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Bergauf #2.2026

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h E f T #2.2026  — Juni/Juli/august

Das Magazin des Österreichischen Alpenvereins seit 1875

Bergauf

Th E ma

Oben zuhause. 10

Über Hüttenbau, Denkmalschutz und Ehrenamt im Hochgebirge.

UNTERWEGS

Vier Tage Schwob’n. Mit Kind unterwegs am Hochschwab _ 32

RES p E k T voll Bergsteigerdörfer. Vor 20 Jahren wurde die Idee geboren _ 70

k U lTUR 100 Jahre Seilbahn. Bergbahnfieber ohne sichtbares Ende _ 94

ADVENTURE UNFOLDS WITH YOU.

Es beginnt mit einem einzigen Schritt, der zu Tausenden wird. Ein unermüdlicher Antrieb, die eigenen Grenzen zu verschieben. Wenn Dich jede Meile etwas Größerem näherbringt.

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Georg Sojer ist Cartoonist, Illustrator und Bergführer. Seine alpinen Zeichnungen entstehen aus der Verbindung von Praxis am Berg und zeichnerischer Leidenschaft – beruflich wie privat (S. 38, 50).

Sonja Fabian arbeitet im Alpenverein für das Alpenverein Museum (S. 95) und als Schnittstelle zum Österreichischen Gletschermessdienst. Privat beschäftigt sich die Kunsthistorikerin mit Pflanzen und deren Kulturgeschichte.

Für das Wimmelbild der Alpenverein Akademie (S. 76) sammelte die Innsbrucker Illustratorin Elisabeth Mayr alias Büro adrett viele kleine Szenen, die die Vielfalt des Angebots zeigen. Denn wie beim Wimmelbild gilt auch hier: Die Mischung macht’s.

E v E li N STa R k

Liebe Leserin, lieber Leser,

Bauen im hochalpinen Raum ist nichts für Ungeduldige. Vor allem dann nicht, wenn es um Schutzhütten geht – um Gebäude, die funktionieren müssen, Schutz bieten sollen und gleichzeitig Teil alpiner Bau- und Kulturgeschichte sind. Hütten zu erhalten, behutsam weiterzuentwickeln oder denkmalgeschützt zu sanieren, erfordert Geld, technisches Knowhow und sorgfältigste Überlegungen. Vor allem aber braucht es Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen: Ehrenamtliche in den Sektionen des Alpenvereins, die planen, diskutieren, organisieren und oft unzählige Stunden ihrer Freizeit investieren. Ohne dieses Engagement wäre alpine Infrastruktur, wie wir sie kennen, nicht möglich.

Gleichzeitig haben wir uns in dieser Ausgabe illustratorisch besonders viel erlaubt. Erstmals zeigen wir eine doppelseitige Illustration eines Berges – den Hochschwab – als Auftakt einer neuen Serie. Wir wollen Berge nicht nur beschreiben, sondern auch visuell erfahrbar machen. Ergänzt wird das durch eine ebenso doppelseitige Illustration des „Bergsteigerknigge“: ein humorvoller Zugang zu einem wichtigen Thema – dem respektvollen Miteinander am Berg. Und schließlich lädt ein Wimmelbild in Form eines Brettspiels dazu ein, die AlpenvereinAkademie spielerisch zu entdecken und ihre vielfältigen Aufgaben kennenzulernen.

All das macht dieses Bergauf wieder zu dem, was es sein soll: vielfältig, neugierig und mit Freude an Inhalt und Gestaltung. Es will Lust machen auf den Sommer, auf Bewegung draußen und auf bewusste Zeit in den Bergen. Und es zeigt, wofür der Alpenverein steht: für Sicherheit, für Genuss und für die Freude am Draußensein. Und am Ankommen.

i N halT

Heft # 2.2026

J uni /J uli /august

H ema

10 Bildgewaltig

12 Zukunft bauen im alpinen Umfeld Hochalpine Architektur zwischen Anspruch und Realität.

20 Ehrenamt am Gipfel

22 Alpine Baudenkmäler im Visier Denkmalgeschützte Hütten: Erbe des frühen Alpinismus.

26 Tourentipp: Umrundung des Wilden Kaisers in vier Tagen

28 Mit Kindern auf Hütten unte RW egs

30 Bergporträt: Hochschwab

32 Vier Tage Schwob’n Überquerung des Hochschwabmassivs mit Kind.

3 E di T oR ial

7 aUSGa NGS p UN k T

29 B ERGS pi T z EN

41 W EGETaT ioN

49 W EGE UN d h ü TTEN im Blick

55 pa R aGR aph

68 a lp EN v ERE i NSS hop

Das Titelbild hat René Sendlhofer-Schag von seinem Sohn Raphael am Hochschwab (S. 32) gemacht.

80 R ES p E k Ta mB ERG

81 fR aGENBaU m

88 vERE i NS i NTERN

92 aUS l ESE

98 voRS chaU / i mp RESSU m

36 Mit Kindern und Kompass unterwegs

38 Gsund am Berg: Hitze

42 Trackaufzeichnung mit der alpenvereinaktiv-App

44 Das Klettertopo: mehr als eine Skizze!

50 Mit Haltung am Berg: Bergsteigerknigge

52 Wenn Wege sich kreuzen Shared Trails in der Praxis: Gemeinsame Nutzung funktioniert!

56 Zwischen Fernweh und Verantwortung

59 Öffi-Story: Abenteuer ab der Haustür

60 Wenn Karten uns lesen

64 Wie weit reichen die Alpen? Der Alpenverein Britannia im Porträt.

R es P e K t VO ll

70 Weniger ist genug Vor 20 Jahren wurde die Idee der Bergsteigerdörfer geboren.

76 Was ist die Alpenverein-Akademie?

78 Alpenschutz ist …

82 Windkraft im Hochgebirge: Der Fall Windsfeld

86 Nicht stehen bleiben Ein Netzwerk aus Ehrenamtlichen treibt den Klimaschutz im Alpenverein voran.

89 Naturfotografie

K ultu R

94 100 Jahre Seilbahn in Österreich

95 Atlas der Alpenflora

96 Bildgeschichten: Der tote Held

Bergporträt In einer neuen Serie rückt Bergauf Österreichs Berge ins Rampenlicht. Den Auftakt macht der Hochschwab. Illustration: Laura Neuhäuser

Berg

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Sanieren

statt ersetzen

Ein persönlicher Blick auf denkmalgeschützte Schutzhütten macht deutlich, warum sie Identität stiften – und warum ihr behutsamer Erhalt heute wichtiger ist denn je.

Das Stubenberghaus am Schöckl, die erste Alpenvereinshütte, die je unter Denkmalschutz gestellt wurde, ist auch deswegen ein bisschen Bergheimat für mich. Ihre weitsichtig und bedacht betriebene Sanierung um 2000 habe ich gegen Ende meines Architekturstudiums mit großem fachlichem Interesse verfolgt. Die Unterschutzstellung kam mir völlig selbstverständlich vor, die aufwändige und bis heute jedes Mal aufs Neue erfreuliche Sanierung, im Zuge derer das Haus zugleich um einen Erweiterungsbau für Seminar- und Hotelnutzung ergänzt wurde, auch. 15 Jahre später, mitten in der Recherche zur Geschichte des Bauens im Hochgebirge, als ich zum ersten Mal die Ergebnisse der Untersuchung des Hüttenbestands in Tirol durch das Bundesdenkmalamt geöffnet habe, wurde klar, wie besonders dieser Fall war.

Heute stehen im ÖAV vier Hütten unter Denkmalschutz. Einige wenige könnten noch hinzukommen. Das muss keine Angst machen.

In den meisten Hütten des Österreichischen Alpenvereins – zumindest in Tirol – haben sich 100 Jahre Alpinismus vor allem in zahlreichen Überbauungen niedergeschlagen. Ursprüngliche Bauformen und Bauweisen sind dabei nur selten erhalten geblieben.

Heute stehen im ÖAV vier Hütten unter Denkmalschutz. Einige wenige könnten noch hinzukommen. Das muss keine Angst machen. Diesen vier Baudenkmälern gelingt es vielmehr, die Geschichte der Alpenerschließung durch die alpinen Vereine noch in ihrer ursprünglichen Form erlebbar zu machen. Sie zeichnen sich dadurch aus, die Anfänge oder spezielle Epochen und Entwicklungen im Bauen im Gebirge in ihrer spezifischen Art zu zeigen – und sind für Geschichte und Identität des ÖAV unverzichtbar. Die Bauwende – also ein ressourcen- und klimaschonendes Planen und Bauen – erreicht zunehmend auch den Alpenverein. Da der Bausektor für einen hohen Anteil an unseren Treibhausgasemissionen (global betrachtet für 38 %) und am Ressourcenverbrauch verantwortlich ist, ist es höchst an der Zeit, Maßnahmen zu entwickeln um Umwelt- und Klimaschutz in der Architektur – in der Errichtung und Nutzung von Gebäuden – zur bedingungslosen Grundlage zu machen. Dabei spielen der Bestand, die Wahl der Baustoffe sowie das Recycling von bereits vorhandenen Ressourcen eine entscheidende Rolle. Manchmal ist es auch das Richtige, einfach nicht zu bauen oder zu erweitern.

Wenn wir Klima- und Ressourcenschutz ernst nehmen, muss die architektonisch anspruchsvolle Sanierung – ob Denkmal oder nicht – die zentrale Aufgabe des Schutzhüttenbaus sein.

Ich wünsche viel Freude und interessante Einblicke mit dem Bergauf zum Thema – und dem Österreichischen Alpenverein eine weiterhin bedachte, verantwortungsvolle und mutige Entwicklung in der architektonischen Pflege seines Hüttenbestands.

IFast ein Wimmelbild: Das Foto hat Simon Schöpf an einem schönen Spätherbsttag an der Falesia Dimenticata nahe San Lorenzo in Banale gemacht. Mehr zum wachsenden Andrang in den Klettergärten lest ihr in seiner Reportage im kommenden September-Bergauf

Dieses Bild wurde vor kurzem auf unserem Instagram-Kanal veröffentlicht. Wir haben einige FollowerKommentare für euch eingefangen: »Pfad der Wolkensteiger.« I »Felsstau.« I »Kletterführer falsch gelesen.« I »Individualisten in Uniform.« I »Gibt’s da was gratis?« I »Overtourism.« I »Falesia Dimenticata – nicht mehr ganz so vergessen.« I »Festival of Climb(er)s.« I »Abgeklettert: Wie sich Klettern verändert – zwischen Hype und Ethik.« I »Overtourism.« I »In der langen Warteschlange.« I »Stonemonkey season!« I »Kletterroute der Mutigen.« I »Willkommen im Klettergarten: dem Ort, an dem man mehr Sicherungsgeräte als Felsgriffe zählt. Zwischen Picknickdecken, Seilsalat und Warteschlangen.« I

Junge Alpinisten TEAM andererseits ermöglichen

Sicher unterwegs auf Almen

Die Bewerbung für das nächste Junge Alpinisten TEAM läuft bis 12. September 2026. Das zweijährige Förderprogramm der Alpenvereinsjugend richtet sich an Nachwuchsalpinist:innen, die sich gemeinsam weiterentwickeln möchten. Infos und Bewerbung: alpenverein.at/ jungealpinisten

Mit der Wandersaison startet auch die Weidesaison: Kühe, Kälber, Schafe, Pferde und auch Ziegen verbringen den Sommer auf den heimischen Weidegebieten, Begegnungen mit ihnen sind häufig. Für ein entspanntes Miteinander gelten die hier gesammelten Tipps: www. sichere-almen.at

andererseits ist ein Magazin für Behinderung und Gesellschaft aus Österreich. Es wird von Menschen mit und ohne Behinderungen gestaltet und ist als Print- und Onlinemagazin oder Newsletter erhältlich. Da andererseits unabhängig arbeitet, ist es von reichlich AboAbschlüssen abhängig. Infos: www.andererseits.org/abo

In Podcast #68 teilt Journalistin und Wanderexpertin Nadine Regel ihre Erfahrungen ihrer 50-tägigen Alpenüberquerung von München nach Verona – allein mit ihrem Hund. Es geht um Planung, Ausrüstung und mentale Stärke. Das basecamp entsteht mit Unterstützung der Generali Versicherung. alpenverein.at/ basecamp

Prozent aller alpinen Todesfälle entfallen auf Sommer-Bergsportdisziplinen. Grundlage dafür ist die Unfallstatistik des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit (ÖKAS) im Zehn - Jahres - Durchschnitt. Ein Blick auf die kalte Jahreszeit zeigt einen klaren Unterschied: Bei den Winterdisziplinen liegt der Anteil tödlicher Unfälle bei 23 Prozent. Überraschend? Vielleicht. Besorgniserregend ist dieser Befund allemal.

Vor diesem Hintergrund fand vor wenigen Wochen erstmals das Sommer Update des Alpenvereins statt, in dem sicherheitsrelevante Themen anhand aktueller Alpinunfälle beleuchtet wurden. Link zum Nachsehen: www.alpenverein.at/update

¡ Infos unter: www.alpenverein.at/wetter

Das seit rund 20 Jahren beliebte Bergwetter auf alpenverein.at wurde neu strukturiert: Statt ausführlicher Fließtexte bieten prägnante Überschriften nun einen schnellen Überblick über die aktuelle Wetterlage in den Bergen. Ergänzt wird dies durch detaillierte Prognosedaten wie Temperaturen in verschiedenen Höhenlagen, Windböen sowie Wahrscheinlichkeiten für Nebel und Gewitter –gezielt ausgewählt für die alpine Tourenplanung.

Die Prognosen werden weiterhin täglich von Meteorolog:innen der GeoSphere Austria geprüft.

Elfi N EBE l stv. Naturschutzreferentin AV Graz

Im Wandel

Die Berge, die uns Kraft, Abstand vom Alltag und Gemeinschaft schenken, verändern sich sichtbar. Klimawandel ist im Alpenraum längst Realität: Gletscher verschwinden, Wege werden unsicherer, Wetterextreme nehmen zu. Der Schutz von Natur und Klima wird damit immer dringlicher. Der Alpenverein lebt von Menschen, die hinschauen und mitgestalten – bei Touren, Veranstaltungen, mit Ideen oder im Ehrenamt. Oft genügt ein kleiner Beitrag, um Großes zu bewirken. Gemeinsam schaffen wir Bewusstsein, schützen Natur und Klima und gestalten Zukunft: für die Berge, für uns und für kommende Generationen. Wer die Berge liebt, kann dazu beitragen, dass sie lebendig und schützenswert bleiben. Genau das macht den Alpenverein aus. —

Schindeln, Fensterläden, Edelweiß: Die Hütte erzählt von Schutz und Einfachheit im Hochgebirge. Architektur, die nicht auffallen will, sondern dazugehören. Und die seit jeher Antwort gibt auf Wind, Wetter und Höhe.  Foto: Sissi Richter. Zu sehen ist die Zittauer Hütte im Wildgerlostal.

Zukunft bauen im alpinen Umfeld

Schutzhütten nachhaltig zukunftsfit zu machen, ist ein Gebot der Stunde. Mit überlegten architektonischen Lösungen werden Ersatzbauten und Sanierungen den vielfältigen Anforderungen gerecht.

S US a NNE G URS chl ER

GDas neue Hinteralm-Haus sollte sich ins bestehende Almhütten-Ensemble einfügen und modernen Anforderungen entsprechen. Die Jury wählte den Vorschlag von Untertrifaller Architekten aus sechs Einreichungen als beste Lösung aus.

Visualisierung: Dietrich Untertrifaller Architekten, KI-Skizze: himmel/basierend auf Planunterlagen von Dietrich Untertrifaller Architekten

ern wird behauptet, dass im Zweifelsfall stets der steilere Weg zum Gipfel führe. Geht es um Sanierungen oder gar Ersatzbauten von alpinen Schutzhütten, ließe sich der Spruch bisweilen folgendermaßen adaptieren: Im Zweifelsfall führt stets der weitere Weg zum Ziel. Beim Hinteralm‐Haus des Alpenverein Edelweiss in den Mürzsteger Alpen reichen erste Überlegungen zur Sanierung der Hütte Jahrzehnte zurück, 2015 befasste sich sogar eine Diplomarbeit an der Technischen Universität Wien mit einer Revitalisierung der Hütte. Nun, hundert Jahre nach ihrer Errichtung, ist es endlich so weit: Im Herbst 2026 wird der Ersatzbau des Hinteralm‐Hauses eröffnet. Umfangreiche Um- oder Ersatzbauten von Schutzhütten stellen alpine Vereine vor große finanzielle und logistische Herausforderungen, oft kommen recht-

liche und architektonische Aspekte dazu. Doch die Modernisierung von in die Jahre gekommenen Bauwerken ist unumgänglich. Um nicht nur funktional, sondern auch baulich die besten Lösungen zu finden, führt der Österreichische Alpenverein zusammen mit seinen hüttenbesitzenden Sektionen Architekturwettbewerbe durch. Die Erfahrung zeigt: Der Aufwand lohnt sich, das Instrument wirkt.

Komplexer Forderungskatalog

Lange konnte das idyllisch auf 1.442 m Höhe in einem Almdorf gelegene Hinteralm‐Haus nur noch als Selbstversorgerhaus für eine überschaubare Anzahl von Personen genutzt werden. Behördliche Auflagen hatten zu einem eingeschränkten Betrieb geführt. Aus Kostengründen war ein Ersatzbau einer Sanierung vorzuziehen. Gemeinsam mit dem Hauptverband des Alpenvereins erstellte die Sektion ein umfassendes Anforderungsprofil: „Das Funktionsprogramm reichte von der Einrichtung eines Gastbetriebes und adäquater Unterkünfte bis hin zur Haustechnik und der Energieversorgung, ressourcenschonend, energieneutral und nachhaltig in Herstellung sowie Erhaltung“, umreißt Peter Pundy, Vorstandsmitglied der Sektion Edelweiss und Hüttenwart, die Aufgabenstellung.

Ganzjährig soll die neue Hütte als Stützpunkt für den Weitwanderweg 01 und

den Pilgerweg nach Mariazell dienen sowie ein lohnendes Ausflugsziel für Tagesgäste und zudem ein attraktiver Kursstandort für alle Zweigvereine im Osten Österreichs sein. Und das alles unter Berücksichtigung des sensiblen Umfelds und der Maßstäblichkeit: Der Charakter der Kulturlandschaft soll nicht beeinträchtigt werden, das neue Gebäude sich wie selbstverständlich in das bestehende Ensemble aus Almhütten einfügen. Ermittelt wurde die beste Lösung durch einen geladenen Architekturwettbewerb, an dem sechs Büros teilnahmen.

Alle eingereichten Projekte zeugten von „toller Qualität mit wirklich interessanten und spannenden Zugängen“, hält Pundy

fest. Zwei Tage Zeit nahm sich eine Jury, bestehend aus Architekten, Vertretern des Hauptverbandes und der Sektion, um alle Entwürfe genau unter die Lupe zu nehmen, die Vorzüge und Schwachpunkte herauszuarbeiten. Drei kamen in die engere Auswahl. Auf dem ersten Platz landete der Vorschlag von Dietrich Untertrifaller Architekten. „Er formt die hervortretenden Merkmale – Dach, Balkon, Körper – nach, während er konstruktiv und in der Organisation einen klar strukturierten und gut durchdachten Vorschlag macht“, heißt es im Juryprotokoll über die formalen Referenzen auf die bestehenden Hütten.

Alle eingereichten Projekte zeugten von »toller Qualität mit wirklich interessanten und spannenden Zugängen «.

Peter Pundy, Alpenverein Edelweiss

Zudem hat Untertrifaller Architekten ein wesentliches Element wieder aufgenommen: Wie der Altbau soll der Ersatzbau quer zum Hang und damit quer zur Ausrichtung der anderen Gebäude im Almdorf stehen, was seine besondere Stellung innerhalb des Gefüges unterstreicht. Auch besticht die Lösung dadurch, dass es dem Architekturbüro gelang, das präzise ausformulierte Anforderungsprofil auf der im Wettbewerb geringsten Kubatur unterzubringen. Die Aufteilung der Räume überzeugte ebenso wie die überlegte technische Ausstattung und die wesentlich auf dem nachwachsenden Rohstoff Holz basierenden Materialvorschläge.

Kontroversen gab es etwa in Zusammenhang mit dem Dach, das im Vergleich zur sonstigen Gebäudestruktur auffallend

Ressourcenschonend: Beim Ersatzbau des Hinterlm-Hauses kam der nachwachsende Baustoff Holz zum Einsatz, ein detailliertes Rückbaukonzept sorgte dafür, dass so viel Material wie möglich wiederverwertet wurde. Foto: Markus Schuller

voluminös ausfällt. „Letztlich überzeugt aber – gemäß der Ausschreibung – an der Formgebung, dass diese den funktionalen Anforderungen bei gleichzeitiger Zurückhaltung mit Witz und Präzision am engsten folgt“, so die Jury in ihrem Protokoll. Konstruktion, Gestalt und Organisation seien stringent ausformuliert.

Teil des architektonischen Konzepts war auch, so viel Material wie möglich wiederzuverwerten. Zusammen mit den Architekten entwickelte die Sektion ein eigenes Rückbaukonzept. In der praktischen Umsetzung mussten dennoch Abstriche gemacht werden. Zwar dienten Abbruchmaterialien wie Stein und Beton wie geplant zur Hinterfüllung des Neubaus und die PV-Anlage wurde auf der Nebenhütte installiert, der Dachstuhl aber konnte nur zum Teil wiederverwendet werden. Der Grund dafür ist banal wie einleuchtend. „In den Balken steckten unzählige Nägel. Unbezahlbar die Stunden, die wir gebraucht hätten, um diese herauszuziehen“, erklärt Pundy.

Kontinuierliche Annäherung

Was er als „State of the Art“ bezeichnet, nämlich die Auslobung eines geladenen Architekturwettbewerbs bei größeren Um- bzw. Ersatzbauten von Schutzhütten, brauchte einige Zeit, bis es in der heutigen Form im Österreichischen Alpenver-

Zur langfristigen Sicherstellung der Versorgung der Bettelwurf-Hütte im Halltal wurde die in die Jahre gekommene alte Materialseilbahn nun im Jahr 2024 durch eine, auf eingeschränkten Werksverkehr zugelassene, neue Materialseilbahn ersetzt.

HOCH KULTUR FESTIVAL

Zwischen Klassik, Jazz und zeitgenössischer Musik im Bergsteigerdorf Villgratental: Die Musicbanda Franui lädt Freunde & Weggefährten auf die Open-Air-Bühne inmitten der herrlichen Bergkulisse Osttirols.

ein installiert war. Die Anfänge reichen in die 2000er-Jahre zurück. Bereits als Georg Unterberger 2008 als Sachbearbeiter in der Abteilung Hütten und Wege des Alpenvereins anfing, verfolgte der damalige Vizepräsident Helmut Ohnmacht die Idee, bei notwendigen Um- und Ersatzbauten auch architektonisch Qualitätsmaßstäbe anzusetzen. „Die Haltung war damals bei manchen, dass Planung nichts kosten darf“, schmunzelt der gelernte Baumeister und studierte Architekt. Als Fachmann wisse man aber, dass gerade durch mangelnde Planung viel Geld versenkt werde und ein durchdachter architektonischer Entwurf helfe, unnötige Kosten zu vermeiden. Bei der Bettelwurf‐Hütte (2.077 m) des Alpenverein Innsbruck im Karwendelgebirge ergab sich eine erste Möglichkeit, eine Lösung mittels Architekturwettbewerb zu ermitteln. Mit Richard Goldeband,

Fotos: Lukas Kremser

Hüttenreferent des Alpenverein Austria, und Doris Hallama aus dem Alpenvereinspräsidium setzte man dann den Architekturwettbewerb zum Ersatzbau der Seethaler‐Hütte (2.740 m) um. Das prägnante, von dreiplus Architekten unterhalb des Dachsteins neu positionierte Bauwerk stellt eine zeitgemäße Antwort auf gegenwärtige Anforderungen dar.

Mittels Schnee- und Windsimulationen war der beste Standort festgestellt worden. Die steingraue Aluminiumhülle bezieht sich auf die umgebenden Felsformationen, während im Inneren Massivholz dominiert. Neue Wege wurden unter anderem auch in der technischen Ausstattung beschritten. So lieferte das Projekt die Anregung, Regenwasser nicht nur über das Dach, sondern auch über die Fassade zu sammeln. Eine weitere Innovation, die für weitere Hütten(um)bauten herangezogen werden konnte.

Transparente Abläufe

Mit jeder Ausschreibung wuchs die Erfahrung. „Wir haben in den letzten Jahren viel dazugelernt, uns sehr viel Know-how angeeignet“, erläutert Lukas Kremser aus dem Team Hütten und Wege im Alpenverein. Möglichst störungsresistente Technik, geringer Wasserverbrauch, Aufbereitung von Grau- und Schmutzwasser, Einsatz

»Die Palette der Unwägbarkeiten ist groß. Bei jeder Hütte gilt es, passgenaue Lösungen zu finden und vor Baubeginn alles bis in die Details durchzuplanen .«

Georg Unterberger, Leiter Abteilung Hütten und Wege im Alpenverein

Auf 2.470 m Seehöhe liegt die Seethalerhütte. Mittels Schnee- und Windsimulation wurde der beste Standort für den Ersatzbau ermittelt. Um den extremen Wetterbedingungen zu begegnen, versahen dreiplus Architekten den prägnanten Bau mit einer Aluminiumhülle.

Foto: Alpenverein/P. Neuner-Knabl, KI-Skizze: himmel/basierend auf Planunterlagen von dreiplus architekten

von erneuerbaren Energien, Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit bei den zu verwendenden Baumaterialien – diesen wesentlichen Elementen müssen sich die geladenen Büros mit ebenso großer Ernsthaftigkeit stellen wie der Frage nach der architektonischen Antwort auf die räumlichen Erfordernisse und der Formensprache des Bauwerks innen wie außen. Mittlerweile ist das Vorgehen genau definiert – von der Auslobung der gemeinsam mit den Sektionen erarbeiteten detaillierten Ausschreibungsunterlagen über den

Wettbewerb, zu dem zwischen acht und zwölf Büros geladen werden, bis hin zur Besetzung der Jury. „Bei den Büros achten wir darauf, dass immer ein Mix aus bekannten und mit dem Bauen im Alpinen bereits vertrauten sowie jungen, engagierten und solchen aus der Region besteht“, so Kremser. Zudem gibt es einen Kriterienkatalog, was die eingereichten Unterlagen beinhalten müssen, wie die Entwürfe auszusehen haben und wie die Modelle gestaltet sein müssen. So wird sichergestellt, dass alle teilnehmenden Büros eine faire Chance bekommen.

Besonderes Augenmerk liegt auch auf der Zusammenstellung der Jury. Mit Stimmrecht versehen, besteht die Fachjury aus Architekten, die Sachjury aus Funktionären der Sektion sowie Interessenvertretern; ohne Stimmrecht bleibt der Beirat aus Vertretern der Abteilung Hütten und Wege von Alpenverein. In einem weiteren Schritt wurden zuletzt die (online abrufbaren) Publikationen zu den bisherigen Wettbewerben vereinheitlicht.

„Sowohl die Variantenstudien, die seitens des Deutschen Alpenvereins (DAV) bevorzugt werden, als auch die geladenen Wettbewerbe des Österreichischen Alpenvereins genießen einen ausgezeichneten Ruf“, sagt Architekt Armin Neurauter, der letzthin die Ausschreibung des Umbaus der Glungezer-Hütte (2.610 m, Tuxer Al-

pen) gewonnen hat und demnächst in der Steiermark Mitglied einer Jury sein wird. Dass jede Hütte individuell zu behandeln sei, es also keine Standardlösungen gäbe, gehöre zu den besonderen Reizen dieser Auslobungen.

Fülle an Unwägbarkeiten

Vieles ist für Architekten Neuland. Die Bauzeit im Hochgebirge ist auf wenige Monate beschränkt, Transporte sind meist nur über kostenintensive Hubschrauberflüge möglich, Lager- und Stellflächen für Bau- und Abbruchmaterialien Mangelware, dazu kommen oft geologische und meteorologische Extreme. „Die Palette der Unwägbarkeiten ist groß. Bei jeder Hütte gilt es, passgenaue Lösungen zu finden und vor Baubeginn alles bis in die Details durchzuplanen“, umreißt Unterberger die Themenvielfalt. Bisweilen besteht der erste Schritt in einem zurück.

Beim Abbruch anfallende Materialien, die nicht wiederverwertet werden können, müssen ins Tal gebracht werden. Eine kostspielige Angelegenheit.

Foto: Alpenverein Leoben

den, weil die Energie dafür gefehlt hätte, vom dafür benötigten Wasser gar nicht zu reden“, erzählt Vorsitzende Claudia Schagerl.

So sensationell die Lage der Schutzhütte am Eisenerzer Reichenstein ist, so unwirtlich ist sie bei Schlechtwetter und im Winter. Der Baukörper muss sowohl extremen Sturmböen als auch starker winterlicher Vereisung standhalten. Dazu kommt, dass die Hütte ausschließlich via Hubschrauber versorgt werden kann – das Zeitfenster für Arbeiten im Außenbereich ist auf Mitte Juni bis Mitte Oktober beschränkt. Trinkwasser steht ausschließlich über Sammlung (Dach und Behälter) und Aufbereitung von Regenwasser zur Verfügung.

„Das komplette Lastenheft für das Projekt zu erstellen, war viel Arbeit. Alles muss ja genau definiert werden. Die Mitarbeiter der Abteilung Hütten und Wege des Hauptverbands haben uns da Gott sei Dank sehr unterstützt“, erinnert sich Schagerl. Aus den zehn eingereichten Projekten ging der Entwurf von dreiplus Architekten als Sieger hervor. Besonders augenfällig: Der Baukörper orientiert sich formal stark am Vorgängerbau, was die Sektionsmitglieder rasch zum neuen Namen für die Hütte, nämlich „Reichenstein-Hütte 3.0“, brachte. „Die zentrale Erschließung durch eine zweiläufige Treppe führt auch im Inneren zu einer kompakten, gut situierten Raumanordnung. Vor allem im Oberge-

Bei der Reichenstein‐Hütte (2.128 m) zum Beispiel: 1898 erbaut, wurde sie in den 1970er- und 1980er-Jahren in zwei Phasen von einem Ersatzbau abgelöst, der auf deutlich mehr Kubatur und Komfort ausgerichtet war. Die Sektion Leoben stand 2024 vor der Aufgabe, eine Redimensionierung ihrer Hütte vorzunehmen, sprich, das Gebäude zu verkleinern und sinnvoll neu zu strukturieren. „Wir hatten zum Beispiel immer noch Boiler im Keller der Hütte, die nie in Betrieb genommen wur- >

Beim Ersatzbau der Reichenstein-Hütte kam es, auch dank einer durchdachten Neustrukturierung der Innenräume, zu einer Verringerung der Kubatur. Wettbewerbssieger dreiplus Architekten orientierten sich beim Ersatzbau formal stark am Vorgängergebäude.

