MEISTGELESENES MAGAZIN DER SCHWEIZ
#12/1 | DEZ 20/JAN 21 | FR. 4.50
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SPORT IN ZEITEN DER PANDEMIE Bundesrätin Viola Amherd wagt einen Ausblick auf die Saison
FANGEN SIE STERNE EIN Wie eindrückliche Sternenbilder gelingen
So wird der
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INHALT
Winterspass abseits der Pisten
14
Das ändert sich im neuen Jahr auf der Strasse
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Stadtauto: der Toyota Yaris Hybrid
36 EDITORIAL
MEISTGELESENES MAGAZIN DER SCHWEIZ
Dossier Ständig wechselnde Vorschriften stellen vieles auf den Kopf
11 Saison mit Fragezeichen
as Ende der Covid-19-Krise ist trotz erfreulicher Nachrichten aus der Forschung leider noch nicht absehbar. Für viele Branchen wie etwa den Tourismus, die Eventveranstalter oder die Gastronomie sind die Einschränkungen existenzbedrohend. Viele Gewissheiten wurden in diesem Jahr bereits über den Haufen geworfen. Kann die für die Skiorte so wichtige Wintersaison überhaupt stattfinden? Wir hoffen sehr und präsentieren Ihnen im Dossier Hintergründe und Tipps zum kommenden Winter.
16 «Schwierige Prognosen»
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Wie die Skigebiete mit der Corona-Krise umgehen Sportministerin Viola Amherd zu einem etwas anderen Winter
18 Immer alles für den Gast Reportage über den grossen Einsatz eines Berghüttenteams
28 Das elektrisierte Dorf Renaults ungewöhnlicher Versuch im französischen Appy
31 Nez Rouge fährt nicht Die Corona-Pandemie führt zu Veränderungen
32 Schnelle Alpenquerung Sechs Autoverladdienste stehen in der Schweiz zur Verfügung
22 Er macht Pisten sicher Unterwegs mit dem Sicherheitschef von Engelberg-Titlis
Die zum Teil unabsehbaren Covid-19-Vorschriften, die sich bisweilen im Wochentakt ändern, wirken sich auch auf die Medien aus. Wir bitten deshalb um Nachsicht, wenn nicht alle Repor tagen und Fotos dem neuesten Stand der Schutzbestimmungen entsprechen – die Produktionszeit des Touring-Magazins erstreckt sich über mehrere Wochen. Wir geben alles, um so aktuell wie möglich zu sein. Felix Maurhofer Chefredaktor
Mobilität
Mit Maske auf dem Skilift
11 COVER CREDITS: Model: Dominique Voramwald trägt einen Halsschlauch mit integrierter Maske Maske: Jarmila Kovacovsky Foto: Emanuel Freudiger
Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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Tipps für Romantiker
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INHALT
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Skandinavische Nordlichtmagie
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So hilft der TCS auch bei Pannen zu Hause
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Meine Club-Vorteile 62 Mit TCS Reisen nach Hamburg 64 Rabatt auf Skipass + Ausrüstung 65 Günstiger in die Skischule 82 3 Leserspiele mit tollen Preisen
Technik 36 Hybrides Stadtauto Mehr Stadtauto denn je: der Toyota Yaris im TCS-Test
43 Stylisher Crossover Mazda setzt beim MX-30 voll auf den Komfort
51 Überzeugender Kraxler So fährt sich das E-Mountainbike Diamondblaze CXF°07
Club
Rubriken
68 Im Gespräch TCS-Generaldirektor Jürg Wittwer über das Corona-Jahr
70 Elektroautos aufladen Mit TCS eCharge ganz einfach die nächste Ladestation finden
74 ETI-Reiseschutz Die rasche Rückführung eines kranken Seglers in die Schweiz
35 50 77 77 79 80
Gesundheit Der TCS-Experte CO2-Vorgaben für Lieferwagen Forum Impressum Tourolino Unterwegs mit …
Freizeit 53 Auf der Nordlichtroute Schöne Reise mit dem Bus von Tromsø nach Rovaniemi
56 Allein mit Kassiopeia Ein Sternenfotografiekurs nachts auf dem Bettmerhorn
60 Hotels mit Sternenblick Vier Häuser mit einer Aussicht, fast so gut wie im Planetarium
Mitglieder sagen Danke
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Touring Nr. 2
Im nächsten «Touring»: alles zum grossen TCS-Jubiläum, ein E-Bike für Menschen mit eingeschränkter Mobilität und wie Sie gedanklich in die Ferne schweifen können Erscheinungsdatum: 21.1.2021
Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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TCS DE
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Einfache Ferienplanung mit den neuen Kalendern des TCS
Alle Schulferien und Feiertage auf einen Blick Der TCS stellt auf seiner Website eine Übersicht zur Verfügung, mit der sich die Ferien aller Kantone direkt vergleichen lassen.
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er erste Januar ist in der ganzen Schweiz ein gesetzlicher Feiertag. Der zweite Januar hingegen, der Berchtoldstag, gilt nur in 13 Kantonen als Feiertag, im Aargau, in Freiburg und Glarus sogar lediglich in bestimmten Gebieten. Die Tage unterscheiden sich von Kanton zu Kanton, und manchmal gar von einer Gemeinde zur anderen. Gleiches gilt für die Schulferien: Während beispielsweise die Schüler aus dem Kanton Schaffhausen vom 30. Januar bis 14. Februar ihre Winterferien geniessen, beginnen die Ferien im Tessin erst am 13. Februar und dauern nur eine Woche.
In Trauer verabschiedet sich der TCS von einem langjährigen Weggefährten. Der Tessiner Franco Felder, von 1987 bis 1996 Zentralpräsident des TCS und zuvor Präsident der Sektion Tessin, ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Der TCS spricht der Familie sein herzliches Beileid aus und gedenkt einem beliebten Präsidenten und geschätzten Menschen.
Franco Felder (1929–2020) präsidierte den TCS zehn Jahre lang
Übersicht im föderalistischen Feriendschungel
TCS unterstützt EDAApp mit Reiseinfos
Mit den zwei neuen Kalendern «Schweiz: Schulferien 2021» und «Schweiz: Feiertage 2021» bringt der TCS nun Ordnung in den föderalistischen Feriendschungel. Verständlich strukturiert und farblich gekennzeichnet, ermöglichen sie, mit nur einem Blick sämtliche Schulferientage sowie alle gesetzlichen Feiertage für jeden Kanton zu sehen und die Daten direkt miteinander zu vergleichen. Diese Übersichten sind ein kostenloser Service für die Allgemeinheit und stehen auf der TCS-Website zur Verfügung.
Travel Admin, die Reise-Applikation des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), greift neu auch auf die Reiseinformationen des TCS zurück. Dank der Partnerschaft mit dem TCS kann das EDA Schweizerinnen und Schweizer im Ausland nun noch umfassender informieren. Infos und Download: traveladmin.ch
Jetzt herunterladen unter tcs.ch/kalender
NEUE REGELN UND TIPPS FOTOS TI-PRESS/SAMUEL GOLAY, F1ONLINE, ZVG
Ehemaliger TCSPräsident verstorben
Autobahn-Knigge Per 1. Januar 2021 werden in der Schweiz neue Verkehrsregeln eingeführt – auch für die Autobahn. Aufgrund dieser Neuerungen hat das Astra entschieden, den bestehenden Autobahn-Knigge zu aktualisieren. Die hilfreiche Broschüre ist ab sofort bei allen TCSSektionen sowie auf der TCS-Website erhältlich.
Travel Admin Laufend aktualisierte Reisehinweise des EDA und des TCS
TCS RÄUMT MIT VORURTEILEN AUF
«Der TCS ist doch nur eine Pannenhilfe.» Der TCS ist auch bei Unwetter und ÖV-Ausfall an Ihrer Seite.
Hier geht’s zum aktualisierten Autobahn-Knigge: tcs.ch/autobahn
Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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Kein passendes Duo Schneeketten auf Sommerreifen montiert, beeinträchtigen das Fahrverhalten. Das zeigt ein Vergleichstest des TCS deutlich. Viele Autofahrer, die in eher flachen schneefreien Gebieten leben, verzichten auf die Montage von Winterreifen. Doch was, wenn die Strassen doch mal weiss bedeckt sind – sind dann Schneeketten auf Sommerreifen sinnvoll? Der TCS ist dieser Frage nachgegangen und testete zwei Autos mit Frontantrieb und Ketten auf schneebedeckter Piste: eines mit sehr guten Winterreifen und das andere mit Sommerreifen und Schneeketten. In beiden Fällen war das Urteil klar: Beim Bremsen von 50 auf 0 km/h brauchte das Auto mit Winterreifen 24 Meter bis zum Stillstand, das Auto mit Sommerreifen und Schneeketten 34 Meter. Ein ähnlich ungünstiges Resultat wurde beim Start erzielt, wo das Auto mit Winterreifen in kürzerer Zeit 50 km/h erreichte. In weiteren Tests hat sich ergeben, dass ein Auto mit Sommerreifen und Schneeketten auf der Antriebs-
achse ein sehr instabiles Fahrverhalten aufweist. Insbesondere bei Kurvenfahrten gerät das Fahrzeug mit Frontantrieb aufgrund einer unzureichenden Seitenführung der Hinterachse ins Schleudern. Bei einem plötzlichen Ausweichmanöver ist bei Heckantrieb und Schneeketten auf der Hinterachse die Lenkbarkeit durch den fehlenden Grip an der Vorderachse beeinträchtigt. Die Empfehlungen des TCS: ▪ Montieren Sie Schneeketten nur auf
Winterreifen. ▪ Sofern nicht anders angegeben, mon-
tieren Sie die Ketten an den Antriebsrädern (vorne beim Frontantrieb, hinten beim Heckantrieb). ▪ Ein echter Winterreifen hat ein Schneeflockensymbol auf der Flanke. ▪ Die Systeme ABS und ESP ersetzen keine Winterreifen.
tcs.ch/ videoportal
Problematisch Schneeketten auf Sommerreifen
Alles andere als eine Luftnummer
8 touring | Dez 2020 / Jan 2021
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Millionen Franken Sachschaden entstehen in der Schweiz jedes Jahr durch Wildunfälle. Bei den Zusammenstössen werden Tausende von Tieren getötet. Laut Versicherungsstatistiken besteht ein erhöhtes Risiko für derartige Unfälle in den Kantonen Jura, Graubünden und Freiburg. Häufig passieren Kollisionen im Morgenund Abendverkehr und auf Waldabschnitten.
DAS BILD
Wärmendes Kleid Die Tage werden kälter, aber auf der Avenue de la Harpe in Lausanne wird der Winter definitiv bunt. Die Vereinigung «Tricot Graffiti de la Harpe» wollte die Strasse mit Stricken und Häkeln verschönern. Und so wurden etwa 200 Kilogramm Wolle von rund 60 Teilnehmern verarbeitet, um Velos, Pfosten und Bäume zu dekorieren. Diese etwas andere Ausstellung kann noch bis im April bestaunt werden.
Video zum Test
Während Fluggesellschaften bedingt durch die Corona-Krise im Moment mehr oder weniger am Boden sind, setzen dennoch viele ihre Hoffnungen in den Luftverkehr, aber in einen der anderen Art. Laut einer Roland-Berger-Studie sollen mit «Urban Air Mobility» – also der Ausweitung städtischer Transportsysteme in den Flugraum – in etwa drei Jahrzehnten rund 90 Milliarden US-Dollar jährlich verdient werden. «Wir schätzen, dass im Jahr 2050 bis zu 160 000 kom-
DIE ZAHL
merzielle Drohnen in der Luft sind», wird Manfred Hader, Senior Partner bei Roland Berger, zitiert. Derzeit arbeiten rund 110 Städte und Regionen weltweit an Voraussetzungen, damit etwa Flugtaxis bald Realität werden. Im ersten Halbjahr 2020 wurden trotz Pandemie 907 Millionen US-Dollar in die noch junge Branche investiert. Das entspricht den Studienautoren zufolge einer Verzwanzigfachung im Vergleich zu 2016, wo erst 40 Millionen in diesen Markt flossen.
DAS WORT
Zastrugi (auch Sastrugi) entstehen, wenn der Wind den Schnee von der windzugewandten Seite (Luv) einer Erhebung zur windabgewandten Seite (Lee) transportiert. Man erkennt sie am Zackenmuster – ähnlich wie ein sich brechender Wellenkamm einer grossen, surfbaren Welle auf Hawaii. Diese Zacken sind gegen den Wind gerichtet.
FOTOS KEYSTONE, DIE POST, ZVG
NEWS
Socken statt Ketten
Weltrekord für E-Töff
Ab dem 1. Dezember 2020 sind sogenannte Autosocks in der Schweiz offiziell als Alternative zu Schneeketten zugelassen. Es handelt sich dabei um Reifenbezüge aus Textilfasern, die sehr einfach zu montieren sind. Gilt ab Dezember ein Schneekettenobligatorium, können Autofahrer die leichten Socken statt der Metallketten nutzen.
Die Voxan Wattmann ist das schnellste Elektromotorrad der Welt. Im französischen Châteauroux wurde während eines fliegenden Starts die Geschwindigkeit über eine Meile gemessen: 408 km/h bedeuten den Weltrekord für ein Motorrad mit Elektromotor. Der Rekord für «gewöhnliche» Töffs liegt bei 606 km/h.
Rekordjahr für Töffs 27 978 Zulassungen von Januar bis Oktober – 2020 kauften die Schweizer Töffs wie nie zuvor und brachen damit den Rekord von 2015.
Lieferboom
Trend zu Robotern
Auch stark durchs Coronavirus bedingt brummen der hiesige Versandhandel und die Logistikbranche nur so. Von Januar bis September 2020 erlangte der Onlinehandel im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum ein Plus von 32,9 Prozent. Mit 67,4 und 55,7 Prozent waren die Zuwächse bei Sportgeräten und Lebensmitteln am grössten. Der Boom erklärt die vielen Lieferwagen überall.
2019 stiegen die Verkaufszahlen bei Servicerobotern weltweit um 32 Prozent auf 11,2 Milliarden US-Dollar, so die Angaben der International Federation of Robotics. Mit einer Zunahme um 110 Prozent wuchs das Segment der Logistikroboter am stärksten. Verkäufe bei Haushaltsrobotern nahmen um 34 Prozent zu und bei Medizinrobotern, die in der Chirurgie eingesetzt werden, um 28 Prozent.
Rückwärtsfahrt Der Schweizer Automarkt hat im Oktober erneut eine Rückwärtsfahrt unternommen. 20 975 Immatrikulationen bedeuten ein Minus von 19,6 Prozent oder 5128 Neuwagen zum Vorjahresmonat. Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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DOSSIER
Der Mund-NasenSchutz ist jetzt auch auf Sesselliften obligatorisch
Ein Winter in Zeiten der Pandemie Für die Skigebiete wird diese Saison ungewöhnlich und mit vielen Unsicherheiten behaftet sein. Beispielsweise könnte die Schweizer Regierung den Betrieb der Liftanlagen jederzeit stoppen. Ein Bericht über die Stimmungslage vor Ort.
LEANDRE DUGGAN
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TEXT ALINE BEAUD
er Aufruf erfolgte im Oktober über die Kampagne «Die Schweiz fährt Ski!»: Die Ski saison wird trotz der Pandemie wie geplant beginnen, erklärten die Seilbahnen Schweiz in Zusammenarbeit mit Swiss Snowsports, der Fluggesell schaft Swiss sowie mehr als 50 Schwei zer Seilbahnunternehmen und Winter sportorten. Eine hoffnungsfrohe Botschaft, die Anfang Oktober auf ein positives Echo stiess, bis zwei Wochen später die Zahl der CoronavirusFälle in die Höhe schnellte. «Alle wollen in den Schnee», erklärt Berno Stoffel, Direktor von Seilbahnen Schweiz (SBS), Ende Oktober. «Doch die Situation hat sich geändert, und nun gilt es, alles daran zu setzen, um die Saison sicher zustellen.» Zu diesem Zweck hat SBS ein strenges Schutzkonzept erstellt, das sogar vom Bundesamt für Gesundheit abgesegnet wurde. Berno Stoffel sagt, dass er mit seinem Massnahmenpaket für die Skigebiete weiter gehe als der Bundesrat: «Das Tragen von Maske oder
Halsschlauch mit integriertem Filter ist auf allen Anlagen obligatorisch, sei es auf Sesselliften, Förderbändern oder in der Warteschlange.» Zudem tauscht sich SBS regelmässig mit Skigebieten über Probleme und Erfahrungen aus, denn die meisten Ferienorte stehen nach einer durchzogenen Sommersaison vor einem ungewöhnlichen Winter.
Gäste aus dem ganzen Land Der Sommer 2020 brachte vor allem Ferienorten Vorteile, die eher auf Gäste aus dem Inland setzen, während die auf internationale Kundschaft ausgerichte ten Gebiete den Umsatz dahinschmelzen sahen. Ende September verzeichnete die Branche einen Besucherrückgang von 18 Prozent gegenüber dem Sommer 2019. «In der Zentralschweiz und im Berner Oberland kam es aufgrund des Ausbleibens der ausländischen Gäste einen Schock (–50%)», sagt Berno Stof fel. Im Vergleich dazu konnte Arosa im Sommer ein beträchtliches Wachstum, ja sogar einen Rekord verbuchen.
Bei Glacier 3000 kam es von Juli bis Oktober zu einem Gästerückgang von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Gletscherskigebiet war seit Ende des Shutdowns im Juni täglich geöffnet. «Angesichts der Tatsache, dass rund 40 Prozent unserer Gäste international sind, waren wir positiv überrascht», sagt Bernhard Tschannen, Direktor von Glacier 3000. Er erlebte eine sehr interessante Sommersaison, mit Besu chern aus der ganzen Schweiz. Dank starker Schneefälle ist Skifahren auf dem Gletscher seit dem 28. September wieder möglich, obschon der Saison start eigentlich erst im November vorgesehen war. «Wir wollten mit der Öffnung der Pisten ein positives Zei chen setzen», sagt er. Neben der ständigen Maskenpflicht für Mitarbeiter und für Gäste an gekenn zeichneten Orten ist auf dem Gletscher die Beförderung mit der Seilbahn – auf freiwilliger Basis – auf 80 Personen beschränkt (zuvor 125 Personen). Die Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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Fenster bleiben während der sieben minütigen Fahrt offen. «Unsere Gäste sollen sich wohl und sicher fühlen. Da her senken wir auch die Preise nicht, um nicht mehr Menschen anzuziehen.» Eine Strategie, die auch SBS favorisiert.
Einheitlichkeit gewünscht Die gut akzeptierten Massnahmen konnten während des Sommers getestet werden, doch gewisse Punkte bleiben problematisch. Im Kanton Waadt er möglicht es die App SocialPass, sich bei der Ankunft und beim Verlassen von Restaurants (im Waadtland mind. bis zum 30.11. geschlossen) zu registrieren. «Da wir uns auf der Grenze der Kantone Bern, Waadt und Wallis befinden, ist die App nicht allen Gästen bekannt», erklärt Bernhard Tschannen, der sich ein schweizweit einheitliches System wünschen würde. Er hält es etwa für nötig, die Gäste in den Warteschlangen regelmässig an Massnahmen wie das Tragen einer Maske und das Distanz halten zu erinnern. «Die Skis führen bereits zu einem gewissen Abstand, aber das reicht nicht aus», fügt er an. Das Personalmanagement stellt eben falls eine Herausforderung auf dem Gletscher dar. Während einige franzö sische Arbeitnehmer Ende Oktober aus einer geplanten Quarantäne kamen, konnten sich andere direkt an die Arbeit machen, nachdem die Schweiz die Liste der Risikoländer aktualisiert hatte. Bei Fahrgemeinschaften müssen die Mitarbeiter eine Maske tragen und in den Pausen immer Distanz halten. «Wir müssen streng gegenüber uns sel ber bleiben», so Bernhard Tschannen.
Mehr Platz auf der Piste Auf die Frage, ob die fehlenden aus ländischen Gäste durch Schweizer Touristen kompensiert werden können, er widert Berno Stoffel, dass die Kund schaft der zehn grössten Wintersport orte zu 42 Prozent aus Ausländern bestehe. Ohne den asiatischen und amerikanischen Markt werde die Saison schwierig, und auch diesmal würden die Schweizer dies nicht aus gleichen. Hingegen würden kleine oder mittelgrosse Gebiete mit Tagestouris ten weniger betroffen sein. Und er muntert, dass die Ausflüge in den Schnee in dieser Saison angenehmer sein werden: «Ohne ausländische Gäste wird es in diesem Winter mehr Platz auf den Pisten geben.» • 12 touring | Dez 2020 / Jan 2021
Katastrophenszenario Was, wenn die Skigebiete in diesem Winter schliessen müssten? Je nach Entwicklung der Pandemie in der Schweiz ist es möglich, dass der Bun desrat die Skigebiete diesen Winter kom plett schliesst, was auch auf kantonaler Ebene möglich ist. Die Skigebiete müs sen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. «Ich glaube nicht, dass ein solches Szenario eintreten wird», sagt Berno Stoffel, Direktor bei Seilbahnen Schweiz. «Die Folgen für die Schweizer Touris musbranche wären beträchtlich. Bundes rat Alain Berset, den ich Mitte Oktober getroffen habe, ist sich dessen bewusst.»
Wintersaison entscheidend Der Winter ist für die Schweizer Seilbah nen wirtschaftlich entscheidend. Sie er wirtschaften in diesem Zeitraum rund 73 Prozent ihres Jahresumsatzes, einige sogar 90 Prozent. Glacier 3000 und Moléson bilden die Ausnahme: 54 bezie hungsweise 70 Prozent der Einnahmen werden im Sommer erzielt (Stand 2018). «Aber es hängt alles von Dauer und Zeitraum der Schliessung ab», sagt Véronique Kanel, Mediensprecherin bei Schweiz Tourismus. «Die Weihnachts ferien wie auch die Monate Februar und März (Schulferien) sind entscheidend für die Wintersaison.» Bereits im letzten März erlitt die Seilbahnbranche durch den vorzeitigen Abbruch einen Verlust von mehr als 300 Millionen Franken, ob wohl die Saison mit einer um zehn Pro zent über dem Fünfjahresdurchschnitt liegenden Besucherzahl (Ende Februar) gut angelaufen war. «Auch die Hotelle
rie verbuchte im Vergleich zu 2018/19 einen Rückgang der Übernachtungen um 23,9 Prozent», so Véronique Kanel. Laut Berno Stoffel blieben auf die Schliessung der Skigebiete unmittelbar auch die Urlauber aus, wodurch die Bergregionen von den Einnahmen durch den Tourismus abgeschnitten wurden. Für den Direktor von Seilbahnen Schweiz wäre ein Rückgang der Einnahmen um mehr als 30 Prozent für die meisten Ski gebiete sehr heikel und für einen Drittel bedrohlich. Dabei spiele deren Grösse eine geringe Rolle, hingegen aber der Zustand ihrer Bilanz. Unternehmen, die hoch verschuldet seien und viele Investi tionen getätigt hätten, würden auf dem heissen Stuhl sitzen. «Alles dreht sich um Liquidität», sagt Berno Stoffel. Im Früh jahr haben die Covid19Kredite sehr geholfen, aber diese werden nicht aus reichen, wenn die Branche durch die Schliessung während der Wintersaison zu Untätigkeit gezwungen würde. Dies hätte zwei Konsequenzen: «Es müsste Geld aufgetrieben werden, um kurzfris tig zu überleben, und die Investitionen müssten ganz gestoppt werden.» Doch die Erneuerung der Anlagen verzögerte sich bereits wegen der EuroKrise im Jahr 2015, und der Seilbahnsektor kam gerade erst wieder in Schwung.
Prognosen für die Saison «Unsere Prognosen bewegten sich schon unter dem Durchschnitt. Die Witterungs
DOSSIER
Die Bedeutung der Schweizer Seilbahnen
73 Prozent
Dies ist der Anteil des Umsatzes, der im Winter im Bereich des Personenverkehrs generiert wird.
Zwangspause Die Folgen eines Lockdowns in den Skigebieten wären gravierend
16 027 bedingungen und das Fehlen internationaler Reisegruppen spielen diesen Winter auch eine wichtige Rolle», erklärt Bernhard Tschannen, der mit einer Erholung in zwei bis drei Jahren rechnet, falls nicht vorher ein Impfstoff verfügbar ist. «Wir tun unser Bestes, um die Massnahmen einzuhalten und eine Schliessung zu vermeiden. In einem solchen Fall wäre es unerlässlich, die Kosten zu senken und neue Einnahmequellen für die Zeit nach Covid-19 zu finden», sagt der Direktor von Glacier 3000. Diese Diversifizierungsstrategie hat sich auf dem Moléson, wo mehr auf den Sommer gesetzt wird, ausgezahlt. «Weil unsere Kosten im Winter höher sind – Überholung von Pistenfahrzeugen, für die Saison nötiges Personal usw. –, wären wir sonst im Falle einer totalen Schliessung in Gefahr. Allerdings glaube ich nicht, dass die Einschränkungen den ganzen Winter dauern werden», sagt Antoine Micheloud, Direktor der Moléson-Bahnen.
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Verkaufte Abonnements Und was geschieht im Falle einer Schliessung mit den Abos? In der Mehrzahl der Skigebiete würde das Abo für die Tage der Schliessung im Zusammenhang mit dem Coronavirus anteilig zurückerstattet. «Diese Sicherheit ist ein wesentlicher Aspekt für die Kunden», sagt Véronique Kanel. Dennoch stellt Berno Stoffel bereits Ende Oktober einen Rückgang der Saisonaboverkäufe um 20 bis 25 Prozent fest. •
So viele Personen sind in der Schweizer Seilbahnbranche beschäftigt.
2459
Diese Zahl an Bergbahnen waren Ende 2018 mit eidgenössischer oder kantona ler Bewilligung in der Schweiz in Betrieb.
1,39 Milliarden
Topprodukt dieses Winters Der Halsschlauch mit integrierter Maske wird diesen Winter auf und neben der Piste sicher häufig zu sehen sein. Das Walliser Unternehmen «hä?» verkauft laborgeprüfte Produkte, die den Empfehlungen der «Swiss National Covid-19 Science Task Force» entsprechen. Dieses trendige und waschbare Accessoire verbindet Zweckmässigkeit mit Komfort und Stil. Ausserdem kann es auch im ÖV und überall dort, wo ein Mund-Nasen-Schutz vorgeschrieben ist, getragen werden. Bleibt nur die Frage, wie sich dieser Halsschlauch mit Coronavirus-Schutz von einem anderen unterscheiden lässt. Verschiedene Modelle, 39.90 Fr., ha-wear.com
So hoch war der Umsatz der Branche im Winter 2017/18 und Sommer 2018: 728 Millionen Franken wurden im Win ter, 269 Millionen Franken im Sommer, 268 Millionen Franken durch das Res taurant und Hotelgeschäft und 127 Mil lionen Franken durch andere Produkte erwirtschaftet.
