SOHN ––– Synth-Ich-Maschine Niederösterreich-Special / Sex Jams / Monochrom 133 Magazin für Glamour und Diskurs.
»133 – fällt euch da irgendein leiwander Polizeischmäh ein?« – Thomas Weber startet die redaktionelle Themenfindung zur aktuellen ausgabe.
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MONATLICH. VERLAGSPOSTAMT 1040 WIEN, P.B.B. GZ 05Z036212 M, Nº 133, FEBRUAR 2013
Asap Rocky. Daughter. Der Aufsteiger. Crack Ignaz. Devil May Cry. Lincoln. Foxygen. Atoms For Peace. Teresa Margolles. Naked Lunch. Kärntner Kulturpolitik. Music Hacking. Im Wortwechsel: Schwarze Kulturpolitik, was ist das eigentlich?
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Die Die Jagdsaison Jagdsaison 20132013 ist eröffnet. ist eröffnet.
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Leitartikel von Thomas Weber.
Leben und Arbeiten im Funkloch Wenn sich in Fuschl am See eine Konzernzentrale aus dem Boden stampfen lässt, dann wäre das – rein theoretisch – auch am Ottensteiner Stausee möglich. In der Praxis kann man in weiten Teilen des Waldviertels nicht einmal telefonieren. Vom Fortschritt der Jungen aus einem gottverlassenen Landstrich.
ir sind da, wo oben ist«, so hat das Waldviertel seit ein paar Jahren seinen Werbeclaim neu abgesteckt. Wobei es als Fortschritt gewertet werden darf, dass sich die vielleicht schönste Gegend Niederösterreichs heute nicht mehr mit nasskalten Nebeltagen und menschenleerer Landschaftsmystik interessant zu machen versucht. Wer verbringt schon seine Urlaubstage gern im Trüben? Nicht zuletzt stärkt solcherart Selbsterhöhung auch das Selbstwertgefühl der Eingeborenen. Oft genug wiederholt fühlen sich die, die oben sind, schließlich meist irgendwie überlegen. Rein gefühlsmäßig geht es also aufwärts.
Waldviertel, da wo oben ist Als Tourist hingegen wird man es auf dem Weg nach »oben« womöglich schwer haben. Zumindest, wenn man mit einem 3G-Navi unterwegs ist. Denn zwischen Krems und Weitra, zwischen Zwettl und Horn ist man fast zwangsläufig mit dem Auto unterwegs – und dabei grenzt es fast schon an ein Wunder Braunschlag’scher Dimension, wenn dabei der Handyempfang nicht abreißt. Stimmt schon, als Urlauber nimmt man das gerne mal in Kauf. Zumal es nicht unangenehm ist,
Indien, da wo vorne ist Nur zum Vergleich: In Indien ist es – laut Economist vom 29. September 2012 – mittlerweile möglich, eine Zugstrecke von 4.200 Kilometern (in Worten: viertausendzweihundert) und 615 Stationen unterwegs zu sein, ohne dass ein einziges Mal die Verbindung abreißt. Diese Distanz auf Luftlinie umgelegt ließe sich ganz Österreich nahezu zweimal umrunden. Ob es da überhaupt noch Sinn macht, wenn Waldviertler Lokalpolitiker das Wort »Wettbewerbsfähigkeit« in den Mund nehmen? Selbst engagierte Initiativen wie www.wohnen-im-waldviertel.at, die versuchen, der Abwanderung entgegenzuwirken und neue Siedler zu locken, haben es da nicht leicht. Eine echte Perspektive bietet das Waldviertel derzeit nur Aussteigern und Künstlern, denen die Idee eines Ateliers im nicht mehr gebrauchten Kuhstall nicht zu weltabgewandt scheint. Angenehm realistisch jedenfalls, wenn www.zukunftsorte.at – die neue Plattform des Vereins innovativer Gemeinden Österreichs – auch den Wissenstransfer
schrumpfender Gemeinden fördert: Wie sich der Rückbau von Infrastruktur beim Fortschritt der Jungen und einem überalternden Rest bewältigen lässt, ohne dass alles zusammenbricht. Aber vielleicht wäre es ohnehin am konsequentesten, die Rückzugsgefechte koordiniert zu führen. Ein möglicher Masterplan für das Waldviertel: weite Landstriche auf lange Sicht gleich ganz sich selbst zu überlassen, als Teil eines Nationalparks; restbevölkerte Gegenden als Biosphärenpark aufzuwerten; die verbleibende Landwirtschaft zu 100 % auf biologischen Landbau umzustellen – die Bio-Quote ist jetzt bereits beachtlich und mit Sonnentor gibt es immerhin einen kulturellen Leitbetrieb – und die bäuerlichen Landschaftspfleger im Nebenerwerb dem Tourismus zuarbeiten zu lassen. Abenteuerliche Expeditionen dorthin, wo oben ist, entsprechen ja vielleicht sogar den Bedürfnissen kaufkräftiger Inder. Bild michael winkelmann
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am Wochenende auch mal seine Ruhe zu haben. Für jenen Teil der Bevölkerung aber, der sich gerade dem Broterwerb zu widmen hat, ist die technische Infrastruktur des Landes eine Zumutung. Da mögen redliche Aktivisten (wie Christoph Mayer auf Seite 028) noch so sehr vom Ausbau der Schnellstraßen schwärmen: Ohne flächendeckende Netzabdeckung ist dieser Landstrich schlicht nicht im 21. Jahrhundert angekommen.
Thomas Weber Herausgeber und Waldviertler im Herzen weber@thegap.at
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Niederösterreich-Special Ja Clubs, ja St. Pölten, ja Film, ja Kultur. Man tut sich immer schwerer, das, was in dem größten Bundesland Österreichs passiert, als provinziell abzutun. Liegt Wien so weit vor dem Donaufestival, dem Frequency, dem Angebot der Donauuni, der Designuniversität, der Kunsthalle Krems oder dem Sub in Wiener Neustadt? Deshalb gehen wir auf Streifzug in den vier Vierteln rund um die Chabos und Babos in der Hauptstadt.
024 Magazin SOHN 018 —— Zwei Singles und ein Auftritt reichten, um das Netz in helle Aufregung zu versetzen. Sohn erfindet sich aus dem Nichts, aus Wien raus in die Welt. GOLDEN FRAME: Teresa Margolles 022 —— In »PM 2010« werden die Titelseiten eines mexikanischen Revolverblatts zu einem Katalog des Bösen arrangiert. Niederösterreich: Clubkultur 024 —— Liebevolle Selbstausbeuter braucht das Land. Niederösterreich ganz besonders. Ein Streifzug durch die Clubs Niederösterreichs. Niederösterreich: Strukturentwicklung 026 —— Bonzen und Heimkehrer genießen das neue Kultur- und Konsumangebot St. Pöltens. Zwei Essays dazu. Niederösterreich: Waldviertel 028 —— Das Avalon war für das Waldviertel eine Insel alternativer Kultur. Sein Ende auch Endstation? Wir haben in den Wald hineingerufen. Niederösterreich: Film Commission 029 —— Filmdrehs sollen einfacher werden, Kontakte knüpfen auch und Geld dafür bekommen sowieso. Wir haben beim großen Kuppler nachgefragt, wie das Wirklichkeit werden kann. Kärntner Kulturpolitik 030 —— Für Brauchtum und Heimat werden in Kärnten die verhassten Euros verbrannt, während im Landesmuseum das kulturelle Fundament verschimmelt. Ja mei.
aked Lunch 032 —— Das neue Album von Naked Lunch ist N um Welten besser als dieses Interview. Trotzdem lesenswert. sex jams 034 —— Jetzt, wo schlecht gefärbte Haare und Beanies wieder cool sind, schmeckt auch das Dosenbier wieder viel besser, das wir mit den Sex Jams getrunken haben. asap rocky 036 —— Hustensaft, Qualm und Ärsche sind die Hauptbestandteile von Asaps revolutionärem Rap-Entwurf, der in den USA eben auf Eins ging. music hacking 038 —— Theremine und Drum Machines zum selbst Nachbauen? Ein paar Bastler hacken sich laufend in Hardware, um Sounds zu befreien. departure SWOT Blog 042 —— Was entsteht aus den Ideen von Musikkreativen, was gelingt und daraus erwächst. In der zweiten Folge: Tablet-Notenpulte von Phonicscore. der aufsteiger 040 —— In diesem französischen Politthriller ist niemand Herr der Lage im Wahn der repräsentativen Demokratie. Aber hey, immerhin haben wir ja die Trottel da gewählt. 20 Jahre Monochrom 042 —— Monochrom haben das wilde Denken kultiviert. Das geht nicht ohne Aktionen, Filme, Theoriewälzer, Konferenzen und neuerdings: Dioramas. david bowie design 040 —— Im Londoner V&A Museum werden Ausstellungsblockbuster programmiert, ab März mit Kostümen und Popchamäleonfleisch von David Bowie.
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Sex Jams Gerade waren sie in London auf großer Slackertour, immer den Trouble mit dem Money im Nacken. Klar, jetzt müssen die Sex Jams ihre Gagen nicht mehr durch drei, sondern durch fünf teilen. Dafür klingen sie auch, nun ja, nicht reif, weil immer noch herrlich krachend und räudig, aber zumindest reifer. Sogar ein bisschen Drolligkeit gestehen sie sich zu, aber schau sie bloß nicht schief an, sie können auch richtig böse, wild und laut sein.
034 Rubriken Leitartikel Inhalt Editorial Porträts / Impressum Fondue Fabula Rasa Unbezahlter Anzeiger Splitter Wortwechsel: Schwarze Kulturpolitik – was ist das eigentlich? Workstation: White Elephant / Renate Reisinger Lyrik: Erwin Uhrmann / Moussa Kone Blow-up: Was kommt nach Haneke und Seidl? Reviews Introducing: Charlie Sanders Termine
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Kolumnen Zahlen, bitte Know-Nothing-Gesellschaft
Bild der Ausgabe Dieses tolle Bild von Maria Hofstätter hat Mihai Mitrea geschossen. Als wir ein Mail von ihm bekommen haben, haben wir kurz geschluckt. Keine Einwilligung, nicht honorarfrei stand da drin. Mit Abmahnungen erprobt wie wir sind, haben wir das Schlimmste befürchtet, der Fehler konnte aber schnell geklärt werden. Und Mihai: »Nachdem ich Maria Hofstätter, Ulrich Seidl, das Projekttheater und The Gap sehr gerne mag, bin ich einverstanden, dass ihr das Foto für dieses Interview weiter verwendet und es online bleibt ;-)« Weil wir das nur zurückgeben können, möchten wir hier gleich noch www.sketodesign.eu wärmstens empfehlen. Bussis.
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Musik ist generell unterschätzt — Fuck, dabei wollten wir doch weniger Musik bringen, uns öffnen, nicht mehr davon! Jetzt sind es doch mindestens 24 Seiten geworden. Aber es gibt Hoffnung, dass sich The Gap nicht zum Musikmagazin zurückentwickelt. Denn so langsam schaffen wir es, Pop nicht nur als riesige Wolke aus guten und schlechten Songs zu verstehen, sondern als etwas Umfassendes, das mit den übrigen Kulturtechniken zusammenhängt, mit unsrer Gegenwart, und eigentlich auch dem Weltall. Deshalb kommt eine Coverstory über Sohn auch nicht ohne Selbstdisziplin aus und auch nicht ohne Ninjaskills in der Beherrschung von Netz und Metaphysik (Seite 018). David Bowie kann man nicht nur als total geilen Musiker sehen, sondern alternativ als Designblockbuster (Seite 044). Naked Lunch müssen über Kärnten reden (Seite 032) und Veranstalter in Niederösterreich über liebevolle Selbstausbeutung (Seite 024). Manche wollen sich gleich überhaupt ins System und seine Schaltkreise hineinhacken (Seite 038). Und übrigens, Musikreviews gibt es ja auch noch. Das bevorstehende Jahr wird uns dann mal eher mehr in Richtung Kunst, Film oder Creatives spülen, rund um Festivals wie Steirischer Herbst, Festwochen, Ars Electronica, Biennale, Viennale, Diagonale, Startup Week, Sime oder TEDx. Alles natürlich nur, wenn wir nicht gerade unser riesiges KatzenfotoSpecial akut vorziehen müssen.. Stefan Niederwieser niederwieser@thegap.at @the_gap
kontribut
ren
Yannick Gotthardt
Andreas Puschautz
Janusgesicht — Yannick wird seine Masterarbeit über Wahrheit schreiben. Für The Gap ist er in Sachen Popkultur auf Wahrheitssuche, widmet sich etwa Robotern und Klonen cirka gleich gern. Vor einem halben Jahr kam er an, wollte etwas zum neuen Album von The XX loswerden, nämlich: »Nö. Eigentlich eher nicht so.« Dabei hat er die äußerst rare Eigenschaft, Dinge auf eine interessante Art schlecht zu finden. Für seinen Text über Monochrom musste er darauf allerdings nicht zurückgreifen, konnte seine »gute sprachlich rationale Aussagenlogik« ins Spiel bringen. Verschlungene Theoriepfade liegen ihm schließlich, Humor ebenfalls. Texte sind ihm allerdings Brotverdienst und Feind zugleich. Ähnlich zwiespältig ist Yannicks Verhältnis zu sehr vielen Dingen, Menschen seien schon auch Idioten, ihm aber trotzdem am liebsten. Dass ihm erstaunlich viele Fotos gefallen, wundert ihn selbst. Er ist selbst als Fotograf unterwegs, veranstaltet schon mal Kunstaktionen in Williamsburg, wäre dafür aber »ziemlich schlecht in den kleinen ästhetischen Gesten.« Nö, Yannick. Eigentlich eher nicht so.
Aufdecker vom Wörthersee — Über Andreas wissen wir viel mehr, als wir jemals schreiben dürften – Teile der Redaktion haben nämlich jahrelang mit ihm zusammengewohnt, während wir alle noch mit wechselndem Einsatz Fächer wie Publizistik, PoWi usw. studierten. Während manche dann den Weg des unterbezahlten Pop-Schreiberlings wählten, landete der mittlerweile 30-jährige Feldkirchener in einer seriösen Politikredaktion. Just kidding, er arbeitet bei news.at. Als uns die Idee zur Geschichte über Kärntner Kulturpolitik kam, fiel uns ein, dass uns Andi mehrere Dinge voraus hat: Er hat Ahnung von Politik, kann Leute nerven und weiß mit Pressestellen umzugehen. Außerdem ist er Kärntner, was für die Geschichte von unschätzbarem Wert war. Dass er dabei quasi im Handumdrehen den Investigativjournalismus bei The Gap einführte, überraschte uns selbst ein wenig. Klenk, zieh dich warm an! TEXT jonas vogt BILD privat
TEXT sandra adler BILD privat
Impressum
HERAUSgeber Thomas Weber chefredaktION Martin Mühl, Stefan Niederwieser Redaktion Ranya Abd El Shafy, Niko Acherer, Gregor Almassy, Michael Aniser, Matthias Balgavy, Claire Benedikt, Josef Berner, Sandra Bernhofer, Liliane Blaha, David Bogner, Manuel Bovio, Ivo Brodnik, Stephan Bruckner, Klaus Buchholz, Johannes Busching, Ann Cotten, Lisa Dittlbacher, Andreea Dosa, Margit Emesz, Juliane Fischer, Holger Fleischmann, Philipp Forthuber, Manuel Fronhofer, Daniel Garcia, Lisa Gotthard, Manfred Gram, Dominique Gromes, Benedikt Guschlbauer, Jan Hestmann, Christoph Hofer, Sebastian Hofer, Lukas Hoffmann, Peter Hoffmann, Michael Huber, Konstantin Jakabb, Reiner Kapeller, Iris Kern, Markus Keuschnigg, Hubert Kickinger, Michael Kirchdorfer, Stefan Kluger, Michaela Knapp, Katrin Kneissl, Markus Köhle, Christian Köllerer, Rainer Krispel, Michael Bela Kurz, Philipp L’Heritier, Gunnar Landsgesell, Enrico R. Lackner, Artemis Linhart, Ali Mahlodji, David Mochida Krispel, Christiane Murer, Nuri Nurbachsch, Michael Ortner, Ritchie Pettauer, Stefan Pichler, Johannes Piller, Stefanie Platzgummer, Karolina Podolecka, Christian Prenger, Mahdi Rahimi, Teresa Reiter, Werner Reiter, Kevin Reiterer, Tobias Riedl, Georg Russegger, Joachim Schätz, Barbara Schellner, Bernhard Schmidt, Werner Schröttner, Richard Schwarz, Katharina Seidler, Wolfgang Smejkal, Cornelia Stastny, Roland Steiner, Gerald C. Stocker, Johanna Stögmüller, Peter Stuiber, Asha Taruvinga, Martin Tschiderer, Hanna Thiele, Horst Thiele, Raphaela Valentini, Jonas Vogt, Ursula Winterauer, Imre Withalm, Maximilian Zeller, Martin Zellhofer, Barbara Zeman PRAKTIKUM Sandra Adler, Sarah Al-Hashimi, Thomas Stollenwerk termine Stefan Niederwieser AUTOREN Georg Cracked, Michaela Knapp, Michael Lanner, Moriz Piffl-Percevic, Stefan Tasch, Jürgen Wallner, Martin G. Wanko fotografie Florian Auer, Lukas Beck, Stephan Doleschal, Andreas Jakwerth, Georg Molterer, Ingo Pertramer, Karin Wasner, Michael Winkelmann Illbilly-illustration Jakob Kirchmayr COVER Andreas Waldschütz WORKSTATION-FOTOstrecke Katharina Rossboth ART DIRECTION Sig Ganhoer DESIGN Manuel Fronhofer, Hannah Schmidt Lektorat Wolfgang Smejkal, Adalbert Gratzer web Super-Fi, m-otion anzeigen Herwig Bauer, Thomas Heher, Wolfgang Hoffer, Micky Klemsch, David Kreytenberg, Martin Mühl, Thomas Weber (Leitung) Distribution Martin Mühl druck Ferdinand Berger & Söhne GmbH, Pulverturmgasse 3, 1090 Wien geschäftsFÜHRung Bernhard Schmidt PRODuktion & MedieninhabERin Monopol GmbH, Favoritenstraße 4–6 / III, 1040 Wien kontakt The Gap c/o Monopol GmbH, Favoritenstraße 4–6/III, 1040 Wien; Tel. +43 1 9076766-41; wien@thegap.at, www.thegap.at, www.monopol.at, office@thegap.at bankverbindung Monopol GmbH, easybank, Kontonummer 20010710457, BLZ 14200 abonnement 10 Ausgaben; Inland EUR 15, Europa EUR 35, Rest der Welt EUR 42; HEFTPREIS EUR 2,— erscheinungsweise 8 Ausgaben pro Jahr; Erscheinungsort Wien; Verlagspostamt 1040 Wien offenlegung Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Für den Inhalt von Inseraten haftet ausschließlich der Inserent. Für unaufgefordert zugesandtes Bild- und Textmaterial wird keine Haftung übernommen. Jegliche Reproduktion nur mit schriftlicher Genehmigung der Geschäftsführung. Blattlinie The Gap ist unabhängig. The Gap berichtet über, kritisiert und gibt Empfehlungen zu Kunst und Kultur in allen Schattierungen. The Gap ist Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden, Toleranz, Demokratie und den Allgemeinen Menschenrechten verpflichtet. Unternehmensgegenstand Die Monopol Medien GmbH betreibt Print- und Online-Publikationen, und ist in Corporate Publishing und Campaigning tätig. An Monopol Medien GmbH sind beteiligt: 53 % Super-Fi GmbH (45 % Niko Alm, Rest in Streubesitz), 11 % Thomas Weber, 11 % Niko Alm, 11 % Bernhard Schmidt, 6 % Martin Mühl, 6 % Thomas Heher, 2 % Christoph Hofer.
