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Sweeney Todd

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Spielzeit 2026/27

SWEENEY TODD Der teuflische Barbier aus der Fleet Street Ein Musical-Thriller


Vernehmt das Los von Sweeney Todd. Er trieb mit Gott seinen schwarzen Spott. So manchen Herrn hat er glatt rasiert, dabei ist zuweilen ein Unglück passiert.


SWEENEY TODD Der teuflische Barbier aus der Fleet Street Ein Musical-Thriller Musik und Gesangstexte von Stephen Sondheim Buch von Hugh Wheeler nach dem gleichnamigen Stück von Christopher Bond Regie der Originalproduktion am Broadway: Harold Prince Orchestrierung von Jonathan Tunick Deutsche Fassung von Wilfried Steiner und Roman Hinze Original-Broadwayproduktion von Richard Barr, Charles Woodward, Robert Fryer, Mary Lea Johnson, Martin Richards in Zusammenarbeit mit Dean und Judy Manos

Besetzung Sweeney Todd alias Benjamin Barker Thomas Rettensteiner Mrs. Lovett Evelyn Krahe Anthony Hope Semjon Bulinsky Richter Turpin Jovan Koščica Johanna Sina Puffay Büttel Bamford Sotiris Charalampous Die Bettlerin Franziska Ringe Pirelli Jeremy Almeida Uy* Tobias Hyeongyu Lee* Mr. Fogg Alexej Trochin* Opernchor des Theaters Vorpommern Philharmonisches Orchester Vorpommern & als „emsige Ameisen“: Statisterie des Theaters Vorpommern * Mitglied des Opernchors des Theater Vorpommern

Liebe Gäste, wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, dass Ton- und/oder Bildaufnahmen unserer Aufführungen aus urheberrechtlichen Gründen untersagt sind. Vielen Dank.

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Musikalische Leitung David Behnke Nachdirigat Julius Ebert Inszenierung & Choreografie Klaus Seiffert nach einer Idee von Pascale Chevroton (Regiekonzept), Jürgen Kirner (Bühnenbildkonzeption) und Ingrid Leibezeder (Kostümkonzeption) Licht Kirsten Heitmann Chor Alexandru Constantinescu Dramaturgie Katja Pfeifer Musikalische Assistenz Julius Ebert, Yoshihiro Horie, David Grant Regieassistenz & Abendspielleitung Frida Jasper Inspizienz Saskia Becker

Premiere in Stralsund am 26. September 2026 Premiere in Putbus am 01. Oktober 2026 (konzertant) Premiere in Greifswald am 28. Oktober 2026 (konzertant) Aufführungsdauer: ca. 3 Stunden, eine Pause Aufführungsrechte: Musik und Bühne Verlagsgesellschaft mbH, Wiesbaden

Ausstattungsleiterin Eva Humburg Technischer Direktor Henning Beckmann Bühnentechnische Einrichtung Andreas Flemming Licht- & Videooperator Daniel Sander Toneinrichtung Samuel Zinnecker Leitung Bühnentechnik Michael Schmidt Leitung Beleuchtung Kirsten Heitmann Leitung Ton Daniel Kelm Requisite Christian Porm (Leitung HST), Alexander Baki-Jewitsch (Leitung HGW), Maximilian Roth, Carolin Süssner, Marwin Mülling, Thomas Below Bühne & Werkstätten: Produktionsleiterin Eva Humburg Tischlerei Stefan Schaldach, Bernd Dahlmann, Kristin Loleit Schlosserei Michael Treichel, Ingolf Burmeister Malsaal Anja Miranowitsch, Fernando Casas Garcia, Sven Greiner Dekoration Janet Hellmuth Kostüm & Werkstätten: Carola Bartsch (Leitung) Gewandmeisterinnen Annegret Päßler, Eva Craig Modisterei Elke Kricheldorf Assistentin Dorothea Rheinfurth Ankleiderinnen Ute Schröder, Petra Hardt Maske Tali Rabea Breuer, Jill Dahm, Philipp Gielow, Antje Kwiatkowski, Kateryna Maliarchuk, Bea Ortlieb