250 000 Franken
So viel kostet der Betrieb eines grossen Skigebiets pro Tag (mehr als 25 Millio nen Fr. Umsatz). In einem mittelgrossen Skigebiet (zwischen 5 und 25 Millionen Fr. Umsatz) belaufen sich diese Kosten auf 66 600 Franken pro Tag. Zum Ver gleich: Der Zoo Zürich hat tägliche Be triebskosten von 76 000 Franken.
1 von 4 Personen
In Berggebieten arbeitet jede vierte Person direkt oder indirekt für den Tou rismus. Quelle: Seilbahnen Schweiz, 2019
Die Recherchen für diesen Artikel wurden Ende Oktober und Anfang November 2020 durch geführt. Angesichts der raschen Entwicklung des aktuellen Geschehens ist es möglich, dass einige Informationen durch das Inkrafttreten neuer Vorschriften nicht mehr aktuell sind.
Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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Spuren abseits der Piste Skitouren sind während der letzten Jahre in Mode gekommen. Der Trend wird sich im kommenden Winter verstärken. Wer sich abseits der gesicherten Pisten bewegt, sollte sich ausbilden lassen, um die alpinen Gefahren richtig einschätzen zu können. REPORTAGE FELIX MAURHOFER
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ine Skitourengruppe zieht an diesem kalten Wintermorgen ihre Aufstiegsspur hinauf in Richtung Meniggrat. Eine kurze Tour im Berner Oberländer Diemtigtal, die sich für Einsteiger eignet und sehr beliebt ist. Deshalb erstaunt nicht, dass auf dem Parkplatz am Meniggrund einige Bergsteiger die Felle auf ihre Skis aufziehen. Dutzende werden an diesem Tag ihrem Beispiel folgen. Der frisch gefallene Neuschnee und das prächtige Wetter locken viele hinaus. Es ist ein Aufunvergessliches Erlebnis, eine Auf stiegsspur in den Tiefschnee zu ziehen, mit eigener Muskelkraft den Gipfel zu besteigen und dann über unberührte Pulverschneehänge abzufahren. Das Diemtigtal ist wegen seiner Vielfalt an
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Gipfeln in den letzten Jahren zum Skitourenmekka geworden. Der Andrang ist besonders an Wochenenden so gross, dass kaum mehr Parkplätze zu finden sind.
Nichts für Unerfahrene Doch harmlos ist Skitourengehen wegen der Lawinengefahr nicht. Wer solche Touren unternehmen will, benötigt Wissen und Erfahrung vom Bedienen der Sicherheitsausrüstung über die Planung bis zur Einschätzung der Lawisinensituation, des Wetters und der si cheren Routenwahl. Deshalb sollten Anfänger die ersten Routen mit erfahrenen Skitourengängern oder einem Bergführer unternehmen. Zudem bieten die Bergsteigerschulen und der
DOSSIER Schweizer Alpen-Club (SAC) entsprechende Kurse an. Zu empfehlen sind Einsteigerkurse inklusive Skitourenausrüstung. Dabei kann alles getestet werden, und man muss noch kein Geld in die teure Ausrüstung investieren.
Steigende Nachfrage Bergführer und Bergsteigerschulen gehen davon aus, dass kommenden Winter die Nachfrage nach Skitourenkursen ansteigen wird. Das auch, weil noch nicht klar ist, ob die Wintersportgebiete öffnen können. Michael Wicki von Bergpunkt rechnet mit einer grossen Nachfrage, sofern Skitouren trotz Covid-19 möglich seien. So hat Bergpunkt das Kursangebot für Einsteiger um zehn Prozent erhöht. Beim Schweizer Alpen-Club sind laut Mediensprecherin Fabienne Bögli die Schnupperkurse Skitouren praktisch ausgebucht. Der SAC rechnet in der Wintersaison mit mehr Outdooraktivitäten und habe Sensibilisiedeshalb den Fokus auf die Sensibilisie rung für alpine Gefahren verstärkt. Der beAlpen-Cub, welcher 153 Hütten be treibt, sei bereits daran, im Hinblick auf die kommende Tourensaison das Schutzkonzept zu überarbeiten. •
An Lawinenkursen lernen Anfänger auch den Umgang mit der Sicherheitsausrüstung
Skitouren sind beliebt und sollten wegen der alpinen Gefahren nur mit Erfahrung gemacht werden
TIPPS SKITOUREN Ausrüstung Tourenski K2 Wayback 96 (645 Fr.); Tourenbindung Fritschi Xenic (329 Fr.); Skitourenschuh Scott Cosmos III (569 Fr.); Felle Colltex Clariden (215 Fr.); Tourenstöcke Black Diamond Expe dition 3 (109 Fr.); Skitourenrucksack Ortovox Ascent 32 (179 Fr.) Lawinenausrüstung BächliSafetySet mit LVS, Schaufel und Sonde (445 Fr.); Apotheke «Care Plus First Aid Kit Basic» (25 Fr.) Skitourenausbildung Bergsteigerschulen: bergundtal.ch, mammutalpineschool.com, bergpunkt.ch Schweizer AlpenClub: saccas.ch Lawinenbulletin: slf.ch Literatur: Bergsport Winter, SAC Verlag (44 Fr.) Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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«Die Winterferien noch nie im Ausland verbracht» Sport- und Verteidigungsministerin Viola Amherd (CVP) ist in der Corona-Pandemie stark gefordert. Anlässe im Breitenund Spitzensport stehen auf der Kippe, und die Armee ist wieder im Einsatz. Im Interview blickt sie auf einen etwas anderen Winter in der Schweiz.
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TEXT DINO NODARI
n den Bergen liegt der erste Schnee. Waren Sie in diesem Jahr schon auf den Skis?
Viola Amherd: Nein, ich gehe meistens nicht vor Weihnachten auf die Piste. Aber später in der Saison werde ich das sicher tun.
Werden wir in diesem Winter ausschliesslich Ferien in der Schweiz machen?
Verlässliche Prognosen sind bei dieser Pandemie schwierig. Man muss die Entwicklung genau verfolgen. Wir leben zum Glück in einem Land mit vielfältigen Freizeit- und Sportmöglichkeiten. Ich persönlich habe die Winter Winterferien noch nie im Ausland verbracht.
Der Wintersport dürfte in diesem Jahr etwas anders aussehen. Können wir überhaupt auf den Pisten Ski fahren?
Woran denken Sie da?
Die Wintersportdestinationen erarbeiten Konzepte, damit die Infrastrukturen auch mit den Abstands- und Hygieneregeln genutzt werden können. Da wurde schon viel Vorarbeit geleistet, und ich hoffe, dass in diesem Rahmen auch Wintersport betrieben werden kann. Und neben Skifahren gibt es ja auch andere Möglichkeiten, sich an der frischen Luft zu bewegen und sich sportlich zu betätigen und dabei die Abstandsregeln einzuhalten.
Etwa ans Langlaufen, Wandern oder Schneeschuhlaufen. Und vielleicht ist auch eine Schneeballschlacht wieder mal eine ganz lustige Idee (lacht). Wie sieht es beim Profisport aus?
Der Profisport ist von der Pandemie stark betroffen. Wir haben deshalb auch ein Hilfspaket von insgesamt 550 Millionen Franken für den gesamten Sport beschlossen. Damit tragen wir auch dem Umstand Rechnung, dass im Profibereich zahlreiche Wettkämpfe ohne Publikum stattfinden müssen und die Ticketeinnahmen wegfallen. Wenn sich die Situation nicht bessert, wird das leider noch eine Zeit lang so bleiben.
«Après-Ski ist in diesem Winter sicher nicht zu empfehlen.» Bundesrätin Viola Amherd, Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungs Bevölkerungsschutz und Sport
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DOSSIER
Es werden in Zukunft also keine «Jugend und Sport»-Leiter fehlen?
Obschon eigentlich noch erlaubt, wurden schon viele Skilager abgesagt. Sind diese bei Kindern beliebten Lager in diesem Winter möglich?
Wenn die Schutzmassnahmen eingehalten werden können, sind Lager möglich. Aber auch da muss man die Situation genau verfolgen. Wenn viele Kinder in einem Lager sind, dürfte es schwierig sein, die Hygiene- und Abstandsregeln durchzusetzen. Wenn ich mich an die Lager während meiner Schulzeit erinnere, gab es da nicht nur Schneeballschlachten, sondern auch Kissenschlachten. Und so können die Distanzregeln natürlich nicht eingehalten werden. Es braucht im Moment einfach ein sehr hohes Mass an Flexibilität, und man muss immer schauen, was möglich ist und was nicht.
KEYSTONE / GAETAN BALLY
Durchgeführt werden diese Lager oft von «Jugend und Sport»-Leitern. Findet in diesem Bereich überhaupt eine Ausbildung statt in diesem Jahr?
Unser Ziel ist, dass der Sportunterricht für Kinder und Jugendliche weiterhin stattfinden kann und sich weiterentwickelt. Die Leiterausbildung darf nicht einfach Pause machen. Deshalb haben wir verschiedene Massnahmen getroffen. Wenn zum Beispiel ein Wiederholungskurs für die Berechtigung als Leiter aufgrund Covid-19 ausfällt, wird die Berechtigungsdauer automatisch verlängert. Es gibt jedoch Kurse, die virtuell stattfinden, und auch praktische Ausbildungen können zum Teil durchgeführt werden. Und übrigens werden Vereine und Organisationen, die in diesem Jahr Kurse hätten durchführen wollen, ihr Geld dennoch bekommen. Sonst würden sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Das müssen wir unbedingt verhindern, wenn wir die Jugendförderung nicht schwächen wollen. Denn gerade für Vereine sind solche Kurse eine der wichtigsten Einnahmequellen.
Bei den bestehenden Leitern, die Wiederholungskurse machen müssen, sehe ich keine Probleme. Aber bei denjenigen, die dieses Jahr eine Ausbildung in Angriff nehmen wollten, wird es wohl schon einen leichten Rückgang geben. Diesen versuchen wir jedoch, soweit wie möglich, mit Onlinekursen abzudecken. Meine Hoffnung ist, dass dies keinen Einfluss auf die Kurse für Kinder und Jugendliche haben wird. Denn die J+S-Kurse sind für die jungen Menschen und auch für den Breitensport sehr wichtig. Mit welchen wirtschaftlichen Auswirkungen rechnen Sie für die Wintersportbranche?
Das lässt sich im Moment nicht beziffern, weil es sehr stark von den Entwicklungen der Pandemie in den nächsten Wochen abhängt. Sind die von Bund und Kantonen getroffenen Massnahmen erfolgreich und kommt es zu einer Trendwende, etwa bei den Hospitalisierungen, dann ist es sicher einfacher, die Sportinfrastrukturen nutzen zu können. Après-Ski ist in diesem Winter aber sicher nicht zu empfehlen. Auch das trifft eine Branche sehr stark. Die Armee ist nach dem Frühling wieder im Covid-19-Einsatz. Was muss bei der zweiten Welle besser werden?
Die Armee hat bei der ersten Welle gute und geschätzte Arbeit geleistet. Alle Anforderungen der Kantone konnten erfüllt werden, und wir mussten kein einziges Gesuch ablehnen. Das ist ein gutes Zeichen, und es zeigt, dass die Leute in der Armee gut ausgebildet sind. Auch die Mobilmachung – zum Teil via SMS – hat grossartig funktioniert. Das hat mich sehr gefreut. Zum Teil haben die Kantone allerdings Gesuche in einem Ausmass gestellt, in dem die Armeeangehörigen nicht immer ausgelastet waren. Das wollen wir nun verhindern, denn die Armeeangehörigen, die wir aufbieten, fehlen an ihren Arbeitsplätzen. Ich mache den Kantonen jedoch keinen Vorwurf. Die nie dagewesene Krisensituation und die Bilder aus Italien haben die Kantone dazu veranlasst, sicherheitshalber mehr Personen anzufordern, als dann tatsächlich gebraucht wurden.
Wer entscheidet, wo die Armee eingesetzt wird?
Das ist der Bundesstab für Bevölkerungsschutz, den die Direktorin des Bundesamtes für Gesundheit leitet. Die Armee bewilligt sich keine Aufträge selbst. Wir liefern, was es braucht und wofür wir einen Auftrag bekommen. Die Gesuche der Kantone werden in der zweiten Welle strenger beurteilt. Die Kantone müssen nachweisen, dass es keine andere Möglichkeit gibt als die Armee. Wir wollen der Wirtschaft nicht auf Vorrat Arbeitskräfte entziehen. Heute unterstützt die Armee vorwiegend die vorhandenen Infrastrukturen. Sind auch Militärspitäler ein Thema?
Das ist zurzeit nicht vorgesehen. Um ein Militärspital zu betreiben, müssten wir Personen aufbieten, die bereits in Spitälern arbeiten. Das macht keinen Sinn. Die Armee soll vor Ort in den Spitälern das medizinische Personal unterstützen und so mithelfen, dass die Patienten gut betreut werden können. Nebst Covid-19 sind auch die CO2-Emissionen ein grosses Thema. Setzt nun auch die Armee auf E-Mobilität?
Ja, immer mehr. Wir sind daran, ein Umweltkonzept zu erarbeiten, weil wir auch in der Armee weniger CO2 ausstossen wollen. Kürzlich habe ich zudem eine Weisung erlassen, damit in Zukunft im Grundsatz nur noch Elektrofahrzeuge beschafft werden. Das gilt aber natürlich nicht für Panzer und andere Fahrzeuge, die im Gelände arbeiten müssen. Sie kommen selbst aus einem Bergkanton. Ist die Elektromobilität auch da eine Möglichkeit?
Ja sicher, unbedingt. Wir alle sind gefordert, um die Schadstoffemissionen einzuschränken. Die Anforderungen an die Leistung der Fahrzeuge sind in den Bergregionen zwar sicher höher als in einer Stadt. Aber es gibt immer mehr Elektrofahrzeuge, die auch über Vierradantrieb verfügen. Da die Vielfalt der Modelle zunimmt und diese auch günstiger werden, gehe ich davon aus, dass auf Bergstrassen bald mehr EAutos zu sehen sind. • Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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Knochenjob Hüttenzauber Zu einem Skitag gehört auch die Einkehr in der Hütte. Feines Essen, flinker Service, gute Stimmung – all das erwarten die Gäste ganz selbstverständlich, doch wahrgenommen werden die Mitarbeiter, die den Hüttenzauber oft auf engstem Raum ermöglichen, meist nicht. TEXT JULIANE LUTZ | FOTOS RAPHAEL HÜHNERFAUTH
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irt Kari füttert vor der Glet schergrotte Eichhörnchen. Vor neun Uhr herrscht noch Ruhe, bevor der nächste Besucheransturm über das Berg restaurant hereinbricht. Die oberhalb von SaasFee gelegene Hütte mit grosser Terrasse und Blick auf den Feegletscher ist beliebt: Das Essen ist gut, die Aus sicht schön und die Atmosphäre freund lich. Das Wirtepaar Kari Kempf und Nicole Bovey ist entspannt, und ent sprechend gut drauf sind ihre Mitarbei tenden. So wie sie bemühen sich täglich unzählige Gastronomen, Köche und Servicekräfte im Wintersportland Schweiz um ihre Gäste, denn was wäre ein Skitag ohne Einkehr. Ich wollte se hen, welche Anstrengung hinter diesem Hüttenzauber steckt und beschloss, ein paar Stunden mitzuarbeiten. 18 touring | Dez 2020 / Jan 2021
Während ich auf der Terrasse helfe, Decken und Speisekarten zu verteilen, arbeitet drinnen die Küchencrew schon unter Hochdruck. Flinke Finger schneiden Kartoffeln für die Rösti, in den Töpfen zischt und kocht es. Eine Serviertochter bereitet Apéroplättli vor. Weitere Bedienungen trudeln ein und um 9.40 Uhr auch die ersten Gäste. In der Küche werden die Spaghetti fürs Mitarbeiteressen vorbereitet, das ab 10.15 Uhr serviert wird. Viertel vor elf Uhr sind draussen nur ein paar Tische besetzt. Doch eine halbe Stunde später sieht es anders aus: Eine Schlange hungriger Wintersportler wartet vor einer kleinen Schranke, die Kari er richtet hat. Er nimmt die Leute in Emp fang und führt sie an die Tische. «Die Schranke ist nötig, sonst würden sie die Terrasse stürmen», sagt er.
Leistungsfähig und nervenstark: das Team des Bergrestaurants
Jeder Griff sitzt Im Berggasthaus geht es nun zu wie in einem gut geölten Räderwerk. Sandra, eine gelernte Coiffeuse aus Freiburg, steht am Zapfhahn. Sie füllt ein Glas nach dem anderen mit Bier, Wasser oder Limo. Wein und Espresso fliessen in Strömen. Aus der Küche werden die Nummern der fertigen Gerichte geru fen, und die Bedienungen drängen sich gekonnt mit vollen Tabletts aneinander vorbei. Sie tragen Speisen um Speisen nach draussen – Hirschcarpaccio, Rösti, Salat oder Cholera aus Blätterteig. Die üppigen Cremeschnitten sind bald aus verkauft. Ich helfe beim Hinaustragen der Tabletts und bringe Getränke. Es ist nicht so einfach, sich den Tischplan zu merken. Wenn ich etwas verwechsle,
DOSSIER
Die Gletschergrotte oberhalb von Saas-Fee ist bei Wintersportlern ein begehrtes Ziel für die Einkehr
Auch gut drauf, wenn’s stressig ist: Kari Kempf und Nicole Bovey
hilft meist ein Lächeln. Ab und zu unterstütze ich Fabienne an der Spüle. Kaum steht benutztes Geschirr da, hat sie es schon weggeräumt. So schnell kann ich kaum schauen. Bianca, eine patente Österreicherin, die aus dem Pflegebereich kommt, kümmert sich allein um die Gaststube drinnen. Nichts entgeht ihr. Die Köche und die Küchenhilfen rotieren, aber die Laune ist gut. «Der Job ist intensiv, das gefällt mir. Ich könnte nicht den ganzen Tag im Büro sitzen», sagt der Tscheche Vit, während er am Herd werkelt.
Schlucken und weiter Das Personal in der Gletschergrotte ist jung. Alle arbeiten auf der Hütte, weil sie die Berge lieben, wie Fabienne die eigentlich Zeichnerin für Innenarchitek Innenarchitektur ist. Als sie einmal Ferien in Saas-Fee machte, beschloss sie, hier einen Job zu suchen. Aber für Gespräche ist kaum Zeit. Wirtin Nicole springt immer da ein, wo sie gerade gebraucht wird. Mit ihrer besonnenen Art ist sie für die Branche prädestiniert. Natürlich gebe es auch mal schwierige Gäste, aber dann müsse man halt schlucken und weitermachen, sagt sie. Draussen führt Kari weiterhin
Ein paar Stunden Hilfskraft: Redaktorin Juliane Lutz
Leute an frei gewordene Tische, verteilt Speisekarten, räumt ab und behält den Überblick. Auch er ist sich für nichts zu schade. Als einem Kind das Dessert auf den Boden fällt, putzt er es weg. Ich pendle zwischen Spüle, Gastraum und Terrasse, wo ich die Tische scanne, ob es etwas abzuräumen gibt, was ständig der Fall ist. Im Nu sind dreieinhalb Stunden vergangen. Allmählich wird es etwas ruhiger. Die Köche bereiten bereits Gratin und Pasta für den nächsten Tag vor. Kurz nach 15 Uhr hat Sandra etwa 40 Liter Bier gezapft und über 100 Kaf 100 Kaffees mit und ohne Schnaps zubereitet. Von Stress keine Spur. «Es ist immer etwas los. Das brauche ich», sagt die 29-Jährige. Morgen wird sie wieder als Kellnerin arbeiten. Kari und Nicole teilen die Angestellten jeden Tag neu ein: Mal arbeitet eine Serviertochter am Buf Buffet, mal spült sie, und dann bedient sie wieder. Auch in der Küche werden die Positionen gewechselt. Egal, was sie tun, ihre Kraftanstrengung ist enorm, um den Gästen eine gute Zeit zu bereiten.
Plan C Mein Besuch fand im Februar statt, als die Welt normal schien. Dann kam
das Coronavirus. «Wir mussten von einem Tag auf den anderen schliessen, hatten gerade noch Zeit zum Putzen», sagt Nicole Ende Oktober am Telefon. Alle 14 Angestellten gingen in Kurzarbeit. Dabei seien März und April starke Monate. So aber führte die wegen der Krise um fünf Wochen verkürzte Wintersaison 2019/2020 allein in der Berggastronomie des Wallis Schätzungen zufolge zu einem Umsatzverlust von 60 bis 70 Millionen Franken. Nicole sagt, dass ihre Sommersaison recht gut ausgefallen sei, da viele Schweizer die Ferien im Inland verbracht haben. Die genauen Zahlen sehe man erst beim Jahresabschluss. Öffnen soll die Gletschergrotte, wenn der Skibetrieb wieder beginnt und die Talabfahrt offen ist, also vermutlich Ende November. Was aber, wenn es in den Skigebieten einen Lockdown gibt? Könnten sie eine ausgefallene Saison verkraften? «Das wäre ein harter Schlag, aber irgendwie würden wir das schaffen», sagt Nicole. «Unser Ziel ist es, mit der Gletschergrotte weiter zu machen.» • Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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Après-Ski ist nur für den Moment auf Eis gelegt Geselliges Après-Ski gehört zum Schneesport dazu und ist zudem ein wirtschaftlicher Faktor in den Skiorten. Auch wenn das Virus diesen Winter Mässigung auferlegt, glauben Touristiker nicht an ein baldiges Aus des gemütlichen Zusammenseins. Meinungen aus Verbier (VS) und Villars-sur-Ollon (VD). TEXT JÉRÔME LATHION
«Après-Ski, wie wir es kennen, fällt aus», sagt Vincent Michellod, der in Verbier geborene Vizepräsident und Ge20 touring | Dez 2020 / Jan 2021
meinderat für Tourismus und Sport der zukünftigen Gemeinde Val de Bagnes (Anm. d. Red.: Zusammenschluss der Gemeinden Bagnes und Vollèges). «In der kommenden Saison steht das Skifahren im Fokus. Doch Après-Ski an sich wird mit der von Bund und Gastrosuisse vorgeschrieben Kontaktdatenerfassung überleben.» In Villars, auf der Waadtländer Seite der Alpen, bestätigt Sergei Aschwanden: «Die Priorität liegt auf den Skipisten. Wenn die Bedingungen stimmen, können wir mit 15 000 oder gar 17 000 Skifahrern pro Tag an die guten Jahre vor der Pandemie anknüpfen», hofft der Direktor des Tourismusverbandes Porte des Alpes (Villars-GryonLes Diablerets-Bex). Er relativiert die Auswirkungen auf sein Gebiet: «In Vil-
lars ist Après-Ski bloss eine Option unter anderen. Wenn Veranstaltungen ins Wasser fallen, sind die Folgen weniger schlimm als in den Skiorten, die stark oder ausschliesslich darauf setzen.»
Bar und Clubs gefährdet Gedanken macht man sich auf beiden Seiten vor allem um Bergrestaurants, welche die Einhaltung der Hygieneregeln sicherstellen müssen, wenn sie geöffnet bleiben. Kritisch sieht es teilweise bei den Bars und Clubs aus, deren Besucherzahl im besten Fall begrenzt und kontrolliert wird. Zwei der rund 25 Einrichtungen in Verbier sind bereits geschlossen, «darunter eine sehr beliebte Bar an der Place Centrale. Und weitere könnten folgen», befürchtet Michellod. Für die rund zehn Betriebe in Villars sieht es weniger
FOTOS ALAMY, GEMEINDE BAGNES, KANTON WAADT
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ie drastische Regel wurde Ende September vom österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz verkündet: «Ja zum Skispass, aber ohne Après-Ski!» Blackout also in diesem Winter für die Partys, die den Ruf von Ischgl – dem «Ibiza der Alpen» – und anderen Skiorten des Landes ausmachten. Die Richtlinien der Schweizer Behörden für den Winter 2020/2021 sollen zwar etwas weniger drastisch als bei unseren Nachbarn im Osten ausfallen, sie sind aber dennoch ein herber Schlag für die Skiorte in den Alpen, die sich in Erwartung besserer Zeiten auf eine etwas gezügeltere Skisaison vorbereiten.
DOSSIER
Ein Skitag ohne geselliges Anstossen in der Nähe der Pisten oder im Wintersportort – undenkbar
Verschiebung auf den Herbst erwies sich als illusorisch. Momentan hofft Sergei Aschwanden, dass eine Durchführung im März 2021 «Heutzutage fahren «Après-Ski gab es möglich ist. Und schon immer. Man wir drei oder vier denkt noch weiter hat daraus bloss ein Stunden intensiv Ski, voraus: «Die SkifahGeschäft gemacht, rer müssen Lust ha- bevor wir bei einem ben, am Ende der von dem neue Gläschen die Sonne Saison wiederzuAkteure profitieren.» geniessen.» kommen. Wir suSergei Aschwanden, Vincent Michellod, chen nach einer Direktor des Tourismusverbandes Gemeinderat (Bagnes), Porte des Alpes, Villars Verbier Eventidee mit Konzerten und Verpflegung, die 4000 Festivalbesucher zusammenbringt.» Derzeit muss sich der Direktor damit begnügen, Angebote EXZESSE UNTERSAGT im Freien, wenn möglich, in kleinerem Verbier (3000 Einwohner und bis zu Kreis und unter Einhaltung der gebotezehnmal mehr in der Hochsaison) nen Verhaltensregeln anzukünden.