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Extrem in der Größe und doch extrem im Gelände. Der Landcruiser V8.
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Eiswürfel in ein Longdrink-Glas einfüllen. Orangensaft und Kirschsaft dazugeben und kurz anrühren. Mit afri cola auffüllen. Mit einer Kirsche und Orange am Glasrand dekorieren.
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Spähaugen und Schnappschützen aufgepasst: The Gap freut sich immer über bemerkenswerte Momentaufnahmen, optische Querschläger und belichtete Kuriositäten. Einsendungen an fondue@thegap.at „Das TAG ist die interessanteste Off-Bühne Wiens.“ Kurier
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Für Paare, die keine Hunde bekommen können, sind Kinder ja oftmals ein guter Ersatz.
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»niemand verteidigt mehr den arbeiterstand, ausser der unvergleichlichen ayn rand.« (slavoj zizek in »auf verlorenem posten«) — Letztens war das Arbeitsinspektorat an meinem Arbeitsplatz, um mein Büro zu inspizieren. Es war alles in Ordnung, weil wir auch mit den modernsten Gerätschaften versorgt werden, aber: mein Schreibtisch ist zu niedrig. Da wir aufgrund des Architektur-Konzepts keine anderen Tische kaufen können (Änderungen sind nur mit Genehmigung des Innen-Architekten möglich wegen dem bestehenden Werkschutz) wurde mir angeboten, mich verkleinern zu lassen. Die Arbeiterkammer und die Wirtschaftskammer unterstützen die notwendigen Operationen großzügig, sind doch kleinere Arbeitnehmer eine Entlastung für das Sozialbudget und andererseits erwiesenermaßen eine Bereicherung für die Volkswirtschaft. Denn der verringerte Bedarf bei Wohnraum und Kalorienzufuhr führt zu ungleichen Mehrausgaben in anderen Produktsegmenten, wo die Größe des Nutzers egal ist (von Kinokarten bis zu Internetanschluss). Zusätzlicher Überschuss ergibt sich im Modebereich, weil ja Kleidung in kleineren Größen gleichviel kostet wie in größeren. »auf der ganzen welt kennt man französisches baguette, obwohl es trocken und staubig ist und nach nichts schmeckt. wir haben so gutes brot – und keiner weiss es.« (maria fekter) — In diesem Sinn gibt es auch schon Pläne, eine Quote einzuführen, nachdem jedes Unternehmen eine bestimmte Anzahl ihrer Mitarbeiter verkleinern lassen soll, ähnlich dem Vorbild der Frauenquote bei Führungskräften, der Behindertenbeschäftigung und der Jobgarantie für Jugendliche. Der Grund für die Verzögerung der Umsetzung ist einzig, dass die prinzipiell hinterhältigen Privat-Unternehmer gehindert werden sollen, ihre kleinwüchsigen, jungen, adretten aber geistig minderbemittelten Vorstandssekretärinnen in den Vorstand zu setzen, um sich gerissen an den gesellschaftlich notwendigen Vorgaben vorbei zu schmuggeln (und noch am Gehalt zu sparen). Man weiß ja, warum die das wirklich tun! Sind ja alle gleich, diese Alphamännchen! Und um dem einen Riegel vorzuschieben, soll es innerhalb der Verkleinerungsquote eine Vorzugsquote für ältere Männer mit ausgezeichnetem Gesundheitszeugnis geben. Die Frauen- und Sozialministerin in übertragenem Wortlaut: »es finden sich schon noch genug junge männer ohne migrationshintergrund, die gesund sind und arbeiten können. wo jetzt eh die wehrpflicht wegfällt.« (quelle: internet) Powered by Bray – »Das Schlachtfest« (1992, Trost Tapes)
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Es gibt Dinge da draußen, die sind so gut, die sind Segnungen für die Menschheit, echte Hits der Warenwelt, für die machen wir freiwillig Werbung.
Finger Ring
Aufschnitt
Boombox Berlin
Der »Finger Ring« verbindet gleich drei Dinge, für die sich im Grunde jeder erwärmen kann: Schmuck, Beleidigungen und halblustige SexSchmähs. Wir wissen auch nicht viel mehr darüber. Außer, dass er – wenig überraschend – von Japanern hergestellt wird und uns in einem Heft der Berlin Fashion Week untergekommen ist. Damit verbindet er auch gleich drei Sachen, für die sich deutlich weniger Leute erwärmen können: Japaner, Modefuzzis und Berliner. Aber was tut man nicht alles, um sich mit einem vergoldeten Etwas in der Nase bohren zu können? www.aquvii.shop-pro.jp
Neues aus der Abteilung »Sitzfleisch«. Ja, manchmal springt einem der Kalauer so sehr ins Gesicht, als wäre ein Schweinedarm geplatzt. Die Firma »Aufschnitt« produziert Würste, Stelzen und andere Fleischerzeugnisse. Das wäre so weit noch nichts Besonderes, wenn sie diese nicht mit Schaumstoff befüllen und das Fleisch gleich ganz weglassen würde. So kommt der geneigte Nicht-Vegetarier in den Genuss, seinen Kopf auf dem Nackenkissen »Edelsalami« oder seinen eigenen Räucherschinken auf einem Sitzsack des selben Namens zu platzieren. Mhhh. Fleisch. www.aufschnitt.net
Als wäre die Boombox alleine nicht schon hip genug gewesen. Jetzt gibt’s das Ding auch noch zum Selberbauen und mit dem iPhone kombinierbar. Der Berliner Designer Axel Pfaender hat getan, was Kreative halt so tun: Man nimmt das Prinzip des Common Pizzakartons, stopft es mit Technik voll, gibt ihm einen Retro-Anstrich und verortet es irgendwo in die Ecke Musik. Fertig ist das Konzept. Die Idee dieses schönen Abspielgeräts für mp3-Player finden wir übrigens gar nicht so schlecht. Wir wären nur gerne selbst drauf gekommen. www.berlinboombox.com
Brötchen-Listen. Von Tex Rubinowitz. Heute: Was Köche gerne bei der Arbeit hören 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10
The Searchers – »Sugar And Spice« Lovin’ Spoonful – »Hummer In The City« Plastic Ono Band – »Give Pizza Chance« Lou Reed – »Fork On The Wild Side« Bob Dylan – »Cassarolling Stone« Dionne Warwick – »Wok On By« Police – »Every Bread You Take« Pink Floyd – »Honey« Survivor – »The Ei Of The Tiger« U2 – »Still Haven’t Found What I’m Cooking For«
Unaussprechlich gute Brötchen gibt es in Wien auf www.speckmitei.at
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Dame
(Rapper & Songwriter)
TOP 10
ZEICHENTRICKSERIEN AUS DER KINDHEIT
01 Der Traumstein 02 Masters Of The Universe 03 Alfred Jodokus Kwak 04 Lucky Luke 05 Popeye der Seemann 06 Tim und Struppi 07 Inspektor Gadget 08 Batman und Robin 09 Um die Welt mit Willy Fog 10 Die Gummibärenbande
TOP 5
DIE BESTEN DRINKS ZUM VORGLÜHEN
01 Lady Sunshine 02 Four Roses mit Cola 03 Salzburger Stieglbier 04 Jägermeister 05 Sangria & Weißwein
twenty.twenty: Faire Gadgets
auch nicht schlecht:
Smartphones und Tablets werden meist nicht besonders fair produziert und verursachen Müll. Am 13. Februar diskutieren wir dazu im Rahmen von twenty.twenty im Wiener HUB.
Der neue Volvo V40.
Sarah Al-Hashimi (The Gap / Praktikantin)
TOP 10
01 Gesellschaftskritik 02 Sinnvolle Dialoge 03 Provokation 04 Derbheit 05 Wahre Begebenheiten 06 Unvorhergesehenes 07 A G’spür für’s G’fühl 08 Schwarzer Humor 09 Melancholie 10 Soundtracks mit neuer Musik
TOP 5 FILME
01 Tyrannosaur 02 Kriegerin 03 Der Geschmack von Rost und Knochen 04 Gegen die Wand 05 Ziemlich beste Freunde
auch nicht schlecht: Wenn jemand für mich kocht.
TEXT thomas stollenwerk BILD florian auer
WAS FILME HABEN MÜSSEN, UM MICH ZU BERÜHREN
Tablets und Smartphones ermöglichen es, fast immer und überall online zu sein und zu kommunizieren. Der Gadgetmarkt hat sich binnen weniger Jahre zu einem Massenmarkt entwickelt, an dem Mobilfunkanbieter und Gerätehersteller gut verdienen. Derzeit aber werden die meisten Gadgets unter sozial fragwürdigen Bedingungen produziert. Zudem verursacht die Entsorgung von Altgeräten massive Umweltprobleme. Mangelnde Transparenz entlang der Produktionskette macht es fast unmöglich, nachzuvollziehen, welche Materialien in welchem Gerät stecken, und unter welchen Bedingungen sie gewonnen wurden. Nicht selten kommen Konflikt-Rohstoffe zum Einsatz, um die blutige Verteilungskämpfe geführt werden. Auch unzumutbare Arbeitsbedingungen in den Fabriken, in denen die Geräte zusammengesetzt werden, sind in den letzten Jahren immer wieder publik geworden. Bei den Geräten selbst mangelt es vielfach an nachhaltigen Lösungen. Im Raum steht der Verdacht der geplanten Obsoleszenz. Produkten ein Verfallsdatum zu verpassen, war noch nie so einfach wie im digitalen Zeitalter. Das allerdings ist illegal. Trotzdem gibt es viele nachgewiesene Beispiele und es stellt sich die Frage, ob geplante Obsoleszenz nicht schon dort beginnt, wo Verschleißteile wie Handy-Akkus nicht austauschbar sind. Im Sinne nachhaltigerer Geräte werden daher vermehrt Mindeststandards bei der Austauschbarkeit und Reparierbarkeit von Komponenten gefordert. Auch Vorschläge für Handy-Recyclingsysteme werden diskutiert. Können Zertifikate und Gütesiegel die Fairness-Standards bei der Produktion erhöhen? Sind Industrie-Standards wie die Verpflichtung zu einheitlichen Schnittstellen der richtige Weg zu mehr Nachhaltigkeit? Um Fragen wie diese dreht es sich bei twenty.twenty am 13. Februar. Als KeynoteSpeaker wird Jospeh Mier zu Gast sein, der an der Entwicklung des Fairphone beteiligt ist, dem ersten Smartphone, das komplett transparent und fair produziert wird und noch 2013 auf den Markt kommen soll. »Gadgets – Geräte ohne Wissen?« findet am 13. Februar um 18.30 im Wiener HUB statt. Alle Beiträge zur twenty.twenty-Blogparade und Videoaufzeichnungen aller Veranstaltungen sind auf twentytwenty.at zu finden.
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Neue E-nfos beim E-Day
text sarah Al-Hashimi bild shutterstock.com
Neue Seiten im Netz und endlose Möglichkeiten dort gibt es zuhauf, nur sind die relevantesten Informationen oft am schwersten zu finden. Der E-Day für Unternehmer bietet kostenlose Schnupperkurse.
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E wie eh klar? E steht schon lange nicht mehr nur für elektronisch – es ist zum Vorzeichen mutiert für all die elektronischen Lebensaspekte unserer Zeit. Inmitten einer Informationsflut am E-Day und dem ganze Update-Kram liefert die Pecha Kucha Night Vienna einen Ruhepol im Dschungel der Schlagwörter der Zukunft. Dort werden Ideen präsentiert, die aus dem Rahmen(-programm) fallen. Jeder kann einreichen und präsentieren – aber nur mit 20 Bildern zu 20 Sekunden bei 6:40 Minuten Vortragszeit. Genau dieselbe Zeit wie bei einem guten Tratsch, denn Pecha Kucha heißt auf Japanisch Geplapper oder Tratsch. Twitter auf asiatisch quasi. Da hat niemand Zeit, sich in langweiligen Monologen zu verlieren. Für unglaublich busy Leute stellen die E-Day Veranstalter auch dieses Jahr wieder einen Livestream von den Vorträgen ins Web. Weitere E-Nummern am E-Day: E-Forum, E-Innovation, E-Dialog, E-Trends und E-Praxis. Fragen wie Sozialsein, Zusammenarbeiten, Web 2.0 und Gschichtl drucken geht beispielsweise die Veranstaltungsreihe »Dialog« nach. Frischfleisch, also frisches Geld für junge Ideen gibt’s im Saal für Trends abzuholen (bzw. das Wissen, wie das geht), Recht und Sicherheit im Netz erläutern die Vortragenden bei der EPraxis. Ein paar der Probleme beim Durchkämpfen des riesengroßen E-Dschungels sollten danach der Vergangenheit angehören. Der E-Day 2013 findet am 7. März in der Wirtschaftskammer Wien statt. Anmeldung unter www.wko.at. Der Eintritt ist frei.
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Mahdi Rahimi (The Gap / Vice)
TOP 10
MATHEMATISCHE THEOREME
01 Fixpunktsatz von Kakutani 02 Satz von Poincaré-Bendixson 03 Satz von Stokes 04 Lemma von Ito 05 Hairy Ball Theorem 06 Satz von Hahn-Banach 07 Fundamentalsatz der Algebra 08 Bondareva-Shapley Theorem 09 Heiratssatz 10 Hilberts Nullstellensatz
TOP 5
WÜNSCHE EINER IRANISCHEN MUTTER AN IHRE ZUKÜNFTIGE SCHWIEGERTOCHTER
01 Enkelkinder 02 Enkelkinder, die Persisch lernen 03 Keine Tattoos und Piercings 04 Wohnung dient als Mutter-Zweitresidenz 05 Mindestinteresse an persischer Küche
auch nicht schlecht: Future – Pluto, Usher – Confessions, Cassie.
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Markus Gratzl
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TOP 10
SONGS FÜR EIN PERFEKTES INDIE FRÜHSTÜCK
01 Belle & Sebastian – There’s Too Much Love 02 Allo Darlin’ – The Letter 03 The Velvet Underground – Sunday Morning 04 Tame Impala – Feels Like We Only Go Backwards 05 The Wave Pictures – I Love You Like A Madman 06 The Shins – Turn On Me 07 The Pains Of Being Pure At Heart – A Teenager In Love 08 Sado Maso Guitar Club – Take It As A Matter Of Time 09 She & Him – I Was Made For You 10 Herman Dune – I Wish That I Could See You Soon
TOP 5
FEHLER VON KONZERTPROMOTERN
01 Beim Musikgeschmack von sich auf andere schließen 02 Zu wenig Wechselgeld für Abendkassa haben 03 Rider der Band auf Punkt und Beistrich erfüllen 04 Die Popularität von Indie-Bands überschätzen 05 Puffer von unerwarteten Kosten in Kalku vergessen
auch nicht schlecht: Heartbeat auf FM4 hören, Tanzen bei Sound Of Soul Events, DJs die 100 % mit Vinyl auflegen.
Tim Burtons neuer Animationsfilm »Frankenweenie« ist bereits im Kino angelaufen. Darin variiert Burton einen seiner ältesten Kurzfilme um einen Jungen, der dank Wissenschaft seinen Hund zurück ins Reich der Lebenden holt. Wir verlosen 5 riesige Pakete bestehend aus T-Shirt, Hut, Sticker, Uhr, Notizblock und Stift. Zur Draufgabe gibt’s einmal ein signiertes Poster als Spezialpreis.
»Schlawiner« Staffel 1 Paul Harathers überaus witzige Serie startete im Jänner auf ORF in die zweite Staffel, während die erste nun auf DVD erhältlich ist. Ein großes Ensemble aus lebensnahen Charakteren spielt sich pointiert durch angenehm kurz gehaltene und kurzweilige Szenen. So manche Sager haben da durchaus das Potenzial zum Klassiker. Wir verlosen 3 DVD-Boxen.
»Black’s Game« Dieser von Winding Refn produzierte Film mischt Gangsterfilm-, Thriller- und ActionElemente zu einem durchaus packenden Drama: Der junge Isländer Stebbi lässt sich auf eine Karriere im Drogenmilieu ein und sinkt in einer Spirale von Genuss und Gewalt immer tiefer. Nicht zuletzt der perfekte Cast heben den Film weit über jeden Durchschnitt. Wir verlosen 3 DVDs.
»Triest« Nun gibt es das Erfolgsstück von Manuel Rubey und Thomas Stipsits auch auf DVD. »Triest« wandelt sich darin von einer Pointenschleuder zu einer ernste Themen behandelnden Reflexion. Wir verlosen 3 Exemplare.
»Skyfall« Das aktuellste Bond-Abenteuer mit Daniel Craig hat beinahe alle mit seiner feinen Action und klaren Erzählweise begeistert. Und mit Javier Bardem als Silva gibt es dann auch wieder einen richtig feinen Bösewicht. Bereits am 1. März erscheint die Blu-Ray zum Film und wir verlosen 3 Exemplare.
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Kolumne: Zahlen, bitte! von Thomas Edlinger
1.200.000 Tonnen Honig werden weltweit pro Jahr produziert. Alles Diebstahl, sagen radikale Tierschützer. Brauchen wir das Wahlrecht für Bienen?
D
as Domizil der dem österreichischen Verhaltensforscher nachempfundenen Romanfigur Ludwig Kaltenberg in Dresden ist ein Habitat für viele Arten. Die Dohlen leben im Dachgeschoß, das Untergeschoß gehört den Fischen, die Enten sitzen am Teppich und ein Freigeist namens Kakadu ist Pendler zwischen den Welten. Für Menschen sind keine freien Stühle reserviert. Wenn Exemplare des Homo Sapiens ins Haus kommen, zeigen sie sich in Marcel Beyers Roman »Kaltenberg« schnell mal belustigt über den weltberühmten Biologen. Sie müssen sich schon ziemlich zusammenreißen, damit ihnen eine ernsthafte Frage auskommt: »Warum machen Sie das?« »Ich studiere«, antwortet der spinnerte Herr Professor. »Was ist an den Tieren so interessant?« Kunstpause. »An diesen Tieren? Welche Tiere? Ich studiere euch.« Ähnliches würde vielleicht auch der Dokumentarfilmer Nicolas Philibert über seine Doku »Nénette« sagen, die ein Orang-Utan-Weibchen im Zoo in ihrem Alltag – und gerade aufgrund der Abwesenheit einer interpretativen Anleitung umso insistierender fragt: Was sehen wir, wenn wir Tiere betrachten? Was sehen die Tiere in uns? Die ehemaligen Labor-Affen, die im bei der Berlinale 2013 laufenden Film »Unter Menschen« gezeigt werden, würden wohl sagen: nichts Gutes. Denn sie waren gewiss voller Hass auf die Menschen, die sie nur als Wärter kannten. Die 40 schon als Babys verschleppten und nach Österreich verschickten Schimpansen sind durch medizinische Experimente mit HIV- und Hepatitisviren verseucht und lebten jahrelang in Isolationshaft. 2012 sehen die traumatisierten Tiere nach einem behutsamen Resozialisierungsprogramm erstmals wieder freien Himmel. Die Freiheit ist allerdings relativ und der Himmel nur ein Fragment über einem Gefängnishof, bewehrt durch vier Meter hohe, unter Starkstrom gesetzte Mauern.