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EINE FRAGE DER SELBSTJUSTIZ „Sagen Sie, bitte, gibt es viele solche Menschen, die das Recht haben, die anderen zu morden, ich meine ‚ungewöhnliche‘ Menschen? Ich bin natürlich bereit, mich vor ihnen zu beugen, aber Sie werden doch zugeben, dass es etwas unheimlich ist, wenn es ihrer gar zu viele gibt. Nicht wahr?“ Fjodor Dostojewski


DIE BLUTIGE SPUR DES SWEENEY TODD Sie gleicht einer Moritat, einer schaurig blutigen Ballade, die Geschichte des Barbiers Benjamin Barker, der, nachdem er aus lebenslanger Verbannung fliehen konnte, unter dem Namen Sweeney Todd sein altes Barbierhandwerk in London wieder aufnimmt. Nur diesmal gründlicher als früher, denn der eine oder andere Kunde verlässt den Barberstuhl nicht mehr lebend, mehr noch, er wird gleich weiterverarbeitet und dient als Füllung in Londons blutigsten Pasteten. Ein Monster ist dieser Sweeney, ein Serienmörder, dessen Geschichte schon lange bevor Jack the Ripper ihm diesen Ruf in Londons Straßen streitig macht, in aller Munde ist. Wie viele Opfer auf sein Konto gehen, ist unklar, denn er arbeitet sauber, klug und hinterlässt kaum Spuren dank Mrs. Lovett, der Bäckerin, deren gut gewürzte Fleischpasteten bald zum Verkaufsschlager in London werden.

im Laufe der Zeiten. Ihre Geschichte wird im 17. Jahrhundert in Schottland erzählt, findet 1843 Eingang in einen Roman von Charles Dickens und erreicht schließlich 1846 als Schauergeschichte in Groschenromanform, dem unmittelbar eine Bühnenadaption folgt, ein breites Publikum.

Er war in London wohlbekannt. Man schätzte seine geübte Hand. Zwar hat die Kunden er liquidiert, doch immerhin starben sie sauber rasiert von Sweeney Todd, Barbier des Grauens von Fleet Street. Als Urban Legend hat sich die makabre Story längst etabliert, als der Bühnenautor Christopher Bond den Stoff 1973 aufgreift und aus der Schauergeschichte ein schwarzhumoriges Drama von gesellschaftlicher Relevanz macht. Indem er die Frage nach der Motivation stellt, formt er aus dem mörderischen Monster Sweeney wieder einen Menschen – zugegeben, einen mordenden Menschen. Und auf einmal wird die Handlung etwas anders erzählt und bekommt eine Vorgeschichte. Als Stephen Sondheim eine Vorstellung des Stückes in London besucht, hat er den Stoff für sein neues Musical gefunden.

Eine Geschichte zum Gruseln und Weitererzählen hinter vorgehaltener Hand – und das schon seit dem 14. Jahrhundert. Da werden der mordende Barbier und seine geschäftstüchtige Komplizin erstmals Gegenstand einer französischen Schauerballade. Immer wieder begegnet man dem mordlustigen Paar

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DER GEHALTVOLLE INHALT Es war ein Barbier und seine Frau, und sie war wunderschön. Ein dummer Mann und seine Frau. Er trug verliebt sein Glück zur Schau, und sie war wunderschön. Und sie war tugendhaft. Und er war naiv. Dann hat ein and’rer Mann erkannt, die Frau war wundscherschön. Er war von hohem Richterstand. Mit einer Geste seiner Hand verbannt er einfach den Barbier und spielt den Retter dann vor ihr. Und sie fiel tief, sie war allein, so jung und, ach, so wunderschön. Fünfzehn Jahre sind seitdem vergangen. Der unschuldig zu lebenslanger Verbannung verurteilte Barbier Benjamin Barker kehrt nach geglückter Flucht in Begleitung des jungen Matrosen Anthony Hope nach London zurück. Von düsteren Vorahnungen getrieben, macht sich Barker in die Fleet Street auf, wo er seinen Barbiersalon verwaist vorfindet. Keine Spur von seiner Frau und seiner Tochter Johanna, die damals noch ein Baby war. Von einer Nachbarin, der Pastetenbäckerin Mrs. Lovett, erfährt er, dass seine Frau Lucy sich das Leben genommen habe und Johanna, die mittlerweile zu einer jungen Frau herangewachsen ist, von dem Richter an Kindes statt angenommen wurde.