Après-Ski ist nicht vorbei
alarmierend aus. «Weder gab es Schliessungen noch wurden Konkurse angemeldet, dank eines Sommers 2020, der weit besser ausfiel als für die Hotelbranche», so Aschwanden. In Villars wie anderswo hat das gesellige Zusammensein nach einem Tag im Schnee Geschichte. Nostalgiker erinnern sich an das vom Tourismusbüro jeweils zwischen 16 und 20 Uhr organisierte Unterhaltungsangebot mit Musik und Bars an der Place du Marché: eine beliebte Zugabe am Ende eines Skitages. Bei schönem Wetter trafen sich dort jeden Abend 500 Menschen oder mehr. Nicht zu vergessen die zweiwöchige «Ski & Snow Fiesta» am Ende der Saison. Im März 2020 war das fünfte Afterseason-Festival mit Elektromusikkonzerten geplant. Es fand nicht statt, und eine
Die beiden Gesprächspartner sind sich einig: Après-Ski wird es weiter geben. «Das hat mit einem grundlegenden Wandel beim Skifahren zu tun. Die Beförderung auf den Berg hat sich verbessert, die Wartezeiten sind kürzer. Heute fahren wir drei oder vier Stunden intensiv Ski, bevor wir bei einem Gläschen die Sonne geniessen», erläutert Vincent Michellod. Und geselliges Anstossen in Pistennähe – oder abseits davon – ist für ihn ein wichtiger Faktor für Zusammenhalt: «Skilehrer und Skiliftmitarbeiter treffen sich dort nach der Arbeit mit Skifahrern und Touristen zum Apéro. Es ist wie eine Gemeinschaft, die den Skiort im Winter mit Leben erfüllt.» Sergei Aschwanden sagt: «Après-Ski gab es schon immer. Man hat daraus bloss ein Geschäft gemacht, von dem neue Akteure profitieren.» Der FDP-Abgeordnete im Grossen Rat des Kantons Waadt bilanziert: «Letztlich ist es wie beim Alkoholverkauf in den Autobahnraststätten. Statt auf Verbote zu setzen, sollte man an die Eigenverantwortung appellieren.» •
und Villars (3500 Einwohner und bei guten Bedingungen 17 000 Skifahrer pro Tag) haben eines gemeinsam: viele englischsprachige Gäste – bedingt auch durch die internationalen Schulen –, die gern feiern. Dennoch ist Besorgnis fehl am Platz. Obschon er einräumt, dass die Engländer «Schwung in den Skiort gebracht haben», will der Gemeinderat von Bagnes die Lage nicht dramatisieren und erinnert daran, dass in Verbier jeweils rund 50 Nationen zu Gast sind. «Junge Leute sind in der Regel sehr sportlich. Sie machen abends Party und fahren am nächsten Tag Ski. Wir haben uns nie Sorgen um bedrohliche Exzesse von ihrer Seite gemacht. Im Übrigen verfügt die Gemeinde über eine gut aufgestellte Polizei und hat an strategisch wichtigen Orten 43 Überwachungskameras angebracht.» Der Direktor des Tourismusverbandes Porte des Alpes seinerseits beschreibt die Situation in Villars so: «Der Ferienort gilt als eher ruhig und das Après-Ski-Angebot war stets gemässigt. Trotz gewisser Exzesse blieb das Verhalten zumeist im Rahmen.»
Die im Artikel genannten Informationen und Zitate wurden im November recherchiert. Sie werden unter Vorbehalt von pandemiebedingten Änderungen veröffentlicht.
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Ein halbes Leben für die Pisten Das Wintersportgebiet Engelberg-Titlis ist in Bezug auf die Pistensicherheit anspruchsvoll. Christoph Bissig ist seit 30 Jahren Pisten- und Rettungschef. Er hat von tödlichen Unfällen bis zu Gebietssperrungen einiges erlebt.
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REPORTAGE FELIX MAURHOFER
er Titlis ist mit seinen steilen Pisten und Flanken sowie dem schmelzenden Gletscher kein einfacher Berg. Trotzdem ist er Pisten- und Rettungschef Christoph Bissig ans Herz gewachsen. Seit 30 Jahren kümmert sich der 60-Jährige im Skigebiet um die Sicherheit und Rettung der Schneesportler. Er kennt jede noch so abgelegene Ecke und hat während dieser Jahre viel erlebt. Es waren schöne Erinnerungen, wenn ein Vermisster gefunden oder eine verletzte Person sicher abtransportiert werden konnte. Traurige Vorfälle mit tödlich verunfallten Sportlern gab es aber auch. Diese Ereignisse sind noch nach Jahren eine Belastung für den eigentlich abgebrühten Bergler Bissig. Es sei nicht
möglich, alle Unfälle zu verhindern. Oft sei es leider so, dass sich die Sportler schlicht überschätzen.
Langer Arbeitstag Christoph Bissig hat die Ausbildung bis zum Pisten- und Rettungschef durchlaufen und sein Wissen über die Jahre mit viel Erfahrung angereichert. Ihn kann inzwischen nichts mehr aus der Ruhe bringen. Sein Arbeitstag und der seines Teams beginnt frühmorgens, nachdem die Pistenfahrzeugfahrer die halbe Nacht im Gebiet ihre Arbeit ver-
richteten. Besteht keine Lawinengefahr, werden alle Pisten von oben nach unten kontrolliert: «Nebst dem Prüfen der Markierungsstangen achten wir auf Fallen wie Löcher oder defekte Fangnetze», sagt Bissig. Erst, wenn jeder Pistenmeter abgefahren – das dauert bis zu zwei Stunden – und in Ordnung ist, gibt der Pistenchef das Gebiet für den Betrieb mit bis zu 8000 Wintersportlern pro Tag frei.
Mit Sprengstoff gegen Lawinen Anders verläuft der Ar Arbeitstag, wenn die Situa Situation angespannt ist und die Pisten vor drohenden
MEHRSTUFIGE AUSBILDUNG
Pisten- und Rettungschef Christoph Bissig bei der Pisten kontrolle am Titlis
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Sichere und gut präparierte Pisten sind für jedes Wintersportgebiet ebenso zentral wie der dazu not notwendige Pisten- und Rettungsdienst. Die Aufgaben des Pisten- und Rettungsdienstes reichen von Lawi Lawinensprengungen über Markierungen bis zur Betreuung von verunfallten Wintersportlern. Ausgebildet werden sie vom Branchenverband Seilbahnen Schweiz (SBS). Die mehrstufige Ausbildung reicht vom Patrouilleur, Pistenfahrzeugfahrer über den Lawinensprengspezialisten bis zum Pisten- und Rettungschef. In den Schweizer Wintersportgebieten arbeiten rund 2500 Spezialisten, sie sind für 7500 Pistenkilometer verantwortlich. Die Sicherheitsstandards werden vom SBS festgelegt und auch periodisch durch die verbandseigenen Experten geprüft und homologiert.
DOSSIER
KOSTENFAKTOR PISTEN Der tägliche Pistenaufwand für ein mittelgrosses Wintersportgebiet mit bis zu 25 Millionen Gesamtertrag ist gross. Gemäss Seilbahnen Schweiz (SBS) betragen die Kosten für die Beschneiung 4700 Franken, die Pistensicherheit 2300 Franken und die Pistenpräparation 9300 Franken. Total also 16 300 Franken pro Wintersporttag. Bei durchschnittlich 63 Betriebstagen pro Wintersaison belaufen sich dabei die Kosten für die Pisten auf rund eine Million Franken pro Saison.
Lawinen gesichert werden müssen. «70 Prozent des Titlisgebiets befindet sich in Lawinenzügen», schildert Bissig die Herausforderung. Bereits um vier Uhr morgens werden mittels Fernauslösung die Ladungen der zwei Sprengmasten oder drei Sprengrohre aktiviert. Diese Sprenganlagen stehen in kritischen Hängen und erleichtern die Arbeit der Verantwortlichen wesentlich. Weitere Möglichkeiten zur Lawinenauslösung sind Sprengseilbahnen oder Sprengungen vom Helikopter aus. Einige Hänge müssen die Mannen von Bissig im Zweierteam mittels Handsprengungen entschärfen. Dabei werfen die sprengberechtigten Patrouilleure 1,5 Kilogramm schwere Ladungen in die Hänge. Laut dem Pistenchef werden pro Wintersaison gegen vier Tonnen Sprengstoff zum Auslösen von Lawinen benötigt.
Gegen vier Tonnen Sprengstoff wird pro Saison am Titlis benötigt
Bei hoher Lawinengefahr muss das Team von Christoph Bissig mit Handsprengungen Lawinen auslösen
FOTOS FELIX MAURHOFER, DIETMAR STIPLOVSEK (1)
Gebietssperrungen sind selten
Im Titlisgebiet hat es viele Lawinenzüge, die mit Sprengungen entschärft werden müssen
Sobald die Kontroll- und Sprengarbeiten erledigt sind, macht sich Bissigs Team für Rettungseinsätze bereit oder erledigt Verbesserungsarbeiten. Der Arbeitstag geht mit der letzten Pistenkontrolle zu Ende. Dann sind die Pisten gesperrt, weil die Pistenfahrzeuge im Gebiet unterwegs sind. Am Titlis müssen die Pistenraupen mit der Seilwinde fahren, was für Skifahrer wegen der Kollisionen besonders gefährlich sei, so Bissig. Musste der erfahrene Pistenchef das Gebiet auch schon komplett sperren? Das könne bei sehr grossen Schneemengen oder im Frühling, wenn Nassschneelawinen drohen, schon vorkommen. Meist aber gelinge es seinem Team, das Gebiet rechtzeitig freizugeben, betont Christoph Bissig stolz. • Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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DOSSIER
«Wir haben das schönste Outdoor-Fitnesszentrum» Davide Codoni hat trotz der Corona-Krise grosse Erwartungen in die Wintersaison. Wie sich die Schweizer Skischulen auf die besondere Saison vorbereiten, erklärt der Direktor von Swiss Snowsports im Interview. INTERVIEW DOMINIC GRAF | FOTO DAVID BIRRI
Herr Codoni, wie muss man sich einen Tag in einer Schweizer Skischule in diesem Winter vorstellen?
Inwiefern haben Sie sich während der letzten Monate auf eine mögliche zweite Corona-Welle vorbereitet?
Davide Codoni: Wir haben ein Schutz konzept für die Schweizer Skischule er arbeitet. Der ganze Ablauf ist geprüft worden. Dies wird aber nicht im Vor dergrund gegenüber dem Gast stehen. Wir bieten dem Gast fantastische Er lebnisse im Schnee, und mehr denn je freuen wir uns auf unsere Gäste.
Wir müssen alle Eigen und Sozialver antwortung übernehmen, es geht um Gesundheit, und Gesundheit hat Vor rang. Die CoronaKrise beinhaltet un terschiedliche Facetten wie das Krisen management oder die Zusammenarbeit mit den Tourismusakteuren und der Arbeitslosenversicherung. Wir haben dieses Thema an der Lizenzschulleiter Konferenz vertieft behandelt, haben eine interne Austauschplattform und sind in engem Kontakt mit der Touris mus und Sportbranche.
Welche Erwartungen haben Sie an diese Wintersaison?
Wir haben grosse Erwartungen. Die Erfahrungen aus dem Sommer und Herbst zeigen uns, dass sich die Leute draussen bewegen wollen. Wir haben das schönste OutdoorFitnesszentrum, und über 150 Schweizer Skischulen mit 7000 Schneesportlehrerinnen und lehrern stehen den Gästen zur Verfügung.
Mit vielen ausländischen Gästen kann mit grosser Wahrscheinlichkeit in diesem Winter nicht gerechnet werden. Wie viel Prozent der Gäste in den Schweizer Skischulen kommen normalerweise aus dem Ausland?
70 Prozent sind Schweizer Gäste. Die ser Anteil variiert bei international etablierten Destinationen wie Verbier, Zermatt, Davos und St. Moritz. Und an dere hingegen sind stärker binnen marktorientiert. Ganz klar rechnen wir mit einem deutlich höheren Anteil an Schweizer Gästen.
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Ab wann lohnt es sich für eine Skischule nicht mehr, zu öffnen?
Skischulen sind Unternehmen. Da hinter stehen unternehmerische Ent scheide mit vielen Parametern wie Rentabilität, Nachfrage und Investitio nen, die berücksichtigt werden sollen. Ist aufgrund der Corona-Krise sogar mit der endgültigen Schliessung einzelner Schulen zu rechnen?
Es gibt immer wieder Öffnungen und Schliessungen, den Strukturwandel kann man nicht stoppen. Wenn wir aber über die CoronaKrise diskutieren, ist das ja eine aussergewöhnliche Situation. Um sie zu überwinden, passt der Staat die Rahmenbedingungen an, siehe Covid19Kredite, Kurzarbeits entschädigung, Härtefallklausel usw. Spüren Sie, dass Ihnen heuer weniger Ski- und Snowboardlehrerinnen und -lehrer zur Verfügung stehen?
Das spüren wir zurzeit nicht. •
«Die Leute wollen sich draussen be bewegen.» wegen.»
Davide Codoni, Direktor Swiss Snowsports
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Gesamtsituation zu optimieren – ohne die Risikobereitschaft zu überschreiten. Drittens sorgt ein systematischer Anlageprozess dafür, dass die Anlagestrategie das Risiko in jeder Marktlage bestmöglich berücksichtigt. Wie kann eine konkrete Zusammenarbeit mit der Zürcher Kantonalbank aussehen? Je nachdem, in welchem Mass Sie Unterstützung im Anlagegeschäft wünschen, steht Ihnen ein anderes Servicemodell zur Verfügung. ZKB Vermögensverwaltung Wer weder Zeit noch Lust hat, sich täglich mit den Finanzmärkten auseinanderzusetzen, kann sich mit der ZKB Vermögensverwaltung entlasten. Es handelt sich um die umfassendste Anlagelösung: Damit wird die Verwaltung des Anlagevermögens von A bis Z an die bankeigenen Experten delegiert. Kunden können direkt von der Expertise und Erfahrung der Zürcher Kantonalbank profitieren. Zugleich bleiben sie dank einer transparenten Berichterstattung über ihr Portfolio im Bild. ZKB Anlageberatung Wer gerne die Börsenkurse aktiv verfolgt und in Geldangelegenheiten mitbestim-
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men möchte, für den eignet sich die ZKB Anlageberatung. Bei diesem Modell treffen Kunden ihre Anlageentscheide selbst – erhalten aber massgeschneiderte Anlagevorschläge. Darüber hinaus überwachen die Spezialisten der Bank das Portfolio in Bezug auf die gewählte Anlagestrategie und informieren bei Handlungsbedarf. ZKB Fondsportfolio Wer eine unkomplizierte und äusserst flexible Anlagelösung sucht, für den eignet sich das ZKB Fondsportfolio. Es bietet einen einfachen und zeitsparenden Zugang zu den globalen Finanzmärkten – und dies bereits ab CHF 50.–. Strukturierter Anlageprozess Die Erfahrung zeigt, dass die Finanzmärkte so komplex und dynamisch geworden sind, dass es für Einzelpersonen eine Herausforderung darstellt, selbst die wichtigsten Entwicklungen im Auge zu behalten. Die Anlageentscheide respektive -vorschläge bei der Zürcher Kantonalbank beruhen nie auf den Emotionen eines Einzelnen. Vielmehr sind sie das Resultat eines strukturierten Anlageprozesses, in welchem zahlreiche Fachleute involviert sind, die durch modernste Risikomanagementsysteme unterstützt werden. Dieses Vorgehen erlaubt es, auch in turbulenten Phasen einen kühlen Kopf zu bewahren. Schliesslich gibt es immer Chancen – man muss sie nur erkennen.
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Diese Gesetze verändern unsere Fahrgewohnheiten Auf Anfang Jahr treten einige neue Verkehrsregeln in Kraft. Sie betreffen Autofahrer, Fussgänger und Velofahrer gleichermassen und werden zu einer Änderung im Verkehrsverhalten führen. Hier erfahren Sie, was ab dem kommenden Januar gilt. TEXT DINO NODARI | FOTO FELIX MAURHOFER
A
uf den 1. Januar ändert sich auf unseren Strassen einiges. Auf der Autobahn, an Ampeln oder in Tempo30-Zonen werden neue Regeln wirksam, die vom TCS zum Teil seit Jahren gefordert werden. So etwa auf Autobahnen. Hier werden mit Neuerungen bei Rettungsgasse, Reissverschluss und Rechtsvorbeifahren unser Fahrverhalten stark beeinflussen.
Auf Autobahnen Neu gilt auf der Autobahn das Reissverschlussprinzip. Wird also eine Spur etwa wegen Bauarbeiten gesperrt, müssen die Verkehrsteilnehmer die Fahrzeuge auf der gesperrten Spur einschwenken lassen. So soll verhindert werden, dass die abgebaute Spur zu rasch verlassen wird und sich so ein Stau bildet.
Den sogenannten «Reissverschluss» gibt es zwar schon länger, und viele Verkehrsteilnehmer halten sich auch daran, neu ist es aber eine gesetzliche Regel, die auch gebüsst werden kann. In Zukunft kann zudem bei Stau, stockendem Verkehr oder Unfällen rechts an anderen Fahrzeugen vorbeigefahren werden, ein lang gehegter Wunsch des TCS. Dabei muss natürlich immer mit der gebotenen Vorsicht gefahren werden. Nach wie vor verboten ist das Rechtsüberholen. Also das Wechseln der Fahrspur zum Überholen und anschliessend wieder Einschwenken auf die ursprüngliche Spur.
Fahrspuren gewährt werden. Auf dreispurigen Autobahnen sollen sich die Fahrzeuge auf der mittleren und rechten Spur rechts einreihen, und die Fahrzeuge auf der linken Fahrspur gliedern sich links ein. Der Pannenstreifen darf nicht befahren werden. Zudem sollte die Warnblinkanlage so rasch wie möglich betätigt werden, um andere Verkehrsteilnehmer zu warnen. Diese drei Massnahmen werden vom TCS seit Jahren empfohlen, da sie die Arbeit der Rettungskräfte vereinfachen und die Infrastruktur besser nutzen. Verkehrsteilnehmer, die sich nicht an diese neuen Gesetze halten, können gebüsst werden.
Eine dritte Änderung betrifft die Rettungsgasse, die zur Pflicht wird. Fahrzeugen mit Blaulicht muss eine Rettungsgasse in der Mitte der
Innerorts Eine weitere Änderung betrifft die Einparkhilfen. Fahrzeuglenker, die diesen Assistenten aktiviert haben,
müssen während des Manövers die Hände nicht mehr am Lenkrad lassen. Sie müssen aber wachsam und einsatzbereit bleiben und jederzeit in der Lage sein, ihr Fahrzeug zu kontrollieren. Der TCS unterstützte diese Gesetzesänderung, damit Autofahrer durch den Einsatz der Parkassistenten, die es in immer mehr Fahrzeugen gibt, nicht kriminalisiert werden. Zudem wird auch die Parkpolitik für Elektrofahrzeuge und motorisierte Zweiräder ändern. Dafür wurde neu das Symbol «Ladestation» für die ausschliessliche Nutzung von E-Fahrzeugen geschaffen. Damit können Abstellflächen bezeichnet werden, die über eine Ladestation für Elektrofahrzeuge verfügen. Parkfelder mit Ladestationen für Elektrofahrzeuge können neu grün eingefärbt werden.
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MOBILITÄT
Kinder dürfen neu bis zwölf Jahre auf dem Trottoir fahren
Diese Parkplätze ermöglichen es den Autofahrern, schnell zu sehen, wo es eine Ladestation gibt. Der TCS rät, das Angebot an solchen Parkplätzen der tatsächlichen Nutzung anzupassen. Für schnelle E-Bikes, Motorräder und Mopeds wird das Parken auf Parkplätzen gebührenpflichtig, wenn «Parken gegen Bezahlung» signalisiert ist.
Velofahrer Eine weitere Änderung für Velos und Mopeds dürfte die davon betroffenen Fahrer freuen: Neu ist es für sie gestattet, an Ampeln bei Rot rechts abzubiegen, sofern dies entsprechend signalisiert ist. Ein entsprechendes Pilotprojekt in Basel erwies sich als erfolgreich. Ebenfalls neu ist, dass nun Kinder bis 12 Jahre mit dem Velo auf
Trottoirs fahren dürfen, sofern kein Radstreifen oder Veloweg vorhanden ist. Heute dürfen dies nur Kinder im Vorschulalter. Obschon es hier zu Konflikten mit Fussgängern kommen kann, ist der Bundesrat überzeugt, dass die Regelung helfe, Unfälle zu verhindern. Der TCS empfiehlt deshalb, auf Trottoirs nur mit Schrittgeschwindigkeit zu fahren und einen Helm zu tragen. Zudem können in Tempo-30-Zonen neue Schilder aufgestellt werden, die signalisieren, dass der Rechtsvortritt nicht gelte. So wird es künftig möglich sein, in diesen Zonen vortrittsberechtigte Fahrradstrassen einzurichten.
Junglenker Ab 2021 können Jugendliche den Lernfahrausweis (Kate-
gorie B und BE) schon mit 17 erwerben, sie müssen jedoch eine einjährige Lernphase durchlaufen, wenn sie noch nicht 20 Jahre alt sind. Durch diese Änderung erhofft sich der Bund mehr Routine und mehr Verkehrssicherheit. Für Jugendliche mit den Jahrgängen 2001 bis 2003 hat diese Änderung Folgen – sie sollten rasch handeln. Denn wer den Lernfahrausweis vor dem 31. Dezember 2020 erhält, muss die einjährige Lernphase nicht durchlaufen. Jugendliche mit Jahrgang 2003, die den Lernfahrausweis bis zum 31. Dezember 2021 erhalten, können mit 17 schon fahren und müssen die einjährige Lernphase nicht durchlaufen. Die Prüfung kann aber frühestens ab dem 18. Geburtstag abgelegt werden. ◆
WEITERE ÄNDERUNGEN Die zulässige Höchstgeschwindigkeit von leichten Motorfahrzeugen mit Anhängern bis 3,5 Tonnen wird von 80 km/h auf 100 km/h erhöht, sofern Anhänger und Zugfahrzeug für diese Geschwindigkeit zugelassen sind. Zudem hat der Bundesrat in der Nationalstrassenverordnung das Verbot aufgehoben, an Autobahnraststätten Alkohol auszuschenken und zu verkaufen. Eine weitere Änderung betrifft die Veteranenlastwagen. Sie unterstehen zwar weiterhin dem Nachtfahrverbot, dürfen neu aber auch am Sonntag fahren.
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MOBILITÄT
Ein Dorf fährt elektrisch Autobauer Renault hat eine ganze Gemeinde am Fusse der Pyrenäen mit Zoes ausgestattet. Im Laufe von drei Jahren soll sich zeigen, dass ein rein batteriebetriebenes Auto auch für entlegene Gebiete gut geeignet ist. TEXT JULIANE LUTZ
E
igentlich ist Yves Huet kein grosser Autofan. Ein Fahrzeug ist für ihn stets nur Mittel zum Zweck, das ihn von A nach B bringt. «Bislang war ich weder einer Marke noch einer gewissen Motorisierung oder Farbe treu», sagt der Gemeindepräsident von Appy Ende Oktober am Telefon. Für den neuen Renault Zoe kann er jedoch eine gewisse Begeisterung aufbringen: «Obwohl ein einfaches Auto, ist die Reichweite gut. Und hier in den Bergen ist die Rekuperation ein grosser Vorteil.»
Distanzen und Steigungen Appy, am Fuss der Pyrenäen im Departement Ariège gelegen, ist ein abgelegenes, nettes Bergdorf wie es in Frankreich eiDie Dorfbewohner sind zufrieden, aber im Winter muss sich das Auto erst bewähren
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nige gibt. Doch Renault sah darin den auf 1000 Metern Höhe, was eine Herausidealen Ort für ein besonderes Projekt. forderung für den Motor darstellen kann. Zu den 25 Bewohnern gehören Familien «Das schienen ideale Voraussetzungen, mit kleineren Kindern, Paare in der Leum die Eignung und auch Vielseitigkeit bensmitte und Rentner. Sie alle haben des neuen Renault Zoe zu testen», erunterschiedliche Ansprüche an ein Auto, klärt Pressesprecher Yann Chénot. Auf aber sie eint, dass sie täglich auf ein Auto diese Weise will Renault die Alltagstaugangewiesen sind, denn die nächste Bälichkeit von rein batteriebetriebenen ckerei ist 15 Kilometer entfernt, der Supermarkt 20 Kilometer, das Gymnasium 25 Kilometer und das Spital sogar 40 Kilometer. Mit einer Reichweite von bis zu 395 Kilometern sollte der Bestseller von Renault ihre Mobilitätsbedürfnisse abdecken können. Auch liegt die Gemeinde Selbst Gemeindepräsident Yves Huet, der kein Autofan ist, findet den Zoe gut
WER HAT RECHT Fahrzeugen selbst in entlegenen Gebieten beweisen und weiter Argumente entkräften, die einer Wende zur E-Mobilität vielleicht noch entgegenstehen.
FOTOS ZVG
Bis zu 5000 Kilometer pannenfrei Am 4. Juli erhielten alle elf Haushalte von Appy einen Wagen. Frei wählbar war lediglich die Farbe. Weiter liess der Autobauer eine öffentliche Ladestation mit zwei Ladepunkten installieren und, wo immer möglich, auch Wallboxen in den Garagen der Leute. Das Projekt, das Renault zusammen mit der französischen Agentur Publicis durchführt, ist auf drei Jahre angelegt. Auf die Frage, wie sich die Sache angelassen habe, heisst es bei Renault: «Sehr positiv. Die Teilnehmer zeigen sich von der Leistung und vom Komfort des Kleinwagens immer wieder überrascht», sagt Sprecher Yann Chénot. Gemeindepräsident Yves Huet bestätigt die Zufriedenheit der Bewohner. «Von Anfang Juli bis jetzt ist jeder mit seinem Zoe im Schnitt 4000 bis 5000 Kilometer gefahren. Steigungen bewältigt das Auto gut. Es gab nie Pannen.» Aber ob die Leute nach Ablauf der drei Jahre auch weiterhin dem Zoe die Treue halten oder ein Auto mit Elektroantrieb fahren würden, sei schwer zu sagen. Es komme dann doch auf die jeweilige Lage und das Budget der Einzelnen an. «Der Zoe ist zwar ein überaus wirtschaftliches Auto, aber von der Anschaffung her teurer als andere Kleinwagen», so Huet. Und bislang gab es auch weder Schnee noch Eis, und somit muss sich das Modell erst einmal bei Bergfahrten in der Winterzeit bewähren. • Mit dem Projekt in Appy will Renault Argumente gegen eine Wende zur E-Mobilität entkräften.
Der richtige Platz für Hund und Katz Haustiere sind auch im Auto treue Begleiter – oft leider ungesichert. Der Hund auf dem Beifahrersitz oder die Katze döst auf dem Armaturenbrett: Aber was sagt das Gesetz zum Transport von Haustieren im Auto? TEXT URS-PETER INDERBITZIN
I
m Strassenverkehr gibt es keine speziellen Bestimmungen für die Sicherheit der Tiere beim Transport in einem Personenwagen. Welche anderen Bestimmungen anzuwenden sind, hat das Bundesgericht vor bald zehn Jahren in einem Urteil dargelegt. Ein Lenker hatte eine Katze auf dem Armaturenbrett seines Personenwagens transportiert. Sie sass ungesichert zwischen Lenkrad und Windschutzscheibe und somit im Blickfeld des Lenkers. Das Bundesgericht bestätigte die gegen den Lenker ausgesprochene Busse von 300 Franken wegen «Nichtsicherung der Ladung».
