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Samstag, 29. Juli 2023 · KW 30 · 47. Jahrgang
PROTEST: Stadt Lampertheim fehlt Geld zur Sanierung eigener Wohnhäuser / Information verspätet und dürftig
HOFHEIM – Eine gewachsene Gemeinschaft der Bewohner ist in der kleinen Straße Am Sportplatz über Jahrzehnte entstanden, vielfach wohnten schon die Eltern hier. Die Mieten sind erträglich, niemand will hier wegziehen. Doch dann der Schock – zufällig hörte Albert Schwindt vor etwa drei Wochen auf dem Sportplatz ein Gespräch des Ortsvorstehers Alexander Scholl (CDU) mit. Um den bevorstehenden Verkauf dieser Häuser ging es. Nun setzte Schwindt einiges in Bewegung, hakte beim Ortsvorsteher und der Immobilienverwaltung der Stadt Lampertheim nach, informierte die Nachbarn und trommelte telefonisch zu einem Treffen am Dienstagabend auch Vertreter der vier Parteien CDU, SPD, FDP und Grüne zusammen, die in der Stadtverordnetenversammlung und in den Ausschüssen über Haushaltsfragen und finanzielle Mittel befinden. Einige Lokalpolitiker meinten, sie hätten nur zufällig von diesem Treffen erfahren, da es keine schriftliche Einladung gegeben habe. Sie trafen auf empörte Mieter, die sich um ihre Zukunft sorgen, die aber auch ihren Zorn über das Vorgehen der Stadtverwaltung kundtaten. Das Empfinden einer unwürdigen Behandlung als Bürger und Mieter war zusätzlich verstärkt worden durch die Art des Anschreibens, das ihnen
Sorge und Zorn brachten die Bewohner der Straße Am Sportplatz bei dem Treffen vor Ort deutlich zum Ausdruck. Albert Schwindt zeigte den Lokalpolitikern das Anschreiben der Stadtverwaltung und berichtete von seinen Gesprächserfahrungen. Foto: Hannelore Nowacki
wenige Tage nach dem Gespräch von Schwindt mit dem Ortsvorsteher und Verwaltung mit der Post vom Fachbereich 65 Immobilienverwaltung ins Haus kam. Die Anschrift „An alle Bewohner“ mit der Sammeladresse Am Sportplatz 2-18 ist zu lesen und nach der Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ erfahren die nicht namentlich angesprochenen Mieter „hiermit informieren wir Sie darüber, dass die Stadt Lampertheim plant das oben genannte Objekt zu veräußern“. Um Verständnis wird gebeten, wenn potenzielle Käufer und Makler zur Besichtigung kommen.
Fast dreißig Teilnehmer zählte die Protestversammlung, auch Mieter der weiteren betroffenen Häuser in Hofheim im Eigentum der Stadt, die zum Verkauf angeboten werden sollen, waren gekommen. Dabei geht es um Häuser in der Uhlandstraße, Schulstraße und Lochgasse. Aus der öffentlichen Mitteilungsvorlage 2023/98 vom 27. März, die bei der Protestversammlung kursierte, geht hervor, dass sich der Stadtentwicklungs- und Bauausschuss (SEBA) am 16. Mai und der Ortsbeirat am 21. Juni mit dem Thema Verkauf befasst hatten. Doch nur für die Gebäude
TIERSCHUTZ: Verein ProCat Katzenhilfe Lampertheim setzt sich für Schutz von Katzen ein / Streunende Tiere im Fokus
Am Sportplatz liegt bislang das notwendige Verkehrswertgutachten vor. Einen Verkaufserlös von 2,1 Millionen Euro verspricht sich die Stadt. Zu teuer und nicht finanzierbar über den Haushalt wäre die notwendige Sanierung aller Wohnhäuser mit fast 50 Millionen Euro. Ein Sanierungsstau über Jahrzehnte wird eingestanden. Ortsvorsteher Scholl wie auch die anderen Lokalpolitiker vor Ort waren sich einig, dass die Kommunikation schlecht gelaufen sei. Das soll sich nun ändern, Scholl schlägt einen Runden Tisch mit Politik, Verwaltung und
