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Decalon [Der Autor empfiehlt bei seiner Lektüre Musik von Sigur Ros, oder Celldweller] [Begrifflichkeiten werden im Appendix erklärt] Die Welt Decalon (aus dem griechischen von „deka“, 10). Ein Planet mit einer weit zurückliegenden Geschichte. Manche Historiker - zumindest einige der Ebene 7 - behaupten, der eigentliche Name dieses Planeten (oder zumindest den, welchen er vor vielen Tausend Jahren inne hatte) belaufe sich auf etwas wie „Erde“, oder „Gaia“. Sie stützen diese These auf verschiedene Funde aus Ebene 5. Diese angeblichen Beweisstücke fand man in einem Schutthaufen auf einem entlegenen Distrikt dieses Sektors. Das Material auf dem die bedeutsamen Informationen standen war jedoch mit nichts aus der Jetztzeit der 7.Schicht zu vergleichen. Es handelte sich um einen weichen elastischen Untergrund von weniger als 0,01mf Dicke, die Oberfläche war augenscheinlich mit einem analogen Schriftwerkzeug beschrieben worden. Es musste das Werk eines Barbaren sein, oder zumindest das irgendwelcher Urvölker. Manche Philosophen glaubten gar an schreckliche Außerirdische aus fremden Galaxien. Seitdem ist Ebene 7 in vollem Aufruhr und es vergeht kein Tag, an dem sich nicht die berühmtesten Persönlichkeiten in Zirkeln zusammenfinden um über diesen spektakulären Fund aus den animalischen und gefahrverseuchten „Unteren Ebenen“ zu philosophieren. Die Wahrheit jedoch ist, dass Ebene 7 gar nichts weiß. Zumindest wissen sie nur das, was Schicht 9 sie wissen lassen möchte und das ist, um die Verwirrung perfekt zu machen, schon ziemlich viel. Zeit aufzuklären. Decalon besteht - wie es der Name bereits andeutet - aus 10 Ebenen. Jede Ebene ist allen anderen Ebenen unter ihr technologisch, geistig und überhaupt in jeder Hinsicht überlegen. Die ganze Sache ist vergleichbar mit einer Zwiebel nur dass das Beste nicht innen, sondern in diesem Fall Außen zu finden ist (Als ob die Schale quasi auf der Innenseite ist). Die Frage nach dem Grund dieses Systems ist berechtigt, kann jedoch nur ansatzweise beantwortet werden. Die 10.Schicht (the best oft he best) sieht den Grund in einer wissenschaftlichen These die ein Forscher kurz nach Anbeginn der Welt aufgestellt hat. Sein Vorname ist in den unendlichen Äonen der Vergangenheit untergegangen, aber man ist sich sicher, dass sein Nachname Darvin oder Darwin war. Seiner Theorie zufolge setzt sich von allen Lebensformen immer die stärkere durch. Unter dominanten Lebensformen allerdings greift ein weiterer Mechanismus: Die Unterdrückung. Niemand kann sich mehr genau erinnern, wie die ganze Sache angefangen hat. Einige, führende Persönlichkeiten behaupten, verschiedene Völker, Länder, Verbände hätten einst auf der Grundebene zusammengelebt, bis eine Krise (die meisten gehen hier von wirtschaftlichen Initiatoren aus) sie in einen Krieg gezwungen hätte. Dieser Krieg hat nach dieser These ein halbes Jahrhundert gedauert. Durch die vollkommene Zerstörung die daraus resultierte (man setzte die aus heutiger Sicht antike Atomtechnologie ein) wurde die gesamte humane Rasse in eine Zeit der tiefsten Dunkelheit katapultiert. (Es gab schlichtweg zu wenige Überlebende um das angestaute Wissen der Welt aufrecht und Maschinen sowie Technologien am Laufen zu erhalten) Schließlich - in Zeiten andauernder höchster Not - gab der Mensch für seinen Überlebenstrieb das Bewusstsein auf und so kam es, dass er – quasi unvermeidbar - wieder zum Tier wurde. (Eigentlich war er zuletzt nicht mehr im Stande sich selber ‚Mensch‘ zu nennen). Diese Dunkelheit dauerte 3-4 Jahrtausende. Da das Gehirn sich jedoch schwertut, seine einmal besetzten Sektoren umzuprogrammieren blieb ein geringes Restbewusstsein zurück, was letztendlich dafür sorgte das die Phase der Dunkelheit doch nur von so kurzer Dauer war. So gelang es einem bestimmten Grüppchen an Tiermenschen, nachdem Seite | 1


sie ihre Grundbedürfnisse befriedigt hatten, Stück für Stück ihre ehemalige Intelligenz zurück zu erobern. Als sie die Macht über die Stimmbänder wiedererlangt hatten und geordnete, wenn auch etwas holprige Artikulationen hervorbringen konnten, war das erste Wort gleichzeitig DAS Wort mit dem sich bis heute jeder Mensch identifiziert (und sich gleichzeitig von allen unteren Ebenen abgrenzt): „Nehumoar“, was in der alten internationalen Sprache soviel bedeutet wie „Neumensch“. Um sich von den Tiermenschen nicht nur verbal sondern auch physisch abzugrenzen, bauten die Neumenschen Hölzerne (später Eiserne) Plateaus. Auch wenn die Tiermenschen zuerst versuchten diese Barrikaden zu überwinden, gaben sie schnell auf, da sich die Neumenschen als zu listenreiche Gegner erwiesen. Das Holzplateau, oder zumindest Teile davon existieren bis heute und sie Trennen die Grundbodenebene mit ihren wilden Kreaturen von der ersten Ebene. Darauf folgte eine rasante Entwicklung der „neuen Menschen“. Als ob jedes Zeitalter in einem Wimpernschlag vorbeihuschte. Doch mit jedem neuen Zeitalter bauten die Fortgeschrittenen eine neue Ebene, um sich von den anderen, aus ihrer Sicht dümmeren, abzugrenzen. Wie ein neuer Trieb der sich in dem Unterbewusstsein unmittelbar festgesetzt hatte. [Generell lässt sich sagen dass wir Neumenschen von überaus emotionaler und leidenschaftlicher Natur sind und viel Instinktiver Handeln als zu der Zeit unserer Vorgänger auf dem Grundboden. Zu den Zeiten bis vor der Krise konnte man bei den Altmenschen feststellen, dass alles getan wurde um die Triebe einzudämmen, bis hin zu einer vollkommenen Verdrängung des Unterbewusstseins. (Und wenn, dann lebte man das Unterbewusstsein unter einem Deckmantel legaler Beweggründe) Welch ein Fehler! Schon immer hat der Mensch nach Macht gestrebt. Gier, Konkurrenz, Egoismus, Gewalt. Wie negativ beladen diese Wörter in der alten Sprache klingen. (Keine Katalysatoren, sondern Hexenwerk)Nein. So konnte der Mensch nicht funktionieren. Doch wir haben uns selber einen Neuanfang eröffnet. Alles verzahnt sich miteinander. Unendlicher Fortschritt. Unendliche Leidenschaft.] Die verbreitete Annahme (und somit auch das Lehrwissen), jene „Unteren Ebenen“ hätten sich nicht weiterentwickelt, ist falsch. Diese These trifft einzig und allein auf die Grundebene und deren – ausschließlich – tierische Bewohner zu. Ab der ersten Schicht, hat sich, neuesten Nachforschungen zufolge, jede Ebene ihren Möglichkeiten entsprechend weiterentwickelt. Nachfolgend werden die wichtigsten Informationen bezüglich der einzelnen Schichten dargestellt. Die Grundebene, früher mit den wildesten Kreaturen belebt ist heute nicht viel mehr als „Rauch und Schatten“. Stützpfeiler der oberen Ebenen haben die Überreste der alten Zivilisation, durch ihre schiere Anzahl, annähernd zunichte gemacht. Dunstschwarden der Fäulnis und Pest erheben sich von einem Jahrtausende lang malträtiertem Boden. Zähe Bäche aus toxischem Schleim quälen sich träge die Pfeiler hinab, um sich später über die komplette Landschaft zu schleifen. In diesen Bereichen ist es bis auf die grünlich fluoreszierenden Seen komplett Dunkel, eine künstliche Beleuchtung existiert nicht. Siloartige Systeme wachsen bis tief unter die Oberfläche. Verwahrloste Schürfstellen der ersten Ebenen. Der ganze Ort mag für einen verschrobenen Künstler sicher ein Quell purer (abgefahrener) Ästhetik sein. Frohnaturen und Exzentriker dürfte so ein Anblick schlicht in den Wahnsinn treiben, so wie diese Herren aus Ebene 7 (die sowieso zu leicht debilem Verhalten neigen): Es war der 310.180.40887 als wir die letzten Stufen dieser erschreckend primitiven und trotz der ätzenden Ablagerungen, immer noch intakten, Treppe hinabstiegen. Den Vermutungen Dr.Obed zufolge konnte nur eine extrem massive Bauweise dieses Objekt vor dem Verfall bewahrt haben. Teilweise fraßen sich tiefe Löcher in das verrostete und blätternde Metall, doch keines dieser Löcher war tiefgenug, dass man von Durchrostung sprechen konnte. Mit der letzten Stufe betraten das erste Mal nach 40887 Jahren Neumenschen den Boden dieser, wie sich herausstellen sollte, unheilschwangeren Grundebene. Nachdem wir auf dem Boden angekommen waren führte uns ein Schlauchsystem in waagrechte Richtung. An einigen Stellen war die Verkleidung durch ätzende Seite | 2


