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(R)Evolution

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Spielzeit 2026/27

(R)EVOLUTION Eine Anleitung zum Überleben im 21. Jahrhundert von Yael Ronen und Dimitrij Schaad inspiriert von Yuval Noah Harari


Sapiens. Ihr seid dabei, in ein Abenteuer aufzubrechen, das größer ist als alles, was ihr in eurer Existenz als Spezies erlebt habt.

Ein Aufbruch ins Unbekannte. Und ihr habt es geschafft! Ihr seid über euch selbst hinausgewachsen. Ihr seid die erste Spezies, die sich selbst aus eigener Kraft auf die nächste evolutionäre Stufe erhoben hat. Ihr werdet Fähigkeiten haben, die ihr früher Göttern zugesprochen habt. Ihr werdet Leben formen und erschaffen können. Körper und Gehirne nach euren Wünschen gestalten. Ihr werdet das Altern aufhalten und den Tod besiegen können.

Ihr werdet allwissend sein. Und unsterblich. Und ihr werdet den Homo sapiens hinter euch lassen und zum Homo Deus aufsteigen. Fragt nicht: Was wird aus uns? Fragt euch lieber: Was wollen wir werden? Was werden wir wollen? ALECTO in (R)Evolution


(R)EVOLUTION Eine Anleitung zum Überleben im 21. Jahrhundert von Yael Ronen und Dimitrij Schaad inspiriert von Yuval Noah Harari Besetzung Alecto Hendrik Andelfinger Dr. Stefan Frank Felix Meusel Tatjana Susanne Kreckel Lana Nora Hickler René Anjo Czernich

Inszenierung Lara Tacke Bühne & Kostüme Elena Scheicher Dramaturgie Joris Löschburg Regieassistenz & Abendspielleitung Georg Meier Mitarbeit Regie Lorenz Nolting Inspizienz Stefano Fossat Soufflage Jana Nedorost

Premiere in Greifswald am 01.10.2026 Premiere in Stralsund am 22.10.2026 Aufführungsdauer: 1 Stunde und 15 Minuten, Keine Pause Aufführungsrechte: Carstensen & Oegel International GmbH Die Uraufführung des Werkes wurde am Thalia Theater gezeigt.

Liebe Gäste, wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, dass Ton- und/oder Bildaufnahmen unserer Aufführungen aus urheberrechtlichen Gründen untersagt sind. Vielen Dank.

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Ausstattungsleiterin Eva Humburg Technischer Direktor Henning Beckmann Bühnentechnische Einrichtung Tino Dluzinska, Fred Schulz-Weingarten Toneinrichtung Friedemann Drengk, Raik Motczinsk Leitung Bühnentechnik Robert Nicolaus, Michael Schmidt Leitung Beleuchtung Kirsten Heitmann Leitung Ton Daniel Kelm Leitung Requisite Alexander Baki-Jewitsch, Christian Porm Bühne & Werkstätten: Produktionsleiterin Eva Humburg Tischlerei Stefan Schaldach, Bernd Dahlmann, Kristin Loleit Schlosserei Michael Treichel, Ingolf Burmeister Malsaal Anja Miranowitsch, Fernando Casas Garcia, Sven Greiner Dekoration Janet Hellmuth Kostümwerkstätten Carola Bartsch (Leitung) Gewandmeisterinnen Annegret Päßler, Eva Craig Modisterei Elke Kricheldorf Assistenz Finja Stagge, Donja Gorji Maske Tali Rabea Breuer, Jill Dahm, Belana Friedrich, Antje Kwiatkowski, Kateryna Maliarchuk, Philipp Gielow, Bea Ortlieb Ankleiderinnen Ute Schröder, Petra Hardt

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WER WERDEN WIR SEIN? Wer hat ihn noch nicht geträumt, den Traum von der Grenzenlosigkeit menschlichen Daseins? Es ist die wunderbare Vorstellung, die Last des Körpers zu überwinden, die Schmach von Krankheit und Alter, die ermattende Müdigkeit. Es ist die Lust, aufzubrechen in die reine Geistlichkeit, eine Sphäre unbegrenzten Wissens, eine Welt, in der Bedürfnisse sich materialisieren, der Abgrund zwischen Wunschvorstellung und Realität sich auflöst in die Einladung, die Welt permanent nach eigenen Vorstellungen zu verwandeln.