Tier gilt als Ladegut Ausser für den gewerbsmässigen Tiertransport sowie für den Transport von Tieren auf Fahr- und Motorrädern gibt es keine Bestimmungen im Strassenverkehrsoder im Tierschutzgesetz, die sich mit dem Transport von Tieren im Strassenverkehr befassen. Für den Transport von Hunden, Katzen, Vögeln und anderen Haustieren gilt deshalb Artikel 30 des Strassenverkehrsgesetzes. Nach dieser Bestimmung ist die Ladung so anzubringen, dass sie niemand gefährdet, belästigt und nicht herunterfallen kann. Ferner darf der Lenker durch die Ladung nicht – auch nicht in seiner Sicht – behindert werden. «Nicht anwendbar für Tiere ist die Gurtentragpflicht […]. Diese bezieht sich ausschliesslich auf Fahrzeuginsassen beziehungsweise Führer und mitfahrenden Personen, das heisst auf Menschen», heisst es im Urteil (6B_894/2010).
Wie ein Geschoss Beste Transportart für Hund und Katze sind nach wie vor
eine spezielle Box; dies ist empfehlenswert und für Mensch und Tier die sicherste Variante. Nicht strafbar ist es jedoch, einen sich ruhig verhaltenden Hund auf dem Rücksitz oder im Kombi im Kofferraum liegend mitzuführen, solange er keine Fahrzeuginsassen belästigt oder gefährdet. Damit der Hund bei einem Unfall nicht zum Geschoss wird, ist es sinnvoll, auf dem Rücksitz mitfahrende Hunde mit speziellen Gurten zu sichern und im Kombi den Kofferraum mittels Trenngitter oder Netz abzutrennen. Sind im Auto mitfahrende Tiere nicht sachgemäss gesichert, kann es bei einem Unfall zu einer Kürzung der Versicherungsleistung wegen Grobfahrlässigkeit kommen. Wie Untersuchungen ergeben haben, fliegt ein ungesicherter, 20 Kilogramm schwerer Hund bei einem Aufprall mit Tempo 50 wie ein Geschoss – mit einer Wucht von rund einer halben Tonne – durch den Wagen. Um Haustieren Fahrten mit dem Auto angenehm zu gestalten, sollten Lenker vorausblickend fahren. Defensives Fahren ist angesagt, abrupte Brems- und Beschleunigungsmanöver sind nach Möglichkeit zu unterlassen. Eine ruhige Fahrweise begrenzt den Stress – nicht nur für den Lenker und die Mitfahrer, sondern auch für die Tiere. Unterbrechen Sie die Fahrt häufig, damit sich der Hund bewegen und Gassi gehen kann. •
URS-PETER INDERBITZIN Verkehrsexperte Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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MOBILITÄT
Keine Nez-Rouge-Fahrten 2020 Seit mehr als 30 Jahren gehört der Anruf bei Nez Rouge schon fast zur Tradition in der Weihnachtszeit. In diesem Jahr wird aber nicht gefahren, die Organisatoren planen jedoch schon die Zukunft. TEXT DINO NODARI
D
ieses Jahr ist definitiv alles etwas anders. Man hatte sich bereits daran gewöhnt, wenn man von der Weihnachtsfeier im Unternehmen oder bei Freunden nach Hause wollte, die Nummer von Nez Rouge zu wählen. Seit 30 Jahren leistet die von Bürgerinnen und Bürgern organisierte nationale Präventionsmassnahme einen wichtigen Beitrag zur Unfallverhütung. Allein im letzten Dezember fanden mehr als 10 000 freiwillige Einsätze statt. «Die Gesundheitskrise bringt Nez Rouge in eine neue Situation», erklärt Christel Sommer, Leiterin der Geschäftsstelle von Nez Rouge. «Dieses Jahr bieten wir keinen Heimfahrdienst
an.» Dennoch ist es der Aktion wichtig, die Bevölkerung zu sensibilisieren: «Schützen Sie sich, und organisieren Sie Ihre Rückkehr nach Hause rechtzeitig, indem Sie im Voraus einen Fahrer bestimmen, jemanden anrufen, ein Taxi oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder gleich vor Ort übernachten», so die Botschaft.
«Wie eine Familie» Ob und wie es im nächsten Jahr weitergeht, ist noch nicht klar. «Das wird sehr stark davon abhängen, wie sich die Gesundheitskrise nach diesem Winter entwickelt», sagt Sommer. Im Moment gäbe es viele Unsicherheiten sowohl für die Organisation von Nez Rouge als
auch für die Kantone, die Eidgenossenschaft. «Im Idealfall möchten wir natürlich im nächsten Jahr wieder das Geschenk einer sicheren Heimkehr anbieten können.» Wichtig ist Christel Sommer auch, zu betonen, dass für Nez Rouge nebst dem Aspekt der Verkehrssicherheit auch die sozialen Kontakte wichtig seien. «Unsere Tausenden von Freiwilligen würden im nächsten Jahr sicher die Gelegenheit vermissen, sich wieder zu treffen. Denn Nez Rouge ist wie eine grosse Familie.»
Crowdfunding Während der Krise soll sich in Sachen Digitalisierung bei Nez Rouge etwas ändern. So arbeitet etwa die Sektion Zü-
rich an einer neuen Softwarelösung für die Freiwilligenadministration, Disposition und Fahrtenkontrolle. Ziel war ein Programm, mit dem die Sektionen miteinander und fast ohne Papier arbeiten können und das alle Sektionen nutzen können. Die Aufträge werden über das Smartphone abgewickelt. In diesem Jahr hätten bereits vier Sektionen mit diesem Programm arbeiten sollen. Zudem wollte Nez Rouge Zürich mit einer Flyeraktion Geld für dieses Programm sammeln. Für die Planung und Programmierung rechnet die Sektion mit Kosten von über 100 000 Franken. Um diesen Betrag stemmen zu können, wurde nun ein Crowdfunding organisiert. ◆
KEYSTONE–SDA
Maskottchen Rudolphe fordert Autofahrer zu verantwortungsvollem Handeln auf
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Abkürzung durch den Berg Die durch das Coronavirus bedingte Unsicherheit veranlasst immer mehr Schweizer dazu, die Ferien im eigenen Land oder in der Nähe davon zu verbringen. In der Zeit der Schliessung der Alpenpässe ermöglicht der Autoverlad durch den Tunnel, wertvolle Zeit zu sparen.
Sechs Autoverladdienste stehen in der Schweiz zur Verfügung
TEXT ALINE BEAUD
N
achdem der erste Gang eingelegt, die Handbremse ange zogen und die Ra diofrequenz auf 88,2 MHz eingestellt ist, kann die Fahrt durch den Lötschbergtunnel beginnen. Die Kinder sperren im Dunkeln ihre Augen weit auf, um irgendeinen Orien tierungspunkt auszumachen, die Erwachsenen geniessen eine kurze Pause im Auto. Eine Viertelstunde später sind sie bereits auf der ande ren Seite des Berges und rol len im Schritttempo vom Zug, um ihre Reise fortzusetzen. Bequem, schnell und sicher.
32 touring | Dez 2020 / Jan 2021
In der Schweiz gibt es sechs Autoverladdienste für Privat personen. Während die meis ten Dienstleister ihr Angebot das ganze Jahr über bereit stellen, ist die Strecke Kan dersteg–Iselle (I) der BLS nur von März bis Oktober geöff net. Die Strecke Andermatt– Sedrun wird während der Schliessung des Oberalp passes, etwa von November bis Mitte Mai, bedient.
Tickets fast überall online erhältlich Die Gesellschaften verkaufen die Billetts online, und Fahr zeuge mit einem Gewicht
von weniger als 3,5 Tonnen und maximal neun Personen erhalten auf den Strecken Kandersteg–Goppenstein und Brig–Iselle sogar einen Rabatt. Für die VereinaLinie müssen die Billetts vor Ort gekauft werden, doch ab der Wintersaison 2020/2021 soll ten auch sie online erhältlich sein. Die Preise verstehen sich immer pro Fahrzeug, einschliesslich Fahrer und Passagiere. Zur Bestimmung der Fahrzeugkategorie ist der Fahrzeugschein massgebend. Auf den Linien Kandersteg– Iselle und Andermatt–Sedrun sind Reservationen obligato
risch, während die anderen Angebote nach dem Prinzip «first come, first served» funktionieren.
Frequenz Auf den Websites der Dienst leister stehen detaillierte Fahrpläne sowie Informatio nen zur Verkehrslage zur Verfügung. Die meisten haben jedoch ohnehin eine regelmässige Taktfrequenz. Die FurkaLinie (Realp–Ober wald) etwa bietet den Ser vice tagsüber von Dienstag bis Donnerstag alle 60 Minu ten und von Freitag bis Mon tag alle 30 Minuten an.
MOBILITÄT
Mit dem Zweirad
Spielend an Bord Die Verladdienste sind einfach und schnell Eine kurze Pause, die vor der Weiterfahrt geschätzt wird
Um sein Auto auf den Eisen bahnwagen zu verladen, ist mit ungefähr fünf Minuten zu rechnen (für Kandersteg– Iselle rund eine Viertelstunde). Motorräder und Velos hin gegen müssen 15 Minuten vor der Abfahrt bereit sein (für die Strecke Kandersteg–Iselle sogar 30 Minuten vorher). Während Autofahrer und passagiere bei geschlossenen Fenstern im Fahrzeug sitzen bleiben, reisen Velo und Motorradfahrer auf den Linien der BLS an Bord des Trieb fahrzeugs mit. Auf der Vereina Linie bleiben die Motorrad fahrer (mind. 80 km/h) wäh rend der Fahrt auf ihrem Ge fährt sitzen. Velofahrer (gewöhnliche Velos oder EBikes) sind aufgefordert, den Zug zwischen Klosters Platz und Lavin beziehungs weise Susch zu benutzen. Das selbe gilt auch für den Furka Verlad, bei dem die Velofahrer
ab Dezember 2020 mit den Regionalzügen fahren, wäh rend Motorradfahrer vorne im Zug mitreisen. Auf der Strecke zwischen Andermatt und Sedrun, wo nur während der Wintersaison eine Be förderung stattfindet, wird die Verladung nicht für Velo und Motorradfahrer ange boten.
Grossformate Wohnmobile und Wohnwagen können problemlos fünf der sechs Verlademöglichkeiten nutzen. Es empfiehlt sich je doch, sich vor der Abreise über die Masse und Gewichte zu informieren, die von den verschiedenen Gesellschaften zugelassen sind. Die Informa tionen sind online verfügbar. Der Verlad von Andermatt nach Sedrun ist nur für Fahr zeuge möglich, die nicht mehr als 3,5 Tonnen wiegen und maximal 2,5 Meter hoch und 2,3 Meter breit sind. •
FOTO SWISS-IMAGE.CH/ANDY METTLER (2), BLS
Übersicht der verschiedenen Verladeangebote Bezeichnung
Streckenabschnitt
Fahrpläne*
Lötschberg
Kandersteg (BE)– Goppenstein (VS)
Lötschberg
Kandersteg (BE)– Iselle (I)
Simplon
Brigue (VS)–Iselle (I)
Mo.–Fr.-Mittag: 2 Züge 15 Minuten pro Stunde und Richtung; Fr.-Mittag–So.: 3 Züge pro Stunde und Richtung; Wochenenden zw. Weihnachten und Ostern: 7 Züge pro Stunde und Richtung Sommerfahrplan 60 Minuten März–Oktober, Angebot sehr eingeschränkt (siehe Onlinefahrplan) Alle 90 Minuten 20 Minuten
Furka
20 Minuten Di.–Do.: 1 Zug pro Stunde und Richtung Fr.–Mo.: 2 Züge pro Stunde und Richtung Andermatt (UR)– Winterfahrplan Novem- 50 Minuten Sedrun (GR) ber–Mitte Mai: 2–3 Züge pro Tag und Richtung Klosters Selfranga (GR)– 2 Züge pro Stunde und 18 Minuten Sagliains (GR) Richtung
Oberalp
Vereina
Realp (UR)– Oberwald (VS)
Dauer
Preis für ein Einzel billett Auto**: ab 25 Fr. Töff ab 50 cm3: 19 Fr. Velo/Töff***: 10 Fr.
Unternehmen und Inbetriebnahme BLS, 1960
Reservation oblig. Auto**: 98 Fr. Töff ab 50 cm3: 65 Fr. Velo/Töff***: 38 Fr. Auto**: dès 24 Fr. Velo/Töff: 15 Fr. Auto**: 27 Fr. (33 Fr., Oktober–Ende Mai) Töff ab 50 cm3: 20 Fr. Töff***: 12 Fr. Reservation oblig. Auto**: 65 Fr.
BLS, 2000
Rund 10 000 Fahrzeuge pro Jahr
BLS, 2017 Übernahme durch BLS MGB, 1982
Rund 167 000 Fahrzeuge pro Jahr Rund 230 000 Fahrzeuge im 2019
MGB, 1982
Rund 1840 Fahrzeuge im 2019
Auto**: 34 Fr. (39 Fr., RHB, 1999 Dezember–Ende April) Töff: 21 Fr. (22 Fr., Dezember–Ende April)
Nutzerzahlen Rund 1,1 Million Fahrzeuge pro Jahr
Rund 529 000 Fahrzeuge im 2019
* Die Fahrpläne werden hier nur zu Informationszwecken dargestellt und können je nach Verkehrs- und Wetterbedingungen usw. variieren. Ausführliche Informationen finden Sie auf den Websites der verschiedenen Anbieter. ** Motorfahrzeug bis 3,5 Tonnen und maximal neun Plätzen. *** Töff bis 50 cm3 Hubraum.
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GESUNDHEIT
Sekundenschlaf: So verhalten Sie sich richtig TEXT SANDRA EGLI
Wann spricht man von einem Sekundenschlaf? Daniel Brunner: Das ist kein klar definierter oder wissenschaft licher Begriff. Er wird im Volks mund gerne benutzt, um ein un beabsichtigtes Einschlafen oder einen Kurzschlaf zu beschreiben, der durch einen Weckreiz been det wird. Wie bemerkt man einen Sekundenschlaf? Unabhängig von der Dauer be merken die meisten Personen erst durch das schreckhafte Auf wachen, dass sie eingeschlafen sind. Bei entspannter Körperpo sition mit unterstütztem Kopf wird ein Kurzschlaf oft nicht be merkt. Auch der normale Ein schlafprozess, bei geschlossenen
Augen, geschieht über ein kurzes Abtauchen und wieder Aufwa chen von einigen Sekunden, bis nach wenigen Minuten ein stabi ler Schlafzustand erreicht ist.
Wer täglich länger schlafen könnte und dies an freien Tagen auch tut, leidet mit grosser Wahr scheinlichkeit an Schlafmangel. Der ultimative Beweis liefert eine zweiwöchige Testphase mit täg lich um 60 bis 120 Minuten ver längertem Schlaf. Wenn dann die Schläfrigkeit und Müdigkeit nachlassen, schläft die betref fende Person zu wenig.
Muss man bei anhaltender Tagesmüdigkeit zum Arzt? Eine den Alltag behindernde Müdigkeit soll natürlich beim Hausarzt angesprochen werden. Während Müdigkeit durch verschiedenste medizinische Gründe (Hormone, Infektionen, Mangelerscheinungen usw.) ent stehen kann, steht eine erhöhte Einschlafneigung fast immer mit SchlafWachStörungen in Verbindung.
Wie sollte man handeln, wenn man während der Autofahrt zunehmend müder wird? Man soll nie mit spürbarer Ein schlafneigung ein Fahrzeug lenken. Beim Aufkommen von Schläfrigkeit soll dringend eine Pause eingelegt werden. Eine Rastzeit von 10 bis 15 Minuten ist sehr effizient, wenn die Ruhe pause bei geschlossenen Augen im Autositz (Turboschlaf) mit ei nem nachfolgenden weckenden Getränk kombiniert wird. •
Wie wird ermittelt, ob es sich nur um Schlafmangel handelt?
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DANIEL BRUNNER Leiter Zentrum für Schlafmedizin Hirslanden
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TECHNIK
TOYOTA YARIS 1.5 HYBRID PREMIERE EDITION
Mehr Stadtauto denn je
Bessere Verarbeitung, und die Materialien sind exklusiver
E3 Zylinder, 1,5-l-Benziner + elektrisch, 116 PS kombiniert W5,1 l/100 km (Testdurchschnitt), Energieetikette A; Reichweite: 708 km kGewicht: 1227 kg (Testfahrz.) P0–100 km/h in 11,3 s L31 500 Fr. Die vierte Auflage des Toyota Yaris spielt seine Stärken im städtischen Umfeld aus. Seine Hybridtechnik und der geringe Verbrauch sind bemerkenswert. Ein weiterer Trumpf sind die vielen, serienmässigen Fahrassistenten.
Bescheidener Verbrauch Angenehm bei Stadtfahrt Schwungvoll / satter Durchzug Präzises und sicheres Fahrverhalten Vollständige Sicherheitsausrüstung
TEXT MARC-OLIVIER HERREN | FOTOS EMANUEL FREUDIGER
Bemerkenswertes Head-up-Display 6 Jahre / 60 000 km Gratiswartung
36 touring | Dez 2020 / Jan 2021
A Bewährter Hybrid Elektro- und Verbrennermodus arbeiten harmonisch
TECHNISCHE DATEN TESTFAHRZEUG
Gemacht für das urbane Volk Der Toyota Yaris Hybrid glänzt im Agglomerationsverkehr
Toyota Yaris 1.5 Hybrid Premiere Edition: 5 Türen, 5 Plätze; 31 500 Fr.; Varianten: Active, 1 l, 72 PS (17 900 Fr.), bis Hybrid Premiere Edition, 1,5 l, 116 PS (31 500 Fr.); Optionen (Basismodell): MetallicFarbe (690 Fr.), Navigationssystem (990 Fr.), automatische Einparkhilfe (1500 Fr.), JBLAudio, Head-up-Display (1400 Fr.); Garantien: 3 Jahre ab Werk, 5 Jahre Hybridsystem; 3 Jahre Mobilität; Rostschutzgarantie: 12 Jahre (mit Auflagen); Importeur: Toyota AG, 5745 Safenwil, toyota.ch TECHN. SPEZIFIKATIONEN Motor: 3 Zylinder, 1,5-l-Benziner, 91 PS, 80 PS synchron, 116 PS kombiniert, 141 Nm; Lithium-Ionen-Batterie; CVTGetriebe; Frontantrieb; Gewicht: 1227 kg (Testfahrzeug); Gesamtgewicht: 1615 kg; Anhängelast: 450 kg
70%
Geräuschpegel bei Autobahnfahrt 150 cm
CVT-Getriebe bei Steigungen Relativ hart (17-Zoll-Räder) Eingeschnürtes Hochdrehen Enger Zugang zu den hinteren Plätzen Durchschnittlicher Wendekreis / Übersichtlichkeit
Radstand 256 cm Länge 394 cm Breite 175 cm Kofferraum: 286–768 l Reifen: 205/45 R17, min. 185/65 R15
ls Pionier der Hybridstadtautos rivalisiert der Toyota Yaris IV ohne weiteres mit den klassischen Motorisierungen und hält sogar bei den Preisen mit. Über die auf 116 PS gestiegene Leistung hinaus entfaltet die Verbindung des 1,5-LiterBenziners und des 80-PS-Synchronmotors ihr ganzes Talent im Stadtverkehr. Das Anfahren erfolgt strikt im elektrischen Modus, und das System strengt sich diskret an, die beste Wahl aus den beiden Motorisierungen zu ziehen. Sogar der Dreizylinder verfällt nicht in akustische Exzesse. Bedauerlich ist lediglich die Kürze der rein elektrischen Phasen. Allerdings ist der Verbrauch des Antriebssystems mit einem Testdurchschnitt von 5,1 Litern auf 100 Kilometern gering. Ziel erreicht. Ausserdem liefert der durch eine stärkere Lithium-Ionen-Batterie aufgeblasene Yaris soliden Durchzug, sobald man die Stadt verlässt. Hingegen verweigert der Dreizylinder mit AtkinsonZyklus spielerisches Hochdrehen und scheint zugeschnürt, wenn er voll gefordert wird. Schade, denn das tiefergelegte Fahrwerk des um fünf Zentimeter verbreiterten, aber immer noch genauso kompakten Yaris erweist sich als weniger brav. Die Vorderachse folgt Kurven perfekt, unterstützt von einer präzisen und gefühlvollen Lenkung.
Ungezwungenes Ambiente Die vierte Auflage ist auch pfiffiger geworden, indem sie ausgeprägte Formen aufweist. Dieser Japaner «made in France» pflegt auch seine Innenraumpräsentation. Das besser gezeichnete Armaturenbrett erhält einen geschäumten Bezug, und ein neuartiger Filz schmückt die Türverkleidungen. Geschätzt haben wir auch die ebenso eleganten wie komfortablen Sportsitze der Version Premiere Edition. Einzige Wermutstropfen sind die bei langsamer Fahrt harte Federung und der ziemlich hohe Geräuschpegel bei Autobahngeschwindigkeit. Zudem beginnt der Dreizylinder bei der kleinsten Steigung zu brummen. Ein Kleinwagen für flache Länder. Der Yaris verfügt jedoch über eine eindrückliche Batterie von Fahrassistenten, angefangen mit dem adaptiven Tempomaten. Besser noch, diese Version ist mit einem Head-up-Display ausgestattet, das verschieden Informationen in Farbe ausstrahlt. Genau so wie bei den Oberklasseautos. • Dez 2020 / Jan 2021 | touring
37
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TECHNIK
FAHRDYNAMIK
TCS MoBe: Andrea Scuderi
SERVICEKOSTEN
Beschleunigung (0–100 km/h) : 11,3 s Elastizität1 60–100 km/h (Fahrstufe D): 6,5 s 80–120 km/h (Fahrstufe D): 7,8 s Wendekreis: 10,9 m Bremsweg (100–0 km/h): 34,5 m Innenlärm 60 km/h: 61 dB(A) 120 km/h: 71 dB(A) 1
Gratisservice 6 Jahre / 60 000 km. Dann: Wartung (km / Mte) Stunden Kosten (Fr.) 2 15 000/12 1,2 305.– 30 000/24 2,1 574.– Gesamtkosten Wartung 180 000 km: 15 000 km/Jahr 13,1 3996.– BETRIEBSKOSTEN km/Jahr
Rp./km Fr./Monat feste variable 15 000 55 449.– 239.– 30 000 37 449.– 478.– Stundenansatz für TCSBerechnung: 145 Fr. (BFS) TCS AUTOVERSICHERUNG Jahresprämie3:
635.–
NORMVERBRAUCH AUF PRÜFSTAND
Fast unverändert, der Platz auf der Sitzbank
Zyklus Mix Werk: WLTP 4,3 l/100 km CO2Emissionen: 98 g/km CO2, Schweizer Durchschnitt: 174 g/km Energieetikette (A–G): A TESTVERBRAUCH 5,1 l/100 km Tankinhalt: 36 l
Reichweite: 708 km
1 Die gemessenen Werte sind stark vom Lade zustand der Batterie abhängig. 2 Inklusive Servicematerial. 3 Offertbeispiel für 36jähriges TCSMitglied, wohnhaft in Bern, Haftpflicht inkl. Vollkasko, Jahreskilometerleistung 10 000 km, Tiefgarage, Jahresprämie exkl. Abgaben.
Video zum Test
Korrekte Kapazität angesichts der Kompaktheit Auffällig, die Rücklichter und das Leuchtband im Heck
tcs.ch/ videoportal
Toyota Yaris Hybrid im Detail KAROSSERIE Die verbreiterte und tiefergelegte Karos serie trägt japanischere Züge – wie aus geprägte Kiemen. Das fast unveränderte Platzangebot hinten ist angesichts der Kompaktheit des Fahrzeugs angemessen. Der Zugang leidet unter dem geringen Öffnungswinkel der Türen. Der kubische Kofferraum bleibt eher bescheiden. INNENRAUM Die Materialanmutung ist besser ge worden – wie beim weichen Bezug des Armaturenbretts. Letzteres setzt sich aus zwei Ebenen zusammen und be herbergt einen AchtZollTouchscreen. Ausser der Multifunktionsanzeige des Cockpits wird es durch ein farbiges HeadupDisplay ergänzt. KOMFORT Wir erwähnen vor allem die gut passen den Leder/StoffSportsitze, die dem Rücken guten Halt bieten. Ansonsten erweist sich die Federung mit 17Zoll Bereifung in der Stadt als ziemlich hart, währenddem der Geräuschpegel auf der Autobahn relativ hoch ist. PREIS / LEISTUNG Der Yaris ist gut positioniert, auch wenn die Preise gestiegen sind. Die Ausstat tung ist grosszügig und sogar innovativ, abhängig von den sechs angebotenen Versionen. Der adaptive Tempomat ist Serie, und die meisten umfassen alle Komfortausrüstungen. Hinzu kommt die kostenlose Wartung für sechs Jahre / 60 000 Kilometer. FAHREIGENSCHAFTEN Der abgesenkte Schwerpunkt und die optimierte Gewichtsverteilung sorgen für stabiles, sicheres Fahrverhalten. Die Vorderachse geht Kurven präzise an, die Lenkung ist gefühlvoll, und die Bremsen sind kräftig und bissig. MOTOR / ANTRIEB Der 1,5LiterBenziner und der Synchron motor arbeiten in der Agglomeration harmonisch zusammen und sorgen für soliden Durchzug. Schade, dass die rein elektrischen Phasen so kurz sind und dass das CVTGetriebe den ansonsten eher diskreten Dreizylinder an der kleins ten Steigung zum Brummen bringt. VERBRAUCH Mit seiner Hybridtechnik gab sich der Yaris im Test mit 5,1 Litern auf 100 Kilometern zufrieden – genügsam im urbanen Gebiet. SICHERHEIT Bemerkenswerte, serienmässige Sicher heitsausstattung: umfasst ganz neue Mitte lairbags, Schildererkennung, den adaptiven Tempomaten und einen aktiven Spurhalte assistenten. Wirksame Bremsanlage.