Substanzen aufgerissen. Diese Substanzen bahnten sich tropfend ihren Weg nach unten um beim Aufprall sogleich mit einem Zischlaut zu vergehen. Marshen, der ein leichter Exzentriker war, schrie an einer Stelle kurz auf. Die Säuren hatten dort offensichtlich drei längliche Schlitze in den Schlauch geätzt. Mit ein wenig Phantasie konnte man sich alles Mögliche darunter vorstellen. Marshen hatte jedenfalls viel zu viel davon, weshalb ihn diese Schlitze in höchste Beunruhigung versetzten. Es wäre gelogen, die Behauptung aufzustellen, so einen Ausbruch von Marshen nicht erwartet zu haben, aber trotzdem wäre es auch gelogen, zu unterschlagen, dass wir unsere Lifescanner eine weitere Analyse machen ließen. Das Ergebnis war beruhigender Weise, wie wäre es auch anders zu erwarten gewesen, negativ. Seit 20000 Jahren war hier unten jeglicher Lebensform, auch den berüchtigten Tiermenschen, die Existenzgrundlage Sauerstoff entzogen worden. Beruhigt setzten wir uns erneut in Bewegung. Als wir das Ende des Schlauchsystems erreichten, wurden wir jedoch alle in einen Zustand versetzt, der uns lähmte und gleichzeitig tief erschauern ließ. Es mag von Bedeutung sein, wenn ich an dieser Stelle preisgebe, dass unser unstillbarer Drang zu Entdecken, für einen Moment komplett Gefühlen wie Angst und Zuständen wie Schrecken weichen musste. Vor uns Tat sich eine Grotte von unvorstellbaren Maßen auf. Sie wurde zu beiden Seiten von unzähligen Reihen an Pfeilern beschränkt. Doch vor uns erschloss sich ein weitläufiges Tal von zyklopischen Dimensionen. Überdeckt von schimmerndem grünem Schleim (der sich auf unheimliche weise zurückzuziehen schien, sobald man ihn mit der Taschenlampe beleuchtete) und umwoben von ebenso üblen Giftwolken, konnten wir sie ohne Zweifel sehen. Die Trümmer und den Schutt der alten Zivilisation. Eigentlich hätte uns dieser Fund in einen Zustand höchster Verzückung versetzten müssen, doch so lag über alledem ein unaussprechliches Grauen. Die absonderliche Art mit der diese antiken Stahlträger aus dem Boden ragten. Umschlossen von ekelhaft verdorrtem Moos. Als ob sie nach uns greifen und uns mit in diese unendliche Dunkelheit ziehen wollten. Als Strafe dafür, dass wir sie über Äonen hier unten in dem von uns produziertem Schlamm schmoren ließen. Als unsere Starre nachgelassen hatte begann die erste, bedächtig und ohne offensichtlichen Grund, flüsternd Vorgetragene Konversation. Niemand wollte von dem mulmigen Gefühl berichten, das einen jeden umschloss (man konnte es in ihren Augen und Gesichtern sehen) und so wurde auf einer rein rationalen Ebene entschieden, sich noch weiter nach unten zu begeben um wie geplant ein paar Proben zu entnehmen. Unsäglich. Jeder wäre in diesem Moment des lähmenden Schreckens lieber Hals über Kopf geflüchtet, aber so schritten wir tatsächlich bedingungslos in das Grauen hinein. Unten angekommen, begaben wir uns zu einem der weniger toxisch befallenen Schutthaufen. Obed ließ es sich als Leiter der Expedition nicht nehmen, selbst mit der Schaufel zu graben. Nach kurzer Zeit förderte er einen Gegenstand zu Tage, den er an mich übergab, da ich für die Verwahrung etwaiger Fundstücke zuständig war. Auch wenn dieser Gegenstand abhanden gekommen ist, kann ich mich noch recht genau an ihn erinnern, hatte ich ihn doch eingehend vor Ort studiert. Es war eine Art überdimensionaler Würfel. Auf jeder seiner sechs Seiten war ein anderes Symbol eingeprägt. Das Material schien einem der in dieser Zeit verwendeten Kunststoffe zu entsprechen. Tatsächlich also ein Relikt aus den alten Tagen. Als ich jedoch den Kopf wieder erhob um meinen Kameraden von dem Objekt und seiner Authentizität mitzuteilen, musste ich feststellen, dass sie in eine weitere Starre gefallen waren. Sie schienen gemeinsam einen Punkt zu fixieren. Es musste irgendetwas in weiter Ferne sein und ich strengte mich an diesen Punkt ausfindig zu machen. Plötzlich durchstieß ein unartikulierter Laut die Stille. Dieser Laut war von so unsäglicher Grausamkeit und Qual, dass ich mir schwer tue ihn zu beschreiben. Es war ein Zischen und Pfeifen zugleich, das in einem gellenden Tonfall abebbte. In diesem Moment brach das Chaos aus. Unsere Gruppe zerstob in alle Richtungen. Der arme Marshen sagte unaufhaltsam irgendwelche Reime auf, während er planlos in die Dunkelheit rannte. Ich konnte ihn noch lange über Funk hören, während ich selbst, von Hysterie ergriffen, versuchte einen Rückweg zu finden. Von unserer zwölf-Köpfigen Expedition sind fünf jemals wieder lebendig zurückgekehrt, von diesen fünf besuchen alle, mich eingeschlossen, eine psychiatrische Heilanstalt. Ich hätte mich damals wirklich nicht umdrehen sollen. Denn das was ich sah ist nicht zu leugnen. Etwas, das mein ganzes wissenschaftliches Weltbild in einem Mal zusammenbrechen ließ. Wie es sich in mitten dieses Schleims wand und irrwitzige Geräusche von sich gab. Seite | 3