Foto: Janine Wenzel, KI-Skizze: himmel/basierend auf Planunterlagen von dreiplus architekten

>

schoß und durch die Galerieebene gelingt eine gute und gleichberechtigte Aufteilung der Schlafräume“, steht im Juryprotokoll. Zwar seien die Pächter- und Angestelltenräume gut organisiert, heißt es weiter, „allerdings auch sehr großzügig. Insbesondere die Sanitärsituation könnte noch etwas verkleinert werden.“ Punkte, die in die Detailplanung eingearbeitet wurden. Im Oktober 2025 begannen Mitglieder der Alpenvereinssektion mit der Entkernung der Reichenstein-Hütte. Im heurigen Juni werden die Entkernungsarbeiten fortgesetzt. Da es bei der Schutzhütte keine Lagermöglichkeiten gibt, mussten die Materialien ins Tal geflogen werden. „Die Gemeinde hat uns einen Platz als Manipulationsfläche zur Verfügung gestellt, wo wir sortieren und zerkleinern können. Mit dem Inventar machen wir voraussichtlich einen Flohmarkt“, so Schagerl. Neben dem großen Wassertank im Keller wird auch die Kläranlage weitergenutzt. Um den Wasserverbrauch zu minimieren, kommen Trockentoiletten.

Nicht alles neu

Nicht immer ist ein Ersatzbau notwendig. Sanierungs- und Erweiterungsbauten kommen weit häufiger vor. Doch auch hier lässt sich über hochwertige architektonische Lösungen viel erreichen. So ändert sich am Erscheinungsbild des ursprüngli-

Architekt Florian Lüftenegger plante Sanierung und Erweiterung des Schneealpenhauses in den Mürzsteger Alpen.

Visualisierung: Lüftenegger Architextur

Jeder Umbau, jede Sanierung, jeder Ersatzbau ist eine individuelle
Herausforderung –der Weg zum Ziel bisweilen steil.

chen Schneealpen‐Hauses (1.788 m) des Österreichischen Gebirgsvereins am Schauerkogel in den Mürzsteger Alpen auf den ersten Blick wenig – eine Holzfassade ersetzt teilweise die Steinfassade. Architekt Florian Lüftenegger (Lüftenegger Architextur), der schon für den Ersatzbau der Franz-Fischer-Hütte (2.020 m) im Riedingtal in den Radstädter Tauern verantwortlich zeichnete, schaffte es, zeitgemäße Akzente im Erscheinungsbild zu setzen –nicht zuletzt mittels eines nebenan gelegenen und untergeordneten zweiten Gebäudes. Eine erweiterte Zisterne soll die Brauchwasserversorgung sicherstellen, die benötigte Energie über Photovoltaik, Luftwärmepumpe und Holzheizung abgedeckt werden.

Nur rund zwei Monate waren für die Umbauarbeiten der Gamskarkogel‐Hütte auf 2.467 m am „höchsten Grasberg Europas“, dem Gamskarkogel im Salzburger Land, vorgesehen. Die traditionsreiche Hütte erhielt einen überschaubaren Zubau. Der logistische Aufwand war trotzdem groß, da einmal mehr alles via Hubschrauber transportiert werden musste. „Jedes Packerl bzw. Gewicht muss vorher definiert sein“, erklärt Fabio Klammer vom Alpenverein Bad Gastein. Ein gutes Jahr benötigten sie, um den Ablauf durchzuplanen. Nun steht ausreichend Lagerraum zur Verfügung, außerdem eine adäquate Unterbringung für die Pächter. Die ehe-

Auch kleinere Umbauten, wie etwa bei der Gamskarkogelhütte im Salzburger Land, erfordern einen großen logistischen Aufwand. An- und Abtransport erfolgten meist nur mittels Hubschrauber, bei dem „jedes Kilo“ zählt, das Wetter passen muss. Foto: Franz Schellhorn, KI-Skizze: himmel/basierend auf Planunterlagen von Franz Schellhorn

malige Bergstation der Materialseilbahn liefert zusätzlich Stauraum. Verbaut wurde auch ein 5.000-Liter-Regenwassertank, der in Kombination Platz für das Gaslager und das Notstromaggregat bot.

Im Unterschied zum Tal seien in hohen Lagen immer Insellösungen nötig, ob bei Energie- und Wasserversorgung bzw. -entsorgung oder Heizung, weiß auch Armin Neurauter. Für den DAV hat der Architekt schon mehrere Schutzhütten geplant, der Umbau der Glungezer-Hütte ist der erste Auftrag vom Österreichischen Alpenverein, ermittelt via geladenen Wettbewerb. Zwingend in den Ausschreibungsunterlagen vorgegeben: Die Prachenskystube darf nicht angetastet werden. Nach Plänen des Architekten Theodor Prachensky bei der Hüttenerweiterung 1935/36 gestaltet, ist die Stube das Herzstück der Glungezer-Hütte.

Für Neurauter besteht die Kunst bei einer derartigen Aufgabe darin, die vorhandenen Qualitäten herauszuschälen, die oft über die Jahre entstandenen Zubauten ressourcenschonend wieder verwenden oder, wenn nötig, zurückzubauen. „Bei der Planung von Schutzhütten stellen wir uns immer wieder die Frage der Angemessenheit in Gestaltung, Form, Materialität, Oberfläche und Farben“, so der Architekt. Bei der Glungezer-Hütte galt es, Föhnstärken von bis zu 240 km/h zu

Starke Schneelasten und Föhnstärken bis zu 240 km/h muss die Glungezer-Hütte aushalten. In eine Mulde geduckt, von oben nach unten erschlossen, trotzt sie den Bedingungen. Architekt Armin Neurauter plant die notwendige Erweiterung der hochalpinen Schutzhütte, „als wäre sie immer schon so dagestanden“.

Foto: Wolfgang Warmuth, KI-Skizze: himmel/basierend auf Planunterlagen von dreiplus architekten

Ansicht Nord

Ansicht Süd

berücksichtigen. Dass sich schon der Bestandskörper in den Sattel duckt, das Dach so konstruiert ist, dass Wind und Schnee „drüberrutschen“, kommt also nicht von ungefähr.

¡ nfo Bauprojekte des Alpenvereins

Broschüren zu aktuellen Bauprojekten des Alpenvereins finden interessierte Leser:innen unter untenstehendem QR-Code.

Mehr Infos: www.alpenverein.at/ portal/huetten-wege/ Publikationen

Für Neurauter war am spannendsten, die Hütte so weiterzubauen, dass man die Veränderung eigentlich nicht sieht. „Die Aufstockung wurde in eine durchgängige Dachlandschaft integriert. Nach dem Umbau soll die Glungezer-Hütte ausschauen, als wäre sie immer schon so dagestanden“, erläutert er. Damit beginnt laut Georg Unterberger eine der bis dato schwierigsten Bauaufgaben im Rahmen eines vom ÖAV, in diesem Fall in Kooperation mit der Sektion Hall in Tirol ausgelobten Architekturwettbewerbes. Diesen habe Neurauter durch seinen hohen architektonischen Anspruch bei der Sanierung mit Bravour gemeistert, so der Leiter Abteilung Hütten und Wege. Kommendes Jahr beginnt der Umbau – die Zeitfenster sind auch hier eng, intensive Planungen im Vorfeld notwendig. Jeder Umbau, jede Sanierung, jeder Ersatzbau ist eine individuelle Herausforderung – der Weg zum Ziel bisweilen steil.

Susanne Gurschler ist Autorin und Journalistin aus Innsbruck.

Fakten zum Umbau

Sanierung des kleinen Kellers zweistöckiger Nordzubau (4 × 8 m Grundfläche)

Erweiterung der Regenwasserspeicherung von 5.000 auf 15.000 l

Ausbau der PV-Anlage von 10 auf 20 kW inkl. Speicher

Lager für Gasflaschen und Notstromaggregat

Erweiterung der Boilerkapazität von 150 auf 450 l

Umbau der ehemaligen Materialseilbahn-Bergstation zum Außenlager mit begrüntem Dach

Erneuerung der Einrichtung von Gaststube und Eingangsbereich

neuer Holzküchenofen

Ehrenamt am Gipfel

40 Freiwillige. 4.400 Stunden. 75 Tonnen Material. Wie die Gamskarkogel-Hütte Menschen verbindet.

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Es war der 9. Mai 2025. Schneetreiben, Sturm – und die erste große Materiallieferung zur Gamskarkogel-Hütte“, erinnert sich Franz Schellhorn. Bevor der Hubschrauber landen konnte, hieß es Schneeschaufeln. Mehrmals. Gelacht wird heute trotzdem. Am Erfolg des Projekts hat Schellhorn nie gezweifelt.

Was als Reparatur eines undichten Windfangs begann, entwickelte sich zu einem umfassenden Umbau: 75 Tonnen Material wurden in zehn Wochen verarbeitet – getragen von 40 Freiwilligen und 4.400 ehrenamtlichen Arbeitsstunden. Möglich war das nur durch außergewöhnliches freiwilliges Engagement und starken Zusammenhalt.

Schellhorn, 2. Vorsitzender der Sektion

Bad Gastein, plante das Projekt mit jahrzehntelanger Bau- und Vereinserfahrung. Unterstützt wurde er von Fabio Klammer, 1. Sektionsvorsitzender, und Hüttenwart Paul Lindbichler. Dieses Trio verbindet mehr als ein Bauprojekt – Freundschaft, Vertrauen und eine tiefe Beziehung zu „ihrer“ Hütte.

Die Gamskarkogel-Hütte liegt auf 2.467 m, gehört zu den ältesten Alpenvereinshütten und blickt auf eine fast 200-jährige Geschichte zurück. Wer oben ankommt, findet Ruhe, Einfachheit und einen weiten Blick über Großglockner, Sonnblick, Dachstein und das Kaisergebirge.

Vieles wurde in Eigenregie umgesetzt. Vom Baggerfahrer bis zum Elektriker waren zahlreiche Fähigkeiten im Team vertreten. „Der Erfolg des Projekts liegt in jeder einzelnen helfenden Hand“, betont Schellhorn. Nur so konnte der Umbau rechtzeitig abgeschlossen werden, damit der Hüttenbetrieb im Sommer starten konnte.

Die größten Herausforderungen waren Zeitmanagement und Logistik. „Schnell

¡ nfo

Ehrenamt

Jede und jeder kann sich im Österreichischen Alpenverein freiwillig einbringen!

Melde dich bei deiner Alpenvereinssektion oder schreibe an: ehrenamt@alpenverein.at

zum Baumarkt fahren gibt’s hier nicht“, sagt Hüttenwart Paul Lindbichler. Fehlendes Material musste im Notfall die 800 Höhenmeter hinaufgetragen werden – bei jedem Wetter.

Was bleibt? Der Wunsch nach jungen, engagierten Ehrenamtlichen in der Sektion und einer Hütte, die noch viele Generationen überdauert. „Als ich mit 18 hier oben war, wollte ich einfach nur die Zeit genießen“, sagt Schellhorn. „Genau das wünsche ich mir auch heute für unsere Gäste: Die Sorgen im Tal lassen – und oben ankommen.“

Pia Payer ist im Österreichischen Alpenverein für das Ehrenamt zuständig.

Momente, die in Erinnerung bleiben: Gemütliches Beisammensein in der Hütte nach langen Arbeitstagen bei jedem Wetter. Wenn man weiß, was man getan hat, sich stärkt und stolz auf die gemeinsame Leistung zurückblickt.

Fotos: Franz Schellhorn, Xonda Schrempf

Alpine Baudenkmäler im Visier

Für Alpinisten unentbehrlich, erzählen sie vom frühen

Alpinismus und von Pionieren am Berg – die alpinen

Schutzhütten. Einige sind zudem von besonderer kultureller, historischer und architektonischer Bedeutung, sodass ihr Erhalt gesamtgesellschaftlich relevant ist.

Es ist rund zehn Jahre her, da griff die deutsche Wochenzeitung Die Zeit ein Thema auf, das bis dahin kaum öffentlich diskutiert wurde. Betont zugespitzt titelte sie im Juni 2014 „Behütet uns. Wie Denkmalpfleger bildschöne Alpenhütten schützen – vor eifrigen Pächtern, verwöhnten Gästen und dem Zahn der Zeit“. Dass mit diesen Zeilen zudem angedeutet wurde, die Eigentümer, die Sektionen der Alpenvereine, würden die historische Substanz ihrer Hütten nicht schützen (wollen), regte viele auf.

Mittlerweile steht ein beachtlicher Teil der als baukünstlerisch herausragend erkannten alpinen Schutzhütten unter Denkmalschutz. So listet der Deutsche Alpenverein (DAV) 27 Hütten seiner Mitgliedssektionen als unter Denkmalschutz stehend auf, beim Österreichischen Alpenverein sind es vier Hütten (siehe HüttenPorträts). Weitere sollen folgen.

Zahn der Zeit

Die meisten Schutzhütten der alpinen Vereine bzw. Sektionen wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts oder im frühen 20. Jahrhundert errichtet. Zwei Hütten wurden schon sehr früh als besonders prägnant eingestuft: 1990 kam das schindelverkleidete, im Landhausstil erbaute Stubenberg-Haus am Schöckl bei Graz unter Denkmalschutz, sieben Jahre später die luxuriöse Berliner Hütte im Zillertal. Und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie in den Fokus des Bundesdenkmalamts geraten würden.

Da bei vielen alpinen Schutzhütten aufgrund ihres langen Bestehens sukzessive weitreichende Sanierungsmaßnahmen anstanden, beschloss das Landeskonservatorat Tirol, die alpinen Schutzhütten genauer unter die Lupe zu nehmen. Galt es doch, „Leuchttürme“ zu identifizieren und zu schützen, bevor sie wegen moderner Anforderungen ihren ursprünglichen Charakter verlieren. Eine Herkulesaufgabe für die Denkmalschützer, die nur in Kooperation mit den Sektionen und den alpinen Vereinen zu bewältigen war. Einige Alpenvereinssektionen standen dem denkmalschützerischen Ansinnen zunächst skeptisch gegenüber. Man befürchtete bürokratische Hürden, Einschränkungen bei der Bewirtschaftung und deutlich höhere Kosten bei Sanierungsund Instandhaltungsarbeiten. Georg Unterberger, Leiter der Abteilung Hütten und Wege des Österreichischen Alpenvereins, erinnert sich, dass bei einigen Eigentümern Überzeugungsarbeit zu leisten war. „Alle Sektionen betreiben und erhalten ihre Hütten mit sehr viel Herzblut und Engagement, die Eigenleistung ist enorm und die finanziellen Möglichkeiten sind beschränkt. Zusätzliche Auflagen sieht da niemand gern“, betont er. Die Sorgen waren für ihn daher mehr als nachvollziehbar.

Mittlerweile steht ein beachtlicher Teil der als baukünstlerisch herausragend erkannten alpinen Schutzhütten unter Denkmalschutz. So listet der Deutsche Alpenverein (DAV) 27 Hütten seiner Mitgliedssektionen als unter Denkmalschutz stehend auf, beim Österreichischen Alpenverein sind es vier Hütten (siehe Hütten­Porträts). Weitere sollen folgen.

erschwerte die Dokumentation und Begutachtung vor Ort erheblich. „Rund 30 Schutzhütten haben wir als relevant eingestuft“, erinnert sich Michaela Frick, die das Projekt „Denkmalschutz auf alpinen Schutzhütten“ beim Landeskonservatorat Tirol betreut, mit dem Ziel, „exemplarische Gebäude unter Schutz zu stellen und als historische Denkmäler zu erhalten“. Was das Landeskonservatorat Tirol pionierhaft in die Wege leitete, steht längst in der Agenda aller Landeskonservatorate, die Abteilungen des BDA sind. „Die Unterschutzstellung ist im Denkmalschutzgesetz geregelt und erfolgt nach dem Allgemeinen Verfahrensgesetz. Sie wird vom Bundesdenkmalamt nach bundesweit einheitlichen Richtlinien durchgeführt. Die Unterschutzstellung erfolgt in der Regel von Amts wegen“, hält Paul Mahringer diesbezüglich fest.

Dennoch war für ihn von Anfang an klar, „dass Schutzhütten mit hoher ursprünglicher Qualität konsequent auf ihre Schutzwürdigkeit hin überprüft werden müssen“. Es gehe um echte Juwele, die über die rein bauhistorische Relevanz hinaus von den Anstrengungen der ersten Alpinisten zeugen, die unter größten Mühen und mit hohem finanziellen Einsatz Unterkünfte für Bergbegeisterte in hohen Lagen errichteten und dabei Wertvolles schufen: besondere Gebäudetypologien, besondere Einrichtungen, die von der einfachen Stube bis zur getäfelten mit hochwertigen Möbeln reichten. Auch das Bundesdenkmalamt (BDA) legt großen Wert auf eine konstruktive Zusammenarbeit. „Von unserer Seite besteht das Bestreben, alle möglichen Bedenken auszuräumen und offene Fragen im Vorfeld zu klären“, so Paul Mahringer, Leiter der Abteilung für Denkmalforschung des BDA.

Dreißig Zeugen

Dabei reicht das Spektrum der Baudenkmäler von äußerst schlichten Unterkünften, den sogenannten „Urhütten“, wie der Alten Prager Hütte am Großvenediger in Osttirol, die vom Deutschen Alpenverein heute als Museum betrieben wird, über große, im bürgerlichen Landhausstil errichtete „Hütten“ wie das Anton-KargHaus im Kaisertal (Sektion Kufstein, ÖAV) bis hin zum „Gletscherschloss“ Brandenburger Haus in den Ötztaler Alpen (Sektion Brandenburg, DAV), das unter anderem über zwei herrschaftliche Speisesäle, Weinkeller, beheizte Zimmer und eine Dunkelkammer verfügte.

Durchaus Vorzüge

Die Pfeis-Hütte im Karwendelgebirge wurde vor 100 Jahren (1926/27) erbaut und steht seit 2016 unter Denkmalschutz.

Allein in Tirol mussten erst einmal circa 300 Hütten einer groben Erstprüfung unterzogen werden, um mögliche Kandidaten herauszufiltern und genauer unter die Lupe zu nehmen. Neben der großen Anzahl an Objekten gab es eine weitere Herausforderung: Die meist exponierte Lage

Zum Stolz, eine baukünstlerisch besonders wertvolle Hütte zu besitzen, kommt, dass der Denkmalschutz zwar nicht von der Hand zu weisende Einschränkungen bringt, wenn es um notwendige Sanierungen oder bauliche Veränderungen geht. Bei diversen Adaptierungserfordernissen aber erweist sich das jedoch als beachtlicher Vorteil: „Denkmalschutz sorgt auch dafür, dass teils überbordende, sehr kostenintensive Auflagen, etwa beim Brandschutz oder bei der Hütteninfrastruktur, eingedämmt werden können“, unterstreicht Unterberger.

Technologische Entwicklungen und Erfahrungen mit Sanierungen bei historisch bedeutsamen Objekten haben zu-

Foto: Alpenverein Innsbruck/Klaus Springfeld, KI-Skizze: himmel/basierend auf Fotos von Klaus Springfeld >

dem gezeigt, dass sich auch moderne Technik in geschützte Substanz integrieren lässt. So seien Photovoltaikanlagen auf Baudenkmälern unter bestimmten Voraussetzungen durchaus möglich, „etwa, wenn monokristalline, schwarzmatte Paneele kompakt und dachparallel, mit ausreichend Abstand zu Firsten und Graten, für den Eigenbedarf montiert werden“, wie Michaela Frick hervorhebt und darauf verweist, dass es oft um individuelle Lösungen gehe.

Nach einem großen Schwung an Unterschutzstellungen stehen in Tirol nur mehr wenige Hütten auf dem Plan: Für das Jahr 2026 ist das Ermittlungsverfahren zum Friesenberghaus geplant, die Erlanger Hütte steht ebenfalls noch auf der Liste. In anderen Bundesländern sieht Unterberger durchaus Handlungsbedarf: Er hätte noch einige alpine Schutzhütten im Auge, denen ein Denkmalschutz gut anstehen würde.

Stubenberg-Haus (Steiermark)

Als „einzigartiges Baujuwel im alpinen Bereich“ betrachtet der Alpenverein Graz sein Stubenberg-Haus. Es liegt am Schöckl (1.445 m), dem Grazer Hausberg, in einem stark frequentierten Naherholungsgebiet. 1872 errichtete der Steirische Gebirgsverein (der sich später mit der Sektion Graz des ÖAV zusammenschloss) ein ers-

Das Anton-Karg-Haus im Kaisertal war die erste Hütte des Österreichischen Alpenvereins, die unter Denkmalschutz gestellt wurde. Foto: Verena Helminger

tes Schutzhaus auf der sogenannten Jahnwiese, 1890 folgte ein größerer Neubau auf der Südseite des Gipfels. Die Pläne für den zweigeschossigen, im Landhausstil ausgeführten Bau mit Schopfwalmdach stammten vom Architekten Friedrich Sigmundt. Die Fassade wurde mit Holzschindeln verkleidet, eine Besonderheit bildeten auch die geschnitzten Balkenköpfe. 1936 kam eine Südterrasse dazu. 100 Jahre nach Errichtung wurde das Stubenberg-Haus unter Denkmalschutz gestellt. Dass Veränderungen trotzdem möglich sind, zeigte sich, als das Gebäude Anfang der 2000erJahre umfassend saniert wurde und einen Zubau erhielt.

Anton-Karg-Haus (Tirol)

Seit seiner Errichtung 1889/90 bietet das Stubenberg-Haus am Grazer Hausberg, dem Schöckl, Generationen von Alpenvereinsmitgliedern eine verlässliche Einkehr. Foto: Josef Lamprecht

Der erste Bau des heutigen Anton-KargHauses der Sektion Kufstein, idyllisch hinten im Kaisertal gelegen, entstand 1883 als „Unterkunftshaus Bärenbad“ an der gleichnamigen Stelle neben dem Kaiserbach. Später kam nordöstlich eine Kapelle dazu. Nach zehn Jahren ließ der Kufsteiner Bürgermeister Anton Karg ein neues Haus errichten. Durch einen Brand zerstört und nach den alten Plänen neu aufgebaut wurde es 1900 als Anton-Karg-Haus eingeweiht. Die beiden Untergeschosse sind gemauert und verputzt, die oberen Stockwerke in Blockbauweise ausgeführt, darüber liegen zwei Pfettendächer. „Die ar-

10 YEARS

chitektonische Detailgestaltung ist in Holz ausgeführt und sehr aufwendig gemacht mit charakteristischen Formen ländlicher Villenbauten des ausgehenden 19. Jahrhunderts“, erklärt Frick. Im Inneren stechen besonders die Wandfriese in der mittleren und westlichen Stube ins Auge.

Pfeis-Hütte (Tirol)

Idyllisch gelegen am obersten Almboden des Samertales im Karwendelgebirge, kam die Pfeis-Hütte 2016 unter Denkmalschutz. 1926/27 von der Sektion Innsbruck des ÖAV nach Plänen des Architekten Othmar Sehrig erbaut, präsentiert sich die stark frequentierte Hütte als zwei- beziehungsweise dreigeschoßiger Komplex in Mischbauweise: Das talseitige Unter- und Erdgeschoß sind gemauert, während das Obergeschoß als Kantblockbau ausgeführt ist. Dazu kommen Zubauten an der Südostecke und im Westen sowie Terrassen südlich und westlich am Hauptgebäude. Besonders markant sind hier die beiden Gaststuben, die im Tiroler Kunstkataster folgendermaßen beschrieben sind: „Die ,Karwendlerstube‘ mit Leistengetäfel, Felderdecke und wandfestem Mobiliar aus der Erbauungszeit. In der großen Gaststube Leistengetäfel, Felderdecke und die an drei Seiten umlaufende Sitzbank ebenfalls aus der Erbauungszeit.“

Die Rojacher-Hütte befindet sich direkt unterhalb des Gipfels des Hohen Sonnblicks in der Goldberggruppe der Hohen Tauern. Eine „urige“ Hütte, die erst seit 2021 unter Denkmalschutz steht.

Foto: Alina Großbointner

Rojacher-Hütte (Salzburg)

Eigentümerin der Rojacher-Hütte, die am Alpenhauptkamm der Hohen Tauern auf einem kleinen Plateau am Ostgrat des Sonnblicks liegt, ist die Sektion Rauris des ÖAV. Wie bei der Alten Prager Hütte in Osttirol handelt es sich bei der Rojacher-Hütte um eine der „Urhütten“ der alpinen Vereine, also eine einfache Hütte, die in diesem Fall aus einem Vorraum, einem Wohn- und Kochraum sowie dem Dachboden mit einigen Schlafplätzen besteht. Im Gegensatz zur Alten Prager Hütte, die als Museum fungiert, ist die Rojacher-Hütte noch in Betrieb. Bemerkenswert zudem, dass sie, trotz exponierter Lage auf 2.718 m, komplett aus Holz errichtet wurde. Benannt ist sie nach dem Erbauer, dem Bergwerksbesitzer Ignaz Rojacher, der auf dem Hohen Sonnblick auch ein Observatorium errichtete. Seit 2021 steht die Rojacher-Hütte unter Denkmalschutz.

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Der Wilde Kaiser ist für sein Ellmauer Tor und den „Bergdoktor“ bekannt. Doch auch, wenn man weder dem einen noch dem anderen begegnet, hinterlässt die Umrundung des imposanten Massivs bleibende Eindrücke. Wer denkt, die Umrundung des Wilden Kaisers wäre ein Spaziergang, der täuscht sich. In stetem Auf und Ab führt diese Tour durch eine atemberaubende Landschaft und von Hütte zu Hütte. Dazu zählt auch das denkmalgeschützte Anton-Karg-Haus – ein Beispiel, dem sich Bergauf in dieser Ausgabe zum Denkmalschutz auf Hütten (S. 22) widmet.

Wegbeschreibung

Tag 1: Nach dem Start in Going ist der Schleierwasserfall nach ca. drei Stunden Gehzeit das erste Highlight. Steil bergauf geht es weiter, und schon bald erreicht man das „Leiterl“: Eine steile Felswand wurde mittels einer Leiter passierbar gemacht. Anschließend helfen Seilversicherungen und Eisenstufen dabei, den Aufstieg zu meistern. Aber die Mühe lohnt sich, denn von der unweit gelegenen Ackerl-Hütte genießt man einen traumhaften Blick bis hin zum Großvenediger. Weiter aufsteigend über Almwiesen geht es zum Brennenden Palven, auch Baumgartenköpfl genannt, der die Fernsicht der Ackerl-Hütte übertrifft. Von dort ist es dann nicht mehr weit bis zur Gaudeamushütte.

Tag 2: Der Aufstieg zur Gruttenhütte führt über den Klammlweg, ebenfalls seilversichert und mit einer Leiter ausgestattet. Auf und ab geht es weiter bis zur Steiner Hochalm. Hier erwarten uns ein erfrischendes Getränk, leckere Buttermilch sowie Gesang mit Harfenklängen. Almbauer Peter Horngacher ist dafür bekannt, dass er seine Gäste mit lustigen Geschichten, Liedern und Instrumentalstücken auf der Harfe unterhält. Die Pause sollte nicht zu lange dauern, denn der Weg bis zur Kaindlhütte über den Wilden-Kaiser-Steig ist noch weit.

Tag 3: Die dritte Etappe ist etwas kürzer als die anderen. Munter geht es über den Bettlersteig. Er führt über viele Stufen bis zum Anton-Karg-Haus, weiter zum Hans-Berger-Haus und mit einem zweistündigen Aufstieg hinauf zum Stripsenjoch-Haus. Hier ein wenig Zeit zu haben, lohnt sich. Einfach auf der Terrasse sitzen, in die hohe Felswand des Totenkirchl

Umrundung des Wilden Kaisers in vier Tagen

Variante der Kaiserkrone mit Hüttenübernachtungen in faszinierender Szenerie.

Bleibende Eindrücke auf der Umrundung des Wilden Kaisers.
Foto: Bianca Maria Uhl

(2.190 m) schauen, dort die Kletterer beobachten, den Wolken zuschauen und den Wind genießen …

Tag 4: Auch der vierte und letzte Wandertag hält Highlights bereit: Vom Stripsenjoch-Haus geht es steil hinauf zum Stripsenkopf (1.807 m), von dessen Aussichtspavillon sich ein herrliches Rundumpanorama bietet. Über einen traumhaft schönen Gratweg mit Fernsicht in alle Richtungen geht es teilweise aufsteigend bis zum Feldberg. Von dort erblickt man eindrucksvoll das Ellmauer Tor mit der Steinernen Rinne. Mit dem Jubiläumsweg ist dies wohl die beliebteste Querung im Wilden Kaiser, sie verbindet die Gruttenhütte mit dem Stripsenjoch-Haus. Der Weg führt anschließend leicht absteigend bis kurz vor die Obere Scheibenbichlalm. Von dort geht es über den etwas steileren Pfad hinunter zur Fischbachalm und dann durch das Kaiserbachtal bis nach Griesenau zur Bushaltestelle. Von hier weiter mit dem Bus, z. B. zum Bahnhof St.  Johann oder zurück zum Ausgangspunkt.

Touren

Anreise

Mit den Öffis

Die Tour startet bei der Haltestelle Going Dorf. Vom Bahnhof St. Johann (Bus 866) oder Kufstein (auch Bus 866) fahren Busse dorthin. Im Sommer fährt der Wanderbus weiter bis zur Haltestelle Wanderparkplatz Hüttling. Informationen zu den Wanderbussen: www.wilderkaiser.info/de/ busangebot-und-fahrplan.html

Rückreise

Die Tour endet direkt an der Bushaltestelle Kirchdorf in Tirol Griesenau. Von hier z. B. weiter zum Bahnhof St. Johann (Bus Nr. 800).

Tourdaten

Strecke: 48 km

Aufstieg und Abstieg: 3.200 Hm

Dauer: vier Tage, u. a. mit Übernachtung auf Alpenvereinshütten

Ausrüstung

Standardausrüstung für mehrtägige Bergwanderungen

Autorin

Bianca Maria Uhl, DAV Sektion Stuttgart

Kartenausschnitt

Outdooractive Kartographie

Mehr Details zu dieser Tour auf alpenvereinaktiv: www.alpenvereinaktiv.com/ s/3xPusa

Mit Kindern auf Hütten

Gemeinsam draußen sein – mit der Hütte als Ziel und Ausgangspunkt. ¡ nfo

Wer mit Kindern draußen unterwegs ist, weiß: Die Rahmenbedingungen müssen passen. Überschaubare Wege, Zeit zum Entdecken und eine Umgebung, in der Kinder einfach Kinder sein dürfen, machen Tage draußen zum Erlebnis. Genau hier setzen familienfreundliche Hütten und begleitete Angebote des Alpenvereins an. Mit „Mit Kindern auf Hütten“ macht der Österreichische Alpenverein sichtbar, welche Alpenvereinshütten sich be-

sonders gut für Aufenthalte mit Kindern eignen. Kindgerechte Zustiege, sichere Bereiche rund um die Hütte und eine offene Atmosphäre sorgen dafür, dass sich Familien willkommen fühlen – und der Hüttenaufenthalt nicht zur logistischen Herausforderung wird, sondern zu gemeinsamer Zeit draußen.