38 touring | Dez 2020 / Jan 2021
CREDITS: in freundschaftlichem Wettbewerb mit dem Amateurmodel Chantale Hofer
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TECHNIK
Pannen verhindern
Genau überwachen Batterien unterliegen einem Alterungsprozess. Kontrollen sind angesagt
Im Winter wird die Batterie stark beansprucht, was Pannen ansteigen lässt. Man muss sich also um sie kümmern und die ersten Anzeichen eines schlechter werdenden Akkumulators beachten. TCS-TIPPS
TEXT MARC-OLIVIER HERREN | TECHNIK RETO BLÄTTLER | FOTO EMANUEL FREUDIGER
U
nverändert steht die Batterie an der Spitze der TCSPannenstatistik mit derzeit einer Häufigkeit von 37 Prozent. Im Winter bedingt die Batterie wegen der stärkeren Belastung besondere Beachtung. Der Start des Motors braucht mehr Energie, weil die Kälte die Viskosität des Öls erhöht und gleichzeitig das Laden abschwächt. Auch ist die Batterie einem Alterungsprozess unterworfen. Oft muss sie nach fünf Jahren ersetzt werden. Für eine defekte Batterie gibt es erkennbare Vorzeichen. Ein Alarmzeichen ist, wenn der Anlasser langsamer dreht oder beim Starten zum Verschlucken neigt. Gleiches gilt, wenn die Kontrollleuchten oder die Innenbeleuchtung schwächer werden. Korrodierte Anschlüsse weisen üb-
rigens auf eine Undichtigkeit hin. Bei Fahrzeugen mit einem Start-Stopp-System überwacht ein Sensor den Batteriezustand. Wenn das System sogar nach einer langen Fahrt nicht mehr funktioniert, hat der Akkumulator wahrscheinlich das Ende der Lebensdauer erreicht.
Ladung prüfen Die Spannung, die sich im Ruhezustand einstellt, kann ein erstes Indiz über den Ladezustand der Batterie liefern. Aber grundsätzlich lässt man diese in einer spezialisierten Werkstatt prüfen. Es muss präzisiert werden, dass eine verbrauchte Batterie nicht mehr viel Energie speichern kann. Bei häufigen Kurzstrecken oder intensivem Einsatz der Standheizung empfiehlt sich ein Nachladen der Batterie mindestens einmal pro Monat. Damit dazu nicht immer die
Motorhaube geöffnet werden muss, gibt es Steckadapter. Diese werden auf die Batterie geschraubt und bis zum Kühlergrill gezogen, wo man das Ladegerät ganz einfach anschliessen kann. Im Fall von EFB- und AGM-Hochleistungsbatterien muss man sich vergewissern, dass das Ladegerät mit der Start-StoppTechnik kompatibel ist. Ideal sind vollautomatische Ladegeräte mit Schutz gegen Kurzschluss und Verpolung. Beim Batteriewechsel muss ein zum Fahrzeug passendes Modell gewählt werden. Angaben sind in der Bedienungsanleitung oder im Serviceheft zu finden. Ausser den herkömmlichen Bleiakkumulatoren findet man auch Gelbatterien, die sich weniger entladen, und leichtere Lithium-Ionen-Modelle, die in Sportwagen zum Einsatz kommen. ◆
1.
Ist eine Batterie drei Jahre alt, empfiehlt sich eine jährliche Überprüfung. So kann man ihren Alterungszustand beurteilen und sie rechtzeitig ersetzen.
2.
Eingeschaltete Verbraucher, ein defekter Alternator oder Spannungsregler (Elektrofahrzeuge) können auch der Grund für ein Verweigern des Starts sein.
3.
Bei einem Batteriewechsel genügt bei älteren Fahrzeugen oft eine Bleibatterie. Bei einem Start-Stopp-System oder integrierten Batteriesensoren braucht es meist EFBoder AGM-Akkumulatoren.
4.
Im Fall einer schwächelnden Batterie kann man sich an die TCS Patrouille wenden. Die Diagnose und die Arbeitszeit sind für TCS-Mitglieder oftmals kostenlos. Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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TECHNIK Wie ein Concept-Car übernimmt der MX-30 Türen mit gegenläufiger Öffnung. Die Karosserie ist eher Crossover als SUV
MAZDA MX-30 REVOLUTION VINTAGE
Ein gelungenes Stadtauto NLänge: 4,39 m; Kofferraum: 341 l E145 PS, 271 Nm; 1-Gang-Getriebe; 0–100 km/h in 9,7 s; Batterie 35,5 kWh; Testverbrauch: ca. 22 kWh/100 km; Reichweite: ca. 160 km L42 900 Fr. Der Crossover Mazda MX-30 präsentiert sich stylish und reichhaltig ausgestattet. Gewicht und Preis aber gehen zulasten der Reichweite. TEXT MARC-OLIVIER HERREN | FOTO EMANUEL FREUDIGER
D
ieses Elektrofahrzeug pflegt das Paradoxe. Seine Abmessungen und die Fahrqualitäten eines kompakten Crossovers würden ihn für den städteverbindenden Verkehr prädestinieren, doch seine 35,5-kWh-Batterie beschränkt ihn auf Fahrten in der Agglomeration. Eine bewusste Entscheidung von Mazda, wo man auf eine Beschränkung des Gewichts und attraktive Preise setzt. So wird dieser gleichermassen gestylte wie reich ausgestattete Crossover dann auch zum Preis eines elektrischen Kleinwagens angeboten.
In der Praxis belaufen sich die vom Werk angegebenen 200 Kilometer (WLTP) auf rund 160 Kilometer, sofern
man auf ebenen Strassen bleibt. Auf hügligeren Strecken übersteigt der Aktionsradius kaum noch 130 Kilometer. Schade, denn dieser Crossover bietet ein schön sanftes Fahrgefühl und ein Arsenal an Assistenten wie den adaptiven Tempomaten oder ein Head-up-Display. So spielen wir gewissenhaft mit den Paddeln am Lenkrad, um ein Maximum an Energie zu rekuperieren.
Schön nachhaltig Das Innere dieses Stadtautos steht ganz im Zeichen von Nachhaltigkeit. Korkapplikationen auf der Basis von Zapfenabfällen und Türverkleidungen aus recyklierten PET-Flaschen vermitteln eine gewisse Exklusivität. Das gilt auch für die komfortablen
Sitze aus Kunstleder. Schätzenswert ist auch der Zugang durch die gegenläufigen Türen – ein Erbe vom RX-8 Coupé – mit rechtwinkliger Öffnung. Die Beinfreiheit auf den hinteren Plätzen dieses grossen Kompakten ist aber eher mittelmässig, und die kleinen Fenster sorgen für ein Gefühl der Beengtheit. In Fahrt sorgt der Synchronmotor mit 145 PS für viel Schwung, aber ein Ausbund an Sportlichkeit ist der MX30 nicht. Die Geschwindigkeit ist auf 140 km/h beschränkt. Sein künstliches Turbinengeräusch ist nicht unangenehm, aber der von den Mazda-Automatikmodellen übernommene, recht störrische Schalthebel gefiel uns weniger. Die Batterie von
Wettbewerbsfähige Preise Sehr sanfter Fahrkomfort Design / Ambiente innen Reichhaltige Ausstattung Assistenten auf Topniveau Begrenzte Reichweite Platzverhältnisse hinten Störrischer Schalthebel
310 Kilogramm verleiht dem MX-30 ein gutes Gleichgewicht. Der Komfort steht deutlich mehr im Vordergrund als die Agilität. Geladen wird mit einem Typ-2-Anschluss oder an einer Schnellladesäule (Maximalleistung 50 kW). Panoramasichtsystem und Matrixscheinwerfer – der Elektro-Mazda bietet modernste Ausrüstungen. Wen die eher geringe Reichweite noch beunruhigt, muss sich gedulden: Die Range-Extender-Version mit Wankelmotor kommt nicht vor 2022. •
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TECHNIK
LAND ROVER DEFENDER 110 P400 FIRST EDITION
Der Kraxler ist nun zivilisiert
Ein Muskelpaket, dessen 4×4-Tauglichkeit erhalten bleibt
Die 4×4-Kraftübertragung lässt sich vielfältig konfigurieren
NLänge: 4,76 m; Kofferraum: 646 l E3-l-Turbobenziner, 400 PS, 550 Nm; aut. 8-GangGetriebe, 4×4; 0–100 km/h in 6,1 s; Testverbr.: 12,9 l/100 km; Reichweite: 659 km L95 500 Fr. Nach vier Jahrzehnten kommt für den Defender der Technologiesprung. Der Offroader wird zum elitären Abenteurer. TEXT MARC-OLIVIER HERREN | FOTOS EMANUEL FREUDIGER
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ährend ihn die Puristen entschärft finden, werden alle andern sich an seinem ungeahnten Komfort erfreuen. Der neue Land Rover Defender hat seinen Leiterrahmen gegen die selbsttragende Alustruktur des Range Rover eingetauscht. Man findet sich an Bord eines monumentalen 4×4 wieder, von dessen Höhe herab man einen guten Überblick hat. Der «rangeroverisierte» Koloss brüstet sich damit, gewisse Züge des guten alten Landys wie das von Lukarnen durchbrochene Dach oder die prallen hinteren Kotflügel beibehalten zu haben. Man erkennt ihn vor allem an den erhalten gebliebenen Geländeeigenschaften. Die kurzen Überhänge bewahren
Auf- und Abfahrtswinkel eiBord dieses kubischen Kolosnes echten 4×4, während die ses mehr als zufallsbedingt jetzt pneumatische Aufhänist. Ganz in der Tradition von gung die Bodenfreiheit auf Land Rover meistert der De29 Zentimeter steigen lässt. fender auch extremste BedinDas sind zwei gungen. Zentimeter Guter Allesüberwinder Der Innenmehr als beim Ganz neuer Fahrkomfort raum ist eine Range Rover Kultiviert / kräftiger Motor Mischung aus bei einer idenVariierbarer Innenraum tischen Watraffiniert Angemessene Anmutung tiefe von robusten und 90 Zentimeneuartigen Elitärer Abenteurer tern. Ohne die Materialien. Enttäuschender Verbrauch guten alten Die MagneAbmessungen / Gewicht Hebel erfolgt siumtraverse Happiger Preis die Bedienung im Armatudes Allradanrenbrett vertriebs und seiner Batterie von läuft dabei neben angenehm Differenzialen durch Tasten. anzufassenden Polsterungen. In dieser desinfizierten Welt Gleiches gilt für die gummierfügt der Defender die Funkten Verkleidungen im Koffertion virtuelle Motorhaube raum. Und schliesslich enthinzu: Kameras nehmen den spricht das Platzangebot den Boden und die Stellung der Abmessungen des Geräts. Die Räder unter die Lupe. Heilausgedehnte, verschiebbare sam, da die Übersicht an Sitzbank gibt, als Option,
Zugang zu zwei zusätzlichen Sitzen.
Langstreckenauto Parallel dazu treibt das pneumatische Fahrwerk sein Spiel mit den Fahrbahnunebenheiten und bietet dabei einen Fahrkomfort, der einer grossen Reiselimousine würdig wäre. Und der Reihensechszylinder-Mildhybrid brummt zivilisiert und dreht superrasch hoch. Das Anfügen eines elektrischen Kompressors verstärkt die Kraft des schweren 4×4 (2,7 t), der von einem ESP eingebremst wird. Schade, dass die versprochenen 9,9 Liter auf 100 Kilometern sehr theoretisch sind. Man könnte aber auf die Plugin-Version ausweichen. Und alle, die sich nach dem alten Defender zurücksehnen, haben die Musse, Leiter und Seilwinde anzubringen. • Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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TECHNIK
PORSCHE 911 TURBO S
In ihm steckt ein Tier NLänge: 4,54 m; Kofferraum: 128/264 l E3,8 l, 6-Zylinder-Boxermotor, 650 PS, 800 Nm; 8-Gang-PDK, 4×4; 0–100 km/h in 2,7 s; max. 330 km/h; Testverbr.: 12,2 l/100 km L271 600 Fr. Trotz seiner stolzen 650 PS erweist sich der 911 Turbo S als höchst alltagstauglich. Ein Coupé für Gutverdiener, die Understatement lieben. TEXT UND FOTOS MARC-OLIVIER HERREN
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ehr denn je bringt das technische Datenblatt des Porsche Turbo S die Statistiken durcheinander. Die Leistung steigt um 70 PS, und das maximale Drehmoment, das ab 2500 U/ min verfügbar ist, gewinnt 50 Newtonmeter. Trotz dieser überwältigenden Zahlen kommt das 2+2-Coupé fast unauffällig daher. Sogar der vergrösserte Flügel ist diskret ins Heck integriert. Schaut man näher hin, verraten aber die verbreiterte Spur (+4 cm) und die enorme Mischbereifung von 20 und 21 Zoll den Boliden, der auf den Boden aufgepresst zu sein scheint. Ein Eindruck, der durch die gelben Bremszangen mit der Kleinigkeit von zehn Kolben vollendet wird. Verblüffend.
Lebhaft … Diese Zahlen dürfen nicht vergessen lassen, dass der 911 Turbo S zum Gran Turismo berufen ist. Er kann daher nicht mit Rundstreckentieren wie dem GT3 und oder dem GT2 RS rivalisieren. Seine fast 1700 Kilogramm halten
ihn davon ab. Anfänglich vermittelt sein Fahrverhalten vielleicht einen Eindruck von Schwerfälligkeit. Dieser verblasst jedoch in der ersten Kurvenkombination unter dem Effekt der mitlenkenden Hinterachse und einer Vorderachse, die Kurven nur so schluckt. Vor allem aber, weil das von der aktiven Aufhängung verwöhnte Fahrwerk sehr lebendig wirkt und dieser Allradler einige Neigungen eines Hecktrieblers beibehält. Die Hinterachse trägt ihre spielerische Facette ebenfalls bei. Bleibt, dass der 4×4-Antrieb aufpasst, genau wie die superstarken Bremsen, die dennoch nicht zu bissig sind. Vorher wird man die noch nie dagewesene Reifentemperaturanzeige abgelesen haben, die angibt, dass die Pneus gerüstet sind .
0 bis 100 km/h (–0,2 s) zu den berauschendsten gehören. Höchst vielseitig findet sich dieser Bolide auch mit 30er-Zonen ab, wo der heisse Sechszylinder-Boxer bei 1000 U/min schnurrt. Fahrbahnschwellen mag er weniger und nutzt dann ein hydraulisches System, das die Vorderachse um vier Zentimeter hebt. Es arbeitet bis 35 km/h und ist via GPS programmierbar. Grosse Kunst. Man kann mit ihm gut zum Einkaufen fahren, aber wohler fühlt er sich auf der Autobahn. Konzipiert, um 330 km/h zu erreichen, gibt er sich im lang übersetzten
Er klebt auf dem Boden Der 911 Turbo S benutzt als erstes Modell eine Mischbereifung in 20 und 21 Zoll
Vielseitiger Supercar Blitzartige Beschleunigung Fahrverhalten Leistungsstarke Bremsen Sparsam auf der Autobahn Äusseres Understatement Enormer Preis Gewicht / Abmessungen Abrollgeräusch
achten Gang bei zivilisierter Geschwindigkeit mit rund 10 Litern pro 100 Kilometer zufrieden. Vernünftig für ein Gerät mit 650 PS. Leider ist der Preis böse gestiegen. Aber das ist keine Katastrophe für Leute mit «kleinem Budget», denn die sind auch mit einem um 111 600 Franken günstigeren 911 4S gut bedient. •
Der vergrösserte Flügel sorgt für mehr Abtrieb bei hohem Tempo
… und facettenreich Aber der Turbo S beschränkt sich nicht nur auf die Rolle eines Supercars, mit dem man vor Clubs auf und ab cruist oder Launch-ControlStarts hinlegt. Obschon die so gelieferten, blitzschnellen Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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TECHNIK
Eine lebende Legende Vor 40 Jahren hat auch das Coupé Audi Quattro den Allradautos zum Durchbruch verholfen. Eine Saga im ständigen Umbruch. TEXT MARC-OLIVIER HERREN
N
iemand hätte gedacht, dass das am Genfer Salon 1980 enthüllte Coupé mit den vorstehenden Kotflügeln die Automobilgeschichte derart verändern würde. Genauso wie Subaru haben die Audi mit dem Logo «quattro» (aus ästhetischen Gründen kleingeschrieben) die Antriebsart und damit die Traktion der Autos revolutioniert. Die Legende dieses Vierplätzers fusst auf den hervorragenden Leistungen im Rennsport. Ab 1981 bei Rallyes eingesetzt, gab der Audi Quattro rasch zu Diskussionen Anlass. Weniger spektakulär als die klassischen Sportwagen zog er maximalen Nutzen aus der durch den Allradantrieb garantierten
Demuth, der im legendären Werbespot am Steuer einer Audi-100-Quattro-Limousine eine Skisprungschanze hochfuhr. Auch wenn die Bezeichnung immer noch aktuell ist, hat sich die Technik ständig weiterentwickelt. Während der erste, mythische Urquattro einen permanenten Allradantrieb mit manuellem Sperrdifferenzial benutzte, wurde dieses ab 1986 durch ein Torsen-Mitteldifferenzial ersetzt. Bei den Modellen Audi TT und A3 mit Quermotor machte dieses mechanische System einer Visco-Kupplung Platz. Sodann war er mit einer asymmetrischen Drehmomentverteilung ausgestattet. 10,5 Millionen QuattroModelle später hat sich der Allradantrieb in den AudiE-tron-Modellen breitgemacht. Aber hier sorgen an den Achsen angeflanschte Motoren für die Übertragung der Leistung auf die Räder, ergänzt durch eine vektorielle Drehmomentverteilung an der Hinterachse. Der Name bleibt, die Technik entwickelt sich ständig weiter. • Von den Schweizern sehr geschätzt, sorgt der Audi Urquattro für Kribbeln im Bauch
«Vor dem Starten des Motors muss man unbedingt das Fenster öffnen.» Thomas Brunner empfiehlt dieses Ritual jedem Fahrer, den er in seinen Audi Quattro von 1995 einlädt. Beim Vernehmen des vielversprechenden Brummens des Fünfzylinders mit 200 PS und zehn Ventilen dankt man dem auf die Restaurierung von QuattroModellen spezialisierten Garagisten für seinen Rat. Und es geht weiter: «Erhöhen Sie die Drehzahl auf 3000 U/min.» Und tatsächlich ist das die Phase, die den 2,2-Liter-Turbo boostet und das Coupé mit den zeitlosen Formen buchstäblich unter Spannung setzt. Auf sehr lineare Art nimmt das Auto Drehzahl auf. Da Thomas Brunner das Auto bis ins kleinste Detail überholt hat, wähnt man sich am Steuer eines Modells, das frisch vom Band gelaufen ist. Ein Traum, der seinen Preis hat: Die Audi Urquattro werden für mehr als 70 000 Franken angeboten, viel mehr als die 55 000 Franken im 1981. Ein Preis, der damals höher war als der eines Porsche 911 SC. Heute verschwinden schöne Quattro-Exemplare schon, bevor sie auf den Markt kommen.
FOTOS ZVG
Die zeitlose Linie des Quattro gefällt noch immer. In den 80er-Jahren machte er Furore
Traktion. Teuflisch effizient, aber wenig auffällig. Das ging so weit, dass Kritiker sogar die Verdienste der Rennfahrer infrage stellten. Davon betroffen war auch die französische Fahrerin Michèle Mouton, eine der wenigen Frauen, die damals Rallyes fuhren. Der deutsche Rennfahrer Harald Demuth, damals an den Abstimmungsarbeiten beteiligt, widerlegte schliesslich alle Kritiken. Er erinnert noch heute daran, dass das Auto sehr anspruchsvoll zu fahren war, und zwar sowohl auf der technischen als auch auf der physischen Ebene. Die Untersteuertendenz des Allradlers in Extremsituationen – er verteilt die Leistung unveränderlich zu je 50 Prozent auf die Vorder- und die Hinterachse – war eine echte Herausforderung. Und es war auch Harald
BRUMMENDE AKZENTE
48 touring | Dez 2020 / Jan 2021
TECHNIK
Der Renault Twingo im Elektromodus
Auf der Rundstrecke Der Allradantrieb des Yaris GR wird Rennstreckenfans entzücken
N3 Türen, 4 Plätze E1,6-l-Turbobenziner, 261 PS, 360 Nm; 6-Gang-Getriebe, 4×4; 0–100 km/h in 5,5 s; 230 km/h; Verbrauch (Werk): 8,2 l/100 km; CO : 186 g/km L37 900 Fr. 2
Ein kleiner Yaris mit Temperament Vom braven Kleinwagen verwandelt sich der Toyota Yaris in der Ausführung GR in ein ausgeflipptes Rassetier.
I
n einer Zeit, wo manche sportliche Kleinwagen aus dem Leben scheiden, bietet der von der Sportabteilung Gazoo Racing (GR) überar beitete, brave Toyota Yaris eine explosive Mischung. Die ser Dreitürer mit um neun Zentimeter abgesenkter Dachlinie unterscheidet sich merklich vom konventio nellen Yaris. So beruht der verbreiterte hintere Teil auf der kompakten Plattform von Toyota (GAC). Ausser dem aggressiveren Kühlergrill bekräftigt auch das Heck mit prallen Kotflügeln, welche einen froschartigen Stil er wecken, die sportlichen Am bitionen dieses Autos. Unter der Haube entdeckt man einen brodelnden 1,6 LiterDreizylinder mit 261 PS. Genug, um das Leistungs gewicht auf 4,9 Kilogramm pro PS zu begrenzen. Eine Leistung, die auch dem Ein bezug leichter Materialien,
die 65 Kilogramm einsparen, geschuldet ist. So ausge stattet wird der Yaris GR mit jeder Menge anstössigem Brummen nach vorne kata pultiert. Um dieses Unge stüm zu zähmen, hat Toyota einen Allradantrieb mit variabler Verteilung gewählt. Je nach gewähltem Modus liegt die Drehmomentvertei lung vorne/hinten zwischen 60/40, 30/70 oder 50/50 auf der Rennstrecke.
Jedem sein Stil Im Übrigen umfasst das CircuitPack – immerhin 4900 Franken – zwei Torsen Differenziale mit beschränk tem Schlupf, welche das Drehmoment nach der Seite regeln. Dagegen enthält das ConveniencePack (2900 Fr.) das Navigationssystem und das ausgezeichnete Headup Display. Zweifellos wird dieser rassige Flitzer in der Schweiz einen Riesenerfolg haben. •
Jetzt wird der Twingo elektri ten, was das ESP zu raschen fiziert. Da seine Plattform von Eingriffen veranlasst. vornherein zur Aufnahme Der 22KilowattstundenBatte dieser Energiequelle konzi rie wird eine WLTPReich piert worden ist, schadet der weite von 190 Kilometern zu Einbau der LithiumIonen geschrieben. Der Schalthebel Batterie im Boden weder dem erlaubt die Wahl zwischen Platzangebot noch der Koffer drei Stufen der Energierekupe raumkapazität. Der vom Re ration. Dank eines OnBoard nault Zoe abgeleitete Syn Systems, das bis 22 Kilowatt chronmotor entwickelt 82 PS zulässt, erfolgt das Nachladen und ein Drehmoment von 190 Newtonmeter. Genügend, an öffentlichen Sta um für kräftige Be tionen schneller. Im Gegensatz schleunigung zu zum Zoe ist sorgen. Ex die Batterie zesse kom im Preis (ab men mit 20 900 Fr.) dem auf inbegriffen. 135 km/h Der Mehrpreis begrenzten ver Aggregat nicht Twingo Electric, erkennbar am gegenüber ver gleichbaren infrage. Aber Grill und am seitlichen Zierstab Benzinmodellen das Ministadt beschränkt sich auf einige auto mit Heckmotor verfügt über ein lebhaftes Fahrverhal Tausend Franken. •
Oberklasse im Visier Die opulente Limousine DS9 ist dabei, eine klaffende Lü cke in der französischen Oberklasse auszufüllen. Ent wickelt im technischen Zent rum von PSA in Vélizy, wird sie in China gebaut werden. Da, wo der Markt das meiste Potenzial bietet. Obwohl 4,93 Meter lang, nimmt der DS9 sowohl das Segment der Premiumfamilienautos als auch das der Oberklasse ins Visier. Das belegen auch die aufgerufenen Preise (etwa 55 000–75 000 Fr.). Er bietet die Raffinesse, deren sich DS rühmt. So wird das mit Leder
bezogene Armaturenbrett von Hand montiert. Festzu halten gilt es vor allem die enorme Beinfreiheit auf der mit belüfteten Massagesitzen ausgestatteten Bank. Die verbaute Technik steht dem in nichts nach, bietet ein geregeltes Fahrwerk, das die Strasse scannt, und ein InfrarotNachtsichtsystem. Der DS9 wird ab Mai in einer Benzin und einer Plugin HybridVersion eingeführt, welche beide 225 PS leisten. Ein PHEV4×4Modell mit 360 PS folgt. • DS9 Ein Radstand von 2,90 Metern und langgestreckte Züge sorgen für viel Stil
Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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CO2-Vorgaben für Lieferwagen
Die Lieferwagen müssen energieeffizienter werden, um die CO2-Limiten zu erreichen
REDAKTION TOURING
D
er Verkehr (inkl. Flugverkehr) ist für über einen Drittel des Energieverbrauchs in der Schweiz verantwortlich. Grosses Sparpotenzial besteht bei Lieferwagen und leichten Sattelschleppern. Deshalb traten am 1. Januar 2020 erstmals CO2-Emissionsvorschriften für diese Fahrzeuge in Kraft.
Während des Shutdowns machten viele Onlinehändler das Geschäft ihres Lebens. Doch schon vor der CoronaKrise boomte der Internethandel hierzulande. 2019 stieg der Onlinekonsum von Waren laut Verband des Schweizerischen Versandhandels (VSV) gegenüber 2018 um 8,4 Prozent an. Das höhere Paketvolumen erfordert mehr Lieferwagen, was die Zulassungszahlen von Lieferwagen und leichten Sattelschleppern (kurz: leichte Nutzfahrzeuge, LNF) nahelegen. Gemäss Bundesamt für Energie (BFE) wurden 2019 rund 34 000 neue LNF in Verkehr gesetzt. Das entspricht einer Zunahme von 12,6 Prozent gegenüber den 30 200 zugelassenen Fahrzeugen im 2018. 50 touring | Dez 2020 / Jan 2021
Welche Massnahmen enthält die Umsetzung des Energiegesetzes, um den Verbrauch von LNF zu bremsen?
Seit Anfang Jahr muss jeder Importeur für seine Neuwagenflotte eine individuelle CO2-Zielvorgabe einhalten. Diese wird in Abhängigkeit des Leergewichts auf Basis des durchschnittlichen Zielwerts für LNF von 147 Gramm CO2 pro Kilometer berechnet. Wenn die CO2-Emissionen einer Neuwagenflotte die Zielvorgabe überschreiten, wird pro Gramm Überschreitung und Fahrzeug ein Sanktionsbetrag von 109 Franken fällig. Wie werden die CO2Emissionen abgerechnet?
