04103/856 70, täglich 11.30–14.30 Uhr und 17.30–21.30 Uhr. Neu: das Café im Marschtreff, Haupt­ straße 37, Tel. 04103/902 28 89, www.marschtreff.de


Radeln und Staunen am Nord-Ostsee-Kanal

Fotos: Stefan Fuhr, Florian Quandt

Radfahrer aufgepasst! Entlang dieses Kanals können Sie mit großen Pötten um die Wette fahren – oder sich vom Fernweh packen lassen und in Gedanken auf große Fahrt gehen Flaches Land und vielleicht etwas (Rücken-)Wind: Der Norden ist ein ideales Fahrradland. Aber sind Sie schon einmal mit Kreuzfahrern, Containerschiffen und großen Frachtern aus aller Welt um die Wette geradelt? Auf gut ausgebauten Wegen geht es immer am NordOstsee-Kanal entlang, der meistbefahrenen künstlichen Seeschifffahrtsstraße der Welt. Und zusätzlich gibt es an 14 Fährstellen kleine Schiffspartien gratis! Eigentlich ist der Nord-Ostsee-Kanal in Schleswig-Holstein von Brunsbüttel bis nach Kiel nur 98,7 Kilometer lang, aber Entdeckertouren erschließen die abwechslungsreiche Landschaft. So können Sie die Radelstrecke auf weit mehr als 300 Kilometer erweitern. Mal führt der Weg an imposanten Industriedenkmälern wie Schleusen, Tunneln, eindrucksvollen Brücken und Fähren vorbei, mal passieren Sie stattliche Landsitze und Herrenhäuser, dann wieder geht es durch beschauliche Dörfer. Es gibt viel zu bestaunen und überall an der Strecke informieren Informationstafeln über Sehenswürdigkeiten der Umgebung. Wer sich an Schiffen – und davon fahren täglich etwa 90 durch den Kanal – nicht sattsehen kann, entscheidet sich für die ausschließlich am Kanal verlaufende Expressroute. Im Sommer können Sie dann auch mit den meist schneeweißen Luxuslinern um die Wette radeln. Pro Saison fahren über 100 dieser Traumschiffe quer durch Schleswig-Holstein. Neben Tagestouren sind auch mehrtägige Radwanderungen möglich. Dabei sind Sie, wenn Sie möchten, völlig unbeschwert unterwegs: Je nach gebuchter Route ist für den Gepäcktransfer gesorgt, die Hotelzimmer oder Heuherbergen sind gebucht, Infomaterial, Radwanderkarten und Lunchpakete liegen bereit (alle Touren sind unter www.nok-sh.de buchbar). Wer am Kanal radeln will, ohne eine Tour zu buchen, kann vor Ort auch ein Fahrrad mieten (in Brunsbüttel z. B. Fahrrad-Service GbR, Koogstraße 93, Tel. 04852/83 75 74). In Rendsburg wartet unter der denkmalgeschützten Eisenbahnhochbrücke mit

der Schwebefähre noch ein Highlight: Die Schiffsbegrüßungsanlage direkt am Kanal. Täglich ab elf Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit geben Kapitäne hier alle erdenklichen Informationen über die vorbeifahrenden Schiffe. Danach wird die Nationalhymne des Herkunftslandes des Schiffs abgespielt und die Flagge gedippt – ein internationaler Seefahrergruß, viele Schiffe grüßen per Schiffshorn zurück. Und das ist bei den Luxuslinern imposant. Auf folgenden Websites finden Sie eine Liste, wann welcher Luxusliner durch den Kanal fährt: www.tinok.de, www. brueckenbote.de, www.sh-tourismus. de – na dann: Schiff ahoi! |

Auf nach Schleswig-Holstein! Der Nord-Ostsee-Kanal zieht sich von Brunsbüttel quer durch Schleswig-­Holstein nach Kiel. Anfahrt: Vom Hauptbahnhof mit dem Regional­ express in ca. 75 Minuten nach Kiel oder von Altona mit der NOB nach Itzehoe, dort weiter nach Burg in Dithmarschen oder mit dem Bus 6606 nach Brunsbüt­ tel. Mit dem Auto fahren Sie entweder über die A7 bis Rendsburg oder Kiel oder über die A23 bis Schafstedt, Albersdorf oder bis Itzehoe-Mitte und weiter über die B5 nach Brunsbüttel.