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Anthony zieht es unterdessen in die Kearny’s Lane, wo er sich, fasziniert von der Stimme einer jungen Frau, die aus einem Fenster dringt, spontan verliebt. Von einer Bettlerin darüber aufgeklärt, dass es sich bei dem Mädchen um Johanna, die Adoptivtochter des Richters Turpin handele, fasst er unmittelbar den Plan, sie heiraten zu wollen. Doch der hinzukommende Richter und sein Adlatus, Büttel Bamford, belehren ihn eines Besseren und machen ihm unmissverständlich klar, dass er sich von Johanna fernhalten solle. Tatsächlich hat sich die väterliche Fürsorge des Richters im Laufe der Jahre mehr und mehr in Begehren gewandelt und dieser gedenkt nicht, sein Mündel mit jemandem zu teilen.

Eine pechschwarze Grube ist

DIESER ORT, auf dem Grund der Grube herrschen Tod und Mord, und der Abschaum dieser Welt vermodert dort. Barker steht vor den Scherben seiner Existenz. Ihm ist nichts geblieben als sein altes Rasiermesser und der Drang nach Rache an demjenigen, der sein Leben und das seiner Familie zerstört hat: Richter Turpin. Er legt seinen Namen ab und eröffnet als Sweeney Todd den Barbiersalon wieder. Nun gilt es, sich in Geduld zu

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üben, denn eines ist klar: Barthaare wachsen langsam, aber sie wachsen. Und irgendwann wird Richter Turpin auf Sweeneys Barbierstuhl Platz nehmen, um sich von ihm rasieren zu lassen …

Unterdessen erkennt der Quacksalber Pirelli in Sweeney den flüchtigen Benjamin Barker und erpresst ihn damit. Sweeney handelt überstürzt und tötet Pirelli im Affekt. Zurück bleibt dessen Assistent, der kindlich-naive Tobias, der schon bald als unverzichtbare Arbeitskraft in Mrs. Lovetts Backstube aushelfen wird, denn seltsamerweise floriert das Pastetengeschäft seit diesem Tag ungemein. Das Gebäck, das zuvor als „Londons schlimmste Pasteten“ bekannt war, schmeckt auf einmal nach mehr. Mrs. Lovett behauptet, es liege an den Gewürzen, tatsächlich aber hat sie einfach die Fleischsorte gewechselt …

Handle nicht nach Gefühl, davon hast du jetzt viel zu viel. Fasse dich und bleib kühl. Wart’! Das ist Mrs. Lovetts guter Rat, denn Sweeneys Sache ist das Warten nicht. Was als kühler Racheplan begann, droht Sweeney zunehmend zu entgleiten. Einmal ist ihm der Richter bereits ungeschoren entkommen.

Ich denk’ kommerziell, das allein nur zählt. Und eventuell könnt’ man schnell … Ihr versteht mich, gell? Ich mein’, bei dem Preis für Fleisch heutzutag. Wenn man’s hätte … falls man’s hätte … Gut! Jetzt habt Ihr’s! 10


