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Bildband luv&lü v8

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www.luvundlue.de


MENSCHEN AM MEER

In der Ruhe tobt das Leben!

Wer an das Wangerland an der Nordsee denkt, dem kommen für gewöhnlich Bilder wie plattes, weites Land, Deiche, Schafe, Kühe, wortkarge Menschen, Strand und Meer in den Sinn. Für die Kreativen und der Wangerland Touristik war eines sofort klar: Da steckt viel mehr dahinter. So reisten sie zwölf Monate lang durch das Wangerland an der Nordsee, bei Wind und Wetter und porträtierten 24 Charaktere, die alle auf ihre ganz eigene Art und Weise Botschafter des Wangerlands sind. Was dabei herausgekommen ist, ist wahrlich mehr als ein Blogprojekt oder ein Buch – es ist pure Leidenschaft und Hingabe sich fremden Menschen zu öffnen. Denn jeder Mensch in diesem Buch hat uns mit seiner Geschichte nicht nur berührt, sondern sein Herz weit für uns geöffnet. Dafür sind wir sehr dankbar! Und wie sich das anfühlt, dürfen Sie auf den nächsten Seiten erfahren. www.luvundlue.de


VIEL. MEER. AUSZEIT. ULF UND MONI Anleitung zum Glücklichsein.

Außergewöhnliche Menschen, das sind oft die Verrückten. Die verrückt aufs Leben sind, verrückt aufs Erleben, verrückt danach, alles zu geben. Die alles auf einmal begehren, die nie gähnen oder belanglose Dinge sagen, sondern brennen wie ein Feuerwerk über dem Meer. Wir haben zwei dieser außergewöhnlichen Menschen hier oben an der Küste getroffen und durften ein paar Stunden mit ihnen staunen, sie bewundern und ebenfalls ein wenig mitverrückt sein.


Vor vielen Jahren setzten sie Segel, um der endlosen Hast ihres Alltags den Rücken zu kehren. Seit ihrer Kindheit ist Monika und Ulf seit 1978 auf den Meeren unterwegs und wollen nicht mehr damit aufhören. Und wenn sie doch mal zur Ruhe kommen und Anker werfen, dann nur im Heimathafen Hooksiel.

„DIE JAN MAAT: UNSER DICKES, ZICKIGES, PUBERTIERENDES KIND“ Wenn bei den meisten Menschen am Freitagnachmittag das Wochenende so langsam beginnt, legen Monika und Ulf erst richtig los. Klamotten packen, alles mitnehmen, jetzt bloß nichts vergessen und los über die Autobahn ins 60 Kilometer entfernte Wangerland an der Nordsee. Auf Schnickschnack stehen die beiden nicht. Praktisch muss es sein und vor allem anders als die Anderen. Das Patchworkpaar mit drei Kindern und acht Enkelkindern – selbstverständlich „fast“ alle mindestens genauso segelverrückt wie sie selbst oder zumindest seetauglich – haben ein weiteres, ganz besonderes Kind: „Jan Maat“, 30 Tonnen schwer und ein Selbstbau-­ Traditionssegler ohne Anleitung zum „Glücklichsein“. Das schöne Holz, die alten Linien, die schiere Größe, gepaart mit den Spuren des bisherigen Arbeitslebens, diese Patina macht bei der „Jan Maat“ den ganz besonderen Reiz aus. „Als wir das Schiff kauften, haben wir uns einen sehr langen Traum erfüllt“, sagt Monika. „Allerdings hat uns der Vorbesitzer dieses Schiffes keinerlei Unterlagen zur Verfügung stellen können, so dass wir über Jahre mit sehr viel Zeit und Geduld unser ,dickes, zickiges, pubertierendes Kind‘ erst einmal kennenlernen und erziehen müssen. Wir wollten etwas haben, was sonst keiner hat – ein Unikat, so wie wir es sind!“ Monika und Ulf sind zwei Menschen, die einfach das tun was sie lieben. Ihr Motto: Loslassen und sich selbst und auch alles andere nicht immer so ernst nehmen. Sie sind auf dem Meer zuhause, sind angekommen. Egal ob Mittelmeer, Atlantik oder Nordsee – sie kennen viele Reviere und noch mehr schöne Häfen. Auf die Frage, warum sie sich als Heimathafen Hooksiel im Wangerland ausgesucht haben, fällt die Antwort recht eindeutig aus: „Hier leben unsere Freunde und der Hafen ist nicht nur schön, sondern geschützt und tideunabhängig. Hier liegen wir sicher, kennen einfach jeden und trotzdem wird es nie langweilig. Der Alte Hafen von Hooksiel ist wunderschön und entspannt. Hier kann man in Ruhe sein Bier genießen, nette Menschen treffen, über die Welt philosophieren und einfach so sein wie man ist. Wenn man genug hat, macht man die Luken zu und geht schlafen. Am nächsten Morgen genießen wir unsere Brötchen an Bord und sind in Gedanken schon wieder am Segel setzen. „Dat ist unser Ding!“, sagt Ulf.


Wie erklärt man die Faszination des Segelns jenen, die immer nur an Land bleiben? Der Wind pfeift immer um die Ohren. Die Finger tun oft weh. Blaue Flecken am ganzen Körper. Unter Deck haut man sich den Kopf an. Die Bordtoilette – wenn überhaupt vorhanden – vermittelt ein nie gekanntes Raumgefühl. Ist das nicht so? „Ja, genau das brauchen wir, um glücklich zu sein“, erklärt Ulf. „Wir segeln am liebsten, wenn ein bisschen Wind ist, ab Windstärke vier bis sieben wird es für uns erst interessant und gehen raus aufs Meer. Es muss ein bisschen rau sein. So ein „Kaffeesegeln“ wie wir das heute gemacht haben ist nichts für uns. Das war nur euch zuliebe und damit die Segel mal ein bisschen abtrocknen.“

„DIE HERAUSFORDERUNG BEIM SEGELN IST ZU WISSEN, WIE DER MENSCH MIT DEN NATUR GEWALTEN UMGEHEN KANN. DENN DIE NORDSEE IST EIN BIEST.“ „Wir kommen sehr gut damit klar. Wir sind ein Team. Wir lieben viel Wind und die Herausforderung, die Nordsee zu besiegen. Diesen Kampf aufzunehmen. Wenn man dann abends nach einem schönen Törn im Hafen liegt, dann ist das das schönste Gefühl. Man hat den Kampf gewonnen.“ Segeln ist ein Schachspiel mit dem Wind. Man muss den Wind auf dem Wasser und aus den Wolken lesen können, bevor er in die Segel kommt. Nur wer genau beobachtet und vorausdenkt, kann handeln und letztendlich gewinnen. Monika und Ulf sind an Bord wie im normalen Leben Teamplayer. Sie müssen sekundenschnell entscheiden, welches Manöver sie als nächstes mit ihrem Schiff fahren wollen. Jeder Handgriff muss sitzen. 30 Tonnen Stahl, bleiben nun mal 30 Tonnen auch wenn sie als Schiff geformt sind. Segeln ist Meer. Viel Meer. Das Wechselspiel des Lichts und der Farben, wenn Wolken und Sonne sich abwechseln, ist berauschend. Die Gefühle und Emotionen, die sie beim Segeln täglich erleben, sind bewegend und entspannend zugleich.


NACH DEM TURN GING‘S AUF DIE WÄSCHELEINE Die Tochter mit Mann und zwei Kindern segelt gerade mit einer Dehler DB1, eine Regattayacht aus den 80ern, für drei Monate auf der nördlichen Halbkugel. Einfach so. Wow, wir staunten nicht schlecht, aber Monika schmiss adhoc einen typischen „Moni“-Spruch in die Runde: „Eine Tupper. Nix für mich. Ich brauche Rost!“. Genau solche Sätze machen die beiden aus. Sie sind authentisch, liebenswert, locker, einfach nur echt, weltoffen, tiefgründig und würden, wenn sie könnten, die ganze Welt umsegeln, wenn die Welt danach dann ein bisschen besser wäre. Auf die Frage, ob sie auch Gäste mit an Bord nehmen, kam ein klares „Nein“. Das hier gehört nur uns zwei. „Den letzten, den wir als Gast an Bord hatten, war danach so fertig, der musste erst mal über die Wäscheleine“, lacht Ulf.

ANDERE ZEIT, ANDERER RHYTHMUS Man kann irgendwie gar nicht anders, als die beiden zu mögen. Oder vielleicht sollte man sagen: als sie lieb zu gewinnen. Wir sind als Fremde an Bord gekommen und gingen als Freunde. Das hat man selten und vielleicht funktioniert das auch nur bei Monika und Ulf so schnell und so herzlich. Und vielleicht ist da ja auch das Segeln der entscheidende Faktor. Auf hoher See findet der Mensch noch Emotionen und Geschichten die echt sind. Denn dort herrscht eine andere Zeit, ein anderer Rhythmus. Und wer darin aufgeht, sich hingibt, wird wahrscheinlich tatsächlich zu einem anderen, gelasseneren Menschen.


STRANDKORBDOKTOR ENNO BAUER Friesische Gemütlichkeit, die eine Nummer trägt.

Würde es den Wind und die steife Brise im Wangerland an der Nordsee nicht geben, gäbe es vermutlich kein maritimes Strandmobiliar. Der Wind ist schuld – Gott sei Dank! Natürlich. Bodenständig. Einzigartig. Schön. Der Strandkorb: ein einfaches Dach über dem Kopf, von drei Seiten geschützt – längs- oder quer gestreift, mit Meeresmotiven oder einfach prachtvoll in vielen bunten Farben. Für die einen ein Stück Heimat, für die anderen ein Stück abgeschirmter Ruhe, einfach ein Lieblingsplatz, in dem man ungestört die Seele baumeln lassen kann. Ein Strandkorb sieht immer gut aus, egal bei welchem Wetter. Und damit das so bleibt, werden im Wangerland an der Nordsee alle Strandkörbe von Strandkorbdoktor Enno Bauer von Hand gehegt und gepflegt.


Enno Bauer ist Strandkorbdoktor bei der Wangerland Touristik mit Leib und Seele. Es gibt keinen Strandkorb, der nicht mindestens einmal durch seine Hände gegangen ist. Enno ist der einzige Strandkorbdoktor im Wanger­land und musste sich seinen „Doktortitel“ erst erarbeiten. In über 20 Jahren hat er über 4.000 Strandkörbe repariert. Ohne Medizinstudium, aber mit viel handwerklichem Geschick und sehr viel Freude an der Arbeit. Aber wie wird man eigentlich Strandkorbdoktor? „Zuerst war ich ganz normal als Reparateur angestellt und habe mich täglich um Strandkörbe gekümmert. Erst als mein Kollege in Rente ging, habe ich den Job übernommen“, erzählt uns Enno.


Jedes Jahr im April, wenn das zartgrüne Gras der Dünen im Wind den Frühling ankündigt, dann ist es endlich soweit. An den Stränden von Schillig, Horumersiel und Hooksiel werden traditionell die Strandkörbe aufgestellt. Liebevoll gepflegt und voll funktionstüchtig warten die maritimen Strandaccessoires auf Reisende, die im Wangerland ihr Ferienglück suchen. Als wir Enno in seiner Strandkorbwerkstatt besuchen, ist das Wetter nicht besonders strandtauglich, eher friesisch herb und seine Werkstatt in Schillig ist rappelvoll mit Strandkörben, die alle auf „Erste Hilfe“ warten. Enno ist ein Typ Mensch, der immer gute Laune versprüht, weil er das besondere Etwas hat, das herzlich Friesische, das was die Menschen am Meer so ausmacht. Das ist so ansteckend, dass uns trotz des schlechten Wetters ganz warm ums Herz wurde, als wir ihn bei seiner Arbeit begleiten durften. Denn tief in unseren Herzen sind wir alle romantisch. Strandkörbe zu mögen, ist nicht schwer, denn die maritimen Farben an einem weißen Dünenstrand ergreifen einfach jeden von uns. Sie stehen urig und stolz, kreuz und quer an den Stränden und symbolisieren norddeutsche Gemütlichkeit, die eine Nummer trägt!

Die Strandkörbe, die beschädigt sind, werden im Herbst ausgesondert und den Winter über repariert. Enno erzählt uns, dass seine Strandkörbe aus Holz, meistens Tanne und Fichte, bestehen. Wenn er Reparaturen vornimmt, werden fast immer der Rahmen und die Seitenteile komplett ersetzt. Das Holz hat sich verbessert und ist wetterbeständiger als früher, so dass seine Strandkörbe nach seiner Reparatur fünf bis sieben Jahre am Strand stehen bleiben. Mittlerweile wird ölhaltige Lerche verarbeitet. Die Innenausstattung, Polster und die Sitzbank werden aus Markisenstoff gefertigt. Diese Teile müssen fast immer repariert werden, da sehr viel durch Vandalismus und Zigaretten zerstört wird. Seine „Strandkorbpraxis“ hat 12 Monate durchgehend geöffnet und jährlich gehen zirka 200 Strandkörbe durch seine Strandkorbdoktor-Hände. In mühevoller Handarbeit und mit enormer Liebe zum Detail schleift, sägt, hämmert und lackiert Enno an seinen Patienten herum, bis sie wieder „strandfein“ sind.


Auf die Frage, ob hin und wieder mal Strandkörbe verschwinden, antwortet Enno: „Nein, seit ich hier bin ist noch nie einer ernsthaft geklaut worden. Hin und wieder stehen mal welche vor dem Deich rum. (er lacht) Weiter kommen die Diebe meistens nicht und geben auf, weil ihnen die Körbe zu schwer werden. Aber es werden jeden Tag Strandkörbe aufgebrochen und es wird randaliert, das ist leider an der Tagesordnung“, erzählt uns Enno weiter. Wir fahren zu einem alten Bauernhof und müssen auf den Heuboden über eine Leiter klettern. Ein wirklich interessantes Bild bietet sich uns, weil man Strandkörbe eigentlich nur am Strand oder im heimischen Garten vermutet. „Hier halten unsere Strandkörbe ihren Winterschlaf!“, präsentiert uns Enno ganz stolz. Von Oktober bis Anfang April werden die Strandkörbe hier wind- und wetterfest gelagert. Wenn die Saison beginnt, werden die Strandkörbe mit einem Hänger an den Strand gefahren und von Hand nach einem System aufgestellt. In Schillig zum Beispiel werden die Strandkörbe mit der Nr. 1 bis 240 direkt ans Wasser gestellt und für die etwas älteren Gäste, kommen ein paar Strandkörbe auf den Rasen. Selbstverständlich hat Enno als Strandkorbdoktor zuhause im Garten auch einen Strandkorb stehen und wir geben zu, wir hätten auch gerne einen mit nach Hause genommen. Aber wir müssen ehrlich sagen, nur hier im Wangerland an der Nordsee, wo die Strandkörbe den echten Meeresduft tragen, kann man sich hinein setzen, entspannen und sie hören, die ewige Geschichte vom Leben am Meer!

Enno liebt seinen Beruf über alles, denn in den Wintermonaten hat er seine Ruhe und arbeitet täglich in der Werkstatt und in den Sommermonaten geht Enno jeden Morgen um 7 Uhr an den Strand und überprüft jeden einzelnen Strandkorb. Sind alle Schlüssel da, ist alles sauber? Sind alle Strandkörbe noch in einem einwandfreien Zustand? „Das Gefühl von Ruhe, Nordsee und die Reparatur der Körbe macht mich einfach glücklich. Das Schönste daran ist, man lernt ständig neue Menschen kennen oder trifft alte Bekannte, die man schon Jahre kennt und dann schnackt man eine Runde miteinander“, sagt Enno.


INSELKAPITÄN EWALD BEBBER Hochseeinsel. Helgoland. Heimatland.

Mitten in der Deutschen Bucht, knapp 70 Kilometer vom Festland entfernt, liegt Deutschlands einzige Hochseeinsel: Helgoland. Die wogenden Wassermassen, das kräftige Farbenspiel der roten Felsen, die Weite des Meeres, die frische Seeluft und die faszinierenden Natur- und Tierwelten, machen dieses kleine Eiland mit 1,5 Quadratkilometern zu einem eindrucksvollen Fels in der Brandung. Um auf die Insel zu gelangen, nimmt man in der Regel ein Schiff. Die Reederei Cassen Eils, die seit 1952 existierende, älteste Helgoland-Reederei, bietet das ganze Jahr hindurch mit modernen Seebäderschiffen eine Linienverbindung nach Helgoland an. Die Abfahrtshäfen sind Cuxhaven, Bremerhaven und Büsum, zusätzlich gibt es ausgewählte Abfahrtstermine ab Hooksiel im Wangerland an der Nordsee mit MS „Fair Lady“.


Als wir das Seebäderschiff MS „Helgoland“ in Cuxhaven betreten, werden wir friesisch freundlich von der Crew an der Gangway begrüßt. „Moin, willkommen an Bord.“ Wir staunen nicht schlecht, zumal wir uns ein Fährschiff etwas anders vorgestellt haben. MS „Helgoland“ ist eines der modernsten Schiffe Europas, alleine schon durch den Antrieb. Und es ist schön groß, hell und unglaublich modern gebaut. Das chice Design überzeugt innen und außen, der barrierefreie Zugang zu allen Decks ist per Fahrstuhl erreichbar, es gibt komfortabel eingerichtete Salons, eine Kinderspielecke, ein hervorragendes Restaurant und ein großzügiges Sonnendeck – das allein ist schon bemerkenswert. Aber das Außergewöhnlichste an MS „Helgoland“ ist, dass es mit innovativer Flüssiggas-(LNG)technik angetrieben wird. Mit anderen Worten: Umweltschutz auf hohem Niveau. Wir werden von der Crew in die heiligen Hallen – auf die Brücke – geleitet. Dort treffen wir den Mann, der noch mehr Fels in der Brandung ist als Helgoland selbst. Chefkapitän Ewald Bebber! Stets mit einem flotten Spruch auf den Lippen und unglaublich liebenswertem Humor begrüßt er seine Gäste an Bord und läuft noch einmal durch das ganze Schiff, um sich zu versichern, dass alles so läuft, wie er das möchte. Im Schiff selbst kommt man sich vor wie in einem Ameisenhaufen. Alle Gäste laufen aufgeregt hin und her, hoch und runter auf der Suche nach Essen, Trinken, dem besten Platz. „Das ist normal. Das legt sich gleich wieder, wenn wir ablegen, dann hat jeder seinen Lieblingsplatz gefunden, mit Blick aufs Meer“, erklärt uns der Kapitän. Hochkonzentriert wird das Ablege-Manöver vorbereitet. An seiner Seite Steuerfrau Antje Busch. Antje ist seit drei Monaten an Bord auf MS „Helgoland“, genauso charmant wie der Kapitän und bereits ein alter Hase auf See. Vorher fuhr sie jahrelang auf einem Frachter und hat ganz Nordeuropa gesehen. Die Reederei ist sehr offen gegenüber dem Thema Frauen in der Seefahrt, wie wir feststellen, denn auf einem anderen Seebäderschiff fährt ebenfalls eine Steuerfrau mit. Es ist acht Minuten nach Zehn, als das Signal „Tuuuuuuuuut“ zum ersten Mal an Bord zu hören ist. „Das ist das Zeichen für die Gäste, dass sie sich jetzt sputen müssen ...“, sagt Kapitän Bebber. Ein zweites Mal „Tuuuuuuuuuut“ und schon fahren wir los – ganz leise und umweltfreundlich mit Kurs auf Helgoland. Auch die 800 Gäste an Bord sind nun alle ganz entspannt und man merkt mit jeder Seemeile, die sie hinter sich lassen, die Vorfreude, dass bald diese kleine rote Felseninsel vor ihnen auftaucht ... „Ich bin an beiden Enden der Reise zu Hause!“ (Kapitän Ewald Bebber)


Interessant ist, dass man in Niedersachen an Bord geht, an der Insel Neuwerk vorbei fährt, die zu Hamburg gehört, und auf der Insel Helgoland von Bord geht, die wiederum zu Schleswig-Holstein gehört. Die Überfahrt nach Helgoland dauert zirka 2,5 Stunden, je nach Tide und Geschwindigkeit. Auf der Brücke sieht es fast aus wie in einem Flugzeug-Cockpit, nur viel größer. Hochmodernste Technik, stets im Visier von Steuerfrau Antje, während wir die Elbe in Richtung Nordsee fahren. Eine gute Gelegenheit für uns, Kapitän Bebber ein bisschen näher kennen zu lernen. Chefkapitän Ewald Bebber hat seit 26 Jahren bei der Reederei Cassen Eils das Steuerrad fest in der Hand. „Wenn man es streng nimmt seit 54 Jahren, denn ich bin gebürtiger Helgoländer“, verrät er uns. Wie wird man eigentlich Fährkapitän? „Das war eher Zufall, denn ich war vorher weltweit auf Großer Fahrt unterwegs, nur Australien und die Antarktis fehlen noch. Eines Tages hatte ich Urlaub und traf Cassen Eils und er fragte mich, was ich gerade mache. Ich sagte: ‚Urlaub.’ Er sagte: ’Urlaub macht dumm, ich habe einen Job für dich. Kannst du mir aushelfen? Ein Steuermann ist mir abhandengekommen.’ Ich sollte für sechs Wochen einspringen – das war vor 26 Jahren“, erzählt uns der Kapitän. Der gebürtige Helgoländer hat bereits zwei Bauphasen von Seebäderschiffen in seiner Karriere begleitet. Zuerst MS „Fair Lady“ in der Kindheit, das auch von Hooksiel nach Helgoland fährt. „Ein ganz tolles Schiff, was mir sehr am Herzen liegt“, verrät er uns. Und das technisch-innovative und moderne MS „Helgoland“. „Ich war schon während der Bauphase ständig vor Ort und fast hätte es geklappt, dass MS ,Helgoland‘ an meinem Geburtstag im Mai 2015 ins Wasser gelassen wurde. Leider kam es erst einen Tag später dazu. Das wäre natürlich so richtig schön gewesen“, schwärmt der Kapitän. „Früher war alles mehr Handwerk und viel mehr analoge Technik. Heute ist alles elektrisch. Körperlich nicht mehr so anstrengend, aber dafür vom technischen Anspruch viel höher. Als Kapitän muss man heutzutage sehr viel technisches Verständnis haben, gerade auf diesem Schiff mit dem LNG-Antrieb“, erklärt uns Bebber weiter.