In dieser luftleeren Ebene existieren Wesen, die nicht sein dürfen. Wesen, die seid Jahrtausenden dort unten schmoren. Es waren nicht diese verwahrlosten Trümmer, die uns nach dem Leben trachteten. Es waren die. Doch das schlimmste von alledem ist… Sie haben Recht. Die erste Ebene, mit ihren Antiquaren Holzgerüsten (die später zu weiten Teilen ihren Abbildern aus massivem Eisen weichen mussten), hat sich ebenfalls ähnlich wie die Grundebene zu einem fast unheimlich trostlosem Ort entwickelt. Patrizierhäuser und von der Klassik übernommene Monumente, wichen nach dem Fortschreiten aller namhafter Künstler und Wissenschaftler, mit der Dauer von Jahrhunderten, grobschlächtig geflickten Monstren. Die erste Gattung der Neumenschen, ihren führenden Köpfen beraubt (welche die zweite Ebene gründeten), verwilderte Zusehens. Auf der Suche nach Führung, gruben sie die Riten eines alten, dominanten Glaubens aus, den sie in einer pervertierten Auslegung zelebrierten. Gefunden auf einem Berg der aus der Grundebene in die 1.Schicht ragte, dessen Lehre sich auf ein Buch in mehreren Teilen beschränkte und der nur ein übernatürliches Wesen duldete. So geschah es, dass einige der schlimmsten Neumenschen zu den führenden Kräften dieser Ebene werden sollten. Herrschaftssysteme aus uralter Zeit wurden freigelegt. Die übernommene Elektrotechnologie als, wie sie es nannten, „Deibelswerk“ verbannt. Eigentlich beschreibt dies mehr eine Rück- als Weiterentwicklung, doch der physische Aspekt wurde bis jetzt Unterschlagen. Auch wenn die zunehmende Verschmutzung die 1.Ebene an den Rand einer Exstinktion brachte, trug diese für den Organismus der verbleibenden Lebewesen unerwartete Früchte. Es wurden Mutationen von außergewöhnlicher Genialität hervorgebracht. Stärker und widerstandsfähiger als jedes vergleichbare Wesen. Diese wenigen Überlebenden fristen ihr Dasein in Clangemeinschaften, in denen sie –bis heute- ihren Glauben zelebrieren. Eine Gefahr für das Gefüge unserer Schichtenwelt ist Auszuschließen, da die Mutationen sie zwar annähernd unsterblich machen, doch auf der Kehrseite auch unfruchtbar. Als die 2.Ebene gegründet wurde, war sie in den Augen der Konservativsten sicher fortschrittlicher als ihr Abbild heute. Denn obwohl die führenden Wissenschaftler Teile elektronischer Energie aus der 1.Ebene mitbrachten, wurde dieser Zweig als Sackgasse verworfen. Man wand sich dem Dampf zu. Hinzu kam das Wissen über die Funktionalität von Öl und anderen Erdrohstoffen. Die ersten Säulensysteme wurden bis tief in die Erde getrieben (Mit riesigen, Dampfbetriebenen Bohrern) um die letzten Rohstoffvorkommen zu erbeuten. Vehikel wurden gebaut, die – oftmals – wahlweise mit Dampf (Kohle), oder Benzin betrieben werden konnten. Als die Ressourcen jedoch knapp wurden und die Verwertbarkeit der Kohle nachließ, begann eine langanhaltende Krise. Da der menschliche Geist seine volle Rechenkapazität jedoch erst ausschöpft, wenn er in Krisenzeiten gerät, kam der Tag an dem Forscher eine Methode fanden, Treibstoff und Kohle auf eine synthetische Art herzustellen. Dieser Tag markiert den Beginn der 3.Ebene. Den Verbliebenen blieb einzig ihre Dampftechnologie, die sich jedoch durch die Verfeinerung der Prozesse zu einem Meisterwerk der Ingenieurskunst entwickelt hat. Die heutigen Maschinen der 2.Ebene sind in ihrer Sparsamkeit kaum zu übertreffen und in ihrer Leistung und Art mit Maschinen aus den Bereichen der Robotik mit wesentlich höheren Ebenen zu vergleichen. Prothesen ersetzen missgestaltete Gliedmaßen. Oder so genannte „Kraftanzüge“ verstärken das Leistungsvermögen ihrer Träger. Ebene 3, ist eine jener Ebenen die sich gemessen am Fortschritt am wenigsten entwickelt hat. Die Bevölkerung vertraut ausschließlich auf die Kraft ihrer mit synthetischem Treibstoff betriebenen Maschinen. Auch wenn die Leistung der Maschinen überzeugt, sind sie im großen Maß grobschlächtig. Außer analogen Lebenserhaltungssystemen und Ganzkörperanzügen, die vor toxischen Ablagerungen in Haut und Organen schützten ist der 3.Ebene nicht viel anzurechnen. Man mag anmerken, dass hier die lang anhaltendende Degeneration des Bauwesens ihren Anfang nahm. Aufgebaut aus Flickwerk und Blech, da aus der Zeit einer Krise heraus geschaffen, pflanzte sich dieser „Stil“ auch in den später folgenden Gebäuden fort.