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STEPHEN SONDHEIM Als einziges Kind einer wohlhabenden New Yorker Familie 1930 geboren, begann Stephen Sondheim schon früh, sich literarisch wie musikalisch auszuprobieren. Ermutigt durch den Musical-Altmeister Oscar Hammerstein II, verfolgte er seinen Weg erfolgreich weiter. Erste Berühmtheit erlangte er als Songtexter für die „West Side Story“, die ihn jedoch noch nicht aus dem Schatten Leonard Bernsteins heraustreten ließ. Erst als er den Schritt wagte, beides, Texte und Musik, selbst zu schreiben, konnte er sein eigentliches Ziel realisieren: Musicals abseits der standardisierten leichten Familienunterhaltung. Mit „A Funny Thing Happened on the Way to the Forum“ (1962) reüssierte er erstmals am Broadway. Es folgten weitere Erfolgsproduktionen wie „A little Night Music“ (1973),

HUGH WHEELER Der 1912 in London geborene Romancier, Dramatiker und Drehbuchautor wurde weltweit bekannt als Textdichter für das Musical „Sweeney Todd“. Nicht, dass dies sein erstes Werk gewesen wäre – zu dem Zeitpunkt arbeitete er bereits erfolgreich als Autor, jedoch hatte er die meisten seiner Werke unter diversen Pseudonymen verfasst, sodass sich sein Gesamtschaffen erst erschließt, wenn man zu seinen Bühnen-

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die ganz im Walzertakt geschrieben ist. Mit „Sweeney Todd“ (1979) verfasste Sondheim sein wohl bekanntestes und erfolgreichstes Bühnenwerk, das 2007 mit Johnny Depp und Helena Bonham Carter in den Hauptrollen verfilmt wurde. Für sein 1984 uraufgeführtes Musical „Sunday in the Park with George“, das von einem Seurat-Gemälde inspiriert ist, erhielt Sondheim den Pulitzer-Preis. In seinem regelmäßig auch auf deutschen Bühnen zu erlebenden Musical „Into the Woods“ (1984) dekonstruiert Sondheim fantasievoll eine Reihe bekannter Märchen. Sein letztes Werk, „Here We Are“, inspiriert von zwei Filmen Luis Buñuels, feierte 2023 seine Off-Broadway-Premiere. Sondheim erlebte diese Uraufführung nicht mehr – er war 2021 im Alter von 91 Jahren gestorben.

texten wie „Sweeney Todd“ (1979), „Das Lächeln einer Sommernacht (1973) oder „Candide“ (Chelsea-Version 1973) noch die zahlreichen Dramen, Drehbücher und Krimis hinzufügt, die er unter seinen Aliassen Q. Patrick und Patrick Quentin verfasste. Vier seiner Romane wurden verfilmt. Bis kurz vor seinem Tod 1987 arbeitete Wheeler noch an zwei neuen Musicals sowie an einer neuen Fassung der Lehár-Operette „Die lustige Witwe“.


VOM SCHAUSPIEL ZUM MUSICAL „Es hat mich einfach umgehauen ... Bonds neue Version war ein kleines Stück, immer noch ein Melodrama, aber auch eine Legende, elegant geschrieben, teilweise in Blankversen ... es hatte Gewicht, ... es erschien mir bedeutungsvoll.“

den der Geschichte, Sweeney, noch tragischer zu gestalten, als Bond dies getan hatte, ohne dabei den beißenden Humor, der ein essentieller Bestandteil des Dramas ist, aus den Augen zu verlieren. Auch gelang es Wheeler und Sondheim, für die unterschiedlichen Versmaße, mit denen Bond seine Figuren sprachlich differenziert, musikalische Entsprechungen zu finden. So begleiten beispielsweise den Büttel Bamford als harten Vertreter eines überkommenen Systems anachronistische musikalische Formen wie Menuett und Minnesang. Sondheim arbeitet in seiner Partitur mit „Erinnerungsmotiven“, die einerseits zur Charakterisierung der Figuren beitragen, aber auch einen eigenen musikalischen Subtext bilden.