Es wird zwischen Gross- und Kleinimporteuren unterschieden. Grossimporteure dürfen den CO2-Durchschnitt über die gesamte Flotte berechnen und können so stark emittierende mit verbrauchsärmeren Fahrzeugen kompensieren. Kleinimporteure dagegen müssen jedes Fahrzeug separat abrechnen. Die Importeure können Emissionen auch über eine CO2Börse abrechnen oder Emissionsgemeinschaften bilden.
Wie sieht die Zukunft aus?
2019 lag der durchschnittliche CO2-Ausstoss von LNF laut BFE bei 181,5 Gramm CO2 pro Kilometer. Zur Erreichung des Zielwerts von 147 Gramm CO2 pro Kilometer müssen vermehrt energieeffiziente Fahrzeuge importiert und zugelassen werden. Erfreulicherweise wird das Angebot an verbrauchsärmeren Fahrzeugen immer breiter. Und erste Paket- und Zustelldienste setzen bereits zahlreich Elektrolieferwagen ein, die sich gut für den Verteilverkehr eignen. •
SPEZIELLE ASPEKTE ZUR VORSCHRIFT
1.
Bis 2022 gelten besondere Einführungserleichterungen wie Phasing-in und Supercredits.
2.
Importeure dürfen sich zwecks gemeinsamer Zielerreichung zu Emissionsgemeinschaften zusammenschliessen.
3.
Kleinhersteller, die in der EU weniger als 22 000 LNF pro Jahr neu zulassen, können in der EU Spezialziele beantragen (gilt auch in der Schweiz).
4.
Innovative Technologien (sogenannte Ökoinnovationen) dürfen geltend gemacht werden.
ELIA LIMARZO Funktion: Projektleiter Test & MobiliMobili tät Beruf: Automobilingenieur Alter: 27 Jahre Kontakt:
tcs.ch/experte
KEYSTONE
DER TCS-EXPERTE
TECHNIK Die schlanke Silhouette zeichnet das wertige Fully Cilo Diamondblaze aus
NGewicht: 26 kg, zulässiges Gesamtgewicht: 130 kg EBosch Performance Line CX, 250 W / 85 Nm; 12-Gang-Kettenschaltung; Akku: 625 Wh Lab 5990 Fr. CILO DIAMONDBLAZE CXF°07 CARBON
Ein Diamant am Berg Ein harmonischer und leistungsstarker Antrieb sowie gute Fahreigenschaften up- und downhill zeichnen das Carbonfully von Cilo aus. Verarbeitungsqualität und Preis lassen sich sehen.
Cilo setzt beim E-Mountainbike auf bewährte Komponenten wie den Fox-Schwingendämpfer
TEXT UND FOTOS FELIX MAURHOFER
N
euster Coup der Marke Cilo ist das Enduro-E-Mountainbike Diamondblaze CXF°07, welches M-Way anbietet. Das Fully aus Carbon gefällt auf den ersten Blick. Doch überzeugt die «Diamantflamme» auch am Berg? Angesichts der verbauten Komponenten sollte das keine Frage sein.
Genug Energie Angetrieben wird das Bike vom bewährten, 2,8 Kilogramm schweren BoschMotor Performance Line CX mit 250 Watt Nennleistung und einem Drehmoment von 85 Newtonmetern. Die Energie liefert der im Rahmen integrierte Akku mit 625 Wattstunden. Genug Saft also,
um mindestens zwei Stunden stiege bewältigt das Cilo mit lang den Berg zu rocken. Auf der richtigen Portion Traktion. der Testtour über 42 KilomeWeil der Antrieb stets sanft ter und 1200 Höhenmeter Schub liefert, ist auch das Anüberzeugte fahren kein das Bike. GeProblem. Wertige Fertigung fahren in der Einziger WerHohe Fahrstabilität zweithöchsten mutstropfen Abstimmung Antrieb und Unterstütist die PosiSchaltung zungsstufe tion des SpeiGute Reichweite «Tour» (140%) chenmagnets, zeigte das der sich leicht Preis / Leistung Display noch verdrehen Klackern des Motors 40 Prozent kann. Leider Gewicht relativ hoch Akkukapazibietet Bosch tät an. derzeit den Bikeherstellern keine clevere Bosch bietet vier UnterstütLösung an. Deshalb gehört zungsstufen an. Wirklich Werkzeug mit auf die Tour. smart fährt es sich im E-MTBStabile Fahrt Modus. Er reagiert progressiv und liefert je nach Pedaldruck Die Rahmengeometrie und die grosszügigen Federwege und Trittfrequenz die ideale Unterstützung. Auch steile An- der Gabel und Schwinge
(150 mm) schlucken einiges und verleihen dem Bike zusammen mit den 29-ZollRädern ein gutes Mass an Spurtreue und Fahrstabilität. Es bietet die richtige Portion Agilität. Uphill wippt die Schwinge kaum nach, was Kraft spart. Die Kassette mit zwölf Gängen harmoniert gut mit der Antriebseinheit und lässt eine ideale Dosierung der Trittfrequenz zu. Die verbaute Teleskopsattelstütze bietet mit rund 150 Millimetern Hub genügend Spielraum. Auch das Bosch-DurionDisplay ist bedienerfreundlich. Das Cilo Diamondblaze kann mit der Konkurrenz in Bezug auf Qualität, Leistung und Preis mithalten. Einzig beim Gewicht besteht noch Verbesserungspotenzial. ◆ Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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FREIZEIT
Auf der Jagd nach Aurora
Magischer Moment Nordlichter und Sternenhimmel über Luosto, Finnland
Seit einem Jahr verbindet die Arctic Route die Städte Tromsø und Rovaniemi. Touristen reisen einfach und bequem per Bus an die Hotspots des nördlichen Skandinaviens – und erleben, mit ein wenig Glück, ein Naturwunder. REPORTAGE DOMINIC GRAF
A
ls Erstes ein Feuer machen. Langsam füllt sich der Raum im Blockhaus mit Wärme, und der Duft von verbranntem Holz strömt aus dem Cheminée. Hände, Füsse und Nase tauen all mählich auf. Sogar das ein gefrorene Freudentränchen von vorhin darf seinen Weg die Wange hinunter fort setzen – ein emotionales Mit bringsel von jenem Feld in Finnisch-Lappland, irgendwo ausserhalb Luostos, auf dem sich zuvor eines der schöns ten Naturschauspiele doch noch zu erkennen gab.
Zwei Stunden im brusthohen Schnee Nach mehreren erfolglosen Anläufen und trotz misera bler Prognose für diese Nacht ist es der letzte verzweifelte Versuch, Polarlichter zu sehen. Der Kontiki-Nordlicht alarm sagt eine Wahrschein lichkeit von 20 Prozent vor aus, eigentlich zu wenig, um mit Kamera und Stativ draussen bei minus 15 Grad Celsius auszuharren. Doch es ist die letzte Nacht vor der Heimreise, die allerletzte Chance. Und die Hartnäckig keit, rund zwei Stunden im brusthohen Schnee in einer
selbstgestampften Grube zu lauern, zahlt sich tatsächlich aus. Gegen 23 Uhr wird der Him mel heller, die Wolken ver ziehen sich, und die Sterne kommen zum Vorschein – ein gutes Zeichen. Und dann, einfach so, ist er da: ein leuchtender Streifen am Ho rizont. Zuerst ein schwacher, dunkelgrüner Strich, dann verfärbt sich der Horizont immer deutlicher und schim mert von hell- bis dunkel grün, als habe jemand eine Schatztruhe geöffnet. Zwi schendurch verschwindet
das Licht, um in leicht ande rer Form und etwas versetzt wieder aufzuleuchten. Eine Stunde lang dauert die Vor stellung. Ein magischer Mo ment, der auch die hartgesot tensten Frauen und Männer zu Tränen rühren kann. Es ist das Ende und der Höhepunkt einer Jagd, die ihren Anfang vor einer Woche im norwegi schen Tromsø nahm.
Die Rüstung der Walküren Tromsø ist die grösste Stadt Nordnorwegens und Heimat der nördlichsten Universität der Welt, des nördlichsten Dez 2020 / Jan 2021 | touring 53
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Symphonieorchesters, Filmfestivals oder Burger Kings. Das ehemalige Fischerdorf und Zentrum des norwegischen Robbenfangs ist heute Anziehungspunkt für Touristen, Forscher und Studierende. Beheizte Gehwege, ein reiches Kultur- und Freizeitangebot sowie eine spannende Foodszene machen Tromsø interessant. Eine lebhafte Stadt, die über 300 Kilometer nördlich des Polarkreises auch ein beliebtes Ziel für Polarlichtjäger ist. Im Minibus geht es in die nächtliche Dunkelheit. Die Miene des Guides verrät schon beim Einsteigen: Heute wird es wohl nichts mit den Polarlichtern. Die bekannten Hotspots werden trotzdem abgefahren, doch der Himmel bleibt schwarz, und der Ausflug endet zwei Stunden früher als geplant. So sei das nun mal mit der Natur, man wisse nie, wann sie einem wohlgesinnt ist, sagt der norwegische Guide in perfektem Britisch-Englisch. Der Trip lohnt sich trotzdem, denn man erfährt einiges über die sagenumwobenen Lichter. Während die Wikinger einst die Rüstun-
gen der Walküren darin erkannten, glaubten die Sami, dass es sich um die Seelen der Verstorbenen handle. Heute lässt sich das Phänomen wissenschaftlich erklären: «Sie entstehen, wenn elektrisch geladene Teilchen von der Sonne auf die Erdatmosphäre treffen und die Luftmoleküle zum Leuchten bringen. Die Teilchen werden vom Erdmagnetfeld in Richtung der Pole gelenkt, weshalb man sie am besten innerhalb der Polarkreise zu sehen bekommt», erklärt der Guide, während sich der Bus durch die dunklen Strassen vor Tromsø schlängelt. Auf der Nordhalbkugel nennt sich das Phänomen Aurora borealis, auf der Südhalbkugel heisst es Aurora australis. Je nach Höhe, in der die Sonnenwindpartikel mit dem Sauerstoff reagieren, würden sich schliesslich auch die Farben der Lichter unterscheiden: «In einer Höhe von 100 Kilometern leuchten sie grün, zwischen 150 und 600 Kilometern rot oder blau», fährt er fort. Der Gruppe, die ihm aufmerksam zuhört, wäre in diesem Moment wohl jede Farbe recht. Aber die Natur
Arctic Route Seit 2019 verkehrt eine Buslinie durch den hohen Norden
Die Eismeerkathedrale Das Wahrzeichen Tromsøs wurde 1965 erbaut Tromsø ist die nördlichste Universitätsstadt der Welt
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FREIZEIT
Bungalow auf Finnisch In Luosto wohnen Touristen in Blockhäusern
Heimelig Jedes Blockhaus verfügt über Cheminée, Küche und Sauna
ist den Nordlichtjägern heute nicht wohlgesinnt. Bleibt zu hoffen, dass es in Finnland besser aussehen wird.
sichtlich gerührt. Ob Wintersport oder romantische Zweisamkeit – Luosto hat viel zu bieten. Auch Nordlichtjäger sollen hier auf ihre Kosten kommen.
Zehn Stunden auf der Arctic Route
KARTE KEYSTONE
Nach drei Tagen in Norwegen geht es weiter in Richtung Osten. Ziel: Luosto in Finnisch-Lappland. Dank der vor einem Jahr eingeführten Linie zwischen Tromsø und Rovaniemi lässt sich der Norden Skandinaviens von Dezember bis März nun bequem mit dem Bus erkunden. Die Arctic Route erstreckt sich über 550 Kilometer und macht ihrem Namen alle Ehre. Die meist schnee- und eisbedeckte, einspurige, schmale Strasse ist für jeden Lenker eine Herausforderung. Ohne Spikes an den Pneus hat man hier keine Chance. Gut, haben wir einen Chauffeur, der den grossen Bus mit stoischer Gelassenheit über die Strasse manövriert. Die Strecke kenne er aus dem Effeff. Was ihm an seinem Job gefalle? «Das Lachsbrötchen aus dem Shop, an dem wir nächstens Halt machen», sagt er und lächelt in den Rückspiegel. Die meiste Zeit der Fahrt vergeht in Stille, und das monotone Vorbeirauschen der
schneebedeckten Tannen, Felder und Hügel hat etwas Beruhigendes, fast Meditatives. Ohne es zu merken, verliert man sich in seinen Gedanken, und die Fahrzeit vergeht zügig. Nach zehn Stunden – auf Wunsch kann die Reise mit einer Übernachtung in Kilpisjärvi an der norwegisch-finnischen Grenze auch in zwei Tagen erfolgen – erreicht der Bus Rovaniemi, die Hauptstadt Lapplands. Zwei weitere Stunden in einem anderen Bus und man ist in Luosto.
Blockhausromantik Im kleinen Wintersportort türmt sich der Schnee auch im März noch meterhoch und verwandelt die Wege zu den Unterkünften in Korridore. Die meisten Touristen wohnen in Blockhütten mit Küche, Cheminée und, natürlich, eigener Sauna. Tretschlitten, Schneeschuhe und wärmende Overalls können kostenlos bezogen werden. Auf Schweizerdeutsch, Französisch oder Italienisch werden Ausflüge zur Rentierfarm, mit Schneemobilen oder Winterbikes gebucht. Ein junges Paar aus Bern kehrt gerade freudenstrahlend von einer Huskysafari zurück. «Wir haben uns verlobt», sagt sie noch immer
Leider spielt der Himmel auch beim zweiten Versuch, einer geführten Tour auf den Hügel Lapivaara, nicht mit. Eine dicke Wolkendecke hängt über Luosto. Der Guide, ein finnischer Sternenforscher, versucht den Ausflug mit einer Präsentation zu retten – vergeblich. Allmählich muss man sich damit abfinden, keine Nordlichter zu sehen. Schade, aber nicht jammerschade. Denn dafür ist der Norden Skandinaviens einfach zu schön und die Möglichkeiten zu vielseitig. Ob mit Aurora borealls oder ohne, diese Reise lohnt sich sowieso. Die letzte Nacht ist angebrochen. Morgen geht es nach Rovaniemi, und am Abend folgt der Rückflug in die Schweiz. Noch ein letzter Blick in den Himmel. Noch einmal den Kontiki-Nordlichtalarm abrufen. 20 Prozent. Eigentlich zu wenig. ◆ Diese Reise kam auf Einladung von Kontiki Reisen zustande und kann auch in umgekehrter Reihenfolge gebucht werden.
Tromsø
Luosto
SWE
Rovaniemi
FIN NOR Oslo
Helsinki Stockholm
RUS
400 km
GUT ZU WISSEN Anreise: Kontiki-Direktflug Zürich–Tromsø (ca. 4 Std.); zurück ab Rovaniemi Beste Reisezeit: Dezember bis März Unterkunft: Thon Hotel Polar in Tromsø; Santa’s Chalets Rakka in Kilpisjärvi; Lapland Hotels Luostotunturi in Luosto Aktivitäten in Tromsø: Stadtführung, Eismeerkathedrale, Nordlichtjagd im Minibus, Essen in den Mathallen; in Luosto: Langlauf, Schneeschuhwandern, Huskysafari, Schneemobiltour, Winterbikeabenteuer; in Rovaniemi: Museum Arktikum Veranstalter: Kontiki Reisen, kontiki.ch Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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Kassiopeia und Orion im Sucher Bei einem Workshop über Sternenfotografie lernen Interessierte nötige Einstellungen und Tricks. Aber auch der Aufenthalt selbst nachts auf dem Berg ist ein magisches Erlebnis. REPORTAGE JULIANE LUTZ
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achdem die letzte Gondel talwärts gefahren ist, senkt sich Stille über das Bettmerhorn. Erfüllte noch kurz zuvor Stimmengewirr den Gastraum, geben nach 17 Uhr im Panoramarestaurant nur die Kaffeemaschinen ab und zu Geräusche von sich. Ausser uns ist niemand mehr hier oben. Wir, das sind Fotograf Markus Eichenber-
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ger und vier Laien, die sich in die Sternenfotografie einführen lassen wollen. Während draussen der Himmel über den verschneiten Bergen verblasst, rollen wir unsere Schlafsäcke auf dem Boden zwischen den Tischreihen aus. Keinen stört die harte Bettstatt, denn es wird eine kurze Nacht. 18.30 Uhr Theorie, danach Abendessen, von 21 bis 24 Uhr draussen
fotografieren, ausruhen, um zwei Uhr aufstehen und wieder fotografieren, sich noch einmal hinlegen, um schliesslich noch den Sonnenaufgang einzufangen, so lautet Markus’ Programm.
Sterne statt Dollars Ursprünglich war der 49-Jährige Investmentbanker, dem schon früh eine steile Karriere gelang. Doch ein BurnWas aussieht wie ein Ufo, das Kurs auf Brig nimmt, ist das beleuchtete Restaurant Bettmerhorn
out liess ihn einen anderen Weg einschlagen. Aus einer spontanen Reise nach Afrika wurden insgesamt 15 Monate auf dem Kontinent, im Mittleren Osten, in Indien und in Nepal. Als ihm das Geld ausging, kehrte er in seinen Beruf zurück. Doch das schon immer ausgeprägte Fernweh führte ihn bald nach China, wo er für einen Medienkonzern arbeitete und die Fotografie für sich entdeckte. Für Getty Images konnte er alle Stadien ablichten. Damit gelang dem Autodidakten ein Coup, denn seine Bilder wurden während der Olympiade in alle Welt verkauft. Nach weiteren Stationen in London, Dubai und Barcelona lebt er nun im Aargau und arbeitet seit fünf Jahren als Fotograf und preisgekrönter Filmemacher. Auf das Sternenthema sei er gekommen, weil man etwas Ungewöhnliches machen müsse, um als Fotograf überleben zu können, sagt er. Seine jeweils um Neumond herum organisierten «Chasing Stars»-Workshops bietet er im Winter und im Sommer an. «Blende auf 2,8 oder tiefer stellen, die Verschlusszeit auf 10 bis 15 Sekunden und den ISO-Wert auf 6400», erklärt Markus nötige Einstellungen und wie die Bildkomposition gelingt: «Ein Drittel Berg, zwei Drittel Sternenhimmel.» Sternenfotografie scheint machbar zu sein. Die anderen drei Teilnehmer sind aus unterschiedlichen Gründen hier. Alois, 66, hat einen Vortrag von Markus besucht und daraufhin den Kurs gebucht. Der 44-jährige Philipp will sein Wissen in Sachen Sternenfotografie erweitern. Und Paul, ein begnadeter 78-jähriger Hobbyfotograf, der vor allem Mikropräparate ablichtet, hat sich Sterne als Motiv für die nächsten Weihnachtskarten in den Kopf gesetzt.
Magische Nacht Bei Käsefondue stärken wir uns für die Stunden draussen. Wir haben Glück. Es wird mit minus drei Grad nicht besonders kalt werden und eine klare Februarnacht steht bevor. So fast allein in einem leeren Bergrestaurant auf 2647 Metern und umgeben von Dunkelheit scheint der Rest der Welt ganz weit weg zu sein; na ja, zumindest so lange, bis der erste Pistenbullyfahrer um die Ecke biegt. Als wir kurz vor 21 Uhr unsere Stative packen und nach draussen gehen, ist die Milchstrasse wunderschön über dem Aletschgletscher zu sehen. Eine besonders hell leuchtende Sternenkonstellation identifiziert Markus mit Hilfe der App «Sky Guide» als Kassiopeia. «Du kannst sie aber auch am W erkennen, welches ihre fünf Hauptsterne bilden», erklärt er. Richtung Brig funkeln drei Sterne dicht nebeneinander: der Gürtel des Orion. Und das schwach beleuchtete Restaurant Bettmerhorn hinter uns lässt an ein Ufo denken, das einsam durch die Nacht fliegt. Es gibt so viele Sujets. Wir sind hingerissen und fotografieren unablässig. «Da sich die Sterne bewegen, ist es schwierig, festzustellen, ob ein Bild scharf ist, wenn man nur die Sterne anschaut», sagt unser Lehrer. Er rät, die Bergkanten zu Hilfe zu nehmen. Sind ihre Konturen scharf, werde auch das Bild scharf. Die zwei Ruhestunden im Schlafsack erscheinen eher wie 20 Minuten, bevor wir wieder in der Dunkelheit durch den Schnee stapfen. Nun stört kein Scheinwerferlicht von Pistenraupen mehr die Szenerie. Markus macht uns auf den veränderten Henkel des grossen Wagens aufmerksam, der sich mittlerweile aufgerichtet hat. → Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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An ihm kann man ablesen, wie sich die Sterne in der Zwischenzeit bewegt haben.
Workshop-Teilnehmer bereiten sich auf das perfekte Bild vor (Foto: M. E.)
Gelb, Orange, Rosa
Spektakulärer Blick vom Bettmerhorn Richtung Osten (Foto: M. E.)
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Plötzlich ertönt Musik, ein Staubsauber brummt. Von uns unbemerkt ist die Res taurantcrew wieder einge troffen, die sich für einen erneuten Tag bei Bilderbuch wetter bereit macht. Der An sturm wird enorm sein. Wir trinken noch einen Kaffee zusammen, während draus sen ein Paraglider talwärts schwebt. Hier oben beginnt das Leben erst, wenn ab neun Uhr die Gondelbahn wieder fährt. •
«CHASING STARS»WORKSHOPS Ab Januar finden Workshops wieder auf dem Bettmerhorn und Eggishorn statt. Kosten: 400 Franken (für Sternengucker 200 Fr.) inkl. Schulungsunterlagen, Abendessen und Unterkunft markuseichenberger.com
FOTOS JULIANE LUTZ, MARKUS EICHENBERGER (2)
Hinreissend Das Matterhorn im Morgengrauen
Um 6.15 Uhr beginnt lang sam die Dämmerung. Wir schauen gebannt Richtung Matterhorn und Weisshorn und drücken auf die Auslöser. Der Himmel verfärbt sich von einem zarten Schwefelgelb in feuriges Orange, das schliesslich einem intensiven Rosaton weicht. Es ist ma gisch. Wieder zurück im Res taurant sitzen wir müde an den Tischen. Doch der Man gel an Schlaf hat sich für das, was wir gesehen, fotografiert und gelernt haben, gelohnt.
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ie träumen von der weiten, endlosen Strasse und davon, auf zwei Rädern durch die Landschaft zu rauschen – das Gefühl des Windes im Gesicht. Für all jene, die dieses Lebensgefühl teilen, gibt es jetzt eine einmalige Armbanduhr. Das innovative Design dieser handgefertigten Uhr mit Edelstahlgehäuse beinhaltet eine silberfarbene Schutzabdeckung mit geätzter Grafik, die sich über das Zifferblatt klappen lässt. So sieht man im geschlossenen Zustand einen amerikanischen Weisskopfseeadler und einen detailliert gestalteten Chopper unter Sternen. Auf der Rückseite des Uhrengehäuses steht das Biker-Motto „Ride Hard, Live Free“ vor dem Hintergrund eines weiteren Motorrades. Das Quarzuhrwerk garantiert eine zuverlässige Zeitnahme. Sie erhalten Ihre Uhr in einer edlen Präsentbox.
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Datenschutz: Detaillierte Informationen zum Datenschutz finden Sie unter www.bradford.ch/datenschutz. Wir werden Ihnen keine Angebote von The Bradford Exchange per E-Mail,Telefon oder SMS-Nachricht zukommen lassen. Sie können Ihre Kontaktpräferenzen jederzeit ändern, indem Sie uns unter nebenstehender Adresse bzw. Telefonnummer kontaktieren. Bitte teilen Sie uns per Telefon, E-Mail oder schriftlich mit, falls Sie keine brieflichen Angebote erhalten möchten.
Magische Nacht im Waadtländer Jura Der Chasseron ist ein herrlicher Ausflugsberg für Wanderer, Schneesportler und Familien. Ganz oben auf 1600 Metern be lohnen sich die Gipfelstürmer im Hôtel du Chasseron mit einer besonderen Aussicht – bei Tag und bei Nacht. TEXTE DOMINIC GRAF, JULIANE LUTZ
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ach dem leckeren Raclette in heime liger Berghütten atmosphäre ma chen sich die meisten Gäste an diesem Abend mit Stirn lampe, Schneeschuhen, Ski
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oder Schlitten wieder auf den Weg ins Tal. Ein kleiner Teil bleibt und wird in einem der sechs Zimmer des Hotels übernachten. Bevor es aber ins Bett geht, lohnt sich der Gang vor die Tür. Draussen
ist es kalt und finster, nur die Städte Yverdon und Orbe glitzern in der Ferne. Ein paar Schritte vom Hotel ent fernt und nachdem sich die Augen an die Dunkelheit ge wöhnt haben, entfaltet sich die wahre Schönheit dieses Fleckchens im Waadtländer Jura. Aufgrund der geringen Lichtverschmutzung hier auf 1607 Metern über Meer er streckt sich der Sternenhim mel so nah und umfassend über einem, als stünde man in einem Planetarium. Warm eingepackt, eine Tasse Tee und ein Liegestuhl, und schon kann der «Film auf der grössten Leinwand der Welt»
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GUT ZU WISSEN
Mehr Häuser mit Sternenblick
Unterkunft: Das Hôtel du Chasseron verfügt über sechs Zimmer mit 38 Betten (Doppel-, Fünf-, Sechsoder Zehnbettzimmer) ab 45 Franken pro Person. Reservation erforderlich. Das Hotel ist zu Fuss in ca. 2,5 Stunden erreichbar (ca. 500 Höhenmeter). Schneeschuhe sind im Winter erforderlich (Verleih in Les Rasses). Es besteht auch die Möglichkeit, vom Hotel mit dem Schneemobil abgeholt zu werden (auf Anfrage). Essen/Trinken: MaulerFondue, Rindstatar, Racletteplausch, Meringue mit Doppelrahm, saisonale Gerichte, regionale Weinauswahl
Hotel Fex: Der altehrwürdige Holzbau liegt im nahezu autofreien, abgelegenen Fextal im Oberengadin, ideal also für Sternengucker. Aus den gemütlichen Zimmern will man gar nicht mehr ausziehen, und im Restaurant werden Bündner Gerichte aus lokalen und saisonalen Zutaten serviert. Doppelzimmer ab 250 Franken, hotelfex.ch
Anreise: mit dem Auto bis Ste-Croix / Les Rasses (75 Min. ab Bern, 50 Min. ab Lausanne); mit dem Zug bis Bahnhof Ste-Croix, dann mit dem Bus bis Les Rasses (2 Std. 17 Min. ab Bern) chasseron.ch
Hôtel du Chasseron Das Berghotel bietet einen unvergesslichen Blick auf die Sterne
FOTOS DOMINIC GRAF, ZVG
beginnen. Sei es, ob man die Milchstrasse oder den Gros sen Wagen zu finden ver sucht, einen Verdauungsspa ziergang unter dem Licht der Sterne macht oder sich ein fach von der Magie des Uni versums verzaubern lassen und den Gedanken freien Lauf lassen will – es ist ein Moment, der Sinne und Seele erwärmt, trotz Minusgraden.
