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SÜDHESSEN Samstag, 12. November 2022 · KW 45 · 46. Jahrgang
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REICHSPOGROMNACHT: Mit der Übernahme von Verantwortung eine Wiederholung der Ereignisse verhindern
„Es ist ein Moment des Innehaltens und Erinnerns“ LAMPERTHEIM – In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden deutschlandweit Synagogen in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte und Wohnhäuser zerstört. Auch die jüdische Gemeinde in Lampertheim blieb vor den Attentaten nicht verschont. Im Gedenken an dieses Ereignis luden Bürgermeister Gottfried Störmer, Stadtverordnetenvorsteher Franz Korb sowie der Ortsverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am vergangenen Mittwochabend zur Gedenkstunde am ehemaligen Standort der jüdischen Synagoge ein. „Es ist ein Moment des Innehaltens und Erinnerns, aber auch eine Warnung an uns selbst, dass wir uns weiterhin unserer Verantwortung bewusst sind“, begrüßte Störmer die zahlreich erschienenen Bürgerinnen und Bürger. Er ließ Revue passieren: Ein Attentat eines polnischen Juden auf einen deutschen Diplomaten in Paris hätten die Nationalsozialisten zum Anlass genommen – aufgerufen durch den Propagandaminister Joseph Goebbels – „Aktionen“ gegen die jüdischen Mitbürger vorzunehmen. Diese terroristischen Aktionen seien von Parteimitgliedern der NSDAP und der SA und von den deutschen Behörden durchgeführt worden. Aber auch nicht organisierte Bürgerinnen und Bürger hätten an den Ausschreitungen teilgenommen. Deshalb ist es umso bedeutender“, so Störmer, „dass wir den
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schrecklichen Ereignissen gedenken. Das Erinnern hilft dabei, unserer Verantwortung als Nachfolgegeneration gerecht zu werden und mit allen Mitteln zu verhindern, dass sich solche Ereignisse wiederholen.“ Störmer ließ in seiner Ansprache über den Tellerrand hinausblicken: „Derzeit spüren wir alle eine Zwangssituation, die sich darin äußert, dass uns viele Grundlagen unseres angenehmen Lebens wegbrechen.“ Damit bezog er sich auf den Krieg in Europa und die hier spürbaren Folgen: das Kümmern um Geflüchtete, die gestiegenen Kosten „bis hin zur aktuellen
Debatte in unserer Kommune über die Anhebung von Steuern.“ Ein deutliches Murren in der Gesellschaft und das Schimpfen auf die staatliche Führung sei zu vernehmen. „Doch möchte ich gerne darauf hinweisen,“ so das Stadtoberhaupt, „dass bislang alle Krisen ohne großen Schaden beim Einzelnen gemeistert wurden. Ich bin sicher, dass wir auch durch diese Krisen gehen werden. Wir werden daraus gestärkt herauskommen, wenn es uns gelingt in unserer Gesellschaft geeint zu bleiben und uns nicht spalten zu lassen.“ Im Redebeitrag des Geschichtsorientierungskurses der E1 des
Foto: Nadine Schütz
Lessig-Gymnasiums Lampertheim (LGL) versetzten die Schülerinnen und Schüler die Zuhörerschaft in das Denken der jahrelang von staatlicher Propaganda beeinflussten Bevölkerung. Am Beispiel eines Textes für den Deutschunterricht in Grundschulen verdeutlichten sie, wie sehr sich Antisemitismus in den Köpfen verankerte und noch bis heute seine Auswirkungen zeigt. „Deswegen müssen wir uns erinnern, denn es ist nicht vorbei“, brachten es Natascha Dell und Laura Diehl stellvertretend für ihren Kurs auf den Punkt. Fortsetzung auf Seite 2
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Keine Grundsteuererhöhung und Aussicht auf einen ausgeglichenen Haushalt BÜRSTADT – Ein geschichtsträchtiges Datum ist der 9. November, an dem auch die 13. Stadtverordnetenversammlung stattfand. Zum Gedenken an die Reichspogromnacht vor 84 Jahren, als Nazis die Synagogen anzündeten, jüdischen Mitbürgern Gewalt antaten und ihre Geschäfte zer-
störten, erhoben sich die Stadtverordneten von ihren Plätzen. Nachdem Stadtverordnetenvorsteher Franz Siegl diese Nacht beschrieben hatte, folgte eine Schweigeminute. Auch in Bürstadt habe es eine Synagoge gegeben, die zerstört wurde, darauf wies Siegl ausdrücklich hin. Von der 18
Punkte umfassenden Tagesordnung verblieben durch Verweis auf die Fachausschüsse letztlich 13 Punkte zur Kenntnisnahme und Abstimmung übrig. Bürgermeisterin Barbara Schader berichtete aus dem Magistrat von Entscheidungen und Auftragsvergaben, unter anderem wurde einer Firma für
Als Maßnahme zur Energieeinsparung wird in Bürstadt die Straßenbeleuchtung in der Zeit von 22 bis 6 Uhr um 50 Prozent reduziert. Archivfoto: Hannelore Nowacki
Anlagentechnik der Auftrag für die Heizungsanlage auf dem Bildungsund Sportcampus für rund 1.368.000 Euro erteilt, für Tiefbauarbeiten mit Kosten von 3.450.000 Euro in der Nibelungenstraße wurde eine Heidelberger Firma beauftragt. Als Maßnahme zur Energieeinsparung wird die Straßenbeleuchtung in der Zeit von 22 bis 6 Uhr um 50 Prozent reduziert. Mit der Einbringung des Haushaltsplans 2023 gab Bürgermeisterin Schader einen Ausblick auf die Finanzen im kommenden Jahr, jedoch nicht im Detail wie in früheren Jahren. Ständig hätten die wirtschaftlichen Prognosen gewechselt. Wie Schader berichtete, hatte der vom Hessischen Ministerium des Innern und für Sport am 14. Oktober herausgegebene Finanzplanungserlass die Steueranteile der Kommunen im Vergleich zur Frühjahrssteuerschätzung nach unten korrigiert und somit den Haushaltsausgleich erschwert. Nur zwei Wochen später seien die Ergebnisse der Regionalisierung der Herbststeuerschätzung eingegangen – hier kletterten die Steuererträge mit Höchststände. Fortsetzung auf Seite 5
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STADTVERORDNETENVERSAMMLUNG: Bürgermeisterin Schader bringt Haushaltsplan 2023 ein
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