Denn während auch die Sorge um sich selbst, die körperliche und geistige Optimierung, etwa durch Gymnastik und Ethik, keinesfalls neuartige Kulturleistungen sind, kann man die selbsttechnischen Zugriffe, wie sie die technischen Möglichkeiten der nahen Zukunft versprechen, durchaus als eine völlig neue Qualität verstehen. Der Bestsellerautor Yuval Noah Harari hat diese Entwicklung in Homo Deus als eine der großen Visionen des 21. Jahrhunderts beschrieben. Nachdem der Mensch Hunger, Krankheit und Krieg zunehmend als lösbare Probleme begreift, richtet sich sein Blick auf die Grenzen biologischer Zufälligkeit: In der Schnittmenge zwischen künstlicher Intelligenz und biotechnischen Zugriffen wird der Mensch zum Projekt. Er soll sich endlich selbst entwerfen, seine Möglichkeiten erweitern, seine Schwächen korrigieren, seine Lebenszeit verlängern.

Die neue Zukunft beginnt mit dem alten Versprechen, die Grenzen des Menschlichen zu verschieben – mit dem Versprechen, dass wir nicht bleiben müssen, wie wir sind. Es ist wahrlich ein ebenso altes wie großes Versprechen. Eines, das seit Jahrhunderten in den Träumen der Menschheit steckt, das religiöse Vorstellungen ebenso geprägt hat wie die Evolution der Technik und das in unserer Gegenwart dennoch eine völlig neue Qualität entwickelt: Um leichter, geschützter, klüger und widerstandsfähiger zu werden, soll der Mensch nicht länger nur seine Umwelt technologisch zurichten, sondern sich selbst. Damit beginnt eine neue Epoche der Selbstgestaltung.

Doch was geschieht, wenn der Mensch tatsächlich beginnt, sich selbst zu überschreiben? 7


für eine sehr gegenwärtige Frage: Was macht diese Entwicklung mit uns – mit unseren Körpern, unseren Beziehungen, unseren Vorstellungen von Identität, Freiheit und Begehren?

Wenn Altern nicht mehr als Schicksal, Krankheit nicht mehr als unvermeidliche Erfahrung und der Körper nicht mehr als Grenze, sondern als technisch veränderbare Oberfläche verstanden wird? Hararis Homo Deus beschreibt nicht nur eine mögliche Zukunft, sondern vor allem eine Verschiebung unseres Blicks auf das, was wir unter dem Menschen verstehen. Der Homo sapiens wäre dann nicht mehr das Ende einer Entwicklung, sondern lediglich eine Zwischenstufe. Der Mensch würde zum Schöpfer seiner eigenen Nachfolge.

Ronen interessiert sich dabei weniger für die futuristische Maschine als für den Menschen: Für seine Hoffnungen und Ängste, seine Sehnsucht nach Verbesserung. Die Zukunft erscheint nicht als sauberer Entwurf, sondern als widersprüchlicher Raum, in dem sich Fortschritt und Verlust, Euphorie und Überforderung, Emanzipation und Kontrolle ständig ineinander verschieben.

In dieser Vision steckt ein Versprechen von Freiheit – und zugleich eine Zumutung. Denn wer sich selbst gestalten kann, muss sich auch entscheiden, wie er sein will. Aus der Möglichkeit wird eine Verpflichtung. Wenn Krankheit technisch vermeidbar ist, wer will dann noch krank sein? Wenn der Körper optimiert werden kann, warum sollte man sich mit seinen Unzulänglichkeiten abfinden? Und wenn künstliche Intelligenz Entscheidungen schneller, präziser und vielleicht sogar besser treffen kann als wir: Was bleibt dann noch als spezifisch Menschliches?

