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Designer Torsten Müller in der Zeitschrift Stein fuer Naturstein Dez 2011

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Spa statt sparen Badezimmer sind längst mehr als praktische Nass­ zellen für die tägliche Körperhygiene. Sie sind Wohlfühltempel, Entspannungsoasen und Rück­ zugsorte für die eigene Seele. Bei der Gestaltung dieses besonderen Privatraums greift Baddesigner Torsten Müller häufig auf natürliche Materialien zurück – so auch auf Naturstein. Von Katharina Baus

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Das Kinderbad sollte kein ­typisches ­Kinderbad wer­ den, trotzdem interessant und robust. Mit den gewählten Materialien wurde ein zeitloses Bad geschaffen, in welchem die Kinder in jedem Kiesel des Marinace immer wieder Neues entdecken. Der Duschboden ist mit einem Punktablauf versehen und wurde dahingehend auf Gefälle gefräst. Material: Argent, spanischer Kalkstein geschliffen, (Boden, Wand), Argent, spanischer Kalkstein gebürstet, (Duschboden), Marinace Nero, Quarzit (Waschtisch, WC Rückwand und Ablage) Naturstein Hollands, Herzogenrath, www.natursteinhollands.de

rüher war alles ganz einfach: zum Baden ging es entweder ins öffentliche Volksbad oder einmal wöchentlich in den Waschzuber. Für Privatsphäre, Entspannung oder gar Wellness für Körper und Geist gab es lange Zeit weder Platz noch die technischen Möglichkeiten. Dabei war bereits für Griechen und Römer das Bad viel mehr als ein Ort der reinen Körperpflege. Die öffentlichen Badetempel waren gleichermaßen gesellschaftliche Begegnungsstätten als auch Orte der Ruhe. Diese Entspannung und Geborgenheit aber auch Kraft und Energie ist es was die Kunden des Baddesigners Torsten Müller suchen, wenn sie sich für ein neues Badezimmer entscheiden. Zu ihm kommen Menschen, die sich in ihrem vollgepackten, hektischen Alltag nach einem Ort sehnen, an dem sie Ruhe und sich selbst finden können. Immer mehr Menschen gönnen sich den Luxus eines solchen privaten Rückzugsortes, in dem sie Raum und Zeit finden, um sich um ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden zu sorgen. Damit wächst immer mehr die Bereitschaft, in einen großzügigen privaten Spa-Bereich zu investieren. »Das Badezimmer als energetischster Raum des Hauses ist perfekt dazu geeignet, sich treiben zu lassen und neue Energie zu tanken. Die Reinigung bezieht sich nicht nur auf die Körperhygiene, sondern umfasst auch die geistig emotionale Reinigung. Dem Wasser kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Es ist vitalisieren, zellerneuernd, wirkt beruhigend und entspannt«, sagt Torsten Müller.

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Elternbad offen mit Zugang zum Schlafzimmer Der Kunde wünschte ein klassisches aber puristisches Bad ohne »Firlefanz«. Die Linien und Aufteilungen sollten geradlinig und kantig sein. Der Stein in seiner Masse sollte zudem leicht wirken. Die Duschwände wurden in einer Panelstruktur ausgebildet. Die Aufteilung wiederholt sich in der angrenzenden Sauna jedoch hier aus Hemmlockholz. Mit einem Rinnenablauf und geschlif­ fener, ganzteiliger Steinplatte ist der Duschboden versehen wor­ den. Badenwannenschürze und Ablage sind neutral in weißem Ceasarstone gehalten. Naturstein Hollands, Herzogenrath, www.natursteinhollands.de

Damit hat sich auch die Bedeutung des Badezimmers als Teil des Wohnbereichs deutlich verändert. Das Bad wird wohnlicher, rückt vom reinen Funktionsraum immer mehr in den Mittelpunkt eines Hauses und wandelt sich zu einem Ort, an dem Zeit verbracht wird, Rituale gelebt werden und der Alltagsstress draußen bleibt. Der Wunsch von Bauherren nach größeren Raumdimensionen und einer gehobenen Ausstattung wird sich in Zukunft noch weiter verstärken. Die Tendenz weg von der schnöden weiß gefliesten, langweiligen Nasszelle hin zum individuellen,

durchdesignten Wellnessbereich schlägt sich auch in der Gebäudeplanung nieder. »In modernen Grundrissen werden Badezimmer bereits heute wesentlich größer eingeplant, als es noch vor einigen Jahren üblich war«, stellt Torsten Müller fest. Gleichzeitig glaubt er aber nicht daran, dass sich der Trend einer Verschmelzung von Badezimmer mit dem Schlaf- und Ankleidebereich in der privat Wohnung durchsetzen wird. »Beide Räume übernehmen unterschiedliche Funktionen innerhalb eines Hauses. Daher werden an sie unterschiedliche Anforderungen

gestellt, die schwierig miteinander zu vereinen sind.« So erfordern beide Räume unterschiedliche Klimazonen und verschiedenen Temperaturen, stehendes Wasser müsste ständig entfernt werden und eine Entfeuchtungsanlage wird notwendig. »Eine solche Verschmelzung der Räume bedarf nicht nur eines immensen technischen und finanziellen Aufwands, auch im Alltag ergeben sich so viele Einschränkungen, dass sich eine solche Lösung auf Dauer nicht durchsetzen wird.« Ähnlich kritisch sieht der Designer die Digitalisierung im Badezimmer.

