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Raum – Räume transformieren, Zukunft gestalten

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Raum

Räume transformieren, Zukunft gestalten

FOCUS:BOOK

Branchenübergreifende Perspektiven auf Transformation

FOCUS:BOOK
Diese Publikation ist urheberrechtlich geschutzt. Copyright ©2024 A le Rechte bei TheFuture:Project.

Raum

Räume transformieren, Zukunft gestalten

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschutzt. Copyright ©2024 A le Rechte bei TheFuture:Project.

Warum wir bauen, was wir bauen – und wieso sich das ändern wird. von Franz Kühmayer

„Die Zukunft des Bauens entsteht an Bildungsorten.“

Die Wiedersichtbarmachung des

Warum wir adaptive Mobilitätsräume

Warum die Stadt der Zukunft freundlicher werden muss

Wie wir Kunst und Kultur als Ressource für mehr Gemeinschaft, Teilhabe und Gesundheit nutzen können von

Der

Meta Mobility

Wie das Metaversum die Mobilität transformiert und neue Räume schafft von Dr. Stefan Carsten 86

„Man hat gespürt: Hier kümmern sich Menschen um den Raum.“ Interview mit Matthias Heskamp

Industrielle Zukunftsräume

Inhalt

Mobilitätsmanagement als Schlüssel zur Transformation von Gewerbegebieten

Recaptured Spaces: kontrollierte Unkontrolliertheit

Über die Rückeroberung von Raum und experimentelle, sich selbst regulierende Formen der Raumnutzung von Anja Kirig 114

Humans are animals, too Wie wir „artgerechte Haltungsbedingungen“ in Städten schaffen von Nicole Srock.Stanley

Der Friedhof als Raum der Zukunft von Matthias Horx

Luxus der Leere

Wie das Land dank Leerstand zum Transformationsraum wird von Julia Paaß

„Wer ein Haus baut, der bleibt.“

Intro 4 Transforming Spaces 6 Adaptive Spaces 14 Großartig
20
28
Raumes von Prof. Dr. André Reichel 38 Seamless Mobility
Interview mit Edgar Dingeldein
brauchen von Anna-Lena Moeckl 42 Spaces of Care 50 Transforming Kindness
56 Healing Culture
von Oona Horx Strathern
Schrader 62
Pods
Insa
Health
Raum im Raum von Corinna Mühlhausen 68 Kollektive Selbstverwaltung Ein Gegenmodell zur Funktionstrennung der Nachkriegszeit von Emma Gisinger 74 Abundant Spaces 80
gesunde
94
100 Obsolete Spaces 108
von Julius Streifeneder
122
126
130
Interview mit
Hegemann 138 Ausblick 146 Über The Future:Project 154 Literaturverzeichnis 156 Diese Publikation ist urheberrechtlich geschutzt. Copyright ©2024 A le Rechte bei TheFuture:Project.
Dimitri

Dipl.-Ing. für Architektur Edgar Dingeldein leitet das Dezernat Baumanagement und Technischer Betrieb der TU Darmstadt. Seit vielen Jahren bringt er seine umfangreiche Expertise in zahlreichen Projekten und Kampagnen in den Bereichen Gebäudeinfrastruktur und Energiebeschaffung, Mobilität und Nachhaltigkeit ein.

Interview mit Edgar Dingeldein

„Die Zukunft des Bauens entsteht an Bildungsorten.“
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Herr Dingeldein, wie nehmen

Sie den gegenwärtigen gesel lschaft lichen Wandel aus der Sicht der Architektur wahr?

Wie betrifft Sie das direkt in Ihrem beruflichen Umfeld?

Etwas, das mich sehr stark beschäftigt, ist der anhaltende gesellschaftliche Wandlungsprozess hin zu sehr stark individualisierten Interessen. An vielen Stellen müssen wir wieder mehr auf das Gemeinsame blicken. Das ist genau der Punkt, an dem wir von Wandel sprechen: Diesen Wandel müssen wir aus der Gesellschaft heraus stärker selbst gestalten und weniger technischen Entwicklungen oder Konzernen überlassen, die den Wandel aus ihrer unternehmerischen Sicht und basierend auf ihrer Wertschöpfung vorantreiben.

