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Alm- und Bergbauer

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Fachzeitschrift für den bergbäuerlichen Raum www.almwirtschaft.com

Ausgabe 7 | Oktober 2026

Steirisches Almbäuerinnen- und Almbauerntreffen auf der Brandalm

Thema des Monats: Almwirtschaftliche Beratung in herausfordernden Zeiten

Grünlandbewirtschaftung in Trockenjahren


Wie ein Käse zum Vorzeigeprojekt der Almwirtschaft wurde Foto: Julia Klammer, Verein Gailtaler Almkäse

Der „Hatscher“ (oder Aufstieg) lohnte sich für die Wanderer beim Anblick der idyllischem Reisacher Jochalm auf 1550 Metern ober Kirchberg im Gailtal

Elke Fertschey, Journalistin Beim Kärntner Landesalmwandertag auf der Reisacher Jochalm wurde mit über tausend Gästen auch das Jubiläum 30 Jahre Markenschutz für den Gailtaler Almkäse gefeiert. „Die Milch war heuer trotz Hitze und Trockenheit sehr gut“, freut sich Werner Baurecht, Obmann der Agrargemeinschaft Reisach Forst in der Gemeinde Kirchbach im Gailtal über die ausgezeichnete Qualität des Gailtaler Almkäses von der Reisacher Jochalm, auf der heuer der Landesalmwandertag des Kärntner Almwirtschaftsvereins stattfand. Die Milchkühe wurden am 22. August schon abgetrieben, Anfang September wird der Käse, der sich auf der Almhütte großer Beliebtheit erfreute, ins Tal geliefert, wo die Almbauern ihre Anteile erhalten. Angeschnitten wurde der bekannteste Käse Kärntens heuer etwas früher als sonst am 18. Juli beim Almwandertag, bei dem auch das 30-Jahr-Jubiläum des EUMarkenschutzes für den Gailtaler Almkäse gefeiert wurde. Über tausend Gäste aus nah und fern waren gekommen und erreichten den Zielpunkt bei der bewirtschafteten Almhütte am Fuße des Reißkofels mit Shuttle-Bussen oder zu Fuß, wobei einige den Steig durch den Wald, andere den kürzlich sanierten Forst- und Erschließungsweg in Anspruch nahmen. Fast zwei Stunden ging es zeitweise steil bergauf, für manche ein richtiger „Hatscher“. Doch der lohnte sich beim Anblick der einzigen sonnseitig gelegenen Alm der zwölf Gailtaler Käsealmen auf 1550 Metern Höhe, wo vor 30 Jahren das „Gailtaler Almprotokoll“ mit allen Produktionsregeln unterzeichnet wurde. Damit war damals der Weg geebnet für den EU-Herkunftsschutz, der 1997 urkundlich bestätigt wurde. Seither trägt jeder Gailtaler Almkäse g.U. das Siegel „geschützter Ursprung“ und gehört zu den beliebtesten regionalen Produkten Kärntens. Entwicklung mit Erfolg An seine Entwicklungsgeschichte erinnerte beim Landesalmwandertag der ehemalige EU-Agrarkommissar Franz Fischler als Gratulant. Schon vor dem EU-Beitritt Österreichs hätten die Proponenten des EU-Herkunftsschutzes „kapiert“, 28

Alm- und Bergbauer Oktober 2026

dass man sich in der EU mit „besonderer Qualität, Grips und Initiative“ profilieren müsse. „Auf internationalen Märkten hat Österreich keine Chance mit Standardware, mit Nischenprodukten sehr wohl.“ 1996 sei viel Geld – damals 60 Millionen Schilling – auf die Almen geflossen. „Der Gailtaler Almkäse ist ein Vorzeigeprojekt für den Almwirtschaftsverein“, lobte Sepp Obweger, Landesobmann des Kärntner Almwirtschaftsvereins sowie Bundesobmann. Er hoffe, dass die flächendeckende Almwirtschaft auch in Zukunft erhalten bleibe. Das sei nur möglich, wenn man der Gefahr durch den Wolf in Kooperation mit den Nachbarländern begegnen könne. Auch im Gailtal habe es zahlreiche Risse gegeben. Deshalb werde eine 40 Hektar große Hochalm der Agrargemeinschaft, zu der 55 Mitglieder mit 318 Anteilen gehören, seit drei Jahren nicht mehr bestoßen, erzählte Baurecht. 1951 habe es in der Umgebung 100 Milchkühe gegeben, heute weiden 31 Kühe, 110 bis 130 Jungrinder und 25 Pferde auf der 550 ha großen und mit 180 ha Futterfläche ausgestatteten Reisacher Jochalm.

Foto: Ortner

Käseanschnitt mit Buchacher, Pretterhofer, Fischler, Gruber und Baurecht (v. li) und weiteren Ehrengästen

Nicht zurücklehnen Dort schnitt beim Landesalmwandertag Almsenner Ewald Pretterhofer den frischen Gailtaler Almkäse an. Der Herkunftsschutz sei ein Qualitätsgütesiegel und habe sich bezahlt gemacht, betonte Elisabeth Buchacher, Obfrau des Vereins Gailtaler Almkäse g.U. und Bäuerin aus Rattendorf,


Kärntner Landesalmwandertag die seit über 20 Jahren im Sommer Käserin auf der Watschiger Alm ist. In einer Zeit austauschbarer Produkte könne man mit regionalen Spezialitäten punkten und damit die kleinstrukturierte Landwirtschaft erhalten. „30 Jahre Markenschutz sind kein Grund, sich zurückzulehnen, sondern ein Auftrag, den Weg weiterzugehen“, appellierte sie an die Vereinsmitglieder. Viel Applaus erhielt auch Christof Wassertheurer, der als langjähriger Geschäftsführer den Erfolg des Projekts „Gailtaler Almkäse g. U.“ mitgeprägt und sich gemeinsam mit Ursprungsobmann Hermann Lackner für die Anerkennung des Gailtaler Almkäses als Urprodukt eingesetzt hatte.