Bewohnern vor. Zur rechtlichen Lage meinte er, dass ein zukünftiger Eigentümer die Mietverhältnisse übernehmen müsse. Eine Auskunft, die nicht zur Beruhigung beitragen konnte, wie die Wortmeldungen zeigten. Denn wie es weiter geht, bleibt unklar. Und ob sie nach einer Sanierung die Mieten bezahlen können, bezweifeln einige Bewohner. Dabei haben einige viel investiert in ihre kleine gepflegte Straße mit den einstöckigen Wohnhäusern, die sich aneinanderreihen – einige mit liebevoll gestaltetem Vorgarten und ordentlich gepflegter Außenansicht. Albert Schwindt gehört zu den Mietern, die hier schon ihr ganzes langes Leben verbracht haben und ihr Wohnumfeld mit eigenen Mitteln und persönlichem Einsatz lebenswert und stilvoll gestaltet haben. Auf der anderen Seite ist ein Gebäude mit neuen Rollläden ausgestattet, auch das aus eigenen Mitteln und eigener Initiative. Anderen Gebäuden gleich daneben sieht man den jahrzehntelangen Sanierungsstau deutlich an, sie stehen teilweise bereits leer oder Geflüchtete haben hier eine Bleibe gefunden. Auf Unverständnis stößt bei den Anwohnern der lange Leerstand, denn es hätten sich neue Mieter bereitgefunden, die Sanierung selbst zu übernehmen. Hannelore Nowacki
POLITIK: Karsten Krug kandidiert als unabhängiger Bewerber zur Bürgermeisterwahl am 8. Oktober
Glückliches und artgerechtes „Das Beste für GroßRohrheim erreichen“ Katzenleben als Ziel LAMPERTHEIM – Möglichst vielen Katzen zu einem schönen Zuhause und einem glücklichen, artgerechten Katzenleben zu verhelfen – dies ist das Ziel des im März 2023 gegründeten Vereins ProCat Katzenhilfe Lampertheim. Mit viel Engagement und noch mehr Herz setzen sich Martina Kilian und Betül Eitner für Samtpfoten ein, denen es nicht gut geht: „Unser Bestreben ist unter anderem die Aufklärung über den Schutz der Katzen sowie die Vermehrung der verwilderten und herrenlosen Katzen durch Kastration zu reduzieren. Natürlich spielt auch die Unterhaltung von Futterstellen für Streunerkatzen sowie die Organisation von Pflegestellen
für verwaiste oder in Not geratene Katzen eine wichtige Rolle, ebenso wie die Vermittlung von Katzen in ein neues Zuhause.“ Die beiden Katzenliebhaberinnen helfen darüber hinaus auch bei der Betreuung und Haltung von Katzen für Menschen, die hierfür der Unterstützung bedürfen. Grundsätzlich steht auch die Aufklärung, Information und Erfahrungsaustausch in allen Fragen der Katzenhaltung im Mittelpunkt der Vereinsarbeit, damit alle Katzen ein schönes Leben genießen können. Dass dies nicht immer so ist, das ist dem Team von ProCat Katzenhilfe Lampertheim bewusst – und dies nicht nur bei der Sicherung und
Der Schutz von Katzen liegt dem Verein ProCat Katzenhilfe besonders am Herzen. Foto: www.pixabay.com
Identifizierung von verletzten und toten Katzen. „Derzeit haben wir etliche Streunermamas mit Jungkatzen unter unserer Obhut und der Zustrom reißt nicht ab“, wenden sich Martina Kilian und Betül Eitner an die Öffentlichkeit. Denn sie leben praktisch überall: In Hinterhöfen, an Fabrikhallen, auf Schrottplätzen und in Industriegebieten ebenso wie an Supermärkten oder in Schrebergärten – verwilderte Katzen, zurückgelassene, ausgesetzte, nicht gewollte oder bereits wild geborene Katzen. Viele von ihnen verhungern oder