Die Gesellschaft bewegt sich mit und versucht, darin ihre eigenen Interessen abzubilden. Dabei entsteht der Zielkonflikt, den wir häufig in Diskussionen sehen: Eigentlich müssten Dinge verändert werden, aber sie werden nicht verändert, weil wir uns zu sehr einschränken müssten. Zugespitzt formuliert: Gegenwärtig leben wir im Zeitalter des Blechs auf vier Rädern. Die Freiheit auf vier Rädern steht über allem. Die notwendige Bereitschaft, dies infrage zu stellen, ist aktuell in der Breite nicht wirklich gegeben.

Das sind ganz konkrete Fragen und Aufgaben, die mit diesem Wandel verbunden sind, wenn ich zum Beispiel Infrastrukturen baue, sie instand halte und für eine mittelgroße deutsche Universität betreibe: Was müssen wir tun, um zukunftsfähig zu bleiben? Was ist aktuell zwingend notwendig? Und wie zahlt sich unser Tun langfristig auf gesellschaftliche Ziele aus? In der Bandbreite von Gebäudeinfrastruktur, Campus, technischem Betrieb, Energiebeschaffung, Nachhaltigkeit und Mobilität arbeiten wir permanent an der ganzheitlichen Weiterentwicklung des Campus vom Konzept bis zur Umsetzung, inzwischen auch immer häufiger in interdisziplinären Forschungsprojekten. So heben wir auch die Potenziale der eigenen Bildungseinrichtung.

„Der Klimawandel schreitet global voran und wir brauchen jetzt Lösungen, um diesen zu begrenzen, aber auch, um in den veränderten Bedingungen leben zu können.“

Können Architektur oder bauliche Maßnahmen den Wandel hin zu einem besseren Miteinander und mehr Nachhaltigkeit in der Gesellschaft unterstützen?

Auf jeden Fall, und zwar an mehreren Punkten. Zuerst einmal physisch: Die Architektur hat in der Vergangenheit versucht, schöne Räume zu gestalten, und dabei vor allem an Bedarfe und Bauvolumen gedacht. Wir haben solide und wirtschaftlich, also kostengünstig, gebaut. Heute geht das nicht mehr. Wir müssen schon bei der Auswahl der Baustoffe und -materialien differenzierter hinschauen. So werden Beton und Stahl als größte CO2-Erzeuger sowohl in der verbauten Menge, dem Einsatzbereich als auch in Bezug auf ihre Herstellung immer stärker hinterfragt. Wir werden auch in der Zukunft nicht ohne diese Baustoffe bauen können, aber wir müssen sie richtig und sinnvoll einsetzen. Material, Konstruktion und Fügung sind entscheidend – im Sinne der Wirtschaftlichkeit, aber auch im Sinne der Kreislaufwirtschaft und der Klimabilanz. Bislang waren die dazu notwendigen Rahmenbedingungen finanzieller und politischer Art häufig nicht gegeben, was dazu geführt hat, dass Gebäude schnell und wirtschaftlich errichtet wurden, aber gesamtgesellschaftlich betrachtet langfristige Herausforderungen erzeugen, wie etwa den teuren Rückbau und die Entsorgung, insbesondere von Schadstoffen.

Welche Konsequenzen hat das für die Konstruktion von Gebäuden?

Heute wird an Architekt:innen, Bauingenieur:innen und Designer:innen ein ganz anderes, erweitertes Anforderungsprofil gestellt und es werden von Politik und Gesetzgebung neue Rahmenbedingungen geschaffen, die Investitionen erforderlich machen – sei es im Bereich Energie oder in Bezug auf Nachhaltigkeitskriterien. Am Ende wollen wir noch immer eine Umwelt gestalten –Innen- und Außenräume –, in der sich Menschen physisch und psychisch wohlfühlen. Das sind erweiterte Gestaltungsaufgaben, die schon heute erkannt sind, aber künftig noch mehr an Bedeutung gewinnen werden. Es wird aber auch komplexer, weshalb die Normengebungen und Gebäudeanforderungen bei den Genehmigungen sinnvoll angepasst werden sollten.

Was sind die größten Herausfor derungen im Bau und wie können sie angegangen werden?

Der Klimawandel schreitet global voran und wir brauchen jetzt Lösungen, um diesen zu begrenzen, aber auch, um in den veränderten Bedingungen leben zu können.

