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Ausgabe 7 | 2012

kompakt Jeden Monat neue Infos aus der Welt der Ingenieure Thema: Technik im olympischen Einsatz »» O l y m pia 2 0 1 2

Technik im Wettkampf um Rekorde © Populous · Foto oben © LOCOG · Foto ganz oben © Yuri Arcurs, Fotolia

Die Olympischen Spiele in London sind ein Mega-Event im Hinblick auf Zuschauerzahlen, Stadien, Infrastruktur, TV-Spektakel, Technologie und Ingenieur-Höchstleistungen

Funktionären, mehr als 20.000 internationale Journalisten sowie zehn Millionen Zuschauer, die das kunterbunte Sportgeschehen live vor Ort verfolgen und viereinhalb Milliarden Menschen, die weltweit vor den TV-Bildschirmen mitfiebern. Die technische und logistische Planung startete bereits kurz nachdem die Londoner im Juli 2005 den Zuschlag des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für das globale MegaEvent erhalten hatten. Seit sie-

»» R E P O R T A G E Ein Boot mit ausgeklügelter Technik an Bord Die Messboottechnik ist ein von Ingenieuren des Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) ausgeklügeltes System, das die Ruderer aus dem Deutschland-Achter nutzen. »» weiter S. 2 – 4

ben Jahren wird am Aufbau und der Inbetriebnahme von Wettkampfstätten gearbeitet und am reibungslosen Funktionieren von Daten-, Waren- Verkehrs- und Menschenströmen. 11,6 Milliarden Euro schwer sind die Investitionen, die der britische Staat für die Spiele der XXX. Olympiade einkalkuliert hat. Der Ausbau der Straßen und Autobahnen, des Schienennahverkehrs und der Sicherheitstechnik verschlangen einen Teil dieser Summe, aber auch die Errichtung »» weiter S. 2 © Steve Bates.

© Martin Steffen

Das Warmlaufen für die Olympischen Sommerspiele und Paralympics 2012, die ab dem 27. Juli in London stattfinden, hat schon lange begonnen. Nicht nur bei den Athleten, sondern vor allem im Hinblick auf die Technik, die bei dem alle vier Jahre stattfindenden Spektakel zum Einsatz kommt. Schließlich will Großbritanniens Acht-Millionen-Metropole fit sein für fast 15.000 Sportler, einen ebenso großen Tross an Trainern, Betreuern und

»» I N T R O Schneller, höher, weiter Die Sportarten der antiken Olympischen Spiele waren überschaubar. Fünfkampf mit Lauf, Ringkampf, Speer- und Diskuswurf sowie Weitsprung, dann noch unterschiedliche Laufstrecken, Kampfdisziplinen wie Boxund Faustkampf sowie Pferdeund Wagenrennen. Viel Technik benötigte man dabei nicht. Einen Diskus, der nicht durch die Luft eiert, und einen Speer, der gut geradeaus fliegt. Die Weiten ließen sich mit einem Maßband messen, Millimeter-Ergebnisse waren unwichtig, letztlich gab es nur einen Sieger. Gerannt wurde barfuß und auch beim Boxen waren Handschuhe überflüssig. Heute sieht die Wirklichkeit ganz anders aus. 302 Wettbewerbe in 26 Sportarten werden in London ausgetragen. 4.700 Medaillen sind zu vergeben. Olympia ist längst zum Produkt geworden. Internationale Sponsoren sowie hohe Einnahmen durch TV-Übertragungsrechte machen möglich, dass die Spiele in solch gigantischem Ausmaß stattfinden können. Superlative und Rekordverdächtiges finden sich aber nicht nur im Sportgeschehen, sondern besonders bei den Ingenieurleistungen und neuen Technologien, die im direkten Zusammenhang mit dem Sport stehen. //

»» A N W E N D U N G S B E I S P I E L E Superstars Zeitmessung per Sensorsignal, schnellere Tartanbahnen durch Materialmix, Schwimmen mit reduziertem Wasserwiderstand oder Biomedizin gegen Doping – Olympia präsentiert nicht nur die besten Sportler, sondern auch die beste Technik. »» weiter S. 5 + 6


»» Fortsetzung von S. 1: Technik im Wettkampf um Rekorde

des riesigen, 250 Hektar großen Olympiaparks mit integrierten Sportstätten wie Leichtathletikstadion, Aquatics Centre, Bahnradanlagen, Arenen für Basketball, Handball, Wasserball und Feldhockey sowie dem Olympischen Dorf mit Unterkünften für 17.320 Athleten.