Antispeziesmus Die sich rasant entwickelnden Animal Studies stellen die Frage nach Freiheit und Autonomie der Tiere in den Mittelpunkt
ihrer politischen Hoffnungen. Sie treffen damit offenbar einen Nerv, den etwa die Documenta 13-Leiterin Carolyn ChristovBakargiev in ihrer vorschnell als typischer Kunstsprech-Gagaismus weggelächelten Forderung nach einem »Wahlrecht für Erdbeeren« ebenfalls angezapft hat. Dahinter steckt nämlich eine um sich greifende tiefe Verunsicherung über das Verhältnis von Mensch und Tier. Je mehr wir über Tiere wissen, desto weniger sind wir uns sicher, was eigentlich unseren Sonderstatus als diejenige Spezies, die sich die anderen ungefragt und ungestraft untertan machen kann, legitimiert. Wir teilen mit Tieren die Welt, wir beuten sie aus und schlachten sie als Nutztiere, verhätscheln sie als Haustiere, bekämpfen sie als Schädlinge, bestaunen sie als unsere mehr oder weniger engen Verwandten im Zoo. Tiere, das weiß jeder Hundebesitzer, können denken, sie haben Gefühle, sie benötigen Rechte und sie sind keine Sachen wie vor Gericht. Der »akademische Arm der Tierschützer« (Heiko Werning) kämpft für deren Aufwertung im Namen des Antispeziesmus. Der Antispeziesmus ist eine Ausweitung der Anti-Diskriminierungsmaßnahmen wie dem Antirassismus oder dem Antisexismus auf nicht-menschliche Lebensformen. Die Forderung nach dem Wahlrecht für Erdbeeren klingt, wenn Tiere per Dolmetscher eine parlamentarische Stimme erhalten sollen, wie es etwa Bruno Latour vorschlägt, also gar nicht mehr so absurd. Denn Tiere sind unsere Compagnion Species, wie es die feministische CyborgVordenkerin Donna Haraway formuliert. Wer etwa im komplexen Verhältnis HundMensch wen domestiziert, sei gar nicht so klar. Will das pawlowsche Frauchen und Herrl am Ende nur das, was der sich blöd stellende ehemalige Wolf immer schon wollte: Futtergeben auf Blickkommando statt jagen bis zum Abwinken? Die Konsequenz dieser Aufweichung der (biologisch ohnehin nicht zu argumentierenden) Hierarchien der Arten ist die Verabschiedung der Legitimität des Menschen, den Tieren seine Herrschaft aufzu-
zwingen. Der Mensch ist das Tier, das es geschafft hat, sein Tier-Sein zu zügeln, sagt Jonathan Safran Foer. Der Schriftsteller hatte mit seinem Buch »Tiere essen« die Debatte um Fleischkonsum und die industrielle Ausbeutung der Tiere neu entfacht. Wir Menschen haben im Unterschied zu den Tieren die Wahl, sekundieren die radikalen Tierschützer. Ginge es nach deren Willen, dürften Tiere nicht nur nicht gegessen, sondern auch nicht in Zoos oder als Haustiere gehalten, geschweige denn in Hühnerfarmen oder in Ställen gehalten werden (Freiheitsberaubung). Jede Form von Ausbeutung (Reiten, Melken, Eiersammeln), jeder Diebstahl (Honig) sollte verboten werden, und auch die Haltung von Wildtieren sei problematisch, weil diese ein Widerspruch in sich sei. Eigenartig an der Anwaltschaft für die geknechteten und ihrer Natur entfremdeten Tiere ist aber, dass sich die vertretene Gruppe im Unterschied zu von Rassismus und Sexismus Betroffenen nicht zu Wort melden kann. Ihre Stimme ist die von Menschen, die menschliche Anliegen als tierische ausgeben. Die Fürsprecher einer transhumanen Moral projizieren Errungenschaften der Aufklärung und der Political Correctness auf unsere Companion Species. Ist für ein Tier die Freiheit wirklich in jedem Fall das größte Gut – oder führen Tiere, die nicht dem Stress der Dauerjagd und der Dauerverfolgung durch andere Jäger ausgesetzt sind, vielleicht ein komfortableres Leben? Will ein Garfield lieber fernsehen oder autonom Mäuse jagen? Und welches Menschentier kann und darf das beurteilen – außer Garfield selbst? Die Qual der Zahl – 9 wie »Revolution Nr. 9« oder 99 wie in »99 Luftballons«? Schreibt uns eure Vorschläge, um welche Zahl zwischen 0 und unendlich es nächstes Mal gehen soll. zahlenbitte@thegap.at
Thomas Edlinger Journalist und Kurator
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Blake, Klaxons, The Naked And
sohn — Band und Buzz erfinden
synth-ich-
maschine
ur selten ist einem vorab klar, noch vor dem ersten Konzert, dass da etwas Großes kommt. Soap & Skin zum Beispiel, Left Boy oder Gustav. Man raunt es sich zu, und spätestens, wenn man zum vierten Mal innerhalb von wenigen Tagen darauf angesprochen wird, glaubt man nicht mehr an einen Zufall. Bei Sohn hat es eigentlich sehr wenig gebraucht, um dahin zu kommen – zwei fantastische Singles, einige wenige Bilder – aber sehr viel mehr, was bis dahin vermieden werden musste. Sohn wollte von Anfang an die Kontrolle behalten und will das weiter, bis zu jenem Punkt, an dem das nicht mehr wichtig ist.
Ahnungen, Rätsel Also baute man Sohn von Grund neu auf, aus körnigen, farbarmen Bildern, leeren Orten und sehr viel Stille. In Sohns Songs ist vieles eben nicht da, abwesend, Sohn »nichtet«. Das ist Kunst, nur andeuten, aussparen, nicht alles sagen und das dazwischen meinen. Wie auf einem Bild von de Chirico 01, in einem Film von Tarkowski 02, in Skulpturen von Oteiza 03 bleiben Teile rätselhaft und lösen sich nicht auf. In den flirrenden Pausen zwischen den stotterndziselierten Klicker-Klack-Bzk-Rhythmen verselbständigen sich die Zeichen und hallen nach – ein Eindruck, der sich durch die mühlenartig verschleiften Loops noch verstärkt. Vielleicht war es Sohn deshalb anfangs so wichtig, nicht zu sagen, wer da singt, wie alt diese Person ist, welche Hautfarbe sie hat – na gut, weiß, so viel war sicher – oder ob die Eltern nun Diplomaten oder Sozialarbeiter sind. Sohn und sein Manager Hamish Harris mussten immer wieder hart sein und nein sagen, wenn es darum ging, mit wem sie wann und wie reden. Infos wurden absichtlich verknappt, Interviews zurückgehalten. Als FM4 ihn spielen wollte, bat er darum, es nicht
zu tun. Sohns Gesicht sah man auf Fotos nur schemenhaft oder im Profil. Beim ersten Sohn-Konzert aller Zeiten sollte niemand ahnen, was da auf einen zukam. Dass dabei ausgerechnet die europäische Booking-Elite zuhörte, beim Eurosonic Festival im niederländischen Groningen, wird nicht geschadet haben – ablesbar dann kommenden Sommer an den Line-ups der großen Festivals.
Er weiSS das Sohn weiß, worauf er sich konzentriert, in was er wieviel Zeit stecken kann, und dass so eine Chance nicht oft kommt. Sohn bereitet sich entsprechend minutiös darauf vor. Man kann sich tausend Wege vorstellen, daran zu scheitern, nasse Füße bekommen, Gerätschaften vergessen, sich noch nicht – und wahrscheinlich nie – bereit für so eine große Bühne fühlen, sich verspäten oder den richtigen Zeitpunkt für arge Rockstardrogen kommen fühlen. Die menschliche Psyche ist ein wunderliches Ding und erlaubt sich manchmal Streiche. Sohn kennt diese Momente bereits. Deshalb hat er acht Wochen lang für den Auftritt geprobt, hat sich auf die Gefahr eingelassen, zu scheitern. Wer würde sich bitte überhaupt so viel Zeit nehmen oder wäre nicht froh über ein paar Gigs, geschmeichelt, dass man sein kleines Strohfeuer gezündet hat und mit einem anderen Menschen nach Hause fahren kann. Das ist schön, aber auch ein bisschen verschenkt, und ja, Sohn weiß das. Wir wollen es richtig machen, sagt er. Ganz beiläufig erwähnt er beim Interview in der Wiener Bluebox den Freund eines Cousins, mit dem er am Telefon hing, der zufällig der Manager von Jamie Woon ist. Immer wieder legt er solche Fährten oder deutet im Gespräch an, wie verrückt der Wirbel um Sohn ist. Nun, auch wenn Musik-Erhitzer nicht unbedingt für jeden zum erweiterten Kaffeekränzchen gehören, kann man doch behaupten,
Text stefan niederwieser interview stefan niederwieser, jonas vogt Bild Andreas Waldschütz
Es könnte morgen vorbei sein, sagt Sohn im Interview. Alle Vorzeichen deuten auf das Gegenteil. In Wien und London wurde der Sound von Sohn erfunden.
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Die Gesprächsaufzeichnung beginnt abrupt am Ende einer Frage. Vorher ging es eben noch um ironische Aneignungen fremder Stile.
dass fast jeder ein paar lose Bekannte hat – und in Berlin ganz besonders –, die immer gerade kurz vor dem nächsten Wahnsinnsprojekt stehen. Nein, man muss solche Gelegenheiten nützen können. Das ist dann Glück: im richtigen Moment vorbereitet sein. Es kann natürlich sein, dass die Drinks mit Aluna George 04 nur eine Anekdote bleiben oder auch die Remixe für Laura Mvula 05 und Lana Del Rey 06, aber sie erweitern den Horizont. Am Ende muss die Musik Antworten darauf geben. Denn gutes Marketing kann gequirlte Scheiße nicht in Gold verwandeln – nun, eigentlich ja leider schon, aber nicht im avancierten Pop. Es hilft nur dabei, dass Leute genauer hinhören. Und das sollten sie. Sohn setzt nicht nur überwältigende Pausen, er zerstückelt und entfremdet seine Stimme, zieht Milchglas zwischen sich und seine Person ein. Nebenbei schummelt er ein Stück 90er zurück ins Ohr. Die DNA seiner Synths kennt man von billigen deutschen Trancekrachern. Und wo konnte man Looping und Variation und Wiederholung in letzter Zeit sonst so kalt und klar hören? Interessant ist dabei auch, wie schnell sich für dieselbe Musik die Bezugspunkte ändern. Vor zwei Jahren wäre Sohn noch als Post-Dubstep durch die Blogs getrieben worden, auf Augenhöhe mit James Blake, mehr Club, mehr Klangkirche, vielleicht mit einem zarten Hauch Hauntologic Pop. Heute rückt man die behutsam zerstückelten Stimmen lieber in die Nähe von R’n’B. Mit beiden hat Sohn genug zu tun, um 2013 als neues Ding durchzugehen, aber auch so wenig, dass es kein Problem wäre, wenn eines davon plötzlich vor lauter gleichförmiger Langeweile implodierte. Auch wenn Sohn erst vor vier Jahren von London nach Wien gezogen ist, wird er noch länger von hier aus mit seinen sieben Mitmusikern auf Tour gehen. Sohn lebt von dieser Spannung, heimatlos, vielleicht sogar ortlos zu sein. Seine gerade mal fünf Tracks spielen schon ziemlich hervorragend auf den Leitern zerbrochener Seelen.
(Cut) … Hipster R’n’B. sohn: Es ist verrückt. In England gibt es gerade eine Generation, die New Jack Swing 07 hört. Und furchtbare Musik wie Boys II Men. Es war doch immer so, Leute machen altes Zeug nach, viele wirklich scheiße, manche sehr cool. Ja, plötzlich klingt das, wo man sich drei Jahre davor noch dachte: »Kann man nicht machen«, wieder gut. So wie Saxofone und Samples von Leuten, die »Yo« sagen (lacht). Es ist lustig, sich Blogs anzusehen, die mir empfohlen wurden, plötzlich entdecke ich, was da draußen vorgeht und denke mir: Die meinen das nicht ironisch oder, die lieben das einfach? Hattest du Phasen, in denen du seltsame Stile für dich umarmt hast? Ich gehe gerade dahin zurück, zu Sounds, die ich früher nie benutzt hätte. Keine Saxofone allerdings, die mache ich beim dritten Orchesteralbum, wenn ich will, dass mich Leute ernst nehmen. (Gelächter) Viele der Synths, die ich verwende, wären aber vor fünf Jahren schrecklich gewesen, weil sie nach den Presets deutscher Dancemusik aus den 90ern klingen. Aber wenn man weiß, wie man Synths wirklich verwendet, kann man ihre Sounds von Grund weg neu designen. Meine kommen großteils von diesem Access Virus Synth. Der ist billig, 300 Euro auf Ebay. Die Leute von Rudimental meinten letztens: »Oh wirklich, du verwendest den? Wir haben selbst gerade einen gekauft.« Du besorgst dir also Trance-Synths auf Vorrat? Und alte DowntempoSampler? (lacht) Nicht wirklich. Ich verwende hauptsächlich drei Geräte. Hardware Synths, Keyboards und analoge Drum Machines, das ist es. Live kann man tolle Dinge mit dieser Drum Machine machen, aus dem Bauch heraus plötzlich Sachen verändern. Wenn ich im Studio vom Beat ausgehe, spiele ich mich ungefähr eine halbe Stunde damit, nehme auf, was der Song brauchen könnte und schneide dann zusammen. Das Zeug ist aber nicht nach Klick gespielt. Ich arbeite gerade ziemlich wild, nach Instinkt, was sehr schnell geht, das ist der Vorteil. Und ich bin faul und schnell zufrieden, wenn ein Take großteils passt. Equalizer, Filter und Kompressoren kommen auch von Geräten? Ja, großteils. Für zwei meiner Tracks hatte ich nicht einmal separate Spuren, sondern nur ein Stereofile. Das war’s. Den Teil sollte ich aber verbessern, damit ein guter Tontechniker etwas damit anfangen kann. Stereo? Reicht doch. (Gelächter) Gibt es das Album schon? Nein, noch nicht einmal geplant. Dort wo wir jetzt sind, sind wir eher zufällig gelandet, haben vor allem reagiert. »Oscillate« war fertig und wurde von ein paar wichtigen Blogs aufgegriffen, also habe ich »Warnings« zwei Wochen später gebracht, danach wurde es ein bisschen verrückt. Das war vor einem halben Jahr. Jetzt hab ich ungefähr sieben Tracks, Remixe kommen. Und ich arbeite schnell, wenn es darauf ankommt. Die Anfrage zum Lana Del Rey-Remix kam um vier Uhr nachmittags rein und sie brauchten es am nächsten Tag. Ich war danach natürlich tot, aber sie haben ihn genommen. Ich dachte nur, echt jetzt? Es war kein wirklich großer Release, aber Blogs und die Leu-
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01 Südeuropäischer Maler (1888–1978), Erfinder der metaphysischen Malerei und Vorläufer des Surrealismus. 02 Sowjetischer Regisseur (1932–1986) und filmischer Denker, der mit Filmen wie »Andrej Rubljow«, »Solaris« oder »Stalker« zu den Virtuosen des internationalen Autorenkinos zählt. 03 Baskischer Bildhauer (1908–2003) und Pionier der abstrakten Kunst in Spanien. 04 #2 BBC Sound Of 2013 05 #4 BBC Sound Of 2013 06 #3 meistverkaufte Alben 2012 im UK 07 Musikstil Ende der 80er, bei dem R’n’B mit den Rhythmen von HipHop gekreuzt wurde. Janet Jackson, En Vogue, Guy oder R. Kelly gehörten zu den erfolgreichsten. 08 Der Remix von »Ride« ist in Lana Del Reys Soundcloud zu hören und spielt dort auf Augenhöhe mit und übertrifft an Likes etablierte Bastler wie Lindstrom, MJ Cole, Classixxx, James Lavelle und Photek. 09 Wichtigste Musikmesse der USA mit mehr als 90 Bühnen und über 10.000 Köpfen aus der Musikindustrie. 10 Europas größtes Showcase-Festival für Manager, Booker und Promoter, bei dem viele der Sommerfestivalacts spielen und fixiert werden. Ein Sprungbrett nach Europa. 11 Die Windish Agency ist eine der größten Booking-Agenturen im Independent-Bereich mit Bands wie M83, Beirut, Caribou, Little Dragon, Alt-J, The Knife, Icona Pop, James Blake, Klaxons, The Naked And Famous, cirka 200 weiteren und eben auch – bereits vor dem Eurosonic – Sohn.