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Interview mit Edgar Dingeldein –„Die Zukunft des Bauens entsteht an Bildungsorten.“
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↓ Das DELTA-Forum, gebaut von Studierenden unter fachlicher Begleitung, dient als Kommunikationszentrale der Energieakademie im Forschungsprojekt DELTA.

Das klingt nach einem ziemlich düsteren Bild von der Zukunft des Bauens?

Konzepte für Neubau, Bestand und den urbanen Raum müssen diesen Veränderungen Rechnung tragen. Ebenso müssen die Gebäudetechnik und die technischen Infrastrukturen hinsichtlich ihrer nachhaltigen Wirkung hinterfragt werden.

Klimageräte verbrauchen beispielsweise Unmengen an Strom. Wenn der nicht klimaneutral erzeugt ist, heizen wir den Klimawandel weiter an. Solche Entwicklungen dürfen sich nicht potenzieren. Wir müssen stattdessen in eine Gegenbewegung kommen, durch die wir mit der richtigen Technik und einfachen Lösungen vorankommen. Nicht alles, was technisch möglich ist, ist nachhaltig. Da spielen vor allem die Baumaterialien wieder eine große Rolle. Holz und Beton haben je nach Einsatzgebiet ihre Vor- und Nachteile.

Auf Ziele der Nachhaltigkeit ausgerichtet und eingesetzt, würde sich der CO2-Fußabdruck deutlich senken lassen. Lehm zum Beispiel, der einen geringeren CO2-Fußabdruck hat, hat als Baustoff auch seine Grenzen und ist noch nicht salonfähig – auch wenn es im kleinen Maßstab schöne Projekte dazu gibt. Grundsätzlich könnte man viele dieser Herausforderungen angehen, wenn die notwendigen Gelder verfügbar wären.

Eine besondere Herausforderung ist der Fachkräftemangel: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen langsam in Rente und fehlen im Bau, im Handwerk, in den Verwaltungen und Planungsbüros. Die Aufgabe wird größer, während die Zahl derjenigen abnimmt, die sie bewältigen könnten. Da muss man auf verschiedenen Ebenen gegensteuern. Denn selbst wenn die Schuldenbremse aufgeweicht werden würde und das notwendige Geld investiert werden könnte, müssten wir diese Herausforderungen erst einmal abarbeiten können.

Man kann sehr leicht in eine Abwärtsspirale geraten, in eine Art Zukunftsdepression. Aber das kann und muss nicht der Weg sein. Um die zunehmende Komplexität bewältigen zu können, braucht es Tools und neue Betrachtungsweisen. Man muss wissen, wo man ansetzen und etwas effektiv verändern kann. Wenn es uns dann gelingen könnte, als Gesellschaft gemeinsame Impulse zu setzen und uns auf eine gemeinsame Richtung zu einigen, wäre das ein großer Erfolg.

Wir versuchen im Baudezernat der TU Darmstadt, in einem Team von 140 Kolleg:innen, den Wandel von einem reinen Forschungs- und Lehrcampus hin zu einem Ort der nachhaltigen Transformation auf allen Ebenen umzusetzen, von der Gebäudeebene über die Sektorenkopplung im Energiebereich bis hin zur klimaresilienten und biodiversen Gestaltung der Außenräume mit hoher Aufenthaltsqualität.

Universitäten und Hochschulen sind Orte, an denen Zukunft entsteht, die Forschung liefert wichtige Grundlagen für die Entwicklung der Gesellschaft und das gesellschaftliche Leben und in der Lehre werden nachfolgende Generationen ausgebildet, die alles weiterführen.

Das ist das große gesellschaftliche Kapital, das gerade ziemlich vernachlässigt wird. Der Sanierungsstau an den Universitäten ist immens und bei der Digitalisierung im Bau- und Gebäudemanagement und im Energiemanagement besteht ebenso großer Bedarf. Hier ließen sich dringende und wirksame Impulse für die Zukunft setzen.

Mit welchen Projekten wollen Sie die TU Darmstadt zu einem nachhaltigen Campus machen? Wie gestalten Sie den Wandel?