Uplinks übertragen. Durch die Welt flimmern die Bilder dann im HD-Format 1080/50i – die Eröffnungsfeier, das 100-MeterFinale der Männer sowie Ausschnitte der Abschlussfeier werden sogar in 3D ausgestrahlt.

© gknec, Fotolia

© LOCOG

Auch ohne entsprechende ITInfrastruktur und Übertragungsraten von bis zu 60 Gigabyte wäre Zusammengenommen fast ein Event wie Olympia 2012 nicht 800 Medaillenentscheidungen denkbar. Für alle Aufgaben in diebei Olympia und den Paralympics sem Bereich ist der IT-Dienstleissind nicht nur sportliche, sonter Atos verantwortlich und hat dern auch technische Herausdazu im Vorfeld 42 Techniktests forderungen. Dagegen verblasst an Originalschauplätzen veranselbst eine Fußballweltmeisterstaltet, insgesamt mehr als 4.200 schaft. Experten halten den Kilometer Telefon-, Netzwerktechnisch-organisatorischen und andere Kabel verlegt und Aufwand bei den diesjährigen ein Rechenzentrum an einem Olympischen Sommerspielen für geheim gehaltenen Standort im ungefähr zehn Mal so groß wie Osten Londons errichtet. 3.500 bei der letzten Fußball-WM in MitarbeiteSüdafrika. rinnen und Schließlich Mitarbeiter gibt es in beschäftigt London das Untermehr als nehmen 100 verwährend schiedene der Spiele, WettkampfEin Blick aus der Luft auf das Olympische Dorf, 900 orte und in dem über 17.000 Athleten und Betreuer wohnen werden Server sind Sportaufgestellt und 11.500 Desktopstätten. Jene liegen teilRechner sowie 1.100 Noteweise hunderte Kilometer books werden installiert. voneinander entfernt – von Mountainbikerennen auf dem Gelände der Hadleigh Absolut unverzichtbar bei Farm in Essex über Ruder- und Olympia ist allerdings die Kanuwettkämpfe auf dem exakte Messung von Zeiten Dorney Lake bei Windsor bis und Weiten. Kein Rennen läuft hin zu Segelwettbewerben, ohne Lichtschranken, Elektrodie an der Südküste Engkontakte an der Startpistole lands ausgetragen werden. sowie Fotozellen und Zielkameras, die die Zeitnahme völlig automatisch vornehmen und Eine der wichtigsten DiszipliEntfernungen exakt berechnen. nen bei Olympischen Spielen ist Schon seit den Olympischen die Kommunikationstechnik für Spielen in Stockholm im Jahr Audio- und Videoübertragungen. 1964 ist die elektrische Variante Ein Wettkampf der Fernsehsender Zeitmessung plus Zielfoto der sozusagen. TV-Zuschauer in im Einsatz. Noch Jahre später aller Welt möchten schließlich war ihr Erfinder Dr. Siegfried jeden Schweißtropfen und jede Winter damit aber noch unzuFreudenträne live und in Farbe frieden und meinte kritisch: „Ein sehen. Für diese spektakulären guter BH kann den Olympiasieg Bilderfluten ist das „International bringen.“ Das war der Stand Broadcast Centre“ (IBC) auf dem der Zeitmessung vor fast 50 Olympia-Gelände verantwortlich. Jahren. Heute können OlympiaDort schlägt das multimediale Athleten die hochauflösenHerz der Spiele. Hier laufen alle den Scanner, Sensoren und Fäden der Berichterstattung zuInfrarotstrahlen nur durch eins sammen, die über 1.000 Kameras beeinflussen – durch körpereinfangen und zahlreiche Überliche Höchstleistungen. // tragungswagen und Satelliten-

© Detlev Seyb

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Hier sind Kraft, Technik und Ausdauer gefragt: Der Deutschland-Achter in voller Fahrt beim Weltcupsieg dieses Jahres im serbischen Belgrad; mit an Bord drei Ingenieurstudenten