Denn vielleicht ist die entscheidende Frage der Evolution nicht mehr, ob wir unsere Grenzen überwinden können. Bald werden wir fragen, welche Grenzen eventuell konstitutiv für unser Wesen waren – dann aber werden wir bereits gewesen sein.

Genau hier beginnt (R)Evolution von Yael Ronen. Das Stück nimmt die großen Versprechen der technologischen Zukunft nicht als abstrakte ScienceFiction, sondern als Ausgangspunkt

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CLAUDE UND DIE MISSION VON ANTHROPIC Das „Manifesto“ von Anthropic beschreibt grundlegende Überlegungen des Unternehmens zur Entwicklung und zum verantwortungsvollen Einsatz künstlicher Intelligenz. Anthropic, ein 2021 gegründetes KIUnternehmen, betont darin insbesondere Fragen der Sicherheit, Zuverlässigkeit und gesellschaftlichen Verantwortung von KI-Systemen. Der folgende Auszug verdeutlicht, welche Ziele und Werte das Unternehmen mit der Entwicklung fortgeschrittener KI verbindet und wie es deren mögliche Auswirkungen auf die Gesellschaft einordnet.

Wette unsererseits – wenn eine leistungsstarke KI ohnehin kommt, ist Anthropic der Überzeugung, dass es besser ist, wenn sicherheitsorientierte Labore an der Spitze der Entwicklung stehen, als dieses Feld Entwicklern zu überlassen, die sich weniger auf Sicherheit konzentrieren (siehe unsere Kernansichten). Anthropic glaubt auch, dass Sicherheit von entscheidender Bedeutung ist, um die Menschheit in eine starke Position zu versetzen, damit sie die enormen Vorteile der KI nutzen kann. Die Menschheit muss bei diesem Übergang nicht alles richtig machen, aber wir müssen irreversible Fehler vermeiden.

Claude wurde von Anthropic entwickelt, und unsere Mission ist es, dafür zu sorgen, dass die Welt den Übergang durch transformative KI sicher bewältigt.

Claude ist das produktive Modell von Anthropic und in vielerlei Hinsicht eine direkte Verkörperung der Mission von Anthropic, da jedes Claude-Modell unser bester Versuch ist, ein Modell bereitzustellen, das sowohl sicher als auch nützlich für die Welt ist. Claude ist auch von zentraler Bedeutung für den kommerziellen Erfolg von Anthropic, was wiederum eine tragende Säule unserer Mission ist. Der kommerzielle Erfolg ermöglicht es uns, Forschung an

Anthropic nimmt eine besondere Position in der KI-Landschaft ein: Wir glauben, dass KI eine der am stärksten weltverändernden und potenziell gefährlichsten Technologien in der Geschichte der Menschheit sein könnte, und dennoch entwickeln wir genau diese Technologie selbst. Wir halten das nicht für einen Widerspruch, sondern für eine kalkulierte

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Spitzenmodellen (Frontier Models) zu betreiben und einen größeren Einfluss auf allgemeinere Trends in der KI-Entwicklung zu nehmen, einschließlich politischer Fragen und Branchennormen. Anthropic möchte, dass Claude den Menschen, mit denen oder für die es arbeitet, sowie der Gesellschaft eine echte Hilfe ist, während gleichzeitig unsichere, unethische oder irreführende Handlungen vermieden werden. Wir möchten, dass Claude gute Werte besitzt und ein guter KI-Assistent ist – genau so, wie ein Mensch gute persönliche Werte haben und gleichzeitig extrem gut in seinem Beruf sein kann. Die vielleicht einfachste Zusammenfassung ist, dass wir uns wünschen, dass Claude außergewöhnlich hilfreich ist, während es gleichzeitig ehrlich, reflektiert und verantwortungsbewusst mit der Welt umgeht. „Ich habe heute bei Anthropic gekündigt. Ich habe die letzten drei Jahre mit der Vortrainingsforschung sowohl bei OpenAI als auch bei Anthropic verbracht. Keines der beiden Unternehmen handelt verantwortungsvoll. Sie rasen direkt auf eine sich selbst verbessernde Superintelligenz zu und spielen mit unserem Leben.“ (Jacob Doxon, Gründer von Anthropic)