te haben neues Material bekommen, etwas zum Reden 08. Gerade gibt es noch keinen Druck, ich muss aber einiges vorbereiten, mit dem sie arbeiten können, weil ich im März beim SXSW in Texas 09 sein werde. Sind die USA denn schon wichtig? Ja, auf Soundcloud kommen 60 Prozent von da, auf Facebook ähnlich. Wir spielen nach dem Festival noch eine Show in New York und müssen alles machen, alles versuchen, es am Laufen zu halten und haben auch Angebote von Labels. Oha, Namen? Universal US? Ja, sowas. Wir haben noch bessere. (Pause) Hör auf so zu schauen. (lachen) XL Recordings, 4AD. Ja … auch gute Labels. Aber es schüchtert schon ein. Wir wollen es richtig machen. Ihr braucht also Tracks, Bilder, Videos? Ja, ich muss jetzt echt aufnehmen, sonst bin ich am Arsch. Bald wird ein Remix für Lauren Mvula – die auf dieser BBC-Liste war – verwendet. Das Live-Setup steht schon, weil wir uns acht Wochen auf das Konzert beim Eurosonic 10 vorbereitet haben. Es war verrückt, wir haben vor Aluna George, Leslie Clio und Rudimental auf einer der größten Bühnen gespielt. Vor der Show meinte die Frau von der Venue, ich sollte nicht zu viel erwarten, weil ich als erster dran war … aber es war komplett voll. Leute mussten draußen warten. Ich wollte mir zwar selbst einiges anschauen, hatte aber Meetings mit Bookern. Es war cool, ein bisschen mit Tom Windish 11 rumzuhängen, der sich die ganze Show angesehen hat. Denkst du daran, nach London zu ziehen? Nein. Ich glaube, es macht einen wirklich wichtigen Teil meiner Musik aus, dass es diese Trennung gibt, hier die Musik, dort das andere. Warum bist du überhaupt nach Wien gekommen? Es war nett. Ich habe Leute aus Bands getroffen, die wirklich cool waren und es gemocht, dass man wirklich innerhalb der Stadt leben konnte. Jeder sagt das normalerweise über Berlin. Ja, aber Berlin ist nicht wirklich mein Ding. Ich bevorzuge Wien. Wien gilt aber auch nicht unbedingt als so ultralebendig. Das ist wahr, aber ich kann immer für ein paar Wochen nach London. Ich mag die Anonymität hier, obwohl man jeden kennt. Ist das Teil deiner Musik? Dass man an einem Ort ist, von wo man nicht kommt, ist definitiv ein Teil. Die Landschaft ist auch sehr wichtig. Dein Thema ist oft Isolation. Total. Friedlich alleine sein, das ist dabei wichtig. Es hat auch mit dem Sound zu tun, es gibt so viel Raum für Vocals, die Musik – die für sich alleine auch diese Stimmung hat – verschwindet dann fast. Das Video zu »The Wheel« lässt mit seinen menschenleeren Landschaften ebenfalls sehr viel Raum. Noisy wollte das Video machen. Wir haben nur wenige Dinge vorgegeben, beschrieben, worum es in dem Song geht. Berge sind wichtig. Das Mechanische haben sie dazu gebracht, ich hätte nie daran gedacht, aber es ist cool so. Ich habe gelernt, locker zu lassen. Berge, das war eigentlich auch ein Zufall, als ich mit Christian Pritschl – der übrigens
großartige Fotos macht – durch seine Bilder geblättert habe. Das ist es, dachte ich. Es fühlte sich richtig an, und wir ließen es zu, dass sich diese Linie weiter durchzieht. Die Bilder von Sohn sind generell sehr körnig, haben kaum Farbe und sahen bisher zwar nach Instagram aus, aber ohne die beschissenen Teile. Ja, weil es echte Bilder sind. Isolation, danach suche ich und eine gewisse Weichheit. Wenn auf dem Bild fünf Häuser wären, würde es nicht passen, es geht nicht um Gemeinschaft. Magst du Bob Ross? (lacht) Meine Mutter hat Bob Ross-Zeug gemalt, ungefähr 35 Leinwände. Es wird bald Leute geben, die New Jack Swing hören und wie Bob Ross malen. (lachen) Hörst du R’n’B? Ich hab da Phasen und war nicht so beeindruckt von vielem, über das letztes Jahr so geschwärmt wurde. Vielleicht, weil ich gerade nicht so wütend bin. Weeknd ist schon ok, aber ein bisschen zu sehr diese Saxofon-Ecke. Das ganze Frank Ocean-Album wird oft unter dem Überthema Isolation betrachtet. Ja, ich mag sein Zeug, hab aber nur zwei Tracks gehört. Aber um ehrlich zu sein, muss ich mir viel mehr Musik anhören, weil ich wohl bald Mixtapes und DJ-Sets vorbereiten muss. Mein Manager ist wirklich tief in dieser Londoner Szene drin, ohne ihn hätte ich nie so früh von Aluna George gehört. Eigentlich gibt es da viele Ähnlichkeiten zu Sohn, sie sind nur mehr Pop. Ja, sie sind gut. Sie sind zweite im BBC Sound Of 2013 geworden, was ungefähr sechs Monate automatisches Airplay bedeutet, vermute ich. Heute ist das anders als noch vor fünf Jahren. Man muss heute laufend aktiv sein. So wie wir an das Projekt rangehen, heißt das nicht mehr: ein Album, zwei Jahre später das nächste. Versteh mich nicht falsch, aber ich könnte morgen verschwunden sein. Zwei schlechte Releases und du bist weg. Es ist so einfach. An diesem frühen Punkt müssen wir sehr vorsichtig sein. Das ist, was ich vom Eurosonic mitgenommen habe. Bringt ihr live eure Lichtshow mit? Spezielle Birnen? Ja. Wir entwickeln das noch fertig, auch wenn wir viele Festivalshows spielen werden, bei denen es noch hell sein wird. Natürlich werden wir früh dran sein. Unser Sound ist aber überraschend festivaltauglich, eine riesige Wand aus Synths, wie eine Welle, vielleicht wie bei einem Sigur Rós-Konzert. Wir haben das immer wieder in einem Club in Aflenz geprobt, um sicher zu gehen, dass sich das übersetzt. Wir sind dabei wirklich elastisch und flexibel auf der Bühne und brauchen nur ein paar Schlüsselsignale, um den Song zu entwickeln. Wissen Leute in England, was Sohn heißt? Nein, die meisten wissen nicht einmal, wie man es ausspricht. Manchmal buchstabieren sie es sogar, generell aber gibt es drei Arten. Sohn klingt weich, ist aber gleichzeitig sehr stark. Aber sogar auf Deutsch denkt man an nichts Bestimmtes. Ich hab es meinem Manager einen Tag vor der ersten Single vorgeschlagen, der meinte nur: Ich liebe es, was heißt es? 021
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»Die Toten waren enthauptet und zerstückelt.« – Die mörderische Realität von »Breaking Bad« in Ciudad Juárez, Chihuahua, Mexiko. Und wie wir sie anstarren. 022
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golden frame — Teresa Margolles’ »PM 2010«
Mord und Mörderbräute 313 Titelseiten voll mit Gewalt und Macht. In Teresa Margolles’ Arbeit »pm 2010« wird der reale Schrecken kühl arrangiert, die voyeuristischen Blicke der Leser werden auch im gefräßigen Kunstbetrieb weitergeführt, kultiviert und bestens bedient. Die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juárez liegt am Rio Grande, oder was vom »Grande« in dieser Gegend noch übrig ist. Durch den massiv einbetonierten Kanal rieselt das Wasser. Dieser trennt zwei Welten. Über die Route 85 gelangt man vom texanischen El Paso über die Grenzwache in die gefährlichste Stadt der Welt oder zumindest Mexikos – was man so hört. Lage und Umgebung machen Ciudad Juárez zum idealen Umschlagplatz für Drogen- und Waffenhandel. 90 Prozent der Waffentransfers von den USA nach Mexiko passieren diesen Weg. Cirka 2008 begann sich das Kartell von Sinaloa in die lokalen Geschäfte von Juárez einzumischen. Zwischen der Stadt im Norden und dem 1.000 Kilometer süd-östlich gelegenen Sinaloa mit Nähe zum Pazifik liegen viele Marihuana- und Opiumplantagen. Die Schmuggelwege sind unter Kontrolle verschiedener Kartelle. Korruption, Blutbäder, bewaffnete Gangs und Mord sind trotz bewaffneter Soldaten Alltag in der Zwei-Millionen-Stadt.
Die Universität San Diego erhob für 2010 die Zahl von 2.101 ermordeten Menschen in Ciudad Juárez (in Wien waren es 47, in Chicago, mit dreimal mehr Einwohner, 467). Für ihre Coverserie »pm 2010« reproduzierte die mexikanische Künstlerin Teresa Margolles 313 Titelseiten einer Lokalzeitung: »fueron 42 el fin de semana« (Es waren 42 am Wochenende), calcinados! (Die Verkohlten!), teipeado! (Die Eingetapeten! – Slang für Leichen, die in Säcken mit Klebeband eingewickelt wurden). Die Arbeit von Margolles zeigt die Opfer des grausamen Drogenkrieges – und dessen mediales Spiegelbild. Denn, mal ehrlich, wer hier liest diesen Artikel, weil er sich für die Rubrik oder die Positionen von Margolles interessiert? »pm 2010« bedient Instinkte, die der französische Psychoanalytiker Jaques Lacan den männlichen Blick genannt hat. Es tun sich Machtgefälle auf, nackte Haut dient als Blickfang, zerstückelte Leichenteile rufen voyeuristische Reize in uns ab. Aber nicht nur am Boulevard, auch in der Kunst verbreiten sich diese dämonischen Oberflächen, schönste und grässlichste Körper. Sie sind Reflexion, aber reproduzieren eben auch dieselben gaffenden Bilder.
From Dusk till Dawn Die Zeitung wird im Galerieraum zum obskuren, makabren TodesErotik-Tribute. Allerdings wird dieses Obskurum durch die Repetition der Bilder und durch die alltägliche Erscheinungsweise von Montag bis Samstag Mittag als physischer Print normalisiert, serialisiert, neu gerahmt und abgeschwächt. Da es keine Online-Version gibt, auch kein Archiv der Zeitung existiert und alle überschüssigen Auflagen zerstört werden, arbeitet Teresa Margolles hier als Journalistin und Archivarin. Sie vermittelt den Amerikanern und Europäern Realitäten, die an deren Konsum gekoppelt sind – und dieser hört hier im Galerieraum ganz besonders nicht auf. Teresa Margolles »pm 2010«, 2012 ist in der Gruppenausstellung »Liebe ist kälter als das Kapital – Eine Ausstellung über den Wert der Gefühle« im Kunsthaus Bregenz vom 2. Februar 2013 bis 14. April 2013 zu sehen.
Text Denise Helene Sumi Bild Marta Gornicka. Courtesy the artist and Galerie Peter Kilchmann, Zürich
Sex, mord, macht und boulevard
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clubkultur in nö — Feiern in der Provinz
Hart aber herzlich Clubkultur und Niederösterreich. Geht das zusammen? Gibt es das überhaupt? Grundsätzlich ja.
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Natürlich gibt es – ein bisschen Mobilität vorausgesetzt – in Niederösterreich Möglichkeiten zum Fortgehen. Bars mit einem DJ-Pult gibt es viele, und auch Überschneidungen mit dem, was man gemeinhin als Clubkultur bezeichnet, finden sich sogar dort. Und wen es schon mal in den frühen Morgenstunden in eine Großraumdisko à la Millennium oder Fifty verschlagen hat, der wird mit ein wenig Unvoreingenommenheit festgestellt haben, dass dort durchaus Tracks in den Mix geraten, die in Wien in der Grellen Forelle oder im Flex auch nicht ungut auffallen würden. Hauptsache dicke Bassdrum, Hauptsache Wumms. Wenn man aber dort ansetzt, wo es tatsächlich nicht nur darum geht, zu mehrheitsfähigen Beats Alkohol zu verkaufen, wird das Angebot in Niederösterreich schon schwächer. Bevölkerungsdichte, Infrastruktur, lästige Anrainer, Amtsschimmel und Abwanderung des einschlägig interessierten Publikums spielen wie in den meisten ländlicheren Gebieten dieser Welt eine wesentliche Rolle. Und im größten Bundesland Österreichs ist auch die Nähe zu Wien ein Faktor. Sie zieht zusätzlich Potenzial ab und macht es noch ein wenig schwerer, etwas aufzubauen. Im Gespräch mit den ausgewählten Clubbetreibern stellt sich schnell heraus, dass die Erfahrungen oft ähnlich sind. Generalisierbar sind sie nicht. Wer wie Hannes Früh vom Culture X Club in Nitzing bei Tulln versucht, eine alternative Konzert-Location in einem 300-SeelenDorf zu betreiben, wird mit anderen Problemen konfrontiert sein wie die Redbox im etwa 20.000 Einwohner zählenden Mödling, wo Rainer Praschak unprätentiös und zeitgemäß Programm macht. Wer wie Ralf Reiter in Amstetten einen stilvollen Tanzclub nach internationalem Vorbild aufziehen will, wird sich anderen Herausforderungen stellen müssen wie die Crew des Jazzkellers in Krems, die Neues, mitunter Ungewöhnliches in ihr gemütliches Provinzstädtchen bringen will. Als Triebfeder für ihr Tun geben aber alle an, dass man eben Dinge, die man gut findet, dorthin bringen will, wo man selbst herkommt und lebt. Wenn es keine entsprechenden Strukturen gibt, schafft man sie eben und versucht dabei mitzuhelfen, eine Szene zu etablieren, in der man sich auch selbst bewegen will.
Text thomas wieser Bild Sub, Redbox, Jazzkeller, Warehouse
Sub, Wiener Neustadt
Erst vergangenen November eröffnete in Wiener Neustadt das alternative Veranstaltungszentrum Sub. Was Technik und Ausstattung betrifft, braucht die neue Location keinen Vergleich zu scheuen und nach jahrelanger Suche haben die 40 bis 50 lokalen Aktivisten endlich eine fixe Homebase. Es läuft gut. Die Wiener Neustädter kommen. Nischen abseits der tanzbaren Elektronik und des Alternative-Mainstream könne man zwar erst abdecken, wenn man im Zusammenhang mit den getätigten Investitionen aus dem Gröbsten raus sei, meint Obmann Fabian Wenninger, aber man sei auch in dieser Richtung ambitioniert. Er betont, dass noch keine Veranstaltung stattgefunden habe, mit der man sich nicht identifizieren konnte, oder die man nur um des Geldes willen machen musste. Auch die Zusammenarbeit mit Stadt und Nachbarn funktioniere gut.
Culture X-Club, Nitzing bei Tulln
Während die Geschichte des Sub gerade erst vielversprechend beginnt, geht die des seit zwölf Jahren bestehenden Culture X Club in Nitzing bei Tulln gerade zuende. Weniger Gastroeinnahmen und das altersbedingte Wegbrechen der Mitglieder, ohne dass jemand nachkäme, seien dafür verantwortlich. Man habe sich laut Betreiber Hannes Früh immer bemüht, sich vom konventionellen Diskobetrieb oder Kommerz abzugrenzen und sich lange darauf stützen können, dass Interessierte auch von weiter herkamen. Heute würde das nicht mehr so funktionieren. In zwölf Jahren habe er sich speziell über manche Behörden und die AKM ärgern müssen, die es der Jugend- und Subkultur oft nicht leicht machen.
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Yum Yum Club, Amstetten
Ähnlich ging es dem 2004 in Amstetten eröffneten Yum Yum Club. Ralf Reiter, einer der Köpfe des Projekts, kennt als Veranstalter Stadt und Land gleichermaßen. Der ehemalige Geschäftsführer eines der wichtigsten Plattenläden in Wien und Mitbetreiber von Fön Records konnte im Yum Yum einiges auf die Beine stellen. Man brachte Louie Austen, Waldeck, Parov Stelar oder Gustav nach Amstetten. Oft war das nur möglich, weil viele Künstler Freundschaftspreise akzeptierten. Vieles war absehbarerweise trotzdem nicht rentabel, aus Idealismus und dem Kalkül, bekannter zu werden, habe man es trotzdem gemacht. Und obwohl man sich zwischendurch auch in kommerzige Untiefen begab, war der Betrieb auf Dauer nicht aufrechtzuerhalten und ging an die Substanz. Nach sieben Jahren habe man schließlich aufgehört, solange es noch möglich war, mit einem blauen Auge davonzukommen.
Jazzkeller, Krems
Redbox, Mödling
Rainer Praschak, Veranstalter der Goldfisch-Reihe und im Vorstand des Betreibervereins der von der Stadt mitunterhaltenen Redbox, sieht seine Tätigkeit in Mödling als Berufung. Man wolle der lokalen Jugend etwas bieten, dabei mithelfen, dass Gleichgesinnte zusammenkommen und sich Gemeinschaften bilden, zeigen, dass alternative Kultur auch dort einen Platz habe. Bei manchmal gerade mal 40 Zahlenden gingen sich aber zeitweise nicht einmal die Gagen für die eingeladenen Bands aus. Durch Sponsoring und Ausgleichszahlungen der Mödlinger Grünen würde dies aber abgemildert. Das Publikum in Mödling sei natürlich anders als das in Wien, höre vielleicht sogar interessierter zu, weil es eben nicht »jeden Tag etwas gäbe«. Und manchmal müsse man ihm zuliebe aber auch gegen den eigenen Geschmack programmieren.
Redbox, Mödling
Liebevolle Selbstausbeuter
Es gibt natürlich noch einige andere, wie etwa Warehouse + The Garage, das Club 3, Cafe Publik, Frei:raum oder das Musikcafe Egon in St. Pölten, den Jazzkeller Krems oder den Scheibbser Proberaum Beatlab – aber ohne Selbstausbeutung, Förderungen (die manchmal an bestimmte Programmlinien gebunden sind) oder die Querfinanzierung von Interessantem durch »weniger Interessantes« kommt kaum eine niederösterreichische Location über die Runden. Mainstream vs. Underground, das löst sich zwar immer mehr auf und betrifft Stadt und Land gleichermaßen, innovative Nischenkulturen werden aber auch weiterhin nur in den Metropolen dauerhaft überlebensfähig im Sinne einer funktionierenden Szene sein. Wer trotzdem im vermeintlichen Niemandsland etwas etablieren will, das über Feuerwehrheurigen, Zeltfest oder Landdisco hinausgeht, braucht ein dickes Fell und sollte neben ausgeprägten Social Skills und einem kleinen Knacks noch gute Verbindungen zu Politik und Behörden mitbringen. Solche Leute wird es immer geben. Und sei es aus dem unterschwelligen Bedürfnis heraus, lieber ein großer Fisch in einem kleinen Teich zu sein als ein kleiner in einem großen.
Warehouse, St. Pölten
www.sub.at www.redboxmoedling.at www.w-house.at www.facebook.com / jazzkellerkrems www.triebwerk.co.at www.culturex.at www.festspielhaus.at / cafe-publik www.freiraum-stp.com www.myspace.com / yumyumclub Autor Thomas Wieser ist selbst als Rural Clubsterer und DJ im Jazzkeller Krems aktiv und schreibt in The Gap regelmäßig seine Meinung zu aktuellen Alben.
Sub, Wiener Neustadt 025
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sankt pölten — Strukturentwicklung einer Stadt
Zurück in die Zukunft 026
Text Rainer Bracharz Bild stadt st. pölten
Essays über St. Pölten, Teil 1: Immer mehr gutverdienende Mitdreißiger kehren Wien den Rücken und siedeln nach St. Pölten zurück. Ihre Ansprüche, aber auch ihre Kaufkraft verändern das Stadtbild. Rückkehrer Rainer Bracharz beschreibt die Stadt vor und nach seiner Auszeit. Als Jugendlicher in St. Pölten war es Anfang der 90er selbstverständlich, in Autokolonnen in die Bundeshauptstadt zu fahren und das Nachtleben zu genießen. Hatte man die Schule dann einmal hinter sich gebracht, stand so bald wie möglich der Umzug nach Wien an. Entweder als Student mit Studentenwohnung oder gleich als Job mit passender Wohnung in Arbeitsstättennähe. Die Heimkehr nach St. Pölten kam in keiner Zukunftsplanung vor. Wozu auch? Zukunftsperspektiven waren hier nicht zu erkennen und der Abschied fiel alles andere als schwer. Heute sieht die Sache anders aus. Vor zwei Jahren habe ich meinen Lebensmittelpunkt von Wien Neubau nach Niederösterreich, konkret Wilhelmsburg mit Panoramablick in die Voralpen, verlegt. Kein Einzelfall. Zahlreiche Heimkehrer meiner Altersklasse trifft man in neuen, angesagten Lokalitäten in St. Pölten. Man kennt sich von früher, tauscht Lebensgeschichten und neue Adressen aus. Fühlt sich positiv bestätigt. Die Motivation ist oft Familiengründung und der Wunsch nach Haus mit Garten. Manche glauben aber auch einfach an eine dynamische Entwicklung der Stadt St. Pölten.