Und was macht ein Kapitän so in der Freizeit? „Ich bin Kapitän durch und durch, das sagen auch meine Freunde. Sogar in meiner Freizeit baue ich mit einem Freund zusammen ferngesteuerte Modellboote und lasse diese auch hin und wieder fahren. Wir haben eines unserer Schiffe, MS ,Fair Lady‘, nachgebaut und auch das Frachtschiff meiner Eltern (KÜMO) Paloma-B von See, das früher nach Helgoland fuhr. Zurzeit bauen wir MS ,Helgoland‘ (Länge 1,70 Meter) als Fernsteuermodell nach. Ziemlich verrückt, ich weiß, macht mich aber glücklich!“ Können Sie sich vorstellen, wieder auf die Insel zu ziehen und dort zu Leben? „Im Moment nicht, aber wer weiß, was das Leben noch bringt. Das Schönste für mich an Helgoland ist, kurz vor Sonnenuntergang eine Inselrundfahrt zu machen. Wenn abends die rote Sonne untergeht und dann noch den roten Felsen beleuchtet, das ist unbezahlbar!“ Jetzt ist sie ganz nah, die Insel Helgoland, der besagte Fels in der Brandung. Wow, wir können es kaum erwarten, endlich an Land zu kommen, um die Insel zu erkunden. Wir fühlen uns ein bisschen wie Schatzsuchende in der Kindheit. Schnell bitten wir den Kapitän, uns noch ein paar Tipps zu geben, denn wir sind Tagestouristen und müssen um 16 Uhr wieder an Bord sein. Er empfiehlt uns, einen Inselrundgang über das Oberland zu machen und den Felsen „Lange Anna“ zu besuchen. Wenn wir einen schönen Strand, Robben und Seehunde sehen möchten, dann sollten wir einen Abstecher auf die „Düne“ unternehmen (Helgoland zerbrach 1721; seitdem existiert die als „Düne“ bezeichnete Nebeninsel). Und dann ist da natürlich noch die Helgoländer Delikatesse Knieper, die Scheren von einem Taschenkrebs, die man in allen Variationen überall auf der Insel kosten kann. Einmal probiert und man kommt garantiert wieder. Die raue Schönheit Helgolands, ihr temperamentvolles und zugleich sanftes Auftreten lassen sich nicht zähmen, von niemandem. Man ist schnell verliebt in diesen roten Felsen in der Nordsee, braucht aber Zeit, um alle Geheimnisse, die Menschen dort, die reine Natur mit ihren Höhen und Tiefen lieben und kennenzulernen. Nach einem Tag Helgoland sind wir jedenfalls so verknallt, dass wir wieder kommen werden. Das nächste Mal von Hooksiel aus mit MS „Fair Lady“.


MULTIPLAYER FABIAN THOMAS Vom Glück, im Zickzack durchs Leben zu gehen.

Impulsive Entscheidungen sind die besten. Wir als Kreative können ein Lied davon singen, sonst würde es „Luv & Lü“ nicht geben. Und spontan gelebtes Leben kann zu visionären Erfahrungen führen. Warum Fabian Thomas des Öfteren im Leben nach rechts abbiegt, anstatt nach links wie ursprünglich geplant – das erzählen wir jetzt. Wir treffen Fabian, den smarten Typen von Mitte zwanzig, auf einem malerischen Resthof im Wangerland an der Nordsee. Als wir mit ihm sprechen, merken wir schnell, dass Fabian jobtechnisch auf der Überholspur lebt. Er ist Organist, also Musiker, außerdem eine Art Musiktherapeut. Und er ist Vater auf Entfernung, arbeitet als Restaurantfachmann in der Gastronomie, betreut Ferienwohnungen und Feriengäste. Obendrein ist er Grafiker und Fotograf. Das reicht eigentlich für drei Leben. Aber fangen wir von vorne an. Aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen jobbte er bereits seit seiner Jugend in der Gastronomie. Die Liebe zu diesem Beruf kam durch seine Mutter, die auf einer Beauty-Farm arbeitete. Jeden Tag nach der Schule fuhr er zur ihr, um auszuhelfen. Für alle in der Familie war klar: Das macht Fabian irgendwann hauptberuflich. Fabian hat sich jung gebunden und wurde früh Vater. Eines Tages fing seine heile, kleine Welt an zu wackeln, und er entschloss sich einen Neuanfang zu starten. Sein Ziel: die Nordseeküste. Fabian folgte einem Bauchgefühl und landete in Wilhelmshaven, wo er für drei Monate in einem Hotel arbeitete. „Ich habe schnell gemerkt, dass mir das mit der Gastronomie einfach keinen Spaß mehr macht, und es jetzt an der Zeit ist, auch in beruflicher Hinsicht einen Neuanfang zu wagen“, erzählt uns Fabian.


Auf die Frage, warum er die Gastronomie an den Nagel hängen möchte, erzählt er uns: „Der Job ist oft anstrengend und undankbar, wenn man es von der einen Seite betrachtet. Die Bezahlung ist miserabel für die Stunden, die man leistet, der Stress dahinter, Freunde und Freundschaften kannst du total vergessen. Es gibt diese Gastronomen-Sprüche, dass man keine Freunde braucht, weil die Arbeitskollegen deine Familie sind. Man kann sich das Ganze auch schönreden und das tun, glaube ich, auch 90 % aller Gastronomen. Irgendwann kommst du an dem Punkt in deinem Leben, wo du aufhören solltest, dir alles schön zu reden. Dass es einfach wichtigere Dinge im Leben gibt, die einen glücklicher machen.“ Mit einer Menge Mut im Gepäck macht sich Fabian auf die Reise in ein neues Genre: Grafik- und Webdesign und Fotografie. Bloß nie wieder Gastronomie! Er plant seine Selbstständigkeit und trifft auf seinen jetzigen Arbeitgeber, der – Überraschung! – aus der Gastronomie kommt. „Er schrieb mich damals an, dass er Fotos für seine Ferienwohnungen benötigt. Man traf sich, war sich sofort sympathisch und kam ins Gespräch. Tja, was soll ich sagen. Das ist jetzt dreieinhalb Jahre her und seitdem arbeite ich in seinem italienischen Restaurant ,Il Gabbiano‘ in Horumersiel als Restaurantfachmann und Mädchen für alles. Ich bin der Grafiker, produziere die Fotos für die Ferienwohnungen und betreue die Gäste. Und bin da gelandet, wo ich eigentlich nicht mehr hin wollte – in der Gastronomie, aber das funktioniert alles so gut, als würde man seit 30 Jahren zusammen arbeiten. Das ist ein ganz großes Spektrum, was wir da betreuen. Und ich habe alle Freiheiten, die ich brauche“, erzählt uns Fabian mit einem zufriedenen. Eines Tages, scheinbar kein Einzelfall in seiner Wahlheimat Horumersiel im Wangerland an der Nordsee, kamen die Menschen auf Fabian zu. „Es ist nicht so anonym wie in der Stadt. Jeder ist menschlich an einem interessiert. Man kommt ins Gespräch und wenn man den Einheimischen hier sympathisch ist, lassen sie einen nicht mehr los. Plötzlich hat man ein neues Zuhause, hat neue Herausforderungen und neue Bekanntschaften in seinem Leben. Man muss nur offen und aufgeschlossen sein.“ Auf seinen täglichen Weg zur Arbeit fährt Fabian immer an einer Aufsehen erregenden Kirche vorbei. Die „Kirche am Meer“ ist ein stolzer, souveräner Kirchenneubau, der sogar einen Architekturpreis gewonnen hat. Fabian hatte mit Kirche wenig am Hut, aber er ist ja Musiker und suchte noch nach einem Ort, wo er diese Leidenschaft ausleben konnte. Er dachte an einen Chor und landete an der Orgel. „Man hat mir einfach den Schlüssel der Orgel in die Hand gedrückt, und seit Februar 2016 spiele ich dort, so oft ich kann, die Orgel. Ich hatte überhaupt keine Ahnung von den Abläufen in einer Kirche, wie eine Messe aufgebaut ist oder was ich eigentlich tun muss. Mittlerweile weiß ich das größtenteils und habe mich da so reingefuchst“, verrät uns Fabian. Aber Fabian spielt nicht einfach nur Orgel und singt klassische Kirchenstücke. Fabian erfindet die Kirche neu! Er spielt auch Songs von Peter Maffay oder den Soundtrack von „Fluch der Karibik“.


Fabian ist einer dieser Typen, die immer rechts abbiegen. Er ist auf der Suche. Nach neuen Herausforderungen. Und nach sich selbst. Stehenbleiben kommt für ihn nicht in Frage, dafür lässt sein Tagesablauf auch keinen Raum. „Es gibt Tage, da arbeite ich von 8 Uhr bis 11.30 Uhr als Musiktherapeut in der Klinik, dann regulär von 12 Uhr bis 15 Uhr im Restaurant, von 15.30 Uhr bis 16.30 Uhr bin ich in der Kirche, um 17 Uhr bis abends im Restaurant und oft fahre ich dann noch einmal in die Kirche und spiele für mich zum Runterkommen an der Orgel.“ Auf die Frage, wann er mal Zeit für sich hat, sagt er: „Das ist die große Frage, eigentlich alle zwei Wochen an den Wochenenden, wenn ich zu meinem Sohn nach Nordrhein-Westfalen fahre. Ich schalte mein Handy ab und denke keine Sekunde an die Arbeit! Aber mir macht das alles sehr viel Spaß, sonst würde ich das nicht machen. Und Horumersiel mit seinen Menschen schenkt mir immer wieder das Gefühl, zuhause und ein Stück weit angekommen zu sein.


Als wir Fabian trafen, war uns übrigens nicht bewusst, wie modern, entspannt und beflügelnd Kirche sein kann. Ein Ort der Ruhe, der Besinnung und der Begegnung auf eine ganz neue und moderne Art. Klar, Fabian ist ein richtig guter Typ, und er hat sich für uns geöffnet und uns berührt. Wenn er an der Orgel spielt, ist er ganz bei sich. Er füllt diesen Raum mit einer Kunst, die man einfach lieben muss. Jeder, der im Wangerland lebt oder Urlaub macht, sollte sich nur einmal die Zeit nehmen und an diesen wunderbaren Ort gehen. Einfach nur zuhören, wenn Fabian an der Orgel spielt.


DER WATTKERL ARNO ECKHOFF Watt für ein richtig cooler Typ!

Nur wenige Autominuten vom Wangerland an der Nordsee entfernt liegt Ostiem, ein Stadtteil von Schortens im wunderschönen Friesland. In dem kleinen Örtchen mit seinen idyllischen Bauernhäusern, umringt von purer Natur, lebt Arno Eckhoff mit seinen zwei Söhnen auf einem Resthof. Hier empfängt uns der 58-jährige, der allerdings eher aussieht wie Ende 40, in seiner blitzblanken Küche und macht uns erst einmal einen Ostfriesentee. Arno liebt die Ruhe und ganz besonders die Natur und lebt inzwischen lieber hier. Und das, obwohl er als gebürtiger Dortmunder die raue Gegend der Zechen, den Menschenschlag und den Trubel durchaus schätzt. „Ein Weg zurück nach Dortmund kommt für mich nicht mehr in Frage, auch wenn ich gerne dort bin“, erzählt uns Arno während er den Kandis in die Teetassen legt. Als wir uns umschauen, sehen wir um die hundert Kaffeetassen an Wandhaken hängen. Auf den meisten prangen Flaggen und Logos von fremden Ländern sowie Embleme von Marineschiffen. „Alles Erinnerungen und Souvenirs. Die habe ich in den letzten 30 Jahren alle gesammelt, als ich als Soldat bei der Marine auf See unterwegs war“, sagt Arno. Die ersten zwei Jahre seiner Bundeswehrzeit hat er in Flensburg beim Fliegerhorst verbracht. So richtig glücklich war er damit nicht und dachte sich: „Seefahrt ist besser, als am Flugzeug herumzuschrauben.“ Er ließ sich nach Wilhelmshaven an die Nordsee versetzen und fuhr auf den Fregatten dieser Welt zur See. „Diese Zeit habe ich geliebt, weil mich die Seefahrt zu dem gemacht hat, der ich heute bin. Später hat mich die Liebe dazu gebracht, hier oben im Norden sesshaft zu werden. Die Beziehung hat zwar nicht gehalten, aber die Liebe zu dieser Region ist nach wie vor ungebrochen“, erzählt uns Arno weiter.


„Früher als ich Obermaat war, waren wir oft mit mehr als vier Jungs auf einer Kammer. Eng und zeitlich eingesperrt. Man brauchte schon eine große Portion soziales Engagement und musste auf die anderen Rücksicht nehmen. Hin und wieder wurde der eine oder andere Kamerad auch erzogen. Vielleicht wurde ich auch erzogen, aber das habe ich dann nicht mitbekommen. Durch Sport ließ sich vieles ausgleichen“, lacht Arno. Er ist ein aufgeräumter Typ, Marinesoldat eben. Sehr relaxt und organisiert. Als wir durch sein Haus gehen, wird schnell klar, dass er sich seine Vergangenheit ebenfalls bewahrt hat. Es gibt wirklich viele skurrile Dinge in seinem Heim, etwa Computer aus den 80er Jahren (die immer noch voll funktionstüchtig sind), Relikte aus der Marinezeit, die wir so noch nicht gesehen haben und uns an den Film „Zurück in die Zukunft“ erinnern. Das Meer, seine Bewohner oder besser gesagt, das Wattenmeer und seine Wattbewohner, prägten Arno bereits damals. Und so ist er heute im Wangerland als Wattführer unterwegs. Aber wie wird man als Seemann, der ja in der Regel auf dem Wasser mit einem Schiff unterwegs ist, Wattführer auf dem Meeresgrund im Wangerland an der Nordsee? „Ich war 1989 bis Anfang 90er auf der Fregatte Augsburg stationiert. In Augsburg hatten wir eine Patenschaft mit einem Kinderheim; jedes Jahr kam eine Gruppe nach Wilhelmshaven zum Zelten. Wir haben die Kinder betreut mit viel Programm; einer der Programmpunkte war immer wattwandern. Ich hatte richtig Spaß daran und habe dann öfter auch mal mit Freunden an geführten Wattwanderungen teilgenommen. Irgendwann dachte ich, weil mir das so gut gefallen hat, das kannst du ja auch selbst! Und so habe mich informiert, wie man stattlich geprüfter Wattführer wird. In der Zeitung gab es eines Tages einen sehr interessanten Artikel von Holger Prüter, einen ehemaligen Wattführer im Wangerland. Daraufhin habe ich ihn einfach angerufen und ihm gesagt, dass ich Interesse habe. Und so bin ich nach meiner Prüfung in die Wattführergruppe Wangerland reingerutscht. Das war im Jahr 2007“, erzählt uns Arno. Wir können uns vorstellen, dass man am Wasser besser denken kann. Dasselbe gilt auch, wenn das Wasser nicht da ist, wenn man sich am oder im Wattenmeer befindet. Was wir gerade denken, verraten wir lieber nicht. Jedenfalls stehen wir nun mit Arno in Schillig am Strand, und das Wasser ist weg. Ebbe. Ab ins Watt, heißt es jetzt für uns, obwohl es gerade noch geregnet und sogar gehagelt hat, als würde die Welt untergehen und wir eigentlich lieber einen heißen Kakao im schönen Strandcafé trinken würden. Aber der Gedanke ist gleich wieder verschwunden, denn plötzlich reißt der Himmel am Horizont schon wieder auf. Es wird sogar richtig warm. „Das ist normal hier oben an der Küste. Ich mache zwei bis drei Wattwanderungen pro Woche. Mal ist das Wetter schön, mal regnet es. Völlig egal, denn ich bringe den Menschen das Watt näher, die Natur und die Vielfältigkeit von Ebbe und Flut. Da wird das Wetter zur Nebensache“, erklärt uns Arno.


Arno ist am liebsten draußen in der Natur. Wenn er im Wattenmeer unterwegs ist, ist er glücklich. Da ist es wieder: Dieses Licht, das es nur am Meer gibt. Klare Luft, weiter Himmel, mal mit, mal ohne Wolken. Das Watt hat viele Facetten, ist leise und doch matschig, geheimnisvoll, ein wenig unheimlich und natürlich ein faszinierender Lebensraum für viele Tiere. Wir geben zu, nach ein paar Metern macht uns seine Art, „sein“ Wattenmeer näher zu bringen nicht nur Spaß, sondern wir sind stolz, ein so wunderbares Naturerlebnis erleben zu dürfen. Wer kann schon behaupten, mehrere Meter mit humorvoller, fachkundiger Führung über den Meeresboden gelaufen zu sein? Arno führt Gruppen und meistens auch Schulklassen durch das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. „Schulklassen sind meine besonderen Lieblinge“, lacht Arno. „Es gibt in jeder Klasse einen ganz Coolen und einen Klassenclown. Der Coole mit den tollsten Sprüchen wird im Watt meistens so klein mit Hut, dass er die ganze Tour über am Rockzipfel seiner Lehrerin hängt. Der Klassenclown hört zwar zu, was ich sage, bleibt aber meistens nach zehn Metern schon im Schlick stecken und jammert. Ich darf ihn dann rausziehen. Danach ist der dann auch ganz kleinlaut. Deswegen gehe ich immer barfuß ins Watt. Nicht nur, weil ich Schüler aus dem Schlick ziehen muss, sondern weil es nichts Schöneres gibt, wenn der Schlick durch die Zehen hoch kommt“, schwärmt Arno weiter. Wir können dem nur zustimmen: Barfuß mit hochgekrempelter Hose fühlen wir uns am wohlsten. Nach 30 Jahren als Soldat bei der Marine ist bei Arno noch lange kein Ruhestand in Sicht. Arno hat im stattdessen Hummeln im Hintern. Er führt nicht nur mehrmals die Woche Menschen durchs Watt, sondern ist auch Sportwart; er gehört zum Geschäftsführenden Vorstand beim TuS Oestringen, einem Sportverein in Schortens. „Wer rastet, der rostet. Ich bin Vater von zwei Söhnen, der eine geht noch zur Schule und der andere studiert in Hamburg. Ich bin immer in Bewegung. Im Sportverein organisiere ich nicht nur alles Mögliche, ich spiele auch mit einer Männergruppe Fußball und Hockey und gehe zwei- bis dreimal die Woche zwischen zehn und zwölf Kilometer laufen. Als Hobbyläufer nehme ich gerne an Stadtläufen teil und jogge auch sehr gerne mit meiner Freundin in der Natur oder an der Küste entlang“, erzählt uns Arno.


„Im Wangerland an der Nordsee ist man eben nie weit weg vom Meer“, sagt Arno. Kein Wunder, dass ihn die Urlauber öfter darum beneiden, auf dem Meeresboden herum spazieren zu dürfen. Aber Arno geht es um weit mehr: Ihm ist es gelungen, den Menschen das Wunder Wattenmeer auf eine besondere Art näher zu bringen. Ihm ist es wichtig, dass Menschen, die mit ihm ins Watt gehen, dieses kostbare Gut bewahren. Er selbst tut etwas dafür, ohne nachzudenken – indem er sein Wissen weitergibt. Für ihn die selbstverständlichste Sache der Welt. Arno ist eben ein echter Wattkerl, mit dem man unbedingt mal ein paar Meter über den Meeresboden gewandert sein sollte.


NORDSEE-LIEBE ANJA SEIDL-VOGT Nordseerauschen und ganz viel Liebe in der Luft.

Hooksiel im Wangerland an der Nordsee ist bekannt für seinen traumhaft schönen, weißen Sandstrand; seit Jahrzehnten ist es der Hotspot für Surfer, Kiter und Wasserski-Fans. Wir sind auf dem Weg zu den Skiterrassen Hooksiel und haben eine klare Mission: Wir wollen herausfinden, was eine große Nordsee-Liebe mit Strandhochzeiten und einer Wasserskianlage zu tun hat. Anja Seidl-Vogt lebt zunächst in München; sie ist alleinerziehend mit drei kleinen Kindern, hat eine sehr schöne Wohnung, einen guten Job und ein perfektes soziales Umfeld. Rote lange Haare hat sie; hübsch, fröhlich und sehr offen trifft sie vor 13 Jahren bei einer Geschäftsreise in Hamburg auf Hans-Ott Vogt. „Ich habe Hansi in der Sauna kennengelernt, wo wir ins Gespräch gekommen sind. Wir haben uns auf Anhieb verstanden, ich war hin und weg. Er erzählte mir, dass er gerade überlegt, ob er das Familienunternehmen in Hooksiel übernehmen und weiterführen soll oder eben nicht. Ich hatte keine Ahnung, was ein Wasserskilift ist und wie das eigentlich alles funktioniert, aber ich fand den Typen einfach nett. Wir hatten einen schönen Abend zusammen und als wir unsere Kontakte ausgetauscht haben, stellten wir fest, dass uns knapp tausend Kilometer trennen“, erzählt uns Anja.


Ein bayerisches Sprichwort sagt: „Nichts glüht so heiß, wie die Liebe zwischen Bayer und Preiß“ (Preiß = Norddeutscher). „Ein halbes Jahr später kam Hansi aus dem Skiurlaub auf dem Rückweg bei mir in München vorbei. Wieder hatten wir eine total schöne Zeit, und zwei Wochen später hat er mich eingeladen, einfach mal an die Nordsee nach Hooksiel zu kommen. Er stand kurz vor der Neueröffnung der Wasserskianlage und wollte mir alles zeigen“, erzählt Anja weiter. Seit zwölf Jahren lebt die gebürtige Münchnerin nun im Wangerland an der Nordsee. „Das war der Beginn einer riesengroßen Liebe, als ich das erste Mal hier oben an der Nordsee war, war ich völlig geflasht, richtig verzaubert. Ich war sofort ins Wangerland verliebt! Nicht nur in die Gegend, sondern auch in den Mann,“ sagt die 45-Jährige in einem Bayerisch, als wäre sie nie weggewesen.

Und wo ist dann Heimat? „Ich bin in München geboren, das ist meine Stadt. Ich liebe sie über alles; mein Leben dort war perfekt. Aber alles das ersetzt nicht die ganz große Liebe, die ich gefühlt habe, als ich Hans-Ott das erste Mal gesehen habe. Anfangs bin ich jedes zweite Wochenende ins Wangerland gefahren und habe ein bisschen mitgeholfen und gemerkt, dass Hansi Unterstützung gebrauchen kann. Alle 14 Tage war ich mittendrin und irgendwann kam der Gedanke auf, wie es weitergeht. Eine Fernbeziehung über Jahre kam für uns nicht in Frage. Und die Kinder mussten alle in weiterführenden Schulen. Und so haben wir kurzerhand beschlossen, hier oben gemeinsam neu zu starten. Ich habe meinen Job und meine Wohnung gekündigt und bin mit meinen drei Kindern im Gepäck hier hoch gezogen. Vor zwei Jahren haben wir dann auch geheiratet“, erzählt uns Anja mit strahlenden Augen.


Stichwort Heirat: Anja und Hans führen nicht nur ein beliebtes Familienunternehmen, sondern richten längst auch Strandhochzeiten und Feierlichkeiten aus. Sie leben und arbeiten zusammen. Geht das immer gut? „Ja, denn wir haben seit Beginn unserer Beziehung sehr eng zusammen gearbeitet, selbst an den Wochenenden, an denen ich anfangs nur zu Besuch hier war. Allerdings ist es heute so, dass die Kinder groß sind und ihre eigenen Wege gehen. Jetzt ist so langsam die Zeit gekommen, dass wir mehr Zeit zu Zweit verbringen können und das genießen wir gerade sehr“, verrät uns Anja.

Was gibt es schöneres, als eine romantische Trauung in einem weißen Pavillon direkt am Sandstrand von Hooksiel – Meeresrauschen inklusive – zu erleben? Wer an einem Strand im Wangerland an der Nordsee heiratet, braucht vor der wunderschönen Kulisse nicht wirklich viel, um glücklich zu sein. Da zählt eine frische Brise, Meerluft im Haar und ein glückliches Funkeln in den Augen. Und wenn man eine Anja Seidl-Vogt in der Nähe hat, die sich um alles kümmert, dann wird es eine Traumhochzeit, versprochen! „Wir geben wirklich alles, damit sich unsere Brautpaare wohlfühlen und schmücken den Pavillon sehr stilvoll, romantisch und es wirkt fast schon unecht, so malerisch ist die Hochzeitskulisse am Strand von Hooksiel“, schwärmt Anja. An einem Strand zu heiraten ist etwas ganz Besonderes, aber an einer Wasserskianlage zu feiern, das ist – in diesem Fall – traumhaft schön. Hochzeiten auszurichten ist Anjas Steckenpferd – diesen Zweig hat sie mit ins Unternehmen gebracht. „Eines Tages, als wir unseren neuen Wintergarten fertiggestellt hatten, habe ich diesen schön dekoriert. Ich liebe das, denn die anderen sollen sich wohlfühlen. Tagesgäste kamen vorbei und fragten: ,Wow, tolle Location, kann man hier auch heiraten?‘ Damit fing alles an. Dieses Fieber, das ein Brautpaar in sich hat und die Auf­ regung während der Vorbereitungszeit, das ist ansteckend und macht die Arbeit so erfüllend. Vor allem, wenn das Brautpaar und die Gäste happy sind und mit einem riesigen Dankeschön abreisen. Das ist das schönste Gefühl, das man im Job nicht selbstverständlich bekommt“, sagt Anja.