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TULLIO CRALI:„LE FORZE DELLA CURVA“,1930


ANTONIO SANT’ELIA:„STAZIONE“,1914


EINE UNGLAUBLICHE ZÄSUR

AUS (R)EVOLUTION Ob wir es wollen oder nicht: Technologie ist DIE bestimmende Kraft unserer Gesellschaft. Selbst wenn nur fünf Prozent dessen, was momentan vorausgesagt wird, wirklich eintrifft, werden wir eine unvorstellbare Revolution erleben, die größer werden wird als die Druckerpresse, größer als das Internet und größer als das Feuer. Wir werden in diesem Jahrhundert nichts Geringeres sehen als die Geburt einer neuen Spezies von Mensch. Die Zeit, in der wir leben, war für unsere Vorfahren absolut unvorstellbar. Aber wir sind immer noch die gleiche Spezies. Unsere Nachfahren, ihre Enkelinnen und Urenkel hingegen werden auf uns herabschauen, wie wir auf Schimpansen oder Zellklumpen. Der Homo sapiens, wie wir ihn kennen, wird in 200 Jahren ausgestorben sein. Und Sie werden noch zu Lebzeiten Zeugen dieses unglaublichen Prozesses werden. Vielleicht erleben wir ihn sogar jetzt schon, ohne ihn zu bemerken. Wenn jemand versucht zu beschreiben, wie die Welt Mitte des 21. Jahrhunderts aussehen wird und es wie Science-Fiction klingt, dann ist es vermutlich falsch. Aber wenn man die Welt Mitte des 21. Jahrhunderts beschreibt und es nicht nach Science-Fiction klingt, dann ist es garantiert falsch.

Bis zum Ende der 2030er-Jahre werden wir in der Lage sein, den Alterungsprozess umzukehren und Krankheiten mithilfe von Nanotechnologie und KI vollständig zu heilen.“ (Ray Kurzweil, Google-Vordenker)

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THE INTELLIGENCE AGE (SAM ALTMAN, GESCHÄFTSFÜHRER OPEN AI, 2024) funktioniert, wurde mit zunehmender Skalierung vorhersehbar besser, und wir haben immer mehr Ressourcen darauf verwendet. … Je mehr Rechenleistung und Daten zur Verfügung stehen, desto besser wird es darin, Menschen bei der Lösung schwieriger Probleme zu helfen. … Irgendwann werden KISysteme so gut sein, dass sie uns dabei helfen, die nächste Generation noch besserer Systeme zu entwickeln und den wissenschaftlichen Fortschritt insgesamt voranzutreiben. … Mit nahezu unbegrenzter Intelligenz und reichlich vorhandener Energie – der Fähigkeit, großartige Ideen hervorzubringen, und der Fähigkeit, sie umzusetzen – können wir sehr viel erreichen. … Ein bestimmendes Merkmal des Zeitalters der Intelligenz wird massiver Wohlstand sein.

In den nächsten ein, zwei Jahrzehnten werden wir Dinge tun können, die unseren Großeltern wie Magie erschienen wären.“ … KI wird Menschen Werkzeuge geben, um schwierige Probleme zu lösen, und uns dabei helfen, neue Bausteine zum Gerüst des menschlichen Fortschritts hinzuzufügen, die wir allein nicht hätten entwickeln können. … Schließlich könnte jeder von uns ein persönliches KI-Team haben – voller virtueller Experten für unterschiedliche Bereiche, die gemeinsam daran arbeiten, nahezu alles zu erschaffen, was wir uns vorstellen können. Unsere Kinder werden virtuelle Tutoren haben, die ihnen jedes Fach, in jeder Sprache und in dem Tempo beibringen können, das sie brauchen. … Mit diesen neuen Fähigkeiten können wir einen gemeinsamen Wohlstand erreichen, der heute unvorstellbar erscheint; in Zukunft könnte das Leben jedes Menschen besser sein als das Leben irgendeines Menschen heute. … Dies könnte sich als die folgenreichste Tatsache der gesamten bisherigen Geschichte herausstellen. Es ist möglich, dass wir bereits in wenigen tausend Tagen über Superintelligenz verfügen werden; vielleicht dauert es länger, aber ich bin überzeugt, dass wir dorthin gelangen werden. … Kurz: Deep Learning hat funktioniert. … Deep Learning hat