»» R E P O R T A G E

Ein Boot mit ausgeklügelter Technik an Bord Der Deutschland-Achter, eine der großen Medaillenhoffnungen bei Olympia, wird im Training schon mal als Messboot gefahren – eine Entwicklung der Ingenieure und Wissenschaftler vom Institut FES Kraftvoll-dynamisch gleitet das Ruderboot auf dem Dortmund-Ems-Kanal, nicht von einem Motor angetrieben, sondern allein von menschlicher Kraft. Genauer gesagt von acht durchtrainierten Athleten, die absolut synchron mit dem Ruderblatt ins Wasser eintauchen, es durchziehen, den sogenannten Riemen in der Luft wieder nach hinten führen, sich dabei auf einem Rollsitz bewegen – und damit sich und das Boot auf Hochtouren bringen. Der Deutschland-Achter, Flaggschiff des deutschen Sports, das bei den Ende Juli beginnenden Olympischen Spielen in London zu den größten Medaillenhoffnungen Deutschlands zählt.

Ein Boot, das voller Technik steckt – und das hin und wieder mit noch mehr Technik aufgerüstet wird. So etwa im Training, wenn es mal wieder heißt: „Diese Woche fahren wir Messboot.“ Bei dieser sogenannten Messboottechnik kommt es darauf an, die Kraftübertragung jedes einzelnen Sportlers und der Mannschaft insgesamt festzustellen und Rückschlüsse zu gewinnen, wie man das homogene Miteinander im Boot möglichst optimal umsetzt. Dazu wird dann das Wettkampfboot umgerüstet und mit einer Menge von Kabeln, Seilzugsensoren, Dehnungsmessstreifen und Steuereinheiten ausgestattet, in denen die gewonnenen Daten zusammenlaufen.


© ADAC

Klasse wurde, ist seit fast drei Jahrzehnten bei der FES. Nach dem Abitur mit Berufsausbildung wurde er zunächst Betonfacharbeiter, studierte dann Informatik und kam als Nachwuchsingenieur zu der Forschungsstätte. Hier wurde er zunächst Projektleiter für den Radsport, seit 1994 ist er Leiter des geschätzten Instituts, in dem eine Vielzahl an hochqualifizierten Mitarbeitern tätig ist, darunter Maschinenbauingenieure, Konstrukteure, Physiker, Mathematiker, Luftund Raumfahrtingenieure, Modellbauer, Mess- und Entwicklungsingenieure. Die FESWissenschaftler ziehen für ihre Überlegungen stets neue Technologien und Werkstoffe heran, tüfteln an modernen Mess- und Rechenverfahren und überprüfen die Umsetzung in die Praxis – stets im engen Austausch mit Athleten und Trainern.

Verkabelt und mit einer Menge Technik ausgestattet: die Innenansicht eines Ruderbootes

kraft mit den Beinen – und fünf Bewegungen gemessen: der Weg des Riemens im Wasser, der Weg des Rollsitzes, die Beschleunigung, die Geschwindigkeit und die seitliche Neigung des Bootes. Die gewonnenen Daten werden mit Hilfe einer Software

senschaftlern, die das Messsystem einbauen und sich bestens damit auskennen. „Wir werten den Wirkungsgrad eines jeden Ruderschlags aus und können damit beurteilen, ob die Kräfte, die von der Muskulatur des Sportlers ausgehen,

optimal auf das Boot und in Geschwindigkeit umgesetzt werden“, sagt Dr. Stefan Weigelt, Trainingswissenschaftler am Olympiastützpunkt Westfalen.

Konstruiert wurde die Messboottechnik von dem in Berlin ansässigen Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES). Leiter und Chefkonstrukteur des An den Dollen, wo die Riemen eingelegt werden, befindet sich ein Messpunkt, an dem mit Seilzugsensoren und HightechDehnungsmessstreifen Kräfte und Bewegungen gemessen werden labors, das im 1.000-Meter-Zeitfahren). Ihre Anfang der 60er Jahre als EntHauptaufgabe besteht darin, wicklungsabteilung für Sportgerätetechnische Entwicklungen geräte in der ehemaligen DDR und Verbesserungen unter strikin Leipzig gegründet wurde, ist ter Einhaltung der von den interHarald Schaale. Im Hinblick auf nationalen Verbänden ausgegedas im Rudersport angewenbenen Regeln vorzunehmen und dete Messsystem, stellt er fest: zwar für viele olympische Sport„Wir sind absoluter Marktführer arten: Radsport, Kanu, Segeln, in Sachen Messtechnik.“ Der Bob, Rodeln, Skeleton, Eisschnellehemalige Weltklasse-Segler, lauf, Triathlon, Schwimmen, den der unter anderem 1977 VizeSkisport und eben Rudern. Europameister in der 470er© Deutschland-Achter