Ist das vielleicht auch das Geheimrezept für die eigene große Liebe? „Das was uns zusammenhält, ist unser ,Baby‘ und das ist unser gemeinsames Ziel, aus unserem Unternehmen das Beste zu machen. Wir leben unseren gemeinsamen Traum. Hansi und ich arbeiten beide daran, dass Brautpaare einen wunderschönen Tag bei uns haben. Aber wir tun auch viel dafür, dass unser Team glücklich ist. All das schweißt zusammen. Wir gehen abends nicht nach Hause und schalten ab. Es ist nicht nur unser Job – es ist unser Leben und wir lieben was wir tun“, erzählt uns Anja weiter.

Für die Zukunft haben die beiden natürlich noch tausend Pläne – sie wollen viel bewegen im Wangerland. Der Standort könnte dafür nicht besser sein; und auch für das Wangerland ist dieses Unternehmen touristisch von großer Bedeutung. Für Anja, die der Liebe wegen aus München nach Hooksiel zog, ist die Natur hier oben ein Gedicht, ein wahres Paradies. Wenn sie und Hans-Ott morgens zur Arbeit fahren, denken sie: „Hier darfst du leben – was für ein Privileg!“. Und wir erkennen, welche Schönheit in der Leidenschaft liegt, die sich entfaltet, wenn man das tun kann, was man liebt.


TIDENTYP NIKO GORETZKI Angekommen im Surfer-Paradies Hooksiel.

Der starke Wind pfeift Niko und seinen SchĂźlern auf der Nordsee um die Ohren. Kiten ist fĂźr Niko kein romantisches Dahingleiten, sondern er und sein Team haben sich mit Herz und Seele dem Wassersport verschrieben. Wir haben den smarten Sportler und Unternehmer auf dem Festland am Strand von Hooksiel erwischt.


Wir sind fasziniert vom Anblick der Menschen, die hier übers Wasser gleiten, als gäbe es kein Morgen. Niko Goretzki geboren in Essen, im Ruhrgebiet, verbrachte hier oben an der Küste mit seinen Eltern und Großeltern von klein an die Ferien; das erste Mal mit drei Jahren. Schon früh entdeckte er seine Begeisterung fürs Windsurfen – die kalte, raue Nordsee hin oder her. „Für einen Windsurfer war das hier das Epizentrum, ein Paradies“, erinnert er sich. „Durch den Surfsport bekam der Sielort Hooksiel für mich eine ganz neue Anziehungskraft. Die Region hat mich damals richtig gefesselt, und so habe ich jeden Tag meiner Ferien hier verbracht.“

Die früh erkannte Leidenschaft hat der smarte Surfer, mit den strahlenden Augen und einer unglaublichen Aura zum Beruf gemacht. Und das mit Erfolg: Seine Nordsee Academy ist seit über 15 Jahren die Surfschule an der Nordsee. An den Standorten in Hooksiel und Schillig im Wangerland an der Nordsee vermittelt das junge Team um Niko Goretzki die Faszination von Windsurfen, Kitesurfen, Landboarding und Stand-Up-Paddling. Alles fing damit an, dass Nikos Eltern ein Haus in Hooksiel gekauft haben. Niko, der heute 30 ist, ist damals gleich aufs Board gestiegen. Und so hat er heute, 20 Jahre später, die Erfahrung, die es braucht, wenn man eine erfolg­reiche Surfschule betreiben will. Davon mal abgesehen: „Ich bin zumindest noch der beste Windsurfer in unserem Team“, sagt er und grinst, natürlich ohne jede Arroganz.


„2004 habe ich das erste Mal in Hooksiel angefangen zu kiten. Hooksiel ist ja eine der Brutstätten des Kitesurfens in Deutschland; seit ich hier bin, waren auch immer schon Kiter da. Damals schon war das Niveau sehr hoch, weil die Region hier oben perfekt dafür ist, gerade auch die Kombination mit der Wasserskianlage in Hooksiel war optimal.“ Natürlich gibt es mittlerweile größere Spots in Deutschland wie die Insel Fehmarn. „Aber wir haben hier oben den großen Vorteil, dass wir mit den Standorten Hooksiel und Schillig/Horumersiel eine tolle Qualität an Spots haben, die sich super ergänzen. Es gibt kaum einen anderen Spot an der Nordsee außer Schillig, der einen Nord-Süd-Verlauf hat. Und dadurch kann man zum Beispiel Windrichtungen abdecken, die man sonst an der westlichen ostfriesischen Küste nirgendwo bedienen kann“, erklärt uns Niko fachmännisch. „Und das ist unser großes Glück, dass wir beide Standorte benützen können. Wenn es in Hooksiel ablandig ist, gehen wir einfach nach Schillig.“ So einfach ist das und so – perfekt.

Niko weiß, wovon er spricht und worauf es beim Surfen ankommt, immerhin macht er seit Jahrzehnten nichts Anderes, also fast. „Es gab diesen Surf-Shop in WHV, der einen Wettbewerb im Windsurfen ausgerichtet hat, den ich gewonnen habe. Und der erste Preis war ein Kitekurs. Ich bin damals nicht gerade vor Freude in die Luft gesprungen, da sich die Surfer- und Kiter-Szene damals nicht ganz so grün waren.“ Aber einem geschenkten Gaul ... Im Jahr drauf hat Niko dann den Kurs gemacht - und konnte bereits am ersten Tag kiten. Ein Naturtalent! Als er ein Jahr später wieder kam, durfte er direkt als Kite-Lehrer mit einspringen. „Danach lief das Kiten eher nebenbei, Windsurfen war schließlich meine Hauptsportart. Und zu der Zeit war ich in der Disziplin Freestyle wahrscheinlich unter den zehn besten Windsurfern Deutschlands“, erzählt uns Niko, als wäre es die normalste Sache der Welt.


Hooksiel ist längst Nikos zweite Heimat geworden – nicht nur als Sportler, sondern auch als Unternehmer. Dabei hatte das schlaue Köpfchen ursprünglich ganz andere Pläne: „Erst habe ich BWL in Kiel und Hamburg studiert.“ – auch, dass er sein Studium mit 1,0 abgeschlossen hat gehört zu seiner Geschichte). „Aber ich habe während meines Studiums immer versucht, den Sport so semiprofessionell wie möglich weiter zu führen und habe meine Semesterferien immer dort verbracht, wo Wind war. Orte wie Venezuela, Südafrika und so. Und immer, wenn die Zeit es zuließ, war ich hier in Hooksiel und habe als Windsurflehrer gearbeitet und schließlich auch die Kitesurf-Ausbildung gemacht.“ In seiner Surfschule, der Nordsee Academy, kann er jetzt BWL-Studium und Surf-Leidenschaft perfekt verbinden. Gelernt ist gelernt: „Die Windsurfschule gibt es ja schon etwas länger, seit 17 Jahren. Und seit ich 13 bin, war ich mit dabei.“ Mit dem früheren Besitzer, der auch aus dem Ruhrgebiet stammt, hat sich Niko angefreundet und jahrelang zusammengearbeitet, bis er mit Anfang 20 die operative Leitung übernommen hat. Die Schule lief wie geschmiert: „Wir hatten mehrere Standorte und eine gute Größe, dass man davon hätte locker leben können.“ Aber Niko hatte auch noch diesen anderen Ehrgeiz – die akademische Karriere: „Ich habe ein Jahr lang promoviert, und das erste Teilprojekt meiner Dissertation wird auch gerade in einem amerikanischen Journal veröffentlicht. Aber ich habe einfach gemerkt, dass mich die Arbeit am Schreibtisch nicht ausfüllt und ich mich voll und ganz auf mein Unternehmen hier oben konzentrieren möchte.“ Zum Glück, denken wir uns insgeheim. Auch wenn sein Alltag hier oben zwangsläufig aus viel Routine und Arbeit am Computer besteht: Einer wie Niko, der so viele Talente hat, steht nicht still. So überlegt er sich mit seinem Team neben den täglichen Kursen immer wieder neue Events: „Zum Beispiel, dass wir hier oben das zweite Mal ein großes Kite-Event organisieren, die ,Schillig Beach Days‘.“ Ja, Abwechslung muss sein für einen wie Niko, der immer ein bisschen mehr will: „Es geht nicht nur darum, dass die Leute bei uns kiten lernen. Sondern wir wollen auch möglich machen, dass Hunderte von Menschen bei uns ein gutes Wochenende haben, mit Livemusik und den ganzen Herstellern, die sich hier präsentieren.“

Wenn man mit Niko spricht, dann weiß man: Da ist noch viel Luft nach oben, zumal das Kitesurfen boomt: „Gerade auch hier im Wangerland, davon bin ich ganz fest überzeugt, wird das Kitesurfen ein ganz wichtiger Bestandteil bleiben. Wir haben extrem viele Partnerschaften und arbeiten mit mehreren Universitäten zusammen. Auch das Thema Kitesurfen für Jugendliche wird immer interessanter.“ Und wo ginge es so gut wie hier im Wangerland, unter Nikos fachmännischer Ägide? Eben! Er könnte überall leben, aber hat sich für das Wangerland entschieden. Was für eine Liebeserklärung an diese Region! Danke, Niko. Auch dafür, dich auf dem Wasser kiten zu sehen ...


PROFICAMPER WILLI RETZLAFF Ein Proficamper in Schillig – und ein Rentier Eine Tasse Bier mit den Menschen hier oben zu trinken, das ist Leben! Wilhelm Retzlaff, geboren in Ostfriesland, kann eigentlich alles. Ganz besonders gut allerdings kann er über das Leben philosophieren und fantastische Geschichten von seinem Dasein als Proficamper in Schillig erzählen. Willi ist dabei eine Erscheinung: Er hat gepflegte, längere weiße Haare, trägt Bart und überall Tattoos sowie Armbänder irischer Herkunft und eine tiefe Bräune. Er sieht aus wie einer, der unablässig Spaß am Leben hat und vor Lebensfreude platzt. Das Beste daran: Er ist tatsächlich so! Es ist schon ein ungewöhnliches Zuhause, das wir bei unserem Besuch antreffen: Wilhelm Retzlaff, 70 Jahre alt, lebt seit 41 Jahren auf dem Campingplatz in Schillig im Wangerland an der Nordsee, einem der ältesten und größten Campingplätze in Deutschland. Willis trautes Heim, das ist ein Wohnwagen mit direktem Blick aufs Meer: „So langsam hat man sich vorgearbeitet. Wir sitzen jetzt mit der ersten Wohnwagen-Reihe direkt am Deich, da kann man wunderbar die Leute von hinten begucken und das Ratespiel machen ‚Wer gehört zu wessen Hintern’“, erzählt er und grinst. Ja, Willi fühlt sich hier sauwohl. Und schwärmt gleich von früher: „Da war man ja noch jünger und wir haben mit allen Campingwagenbesitzern viele Feste gefeiert. Da habe ich so einige tolle Menschen kennengelernt, aber leider sind auch einige schon gegangen.“


41 Jahre sind ja auch eine lange Zeit. Ganz so sesshaft war Willi nicht immer, im Gegenteil. Bevor er im Wanger­land gestrandet ist, war er ein richtiger Seebär: Mit noch nicht mal 15 Jahren ist er zum ersten Mal zur See gefahren und wartete auf sein erstes Schiff: „Ein Kübel übelster Sorte. MS Friesland – ich glaube, es stand irgendwo ein Schild auf dem Schiff mit dem Spruch ‚Wer hier einkehret, lasse alle Hoffnungen fahren!’“ Mit diesem Schiff fuhr der junge Abenteurer nach England - und war acht Monate seekrank. Trotzdem hat er 1964 in Travemünde seine Matrosenprüfung gemacht, nachdem er auf der Knotenakademie in der Mosesfabrik der Seemännischen Berufsfachschule in Elsfleth gelernt hatte, was ein Schiff ist. „Danach bin ich in alle Herrenländer über die Weltmeere gefahren. Auf Tankern, Fischereifahrzeugen und Frachtschiffen. Ein Passagier-Schiff war auch dabei, da habe ich rosarot gefärbte amerikanische Witwen durch die Gegend geschaukelt. Es war so was von furchtbar.“

Und so hat Willi nach drei Monaten wieder die Biege gemacht und sich überraschend bei der Seefahrtschule angemeldet. Denn: „Arbeiten ist ja nett, aber mit den Händen arbeiten, das gibt abgebrochene Fingernägel!“ Mit 21 drückte Willi in Lübeck an der staatlichen Seefahrtschule im alten Kaiserturm nochmal die Schulbank, um Nautik zu studieren. Jahre später, mit 27, wurde er Marinesoldat und war zum Schluss in Sengwarden stationiert. Es war ein Obermaat, der hier mit seinen Eltern einen Wohnwagen hatte, und Willi fragte, ob er nicht mal mitkommen wolle. Willi wollte. Und kaufte sich Monate später seinen eigenen Wohnwagen, um auf dem Campingplatz sesshaft zu werden. Aus gutem Grund: „Wo habe ich eine solche Luft? Ich war letztens erst an der Ostsee, da ist es ist schön, aber anders. Hier fühle ich mich freier; die Luft ist für mich bekömmlicher. Ich mag es, wenn ich oben auf dem Deich so ganz alleine dastehe und meine Gedanken in die Ferne schweifen. Viele fragen mich immer wieder, warum denn Wohnwagen? Ganz einfach: In einem Hotel bin ich zu Gast. Hier in meinem Wohnwagen bin ich zuhause.“ Sechs Monate im Jahr wohnt Willi in Schillig auf dem Campingplatz. Im Winter lebt er in Hoya an der Weser und für Willi ‚Stadt am Meer, Tor zur Welt, Brücke nach Übersee’. Denn diese Sehnsucht nach der Ferne, die ist noch da: „Ich bin begeisterter Irlandfan und bin die letzten zwei Jahre immer hingeflogen. Dort, in meinem Lieblingsort Lisdoonvarna an der Westküste, habe ich letztes Jahr auch meinen 70sten Geburtstag gefeiert.“


Die Küste hat es Willi angetan und so schließt sich der Kreis mit dem Leben im Wangerland wieder. „Ich liebe dieses Rentier-Sein. Ich habe hier ein freies Leben, da kannst du mich nur noch mit kaltem Kaffee und warmem Bier vergraulen“, lacht Willi. Dazu besteht freilich keine Sorge, denn die wunderbaren Mitarbeiter des Campingplatzes tun alles dafür, dass die Camper glücklich sind. Und trotzdem gibt es Leute, die meckern. So was macht Willi fuchsteufelswild: „Die gehen mir richtig auf den Sack! Wenn hier nach 22 Uhr die jungen Leute mal einen über den Durst trinken und es etwas lauter wird, stehen die Alten gleich da und schimpfen wie die Rohrspechte rum, man könnte nicht schlafen. Ich sach’ dann immer, dann müsst ihr auf dem Friedhof campen, da ist Ruhe. Wenn ich denke, ich kann nicht schlafen, weil es irgendwo zu laut ist, dann gehe ich hin und sage: „Ihr habt scheißlaute Musik an, ich kann nicht schlafen – habt ihr ein Bier für mich? Und dann trink ich denen alles weg und mein Abend ist gerettet!“


Ja, meckern ist Willis Sache nicht. Warum auch, gibt für ihn ja keinen Grund, selbst dann nicht, wenn es in Strömen regnet: „Bei Schietwetter ist es für mich das Schönste nach dem Aufstehen, man guckt in die Zeitung und genießt sein Frühstück, guckt über den Deich, sinniert so ein bisschen vor sich hin und sacht ‚Menschenskinder noch mal, wat ist das Leben schön’ und schnappt sich ein Buch.“ Und wenn es tagelang schifft? Für Willi ist das auch kein Grund, Trübsal zu blasen. Stattdessen verrät er uns sein Gute-Laune-Geheimnis: Man nimmt ein „24-Röhrengerät“, also eine Kiste Bier, und schaut im Kühlschrank, ob noch ein „Absturzbeschleuniger“ drin ist. Und dann erzählt man sich Geschichten. „Es sind seit 40 Jahren dieselben Geschichten, aber die klingen jedes Mal anders. Wir lügen nicht, aber wir sagen tüchtig die Unwahrheit. Denn jeder erzählt die Geschichte, die er mal gehört hat, immer wieder so, als hätte er sie selbst erlebt. Demnach müssten einige noch mit Columbus hier vorbei gesegelt sein. Das ist das Interessante hier in Schillig und das Besondere an unserem Camper-Leben!“


VOGELFREI ANDRE KRAMER Das Wunder Nationalpark Wattenmeer erleben.

Es gibt Menschen, die lieben es, eins zu sein mit sich selbst und der Natur. Und es gibt Menschen, die das sogar beruflich tun. Wunderbar, dachten wir uns, denn damit stand fest, wen wir heute für Luv & Lü treffen sollten. Wie wäre es mit einem hochinteressanten Kölner, der als Ranger im Wangerland an der Nordsee lebt und arbeitet und offensichtlich eine Leidenschaft hat, und das sind Vögel!


Eine Rauchschwalbe und ein Sommergoldhähnchen hat sich der 29-Jährige daher auch auf den Arm tätowieren lassen. Seit zwei Jahren lebt er im Wangerland und arbeitet als Ranger im Nationalpark Wattenmeer. Die Natur zu bewahren, das ist sein Antrieb und es ist faszinierend zu sehen, wie Andrés Augen leuchten, wenn er über Vögel und das UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer spricht.

In seiner Zeit als Forstwirt lernte André auch den einen oder anderen Ranger kennen und dachte sich insgeheim: „Das wäre genau meins!“ Aber der Beruf des Rangers ist begehrt, insofern hat sich André keine großen Hoffnungen gemacht: „Allein hier im Nationalpark kamen auf zehn ausgeschriebene Stellen knapp 400 Bewerber. Die Leute kommen aus ganz Deutschland auf diese Stellen, denn es gibt einfach viel zu wenig“, erzählt uns André.

André Kramers Reich, der Nationalpark Wattenmeer, ist beeindruckend: ein riesiges, 345.000 Hektar großes Terrain und immerhin Deutschlands zweitgrößter Nationalpark. Für die Tiere, die hier leben, ist es ein Paradies – genauso wie für André, der hier nach dem Rechten schaut und dafür sorgt, dass dieses einzigartige Wattenmeer bestehen bleibt. Dass er so naturverbunden ist, war ihm lange gar nicht klar: „Mein eigentlicher Berufswunsch war Berufsfeuerwehrmann, daher habe ich in Köln erst mal eine Ausbildung zum Forstwirt gemacht, weil das Voraussetzung war. Während der Ausbildung habe ich schnell gemerkt, dass ich sehr gerne draußen war.“

Umso glücklicher war er, dass sein Traum wahr geworden und er nun einer von zehn Rangern im Nationalpark Wattenmeer ist und ein Gebiet betreut, das sich über 100 Kilometer erstreckt, vom südlichen Jadebusen über Wilhelmshaven, Schillig, Bensersiel bis zum Dollart. „Ich muss dieses Gebiet allein beackern und bin hier die eierlegende Wollmilchsau“, erklärt uns André und irgendwie haben wir das Gefühl, dass er dieser Heraus­ forderung durchaus gewachsen ist.


Es ist ein Job voller Abwechslung: Zu Andrés zahlreichen Aufgaben gehört es, Wege zu markieren, Beschilderungen erstellen, Landschaftskontrolle, Artenschutzmaßnahmen, Vogelbeobachtung, Pflanzenkartierung bis hin zu Führungen und Öffentlichkeitsarbeit. Besser geht’s kaum: „Es ist jeden Tag spannend. Und man kann im Kleinen noch was bewirken. Wir betreiben ja auch Strandbrüterschutz, wenn ein Vogel mehr wegen uns heranwachsen kann, dann ist schon viel gewonnen. Es gibt viele Arten, da ist es kurz vor zwölf. Und was weg ist, ist weg, das muss man sich vor Augen führen.“

Tatsächlich hat das, was André hier mit seinen Kollegen „im Kleinen“ bewirkt, globale Bedeutung: „Hier kommen jährlich zwölf Millionen Vögel her, und die kommen nur zu ihrem Überwinterungsgebiet durch, weil es das Wattenmeer und uns hier gibt. Mit Holland und Dänemark zusammen ist es quasi ein Wattenmeer“, erklärt uns André. Insofern ist Andrés Job keiner wie jeder andere. Und man muss mit dem Herzen dabei sein: „Sonst kannst du das nicht machen. Da vermischt sich auch vieles, Privates und Arbeit. Da fährst du auch Sonntagabend noch los, wenn was ist und zur Brutzeit muss ich schon um vier morgens hier sein.“ Zum Glück trägt Andrés Freundin, über die er sonst nichts verraten mag, seine Arbeit und sein Leben mit. Jetzt wollen wir aber doch mal wissen, was es mit seinen Tätowierungen auf sich hat. „Na, die Rauchschwalbe habe ich, weil es einfach tolle Viecher sind, wie die fliegen können! Und das Sommergoldhähnchen steht für alle Singvögel“, erklärt uns André.


Da klingt sie wieder durch, die Begeisterung und Leidenschaft, mit der dieser junge Ranger seinen Beruf angeht. Vom Herzblut mal abgesehen ist das Wichtigste eine scharfe Wahrnehmung: „Man muss seine Flächen kennen, nur wenn ich die kenne, nehme ich Veränderungen wahr oder auch Störungen wie eine hohe Tide zur Brutzeit.“ Um Veränderungen in seinem Terrain wahrzunehmen, kartiert André die Vögel auch: „Wo sitzen Rotschenkel? Wo sitzen Uferschnepfen? 50 bis 60 Prozent der Vogelarten haben das Problem, Flächen zu finden, wo sie brüten können. Auch Vogelzug ist ein Riesenproblem, es gibt viel illegalen Vogelfang. Länder wie Ägypten, Malta aber auch Frankreich stellen Netze und fangen Vögel, um sie zu essen oder zu sagen, ich hab’ einen tollen Vogel gefangen. Da gehen Millionen Vögel hops und wir geben hier Millionen für den Schutz für Vögeln aus, die dann bei denen im Netz landen!“ Umso wichtiger ist es, dass es Ranger wie André gibt, die letztlich Lebensretter und Tierschützer in einem sind. Eine schönere Arbeit als die im Nationalpark kann sich André nicht vorstellen: „Meine Arbeit kommt mir gar nicht wie Arbeit vor. Und das ist eigentlich unbezahlbar“. Das heißt, er hält fest, wo welche Vögel auftauchen, leben und brüten: „Das ist schon eine sehr komplexe Aufgabe. Man muss dafür auch gut hören können. Man muss lernen, sich wieder zu konzentrieren und dem Ganzen mehr Aufmerksamkeit schenken.“ Das macht er übrigens auch in seiner Freizeit. Wenn er nicht gerade in seinem Garten arbeitet, ist André unterwegs, um Vögel zu beobachten. Und gerät bei seinen Streifzügen durchs Wattenmeer immer wieder ins Staunen: “Das hier ist wirklich einmalig, aber es ist einem eben nicht klar, weil wir es ja vor der Haustür haben, aber das hier ist eine wichtige Landschaft, auch weltweit gesehen.“ Vor seiner Zeit im Wangerland war André Kramer für einige Jahre auf der Insel Borkum, das war auch sehr schön. Aber sein Zuhause ist jetzt hier, weil er sich hier so wohlfühlt. Das verstehen wir. Und die Zukunft? „Ich wüsste nicht, was mich hier wegbringen könnte“, sagt André und dann ist erst mal Stille. Irgendwo hört er jetzt ein Blaukehlchen singen. Großartig! Ein klein bisschen neidisch sind wir dann schon, als wir uns verabschieden und den Nationalpark Wattenmeer hinter uns lassen müssen. Wir können inzwischen nur allzu gut nachvollziehen, woher Andrés Leidenschaft für diesen besonderen Landstrich kommt: „Mal ist es das Licht, das eine Salzwiese besonders schön aussehen lässt. Mal ist es eine seltene Vogelart, die man sieht. Es sind so kleine Erlebnisse in der Natur, die mich so begeistern. Wasser ist Leben, da passiert was.“ Wie wahr, André, wie wahr!