Ein Projekt ist das Regenwasserbewirtschaftungssystem der TU Darmstadt, das wir in den letzten zehn Jahren entwickelt und 2022 in einen Probebetrieb genommen haben. In der Stadtgesellschaft war die TU wegen ihrer umfangreichen Bautätigkeit und der damit verbundenen Flächenversiegelung auf dem Campus in Kritik geraten, weil sie den Naherholungsraum der Bürger:innen zunehmend verbauen würde. Die Flächenversiegelung hatte zur Folge, dass das Regenwasser mehr und mehr in den Kanal abfloss und nicht auf dem Campus versickerte –was auch Ursache für die Überlastung der städtischen Kanalnetze bei Starkregenereignissen gewesen sein könnte.

Wir waren uns der Bedeutung und der Notwendigkeit des Aufbaus eines Regenwassermanagements bewusst und haben auch die Kritik der Bürger:innen ernst genommen und ein umfangreiches System gebaut –bestehend aus Gründächern, Versickerungsmulden, Staukanälen und drei großen Sickerfeldern. Das Regenwasser kann, sofern möglich, direkt in Gebäudenähe versickern oder über das Regenwassernetz einem Sammelbehälter zugeführt werden, von wo aus es über vollautomatisch gesteuerte Pumpen abwechselnd in

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drei Interview mit Edgar Dingeldein –„Die Zukunft des Bauens entsteht an Bildungsorten.“ ↓ Auf dem Campus Lichtwiese der TU Darmstadt soll ein neues Wasserbewirtschaftungskonzept künftig für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser sor gen. 3233 Diese Publikation ist urheberrechtlich geschutzt. Copyright ©2024 A le Rechte bei TheFuture:Project.

Ist es gängig, dass das Dezernat Baumanagement und Technischer Betrieb so involviert ist und mit verschiedenen Bereichen der Universität zusammenarbeitet?

große Sickerfelder gepumpt wird. Von dort kann es aus einer Tiefe von bis zu fünf Metern über 22 Brunnen wieder gefördert und über eine Brauchwasseranlage in das Brauchwassernetz am Standort Lichtwiese eingespeist werden, wo es für WC-Anlagen, Prozesskühlung oder auch für die Bewässerung von Freianlagen Verwendung findet.

Für den Schutz vor Überflutungen infolge von Starkregenereignissen wurden ebenso bauliche und technische Vorkehrungen getroffen. Hinzu kommt noch der Rückbau der Hauptzufahrtsstraße zum Campus Lichtwiese von vier auf zwei Fahrspuren zugunsten von Wildwiesen, Sickerfläche, Neupflanzungen von 55 Bäumen und Sträuchern als Teil des „Grünen Campus“, den wir anstreben.

Für das Gesamtkonzept unter dem Motto „Nachhaltig im Wandel“, das auch Maßnahmen aus dem Energiebereich, wie zum Beispiel einen Kältering, die Abwärmenutzung unseres Hochleistungsrechners oder Maßnahmen zur Umstellung auf ein campusweites Niedertemperaturheizsystem beinhaltet, sind wir beim Tag der Architektur vom Land Hessen ausgezeichnet worden. Was ich besonders schön finde, ist, dass die Jury das Projekt als „gemeinwohlorientiert“ bezeichnet und damit zum Ausdruck bringt, was uns ein Anliegen ist. Wir denken heute über unseren eigenen Bedarf hinaus und bedienen diesen damit in der Zukunft.

Parallel zu den baulich-technischen Anlagen des Campus wollen wir einen Bildungspfad anlegen, auf dem man Schulklassen und Studierenden die Systeme der Regenwasserbewirtschaftung und Energie vor Ort zeigen und erklären kann. Zudem haben wir zwei Merck-Schülerlabore (Biologie und Chemie), in denen Schulklassen Tagesprogramme machen können. Und wir unterstützen Studienarbeiten im Fachbereich Geowissenschaften, zum Beispiel im Bereich Grundwassermonitoring. Wir sind also auch in die fachübergreifende Forschung eng eingebunden.