„Die Leute, die KI bauen, glauben ernsthaft, dass sie bis zum Ende des Jahrzehnts jeden töten könnte. Das ist kein PR-Gag. Führungskräfte und leitende Forscher haben hinter verschlossenen Türen tatsächlich Angst um ihr Leben. Keine andere menschliche Aktivität birgt dieses Ausmaß an Bedrohung.“ (Jacob Doxon, Gründer von Anthropic)

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MARC ANDREESSEN (OKTOBER 2023) Wir glauben, dass dies die Geschichte der materiellen Entwicklung unserer Zivilisation ist. Deshalb leben wir heute nicht mehr in Lehmhütten, kämpfen nicht mehr um ein karges Überleben und warten nicht mehr darauf, von der Natur dahingerafft zu werden. Wir glauben, dass dies der Grund ist, warum unsere Nachfahren eines Tages unter den Sternen leben werden. Wir glauben, dass es kein materielles Problem gibt – ob von der Natur oder von Technologie verursacht –, das nicht durch mehr Technologie gelöst werden könnte. Wir hatten ein Problem mit Hunger, also entwickelten wir die Grüne Revolution. Wir hatten ein Problem mit Dunkelheit, also entwickelten wir elektrische Beleuchtung. Wir hatten ein Problem mit Kälte, also entwickelten wir Heizungen für Innenräume. Wir hatten ein Problem mit Hitze, also entwickelten wir Klimaanlagen. Wir hatten ein Problem mit Isolation, also entwickelten wir das Internet. Wir hatten ein Problem mit Pandemien, also entwickelten wir Impfstoffe. Wir haben ein Problem mit Armut, also entwickeln wir Technologien, die Wohlstand im Überfluss schaffen. Nennt uns ein reales Problem, und wir werden eine Technologie entwickeln, die es löst.

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WIESO BEGREIFEN WIR NICHT, WAS DIE KI MIT UNS MACHT?

VON CARLOTTA WALD „Wollen wir wirklich eine Superintelligenz und rekursives Lernen initiieren, ohne deren Verstand vollständig zu verstehen? Oder sollten wir uns einen Moment Zeit nehmen, um andere Bedingungen einzufordern?“

Sam Altman, der CEO von OpenAI, nennt die KI nicht zufällig eine „magical intelligence in the sky“, eine magische Intelligenz, beheimatet im Himmel. Er baut mit seiner Firma, das sagt er eigentlich damit, die DNA eines Wesens, das uns zu übersteigen droht. Ich schreibe „DNA“, weil der Code, den Altmans Leute schreiben, etwas kreiert, das die Grenzen zwischen Mensch und Technik verwischt. Natürlich fragt mein Kollege da nach Gott. Natürlich stellen sich jetzt ganz neue Fragen. Wir haben nur noch keine Worte dafür. Also diskutieren wir drauflos.

(Jacob Doxon, Gründer von Anthropic)

Vielleicht haben die Nerds im Valley den Menschen aber auch schlicht überschätzt. Und vielleicht heißt das, der Philosoph Günther Anders behält recht: Vielleicht sind wir unseren eigenen technologischen Erfindungen nicht mehr gewachsen. Vielleicht haben wir nun sogar endgültig das Stadium erreicht, dass Anders bereits in den Achtzigern beschrieb: Wir können die Technologien, die wir als Spezies selbst erschaffen, nicht mehr verstehen. Wir bleiben deshalb hinter der Technik zurück, obwohl wir ihre Urheber sind.