FRIESEN-CHEF GERD KELTERBORN Die treuen Gefährten der Küste.

Reif für Urlaub? Dann nichts wie ab an die Nordsee! Für alle, die im Alltag immer sehr hart am Puls der Zeit leben, bieten Gerd und Ute einen Ort, um sich mal wieder der eigenen Herzfrequenz zu widmen. Urlaub mit der ganzen Familie auf einem Pferdehof hat seine Vorzüge – auch wenn man nichts mit Pferden am Hut hat. Wer’s nicht glaubt, fragt Gerd Kelterborn, Pferdemensch und „Friesen“-Chef auf dem Frieslandstern in Minsen im Wangerland, jenen Mann, der mehr Pferde in seinem Leben geputzt hat als andere ihre Wohnungen.

„PFERDE SIND MEIN LEBEN!“


Konzentriert zieht Gerd mit dem Gummistriegel weite Kreise auf dem schwarzen Fell von „Gerke“, ein wunderschönes Pferd, während Sonja die anderen Friesen aus den Boxen holt. Der anmutige Hengst hält ganz still und lässt sich alles geduldig gefallen. Er weiß, dass er gleich vor einen Wagen gespannt wird. Das kennt er schon und es scheint ihm zu gefallen, bei Wind und Wetter über die Weiden und Deiche durchs Wattenmeer zu galoppieren.

Der Frieslandstern ist Gestüt und Hotel in einem. Im Jahr 2018 feiert er sein 30-jähriges Bestehen im Besitz der Familie Eden. „Früher, bis 1972 war das Gebäude eine Molkerei, danach alles Mögliche. Von Hundepension bis Wäscherei, bis meine Eltern das Gebäude gekauft haben und ein Hotel daraus bauten“, erzählt uns Ute, die Lebensgefährtin von Gerd. „Wir haben über 200 Gäste pro Tag und 56 Wohneinheiten, die den gesamten Sommer über komplett ausgebucht sind. Familien mit Kindern, Paare mit oder ohne Kinder, Reit-Erfahrene oder Besucher, die Pferde nur von Fotos kennen oder ganze Hochzeitsgesellschaften kommen zu uns. Auf die Friesen dürfen nur Gäste reiten, die auch reiten können. Da bin ich streng. Anfänger können Reitstunden nehmen, und für Kinder haben wir unsere Ponys, die meine Mädchen betreuen“, erzählt uns Gerd weiter.


Reiten gehört zu den beliebtesten Hobbies der Deutschen und ein eigenes Pferd ist für viele ein lang gehegter Kindheitswunsch. Gerd Kelterborn erfüllt auf seinem Gestüt seinen Gästen diesen und noch viele andere Wünsche. Eins war von Anfang an für uns klar, als wir Gerd und Ute auf ihrem Gestüt besuchten: Gerd ohne seine Friesen, ist so wie Asterix ohne Obelix. Unvorstellbar. „Ich bin von klein auf mit Pferden aufgewachsen. Wir hatten auf unserem Hof in Ostiem (kleiner Ort in Friesland) Oldenburger, Vollblutpferde und Arbeitspferde“, erzählt uns Gerd. Gerd hat Landwirt gelernt und hatte immer mit Pferden zu tun. Danach ging er ein paar Jahre zur Marine und dort wurde ihm bewusst: „Nee, alles andere geht nicht. Ich muss was mit Pferden machen!“ Pferde verheißen Freiheit und Abenteuer, verkörpern Kraft und Schnelligkeit, sind anmutig und elegant. Er lernte Bereiter und machte seine Meisterprüfung. Jetzt ist er Pferdewirtschaftsmeister und das ist sein Leben. Gerd erzählt uns, „ich habe nie etwas anderes in meinem Leben gemacht, als Pferde zu reiten, Pferdekutsche zu fahren, Pferde auszubilden und Reiter ausbilden. Irgendwann habe ich mich von meinem Hof in Ostiem getrennt und bin auf den Hof von Ute gekommen. Erst hier habe ich die Friesen kennen- und lieben gelernt“. Wer schon einmal auf einem Friesen saß und beim Galopp den Wind in den Haaren spürte, weiß, was Freiheit ist. Warum lieben die Gäste vom Frieslandstern insbesondere die Friesen? „Weil Friesen Freiheit verkörpern. Weil es mehr Spaß macht, Friesen zu putzen als das Haus oder das Auto. Weil Friesen Menschen zusammenbringen. Für meinen Job, den ich hier auf dem Hof ausübe sind die Friesen perfekt. Sie sind gutmütig, nicht so wild und die Leute die uns besuchen lieben sie. Die Friesen lassen sich gut reiten, sind zuverlässig und brav“, sagt Gerd. Und wie sieht so ein Tag auf dem Frieslandstern aus? „Früh morgens stehe ich auf und bereite alles für die Friesenreitstunde und den Ausritt vor. Die Gäste fangen an, ihre Pferde zu putzen, und ich habe dann noch Zeit für einen Kaffee. Danach mache ich mein Pferd fertig und wir gehen auf die Bahn. Um 9 Uhr reiten wir alle gemeinsam aus dem Hoftor raus und beginnen mit dem Ausritt. Wir reiten dann mit unseren Gästen an den Strand. Ich habe die Genehmigung und Erlaubnis, als Nationalpark- und Wattführer am Strand oder im Watt zu reiten. Bei Ebbe reiten wir bis zur Fahrrinne in Richtung Vogelschutzinsel ,Minsener Oog‘. Ein wunderschönes Erlebnis, was man nicht missen möchte“, erzählt uns Gerd freudestrahlend und stolz.


„Eines Tages kam eine Dame zu mir und wollte am Strand heiraten. Eine tolle Idee, dachten wir und seitdem richten wir mit mehreren Kollegen in Schillig Strandhochzeiten aus. Das macht so viel Spaß und die Gäste sind immer gut gelaunt und sehr aufgeregt“, erzählt uns Ute. Strandhochzeiten sind im Wangerland sehr beliebt. Kein Wunder, was gibt es Schöneres, als barfuß an einem weißen Sandstrand mit dem Meer im Rücken „ja“ zu sagen! Allerdings sollte man sich frühzeitig um einen Termin im Standesamt Hohenkirchen kümmern. Wenn man diesen hat, ruft man Ute im Frieslandstern an. Dann, so würden die Wangerländer sagen, „löppt dat!“.

„Ich kümmere mich um alles, damit das Brautpaar und die Gäste ein wunderschönes Hochzeitsfest erleben“. Friseur, Torte, Blumen und Deko – alles kein Thema für Ute, die mittlerweile zur „Weddingplannerin“ geworden ist. Ganz weit draußen, kurz vorm Deich statt mittendrin. Besser, ganz weit oben – auf einem Friesen! Oder auch einfach nur Urlaub machen in einem ganz tollen Hotel im Wangerland. Oder heiraten. Sie haben die Wahl. Wir würden dort so ziemlich alles machen!


WASSERMANN CARSTEN W. IHNKEN Helfen als Haltung. Helfen, natürlich! Der Menschenfreund.

Seenotretter, Rettungsschwimmer, Vorsitzender eines Fußball-Fanclubs, Angler, Teamplayer, Freund, Onkel, Sohn und – rund um die Uhr hilfsbereit. Carsten W. Ihnken hat seine Berufung gefunden und das seit über 20 Jahren: helfen! Jederzeit und überall, am liebsten auf dem Wasser oder im Wasser. Und das konsequent. Im Wesentlichen zählen nur zwei Aspekte: einerseits die Aufgeschlossenheit und der Mut, andererseits Tatendrang. Sehr gut, dachten wir uns, denn damit stand fest, wen wir hier gleich treffen werden. Wie wäre es also mit einem echten Wassermann?


Ein gepflegtes Einfamilienhaus mitten in Horumersiel. Die Sonne lacht vom Himmel, es scheint ein guter Tag zu werden. Hier wohnt unser heutiger „Mensch am Meer“, Carsten W. Ihnken. Für Carsten ist es heute gleich zweimal aufregend. Zum einen gibt er uns heute ganz persönliche Einblicke in sein Leben, zum anderen hat er Geburtstag. So fangen drei völlig fremde Menschen mit Kuchen und Wunderkerze in der Hand vor seiner Haustür, einfach erst einmal an, zu singen: „Happy Birthday, Carsten ...“

„Moin! Ich bin überwältigt“ lacht er uns entgegen. Und wir erst. Wow, was für eine Erscheinung. Groß, stark gebaut und eine warmherzige Art, die einfach ansteckend ist. Carsten fährt mit uns durch seinen Heimatort. Hier ist er am liebsten, aber seit ein paar Jahren wohnt er in Ganderkesee, weil er bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger DGzRS in der Zentrale arbeitet. Nebenbei ist er nach wie vor freiwilliger Seenot­retter auf der Außenjade. In der Freizeit fährt er oft „nach Hause“, nach Horumersiel ins Wangerland. Und ab 2018 wohnt er wieder ganz in Horumersiel, denn Carsten baut hier gerade sein Haus. Er kann einfach nicht ohne Wasser. Und wenn man mit ihm durch den Ort fährt, bekommt man schnell das Gefühl, die Wangerländer können ohne ihren Carsten eigentlich auch nicht. „Anonymität kennt man hier nicht. Hier kennt jeder Jeden. Fast jeder in Horumersiel ist mindestens in einem oder mehreren Vereinen wie Feuerwehr, DLRG, DGzRS, Sportverein, Karnevalsverein, Segelverein, Musikgemeinschaft oder HSV-Verein. Hier lernt man sich kennen und schließt Freundschaften“, verrät uns Carsten.


Hilfsbereit ist Carsten von Kindesbeinen an gewesen, aber er hat noch einen draufgelegt. Carsten macht so ziemlich alles, was man hier oben an der Küste unter dem Genre „Helfen“ finden kann. Sein Credo: Teamplayer, hilfsbereit, geduldig, mutig sein und Probleme lösen. Das ist für Carsten wichtiger als jede Tapferkeitsmedaille. „Seenotretter bei der DGzRS zu sein, ist mein Hauptsteckenpferd und meine große Leidenschaft, dazu bin ich noch ziemlich aktiv in der DLRG und war der mit den meisten Wachstunden in den letzten zehn Jahren. Nur ein älterer Kollege hat noch mehr Wachstunden auf der Uhr“, erzählt uns Carsten fast verlegen. Wer glaubt, das war schon alles? Selbstverständlich nicht. Eine Woche hat 7 Tage, da geht noch einiges. „Ich bin Mitbegründer und Präsident vom HSV-Fanclub 1887° Nord in Horumersiel, im Angelverein und im Spielmannzug unterstützend tätig. Außerdem, und da gehe ich ebenfalls leidenschaftlich drin auf, spiele ich Fußball mit meinen Jungs und habe eine Jugendfußballgruppe gegründet, damit die Jugend was zu tun hat und nicht auf dumme Gedanken kommt. Jeder der Lust auf Fußball hat, kann mit uns kicken“, verrät uns Carsten.

Wir fahren zum Hafen von Horumersiel, wo das 8,5-Meter-Seenotrettungsboot „Baltrum“ liegt. Die Station Horumersiel gehört zu den ältesten Stationen der DGzRS. Das Revier, die Außenjade, ist stark von den Gezeiten geprägt und erstreckt sich südlich bis nach Hooksiel und nördlich bis zur Insel Wangerooge. Hier auf der Station Horumersiel arbeitet Carsten ehrenamtlich als Seenotretter. „Hauptberuflich bin ich Einsatzleiter im MRCC (Maritime Rescue Coordination Centre) bei den Seenotrettern in der Zentrale in Bremen. Ich koordiniere Seenotfälle auf Nord- und Ostsee sowie weltweit – zum Beispiel Grönland, Japan oder Island.“, erklärt er uns. Mit Island verbindet Carsten etwas ganz besonderes: Im Rahmen eines Austauschprogramms der „International Maritime Rescue Federation“ besuchte er die Nord-Insel acht Tage und lernte dort seinen Kollegen Jón Arnar Gestsson kennen, den er später bei einem Einsatz auch am Telefon hatte. Hin und wieder findet man ihn auf der Station Norderney, wo er als vierter Mann auf dem Rettungskreuzer „Bernhard Gruben“ fährt.


Wir dürfen sie betreten, die heiligen Hallen, das Stationsgebäude, in dem auch das Ruderrettungsboot „August Grassow“ erhalten ist. Es war früher in Westeraccumersiel stationiert, wo noch heute der historische Rettungs­schuppen der DGzRS steht. Es riecht nach Salz, nach Wattenmeer und nach Geschichte in diesen Räumlichkeiten. Wir sind beeindruckt und fasziniert zugleich. Stillschweigend laufen wir über eine Wendeltreppe in den ersten Stock des Gebäudes, wo sich der Mannschaftsraum befindet. Und wo Carsten wie selbstverständlich einen köstlichen Ostfriesentee für uns zubereitet. Auf die Frage, was denn die größten Fehlverhalten auf der Nordsee sind, verrät uns Carsten: „Viele Leute, die wir retten müssen, denken oft, sie seien gut vorbereitet. Aber meistens sind sie das nicht. Mit der Materie kennt sich oft nur der Skipper aus, aber wenn der ausfällt, was dann? Wissen die anderen an Bord, was zu tun ist, weiß er wie man Position nimmt, weiß er, wie man Rettungseinheiten erreicht? Das sind die Sachen, die nach meiner Beobachtung immer wieder passieren“. Wir fragen uns, ob Carsten vielleicht ein Helfersyndrom hat. Ja, aber ein gutes, von dem wir uns alle ein Scheibchen abschneiden dürfen. „Hilfsbereitschaft“ als Charaktereigenschaft und entspanntes Lebensgefühl. Die mutige Gelassenheit im Vertrauen auf die eigene Glückskindschaft und die Fähigkeit, im entscheidenden Moment zielsicher handeln zu können. Das ist eine gesunde Lebenseinstellung!


LANDFRAU ANKE EDEN-JÜRGENS „Das Landleben zwischen Kinderlachen und Kühen hält jung!“

Vergessen wir mal alle Vorstellungen, die wir von einer Landwirtin haben: Anke Eden-Jürgens, 53, ist anders. Das fängt damit an, dass sie sich nicht dem Klischee eines eintönigen Landlebens fügt. Anke denkt mitten im Leben und genau deshalb ist die leidenschaftliche Landfrau mit dem ansteckenden Lachen und der Aura einer Powerfrau so erfolgreich. Alles was sie anpackt, tut sie mit großer Begeisterung. Gebürtig aus der Nähe von Friedeburg, hat Anke vor knapp 19 Jahren zusammen mit ihrem Mann Carl einen Hof in Förriesdorf im Wangerland gekauft und betreibt hier eine moderne Milchviehwirtschaft. Die Begeisterung für Kühe gibt sie auch an junge Generationen weiter, weshalb oft Schulklassen zu Besuch sind. Aber das ist längst nicht alles ...


Wir staunen nicht schlecht, als wir Anke Eden-Jürgens auf ihrem Hof besuchen dürfen: 200 Milchkühe hat die Familie in ihrem hochmodernen Stall stehen. Ansonsten betreiben die Eden-Jürgens auch Ackerbau, bauen Getreide an und Mais, aber alles nur für den Eigenbedarf, für die Tiere. Der große Hof, auf dem sie mit der Großfamilie lebt, ist für sie ein Paradies: „Die Wangerländer haben uns ganz, ganz herzlich aufgenommen, und wir fühlen uns hier pudelwohl.“ Ihr arbeitsreicher Tag beginnt in der Regel zwischen 5 Uhr und 6 Uhr früh, dann geht es in den Stall, die Kühe melken. Und die blicken, als wir den Stall betreten, ganz zufrieden drein. Was vielleicht auch daran liegt, dass die Chefin beim Melken öfter mal Musik hört, in diesem Fall „American Pie“: „Unsere Kühe kennen das, die warten schon drauf. Wir machen ja alles, damit es unseren Tieren super gut geht, die können sich auch ihr Futter selber holen und kriegen Massagen.“

Die Liebe zu den Tieren und zu ihrer Arbeit, die spürt man bei Anke Eden-Jürgens in jedem Moment. Sie selbst kommt auch vom Bauernhof, insofern war ihre Berufswahl eine unkomplizierte Sache: „Für mich stand immer fest, ich wollte etwas mit Landwirtschaft machen, und da haben meine Eltern gesagt, da gehst du erst mal in die ländliche Hauswirtschaft.“ Und genau das hat sie getan. Ihr Handwerk hat sie in der Landfrauenschule in Stade gelernt, bis sie dann als ländliche Hauswirtschaftsmeisterin mit Carl den eigenen Hof übernahm und seither den Laden schmeißt: „Man ist eigentlich Managerin überall, auch Familienmanagerin, in Haus und Garten. Die Büroarbeit erledige ich auch, oder ich muss mal Teile holen vom Landtechnikunternehmen.“ Das, erklärt sie uns, sei ihr Leben und so wollte sie es auch. Daran haben wir nicht den geringsten Zweifel. Auf dem Hof ist Anke Mädchen für alles und noch viel mehr, obendrein betreut sie noch das eine oder andere Projekt, etwa vom Erzeuger bis zur Ladentheke: „Da zeigen wir den kleinsten Verbrauchern schon, wo die Erzeugnisse herkommen.“ Eine andere Herzensangelegenheit ist das Projekt Kochen mit Kindern, verrät sie uns und ihre Augen leuchten mal wieder: „Das mache ich seit über zehn Jahren mit einer Freundin zusammen und das begeistert mich immer wieder, den Kindern zu zeigen, was man aus diesen regionalen Produkten für tolle Sachen zaubern kann!“


Aber das ist nicht das einzige Ehrenamt, das sie innehat: Sie engagiert sich auch im Kreislandfrauenverband Friesland-Wilhelmshaven, wo sie im Vorstand und für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. „Mir liegt das einfach, mit Leuten umzugehen; ich mochte das schon immer gerne, Projekte angehen und für alles offen sein. Gerade im Landfrauenverband, das ist ein wahnsinniges Zugehörigkeitsgefühl!“ Ein paar Buchstaben können so viel ändern. Beispiel: Aus Kultur wird Kuhl-Tour, und schon ist alles gut, denn genau das ist die Milch-Kuhl-Tour: eine richtig gut Sache. Eine wie Anke Eden-Jürgens steht nicht still, weshalb die begeisterte Radfahrerin unlängst ein weiteres Projekt mit ihrer Bekannten Birgit Luiken ins Leben gerufen hat: die Milch-Kuhl-Tour, eine Fahrrad-Route, die direkt bei ihr am Hof vorbeigeht. „Wir wollten eine nicht zu stark befahrene Route, sie sollte ja fahrradtauglich und erfahrbar sein. Und wir haben uns überlegt, dass die Tour in Jever starten sollte, weil dort früher am Alten Markt der Hauptumschlagplatz für landwirtschaftliche Erzeugnisse war.“

25 Kilometer führt die Milch-Kuhl-Tour ab Jever durchs Wangerland; wobei acht Silhouetten einer lebensgroßen, stählernen Kuh mit Kälbchen einen bestimmten Aspekt im Leben einer Milchkuh thematisieren. Wann gibt eine Kuh erst Milch? Warum ist die Region so grün? Solche Fragen werden per QR-Code beantwortet. Eine grandiose Idee: „Wir wollen damit zeigen, dass diese Kulturlandschaft von der Landwirtschaft, ganz besonders von der Milchwirtschaft so gestaltet worden ist. Dass wollen wir auch den Menschen aus den Großstädten nahebringen, denen wollen wir diesen besonderen Blick gewähren.“ Anke Eden-Jürgens tut viel dafür, dass das die Landwirtschaft im Wangerland nicht stehen bleibt. Entsprechend rosig blickt sie in die Zukunft: „Also ich sehe die Zukunft der Landwirtschaft im Wangerland sehr positiv, dadurch dass das hier so vielseitig ist. Die Produkte, die hier hergestellt oder verarbeitet werden, das ist ja nur Qualität!“


Und wenn sie mal nicht am Melken, auf dem Grünland oder mit den Landfrauen unterwegs ist, dann geht sie mit ihrem Mann tanzen, in einen Tanzsport-Club. „Wir gehen einmal die Woche zum Tanzen und das macht ganz viel Spaß, da denkt man an nichts und kann so richtig gut abschalten. Da ist man ganz bei sich.“ Und wenn sie dann wieder nachhause radelt, gerät sie wieder ins Schwärmen: „Wenn man an der frischen Luft durch die wunderschöne Natur fährt, diese Weite, das ist einfach nur schön. Das ist Lebensqualität, die unbezahlbar ist.“ Oh ja, wir geben ihr recht. Die Landschaft im Wangerland ist etwas ganz Besonderes, eine einzigartige Kulturlandschaft, deren Schönheit verführerisch ist. Und das nicht nur für die Kühe ...


EILAND-WÄCHTER MARCEL HEINRICHSDORFF „Der Mensch ist das seltenste Tier auf der Insel“ – und das ist gut so.

Wer im Wangerland Urlaub macht, steht oft an einem der schönen Strände und blickt aufs Meer. Am Horizont sieht man den Leuchtturm Mellumplate, die Insel Wangerooge – und sieht dazwischen die Vogelschutzinsel Minsener Oog, zu der man auch geführte Wattwanderungen machen kann. Die unbewohnte Ostfriesische Insel, zwischen der Insel Wangerooge und dem Fahrwasser der Jade gelegen, stand schon lange auf unserer Liste, denn das künstlich angelegte Eiland ist ein ganz besonderer Ort. Es ist nicht einfach, hierher zu kommen, einerseits müssen Wellen und Gezeiten stimmen und zum anderen dürfen die Menschen die Vögel auf der Insel nicht stören. Diesjähriger Vogelwart war Marcel Heinrichsdorff, einer von zwei Personen, die während des Sommers auf der Insel lebten und arbeiteten. Der 35-Jährige kümmerte sich um den Vogelschutz – und das ist eine Herausforderung.