Nein, das ist relativ neu. Als ich vor etwa 15 Jahren hier anfing, waren wir ein reiner Dienstleistungsbetrieb, der für die Universität die Bauherreneigenschaft ausgeübt hat. Die TU Darmstadt ist in diesem Bereich die erste autonome Universität in Deutschland. Normalerweise ist eine Universität sehr stark an das Ministerium und die Landesbaubetriebe angedockt. Nachdem man in den 1990er-Jahren hier einen riesigen Sanierungsstau zu bewältigen hatte, wurde die Universität nach langem Verhandeln mit der Hessischen Landesregierung im Jahr 2005 autonom: Sie ist Bauherr und Planer und erhält pro Jahr ein fixes Budget, das mit gewissen Regeln, aber großer Entscheidungsfreiheit eingesetzt werden kann. So hat die Universität einen enormen Wandel vollzogen, Impulse gesetzt und eine große bauliche Entwicklung vorangetrieben. Viele unserer Projekte, die über die eigentlichen Standardbauaufgaben hinausgehen, haben gerade deshalb bundesweite und zum Teil sogar internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Was ist Ihr Lieblingsprojekt? Aus den üblichen Bauaufgaben ragt ein Projekt heraus. Vor zehn Jahren haben wir mit der Einführung der Parkraumbewirtschaftung die Mobilitätswende eingeläutet und nachfolgend das Thema Mobilitätsmanagement in der TU etabliert. Heute beschäftigen wir uns im Forschungsprojekt DELTA – Darmstädter Energie-Labor für Technologien in der Anwendung – mit urbanen Sharing-Modellen: Wie kann man durch zielgerichtete Sharing-Konzepte im urbanen Raum motorisierten Individualverkehr reduzieren und Ressourcen schonen, nach dem Motto „Teilen statt besitzen und nutzen statt besitzen“. Das ist genau mein Thema, ich wollte einen Lastenrad-Verleih an der Universität aufbauen, dazu Fahrradreparatur-Stationen, eine Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt, Paketstation/Sharing-Boxen und ein Bankautomat kann auch seinen Platz finden. Alles auf einem zentral gelegenen Experimentierfeld im Campus zwischen der Haltestelle von Bus und Bahn, Parkhaus, Fuß- und Radwegverbindung. Wichtig war dabei auch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Gruppen und Fachgebieten. Nach dem Motto: Was gut ist und funktioniert, wird weitergedacht – was nicht gut ist, wird wieder aufgegeben.

Das Ziel ist es dann, diesen Standort langfristig weiterzuentwickeln und bestenfalls auch zu skalieren?

Die besondere Herausforderung und eigentlich auch das Charmante an dem Projekt ist, dass wir mit dem Gedanken gestartet sind: „Wir bauen ein höchst innovatives Gebäude.“ In der Antragsphase mussten wir feststellen, dass die Anforderungen an ein solches Gebäude in puncto Innovation so hoch waren, dass eine Förderfähigkeit seitens des Bundes beim Projektträger nicht darstellbar war und der klassische Hochschulbau, dem das Konzept zugeordnet wurde, Ländersache ist. Eine Kollegin von der Hochschule Darmstadt und ich haben dann das Konzept in ein Reallabor umformuliert –

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↑ Fahrradwerkstatt am Campus der TU Darmstadt

nicht als Gebäude, sondern als Anordnung von Raumzellen mit möglichen forschungsbezogenen Themen und Inhalten, eine Art bauliche Apparatur im übertragenen Sinn, die im und aus dem Projekt heraus unter den Beteiligten vor dem Hintergrund der Forschungsprogrammatik zu entwickeln war. Das waren Beteiligung und Entwicklung von Beginn an und das versprach neue Erkenntnisse im Sinne der Forschungsprogrammatik. Das Konzept war innovativ und förderfähig und wir haben mit einem Seecontainer angefangen. Das war dann unser Think Tank, mit einfachsten Mitteln. Anfangs haben wir noch gefroren und geschwitzt, weil er nicht gedämmt war. Aus dem Container heraus haben wir das Projekt im Rahmen von Workshops und Summerschools weiterentwickelt. Von Anfang an waren studentische Mitarbeiter:innen aus der Bauverwaltung und dem Fachbereich Architektur bzw. einem Fachgebiet der Architektur beteiligt und konzipieren, entwerfen und bauen zum Teil sogar die Teilprojekte auf Augenhöhe mit der Projektleitung. So entstand zuletzt das „DELTA-Forum“, eine überdachte Holzkonstruktion, aus einem studentischen Seminar heraus und wurde von Studierenden unter fachlicher Begleitung und Anleitung, beginnend mit der Holzbeschaffung im Forst, dem Holztrocknen und Sägen der Stämme, abgebunden und montiert. Das DELTAForum ergänzt das Reallabor als zentraler kommunikativer Ort der Energieakademie im Forschungsprojekt DELTA.