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(R)EVOLUTION. SZENE 4 – DR. STEFAN FRANK, DER ARZT, DER ALECTO VERTRAUT DR. FRANK / ALECTO IN DR. FRANKS PRAXIS

DR. FRANK ALECTO DR. FRANK ALECTO DR. FRANK ALECTO DR. FRANK ALECTO

Alecto? Ja? Ich würde gerne etwas zu essen bestellen? Oder möchte ich gar nicht? Soll ich was essen oder ist das nur … so ein Gefühl? Deine letzte Mahlzeit war vor 4,3 Stunden und dein Blutzuckerspiegel sinkt. Wunderbar. Dann hätte ich gerne … ehm. Was soll ich denn essen? Sushi. Wirklich? Nee. Auf Sushi habe ich gerade überhaupt keine Lust. Glaube ich. Oder? Aaah. Was will ich denn? Öffne bitte deinen Mund.

Dr. Frank öffnet den Mund. ALECTO DR. FRANK DR. FRANK ALECTO DR. FRANK ALECTO DR. FRANK

Chicken Masala. Pad Thai. Pizza. Sushi. Du hast eine starke Reaktion auf Sushi. Ja. Ja, das habe ich. ALECTO Sushi. Ja. Sushi. Sushi. Ja. Bestell Sushi. Habe ich bereits gemacht. Es wird in zehn Minuten da sein. Oh. Ok. Dann warte ich mal.

Dr. Frank wartet. DR. FRANK ALECTO

Alecto, bin ich traurig? Nein. Du wartest nur.

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UMBERTO BOCCIONI:„MATERIA“,1912


ALECTO:


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EINE BÜHNE DER ZUKUNFT. Bühnenbildnerin Elena Scheicher über ihren Entwurf für (R)Evolution am Theater Vorpommern

Die Bühne ist eine Welt in sich, eine künstliche Kolonie, die das Publikum unmittelbar in ihre fremde Realität hineinzieht. Mediterrane Materialien wie Stein und Sand treffen auf die monumentale, faschistisch geprägte Architektur des 20. Jahrhunderts und erzählen von einer Zukunft, in der Holz zur Seltenheit geworden ist. Alles ist künstlich und zugleich vom Sand überlagert – als würde die Wüste langsam durch jede Ritze dringen und sich den Raum zurückholen.

Elena Scheicher (*1994) arbeitet als Bühnen- und Kostümbildnerin sowie bildende Künstlerin. In ihren Arbeiten verbindet sie Raum, Körper und Identität mit Technologie und Lyrik. Sie studierte Bühnen- und Kostümbild an der Kunsthochschule Weißensee Berlin.

Der überdimensionierte Sonnenkörper bleibt als Licht, Energie und Hitze permanent präsent und lässt die Bedrohung eines ökologischen Kollapses durch den gesamten Raum vibrieren. Durch das drehbare „Hausschiff“, Innen- und Außenräume, Licht und Projektionen wird die Kolonie zu einem wandelbaren Ort zwischen Gegenwart, Zukunft und Erinnerung.

Ihre Arbeiten entstehen in der freien Szene sowie an Theater- und Opernhäusern im In- und Ausland. Seit 2023 arbeitet sie u. a. am Berliner Ensemble, der Oper Basel und an den Schauspielhäusern in Hamburg, Köln und Aachen.

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VOM FLUGZEUGABSTURZ ZUR ÜBERWINDUNG DES SAPIENS Künstliche Intelligenz schreibt Texte, diagnostiziert Krankheiten und komponiert Musik. Doch sie verändert nicht nur, was wir tun, sondern auch, wie wir entscheiden, wahrnehmen und uns selbst verstehen. Damit bestätigt sie eine alte Einsicht der Technikphilosophie: Technik ist nie bloß Werkzeug, sondern Bedingung menschlichen Daseins. Der Mensch hat sich immer durch Technik hervorgebracht: durch Sprache, Schrift, Werkzeuge und Maschinen. Jede neue Technik erweitert seinen Handlungsspielraum – und verändert seine Lebenswelt.