Gäste WC Der opulente Stein sollte schlicht ­eingesetzt werden. Der Gast soll eine warme, angenehme Atmosphäre vor­ finden, die Visitenkarte des Hauses. Die Waschtischsäule ist illuminiert und schafft in den dunklen Abendstunden eine gemütliche Atmosphäre. Material: Onix Arco Iris poliert Naturstein Hollands, Herzogenrath, www.natursteinhollands.de

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Der Bauherr des Einfami­ lienhauses wünschte sich einen massiven Waschtisch aus Naturstein. Dafür wurde Treuchtlinger Kalk­ stein in 14 cm Tranchen für Becken und Unterbau ein­ gesetzt. Den Gestaltungs­ prinzip entsprechend wur­ den die Oberflächen zu­ nächst maschinell rustikal bearbeitet und danach handwerklich veredelt, in dem sie gestockt und ­gebürstet wur­ den. Der Stein wurde lediglich in den Becken chemisch vergütet. Damit konnten die gewünschten technische Eigenschaften erzielt werden, ­während die natürliche ­Materialtextur erhalten blieb. Reutter Steinmetz & Bildhauer Mei­ sterbetrieb, Bad Urach, www.reuttersteinmetz.de

»Wenn die Badewanne per iPhone befüllt werden kann, steht dies dem eigentlichen Bedürfnis nach Entspannung entgegen. Der Mensch bleibt im schnelllebigen Rhythmus der Außenwelt verhaftet, in dem er selbst nur eine untergeordnete Rolle spielt.« Klarheit und Ruhe sind deshalb auch Torsten Müllers Gestaltungsmaxime. Dafür hält er sich an klassische Designregeln: der goldene Schnitt, eine klare Linien- und Symmetrieführung, eine einleuchtende Raumaufteilung und ein gelungenes Materialund Farbenspiel sind die Grundlage seiner Entwürfe. Dabei begann er seine Karriere ganz klassisch als Gasund Wasserinstallateur. Nach der Meisterschule hat er sein Gespür für Farben, Formen und Materialien ent-

Im Happy Buddha SPA setzt Baddesigner Torsten Müller großflächige Natursteinele­ mente ein, um Ruhe in den Raum zu bringen. Steinmetz Natursteine Krumscheid, Stockhausen/ Windhagen, www.natur­ steine-krumscheid.de

deckt und sich immer mehr auf die Planung und das Gestalten von Badezimmern spezialisiert. Da es keinen Ausbildungsberuf oder spezielle Trainingsprogramme gibt, musste er sich das Meiste selbst aneignen. »Speziell in gehobenen Badbereich fehlt ein umfassende Ausbildung, bei der sowohl das technischen als auch das gestalterische Wissen vermittelt wird«, erklärt Torsten Müller. Jeder seiner Entwürfe ist bis ins kleinste Detail durchdacht, keine Fuge oder Kante zufällig gesetzt. So werden Tür- oder Fensteroberkante wenn möglich auch als Höhe für die Duschabtrennung übernommen. Das Material des Bodenbelags findet sich in der Rückwand der Dusche wieder. Harmonische Übergänge und eine glatte Wand sorgen dafür, dass der Raum Ruhe ausstrahlt. »Der Mensch strebt nach Perfektion. Das Gehirn nimmt jede Fuge auf und verarbeitet die Informationen. Ein unruhiges Fugenbild kann also dazu führen, dass der gesamte Raum unruhig wirkt.« Großformatige Wand- und Bodenfließen bis hin zu Maßplatten liegen für ihn daher im Trend.

Zurück zur Natur Gleichzeitig spielen natürliche Materialien in der Badplanung eine entscheidende Rolle. »Alles was aus der Natur kommt, ist perfekt und kann künstlich hergestellt niemals den gleichen Effekt haben. Natürliche Materialien vermitteln eine Balance und ein Wohlgefühl. Damit ist ein Stein, der

Kontakt MÜLLER BAD & SPA.CE DESIGN Torsten Müller 53604 Bad Honnef www.design-bad.com