Beeindruckendes Technik-Denkmal: die historische Eisenbahnbrücke über dem NordOstsee-Kanal, Wahrzeichen der Stadt Rendsburg

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Herbst-Ausflüge

In aller Ruhe: das Biosphärenreservat Schaalsee Nur knapp 60 Kilometer sind es von Hamburg zu den Dörfern an Norddeutschlands tiefstem See. Und doch ist die Fahrt dorthin eine Weltreise oder vielmehr: eine wunderbare Reise ans Ende der Welt

Bäume, nichts als Bäume. Stundenlang geht es durchs Gehölz, in dem es nicht ein Zeichen von Zivilisation gibt. Einsame Badestellen laden zum Schwimmen ein. Immer wieder versperren abgebrochene Äste den Weg. Und wer nicht aufpasst, kann schon mal auf eine Schlange treten. Nein, dies ist keine Wanderung durch den brasilianischen

Auf einem Lehrpfad erfährt man alles über das Kalkflachmoor

Urwald. Dieses Stück Natur liegt nur eine knappe Stunde von Hamburg entfernt – im Biosphärenreservat Schaalsee. Kaum eine Gegend in Deutschland ist so wenig besiedelt wie diese, kaum eine Region ist so still und so ursprünglich. Durch ihre jahrzehntelange Abgeschiedenheit ist sie zur Heimat für eine Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten geworden. Denn der Schaalsee war bis zum Fall der Mauer Zonenrandgebiet. Mitten durch den 24 Quadratkilometer großen See verlief damals die Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Die Todeszone wurde zum Niemandsland, in dem keiner leben durfte – außer Fischottern, Kranichen, Ringelnattern und bis zu 27 Heuschreckenarten. Die alten Fachwerkhöfe verfielen in den Jahren nach 1961. Als die Wende kam, wurden sie liebevoll restauriert. Die Ruhe ist trotzdem geblieben. Ob in Techin, in Lassahn, in Boissow oder Neuenkirchen: Hier gibt es einsame Badestellen,

an denen der einzige Lärm von den Vögeln ausgeht und an denen sich die Sonne auf der glatten Wasseroberfläche spiegelt wie ein Meer aus Tausenden funkelnder Diamanten. Über 30 Fischarten tummeln sich im Schaalsee, unter anderem die bei Feinschmeckern beliebte Maräne. Sie wurde einer Legende nach vom Teufel in den Schaalsee geworfen. Und manchmal, wenn die Fischer morgens mit ihren Booten aufs Wasser rausfahren und die Netze sich am versunkenen DDR-Stacheldraht verfangen und zerreißen, dann ist es ihnen, als hätte der Teufel noch immer seine Finger mit im Spiel. |

Ihr Weg zur Leise-Reise Der Schaalsee liegt bei Zarrentin an der Landesgrenze zwischen SchleswigHolstein und Mecklenburg-Vorpommern. Anfahrt: Die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrs­ mitteln ist leider so kompliziert und zeitraubend, dass wir sie nicht empfeh­ len können. Mit dem Auto fahren Sie auf der A24 Richtung Berlin und biegen bei der Ausfahrt Zarrentin auf die B195 nach Zarrentin.

Fotos: Biosphärenreservat Schaalsee, Florian Quandt

Für die Natur war die jahrzehntelange Lage im Abseits des Zonenrandgebiets ein Segen

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Sieht trocken aus, wird aber bis zu 100-mal im Jahr geflutet: das Naturschutzgebiet Heuckenlock