analysiert und anschaulich in Kurvendiagrammen dargestellt. Durch Funkübertragung haben die Trainer im begleitenden Motorboot sogar die Möglichkeit, die Bewegungsmuster auf dem Laptopmonitor anzuschauen und direkt korrigierende Anweisungen vorzunehmen. Begleitet werden die Trainer in der Regel von Trainingswis-

© Deutschland-Achter

Wie komplex die Bewegung eines Ruderschlags ist, wird anhand der Messboottechnik deutlich. Daten werden an sieben Messpunkten pro Ruderplatz erhoben. Insgesamt kommt man also auf 56 Messorte, wobei pro Sekunde 50 Datensätze entstehen. Hierbei werden zwei Kräfte – einmal die Zugkraft mit den Armen, zum anderen die Stoß-

Nicht wenige Angestellte dieses in der Welt einmaligen Forschungslabors kommen aus dem Sport; einige sogar aus dem Hochleistungsbereich wie die Olympiasieger Wolfgang Gunkel (Rudern) und Thomas Flach (Segeln) oder der Radfahrer Sören Lausberg (Vizeweltmeister

© Martin Steffen

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»» O L YM P I A - B L O G

Unsere Ingenieure am Ruder THINK ING. begleitet Richard, Lukas und Andreas auf dem Weg nach London 2012

und er mit Richard, Lukas Der Deutschland-Acht en Spielen in isch mp Oly den bei Andreas startet ): minen (deutscher Zeit London an die sen Ter 11:10 Uhr: Vorlauf ab , Juli 28. g, sta – Sam , 13:30 Uhr: Finale – Mit twoch, 1. August (live im ZDF)

© Martin Steffen

Ein Jahr lang begleitet THINK ING. die drei Ingenieur-Studenten und Ruder-Weltmeister aus dem Deutschland-Achter Richard Schmidt, Lukas Müller und Andreas Kuffner in einem Olympia-Blog auf ihrem Weg zu den Olympischen Spielen nach London. Was sie an welcher Hochschule studieren, wie das Trio die Doppelbelastung aus Studium und Hochleistungssport meistert und wie es nach Olympia weitergeht, haben wir hier kurz zusammengefasst. Mehr unter s.think-ing.de/ingenieure-am-ruder Richard Schmidt 25 Jahre | Größe: 1,91 m | Gewicht: 96 kg Studium: Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Dortmund Größte sportliche Erfolge: 3 Mal Weltmeister mit dem Deutschland-Achter (2009, 2010, 2011) Richard ist in Trier (Rheinland-Pfalz) aufgewachsen und nach dem Abitur 2007 nach Dortmund gezogen, wo sich das Ruderleistungszentrum rund um den Deutschland-Achter befindet. Nach einem Jahr bei der Bundeswehr studiert er mittlerweile im achten Semester an der TU Dortmund und steht kurz vor dem Bachelorabschluss seines Wirtschaftsingenieurstudiums. „Wir müssen viel trainieren – bis zu 25 Stunden in der Woche. Dadurch dauert das Studium länger. Wichtig ist mir die Unterstützung durch die Kommilitonen, die einem helfen, wenn ich wegen des Sports mal verhindert bin.“ Sein Blick geht aber schon weiter: „Das Studium macht mir sehr viel Spaß, darum will ich es gerne mit einem Masterstudiengang fortsetzen und zwischendurch vielleicht noch ins Ausland, um dort weitere Erfahrungen zu sammeln.“ © Martin Steffen

Lukas Müller 25 Jahre | Größe: 2,08 m | Gewicht: 102 kg Studium: Maschinenbau an der FH Dortmund Größte sportliche Erfolge: 2 Mal Weltmeister mit dem Deutschland-Achter (2010, 2011)

© Martin Steffen

Unser Ingenieur-Trio nach dem Sieg in Luzern 2012: Andreas Kuffner (v. l.), Richard Schmidt und Lukas Müller