Früh aufstehen, lohnt sich Irgendwann dringt die Kälte jedoch durch jede Jacke, und ein warmes Bett und ein er holsamer Schlaf bei absoluter Stille warten auf die Gäste des Hôtel du Chasseron.
Hotel Chetzeron: Alpenchic vom Feinsten auf 2112 Metern über den Skipisten von Crans-Montana. Im Winter gelangen Gäste nur zu Fuss, auf Ski oder mit dem Pistenfahrzeug in das Hotel. In luxuriöser Umgebung mit Gourmetrestaurant und Spa fühlt man sich den Planeten ganz nah. Doppelzimmer ab 400 Franken (Wintersaison), chetzeron.ch
Allzu lange sollte man aber nicht in den Federn liegen, denn mit den ersten Sonnen strahlen am Morgen kommt bereits der nächste sehens werte Anblick: das Alpen panorama. Über 250 Kilome ter streckt sich die imposante Gebirgskette vom Säntis bis zum Mont Blanc. Im Licht der frühen Sonne wirkt sie wie eine Armee edler Ritter, die über das Tal vor ihnen wacht. Egal, zu welcher Tageszeit man den Gipfel des Chasse ron erklimmt, die Aussicht vom wohl schönsten Balkon des Juras ist den zwei bis vierstündigen Aufstieg im mer wert. •
Berggasthaus Sulzfluh: «Hinterm Mond links», damit bewerben die jungen Pächter das charmante Berghotel auf 1772 Metern im Rätikon. Da es so abgelegen ist, stört keinerlei Lichtverschmutzung den Blick in die Sterne. Mit den zum Teil nostalgischen Zimmern mit viel Holz, alten Möbeln und Kerzenlicht ist das Berggasthaus ein schöner Ort für Verliebte. Darben müssen Gäste natürlich auch nicht, denn serviert wird währschafte alpine Küche. Doppelzimmer ab 200 Franken (inkl. Halbpension), sulzfluh.ch
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Elbphilharmonie und Queen Mary 2 geniessen
Der TCS hat speziell für seine Mitglieder eine einmalige Reise in die Weltstadt Hamburg geplant – kombiniert mit einer Schnupperkreuzfahrt auf der Queen Mary 2 nach Southampton.
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ogieren Sie im berühmten Wahrzeichen Hamburgs. Ein Meisterwerk der Schweizer Architekten Herzog und de Meuron: das ElbphilharmonieGebäude.
Hamburg, Tor zur Welt Geniessen Sie ein Programm voller kulinarischer Genüsse, ausgewählter exklusiver Besichtigungen, interessanter Hintergrundinformationen und zum Abschluss eine entspannende Kreuzfahrt an Bord der Queen Mary 2 nach Southampton. Wahrlich eine Reise für die Sinne! Entdecken Sie mit unseren «Hamburg-Insidern» die Stadt: unter anderem die weltberühmte Reeperbahn, die Binnenalster mit dem Jungfernstieg und das Rathaus, ein prachtvolles Gebäude im Stil 62 touring | Dez 2020 / Jan 2021
der Neorenaissance mit einem 112 Meter hohen Turm. Danach den Hamburger Hafen, der 2019 bereits seinen 830. Geburtstag feierte und knapp einen Zehntel der Stadtfläche Hamburgs ausmacht. Auch unbekannte Ecken werden Sie entzücken. Hamburg ist eine wahre Schatztruhe.
Unesco-Welterbe und Moderne Die Hafen-City ist Hamburgs neuester Stadtteil: Gekonnt trifft hier moderne Architektur auf die alten Hafenspeicher aus rotem Backstein. Die Wirkung ist spektakulär! Der Rundgang durch die Hafen-City führt auf dem Dovenfleet am Zollkanal entlang: Vorbei am Deutschen Zollmuseum und an den Marco-PoloTerrassen gelangt man direkt
Weltkulturerbe Speicherstadt
zu Hamburgs neuestem Wahrzeichen, der spektakulären Elbphilharmonie. Ent-
decken Sie auf einem Spaziergang, was die Speicherstadt mit den typisch
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Das Hotel «The Westin Hamburg» im oberen Teil der Elbphilharmonie
Modernes Hotel im oberen Gebäudeteil der Elbphilharmonie, 244 Zimmer und Suiten, modern, hell und grosszügig, alle mit Bad/ Dusche, WC, Minibar, Sat.-TV, Safe, Klimaanlage. Innenhof- oder Stadt-/Hafensicht. 1300 Quadratmeter grosse Wellnesslandschaft mit Spa- und Fitnessbereich. Restaurant, Bar. Im gläsernen Aufbau der Elbphilharmonie geniessen Sie ein einzigartiges Hotelerlebnis vor der Kulisse des Hafens und der Innenstadt.
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INFORMATIONEN Wie reisen wir? 18.7.2021: Zürich–Hamburg 24.7.2021: London–Zürich TCS-Highlights Hafen-/City-/Villen- und Pärketour Hamburg, Führung Elbphilharmonie, Besuch der Klangmanufaktur, Auswanderermuseum Ballinstadt, Schnupperkreuzfahrt auf Queen Mary 2, TCS-Reisebegleitung ab/bis Schweiz
Hafen Hamburg und Elbphilharmonie Die Queen Mary 2 fährt in den Hafen ein
REISEDATEN UND PREISE 18.–24.7.2021 ab/bis Zürich Preise für TCS-Mitglieder pro Person in CHF Im Doppel Innenhof/Doppelkabine inkl. Leistungen, 7 Tage / 6 Nächte ab/bis Zürich bei min. 15 / max. 20 Personen (pro Gruppe) Doppel Innenhof/Innenkabine Kat. IC 2895.– Doppel Innenhof/Aussenkabine mit Balkon Kat. BY 3795.– Zuschläge Alleinbenützung Doppel Innenhof/Innenkabine Kat. IC Doppel Innenhof/Aussenkabine mit Balkon Kat. BY Weitere Zimmer- und Kabinenkategorien siehe Detailprogramm auf tcsreisen.ch Zuschlag Nichtmitglieder Zuschlag Hin-/Rückflug ab Genf Dossiergebühren für TCS-Mitglieder für Nichtmitglieder
roten Backsteinfassaden in neogotischen Formen so spe ziell macht. So erkennen Sie schnell, wieso dieses grösste zusammenhängende, ein heitlich geprägte Speicheren semble der Welt, zusammen mit dem Kontorhausviertel und dem Chilehaus, in das Verzeichnis des UnescoWelt erbes aufgenommen wurde.
Parks, Villen und eine nostalgische Dampfschifffahrt Die Stadt ist bekannt für ihre öffentlichen Gärten und ele ganten Villen. Besichtigung (von aussen) einiger Villen
und Gutshäuser, wobei Ihr Reiseleiter Spannendes und Unterhaltsames über die teil weise bewegte Geschichte der Hausherren zu berichten weiss. Bei einer Schifffahrt auf der Alster geniessen Sie traumhafte Stadtperspek tiven an Bord des ältesten und einzig echten Alster dampfers: dem Dampfschiff «St. Georg». Originalgetreu restauriert und geführt wie einst.
Restaurierte Klaviere Ein weiteres Programm Highlight ist der Besuch der Klangmanufaktur, einer
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200.– 200.– 50.– 70.–
Werkstatt für Restaurierun gen von SteinwayFlügeln. Ein nächster Höhepunkt ist das Auswanderermuseum Ballinstadt. Auf einer Fläche von 2500 Quadratmetern er zählt es Geschichten von Ein und Auswanderern aus ver gangenen Epochen.
Kurs auf Southampton Mit ihrem edlen Charme vergangener Zeiten, dem zeitgemässen Ambiente ihrer Kabinen sowie der modernen technischen Ausstattung wird Sie die Queen Mary 2 begeistern. •
Inbegriffen Flüge Schweiz–Hamburg/ London–Schweiz mit Swiss in Economy, Taxen und Sicherheitsgebühren, Bus-/Schifftransfers, 4 Übern. inkl. BB im 5-Sterne-Hotel, 2× LU, 2× DI, Getränke zu den Mahlzeiten (vom 18. bis 22.7. in Hamburg), Rundfahrten, Besichtigungen inkl. Eintritten, Elbphilharmonie-Rundgang, 3-tägige Kreuzfahrt mit Queen Mary 2 nach Southampton in der gebuchten Kabinenkategorie, Hafengebühren, VP (vom DI am 22.7. bis BB am 24.7.), Gepäckbeförderung bei Ein- und Ausschiffung, lokale Reiseleitungen, TCS-Reisebegleitung Legende: BB = Frühstück; LU = Mittagessen; DI = Abendessen; VP = Vollpension
Nicht inbegriffen Persönliche Ausgaben, Trinkgelder, nicht erwähnte Mahlzeiten, Getränke während der Kreuzfahrt, Dossiergebühren, Annullations-, Rückreise- und Heilungskostenversicherung. Wir empfehlen den TCS ETISchutzbrief Europa. Buchbar über tcs.ch/eti Einreisebestimmungen Schweizer Bürger benötigen für die Reise einen gültigen Reisepass. Es gelten die Reisebedingungen von TCS Reisen, welche Sie mit den Anmeldeunterlagen erhalten. Änderungen im Programm bleiben vorbehalten.
Organisation, Buchung und detaillierte Informationen TCS Reisen AG Tel. 058 827 39 06 reisen@tcs.ch tcsreisen.ch
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Locker in die Knie! Auch in diesem Winter wird an der Technik gefeilt! Die Schweizer Skischulen haben sich auf die Besonderheiten dieser Zeit eingestellt und freuen sich darauf, Einsteiger, Wiedereinsteiger und Könner auf das nächste Level zu bringen.
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ie Schweizer Berge sind das schönste Outdoor-Fitnesscenter der Schweiz», sagt Davide Codoni, Direktor von Swiss Snowsports im «Touring»-Interview. Wie in jedem Gym braucht aber auch dieses zuverlässige Instruktoren – in diesem Fall sind das die Ski- und Snowboardlehrer. In über 150 Schweizer Skischulen helfen sie den Gästen, ihren Sport effizient und mit Spass auszuüben und sich stetig zu verbessern. Das Niveau spielt dabei keine Rolle. Vom Einsteiger bis zum Könner erhalten die Gäste ein auf ihr Level abgestimmtes Kursprogramm mit individuellen Feedbacks und abwechslungsreicher Unterrichtsgestaltung. Auch Wieder-
einsteiger, die ihre Fähigkeiten auf den Ski oder dem Board nach Jahren wieder einmal ausprobieren wollen, sind in einer Schweizer Skischule bestens aufgehoben. Kurz: die Schweizer Skischule für alle!
Umfassendes Schutzkonzept In diesem Jahr ist jedoch alles ein wenig anders, und die Corona-Pandemie macht auch vor dem Wintersport nicht Halt. Dank konsequenter Umsetzung der Massnahmen des Bundes und der Kantone sowie einem umfassenden Schutz- und Hygienekonzept, das jede einzelne Schweizer Skischule übernimmt, ist für die Sicherheit aller Gäste gesorgt. Dies gilt für alle Altersklassen und
Kursarten – auch für Gruppenkurse, bei denen TCSMitglieder von zehn Prozent Rabatt profitieren. Ski- oder Snowboardunterricht ist jedoch viel mehr als das Erlernen eines Sports oder Verbessern der Technik. Mit den flotten Frauen und Männern in den unverkennbar roten Anzügen sind unterhaltsame und spannende Tage garantiert. Mit Professionalität sowie einer Prise Lockerheit und Humor helfen sie ihren Schülern nicht nur, zu besseren und sichereren Schneesportlern zu werden, sondern führen sie zu den schönsten Abfahrten, den Skiliften mit den kürzesten Wartezeiten oder den Bergbeizen mit den besten Rösti. •
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Danke für die Hilfe, TCS In der Adventszeit erreichen den TCS besonders viele Dankschreiben von Mitgliedern, die auf den Club zählen konnten, als es darauf ankam. Für den TCS sind diese Briefe das schönste Weihnachtsgeschenk. TEXT DOMINIC GRAF
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MONTAGE TOURING
ie einen in sorgfältiger Schönschrift, die anderen etwas krakelig, einige auf edlem Briefpapier, andere auf einer Postkarte, mal mit Zeichnung, mal mit Herzchen oder Sternen: Die Dankschreiben, die den TCS erreichen, sind so vielfältig wie der Club selbst.
Für die Mitarbeitenden des TCS, die sich täglich auf der Strasse, bei rechtlichen Problemen, im Ausland, auf dem Schulweg oder Campingplatz für ihre Mitglieder engagieren, ist dies Bestätigung und Motivation zugleich. Auch TCS-Generaldirektor Jürg Wittwer weiss die schöne Post sehr zu schätzen: «Gerade in den schwierigen Corona-Zeiten sind die per-
sönlichen Dankschreiben immer wieder Quelle für Ermutigung und Kraft für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim TCS. Es ist unser Auftrag, unseren Mitgliedern beizustehen, und die zahlreichen Schreiben zeigen, dass wir dies auch tun. Herzlichen Dank an alle Mitglieder für ihre Treue, ihren Dank und ihr Lob.»
Jahrzehntelange Verbundenheit Treue wird beim TCS grossgeschrieben. So beziehen sich viele Dankschreiben auf die oft Jahrzehnte andauernde Mitgliedschaft. Einige Mitglieder bezeichnen den TCS schlicht als «meinen Club» – was für ein Kompliment! Auch wenn man ihn glücklicherweise nur selten
brauche, sei er immer da, wenn es drauf ankomme, so der Tenor vieler Briefe. Besonders in der Vorweihnachtszeit scheint man sich zudem auch an die schwierigen Momente des Jahres zu erinnern und will sich bei seinen Helfern und Retterinnen bedanken. So schreibt ein Mitglied aus der Romandie stellvertretend für viele Dankesbriefe: «Lieber TCS! Mit grosser Anerkennung möchte ich mich für die unkomplizierte, äusserst kompetente Hilfe, die wir von Ihrer Seite nach meinem Unfall in Norddeutschland erfahren durften, bedanken. Und als Höhepunkt haben wir Schokolade und eine freundliche Nachricht von Ihnen erhalten … Es lebe der TCS!» ◆
Schöne Post Die Dankschreiben sind Quelle der Ermutigung und Kraft
TCS-HILFE IN EINEM JAHR*
360 000
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Hilfeleistungen der ETI-Zentrale
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Menschen. * Aus dem TCS-Jahresbericht 2019. Alles über den grössten Mobilitätsclub der Schweiz finden Sie hier: tcs.ch
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«Der TCS ist auf solche Zeiten vorbereitet» TCS-Generaldirektor Jürg Wittwer blickt auf intensive Monate zurück. Im Interview erklärt er, wie der TCS mit der Corona-Krise umgeht, den Spagat zwischen Ausnahmezustand und Tagesgeschäft meistert und welche Lehren er daraus zieht. INTERVIEW DOMINIC GRAF | FOTO OLIVIER VOGELSANG
Herr Wittwer, wie geht es dem TCS?
Jürg Wittwer: Trotz CoronaKrise geht es dem TCS gut. Wir sind eine Nothilfeorganisation und gut vorbereitet, um gerade in solchen ausserordentlichen Zeiten unseren Mitgliedern beizustehen. Der TCS hat keine Schulden und ist so solide aufgestellt, dass er auch den aktuellen Sturm sehr gut überstehen wird. Wir haben bereits in der ersten Welle Tausende von gestrandeten Mitgliedern in die
Bewahrt kühlen Kopf Jürg Wittwer auf dem Dach des TCS-Hauptsitzes in Vernier, Genf
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Schweiz zurückgebracht und zigtausend Reiseannullationen rückvergütet. Wie stand und steht der TCS seinen Mitgliedern in der Corona-Krise zur Seite?
Seit Beginn der Pandemie sind wir an der Seite unserer Mitglieder: mit Rückführungen, Rückerstattungen von Annullationskosten, medizinischer Beratung auf TCS MyMed, aber auch mit der Priorisierung der Pannenhilfe für das medizinische
Personal oder einer Website mit Verkehrssicherheitsspielen für Kinder, um den Shutdown zu verkürzen. Dazu konnten wir mit unseren Campings massgeblich dazu beisteuern, dass Hunderttausende Schweizer trotz der schwierigen Situation schöne Ferien erlebten. Welches waren dabei die grössten Herausforderungen?
Es war sicher eine grosse Herausforderung, unsere Dienst-
leistungen rund um die Uhr aufrechtzuerhalten, trotz Shutdown, trotz Schutzmassnahmen, trotz Verlagerung der Mitarbeiter ins Homeoffice und nicht zuletzt trotz Quarantäne und Krankheitsfällen in der Belegschaft. Wie haben Sie Ihre Mitarbeitenden in dieser Zeit erlebt?
Auch unter Stress und persönlicher Betroffenheit tragen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den TCS hervor-
CLUB ragend durch die Krise. Unmussten den sicheren Hafen sere Patrouilleure helfen, Ander Heimarbeit aufgeben, um steckungsgefahr hin oder her, im Büro die neuen Kollegen unseren Mitgliedern auf der einzuarbeiten. Auch ist es Strasse – während des Shutnicht einfach, Ruhe zu bedowns auch prioritär für das wahren, wenn sich gleichzeigesamte tig die Dossiers «Der TCS ist so medizinische türmen und Personal. Viele das Telefon unsolide aufgestellt, Mitarbeitende aufhörlich dass er auch den von der IT bis klingelt. Wir aktuellen Sturm zur ETI-Abteihaben dann überstehen wird.» lung haben, unsere Aula in Jürg Wittwer, Vernier in ein wenn Not am Generaldirektor TCS Mann oder an improvisiertes der Frau war, bis spät in die Schadensbüro umgebaut, Nacht oder am Wochenende inklusive der notwendigen gearbeitet. Dafür bin ich sehr Distanz zwischen den Ardankbar. beitsplätzen. Besonders die ETI-Zentrale lief auf Hochtouren. Mit welchen Massnahmen hat der TCS auf die grosse Anzahl an Anträgen reagiert?
Wir haben unser Annullationsteam noch während der ersten Welle verdoppelt. Das war nicht ganz einfach. Unsere erfahrenen Mitarbeiter
Als Kapitän steuern Sie das TCS-Schiff durch den Sturm. Was bedeutet gutes Krisenmanagement?
Gute Vorbereitung, Ruhe bewahren, schnelles Entscheiden im Team. Sie sind seit 2016 Generaldirektor des TCS. Ist dies ihr schwierigstes Jahr?
Es war sicher ein sehr intensives Jahr, bei dem nebst den ausserordentlichen Massnahmen auch das Tagesgeschäft nicht vernachlässigt werden durfte. Das Leben geht ja trotz und neben dem Coronavirus weiter. So haben wir TCS Home, unsere Pannenhilfe für zu Hause, in der Westschweiz ausgerollt, eine Telefonauskunft zur Elektromobilität aufgeschaltet, eMobility-Tage in der ganzen Schweiz veranstaltet sowie unsere Aktivitäten im Bereich der Verkehrssicherheit weiter vorangetrieben.
Glück haben wir Mitglieder, die uns auch in schwierigen Zeiten treu bleiben. Dies freut mich besonders, denn es zeigt, wie tief der Club, der bald 125 Jahre alt sein wird, in der Schweizer Gesellschaft verankert ist. Sicher ist es jedoch hilfreich, wenn man auch in Geschäftsbereichen tätig ist, welche von der Krise weniger betroffen sind oder, unerwarteterweise, sogar davon profitieren. Der SemiLockdown hat die Schweizer dazu genötigt, diesen Sommer in der Heimat zu bleiben. Mit unseren 29 Campingplätzen konnten wir dazu beitragen, das Reiseland Schweiz und Ferien in und mit der Natur in diesem Jahr ins Rampenlicht zu rücken. Und das wurde dankend angenommen: Bis heute haben wir 730 000 Übernachtungen auf unseren Campings. Das ist ein neuer Rekord und eine Bestätigung, wie wunderschön unser Land ist, das sich immer wieder aufs Neue zu entdecken lohnt. Nächstes Jahr ist ein grosses Jahr für den TCS. Müssen wir mit einem trüben 125-Jahr-Jubiläum rechnen?
ETI-Schutzbrief und unsere medizinische Beratung so stark gebraucht wie dieses Jahr. Das Auto und das Velo haben in der Krise an Popularität gewonnen – und immer ist der TCS da, wenn es eine Panne gibt. Der TCS ist bereits in vielen Bereichen des Alltags ein nützlicher Helfer und Begleiter. Inwiefern können die Angebote überhaupt noch weiter ausgebaut werden?
Wie bereits erwähnt, erweitern wir unsere Dienstleistung auf die Pannenhilfe zu Hause. Wenn es im Haus eine Elektrizitäts- oder Wasserpanne gibt, organisiert der TCS die Soforthilfe. Wir machen das zusammen mit lokalen Handwerkern und übernehmen die Organisation des Pikettdienstes für unsere Mitglieder. Das ist übrigens gar nicht so weit von der Mobilität entfernt – zumindest nicht für alle Besitzer eines Elektroautos. Der TCS setzt sich stark für die E-Mobilität ein. Wie wirkt sich das auf das Geschäftsmodell des TCS aus?
Die Elektromobilität ist wohl Wir werden feiern – «ghouä nicht mehr aufzuhalten – und oder gstochä» –, und es alle meine Kollegen, welche wird schöne auf ein ElektroFeste in vielen auto umge«Unsere MitarbeiSchweizer Städ- tenden tragen den stiegen sind, ten geben. wollen nicht TCS hervorragend mehr zurück. durch die Krise.» Noch ist das Als TCS haben Jürg Wittwer wir uns bereits Jahr 2020 aber nicht angepasst. zu Ende. Welchen Wunsch Alle Patrouilleure wissen, haben Sie für den TCS bis wie man ein Elektroauto entzum Jahreswechsel? Die Krise trifft nicht alle pannt. Und wer eine LadestaBereiche des Clubs gleicher- Eine ruhige Adventszeit, ertion oder Beratung braucht, massen. Während etwa holsame Weihnachtsferien kann bei uns vorbeikommen TCS Training & Events eine und viele, viele gesunde Mitoder anrufen. Zeit lang fast stillstand, ver- glieder und Mitarbeitende. zeichneten die Campings ein Rekordjahr. Ist es in solch einer Zeit ein Vorteil, so breit aufgestellt zu sein wie der TCS?
Unsere Hauptaktivität ist die Mitgliedschaft, und zum
Welche Lehren ziehen Sie aus der Corona-Krise für die Zukunft des TCS?
Der TCS ist wichtig für die Schweiz und für die Mitglieder. Noch nie wurde der
Wo wird der TCS in zehn bis 20 Jahren stehen?
Wir werden weiterhin der Club an der Seite unserer Mitglieder sein – unterwegs und zu Hause – nie mehr als einen Anruf entfernt. ◆ Dez 2020 / Jan 2021 | touring
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TCS eCharge: So einfach lädt man ein Elektroauto Der TCS engagiert sich seit zehn Jahren stark für die Elektromobilität und kann seinen Mitgliedern heute schon pragmatische Lösungen anbieten. Zum Beispiel die Applikation TCS eCharge. TEXT DOMINIC GRAF | FOTOS EMANUEL FREUDIGER
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it fast 5000 öffent- unsere Mitglieder auf dem lichen Ladepunk- Weg in eine nachhaltige Moten verfügt die bilität begleiten und ihnen Schweiz über eimit Rat, Expertise, aber auch nes der dichtesten Ladenetze mit konkreten Lösungen zur Europas. Bei gut 43 000 reiSeite stehen. Für das Laden nen Elektroautos teilen sich zu Hause bieten wir zum theoretisch 8,6 Fahrzeuge Beispiel eigene Ladestatioeinen Ladepunkt. Obwohl das nen an, welche der TCSNetz seit zehn Jahren stark Patrouilleur in einem Rundwächst und auch in Zukunft um-Service installiert und unbedingt weiter ausgebaut die Kunden schult. Bei einer werden muss, wird das Laden Panne werden die Ladestatiounterwegs nach wie vor als nen garantiert innert sechs einer der grössten KritikStunden ersetzt.» punkte gegen den Kauf eines Obwohl 90 Prozent der LadeE-Autos verwendet. Gemäss vorgänge zu Hause oder am dem jüngsten «TCS-BaroZielort stattfinden, braucht es meter Elektromobilität» gefür längere Distanzen natürben 41 Prozent der Bevölkelich auch Zugang zu einem rung an, dass es zu wenig Ladenetz unterwegs. «Auch Ladestationen gibt. Jede das bieten wir unseren Mitsiebte Person erachtet das gliedern», sagt Bernhard Bieri. Aufladen zudem als zu kom«In Kooperation mit Swisspliziert. Der Bedenken zum charge hat der TCS die eigene Trotz: Die Elektromobilität eCharge-App und -Ladekarte wird sich etablieren. Wie der entwickelt, die den Zugang zu TCS E-Barometer ebenfalls weit über 48 000 Ladepunkzum Vorschein brachte, kann ten in ganz Europa ermögsich über die Hälfte der licht. Nutzt man die TCSSchweizer Bevölkerung vorKreditkarte, erhält man sogar stellen, in Zukunft elektrisch fünf Prozent Rabatt auf die zu fahren. Ladekosten. Zudem setzt sich Zugang zu über der TCS dafür ein, dass das 48 000 Ladepunkten Schnellladenetz ausgebaut Als grösster Mobilitätsclub wird und Transparenz in die der Schweiz ist der TCS geTarife kommt», so Bieri. TCS fordert – und nimmt diese eCharge zeigt nicht nur zuHerausforderung auch an, verlässig an, welche Ladewie Bernhard Bieri, Direktor stationen sich in der Nähe beClub, erläutert: «Wir wollen finden, über die App lässt sich 70 touring | Dez 2020 / Jan 2021
die Ladung auch direkt bezahlen, ohne Abo- oder Grundgebühren. Sollte einmal etwas nicht auf Anhieb klappen, steht der TCS rund um die Uhr mit telefonischer Hilfe zur Seite. Mit einer einzigen App können also auch längere Fahrten ohne Bedenken unternommen werden.