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von der Natur geschaffen wurde von vorneherein perfekt.« Für Torsten Müller liegt Naturstein damit eindeutig im Trend. Ob hinterleuchtete Onyxplatten, die die ganze Vielfalt und Brillanz des Steines sichtbar machen oder Naturstein aus Deutschland. »Solange das Budget stimmt, sind hochwertigen Natursteinbädern wenig Grenzen gesetzt«, sagt der Designer. Viele seiner Kunden entscheiden sich bewusst für deutsche Steine. »Entscheidungskriterien sind dabei weniger ökologische Gesichtspunkte als viel mehr eine Art Nationalbewusstsein«, stellt Torsten Müller fest. Demgegenüber hat er allerdings auch Kunden, die sich inspiriert durch ihre Reise besonders extravagante Stücke aus dem Ausland aussuchen. Auch der Torsten Müller lässt sich auf seine

Badgeflüster Erneste Appell war Journalist bevor er seine Leidenschaft für ­Design und Architektur entdeckt hat. Inzwischen Studiert er Archi­ tektur in Zürich und betreibt in ­seiner Freizeit betreibt den Design­ blog »Badgeflüster« www.badgefluester.de, in dem er den neues­ ten Badtrends auf der Spur ist. STEIN: Was fasziniert Sie am Bade­ zimmer? Erneste Appell: Das Badezimmer als vermeintlich zeitloser und funktionaler Raum ist großen Wandlungen unterworfen – dies sowohl in ästhetischer als auch in funktionaler Hinsicht. Dabei dient er sowohl der hektischen Morgenroutine vor dem Arbeitsalltag als

zu beobachtende Trend hin zu spektakulären Formen oder einer nostalgischen Opulenz. Tendenzen, die mir übrigens auch bezüglich der zeitgenössischen Architektur Sorgen bereiten. STEIN: Gibt es weitere »Unsitten«, die sie in der Badgestaltung beobachten? Erneste Appell: Neben den erwähnten Tendenzen bin ich kein Freund von Technik im Badezimmer. Dass Duschen einen iPod-Anschluss und eingebaute Lautsprecher brauchen, LED-beleuchtet sind oder über Touch-Screen verfügen, mag mir nicht einleuchten. Komfortansprüche werden für mich auf einer sinnlicheren, eher handwerklich-natürlichen Ebene befriedigt als durch High-Tech und Effekthascherei. STEIN: Wie hat sich das Badezimmer als Wohnraum in den vergangenen Jahren verändert und wohin geht der Trend? Erneste Appell: Das Badezimmer wird – zumindest in gewissen Kreisen – zunehmend vom Ort der Körperhy­giene zur privaten Wellness-Oase. Sinnbildlich hierfür steht das Bild der freistehenden Badewanne, welches seit längerer Zeit schon und in zu­nehmendem Maße propagiert wird.

Detailarbeit: Der durchgehende Natur­ steinwaschtisch für zwei Personen ver­ fügt über eine Kabeldurchführung für einen Fön.

Auslandsreisen und den zahlreichen Messebesuchen inspirieren. »Es gehört für mich zu den Hausaufgaben eines jeden Gestalters, die wichtigsten Designmessen zu besuchen und damit immer auf der Höhe der Zeit zu bleiben«, denn das Wichtigste für ihn ist es individuelle Räume zu gestalten. Dabei stehen Wünsche, Bedürfnisse und vor allem Emotionen im Mittelu punkt seiner Planungen.

auch dem entspannenden Vollbad danach. STEIN: Wie sollte dieser Raum für Sie in der heutigen Zeit aussehen? Erneste Appell: Persönlich bevorzuge ich klare und kubische Formen, kompakte und praktische Möbel sowie natürliche Materialien und gewisse Mosaike. Skulpturale Objekte, die in aufwändigen Prozessen geformt werden, lehne ich ab, selbst wenn sie mich ästhetisch ansprechen. Dies aus der sozialen Überzeugung heraus, dass niemand ein Badezimmer von mehr als 10 Quadratmetern bewohnen sollte. Für mich ist raumökonomischer Erfindergeist und die Fähigkeit mit einfachen Materialien und günstigen Komponenten ein stimmungsvolles Ambiente zu schaffen interessanter, als der aktuell

STEIN: Welche Rolle spielt Naturstein in der modernen Badgestaltung? Erneste Appell: Die angesprochene Technisierung im Badezimmer steht einer gleichzeitigen Tendenz hin zum Natürlichen gegenüber. Hier schwingt sicherlich auch eine gewisse romantisierende Nostalgie angesichts der beschleunigten Welt mit. Mit der Rückkehr zu natürlichen, sozusagen traditionellen Materialien – wie Holz und Naturstein – wird aber keine rückwärtsgewandte Ästhetik des Rustikalen beschworen, sondern eher ein atmo­sphä­rischer Minimalismus. Konstruktiv höchst anspruchsvoll wird dabei die benötigte Technologie verborgen, das Baudetail dient beispielsweise der Illusion, dass das Wasser aus der Wand im Natursteinblock verschwindet – was ­natürlich nicht so ist. Die Therme in Vals von Peter Zumthor, ist hierfür das ­passende architektonische Pendant.

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