Lukas hat nach der 12. Klasse am Technischen Gymnasium in Wetzlar (Hessen) ein einjähriges Praktikum bei einer Bootswerft absolviert und über diesen Weg das Fachabitur erlangt. Da lag es nahe, sich für ein praxisorientiertes Maschinenbaustudium an der FH Dortmund zu entscheiden. Seitdem er im März dieses Jahres noch zwei wichtige Klausuren in Elektrotechnik und Mathematik II geschrieben und bestanden hat, gilt seine volle Konzentration der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele: „Mathe habe ich damit für meinen Bachelor abgehakt – jetzt kann London kommen.“ Andreas Kuffner 25 Jahre | Größe: 1,96 m | Gewicht: 92 kg Studium: Wirtschaftsingenieurwesen an der Beuth-Hochschule für Technik in Berlin Größter sportlicher Erfolg: Weltmeister mit dem Deutschland-Achter (2011)

Andreas stammt aus Bayern, steht nach anfänglichen zwei Semestern an der FH Deggendorf kurz vor der Beendigung seines Bachelorstudiums an der Beuth-Hochschule für Technik in Berlin, für die er sich bewusst entschieden hat: „Sie ist aufgrund ihrer Kooperation mit den Olympiastützpunkten prämiert als Hochschule für den Spitzensport und die Hochschule mit den meisten ingenieurwissenschaftlichen Fächern in ganz Berlin.“ Nur die Bachelorarbeit fehlt ihm noch, dann will er noch ein Masterstudium draufsatteln. Seit über einem Jahr pendelt er zwischen Berlin und Dortmund, wo er sich gemeinsam mit seiner Mannschaft auf seinen bisherigen sportlichen Höhepunkt vorbereitet. a Früher im Achter – Heute bedeutende Ingenieure

© Hintergrund: Martin Steffen

Dr. Armin Eichholz Studium: Maschinenbau in Bochum, Vertiefungrichtung: Energie- und Verfahrenstechnik Beruf: Maschinenbauingenieur, Leiter Sparte Braunkohlekraftwerke bei der RWE Power AG Größte sportliche Erfolge: Olympiasieger 1988 mit dem Deutschland-Achter, Weltmeister im Vierer mit Steuermann (1991), Olympisches Bronze im DeutschlandAchter 1992 Prof. Dr. Roland Baar Studium: Maschinenbau in Hannover Beruf: Ordentlicher Professor an der TU Berlin, Fachgebiet Verbrennungskraftmaschinen Größte sportliche Erfolge: Fünfmal Weltmeister mit dem Deutschland-Achter (1989, 1990, 1991, 1993, 1995), Silber bei Olympia 1996 und Bronze bei Olympia 1992 mit dem Deutschland-Achter

Martin Steffes-Mies Studium: Wirtschaftsingenieurwesen in Mainz Beruf: Geschäftsführer Gaul-Gruppe (Baustoffunternehmen) Größte sportliche Erfolge: Viermal Weltmeister mit dem DeutschlandAchter (1989, 1990, 1991, 1993) Thorsten Streppelhoff Studium: Maschinenbau in Bochum, Zusatzstudium in Cambridge Beruf: Ingenieur für Verfahrenstechnik, Geschäftsführer des deutschen Schreibwarenherstellers „edding“. Größte sportliche Erfolge: Zweimal Weltmeister mit dem Deutschland-Achter (1991, 1993), Silber bei Olympia 1996 und Bronze bei Olympia 1992 mit dem Deutschland-Achter


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Links für Studierende

Sport und Technik, Bachelor und Master an der Otto-vonGuericke-Universität Magdeburg: s.think-ing.de/sporttechnik-magdeburg Sports Technology, Master an der Deutschen Sporthochschule Köln: s.think-ing.de/sportstechnology-koeln Sports Engineering, Bachelor und Master an der Technischen Universität Chemnitz: s.think-ing.de/sports engineering-chemnitz Biomechanik-Motorik-Bewegungsanalyse, Master an der Justus-Liebig-Universität Gießen: s.think-ing.de/biomechanikgiessen Weitere Studiengänge in der IngenieurStudiengangSuche von THINK ING. unter: www.search-ing.de

Schneller rennen, schnittiger schwimmen und sauber bleiben © ODA

Messtechnik, Elektronik, Materialwissenschaft oder Strömungslehre – ingenieurwissenschaftliches Know-how steht bei olympischen Wettkämpfen immer mit auf dem Podium