Was haben Sie für die Zukunft geplant?

Wir sind von vielen Wissenschaftler:innen angesprochen worden, weil diese realisiert haben, dass wir von der baulichen und betrieblichen Seite durchaus ihre Forschungsthemen unterstützen können. Von Land und Bund gefördert gibt es das Projekt EnEff Campus – energieeffizienter Campus, in dem wir – Verwaltung und Forschung – uns jetzt bereits in der dritten Phase mit der Energie der Zukunft anhand unseres eigenen Campus beschäftigen. Die in den 1990er-Jahren noch vorrangige Denkweise, dass Gebäude nur für sich betrachtet energieeffizient sein müssen, ist heute nicht mehr ausreichend. Im Kern des interdisziplinären Projektes steht daher die Sektorenkopplung, gemeint ist damit die Vernetzung von Wohn-, Verkehrs- und Industriesektor unter energetischen Aspekten und deren Wechselwirkungen.

Dadurch eröffnen sich vielfältige Fragen, zum Beispiel wie man die Abwärme aus industriellen Prozessen in ein Nahwärmenetz einspeisen könnte. Bei EnEff Campus befassen wir uns letztlich damit, wie wir den Außencampus „Lichtwiese“, der mit eigenem Kraftwerk, Mensa, Schwimmbad, Stadion, Laboren und Bürogebäuden wie eine Kleinstadt in einem Landschaftsgebiet liegt, vernetzter abbilden können. Wie können wir klimaneutrale Energie selbst erzeugen oder bereitstellen, speichern und verteilen? Wofür wird sie wann gebraucht/ verbraucht? Energie fällt ja nicht immer dann an, wenn sie gebraucht wird. Das daraus entstehende Delta, wie zum Beispiel bei der sogenannten Dunkelflaute bei der Photovoltaik, gibt es auch in Wärmenetzen. Genau an diesem Punkt setzt das Projekt an und sucht nach Lösungen. Generell sind wir in unseren Projekten breit aufgestellt. Aktuell planen wir etwa Fassadenbegrünungen an unseren beiden großen Parkhäusern, den Neubau großer PV-Anlagen und den Ausbau der Regenwassernutzung in den einzelnen Quartieren. Parallel entwickeln wir außerdem Teilprojekte im „Grünen Campus“. So können wir den Wandel im Kleinen für alle gestalten.

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↑ Grünanlagen als Teil des nachhaltigen Wasserbewirtschaftungssystems am Campus Lichtwiese.
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↓ Durch intelligente Systemvernetzung soll der Campus Lichtwiese energieeffizient weiterentwickelt werden.

Impressum

Vertretungsberechtigter Vorstand

Olaf Schönberger

Projektleitung

Jonas Höhn

Nina Pfuderer

Redaktionelle Mitarbeit

Jana Beck

Christian Schuldt

Autor:innen/Interviewpartner:innen

Dr. Stefan Carsten

Dipl.-Ing. Edgar Dingeldein

Emma Gisinger

Dimitri Hegemann

Matthias Heskamp

Jonas Höhn

Matthias Horx

Oona Horx Strathern

Anja Kirig

Franz Kühmayer

Anna-Lena Moeckl

Corinna Mühlhausen

Julia Paaß

Nina Pfuderer

Prof. Dr. André Reichel

Insa Schrader

Nicole Srock.Stanley

Julius Streifeneder

Lektorat

Marika Mochi

Gestaltung

Aoki & Matsumoto

Druck

FINIDR, s.r.o

Lípová

Herausgeber The Future:Project AG Gartenstraße 47 60596 Frankfurt www.thefutureproject.de

Mit freundlicher Unterstützung des gemeinnützigen Förderkreis ATA e.V.

1965 737 01 Český Těšín ISBN: 978-3-910992-12-2 © 2024 The Future:Project thefutureproject.de
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