Was ist passiert? St. Pölten ist näher an Wien gerückt. Die Innenstadt liegt mittlerweile nur noch eine gefühlte U-Bahnfahrt entfernt. 25 Minuten Fahrdauer zwischen St. Pölten und Wien Westbahnhof auf der neuen Westbahnstrecke. Diese lang ersehnte infrastrukturelle Erweiterung gepaart mit der damit aufgebauten Erwartungshaltung sind meiner Meinung nach als Hauptgrund für die Beschleunigung einer urbanen Stadtentwicklung zu sehen. Verringerung der gefühlten geografischen Distanz bewirkt auch eine mentale Annäherung an das urbane Leben. Es gibt auffällige Parallelen zwischen Wiener Neustadt und St. Pölten.
Wiener Neustadt begann bereits Anfang der 90er Jahre, stärker als der restliche Wiener Speckgürtel zu wachsen. Die infrastrukturelle Nähe zu Wien kombiniert mit günstigeren Lebenshaltungskosten und Firmenansiedlungen begünstigte diese Dynamik. Ganz ähnlich wie St. Pölten heute. St. Pölten ist immer noch nicht Wien, und wird es auch nie werden. Alte Muster bleiben. Vereinfacht ausgedrückt: Man zieht immer noch weg. Man kommt aber mit 30 Jahren immer öfter zurück. St. Pölten ist nicht mehr nur Speckgürtel-, sondern auch Rückkehrer-Stadt.
Angebot und Nachfrage Diese 30- bis 35-jährigen Rückkehrer sind verwöhnt. Von gutem Essen, pulsierendem Nachtleben, einem breiten Kulturangebot. Die Nachfrage danach wächst spürbar und will befriedigt werden. In St. Pölten sind es besonders die jungen Unternehmerinnen, die das erkennen und für entsprechende Angebote sorgen. Die kulinarische Wüste wird an vielen Fronten begrünt. Von Cup Cakes zu modernen Cafés, von Bio-Läden zu Feinkost-Geschäften und Concept Stores wie »Is the new« von Kerstin Selberherr. Manch alteingesessener St. Pöltner Gastronom wie Herbert Weidinger hat mit hochwertigen Lokalen (Café Schubert und Emmi) bereits vorgezeigt, wie gut qualitativ hochwertige, urbane Konzepte angenommen werden. Auch weil St. Pölten mittlerweile mehr Bonzen- als Arbeiterstadt ist. Die Kaufkraft ist auf dem Niveau von Baden und weit vor Wiener Neustadt und Krems. Das Geld ist da. Die neuen Angebote folgen.
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sankt pölten — Strukturentwicklung einer Stadt
Paradox im Schanigarten 027 Essays über St. Pölten, Teil 2: St. Pölten verdankt seinen Aufstieg klugen lokalen und glücklichen überregionalen Entscheidungen. Johannes Reichl, Chefredakteur des MFG-Magazin, über ein neues Lebensgefühl in der Landeshauptstadt, das wohl bleiben wird.
Die neue, allmählich um sich greifende Urbanität lässt sich an verschiedenen Indikatoren ablesen. Etwa daran, dass aktuell eine Reihe von innovativen, originell-mutigen Geschäftsprojekten umgesetzt werden. Die Statistik gibt diesem (auch durch ein konzertierteres City-Stadtmarketing und eine einmütigere Innenstadtkaufmannschaft begünstigt), fruchtbaren Weg recht.
Das Glück des Tüchtigen Mit Bürgermeister Matthias Stadler ist ein moderner Pragmatiker ans Steuer gekommen, der als Sozialdemokrat einen äußerst wirtschaftsfreundlichen Kurs fährt, ohne deshalb die Stammklientel vor den Kopf zu stoßen. Seine erste Amtshandlung war eine neue Schani gartenverordnung, durch die heute eine nie geahnte Lebendigkeit in der City herrscht. Auch unter seinem Vorgänger bereits angebahnte urbane Entwicklungen hat Stadler offensiv aufgegriffen und weiterentwickelt, etwa die Viehofner Seen samt »Seedose« als neu erschlos-
senes Freizeitareal oder den weiteren Ausbau der Fachhochschule. An anderer Stelle profitierte St. Pölten von überregionalen Entscheidungen, wie der überfälligen Renovierung des Bahnhofes, der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke oder auch dem neuen (nicht unumstrittenen) Fußballstadion – von den Landeskultureinrichtungen wie Landesmuseum, Bühne im Hof oder Festspielhaus ganz zu schweigen. Selbst auf die Verwaltungsebene trifft dies zu, freilich weniger aus dem Betrieb der Landesregierung selbst heraus, als vielmehr aus dem Faktum, dass im Sog der Institutionen neue Bürger hinzugezogen sind, die sozusagen neues Blut in die St. Pöltner Venen pumpen.
Musik? In St. Pölten? Wer hätte vor wenigen Jahren gedacht, dass in St. Pölten eines Tages mit dem Frequency Festival und dem Beatpatrol Festival gleich zwei der größten österreichischen Festivals vonstatten gehen werden? Das Beatpatrol, als St. Pöltner Eigenmarke lanciert, verweist auf eine starke elektronische Community, die etwa im Warehouse Entfaltungsmöglichkeiten findet. Andere Genres wiederum finden sich im Frei.raum oder im Cinema Paradiso, das sich längst vom reinen Programmkino hin zum Veranstaltungshotspot entwickelt hat. Selbst den Hauch einer – wenn in Wahrheit gar nicht der Fall, weil offiziell geduldet – kreativen Besetzerszene gibt es in St. Pölten mit LAMES, einem Künstlerkollektiv, das auf einem Areal im Süden der Stadt Schnittpunkt für einen bunten Haufen kreativer Köpfe aus Nah und Fern ist. Es gäbe noch viel zu erwähnen, was sich da in den letzten Jahren entwickelt hat, bis hin zum MFG-Magazin, das in gewisser Weise ein Spiegel dieser neuen Urbanität ist. Einer Urbanität, die ein zartes aber zähes Pflänzchen zu sein scheint, nach dem Motto: »Ich bin gekommen, um zu bleiben, geh nicht mehr weg!« Das lässt mich optimistisch in die Zukunft blicken.
Text johannes reichl Bild stadt st. pölten
St. Pöltens Urbanität wurde in den letzten Jahren sichtbar, ist aber eigentlich die Folge eines lange andauernden Prozesses, der mit der Hauptstadtwerdung Mitte der 80er eine Initialzündung erfuhr. Auch wenn diese paradoxerweise zunächst das Provinzielle verstärkte, so dürfte allmählich die Wende geschafft sein. Am stärksten zeigt sich dies daran, dass der St. Pöltner – viele Jahrzehnte in diversen Kabaretts als Provinzler par excellence persifliert – mit einer gesunden Portion Lokalpatriotismus bei gleichzeitiger Selbstironie durchs Leben marschiert. St. Pölten, diese kleine Stadt, ist ihm nunmehr auch emotional ans Herz gewachsen. Er weiß sie zu schätzen, auch richtig einzuschätzen – weil St. Pölten eben nicht Linz, Graz oder gar Wien ist, sondern eben die kleine, feine 52.000-Einwohner-Stadt.
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Das Avalon gilt als wesentlicher historischer Faktor für das jugendkulturelle Angebot im Waldviertel. Das alte Kino wird zur Zeit revitalisiert und soll unter dem Namen Lichtspiel Allentsteig als Kulturzentrum wiedereröffnet werden.
jugendkultur im waldviertel — Christoph Mayer im Interview
Vom Nachteil als Vorteil 028
Text manuel fronhofer Bild aL!VE – Allentsteiger Lichtspiel Verein
In seiner Masterarbeit hat Christoph Mayer die »Alternative Jugendsubkultur im ländlichen Raum« anhand des Beispiels Waldviertel beleuchtet. Ein Interview über Strukturschwächen, Meilensteine und Strategien der Politik. Palaverama Festival, d’Wintergschicht, Rock den Park – zumindest in Sachen Konzerte scheint das Waldviertel nicht mehr ganz so verschlafen zu sein, wie gerne behauptet wird … christoph mayer: Genau so ist es! Die Jugend hat die Gestaltung der Jugendkulturszene längst selbst in die Hand genommen und schafft sich ihr eigenes Programm. Und das wird auch honoriert, wie die Besucherzahlen zeigen. In dieser Entwicklung hat das Kulturzentrum Avalon in Allentsteig eine wesentliche Rolle gespielt. Du nennst es gar einen »Meilenstein in der jugendkulturellen Geschichte des Waldviertels«. Provokant gesagt: Was für Wien früher die Arena war, war für das Waldviertel wohl das Avalon. Bevor Chris Rabl und Willi Lehner diese Institution aufgebaut hatten, war das Waldviertel in Bezug auf Jugendkultur fast ein weißer Fleck auf der Landkarte. Und plötzlich gab es ein Angebot für Jugendliche – auch was das Mitarbeiten und Mitgestalten anbelangte. Die Wichtigkeit dieses Treffpunkts zeigte sich vor allem nach dem traurigen Aus: Plötzlich stand das Waldviertel wieder am Beginn. Das wollte sich die Jugend aber nicht bieten lassen: Nach und nach entstanden Vereine, die selbst zu Veranstaltern wurden. Von Anfang an hatte das Avalon mit Behördenstress und Anrainerbeschwerden zu kämpfen. Gleichzeitig gab es von Teilen der Politik vorsichtige Unterstützung und Würdigung – etwa in Form des Landeskulturpreises. Fehlt den Entscheidungsträgern der Mut, solche Projekte deutlicher zu befürworten? Ich möchte mich dabei nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ich denke Ja. Viel zu oft hört man von Entscheidungsträgern, wie wichtig gewisse Institutionen für die Region sind, wenn es dann aber um die Finanzierung geht, bleiben die Aussagen häufig Lippenbekenntnisse. Es benötigt aber ein klares Bekenntnis pro Jugendkultur. Man darf nicht vergessen, dass es auch das jugendkulturelle Angebot ist, das
die Jugend im Waldviertel hält bzw., wenn sie hier keine Arbeit findet, zumindest am Wochenende zurückkommen lässt. Im Vergleich zur positiven Entwicklung im Konzertbereich ist von einer florierenden Kreativszene bislang weniger zu sehen. Warum? Die Kreativszene steckt im Jugendkulturbereich noch etwas in den Kinderschuhen. Das mag auch daran liegen, dass Vorbilder fehlen, an denen sich Nachwuchskünstler orientieren könnten. Aber auch hier kommt langsam Bewegung in die Szene. Stichwort: Grenzlage. Welche Rolle spielen länderübergreifende Kulturprojekte, für die es ja auch gut dotierte EU-Förderungen gibt? Die in den Medien oft als Nachteil dargestellte geografische Lage entwickelt sich immer mehr zum Vorteil. Vor allem größere Kulturinstitutionen stehen in ständigem Austausch mit den Nachbarn und lukrieren dabei natürlich auch Fördergelder, um gemeinsame Projekte umzusetzen. Bei der Jugendkultur gibt es hier Aufholbedarf, wobei auch neue Formen geschaffen werden müssten – eine Zusammenarbeit bei einer einzelnen Veranstaltung wirkt natürlich nur aufgesetzt. Welche Strategien gibt es seitens der Politik, um die strukturellen Nachteile der Region auszugleichen? Die Politik versucht – und das ist der richtige Weg –, das Bild des verträumten Waldviertels etwas zurückzudrängen. Auch mit der Forderung nach einem hochrangigen Straßenausbau ins Waldviertel ist ein erster Schritt getan. Die Politik setzt letztendlich natürlich viel Hoffnung in den Tourismus, aber auch in die Kultur. Es soll gezeigt werden, dass es möglich ist, hier zu arbeiten, zu leben – und das mit einem sehr hohen Standard. Christoph Mayer (27) lebt und arbeitet im Waldviertel und ist, wie er sagt, »mit dem Avalon aufgewachsen«. Er ist Geschäftsführer der Kultur- und Bildungsinstitution Waldviertel Akademie sowie ehrenamtlich in zwei Jugendkulturvereinen tätig.
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Lower Austrian Film Commission — Schnittstelle im Aufbau
Die Vermittler 029 Im Vorjahr wurde in Niederösterreich unter Erwin Pröll mit dem Aufbau der Lower Austrian Film Commission begonnen. Hermann Dikowitsch, Leiter der Abteilung Kunst und Kultur, beantwortete uns dazu ein paar Fragen per Mail. Welche Ziele und Aufgaben wird die Lower Austrian Film Commission verfolgen? Im Wesentlichen zwei. Erstens soll Niederösterreich als Filmland noch bekannter werden. Das größte Bundesland Österreichs bietet eine einzigartige Vielfalt als Filmkulisse. Es deckt nahezu alle Lebensbereiche mit Motivangeboten ab. Zweitens ist die Lower Austrian Film Commission eine Service- und Beratungsstelle für alle Filmschaffenden in Niederösterreich. Die Website www.lafc.at wird im Frühjahr fertiggestellt und soll laufend erweitert werden. Hier finden Interessierte eine Motivdatenbank, ein Film-Branchenverzeichnis, eine Kontakt-Liste mit den zuständigen Behörden, Länderinformationen, Ansprechpartnern für Filmfinanzierung sowie News zu aktuellen Dreharbeiten und Events. Es gibt auch die Möglichkeit für alle Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher, sich als Motiveigner (Haus, Wohnung, Garten etc.) oder Filmdienstleister registrieren zu lassen. Wer hat diese Aufgaben bisher übernommen? Werden bestehende Strukturen in die Lower Austrian Film Commission überführt? Anfragen zu Motiven oder Behördenkontakten wurden bisher laufend an die Experten für Filmförderung herangetragen. Auch die Tourismusverantwortlichen, also Niederösterreich Werbung und die Tourismusdestinationen, haben schon bisher aktiv bei der Suche geeigneter Motive mitgewirkt. Welche Strukturen sind geplant? Wo ist die Lower Austrian Film Commission angesiedelt? Das Team besteht aus einem Film Commissioner, einer Service Producerin und einer Team-Assistenz. Die Lower Austrian Film Commis-
sion hat ihren Sitz zusammen mit dem Sachbereich Filmförderung in der Abteilung Kunst und Kultur. Damit können mit hoher Effizienz viele Synergien genutzt und ein permanenter Austausch gewährleistet werden. Selbstverständlich fungiert die Lower Austrian Film Commission innerhalb der Landesverwaltung auch als Schnittstelle zu weiteren Bereichen, wie beispielsweise zu den Tourismusinstitutionen, den für Genehmigungen zuständigen Behörden, etc. Wann wird das Projekt anlaufen? Die Lower Austrian Film Commission wurde bereits eingerichtet und befindet sich derzeit in der Aufbauphase. Im Laufe des Jahres 2013 sollen die Motivdatenbank, das Film-Branchenverzeichnis, News zu Filmprojekten, Events und Veranstaltungen vollständig online sein. Zielen die Maßnahmen auf internationale Drehprojekte ab? Ja. Der internationale Locations-Markt ist aber heiß umkämpft. Niederösterreich steht hier in direkter Konkurrenz mit den osteuropäischen Nachbarn, wo kostengünstiger produziert werden kann. Deshalb ist es besonders wichtig, bessere Serviceleistungen anzubieten. Aus Effizienz- und Kostengründen wurde gemeinsam mit den anderen österreichischen Film Commissions die Plattform AFC&F AUSTRIAN Film Commissions & Funds gegründet. Seit Kurzem ist die Lower Austrian Film Commission auch Mitglied bei EUFCN, dem Netzwerk der europäischen Film Commissions. Wird die Lower Austrian Film Commission – über das Administrielle hinaus – über ein Budget verfügen? Die Serviceleistungen der Lower Austrian Film Commission werden im Kulturbudget neben der Ausschüttung von Fördergeldern gesondert ausgewiesen. Die Website www.lafc.at wird laufend erweitert. Die Lower Austrian Film Commission ist unter noe-film@noel.gv.at und unter der Nummer +43 (0)2742/9005-13110 zu erreichen.
Text jonas vogt Bild penny lane film
Erfolgreiche Filmkommissionen sind im Filmgeschäft quasi die Kontakter im Hintergrund. Sie bringen Menschen zusammen. Und wenn sie ihre Arbeit gut machen, haben alle etwas davon.
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Kulturpolitik in Kärnten — Brauchtumspflege, Kleinkunst und Amtsmissbrauchsverdacht
Schimmel am Fundament 030
Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit geht Kärntens Kulturszene am Stock. Förderungen wandern sukzessive weg von Kleinkunst und Hochkultur hin zu Brauchtumspflege. Auch bei der Besetzung von wichtigen Posten soll es nicht mit rechten Dingen zugehen. Die Bilanz der letzten Jahre schaut traurig aus. Es gibt aber Hoffnung.