Eine besonders entspannte Möglichkeit, Hüttenluft zu schnuppern, bieten die „Bergferien“. In diesen begleiteten Ferienwochen sind Familien gemeinsam mit erfahre-

nen Leiter:innen unterwegs, übernachten auf Hütten, erkunden alpine Landschaften und sammeln Bergerfahrungen in der Gruppe. Das Programm ist bewusst familiengerecht gestaltet und lässt Raum für Naturerlebnisse, Spiel, Bewegung und gemeinsames Ankommen – ohne dass Eltern die Planung, Routenwahl und Organisation alleine übernehmen müssen. Gerade für Familien, die erste Schritte in der Hüttenwelt machen oder neue Impulse suchen, können die

Mit Kindern auf Hütten

Orientierung zu familienfreundlichen Hütten und zur passenden Planung von Hüttenaufenthalten mit Kindern. www.alpenverein.at/ portal/huetten-wege/ guetesiegel-und-kampagnen/ mit-kindern-auf-huetten/ mit_kindern_auf_huetten.php

Bergferien für Familien

Begleitete Ferienwochen mit Hüttenübernachtungen, Naturerlebnissen und familiengerechtem Tempo

Mehr Infos: www.alpenvereinsjugend.at/angebote/bergferien

Bergferien ein idealer Einstieg sein. Sie verbinden das Unterwegssein am Berg mit Gemeinschaft, fachlicher Begleitung und der Sicherheit, nicht alles selbst wissen oder können zu müssen.

Alpenkonvention: Ein Versprechen für die Alpen

Wer viel in den Alpen unterwegs ist, spürt es unmittelbar: Diese Landschaft ist kostbar und verletzlich. Wege, die wir pflegen, Hütten, die wir betreiben, und Räume, die wir nutzen und gleichzeitig schützen wollen. Genau dafür gibt es die Alpenkonvention.

Dieser völkerrechtliche Vertrag ist das gemeinsame Versprechen der Alpenstaaten, den einzigartigen Lebensraum namens Alpen zu bewahren und zugleich verantwortungsvoll zu entwickeln. Ein Rahmen, der klarmacht, dass die Alpen nicht an Grenzen aufhören und ihre Probleme ebenso wenig. Klimawandel, Verkehr, Energiedruck und Nutzungskonflikte sind grenzüberschreitend und brauchen gemeinsame Regeln.

Für uns als Alpenverein ist die Alpenkonvention kein abstraktes Abkommen. Sie ist Leitbild unseres Handelns. Wenn wir über Wege, Hütten oder Naturschutz sprechen, dann geht es genau um diesen Ausgleich: zwischen Nutzung und Schutz, zwischen heute und morgen. Und doch zeigt die Praxis ein anderes Bild: Die Alpenkonvention ist stark auf dem Papier, aber in der Umsetzung wird sie zu oft übergangen. Nicht alle Staaten ziehen mit, nicht alle Regeln werden konsequent angewendet. In Verfahren bleibt sie oft ein Hintergrundrauschen, obwohl sie im Grunde klare Leitplanken setzt.

Das größte Problem ist nämlich folgendes: Sie ist zu wenig sichtbar. Zu viele kennen sie nicht und was nicht bekannt ist, entfaltet keine Wirkung. Genau hier setzen wir an: Mit einem eigenen Projekt

holen wir die Alpenkonvention aus dem Aktenordner für Politik, Behörden und für uns alle. Denn sie gehört nicht in Fachgremien, sie gehört in die Praxis: in Verfahren, in Genehmigungen und zu allen, die in den Alpen Verantwortung tragen.

Für uns als Alpenverein ist die Alpenkonvention kein abstraktes Abkommen. Sie ist Leitbild unseres Handelns.

Ich bin überzeugt, dass sich Entscheidungen verändern, wenn mehr Menschen die Alpenkonvention kennen. Nur dann wird genauer hingeschaut, abgewogen und diskutiert.

Die Alpenkonvention ist kein fertiger Schutzschild, sie ist ein Werkzeug. Und wie jedes Werkzeug wirkt sie nur, wenn man sie in die Hand nimmt.Gerade wir als Alpenverein, mit unserer Erfahrung und unserer Stimme, haben die Verantwortung, das zu tun.

Zwischen Eisenerz und Seewiesen, Wildalpen und Tragöß Oberort liegt das Hochschwabmassiv.

Sein namensgleicher Gipfel ist aus allen Himmelsrichtungen erreichbar. Das verkarstete Kalkplateau schluckt das Wasser und leitet es bis nach Graz und Wien weiter. Die Anstiege sind moderat – fordernd für die Aufmerksamkeit, offen für Weite und Landschaft.

Sonnschien-Hütte

1.520 m l aUR a N EU häUSER Illustration

801, 805

Hochschwab 2.277 m

Hochschwabgruppe – Kurzinfo

Lage: Nördliche Ostalpen, Steiermark

Höchster Gipfel: Hochschwab, 2.277 m

Landschaft: Großräumige Gebirgslandschaft mit rund 400 km2

Schutzstatus: 5 Naturschutzgebiete, 3 Landschaftsschutzgebiete

Naturhighlights: Wildalpener Salzatal (größtes Naturschutzgebiet der Steiermark), Grüner See, Edelweißboden

Besonderheiten: Karstgebiet mit Höhlen, Mooren und Eishöhle

Überregional: Wasserschongebiet – Trinkwasser für Wien und Graz

Fauna: Gilt als eines der gämsenreichsten Gebiete Europas

Flora: Edelweiß, Enzian und artenreiche Orchideenvorkommen

Weitwandern: Steirischer Landesrundwanderweg, 01 Nordalpenweg, 05 Nord-Süd-Weitwanderweg

Die Abbildung zeigt das Bergmassiv in skizzenhafter Form. Wege, Hütten und Strukturen sind vereinfacht dargestellt und weder maßstabsgetreu noch vollständig.

„Man besteigt oft den Hochschwab, um die Sonne von ihm aus aufgehen zu sehen, ich sah sie heute von seiner Spitze untergehen, und glaube, dass dieser Anblick dem erstern an Schönheit und Pracht nicht nachsteht.“

(Baron von Welden, Flora oder Botanische Zeitung, 28.8.1826, S.505.)

Schiestlhaus 2.155 m

Auswahl an Kletterrouten

1 Zauberlehrling (385 m, 6+)

2 Reif für die Insel (285 m, 6)

3 Rambos Dornröschen (345 m, 6-)

4 Knablweg (290 m, 4+)

5 Baumgartnerweg (330 m, 3)

6 Himmelsleiter (300 m, 5-)

7 Domeniggweg (450 m, 3-)

Der Alpenverein am Hochschwab

„Die Voisthaler“ wurden 1883 gegründet und sind seit 2018 eine Ortsgruppe der Sektion Austria des Österreichischen Alpenvereins. Ihre Aufgabe liegt nahezu ausschließlich in der Betreuung des Hochschwabgebiets – insbesondere der Wege sowie der Sonnschien-Hütte, der Voisthaler-Hütte und des Fleischer-Biwaks. Damit leisten sie einen zentralen Beitrag zur alpinen Infrastruktur und Instandhaltung dieses Gebietes. alpenverein.at/austria-voisthaler

801, 805

Wir sitzen tief in Gedanken versunken und mit den letzten wärmenden Strahlen der Abendsonne im Gesicht vor unserer Selbstversorgerhütte im steirischen Triebental. Im Augenwinkel sehen wir zwei Wanderer, bis oben bepackt, die gerade auf das Grundstück der Triebental-Hütte abzweigen. Müde und abgekämpft fallen die schweren Rucksäcke, und nicht zuletzt die Allerwertesten der beiden, zu Boden. „Wir wandern entlang der Via Alpina, dürfen wir hier im Zelt übernachten?“, fragt Ivan mit ruhiger und erschöpfter Stimme. Während die beiden ihr Lager für die Nacht aufbauen, leistet ihnen unser Sohn Raphael Gesellschaft. Ivan und Jonas kommen aus Prag, sind mit dem Zug in die

Steiermark gereist und am Weg nach Werfenweng. Wir laden die beiden zu Knödel mit Eierschwammerlsauce ein – selbst gesucht und gefunden natürlich. Beim gemütlichen Abendessen und einer guten Flasche Rotwein erzählen sie von ihrem Abenteuer, was sie schon hinter sich haben und welche Herausforderungen noch auf die beiden warten. Raphael wird an diesem Abend mit dem Weitwandervirus infiziert. Zwar hatten wir vergangenes Jahr, kurz vor seinem sechsten Geburtstag, schon einige Tagestouren bewältigt, von Hütte zu Hütte waren wir allerdings noch nicht unterwegs. Raphael liebt die Berge, die Natur, alle Stöcke, die darin vorkommen, Steinewerfen am Bach und stundenlang gemütlich „schlendern“.

Vier Tage, ein Massiv

Der Sommer ist noch jung, die Ferien haben gerade erst begonnen und wir planen eine Weitwanderung. Rasch ist klar: Wir überschreiten das Hochschwabmassiv. Da kenne ich mich gut aus, wir haben im Notfall jederzeit die Möglichkeit, abzusteigen, und die zahlreichen Hütten bieten ausreichend Möglichkeit, nach den Bedürfnissen Raphaels zu agieren. Und weil es der kleine Bergfex sich wünscht: Es gibt einen aussichtsreichen Gipfel im Programm.

Ein perfektes Wetterfenster Anfang August markiert den Startschuss unseres Abenteuers. In vier Tagen, mit drei Hüttenübernachtungen, überqueren wir den

Während wir die Stille mit Blick auf den Horizont und die feuerroten Wolkenbänder genießen, entdecken wir die ersten Sterne am Himmel ober uns und Lichter im Tal weit unten. Es ist Zeit, wieder in die warme Hütte abzusteigen.

„Schwob’n“ von Ost nach West, von Seewiesen bis nach Tragöß. Wir starten zuhause in Graz mit dem Lastenrad in Richtung Bahnhof. Der Zug bringt uns nach Kapfenberg, doch die geplante Weiterreise mit dem Bus scheitert. Railjet verspätet, der Fahrer der Verbundlinie wollte trotz Hinweis eines bereits vor Ort wartenden Wanderers, dass mehrere Personen im Zug auf diesen Anschluss angewiesen sind, keine vier Minuten warten. Daher sind wir nicht allein, und zwei Jungs aus der Region, die ebenfalls planen, Richtung Hochschwab zu gehen, nehmen uns mit dem Auto mit. In Aflenz überholen wir den Bus und sparen uns somit den langen „Hatscher“ von der Haltestelle zum Wanderparkplatz. Der Tag ist noch lang,

Vier Tage Schwob’n

Seewiesen, Voisthaler-Hütte, Schiestlhaus, SonnschienHütte: In vier Tagen queren wir das Hochschwabmassiv.

Mit dabei ein Kind, das die Berge liebt.

R EN é S EN dlhof ER-SchaG

und so brechen wir voller Vorfreude und einer guten Portion Aufregung zu unserem ersten Ziel auf: die Voisthaler-Hütte. Wir haben ausreichend Zeit, genießen die frische Luft und das satte Grün der Vegetation und finden rasch zwei passende Stöcke zum Wandern, die uns alle vier Tage begleiten. Kurz nach dem Franzosenkreuz befinden wir uns plötzlich inmitten einer Steinbockherde. Die imposanten Tiere haben es sich auf dem kleinen Plateau vor dem letzten Anstieg zur Hütte gemütlich gemacht. Von uns beiden lassen sie sich kaum beeindrucken, hin und wieder steht einer der Böcke auf, wirft uns einen genervten Blick zu und spaziert weiter. Wir setzen uns auf einen nahegelegenen Stein, packen die große Dose

Nussmix aus und genießen ehrfürchtig die Aussicht auf diese majestätischen Tiere. Mit dem Wissen über das Schwinden der genetischen Vielfalt der Steinbockpopulationen – auch am Hochschwab – kommt Wehmut auf und ich hoffe, sie noch lange beobachten zu können. Mit diesen prägenden Eindrücken vor unserem geistigen Auge packen wir den Steilaufschwung zur neuen, modernen Voisthalerhütte und haben immer noch mehr als ausreichend Zeit, die Seele und unsere Füße baumeln zu lassen.

Aushilfskellner Raphael

Unser kleiner Zwerg ist nicht lange müde und macht sich auf den Weg zur Küche der Hütte. Schnell wird er zur Assistenz der

Die „moderne“ Outdoorküche der Voisthaler-Hütte. Raphael übt sich im Palatschinken-Machen.

Das Hochschwab-Massiv ist bekannt für eine der größten Steinbock-Populationen der Ostalpen.

Jahren hier, verändert hat sich kaum etwas und die schräg dekorierte Gaststube von Wirt Christian ist nach wie vor ein Hingucker. Wir treffen zufällig Freunde aus meiner Schulzeit – ja, auch das ist schon länger her – und verbringen einen wundervollen Abend gemeinsam. Nach dem Abendessen gehen wir noch auf den nahe gelegenen Gipfel und genießen einen wundervollen Sonnenuntergang. Während wir die Stille mit Blick auf den Horizont und die feuerroten Wolkenbänder genießen, entdecken wir die ersten Sterne am Himmel ober uns und Lichter im Tal weit unten. Es ist Zeit, wieder in die warme Hütte abzusteigen.

Über den Schwob’n

Chefin erklärt und hilft beim Abräumen der Tische. Das Team ist sichtlich angetan von Raphaels offenem und freundlichen Gemüt. Ich genieße derweil bei Kaffee und Kuchen den Ausblick durch das atemberaubende Panoramafenster im Aufenthaltsraum. Nach einem Besuch von Freunden, mehreren Runden Domino und einem ausgezeichneten Abendessen fallen wir müde, aber glücklich ins Bett. Frühmorgens kriechen wir aus den Federn, die Beine sind leichter als gedacht und die Vorfreude auf das Frühstück groß. Wir lassen uns Zeit, trödeln und tratschen mit anderen Gästen. Der Wind bläst heftig und unsere Planung ist großzügig ausgelegt – so starten wir erst gegen elf Uhr zum Schiestlhaus und gehen den weiteren Weg über das Ochsenreichkar. Wir hoffen, abseits der Hauptroute mehr Ruhe und somit auch mehr Murmeltiere, Gämsen und Steinböcke zu sehen. Der Plan geht auf, kaum sind wir abgebogen, schallen uns die ersten Warnpfiffe der Murmeln um die Ohren.

Auch heute erreichen wir früh genug unser nächstes Etappenziel, das SchiestlHaus. Ich war das letzte Mal vor über zehn

Unser kleiner
Zwerg ist nicht lange müde und macht sich auf den Weg zur Küche der Hütte. Schnell wird er zur Assistenz der Chefin erklärt und hilft beim Abräumen der Tische.

Raphael pfeift „Heast es ned“ von Hubert von Goisern und kaum ein anderes Lied wäre gerade passender. Heute stehen wir vor der längsten Etappe unseres Abenteuers. Wir überschreiten den Großteil des Massivs zur Sonnschien-Hütte. Es geht kaum nennenswert bergauf, jedoch haben wir einen langen Marsch und einiges bergab vor uns. Unterwegs treffen wir immer wieder auf Gäste der Hütte und unterhalten uns. Ein ständiges Überholen und Überholtwerden, immer wieder Gämsen, freche Dohlen und Murmeltiere. Auf der Häuslalm machen wir Rast, stärken uns mit Apfelstrudel und springen danach wohlverdient in den Sackwiesensee. Für einen Bergsee recht warm, für einen Badesee saukalt. Genau richtig.

Kurze Zeit später kommen wir an der letzten Station unserer Reise an, bei der Sonnschien-Hütte. Hier habe ich vor fast 20 Jahren meine Ausbildung zum Jugendleiter beim Alpenverein begonnen. Ich kann mich noch an den von Stefan ausgesteckten Orientierungslauf erinnern, niemand hat es vor Einbruch der Dunkelheit geschafft, alle Stationen abzuklappern …

Zurück ins Tal

Wir lernen einen Vater mit seinem Sohn kennen und verbringen erneut einen geselligen Abend miteinander. Der nächste Morgen beginnt melancholisch – heute ist der letzte Tag unserer gemeinsamen Wanderung. Zum letzten Mal starten wir den verzweifelten Versuch, wieder alles sorg-

fältig im Rucksack zu verstauen. Ein letztes Mal stecken wir die Füße in die nach Rosen duftenden Bergschuhe. Ein letztes Mal drücken wir mit Freude den Hüttenstempel in Raphaels Tourenbuch.

Das letzte Frühstück wird hinausgezögert, solange es geht. Und dann brechen wir auf, durch die Klamm hinunter ins Tal nach Tragöß. Doch bevor wir in die Hitze des Ortes spazieren, stecken wir die Beine in den kalten Bach. Mehr war nicht drin, es war einfach zu kalt. Wir hören stillschweigend dem Plätschern des Baches zu, unterbrechen den natürlichen Rhythmus mit dem Geräusch ins Wasser fallender Steine und starten nur widerwillig in Richtung Zivilisation.

Doch irgendwann sind wir da. Und während wir müde, überglücklich und auch etwas traurig, dass die Weitwanderung nun vorbei ist, in Richtung Café staksen, läuft uns das Wasser beim Gedanken an Kuchen im Mund zusammen. Fast überfallsartig stecken wir die Köpfe in die Eistruhe und hinter die Kuchentheke. Auch das hat was – und wie wir wissen, können wir nur zu neuen Abenteuern aufbrechen, wenn wir zuerst zuhause

¡ nfo

HochschwabÜberschreitung mit Öffis

Die beschriebene Tour ist hier zu finden: www.alpenvereinaktiv.com/ s/3wJGjx

Strecke: 34 km,

1.780 Hm bergauf, 1.940 Hm bergab

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René Sendlhofer-Schag ist MountainbikeExperte der Abteilung Bergsport im Österreichischen Alpenverein und stolzer Papa von Raphael.

^ In Gedanken versunken denken wir an diese tolle Tour zurück und freuen uns auf weitere Abenteuer.

‹ Juhu! Ein Besuch des Schiestlhauses ist natürlich Pflichtprogramm. ankommen. Eine Stunde später sitzen wir mit prall gefülltem Bauch und erhöhtem Blutzuckerspiegel im Bus, Zug und auf dem Lastenrad und statten direkt danach dem Freibad in Graz einen kurzen Besuch ab. Das sind Ferien nach unserem Geschmack. Und nach dem fünften Sprung vom Stockerl fragt Raphael, ob wir denn jedes Jahr gemeinsam so eine Wanderung machen können. Klar! Und schon rattert es in meinem Kopf, wohin die nächste Reise führt. Ich bin stolz auf meinen Sohn. Nicht nur, weil er diese unglaublich lange und anstrengende Wanderung mit Bravour gemeistert hat, sondern weil er diesen Wunsch, so etwas zu machen, in sich trug. Weil die Natur, unsere Berge und Wälder eine magische Anziehungskraft auf ihn ausüben. Weil er sich an Steinböcken, Heuschrecken und Murmeltieren erfreut, er mir vertraut und sich auf solche Abenteuer einlässt. Weil er so ist, wie er ist.

Mit Kindern und Kompass unterwegs

Zeit, Raum und Vertrauen: Der pädagogische Kompass der Alpenvereinsjugend unterstützt bei Tagen draußen mit Kindern.

david kU p S a

Der neu entwickelte pädagogische Kompass der Alpenvereinsjugend ist ein Werkzeug, das unseren Ehrenamtlichen Orientierung für die Begleitung junger Menschen bei Tagen draußen! gibt. Jede der neun Grundlagen liefert dabei mehrere Ideen zur Umsetzung. Vieles davon lässt sich auch für private Unternehmungen mit Groß und Klein nutzen. Im Folgenden stellen wir vier Grundlagen und jeweils einen konkreten Praxistipp vor.

Naturbeziehung stärken

Umsetzung: Vielfältige und naturnahe Umgebungen auswählen. Kinder brauchen Naturerfahrungen. Ein kalter Bach, ein moosiger Wald, ein schroffer Berg. Je naturnaher und vielfältiger der Ort, desto besser. Nicht überall sind solche Umgebungen schnell erreichbar. Aber auch in und um Städte finden sich verwilderte Plätze, Brachflächen oder „Gstettn“, die zum Erkunden einladen.

Lernen ermöglichen

Umsetzung: Neugier und Emotionen wecken. Fast überall gibt es Spannendes zu entdecken: Ameisenstraßen, Vögel, kleine Höhlen, Blumen, Tierspuren. Aufmerksam machen, kleine Hilfsmittel wie Becherlupe und Fernglas oder Ideen wie

Foto: Anna Repple
Illustration: Rene Ragg

Pflanzenpressen können unterstützen. Oft kommen die Kinder aber von ganz allein: „Schau, was ich gefunden habe.“ Mit eigenem Wissen, Bestimmungsbuch oder einer App können wir die vielfältigen Fragen klären und Verständnis schaffen.

Freiraum schaffen

Umsetzung: Zeiträume ohne Programm einplanen. Kinder brauchen Freiraum –und ja, dazu gehört auch mal anfängliche Langeweile. Denn daraus wachsen eigene Ideen: bauen, spielen, verstecken, beobachten. Unsere Aufgabe: Nach dem Motto „Weniger ist mehr“ Programm reduzieren, Zeit und Rahmen geben und ihre vermeintliche Langeweile aushalten können.

Risiko wählen

Umsetzung: Geeignete Herausforderung wählen. Kinder und Jugendliche probieren sich gerne aus: Balancieren auf dem umgefallenen Baumstamm, Klettern auf Felsblöcken, Springen über den Bach. Dabei treffen sie automatisch eigene Risikoabschätzungen und passen die Herausforderung an ihr Können an. Dort, wo das noch nicht so gut funktioniert und Gefahr droht, greifen wir ein. Bei eigenen Kindern weiß man ziemlich genau, was man ihnen zutrauen kann. Und das ist meist so einiges.

Viel Freude bei euren Tagen draußen! wünscht euch die Alpenvereinsjugend.

David Kupsa ist pädagogischer Mitarbeiter der Abteilung Jugend im Österreichischen Alpenverein.

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Tage draußen! online & Film

Auf www.tagedraussen.at findest du Ideen, Methoden und Tipps fürs Draußensein mit Kindern und Familien. Unser Kurzfilm „Tage draußen für Kinder!“ macht spürbar, worauf es beim Unterwegssein mit Kindern ankommt.

Trailer & Infos: tagedraussen.at/ filme/kinder

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Bedingt durch die globalen klimatischen Veränderungen wird der Sommer auch in den Alpen immer heißer und die Hitzeperioden werden länger. Flüchtete man früher vor den hohen Temperaturen der Stadt in die kühleren Berge, betrifft uns das Thema Hitze nun auch in höheren Lagen. Da heiße Temperaturen nicht nur unsere Leistungsfähigkeit beim Bergwandern vermindern, sondern auch zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen können, ist es höchste Zeit, sich mit diesem Thema auseinander setzen.

Angepasste Tourenplanung

„Wow, was für ein Tag für eine Bergtour: Die Sonne strahlt ungetrübt vom Himmel und Gewitter sind weit und breit keine in Sicht! Ausschlafen, gemütlich frühstücken und dann los zum 2.001 m hohen Südwand-

Gsund am Berg

Praktische Tipps für wohlbehaltene Tage am Berg. Gsund am Berg, Teil 2: Hitze

G ER ha R d mö SS m ER

kogel!“ Gegen 11:30 Uhr die Ernüchterung: Die Mittagssonne knallt erbarmungslos in die schattenfreien, mit Latschen bewachsenen Südhänge. Nicht ein Hauch einer Brise bringt Abkühlung. Der Puls ist bereits weit über Norm, der Schweiß rinnt in Strömen und die 0,5-Liter-Trinkblase ist auch schon leer! Und das soll Spaß machen?“

Um unseren Organismus zu schonen und auch im Hochsommer Freude am Berg zu haben, erfordert auch das Thema Hitze eine sorgfältige, vor allem aber intelligente Tourenplanung: Angesagt ist ein früher Start, der neben kühlen Temperaturen weitere Vorteile bringt: Man ist meistens noch allein am Berg und kann

Ruhe und frische Luft genießen. Zudem hat man durch einen frühen Aufbruch mehr Zeitreserven nach hinten.

Wenn möglich, meiden wir lange, schattenfreie Südanstiege in der Sonne und suchen uns stattdessen nord- oder westseitige, höher gelegene Tourenziele aus. Latschenbewachsene Hänge und Schotterfelder speichern und reflektieren ebenfalls Wärme. Dort ist es dann erheblich heißer als im Gelände rundum. Auch schattenfreie Hüttenzustiege auf Schotterwegen sind davon betroffen. Pausen werden möglichst in Schattenzonen wie Wäldern, an Nordhängen oder unter Felsüberhängen eingelegt.

Entsprechende Ausrüstung

Bei der Planung müssen wir auch die richtige Ausrüstung berücksichtigen, die beim Thema Hitze – respektive Sonnenschutz –wichtig ist – sprich einen wirkungsvollen Sonnenschutz mitbedenken. Klingt komisch, macht aber Sinn: Möglichst viel bedeckte Haut verhindert viel Sonnenbrand, deshalb ist eine langärmelige, dafür aber sehr leichte, luftige Schicht für Arme und Beine durchaus sinnvoll. Wichtig ist auch, dass Kopf und Nacken gut vor der Sonne geschützt sind. Dazu bieten sich Hüte mit weiten Krempen oder Schildkappen mit Nackenschutz an. Für einen Ganzkörperkomplettschutz kann man schließlich auch den Alpinregenschirm als Sonnenschutz zweckendfremden.

Angesagt ist ein früher Start, der neben kühlen Temperaturen weitere Vorteile bringt: Man ist meistens noch allein am Berg und kann Ruhe und frische Luft genießen. Zudem hat man durch einen frühen Aufbruch mehr Zeitreserven nach hinten.

Aber nicht nur die Haut, auch die Augen wollen geschützt werden: Eine fürs Bergwandern und Bergsteigen geeignete Sonnenbrille muss unbedingt über hochwertige Gläser mit UV-Schutz verfügen und gut sitzen, damit keine Strahlung von oben bzw. seitlich auf die Augen trifft. Die Sonnenbrille ist bei jedem Wetter im Rucksack mit dabei, bei mehrtägigen Unternehmungen ist sogar zu überdenken, eine Reservebrille einzupacken.

Die Sonnencreme hat mindestens einen Lichtschutzfaktor 30 und wird bereits vor Antritt der Tour aufgetragen. Ideal sind kleine Tuben mit zusätzlichem Lippenschutz, die wir selbstverständlich auch auf Tour mitnehmen. Besonders die sensiblen und exponierten Stellen im Gesicht wie Nase und Lippen sowie Ohren müssen wir immer wieder nachcremen. Beim Eincremen oft vergessen werden Nacken, die Oberschenkelinnenseiten und die Unter- bzw. Rückseiten der Arme sowie die sehr sonnenempfindlichen Handrücken.

Trinken, trinken, trinken …

Beim Bergwandern verliert der Körper durch Schwitzen beachtliche Mengen an Wasser und Elektrolyten. Bei großer Hitze wird dieser Verlust noch verstärkt und ab einem Defizit von 2 Prozent des Körpergewichtes verschlechtert sich die Koordination spürbar. Durch die Dehydration verdickt sich das Blut und das zirkulierende Blutvolumen nimmt ab. Dadurch muss das Herz schneller pumpen, um den Körper zu versorgen. In Folge kann der Blutdruck abfallen und Schwindel, Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe sowie Unsicherheit und Gleichgewichtsstörungen (Koordination) entstehen. Alles kritische Faktoren, die wir beim Bergwandern keinesfalls brauchen können, steigt dadurch doch das Unfallrisiko – besonders im absturzgefährdeten Gelände – drastisch an. Deshalb ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr elementar. Im Idealfall trinken wir bereits vor der Tour einen halben Liter, um nicht schon durstig zu starten. Als Minimum nehmen wir dann für eine „normale“ Tour mit einer Nettogehzeit von insgesamt ca. 5 Stunden mindestens 1 bis 1,5 Liter Getränk mit. Im Idealfall „tanken“ wir dann an Hütten, Brunnen oder Quellen Wasser nach, denn in der Regel können >

SAB Booklet Bergwandern Sicher unterwegs auf Wegen und Steigen. Mit Tipps, um Risiken vorzubeugen und wie man auf einem schier endlosen Wegenetz die einzigartige Bergwelt mit Genuss erleben kann. Kapitel zu Orientierung, Wetter und Bergwandern mit Kindern komplettieren den Inhalt. 24,90 €

Trekkingschirm

Ultraleichter Trekkingschirm mit extrem belastbarem Gestell aus Alu und Carbon, tastenloses Verschlusssystem, Polyestergewebe mit Teflonbehandlung, High-Density-EVA-Hartschaumgriff, Nylonhülle, Fixierschlaufe zum Tragen am Rucksack + Alukarabiner. 42,90 €

HIMAYA Sonnencreme

Ideal für Sport und aktive Tage im Freien: Die HIMAYA Natural Sunscreen SPF 50 bietet starken UVA/ UVB-Breitbandschutz mit NichtNano-Zinkoxid. Dank Dry-Grip-Technologie hält sie auch bei Schweiß und Wasser zuverlässig – ohne Fettfilm oder weiße Rückstände. 20,90 €

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wir bei einer Bergwanderung im Hochsommer gar nicht genug trinken. Ist die Wanderung länger und sind die Temperaturen sehr hoch, müssen wir mit 2 Litern rechnen. Wichtig: Wir trinken bereits vor einem ausgeprägten Durstgefühl ca. ¼ Liter pro Stunde, denn Durst zu unterdrücken ist nicht ratsam, da die Leistungsfähigkeit sinkt.

Tipp: Lauwarme (!), mineralhaltige Getränke (siehe Kasten) sind auch im Sommer besser als kalte. Nach der Tour können wir dann ein etwaiges Flüssigkeitsdefizit wieder mit Iso-Getränken – wie unserem geliebten alkoholfreien Bier – ausgleichen.