Maßgeschneidert für die Zukunft Wie Paolo Santonino in seinen Reisetagebüchern im 15. Jahrhundert schilderte, habe schon der Bischof von Aquileia den Käse aus Milch saftiger Gailtaler Almen zu schätzen gewusst. Seit 30 Jahren trägt der Gailtaler Almkäse das Siegel „geschützte Ursprungsbezeichnung g.U.“ der EU. 1996 wurde die „Gemeinschaft der Gailtaler Alpsennereien“ rechtlich in den „Verein der Gailtaler Almsennereien“ umgewandelt und Träger des ersten EU-Projektes Kärntens nach EU-Beitritt 1995. Das Produkt, das auf Basis des umfangreichen KriterienKatalogs „Gailtaler Almprotokoll“ ausschließlich auf Gailtaler Almen während der Weidezeit von rund 90 bis 100 Tagen aus Rohmilch von der Alm hergestellt werden darf und genauer Qualitätskontrolle und Kennzeichnung unterliegt, wurde damit zum Motor für die Regionalentwicklung und leitete vor 30 Jahren eine Marken- und Qualitätsoffensive ein. „Es herrschte Aufbruchstimmung auf den Almen, man sah, dass Milchverarbeitung Zukunft hat“, erinnert sich EU-Förderungsberaterin Michaela Burgstaller. Auf allen 13 Gailtaler Almen wurde durch Kofinanzierung von EU, Land und Bund die Sanierung der Hütten, Ställe und Wege, Wasser- und Energieversorgung sowie die Ausbildung des Personals ermöglicht.

Foto: Verein Gailtaler Almkäse

Elisabeth Buchacher ist Bäuerin in Rattendorf und Käserin auf der Watschiger Alm im Gailtal

Fleiß, Leidenschaft und Verantwortung Die Partnerschaft mit dem Gailtaler-Almkäse-Verein sei wertvoll für die Gemeinde und fördere das Zusammenspiel von Landwirtschaft und Tourismus, lobte Kirchbachs Bürgermeister Markus Salcher. Mit „Fleiß, Leidenschaft und Verantwortung“ möge man Tradition, Landschaft und Qualität erhalten, lautete sein Appell. „Lasst uns gemeinsam stolz sein auf unsere Heimat.“ Dem schloss sich Landwirtschaftskammerpräsident Siegfried Huber an. Im Hinblick auf die Verhandlungen über die neue GAP forderte er weiterhin Durchhaltevermögen ein. Brüssel müsse einsehen, dass Biodiversitätsflächen auch auf Almen anzurechnen seien, betonte Agrarreferent Martin Gruber, der die weitere Unterstützung der Landesregierung zusagte. Das Land Kärnten habe seit 2019 in die Alm-Infrastruktur 3,2 Millionen Euro investiert, der Almweg auf die Reisacher Jochalm mit Erneuerung des Entwässerungssystems und Verstärkung der Tragschicht sei mit 130.000 Euro gefördert worden. Gruber appellierte an das „Miteinander und Füreinander“ in einer Zeit, in der Egoismus um sich greife. Nur durch Einigkeit könne man Verbesserungen zustande bringen. „Wenn wir zusammenstehen, können wir viel erreichen.“ Gemeinsamer Einsatz sei auch das Erfolgsgeheimnis des Projektes Gailtaler Almkäse, hob Wassertheurer hervor. „Während im Tal die Landwirtschaft seit 30 Jahren um 50 Prozent abgenommen hat, ist oben die Zahl der bewirtschafteten Almen gleichgeblieben. Das ist unser größter Erfolg. Dafür hat sich jede Anstrengung gelohnt“.

„Der Käse hat maßgeschneidert die Bedingungen für den Herkunftsschutz erfüllt“, erinnert sich der damalige Landwirtschaftsminister und spätere Agrarkommissar Franz Fischler. Die geschützte Ursprungsbezeichnung sei der „Geografischen Angabe“ wie beim Tiroler Speck oder dem Parmesan, bei dem das Ausgangsmaterial nicht aus der Region kommen muss, weit überlegen. Heute werden auf 12 Almen, die landwirtschaftliche Nutzflächen, Rückzugsorte und Erholungsgebiete sind, durchschnittlich 40 Tonnen Käse aus Rohmilch von etwa 450 Milchkühen der 14 Agrargemeinschaften erzeugt. Dadurch wird die Pflege der Almen und Erhaltung der Kulturlandschaft gesichert.

Foto: Verein Gailtaler Almkäse

Bei der Urkundenverleihung 1997 in Klagenfurt waren damals LK-Präsident Walfried Wutscher, Karl Heinz Grasser, Franz Fischler, Herbert Lackner, Landeshauptmann Christof Zernatto, Landesrätin Karin Achatz und Agrarreferent Robert Lutschounig dabei Alm- und Bergbauer Oktober 2026

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