Die Reise zur Minsener Oog entpuppt sich für uns als Abenteuer – und das nicht wegen der Genehmigungen, die man braucht, sondern wegen des Wellengangs, denn der letzte Herbststurm ist erst wenige Tage her. Die Insel Minsener Oog ist im Gegensatz zu den übrigen bewohnten und unbewohnten Inseln vor der niedersächsischen Festlandsküste eine Insel aus zweiter Hand. Sie wurde zum Schutz des Jadefahrwassers als sogenanntes Strombauwerk durch die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung aufgespült. Diese Funktion erfüllt die Insel auch heute noch. Und deshalb sind auch alle Maßnahmen, die zur Aufrechterhaltung dieser Funktion notwendig sind, von den strengen Schutzbestimmungen des Nationalparkgesetzes freigestellt. Freizeitkapitän Holger, der mit seinem Boot „AKKA“ in Hooksiel liegt, fährt uns an diesem Tag zur Insel. Mit an Bord ist auch Vogelwart Marcel Heinrichsdorff, studierter Arborist und Landschaftsplaner. Die Vorortbetreuung des Gebietes erfolgt auf der Insel Minsener Oog ebenso wie auf Mellum und Wangerooge nicht durch Ranger der Nationalparkverwaltung selbst, sondern auf der Grundlage eines Betreuungsvertrages durch Mitarbeiter/innen des Mellumrates. Seit dem 29. Juni 2009 ist die Insel auch integraler Bestandteil des Weltnaturerbegebietes Wattenmeer. Bis auf einen in der Örtlichkeit gekennzeichneten, südlich auf der Insel gelegenen Bereich, dem sogenannten Besuchersektor, darf die Insel ganzjährig aus Naturschutzgründen, insbesondere denen des Vogelartenschutzes, nicht betreten werden. Der größte Teil der Insel unterliegt als Ruhezone im Nationalpark dem stärksten Schutz. Wir sind aufgeregt und gespannt, was uns auf dieser Insel erwartet. Aber erst mal hinkommen! Mit unserem Boot können wir nicht direkt an der Insel festmachen, sondern müssen die letzte Strecke per Schlauchboot ausgebootet werden – und das bei einer irren Strömung. Das sorgt schon mal für Aufregung und Herzklopfen! Als wir im Wasser einen Helium-Luftballon in Form eines Bären treiben sehen, sind wir einen Moment abgelenkt und schießen ein paar Fotos. Marcel gefällt das allerdings überhaupt nicht, und er erklärt uns warum: „Die Vögel fressen den Müll, bauen sich ihre Nester aus Netzresten, verfangen sich und verenden darin. Eine Möwe speit das Unverdauliche in der Regel aus, aber Untersuchungen an toten Eissturmvögeln zum Beispiel haben gezeigt, dass 96 Prozent dieser Tiere mindestens 20 Müllteile im Magen haben. Die können dann keine andere Nahrung mehr verdauen und verhungern mit vollem Bauch. Das können wir wohl nicht mehr aufhalten, weil im Meer schon viel zu viel Müll rumschwimmt.“ Wir sagen jetzt nichts mehr, sondern sind betroffen. Erst recht, als wir endlich auf der Insel ankommen und wir den ganzen Müll am Strand liegen sehen. Damit haben wir nicht gerechnet! Es verschlägt uns die Sprache und nach jedem Schritt, den wir über dieses wunderschöne Eiland gehen, werden wir wütender. Abgesehen von Marcel und seinem Kollegen vom Mellumrat; einem Verein, der sich um den Vogelschutz der Inseln Mellum, Wangerooge und seit 1946 auch um die Minsener Oog kümmert, kümmert sich das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Wilhelmshaven um den Erhalt der Insel.


Beide Teams, die sich dieselbe Station mit Schlafmöglichkeiten und Küche teilen, haben bei der Erledigung ihrer Aufgaben wenig miteinander zu tun. Aber darüber hinaus unterstützen und helfen sie sich gegenseitig. Alle 14 Tage, erklärt uns Marcel mit starrem Blick, sammeln sie auf einer Kontrollstrecke den Müll am Strand ein um Art, Menge und Herkunft zu erfassen – und befreien dabei die Insel ein Stück weit vom angespülten Plastik. Aber mit dem Einsammeln ist es nicht getan: „Es gibt viele verschiedene Arten von Müll, die musst du zur Erfassung und Kategorisierung erst mal unterscheiden. Das ist zeitaufwändig und mühsam. Ein Monitoring von Kontrollstrecken ist sinnvoll, aber das grundsätzliche Problem muss an anderer Stelle gelöst werden.“ Wir verstehen die Wut in Marcels Stimme, als wir den ganzen Plastikmüll, darunter auch unzählige, zerplatze Hochzeitsballons mit Plastikbändern sehen und dazwischen Vögel, die hier leben und brüten und daran sterben. „Die Hochzeitsballons kommen aus ganz Deutschland und auch von der holländischen Küste rüber. Der ganze Plastikmüll wird uns alle noch überleben!“, erzählt uns Marcel. Aber nicht nur die Vögel, auch die Robben und Meerestiere gehen an dem ganzen Plastikmüll und vielen herrenlos herumtreibenden „Geisternetzen“ zugrunde.


Die Müllkontrolle ist inzwischen fester und wichtiger Bestandteil von Marcels Arbeitsalltag; hauptsächlich geht es aber um den Schutz und die Erfassung der Vögel auf der Minsener Oog. Sein Tagesablauf, erzählt Marcel, während uns der Wind um die Ohren weht, richtet sich nach den Gezeiten, weil sich auch die Vögel nach der Tide richten. „Bei Hochwasser sind sie nah an der Insel, bei Ebbe sind sie im Watt und suchen nach Nahrung. Ich gehe immer dann raus, wenn ich die Vögel am wenigsten störe. Dann laufe ich vier bis acht Kilometer um die Insel, beobachte und zähle die Tiere, welche sich gerade hier aufhalten, brüten oder vorbeiziehen.“ Ansonsten muss Marcel natürlich auch aufpassen, dass keine Unbefugten auf die Insel kommen, die die Vögel in diesem Biotop stören. Wobei das ja, wie wir selbst erfahren haben, nicht ungefährlich ist. Auf der Insel ist Marcel immer zu Fuß unterwegs, auch bei Kälte und schlechtem Wetter. Und genau das reizt ihn: „Hier spürt man alle Naturgewalten hautnah. Und es sind Momente, die sonst keiner erlebt, die man ganz für sich alleine hat. Denn das seltenste Tier hier auf der Insel ist der Mensch.“ Das einsame Leben auf der Insel ist manchmal nicht einfach, gesteht uns Marcel mit einem Augenzwinkern: „Die Tageszeitung kommt immer zu spät und die Pizza wird kalt geliefert!“ Für die Versorgung von Marcel und seinem Kollegen gibt es einen Gebietsbetreuer, der für sie auf dem Festland einkaufen geht. „Alle zwei Wochen kommt ein Schiff und bringt uns unsere Lebensmittel.“ Marcel hat seine Begeisterung für die Natur und die Vögel zum Beruf gemacht: „Da gehört schon ein gewisser Idealismus dazu, du musst der Typ dafür sein. Denn die Tage hier sind oft sehr lang, wenn es eine Woche durchregnet zum Beispiel, gehst du halt eine Woche nicht nach draußen, vor allem in der Brutsaison nicht. Du stehst eigentlich den ganzen Tag am Fenster, schaust, was kommen für Vögel vorbei, wie viele sind gerade da, passiert da etwas Besonderes?“ Und das alles wird fein säuberlich protokolliert, insofern besteht Marcels Job auch aus sehr viel Büroarbeit. „Wir sammeln auch Daten, bei denen es jetzt noch gar nicht sinnvoll erscheint, sie aufzunehmen. Aber es kann sein, dass diese in fünf, zehn oder 100 Jahren extrem wichtig sind, um Rückschlüsse ziehen zu können.“ Wir verabschieden uns von Marcel und verlassen die Insel wieder so stürmisch, wie wir gekommen sind, denn die Flut kommt so schnell und die Strömung ist so stark, dass wir bis durchs hüfthohe Wasser zum Boot laufen müssen. Aber auch in uns tobt ein Sturm, die Wut über das, was wir auf dieser Insel gesehen haben – den Plastik­müll, der angespült wird und nicht nur das Leben auf der Minsener Oog bedroht. Es ist auch unser Müll!


HEISSE KURVEN BURKHARD KÄHLER Der Job ist taff, die Kurven sind heiß. Sensationell, wenn man eine Werft besitzt.

Es ist die spürbare Freiheit und die Weite des Meeres, die uns in Bann zieht, wenn wir auf die Nordsee blicken und die vielen Schiffe sehen. Oft möchte man einfach hinter ihnen her schwimmen und ins Unbekannte fahren. Es gibt die Kategorie Mensch, die ein eigenes Schiff haben wollen, weil es genau diese Lebensvorstellung hat. Und dann gibt es die Kategorie Mensch, die kein geeignetes Schiff finden, es lieber selber bauen und gleich noch die Werft dazu kaufen. „Der Spaß daran hat aber meistens gar nichts mit dem Boot zu tun, sondern mit den unterschiedlichen Menschen, mit denen wir zu tun haben“, erzählt uns Burkhard Kähler.


Hooksiel, nähe Außenhafen. Frühling, die Sonne scheint. Ein ziemlich perfekter Tag. Wir besuchen die Werft von Hooksiel im Wangerland an der Nordsee. Wir treffen Burkhard Kähler, dem die Werft gehört. Es ist gar nicht so leicht, ihn zwischen den ganzen Booten zu finden. Und wir sind nicht allein. Werftarbeiter bauen und schleifen an Schiffen herum; einige Schiffseigner holen ihre Boote aus dem Winterschlaf. Hier ist richtig was los, die Zeit läuft. Die Segelsaison steht vor der Tür und jeder will bis dahin fertig sein. Nein, hier geht es nicht um Schönheit. Zumindest nicht primär. Wer hier sein Schiff instand setzen oder umbauen lässt, zerbricht sich erst einmal den Kopf über Material, Materie und Preis, erst dann über die Ausstattung. Dass das eigene Schiff in der besten Werft im Wangerland steht, mit Vollpension und Rundumbetreuung – logisch. Das erwartet der Schiffseigner. Aber so selbstverständlich ist das gar nicht.


Burkhard Kähler ist seit 40 Jahren auf der Werft in Hooksiel. 30 Jahre davon hat er selbst Schiffe gebaut, heute stehen Instandsetzung, Reparaturen und Unterkunft auf der Tagesordnung. Eigentlich ist er Kaufmann und kein Bootsbauer. Aber er hat sehr früh verstanden, dass alles möglich ist, wenn man die richtigen Leute um sich hat, die ihm mit Leidenschaft zur Seite stehen, um Schiffe zu bauen, zu reparieren und in Pflege zu nehmen. Auf dem Meer existiert keine Vollgas-Gesellschaft. Jeder Mensch, der ein Boot hat, ist anders und reagiert anders. Der Mensch darf stillhalten, lauschen und segeln, wohin er will. Klingt langweilig? Keinesfalls. Sobald ein Sturm kommt, fliegen die Fetzen! Und mit den Kunden ist es manchmal auch so.


Wie kommt man dazu eine Werft zu betreiben? „Jede Geschichte hat ihren Anfang, und wir wollten privat das ideale Schiff bauen lassen. Wir hatten Zeichnungen, aber keine Werft konnte uns dieses Schiff bauen. Und da dachten wir, dann machen wir das eben selbst“, erzählt uns Burkhard. Weiter verrät er uns, dass er, bevor er endlich sein eigenes Schiff bauen konnte, sieben weitere Boote abwarten musste – erst sollte etwas Geld in die Kassen. Interessenten von überall bekamen davon Wind und so kam ein Auftrag nach dem anderen rein. Da musste der Traum vom eigenen Boot etwas warten.

Seine Töchter reiten, seine Frau fliegt Kleinflugzeuge und er selbst liebt schöne Autos. Das eigene Boot gibt es nicht mehr. Er hat es verkauft. Burkhard Kähler ist einer von diesen Typen: Idealist, Visionär, Rebell und Querdenker. Einer von denjenigen, die sich in kein Schema pressen lassen und die Dinge gerne anders sehen – aber dabei tiefenentspannt ist. Einer der lässigen Typen mit Familie, die Freundschaften und Menschen schätzen, die zuhören und Geschichten zu erzählen haben. Burkhard Kähler hat sich das große Herz eines Kindes bewahrt, jene kindische Verrücktheit und Freude an schönen Dingen.

„ICH BIN DAVON ÜBERZEUGT, DASS, ANDERS ALS EIN AUTO ODER EIN HAUS, EIN SCHIFF EINE SEELE HAT.“

„Eines Tages wurde eine Familie aus Bayern reingeschleppt. Der Mann hatte sich das Bein gebrochen, eine Frau mit zwei kleinen Kindern war völlig überfordert und das Boot selbst war auch nicht im allerbesten Zustand. Sie wollten nach einer Reparatur wieder raus auf die Nordsee, was viel zu gefährlich war. Wir haben hier wirklich alles versucht, um sie aufzuhalten, aber vergebens. Sie sind losgesegelt“, erzählt uns Burkhard. Sind sie angekommen? „Keine Ahnung“. Es gibt so viele von diesen Geschichten, dass die Zeit nicht ausreicht. Alle spannend, alle. Wir hätten stundenlang in seinem Büro sitzen können. Auch das ist etwas ganz Besonderes. Nicht einfach nur Designerstuhl und Designertisch und fertig. Nein, die Hälfte seines Büros ist ausgebaut wie der Innenraum eines Schiffes. Aus echtem Holz und Leder und mit einer Bar. Hier wurde schon viel Geschichte geschrieben. Ein Traum für jeden, der Schiffe liebt. Und voller Emotionen.


EINSATZLEITER EIKE EILERS Menschen helfen, Leben retten. „Wenn der Melder piept, muss man zum Einsatz!“

Es ist mitten in der Nacht, Eike Eilers hat einen Einsatz. In einem Einfamilienhaus lodert ein Feuer. Jetzt muss alles ganz schnell gehen. Es ist so heiß, dass die Farbe von den Wänden läuft. Was sich im Haus verbirgt, ist ungewiss. Mitten im Geschehen steht Eike Eilers und seine Kameraden. Freiwillig. Er hat kein Helfersyndrom, aber der große, dunkelblonde Kerl liebt es, anderen zu helfen und ist fasziniert von der Feuerwehr, besonders von den Gesetzen der Physik, ein Schwerpunkt seines damaligen Informatik-Studiums. Eike, dessen Familie die Begeisterung für die Feuerwehr teilt, hat schon viele Brände gelöscht und Menschen gerettet. Ehrenamtlich versteht sich. Hauptberuflich arbeitet Eike bei der Volksbank in Jever, doch wenn der Piepser geht, zieht er die blaue Uniform an und – los geht’s!


Ein ganz normaler Tag im Leben von Eike Eilers, Jahrgang 1983 sieht so aus: Aufstehen, frühstücken, denn um acht ist Arbeitsbeginn in der Bank, in der er schon seit 17 Jahren arbeitet. Dabei hätte kein Mensch je gedacht, dass er, dessen Lieblingsfach Mathe nie war, je bei der Bank landen würde. Bei der Volksbank Jever eG in Jever ist Eike Teamleiter im Bereich Medialer Vertrieb und Zahlungsverkehr, wie es offiziell heißt. Das heißt, er ist zuständig für den Bereich Online-Banking, für EC-Karten, Kreditkarten und Kassenterminals. Als wir das Büro betreten, wird klar, wofür Eikes Herz schlägt. „Meine Kollegen nennen mein Büro das Katastrophenzimmer, weil an den Wänden Bilder von Brandeinsätzen hängen, oder Modellfeuerwehrautos auf den Regalen zwischen den Ordnern stehen“. Regelmäßig stehen Besprechungen und Planungen auf seiner Agenda. Geht sein Funkmelde-Empfänger los, den er, seitdem er 16 ist, immer am Gürtel trägt, lässt er alles stehen und liegen: „Dann geht es flott, es wird alles gegriffen, was man so braucht, man rennt zum Auto, Blaulicht an und ab geht’s zum Einsatz. Das Schöne ist bei uns, dass das Ehrenamt hoch angesehen wird und als Mitglied der Feuerwehr erst recht.“

Auch für die Bank ist Eikes Einsatz und die damit verbundene Rufbereitschaft selbstverständlich: „Die Arbeitgeber sind ja gesetzlich verpflichtet, einen für den Feuerwehreinsatz freizustellen. Aber ich habe einen sehr toleranten Arbeitgeber, der das möglich macht und nicht meckert, wenn ein Einsatz mal länger dauert. Sonst wäre das gar nicht möglich. Zumal immer weniger Leute im Wangerland selbst arbeiten, daher ist es entscheidend, dass diese Leute von der Arbeit weg können und weiterhin zur Verfügung stehen.“ Ohne die Freiwilligen Feuerwehren geht es einfach nicht, und das nicht nur im Wangerland an der Nordsee. Denn in den kleinen Ortschaften sind es immer die ehrenamtlichen Helfer, die die Einsätze stemmen und anrücken. Im Wangerland gibt es sieben Ortsfeuerwehren mit rund 200 Ehrenamtlichen, es ist die größte Feuerwehr im Landkreis Friesland: „100 Prozent aller Einsätze hier werden von Freiwilligen Feuerwehren abgearbeitet, weil wir keine Hilfe von den Berufsfeuerwehren anfordern können“, erklärt uns Eike. Um für genügend Manpower zu sorgen, hat es sich bewährt, tagsüber mindestens zwei Feuerwehren zu alarmieren.


Eikes Engagement bei der Feuerwehr geht so weit, dass er dort sogar in einer Doppelfunktion tätig ist. In Hohenkirchen ist er seit 2009 als Ortsbrandmeister; zusätzlich ist er seit zwei Jahren auch Gemeindebrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Wangerland und ist damit für das gesamte Wangerland zuständig. „Das ist so mehr eine administrative Tätigkeit, also planen, organisieren, machen, man hat ja den Ortsbrandmeister vor Ort. Aber je nachdem, wie groß der Einsatz ist, kommt der Gemeindebrandmeister dazu.“ Die Faszination für die Feuerwehr, die ist ungebrochen. Eikes Augen leuchten, zum Beispiel wenn er vom gemeinsamen Spaß und der Kameradschaft spricht. Und der Herausforderung: „Man bekommt da einen 13 Tonnen schweren Werkzeugkasten, damit meine ich unser Fahrzeug, und dann heißt es: Lass dir was einfallen! Aber wenn uns nichts einfällt, dann fällt keinem mehr was ein. Ich kann bei einem Einsatz auch nicht sagen: ‚Oh, das ist mir zu groß, ein Chemieunfall. Ich brauche jetzt mal die Profis von der Berufsfeuerwehr.’ Das Abarbeiten bleibt nun mal bei den Freiwilligen Feuerwehren vor Ort. Und da ist alles außer Kraft gesetzt, was sonst in geregelten Bahnen läuft. Und wir müssen dafür sorgen, dass wir schnell einen Überblick bekommen: Was ist Sache, was ist wichtig? Für mich ist die Herausforderung, was so ein Einsatz mit sich bringt.“ Dabei geraten Eike und seine Kameraden nicht nur in gefährliche, sondern auch in außergewöhnliche Situationen. Und schon wieder ist da diese Begeisterung in Eikes Stimme: „Das ist das Coole an der Feuerwehr, dass dir jemand zeigt, wie kommst du an der Windkraftanlage hoch und runter? Oder, dass du da oben mal rausgucken kannst. Das ist eben die Faszination, dass du alle Sachen ausprobieren kannst.“


Der Job hat aber auch seine negativen Seiten: „In der Regel fahren wir auch dahin, wo keiner sein will. Wer hat denn Lust, zu einem Unfall dazu zukommen? Oder auf einen Großbrand?“ Zum Beispiel wie der bei einem Landtechnik- und Landmaschinen Händler – eine Grenzsituation für Eike und seine Kollegen: „Da haben wir Glück gehabt, dass die Feuerwehrleute gesund geblieben sind. Das ist meine Aufgabe, als Einsatzleiter zu schauen, dass alle heile nachhause kommen. Der Einsatz war aufgrund der Gefahrensituation eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten und wir haben für eine Entscheidung zwischen zwei und zehn Sekunden. Bei dem Unternehmen sagte uns der Brandursachenermittler, es wäre egal, mit wie viel Feuerwehrleuten wir da gewesen wären, wir hätten das nicht in Griff kriegen können. Dann brannte es komplett, es gab Explosionen. Wir haben es gerade so geschafft, dass unser Fahrzeug wegfährt. Da kann man echt froh sein, wenn keiner zu Schaden kommt.“ Trotz aller Gefahr – bei der Feuerwehr zu sein und zu bleiben, ist für Eike eine Lebensentscheidung; glücklicherweise lässt sich sein Engagement mit der Familie ganz gut vereinbaren, weil das Feuer, um dieses Wortspiel zu bemühen, längst auch auf seine Frau Ina und die beiden Kinder übergesprungen ist. Ina, eine taffe Frau und Mutter von zwei Kindern, ist ebenfalls aktives Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr und kümmert sich um die Kinderfeuerwehr, in der auch ihr 8-jähriger Sohn Jelko ist: „Meine Jungs lieben es, mit dem Blaulicht zu fahren“, schmunzelt Ina. Nachwuchssorgen, wie in Niedersachsen, kennt man bei der Freiwilligen Feuerwehr im Wangerland nicht, erzählt sie: „In der Kinderfeuerwehr haben wir aktuell 15 Kinder, um die 30 Kinder stehen auf der Warteliste, die ich alle nicht aufnehmen kann.“ Ansonsten steuert Ina, ganz selbstverständlich den 11-Tonner-Werkzeugkasten und die Männer der Freiwilligen Feuerwehr zu ihren Einsätzen. Die Kinder werden in der Zeit von den Großeltern oder Nachbarn betreut. „Hier auf dem Dorf kennt jeder Jeden und alle kennen uns. Hier wird Hilfsbereitschaft noch ganz groß geschrieben“, erzählt uns Ina. Während Jelko später mal Polizist und Feuerwehrmann werden will, ist für den 3-jährigen Wilke alles noch ein Spiel: „Das Spielzeug von Playmobil und Lego ist bei ihm alles von der Feuerwehr“, lacht Eike. Ein Leben ohne Feuerwehr ist für Eike und auch für seine Frau Ina unvorstellbar: „Ich mach das jetzt seit fast 20 Jahren. Kein Einsatz ist wie der andere, das macht den besonderen Reiz aus. Und es ist einfach toll, wenn man den Menschen geholfen oder ein Leben gerettet hat.“


DIE MAID INSE-MARIE ORTGIES Ein politisches Leben für das Wangerland.

Was uns an Inse-Marie Ortgies fasziniert, ist diese tiefe, rauchige Stimme und dieses heitere, unverblümte Lachen. Die politische Karriere der ehemaligen CDU-Landtagsabgeordneten liegt schon eine Weile zurück, jetzt genießt die 73-Jährige den wohl verdienten Ruhestand mit ihrer Familie. Unvergessen sind ihre Verdienste um das Wangerland.