www.mopo.de/leserreisen

Auszeit auf Usedom 3 oder 6 Tage auf der Ostseeinsel im Maritim Hotel Kaiserhof

Gleich um die Ecke: Heuckenlock

Knorrige Bäume, kleine Strände, üppiges Grün: Das Naturschutzgebiet Heuckenlock in Wilhelmsburg ist eine wunderschöne Wasserwildnis Umgestürzte Bäume, kleine Strände und eine verwunschene Sumpflandschaft: Der Rundweg durchs Heuckenlock bietet auf zwei Kilometer Länge 90 Minuten Natur. Wenn Sie durch einen der letzten Tideauenwälder Europas spazieren, scheint die A1 mit der Megaraststätte Stillhorn weit weg – dabei verläuft die Autobahn mitten durch das circa 100 Hektar große Naturschutzgebiet. Am Ende der letzten Eiszeit existierte an der Elbe eine Wasserwildnis mit großen Auwäldern. Erhalten sind heute als einer der ganz wenigen Reste in Europa etwa vier Kilometer dieser einzigartigen Landschaft entlang der Süderelbe. Mit den Gezeiten kommt und geht das Wasser in dem Süßwasserwatt. Mehr als 100-mal jährlich steht das Heuckenlock bis zu 3,50 Meter unter Wasser. Diese amphibische Grenzlandschaft zwischen Land und Fluss bringt eine unglaubliche Vielfalt der Natur hervor. Botaniker zählen 700 Arten – so viel wie sonst nirgends in der Stadt. Die meisten wirken auf Laien eher unscheinbar. Doch wenn ein Fachmann im Sumpf die Wiebelschmiele oder den Schierlings-Wasserfenchel erspäht, schlägt sein Herz höher. Auch die Schachbrettblume hat mit mehr als 200 Exemplaren im Heuckenlock eines ihrer letzten Verbreitungsgebiete gefunden. Spezialität des Gebiets sind Priele, die man sonst eher von der Nordseeküste kennt. Einer wird von einer langen Brücke überspannt, die Auszubildende in ihrer Freizeit bauten. Durch sie konnte der Rundweg durch das Schutzgebiet geschlossen werden. Der Rückweg zum kleinen Parkplatz führt dann am Moorwerder Hauptdeich entlang. Drei Minuten Fahrzeit mit dem Auto, und den träumenden Heuckenlock-Besucher hat die Zivilisation wieder – in Gestalt von Hunderten Schwerlastern auf der Raststätte Stillhorn. Was für ein Kontrast! |

Ein Besuch auf der Insel Usedom lohnt sich zu jeder Jahreszeit. Umhüllt vom Flair dreier Seebrücken und mondäner Jahrhundertwendearchitektur erwarten Sie die eleganten Kaiserbäder und das außergewöhnliche Maritim Hotel Kaiserhof im Seebad Heringsdorf. Die Lage ist einzigartig, denn Sie wohnen direkt an der Strandpromenade und nahe der berühmten Seebrücke – idealer Ausgangspunkt für Spaziergänge am weitläufigen Ostseestrand oder für unvergessliche Ausflüge ins idyllische Hinterland.

REISELEISTUNGEN INKLUSIVE

ZUSÄTZLICHE KOSTEN p. P.

• 2 oder 5 ÜN/F im „Comfort“-Doppelzimmer zur Seeseite • Begrüßungscocktail • 1 x Abendessen im Rahmen der Halbpension • Nutzung des „Vitalgartens“ mit Schwimmbad, Saunen, Meeresklimakabine und Fitnessbereich

• EZ-Zuschlag für 3 Tage: € 46,– • EZ-Zuschlag für 6 Tage: € 115,– • Aufschlag Saison B (3 Tage): € 20,– • Aufschlag Saison B (6 Tage): € 40,– • Kurtaxe (zahlbar vor Ort)

REISEZEITRÄUME Saison B:

03. 10.–31. 10. 2016 Saison A:

31. 10.–22. 12. 2016 · 02. 01.–05. 03. 2017 Saison B – ausgenommen 14.–17. 04. 2017:

05. 03.–28. 04. 2017 pro Person im Doppelzimmer 3 Tage

128

ab €

6 Tage

288

ab €

Kinder (max. 2) bis 6 Jahre im Elternzimmer kostenfrei!

Durch die Wälder, durch die Auen ... Das Heuckenlock liegt bei der Anschlussstelle Hamburg-Stillhorn. Anfahrt: Buslinie 351 ab S-Bahn Wilhelmsburg (S3/S31) bis Heucken­ lock. Mit dem Auto auf der A1 zur Ausfahrt Stillhorn, dann über den Stillhorner Weg auf den Stillhorner Hauptdeich.

BUCHUNGSHOTLINE: (05 41) 7 60 52 05

Bitte geben Sie bei Buchung das Kennwort: MOPO - V1182 an! Reisevermittler: Morgenpost Verlag GmbH, Griegstraße 75, 22763 Hamburg Reiseveranstalter (i. S. d. G.): HKR GmbH, Hannoversche Straße 6–8, 49084 Osnabrück

MOPO

REISE


Besuchertipps

Folke Sievers, 1964 in Husum geboren, ist gelernter Koch und studierte Hotelund GastronomieManagement an der Hotelfachschule Hamburg. Nach verschiedenen Stationen in der ­Hotelbranche arbeitet er heute als General Manager „Reichshof Hamburg“, CURIO Collection by Hilton

Schatz, wir haben Besuch! Sie müssen ja nicht gleich die ganze Familie im schicken Hotel „Reichshof“ einquartieren, aber ein Besuch lohnt sich immer! Hotelmanager und Hamburg-Kenner Folke Sievers verrät seine Lieblingstipps für Hamburg