sterben an tödlichen Krankheiten – ein Zustand, der kaum zu ertragen ist und der zur Gründung des Vereins geführt hat: „Wir sind eine kleine Gruppe von ganz besonders tierlieben Menschen aus Lampertheim, die sich gefunden haben, weil wir alle ein gemeinsames Anliegen haben: Wir möchten uns für Katzen einsetzen, denen sonst niemand hilft. In den vergangenen Jahren ist uns immer wieder Katzenelend begegnet und wir haben geholfen, so gut wir konnten”, so Martina Kilian und Betül Eitner. Durch Eigeninitiative, private Spenden und der Unterstützung von erfahrenen Tierschützern aus der Region konnte bereits viel erreicht werden. „Unser kleiner Verein soll nun dem gemeinsamen Wirken einen Rahmen geben und die Gemeinschaft sein, in der wir stark und entschlossen für die Katzen in und um Lampertheim aktiv sein werden. Fortsetzung auf Seite 2
GROSS-ROHRHEIM – Am 8. Oktober wird in Groß-Rohrheim ein neuer Bürgermeister gewählt. Der TiP stellt die Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters vor – in dieser Ausgabe Karsten Krug, der als unabhängiger Kandidat antritt. Im Gespräch mit dem TiP stellt sich Karsten Krug den Wählern vor und gibt einen ersten Ausblick auf seine Pläne und Ziele, die er verwirklichen will, wenn ihn die Groß-Rohrheimer zum Bürgermeister gewählt haben. Noch bis zum 31. Juli haben weitere Kandidaten Zeit, ihre Kandidatur anzumelden, dann erst wird man wissen, ob Karsten Krug sich gegen zwei oder mehr Kandidaten behaupten muss. „Die Stimmung in der Groß-Rohrheimer Politik beschäftigt viele Bürger, mehr als einzelne Sachthemen“.
Karsten Krug – unabhängiger Bürgermeisterkandidat für Groß-Rohrheim. Mit dem evangelischen Kindergarten verbinden ihn aus seiner Kindheit schöne Erlebnisse und Freundschaften. Foto: Hannelore Nowacki
Das weiß Karsten Krug, der SPDMitglied ist, aus vielen Gesprächen. Ganz bewusst geht er als unabhängiger Kandidat ins Rennen. Ihm kommt es auf das Ringen um die besten Entscheidungen an, immer offen und respektvoll im Umgang mit den Fraktionen, die er als Bürgermeister rechtzeitig einbinden will. Zur sachlichen Diskussion um die besten Lösungen gelte es zurückzukehren. „Mein Ziel – das Beste für Groß-Rohrheim erreichen, nicht für eine Partei“. Das gehe am besten, wenn der Bürgermeister unabhängig agieren kann, ist Karsten Krug überzeugt. Mehr als 15 Punkte stehen schon auf seiner Themenliste, die er bald auf seiner Homepage und in Veranstaltungen öffentlich machen wird. Schnell anpacken will er als Bürgermeister das Dauerthema Badestelle am Kiesloch mit einem Runden Tisch. „Das muss gelöst werden, das Ergebnis ist wegen der vielen unterschiedlichen Interessen offen“. Dazu kommen noch weitere Themen wie der Ausbau des Feuerwehr-Gerätehauses oder die Weiterentwicklung der Sportstätten einschließlich Winterrasen. Karsten Krug ist stolz auf seine Heimatgemeinde: „In Groß-Rohrheim ist viel los, das verbindet die Menschen, diese Vielfalt der Angebote gilt es zu pflegen und zu stärken“. In GroßRohrheim ist der 46-Jährige seit seiner frühen Kindheit verwurzelt und hat mit seiner Frau Sabrina eine echte Groß-Rohrheimerin geheiratet, Freude bereitet beiden die gemeinsame achtjährige Tochter. Fortsetzung auf Seite 2
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Mieter geschockt über Verkaufspläne
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