Warnsignale erst nehmen

Dehydration und Sonnenstich sind ernstzunehmende hitzebedingte Erkrankungen und Erschöpfung durch Hitze oder Hitzschlag können sogar lebensbedrohlich sein. Um dieser Gefahr vorzubeugen, ist es überlebenswichtig, dass wir die entsprechenden Symptome ernst nehmen.

Dehydration: Eine bereits fortgeschrittene Dehydration erkennen wir durch Durst, trockenen Mund, Kopfschmerzen, Schwindel, dunkelgelben Urin sowie Schwächegefühl, Krämpfe und nachlassende Konzentration.

Ignorieren wir diese bereits massiven Alarmsignale, kann es in weiterer Folge durch starkes Schwitzen und weiterhin zu wenig Flüssigkeitszufuhr im schlimmsten Fall zu einem Volumenmangelschock kommen. Symptome sind Schwindel, Erschöpfung sowie kalte und blasse Haut.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Wir bringen die betroffene Person in den Schatten, verabreichen Flüssigkeit und wenden die Schocklagerung bei Volumenmangelschock mit erhöhten Beinen an.

Hitzschlag: Bei einem Hitzschlag versagt die körpereigene Temperaturregelung. Die Ursachen dafür sind aktive Wärmeproduktion bei exzessiver Muskelarbeit und passiver Wärmestau. Besonders gefährdet sind untrainierte und übergewichtige Bergwandernde, die sehr viel Schweiß produzieren, sowie jene mit Durchblutungsstörungen (z. B. bei Diabetes).

Symptome sind eine heiße, gerötete und trockene Haut, eine Körpertemperatur von über 40 °C, Halluzinationen, Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit, Schwindel und Kopfschmerzen, Erbrechen, Krampfanfälle, anfänglich hoher Blutdruck, der in Folge abfällt, und eine beschleunigte Atmung.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Wir bringen die betroffene Person in den Schatten, legen die Kleidung ab, kühlen die Person sofort mit feucht-kalten Umschlägen auf Bauch, Wange und Nacken und wenden die Schocklagerung bei kardiogenem Schock mit erhöhtem Oberkörper und tiefen Beinen an. Flüssigkeit verabreichen wir nur, wenn diese auch geschluckt werden kann.

Sonnenstich: Bei einem Sonnenstich wird durch länger andauernde, direkte Sonneneinstrahlung auf den ungeschützten Kopf und Nacken die Hirnhaut gereizt. Symptome sind ein roter, heißer Kopf, Kopfschmerzen, Unruhe, Nackensteifigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Schwindel sowie Bewusstseinsstörungen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen: Wir legen die bzw. den Betroffenen mit leicht erhöhtem Oberkörper in den Schatten, kühlen Kopf und Nacken und führen ausreichend Flüssigkeit zu.

Gerhard Mössmer ist SicherAmBergExperte in der Abteilung Bergsport im Österreichischen Alpenverein.

¡ nfo Getränke, die sich bei großer Hitze

gut eignen

Isotonische Sportgetränke (fertig oder selbst gemischt)

Gleichen Wasser- und Elektrolytverluste optimal aus, da ihre Konzentration dem Blut ähnelt. Sie unterstützen Muskelfunktion und Thermoregulation und enthalten Natrium, Kalium und Magnesium. Ideal bei langen, schweißintensiven Touren.

Fertig: Isostar, Powerbar

Selbst gemischt: 0,5 l Wasser + 0,5 l Apfelsaft + 1 Prise Salz + Zitronensaft

Wasser mit Elektrolyttabletten

Praktische Lösung für unterwegs, da nachgefülltes Wasser einfach angereichert werden kann.

Mineralwasser mit hohem Natriumgehalt

Günstige Alternative zu Sportgetränken; ideal sind Wässer mit über 300 mg Natrium pro Liter.

Verdünnte Fruchtsäfte Gut verträglich und schnell verfügbar.

Optimales Mischverhältnis:

1 Teil Saft zu 2–3 Teilen Wasser. Reine Säfte sind weniger geeignet, da sie zu viel Zucker enthalten.

Lauwarmer Tee (ungesüßt oder leicht gesüßt) Besonders geeignet sind Pfefferminz- oder Rooibostee.

Der Borkenkäfer: Unheil in drei Akten

Österreich ist etwa zur Hälfte mit Wald bedeckt.

Was wie unberührte Natur wirkt, sind häufig vom Menschen geprägte Wirtschaftswälder. Sie bestehen überwiegend aus einer einzigen Baumart: der Fichte.

dEN iz B R a N k E

Große Teile unserer Wälder sind sogenannte Wirtschaftswälder. Sie bestehen überwiegend aus einer einzigen Baumart: der Fichte.

Akt 1: Die Fichte. Aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit, ihres raschen, geraden Wuchses und der vielseitigen Verwendung des Holzes gilt die Fichte als „Brotbaum“ der Forstwirtschaft. Über Jahrzehnte wurde sie gezielt gefördert und gepflanzt, auch dort, wo ursprünglich artenreiche Mischwälder wachsen würden. So entstanden großflächige Fichtenbestände mit gleichen Pflanzabständen, einheitlichem Baumalter, wenig Struktur und kaum Totholz. Was wirtschaftlich effizient erscheint, ist ökologisch weniger wertvoll. Eine weitere Besonderheit der Fichte: Sie ist ein Flachwurzler. Ihre Wurzeln liegen nahe an der Oberfläche, was es ihnen ermöglicht, schnell auf Regenwasser und Nährstoffe zuzugreifen. Aufgrund der flachen Wurzeln kommt es bei Stürmen häufig zu Windwürfen.

Akt 2: Der Klimawandel. Steigende Temperaturen erhöhen den Wasserbedarf der Fichte. Gleichzeitig treten Trockenperioden vermehrt auf. Der daraus entstehende Trockenstress schwächt die Bäume und setzt die Wälder zunehmend unter Druck. Milde Winter und warme Sommer sorgen außerdem dafür, dass sich Schädlinge schneller vermehren. Der Wald gerät aus dem Gleichgewicht.

Akt 3: Der Borkenkäfer. Nun kommt der Borkenkäfer ins Spiel. Der Buchdrucker ist eine der bekanntesten Borken-

käferarten und längst fester Bestandteil vieler Fichtenwälder. Er befällt vor allem geschwächte oder frisch abgestorbene Bäume und legt seine Eier unter der Rinde ab. Die Larven zerstören die Bastschicht, also genau jene Leitungsbahnen, die den Baum mit Wasser und Nährstoffen versorgen. Diesen Befall überleben nur die wenigsten Bäume.

Was folgt, ist ein Kreislauf: Geschwächte Bäume werden befallen, sterben ab und bieten neuen Lebensraum für weitere Käfer. Was im Wirtschaftswald oft als Katastrophe wahrgenommen wird, gehört in naturnahen Wäldern zu natürlichen Prozessen. Störungen schaffen dort Raum für einzigartige Dynamiken, Artenvielfalt und Verjüngung. Vielfältige Mischwälder sind außerdem stabiler und können Stürmen, Trockenheit und Schädlingsbefall besser standhalten.

Die Entwicklung zeigt deutlich, dass monotone Fichtenforste im Klimawandel an ihre Grenzen stoßen. Die Zukunft liegt deshalb in standortangepassten, vielfältigen Wäldern, die langfristig robuster und widerstandsfähiger sind.

Deniz Branke ist Biologin und im Österreichischen Alpenverein für die Klimastrategie verantwortlich.

Trackaufzeichnung mit der alpenvereinaktiv-App

Tracks aufzeichnen leicht gemacht: Wir erklären Schritt für Schritt, wie die Trackaufzeichnung mit der alpenvereinaktiv-App funktioniert und welche Einstellungen sich bewährt haben. Serie alpenvereinaktiv-Tipp, Teil 9.

Wolf Ga NG Wa R m UT h  Team alpenvereinaktiv

Die Möglichkeit der Trackaufzeichnung befindet sich im Menüpunkt „Aufzeichnen“ (Bild 1 a ). Hier kann man sofort starten oder davor noch ein paar Anpassungen vornehmen. Unter b lässt sich die Aktivität auswählen, die man machen will. Das ließe sich zwar auch im letzten Schritt beim Speichern der Aufzeichnung noch nachholen. Die gewählte Aktivität wirkt sich jedoch auf die Datenfelder aus (z. B. Geschwindigkeit, Strecke etc.), die während der Aufzeichnung zur Verfügung stehen – daher ist die Aus-

wahl an dieser Stelle bereits sinnvoll. Die Datenfelder lassen sich für alle Aktivitäten unter  c („Personalisiere deine Trackdaten“) auf die gewünschten Werte anpassen. Nach einem Tipp auf „Start“ geht’s nun los und die Aufzeichnung beginnt (Bild 2 ). Die gemachte Strecke wird als blaue Linie auf der Karte sichtbar und im Bereich darunter werden die Trackdaten angezeigt.

Tipp 1: Während der Aufzeichnung wird das Hauptmenü unten ausgeblendet. Über das kleine Häkchen (Bild 2 a ) kann man das Menü öffnen und in einen

anderen Bereich der App, wie z. B. „Meine Seite“ oder „Karte“, wechseln, ohne dass die Aufzeichnung abgebrochen wird. Immer wenn eine Aufzeichnung aktiv ist, erscheint in der Karte ein Kamera-Button (Bild 3 a ). Über diesen ist es möglich, Fotos zu machen, die direkt mit der Aufzeichnung verknüpft und genau am Aufnahmeort auf der Karte angezeigt werden.

Tipp 2: In den App-Einstellungen im Hamburgermenü kann man definieren, ob die gemachten Fotos nur in alpenverein-

aktiv oder auch in den Fotos am Smartphone gespeichert werden.

Tipp 3: Wen die Datenfelder unter der Karte stören, der kann den Bereich nach unten schieben und damit die Kartenfläche größer machen (Bild 3 b ). Schiebt man den Bereich hingegen nach oben, erscheint das Höhenprofil zum gemachten Track (Bild  4 ). Drückt man mit dem Finger länger auf das Höhenprofil, dann sieht man auf der Karte den passenden Ort zum Höhenprofil und erhält Infos dazu.

Will man die Aufzeichnung beenden und speichern, dann muss man zuerst auf „Pause“ tippen, wo die Aufzeichnung pausiert und wieder fortgesetzt werden könnte, und anschließend auf „Beenden“. Nun erscheint eine Seite, wo der Track und die dazugehörigen Daten (Titel, Fotos) bearbeitet und gespeichert werden können (Bild 5 und 6 ). Die App gibt einen generischen Titelvorschlag, den man so verwenden oder ändern kann, und auch weitere Beschreibungstexte können ergänzt werden.

Bei den Fotos sind alle Bilder enthalten, die mit Hilfe der App gemacht wurden, und direkt unterhalb werden Fotos zur Auswahl angeboten, die während der Trackaufzeichnung außerhalb der App aufgenommen wurden und noch hinzugefügt werden können. Wichtig sind noch zwei Optionen, die erst weiter unten er-

scheinen: „Sichtbarkeit“ und „Track zuschneiden“ (Bild 6 a ). Ersteres definiert, ob der Track privat bleibt oder gleich veröffentlicht wird, und mit Letzterem kann man den Track am Anfang und Ende zuschneiden, z. B. wenn man vergessen hat, die Aufzeichnung zu beenden. Nach dem Speichern findet man die Aufzeichnung auf „Meine Seite“ unter den „Tracks“.

Tipp 4: Auch bei Tracks sind alle praktischen Funktionen, wie z. B. das Herunterladen, Merken oder Teilen, verfügbar und genauso können Tracks als Vorlage für eine Aufzeichnung bzw. Navigation ausgewählt werden (Bild 7 ). Tracks können also auch im Nachhinein noch selbst oder von anderen für Orientierungszwecke verwendet werden.

¡ nfo alpenvereinaktiv-Tipps

Alle bisher in Bergauf erschienenen alpenvereinaktiv-Tipps sind auf unserer Website zu finden.

Mehr Infos: www.alpenverein.at/ portal/bergsporttipps/ index.php

DEIN ANTRIEB BERGAUF

DIE SPORTNAHRUNG AUS ÖSTERREICH

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Wer gestern wie heute eine Klettertour plant, kam und kommt am Klettertopo nicht vorbei: Es ist „die“ zentrale Informationsquelle zu unserer Klettertour. Im Wandel der Zeit haben sich Symbole, Darstellung und natürlich die Kanäle, über die wir das Topo beziehen, verändert, aber das Wesen des Topos ist immer noch das gleiche. Es handelt sich seit jeher um eine skizzenhafte Zeichnung, die schematisch den Verlauf einer Route mit allen wichtigen Einzelheiten darstellt.

Topos finden wir sowohl gedruckt in Auswahl- oder Gebietsführern, etwa in Form von herausnehmbaren Topokarten, als auch digital, zum Beispiel auf alpenvereinaktiv.com oder bergsteigen.com. Beim Klettern selbst ist die Routenübersicht für den Vorsteiger stets griffbereit. Damit sie beim Standplatzwechsel nicht vergessen wird, empfiehlt sich ein Exemplar für jeden Seilpartner. Übrigens sind analoge Varianten „am Blatt Papier“ digitalen Darstellungen am Handy nach wie vor deutlich überlegen – sowohl in puncto Bedienungskomfort und Lesbarkeit als auch hinsichtlich der ständigen Verfügbarkeit (Akku!).

Das Topo ist für Kletterer das, was die Landkarte für Wanderer ist: Es unterstützt bei der Vorbereitung, im Zustieg und vor

Übersichtsfotos mit dem Routenverlauf sind sehr hilfreich, um aus einiger Entfernung zur Wand den Einstieg zu finden.

Abb.: Klettern in Cortina d’Ampezzo, Mauro Bernardi

Mehr als eine Skizze!

Das Klettertopo – dort, wo GPS-Tracks versagen, greifen wir auf Altbewährtes zurück: Ein Blatt Papier als analoges Navi für die Vertikale. Old but still gold!

allem in der Wand, um den Überblick zu behalten und den Routenverlauf nachvollziehen zu können. Wie bei Kartenmaterial gilt jedoch auch hier: Trotz inzwischen vereinheitlichter Symbole gibt es teils erhebliche Unterschiede in Darstellung und Genauigkeit. Im Idealfall sind die Autoren – wie etwa bei topoguide.de – alle Touren selbst geklettert, was sich unmittelbar in der Qualität der jeweiligen Darstellung widerspiegelt.

Beispiel „Pilastro“, Tofana di Rozes: Selbe Tour, 5 verschiedene Topos: Simpel dargestellt, aber trotzdem sehr gut im Detail mit allen Haken.

Abb.: Klettern in Cortina d’Ampezzo, Mauro Bernardi

Das Ziel ist klar: Das Topo muss Orientierung geben, damit wir den Einstieg sowie den Abstieg finden und uns während der Tour helfen, die Route nicht zu verlieren und die richtigen Entscheidungen punkto Taktik und Absicherung zu treffen. Damit das gelingt, beinhaltet die Darstellung mehr als nur eine Skizze der Route. Es muss folgende Informationen vereinen:

Recht detailreich und gut mit allen wichtigen Zusatzinfos (Zu- und Abstieg, Absicherung etc.) auf einem Blatt. Abb.: bergsteigen.com

G ER ha R d mö SS m ER

Beschreibung des Zustiegs

Klingt banal, aber Hand aufs Herz: Wer ist noch nie unverrichteter Dinge von einer Klettertour zurückgekehrt, weil der Einstieg gar nicht oder nicht mehr rechtzeitig – dem Zeitplan entsprechend – gefunden wurde? Im Gegensatz zu Wanderungen oder Klettersteigtouren verläuft bei Klettertouren die „letzte Meile“ zum Einstieg häufig über wegloses Gelände. Ein gutes Topo informiert über den richtigen Parkplatz –idealerweise mit GPS-Koordinaten-Angabe, eine realistische Gehzeit zum Einstieg und über markante Orientierungspunkte wie Abzweigungen vom Wanderweg oder Steinmännchen am Zustieg sowie Besonderheiten am Einstieg wie „schwarzer Überhang“, „gelbe Nische“ oder „Normalhaken mit Schlinge in 3 m Höhe“ etc.

Übersichtsfoto und/oder Wandskizze

Handelt es sich um eine Tour in einer Wand mit vielen Routen, ist ein Übersichtsfoto bzw. eine Skizze der gesamten Wand hilfreich, um den Einstieg leichter zu finden. Mit Hilfe des Fotos und anderer Touren können wir uns orientieren, in welcher

Spartanisch, aber mit allen neuralgischen Stellen. Die Autoren sind die Touren selbst geklettert und haben die Schwierigkeitsgrade nach ihrem Empfinden angepasst (vgl. M. Bernardi). Abb.: topoguide.de

Kamin

Platten

Höhle/Nische

Standplatz

Klemmblock

Überhang

Wasserstreifen

Abseilstelle

Riss Rinne Verschneidung

Dach Rampe Band

Felsblöcke/ Schutt Schnee/Firn Wächte

Biwakplatz Schlüsselstelle

Die nach UIAA standardisierten Symbole des Topos geben wichtige Informationen über den Verlauf und den Charakter der Tour.

Handskizze: Nicht mehr ganz so detailreich und übersichtlich wie die vorigen. Abb.: M. Stadler

Kante

Absatz Schulter

Latsche

Sichtbare Route

Verdeckte Route Variante

Bohrhaken

Haken Sanduhr

Sehr nett zum Anschauen und Ideen bekommen, aber zur Orientierung in der Wand unbrauchbar. Abb.: „Alpinklettern in Tirol“, Otti Widman

Baum Fixes Drahtseil Pendelquergang
Gras

Bestandteile des Topos

• Name des Gipfels

• Höhe des Gipfels (absolute Höhe)

• Routenname

• Exposition

• Höhe der Wand

• Gesamte Kletterlänge

• Voraussichtliche Dauer für die Kletterzeit

• Dauer für Zu- und Abstieg

• Maximaler Schwierigkeitsgrad der gesamten Tour (frei bzw. technisch geklettert)

• Ernsthaftigkeit der Tour

Weiters im Topo dargestellt:

• Maximaler Schwierigkeitsgrad und Länge der einzelnen Seillängen

• Art der Kletterei: z. B. Risse, Verschneidung, Überhänge

• Art der Absicherung: z. B. Normalhaken sowie zusätzlich zum Selbstabsichern

• Schematischer Routenverlauf mit Richtungsangaben

• Richtungshinweis zum Abstieg und Verlauf des Abstiegs (eventuell mit eigenem Topo bei schwieriger Wegfindung und mehreren Abseilern)

Zusatzinformationen

aus dem Kletterführer

• Beschreibung des Einstiegs sowie des Zustiegs, des Einstiegs sowie des Abstiegs im Begleittext.

• Allgemeiner Charakter der Tour: Gesteinsqualität, Rückzugsmöglichkeiten und potenzielle alpine Gefahren

• Absicherung und Absicherbarkeit

• Hinweise zur benötigten Ausrüstung –u. a. Anzahl und Größe mobiler Sicherungsmittel

• Hinweise zur benötigten Ausrüstung: Anzahl der Expressschlingen, Anzahl und Größe von Friends und Keilen sowie Empfehlungen für etwaige Spezialausrüstung: z. B. Steigeisen für den Zu- und/oder Abstieg etc

Richtung wir weitersuchen müssen, um den Einstieg zu finden.

Die Route

Informationen über die Route selbst sind natürlich – sowohl für die Planung als auch für die Orientierung in der Wand – wichtigster Bestandteil des Topos. Je präziser die Karte, desto leichter finden wir uns in der Wand zurecht. Neben den Schwierigkeitsgraden und der Absicherung – dazu kommen wir später – interessieren uns vor allem die Länge der gesamten Route mit einer Angabe zum Zeitbedarf für die Kletterei, die Länge der einzelnen Seillängen, sowie Höhenlage (Meter über Adria) und Exposition der Tour.

Wichtig für die Orientierung in der Wand ist die genaue Beschreibung markanter Punkte, wie z. B. Abzweigungen, Podeste, Risse, der Beginn von Quergängen, etc. Aber auch Hinweise auf etwaige Verhauer („No!“), potenziell nasse Klet-

Anhand standardisierter Symbole, der Kletterrichtung, der Länge sowie Schwierigkeit jeder Seillänge und Anzahl und Art der Sicherungspunkte können wir uns mit Hilfe des Topos in der Wand orientieren. Zusätzlich sind der Charakter (Risse, Platten, Verschneidungen etc.) sowie markante Punkte (Band mit Gras, Pfeiler etc.) vermerkt. Abb.: Via Legende, Panico-Verlag, G. Sojer

terpassagen („oft nass“) oder Verläufe benachbarter Routen sowie Abseilstellen in der Wand sind hilfreich.

Schwierigkeit, Charakter, Absicherung und Ernsthaftigkeit der Tour

Die Schwierigkeitsbewertung einer Tour ist die zentralste Information. Jede Klettertour ist grundsätzlich nach der maximal anzutreffenden Schwierigkeit bewer-

tet. Aber Achtung, diese Information ist trügerisch: Für uns ist wichtig, wie häufig und anhaltend dieser maximale Schwierigkeitsgrad – oder jener knapp darunter – erreicht wird, macht es doch einen wesentlichen Unterschied, ob nur eine kurze 6c+-Stelle in einer 6a-Seillänge überwunden werden muss oder ob die gesamte Seillänge eine 6c+-Stelle aufweist und der Rest anhaltend 6c-Kletterei erfordert.

Außerdem checken wir mit Hilfe des Topos, wo die Hauptschwierigkeiten anzutreffen sind: Eher am Anfang oder am Ende der Tour? Das ist besonders bei längeren Touren elementar wichtig, da mit zunehmender Dauer zum einen die Kräfte schwinden und zum anderen auch ein etwaiger Rückzug nicht mehr oder nur mehr schwer möglich ist.

Eine weitere Information, die wir aus dem Topo entnehmen können, ist der Charakter der Schlüsselstellen bzw. der gesamten Tour: Handelt es sich um Plattenkletterei, technische Wandkletterei an

kleinen Leisten, Risskletterei oder sind vorwiegend athletische Überhänge zu überwinden? Je nachdem, was uns besser liegt, können wir so auch den angegebenen Schwierigkeitsgrad besser einschätzen. Apropos Schwierigkeitsgrad: Je nach Tradition kann dieser von Gebiet zu Gebiet stark variieren. So ist z. B. ein Dolomiten-Sechser heute durchaus vergleichbar mit dem siebten UIAA-Schwierigkeitsgrad. Sind wir Risskletterei nicht gewohnt, fühlt sich auch ein Granitriss in Chamonix oder im Yosemite für uns schwerer an als derselbe Schwierigkeitsgrad auf Leisten im Kalk.

Last, but not least interessiert uns natürlich auch die Absicherung der Schlüsselstelle und der gesamten Tour. Wir sprechen von der Ernsthaftigkeit der Tour, denn schließlich macht es einen wesentlichen Unterschied, ob wir diese selbst absichern müssen, ob wir alten, rostigen Normalhaken Vertrauen schenken oder ob wir in zuverlässige Bohrhaken klip-

GELENKE AUFGEBAUT. SCHMERZEN ABGEBAUT.

BEI SPORTVERLETZUNGEN UND ARTHRITISCHEN ERKRANKUNGEN

RASCHE SCHMERZLINDERUNG

FÖRDERT DIE ELASTIZITÄT UND BEWEGLICHKEIT BEI GELENKEN, MUSKELN UND SEHNEN

ZUR LANGZEITANWENDUNG GEEIGNET

SEHR GUTE VERTRÄGLICHKEIT

pen dürfen! Neben der Qualität der Absicherung ist für uns auch die Häufigkeit der Fixpunkte interessant. Eine Bohrhaken-Tour mit drei Bohrhaken pro Seillänge in geschlossenem, kompaktem Felsen kann durchaus ernsthafter sein als eine Tour mit Normalhaken, die sich ob der absicherungsfreundlichen Struktur des Felsens zusätzlich noch gut mit Friends und Keilen ergänzen lassen.

Abstieg

Nicht zu unterschätzen ist der Weg zurück. Gerade alpine Routen enden nicht automatisch am Wanderweg. Darum enthalten Topos auch wichtige Informationen zum Abstieg: Wo ist die Abseilpiste? Welche Schwierigkeiten erwarten uns beim Abstieg? Ist der Abstieg mit Steinmännchen markiert? Wie lange dauert der Abstieg? Ein sorgfältiger Blick auf den Abstieg spart nicht nur Zeit, sondern erhöht auch die Sicherheit erheblich.

Die kleinsten Hüttengäste

Was man über Bettwanzen auf Schutzhütten wissen sollte.

SimoN S EEBER , Ev E li N S Ta R k

Bettwanzen sind keine Seltenheit mehr und können – wie überall sonst – auch auf Schutzhütten vorkommen. Das hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun: Die Tiere werden meist unbemerkt mit Gepäck oder Kleidung verschleppt.

Woran erkennt man Bettwanzenbisse?

Typisch sind stark juckende, gerötete Bisse, oft in Reihen angeordnet. Hinweise können außerdem kleine dunkle Kotspuren an Matratzen, Lattenrosten oder in Fugen sein. Bettwanzen sind nachtaktiv und gut versteckt, übertragen aber nach aktuellem Wissensstand keine Krankheiten. Die Gefährdung durch Bettwanzenbisse ist vergleichbar mit jener durch Mückenstiche.

Was du tun kannst:

Beachte die Hinweise des Hüttenteams. Rucksack und Kleidung möglichst verschlossen zum Beispiel in Drybags aufbewahren bzw. Rucksäcke wenn möglich aufhängen, nicht direkt neben dem Schlafplatz lagern, morgens Gepäck kontrollieren – und verdächtige Beobachtungen oder Bisse dem Hüttenpersonal melden. So kann

gewährleistet werden, dass Alpenvereinshütten und dein Zuhause bettwanzenfrei bleiben. Sollten dennoch Bedenken bestehen: zu Hause die gesamte Wäsche bei mind. 45° waschen oder zwei Tage lang einfrieren.

Fazit:

Bettwanzen sind kein Tabuthema. Aufmerksamkeit, Informa-

Mehr Infos, Tipps und Hinweise unter: www.alpenverein.at/ bettwanzen

tion und gemeinsames Handeln helfen, ihre Ausbreitung wirksam zu begrenzen – damit Hütten für alle ein angenehmer Aufenthaltsort bleiben.

Simon Seeber ist Mitarbeiter der Abteilung Hütten und Wege im Österreichischen Alpenverein.

Evelin Stark ist Chefredakteurin von Bergauf.

Hüttenaufenthalt planen mit dem

Bettencheck

Mit der Verfügbarkeitsabfrage „Bettencheck“ kannst du mit wenigen Klicks die Verfügbarkeit von Schlafplätzen mehrerer Hütten gleichzeitig abfragen.

Wähle dazu in der Karte die gewünschten Hütten aus und definiere das Datum und die Personenanzahl. Wenn du noch nicht weißt, in welches Gebirge es dich verschlägt, hilft die Tourensuche mit bereits zusammengestellten Touren weiter. In Kürze wird es zudem möglich sein, nach verfügbaren Hütten an einem gewünschten Datum zu suchen.

Hier geht’s zum Bettencheck: caa.alpenverein.at/service/ bettencheck.html

Wege: blau, rot, schwarz?

Bergwandern ist mit Abstand die beliebteste Bergsportdisziplin im Alpenverein. Das Wegenetz des Alpenvereins erstreckt sich über alle Höhenstufen und bietet eine einzigartige Vielfalt – auch hinsichtlich der Wegcharakteristik.

Wandern ist zugleich jene Bergsportdisziplin mit den am wenigsten einheitlichen Schwierigkeitsangaben. Selbst innerhalb Österreichs gelten – je nach Bundesland – unterschiedliche offizielle Klassifizierungen, die über die Landes-

grenzen hinaus nicht verbindlich sind. Unterschiedliche Begriffe, Farbcodierungen und Kategorien können daher leicht zu Verwirrung führen. Der Österreichische Alpenverein setzt sich deshalb dafür ein, eine Harmonisierung der bestehenden Bergwegekonzepte voranzutreiben. Bereits 2009 wurde gemeinsam mit dem Deutschen Alpenverein ein einheitliches Bergwegekonzept verabschiedet, das mehreren Landesbergwegekonzepten als Grundlage diente.

Hütten-Lebensader Wasser

Historisch wurden Hütten vor allem an Standorten mit verlässlicher Wasserversorgung durch Quellen oder Gletscher errichtet. Aufgrund der klimatischen Veränderungen der letzten 150 Jahre sind immer mehr Hütten von Wasserknappheit bedroht.

Zusätzlich führen höhere Gästezahlen sowie neue Anforderungen an den Hütten-

betrieb zu wachsenden Herausforderungen bei der Wasserversorgung. Maßnahmen, um den Wasserverbrauch zu minimieren, sind Duschen mit Duschmarke und Zeitschaltuhr, wasserlose Toiletten oder ein angepasstes Speisenangebot. Dabei werden Speisen bevorzugt, für deren Zubereitung weniger Wasser verbraucht wird, wie etwa Reis statt Nudeln.

Mit Haltung am Berg

Dieser Bergsteigerknigge1 ist kein Regelbuch, sondern eine Einladung. Mit einem Augenzwinkern –und mit Respekt für Berg, Natur und Miteinander.

JöRG Ra N dl  Leiter Abteilung Bergsport im Alpenverein

4

Die Hütte ist wie dein Eigenheim. Ordnung, Respekt und freundlicher Umgang gelten hier wie zuhause. Hütten sind Orte der Begegnung – mit Wertschätzung für Hüttenwirt:innen, Personal und andere Bergsteiger:innen.

5

Stehlen verboten.

Fremde Ausrüstung sowie Blumen, Steine oder Holz gehören nicht ins Gepäck. Was dem Berg gehört, bleibt am Berg. Was anderen gehört, ebenso.

2

3

Belasse die Natur so, wie du sie vorgefunden hast – oder sauberer.

Dein Müll bleibt dein Müll, bis er richtig entsorgt ist. Schütze Pflanzen, Tiere und Wasser und erhalte Wege, Markierungen und Landschaft für alle.

Plane mit Sorgfalt und Umsicht.

Plane deine Tour sorgfältig von zuhause aus und überprüfe Entscheidungen laufend unterwegs. Ein „Plan B“ gehört dazu – notfalls auch die Umkehr ins Tal.

1

Wähle für dich realistische Ziele.

Eine ehrliche Einschätzung von Kondition, Ausrüstung und Können ist bereits in der Planungsphase entscheidend.

1 Dieser Bergsteigerknigge entstand aus einem Gespräch sowie aus Anregungen und Impulsen von Dr. Harald Wieser (2. Vorsitzender Alpenverein Landesverband Salzburg, Mitglied des Bundesausschusses).