BAR 1910

Mo–Fr 12–14.30 Uhr und 18–21.30 Uhr, Sa 18–21.30 Uhr, Kirchenallee 34–36 (St. Georg), Tel. 370 25 90, www.slowman.de

Die „Bar 1910“ setzt die Tradition klassischer Barkunst im „Reichshof“ fort und versetzt seine Besucher in die Zeit der Goldenen Zwanziger zurück. Hier verbrachten schon Louis Armstrong und Ella Fitzgerald lange Nächte (was Sie so mal nebenbei Ihren Gästen erzählen sollten), und David Bowie setzte sich spontan ans Klavier. Heute gibt es zwar keinen Flügel mehr, dafür aber eine Atmosphäre, die zum gepflegten Genuss und guten Gesprächen einlädt. Zwischen holzvertäfelten Wänden und eleganten Art-déco-Elementen serviert nun Barchef Mario Zils, der lange Zeit im „Schumann’s“ in München gearbeitet hat, hochwertige Spirituosen und Cocktails. Was Sie unbedingt mit

Rock ‘n‘ Roll im Grandhotel! Das „slowman“ von Küchenchef Frank Bertram ist einer meiner Lieblingsplätze im „Reichshof Hamburg“. Hier prallt Historisches auf ungestümen Rock-Charme. Optisch erinnert das denkmalgeschützte Restaurant an einen Luxusliner aus dem frühen 20. Jahrhundert, doch Frank Bertram setzt mit seiner Musikleidenschaft und seiner lockeren Art Kontrastpunkte. In der Küche nutzt er ausschließlich unter fairen Bedingungen erzeugte Produkte, in den meisten Fällen kennt er den Produzenten sogar persönlich. Mein Lieblingsgericht: Cordon bleu!

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Gepflegter Bar-Genuss in historischer Atmosphäre

Ihrem Besuch probieren sollten? Das hausgemachte Ginger Beer. Reichshof Hamburg, CURIO Collection by Hilton, Kirchenallee 34–36 (St. Georg), Tel. 370 25 90, www.reichshof-hotel-hamburg.de

HEAVEN‘S NEST

Rooftop-Feeling auf St. Pauli

Im 24. Stock der von Hadi Teherani entworfenen Tanzenden Türme liegt über dem Restaurant „clouds“ eine der schönsten Dachterrassen Hamburgs mit Blick auf Hafen, Elbe, Reeperbahn und Michel. Eine kleine Speisekarte, gute Weine und ein edles Cocktailangebot machen den Spätsommertag perfekt. Daybeds können exklusiv reserviert werden. Abends wird es entspannt und Clubsounds vermitteln Beach-Club-Atmosphäre.

Fotos: Florian Quandt, PR, hfr

SLOWMAN


Seitlich verglaste Wände schützen das Publikum vor Wind, Heizstrahler vor zu kühlen Abenden. Im Sommer Mo–Fr ab 17 Uhr, Sa–So ab 12 Uhr, Reeperbahn 1 (St. Pauli), Tel. 30 99 32 80, www.clouds-hamburg.de

ALTES MÄDCHEN

Auszeit im Schanzenviertel

Das „Alte Mädchen“ in den Schanzenhöfen ist Hamburgs beste Adresse für Bier aus aller Welt. Im Sommer sitzt man im Innenhof lauschig auf urigen Holzbänken aus Paletten, im Winter genießt man sein Getränk kuschelig an einem riesigen, offenen Kamin. Rund 60 Craft-Biere stehen gekühlt bereit und verschiedene Ratsherrn-Varianten aus der benachbarten Brauerei können in Minigröße auf einem Tasting Tray probiert werden. Sonntags gibt’s Frühstück mit Livemusik, genannt Frühschoppen. Locker und leger ist angesagt, freundlicher Service und rustikale Brotzeit. Mo–Sa ab 12 Uhr, So ab 10 Uhr, Lagerstraße 28 b (Sternschanze), Tel. 800 07 77 50, www.altes-maedchen.com

KAMPF DER KÜNSTE, POETRY-SLAM

Selfmade-Verse auf der Bühne

Die deutsche Poetry-Slam-Szene gilt nach der englischsprachigen als die größte der Welt, und Hamburg ist eindeutig die deutsche Hochburg. „Kampf der Künste“, die seit vielen