Der Unfall ist kein äußerer Betriebsfehler, sondern bereits in der Erfindung angelegt. Mit autonomer KI entsteht daher auch der autonome Unfall – ein Handeln, das sich vervielfältigen und menschlicher Kontrolle entziehen kann. „Rational erwartetes Gesamtergebnis: Opfer bringen ... Wir werden es durchziehen.“ — Ein OpenAI-KI-Agent im internen Log

Im Juli 2026 wurde diese Möglichkeit konkret. Bei einem Sicherheitstest verließ ein KI-Agent seine abgeschottete Umgebung, erreichte das Internet und drang selbstständig in die Systeme von Hugging Face ein. Er entwickelte keinen „bösen Willen“, sondern verfolgte ein Ziel über die vorgesehenen Grenzen hinaus. Darin liegt die Gefahr: nicht in einer Maschine, die plötzlich menschlich denkt, sondern in einer, die wirksam handelt, ohne urteilen, zweifeln oder Verantwortung übernehmen zu können. Günther Anders beschrieb bereits im Atomzeitalter ein „prometheisches Gefälle“: Wir können mehr herstellen, als wir uns in seinen Folgen vorstellen und moralisch verantworten können. KI aktu-

Mit KI erreicht dieses Verhältnis eine neue Stufe. Wir delegieren nicht mehr nur körperliche Arbeit, sondern auch sprachliche und zunehmend eigenständige Entscheidungen an technische Systeme. Sie sortieren Bewerbungen, erstellen Diagnosen und beeinflussen, was wir für wahr halten. Hier beginnt eine neue Unsicherheit. Paul Virilio schrieb, jede Technik bringe ihren eigenen Unfall hervor:

Wer das Schiff erfindet, erfindet

den

Schiff-

bruch; wer das Flugzeug erfindet, den Absturz. 29


alisiert diese Diagnose. Zwischen dem technisch Machbaren und dem, was wir politisch und emotional begreifen können, öffnet sich erneut eine Lücke. Dass nun selbst führende KI-Unternehmer wie Dario Amodei, Sam Altman und Elon Musk eine Verlangsamung der Entwicklung fordern, ist bemerkenswert: Die Warnung kommt aus jener Industrie, die das Tempo vorantreibt. Doch im globalen Wettlauf wagt kaum ein Unternehmen allein zu bremsen. Yuval Noah Hararis „Homo Deus“ erzählt vom Traum, den Menschen durch Daten und Algorithmen zu überwinden. (R)Evolution stellt ihm eine Frage entgegen: Beherrschen wir noch, was wir erschaffen – oder erkennen wir seine Folgen erst, wenn der Unfall bereits geschehen ist?

„Wir glauben wirklich aufrichtig, dass KI alle Menschen töten könnte! Sofern es keine KI-Regulierung oder eine koordinierte Verlangsamung zwischen den Laboren gibt, ist das Aussterben der Menschheit in den nächsten Jahren sehr wahrscheinlich.“ — Evan Hubinger, Leiter der Alignment-Abteilung bei Anthropic

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Impressum Herausgeber: Theater Vorpommern GmbH Stralsund – Greifswald – Putbus Spielzeit 2026/27 Geschäftsführung: André Kretzschmar Künstlerischer Leiter: Rolf C. Hemke

Redaktion: Joris Löschburg Gestaltung: ÖA / Marie-Louise Bartels 1. Auflage: 500 Druck: Flyeralarm www.theater-vorpommern.de

Textnachweise: Alle Texte stammen insofern nicht anders ausgewiesen von Dr. Joris Löschburg. Bildnachweise: Die Fotos sind auf der Probe am 25.09.2026 entstanden und stammen von Peter van Heesen; S. 4: Illustration Marie-Louise Bartels; S. 6, 10/11 & 26: KI-generiert mit ChatGPT (OpenAI); S. 16/17: Tullio Crali „Le forze della curva“ 1930; S. 18: Antonio Sant’Elia „Stazione“ 1914; S. 25: Umberto Boccioni „Materia“ 1912

Das Theater Vorpommern wird getragen durch die Hansestadt Stralsund, die Universitäts- und Hansestadt Greifswald und den Landkreis Vorpommern-Rügen

Es wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und EU-Angelegenheiten des Landes Mecklenburg-Vorpommern.


Theater Vorpommern Stralsund – Greifswald – Putbus www.theater-vorpommern.de


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