Dass wir Inse-Marie Ortgies in ihrem Zuhause in Hohenkirchen besuchen dürfen, hat sich ziemlich spontan ergeben. Umso mehr freuen wir uns, dass sie und ihr Mann Früsmer, der im Wangerland den Namen „Der Deichgraf“ trägt uns so herzlich empfangen und ganz offen mit uns sprechen. Als wir das Haus betreten, fällt uns sofort der rotweiße Schal über einen Stuhl hängend auf. Kaum zu glauben, aber die waschechte Ostfriesin ist FC Bayern-Fan: „Keine Ahnung, warum. Ob das früher mit Franz Beckenbauer entstanden ist, als er noch jung und schick war? Ich weiß es nicht.“ Egal, der Schal wärmt, während wir mit ihr, durch den großen Garten gehen und ein wenig den Blick durch das Wangerland schweifen lassen. Eigentlich kommt Inse-Marie aus dem Landkreis Wittmund, es war die Liebe, die sie 1964 ins Wangerland, auf den Hof ihres künftigen Mannes Früsmer in Grimmens gebracht hat: „Ich weiß, was Tradition bedeutet. Und als mein Mann und ich geheiratet haben, war das selbstverständlich. Seitdem bin ich Wangerländerin und ich fühle mich hier pudelwohl.“ Sagt sie und bereitet uns erst einmal einen leckeren Ostfriesentee zu.


Inse-Marie Ortgies war die Landwirtschaft nicht fremd, sie selbst ist auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. Nach der mittleren Reife wollte sie eigentlich Abitur machen, aber das Gymnasium in Jever war mit öffentlichen Verkehrsmitteln quasi unerreichbar. Also hat sie eine Lehre in der ländlichen Hauswirtschaft gemacht: „Das war für meine Eltern selbstverständlich. Dann bin ich zu einer Reifensteiner Landfrauenschule gekommen, nach Wöltingerode, wo wir nicht Schülerinnen waren, sondern Maiden. Dieses Jahr hat mich geprägt und ich bin bis heute eine Maid“, sagt sie stolz. (Das Wort „Maid“ ist eine Zusammensetzung aus: Mut, Ausdauer, Idealismus und Demut). Und dasselbe gilt für ihre Kindheit: „Wir waren eigentlich vier Mädchen, aber zwei meiner Schwestern sind schon vor meiner Geburt gestorben. Meine ältere Schwester ist 14 Jahre älter und so bin ich im Grunde als Einzelkind aufgewachsen, sehr behütet. Ich habe ein wunderbares Elternhaus gehabt, davon träume ich heute noch.“

Eine gute Kindheit und Lehrzeit macht einen stark für das ganze Leben. Insofern verwundert es nicht, dass Inse-Marie Ortgies den Mut hatte, in die Politik zu gehen. 1974 ist sie in die CDU eingetreten, 1976 hat sie das erste Mal für den Gemeinderat kandidiert – und wurde gewählt! 1980 kam sie in den Kreistag, bis 2001 war sie Mitglied im Gemeinderat und Kreistag und von 1994-2008 schließlich im niedersächsischen Landtag, wo sie die Sprecherin für den Bereich Tourismus war – zum Glück auch für das Wangerland: „Ich habe stets versucht, für meinen gesamten Wahlkreis das Beste herauszuholen, und durch Teilnahme an vielen Terminen den Kontakt zu den Menschen Vorort zu erhalten. Vergessen darf ich dabei nicht, meine Insel Wangerooge. Sooft es der Terminkalender zuließ war ich Vorort. Manches haben wir erreicht, aber auch damalige Knackpunkte wie zum Beispiel die Vertiefung des Fahrwassers sind bis heute immer noch nicht geregelt, leider!“

Der Balance-Akt zwischen Politik und Familie


Und das alles hat sie gestemmt, obwohl sie Mutter zweier Kinder war und es noch den landwirtschaftlichen Betrieb gab: „Wenn man als Frau einen Posten übernimmt, braucht man unbedingt die Unterstützung der Familie; der Haushalt soll ja auch laufen! Wenn die Familie nicht mitmacht, dann kann man das nicht schaffen. Natürlich war das mit viel Aufregung verbunden, als ich 1994 in den Landtag ging.“ Vorher hat Inse-Marie auf dem Hof Lehrlinge in der ländlichen Hauswirtschaft ausgebildet, und zwar 23 Lehrlinge in 25 Jahren, von 1968 bis 1993! Respekt. Das klingt schwer nach einem Doppeleben. Aber da protestiert die Ex-Politikerin: „Alles war einfach sehr genau eingeteilt, der Terminkalender stand. Da ich, bedingt durch das Landtagsmandat fast ständig unterwegs war hat ein ehemaliger Lehrling, die zunächst zwei Jahre als Azubi bei uns war, danach fast 16 Jahre unseren Haushalt geschmissen. Jede freie Zeit galt meiner Familie. Ich habe immer versucht, mir möglichst den Sonntag frei zu halten. Und das haben wir über die ganzen Jahre fabelhaft hinbekommen.“ Die beiden Kinder Elka und Tjarko,1965 und 1969 geboren, sind längst erwachsen. Beide haben inzwischen selbst Kinder. Das ist für Inse-Marie ihr größtes Hobby: „Wir machen vieles miteinander, die Kinder und Enkelkinder sind das Wichtigste für uns.“ Aber das ist natürlich nicht alles: „Ich lese gerne, ich bin im Rotary Club aktiv, außerdem habe ich einen sehr netten Freundeskreis“, sagt sie und strahlt. Keine Frage, diese Frau ist mit sich im Reinen. Und so trauert sie auch der politischen Karriere, die sie 2008 an den Nagel gehängt hat, nicht hinterher: „Ich habe eine wunderschöne Zeit in der Politik gehabt, natürlich ging es immer auf und ab. Aber ich möchte nichts missen; auch nicht die Zeiten, die nicht so leicht waren. Denn da lernt man Menschen kennen, denen man vertrauen kann und die bis heute noch enge Freunde sind.“ Inzwischen sind wir in ihrem Büro und schauen uns, neugierig wie wir sind, die vielen Fotos an der Wand an, die sie mit anderen Politikern zeigen. Natürlich könnte sie über ihre Mitstreiter viel erzählen, aber Inse-Marie ist eine Dame und schweigt, während sie sich erneut eine Zigarette anzündet. Wir blicken wohl etwas irritiert drein, daher erklärt sie uns: „Bei uns im Haus wird noch geraucht, und wem das nicht passt, der soll wegbleiben. Ich rauche schon so lange, jeder weiß das.“ In der Küche ihres gemütlichen Wohnhauses trinken wir anschließend noch einen Kaffee. Draußen weht ein kalter Wind. Das ist typisch für unsere Heimat, der sich auch Inse-Marie bis heute mehr als verbunden fühlt: „Wenn man vom flachen Land kommt, hat man hier seine Wurzeln geschlagen. Ich kann mir nicht vorstellen, in der Stadt zu leben und dann vielleicht auch noch im 3. Stock. Ich würde wahnsinnig werden. Mich zu verpflanzen, wäre das Schlimmste, was man mir antun könnte. Friesland ist meine Heimat, hier will ich bleiben, solange der liebe Herrgott das zulässt.“ Da sind wir jetzt mal ganz optimistisch. Denn Inse-Marie Ortgies ist auch heute noch eine echte Powerfrau, mit viel Kraft, einer wahnsinnig positiven und faszinierenden Ausstrahlung und hat einen langen Atem. 32 Jahre in der Politik sprechen für sich.


UNIKAT WIELAND ROSENBOOM Seenotretter und Geschichtenerzähler.

Dieser Mann ist ein Unikat. Und ein Wangerländer, wie er im Buche steht. Wenn Wieland Rosenboom spricht, und das tut er viel, kommt immer dieser herrliche plattdeutsche Akzent durch. Wieland ist ein wandelndes Geschichtsbuch, denn er kennt unendlich viele wunderschöne Geschichten über das Jeverland aus vergangenen Zeiten. Für die Region ist der 53-Jährige mit der dunkelblauen Kapitänsmütze ein wichtiger Mann – nicht nur als Gemeindearbeiter am Bauhof der Gemeinde Wangerland –, sondern auch in seiner Funktion als Seenot-­ Retter bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Wir treffen Wieland Rosenboom im Rettungsschuppen am Hafen in Horumersiel. Das heißt: Eigentlich ist es das Stationsgebäude der DGzRS, aber das sagt hier keiner. Hier treibt sich Wieland am liebsten rum, wenn er nicht gerade seiner hauptamtlichen Tätigkeit am Bauhof der Gemeinde Wangerland nachgeht, wo er sich um die Ordnung im öffentlichen Raum kümmert und zum Beispiel Hecken schneidet, Bäume fällt, Verkehrsschilder aufstellt, Spielplätze in Ordnung hält und dergleichen. „Wir machen sehr viele Pflegearbeiten, viele Flächen müssen gemäht, Straßen repariert werden, und da geht man mit den Jahreszeiten. Jetzt müssen wir zum Beispiel Winterdienst machen. Und da sind die Tage im Moment sehr kurz.“ Das muss schwer sein, denken wir uns, für einen Kerl wie Rosenboom, der derart umtriebig ist.


Langweilig wird sein Job bei der Gemeinde, den er mittlerweile seit 24 Jahren macht, jedenfalls nicht; auch deshalb, weil man auch eine Art Feuerwehr des Bauhofes ist. Als Mitarbeiter eines kommunalen Bauhofes versteht es sich von selbst eben auch als freiwilliger Feuerwehrmann in einer der vielen Ortswehren tätig zu sein. So kommt auf Wieland Rosenboom und seine Kollegen alles Mögliche zu, sogar das Abholen von Hamstern, Katzen und Hunde, sogar eine Schlange war schon dabei. „Man muss damit rechnen, dass man Tag und Nacht angerufen wird“, sagt Wieland und zeigt auf das Auto, an dem alles Wichtige dran ist: Dinge wie eine Katzentransportkiste oder eine Hundefangschlinge. Eigentlich hat Wieland, der seit jüngster Kindheit in Horumersiel lebt und sich zurecht als „ein Kind der Küste“ und einen „echter Wangerländer“ bezeichnet, ja mal Tischler gelernt. Aber einer wie er, der so neugierig ist, hat natürlich viele Talente und Interessen. Darum ist er, wie schon erwähnt seit 24 Jahren als ehrenamtlicher DGzRS-Ortsvertreter, seit 13 Jahren Seenotretter tätig und obendrein erster Vorsitzender der Historischen Seenotrettung Horumersiel, die es seit 2005 gibt. „Die Seenot-Rettung ist eine wichtige Sache, es gibt sie seit 152 Jahren, und uns wurde schon in der Schule vom Lehrer nahegebracht, dass es hier ein Rettungsboot gibt.“ Für die Seenot-Rettung macht er regelmäßig Werbung und informiert mit seinem Kollegen interessierte Leute vor Ort an Filmabenden, Info-Veranstaltungen und Schiffsbesichtigungen. Und damit das Ganze anschaulicher wird, haben Wieland und seine Kollegen vor ein paar Jahren den Boottransport-Ablaufwagen neu aufgebaut; das historische Boot haben sie dann auch noch restauriert: „Wir haben 2003 das ehemalige Ruderrettungsboot ‚August Grassow’ übernommen und es in zweijähriger Arbeit entkernt, also auch den historischen Rumpf neu ausgebaut und in den Urzustand um 1906 versetzt“, erzählt uns Wieland stolz. Seit 2007 wird es im Rettungsschuppen am Hafen der Öffentlichkeit präsentiert. „Es ist ja ein mobiles Denkmal, mit dem man den Interessierten die Seenotrettung von anno dazumal nahe bringen kann.“ Die Interessierten, das sind neben den Wangerländern auch die Touristen, die in unserer Region Urlaub machen und fasziniert sind von der Gegend und ihrer Geschichte. Und denen kann Wieland Rosenboom viel erzählen. Sein ganzes Wissen hat er aufgeschnappt – weil er gut zuhören kann: „Meine Eltern und Großeltern haben mir viel erzählt; außerdem habe ich als Kind nie gerne wie die anderen Fußball gespielt und habe dann immer alte Leute besucht, da hat man viel aus vergangenen Jahren erfahren. Und das habe ich mir alles gemerkt.“ Auch von seinem Vater hat Wieland viel erfahren, denn der war 22 Jahre lang Wattführer und hat den Feriengästen viel erzählt von Land und Leuten. Dass Wieland dieses Wissen weitergibt, ist für ihn selbstverständlich: „Das ist unsere Heimat, unsere Region, da steht man in einer gewissen Pflicht.“ Eben, Ehrensache.


Ähnlich verhält es sich auch mit dem Plattdeutschen, das Wieland aus dem FF beherrscht. „Mein Vater sprach bloß Platt, man kann auf Platt ja auch viel mehr sagen als auch auf Hochdeutsch. Man kann zum Beispiel auch unangenehme Äußerungen machen und zu jemand sagen, den man nicht leiden kann, du bist ein Schwienegel, das ist ein Stachelschwein, also nichts Schlimmes.“ Und sorgt der Plattschnacker Wieland recht charmant dafür, dass die niederdeutsche Sprache nicht untergeht, was nicht ganz einfach ist, weil sie sich zurückentwickelt. Drum: „Plattdüütsch bruuht nich utstarben, wie moot dat bloot schnacken.“ Und das tut er in vielfacher Weise. Denn Wieland ist auch Mitglied im Shanty Chor Likkedieler der Segelkameradschaft Horumersiel, wo er als Platt-Snacker den Flegelbaas gibt. „Das heißt ich bin der Chef, der Moderator des Abends“, erklärt er uns. Bei all seinen Aktivitäten war für eine eigene Familie bisher keine Zeit. Aber Wieland ist verlobt, immerhin. Und das seit 12 Jahren! „Meine Verlobte ist Witwe. Ich hab’ irgendwie nicht aufgepasst, ich war ja in so vielen Vereinen und 15 Monate beim Bund. Und in der Zeit ist die, die ich mir damals ausgesucht habe, unter die Haube gekommen. Manchmal ist das Leben eben so. Mein Patenonkel hat immer gesagt, ‚du heirotst sowieso nich’, der hat das irgendwie geahnt. Jetzt werden wir immer gefragt, ob wir heiraten wollen, aber wir sind nicht erpicht drauf.“ Mit seiner Annegret ist er auch ohne Trauschein glücklich und gibt wieder sein schönstes Platt zum Besten: „Is moj wenn een Froo nich schmöökt, dat is ooh beeter vör dat Binnerenden. Dat best is de kann Plattdüütsch schnacken, dem kohm ich dor ooh mit torecht.“ Was soviel heißt wie: „Ich habe immer gesagt, es wäre schön, wenn man eine Frau kennenlernt, die nicht raucht, weil dann wird das drinnen nicht so vernebelt, und schön ist es auch, wenn so eine Frau Plattdeutsch sprechen kann. Dann kann man ganz anders miteinander umgehen. Meine Annegret raucht, aber Platt kann sie sehr gut.“ Sagt er und grinst. Ja, Platt ist die Hauptsache. Als uns Wieland später im Haus seiner Eltern herumführt, zeigt er uns ein paar alte Tassen: „So ähnlich sahen früher alte Teetassen aus, die hatten ganz tiefe Untertassen. Mein Uropa, wenn der Tee trank, da stellte er seine Tasse drauf und dann wurde gerührt. Aber der trank nicht aus der Tasse, sondern schlürfte ihn aus der Untertasse und sagte: ‚Dat hett mien Vader un Opa ook all mookt, dat is Teekultur’­. Das Schlürfen ist also nicht unanständig, sondern praktisch, weil man den Tee ganz anders schmeckt und er nicht mehr so heiß ist. Das macht bloß heute keiner mehr. Ich habe mir vorgenommen, ich fang wieder damit an.“ Wie gesagt, Wieland ist ein Unikat. Und einer, der die Tradition im Wangerland hochhält. Dafür sind wir ihm unendlich dankbar.


JADEFISCHER NILS SCHRÖDER

Nils Schröder, 29, ist ein Mann des Meeres und begeisterter Wangerländer, seitdem er 2015 von Varel nach Hooksiel gezogen ist. Seine Freizeit verbringt der junge Kerl mit den kurzen, blonden Haaren und der blauen Latzhose an Bord seines Fischkutters, dem er den Namen „Trotz“ gegeben hat. Nils ist Krabbenfischer aus Leidenschaft und lebt im Wangerland seinen Traum von Freiheit, auch wenn es Berufsfischer heute nicht mehr so leicht haben. Als wir Nils Schröder im Außenhafen von Hooksiel treffen, ist das Wetter alles andere als einladend um auf der Nordsee fischen zu gehen. Wir haben Dezember, es schneit, hagelt und es ist sehr stürmisch. Die Krabbenfischer-Saison ist fast zu Ende und so wird es für uns noch mal sehr spannend, denn wir dürfen mit der „Trotz“ raus aufs Meer, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich das Leben eines Fischers anfühlt. Nils Schröder musste einfach Fischer werden, seit Generationen fischt seine Familie im Jadebusen und sein Vater Hans hat es ihm direkt vorgelebt: „Wir sind damit aufgewachsen. Das war das Leben, dass Papa viel auf See war, auch wenn die Familie immer im Vordergrund stand, und wir in den Ferien mit zum Fischen durften und unsere Freizeit auf Kutter verbrachten.“ Wenn keine Saison war, lag der Kutter des Vaters im Garten: „Der Kutter war wie ein Familienmitglied, und ist es jetzt auch noch.“ Wir verstehen das gut: Nils konnte einfach nicht anders, als Krabbenfischer werden.


Bei seinem Vater auf dem Kutter hat Nils auch seine Ausbildung zum Fischwirt gemacht und dann die zum Kapitän. Zehn Jahre hat er dem Vater alles abgeschaut, was man wissen muss. Und dann? „Wurde die Dame ungeplant schwanger“, sagt Nils so trocken, als wäre er nicht dabei gewesen. Wir müssen schmunzeln. „Die Dame?“ – „Na, die Freundin!“ Unverhofft kommt eben oft, und so war es auch bei ihm und Jennifer – sie wurden Eltern von Oket. Aber das war auch die Gelegenheit, sich endlich selbstständig zu machen, sein eigenes Schiff zu kaufen. Das war allerdings fast so teuer wie ein Einfamilienhaus, aber was soll’s.


Kaum war der Kutter gekauft, ist Nils mit seiner kleinen Familie nach Hooksiel gezogen: „Weil der Außenhafen bietet einen guten Standort im Bereich des Jadebusens und der ostfriesischen Inseln.“ Außerdem wollten Nils und seine Frau nah am Schiff sein und nicht ständig im Auto sitzen, um zum Schiff zu fahren. Die Selbständigkeit hat Nils bisher nicht bereut: „Den Beruf fängt man ja auch an, um selber so ein Schiff zu haben und zum Fischen zu fahren. Jetzt bin ich mein eigener Herr“, sagt er und grinst. Wenn Saison ist, also von März bis Dezember, fährt Nils fünf Tage die Woche zum Fischen. Sein Arbeitsalltag ist natürlich von den Gezeiten abhängig. „Hier in Hooksiel haben wir den Luxus, dass wir eigentlich bei jedem Wasserstand aus dem Hafen kommen. Man fährt halt dann los, dorthin, wo man sich am meisten verspricht und muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein“, erklärt uns Nils. Die Fahrt zu den Fischgebieten kann schon mal zweieinhalb Stunden dauern, und nicht selten ist Nils mit seinem Lehrling Sebastian den ganzen Tag unterwegs. „Wie die Fangsituation ist und was man abends nachhause bringt, weiß man morgens nie. Aber bei mir ist schon der Ehrgeiz vorhanden, möglichst viel in kurzer Zeit zu fangen, um nicht die ganze Woche ohne Pause auf See sein zu müssen, um davon leben zu können.“ Ja, Nils ist ein ehrgeiziger Kerl, er will besser sein als die anderen. Dabei kann man die Krabbenfischer am Jadebusen an einer Hand abzählen: „In Hooksiel ist noch ein Kollege im Rentenalter, der das macht. Hauptberuflich bin ich der einzige in Hooksiel – dann gibt‘s noch meinen Vater und mein Bruder; und in Dangast ist mein Cousin – ansonsten gibt es hier keine Jadefischer mehr.“ Dass es nur noch so wenige sind, überrascht uns nicht. Denn Berufsfischer haben es nicht leicht: Es gibt immer weniger Nordsee-Krabben, dafür immer mehr Auflagen. Und nach dem Bau des Tiefwasserhafens Jade-­ Weser Port in Wilhelmshaven haben sich auch noch die Strömungen verändert. Aber Nils ist natürlich Profi, heute Morgen hat er wieder einen großen Fang gemacht. Und alle Krabben, die er abgeliefert hat, haben ein Güte-Siegel, das „Marine Stewartship Council“- Siegel: „Das bestätigt uns, dass wir nachhaltig fischen, was für uns große Auflagen mit sich bringt. Also größere Maschenweiten, um weniger kleine Krabben zu fangen. Dann ist ein Selektivnetz im Netz eingebaut, damit alles, was größer ist als eine Zwei-Euro-Münze, unter Wasser schon ausgeschleust wird. So halten wir den Beifang gering.“ Das muss sein, das sind die Auflagen der EU. Und da hören wir ein bisschen Wehmut bei Nils in der Stimme: „Heute ist Fischen viel Bürokratie. Es ist nicht mehr so romantisch, wie man sich das vorstellt.“ Aber trotzdem würde Nils keinen anderen Beruf der Welt haben wollen. Das Kuriose dabei ist: Er mag Krabben gar nicht besonders: „Ich esse eigentlich kaum Krabben, und als Kind mochte ich sie gar nicht. Klar, auf See, isst man schon mal eine Hand voll. Aber dass ich mir Krabben nachhause mitgenommen habe und die nach Feierabend noch auf dem Küchentisch ausbreite, das machen wir nicht“, sagt er und lacht.


Aber die Touristen, die sind ganz verrückt nach den frischen Nordsee-Krabben. Und da sieht Nils, geschäftstüchtig wie er ist, eine weitere wirtschaftliche Chance: „Das Wangerland bedeutet einen super guten Kompromiss zwischen Arbeit und gutem Naherholungsgebiet. Wir sind da, wo andere Urlaub machen. Und für den Betrieb wäre das in den Sommermonaten eine super Möglichkeit, die Krabben direkt an die Leute zu verkaufen.“ Dass das funktionieren könnte, ist für uns keine Frage. Aber jetzt ist erst mal Ruhe angesagt im geschäftlichen Treiben von Nils Schröder. Krabbenfischer haben jetzt Winterpause, etwa bis Anfang/Mitte März. Zeit, um die Netze zu reparieren und nach dem Schiff zu schauen: „Damit wir möglichst wenig Fischzeit im Sommer verlieren.“ Was aber mindestens genauso wichtig ist, ist die Zeit mit der Familie, die inzwischen Zuwachs bekommen hat: Im August wurde nämlich Töchterchen Fria geboren. Eines Tages wird die Kleine Fria und der kleine Oke mit Papa auf dem Kutter mitfahren, der Wind der Nordsee wird über ihre niedlichen Gesichter streifen und vielleicht werden beide da schon eine kleine Ahnung davon bekommen, was jene Freiheit ist, die ihrem Papa so viel bedeutet.


ALLROUND-FRIESE HANS-GERD EILERS (H.G.)

Hans-Gerd Eilers, Baujahr 62 ist ein echter Wangerländer - und ein Landwirt, wie er im Buche steht: Mit grüner Latzhose, grauem Bart und einem eher trockenen Humor. Hier oben nennen ihn alle nur H.G. – der Einfachheit halber. Im Sommer mäht H.G. die Deiche im Wangerland, außerdem kümmert er sich um die Campingplätze in Schillig und Horumersiel. Das ist seine Art, die Liebe zu seiner Heimat zu zeigen ...