Ende November letzten Jahres schlug ein Gutachten Alarm: Das Depot des Kärntner Landesmuseums sei völlig verschimmelt. Rund 3.000 Objekte, vom Biedermeier-Möbelstück bis zum Buch aus dem 17. Jahrhundert, seien akut gefährdet oder bereits zerstört. Das Klagenfurter Rudolfinum als von außen wunderschöner Neorenaissance-Bau, in dessen Keller über Jahre unbemerkt wertvolle Stücke verrotten – eine bösere Metapher für die Kulturpolitik des Landes hätte man wohl nicht einmal erfinden können. Auch abseits dieses medienträchtigen Falls ist die Bilanz nach 14 Jahren blau-oranger Kulturpolitik unterm Strich sehr dürftig. Das zeigen die offiziellen Zahlen, aber auch die Menschen, mit denen man über das Thema spricht. Ein Vorwurf, der immer wieder im Raum steht: Unter den Freiheitlichen würden Förderungen aus den Bereichen der Kleinkunst und Hochkultur in Richtung Brauchtumspflege und Hei030
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matkult wandern. »Es gibt Millionen für die Volkskultur, für avantgardistische Projekte ist aber überhaupt kein Geld da. Gerade einmal die Arrivierten bekommen ein bisschen was«, urteilt Isabella Straub, in Klagenfurt lebende Journalistin und Autorin. Für die Machthaber sei das praktisch. »Volkskultur ist eine rein bestätigende Angelegenheit, die die bestehenden Verhältnisse einzementiert.« Die Frage sei: »Wie wird mit Kritik umgegangen?«
Ein Blick in die jährlich veröffentlichten Kulturberichte zeigt: In Kärnten nicht gut, sofern man dieser These folgen mag. Im Jahr 2011 belief sich Kärntens Kulturbudget auf 27 Millionen Euro. 1,6 Millionen, also beinahe sechs Prozent davon, flossen allein in den Bereich Brauchtums- und Heimatpflege. Förderungen für Volksmusik, sprich Trachtenkapellen, Chöre und Ähnliches sind in dieser Summe noch gar nicht enthalten. Die Förderungen für Kulturinitiativen machen sich im Vergleich dazu mickrig aus: Gerade einmal 140.000 Euro standen der jungen Kulturszene Kärntens 2011 zur Verfügung. Dementsprechend hart fallen auch einige Urteile aus. »Kulturschaffen in Kärnten ist furchtbar«, sagt Martin Dueller. Der Chefdramaturg der Neuen Bühne Villach baute in den vergangenen Jahren mit Gleichgesinnten den Clingkeller in der Villacher Innenstadt zum Kulturhofkeller, einem Zentrum für Gegenwartskultur, um und kam dabei zwangsläufig in Berührung mit dem Landeskulturreferat und dessen Leiter, dem freiheitlichen Landesrat Harald Dobernig. Positives hat er darüber nicht zu berichten. »Versprechen wurden nie schriftlich gegeben und auch nie eingehalten. Dobernig ist abseits der Volkskultur einfach total inkompetent«, so Dueller. 4.500 Euro gab es im Jahr 2012 vom Land, bei einem Gesamtbudget von knapp 30.000 Euro. Damit konnte das Team 150 Veranstaltungen auf die Beine stellen. Dieses Programm war aber nur möglich, »weil wir über ein gutes Netzwerk verfügen und die Künstler gerne zu uns kommen«. Sprich: zu deutlich niedrigeren Gagen. So leiden in der Folge nicht nur die Veranstalter, sondern auch die Künstler unter der verfehlten Kulturpolitik des Landes. Während das gesamte deutschsprachige Feuilleton gespannt auf den Bachmann-Preis blickt, verliert die Kärntner Kulturszene langsam ihr Fundament. Über solche Probleme können volkskulturelle Großveranstaltungen wie die Brauchtumsmesse oder der Kärntner Heimatherbst nur milde lächeln. Erstere durfte sich 2011 über eine Viertelmillion an öffentlichen Geldern, zweiterer gar über mehr als eine halbe Million freuen. Aber nicht nur Großprojekte dieser Art profitieren von der Dobernig’schen Liebe zur Volkskultur. So spendierte das Kulturreferat diversen Vereinen und Musikgruppen Trachten im Wert von 88.000 Euro. Und auch die Kärntner Traditionsverbände, vom Abwehrkämpferbund bis hin zur Ulrichsberg-Gemeinschaft, erhielten insgesamt 125.000 Euro an Steuergeldern. 20.000 davon gingen alleine an den Verband der Volksdeutschen Landsmannschaften Österreich. Demgegenüber erhielten die verschiedenen slowenischen Kulturvereine gerade einmal 13.500 Euro. Deutlich weniger als die 18.000 Euro, die das Land der Kleinen Zeitung als Zuschuss für ein Konzert von Genesis überwies. Das könnte glatt als Fun Fact durchgehen. Wenn es denn lustig wäre.
Parteinähe kann hilfreich sein Doch nicht nur bei den unabhängigen Kulturschaffenden steht Dobernig nicht gerade hoch im Kurs, auch innerhalb des Kulturreferats regt sich Unmut. Stein des Anstoßes ist unter anderem ein Verrechnungsposten »Organisationsaufwand«, der im Landeskulturbericht unter dem Unterpunkt »Diverse Zahlungen« versteckt ist. Die bemerkens-
werte Summe: 536.352,26 Euro. Darunter sollen sich unter anderem Gelder verbergen, die unter der euphemistischen Bezeichnung »Repräsentationskapital der Regierungsmitglieder« subsummiert werden, vom Bierfass fürs Zeltfest bis hin zu Gratiskarten für Schlagerkonzerte. Viel schwerer wiegt jedoch der Vorwurf der Freunderlwirschaft, der immer wieder erhoben wird, sobald man verspricht, nicht namentlich zu zitieren. Von Landesbeamten sind abenteuerliche Geschichten zu hören: Dobernig habe im vergangenen Herbst seinen Parteifreund Karl Altmann auf einen künstlich geschaffenen hohen Landesposten gehievt. Ohne Ausschreibung, ohne Objektivierung, ohne Befristung. »Wer in diesen Unzeiten der Partei beitritt, der muss honoriert werden«, habe der Landesrat die umstrittene Bestellung kommentiert. Dem Vernehmen nach waren es daneben vor allem die – vorsichtig ausgedrückt – wenig kritischen Berichte des früheren ORF KärntenRedakteurs, die ihm Dobernigs Gunst sicherten. Altmann sei zuvor bereits einmal bei einer Bewerbung für einen Posten im Brauchtumsreferat durchgefallen – wegen mangelnder fachlicher Kompetenz. An anderen Stellen im Referat wird spekuliert, dass Altmanns Posten nur deshalb geschaffen worden sei, um ihn nach der Pensionierung des aktuellen Leiters des Brauchtumsreferats als dessen Nachfolger zu installieren. Ein Plan, der für gehörigen Unmut sorgt und auch rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Eine eventuelle Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs unterliegt einer juristischen Überprüfung, wie zu hören ist. Auch bei der Personalvertretung des Landes kennt man die Angelegenheit. »Die Anstellung des Herrn Altmann ist zumindest sehr fragwürdig. Das war eine Umgehung des Objektivierungsgesetzes in krassester Form«, kommentiert der Obmann der Zentralpersonalvertretung des Landes, Gernot Nischelwitzer. Im Büro von Landesrat Dobernig weist man alle Vorwürfe als politisch motiviert zurück. Altmann sei eine Bereicherung für die Abteilung, und von einer übermäßigen Förderung der Volkskultur könne keine Rede sein. Seltsame Förderungsverteilung, Konzentration auf das Bestehende und Besetzung nach Parteibuch – also alles verloren im Kulturland Kärnten? Nicht ganz. Zumindest dem Landesmuseum Rudolfinum wurden nach langer Diskussion knapp eine halbe Million Euro Soforthilfe zugesagt. Und auch Martin Dueller sieht einen Hoffnungsschimmer. Seit der ehemalige Staatssekretär im Außenamt und frühere Leiter des Museumsquartiers, Wolfgang Waldner, im September 2012 den Bereich der Hochkultur von Dobernig übernommen hat, wehe ein deutlich frischerer Wind. Allerdings weiß niemand, wer nach der anstehenden Landtagswahl noch auf welchem Posten sitzt. Kärntens Kulturszene schaut gespannt auf den 3. März.
Text Andreas Puschautz Illustration Hannah Schmidt
Brauchtum statt Kleinbühne
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»Seit ich Vitamin D nehme, geht es mir besser.« Es gibt Umstände, die sich nicht unbedingt optimal auf ein Interview auswirken. Zum Beispiel, wenn man nicht ausgeschlafen ist. Und noch dazu schlecht vorbereitet. Vor allem, wenn die Gesprächspartner Naked Lunch heißen. Die Kärntner Band Naked Lunch, die gerade ihr neues Studioalbum »All Is Fever« veröffentlicht hat, sah über die Unzulänglichkeiten hinweg. »Du scheinst mir nicht gerade motiviert zu sein«, stellte Herwig Zamernik kurz vor Interviewbeginn fest. Ich bin sicher, er würde jetzt lieber woanders sein und nicht hier auf einer Kaffeehauseckbank liegen: Bandscheibenvorfall. Oliver Welter und Stefan Deisenberger schauen indessen fünf Minuten lang meinem Kampf mit dem Aufnahmegerät zu. »Das piepst ja, wie wenn man etwas beim Hometrainer einstellt«, kommentiert Deisenberger trocken. Und als das Gerät dann endlich aufnimmt und die erste Frage gestellt ist, fällt es auch schon wieder aus … the gap: Also, wo brennt’s? welter: Nachdem ich mir Dinge ziemlich gut merke, kann ich sagen, dass das nicht die Frage ist, die du vorhin gestellt hast. Stimmt: Euer neues Album heißt »All Is Fever«. Fieber deutet meist auf Entzündungen hin, aber ist auch wichtig für den Heilungsprozess. Wo brennt’s überall? welter: Geht ja wohl! zamernik: (zu Welter) Jetzt sag’ schon, wo’s brennt! welter: Nun, der Titel unseres Albums ist sehr bewusst gewählt und stand schon sehr früh fest. Und ja, der Begriff des Fiebers schlägt um sich. Ich merke das bei mir persönlich, bei meinem näheren Umfeld und natürlich auch im großen, globalen Prozess, dass es Zeit für Veränderungen ist. Wir liegen alle irgendwie krank darnieder und wir werden hoffentlich genesen rausgehen. Es herrscht zurzeit
eine Haltlosigkeit. Ganz wenige wissen, wohin sie sich bewegen sollen, wie es weiter geht, und was es für Möglichkeiten gibt. Hat sich mein Lebensmodell als richtig herausgestellt, oder ist es ein Scheißdreck? Und wenn es scheiße ist, was wäre die Alternative dazu? Das sind die Fragen, die den Alltag beherrschen. Klingt ein wenig nach Midlife-Crisis? zamernik: Ja genau, haha. welter: Gut möglich, kann durchaus sein. Dann benenne es so. Da habe ich kein Problem damit. Das ist nämlich überhaupt nicht so, aber wenn das deine Interpretation ist, ist es schon in Ordnung, es ist mir einerlei. Ich wollte ein wenig provozieren. welter: Du hast den Fehde-Handschuh geschmissen, ich nehme ihn gerne auf. Brennt’s auch innerhalb der Band noch? welter: Wir haben als Band ganz viele Prozesse durchlebt. Ich finde, dass man das Feuer, das man über die Jahre selbst entfacht hat, auch schüren muss. Ihr habt zuletzt zum Film »Universalove« und der Theaterfassung von Franz Kafkas »Amerika« zwei Soundtracks gemacht. Beeinflussten diese Konzeptarbeiten die Herangehensweise ans neue Album? welter: Es ist wohl eine unbewusste Form der Beeinflussung. Bei den Soundtracks ist man Teil einer Idee, eines großen Gedankens, den man nicht selber ausformulieren muss. Das hat etwas sehr Schönes. Die Arbeit an einem eigenen Album, die nicht einer Idee von außen geschuldet ist, ist was anderes. Man geht weiter an seine Grenzen. Man lotet einfach mehr aus. Ist man befreiter bei der Arbeit? welter: Natürlich ist man befreiter. Wenn man Kafka vertont, ist Kafka das Korrektiv. An dem kommt man nicht vorbei. Bei »All Is Fever« sind wir das einzige Korrektiv und das macht die Sache nicht unbedingt einfacher. zamernik: Es macht es sogar schwieriger, weil wir ein hartes Korrektiv sind. Und man dann mitunter aneinander kracht. Schlagt ihr euch gegenseitig noch die Köpfe ein? welter: Im übertragenen Sinne schon. Es ist eine Form des Arbeitsprozesses. Köpfe einschlagen im besten, aber auch im schlimmsten Sinne, machen wir bis zum Exzess. zamernik: Aber Köpfe einschlagen sagen wir nicht mehr dazu. Wir sind ja, wie du festgestellt hast, in der Midlife Crisis. Wir nennen das jetzt Diskurs. Ihr lebt und arbeitet ja in Kärnten. Habt ihr eine Art Hassliebe zu diesem ... ja was ist Kärnten eigentlich? welter: Man sieht, in der Benennung tut man sich schon schwer. Du kannst ruhig »dieser schreckliche Flecken Erde« dazu sagen. Und ja, ich kann »Hassliebe« unterschreiben. Ich spüre Verbundenheit und – auch wenn ich früher nie gedacht hätte, jemals so zu reden – es ist auch Heimat. Und der Begriff »Heimat« steht uns genauso zu wie dem rechten Gesocks. Den will ich denen nicht einfach so überlassen. zamernik: Unsere Herkunft ist zumindest jedem Journalisten eine Frage wert. Bei einer Band aus dem Burgenland oder der Steiermark ist das nicht so. deisenberger: Ich bin fein raus, ich komme aus Oberösterreich.
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Im Pressetext zu eurem Album steht: »Kein Aber, kein smartes Relativieren, keine erbärmliche Ironie.« Was ist an Ironie so erbärmlich? (Hier streikt das Aufnahmegerät wieder. Bis der Fehler behoben ist, vergehen sechs Minuten. Antworten gibt es trotzdem.) Stefan Deisenberger erklärt, dass Naked Lunch in Songs immer wieder versucht haben, ironisch zu sein – es hat aber nie funktioniert. Darum lässt man es bleiben. Oliver Welter, wirft mit »Ironie ist die Waffe der Schwachen« ein Zitat von George Bernhard Shaw ein. Herwig Zamernik teilt diese Meinung nicht und verweist auf die aufklärende Wirkung gut gemachter Satire. Einig ist man sich, dass man sich den großen Gefühlen nur ohne Spott nähern kann. Das wird mit zunehmender Erfahrung einfacher, weil einem nichts mehr peinlich ist. Welter erzählt, als er einmal zu einem Konzert nach London geflogen ist und die Gitarre vergessen hat. Ansonsten: Es rächt sich, wenn man zu wenig Fragen ausgearbeitet hat. Welter widmet sich daher zunehmend der Lektüre einer Zeitschrift. Deisenberger schaut ihm dabei zu. Zamernik schmerzt sichtlich der Rücken. Einmal liegt er auf der Eckbank, dann sitzt er wieder. Die Interview-Situation kippt. welter: Ein bisschen zerrissen kommt mir das ganze Interview vor. zamernik: Erinnert mich ein wenig an den Helge Schneider-Sketch, in dem er einen Mikrofonausfall simuliert. deisenberger: Warst du eigentlich weg gestern? Nein, ich hab mir euer Album bis drei Uhr in der Früh angehört? zamernik: Wegen uns warst du so lange auf!? Frag endlich was! Eure Singleauskoppelung »The Sun« erinnert mich die ganze Zeit an etwas, ich weiß aber nicht was? deisenberger: Manche sagen, es klingt nach »The Winner Takes it All« von Abba. Unlängst hab ich wo gelesen: »Die Beatles wollten deine Hand halten, die Stones aber deine Stadt anzünden.« Wollt ihr noch etwas anzünden – jetzt im Herbst eures Lebens? welter: So eine Frage traust du dich sicher nur uns stellen. deisenberger: Ich muss sagen, ich habe neuerdings immer mehr Angst vorm Tod. Was macht man dagegen? deisenberger: Mir geht es besser, seit ich Vitamin D nehme! zamernik: Wahnsinn. Das muss eigentlich der Titel dieses Interviews werden. »Mir geht es besser, seit ich Vitamin D nehme!« deisenberger: 80 Prozent der Nordeuropäer haben Vitamin-D-Mangel, hab ich unlängst gelesen. Man fühlt sich wirklich besser, wenn man es nimmt. Kapseln oder die Oleovit-Tropfen? zamernik: Oleovit? Das kriegen ja nur die Babys. Nicht nur. Bei Schuppenflechte kriegen es auch Erwachsene. welter: Unterhaltet euch ruhig weiter über Vitamin D. Ich geh jetzt. (Steht auf, geht.) zamernik: (zu Welter) Du nimmst das natürlich nicht. Du willst ja, dass es dir schlecht geht. »All Is Fever« von Naked Lunch ist via Tapete Records erschienen.
INTERVIEW manfred gram Bild ingo pertramer
Wie oft wird die Frage gestellt? welter: Von 50 Interviews 47 Mal. Und es ist mühsam, weil man immer wieder erneut um Worte ringt, da es einfach keine Erklärung dafür gibt, was da vor sich geht. Am Montag ist es schön, am Dienstag aber schon wieder unerträglich. Was hält euch dort? welter: Es gibt aber auch eine konzentrierte Form der anderen Kräfte dort. Und die sind sehr nahbar. Es ist alles sehr klein, überschaubar und das hat durchaus seine Qualitäten. Wenn man will, kann man einen Kapazunder wie Josef Winkler täglich vor Ort treffen und mit ihm Kaffee trinken. zamernik: Josef Winkler muss übrigens auch in jedem Medium über Kärnten referieren. Worüber referiert ihr mit Josef Winkler beim Kaffee? welter: Wir sind gut befreundet mit ihm. Also über alles. Er setzt dann aber meistens zu seinen Tiraden an, und wir hören zu. Und ihr schwingt keine Tiraden? welter: Doch, aber er will sie nicht hören. zamernik: Weil er findet, dass seine Tiraden besser sind. Sprecht ihr auch über die Möglichkeit, von dort wegzugehen? welter: Uns hat es ja bereits in die Welt gezogen und wir sind zurückgekehrt (kurze Pause). Josef Winkler sagt zum Beispiel oft: Warum soll ich nach Berlin Mitte ziehen? Oder auf den Prenzlauer Berg? Da habe ich ja nur Jasager um mich herum. Aber die Trafikantin hier, bei der ich jeden Tag meine Zeitung kaufe, die findet mich voll scheiße. Aber ich mag das und brauch das. Wie reagiert ihr, wenn euch jemand scheiße findet? welter: Damit muss man leben. Es geht einem aber immer mehr am Arsch vorbei. Und grundsätzlich gilt: Jede Form der Rezeption ist gut. Und wenn eure Trafikantin das neue Album scheiße findet? welter: Da würde ich mich sehr darüber freuen, dass sie das überhaupt zur Notiz genommen hat. Ich würde sagen: Super, Sie wissen ja, was ich mache. Jeden Tag komme ich hier herein und ich dachte immer, Sie meinen ich bin der Hausmeister von nebenan - der bin ich aber gar nicht, haha. zamernik: (richtet sich auf). Ahh. Mir ist heiß. Ich glaub ich hab Fieber. welter: Wenn Menschen unseren Alters Fieber haben, dann ist das die Midlife Crisis. zamernik: Endlich wieder sitzen. (Studiert die Packungsbeilage eines Medikaments). Hier steht, dass man vom Gähnen Krämpfe kriegen kann, wusstest du das? Nein. (Pause. Blättern in den Notizen.) zamernik: So, jetzt weißt du nicht mehr weiter, stimmt’s? Doch. Ich bin mir nur nicht sicher, ob die Frage, die ich hier aufgeschrieben habe, gut ist. Liebe, Freundschaft, Trennung, Tod. Die großen Themen nehmt ihr auch auf »All Is Fever« wieder auf. welter: Das hast du richtig verstanden. Und damit finden wir uns schon im traditionellen Kreis der Popkultur wieder. Es sind ein paar Stücke drauf, die sich explizit mit der Liebe beschäftigen. Ein paar mit Verlust. Ein paar mit Trennung und natürlich auch welche mit Auflösung. Das sind eben die archaischen Themen seit Anbeginn der Popmusik.