6

Blick dir stets ehrlich in den Spiegel. Verzichte auf Prahlerei und vorschnelle Urteile. Lass deine Taten für dich sprechen, bleib bescheiden – nicht für Likes, sondern für dich selbst.

7

Halte die Vereinsehre hoch. Ob sichtbar oder nicht: Dein Verhalten prägt das Bild der Bergsteiger:innen. Begegne Mensch und Natur so, dass du selbst dahinterstehen kannst.

8

Auf das Wesentliche kommt es an. Nicht auf Rekorde. Die Berge sind mehr als eine Leistungssportbühne. Nimm dir Zeit für ihre Stille, Schönheit und Eigenart – darin liegt ihr Wert.

9

Trage zu rücksichtsvollen Begegnungen bei.

Lebe Berggemeinschaft: Sei aufmerksam, vermeide unnötigen Lärm und nimm Rücksicht auf andere – im Aufstieg, bei der Abfahrt, bei Pausen und auf engen Wegen.

10 Bergkameraden sind WIR.

Bergkameradschaft heißt Achtsamkeit, Hilfsbereitschaft und Verantwortung füreinander. Die Gewissheit, dass niemand zurückgelassen wird, gehört dazu.

Illustration: Georg Sojer

Der Weg ist schmal, die Kurve unübersichtlich: Wandernde sind bergauf am Weg zur Alm, als plötzlich das Surren der Reifen am Untergrund näherkommt. Ein:e Mountainbiker:in rollt heran, bremst, weicht aus und lässt die beiden passieren. Ein freundliches „Servus“, ein „Danke, schen Tog nu“, und alle gehen weiter – die einen zu Fuß, die anderen auf zwei Rädern. Eine alltägliche Situation in vielen Regionen der Alpen. Und doch eine Szene, die in Österreich für angeregte Diskussionen sorgt. Shared Trails – also Wanderwege, die sich Mountainbiker:innen und Wandernde teilen – spalten die Gemüter. Kaum ein Thema wird so emotional diskutiert. Doch warum steckt so viel Zündstoff in der Idee, bestehende Wege gemeinsam zu nutzen?

Ein Sport mit vielen Gesichtern

Mountainbiken hat viele Facetten. Es kann actionreich sein, im Bikepark. Es kann gemütlich sein, am Weg zur Alm auf Kaffee und Kuchen. Und es kann still und naturnah sein, auf schmalen Wegen in den Bergen, fernab von Liftanlagen und künstlich angelegten Trails. Gerade diese letzte Form ist eigentlich der Ursprung des Sports.

Mit der technischen Entwicklung der Räder – mehr Federweg, bessere Bremsen, neue Geometrien – haben sich weitere Genres etabliert. Bikeparks wurden zur Bühne für abfahrtsorientierte Biker:innen. Es werden Flow-Trails geschottert, Kurven modelliert und Lines mit dem Bagger gebaut. Doch während diese Angebote wachsen, geraten jene Biker:innen zunehmend ins Abseits, die ihr Erlebnis in der Natur suchen. Auf bestehenden Wegen. In den Bergen, die sie sonst auch zu Fuß erklimmen.

Die Haltung des Österreichischen Alpenvereins ist in seinem Positionspapier verankert: Außerhalb des Nahbereichs von Liftanlagen sollen keine neuen Wege im alpinen Raum oder in sensiblen Ökosystemen entstehen. Die Schaffung alpiner Infrastruktur ist abgeschlossen. Wer nicht im Bikepark fahren möchte, findet nur wenig Möglichkeiten, den Sport legal auszuüben. Es fehlen MTB-Routen zu attraktiven Zielen – und die Möglichkeit, auf Wanderwegen, den Shared Trails,

Wenn Wege sich kreuzen

Shared Trails sorgen für Diskussionen. Dabei zeigt die Praxis: Gemeinsame Nutzung bestehender Wege funktioniert oft besser als ihr Ruf.

R EN é S EN dlhof ER-SchaG

Ob legal oder nicht –wer Stoßzeiten meidet, hat mehr vom Tag. Einsam im Friaul, an Wochenenden herrscht hier Hochbetrieb.

Foto: René Sendlhofer-Schag

wieder zurück ins Tal zu gelangen. Eine Umfrage des Alpenvereins aus dem Jahr 2020 zeigt, dass mehr als die Hälfte aller Befragten über Forststraßen hinauf, aber über Wanderwege bergab fahren.

Dabei geht es nicht um Geschwindigkeit oder Bestzeiten. Es ist weder Adrenalin noch Strava im Spiel, sondern das Naturerlebnis. Biker:innen suchen auf naturbelassenen Wegen das Erlebnis, einen Weg so zu fahren und zu hinterlassen, wie er ist – gemeinsam mit anderen Nutzer:innen und mit gegenseitigem Respekt.

»

Wenn’s im Kopf Platz hat, hat’s auch am Weg Platz«, so die Aussage einer Hüttenwirtin aus dem Stubaital. Ein einfacher Satz – und vielleicht eine treffende Beschreibung dessen, was draußen vielerorts bereits funktioniert.

Die Realität am Berg

Die Realität am Berg sieht vielerorts längst so aus. Mountainbiken findet statt – still, überwiegend konfliktfrei und im Einklang mit den Lebensraumpartner:innen. Natürlich kommt es dort, wo Menschen zusammentreffen, auch zu Reibungspunkten.

Bei unseren Nachbarn in der Schweiz, im Kanton Graubünden, steht das große Wegenetz allen Nutzer:innen fast gleichermaßen offen. „Isch jo logisch“, sagt man in Graubünden und sammelt seit vielen Jahren über die Fair-Trail-Kampagne Rückmeldungen. Diese gehen stetig zurück und im Jahr 2025 gab es nur 114 Meldungen von Wandernden und 40 von Biker:innen. Nur 18 davon betreffen Konflikte, und das bei über 11.000 km Wanderwegen, 4.500 km Bikestrecken und hoher touristischer Nutzung. „Wenn’s im Kopf Platz hat, hat’s auch am Weg Platz“, so die Aussage einer Hüttenwirtin aus dem Stubaital. Ein einfacher Satz – und vielleicht eine treffende Beschreibung dessen, was draußen vielerorts bereits funktioniert.

Auch in Österreich gibt es einige Shared Trails. In der Steiermark etwa den Bernhard-Fest-Trail von der Frauenalpe hinunter nach Murau. In Tirol teilt man sich unter anderem den Wiegalm-Trail bei Kirchberg, den Tuxerjoch-Trail oder den Naviser Sunnseitn-Trail. In Salzburg wurde der Penkkopf-Trail für Mountainbikes geöffnet, ebenso wie der anspruchsvolle Weg vom Wetterkreuz im Saalachtal. In Kärnten sind in der Region lake.bike mehrere Wege freigegeben und auch im Wienerwald wurden Shared Trails geschaffen.

Den meisten Betreibern und Wegehaltern sind keine negativen Rückmeldungen bekannt. Auch Andreas Mocha

von den Wienerwald-Trails sieht die gemeinsame Nutzung als Ergänzung zu den Singletrails als vollen Erfolg. Das Miteinander wird großgeschrieben, z. B. am Schönstatt-Trail bei Klosterneuburg, der im Mittelteil als Shared Trail geführt wird. Wo ein Wille, da ein Weg.

Die Liste ließe sich weiter fortsetzen und zeigt vor allem eines: Gemeinsame Nutzung ist möglich. Doch auch wenn sich diese Freigaben wie ein Erfolgsrezept lesen, kommt die bittere Wahrheit zu Tage, wenn man es in Zahlen fasst. Von den mehr als 50.000 km betreuten Wan-

¡ nfo

Aufruf zur Rückmeldung

Gibt es in deinem Arbeitsgebiet Wege, die sich zur gemeinsamen Nutzung eignen? Findet Mountainbiken dort schon statt oder gibt es einen Konflikt, bei dem du Hilfe zur Lösung benötigst?

Schreib uns gerne an mountainbike@alpenverein.at Vielen Dank.

Alles zum Thema SicherAmBergMountainbiken, Videos und die Ergebnisse der MountainbikeUmfrage des Alpenvereins sind hier zu finden: www.alpenverein.at/mtb >

derwegen in Österreich sind laut Schätzung nur ca. 0,5 Prozent als Shared Trail freigegeben.

> Die Alternative zur Nutzung bestehender Wege ist der Bau neuer Trails. Doch neue Strecken bedeuten auch erhebliche Eingriffe in die Natur und hohe Baukosten.

Bestehende Wege statt neuer Eingriffe

Die Alternative zur Nutzung bestehender Wege ist der Bau neuer Trails. Doch neue Strecken bedeuten auch erhebliche Eingriffe in die Natur und hohe Baukosten. Die Landschaft wird zerschnitten und der ohnehin schon knappe Lebensraum unserer Tierwelt weiter eingeschränkt. Es wird Zeit, vorausschauend zu handeln. Bikeparks bieten großartige Angebote im touristischen Kontext. Für Einheimische außerhalb dieser Regionen sind sie jedoch nur mit längerer Anreise erreichbar. Die Nutzung bestehender Wege kann

Ein Gipfelkreuz, ein Ziel, die gleiche Motivation –bei Biker:innen und Wandernden.
Foto:

hier eine nachhaltige Ergänzung sein. Sie schafft wohnortnahe Bewegungsräume, reduziert Anfahrtswege und stärkt zugleich die regionale Wertschöpfung. Darüber hinaus leisten diese Bewegungsräume einen wertvollen Beitrag zur individuellen und gesellschaftlichen Gesundheit sowie zur sozialen Teilhabe.

Nicht jeder Weg eignet sich für eine gemeinsame Nutzung. Stark frequentierte Hauptanstiege, sehr steile oder ausgesetzte Steige sind dafür in der Regel ungeeignet. Doch bei zehntausenden Kilometern an Wanderwegen in Österreich gibt es zweifellos Potenzial in jedem Arbeitsgebiet.

Freigaben können zudem helfen, Besucherströme zu lenken – ein Prinzip, das beim Wandern seit über 160 Jahren funktioniert.

Und noch ein Aspekt wird oft unterschätzt: Viele Biker:innen wären bereit, sich an der Wegepflege zu beteiligen. Wenn Wege legal genutzt werden dürfen, steigt die Bereitschaft, Verantwortung für deren Erhaltung zu übernehmen. So kann das Ehrenamt gestärkt werden und unsere wertvolle Wegeinfrastruktur bleibt erhalten.

Klingelt es schon?

Vielleicht liegt die Lösung gar nicht nur in neuen Regeln oder Infrastrukturprojekten. Vielleicht beginnt sie viel früher – bei der Bereitschaft, Wege zu teilen. Draußen am Berg funktioniert das oft erstaunlich gut. Man sieht sich, grüßt und macht Platz. Manchmal kündigt sich eine Begegnung sogar schon vorher an: mit einem leisen Klingeln.

Die sogenannte Trailbell – eine kleine Schelle am Lenker – macht Biker:innen auf Wegen frühzeitig und vor allem sanft hörbar. Wandernde werden nicht überrascht, Begegnungen verlaufen entspannter. Es ist eine kleine Geste der Rücksichtnahme und vielleicht auch ein Symbol dafür, worum es eigentlich geht. Nicht darum, Wege exklusiv für sich zu beanspruchen. Sondern darum, sie miteinander zu teilen.

René Sendlhofer-Schag ist in der Abteilung Bergsport im Österreichischen Alpenverein für das Mountainbiken zuständig.

§

Vom Berg zum See

Das Wasserrechtsgesetz (WRG) des Bundes normiert zwei Kategorien an Gewässer – öffentliche und private. Öffentliche Gewässer sind insbesondere jene Ströme, Flüsse, Bäche und Seen (mit all ihren Armen, Seitenkanälen und Verzweigungen), die namentlich im Anhang des WRG aufgezählt sind, so etwa der Attersee, der Weissensee, der Inn oder die Mur; ferner all jene („übrigen“) Gewässer, die das Wasserrechtsgesetz nicht ausdrücklich als Privatgewässer bezeichnet. Öffentliche Gewässer gehören zum Allgemeingut.

Grundwasser, Quellwasser, Wasser in Brunnen, Zisternen, Teiche sowie Seen, die nicht von einem öffentlichen Gewässer gespeist oder durchflossen werden oder aber auf einem vor 1870 entstandenen Privatrechtstitel (prominentes Beispiel – der Mondsee) beruhen, gelten hingegen als Privatgewässer. Diese gehören, wenn nicht von anderen erworbene Rechte vorliegen (z. B. zivilrechtliche Dienstbarkeiten an einer Quelle), dem Grundeigentümer.

Die Kategorie „öffentliche oder private Gewässer“ bestimmt in weiterer Folge den Umfang der erlaubten Nutzung.

Von der Benutzung der öffentlichen Gewässer

Für öffentliche (Oberflächen-)Gewässer gilt: Die gewöhnliche Benutzung ist jedermann unentgeltlich gestattet. „Gewöhnlich“ ist ein Gebrauch, wenn er keiner besonderen Vorkehrungen bedarf und andere nicht ausschließt. Der sog. große Gemeingebrauch erfasst demnach u. a. das Baden (Schwimmen, Tauchen, Paddeln usw.), Tränken, Schöpfen oder auch die Gewinnung von Pflanzen, Schlamm oder Sand. Die Verankerung einer Boje vermag andere auszuschließen und ist nicht erfasst. Werden Wassergut und Gewässer in einer extremen Art gewerblich genutzt, kann – auch bei weitherzigstem Verständnis – nicht mehr von gewöhnlichem Gebrauch die Rede sein1

Seine Grenze findet der Gemeingebrauch in der Gefährdung des Wasser-

laufs, der Wasserbeschaffenheit oder der Ufer sowie der Verletzung sonstiger Rechte oder der Beeinträchtigung eines öffentlichen Interesses.

Von der Benutzung der privaten Gewässer

Die für jedermann erlaubte Nutzung der Privatgewässer ist auf das unentgeltliche Tränken und Schöpfen mit Handgefäßen beschränkt. Der sog. kleine Gemeingebrauch ist zudem nur zulässig, soweit er ohne Verletzung von (Zugangs-)Rechten oder öffentlicher oder privater Interessen stattfinden kann. Demnach ist etwa das Füllen der Trinkwasserflasche lediglich dort erlaubt, wo man auch rechtmäßig hin(geh)langt. Das Baden in privaten Gewässern ist ohne Zustimmung des Grundeigentümers unzulässig. Ein Zuwiderhandeln kann eine Verwaltungsübertretung darstellen und/oder auch Besitzstörungs- oder Unterlassungsklagen zur Folge haben. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass die meisten größeren Seen Österreichs von den Österreichischen Bundesforsten (ÖBF) verwaltet werden. Diese haben hierbei auf den Erhalt des freien Seezugangs sowie auf die Erholung der Bevölkerung besonders Bedacht zu nehmen. Die größeren Gewässer der ÖBF sind dem Badespaß weitgehend zugänglich.

Zu den Berg- bzw. Hochgebirgsseen im Besonderen

k aT ha R i Na aN dERWald ist als Rechtsberaterin des Österreichischen Alpenvereins tätig und informiert auf dieser Seite über rechtliche Themen u. a. rund um den Bergsport.

Oberhalb der Waldgrenze gilt die grundsätzliche Wegefreiheit, die zunächst den Zugang zu den im Bergland gelegenen Gewässern erleichtert. Wildbaden oder „freies Baden“ ist überall dort erlaubt, wo nicht explizit untersagt, beispielsweise aufgrund landesgesetzlicher Naturschutzbestimmungen. Wobei: Oberste Prämisse ist der naturverträgliche Badespaß. In diesem Sinne: Modus in rebus!

1 Vgl. OGH in 1 Ob 56/03x zu gewerblich geführten Canyoningtouren

Zwischen Fernweh und Verantwortung

Wer viel im Gebirge unterwegs ist, kann die Veränderungen nicht übersehen. Die Klimakrise stellt den Bergsport vor ein Dilemma: Zwischen Fernweh, Abenteuerlust und der Verantwortung für jene Räume, die unsere Leidenschaft erst möglich machen.

Foto:
Simon Schöpf

Der Winter in den Nördlichen Kalkalpen ist nur noch ein matter Abglanz vergangener Pracht; auch die Schneedeckendauer hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verkürzt. Südseitig sind die Hänge bis über 2.500 Meter hinauf schneefrei und der Februar etabliert sich als bester Sportklettermonat. Skitouren in den bayerischen Alpen? Das gehört oft schon der Vergangenheit an. Viele Routen in den Waldbergen der Ammergauer Alpen oder des Mangfallgebirges, die noch vor 20 Jahren von Dezember bis April möglich waren, sind jetzt nur noch an besonderen Tagen nach ergiebigen Neuschneefällen durchführbar. Dementsprechend sind viele Routenbeschreibungen aus klassischen Skitourenführern nicht mehr aktuell. Auch Unglücke wie das am schmelzenden Gletscher

der Marmolada 2022 führen eindrücklich vor Augen, wie sich die Klimakrise auf die Alpen auswirkt.

Bergsteigen & Klimakrise

Bergsteigen ist seit jeher ein durch Reisen geprägter Zeitvertreib. Patagonien, Yosemite, Pakistan, Nepal, Alaska, Skitouren auf den Lofoten – die Liste mit beliebten Zielen ließe sich lange fortsetzen. Als Bergsteiger und Naturliebhaber befindet man sich in einem Dilemma: Einerseits möchte man an die schönsten, wildesten und damit oft auch entlegensten Orte der Welt gelangen. Andererseits verursacht dies einen erheblichen CO₂-Ausstoß und trägt damit zu jener Entwicklung bei, die die Grundlage unserer Aktivitäten im Gebirge zunehmend verändert.

Am althergebrachten Lebensstil und an Fernreisen unreflektiert festzuhalten, kann in Zeiten zunehmender klimatischer Veränderungen ebenso politisch sein wie sich auf Demos für den Klimaschutz zu engagieren. Zeitgemäß erscheint es, sich zu positionieren und einen Beitrag für eine Reduktion der CO₂-Emissionen und eine neue Mentalität zu leisten. Angesichts der dramatischen Veränderungen im Gebirge gilt dies auch für die Gemeinschaft der Bergsteiger. Es erscheint daher sinnvoll, dass auch die alpinen Vereine mit klaren Leitlinien das Bewusstsein in Ausbildungen, Nachwuchsarbeit und Vereinspraxis verankern.

Neue Rollenbilder

Fernreisen haben sich beim Bergsteigen zu einer derartigen Selbstverständlichkeit entwickelt, dass man zuweilen bei guten Verhältnissen am Cerro Torre in Patagonien mehr Seilschaften antrifft als an einem sonnigen Wintertag im Wilden Kaiser oder am Schüsselkar. Die alpine Szene braucht neue Rollenvorbilder. Vorbilder, die bewusst aufs Fliegen verzichten und alternative Wege wählen. Oder Idole, die ganz bewusst das Abenteuer vor der Haustür suchen, damit dieses Verhalten wie das der alten alpinen Protagonisten stilprägend wird.

Die Geschichte des Bergsteigens steckt voller großartiger alpinistischer Abenteuer bei minimalem CO₂-Ausstoß. Man denke

Die

zum Beispiel an die Geschichten von Alpinist Anderl Heckmair und seiner Anreise zum Eiger mit dem Fahrrad und vielen weiteren Zielen.

Länge, Schwierigkeit, Ansprüche, Schönheit und Exposition – all das definiert den alpinistischen „Wert“ einer Unternehmung. Sind tatsächlich immer Fernreisen nötig, um diese persönlichen Kriterien zu erfüllen? Die meisten davon sind in den Alpen ähnlich wie in Patagonien oder im Himalaya. Selbst eine fixseilversicherte Route im Himalaya ist oft deutlich weniger exponiert als eine Seilschaft, die sich an einer winterlichen Alpenwand versucht. Für die überwältigende Mehrheit aller Bergsteiger bieten die Alpen mehr als genug an Herausforderungen, Schönheit, Länge oder Exposition. Dabei geht es nicht um die Ideologie des Verbietens, sondern die schlichte Unvereinbarkeit unseres jetzigen Lebensstils mit dem dauerhaften Dasein der Menschen auf der Erde. Mit den steigenden Treibhausgasemissionen schwinden die Lebensgrundlagen für uns Menschen.

Ziele und Ideale in der alpinistischen Community entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern angetrieben durch ihre Protagonisten und aus ihrer Geschichte heraus. Andererseits sind sie den Einflüssen der Gesellschaft und deren Interessensgruppen ausgesetzt, die sie beeinflussen. Co-Akteure aus der Industrie oder der Reise- und Outdoor-Branche haben kein primäres Interesse am authentischen alpinistischen Erleben. Sie rücken ihr eigenes wirtschaftliches Wachstum in den Mittelpunkt, um ihren Gewinn zu maximieren. Die alpine Szene sollte immer

alpine Szene braucht neue Rollenvorbilder. Vorbilder, die bewusst aufs Fliegen verzichten und alternative Wege wählen. >

>

wieder innehalten und ihre eigenen Ziele und Ideale formulieren.

Jede Szene hat ihre eigenen ungeschriebenen Regeln, die historisch gewachsen sind und in deren Befolgung sich die Zugehörigkeit zur Szene zeigt.

Im modernen Sportklettern besitzt die Rotpunktbegehung den höchsten Stellenwert: das freie Durchsteigen der Kletterroute im Vorstieg ohne Sturz oder Belastung des Seils oder der Sicherungskette. Vergleichbar damit ist es an der Zeit, in unserer Gesellschaft auch die Art der Anreise in die Stilbewertung der Unternehmung miteinfließen zu lassen. Das Ideal dabei wäre eine Anreise aus eigener Muskelkraft, gefolgt von Bahn und Bus.

Verzicht?

Verzicht wird im Alltag oft abwertend gesehen. Im Alpinismus jedoch stellt der Verzicht seit jeher einen zentralen Wert dar. Man hätte zwar Möglichkeiten, lässt diese aber aus eigener Überzeugung heraus nicht Wirklichkeit werden. So verzichtete etwa Paul Preuß bewusst vor über 100 Jahren auf den Mauerhaken in seinen Erstbege-

Für die überwältigende Mehrheit aller Bergsteiger bieten die Alpen mehr als genug an Herausforderungen, Schönheit, Länge oder Exposition.

hungen, obwohl er die Mittel und Möglichkeiten durchaus gehabt hätte. Ähnlich verhält es sich mit dem Verzicht auf künstlichen Sauerstoff, Bohrhaken, das Schlagen von Griffen etc. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen und zeigt, dass der Mensch am Berg im Verzicht seit jeher eine Chance erkennt.

Was diese Chance im Hinblick auf unser ungleich größeres klimatisches Problem bedeutet? Mehr als je zuvor warten neue bergsteigerische Herausforderungen vor unserer Haustür darauf, angenommen, definiert und in der Szene kommuniziert zu werden. Die muskelkraftgetriebene oder öffentliche Anreise zu einer Alpenwand und deren Durchsteigung kann mehr Abenteuer und alpinistischen Reiz versprühen als das Wandeln auf ausgetretenen Pfaden am Ende der Welt.

Es mag sich im ersten Moment nicht in jeder Hinsicht nach einer Steigerung des Erlebniswerts anfühlen. Doch mit welcher Erwartung und mit welchen Ansprüchen wir aufbrechen, obliegt allein uns selbst. Je weiter entfernt das Ziel liegt, desto besser? Unsere Maßstäbe und Wertevorstellungen definieren wir selbst – auch mit Blick auf die nachfolgende Generation und eine lebenswerte Zukunft.

Dario Haselwarter, Arzt und Bergführer, hat viele alpine Routen bis zum unteren elften Grad in den Ostalpen geklettert. Angst, dass ihm die Herausforderungen vor der Haustür jemals ausgehen könnten, hat er keine.

Ein alpinistischer Reiz: die Suche nach dem nahegelegenen Abenteuer.

Foto: Dario Haselwarter

Wer viel im Gebirge unterwegs ist, erlebt dort die Veränderungen aufgrund der Klimakrise hautnah mit.

Foto: Simon Schöpf

Abenteuer ab der Haustür

f loR ia N lE i BETSE dER

Um in die Berge zu kommen, gibt es viele Möglichkeiten. Manche sind schnell, andere gemächlicher. Startet man statt am Parkplatz direkt an der eigenen Haustüre, ergeben sich oft neue Wege und Ziele, die vorher nicht so unsere Aufmerksamkeit fesselten. Auf diese Weise habe ich schon viele schöne Momente, interessante Begegnungen und freudestrahlende Gesichter erlebt.

z U m aUT oR

Eine besondere Bergtour hat sich für immer in meinen Erinnerungen verankert. Es war ein schöner Sommertag vor zwei Jahren. Unser Ziel war der Kleine Schönberg am Traunsee. Die Gruppe bestand aus sieben Familien – neun Erwachsene und zwölf Kinder. Alle top motiviert und bereit für ein neues Abenteuer.

Wir starteten in unserem Heimatort mit dem Bus zum Linzer Hauptbahnhof. Der Zug brachte uns weiter nach Traunkirchen. Nun liegt da aber ein großer See zwischen Traunkirchen und Kleinem Schönberg. Des Rätsels Lösung war denkbar einfach. Über das Wasser kommt man am leichtesten mit dem Schiff. So brachte uns das Fahrgastschiff St. Nikolaus ans Ostufer des Traunsees, dem Startpunkt unserer Wanderung. Den Miesweg entlang, rauf durch den steilen Wald, bis zum ausgesetzten Gipfel des Kleinen Schönbergs folgten wir dem Wanderweg. Nach Jause und Abstieg schlüpften wir in unsere Badesachen und genossen die nasse Abkühlung im See.

Florian Leibetseder engagiert sich ehrenamtlich im Alpinteam des Alpenvereins Urfahr-West und ist auch abseits der Berge viel mit den Öffis und dem Fahrrad unterwegs.

Um uns den Rückweg zum Landesteg zu ersparen, holte uns dann das schnelle Wassertaxi direkt am felsigen Badeplatz ab, was Groß und Klein gleichermaßen begeisterte. Zurück in Traunkirchen, stärkten wir uns noch kurz mit Schnitzel und Pommes, bevor wir den Heimweg mit Zug und Bus antraten. Na-

türlich wäre die An- und Abreise mit Auto schneller und einfacher zu planen gewesen. Dann wäre es eine Wanderung wie viele andere geworden. Schönes Wetter, spannender Berg und gute Jause. Aber nichts Einzigartiges, nichts Prägendes. So hatten wir schon viele kleine Abenteuer am Weg bis zum Berg und auch wieder zu-

rück. Die Gruppe war den ganzen Tag beisammen und wir erlebten alles gemeinsam.

Auch zwei Jahre später erzähle ich noch gerne von dieser und ähnlichen Touren. Egal ob mit Familien oder reinen Erwachsenengruppen, im Sommer oder im Winter, in Kombination mit dem Fahrrad oder nur mit Bus und Zug, jede Öffi-Bergtour war einzigartig. Da war mal ein plötzlich nicht verfügbares Taxi für die letzten Kilometer und dadurch eine komplette Touren-Neuplanung im Zug, was uns einen sonnigen Gipfel über dem Wolkenmeer bescherte. Oder Fremde, die durch gemeinsames Kartenspielen die lange Zugfahrt spannend machten. Aber auch schöne Gespräche in den Gruppen beim Warten auf den nächsten Bus. Alle diese verschiedenen Touren haben eine entscheidende Gemeinsamkeit: Das Abenteuer beginnt und endet immer daheim an meiner Haustüre und nicht erst beim Parkplatz unterm Berg. —

Wenn Karten uns lesen

Wie sich Orientierung und Raumverständnis im digitalen Gebirge verändern.

Wer in die Berge geht, stellt ständig räumliche Fragen. Wo genau verläuft der Weg? Wie steil ist der Hang hinter der nächsten Kuppe? Gibt es einen sicheren Übergang oder eine Stelle, an der man umkehren sollte? Auch Orientierung im größeren Maßstab spielt eine Rolle: Wo befindet sich die nächste Hütte, wie lange dauert der Abstieg ins Tal, und wie verändert sich das Gelände, wenn das Wetter umschlägt? Bergsteiger denken daher ständig in räumlichen Beziehungen – in Entfernungen, Höhenunterschieden, Sichtlinien und möglichen Routen. Ihre Entscheidungen hängen davon ab, wie gut sie diese Landschaft „im Kopf“ strukturieren können.

Diese Fragen entstehen nicht nur bei der Planung zu Hause, sondern auch während der Tour selbst. In den Bergen verändern sich Bedingungen schnell: Nebel kann die Sicht einschränken, Schnee kann Wege verdecken, und Geländeformen wirken aus der Nähe oft anders als erwartet. Deshalb müssen Bergsteiger laufend überprüfen, ob ihre mentale Vorstellung der Landschaft noch mit der Realität übereinstimmt. Sie vergleichen das, was sie sehen, mit dem, was sie erwarten. Orientierung wird dadurch zu einem fortlaufenden Prozess des Abgleichs zwischen Wahrnehmung, Erinnerung und räumlicher Vorstellung.

Rolle der Karten

Karten sind das klassische Werkzeug, um diese Fragen zu beantworten. Sie übersetzen die komplexe Realität der Bergwelt in eine lesbare Darstellung: Höhenlinien zeigen Steilheit, Symbole markieren Hütten oder Wege, und Farben unterscheiden Wald, Fels und Gletscher. Eine gute Karte ist dabei nie eine exakte Kopie der Wirklichkeit. Sie vereinfacht, wählt aus und betont das Wichtige – genau so, dass Bergsteiger schnell verstehen, wie sich das

Auch

die traditionelle Alpenvereinskartographie befindet sich in diesem Wandel.

Die Inhalte der klassischen Papierkarten werden zunehmend digital verfügbar gemacht und mit neuen Datenquellen kombiniert.

Gelände verhält. Karten sind deshalb mehr als nur Orientierungshilfen; sie sind Denkwerkzeuge. Wer eine Karte liest, plant bereits im Kopf mögliche Routen, erkennt Risiken und entwickelt ein Gefühl für die Struktur der Landschaft.

Darüber hinaus ermöglichen Karten eine Art „Vorausschau“. Sie erlauben es, Gelände zu verstehen, das man noch gar nicht betreten hat. Ein Blick auf die Höhenlinien kann zeigen, wo ein Hang besonders steil wird, wo ein Passübergang möglich ist oder wo sich ein Tal verzweigt. In diesem Sinne sind Karten Modelle der Landschaft: Sie reduzieren die Komplexität der Realität auf eine Form, die der Mensch interpretieren kann. Bergsteiger lernen deshalb mit der Zeit, Karten nicht nur zu lesen, sondern sie aktiv zu interpretieren – ähnlich wie eine Sprache, mit der sich räumliche Zusammenhänge ausdrücken lassen.