TCS informiert von A bis Z Besonders jetzt, in der heissen Phase der Transformation ins Elektrozeitalter, will der TCS seinen Mitgliedern vor allem auch mit Information und Beratung zur Seite stehen. «Seit Juli 2020 bieten wir eine E-Mobilitäts-Hotline an, an welche sich Mitglieder mit ihren Fragen rund um die Elektromobilität wenden können», sagt Bernhard Bieri. Zudem lässt sich über die TCS-Autosuche das passende Fahrzeug für jedes Bedürfnis und Portemonnaie finden. Entgegen der weitläufigen Meinung, dass E-Autos zu teuer sind – 49 Prozent der Befragten des E-Barometers erachten die Anschaffungskosten als zu hoch –, zeigt sich, dass es mittlerweile bereits zehn Elektroautos auf dem Schweizer Markt für unter 35 000 Franken gibt. Hinzukommt, dass E-Autos im Betrieb sowie auf die ganze Lebensdauer (Total
Cost of Ownership) betrachtet wesentlich günstiger sind. Einzig die Anschaffungspreise sind noch relativ hoch. Mit den TCS eMobility Days wird der Club ausserdem ein Angebot weiterführen, das sich bereits in den letzten zwei Jahren bewährt hat: An verschiedenen Standorten in der ganzen Schweiz können Interessierte das ganze Spektrum der Elektromobilität kennenlernen, sich von Experten beraten lassen und, als Highlight, Probefahrten mit den neusten Elektroautos unternehmen. ◆
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Freundlich und kompetent TCS Home bietet nur seriöse Handwerker auf
Seit 50 Jahren Mitglied Marlis Stampfli wurde vom TCS noch nie enttäuscht
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CLUB
Home, sweet home Ob verstopfte Abflüsse oder kalte Heizkörper – mit TCS Home erhalten Wohneigentümer umgehend und rund um die Uhr Hilfe bei einer Panne zu Hause. So wie Frau Stampfli, die bereits zweimal die HomeHotline wählen musste und vom neuen Service beeindruckt ist.
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arlis Stampfli aus Zauggenried (BE) ist gerne auf der sicheren Seite. Seit rund 50 Jahren ist die 73-Jährige deshalb Mitglied beim TCS, und das mit Stolz, wie sie sagt: «Der Touring Club hat mich noch nie enttäuscht und mir schon in vielen schwierigen Situationen geholfen. Dieses Jahr zum Beispiel mussten mein Partner und ich eine Reise stornieren. Dank dem ETISchutzbrief, den ich seit Jahrzehnten habe, übernahm der TCS die Kosten.» Nebst dem Reiseschutz und der Pannenhilfe verlässt sich Frau Stampfli zudem auf den Privat- und Verkehrsrechtsschutz des TCS. Und, als sie vor drei Jahren einen TCSFlyer studierte, weckt ein neues Angebot ihr Interesse: TCS Home.
Ein freundliches Beratungsgespräch mit einer TCS-Mitarbeiterin habe sie schliesslich vom Nutzen des Service überzeugt, und sie ergänzte ihr TCS-Portfolio um die Pannenhilfe für zu Hause. «Das einzige, was mich stutzig machte, war der Preis von 99 Franken pro Jahr. Sollte das Produkt wirklich halten, was es verspricht, ist es sehr günstig», sagt Marlis Stampfli. Als Eigenheimbesitzerin weiss sie, dass ein Defekt im Haus oftmals nicht von alleine behoben werden kann. Das heisst, zuerst muss ein passender Handwerker
oder Spezialist gefunden und ein Termin vereinbart werden. Besonders schwierig gestaltet sich dies ausserhalb der Arbeitszeiten, an Wochenenden oder während den Betriebsferien. Gewisse Fälle können jedoch nicht warten und müssen sofort repariert werden – zum Beispiel eine ausgefallene Heizung im Winter.
Defekter Brenner, wasserlose Toiletten Das Schöne an TCS Home, so Marlis Stampfli, sei, dass sie sich darüber keine Sorgen mehr machen müsse. «Ich habe eine Telefonnummer, die ich anrufen kann, und von da an wird alles in Bewegung gesetzt.» Sie weiss, wovon sie spricht: Bereits zweimal musste sie diese Nummer wählen. Letztes Jahr gab es ein Problem mit dem Brenner der Heizung, und dieses Jahr wurden zwei von drei Toiletten im Haus gleichzeitig nicht mit Wasser versorgt. Beide Male habe sie der TCS telefonisch gut beraten, und nach ein paar wenigen Abklärungen, um teure Folgeschäden zu vermeiden, wurde ein Handwerker organisiert, der umgehend vorbeikam und die Probleme noch am selben Tag löste. Keine Sorgen machen musste sie sich schliesslich auch um die Kosten für die Soforthilfe. «Beide Rechnungen wurden problemlos durch den TCS beglichen», sagt Marlis
Stampfli. Zusätzlich freute sie sich, dass ihr beide Betriebe bereits als gute und zuverlässige «Buden» bekannt waren und dass ihr der TCS Fachmänner aus der Region vermittelte. Ohne es zu wissen, spricht sie damit eine zentrale Qualität und ein wichtiges Ziel von TCS Home an: die Schaffung eines Netzwerks aus unabhängigen, regionalen und seriösen Handwerksbetrieben. Der TCS sei mit dem Service nämlich keine Konkurrenz, sondern, im Gegenteil, ein Vermittler, wie Projektleiter Daniel Wyss erklärt: «Wir werden aktiv durch die Handwerker unterstützt. Sie sind Teil dieses Projekts, und wir erleben regelmässig, dass sich Handwerker bei uns melden, um dabei zu sein.»
Die grösste Stärke Mit TCS Home hat der grösste Mobilitätsclub der Schweiz eine Dienstleistung entwickelt, die seine grösste Stärke von der Strasse in die Haushaltungen ausweitet: das Helfen in Notsituationen. Ein Bedürfnis dafür scheint jedenfalls da zu sein. «Sanitäre Einrichtungen, die rinnen, verstopfte Abflüsse in der Küche, kalte Heizkörper, Geschirrspüler, die nicht abpumpen – das sind nur einige Beispiele von Pannen, die wir schon erfolgreich beheben konnten», sagt Daniel Wyss. Noch befindet sich TCS Home
in der Projektphase und wird in ausgewählten Regionen getestet, die laufend erweitert werden. «TCS Home wurde diesen Herbst in der gesamten Westschweiz sowie in den Kantonen Wallis, Bern, Baselland und Basel-Stadt lanciert. Zudem beschäftigen wir uns gerade, mit welchen Services wir das Produkt ergänzen und wie es für Mieter aussehen könnte», so Wyss. ◆
DIE PANNENHILFE FÜR ZU HAUSE Ob Probleme mit Wasser, Strom, Heizung, Haushaltsgeräten oder dem Türschloss – ein Anruf genügt, und TCS Home übernimmt. Und so funktioniert es: 1. Die TCS-Home-Hotline ist 24/7 erreichbar. Ihr Anruf wird zu jeder Tagesoder Nachtzeit und an jedem Wochentag entgegengenommen. 2. Als Soforthilfe werden Sie zunächst am Telefon beraten, um teure Folgeschäden zu vermeiden. 3. Ist das Problem unter der telefonischen Anleitung nicht zu lösen, bietet der TCS den passenden Handwerker für Sie auf. 4. Der Spezialist kommt so schnell wie möglich vorbei und behebt den Schaden. Die Kosten für die Soforthilfe übernimmt der TCS. Weitere Infos unter tcs-home.ch
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Schnelle Rettung aus schwieriger Lage Am Ende einer Segeltour bekommt Giovanni Conte eine schwere Lungenentzündung. Als dies passiert, befindet sich der rüstige 82-Jährige allein auf einer kleinen Insel bei Neapel, fern von der Familie. Doch dank des TCS wird der Tessiner schnell in die Schweiz zurückgebracht und befindet sich wieder auf dem Weg der Besserung. TEXT JULIANE LUTZ
E
s war ein schöner herbstlicher Segeltörn von Antibes nach Procida mit dem Enkel und mit Freunden. Während die anderen von der kleinen Insel im Golf von Neapel die Heimreise in die Schweiz antreten, bleibt Giovanni Conte noch in Procida und bringt auf seinem Boot alles in Ordnung. Als durch ein Missgeschick ein kleines Feuer ausbricht, bekämpft es der rüstige 82-Jährige gleich erfolgreich mit dem Feuerlöscher. Kurz danach bekommt er Lungenprobleme und starkes Fieber. «Mein Vater war allein auf dem Boot, stand aber mit dem Hafenmeister von Procida in Kontakt, der merkte, dass etwas nicht stimmte», erzählt Giovanni Contes Sohn Mario am Telefon. «Da er sehr hohes Fieber hatte, tönten seine Worte wirr. Deshalb rief der Hafenmeis-
ter die Ambulanz.» Der Tessiner wird in das kleine Krankenhaus der Insel gebracht. Als Mario Conte und sein Bruder erfahren, dass ihr Vater erkrankt ist, machen sie sich sofort auf den Weg zu ihm. «Der Arzt sagte uns, dass es sich um eine schwere Lungenentzündung handle und dass die Lage sehr ernst sei. Er vermute, dass sie durch eingeatmetes Löschpulver hervorgerufen wurde», sagt Mario Conte, der beim Telefongespräch mit dem «Touring» noch immer etwas aufgewühlt tönt.
Rasche Hilfe für den Patienten Nach der Diagnose des Arztes kontaktiert Mario Conte von Procida aus die Personen-Assistance des TCS. Deren Mitarbeiter setzen sich nach seinem An-
ruf umgehend mit dem Arzt des Vaters im Tessin in Verbindung, der ihnen mitteilt, dass die Lungen von Giovanni Conte bereits angegriffen seien. Und sie beraten sich ausführlich mit dem Mediziner von Procida, um ein umfassendes Bild zu bekommen. Ist der ältere Herr transportfähig oder wäre es besser, ihn gleich in einem Spital auf dem Festland behandeln zu lassen? «Unser Vater allein in Neapel und wir alle weit weg im Tessin, das hielten wir für keine gute Idee», sagt sein Sohn. Nach weiteren Abklärungen wird entschieden, dass Giovanni Conte in die Schweiz gebracht werden soll. Die Mitarbeiter der Ausland-Assistance des TCS setzen rasch alle nötigen Hebel in Bewegung. Mit der Autofähre kommt ein Krankenwagen aus Neapel mit einem Arzt und einer Bei Procida denken die meisten an Ferienstimmung. Doch für Giovanni Conte endete hier eine Reise im Spital
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MAURITIUS IMAGES/ HEMIS.FR
DER TCS-EXPERTE
TCS ETI SCHUTZBRIEF – DER REISESCHUTZ IN ZAHLEN 2019 wurden 6912 Fälle von erkrankten, verunfallten und verstorbenen ETI-Schutzbrief-Inhabern bearbeitet und abgeschlossen. Es kam zu 1403 Rückführungen in die Schweiz. Sieben Ärztinnen und Ärzte kümmern sich bei der TCS Personen-Assistance täglich um medizinische Abklärungen. Weitere vier Mediziner sowie fünf Pflegefachkräfte begleiten bei Bedarf Patiententransporte. Sicher unterwegs – dank des ETI-Reiseschutzes Damit Sie Ihre wohlverdienten Ferien und Ausflüge mit Sicherheit geniessen können, sind wir mit dem TCS ETI Schutzbrief immer an Ihrer Seite. In der Schweiz wie auch im Ausland, rund um die Uhr während 365 Tagen. Ein Anruf genügt, und unsere Reiseexperten, Pannenhelfer und Ärzte helfen Ihnen rasch und kompetent weiter. Infos unter: tcs.ch/eti oder 0800 140 000
UNTERWEGS
Advent, Advent – am Auto brennen Lichtlein
«
Zur Adventszeit möchte ich nicht nur mein Haus, sondern auch mein Auto weihnachtlich schmücken. Ist es überhaupt erlaubt, das Auto weihnachtlich zu schmücken?»
TEXT VERA BEUTLER
Ihr Haus dürfen Sie während der Weihnachtszeit üppiger dekorie ren als üblich. Nicht aber Ihr Auto: Dieses muss im Verkehr jederzeit, also auch zur Weihnachtszeit, in einem betriebssicheren Zustand sein. Sie müssen im Verkehr die Fahrbahn ausserhalb eines Halb kreises von zwölf Metern Radius frei überblicken können. An, vor und hinter den Scheiben des Fahr zeuges, die für Ihre Sicht als Lenker nötig sind, dürfen Sie keine Gegen stände anbringen, welche die Sicht beeinträchtigen und die Licht durchlässigkeit unter 70 Prozent vermindern. Ein lustiger Weih nachtsmannanhänger hat am Rückspiegel also ebenso wenig zu suchen wie Aufkleber auf den vor deren Fenstern. Wenn Sie aber die seitlichen hinteren Fenster mit ein paar kleinen Sternen verzieren, geht das grundsätzlich in Ordnung. Nicht in Ordnung ist es aber, andere Ver kehrsteilnehmer über mässig abzulenken: Eine Dekoration am Fahrzeug darf insbe sondere «weder selbst leuchtend, beleuchtet noch lumineszierend
sein». Ein blinkendes Rentier im oder am Auto mag Sie also mögli cherweise in Weihnachtsstimmung versetzen, einen für die Verkehrs sicherheit verantwortlichen Poli zisten aber eher dazu verleiten, Ihnen eine Busse zu erteilen. Die Weihnachtsdekoration darf schliesslich wie jede Ladung nicht herunterfallen und niemanden gefährden. Sie müssen dafür sor gen, dass die Dekoration Sie nicht behindert. Sie dürfen also im Auto auf einen weihnachtlichen Schutz engel vertrauen, müssen ihn aber fix montieren oder sonst wie fixie ren, sodass er, etwa bei einem Bremsmanöver, nicht durch den Fahrzeugraum fliegen kann. • Vera Beutler ist Dr. iur. und Leiterin von «lex4you»
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PICTURE PRESS
Pflegefachperson an Bord auf die Insel. Der Patient wird nach Neapel zum Flug hafen transportiert und der Besatzung des bereits wartenden Ambulanzjets übergeben. Der Flug dauert nur kurz. In Mailand wird Giovanni Conte erneut in einen Krankenwagen umgeladen und ins Regionalspital Lugano gefahren. «Alles in allem hat der Rücktransport nur drei bis vier Stunden gedauert», stellt Mario Conte anerkennend fest, der im Jet mitflog. Die begleitenden Ärzte und Pflegefachpersonen, sowohl in den Ambulanzen wie auch im Flugzeug, seien sehr kompetent und empathisch gewesen. Dass sein Vater schliesslich drei Wochen im Krankenhaus bleiben muss, zeigt den Schweregrad seiner Er krankung an. Beim Telefongespräch mit dem «Touring» Anfang November be fand sich Giovanni Conte in der Reha klinik von Novaggio und sollte aller Voraussicht nach zwei Wochen später wieder nach Hause und in sein bisheri ges Leben zurückkehren. «Dank der Bemühungen des Fachpersonals in Novaggio ist er auf dem Weg der Besse rung», freut sich sein Sohn über die Fortschritte. Schon seit langem sei die ganze Familie über den TCS ETI Schutz brief auf Reisen versichert. «Aber erst dieser Vorfall hat uns vor Augen geführt, wie wichtig diese Vorsichtsmassnahme ist», so Mario Conte. •
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20.11.20 10:40
FORUM
touring Impressum Magazin des Touring Club Schweiz Herausgeber Touring Club Schweiz Postfach 820, 1214 Vernier (GE)
Schreiben Sie uns ... In dieser Rubrik gilt: je kürzer der Leserbrief, desto grösser die Chance für den Abdruck. Via Moskau zur Mitternachtssonne
Redaktionsassistenz Susanne Troxler (D) Michela Ferrari (I) Tania Folly (F) Irene Mikovcic-Christen
1969 entschloss ich mich zu einer Reise an die Mitternachtssonne. Um Westdeutschland nur einmal zu durchqueren, plante ich die Hinfahrt über Moskau. Nach umfangreicher Planung und Visaanträgen konnte ich Ende Mai 1970 starten. Über Prag, Warschau, Moskau, Leningrad, Helsinki und Skandinaviens Dreiländereck fuhr ich nach Bodø, wo ich gerade rechtzeitig zur Mitternachtssonne ankam. In Russland erweckte das ungewohnte Auto viel Aufmerksamkeit. Erste Frage: «Wo ist der Motor?» Vorne, quer. Zweite Frage: «Was kostet das?» Neun Monatslöhne. Unterwegs habe ich einige Autostopper mitgenommen: eine Frau mit Huhn, einen etwas nervösen Soldaten der roten Armee, der einen Kilometer vor dem nächsten Dorf aussteigen wollte. Es kam aber auch vor, dass die Leute, anstatt einzusteigen, das Auto anspuckten. Später verlor ich auf der neu eröffneten Autobahn vor St. Margrethen das Kreuzgelenk vorne rechts. Ich konnte die Teile zu-
Korrespondenzadresse Redaktion Touring Maulbeerstrasse 10, 3001 Bern +41 58 827 35 00 touring@tcs.ch
Touring 11/2020, EMotion
Chefredaktor Felix Maurhofer Stv. Chefredaktoren Dino Nodari Marc-Olivier Herren Redaktion Aline Beaud Jérôme Lathion Juliane Lutz Dominic Graf Art Director Alban Seeger Fotograf/Bildredaktion Emanuel Freudiger Layout Andreas Waber Stephan Kneubühl Sara Bönzli Mathias Wyssenbach
Auflage Deutsche Ausgabe: 697 097 Totalauflage: 1 130 461 Verlag/Medienmarketing Reto Kammermann Inserate Cumi Karagülle Roger Müller Chantale Hofer verlag@tcs.ch Mitgliedervorteile Marcel Zimmermann Abonnement Für Mitglieder im Jahresbeitrag inbegriffen. Der «Touring» erscheint 10 Mal jährlich. Adressänderungen Unter Angabe der Mitglieder nummer direkt an: TCSZentralsitz Postfach 820, 1214 Vernier 0844 888 111, info@tcs.ch Alle Texte und Fotos sind urheber rechtlich geschützt. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages. Für unverlangte Manu skripte wird jede Haftung abgelehnt. Herstellung Swissprinters AG Brühlstrasse 5, 4800 Zofingen 058 787 30 00
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Sie schreiben sehr viel über E-Autos, unter anderem auch über einen E-Lastwagen für die Müllabfuhr, doch Postauto haben Sie nicht erwähnt. Wir haben einen Gratissportbus um den See in Lenzerheide, der alle Talstationen anfährt. Auch diesen Sommer war er in Betrieb, und das mit viel Erfolg. Er ist gross wie ein Stadtbus, mit tollen Anfahrgeschwindigkeiten und vor allem leise. Ich bin sehr begeistert und hoffe, er setzt sich durch. Heinz Riezler @
Es ärgert mich immer mehr, wie Sie für E-Autos Werbung machen. Dabei sind sie nur sauberer, wenn der Strom umweltschonend hergestellt wurde. Auch die Batterien und deren Herstellung sind keineswegs umweltfreundlich und es gelingt bis heute noch nicht, diese Batterien
Unterwegs mit viel PS Nächste Kurve in einigen 100 Kilometern
sammensammeln, wieder zusammenstellen und mit einem mitgeführten Draht fixieren. Danach fuhr ich mit viel Feingefühl nach Bern. Werner Burri @
@ Gesucht: Leserbilder
Das erste Auto vergisst man nie. Auch nicht, was damit alles erlebt wurde. Erzählen Sie uns Ihre kuriose, spannende oder abenteuerliche Geschichte. Senden Sie uns das Bild und die Legende dazu an touring@tcs.ch.
zu recyceln. Von der gefährlichen Brandgefahr redet auch niemand; man ist nicht einmal richtig darauf vorbereitet. Und woher wollen wir mal den vielen Strom nehmen, wenn in Deutschland und in der Schweiz die AKW abgeschaltet werden? Viel sinnvoller wäre, auf Wasserstoffautos zu setzen. Da könnte der zu Spitzenzeiten überschüssige Solarstrom usw. sinnvoll genutzt werden. Susanne Holenweg @ Tagfahrlicht bei Dämmerung, Regen und Nebel
Niemand streitet ab, dass das Tagfahrlicht für einen Grossteil der Personen im Strassenverkehr eine Erhöhung der Sicherheit darstellt. Aber es gibt auch einen negativen Aspekt: Bei einsetzender Dämmerung, kombiniert mit Nebelschwaden oder Regen
schaltet das Fahrzeug nicht automatisch auf Abblendlicht um, hat hinten also keine Beleuchtung! Als Motorradfahrer habe ich vor allem auf der Autobahn (Sprühnebel) keine Chance, das vor mir fahrende Fahrzeug mit Tagfahrlicht zu erkennen. So kann ich lediglich mit 50 bis 60 km/h fahren, um im Notfall eine Chance zu haben. Erst, wenn vorne das Bremslicht angeht oder jemand von Hand das Abblendlicht eingeschaltet hat, ist der Abstand als Töfffahrer einschätzbar. Mein ABS hat mich schon mehrfach vor einem Unfall bewahrt. Liebe Automobilisten, Abblendlicht einschalten bei schlechten Sichtverhältnissen – und Nebellampen gibt es auch noch. Allen eine unfallfreie Fahrt! Marcel Strub @
Die Redaktion behält sich Kürzungen vor und führt keine Korrespondenz. Zuschriften sind auch via EMail (touring@tcs.ch) möglich. Leserbriefe er scheinen ebenfalls in der Onlineausgabe des «Touring» (touring.ch).
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A. Indem ich aufrecht sitze und die Füsse auf den vorderen Kufen abstelle. B. Ich binde meinen Schlitten mit dem Schlitten meines besten Schulfreundes zusammen. C. Ich fahre auf dem Bauch liegend hinunter.
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Teilnahmeberechtigt sind alle Leserinnen und Leser des «Touring» in der Schweiz und in Liechtenstein, ausgenommen sind Mitarbeitende des TCS und deren Familienangehörige. Gewinner der Wettbewerbe «Tourolino» werden ausgelost und benachrichtigt. Zu den Wettbewerben wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden auf touring.ch veröffentlicht.
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UNTERWEGS MIT
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Walliser Gaumenfreuden bei legendärem Abfahrtsläufer Der in Versegères geborene Skifahrer, der in der Abfahrt an der Winterolympiade 1972 die Silbermedaille holte und sich 1974 und 1975 im Val d’Isère zweimal schwer verletzte, führt heute erfolgreich eine Raclettebar in Martigny. Treffen in der Bar «La Streif». TEXT JÉRÔME LATHION | FOTO VALÉRIE PINAUDA
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ie vergilbten Seiten der ehemaligen Tageszeitung «La Suisse», die gerahmt an den Wänden der Bar hängen, erzählen von vergangenen Erfolgen. Weniger verblichen und gut sichtbar angebracht ist das Plakat des RTS-Dokumentarfilms «Das Duell» von 2018. Bernhard Russi gegen Roland Collombin an den Olympischen Spielen 1972 in Sapporo. Gold in der Abfahrt für den technisch eleganten Urner, Silber für den risikofreudigen Walliser. In seiner Bar «La Streif» lacht der Patron heute über diese Rivalität: «Bernhard kam hier als Freund zum Essen, wie übrigens auch Franz Klammer.» Und er freut sich über die Auswirkung, welche die TV-Doku auf die Besucherzahl seiner Ende 2014 in Martigny-Bourg eröffneten Raclettebar hatte.
Bei Collombin darf man heute sogar ein Tabu brechen, das lange in der Sportpresse galt: niemals Val d’Isère – «Val de misère» – und die beiden dramatischen Stürze von 1974 und 1975 erwähnen, die seine Sportkarriere nach einem doppelten Wirbelbruch vorzeitig beendeten. «Ich hatte bis dahin Glück gehabt. Auf Anraten der Ärzte zog ich es vor, es nicht mehr herauszufordern. Ich musste ja niemandem mehr etwas beweisen», meint er. 80 touring | Dez 2020 / Jan 2021
Seine Neuorientierung verläuft zu Beginn etwas chaotisch. Während Russi seine Bekanntheit mit Werbung pflegt, feiert Collombin lieber. «Ich genoss das Leben und wurde dafür kritisiert», bedauert er. Tatsächlich muss man sein heimatliches Val de Bagnes verlassen und ins Skigebiet Nax-Mont-Noble im Val d’Hérens fahren, um eine Collombin-Piste zu finden. Doch, statt sich zu ärgern, lacht er lieber darüber: «Vielleicht kommt das nach meinem Tod noch!»
Raclette spontan Mit seiner Heirat und den Familienpflichten – zwei heute erwachsene Kinder – wird er ruhiger. 1985 eröffnet er in Versegères das Café «La Colombe», entsprechend seinem Spitznamen auf der Höhe seines Ruhms, und übernimmt 1988 gleichzeitig den Getränkehandel seines Vaters. Dank der Nähe zu Verbier und der Pisten läuft das Geschäft gut, und «La Colombe» wird 1992 weiterverkauft. «Die Streif» – in Anspielung auf die legendäre Abfahrt in Kitzbühel, wo er sich vor zwei Jahren noch einmal eine Abfahrt zumutete – ist seine jüngste Herausforderung. Seinen Erfolg führt er auf eine einfache Idee zurück: «Der Raclettekäse in Bagnes ist berühmt, aber
versuch mal einer, im Tal davon zu essen, ohne vorab für mindestens vier Personen zu reservieren! Bei mir ist alles flexibler, man kann alleine kommen und wird ab 17 Uhr ohne Anmeldung bedient.» Dazu kommt die ideale Lage mitten im ausserhalb der aktuellen Beschränkungen belebten Quartier Bourg.
Liebe zum Tempo Seinen Racletteofen verlässt er vor allem für die Vermarktung von Wein, die drei Einkellerer unter seinem Namen produzieren: jährlich rund 15 000 Flaschen der Marke Roland Collombin. Die Gelegenheit für den Tempofreak, am Steuer leistungsstarker Autos wie des Porsches – seit Langem seine Lieblingsmarke – durch das Land zu fahren. Jedenfalls lässt sich der Ruhestand für einen, der bekennt, «nie gerne gearbeitet zu haben», und im nächsten Februar 70 Jahre alt wird, sehr aktiv an: Vielleicht liegt sein Elan in diesem den Wallisern eigenen Sinn für Geselligkeit, die auch er lebt. Bereits jetzt alles Gute und Gesundheit zum Geburtstag, «La Colombe»! ◆
«Ich hatte bis dahin Glück gehabt. Auf Anraten der Ärzte zog ich es vor, es nicht mehr herauszufordern.» Roland Collombin, ehemaliger Meister im Abfahrtsski und Restaurantbesitzer in Martigny
Andenken Roland Collombin und ein Bild von den Olympischen Spielen in Sapporo 1972
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