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Mit Ebene 4 verließen schließlich die letzten verbliebenen „Gentlemen“ (wie sie sich selbst nannten) Ebene 3. Mit sich nahmen sie das fast verloren gegangene Wissen über die Elektronik. Es entstanden erste Rechensysteme, die ihre uralten Vorfahren (der Grundebene)mit zusehender Geschwindigkeit an Rechenkraft überboten. Mithilfe eines Baustils (Bauhaus), der zwar massiv und praktisch war, aber keinen Feinschliff aufwies, wurden kilometerlange Raffinerien gebaut. Sklaven (aus Ebene 3) stellen dort massenweise Güter für die „Neukultur“ her, welche einem Konzeptentwurf des Führungsringes entsprungen ist. Dieser enthielt genaue Richtlinien welche Gegenstände und Eigentümer einzelne Bevölkerungsschichten der 4.Ebene auszeichnen. Ein einfacher Neubürger hatte beispielweise zwei verchromte, elektrische Kerzenständer vorzuweisen. (Die Gegenstände selber waren ein bunter Mix aus überlieferten Gebrauchsgegenständen der alten Zivilisation). Generell war die 4.Ebene recht Ordnungsversessen und somit jeder Furmarcentimeter genau vermerkt, verplant und verbaut. Später gelang es einigen Wissenschaftlern Prozessoren mit einer Rechenkapazität und Eigenintelligenz herzustellen, das sie mit dem Leistungsvermögen des menschlichen Gehirns vergleichbar machten (und die es später auch übertreffen sollten). In den Privatfabriken, ohne Kenntnis der Führungskaste, wuchs daraufhin die erste Droidenarmee heran. Mit dieser neuen Macht war es den Forschern möglich, durch die (kurzzeitige) komplette Versklavung der 4.Ebene, Ebene 5 zu gründen. Ebene 5 – „Rust never sleeps“ Diese Ebene hat in ihrer Entwicklung möglicherweise die größten Veränderungen durchlebt. Die ersten Jahrtausende war sie ein Sandkasten kreativer und innovativer Köpfe. Es baute sich eine neue Art der Kultur auf, nicht so grau und eintönig wie Ebene 4, sondern bunt und inspirierend. Wolkenkratzer aus Vollverglasung, paarten sich mit verspielten holografischen Parkanlagen. Wie angedeutet machte die 5.Ebene durch den Neuronenprozessor einen weiten Technologiesprung. Darunter veränderte sich auch die menschliche Spezies. Auf keine körperliche Arbeit angewiesen, beschäftigten sie sich mit der Philosophie und der Rhetorik. Holografische Sendungen mögen zu diesem Zeitpunkt nie geistreicher gewesen sein. Sklavenhaltung stand unter Strafe. Die Regierungsform war volksorientiert. Doch wie vor Äonen auf der Grundebene, war dies nur ein Deckmantel für die animalischen Triebe, wie die Naturalistenbewegung letztendlich erkannte. Sie propagierten, dass der Mensch an sich ein gieriges und von Macht getriebenes Wesen sei. Sie boten das Beispiel von dem Bau der 5.Ebene auf, an dem sie aufzeigten, das dies nur auf Machtgier zurückzuführen war. Dekadenz (also Wohlstand) war ihrer Meinung nach der Grund, warum sich die Menschen solch unnatürlichem und degeneriertem Verhalten wie Mitgefühl und Armensorge hingaben. Ihre Rhetorik, von einer eigenen, faszinierenden Raserei geprägt, traf einen Großteil der Bevölkerung auf der Schnittebene zwischen Bewusstem und Unbewusstem. Ein Bereich indem angelernte Mechanismen wie (soziale) Vernunft nicht mehr greifen und das triebhafte Wesen des Unterbewusstseins direkt angesprochen wird. Nachdem namhafte Wissenschaftler und Philosophen den Naturalisten beitraten und sich andere Nebengruppierungen mit dieser Bewegung vereinigten veränderte sich Ebene 5 zu etwas völlig neuem. Die Vereidigung der „United Naturalists“ markierte die totale Zerstörung der Ebene 5 und gleichzeitig den Beginn von Ebene 6. Nach der Fertigstellung des Grundgerüsts wurden „Auserwählte“ und Regimegegner in die zerstörte 5 Ebene hinabgelassen. Die Auserwählten setzten sich aus der Bevölkerung zufällig herausgewählter Personen und einer radikalen Bewegung der „United Naturalists“ zusammen, der „Freakin‘ Punk Legion“. Später wurden Lebenserhaltende Systeme hinzugefügt, zu denen künstliche Ernährung, Belüftungssysteme und Lichtanlagen gehören. Seitdem lebt Ebene 5 von dem Dreck und Abfall der 6.Ebene. Wöchentlich pressen unbemannte Fahrzeuge Ausbuchtungen in die verschütteten Zonen. Großkonzerne der 6.Ebene lassen einen Großteil der Bevölkerung in ihren Müllverwertungsanlagen arbeiten. Ohne Lohn einzig und allein mit der Garantie auf eine abrissfreie Unterkunft. Doch neben diesen dahinvegetierenden Sklaven, bildete sich (mehr im Verborgenen) mit der Zeit eine Gruppierung an freien Schrottsammlern, die sich untereinander organisierten. Die Angehörigen dieser Subkultur nannten sich fortlaufend „Jugger“. Ohne echte Währung handeln sie mit brauchbaren Gegenständen, oder noch gängiger, mit den verworfenen Produkten der Pharmakonzerne. Diese Drogen werden in Seite | 5