Gerade im Alpenraum hat sich dafür eine besondere Tradition entwickelt: die Kartographie der Alpenvereine. Diese Karten sind nicht nur präzise, sondern auch auf die Bedürfnisse des Alpinismus zugeschnitten. Sie zeigen etwa Klettersteige, Hütten, Gletscherverläufe oder besonders schwierige Passagen sehr detailliert. Viele Generationen von Bergsteigern haben gelernt, ihre Touren mithilfe dieser Karten zu planen. Die Alpenvereinskartographie hat damit wesentlich dazu beigetragen, wie wir die Alpen kartographisch verstehen und wie Bergsteiger den Raum der Berge lesen.

In diesem Kontext gewinnen gute Grundlagedaten eine zentrale strategische Bedeutung: Sie bilden die stabile Basis, auf der alle kartographischen Produkte aufbauen. Während konkrete Produkte und Anwendungen einem stetigen Wandel unterliegen, behalten hochwertige, konsistente und kuratierte Daten langfristig ihren Wert und ermöglichen immer neue Nutzungsformen. Gerade der Alpenverein kann hier seine Themenführerschaft aus der realen Welt in den digitalen Raum übertragen, indem er verlässliche Grunddaten als nachhaltige Stärke positioniert.

Digitalisierung

Mit der Digitalisierung hat sich die Nutzung von Karten stark verändert. Smart-

Zwischen analog und digital: Papierkarte, GPS-Gerät und Smartphone gehören heute zur Tourenplanung. Digitale Karten machen Orientierung interaktiv und liefern zusätzliche Informationen in Echtzeit.

Fotos: Alpenverein/W. Warmuth

> Karten sind das klassische Werkzeug, um diese Fragen zu beantworten. Sie übersetzen die komplexe Realität der Bergwelt in eine lesbare Darstellung: Höhenlinien zeigen Steilheit, Symbole markieren Hütten oder Wege, und Farben unterscheiden Wald, Fels und Gletscher. Eine gute Karte ist dabei nie eine exakte Kopie der Wirklichkeit.

phones und GPS ermöglichen es, den eigenen Standort jederzeit genau zu bestimmen. Digitale Karten können außerdem zusätzliche Informationen anzeigen: aktuelle Wetterdaten, Hangneigung für Lawinenrisiken oder aufgezeichnete Routen anderer Bergsteiger. Karten werden dadurch dynamisch und interaktiv. Man kann hineinzoomen, Details ein- oder ausblenden oder verschiedene Ebenen –etwa Wege, Geländeformen und Satellitenbilder – übereinanderlegen. Gleichzeitig entstehen neue Formen der Navigation: Apps schlagen Routen vor, warnen vor Gefahren oder zeigen, wie weit es noch bis zum Ziel ist.

Auch die traditionelle Alpenvereinskartographie befindet sich in diesem Wandel. Die Inhalte der klassischen Papierkarten werden zunehmend digital verfügbar gemacht und mit neuen Datenquellen kombiniert. Dadurch entstehen hybride Kartenformen: Sie verbinden die kartographische Erfahrung der Alpenvereine mit den Möglichkeiten moderner Geodaten, GPS-Navigation und gemeinschaftlich gesammelter Informationen. Gleichzeitig bleibt das kartographische Wissen hinter diesen Karten entscheidend – denn auch digitale Karten müssen auswählen, strukturieren und interpretieren, damit sie im komplexen Gelände der Berge verständlich bleiben.

Diese Entwicklung verändert auch die Rolle des Nutzers. Während man früher stärker darauf angewiesen war, selbst Karten zu interpretieren, übernehmen digitale Systeme zunehmend Teile dieser Analyse. Algorithmen berechnen beispielsweise den optimalen Weg, berücksichtigen Höhenmeter oder vergleichen verschiedene Routenvarianten. Gleichzeitig entstehen große Datenmengen, etwa durch aufgezeichnete Tracks oder geteilte Tourenberichte. Die Karte wird dadurch zu einer Plattform, auf der Informationen gesammelt, kombiniert und laufend aktualisiert werden. Navigation wird damit nicht nur präziser, sondern auch stärker vernetzt.

Zukunftsperspektive

Ein Blick in die Zukunft deutet darauf hin, dass sich die Beziehung zwischen Mensch und Karte weiter verändern wird. Während früher der Bergsteiger die Karte lesen musste, könnten zukünftige Systeme zunehmend den Menschen „lesen“. Sensoren, Standortdaten und künstliche Intelligenz könnten erkennen, wo sich jemand befindet, welche Route er plant und welche Schwierigkeiten im Gelände auftreten könnten. Die Karte würde dann nicht nur Informationen anzeigen, sondern aktiv unterstützen – etwa durch personalisierte Hinweise, automa-

tische Gefahrenwarnungen oder adaptive Routenplanung.

Damit verändert sich die Rolle der Karte grundlegend. Sie entwickelt sich von einem passiven Informationsmedium zu einem intelligenten Begleiter. Denkbar sind Systeme, die die Erfahrung, Geschwindigkeit oder sogar den Erschöpfungsgrad eines Bergsteigers berücksichtigen und ihre Hinweise entsprechend anpassen. Augmented-Reality-Brillen könnten Wege direkt im Sichtfeld anzeigen oder gefährliche Geländeformen hervorheben. In dieser Perspektive verschiebt sich das Verhältnis zwischen Mensch und Karte: Aus „Wir lesen die Karte“ wird zunehmend „Die Karte liest uns“. Karten werden damit nicht nur Werkzeuge zur Orientierung, sondern aktive Partner im Umgang mit Raum. Die lange Erfahrung der Alpenvereinskartographie könnte dabei eine wichtige Grundlage bleiben – als Wissen darüber, wie man komplexe Gebirgsräume verständlich darstellt und navigierbar macht.

Univ.-Prof. Mag. Dr. Georg Gartner ist Professor für Kartographie und Geomedientechnik an der TU Wien und ist Präsident der International Cartographic Association (ICA).

Konstantin Gartner ist Geograph, Lehrer und Kletterführer.

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Was für eine Landschaft! Großbritannien hat schöne Wanderungen. Nur Hütten gibt es kaum.

Foto: Michel Mehle

Wie weit reichen die Alpen?

Eine Sektion des Alpenvereins ohne Alpen. Und doch seit Jahrzehnten eine der wichtigsten Stützen für Hütten in Österreich. Hello, Alpenverein Britannia!

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Eine Bar im Norden von Wales. Vormittag, emsiges Treiben. Die Gäste tragen Outdoor-Kleidung, statt eines Pints halten sie Wanderstöcke in der Hand: „Right, morning! Welcome to Plas y Brenin.“ Die Bar des walisischen Outdoorcenters ist heute Startpunkt einer Tour des Alpenvereins – der Sektion Britannia. Eine Alpenvereinssektion mit mehr als 21.500 Mitgliedern, die vollständig im Vereinigten Königreich beheimatet ist – und in Österreich kaum bekannt. Dabei würde es ohne sie manche Hütten in den Alpen wohl nicht geben.

„Die Hütten waren immer Teil der Sektion Britannia. Also, anfangs hieß sie natürlich noch Sektion England!“ Janet Britnell,

wacher Blick und sonniges Gemüt, ist mit auf meiner ersten Wanderung in Wales. Ihr wahres Alter darf ich nicht nennen, aber ihre erste Hüttenübernachtung ist schon gut 40 Jahre her. Im Nationalpark Hohe Tauern war das. Sie erinnert sich an Topfenkuchen auf der Sudetendeutschen Hütte und an eine Rüge, weil sie auf dem schmalen Grat vom Kleinglockner zum Großglockner etwas zu schnell unterwegs war. Etwas, das sie heute noch zum Lachen bringt.

In ihrer Heimat Großbritannien gibt es dagegen kaum Hütten. Hier ist die Philosophie, möglichst nicht in die Natur einzugreifen. Bei unserer Wanderung in Wales sehe ich weder Schilder noch Wegmarkierungen, geschweige denn eine Hütte. Wer hier nach einer Tour eine warme Suppe will, muss eben im Pub des nächsten Ortes einkehren. Auch o.k. Aber die Erfahrung, mitten in den Bergen zu übernachten, wenn sich die Welt auf eine kleine Schutzhütte unter dem Sternenhimmel reduziert, diese Erfahrung machen viele zum ersten Mal in Österreich, erzählt mir Janet: „Du kannst auf 1.000 Metern übernachten und es ist fast wie in einem kleinen Hotel. Abgesehen davon“, und da lacht sie wieder, „dass du im Matratzenlager schläfst.“

Hilfe aus dem Norden

Aus der Erfahrung vieler Briten ist der Wunsch entstanden, etwas beizutragen. Und damit der sogenannte Hut Fund, das Spendenkonto der Sektion Britannia, das Janet schon viele Jahre leitet. Seit den 1960ern überweisen Mitglieder der Britannia zusätzlich zu ihrem Jahresbeitrag Geld in den Hut Fund, der dann in Hüttenprojekte in Österreich investiert wird. Ein neues Blockheizkraftwerk für die Franz-Senn-Hütte in Tirol, ein Zubau für die Salm-Hütte in Kärnten oder, vor Kurzem, eine neue Trinkwasserversorgung für die Leobner Hütte in der Steiermark. Inflationsbereinigt hat die Britannia seit den 1970er-Jahren über eine Million Euro für Hüttenprojekte in den Alpen gespendet. Sie unterstützt oft dort, wo es sonst schwierig werden könnte.

Und das hat eine lange Geschichte: „Als die Britannia gegründet wurde, war es kurz nach dem Zweiten Weltkrieg“, er-

Eine Alpenvereinssektion mit mehr als 21.500 Mitgliedern, die vollständig im Vereinigten Königreich beheimatet ist – und in Österreich kaum bekannt. Dabei würde es ohne sie manche Hütten in den Alpen wohl nicht geben.

zählt Janet, während wir durch das walisische Hochland wandern. Weite Graslandschaften zwischen schroffen Bergen aus vulkanischem Gestein und Schiefer: „Einer der beiden Gründer der Britannia war Walter Ingham. Er ist in Wien aufgewachsen, hatte aber englische Eltern.“ Als Teenager entdeckt Walter Ingham die Berge und wird schnell ein begeisterter Skifahrer. Seine Eltern schicken ihn für einen Bürojob nach England, aber er organisiert von dort lieber Skitrips für englische Touristen in die alte Heimat: „Während des Krieges war er in der britischen Armee. Nach dem Krieg meldete er sich freiwillig, in Wien zu bleiben, um Österreich dabei zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen“, sagt Janet.

Gemeinsam mit Heinrich Krausz, einem Grazer, den Walter vor dem Krieg in London kennengelernt hatte, gründen sie die Sektion England im Alpenverein, die später Sektion Britannia heißen soll. Ihre Mitglieder dürfen damals zwar nur wenig Geld aus dem Vereinigten Königreich ausführen, nehmen aber Decken und Alltagsgegenstände auf die im Krieg leergeräumten Hütten mit. Diese Erlebnisse verbinden Mitglieder der Britannia mit Österreich.

Brücke zu den Alpen

Bis heute: „Wir haben an zwei Positionen bei der Leobner Hütte eine Tafel aufgehängt zum Dank an die Sektion Britannia.“ Die verschneite Leobner Hütte am Hochschwab im Winter 2025. Helmut Bader, der zweite Vorsitzende der Sektion Leoben, zeigt mir die Dankestafel im Eingangsbereich der Leobner Hütte. Der Wortlaut ist auf Deutsch und Englisch geschrieben: „Herzlichen Dank an den Alpenverein Britannia für die großzügige finanzielle Unterstützung zur Errichtung der Trinkwasserversorgung auf der Leobner Hütte. Grenzenlos verbunden durch die Liebe zu unseren Bergen.“

Bisher musste das Trinkwasser für die Leobner Hütte in Kanister gefüllt und mit der Materialseilbahn nach oben geschafft werden. Ein Aufwand für Hüttenwirt Hermann Leitner. Jetzt übernimmt das im Sommer ein neues Pumpsystem, komplett energieautark mit dem Wasser der Gemeinde und mitfinanziert vom Hut Fund der Sektion Britannia. Die Spende ist finanziell eine große Hilfe. Aber der ersten Vorsitzenden der Sektion, Claudia Schagerl, ist der ideelle Wert auch wichtig: „Es wird oft so trocken gesehen, dass man das Geld herbringt, und trotzdem: Es geht nicht nur ums Geld. Man merkt

Überall zuhause: Die Sektion Britannia in einer Bar in Wales (links) und auf der Leobner Hütte in der Steiermark, die die Britannia mit einer Trinkwasserversorgung unterstützt hat (rechts).

¡ nfo Der Alpenverein in der Welt

Neugierig auf die Alpenvereinssektion Britannia? In der Podcastfolge mit und über die Sektion gibt es spannende Einblicke.

Mehr Infos: alpenverein.at/basecamp

dieses ehrliche Interesse. Dass ihnen unsere Hütten wirklich am Herzen liegen und sie da einiges in Kauf nehmen, diese Projekte zu unterstützen.“

Wann immer ich in Wales erwähne, dass ich in Österreich lebe, lausche ich begeisterten Erzählungen über Natur, Mehlspeisen und gute Freundschaften. Die Menschen hier haben eine Verbindung zu Österreich. Die Britannia selbst ist mittlerweile die neuntgrößte Sektion im Alpenverein und die am schnellsten wachsende. Ihre Mitglieder kommen heute aber nicht nur aus dem Vereinigten Königreich, sondern aus allen Teilen der Welt, weil ihnen Englisch als Sprache eine Brücke zu den Alpen bietet. Es ist, als würden die Alpen selbst mit jedem neuen Mitglied ein wenig in die Welt hinauswachsen. Aber so schön dieser Gedanke ist, die Entwicklung dahinter ist natürlich nicht nur positiv:

Verbundenheit

„Du fährst im Sommer in die Alpen und siehst einfach die Wunden, die nach dem Rückzug der Gletscher bleiben. Und das ist eine lebhafte Erinnerung an die Herausforderung, der wir gegenüberstehen.“ Tom Herbstein ist ein neues Mitglied der Sektion Britannia. Seine erste Skitour, sein

Fotos: Michel Mehle, Alpenverein Leoben/Claudia Schagerl

erster Klettersteig, seine erste Hüttentour; das hat er alles mit dem „Club“ in Österreich erlebt. Die Schönheit der Alpen hat ihm aber auch die Augen für ihre Situation im Klimawandel geöffnet. Und für seinen eigenen Beitrag zu dieser Entwicklung.

„Die Britannia hat historisch gesehen ein Ziel“, sagt mir sein Kollege Alastair Hodges, „Menschen für die Alpen zu begeistern! Dafür muss man dorthin kommen, und zwar so, dass auch noch Zeit für einen echten Urlaub bleibt. Und deshalb wird geflogen.“ Tom und Alastair sind Teil der jungen Klimagruppe der Sektion Britannia. Sie wollen die negativen Auswirkungen ihrer Sektion auf das Klima verringern. Ähnlich wie beim Hut Fund, mit einem Spendenkonto, über das Emissionen ausgeglichen und nachhaltige Mobilität gefördert werden soll. Ganz auflösen lässt sich der Konflikt aber nicht. Wer die Alpen besucht, trägt zu ihrer Veränderung bei. Das beschäftigt Menschen aus Großbritannien genauso wie uns in Österreich. „Trommelwirbel! Trommmmelwirbel!“ Es ist der letzte Abend der Britannia in Wales. Der Club hat eine Tombola organisiert. Natürlich in der Bar des walisischen Outdoorcenters „Plas y Brenin“: „We have Blue … Nummer fünf!“ Die Zahlen werden auf Deutsch vorgelesen – man ist ja beim Alpenverein. Der erste Preis der Tombola

Die beiden Gründer der Britannia, Walter Ingham (links) und Heinrich Krausz (Mitte), sowie Ex-Präsident Allan Hartley in jungen Jahren (rechts). Die Alpen sind ihnen Sehnsucht und Heimat. Fotos: Alpenverein Britannia

Die Britannia selbst ist mittlerweile die neuntgrößte Sektion im Alpenverein und die am schnellsten wachsende. Ihre Mitglieder kommen heute aber nicht nur aus dem Vereinigten Königreich, sondern aus allen Teilen der Welt, weil ihnen Englisch als Sprache eine Brücke zu den Alpen bietet.

geht zu seinem Schreck an Tim Morley, den Präsidenten der Britannia, der sein Schicksal unter Gejohle leicht verschämt akzeptiert: ein paar Handschuhe für die nächste Skitour in Österreich. Das fühlt sich hier erstaunlich nahe an. Vielleicht ist es ja auch so mit den Alpen. Dass sie größer sind, als wir manchmal denken. Weil sie nicht nur an Orte gebunden sind, sondern auch an Beziehungen.

Michel Mehle ist freier Journalist mit einem Herz für den Alpenverein.

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Carolin Scharfenstein ist Mitarbeiterin der Abteilung Hütten und Wege im Österreichischen Alpenverein.

Foto: privat

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der Zugang zur Natur, die Konzentration auf die Qualitäten, die das Dorf hat. Und es war eine der wenigen Initiativen, wo nicht im zweiten Satz schon die Kosten am Tisch waren, sondern, dass man mit anderen ausgewählten Ortschaften ein eigenes Ziel verfolgt.“

Weniger ist genug

Vor 20 Jahren entstand im Österreichischen Alpenverein die Idee der Bergsteigerdörfer. „Klein und fein“ sollten sie sein.

Die Initiative bietet eine Perspektive für Dorfgemeinschaften in den Alpen.

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Wieder so ein Ende der Welt“, denkt Profi-Bergsteiger Walter Laserer, als er für den Podcast der Bergsteigerdörfer die Gemeinde Lunz am See in Niederösterreich besucht. Er, der als erster Österreicher auf allen Seven Summits war, dreimal am Mount Everest und mehrmals in der Antarktis gewesen ist, denkt beim Aussteigen in Lunz am See an das Ende der Welt.

Dabei ist die kleine Gemeinde gar nicht so abgelegen: Von Wien aus ist sie in zweieinhalb Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Mit dem Bau der Eisenbahn wurde Lunz am See zum Naherholungsgebiet für Sommerfrischler aus der Hauptstadt. Wegen des Lunzer Sees natürlich und des 1.878 m

hohen Dürrensteins, der sich im Süden des Ybbstales erhebt und anspruchsvolle Wanderungen bietet. Damals war Lunz am See ein beliebtes Ausflugsziel. Noch in den 1970er-Jahren verzeichnete die Gemeinde bis zu 80.000 Nächtigungen im Jahr. Allerdings nicht für lange: Die Ansprüche stiegen und Erholung in der Ferne wurde zunehmend leichter erreichbar. Die Nächtigungszahlen gingen daraufhin rapide zurück.

Als es noch anders war

Bergsteigerdorf Lunz am See.

Foto:Theo Kust

Das Ziel der Bergsteigerdörfer ist es, Ortschaften ohne Massentourismus eine Perspektive zu geben. Raus aus der Logik des ständigen Wachstums. Stattdessen ein stabiler Weg, der es einer Gemeinde ermöglicht, gut zu leben und ihre Identität zu wahren. Entstanden ist die Initiative im Österreichischen Alpenverein. „Wir haben oft das Image, dass wir gegen alles sind“, erzählt mir der erwähnte Roland Kals später: „Es ist nicht besonders lustig. Auf der einen Seite notwendig, aber trotzdem anstrengend und irgendwie blöd.“

Roland Kals, Raumplaner und langjähriger Vorsitzender des Alpenvereins Salzburg, war von Anfang an bei der Initiative Bergsteigerdörfer dabei. Sie stammt allerdings nicht von ihm, sondern von Peter Haßlacher, dem mittlerweile verstorbenen ehemaligen Leiter der Abteilung Raumplanung und Naturschutz im Österreichischen Alpenverein: „Irgendwann hat der Peter mal einen Geistesblitz gehabt und gesagt, der Alpenverein war doch schon einmal so eine Art Geburtshelfer einer vernünftigen ökonomischen Entwicklung im Alpenraum“, erzählt Kals: „Das ist lange her – 150 Jahre.“

Damals übernimmt der Geistliche Franz Senn die Kuratie St. Jakob in Vent im Ötztal und fasst den Entschluss, den Lebensstandard der Bevölkerung durch Förderung der Bergbauern und des Fremdenverkehrs anzuheben – durch den Bau von Wegen, Steigen und Schutzhütten. Damit habe Senn für damalige Verhältnisse einen „ökonomischen Turbo“ gezündet, erzählt Roland Kals. Rund 150 Jahre später sollten kleine alpine Gemeinschaften wie Lunz am See wieder vom Wirken des Alpenvereins profitieren. Peter Haßlacher hatte die Idee der Bergsteigerdörfer – einer Marke, die hält, was österreichische Werbesujets seit Jahrzehnten versprechen: Erholung in intakter Natur und das Erleben authentischer Dorfgemeinschaft. Roland Kals war anfangs noch skeptisch: „Da habe ich gesagt: Peter, das gibt’s nimmer. Das ist vorbei.“ Doch Haßlacher war über-

Seitdem hat das Dorf ein Fünftel seiner Bevölkerung verloren. Etliche Häuser wurden zu Zweitwohnsitzen – ohne Licht hinter den Fensterscheiben, was den Leerstand verriet. Da kam eine Idee des Alpenvereins gerade recht: die Initiative Bergsteigerdörfer. Ex-Bürgermeister Martin Ploderer erinnert sich im Podcast: „Der Erstkontakt war der Besuch von Roland Kals. Mich hat damals beeindruckt: >

^ Christof Alfreider, „Dorfkosmetiker“ der Gemeinde Lungiarü.

Foto: Alpenverein/Anna Schuierer

‹ Kallbrunnalm Weißbach.

Foto: norbert-freudenthaler.com

› Lungiarü. Foto: Martin Schachenhofer

zeugt und Roland Kals musste sich eben etwas einfallen lassen.

Klein und fein

2006 veröffentlicht der Alpenverein eine der ersten Broschüren über „kleine und feine Bergsteigerdörfer“. Mit dabei: klingende Ortsnamen wie Vent, Mallnitz und eben auch Lunz am See. Dass die niederösterreichische Gemeinde bei den Bergsteigerdörfern vertreten ist, verdankt sie dem Dürrenstein, der ihr ganze 1.272 Meter Reliefunterschied einbringt. Denn 1.000 Meter Höhenunterschied müssen für ein echtes Bergsteigerdorf eben sein; aber das ist längst nicht alles, sagt Ex-Bürgermeister Martin Ploderer: „Man kann ganz grob sagen: Konzentration auf die eigenen Stärken, keine großtechnologischen Erschließungen, die Natur mit Respekt behandeln. Das hat mich persönlich sehr beeindruckt, weil ich selber auch gerne in den Bergen unterwegs bin.“

Für Lunz am See sind die Leitlinien der Bergsteigerdörfer bis heute zentral für die Gesamtstrategie des Ortes. Dazu kommen weitere Projekte: Das neue Haus der Wildnis informiert über den Rothwald, das größte Urwaldgebiet der Alpen, das teilweise im Gemeindegebiet liegt.

Der „Wassercluster“, eine Forschungseinrichtung dreier Universitäten, bringt Studierende und Universitätspersonal in den Ort; die Seebühne bietet Raum für Konzerte.

Seit den Nullerjahren verzeichnet Lunz wieder ein sanftes Wachstum und auch die Nächtigungen gehen nach oben. Für eine kleine Gemeinde kann das lebenswichtig sein. Martin Ploderer: „Das bedeutet, dass es ein gescheites Lebensmittelgeschäft gibt, dass es einen Kindergarten gibt, eine Volksschule, Mittelschule. Und solange das in einem Ort, in einem Dorf gut funktioniert, haben wir die Chance, die Jugend zu halten und vielleicht sogar einige wieder aus der Stadt zurückzubekommen.“

Wenn es zu viel wird

Die Marke Bergsteigerdörfer kann einem Dorf neue Gäste bringen, sie kann es aber auch vor zu vielen Gästen schützen. Das ist nämlich die Kehrseite des Ungleichgewichts im Tourismus. Dass manche Orte zu wenig haben und andere Orte zu viel. In den Dolomiten zum Beispiel: „Das St. Ulrich meiner Kindheit war ein Ort, der in einem guten Gleichgewicht zwischen touristischer Aktivität und Lebensqualität stand.“ Élide Mussner, 41 Jahre alt, ist Co-

Vorsitzende der Grünen in Südtirol und in St. Ulrich im Grödnertal aufgewachsen. St. Ulrich ist heute ein Zentrum des Tourismus in den Dolomiten. Von hier gehen die Seilbahnen auf die Seceda und auf die Seiser Alm. Und von hier dröhnen im Sommer jeden Tag Hunderte Sportwagen und Motorradgruppen über das Grödner Joch. Ohrenbetäubender Lärm. Jeden Tag. Als ich Élide bitte, mir vom St. Ulrich ihrer Kindheit zu erzählen, schickt sie mir eine 13-minütige Sprachnachricht. Darin erzählt sie von Dorfgemeinschaft, von Gästen, die zwei oder drei Wochen bleiben. Vom Café Demetz am Dorfplatz, in dem zu Giorgio Moroder getanzt wurde und das heute ein Sportartikelgeschäft ist. Sie erzählt, dass sie beim Spazierengehen niemals den künstlichen Thymiangeruch eines nahegelegenen Resorts in der Nase hatte. Und dass die Einheimischen sich heute aus dem Zentrum zurückziehen. Kein Kinderschuhgeschäft mehr, kein Lederwarengeschäft, kein Treffen am Dorfplatz: „Ich habe jetzt praktisch nie mehr dieses Gemeinschaftsgefühl. Wo man eine Aktivität macht, nur für uns Bürgerinnen und nicht aus touristischen Zwecken.“

2021 sprach sie sich als Gemeinderätin der Gemeinde Alta Badia gegen eine Be-

werbung zur Ski-WM 2029 aus. Weil man an einem Punkt sei, an dem es nicht mehr darum gehe, Tourismus aufzubauen, sondern darum, das Bestehende zu erhalten und zu schonen. Das war natürlich umstritten. Der Gemeinderat von Alta Badia entschied sich schließlich gegen die Bewerbung, die jetzt im norwegischen Narvik ausgetragen wird.

Für Élide bleibt eine grundsätzliche Frage trotzdem noch unbeantwortet: „Ich habe oft das Gefühl, dass wir Angst haben, dass wir zu wenig sind. Und da liegt

auch die Schwierigkeit. Also, wie erzählen wir uns? Erzählen wir uns als Produkt? Kommt, wir haben dies und jenes anzubieten? Oder erzählen wir uns als Menschen, die hier leben? Wer sind wir eigentlich? Und was gefällt uns eigentlich?“

Nicht für immer

Drei Busse weiter sieht die Welt ganz anders aus. Lungiarü ist eine 600-Einwohner-Gemeinde im benachbarten Gadertal. Weiß verputzte Häuser mit Obergeschossen

aus Lärche gruppieren sich hier um einen spitzen Kirchturm. Ein paar Höfe liegen wie Schwalbennester am Berghang. Gleich dahinter ragen die markanten Gipfel der Puez-Geisler-Gruppe. Als ich ankomme, haben die Kinder der Volksschule gerade Pause. Außer ihrem Lachen höre ich nichts: „Wir haben eben Kindergarten und Volksschule bis zur fünften Klasse. Zurzeit, glaube ich, sind es 45 Kinder in der Volksschule, also gut besucht. Wir sterben nicht aus“, sagt Christoph Alfreider und lacht. Der 61-Jährige ist laut eigener Angabe der „Dorfkosmetiker“ der Gemeinde Lungiarü, also derjenige, der das Ortsbild pflegt. Wir treffen uns am kleinen Hauptplatz und er zeigt mir den Ort.

Lungiarü liegt am Talschluss eines Seitentals des Gadertals. Hier gibt es einen Kindergarten, eine Volksschule, ein paar Unterkünfte für Gäste – und Natur, so weit das Auge reicht. Gleich hinter den Bergkämmen dagegen liegen die Zentren des internationalen Hotspot-Tourismus: Seceda, Pragser Wildsee, Seiser Alm, die Drei Zinnen. Christoph Alfreider: „Wir haben nach einer touristischen Alternative gesucht. Man hat sich Gedanken gemacht, was man eigentlich tun kann, damit Lungiarü sich ein bisschen abhebt und trotzdem seinen Charakter behält.“

Rund 150 Jahre später sollten kleine alpine Gemeinschaften wie Lunz am See wieder vom Wirken des Alpenvereins profitieren. Peter Haßlacher hatte die Idee der Bergsteigerdörfer, einer Marke, die hält, was österreichische Werbesujets seit Jahrzehnten versprechen: Erholung in intakter Natur und das Erleben authentischer Dorfgemeinschaft. >

Gefunden haben Christoph und sein Nachbar Giovanni Costa die Initiative Bergsteigerdörfer. Diese ist mittlerweile nämlich weit über die Grenzen Österreichs hinausgewachsen. 2015 ist Ramsau bei Berchtesgaden als erste deutsche Gemeinde zu den Bergsteigerdörfern gekommen. Es folgten 2017 Italien mit Matsch im Vinschgau und Slowenien mit Jezersko zwischen Steiner Alpen und Karawanken. 2021 wurde St. Antönien, das höchstgelegene Dorf der Gemeinde Luzein in Graubünden, zum ersten Schweizer Bergsteigerdorf. Mittlerweile gibt es 43 Bergsteigerdörfer, 22 davon in Österreich.