Das Aquatics Centre ist eine von Stararchitektin Zaha Hadid entworfene Wassersportarena, die nach den Spielen von Vereinen und Schulen öffentlich genutzt wird

Leichtathletik zu finden. Die Startblöcke bei Sprints sind mit empfindlichen Sensoren ausgestattet. Sie registrieren den Druck, den die Athleten beim Loslaufen mit ihren Füßen übertragen. Melden die Detektoren Druck auf dem Startblock, bevor der Startschuss gefallen ist, signalisiert das System automatisch einen Fehlstart. Auch dann, wenn eine zu geringe Zeitdifferenz zwischen dem Schuss und dem Loslaufen besteht, die keine menschenmögliche Reaktion auf das Startsignal gewesen sein kann.

Das Grundmaterial für die begehrten olympischen Medaillen, die es in London zu erringen gibt, stammt aus der BinghamCanyon-Mine im US-Bundesstaat Utah. Hier wird nahezu das gesamte Medaillen-Metall für die 805 Siegerehrungen gewonnen. Aber es ist nicht Automatische Messsysteme alles Gold was glänzt. Basis für sind in jedem Wettkampf der die Produktion der Medaillen ist Kupfer. Aus materialtechnischer Sicht ist also auch die höchste olympische Auszeichnung nur 100-Meter-Läufer sind auf dem olympischen „Sportflex SuperX eine „VergoldPerformance“-Belag vielleicht noch schneller unterwegs medaille“. Das

Internationale Olympische Komitee (IOC) schreibt genau sechs Gramm Vergoldung als Mindestmaß für die sportliche Edelmetall-Plakette vor. © LOCOG

Traditionsreicher OlympiaZeitnehmer ist seit 1932 der schweizer Uhrenhersteller Omega. Die Marke stoppt und misst bereits zum 25. Mal die olympischen Ergebnisse und Rekorde. Der Aufwand ist riesig. 400 Tonnen Messequipment wurden Richtung London transportiert, 450 Fachleute und Zeitmessungsexperten sind permanent vor Ort, riesige Anzeigetafeln prangen in den Stadien und hunderte Kilometer Glasfaserkabel wurden verlegt, damit die neuesten Zeitmessund Datenerfassungssysteme für die spezifischen Anforderungen der einzelnen Sportarten tadellos funktionieren. Ganz zu schweigen von der ständigen Überprüfung aller eingesetzten Stoppuhren, Fotofinish-Kameras, Display Boards, Sender, Empfänger und Touchpads …

© LOCOG

Sport ist ein riesiger Markt, der nach Innovationen schreit. So vielfältig wie die Sportarten von heute sind auch die Sportgeräte, das Material und die Textilien, die zur Ausübung der schweißtreibenden Aktivitäten notwendig sind. Hinzu kommen digitale Zeitmessung, elektronische Leistungsdiagnostik, computergestützte Trainingsgeräte oder supermoderne Sport- und Wettkampfstätten. Angehende Ingenieurinnen und Ingenieure können sich diesen spannenden Job-Bereichen an den Hochschulen auf viele verschiedene Arten nähern. Mit Studiengängen des Sportingenieurwesens, die das Forschungsfeld Sport und Technik miteinander vereinen, im Bereich der Elektrotechnik oder Informatik, die alle technischen Grundlagen für die eingesetzten Technologien liefern, oder per Maschinenbau-, Produktingenieur- oder Bauingenieurstudiengängen, die das naturwissenschaftlich-technische Basiswissen liefern, das man benötigt, um innovative Sportgeräte oder riesige Sportarenen zu konstruieren. Schweißtreibend sind jedenfalls alle zuvor genannten Karrierewege. Aber, keine Sorge, durch ingenieurwissenschaftliches Arbeiten im Sektor Sport kommt man schnell in Hochform.