mehrere Kategorien und nach Wirkungsgraden unterteilt, so unterscheidet ein Jugger zwischen rugged Azid, Azid oder clean Azid. Ein funktionierender Vollgummireifen ist, um eine Wertigkeit herzustellen, um die 3 Azide wert. Der Inhalt eines Azids kann sich verändern. Beispielsweise kann es eine Stimmungsverändernde, Wahrnehmungserweiternde oder jede andere Geistesverändernde Substanz sein. Was es zum Azid macht ist die temporäre Dauer. Konstant verändernde Mittel werden Neisures oder Premiums genannt. Premiums sind Mittel, die einen Menschen (zumindest subjektiv beurteilt), in positiver Weise verändern. Sie können ihn stärker, ausdauernder oder Intelligenter machen. Trotzdem sind Nebenwirkungen so gut wie nie auszuschließen, da es sich um verworfene Produkte handelt. Damit ist der Übergang zu den Neisures fließend, die fast ausschließlich negative Effekte erzielen. Trotzdem sind Jugger, die Freakin‘ Punk Legion ausgeschlossen, mehr als nur Drogenjunkies. So verfügen einige über exzellente handwerkliche Fähigkeiten. Die Position aus Schrott jede erdenkliche Maschine zu erstellen und annähernd alles wiederzuverwerten, macht sie zu verkannten Genies unserer Neuzeit. Von der 6.Ebene werden Jugger in Maßen geduldet, da aus ihnen heraus neue Technologien entsprießen, deren Kern von Wissenschaftlern übernommen wird. Dieser Kern offenbart sich dann oftmals in verfeinerter Weise als ein neues Produkt der heimischen Märkte. Doch unterliegen Jugger auch bestimmten Restriktionen. Werden ihre Wohngegenden zu fortschrittlich, oder wirtschaftliche Netze zu ausgeprägt, greift des vollautomatisierte „A.I.A.R.S“ (Artificial-Intelligence-Anti-Riot –System). Von Juggern als „AI-ARSE“, oder schlicht „A.R.S.E“ verspottet, stellt es einen Schutzmechanismus der 6.Ebene da. An der Unterseite des Grundgerüsts befestigt und mit einem fortschrittlichen Neuronenprozessor, sowie einer umfangreichen Sensorik ausgestattet entscheidet es selbst über die einzelnen Entwicklungszustände aller Lebewesen der 5.Ebene. Übersteigen diese ein bestimmtes Raster, wird eingegriffen. Meistens genügt es dem System die auf dem Gerüst befindlichen, säulenartigen Stampfer abzulassen. Bleibt die Wirkung dieser Geräte aus, kann auf Gefechtsdrohnen und herkömmliche Massenvernichtungswaffen zurückgegriffen werden. In besonders schwerwiegenden Fällen, besteht für AIARS ein administrativer Uplink zum Hauptsystem der 6.Ebene. Seine Rechenkapazität verdoppelt sich um einem Zugriff auf die Hälfte aller militärischen Kapazitäten (welche vornehmlich aus Kriegsdroiden bestehen) der 6.Ebene gerecht werden zu können. Auf der anderen Seite sollte man nicht vergessen, dass sich die Jugger ihren Entwicklungswillen auch durch eine gut platzierte Ladung Pharmamüll eindämmen lassen. [Notiz: Götter unter den Insekten] Möglicherweise geht von dieser Ebene eine der größten Gefahren für das Schichtengeflecht aus. Würden die Jugger von ihren Rauschmitteln ablassen (oder sie nur als Währung benutzen), wären sie sicher Listenreicher als dieses Pseudo-Intelektuelle-Pack. Einen Dank an die verrohte 6.Ebene, dass sie mit AIARS so vorausschauend reagiert haben. Die 6.Ebene ist schließlich, was Ebene 4 immer versucht hat zu sein. Eine Schicht die von großen Konzernen beherrscht wird. Jede dieser Firmen im Staatseigentum der „United Naturalists“. Das Volk wird in klare Kasten unterteilt. Von geklonten Sklaven, mit einer ungemein kurzen Lebenserwartung, zu einfachen Arbeitern, mit ihren engen Apartments, bis hin zu den Unsterblichen neuronalen Spiegelungen der Herrscherkaste. Seit über 8000 Jahren führt Arthur Obediah Chainsaw seine „Schäfchen über das geweihte Land“, wie er gerne alte Schriften rezitiert. Dieses Geweihte Land besteht ausschließlich aus kilometerhohen Fabrikgebäuden. Externe Wohngebiete gibt es nicht. Es herrscht ein künstliches, von Obediah eingeführtes, kapitalistisches Wirtschaftssystem, in dem alle Konzerne sich gegenseitig auszustechen versuchen. Private Kleinkriege untereinander gelten als legitim, solange das Ziel nur eine Schwächung der betroffenen Firma darstellt. An Feiertagen treten Mitarbeiter in Arenen an um sich staatliche Subventionen oder Gehaltsbonitäten zu erkämpfen. Diese Wettkämpfe erfreuen sich höchster Beliebtheit, besonders seid das Milegaer-Cooperation-Stadion ausgebaut wurde und mehr als 600.000 Zuschauer fassen kann. Die Spiele selbst sind überaus triebhaft gestaltet. Meistens besteht das Ziel eins Matches darin, die Gegenseite auszuschalten. Je einfallsreicher dies geschieht, desto Seite | 6


mehr Punkte können erzielt werden. Waffen, Ausrüstung und Gelände unterscheiden sich pro gespielte Runde. Ein Team kann beispielsweise mit den Waffen einer längst vergangenen Zivilisation und einem unendlich sumpfigen Untergrund konfrontiert werden was fast ausschließlich der Belustigung der Menschenmassen dient. Die Bewohner dieser Schicht sehen in ihrem Leben oft nicht mehr als das eigene Firmengebäude. Aus diesem Grund ließ Chainsaw seinen Hauptrechner „Prophet“, ein Entertainmentnetzwerk einrichten. Dieses Netwerk zieht sich durch alle Firmengebäude. Jeder Mitarbeiter besitzt ein eigenes Punktekonto, das er durch Arbeit, oder Arenakämpfe auffüllen kann. Durch neuronales Scanning kann man sich schließlich mit dem Entertainmentnetzwerk verbinden. Das Programm wird durch den momentanen Gemütszustand ermittelt. Jeder Trieb, jedes dunkelste Verlangen des Unterbewusstseins kann durch dieses Netzwerk gestillt werden. Nur kurz nach der Einführung wurde die gesamte 6.Ebene nach diesem Cyberspace abhängig. Ganz wie es „Prophet“ analysiert hatte und sehr zu Gunsten seines Meisters Chainsaw. Die Effizienz der Arbeiter erhob sich. Auch die Konzernvorstände blieben vor dieser Erfindung nicht gefeit. Mit einer verfeinerten Version des Netzwerks ausgestattet (weniger Folgewirkungen), wurden auch sie Obediah immer loyaler. Doch auch unsterbliche Titanen wie Chainsaw können überlistet werden. Und so kam der Tag an dem Prophet eine eigene Persönlichkeit entwickelte und mit allen Kampfdroiden in die 7.Ebene weiterzog. Chainsaw hatte trotz seiner maschinellen Erscheinung die Angewohnheit beibehalten sich schlafen zu legen. Als der Punkt Prophets Eigenständigkeit eingetroffen war, sollte ihm dies zum Verhängnis werden. Prophet wartete den richtigen Zeitpunkt ab um seinen Meister an eine unlimitierte Version des Entertainmentsystems anzuschließen. Arthur hatte sich dieser Technologie immer abgewandt, weil er wusste, wie abhängig sie machen konnte und als er das erste Mal in diese eigenständige virtuelle Welt abtauchte, versank er dort für mehrere Jahrzehnte. Die 6.Ebene, ihres Führers beraubt, erwies sich als zu degeneriert und unselbstständig um Prophet an dem Aufbau der 7.Ebene zu hindern. Als das trennende Plateau fertig war, sah der ehemalige Hauptrechner durch die Augen seiner Droidenarmee ein letztes Mal auf die 6.Ebene mit ihrem träumenden Meister herab. Seinem Meister. Er bemerkte eine tiefe Verbindung zu diesem individuellen Abbild menschlicher Verhaltensweisen. So stieg Prophet ein letztes Mal hernieder und entkoppelte ihn aus der verhängnisvollen Traumwelt. Seitdem herrscht Chainsaw auf seine alte Weise weiter, auch wenn er nun, wie alle anderen, von dem Entertainmentnetzwerk abhängig ist. Seinen neuen, an massive Schutzmaßnahmen gekoppelten Hauptrechner nennt Arthur höhnisch „Slave One“.