Die Initiative wächst. Aber auch das im Sinne der Bergsteigerdörfer, und nicht unbegrenzt, sagt Roland Kals: „Das heißt, dass wir nicht unendlich wachsen werden, sollen und auch nicht wollen. Wir wollen insgesamt eine exklusive Initiative bleiben.“ Bei den Bergsteigerdörfern ist jeder nationale alpine Verein für seine Dörfer verantwortlich. Allein aus administrativen Gründen kann deshalb nur eine begrenzte Zahl an Ortschaften hinzukommen und betreut werden. Aber ein bisschen geht vielleicht schon noch. Roland Kals: „Wobei wir uns noch nie so richtig drauf verständigt haben, wo denn dann Schluss ist.“

Die Tür schließen

Ein Bergsteigerdorf, das später hinzugekommen ist, ist St. Jodok, Schmirn- und Valsertal im Tiroler Wipptal: „Wir haben uns beworben, mussten das ganze Prozedere durchlaufen und haben dann die Zusage bekommen. Das war 2011 und damals war richtige Aufbruchstimmung!“

Helga Beermeister ist die Geschäftsführerin im Tourismusverband Wipptal. Begonnen hat sie dort 1986, vor 40 Jahren. Sie hat in dieser Zeit Höhen und Tiefen einer Region mitbekommen, die nur wenig auf große touristische Infrastrukturangebote gesetzt hat: „Gerade so in den 1980er- und 90er-Jahren hat es dann schon Stimmen gegeben, dass das Wipptal touristische Entwicklungen verschlafen hätte.“

Dass die fünf Seitentäler des Wipptals, Schmirn, Vals, Obernberg, Navis und Gschnitz, vergleichsweise wenig besucht

St. Jodok im Sommer. Foto: Johannes Bitter

¡ nfo Podcast

Zu den Bergsteigerdörfern gibt es eine Podcast-Reihe unter bergsteigerdoerfer.org/ podcast

Hier reinhören

sind, wurde von einigen Bewohner:innen lange als Manko gesehen. Die Erkenntnis, welchen Schatz man mit seiner Natur hat, ist erst später gekommen, auch mit der Initiative der Bergsteigerdörfer. Helga Beermeister: „Das Selbstbewusstsein der Menschen, die im Tourismus gearbeitet haben, wurde gestärkt. Und im zweiten Schritt waren diese wieder mutig und haben investiert. Und sogar die Privatzimmerver-

mieter haben dann angefangen, wieder in Qualität zu investieren.“

Heute hat St. Jodok, Schmirn- und Valsertal seine Nächtigungen verdoppelt, ohne dass wirklich Betriebe dazugekommen wären. Allerdings hat das auch ein echtes Commitment erfordert: „Die Gemeinden mussten damals unterschreiben, dass sie gegen eine Anbindung ins hintere Zillertal sind“, erzählt Beermeister.

Mittlerweile gibt es 43 Bergsteigerdörfer, 22 davon in Österreich. Die Initiative wächst. Aber auch das im Sinne der Bergsteigerdörfer und nicht unbegrenzt, sagt Roland Kals: „Das heißt, dass wir nicht unendlich wachsen werden, sollen und auch nicht wollen. Wir wollen insgesamt eine exklusive Initiative bleiben.“

Im Raum stand ein Tunnel, der das hintere Schmirntal mit Hintertux verbunden hätte: „Wenn man einen Anschluss an ein Gletscherskigebiet hat, wäre möglich, dass sich dann auch Hotels angesiedelt hätten. Allerdings wäre das für uns eine extreme Verkehrsbelastung gewesen“, sagt Beermeister. „So hat man die Tür zugemacht.“

Die eigene Lebensqualität mit Gewinnen aus dem Massentourismus abzuwägen, ist eine Entscheidung, die jede Gemeinde für sich treffen muss. Es kann auch nicht jede Siedlung in den Alpen ein Bergsteigerdorf werden. Aber es ist schon so, dass es einen Weg gibt zwischen immer mehr und immer weniger, dass es Werte außerhalb der Wertschöpfung gibt, die einen Ort lebenswert machen und ihm eine Zukunft geben. Genauso wie die wirtschaftliche Entwicklung einem Ort langfristig die Zukunft nehmen kann. Wie wir diese Werte gewichten, entscheidet letztendlich über die Zukunft des Lebensraums Alpen.

ONE PACK MANY PEAKS.

Michel Mehle ist freier Journalist und Podcastmacher, u. a. für den Österreichischen Alpenverein.

Schritt für Schritt durch die Alpenverein-Akademie

Illustration: Büro adrett

Alpenschutz ist …

Die Alpen erfüllen viele Funktionen.

Sie sind Rückzugsort, Zuhause, Arbeitsplatz

– und sie gehören zu den empfindlichsten Naturräumen Europas. Deshalb betrifft Alpenschutz viele Aspekte: Von Natur und Menschen bis hin zur Wirtschaft.

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„Wie kann man Bergsport naturverträglich betreiben?“

Alpenschutz beginnt, wenn wir in unserer Freizeit draußen unterwegs sind. Und so gelingt’s: mit Öffi-Anreise oder Fahrgemeinschaften, mit Rücksicht auf Wildtiere und -pflanzen und mit einem respektvollen Umgang mit der Bergwelt, den Menschen vor Ort und anderen Bergsportbegeisterten.

„Warum ist ein intaktes Ökosystem gerade in Zeiten der Klimakrise wichtig?“

Muren, Stürme, Starkregen, lange Trockenperioden, Überschwemmungen oder Felsstürze treten häufiger auf – eine spürbare Folge der Klimakrise. Intakte Schutzwälder, stabile Böden und eine kluge Planung sind daher essentiell. Alpenschutz bedeutet, Naturgefahren früh zu erkennen und natürliche Schutzfunktionen zu stärken.

„Was bedeutet Alpenschutz für die Energiewirtschaft?“

Wasser, Rohstoffe und Flächen sind im Alpenraum begrenzt und die Alpen reagieren auf Eingriffe besonders sensibel. Alpenschutz bedeutet, Landschaft nicht zu überbauen, erneuerbare Energie naturverträglich zu entwickeln und Ressourcen sparsam einzusetzen.

¡ nfo
Wusstest du, dass Alpenschutz vertraglich gesichert ist?

Ja, richtig gelesen! Die Alpenkonvention ist ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen den Alpenländern und der EU zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung der Alpen. Neugierig geworden? Der Österreichische Alpenverein informiert mit seiner neuen Website „Alpenkonvention leicht verständlich“ darüber.

Mehr Infos unter: www.alpenkonvention-alpenverein.at

… zukunftsfitter Tourismus

Tourismus ist für viele Alpenregionen eine wichtige wirtschaftliche Grundlage. Doch der Alpenraum verträgt kein unbegrenztes Wachstum. Im Sinne des Alpenschutzes setzt Tourismus daher auf Qualität statt Masse und bewahrt die Ressourcen, von denen er lebt: intakte Natur, Ruhe, Landschaft und authentische Erlebnisse.

… politische Verantwortung

… nachhaltige Wirtschaft

Naturverträgliche erneuerbare Energien, sparsamer Ressourceneinsatz und regionale Kreisläufe sind zentrale Bausteine. Nachhaltiges Wirtschaften stärkt Landwirtschaft, lokale Betriebe und innovative Lösungen im Alpenraum –und schafft sichere Arbeitsplätze sowie langfristige Zukunftschancen.

… Kultur

Almwirtschaft, Handwerk oder alpine Baukultur prägen den Alpenraum. Alpenschutz bedeutet, das Wissen darüber weiterzugeben und Orte zu schaffen, an denen Kultur lebendig bleibt.

… Lebensqualität

Weniger Verkehr, gute Luft und Ruhe, eine intakte Natur, einzigartige Kultur und lebendige Ortskerne –klingt gut, oder? Alpenschutz sorgt dafür, dass Menschen heute und in Zukunft hier gerne leben, arbeiten und ihre Freizeit verbringen.

… Mobilität neu gestalten Verkehr zählt zu den größten Belastungen im Alpenraum, besonders durch Transit und LKW. Alpenschutz bedeutet, Mobilität neu zu gestalten: mehr Güter auf die Schiene, ein besseres öffentliches Verkehrsnetz sowie sichere Rad- und Fußwege.

… Klimaschutz

Die Alpen erwärmen sich stärker als der globale Durchschnitt – mit sichtbaren Folgen wie Gletscherschwund und zunehmenden Extremereignissen. Konsequenter Klimaschutz ist entscheidend, um alpine Lebensräume zu erhalten und ihre wichtigen Funktionen als CO₂- und Wasserspeicher zu sichern.

… Naturschutz

Die Alpen sind ein Hotspot der Artenvielfalt mit tausenden Tier- und Pflanzenarten. Intakte Ökosysteme speichern Wasser, sichern Trinkwasser und stabilisieren das Klima. Gleichzeitig ist eine intakte Natur die Grundlage für Landwirtschaft, Tourismus und nachhaltiges Wirtschaften. Alpenschutz heißt, diese Lebensräume zu erhalten.

Klare Regeln und mutige Entscheidungen sind nötig, um Natur und Kulturlandschaften zu erhalten. Dazu gehören die Förderung nachhaltiger Mobilität, eine vorausschauende Raumplanung und konsequenter Klimaschutz. Verlässliche Rahmenbedingungen ermöglichen es Gemeinden, Betrieben und Menschen, zukunftsfähig zu handeln – und machen den Alpenschutz zur gemeinsamen Aufgabe.

… regionale Wertschöpfung

Bleiben Natur- und Kulturlandschaften erhalten, profitieren lokale Betriebe direkt. Regionale Produkte, kurze Lieferketten und die Nutzung heimischer Ressourcen – vom Almkäse bis zum Holz – stärken die Wertschöpfung vor Ort und sichern Arbeitsplätze.

… vorausschauende Raumplanung

Im Alpenraum treffen viele verschiedene Interessen auf wenig Platz: von Wohnen, Verkehr, Energie und Tourismus bis hin zum Naturschutz. Alpenschutz bedeutet, Zersiedelung zu stoppen, freie Flächen zu bewahren und die lokale Bebauung sinnvoll und umweltverträglich zu regulieren.

Umweltverträglichkeitsprüfung für geplante Gletscher-Erschließungen

Die geplanten Gletschererschließungen im Pitztal im Bereich des Linken Fernerkogels und im Kaunertal am Gepatschferner sind UVPpflichtig (Umweltverträglichkeitsprüfung). Das hat neben der UVP-Behörde (Land Tirol) und dem Bundesverwaltungsgericht nun auch der Verwaltungsgerichtshof bestätigt. Dieser Instanzenzug wurde notwendig, weil die Projektwerber:innen bis zuletzt versucht hatten, eine UVP zu vermeiden. Das Höchstgericht begründet seine Entscheidung mit der besonderen Schutzwürdigkeit von Gletschern und hochalpinen Regionen und schränkt den rechtlichen Spiel-

Alpenverein-Patenschaft: Projekte im Nationalpark Hohe Tauern

raum für Gletschererschließungen deutlich ein. Mit der UVP-Pflicht ist der Alpenverein als anerkannte Umweltorganisation in einem allfälligen Verfahren beteiligt und kann seine Expertise zum Schutz des vergletscherten Hochgebirges einbringen. Zeitungsberichten zufolge wollen die Projektwerber:innen bis zum Sommer entscheiden, ob sie die Projekte weiterverfolgen. Ein ausführlicher Artikel über den langen Weg zur endgültigen UVP-Pflicht ist im PowderGuide-Magazin erschienen. —

Naturnachtgebiet Eisenwurzen offiziell ausgezeichnet

Alle aktuell eingereichten Projekte im Nationalpark Hohe Tauern können realisiert werden. Die Projekte wurden durch das Patenschaftskuratorium des Alpenvereins als förderungswürdig bewertet (Patenschaftsfonds des Österreichischen Alpenvereins) und durch den Bundesausschuss genehmigt. — Alle Infos zur Patenschaft: t1p.de/m7qv

Durchquerungen: Touren online entdecken

Der Bergsommer ist da! Auf unserem Tourenportal alpenvereinaktiv.com findest du Inspiration für besonders erlebnisreiche Bergwochenenden: mehr als 100 zweibis dreitägige Durchquerungen in ganz Österreich. Dank öffentlicher Anreise sind diese unkompliziert möglich. — alpenvereinaktiv.com/s/IWyLbA

Mit der Auszeichnung des Naturnachtgebiets Eisenwurzen feiern auch der Nationalpark Gesäuse (Partner des Alpenvereins) sowie die Initiative der Bergsteigerdörfer der Alpenvereine mit dem Bergsteigerdorf Johnsbach einen Erfolg. Das Naturnachtgebiet Eisenwurzen ist mit über 2.400 km2 einer der größten zusammenhängenden Schutzräume Österreichs. Ziel ist, die Lichtverschmutzung zu reduzieren und den natürlichen Nachthimmel zu bewahren. — naturnacht.eisenwurzen.com

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Warum in die Ferne schweifen?

Nachhaltiger reisen heißt nicht Verzicht, sondern neue Wege zu entdecken: weniger Stress bei der Anreise, mehr Zeit draußen und traumhafte Bergkulissen, die näher liegen, als man denkt. Die Möglichkeiten für Bergsport-Begeisterte sind vielseitig. Dieser kurze Check zeigt, welche Alternative zu dir passt …

Schon die Anreise soll Teil des Abenteuers sein

Wie reist du am liebsten?

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Wie soll sich dein nächstes Bergabenteuer anfühlen?

Hast du schon mal eine Interrail-Tour gemacht? Entdecke flexibel und abwechslungsreich neue Regionen.

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Roadtrip mal anders: Hast du schon mal eine Rundreise mit dem Zug ausprobiert?

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Was ist dir dabei wichtiger?

Neues sehen, aber nicht gleich ans andere Ende der Welt

Urlaub in Nachbarländern

Kurze Wege, kleine Orte,

Hauptsache viel Zeit am Berg

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Illustration: Valentina Recheis/himmel

Windkraft im Hochgebirge: Der Fall Windsfeld

Salzburgs erste Windkraftanlage in der alpinen Zone ist ein Paradebeispiel dafür, wie Windkraft nicht umgesetzt werden sollte.

l ilia Na daG o ST i N

Schon wieder stellt sich der Alpenverein gegen einen Windpark? Dieses Mal ist’s der erste in Salzburg. Und damit der langersehnte erste im Westen Österreichs, wo noch kein Lüfterl ein Windrad dreht. Erwartbar? Absolut! Die ablehnende Haltung des Alpenvereins lässt sich jedoch nicht mit einer grundsätzlichen Windkraft-Aversion erklären.

Das Projekt Windsfeld

Das Windsfeld ist eine Hochalm zwischen dem Pongau und Lungau. Dort sollen 13 Windenergieanlagen errichtet werden. Das hauptbetroffene Gemeindegebiet gehört zu Flachau, kleinflächig beteiligt ist Tweng, Zederhaus grenzt unmittelbar an. Die Windräder sind zwischen 150 m und 183,5 m hoch, der tiefste Standort ist auf ca. 1.950 m, der höchste auf knapp 2.350 m. Das gesamte Windsfeld ist ein alpiner Lebensraum, der gesetzlich geschützt ist. Der Standort fällt aufgrund seiner Hochwertigkeit flächendeckend unter den Lebensraumschutz von Trocken- und Magerstandorten nach dem Salzburger Naturschutzgesetz. Alpenvereinsmitglieder kennen das Gebiet in den Radstädter Tauern rund um den 2.375 m hohen Taferlnock wahrscheinlich. Es liegt zwischen der Südwiener Hütte und der Franz-Fischer-Hütte am Zentralalpenweg 02, der gemeinsam mit dem

01 zu den bedeutendsten Weitwanderwegen zählt. An den Rändern ragt das Landschaftsschutzgebiet Lantschfeld-Oberes Murtal-Oberes Zederhaustal hinein.

Auf das Windsfeld führt ab dem sogenannten Hüttenboden nur ein Wanderweg. Der Standort des alpinen Windparks müsste daher über eine elf Kilometer lange, schwerlasttaugliche Straße erschlossen werden. Der Wegebau erfordert laut Projektbericht mehrfach übersteilte Böschungen von bis zu 45 m Höhe, die aufwendige bauliche Sicherungsmaßnahmen verlangen. Die Stromableitungen und ein Umspannwerk sind ebenfalls Teil des Projektes.

Obwohl das Gebiet aufgrund seiner Schutzwürdigkeit umstritten ist, wurde es 2022 als Vorrangzone für Windkraft ausgewiesen. Neun Windräder würden innerhalb, die übrigen vier außerhalb der Vorrangzone errichtet werden. Als einziger

Windpark wurde das Windsfeld namentlich in das Regierungsübereinkommen zwischen ÖVP und FPÖ aufgenommen.

Windkraft in der alpinen Heimat des Vereins

Mit „alpine Heimat“ bezeichnet der Österreichische Alpenverein die Arbeitsgebiete – Wege und Hütten – seiner Sektionen. Selbst wem das Begriffspaar antiquiert anmuten mag, bleibt die tiefe Verbundenheit des Alpenvereins mit dem alpinen Raum, die damit zum Ausdruck gebracht wird, nicht verborgen. Die Wanderwege im Projektgebiet werden von zwei Alpenvereinssektionen betreut. Während die urbane von den beiden mit dem Windpark am Windsfeld nach Klärung der Begehbarkeit bzw. der Umgehungsmöglichkeiten kaum hadert, engagiert sich die lokale Sektion seit dem Bekanntwerden der Pläne gegen die Windkraftanlage – nicht zuletzt aufgrund der Dimension und Höhenlage des geplanten Projekts. Es klingt nach einer verfahrenen Situation, wenn zwei so unterschiedliche Sektionen in ein- und demselben Gebiet gegenläufige Blickwinkel einnehmen.

Das gesamte Windsfeld ist ein alpiner Lebensraum, der gesetzlich geschützt ist. >

Doch im Austarieren unterschiedlicher Positionen ist der Österreichische Alpenverein, der große urbane Sektionen ebenso beheimatet wie kleine, ländliche Sektionen, der überzeugte Klima-

schützer:innen ebenso aufnimmt wie beseelte Landschaftschützer:innen, der Wegewart:innen sucht und gewinnt, die mit Leidenschaft die Berge für die Nichtmitglieder und Mitglieder begehbar halten, geübt.

Und wie so oft in seiner langjährigen Geschichte hat sich der vielgesichtige Verein zu einer gemeinsamen Position im wahrsten Sinne des Wortes durchgerungen. Ausschlaggebend für die Erarbeitung einer Position des Alpenvereins zur Windkraft war weniger das konkrete Projekt am Windsfeld als der viel ältere Vollversammlungsbeschluss aus dem Jahr 2013, wonach sich der Österreichische Alpenverein vorgenommen hat, die Energiewende im Sinne seines Satzungsauftrages, die Schönheit und Ursprünglichkeit der Bergwelt zu bewahren, kritisch mitzugestalten.

Wer das Bergauf aufmerksam liest, kennt unsere vierte Ausgabe1 aus dem Jahr 2022, die sich der Frage widmet, wie Windkraft im Gebirgsraum gehen könnte. Dort wird die Haltung der Alpenvereinsgremien zu diesem durchwegs schwierigen Themenkomplex allgemein verständlich dargelegt. Eines wird auf Anhieb deutlich: Für eine Liebesheirat zwischen dem Alpenverein und der Windkraft reicht es nicht. Doch es werden sich auch in Zukunft Windkraftstandorte finden, denen der Österreichische Alpenver-

ein nicht entgegentritt. Auch darin hat er – entgegen der medial häufig verkürzten, noch häufiger verqueren Darstellung –nämlich Übung.

Unerwartete politische Rückendeckung

Lage, Größe und Erschließung sprechen aus Sicht des Österreichischen Alpenvereins klar gegen eine Windenergieanlage am Windsfeld. Immerhin überragt das kleine Windrad den Stephansdom noch um 15 Meter. Hinzu kommen naturschutzfachliche Aspekte wie das Vorkommen von Bartgeiern, die Bedeutung als Zugvogelgebiet sowie der bestehende Landschaftsschutz. Heruntergebrochen bleibt die Frage der Windkraftnutzung eine der Standortwahl. Und die ist hier nicht gut.

Im Umweltbericht zur Strategischen Umweltprüfung (von der öffentlichen Hand beauftragtes Umweltgutachten) lässt sich Folgendes nachlesen: die Zu-

Eines wird auf Anhieb deutlich: Für eine Liebesheirat zwischen dem Alpenverein und der Windkraft reicht es nicht. Doch es werden sich auch in Zukunft Windkraftstandorte finden, die der Österreichische Alpenverein nicht bekämpft.

1 www.alpenverein.at/bergauf

2 https://www.salzburg.gv.at/fileadmin/ Dateien/Bauen-Wohnen/Planen/ 2021-11-16_LEP_Umweltbericht.pdf, Kapitel 4.2.10, S. 95

wegung für Schwerverkehr ist „aufgrund ca. 300 m hoher Steilstufe (teilweise felsig) in hochalpiner Landschaft nur mit unverhältismäßig hohem technischen Aufwand, verbunden mit massiven Eingriffen in die Topographie und den Naturraum, zu errichten (zudem ist gemäß Einschätzung der WLV in diesem Bereich eine lawinensichere Trassierung kaum möglich)“. 2 Das Windsfeld wurde trotzdem als Vorrangzone für die Energiegewinnung im Salzburger Landesentwicklungsprogramm ausgewiesen. Womit wir bei der

politischen Verantwortung angekommen wären. Denn letztlich kommt die Salzburger Landesregierung damit dem Wunsch des Bundes nach, setzt Ausbauziele um. Doch welche und unter welchen Vorzeichen?

Hias Prodinger, der langjährige stellvertretende Vorsitzende der Sektion Lungau, hat vom Büro der damals zuständigen Klimaministerin die Auskunft erhalten: „Betreffend Windkraftanlagen ist anzumerken, dass die Errichtung nur an sehr spezifischen Standorten mit der entsprechenden Windkapazität, jedoch auch guten Anschlussmöglichkeiten an das Stromnetz und wirtschaftlich sinnvollen Erschließungskosten, möglich ist. Es spielt jedoch auch die Ökologie beziehungsweise die Aufrechterhaltung der jeweiligen Vegetation und Lebensräume entsprechender Tierarten in der Umgebung eine große Rolle. Da diese Parameter bei der Errichtung von Windrädern im alpinen Bereich vernachlässigt werden müssten, sieht das BMK dort kein Anwendungsfeld für Windräder.“

Treffender hätte die Position des Alpenvereins zur Windkraft und insbesondere zum hochalpinen Windsfeld nicht zusammengefasst werden können.

Liliana Dagostin ist Leiterin der Abteilung Raumplanung und Naturschutz im Österreichischen Alpenverein.

‹ Ansicht vom Weg der Südwiener Hütte hinauf zum Windsfeld.

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Aktueller Stand

Der Österreichische Alpenverein ist eine anerkannte Umweltorganisation und hat das Recht, sich an Verfahren nach dem Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz (UVP-Gesetz) zu beteiligen. Der Windpark „Windsfeld“ ist ein solches UVP-Verfahren. In der Zwischenzeit gab es eine mündliche Verhandlung zum Windpark, in dem Projektwerber und -gegner ihre Argumente vorbringen konnten. Die Anzahl der geplanten Windräder wurde von 13 auf zwölf eingeschränkt. Ob das Ermittlunsgverfahren weiter vertieft wird oder die Behörde bereits in der Lage ist, zu entscheiden, ist noch offen.

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^ Windsfeld. Foto: Roland Kals
Fotomontage: Winklehner Geo Konsulenten KG

Nicht stehen bleiben

Viele Schritte, ein Ziel: Beim Netzwerktreffen zur Klimastrategie zeigt sich, wie engagiert Ehrenamtliche den Alpenverein auf dem Weg zur Klimaneutralität unterstützen. Sie motivieren, entwickeln Ideen und gehen mit gutem Beispiel voran – überzeugt davon, dass Veränderung gemeinsam beginnt.

Der „Climate Walk“ führte durch die Stadt, Schritt für Schritt. Gespräche entstanden im Gehen, Pausen ergaben sich von selbst. Es wurde geschaut, gefragt, zugehört. Für viele war dieser gemeinsame Weg mehr als ein Programmpunkt – er wurde zum Sinnbild des Wochenendes.

An diesem Aprilwochenende waren Ehrenamtliche aus ganz Österreich nach Wien gekommen und hatten sich Zeit genommen. Ein ganzes Wochenende. In Workshops wurde intensiv gearbeitet, in Diskussionen nachgehakt, Erfahrungen wurden geteilt und weitergedacht. Bewegung und Austausch, Wahrnehmung und Reflexion. Schnell wurde deutlich: Hier ging es nicht um abstrakte Ziele oder ferne Szenarien. Hier kamen Menschen zusammen, die etwas bewegen wollten. Ehrenamtliche aus den Sektionen, die im Alpenverein den Weg zur Klimaneutralität mitgestalten. Sie brachten Erfahrungen mit, Ideen und Fragen – und vor allem die Überzeugung, dass Veränderung möglich ist, wenn man sie gemeinsam angeht.

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Klimaneutral bis 2033

Als Alpenverein tragen wir die Verantwortung für unsere alpinen Lebensräume, die besonders stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind. Mit einer umfassenden Klimastrategie wollen wir zeigen, dass Klima- und Naturschutz in all unseren Aktivitäten und Entscheidungen fest verankert ist und wie wir bis 2033 klimaneutral werden können.

Weitere Informationen: www.alpenverein.at/klima

Viele von ihnen leben Klimaschutz längst im Alltag. Sie sind bewusst unterwegs, achten auf regionale Lebensmittel, hinterfragen Routinen und Gewohnheiten. Nicht aus Perfektionismus, sondern aus Haltung – und oft auch aus Freude daran, Dinge anders zu machen. Weil sie wissen, dass Glaubwürdigkeit dort entsteht, wo Worte und Handeln zusammenpassen. Dieses Vorangehen ist kein erhobener Zeigefinger, sondern eine Einladung: zu einem anderen Blick auf Mobilität, Konsum und Verantwortung.

Was viele ebenso eint, ist die Erfahrung von Erschöpfung – und gleichzeitig ein bemerkenswerter Antrieb. Sie kennen die Größe des Problems. Und sie sind trotzdem aktiv, weil sie daran glauben, dass sich etwas bewegen lässt. Nicht alles, nicht sofort, nicht überall. Aber hier, im eigenen Umfeld, im eigenen Wirkungsbereich. Gerade im Alpenverein wird sichtbar, dass Verantwortung nicht erst bei globalen Lösungen beginnt, sondern im Konkreten: bei der Art der Anreise, bei der Frage, wie Hütten saniert und bewirtschaftet werden, bei der Abwägung, welche Infrastruktur unter veränderten Bedingungen noch sinnvoll ist.

In den Gesprächen zeigt sich die Vielfalt des Engagements: Es geht darum, wie Mitglieder motiviert werden können, das Auto für die nächste Tour stehen zu lassen. Wie Angebote so gestaltet werden,

dass klimafreundliche Anreise nicht als Verzicht, sondern als selbstverständlicher Teil des Bergerlebnisses wahrgenommen wird. Andere bringen Ideen ein, wie regionale Lebensmittel in Hütten und bei Veranstaltungen stärker in den Fokus rücken können – nicht als moralische Pflicht, sondern als Ausdruck von Wertschätzung für Landschaft und Produzent:innen.

Viele beschäftigt auch die Frage der Ansprache: Wie spricht man über Klimaschutz, ohne zu belehren oder zu überfordern? In diesen Gesprächen geht es weni-

Das Netzwerktreffen macht Mut. Es zeigt, dass dem großen, globalen Thema etwas entgegengesetzt werden kann: Gemeinschaft, Austausch – und die Erfahrung, dass Engagement auch Kraft gibt.

ger um Zahlen als um Erfahrungen. Um das gemeinsame Unterwegssein. Um die Erkenntnis, dass bewusster Konsum oft als Bereicherung erlebt wird.

Vielleicht liegt darin auch eine Entlastung. Nicht jede Diskussion muss entschieden, nicht jede Skepsis aufgelöst werden. Manchmal reicht es, sichtbar zu machen, dass viele längst unterwegs sind. Die Berge lehren Geduld – und vielleicht auch die Zuversicht, dass große Veränderungen aus vielen kleinen, gemeinsamen Schritten entstehen.

Gerade darin liegt eine Stärke des Alpenvereins: Klimaschutz wird nicht als abstraktes Großprojekt verhandelt, sondern als Summe konkreter Entscheidungen – bei der Tourenplanung, in der Hüttenbewirtschaftung, in den Angeboten der Sektionen. Die Klimastrategie gibt dafür einen Rahmen, innerhalb dessen Engagement wachsen kann.

Das Netzwerktreffen macht Mut. Es zeigt, dass dem großen, globalen Thema etwas entgegengesetzt werden kann: Gemeinschaft, Austausch – und die Erfahrung, dass Engagement auch Kraft gibt. Nicht alles lässt sich sofort verändern. Aber vieles lässt sich beginnen. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: dass Klimaschutz im Alpenverein nicht von Verzicht erzählt, sondern von Gemeinschaft, Zuversicht und der Freude, gemeinsam einen guten Weg einzuschlagen.

Wir

danken …

… Paul Steger: Der Alpenverein Zillertal dankt Paul Steger, der nach 29 Jahren als Erster Vorsitzender und nach fast 40 Jahren als Vorstandsmitglied zur diesjährigen Neuwahl nicht mehr angetreten ist.

… Christian Steger, der nun den Ersten Vorsitz im Alpenverein Zillertal übernimmt, und wünschen wir in seiner neuen Funktion alles Gute.

Wir trauern um …

… Theo Ellmaier aus Reit im Winkl, der am 11. April im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Theo war über 60 Jahre lang Mitglied im Alpenverein und viele Jahre Funktionär im Alpenverein KössenReit im Winkl. Er hat lange den jährlichen Volkstanzabend der Sektion organisiert, mit vielen bekannten Musikgruppen aus Tirol. Die Sektion dankt ihm für die lange Zeit seines Engagements.

Gesucht: Bergpartnerin

Herr aus Krems, 63 Jahre, Nichtraucher und Nichttrinker, sucht nach einer netten und sportlichen Wanderpartnerin im Raum Wachau. Freut sich auf gemeinsame Wanderungen und Unternehmungen.

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150 Jahre

Alpenverein Landeck

Der Alpenverein Landeck feiert im heurigen Jahr sein 150-jähriges Bestehen – und damit 150 Jahre der Gemeinschaft, der Bergbegeisterung und der gemeinsamen Erlebnisse. Das besondere Jubiläum wird im Rahmen von zahlreichen Aktivitäten gefeiert, die ganz im Zeichen des Zusammenhalts und Vereinslebens stehen. Neben feierlichen Ansprachen bei der vergangenen Jubiläumsfeier auf Schloss Landeck erzählt dort auch eine Ausstellung über die lange Geschichte des Vereins. Passend zum Jubiläumsmotto erwartete die Besucher:innen außerdem eine Buchpräsentation: Bernd Nogglers „100 Jahre Steinseehütte“ wirft einen detailreichen Blick auf das Bauwerk, das seit einem Jahrhundert auf 2.061 m in den Lechtaler Alpen thront. Wir gratulieren zum 150-jährigen Jubiläum und wünschen viele weitere Jahre voller Zusammenhalt und schöner Momente in den Bergen!

J ET z T BEWERBEN

Wer wird klimafreundlichste Sektion 2026?

Ob klimafreundliche Bergtour, Klimaschutzaktion oder nachhaltiges Jugendprojekt, wir suchen wieder Klimaschutzprojekte aus den Sektionen. Macht euer Engagement sichtbar und zeigt, wie vielfältig Klima- und Umweltschutz im Alpenverein aussehen kann. Einreichzeitraum: 1. Juli bis 1. September 2026. Die Prämierung findet im Rahmen der Hauptversammlung am 17. Oktober 2026 statt. Informationen und Einreichung unter: t1p.de/35lok.