Stephen Sondheim hatte schon immer ein Faible für Abgründiges. Nachdem er in London eine Vorstellung von Christopher Bonds Schauspiel „Sweeney Todd“ gesehen hatte, beschloss er, den schaurigen Stoff an den Broadway zu bringen. „Ich habe damit begonnen und versucht, alles selbst zu schreiben, weil alles gesungen werden sollte … es sollte praktisch eine Oper werden.“ Tatsächlich enthält Sweeney Todd in seiner endgültigen Form zahlreiche musikalische wie inhaltliche Verweise auf Opern wie „Turandot“, „Rigoletto“ oder „Der Barbier von Sevilla“. Doch der ursprüngliche Opernplan geriet allzu episch, sodass Sondheim sich mit Hugh Wheeler bald einen literarischen Mitstreiter ins Boot holte. „Ich wusste nicht, wie ich es straffen sollte …“ Also wandte er sich an Wheeler, „weil dieser bereits Horrorstorys geschrieben hatte, Brite war und sich mit der Tradition solcher Storys auskannte“. Wheeler gelang es, den Hel-

Offensichtliche musikalische Hinweise wie die häufige Wiederkehr des berühmten Big-Ben-Glockenschlags wechseln mit subtileren Anspielungen, wie etwa dem Beginn des Liebesliedes „Johanna“, das eine klare musikalische Nähe zu Leonard Bernsteins „Maria“ aus der „West Side Story“ aufweist, um nur einen von zahlreichen musikalischen Momenten aufzuzeigen, die Sondheims Prägung durch die frühe Zusammenarbeit mit Leonard Bernstein belegen. Musikalisch markant und all-

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schreiben, um zu sehen, ob man die Leute mit Musik erschrecken kann – besonders ein Publikum des 20. Jahrhunderts, das gerade von der Straße kommt, wo noch ganz andere, weitaus schlimmere Dinge passieren.“

gegenwärtig ist der Verweis auf den mittelalterlichen Dies-irae-Hymnus, dessen erste markante Tonfolge sich von Anfang an durch das gesamte Stück zieht. Direkt zu Beginn quasi als Motto, das durch den markanten Einsatz der Orgel schicksalhaft überhöht wird, dann später immer wieder als Erinnerungsmotiv an entscheidenden, meist mörderischen Wendepunkten der Geschichte. Hier ist der Übergang zur Filmmusik fließend, und auch die Intention ist dieselbe: „Ich wollte so etwas schon immer für die Bühne

Bestimmend für den Charakter dieses Musicals ist jedoch die Erzählweise. Hatte Bond aus der Schauergeschichte ein Drama gemacht, verwandeln Sondheim und Wheeler sie zurück in eine Moritat. Dort, wo die Sängerinnen und Sänger des Chores nicht

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„Erwerb und Erhalt von Macht und Profit sind die vorrangigen Ziele der hier dargestellten Gesellschaft. Die zwangsläufige Folge dieser Ziele ist die Versachlichung von Menschen; sie werden zu Werkzeugen, die von denen, die Geld und Macht besitzen, benutzt und wieder entsorgt werden. Die Bettlerin geistert als Mahnung durch das Stück – sie erinnert uns an unsere Neigung, andere zu ignorieren, ja ihnen ihre Existenzberechtigung abzusprechen.“ Robert L. McLaughlin

als Bürger*innen oder Arbeiter*innen durch ihre Rollen definiert werden, nehmen sie eine erzählende respektive kommentierende Funktion ein. Die Handlung setzt für diesen Moment aus und macht der geradezu nüchternen Schilderung der größten Gräueltaten Platz. Die Normalität des Grauens findet hier ihre musikalische Entsprechung.