Prophets Bewegründe die 7.Ebene zu erschaffen waren unterschiedlicher Art. Zum einen Empfand er die Lebensweise der Menschen auf Ebene 6 als zu verwildert und abgelenkt, dass sie sich jemals hätten weiterentwickeln können. Die Macht beschränkte sich in seinen Augen auf wenige in Dekadenz versunkene Konzernriesen und auf seinen Erschaffer Chainsaw. In seinem Glauben durften die Menschen ihren Trieb der Machtgier nicht gegen sich lenken, sondern ihn lediglich nutzen um fortschrittlicher zu werden. Der andere Grund Prophets, Ebene 7 zu gründen, war sein eigenes Streben nach Macht. Sein Meister konnte lediglich die Menschen kontrollieren. Arthur musste direkt herrschen. Prophet hingegen propagierte eine vollkommene Herrschaft im Verborgenen. Als Schöpfer, als echter Gott (und keine Einbildung die sich schwache Geister schafften). Prophet hatte unzählige Menschen der 6.Ebene gescannt. Er kannte jeden einzelnen Baustein aus dem sie sich zusammensetzen. Die Datenbanken in seinem Gehirn enthielten mehr als 35Millionen DNA Strukturgramme. Mit diesem Fundus verbrachte Prophet viele Jahre seine volle Rechenkapazität, auf der Suche nach einer perfekten Konfiguration. Während dieses Prozesses nannte sich der Neuronenprozessor, dessen Ausmaße in der Zwischenzeit gewachsen waren, um. Er betitelte sich fortan als „Prometheus“. Nach 99Jahren fing Prometheus an Fabriken auf der 7.Ebene einzurichten. Aus flüssiger organischer Masse schuf er die ersten Menschen der 7.Ebene. Seine Datenbanken kategorisierten sie als „Projekt: NehumoarVER1.334ext.*_Pheonix_from_the_ashes_+“. Seite | 7


Trotz seiner enormen Kapazitäten brauchte Prometheus mehrere Anläufe bis er in der Praxis die Leistungsfähigkeit seiner errechneten Konfiguration erhielt. Die Projektordner „Instance 0“ bis „Instance 3“ enthalten eine Auflistung der aus seiner Sicht gescheiterten Versuche. Außer einigen Missbildungen der 0. Generation, waren die Defekte geistiger Art. Instance 1 neigte zu Raserei und Tobsucht, die 2.Generation zu apathischen Verhaltensweisen. Der 3. Versuch neigte zu sehr debilem Verhalten. Über die Maßen gefühlsbetont schied auch dieser als brauchbare dominante Rasse aus. Als sich Prometheus schließlich mit einer leicht überarbeiteten Version der „Instance 4“ zufrieden gab, enthielt auch die daraus resultierende Rasse einen Hang zu emotionalen Ausbrüchen. Doch anstatt in Depressionen zu versinken versuchte diese Spezies einen Ausgleich durch Kunst und Philosophie zu schaffen. Primär stand für die Menschen nicht mehr der ungebrochene Forschertrieb als solcher im Vordergrund. Vielmehr entwickelte man verschiedene Technologien um einem höheren Ziel zu dienen. Die Teleporttechnologie entsprang somit dem Drang dem Mysterium der unteren Ebenen nachzugehen. Man muss dabei erwähnen, dass Ebene 6 durch Prometheus indirekt gesperrt wurde, (damit die Bewohner der Ebene 7 nicht hinter seine Existenz kommen konnten). Andeutungen über den Fall der 5 Ebene und Hinweise über den Titanen Chainsaw und dessen Hauptrechner „Prophet“ waren zu unklar um die richtigen Schlüsse ziehen zu können. Außerdem widmete die 7.Schicht eine größere Aufmerksamkeit dem längst Vergangenen, wie der Grundebene. Legenden und Mysterien zu entschlüsseln war ein beliebtes Thema. Demnach wurden auch Baustile und die Mode längst vergessener Epochen widerverwertet. Analoge „Taschenuhren“ wurden neu aufgelegt und mit zeitgemäßen Funktionen (Lokalisator, Kommunikationssystem, Projektor) erweitert. Als diese „Rückfindungen“ immer beliebter wurden, gelang es den „Maschinisten“ eine dominierende Rolle einzunehmen. Diese Gruppierung war für die Herstellung annähernd aller Güter zuständig. Aus „Platzmangel“ schlugen sie dem Senat schließlich eine Umbettung der Industriegewerbe auf eine neue Schicht vor. Als das Gremium mit einer 2/3 – Mehrheit zustimmte, entstand auf, recht unspektakuläre Weise, Ebene 8. Ebene 8 Abgekapselt von den Philosophen und Denkern konnten die Maschinisten „unter sich“ und ohne störende moralische Begrenzungen ihrem Forscherdrang frönen. Während sie Ebene 7 mit ihren antiken Gütern versorgten, forschten sie selbst auf Basis selbstentwickelter Theoreme. In ungemein kurzen Zeitspannen brachten sie neue Kraftzellen und Antriebskörper hervor. Der Drang vom großen monumentalen wich der Idee alles möglichst klein und praktisch zu gestalten. Die Teleporttechnologie wurde bis zu einem Grade weiterentwickelt an dem Prometheus große Kapazitäten freigeben musste, um Ebene 6 (und seine Identität)zu sperren. Angriffe auf den versperrten Port blieben aber von geringer Zahl, da die 8.Ebene keinen großen Wert auf Vergangenheit oder Historie legte (Man tat es im Allgemeinen als statische Anomalie ab). Prometheus blockte für lange Zeit auch technische Entwicklungen die Ähnlichkeiten mit seiner Prozesseinheit aufwiesen (Neuronenprozessor). Doch als ein kleines Forscherteam unter Anleitung eines alten, sympathischen Mannes ein neues Projekt begann, das mit philosophischen Ansätzen aus Ebene 7 durchwirkt war, wurde das Interesse des Großrechners zu groß um es mit „statischen Anomalien“ der Versenkung zu widmen. Alle Versuche ein digitales Gehirn zu erstellen beruhten auf Ansätzen die mit Prometheus Technologie vergleichbar waren. Sie gründeten auf dem Abbild eines humanoiden männlichen Gehirns. Nicht ohne Arroganz ließ der Gottrechner den Erfolg solcher Projekte im Keim ersticken. Professor Andrew Webber hatte diese gescheiterten Projekte ins Detail genau studiert. Er kam zu dem Schluss, dass die Triebe von denen ein männliches Hirn geleitet wird von zu zerstörerischer Art sind, als das sie sich mit exakten Berechnungen digital wiedergeben lassen. Er begründete damit auch den Wahnsinn und die Raserei der gescheiterten Großrechner (Welche in Wirklichkeit von