Als wir H.G. zum ersten Mal treffen, im Sommer, können wir kaum glauben was wir da sehen: Er hat an einen Rasenmäher ein altes Zweisitzer-Sofa rangebaut, auf dem wir uns niederlassen dürfen. Per Fernsteuerung fährt uns H.G. ein wenig über sein Gelände und wir fühlen uns wie in einem Karussell ohne Selbstkontrolle. Für die Touristen, ein absoluter Hingucker und so bleiben die Meisten stehen und schießen Fotos von der Gaudi. Genau genommen sind Rasenmäher H.G.s Spezialität, weil er wie erwähnt, während der Sommermonate die Deiche mäht und vom Unkraut befreit – Grünpflege im Wangerland an der Nordsee. Ein Nebenjob, der sich anbietet: Schließlich brauchen all die Kühe, die er im Stall stehen hat, Futter.


Der Alltag von H.G. verläuft daher streng nach Plan. Im Sommer heißt das: „Gegen halb 5 aufstehen, melken, frühstücken und dann los zum Mähen. Am Nachmittag nachhause kommen, melken und nochmal zwei Stunden mähen.“ Das ist H.G.s Leben, zumindest in den heißen Monaten. Nebenbei – das sei noch erwähnt – vermietet er auch vier Ferienwohnungen an Touristen, die das Wangerland lieben. Wenn es kalt wird hier oben und der Wind rauer, sieht alles ganz anders aus, erzählt uns H.G.: „Dann mache ich Stallarbeit und kümmere mich um die Renovierung der Ferienwohnungen.“ Außerdem muss er den Schreibkram aufarbeiten, der über den Sommer liegen geblieben ist. Das muss ganz schön viel sein, denken wir uns, denn: „Wenn das durch ist, ist meistens schon Ostern.“

Wer jetzt glaubt, dass H.G. damit ausgelastet ist, irrt: „Im Winterhalbjahr stelle ich für einen Teil der Dauercamper deren Wohnwagen vom Campingplatz gegenüber bei mir ab, was auch noch bisschen Arbeit mit sich bringt.“ Ein bisschen Arbeit, klar. Einer wie H.G. kann eben nicht die Füße stillhalten. Er ist ein umtriebiger Typ, auch wenn er darum kein großes Aufheben macht und nicht viel redet. Die „Wohnwagen-Abstell-Geschichte“, wie er es nennt, macht er mittlerweile seit über 30 Jahren. „Das ist jetzt mehr geworden, weil weniger Leute diesen Service anbieten, deshalb stehen bei mir immer mehr.“ Bietet sich ja auch an, weil der Campingplatz gleich bei ihm um die Ecke ist und H.G. genügend Abstellfläche hat. In all den Jahren hat H.G. viele Camper kennengelernt, da sind wir natürlich neugierig und wollen Geschichten hören. Aber H.G. ist ein Typ, der mehr tut, als er quatscht. Also, wie ist es nun mit den Geschichten?, fragen wir. „Anekdoten hätte ich viele zu erzählen, aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.“ Und so gehen wir, zugegebenermaßen etwas erwartend das ihm jetzt gleich eine tolle Geschichte einfällt, weiter mit ihm über den Campingplatz über den der frische Herbstwind fegt und der seit Mitte Oktober geschlossen ist und helfen ihm beim Aufräumen. „Aus Sturmflut-Sicherheitsgründen muss alles weg sein, was davonfliegen kann“, erklärt er und geht weiter.


Jetzt versuchen wir es nochmal und fragen, ob er nicht doch noch was erzählen will von den Campern. „Im Laufe der Jahre hat man viele Erlebnisse gehabt. Die sind teilweise heftig drauf, auch wenn 10 Grad minus sind und acht Windstärken, dann muss das Vorzelt trotzdem schnell hoch. Mein Ding ist das nicht, aber wer will, der soll.“ Ja, das ist H.G., etwas wortkarg, aber authentisch. Wie viele Menschen im Wangerland, das auch für H.G. Heimat ist und viel mehr: „Hier bin ich verwurzelt und aufgewachsen. Hier habe ich meine Freundschaften. Und hier werde ich vermutlich sterben.“ Na, bis dahin vergeht hoffentlich noch viel Zeit, in der H.G. mit seinem Rasen­mäher über die Deiche im Wangerland an der Nordsee tuckert und den Blick schweifen lässt über das weite Meer. Uns ist mal wieder klargeworden, stille Wasser wie H.G. sind tief. Er freut sich übrigens schon – auf die nächste Saison.


HAFENMEISTERIN HILKA HANNOVER

Hilka Hannover, die ursprünglich aus Rinteln im Weserbergland kommt, ist eine Frau, die auch noch als Rentnerin mitten im Leben steht. Ihr Herrschaftsgebiet ist der Hafen in Horumersiel, genauer gesagt, der Yachtclub Wanger­land im Wangerland an der Nordsee, wo sie seit sechs Jahren als Stegwartin arbeitet und die ankommenden Schiffe durch den Hafen bugsiert. Ihr Büro ist ihr Schiff, wo wir es uns bei unserem Besuch erst mal gemütlich machen. Über uns scheint die Sonne, und eine steife Brise fegt durch den Hafen. Ein Sturm hat sich angesagt. Umso mehr freuen wir uns, dass wir jetzt schön im Trockenem sitzen, in Hilkas gemütlichem Schiff, das inzwischen 30 Jahre auf dem Buckel hat und sie ein Großteil ihres Lebens begleitet hat: „Früher waren wir jedes Wochenende mit dem Boot unterwegs und haben damit mit den Kindern Urlaub auf der Insel Helgoland gemacht.“ Und während sie schnackt und schnackt, bietet sie uns, weil es draußen so ungemütlich wird, erst mal einen „kräftigen Schluck Kümmel“ an. Das klingt verführerisch, aber vor 18 Uhr trinken wir nicht. Hilka hält es da etwas anders und lacht laut in die Runde: „Fährt ein Auto ohne Sprit? Ich auch nicht!“ Und wieder lacht sie. Das Ganze ist natürlich nur Spaß. Auch Hilka trinkt keinen Alkohol während der Arbeitszeit. „Friesen machen gerne mal ein Späßchen mit Besuchern“, sagt sie. Wir sehen uns derweil ein bisschen auf dem Boot um. Hilka hat alles da: Tiden-Kalender, Schiffsgläser, die nicht umfallen und jede Menge Post von Leuten, die Hilka über den Yachtclub kennengelernt haben.


Die Leute, die mit den Schiffen kommen, rufen meist vorher bei Hilka an und fragen, ob sie noch einen Liegeplatz frei hat und wo sie anlegen können. Andere kommen einfach so. In der Hauptsaison klingelt dann ständig das Telefon - zum leichten Leidwesen ihres Mannes Dieter, der auch Rentner ist und mit dem Hilka, wie sie mit ihrem charmanten, rollenden R erzählt, „über 100 Jahre“ verheiratet ist: „Weil wir ja von morgens bis abends zusammen sind, das zählt doppelt.“ Ja, Hilka ist eine sehr humorvolle Person: „Da ist immer Spaß.“ Dass sie in ihrem Job immer nett und hilfsbereit sein muss, fällt ihr leicht. Weshalb sie nicht lange zögert und sofort zur Stelle ist, als jemand ihre Hilfe braucht, weil er wegen des Sturms sein Schiff umlegen muss. „Jetzt müssen wir alle mit anpacken“, sagt sie und schon geht es los. In der Hochsaison hat Hilka pro Tag 15 Schiffe zu delegieren. „Die muss ich überall hinschieben, das ist nicht so einfach.“ Für den kleinen, aber feinen Hafen des Yachtclubs, der immerhin 72 Plätze hat, bedeutet das ganz schön Stress. Aber Hilka ist nicht aus der Ruhe zu bringen, sie hat alles im Griff. Nur wenn Segler die Plätze nicht auf Rot markieren, wird sie etwas ärgerlich. In einem Kasten liegt ein Klebestreifen, auf dem die Segler notieren müssen, wer wann weg ist und oder wieder­kommt. Nur so, weiß Hilka Bescheid. Wer im Yachtclub anlegen will, sollte sich besser anmelden: „Wer nicht anruft, hat Pech. Sonst kann ich nichts machen. Einmal habe ich einen dagehabt, den habe ich dreimal umlegen müssen. Das mache ich nie wieder. Wer vorher nicht auf rot markiert, der muss sehen, wo er später einen freien Platz bekommt.“


Im Yachtclub ist eigentlich immer was los, kein Wunder: Ob mit dem Auto oder mit dem Boot - es zieht die Leute ins Wangerland an der Nordsee. Und Hilka, die vor 17 Jahren mit ihrem Mann hierhergekommen ist und sich in Horumersiel niedergelassen hat, ist es nicht anders gegangen: „Wir sind als Schifffahrts-Gast gekommen und wussten, das ist etwas für später. Und jetzt wohnen wir hier, haben ein Häuschen gekauft, und es geht uns gut! Das Wangerland ist perfekt für uns, weil mein Mann und ich das Wasser lieben. Außerdem liebe ich Blumen und Pflanzen und habe hier einen sehr schönen und großen Garten, um den ich mich liebevoll kümmere“. Da passt der Minijob als Hafenmeisterin im Yachtclub Wangerland natürlich perfekt. Jeden Tag kommt sie morgens gegen 10 Uhr in den Hafen. Auf keinen Fall vorher: „Die Gäste wollen ja schlafen!“ Dann kassiert sie; fragt, wie lange sie bleiben, und kommt abends wieder. „Ich muss ja schauen, dass ich die neu ankommenden Gäste erwische. Aber mit Verlusten muss man rechnen.“ Es gibt nämlich immer wieder auch Leute, die abhauen - ohne zu zahlen. Und da kann sie einige Geschichten erzählen. „Ich hatte mal ein Schiff liegen, und es ist keiner gekommen, der bezahlt hat, der war dann weg. Da habe ich den Nachbarn gefragt, wie das Schiff hieß. Und wisst ihr, was er gesagt hat? ‚Es war dunkelblau und hatte drei Fenster.’ Damit konnte ich natürlich nichts anfangen.“

Die meisten Menschen sind aber ehrlich und kommen auch mal auf einen Kaffee zu Hilka aufs Boot. Alle wissen: Der Yachtclub ist ihr Revier. Und das wird es auch noch eine Weile bleiben: „Die finden ja sonst niemanden, der das macht und ich wohne ja gleich um die Ecke!“ Ihr Mann Dieter hätte eigentlich gern, dass sie aufhört – dabei hat er sie zu dem Job gebracht. „Aber wenn ich zuhause sitze, hat er mir auch nicht viel zu sagen.“ Das sagt sie so und lacht wieder. Hilka könnte sich, und das ist bei uns ja nicht anders, jedenfalls keinen schöneren Platz zum Arbeiten und Leben vorstellen: „Das Wangerland ist so schön, die Luft ist sehr gut.“ Und außerdem schätzt sie die Freiheit hier oben; mit dem Boot einfach mal losfahren nach Helgoland oder zur Insel Wangerooge zum Beispiel. Aber das, nun ja, ist ja nun nicht mehr so einfach in der Hauptsaison: „Jetzt haben sie mich verdonnert und jetzt sitze ich hier im Hafen!“ Sie lacht und sagt humorvoll: „Darauf einen Kümmel-Schnaps!“ Tschüss Hilka, es war schön mit dir! Auf der Fahrt nachhause staunen wir einmal mehr, was das Wangerland doch immer wieder für faszinierende Persönlichkeiten anzieht. Menschen, die einfach ihr Ding machen. Mit sehr viel Witz und Gelassenheit.


DEICHGRAF EILT-ONNO GARLICHS

Eilt-Onno Garlichs ist ein wichtiger Mann für das Wangerland. Er ist ehrenamtlicher Verbandsvorsteher des III. Oldenburgischen Deichbands mit Sitz in Jever und kümmert sich – ganz in der Tradition der mittelalterlichen Deichgenossenschaften- um den Küstenschutz und damit um unsere Deiche. Im Hauptberuf ist der sympathische Kerl mit den markanten Augenbrauen Landwirt und redet bei unserem Interview so schnell, dass Stenographie-Kenntnisse von Vorteil wären. Eilt-Onno hat, als wir ihn Zuhause in Jever besuchen, wo er mit seiner Frau Antje lebt, eine Menge zu erzählen. Verständlich: Wenn man fast 60 Jahre alt ist wie er, blickt man zurück auf ein ereignisreiches Leben. Natürlich macht der gebürtige Wangerländer kein großes Aufheben um seine Person; er zählt mit viel Begeisterung vielmehr die Stationen seiner Vita (Abitur, landwirtschaftliche Lehre, Bundeswehr, Fachschule für Landwirtschaft in Celle, Familienleben mit Antje und seinen zwei Söhnen) auf, um dann vom großen Umbruch in seinem Leben zu sprechen, nämlich davon, dass sein ältester Sohn jetzt den landwirtschaftlichen Betrieb in Bassens übernimmt, den er seit 1986 geleitet und aufgebaut hat. Sein Steckenpferd, das waren all die Zeit die Schweine. „Milchwirtschaft war nicht so mein Ding, ich hatte mehr mit Schweinen am Hut, und so habe ich mich auf die Aufzucht von weiblichen Muttertieren spezialisiert.“ Die ständige betriebliche Weiterentwicklung, so hofft der Landwirt, sichert die Zukunft des Betriebes.


Dass die Unterhaltung der sogenannten 60 Kilometer Hauptdeichlinie viel Arbeit bedeutet, ist uns klar. „Zweimal im Jahr halten wir die Deichschauen: Im Frühjahr werden eventuell entstandene Schäden protokolliert, die seit der letzten Deichschau entstanden sind. Diese werden in der Zeit von April bis Ende September behoben. Der Landkreis, als unsere Aufsichtsbehörde, lädt alljährlich zur Herbstdeichschau im Oktober ein. Dort wird kontrolliert, ob die Deiche sturmflutsicher sind. Der Vertreter der Aufsichtsbehörde erklärt die Deiche an diesem Termin im Regelfall für schaufrei. Diese Aussage ist für uns wie ein TÜV-Stempel“.

Was Eilt-Onno anpackt, das macht er richtig. Und das wissen die Leute hier. Nicht umsonst ist er also seit 1992 im Deichband, in dem auch schon sein Vater über 30 Jahre tätig war. Seit sechs Jahren ist Eilt-Onno nun Verbandsvorsteher, besser bekannt unter dem Begriff Deichgraf. Und das ist ein sehr verantwortungsvolles Ehrenamt: „Unsere Aufgabe besteht darin, aufzupassen, dass die Deiche schön in Schuss bleiben und wir die nötigen Maßnahmen zur Erhaltung einleiten. Das ist nur in einem großen Team möglich; wir haben Ingenieure, die uns unterstützen und viele Ehrenamtliche wie die Deichgeschworenen, die vor Ort aufpassen und uns über anstehende Probleme informieren.“ Für die Menschen im Wangerland sind die Deiche existenziell, und Eilt-Onno fasst es nochmal zusammen: „Man stelle sich vor, wir hätten keinen Deich. Mit jedem Hochwasser, das hier durch Wechsel von Ebbe und Flut zweimal täglich aufläuft, ständen immer große Teile des Jeverlandes unter Wasser. Viele Touristen denken, wenn sie auf dem Deich bei Ebbe ins Vorland blicken, wovor haben die Menschen hier Angst – ist doch gar kein Wasser da! Aber sieht man bei einer Sturmflut die Gischt, wie sie kurz vor den Deich schlägt, dann weiß man schon, wozu der Deich da ist.“

Allerdings. Dieser fast 60 Kilometer lange Deich, der von Harlesiel bis Dangast verläuft, schützt immerhin 180.000 Menschen und ein Gebiet von zirka 50.000 Hektar.

Eilt-Onno hat mehrere Mitstreiter, die ihm bei dieser überlebenswichtigen Aufgabe helfen: in der Geschäftsstelle des Deichbands unterstützen ihn acht Mitarbeiter, dann gibt es noch drei der erwähnten Deich-Geschworenen, die jeweils für einen bestimmten Deichabschnitt zuständig sind. Aber die wichtigsten Helfer, das sind die 12.000 Schafe, die auf den Deichen weiden und für eine stabile Grasnarbe sorgen, die wiederum für die Deichsicherheit von immenser Bedeutung ist. Diese Mitarbeiter gilt es zu schützen, und zwar vor den Hunden. Eilt-­Onnos Stirn legt sich in Falten, als er davon erzählt: „Ein großes Problem sind die freilaufenden Hunde, die haben am Deich nichts zu suchen, wenn dort Schafe weiden.“ Der Urtrieb des Hundes lässt ihn Schafe jagen. Die Folgen können für diese fatal sein. „Die Herde ist dann total durch den Wind, total durchgeknallt.“ Auch noch Tage später ist ein Verwerfen der Lämmer nicht auszuschließen.


Dass die Deiche im Wangerland betreten werden dürfen, die ja ein Küstenschutzobjekt sind, ist nicht selbstverständlich.: „Wir halten in jedem Frühjahr eine Deichkonferenz mit allen Verbänden von der niedersächsischen Küste ab. Dort erwecken wir immer wieder großes Erstaunen darüber, dass wir die Deichwege für die Allgemeinheit öffnen“, erzählt der Deichgraf. „Das machen wir gerne. Wir sehen das als Öffentlichkeitsarbeit an.“ Aus diesem Grund will der Deichband auf der großen Aussichtsplattform im Baustellencamp im Elisabeth-Groden und an den Querzäunen Info-Tafeln anbringen. „Der Besucher unserer Deiche sollte darauf achten, wo er sich befindet und Rücksicht auf unsere vierbeinigen Mitarbeiter, die Schafe, nehmen. Ansonsten haben wir kein Problem damit, wenn die Leute auf unseren Deichwegen laufen und sich an der schönen Natur erfreuen.“ Wenn er so redet, dann merkt man, wie wichtig Eilt-Onno sein Ehrenamt ist und dass er zu 100 Prozent dabei ist. „Küstenschutz ist ein wichtiges Thema, das wir beachten müssen und es macht Spaß, sich dafür einzusetzen.“ Solange Eilt-Onno an Bord ist, haben wir daran keinen Zweifel. Weil er mit jener Leidenschaft agiert, die für die Menschen im Wangerland typisch ist, da sie sich mit ihrem Land verbunden fühlen. Und das gilt eben auch für den Deichgrafen: “Ich stehe oben auf dem Deich und genieße das schöne Vorland. Ich schaue zu den Inseln und sehe, wie das Wasser kommt und geht, und wie wir geschützt da liegen, weil unsere Deiche nicht mehr so schnell brechen. Das gibt einem ein sehr gutes Gefühl, weil man hier sehr gut wohnen kann.“ Besser hätte man es nicht sagen können.


DEICHSCHÄFER THORSTEN BARGEN Deichschafe sind die glücklicheren Schafe!

Einzigartig, aufgeschlossen und gastfreundlich – so kann man die Menschen im Wangerland an der Nordsee bezeichnen. Sie sind stolz auf ihre friesische Landschaft und auf das Wattenmeer, egal ob sie schmeichelnd sind oder rau. Die Menschen im Wangerland bevorzugen das Ehrliche und Unverschnörkelte. Sie lieben die steife Brise und leben dort, wo viele andere Urlaub machen. Wir fahren nach Crildumersiel, einem kleinen Ort zwischen den Nordseebädern Hooksiel und Horumersiel/ Schillig, der von grünen Wiesen umgeben direkt an einem Deich liegt. Auf dem Deich sehen wir kleine, hüpfende Lämmchen, die ihre ersten Sonnenstrahlen und das frische Gras in vollen Zügen genießen – und wir sind sofort verliebt! Dort, in dieser Idylle, lebt Landwirt und Deichschäfer Thorsten Bargen auf seinem Hof. Gut gelaunt, aber etwas übernächtigt, macht er uns die Tür auf und bittet uns in sein wunderschönes Landhaus. Der Landwirt hat Stress und in der letzten Nacht, wie auch in den Nächten davor, kaum Schlaf bekommen. Die Lammzeit hat begonnen, und das bedeutet für ihn jede Menge Arbeit. 230 bis 250 Muttertiere, je nach Weide- und Deichfläche, sowie bis zu 68 Milchkühe hat er zu versorgen. Er muss mehrfach am Tag Futter holen, Fläschchen machen und ist tage- und nächtelang als Geburtshelfer beschäftigt. „Ein schöner, aber sehr harter Job!“, erzählt uns der Landwirt. „Die Lämmchen kommen auch nachts zur Welt und unter ihnen sind auch mal Pflegefälle, die noch eine intensivere Betreuung benötigen“, erzählt Thorsten weiter. Ohne die Hilfe seiner Mutter, die über achtzig ist und beim Kühe melken aushilft, sowie ohne die Unterstützung seines guten Freundes und der Verwandtschaft, wäre die Arbeit kaum zu schaffen. „Meine Verwandtschaft aus dem Elsass hat sich vor ein paar Jahren in Hooksiel ein Haus gekauft und freut sich jedes Jahr so sehr auf diese Zeit. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Thorsten.


Dann dürfen wir endlich den Stall betreten und was uns dann erwartet, verschlägt uns erst einmal die Sprache. Als der Schäfer die Tür des sehr modernen, großzügigen und hellen Stalls öffnet, flippen über 200 Schafe vor Freude (in der Hoffnung auf Futter) völlig aus. Mit einer Lautstärke, sodass man sein eigenes Wort kaum noch versteht, hört man pausenlos nur noch „Määäähhhhh, määääähhhh, määhh....“. Für uns klingt das wie ein „Mooooin“ und wir sind begeistert. „Morgens, wenn wir in den Stall kommen, muss man sich fast die Ohren zuhalten. Hungrige Lämmer sind sehr laut“, lacht Thorsten. Ihm macht das aber nichts aus. Ganz im Gegenteil: Er liebt seinen Job über alles! Der Stall ist in viele großzügige Buchten unterteilt. Die Flaschen-Lämmer und die Pflegefälle, die noch Unterstützung beim Trinken benötigen, haben einen separaten Stall nebenan und kleinere Buchten.