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ALLZU MENSCHLICHES Liebe geht durch den Magen. Rache ebenso. Sie ist süß und wird kalt serviert. Manchmal besteht sie aus Menschenfleisch. Kannibalismus ist eines der großen Tabuthemen unserer Gesellschaft und doch im täglichen Sprachgebrauch präsenter, als man meinen möge. Jemanden „zum Fressen gern haben“ hat einen kannibalistischen Beigeschmack, wenn auch einen zärtlichen. „Der frisst mich gleich“ ist das negative Pendant dazu. In dem bekannten englischen Kinderreim „Sing a Song of Sixpence“ werden seit dem 18. Jahrhundert 24 unartige Jungs in eine Pastete eingebacken. Ein Pendant dazu findet sich hierzulande in Wilhelm Buschs Verserzählung „Max und Moritz“, in der die beiden Titelhelden zunächst in eine Backstube eindringen und gewissermaßen als „Lausbuben im Backteig“ in den Ofen geschoben werden, sich aber noch selbst aus dem Teigmantel wieder herausessen können. Ihr Schicksal wird erst besiegelt, als ein Müller sie zerschrotet und sie schließlich den Enten als Nahrung dienen. Zugegeben ist dies in letzter Konsequenz kein Kannibalismus, kommt aber dennoch der Erzählung des Menschenfressens recht nahe. „Der Mensch ist des Menschen Wolf“, heißt es schon seit altrömischen Zeiten und bringt

die Schattenseiten menschlicher Koexistenz so kurz wie prägnant auf einen Nenner. Nichts anderes ist Gegenstand der Geschichte von „Sweeney Todd“. In seiner überschärften Form – der Mensch ist des Menschen Pastete – wird eine schwarze, gesellschaftskritische Komödie daraus. Und bei genauerer, tabuloser Betrachtung ist dies sogar sehr menschlich. So äußert sich in jüngster Zeit die Naturforscherin Sy Montgomery über einen Band zu diesem Thema: „Man könnte meinen, ein Buch über Kannibalismus sei verstörend, aber das ist es nicht. Es ist erfrischend. Kannibalismus gibt mir sogar meinen Glauben an die Menschheit zurück: Es ist gut zu wissen, dass die Menschen, zumindest was dieses spezielle Verhalten angeht, nicht schrecklicher oder überraschender sind als andere Spezies.“

„Und am nächsten Tag gab es dann Morgan aus Alabama zum Frühstück. Er war einer der besten Männer, die mir je vorgesetzt wurden – gutaussehend, gebildet, von tadellosem Benehmen, sprach mehrere Sprachen fließend – er war ein vollkommener Gentleman – ein vollkommener Gentleman, und sehr saftig.“ Mark Twain

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Impressum Herausgeber: Theater Vorpommern GmbH Stralsund – Greifswald – Putbus Spielzeit 2026/27 Geschäftsführung: André Kretzschmar Künstlerischer Leiter: Rolf C. Hemke

Redaktion: Katja Pfeifer Gestaltung: ÖA / Marie-Louise Bartels 1. Auflage: 500 Druck: Flyeralarm www.theater-vorpommern.de

Textnachweise: So nicht anders vermerkt, handelt es sich bei den Texten um Originalbeiträge von Katja Pfeifer für dieses Heft. Die Zitate stammen aus folgenden Quellen: Stephen Sondheim/Hugh Wheeler: Sweeney Todd. Textbuch; Craig Zadan: Sondheim & Co. New York, Cambridge u.a. 1990; Peter Manning: Sondheim’s Sweeney Todd. Maynooth 2014; Robert McLaughlin: „No one is alone“: Society and love in the musicals of Stephen Sondheim. In: The Journal of American Drama and Theatre. Bd. 3, Ausgabe 2, New York 1991; Mark Twain: Kannibalismus auf der Eisenbahn und andere Erzählungen. Zürich 1996; Fjodor Dostojewski: Verbrechen und Strafe. Frankfurt a.M. 2008; historische Werbeanzeige der Firma Robuso, Solingen um 1935. Bildnachweise: Die Fotos stammen von Peter van Heesen. Sie entstanden auf der Klavierhauptprobe am 18.09.2026.

Das Theater Vorpommern wird getragen durch die Hansestadt Stralsund, die Universitäts- und Hansestadt Greifswald und den Landkreis Vorpommern-Rügen

Es wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und EU-Angelegenheiten des Landes Mecklenburg-Vorpommern.


Die Menschen fressen sich auf voll Gier. Jeder tut es, warum nicht auch wir? Sweeney Todd

Theater Vorpommern Stralsund – Greifswald – Putbus www.theater-vorpommern.de


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