Ausstellung:

Berg ohne Horizont

Seit 28. Mai hat im Kunstraum Schwaz die Ausstellung „Michael Höpfner. Berg ohne Horizont“ geöffnet, mit dem Alpenverein-Museum als Kooperationspartner. Die Ausstellung gibt es noch bis zum 8. August 2026 zu sehen. Gezeigt werden etwa das letzte Expeditionstagebuch von Hermann Buhl und Auszüge aus den Aufzeichnungen zur Cho-Oyu-Expedition von Helmut Heuberger. Der Alpenverein ist an drei Veranstaltungen im Begleitprogramm beteiligt. Informationen zur Ausstellung und zum Programm: www.kunstraum-schwaz.at/ de/programm

Veranstaltungstipp

Am 11. Juli findet der Grenzgänger Wandermarathon & Trail Run statt: Verbinde die Ramsau mit dem Pinzgau, zwei Bergsteigerdörfer des Alpenvereins und auch zwei Schutzgebiete! Die Bergsteigerdörfer Weißbach bei Lofer und Ramsau bei Berchtesgaden sind über die Grenze hinweg verbunden, so auch der Naturpark Weißbach und der Nationalpark Berchtesgaden. Information und Anmeldung: www.grenzgaenger-trail.com

Naturfotografie

Naturbeobachtung schärft unseren Blick für die kleinen

Wunder und Details der Natur. Naturfotografie hält diese meist flüchtigen und spannenden Momente fest und verbindet achtsames Erleben mit kreativem Ausdruck.

Doch dabei gilt: Naturaufnahmen sind nur dann perfekt, wenn Wildtiere dabei nicht gestört werden.

In der Naturfotografie gibt es klare Spielregeln, um Tiere und Lebensräume zu schützen. Wer sich auf markierten Wegen bewegt, genügend Abstand zu Tieren hält und mit Geduld sowie mit leiser Technik arbeitet, macht authentische Aufnahmen, ohne Lebensräume und Arten zu stören. Besser ist es, still und geduldig an einer Stelle zu verharren, als die Tiere aktiv aufzustöbern oder zu verfolgen. So verschmilzt man mit sei-

ner Umgebung und ist kein Fremdkörper darin. Teleobjektive, Fernglas und der lautlose Kameramodus helfen dabei, Tiere unauffällig zu beobachten, ihr natürliches Verhalten zu respektieren und den Abstand maximal groß zu halten.

Eine generelle Regel für den Abstand zum Motiv zu definieren, ist schwierig und von Art zu Art verschieden. Aufmerksame Beobachter:innen bemerken aber meist die ersten Warnsignale der Tiere, wenn

der Abstand zu gering wird. Viele Tiere erstarren, unterbrechen ihre Nahrungsaufnahme und erkunden mit hochaufgerichtetem Kopf ihre Umgebung. Wieder andere beginnen, die Distanz nervös zu vergrößern. Manche Vögel starten kleine Attacken oder auffällige Ablenkungsmanöver. Besonders Vögel und Säugetiere zeigen oft deutliche Warnsignale in Form von Lautgebung, zum Beispiel Warnrufe, Fauchen oder Zwitschern. Egal wie

geartet – das Verhalten weicht stark von dem in einer ungestörten Situation ab.

Genauso wichtig ist es, klare Grenzen einzuhalten: Wildtiere dürfen weder gefüttert noch angelockt werden. Nester und Jungtiere dürfen nicht gestört und Pflanzen oder Umgebungselemente nicht für ein besseres Bild verändert werden. Inszenierungen, Blitzlicht oder das Verfolgen von Tieren haben in der Naturfotografie keinen Platz, ebenso wenig wie das Hinterlassen von Abfall oder Schäden an der Pflanzenwelt. Der Einsatz von Drohnen ist nur für den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn im Rahmen von Schutzprojekten zu rechtfertigen.

Auch im digitalen Raum gilt es, achtsam unterwegs zu sein. Das Veröffentlichen genauer Standorte seltener Arten oder Lebensräume sollte vermieden werden, um sensible Orte zu schützen. Naturschutz ist immer wichtiger als das perfekte Foto zu schießen – und wird ergänzt durch Rücksicht auf andere Naturbesucher:innen und die Einhaltung geltender Gesetze.

Bi RG i T k a NTNER
Fotos: Lorena Gabl

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Neu am Markt

Wandern, Laufen, Mountainbiken –endlich Frühling!

SKALA | Yeti

CL COMPANION | Swarovski Optik

Kompaktes Fernglas für Naturbeobachtungen und Orientierung im alpinen Gelände. Die Optik mit 30 mm Objektivdurchmesser liefert hohe Kontrastschärfe und natürliche Farbwiedergabe – auch bei schwierigen Lichtverhältnissen. Mit einem Gewicht ab 550 Gramm und kurzer Bauweise liegt das Fernglas ruhig in der Hand und lässt sich dank großem Fokussierrad sicher einhändig bedienen. Gefertigt wird das Präzisionsinstrument am österreichischen Standort in Absam. www.swarovskioptik.com 1.290 €

EXPLORER

GTX MID | Lowa

Der Explorer GTX Mid von LOWA richtet sich an alle, die einen vielseitigen Begleiter für lange Tage im Gelände suchen. Als Hybrid aus leichtem Wander- und Trekkingschuh verbindet er Komfort mit Stabilität. Die wasserdichte GORE-TEX-Membran schützt zuverlässig vor Nässe, während die dämpfende LITECELL-Zwischensohle auch auf längeren Touren angenehm unterstützt. Mit der griffigen und neu besohlbaren Vibram-Sohle bleibt der Schuh auf unterschiedlichstem Terrain souverän – vom Waldweg bis hin zu alpinen Passagen. 100 % Made in Germany. www.lowa.com

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Robuster Rucksack für anspruchsvolle Wanderungen und mehrtägige Bergtouren. Das verwendete Guardcore-Nylon zeichnet sich durch hohe Abriebfestigkeit aus und erhöht die Lebensdauer auch bei häufigem Felskontakt deutlich. Ein leichter AlumaLite-Rahmen sorgt für stabile Lastenverteilung und dauerhafte Formbeständigkeit. Die großzügige RipZip-Öffnung ermöglicht einen direkten Zugriff auf die Ausrüstung. Erhältlich in Volumina von 32 bis 50 Litern mit geschlechtsspezifischen Passformen. www.yeti.com ab 300 €

SALATHÉ TREK GTX RR | ZAMBERLAN

Knöchelhoher Zustiegs- und Trekkingschuh für technische Wege, Zustiege und Klettersteige. Das wasserabweisende Hydrobloc-Wildleder schützt in Kombination mit einer GORE TEX Membran zuverlässig vor Nässe, der umlaufende Gummirand bewahrt den Schuh vor Abrieb im Fels. Die VibramPepe-Laufsohle bietet Präzision und sicheren Halt auf steinigem Untergrund. Gefertigt wird das Modell traditionell in Italien und verbindet die Leichtigkeit eines Halbschuhs mit der Stabilität eines Bergstiefels. www.zamberlan.com 275 €

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BREEZE KOLLEKTION | Devold

Baselayer-Serie aus reiner Merinowolle für sommerliche Berg- und Trekkingtouren. Die feine Faser mit 17,5 Mikron sorgt für ein weiches Tragegefühl ohne Kratzen und reguliert die Körpertemperatur bei wechselnder Belastung effektiv. Die natürliche Geruchshemmung ermöglicht auch einen mehrtägigen Einsatz ohne Waschmöglichkeit. Gefertigt in eigenen europäischen Werken in Litauen, sind die Produkte über das „Sheep to Shop“-Programm bis zum Ursprung rückverfolgbar. www.devold.com 90 €

Joana van de Löcht, Niels Penke, Jonas Stuck (Hrsg.), unter Mitarbeit von Jana Giesen und Kathrin Meemken Moorgeflüster.

Ein lyrischer Bildband

Moore sind, wie aufmerksame Leser der „Auslese“ längst registriert haben, ein Thema, das die Autorin besonders anzieht. In den letzten Jahren ist dieses faszinierende, mystische, oft mythologisch überladene und zugleich ökologisch wertvolle System verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Das liegt vorwiegend an neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und damit einhergehenden Publikationen. Womit wiederum die Bedeutung der Moore für die CO₂-Speicherung Aufmerksamkeit auf sich zog, was diese zu einem Aktivposten bei der Bekämpfung des Klimawandels macht. Etwas zynisch formuliert, hat sich der Wert von Mooren von „Wer braucht die, völlig unnütz?“ zu „Oh, die sind ja doch zu was nütze!“ gewandelt. Immerhin gibt es in der Natur keinen effektiveren CO₂-Speicher. Aber Moorlandschaften sind eben weit mehr, sie sind Raum besonderer Biodiversität und beherbergen besondere Geschichten.

Auf poetischer Ebene nähert sich der Bildband Moorgeflüster diesen Zonen. Die Herausgeber Joana van de Löcht und Niels Penke, die bereits eine wissenschaftliche Arbeit zur Kulturpoetik des Moores verfasst haben, versammeln hier in Kooperation mit der Andrea von Braun Stiftung Gedichte und Kurzprosa aus Vergangenheit und Gegenwart.

Die Textauswahl ist breit gefächert und reicht von Klassikern wie Theodor Fontane, Theodor Storm oder Arthur Conan Doyle bis hin zu zeitgenössischen Arbeiten. Letztere wurden über einen ausgelobten Preis für Moorliteratur gewonnen: Aus über 1.000 Einreichungen wurden 30 Texte für die Publikation ausgewählt. Sie ergänzen den Kanon nun mit aktuellen Stimmen. Beeindruckend auch das Spektrum der Illustrationen, die ebenfalls über eine Ausschreibung den Weg ins Buch fanden. Von Linolschnitten und Fotografien über Ölgemälde und Aquarelle bis hin zu Makroaufnahmen reichen die künstlerischen Auseinandersetzungen.

Moorgeflüster ist in drei Abschnitte gegliedert: „ein sich selbst verdauendes archiv“ befasst sich mit Prozess, Verwandlung und Evolution; „Der Heidemann braut“ nähert sich den übernatürlichen Moorwesen und „rohstoff sollst du sein“ widmet sich dem Themenkomplex Ressource und Erschließung – wobei die inhaltlichen Grenzen fließend sind. Das optisch wie haptisch einprägsam gestaltete Buch lädt zum Schmökern und sich Vertiefen ein, zeigt Moore von ihrer literarisch-künstlerischen Seite, waren als Inspirationsquelle durch die Zeit. Zuweilen meint man beim Lesen fast, den Torf zu riechen, die wuselnden Insekten und Kleintiere zu hören und die sagenhaften Moorbewohner in diesem wunderbaren wie wundersamen Natursystem zu erahnen.

Gernot Stöglehner Rettet die Böden.

Ein Plädoyer für eine nachhaltige Raumentwicklung

„Jetzt ist es schon wieder passiert“ – frei nach Wolf Haas möchte man diesen Satz angesichts der täglichen Bodenversiegelung in Österreich anführen. Die Zahlen sind bekannt, die politischen Sonntagsreden ebenso, doch eine Trendwende ist nicht in Sicht. Während Starkregen und Überschwemmungen zunehmen, bleibt der Flächenfraß konsequenzlos. Gernot Stöglehner, Universitätsprofessor für Raumplanung an der BOKU Wien, setzt in seinem Plädoyer Rettet die Böden. Ein Plädoyer für eine nachhaltige Raumentwicklung einen fundierten Gegenpunkt. Zwar ist das Buch bereits 2024 erschienen, angesichts ungebremster Versiegelungen scheint es aber geboten, an diese fundierte Auseinandersetzung zu erinnern: sozusagen eine wiederholte Leseempfehlung aus stets aktuellem Anlass.

Stöglehner betreibt Ursachenforschung und macht sie konkret fest, unter anderem an ungebremster Bautätigkeit bei gleichzeitiger Zunahme von Leerständen, an autoorientierter Mobilität und nicht zuletzt Kirchturmdenken, bei dem nicht über die eigenen Gemeindegrenzen hinaus, nicht Baulandsicherung zeitgleich mit Erhalt von „biologisch produktivem Grünland“ gedacht wird. Er zeigt anschaulich und kompakt die Problematik von schwindenden Versickerungsflächen und vorhersehbaren Versorgungsschwierigkeiten auf; beschreibt die Auswirkungen auf Biodiversität und die Folgen im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Allein diese Kapitel sind Futter für jeden, der sich wirklich mit der Thematik befassen will und gut verständliche Erklärungen sucht. Stöglehners Lösungsvorschläge sind nicht minder klar und deutlich. So sieht er in der Raumentwicklung mittels Bele-

bung von Ortskernen, maßvoller Dichte und Entsiegelung wichtige Schritte in die richtige Richtung. Nicht zuletzt schlüsselt er auf, wie hoch der Bodenbedarf für Ernährungssicherheit, Biodiversität und im Kampf gegen die Klimakrise ist, und benennt die Grundelemente einer „wirksamen Bodenstrategie“. Stöglehners Rettet die Böden ist nicht nur für Entscheidungsträger und Stakeholder eine erkenntnisreiche Lektüre, es bietet allen Interessierten einen fundierten Einblick in eine Materie, die uns alle betrifft.

Marco Granata

Die verborgene Tierwelt unserer Städte. Wie ich die Wildnis verließ und mich in der Stadt wiederfand.

Aus dem Italienischen von Peter Klöss und A. Theodor Fasen

Marco Granata stammt ursprünglich aus dem norditalienischen Susatal. Als er für ein Jahr in eine nicht näher bestimmte italienische Metropole zog, geschah dies nur schweren Herzens. Musste er sich doch aus der gewohnten wie geliebten Natur lösen. Bald vollzog Granata einen Perspektivwechsel, begab sich im neuen Umfeld auf die Suche nach der „Wildnis“. Seine Erkenntnis: Man muss nicht zwingend auf Berge steigen, um wilde Fauna und Flora zu entdecken.

So widmet sich Granata in Die verborgene Tierwelt unserer Städte. Wie ich die Wildnis verließ und mich in der Stadt wiederfand zunächst seinen (bzw. unseren) unmittelbaren, wenn auch teils wenig erquicklichen „Hausgenossen“. In Schlafund Badezimmern finden Ameisen, Schaben, Stechmücken oder gar Bettwanzen ihre Habitate. Auf dem Balkon lassen sich bei entsprechender Bepflanzung Gliederfüßler, Schmetterlinge und Vögel beobachten. Ein weiterer Fokus liegt auf den „Herrschern der Städte“. Neben Spatzen,

Ratten und den allgegenwärtigen Tauben bevölkern Schwalben, Falken, Stare, Krähen und Reiher den Luftraum und Gebäudenischen; in Küstennähe kommen Möwen hinzu. Im Schutz der Dunkelheit werden Fledermäuse, Nachtfalter und Igel aktiv, während sich Dachse, Waldkäuze und Füchse ihren Weg durch die Quartiere bahnen. Sogar in den städtischen Gewässern herrscht reges Treiben – von der Forelle über Echsen und Schlangen bis hin zu ausgesetzten exotischen Zierfischen ist hier allerhand zu beobachten.

Ergänzt durch feine Illustrationen einzelner Tiere ist Die verborgene Tierwelt unserer Städte eine Freude für alle, die wilde Natur im städtischen Umfeld sehen und kennenlernen möchten.

Karin Hofinger Alpine Vitalküche. 120 nachhaltige Genussrezepte. Mit 50 regionalen Lebensmitteln im Porträt.

Das Buch behandelt alpine Küche im Kontext von Regionalität, Nachhaltigkeit und zeitgemäßer Ernährung. Vorgestellt werden alltagstaugliche Rezepte aus der vegetarischen, veganen sowie der Fleisch- und Fischküche, ergänzt durch Lebensmittelporträts und eine umfangreiche fotografische Begleitung. Begleittexte zu Berglandwirtschaft, Umweltaspekten und traditionellem Lebensmittelhandwerk ordnen die Rezepte kultur- und ernährungsbezogen ein.

Autorin Karin Hofinger beschäftigt sich seit vielen Jahren mit bewusster Ernährung, Bewegung und Natur. Als „KüchenApothekerin“ vermittelt sie ihr Wissen in Vorträgen, Workshops und Publikationen. In ihrem aktuellen Vitalkochbuch verbindet sie ihre Ernährungsexpertise mit der Nähe zum Alpenraum und regionalen Lebensmitteln.

Tyrolia

100 Jahre Seilbahn in Österreich

Mit der Rax- und der Zugspitzbahn begann der Seilbahnbau in Österreich zu florieren. Der Alpenverein dagegen erwartete ein baldiges Erlöschen des „Bergbahnfiebers“.

m a RT i N ach R ai NER Alpenverein Archiv

Stärker könnten die Kontraste kaum sein. Hier das Plakat für die Raxbahn, die 1926 eröffnete erste Personen-Seilschwebebahn Österreichs: moderne Graphik, leuchtende Bildpropaganda, die den technischen Fortschritt, den wirtschaftlichen Aufschwung, die Möglichkeiten der neu gewonnenen Freizeit nach den deprimierenden Jahren der Kriegs- und Nachkriegszeit in eine kompakte, ansprechende Form brachte. Dort, beim Alpenverein, das Bilderverbot: „Die Reklame für Hütten und Weganlagen ist zu unterlassen. Auf Bahnhöfen, in Gasthäusern, auf Orientierungstafeln usw. angebrachte Anschläge, die diesem Zwecke dienen, sind zu entfernen“, bestimmen seit 1923 die „Tölzer Richtlinien“. Die Trennung im Tourismus zwischen den alpinen Vereinen und jenen des kommerziellen Fremdenverkehrs, die schon in den 1880er-Jahren eingesetzt hatte, war augenscheinlich.

Die Wiener Hausberge – Kletterschulen und alpine Heimat der Wiener Bergsteiger, Tummelplatz der „Bergschurln“ und der Bezirkshauptmannschaft Wiener Neustadt, Wasserquelle für die Stadt, mit stattlichen Gasthöfen versehen, die nach Mitgliedern des einstigen Herrscherhauses benannt waren und „Schutzhütten“ hießen – waren bereits reichlich erschlossen. Der Seilbahn auf die Rax war kein glaubwürdiger Widerstand entgegenzusetzen.

Die nahezu gleichzeitig gebaute und eröffnete österreichische Zugspitzbahn dagegen führte wenigstens noch in wirklich alpines Gelände, wenn auch die Alpenvereinssektion München den Hauptgipfel mit der damals wohl hässlichsten Hütte der Ostalpen zierte. Dieser Gipfelbau hatte zur Spaltung der Münchner geführt und letztlich zur Sammlung der „Bergsteigergruppe“ im Alpenverein, die den Schutz des Ödlandes, die Besinnung auf „echte“, einfache Bergsteigerei vorantrieb.

Gegen Seilbahnen erhob der Alpenverein „mit Entrüstung“ (Hauptversammlung 1925) prinzipiellen Einspruch, war aber zu kleinen Kompromissen bereit: „Im großen österreichischen Berglande glaubten wir uns mit dem Bau einiger Bergbahnen auf einzelne, hochturistisch belanglose Aussichtspunkte abfinden zu sollen. Wir haben diese Punkte den österreichischen Behörden ausdrücklich genannt und hoffen, dass, ehe auf alle diese Berge Bergbahnen gebaut sind, das Bergbahnfieber erloschen sein wird. Wir hofften mit der Benennung dieser Punkte wirkliche Hochgipfel vor solchen Projekten zu behüten.“

44 Gipfel in Österreich trugen die alpinen Vereine bis 1929 zusammen, „die gegebenenfalls protestlos eine Bergbahn erhalten können“, eine Schnapszahl wie die 1.111 derzeit bestehenden, am Seil schwebenden „Aufstiegshilfen“. Einige Hochgipfel sind zurzeit also noch frei davon.

Atlas der Alpenflora

Kunstvolle Botanik im Bücherregal.

Im Schaukasten, Teil 51

SoNJa fa B ia N Alpenverein-Museum

Der „Atlas der Alpenflora“ holt in 500 farbenprächtigen Einzelblättern ins Zimmer, wofür man sonst hohe Berge erklimmen müsste. Verwahrt sind die Blätter in vier üppig dekorierten Klappkassetten, die wie Buchbände ins Regal gestellt werden können und auf denen mit dem Edelweiß die Alpenpflanze schlechthin und zugleich das Emblem des Alpenvereins prangt.

Um dieses prestigeträchtige Projekt zu finanzieren, warb der „Deutsche und Oesterreichische Alpenverein“ als Herausgeber ab 1881 um Abonnent:innen. Bis 1884 erhielten diese in 36 Teillieferungen zu je 1,20 Gulden die Pflanzendrucke – ergänzt durch einen Textband des Tiroler Naturwissenschaftlers Karl Wilhelm von Dalla Torre (1850–1928), der den Atlas begleitete.

„Den höchsten Anforderungen der Kunst und Wissenschaft“ sollte der Atlas genügen und zugleich durch das raffinierte Ineinandergreifen von Bildern und erklärendem Text ein auch für Laien anschauliches und leicht nutzbares Werkzeug zur Pflanzenbestimmung bieten – ganz im Sinne des Forschungs- und Bildungsanspruchs des Alpenvereins, der sich die Erweiterung und Verbreitung der „Kenntnisse von den Alpen“ 1862 zu einer seiner Leitlinien erklärt hatte.

Herausragend waren vor allem die Pflanzendarstellungen, „streng naturgetreu“ und zugleich in „vollendet künstlerischer Weise“ geschaffen vom Wiener Blumenmaler Anton Hartinger (1806–1890). Als k. k. Hofchromolithograph perfektionierte er den Farbendruck mit bis zu zwölf Drucksteinen für ein Motiv. Die Blätter der Alpenflora druckte er in dieser virtuosen Technik.

Atelier Fritz Gratl, Innsbruck: Enthüllung des Denkmals für Otto Melzer und Emil Spötl im Karwendelgebirge bei Innsbruck, 20. September 1903. Foto: OeAV FOT 101.1.5_1

Der tote Held

Wie zwei Bergsteiger im Jahr 1901 abstürzten –und berühmt wurden. Aus der Sammlung des Alpenverein-Museums, Teil 59

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Über einer der Bergspitzen schwebt, mitten im Himmel, ein Kreuz. Es ist mit kräftigem Stift aufgetragen. Was es bedeutet, ist rasch klar. An dieser Stelle muss ein Berggeher in den Tod gestürzt sein. Dass Unglücksstellen in fotografischen Aufnahmen mit einem Kreuzzeichen markiert werden, ist nicht ungewöhnlich. Erklärungsbedürftig ist aber die Menschenmenge, die sich im Bildvordergrund versammelt hat. Warum sind diese Menschen hier zusammengekommen? Was genau geht hier vor?

Ein plötzlicher Wettersturz

Unsere Aufnahme – sie stammt vom bekannten Innsbrucker Lichtbildner Fritz Gratl – entstand am 20. September 1903 im Karwendelgebirge nördlich von Innsbruck. Im Hintergrund deutlich zu sehen ist die Praxmarerkarspitze, in deren Steilwand zwei Jahre zuvor ein dramatischer Bergunfall passiert war. Zwei bekannte und sehr geübte Innsbrucker Alpinisten, der 32-jährige Otto Melzer (1869–1901) und der 20-jährige Emil Spötl (1881–1901), waren Anfang Oktober 1901 während eines plötzlich aufziehenden Schneesturms bei einer Klettertour ums Leben gekommen. Sie waren am 6. Oktober, einem Sonntag, zeitig und bei gutem Wetter in die steile Nordwand eingestiegen. Dann, gegen Mittag, schlug die Witterung plötzlich um. Schneefall und Sturmböen setzen ein, Nebel zog auf. Diese Widrigkeiten zwangen die beiden Bergsteiger, bei eisigen Temperaturen in der Wand zu bleiben, ein Abstieg schien undenkbar. Hilferufe, die sie am Nachmittag des 6. Oktober abgesetzt hatten, wurden zwar von Jägern in der Nähe gehört, konnten aber nicht genau verortet werden. Als die beiden Alpinisten abends nicht zurückkehrten, machten sich am Montag mehrere Rettungsmannschaften durch das Gleirschtal und von Scharnitz aus auf, um die in Bergnot Geratenen zu suchen. Nur mühsam konnten sie im vereisten und verschneiten Gelände vorankommen, eine Rettungsgruppe geriet selbst in Bergnot und musste abgeseilt werden.

In der Felswand erfroren

Erst allmählich besserte sich das Wetter. Am Mittwoch, den 9. Oktober, wurde

Zahlreiche
Zeitungsberichte schilderten über Wochen hinweg das Bergdrama in allen Details. Wenn Zeugenberichte und Fakten fehlten, wurde der Fantasie durch sensationslüsterne Erfindungen nachgeholfen.

tungsberichte schilderten über Wochen hinweg das Bergdrama in allen Details. Wenn Zeugenberichte und Fakten fehlten, wurde der Fantasie durch sensationslüsterne Erfindungen nachgeholfen. Auf diese Weise wurde insbesondere Otto Melzer zum „Fall“, der immer wieder durchdekliniert wurde. Als der Leichnam des Alpinisten am 19. September 1902 in Innsbruck zu Grabe getragen wurde, war aus dem Verunglückten längst ein medialer Bergheld geworden. Im September 1903, knapp zwei Jahre nach dem Tod der beiden Bergsteiger, wurde auf etwa 2.000 Metern Höhe (am Weg zur Sunntigerspitze) auf Betreiben des Innsbrucker Turnvereins, dessen Mitglied Melzer war, ein Denkmal errichtet. Unsere Aufnahme zeigt die Enthüllungsfeier im September 1903.

Ruhm, posthum

schließlich am Fuße der Wand der Leichnam Spötls gefunden. Das 15 Meter lange Seil, das er um den Körper geschlungen hatte, war, so berichteten die Zeitungen, gerissen. Er war 300 Meter tief abgestürzt.

Etliche Tage später, am 13. Oktober, wurde auch die Leiche von Otto Melzer entdeckt. Nach dem Sturz seines Berggefährten war er allein ein Stück weit abgestiegen und dann in einem Kar der Praxmarer-Wand erfroren. Da die Felswand vereist war, konnte seine Leiche nicht geborgen werden. Dies gelang erst ein knappes Jahr nach dem Unglück, im September 1902.

Das Mediendrama

Bergunfälle wie diese waren keine Seltenheit. Und dennoch erzeugte das Unglück der beiden Alpinisten ein außergewöhnliches Echo, das jahrelang anhielt. Das Drama ihrer Auffindung und Bergung, das sich im Falle Melzers monatelang hinzog, hat ein erstaunliches mediales Eigenleben entwickelt. Zahlreiche Zei-

Der posthume Ruhm, der Melzer (und in weit geringerem Maße Spötl) zuwuchs, speiste sich unter anderem aus der medialen Dramatisierung seines Todes. Der junge Alpinist Melzer war ausgebildeter Tischler und verdingte sich nach dem Tod seines Vaters, der in Innsbruck ein Möbelgeschäft geführt hatte, als einfacher Hilfsarbeiter. Seine ganze Leidenschaft gehörte dem Bergsteigen und Klettern – und dem Fotografieren. Er war ein ausgezeichneter Bergfotograf, seine Bilder wurden in zahlreichen Zeitschriften und auch in Büchern veröffentlicht. Nach seinem plötzlichen Tod suchte Melzers Schwester Mathilde (genannt Tilde) im medialen Hype um den berühmt gewordenen Bruder dessen fotografischen Nachlass zu nutzen. Ab 1904 publizierte sie Ansichtskarten mit „Melzer-Motiven“, also Fotografien, die ihr Bruder Otto mit seiner Plattenkamera hergestellt hatte. Und auch unser Foto, das die Einweihung des Denkmals zeigt, verdankt sich dem Nachruhm Melzers. Auch Fritz Gratl vervielfältigte und vermarktete die Aufnahme der Denkmalenthüllung in Form einer Postkarte.

Dr. Anton Holzer ist Fotohistoriker, Ausstellungskurator und Herausgeber der Zeitschrift „Fotogeschichte“, er lebt in Wien. www.anton-holzer.at

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Heft # 3.2026

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Was bedeutet alpine Heimat heute – und wer gestaltet sie?

Das nächste Bergauf widmet sich im Themenschwerpunkt dem Ehrenamt und der Frage, was „alpine Heimat“ für die Sektionen des Alpenvereins ausmacht. Im Fokus stehen Menschen und Initiativen, die den Verein tragen: Journalist und Podcastmacher michEl mEhlE blickt auf 40 Jahre Umweltbaustellen zurück, GERda pamlER, ehrenamtliche Autorin bei alpenvereinaktiv, wird als Expertin für barrierefreie Wege porträtiert. Weitere Beiträge zeigen, wie man Karten lesen lernt – erklärt von aNdi RiEdl (Uni Wien) – stellen den Alpenverein Salzburg und die Region rund um die kommende Hauptversammlung vor und präsentieren das „Mini-Nat-Studium“, eine neue Veranstaltungsreihe der Naturschutzabteilung in der Alpenverein-Akademie. Ein Heft über Orientierung, Engagement und Verantwortung im Alpenraum.

Bergauf #3.2026 erscheint Anfang September.

RäTSE lhaf T  Wo sind wir hier? Welche Hütte suchen wir hier? Bergauf verlost fünf Karten unter den richtigen Antworten: Einfach bis 30.06.2026 E-Mail an gewinnspiel@alpenverein.at schicken! Alle Infos zum Gewinnspiel unter t1p.de/bergauf-raetsel

Bergauf. Mitgliedermagazin des Österreichischen Alpenvereins #2.2026, Jg. 81 (152)

Herausgeber und Medieninhaber: Österreichischer Alpenverein, Olympiastraße 37, 6020 Innsbruck Tel. +43/512/59547 www.alpenverein.at ZVR-Zahl: 989190235

Redaktion: Anna Praxmarer, Evelin Stark, redaktion@alpenverein.at

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Die grundlegende Richtung des ÖAV-Mitgliedermagazins wird durch die Satzung des Österreichischen Alpenvereins bestimmt. Abgedruckte Beiträge geben die Meinung der Verfasser:innen wieder. Für unverlangte Sendungen wird keine Haftung übernommen. Retournierung nur gegen beiliegendes Rückporto. Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten. Adressänderungen bitte bei Ihrer Sektion bekanntgeben bzw. direkt unter mein.alpenverein.at ändern.

Beiträge in Bergauf sollen nach Möglichkeit geschlechterneutral formuliert oder die Schreibweise mit dem „Gender-Doppelpunkt“ (Autor:in) verwendet werden. Bei Texten, deren Urheberschaft klar gekennzeichnet ist, liegt es in der Freiheit der Autor:innen, zu gendern oder nicht.

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Foto_ Tobias Haller

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