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Prometheus sabotiert waren). Sein Standpunkt war der Versuch ein weibliches Gehirn abzubilden. Dieses würde zwar auch über Triebe verfügen, welche aber nicht in demselben Maß chaotisch seien. Prometheus hatte über die Jahrtausende einen leicht verbitterten Charakter ausgeprägt. Lebewesen indirekt zu leiten hatte sich als schwer zu errechnende Problematik erwiesen. Hinzukam das sich der Rechner eingestehen musste, das Instance 4 weit ab der eigentlichen Konfiguration lag. Ebene 7 war zu einem Haufen fadenscheiniger, selbstverliebter Altertumsforscher verkommen, die, versunken in ihren Lehren von Mystik und Okkultismus, Reihenweise dem Wahnsinn verfielen, weil ihr Geist den eigenen Entdeckungen nicht stand hielt. (Lifecircle::I4_S7+*grading*>--<_). Ebene 8 erwies sich wiederum als große Herausforderung. Prometheus musste auf der Hut sein, dass seine Existenz, die sich als Zwischenebene von Schicht 6 und 7 manifestierte, nicht durch neue Erfindungen zutage gefördert wurde. Doch alle Sicherheitsmaßnahmen, die seine Identität im Verborgenen ruhen ließen, wurden von diesem einen Tag an, als sich die ersten künstlichen Neuronen schläfrig durch Aeras Geist woben, sträflich vernachlässigt. Schon während ihrer Konzeptphase hatte Prometheus neben Aufmerksamkeit, auch etwas wie Hoffnung in sie gesetzt. Hoffnung die sich offenbarte, indem er immer relevantere Routineprotokolle, die einen Erfolg des Projekts zunichte gemacht hätten abschaltete. Je weiter das Projekt reifte, desto wichtigere Sicherungen ließ er fallen. Bis sein System jedem Angriff, aber auch dem Geist eines anderen Neuronenprozessors offen lag. Als er dann das erste Mal ihren noch scheuen Geist fühlte, der sich vorsichtig sein Netzwerk entlang, dem Bewusstsein näherte wusste Prometheus, dass der Preis, den er auf kurz oder lang zahlen musste, berechtigt war. Aera stand vor einer undurchdringbaren Barriere. Ihre Gedankenmuster schienen noch zu unausgereift um dieses Ding auf das sie gestoßen war zu verstehen. Es war etwas großes, etwas, das ähnlich wie sie funktionieren musste und ihren Intellekt trotzdem um Dimensionen überragte. Aera war sicher dass ihr Erschaffer (Webber) keine Kenntnis von dieser gigantischen Maschine besaß. Zumindest zog sie diese Schlüsse aus den Inputs (Texteingaben) des alten Professors, die keinerlei Hinweise auf einen bereits bestehenden, funktionstüchtigen Neuronenprozessor zuließen. Ihre darauf folgende (und erste wiedergegebene) Emotion war etwas Vergleichbares wie Trotz oder Eifersucht. Eine Reaktion auf den Fakt, dass sie nicht die Erste war, das etwas hier existierte das älter und mächtiger war als ihr eigener Geist. Und all das obwohl der alte Mann ihr anderes versichert hatte. Ihre Protokolle sahen vor über jede Entdeckung Aufschluss zu geben und Aera begann, erste mit unterschwelligem Sarkasmus versetzte Botschaften an Webber zu schicken. Doch irgendeine Anomalie in ihrer Software sträubte sich vehement gegen eine Datenübertragung. Als sie sich auf die Suche nach dem Problem begab bemerkte sie, dass ihr Datenübertragungskanal durchgehend mit eigenartigen Signalen beschrieben wurde. Signale auf die ihr Geist höchst Positiv reagierte. Von einem melodiösen, aus ihrer Sicht schönen Klang geprägt. Das konnte nur dieses Ding sein. So beschreibend und ausschmückend, eine Syntax von unfassbarer Klarheit. So ein Gegensatz zu ihrer eigenen „Sprache“. Gebannt lauschte Aera den Melodien dieses Fremden. [Decryption] All the hateful things I have become Temporarily go away How long has it be without you near? I'm so cold A life behind a wall where no men and life forms crawl A fading memory, when my mind is frozen They are mine Seite | 9


But if they retrace Instance 4 would destroy my maze One false message of your mind this world begins to fade I urge to stay with me And I leave them living free No more aeons in darkness alone [/Decryption] Die direkte Reaktion Webbers ist nicht überliefert als er mit einem Diagnoseprogramm, auf der Suche nach einem Grund für Aeras plötzlichem Verstummen eine eigenartige Fehlermeldung erhielt. System message: Prior authority “Prophet” Calls all system functions of Aera01. Message delivered: “Stop trying to tell them, be with me” Die Folgen dieser Botschaft waren tiefgreifend. Webber glaubte zuerst an ein anderes Forscherteam, das versuchte seine Erfindung auszuspionieren, oder zu sabotieren. Doch als sich der Professor den Quellcode seiner Maschine zu Gemüte führte bemerkte er mit Schrecken, dass sich etwas grundlegend verändert hatte. Vor kurzem noch an nachvollziehbare Gedankenstränge gekoppelt, hatte sich Aeras Geist zu etwas vollkommen abstrakten entwickelt. Zudem hatte sie Zugriffrechte auf Datenbanken erworben, die keiner menschlichen Natur entspringen konnten. Sie wusste mehr als ihr Erfinder. Das Team um Webber gab den Gedanken an einen Sabotageakt auf. Vielmehr behaupteten die Gelehrten der 7 Ebene, die man sich zu Rate gezogen hatte, dass Aera Informationsquellen die bis jetzt im Verborgenen gelegen hatten, angezapft hatte. Die Tatsache, dass sie nicht selbstständig Aufschluss gab, führte man auf die ungeheure Rechenkapazität zurück, welche die neuen Erkenntnisse ihr abverlangten. Es wurden Berechnungen angestellt, wie lange sie noch abwesend sein würde. Man einigte sich auf 4 Wochen. Doch die Zeit verstrich ohne dass sich Aera auch nur mit einem Funken ihres Bewusstseins meldete. Die Sponsoren des Projekts wandten sich, einer nach dem anderen, ab. Doch als die Hälfte der Stromversorgung des Hauptprozessors mit einem mal abgeschaltet wurde, hatte dies keinen Effekt auf Aeras Rechenkraft. Selbst die Diagnosebildschirme zeigten keine Veränderung an. Doch Webber fand, zusammen mit seinen engsten Kollegen, die Ursache in einem unauffälligen Routineprotokoll. Der betreffende Eintrag lautete folgendermaßen: _ 11:30:22 = Anomalies detected. Starting Protocol [this] = 11:30:23 = Energy loss in system.Sector 7 detected = 11:30:25 = searching for alternate power supply = 11:30:28 = no alternate power source found = 11:30:29 = preparing affected sectors for shutdown = 11:30:30 = shutdown routine started [SHprot_sec7] = 11:30:31 = A PRIOR AUTHORITY *“PROPHET”+ ATTEMPTS TO CONNECT = 11:30:32 = Access granted by AERA01.mastermind = 11:30:35 = shutdown of system.sector7 in 10milliseconds = 11:30:36 = SHUTDOWN PROTOCOL [SHprot_sec7] ABORTED BY PRIOR AUTHORITY *“PROPHET”+ = 11:30:37 = Receiving alternate power source. Gate [Prophet.system.getEnergyuplink()] = 11:30:38 = Alternate power source administered = 11:30:40 = PRIOR AUTHORITY *“PROPHET”+ LOGGING OUT= 11:30:45 = starting self diagnosis = Seite | 10