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Sex Jams — Über das neue Album »Trouble, Honey«
Die Gang ohne Leader Text Nicole Schöndorfer Bild Johannes Staudenbauer
Am 1. März veröffentlichen Sex Jams ihr zweites Album. Dass sie damit ihr Dasein als eine der interessantesten Bands im österreichischen Off-Indie-Zirkus noch untermauern werden, ist offensichtlich. Wir sind mit 3/5 der Noise-Pop-Formation bei ein paar Gläschen versumpft. Als sich Sex Jams 2008 aus diversen Vorgängern fusionierten, wagten sie behutsame, erste Schritte auf dem gefährlich dünnen Eis abseits der Wiener Indiepop-Szene. Ach, Blödsinn. Sie spuckten in die Hände, nahmen Anlauf und trampelten schallend lachend und mit ausgestrecktem Mittelfinger an der Skinny-Jeans und Jutebeutel tragenden Hipster-Meute vorbei und ließen ihre Gitarren das Eis erst einmal gehörig wegfetzen. Die Shows und 7-Inches waren die Hormonschleudern der Sex Jams. 2010 kam der erste Longplayer mit dem unmissverständlichen Titel »Post Teenage Shine« und alle sprachen von 90s-Revival und Sonic Youth. Man könnte schlechtere Komplimente bekommen, allein daran aufgehängt zu werden, kann nerven, hat aber keine Selbstzweifel aufkommen lassen. Es war wohl eher eine belebende Provokation, dass eine Band aus 034
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dem gegen krachende Gitarrenmusik beinah resistent gewordenen Österreich wie aus dem Nichts dreckigen Punk, rotzige Attitüde und lustvolles Gekreisch weg vom finsteren Underground zurück auf die Pop-Agenda schmierte. Dann Sonic Youth zu schreien war wohl der easy way to go. Seither sind die Sex Jams zum Quintett gewachsen (Katie Trenk, Lukas Bauer sowie die Mile Me Deaf-Kollegen Flo Seyser, Rudi Braitenthaller und Wolfgang Möstl). Doc Martens, schlecht blondierte Haare, Beanies und Kunstpelzmäntel sind auch wieder cool. Dabei klingt der Sound auf »Trouble, Honey« vielfältiger, größer. Warum? Weil sie gelernt haben, locker zu lassen und sich selbst nicht mehr ganz so ernst zu nehmen. Die Rebellen haben sie ein Stück weit hinter sich gelassen, und dass alles nicht immer alles ganz ernst und mit bitterböser PunkManier ablaufen muss, haben sie sich auch irgendwann zugestanden. Der Gesang sitzt angenehm schief, die Songs sind aus der Zeit gepurzelt, mit geilem Leise-Laut-Leise-Laut-Laut. Wenn der lustlose Krach bei den britischen Yuck noch zu perfekt klang, stimmen bei den Sex Jams nun die Melodien, der Charme, die Lautstärke, die Drolligkeit. Es ist ganz einfach wieder vertraute, großartige Rockmusik. Auf dem Weg dorthin haben der Band imaginäre Besucher im Aufnahmestudio, hippie-eske Band-Statuten und ein paar drollige Spitznamen geholfen. Aber keine Panik, der Raum riecht trotzdem noch nach Sex. the gap: Das neue Album klingt positiver und verschmitzter, während »Post Teenage Shine« noch mehr Grunge und Riot war. katie: Da hatten wir diesen jugendlichen Zorn. Wir haben bewusst entschieden, das etwas aufzufächern. flo: Genau. Von daher ist das Album relativ Pop-orientiert, auch wenn der Sound selbst nicht reiner Pop ist, aber alleine bei Struktur und Aufbau war es uns ein Anliegen, straighte Songs zu schreiben, ohne in eine zu progressive Richtung zu gehen. Das hätten wir natürlich auch gekonnt, aber die Reduktion war eben eine relativ bewusste Entscheidung. lukas: Ich finde, es hat sich eher ergeben, weil wir besser und facettenreicher geworden sind. Die Stimme von Katie hat bei den Songs selbst viel mehr Raum verlangt. Dann musste man nicht mehr alles mit Gitarren zumeißeln. flo: Es gab insofern schon ein Konzept, weil wir beschlossen haben, eine bestimmte Bandbreite an Songs abzudecken. Wir wollten einen Akustik-Song (»Just Kids«), eine knackige Punk-Nummer (»I Call Myself A Rocket«) usw. auf dem Album haben. Ist manches immer wieder vollkommen umgewälzt worden? katie: Stimmtechnisch ja. Ich bin immer urnervös hinter dem Studiomikrofon. Bei Konzerten nicht, weil das so ein Moment-Ding ist. flo: Wir dann: »Katie, relax.« Wir wollten das Album einmal »Relaxed« nennen. Aber das war dann sogar uns zu blöd. Ihr seid in beinah jedem Review mit Sonic Youth in Verbindung gebracht worden. Wird sich das ändern? flo: Hoffentlich. Es war eh okay, weil Sonic Youth eine großartige Band sind, aber es hat mich auch genervt. Bevor die Leute den Sound beschreiben und das, was die Band so macht, schreiben sie halt von irgendeiner neuen Band, die klingt wie Sonic Youth. lukas: Es ist so, wie wenn man von jeder neuen Metal-Band behauptet, dass sie wie Slayer klingt. Als ihr angefangen habt, gab es zwar hunderte Indie-Bands, die wirkten aber wie Buchmacher. Wie war das? lukas: Das war uns eigentlich wurscht. flo: Wir haben eine 7-Inch herausgebracht, die innerhalb von zwei Wochen ausverkauft war. Plötzlich ist Bernhard Kern von Siluh dagestanden, dann kam Andi Dvorák von Fettkakao, dann schrieb der Kurier über uns. Da wehrt man sich auch nicht. lukas: Aber wir fühlen uns nach wie vor nicht als Teil irgendeiner Indie-Szene. Mit einer Band wie The Beth Edges haben wir absolut nichts gemeinsam – ohne Disrespect. Ihr wirkt, als hättet ihr euch wahnsinnig lieb. flo: Es würde aber auch nicht anders funktionieren auf Dauer. Wolfi nimmt bei Sex Jams recht bewusst eine eher passive Rolle ein. Mile
Me Deaf ist gerade sein Haupt-Fokus, während er bei Sex Jams einfach Gitarrist ist. Er ist auch der Ruhepol. Uns gibt es mittlerweile seit fünf Jahren, wir drei sind eigentlich die Gründungsmitglieder. katie: Die Statuten von Sex Jams haben wir beschlossen! flo: Und sie lauten: »Habt euch alle lieb!« Und doch heißt das Album »Trouble, Honey«? flo: Einerseits hat der Titel mit bandinternen Schwierigkeiten zu tun, andererseits hat er damit zu tun, dass man älter wird, irgendwann ein fertiges Studium haben und sich einen fixen Job suchen sollte, man aber lieber Konzerte spielt. Dieser Zwiespalt beschert einem doch einiges an Trouble. katie: Für mich geht es bei »Trouble, Honey« darum, dass man sich in diesem Prozess, in dem man als Künstler zu dem, was man macht, auch steht, viel mit sich selbst auseinandersetzen muss. flo: Honey impliziert aber auch, dass wir Trouble eh cool finden. Die erste Single »Shark Vs. Apple« ist ein cheeky Liebeslied. Haie? Äpfel? katie: Ich hatte das immer schon im Kopf. Ich mag Haie gerne, Äpfel auch. Stell dir vor, ein Hai sieht einen Apfel – wie geht es dem Hai dabei? Dann wurde es ein Zusammenspiel zwischen Mann und Frau. flo: Eigentlich ist es ja ganz einfach. Die Zeile »When a shark eats an apple« zeigt ja schon, dass das nie passieren wird. Sie lässt ihn schon abblitzen, bevor er sie überhaupt angraben kann. katie: Ich hab durchaus meine ernsten Texte, aber ich muss immer drüber lachen können, sonst ist er noch nicht fertig. Wie war die Show mit Mile Me Deaf in London im Dezember? katie: Das war im Großen und Ganzen okay. Ausbaufähig. flo: Naja, es ist so, dass wir bei der nächsten Tour zwei Shows in London spielen werden. lukas: Ich will das jetzt gar nicht kleiner machen. Wir waren immerhin in London und auch da waren Leute, die uns sehen wollten. Es waren nicht allzu viele Leute da, aber London ist ein anderes Pflaster. flo: Ja, es muss erst ein Boden bereitet werden und du solltest dafür ein gewisses Radio Airplay haben, was mit »Shark Vs. Apple« ganz gut funktioniert hat. Man muss auch sagen, dass Amerika, Holland und England das, was wir machen, besser versteht als Deutschland. Da stößt das eher auf Unverständnis, sie wissen nicht wirklich, was sie damit anfangen sollen. Wir finden das aber super, weil wir England, Benelux und Amerika eh interessanter finden. In Deutschland ist halt das Essen billiger. »Trouble Honey« erscheint am 1. März auf Siluh Records. Die Release-Party presented by The Gap findet am 15.3. im Gartenbaukino statt. 035
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Text Maximilian Zeller Bild sony
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Asap Rocky — Amerikas Next Top Rapper
Pussy, Money, Hustensaft Asap Rocky macht trotz Major-Label-Deal da weiter, wo er aufgehört hat. Harlem trifft Houston, Codein trifft Kokain – das offizielle Debüt-Album »Long Live Asap« untermauert den Hype. Asap Rocky denkt seinen Sound behutsam weiter und schielt mit einem Auge auf die große Pop-Bühne. HipHop hat einen neuen Kronprinzen. »I will fuck you up!« brüllte ein entnervter Asap Rocky dem Publikum beim renommierten SXSW-Festival in Texas Mitte letzten Jahres entgegen. Jemand aus dem Zuschauerraum hatte ihm wiederholt volle Bierbecher entgegengeschleudert. »Turn the lights on, I wanna see that motherfucker!« flankierte einer seiner Crewmitglieder mit Skateboard im Anschlag die Worte des Neo-Stars. Einige beschwichtigende Sätze später kam die nächste Bierfontäne geflogen. Asap Rocky und seine Mitrapper rasteten aus, sprangen von der Bühne und schlugen um sich. Eine Massenschlägerei, hunderte Newsmeldungen und Tweets später, fand sich Asap Rocky im Mittelpunkt der SXSW-Presse wieder. Nicht, dass der junge Musiker diese Publicity nötig gehabt hätte. Sein 2011 erschienenes erstes Mixtape »Live Love Asap« bescherte Rakim Mayers alias Asap Rocky einen kometenhaften Aufstieg, wie er jüngst nur Reimern wie Tyler, The Creator oder Kendrick Lamar zuteil wurde.
Husten, wir haben (k)ein Problem! Noch bevor das erste Asap Rocky-Mixtape erschien, war sein Name bereits mit Hype durchtränkt. Schuld daran war das Video zu seinem Debüt-Track »Purple Swag«. Das Video, eine Ode an den Codein-geschwängerten Hustensaft-Drogen-Drink Syrup, wurde bereits vor dem Mixtape-Release mehrere hunderttausendmal angeklickt. Kein Wunder, denn der Track vermischt den tighten Harlem-Rap von Asap Rocky mit dem schlierigen Chopped & Screwed-Style aus Houston. Mittlerweile zählt der Clip bereits weit über 18 Millionen Aufrufe. Ein stilprägender Track, der nicht nur soundseitig, sondern auch styletechnisch begeisterte und obendrein zeigte, wie zeitgeistig dieser Hustensaftkaiser unterwegs ist. Das Fundament war gelegt – ein von der Musikpresse hochgelobtes Mixtape und ein mehrere Seiten umfassendes Vice Magazine-Foto-Feature später stand auch der aus Können und Hype gebaute Wolkenkratzer. Rakim Mayers streifte im Handumdrehen drei Millionen Dollar Vorschuss von einem Major-Label ein. In Relation zu Gagen anderer HipHop-Big Player ist das obere Liga. Drake, seines Zeichens Chartstürmer 2011, bekam zwei. Die Kopfgeldjäger der Industrie waren sich sicher, dass Asap Rocky Amerikas nächster Rap-Superstar sein wird. Und obwohl »Long Live Asap« vergangenen Dezember ins Netz geleckt ist, ging es auf Nummer Eins.
Live Long And Prosper! Asap Rocky polarisierte zwar bei den SXSW-Besuchern, macht es aber sonst erschreckender Weise fast allen recht. Allerdings, ohne sich dabei groß anzubiedern. Erstaunlich ebenfalls, dass sich viele RapKollegen auf den Mann einigen können. Normalerweise haben Rapper, die in ihren Texten keinen Hehl aus ihren dicken Eiern machen, schnell Beef an der Backe. Bei Eierbär Asap Rocky blieb das, bis auf kleineres Gezanke mit Lil B und Spaceghostpurrp, fast zur Gänze aus. Das bereits ein halbes Jahr verschobene Debüt dürfte an diesem Konsens nicht viel ändern. »Long Live Asap« erfüllt die vom Hype um das Mixtape genährte Erwartungshaltung. Er bewahrt seinen speziellen Style. Kleine schlaue Upgrades inklusive. Auf die Hörgewohnheiten von Format-Radio-Konsumenten wird nur wenig Rücksicht genommen, obwohl Asaps Mixtur wohl ölig genug ist, um das ohne Probleme zu schlucken. Rohe Dirty South-Versatzstücke, oldschoolige Boom Bap-Beats, tighte Harlem-Rhymes, süße MPC-getriggerte Streicher und Piano-Parts und luftig angegeisterte Synth-Loops katapultieren ihn
so weit nach vorne. Erfolg im Vorfeld gibt Musikern Freiheiten – und diese weiß Asap Rocky auf »Long Live Asap« zu nützen.
Scary Monsters And Nice Sprites Dabei erhob die Stil-Polizei sofort den Zeigefinger, als bekannt wurde, dass sich ein Skrillex-Feature auf dem Album findet. Aber »Wild For The Night« besticht durch bleepige Lazer-Sounds, die mit monströsem Reverb über einen zurückgelehnten Reggae-Beat geschlunzt werden. Asap Rockys Rap harmoniert bestens damit. Es ist nur gerecht und verdient, wenn er damit die Tür ins Club-Universum aufstößt und ein neues Publikum erschließt. Im Gegensatz zu Kid Cudi, der es mit David Guetta machte und mit »Memories« einen der plattesten Clubtracks der letzten Jahre produzierte, griff Asap Rocky bei Skrillex nicht ins Klo. Bei der Auswahl seiner Rap-Gäste trifft Rakim Mayers erwartungsgemäß auch ins Schwarze. Mit Kendrick Lamar, Action Bronson, Drake, Schoolboy Q, Joey Badass, Danny Brown, Big Krit, Yelawolf und 2Chainz ist alles dabei, was aktuell Rang und Namen hat und vor allem gut zu Asap Rocky passt. Diese Liga der außergewöhnlichen Rap-Gentlemen steht irgendwie auch exemplarisch für eine neue Generation von Artists, die mit dafür verantwortlich sind, dass HipHop seit einiger Zeit wieder spannend und vor allem über die Szenen hinweg angesagt ist. Dass HipHop als großes Genre der 90er Jahre ein Revival erfahren würde, war absehbar, aber Acts wie Kendrick Lamar, Drake oder eben Asap Rocky sind dafür verantwortlich, dass sich Rap sonisch und ästhetisch weiterentwickelt hat und nicht nur G-Funk und New Jack Swing wiederaufgerollt werden. Gerade HipHop ist ein dankbares Genre, wenn es darum geht, Stile zu kreuzen. Der hatscherte Beat meistens unter 100 bpm, die Breaks und vor allem die Sample-Tradition laden regelrecht dazu ein, genreübergreifend zu arbeiten. Erstaunlich, dass es so lange gedauert hat, bis das wieder aus seinem Ghetto aus Goldketten und Ärschen herauskam. Dabei gab es natürlich immer interessanten, erfolgreichen HipHop (Kanye, Big Boi, Clipse, Lupe Fiasco), aber eine lose Szene, neue Synths und Themen haben nun zur Folge, dass es wohlstandsverwahrlosten Weißbroten wieder leicht fällt, HipHop aufregend zu finden.
»Über Sex kann man nur auf Englisch singen.« Die von der Musikpresse teilweise kritisierte fehlende Tiefe der Lyrics, stört auf »Long Live Asap« keineswegs. Auch wenn ihm der erzählerische Tiefgang eines Kendrick Lamars fehlt, beweist Asap Rocky doch in fast jedem Track, dass er ein verdammt guter Styler ist. Die Themen sind zwar mit Ruhm, Drogen, Mode und Bitches schnell zusammengefasst, aber seine Lines sind punktgenau gesetzt, flowen schön und machen vor allem Laune beim Hören. Sie fügen sich auch in ungewöhnliche Beatstrukturen grandios ein. Die konkreten Texte sind dabei gar nicht so von Bedeutung. Wenn man sich mit dem Umstand abgefunden hat, dass Asap Rocky weniger wortgewaltiger Rapper, sondern eher Regisseur eines eigenen spezifischen Style-Universums ist, machen die Lyrics plötzlich mehr Sinn und bar jeden schlechten Gewissens großen Spaß. Das Album hat textlich sowie musikalisch kaum Längen. Es greift unzählige spannende Ästhetiken der letzten Jahre auf, verschmiert sie mit Asap Rockys Stil und übersetzt das in fesselnden, zeitgenössischen HipHop. Wie heißt es beim Musik-Übermedium Pitchfork so treffend – »Best New Music«. Ja, das kann man definitiv so sagen. »Long Live Asap« von Asap Rocky ist am 15. Jänner via Polo Grounds Music RCA International Sony erschienen. 037
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Auf der richtigen Spur Tablet statt Notenblätter, Navi für Orchestermusiker – die Software PhonicScore bietet beides. Für die Orchesterversion gab es eine departure-Förderung. Was geht da und was geht noch?
tärken, Schwächen, Chancen, Gefahren – auf englisch abgekürzt S.W.O.T. – müssen am Anfang eines großen Projekts nicht immer klar sein, aber es hilft, sie zu kennen. Wenn öffentlich gefördert wird, hilft es nicht nur, dann muss es sein. departure, die Kreativagentur der Stadt Wien, unterstützt das mit dem SWOT-Blog, der laufend beobachten wird, was aus neuen Ideen der Musikkreativen über die Jahre entsteht, was gelingt, was stirbt und daraus erwächst. In der zweiten Folge: PhonicScore. www.departure.at
Das Programm selbst funktioniert. Es erkennt, wo gerade die Musik spielt. Beworben haben es Matthias Uiberacker, Oliver Hörbinger und Florian Kruse allerdings noch nicht. Das soll erst passieren, wenn Ende März die Tablet-Versionen erscheinen. »Dann wird sich zeigen, wie gut sich PhonicScore verkaufen lässt«, erklärt Matthias Uiberacker. »Die Entwicklung haben wir auf Windows-PC-Systemen durchgeführt, weil wir dort die meiste Erfahrung haben. Das ist jedoch nicht die beste Plattform für unsere Applikation. Sie macht nur mit einem Tablet wirklich Sinn. Die Portierung für Android, iPads und Windows 8 ist daher in Arbeit.« Umweg oder sinnvoller Schritt – das wird sich zeigen. Dass das iPad das populärste Tablet ist, ist den Entwicklern klar. Zuerst auf Windows 8 und Android zu setzen, bedeutet sicher ein Risiko, aber auch direkter auf jene zuzugehen, die sich für eines der günstigeren Tablets – und nicht das iPad – entschieden haben.