»» A N W E N D U N G S B E I S P I E L E

Kern aus Kupfer und ein Überzug aus Edelmetall – auf der Vorderseite der olympischen Medaillen ist „Nike“, die griechische Göttin des Sports, abgebildet

Nicht nur neue Materialien wie die viel diskutierten und mittlerweile verbotenen Schwimmanzüge mit Haifischhaut-Nano-Oberfläche sind ausschlaggebend für neue Bestleistungen im Becken, sondern auch das Wasser selbst. Deshalb hat man das Hauptschwimmbecken im Aquatics Centre so gestaltet, dass Wasserverwirbelungen nicht von den Beckenrändern reflektieren und den Schwimmer in seiner Vorwärtsbewegung bremsen. Dazu wurden an den Rändern des Beckens Transferkanäle eingebaut, die knapp unter der Wasseroberfläche liegen. Dadurch kann überströ-


In den Wettkampfarenen der Leichtathletik stehen am Rand des Rasens sogenannte Tacheometer. Diese Geräte nutzen bekannte Werte wie Winkel und Länge, um beispielsweise die Das von Stahlseilen getragene und aus einem großen offenen Innenring bestehende PVCWeite eines geworfenen Speers Membrandach des Olympiastadions wird errichtet. Gerüste und Supportplattformen halfen dabei, die Seilstruktur in sechs Wochen mit 56 hydraulischen Pressen aufzubauen. oder Diskus zu berechnen. Was die Athleten ausgelöst wird, fehlt ist der zuvor unbekannte besonderer Boden bereitet, findet auf dem neuen „Sportmit einer entsprechenden Aufschlagpunkt. Jener wird der dazu beitragen soll, dass flex SuperX Performance“-Belag Rückkoppelung reagiert. von den Wettkampfrichtern mit Usain Bolts Weltrekord von des italienischen Herstellers Mondo statt. Fair geht vor. Doch so Der Hightechmancher Athlet versucht, sich Boden hat eine durch die Einnahme verbotener überragende Substanzen einen WettbeTraktion und werbsvorteil zu verschaffen. besteht aus Um diese schwarzen Schafe zu synthetischem entlarven, werden ausgefeilte Kautschuk, in Dopingtests und entspreden mineralichende Geräte entwickelt. Im sche ZusatzGegensatz zu den verganstoffe eingeargenen Sommerspielen wird beitet sind. Er diesmal kein biochemisches Inverformt sich stitut oder Anti-Doping-Labor bei maximaler allein für die Durchführung der EnergieaufnahKontrollen verantwortlich sein, me und gibt sondern erstmals in der Gedie Energie schichte tritt mit GlaxoSmithwieder zurück. Kline (GSK) ein Pharma-Riese Verantwortlich als Anti-Doping-Sponsor auf. dafür ist eine Die Riverbank Arena im Osten von London. Hier werden die olympischen Feldhockey-Wettbewerbe ausgetragen. 20 Millionen Pfund lässt sich in Laufrichtung der britische Konzern dieses ausgerichtete Wabenstrukeinem Prisma markiert und das 9,58 Sekunden aus dem Jahr Engagement kosten. Untergetur, die auf die biomechaTacheometer sendet einen da2009 vielleicht geknackt wird. bracht ist das hochmoderne nische Belastung, die durch rauf ausgerichteten Infrarotstrahl Der Kampf um die Hundertstel Analysezentrum in einer 30 aus, der reflekKilometer vom Olympia-Park tiert wird. Auf entfernten Glaxo-Niederlasdiese Art lassen sung, wo zusammen mit der sich Weiten bis „World Anti-Doping Agency“ zu einer Entfer(WADA) und dem „Drug Connung von 100 trol Centre“ des IOC bis zu 400 Metern auf fünf Proben pro Tag auf insgesamt Millimeter ge240 verbotene Stoffe unternau bestimmen. sucht werden können. // Die Helden Impressum im wohl wer© ODA

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mendes Wasser ungehemmt abfließen. Zudem wird das kühle Nass auf exakt 26 Grad Celsius vorgewärmt. Denn nur H2O dieser Temperatur besitzt die ideale Wasserdichte für noch schnelleres Schwimmen.

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bewirksamsten olympischen Wettkampf sind die 100-MeterSprinter. Jenen wurde in der Londoner Leichtathletikarena ein ganz

Herausgeber: GESAMTMETALL Gesamtverband der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie e. V. Voßstraße 16 · 10117 Berlin Objektleitung: Wolfgang Gollub (verantw.) Druck: color-offset-wälter GmbH & Co. KG, Dortmund Redaktion und Gestaltung: concedra gmbh, Bochum Ein Blick auf die Schwimmbecken im Aquatics Centre


Technik im olympischen Einsatz - THINK ING. kompakt - Ausgabe 7/2012