Im großen Laufstall dürfen wir mit in die Buchten steigen und plötzlich stehen wir mittendrin im Getümmel. Wir dürfen die Lämmchen streicheln, füttern und ein kleines Wollbündel vorsichtig auf dem Arm nehmen. Das ist der Moment, wo das Wort „Glücksgefühl“ eine neue Bedeutung bekommt und wir kurz darüber nachdenken, eins mit nachhause zu nehmen. Die Wolle umrahmt das Gesicht der Schafe wie bei einem Löwen und genauso verhalten sich die Muttertiere auch, wenn es um die Verteidigung ihrer Kleinen geht. Dann wird mit dem Huf energisch auf dem Boden gestampft. Alle Schafe und Lämmchen haben verschiedenfarbige Nummern auf dem Rücken. Thorsten erzählt: „Das sind Markierungen. So können wir die Mutterschafe und die Lämmer richtig zuordnen.“

Thorsten ist eigentlich eine Art „Greenkeeper“ für die Deiche, denn Schafe sind die idealen Pflegetiere für die Deichflächen. Deswegen nennen die Menschen hier oben im Norden Deichschafe auch liebevoll „kuschelige Rasenmäher“. Thorsten hat hauptsächlich Texel-Schafe. Schafe haben den Vorteil, dass der kurze Verbiss die Grasnarbe nicht zerstört. Anders als ein Pferd, das einfach immer weiter nagt, bis kein Gras mehr wachsen kann. Und durch die kleinen Klauen wird der Deich ideal gefestigt. Wie eine kleine Trippelwalze. „Ich bewirtschafte mit meinen Schafen die Deichflächen zwischen der Schleuse Hooksiel und dem Hafen Horumersiel“, erzählt uns Thorsten. „Mein Ziel ist ja, auch wenn es nicht so kuschelig klingt, das Schlachtlamm, das ich verkaufe, auf ein Gewicht von 40 bis 45 Lebendgewicht zu füttern, um Gewinn zu erzielen. Das Gras auf dem Deich ist sehr gehaltvoll.“ Auf die Frage, wie man eigentlich Deichschäfer wird, antwortet Thorsten: „Angefangen habe ich im Jahr 1996 mit Ackerbau. Seinerzeit habe ich von meinen Eltern einen Hof mit 30 Hektar Ackerland gepachtet. Dort vermiete ich auch Ferienwohnungen. Seit dem Jahr 2000 bin ich hier an diesem Standort und habe begonnen, einen ersten Laufstall zu bauen. Ich habe eine Ausbildung als staatlich geprüfter Landwirtschaftsleiter und dann wollte ich mehr ...“, erzählt uns Thorsten. Er liebt Neues, den Wandel, das Wagnis. Denn nichts ist langweiliger und geisttötender, als in seinem eigenen Saft zu schmoren. „Das Kaufmännische hat mich immer gereizt und so habe ein längeres Praktikum in der Steuerbranche absolviert, weil mich dieser Bereich interessiert hat. Im Winter war das alles ok für mich, aber als im Frühling die ersten Sonnenstrahlen rauskamen und ich tagein tagaus im Büro arbeiten musste, wurde ich immer hibbeliger. Schnell merkte ich, dass irgendwas in meinem Leben fehlte, und wenn ich nach der Arbeit auf den Hof kam und dort noch etwas tun konnte, war ich glücklich! Es gibt immer wieder Zeiten, da sieht es in der Landwirtschaft nicht immer rosig aus. Meine Eltern haben mich da vollkommen unterstützt“, erzählt er weiter. www.bargenhof.de


Thorsten Bargen hat studiert und hätte als Vertriebsmanager Karriere machen können. Doch der gebürtige Friese kehrte der Wirtschaft den Rücken und baute sich eine Existenz als Landwirt und Deichschäfer in seiner Heimat auf. Sein Ziel: glücklich sein. Seine Geschichte macht uns deutlich, wie wichtig es im Leben ist, das zu tun, was einen erfüllt. Wenn wir in Zukunft durch das Wangerland fahren, entlang der langen Deichlinie, sehen wir die Deichschafe ab jetzt mit anderen, „glücklicheren“ Augen ...

Thorsten hat während seines Studiums mit Schwerpunkt BWL umgesattelt auf Marketing Management und dieses Studium dann auch abgeschlossen. Dennoch war ihm während des gesamten Studiums immer klar, dass ihn die Landwirtschaft nicht loslassen wird. Er erzählt uns: „Nach meinem Studium habe ich ein tolles Jobangebot bei einem französischen Landtechnikkonzern in der Vertriebsleitung erhalten und hätte am nächsten Tag sofort anfangen können. Klar, finanziell wäre das natürlich sehr lukrativ gewesen, aber was nützt das ganze Geld, wenn ich nicht glücklich bin mit dem, was ich tue. Ich habe die Stelle abgesagt und entschied mich, auf dem elterlichen Hof durchzustarten. Ich fing an zu investieren und dann gab es auch keinen Weg zurück.“ Auf die Frage, ob er seine Entscheidung jemals bereut hat, folgt ein klares Nein! „Ich bin jetzt 50 Jahre alt und sehe vielleicht jünger aus, das kommt sicher von der frischen Luft hier oben im Norden!“, witzelt Thorsten. Und natürlich, weil er immer was zu tun hat. Los geht’s Anfang März mit der Lammzeit, es werden die Schafe geschoren und bevor sie raus kommen werden die Klauen geschnitten. Wenn die Schafe mit den Lämmern auf den Deich gebracht werden, geht es weiter mit der Erntezeit. Erst dann wird es für ein paar Wochen wieder etwas ruhiger. Und wie sieht es mit Privatleben aus? „Privatleben und Job sind für mich gleitend. Und eine Partnerin in meinem Leben sollte schon Verständnis für die Landwirtschaft haben. Wenn ich Single bin, dann arbeite ich natürlich mehr, als wenn ich in einer Beziehung stehe. Dann nehme ich mir gerne die Zeit für meine Partnerin.“


BRAUMEISTER FLORIAN HARMS Braumeister im Friesischen Brauhaus zu Jever.

Florian Harms, 35, hat einen Traumjob, um den ihn viele zu Recht beneiden: Nach 11 Jahren als Brauer und acht Jahren in der Qualitätssicherung arbeitet er seit einem Jahr als Produktionsleiter in einer der wohl berühmtesten Brauereien Deutschlands – im Friesischen Brauhaus zu Jever. Und so wie das kühle Blonde ist auch Florian Harms ein Mann wie das Land: unkompliziert, klar und zu 100 Prozent authentisch. Wir treffen den gebürtigen Wangerländer bereits an seinem Arbeitsplatz am frühen Morgen.


Aus rein professionellen Gründen - denn im Friesischen Brauhaus zu Jever herrscht striktes Alkoholverbot am Arbeitsplatz - gibt es bereits um acht einen ersten, kühlen Schluck Jever Pilsener. Und so sind wir als Gäste bei der täglichen Verkostung des Bieres dabei, die Florian Harms in der neongelben Jever-Jacke mit seinen sachverständigen Kollegen Werner Jansen, dem Leiter Qualitätssicherung, dem Betriebsleiter Christian Schmidt und dem Chef der Abfüllung, Mirko Albrecht, wahrnimmt. Das Bierglas wird geschwenkt, gegen das Licht gehalten, dann erst stecken die Herren ihre Nasen rein, um schließlich einen kleinen Schluck zu nehmen. Leise schnalzt die Zunge am Gaumen – und? „Ich würde sagen, freigegeben, oder?“, sagt Florian und erklärt uns: „Wir achten auf die Schaumstabilität, die Farbe und auf den Geruch. Wir müssen auch wirklich einen Schluck trinken, um die Bitterstoffe bewerten zu können. Das unterscheidet eine professionelle Bier- von einer Weinverkostung.“ An diesem Morgen gibt es - wie fast immer - nichts zu beanstanden und der Gerstensaft kann so abgefüllt werden.

Schon geht unsere Führung, die übrigens unbedingt Touristen und Einheimische machen sollten, weiter für einen kurzen Zwischenstopp bei der Qualitätssicherung, wo sich Florian mit dem Biologisch Technischen Assistenten Peter Schiefke bespricht und Gärkarten anschaut, um eventuelle Abweichungen zu besprechen. Qualität wird im Friesischen Brauhaus zu Jever großgeschrieben. Kein Wunder, als eine der bedeutendsten Brauereien Norddeutschlands gäbe es eine Menge zu verlieren. Florian zeigt uns den Haltbarkeitsraum, wo von jeder Abfüllcharge eine Flasche Jever aufbewahrt wird. „Wenn Reklamationen durch Kunden kommen, können wir die entsprechende Flasche aus dem Haltbarkeitsraum entnehmen und das überprüfen“, erklärt er uns und gibt uns nebenbei einen wichtigen Tipp: „Bei Bier ist immer ganz wichtig, dass es kalt und dunkel gelagert wird. Wenn die Sonne drauf brennt, ist es danach nicht mehr genießbar, da kommt es zum Zersetzungsgeruch und das riecht nach Stinktier.“ Oha, alles klar.


Weil Florian, der übrigens schon mit 16 Jahren die Lehre als Brauer und Mälzer begonnen hat, als Produktionsleiter Ansprechpartner für alle Bereiche in der Braustätte ist, muss er jetzt erstmal ins Sudhaus, wo die Bierproduktion ihren eigentlichen Anfang nimmt. Gerade rollt wieder ein LKW beladen mit Gerstenmalz an; in der Regel sind es drei bis vier am Tag. Von jedem LKW wird eine Probe entnommen und im Labor auf Aussehen, Geruch und Farbe kontrolliert; die natürlichen Rohstoffe wie das Gerstenmalz sind schließlich das A und O. Wie bei den Qualitätskontrollen geht im Friesischen Brauhaus zu Jever, das im Jahr 1848 seine Wurzeln hat und seit dem Jahr 2006 zur Radeberger Gruppe gehört, alles seinen gewohnten Gang. Florian Harms arbeitet hier inzwischen, wie erwähnt, seit fast 20 Jahren: „Da hat sich natürlich enorm was geändert.“ Das gilt auch für die 40 Jahre alten Spiegeltürme vom Friesischen Brauhaus zu Jever, die wir schon immer mal von innen sehen wollten. „Hier war früher der Gärkeller, seit dem Jahr 1998 befinden sich in jedem dieser Türme fünf Lagertanks mit einem Fassungsvermögen von jeweils 2.400 Hektoliter Bier.“ Wow, Bier in rauen Mengen. Aber man muss sich erstmal folgende Zahl auf der Zunge zergehen lassen: über eine Millionen Hektoliter Kapazität. So viel kann das Friesische Brauhaus zu Jever nämlich pro Jahr produzieren. Dabei ist der Biermarkt rückläufig. „Wir entwickeln uns trotzdem ordentlich. Vor allem das alkoholfreie Jever Fun ist stark im Kommen.“ Stolz zeigt uns Florian das neueste Produkt: das alkoholfreie und naturtrübe Jever Fun Zitrone. Schnell durchlaufen wir noch den Bereich, wo das Bier abgefüllt wird. Ganz schön laut hier! Kein Wunder, denn hier laufen stündlich bis zu 60.000 Flaschen durch, werden gespült, kontrolliert, befüllt, verschlossen und etikettiert. Jedes Jahr kommen rund 30.000 Besucher in die Brauerei, um zu sehen, wo und wie ihr Lieblingsbier hergestellt wird. Für Florian ist klar: „Das zeigt, dass das Interesse an der Marke Jever sehr groß und die Brauerei ein Touristenmagnet ist.“ Also davon sind wir nach dieser Führung restlos überzeugt. Mit seinem verantwortungsvollen Job hat Florian ganz schön viel um die Ohren, unter der Woche fährt er jeden Tag um sieben Uhr in die Brauerei, manchmal auch am Wochenende. Dabei hat Florian ja auch Familie: „Man sollte nicht vergessen, dass man noch eine Frau und zwei Kinder hat.“ Frau Eva, die achtjährige Tochter Mariella und der vierjährige Marian sind ganz reizend, wie wir bei unserem Hausbesuch bei einer Tasse Tee und Kuchen feststellen können. Eine Wangerländer Familie, wie sie im Buche steht. Wo anders zu leben, käme für sie nicht in Frage. Und für den Papa sowieso nicht: „Wo anders zu Leben wäre nicht mein oberstes Ziel, aber in der schulischen Fortbildung habe ich auch einige wichtige Erfahrungen sammeln können. Für mich ist das Wangerland mein Stück Leben, wo ich Tag für Tag meinen Alltag bestreite und mich mit meiner Familie sehr wohl fühle.“

Und wie es sich für einen echten Wangerländer gehört, geht die Verbundenheit mit seiner Heimat über die Arbeit in der Brauerei hinaus: Florian ist ehrenamtlich auch noch bei der Feuerwehr, er nennt das „Berufung“. Er ist stellvertretender Gemeindebrandmeister der Gemeinde Wangerland und seit sechs Jahren Ortsbrandmeister der Feuerwehr Waddewarden. „Ja“, schmunzelt er, „das ist ein großer Teil meiner Freizeit.“ Und als wäre das nicht genug, pflegt der Hüne mit der markanten Brille ein weiteres Hobby: „Ich bin passionierter Jäger und mag es, abends oder morgens auf dem Hochsitz mal runterzufahren, Ruhe zu finden und die Natur zu genießen. Und ja, auch mal ein Stück Rehwild zu erlegen. Aber die Hege und Pflege der Tiere steht im Vordergrund.“ Da funkelt sie wieder einmal durch, diese tiefe Verbundenheit mit der Heimat. Eine Frage hätten wir noch zum Schluss: Was trinkt Florian eigentlich, wenn er im Urlaub ist? „Da trinke ich schon mal ein anderes Bier, ich will ja wissen, wie andere Biere schmecken und was die Kollegen so treiben. Ich schaue gerne über den Tellerrand, aber als Bierbrauer bevorzuge ich natürlich immer ein kühles Blondes als einen lieblichen Weißwein.“ Na dann, Prost! Und danke, dass wir hinter die Kulissen unserer Lieblingsbrauerei blicken durften.


THE K-TEAM KENO VEITH „De Schwatten Ostfrees Jung“ und Youtube-Star.

Dieser Kerl ist eine Wucht; eine Erscheinung, die einen umhaut: ein schwarzes Muskelpaket mit Zahnpasta-­ Grinsen. Meist fährt Keno Veith auf einem hochmotorigen Trecker über die friesischen Felder, denn er arbeitet als landwirtschaftlicher Helfer in einem Lohnbetrieb in Zetel. Seit ein paar Monaten macht er allerdings auch Karriere als Youtube-Star. Ein Video hat den Ostfriesen mit afrikanischer Mutter und ostfriesischem Vater über Nacht berühmt gemacht. Weil er wunderbar Platt schnackt.


Als wir Keno an seinem Arbeitsplatz beim Lohnunternehmen Carsten Meyer treffen, hören wir schon von weitem dieses markante, gackernde Lachen. Das kann nur Keno sein und das ist er auch: ein bulliger Typ mit Irokesenschnitt, der ein bisschen aussieht wie Quinton Jackson aus dem Film „The A-Team“. Aber der 37-Jährige ist natürlich kein ehemaliger Elite-Soldat, sondern ein ganz normaler Arbeiter mit einem großen Faible für Traktoren und Landwirtschaft. Er selbst ist auf dem Hof seiner Großeltern aufgewachsen, Landwirtschaft ist ein wichtiger Teil in sein Leben. „Ich bin mit acht Jahren das erste Mal Trecker gefahren und mit 14 habe ich schon die ganze Heuernte alleine gemacht. Nach seiner Ausbildung zum KFZ-Mechaniker hat sich Keno für ein paar Monate freiwillig bei der Bundeswehr absolviert, aber seiner Landwirtschaft ist er immer treu geblieben. So ging das immer weiter, jetzt mache ich das schon über 20 Jahre.“ Damit wir uns richtig verstehen: Keno ist kein Landwirt, oh nein! „Ich habe keine Ahnung von Tieren und so, aber viele denken das, wenn ich auf dem Trecker sitze.“ Er ist vielmehr Fachkraft für Agrarservice – ein Job, den es seit ein paar Jahren auch als Ausbildungsberuf gibt. Zusammen mit seinen Kollegen fährt er für die Landwirte in Friesland die Gülle aus, erntet Mais und dergleichen: „Wir machen eben die Außenwirtschaft für die Landwirte, denn wir haben die Erfahrung und die Gerätschaften; und die sind so teuer, das lohnt sich für Landwirte nicht, alles selbst anzuschaffen.“

Als er im letzten Jahr also wieder bei der Maisernte war, ist er mit seinem 360 PS Trecker steckengeblieben, weil es so viel geregnet hatte. Aus Langeweile hat Keno ein Video gedreht und sich auf Plattdeutsch darüber aufgeregt, dass sein Schlepper im Klei steckt. Auf Youtube ging der Film durch die Decke. „Der Clip ist nur 59 Sekunden lang, aber er hat mein ganzes Leben verändert“, lacht Keno. Wen wundert’s: Ein schwarzer Ostfriese, der Trecker fährt und auch noch Platt spricht, das kommt im Netz zwangsläufig gut an: „Ich treffe mit dem Platt die Alten und gleichzeitig auch die Jungen, die sonst sagten, Platt ist voll blöd, und jetzt wollen die das auf einmal auch sprechen.“ Kenos Fanpage auf Facebook – „De Schwatten Ostfrees Jung“ – hat inzwischen mehr als 71.000 Likes, das erste Youtube-Video wurde bereits über 153.000 Mal aufgerufen. Jetzt ist Keno also eine Berühmtheit: „Durch das Video hat sich schon einiges verändert; zum Beispiel, dass die Leute Selfies mit einem machen wollen, wenn du einkaufen gehst.“ Und schon lacht er wieder.


Seinen Job als Lohner an den Nagel zu hängen, kommt für Keno mit den vielen, dicken Ketten um den Hals nicht in Frage: „Das ist pure Leidenschaft, mein Job macht mir einfach Spaß und man sieht am Ende des Tages, was man geschafft hat. Viele Leute fragen mich auch, warum ich immer so gut drauf bin. Ich mache einfach das, was ich will, wann ich will, wie ich will und mit wem ich will.“ Keno lebt nach dem Pippi-Langstrumpf-Prinzip und wir fragen uns im Stillen, warum uns das nicht gelingt, zumal es bei Keno ja prima zu funktionieren scheint. Andererseits war natürlich auch im Leben von Keno nicht immer alles rosa. Als er jünger war, war er mit 58 Kilo ziemlich dünn für einen Kerl und wurde immer rumgeschubst. Das wollte er ändern und hat angefangen mit Bodybuilding. Er schwört auf und trainiert bei Manny, der mit seinem Fitnesspark in Jever schon aus dem einen oder anderen schmalen Hemd einen richtigen Kerl gemacht hat. Dort trainiert Keno so oft er kann bis heute, wenn er nicht gerade auf einem Trecker sitzt, und wiegt inzwischen 130 Kilo. Bämm! Wie gesagt, dieser Typ ist eine Wucht, aber er ist auch einer, der polarisiert: Entweder man mag ihn oder man mag ihn nicht. Natürlich war auch Rassismus immer ein Thema in seinem Leben. Er hält dann nicht still, im Gegenteil: „Ich muss mich dann äußern, denn es gibt nichts Schlimmeres, als nichts zu sagen und wegzu­ gucken. Gerade auch mit der Reichweite, die ich jetzt habe, nutze ich das und es wäre für mich ein Unding, wenn ich mich nicht äußern würde.“ Weil der Magen brummt, gehen wir mit Keno jetzt erstmal was essen. Auch hier in einem der schönsten Restaurants in Jever kennt man ihn – essen bei Freunden nennt er das. Er bestellt Schnitzel, oder wie Keno so schön sagt: „Lass ma ein paar Schnitzel verhaften, die Muskeln brauchen ja Nahrung“. Jetzt wollen wir doch mal hören, was es mit dem Platt auf sich hat, das so gar nicht zu seiner äußeren Erscheinung passen will. „Englisch kann jeder, Platt nicht“, erklärt uns Keno. „Und Plattdeutsch ist eine Sprache, die gehört hierher. Wir Ostfriesen haben nun mal unser Plattdeutsch und das darf nicht aussterben. Ich finde Platt voll cool, diese Mischung aus du und Sie, und das ist auch das, was mich mit der Heimat verbindet.“ Auf unseren Wunsch schnackt er ein paar Sätze Platt, aber wir verstehen – leider – nur Bahnhof. Und dann kommt auch schon das Essen, ein Riesenschnitzel. Und was macht Keno? Er lacht, weil die Portion so schön groß ist. Während Keno sein Schnitzel verhaftet, erzählt er uns von seinem neuesten Projekt. „Zebra Project – Dj’s on Fire“ – denn MC Keno ist nicht nur DJ, sondern gründete vor ein paar Wochen mit seinen Freunden Joshua und Hendrik eine Band. Mit „Hyena War“, seinem ersten Soundtrack, „Hard Trap“ vom Feinsten bleibt keine Kuh mehr ruhig auf der Weide stehen. Versprochen!

Später machen wir noch Fotos am Strand von Schillig im Wangerland, wo eine herrlich steife Brise weht. Keno strahlt über das ganze Gesicht. Diese Verbundenheit zur Heimat, die fühlt er in solchen Momenten ganz tief. Weil Keno nicht nur das Land liebt, das er ja in seinem Job hegt und pflegt, sondern auch die Menschen: „Andere brauchen Geld, um glücklich zu sein. Ich nicht, ich brauche Menschen!“ Und er hat diesen Traum: „Mein größter Wunsch ist es, unterwegs zu sein und meine Freunde zu besuchen, ich habe ja überall welche. Das wär’s! Vielleicht mache ich dieses Jahr auch noch eine Tour in den Libanon, mit dem Moped! Bis dahin wird er arbeiten, an besagtem Moped schrauben, von viel PS und schnellen Autos träumen, im Fitness­studio trainieren, fetten Sound machen und natürlich wieder Videos drehen, auf die Kenos Fangemeinde schon sehnsüchtig wartet. Ja, Keno Veith ist großartig: Er vereint selbstbestimmt und authentisch Lebensfreude und Heimatverbundenheit, und das auf wunderbar schräge Weise.

Hol di munter, du schwatten Ostfrees Jung!


DER SOUNDTRACK

Vocals, Guitars / Volker Rechin Keyboards, Samples / Sebastian Demmin

3 Miles to Essex malte den Soundtrack zum Blog-Projekt der Sagenhaften und der Wangerland Touristik „Luv & Lü – Menschen am Meer“. Entlang des 12-monatigen Projekts um die Geschichten von insgesamt 24 Protagonisten zeichnet die Band Audio-Portraits durch die am Ende 24 Tracks entstanden sind.

Rock on! WWW.3MILESTOESSEX.COM


DAS TEAM

Organisation

Organisation

Armin Kanning Wangerland Touristik Geschäftsführer www.wangerland.de

Hilke Janßen-Pahlke Wangerland Touristik www.wangerland.de

Susanne Schimmack Wangerland Touristik www.wangerland.de

Interessante Geschichten zu finden und diese fesselnd zu erzählen ist eine Kunst. Bei Luv & Lü – Menschen am Meer begann alles mit der Suche nach echten Originalen aus dem Wangerland an der Nordsee. Häfen, Binnenland und Traumstrände zu zeigen war uns nicht genug. Wir wollten die Menschen, die hier leben, deren Geschichten, Charakter und Arbeiten zeigen, die bei genauerem Hinsehen spannend und einzigartig sind. Und genau diese Besonderheiten eines jeden Protagonisten haben unsere Kreativen mit eindrucksvoller Text- und Bildsprache herausgestellt. Luv & Lü schaute der Region und dem Wangerland ins Herz. Die eigens komponierte Musik macht das Gesamtbild perfekt. Wir von der Wangerland Touristik sind stolz darauf, dass wir dieses Projekt ins Leben rufen und begleiten zu durften.

Idee, Konzept, Fotografie, Webseite und Social Media

Business Development & Ansprechpartner Medienkooperationen

Autorin

Video

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Sylke Sdunzig Text. Web. Art. Design. www.sylkesdunzig.de

Stefan Sobotta Multimedia-Journalist www.stefan-sobotta.com

Dorian-Vasco Nagel Element K GmbH www.elementk.de

Tom Tautz Tom Tautz Artworks www.tomtautz.de

Ulrich Callies Büro für Gestaltung und Dialog www.callies-kommunikation.de

© Frank Drechsler

Herausgeber


MEDIAPARTNER

Wir danken unseren Medienpartner (Die Zeit, Funke Medien mit den Titeln: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Neue RuhrZeitung/Neue Rhein Zeitung, Westfälische Rundschau, Westfalenpost, Iserlohner Kreisanzeiger und Hamburger Abendblatt) für das Erreichen einer verkauften Auflage von rd. 20 Millionen Zeitungen, mit einer Reichweite von über 60 Millionen Lesern.


SPONSOREN Mit freundlicher UnterstĂźtzung von


1. Auflage Mai/2018 · 500 Exemplare · unverbindliche Preisempfehlung 19,90 Euro


www.wangerland.de


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Bildband luv&lü v8 by Sylt2Go - Issuu