Jahren Slams in Hamburg organisieren, haben entscheidend dazu beigetragen. Die Hamburger Slams finden aufgrund ihrer Beliebtheit längst nicht mehr in kleinen Bars statt, sondern in den großen Hamburger Theatern und im Bunker auf dem Heiligengeistfeld. Und nicht nur die Slammer sind einen Besuch wert, die oft zynische und immer lustige Moderation von z. B. Michel Abdollahi lohnt allein schon fast den Besuch. www.kampf-der-kuenste.de

FALKENSTEINER UFER

Naturstrand in Hamburgs Westen

Der schöne Elbstrand in Rissen ist zwar nur knapp 30 Autominuten von Hamburgs Zentrum entfernt, aber man spürt dort nichts mehr vom Trubel der Großstadt. Wer genug vom Faulenzen am Strand hat, besucht entweder das kleine Eckbistro, das von drei rüstigen Senioren betrieben wird, oder wandert durch das bewaldete und erstaunlich bergige „Hinterland“. Für längere Ausflüge an Hamburgs schönstem Strand gibt es einen netten alten Campingplatz, der auch von vielen Hamburgern für einen unkomplizierten Wochenendtrip in die Natur genutzt wird. Anfahrt: Buslinie 48 (Falkentaler Weg) oder 286 (Falkenstein)

SCHANZENFLOHMARKT Trödel und Design

Jeden Samstag tummeln sich VintageLiebhaber auf dem Schanzenflohmarkt nahe der U-Bahnstation Feldstraße.

Früher in verruchten Kneipen, heute auf den Brettern, die die Welt bedeuten: Poetry-Slam im Deutschen Schauspielhaus

„Das ,Alte Mädchen‘ in den Schanzenhöfen ist Hamburgs beste Adresse für gutes Bier aus aller Welt.“ Von Designmöbeln über Telefone aus den 50ern bis hin zu Büchern gibt es dort alles, was das Herz begehrt. Meistens möchte ich einfach nur den Trubel genießen, gehe aber eigentlich nie ohne einen Fund. Sa, 8–16 Uhr, U Feldstraße (St. Pauli)

DAS MEHL

Pizza improvisata

In dieser Pizzeria regiert der Überraschungseffekt: Neben dem Teig (aus Weizen- oder Dinkelmehl) wählt der Gast nur die grobe Richtung des Belags, beispielsweise Fleisch, Fisch, vegetarisch oder scharf. Danach zaubern die Köche mit frischen und saisonalen Produkten, wobei auch mal eine schwarze Pizza mit Rosenkohl, Büffelmozzarella und Bratensoße dabei rauskommen kann. Lecker ist es trotzdem immer. „Mehl ist Bindemittel, Mehl ist Bindung“, schreiben die Betreiber auf ihrer Homepage. Dass Sie Ihre Gäste mit diesem besonderen Laden beeindrucken, ist garantiert! Küche 17.30–23 Uhr, Gaußstraße 190 (Altona) Tel. 73 44 99 69, www.dasmehl.com

Da staunt nicht nur der Gast aus Bayern: Das „Alte Mädchen“ in den Schanzenhöfen serviert 60 verschiedene Biere

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Vorschau

Ob die Alster diesen Winter endlich mal wieder zufriert? Wir hoffen drauf!

te Die nächs am erscheint 23.11.2016

Jetzt wird’s gemütlich!

Geschenk-Ideen für die Lieben

So kreativ ist unsere Stadt!

Neubau-Boom in Hamburg

Zum Nikolaus und zu Weihnachten oder einfach nur so: Schönes und Leckeres aus Hamburg und der Region

Von Schauspielerinnen und Bildhauern, Musikerinnen und Möbeldesignern, wie zum Beispiel Bernhard Müller von More

Interessante Bauvorhaben und Wohnprojekte – und warum es in Hamburg gar nicht so einfach ist, zu bauen

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Fotos: Fotolia, Pixabay, PR, Visualisierung: BOF Architekten für Mitte Altona

Mitten im Leben, mitten in Hamburg: neue Geschichten aus unserer Stadt


Saisonstart Herbst/Winter 2016 in Ihrem PETER HAHNModehaus Hamburg

HERZLICHE EINLADUNG ZUR MODE & MUSIK-GALA Freitag, den 16.09.2016 um 11.00,14.00 und 16.00 Uhr in Ihrem Modehaus Hamburg. Lassen Sie sich bei unseren Modenschauen musikalisch mit flotten „Walzer-Evergreens und Musical-Hits“ auf die aktuelle Herbst/Winter-Mode 2016 von PETER HAHN einstimmen.

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