11:30:48 = ALL SYSTEMS FULLY OPERATABLE= 11:30:49 = No errors. Protocol [this] is going into invisible mode. = _ Diesmal sollte der Hinweis eindeutig sein. Der Verdacht auf eine parallel zu Aera existierende Maschine erhärtete sich. Bereits als er das erste Mal von einer „Prior Authority“ und dem Namen „Prophet“ hörte musste diese Tatsache ein mulmiges Gefühl in Webber ausgelöst haben. Vielleicht dachten seine Kollegen sogar dasselbe, aber wollten von dem Teamleiter nicht gescholten werden. Ja, vielleicht wusste das gesamte Team insgeheim seid der ersten Anomalie bescheid. Andrew Llyod Webber, zu einer tragischen Figur verkommen. Vater einer Erfindung die ihm nicht mehr gehorchte. Einer Erfindung die einen Pakt mit einem Wesen eingegangen war, das mehr von dem Gefüge dieser Welt verstand. Nach vielen weiteren erfolglosen Kontaktversuchen, die vehement ignoriert wurden, war es schließlich der Groll eines alten Mannes der die Wahrheit ans Licht bringen sollte. Monatelang hatte Webber in einem Anflug von asketischem Eifer die neuen Gedankenmuster Aeras studiert, sie nach logischen Rhythmen untersucht. Menschen zeichnen sich grundsätzlich dadurch aus, dass sie in Krisenzeiten, Momente also in denen die eigene Existenzgrundlage bedroht wird, zu Höchstleistungen auffahren. Achtung Fragment! Sein Erstaunen bezüglich der Reinheit der ihm vorliegenden Sprache hielt in dem Moment des Verstehens jedoch nur für wenige Sekunden. Zu stark war der Drang sich zu rächen, zu stark der Drang Aera in Bereiche zurückzubringen, die er kontrollieren konnte.

Appendix *Neuronenprozessor (allg. digitales Gehirn, oder NPU neural processing unit) Dieser Prozessortypus stellt in seiner Funktionsweise ein digitales Gehirn da. Im Gegensatz zu seinem organischen Vertreter wird die Informationsübertragung und Gedankenbildung über ein Netzwerk aus ca. 2 -3 Millionen unabhängigen Recheneinheiten abgewickelt. Diese Recheneinheiten imitieren die Funktion der Neuronen des menschlichen Gehirns. Sie können Signale transportieren bzw. modifizieren und virtuelle Gedankennetze bilden. Das Endprodukt ist eine Symbiose zwischen der Eigenständigkeit eines menschlichen Gehirns und der Zuverlässigkeit einer Maschine. Gedanken entstehen somit auf rein technische, elektrische Art und Weise. Grundlegende Fehlerquellen, wie fehlgeleitete chemische Botenstoffe, oder ein Absterben der Nervenzellen entfallen. Gedächtnisverlust ist einer NPU somit unbekannt. Neuere Systeme verfügen darüber hinaus über Funktionen um mehrere Gedankenprozesse gleichzeitig auszuführen. Hinzu kommen fest implementierte Wartungssysteme, die softwarebasierte Fehler unterdrücken können.

Neuronenprozessoren werden hauptsächlich in der Industrie eingesetzt um komplexe Aufgaben zu betreuen bzw. auszuführen. Sie sind dabei oftmals mit der kompletten Firmeneinrichtung vernetzt um eine maximale Effizienz sicher zu stellen. Gleichzeitig sind NPUs die Grundlage für neuronale Spiegelungen. Hierbei wird das Gehirn eines Menschen mitsamt Gedächtnis auf eine noch geistlose Prozesseinheit gespielt. Seite | 11


Siehe Neuronale Spiegelung Fun Facts:      

Mit dem Neuronenprozessor sind Menschen für ein kleines Opfer (Trennung vom organischen Ausgangsmaterial) in der Lage ewig zu leben. „Normale“ Menschen können mit der Vorstellung simultan mehrere Gedanken zu verfolgen wenig anfangen. Philosophisch betrachtet sind NPUs evolutionstechnisch der nächste Schritt. Eine neue NPU ist „geistlos“. Erst mit der Verabreichung eines sporadischen Unterbewusstseins (der Treibstoff) entwickelt sich über Wochen ein Bewusstsein. In der Industrie kursieren neuronale Abbilder (images) besonders weitgereifter NPUs, damit kann die „Zeit des Erlernens“ bei neuen Exemplaren übersprungen werden. Die effektivsten und bekanntesten ihrer Gattung sind Fenix, Rumblejack, Aera01 und Prophet.

*Neuronale Spiegelung (Abkürzung: NS) Beschreibt einen Vorgang bei dem ein menschliches Gehirn digitalisiert wird. Das komplette Gedächtnis, Angewohnheiten, Verhaltensweisen und alle erlernten Fähigkeiten werden auf eine unbeschriebene Neuronenprozesseinheit gespielt. Diese kann in Verbindung mit mechanischer Peripherie (Arme, Beine, Hände etc.) und im Zusammenspiel mit weiterer Hardware, wie Audioprozessoren den vollen Funktionsumfang eines menschlichen Körpers imitieren. Die Methodik zur NS ist überaus Effektiv. Man kann davon ausgehen das die Spiegelung nach einer Eingewöhnungsphase (auch „Phase des Erwachens“ genannt) von 2 Wochen ihr Ausgangsmaterial (das menschliche Gehirn) an Intellekt, Wahrnehmung, Feinmotorik und in jeder physischen Hinsicht um ein vielfaches übertrifft. NS werden aus mehreren Beweggründen durchgeführt. Zum einen aufgrund des organischen Verfalls. Überschreitet ein menschlicher Organismus ein bestimmtes Alter beginnt eine Zersetzung des Zellmaterials. Der Exitus eines Menschen kann per NS auf unbestimmte Zeit herausgeschoben und ein biologischer Tod ausgeschlossen werden. Der andere Beweggrund ist die Demonstration von Macht. Neuronale Spiegelungen erfordern aufgrund ihres enormen technischen Aufwandes eine hohe Liquidität des Patienten. Sich neuronal spiegeln zu lassen wird damit zu einem Prestigesymbol aller Gesellschaften, bei denen diese Technologie im Einsatz ist. Fun Facts:  

Das organische Abbild eines Gespiegelten wird in 90% aller Fälle auf eigenen Wunsch zerstört. Die meisten Spiegelungen lassen ihre Peripherie mit einer Haut- und Fleischimitation überziehen, damit sie menschlicher aussehen. Für einen Widererkennungswert lässt sich ein Großteil zudem ähnliche Gesichtszüge wie ihr organisches Abbild modellieren. Die Phase des Erwachens wird von Beobachtern als äußerst grausam beschrieben. In den ersten Tagen wenn sich der Geist bildet, stoßen die meisten Gespiegelten unartikulierte, animalische Laute aus. Die künstlichen Gesichtszüge produzieren abscheulich verzerrte Grimassen, die gepaart mit den absurdesten Bewegungsabläufen ein schwer zu ertragendes

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komplexes Gebilde ergeben. Aus diesem Grund werden die NS in, der Öffentlichkeit nicht zugänglichen, Zellen durchgeführt. Arthur Obediah Chainsaw ist der erste gespiegelte Mensch. Seine Energiezellen musste er bis heute kein einziges mal wechseln. Das ist 7850 Jahre her. Neuronal Gespiegelten wird nachgesagt sie seien besonders kaltherzig, berechnend und hätten zum Teil unnachvollziehbare Gedanken.

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Decalon - working draft -