Feedbackschleife PhonicScore wurde von befreundeten Musikern getestet. Laufende Systemprüfungen sind zudem essenziell. »Die automatisierten Tests nehmen schon viel Arbeit ab, aber am Schluss müssen wir trotzdem noch einmal händisch die Software gut durchtesten«, erzählt Matthias. Funktionen könnten immerhin ausfallen, Bugs werden so im Ansatz vermieden. Von den Testern und Usern bekam man Feedback, das zu geplanten Erweiterungen führte: Tabulaturen und Lyrics, eine LoopFunktion, die Möglichkeit zu editieren sowie aufzunehmen. Ideen gibt es reichlich. Nur Zeit und Geld nicht. Da heißt es auswählen. Eventuell durch weitere Förderungen, idealerweise reichen die Verkäufe. Deswegen gehen jetzt die Tablet-Apps vor. Weitere Funktionen werden in Updates gepackt, andere in preislich gestaffelte Versionen. Die Unterstützung von PDF- und Bilddateien ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur »universellen und intelligenten Musikmappe«, so der selbsterklärte Anspruch.
Mangel und Mitbewerber
Text sandra adler Bild phonicscore
Bisher unterstützte das Programm nur Noten im MusicXML-Format. Das Angebot dafür ist mit ein paar Online-Plattformen und Webstores noch überschaubar. Ein eigener Shop wäre der nächste logische Schritt – ohne lesbare Dateien kein Notenlese-Programm. Dafür muss man sich nun zusätzlich mit Urheberrecht und Verlagswesen beschäftigen. »Bei der Orchesterversion gibt es noch viele Ideen, um die Qualität der Audioerkennung noch weiter zu verbessern, damit sie später perfekt funktioniert. Bei vielen Instrumenten ist die Audioanalyse schon etwas komplexer.« Der Vorteil: mehrere vernetzte Geräte sammeln auch mehr nützliche Informationen. Allerdings muss man mit dieser Datenmenge überhaupt erst zu Rande kommen. Oft bleibt allerdings wenig Zeit, sich mit solchen technischen Herausforderungen auseinanderzusetzen und an der tatsächlichen Entwicklung weiterzuarbeiten. Deswegen verschiebt sich auch die Markteinführung der geförderten Orchesterversion, die eigentlich für Anfang 2013 angesetzt war, auf das Ende des Jahres. Buchhaltung, Geschäftstermine, Kontaktpflege und Bürokratie – den Zeitaufwand, um die Firma am Laufen zu halten, hatten die drei Gründer unterschätzt. Eine Erkenntnis, die Matthias allen Start-ups als Ratschlag mit auf den Weg geben möchte. www.phonicscore.at 038
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musik erweitern — Musikrobotik und die Physik der Musik
808s & Circuitbreak 039 Hacks an musikalischer Hardware erleben eine Renaissance. Der deutsche Künstler Moritz Simon Geist will den Sound vom elektronischen Dogma befreien und hat dafür einen überdimensionalen Drumroboter gebaut. Der US-Amerikaner Moldover arbeitet mit seinem Mojo überhaupt an der »domination of the entire multiverse«. Ein Hack ist eine kreative Lösung, mit der die Möglichkeiten einer Software, eines Geräts oder auch eines Systems erweitert werden. Die Manipulation musikalischer Hardware hat eine lange Tradition. Am bekanntesten ist wohl das präparierte Klavier von John Cage. Einige Zeit schien es so, als würde die kreative Beschäftigung mit Klangerzeugung und -manipulation im Digitalen aufgehen. In den letzten Jahren erleben Musikrobotik und haptische Interfaces für Musikinstrumente – Arduino sei Dank – einen neuen Auftrieb. Der Reactable, ein tischförmiger Synthesizer, der über physische Objekte gesteuert wird, ist eines der bekanntesten Beispiele.
Bastlergenie und Rampensau Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch Moldover aus San Francisco. Er hat sich mit dem Mojo ein Musikinstrument geschaffen, mit dem er seinem Hang zur Rockstarpose nachgehen kann. Wenn er sich das kofferförmige Instrument mit seiner Unzahl an Reglern und Knöpfen umhängt, bleibt kein Auge trocken. Die Bedienelemente lassen sich mit unterschiedlichen Sounds und Effekten belegen. Was der Musiker dem Mojo entlockt, klingt so weird wie seine Ansage, er wolle mit seinem Controlerism »domination of the entire multiverse« erreichen. Vor allem aber ist seine Performance sehenswert. Moldovers ErstlingsAlbum gibt es auf seiner Website zum Download und wer die CD bestellt, bekommt auch einen Bausatz für ein lichtgesteuertes Theremin dazu, das in das CD Case eingebaut ist. Selbstredend, dass Moldover auch die Bauanleitung für Mojo gemäß Open-Design-Prinzipien offengelegt hat.
Reminiszenz an Drumcomputer-Legende Auch der Drumroboter MR-808 von Moritz Simon Geist ist eine imposante Bühnenerscheinung. In der schrankförmigen Installation sind
Percussion-Instrumente und jede Menge LEDs verbaut. Der überdimensionale Nachbau des legendären Drumcomputers Roland TR-808 reproduziert den 80er Sound mit physischen Klanggebern. Das ist an sich schon sehr beeindruckend. Die Lichteffekte verstärken das noch weiter. Der klassisch ausgebildete Musiker Geist beschäftigt sich seit 2003 mit Musikrobotik. Seit 2011 entwickelt und baut er am MR-808. Dabei interessiert ihn vor allem das Verhältnis von Determinismus und Zufall. Digital erzeugte Sounds und Patterns sind vorhersehbar. Wenn sie in der physischen Welt nachgestellt werden, gewinnen Zufall und Fehler wieder an Gewicht und machen jede Performance einzigartig. Damit erntet der MR-808 nicht nur Beifall auf Konferenzen, wie kürzlich beim Chaos Communication Congress in Hamburg, sondern auch bei seinen Auftritten mit der Band Science Fiction Children.
Details zum MR-808
Elf ausgewählte Klänge des legendären Drumcomputers Roland TR-808 wurden durch mechanische Aktoren und physische Tongeber nachgebildet. Folgende Instrumente wurden verbaut: Snare, Bassdrum, Hi-Hat, Carabassa, Clave, Ride, Clap, Toms (3x) und Cowbell. Sie werden über MIDI angesprochen. Arduino-Controller steuern die Mechanik und die Lichteffekte. Die Patterns werden über Ableton Live entwickelt. Links ———
www.reactable.com sciencefictionchildren.com sonicrobots.com www.moldover.com 039
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Der Aufsteiger — Originäres europäisches Polit-Kino
System im Fehler 040 »Der Aufsteiger« inszeniert die stille Macht des französischen Regierungsapparats als rasanten Thriller, der seinen Akteur instrumentalisiert. Regisseur Pierre Schoeller schafft ein cleveres europäisches Politkino, das sich selbstbewusst von der Dominanz Hollywoods freispielt.
Die Wirkungsmacht der US-Politik reicht einerseits in die Parlamente Europas hinein, andererseits bespielt sie die Kinos und Wohnzimmer auf dem alten Kontinent. Was in Washington an der Tagesordnung steht, wird auch in Brüssel abgearbeitet und landet im europäischen Film – sowohl was Inhalt als auch Form betrifft. Pierre Schoeller nutzt diese Prägung nun für sich, um mit seinem beispielhaften Film »L’exercise de l’état« (»Der Aufsteiger«) ein eigenständiges europäisches Politkino voranzutreiben. Saint-Jean Bertrand ist seit Kurzem Verkehrsminister einer fiktiven sozialdemokratischen Regierung Frankreichs. Die Karriere eilt seinem Image voraus, an seinem Profil arbeitet sein Beraterstab. Privatisierungen, gegen die er sich noch stellt, soll er bald umsetzen. Er wird benutzt: vom politischen System, das er atmet, und von Regisseur Schoeller, der ihn dahinter verschwinden lässt.
Text Klaus Buchholz Bild Filmladen
Fraktionszwang als Thriller Auf den ersten Blick erinnern Schoellers drängelnde Montagen an gängiges (Polit-)Thriller-Kino. Dynamik und Wortgefechte orientieren sich eindeutig an US-Serien wie »The West Wing«; jener viel zitierten NBC-Serie, die eine ganze demokratische Präsidentschaft abbildet. Gleichzeitig gebraucht Schoeller aber diese Formsprache nicht, um ikonische Personenporträts zu schaffen. Genauso verzichtet er weitgehend auf eindeutig gute oder böse Figuren, wenngleich er wirtschaftliche Zwänge eine omnipräsente Bedrohung sein lässt. Schoeller reduziert diese Formalia auf ihre Zweckmäßigkeit und stellt sie dadurch aus. Entgegen stereotyper Hollywood-Schablonen, weg vom Personenkult, fokussiert er auf den Politapparat und dessen Medienordnung. Seine Figuren werden zu Steigbügelhaltern ihrer Agenden und seiner Regiearbeit. Die Politik wird zur schnellen Action, für Emotionen bleibt keine Zeit. Alles ist fremdbestimmt, auch den Sex mit seiner Frau initiiert der Minister nicht selbst. Konsequent entmachtet er seinen aufsteigenden Minister. Das System bestimmt das Bewusstsein von Saint-Jean, seine Entscheidungen, seine Emotionen, seine Handlungen und deren Routine – nicht umgekehrt. So verwickelt er den Verkehrsminister in zwei fatale Verkehrsunfälle. Beide wirken auf ihn ein, nicht aber auf das Ton angebende
elitäre Milieu. Intrigen, Lügen und Manipulation sind die Tagesordnung, soziale Ambitionen zum Scheitern verurteilt. Doch keiner dieser Politiker ist Herr der Lage, weder der an der Spitze stehende Präsident, noch der Premierminister. Sobald Saint-Jean selbstbestimmt handelt, bleibt er entweder lächerlich oder allein zurück. Die Sehnsucht der Hauptfigur nach Menschlichkeit kann in diesem Getriebe nicht erwidert werden; sie wird in bitterer Situationskomik aufgelöst oder in surrealen Traumszenen überspitzt. Hier erinnert Schoeller auch an Nanni Moretti, der mit »Il caimano« (2006) die Politik von Silvio Berlusconi als Groteske fürs Kino adaptierte.
Ein Protagonist wird zum Prozess So wie der Franzose Genre-Methoden für sich gebraucht, so instrumentalisiert er auch seinen Saint-Jean: um ein System zu veranschaulichen, das keine Personalisierung zulässt. Doch das zu vermitteln ist eine Herausforderung, wie auch die verschiedenen Filmtitel zeigen. Im deutschsprachigen Raum erreicht der Film als »Der Aufsteiger« die Kinos, im englischsprachigen als »The Minister«. Beide Titel suggerieren eine tragende Hauptfigur, die diesen tragisch-komischen Thriller bestimmt. Doch hier spielt die kurzatmige Handlung den großartigen Olivier Gourmet pausenlos vor sich her. Rasant überschlagen sich die Ereignisse. Das umrissene politische System lässt weder den Figuren noch dem Publikum Möglichkeit zur langfristigen Identifikation. »L’exercise de l’état« stilisiert den Wahn einer repräsentativen Demokratie, die ihre Repräsentanz verliert, sich verselbstständigt und ihrer Menschen entledigt. Das lässt keine eindeutigen Rückschlüsse darauf zu, wie Realpolitik im EU-Raum (im Gegensatz zu den USA) funktioniert. Thematisiert wird französische Regierungspolitik als elitäre und absurde systemische Entfremdung. »Politik ist eine Wunde, die nie verheilt«, sagt Saint-Jean einmal im Film. Die Heldengeschichten erliegen dem Apparat. Schoeller schafft damit eine pathologische und europäisch-pluralistische Annäherung an ein Politkino. Dessen Systemkritik patzt hier zwar noch, emanzipiert sich aber selbstbewusst von einer Deutungshoheit Hollywoods. »Der Aufsteiger – L’exercice de l’état« kommt am 8. Februar in die österreichischen Kinos (via Filmladen).
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Festival des österreichischen Films Graz, 12.–17. März 2013
SUBOTRON/WKW pro games Veranstaltungsreihe zur Praxis von digitalen Spielen im MuseumsQuartier / quartier21 / Raum D, 1070 Wien subotron.com/veranstaltungen/pro-games/
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Medienpartner:
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Text Yannick Gotthardt Bild philipp horak, jacob appelbaum, scott beale / laughing squid
Monochrom wird 20 — Kunst, Theorien, Roboter und Performances
Fuckzilla in der Diskurshöhle Monochrom wollen zwischen Cyberpunk, Kommunikationsguerilla und Kunst fündig werden. Ihre Suche: Was kann man noch sagen, oder wie sagt man es, damit es überhaupt ankommt?
Konkret ist die Ausgangssituation dieser Geschichte folgende: Roboter sind seit den späten 90ern nicht mehr so richtig cool. Der Konstrukteur von Johnny5 aus dem Film »Nummer 5 lebt!« verdient daher heute sein Geld mit dem Bau von Fucking Machines, die aussehen wie Johnny5. Eine davon, der Fuckzilla, bietet sich dem Nutzer mit einer silikonzungenbestückten Kettensäge an. Monochrom – eine Wiener Kunst-, Theorie-, und Bastelneigungsgruppe (Selbstbezeichnung) – veranstaltete da passenderweise eine jährliche Konferenz für Sex und Technologie in San Francisco, die »Arse Elektronika«1. 2007 bietet man den Konferenzteilnehmern an, das Gerät auszuprobieren. Eine junge Frau will. Der Orgasmus und die meterweite Squirt-Fontäne waren echt, versichert Johannes Grenzfurthner, künstlerischer Leiter von Monochrom. Auch wenn man bei Monochrom – Meistern der Stilisierung – da nie sicher sein kann. Die Protagonistin sei, entgegen diverser Mutmaßungen, in der Tat zufällig anwesend und in keiner Form performativ eingeplant gewesen. Das dazugehörige Youtube-Video war eine halbe Stunde No. 3 in der Klicklist der Plattform, dann war es zensiert, dann war es ein Youporn-Video.2
Kommunikationsguerilla Wenn das Leben aus zahlreichen Momenten mit anderen Menschen bestehen soll, aus Gesprächen, aus Streitereien, aus Gesten und aus Sex, worauf kommt es dann an? Wenn man möchte, dass Teile von dem, was im eigenen Kopf stattfindet, ihren wundersamen Weg in den Kopf des anderen finden, eignen sich Narrative besonders gut als Mittel. Am wenigsten weit kommt man erfahrungsgemäß mit der eigenen Wahrheit in Form rational-logischer Sprachlichkeit. Das machen sich Monochrom seit 20 Jahren zunutze. Die meiste Zeit davon beschäftig042
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te sich das Kollektiv immer wieder und von neuem mit der Suche nach »dem besten Medium, um die Botschaft zu transportieren.« Alles, was Johannes Grenzfurthner über die eigene Arbeit sagt, sind druckreife, kompakte Narrative. Immerhin, er hat 20 Jahre Erfahrung im Kreuzund Querschießen in Mediendiskursen. In Österreich sind Monochrom die Referenz für Kommunikationsguerilla. Mittlerweile sind sie auch international arriviert. Bereits 2001 hat die »melancholisch-postmodern-linke« Gruppe ein Büro im MQ bezogen. Seit 2005 findet ein immer größerer Teil ihrer Aktionen in Nordamerika statt. Monochrom ist »die europäische Korrespondenz« von BoingBoing – »A Directory Of Wonderful Things« 3. 2002 haben sie Österreich auf der weltweit drittgrößten Biennale in Sao Paolo vertreten. 2006 wurde die Lord-Jim Loge, eine unter anderen von Martin Kippenberger und Albert Oehlen gegründete Künstlergruppe, übernommen. Mit dem ambitionierten Ziel, deren Wort-Bildmarke bekannter zu machen als Coca-Cola, schaffte man es immerhin auf 50.000 Flaschen der »Coca Cola Light Art Edition«.
Nerd-Themen im Mainstream
Diskurs über die Hintertür 2005 schaffte Monochrom den Durchbruch in den USA. »Die Killerperformance war der Hit auf amerikanischen Vernissagen. Am Ende der Tour erkannten uns die Menschen bereits vorher in den Galerien, weil sie unsere Gesichter schon in Blogs gesehen hatten«, erinnert sich Günther Friesinger, der bei Monochrom die Geschäftsführung übernommen hat. Auch im MUSA wird zur Finissage am 27. April noch einmal die Möglichkeit bestehen, sich innerhalb der Kunstinstitution in einen Holzsarg einnageln und in einem riesigen Sandkasten begraben zu lassen. Auf welcher Ebene wollen diese Narrative funktionieren? Was will die Killerperformance in der Galerie, ein Nazi-Streichelzoo vor dem MQ, oder ein Weihnachtsmarktstand, der für 50 Schilling Seelen ankauft? Wie viel oder wie wenig sagen Monochrom damit im Vergleich zu den Fanzines, die sie 1993 herauszugeben begannen, die sich mittlerweile zu hunderte Seiten dicken, theorielastigen Jahrbüchern evolviert haben? Grenzfurthner sagt, dass das Publikum zu ihrer Roboexotica – einer Konferenz für Robotik und Bars4 – kommt, weil es dort
Im FidoNet – einer Alternative zum Internet, welches es zunächst nur an Unirechnern gab – suchte Grenzfurthner 1993 Leute, die mit ihm ein Fanzine über Cyber-Nerd-Stuff machen wollten und fand den ersten in Franz Ablinger. »Monochrom No. 1« erschien 1993. Damit ergaben sich Möglichkeiten des Austausches, die deutlich über das heimatliche Stockerau hinausreichten. Zwei Jahre später entschlossen sich Monochrom, mehr sein zu wollen als ein Fanzine. Sie begannen auf einer Release Party, Comics auf Overheadfolien ablaufen zu lassen. Die niederschwellige Performance kam an. Bis heute oszillieren sie zwischen langen, theoretischen Abhandlungen und selbstgebastelten Computerspielen. Seit einiger Zeit sind neun Leute im Kernteam. Medien und
Technologie waren und sind immer ihre zentralen Themen geblieben. Der Diskurs um Netzwelten ist mittlerweile groß geworden, dabei seiner Kindlichkeit trotzdem nicht entwachsen. Immer noch geht es um die klassischen bürgerlichen Werte des vorvergangenen Jahrhunderts. Es geht um »Privatsphäre« und »freie Meinungsäußerung«. Nur wären die Probleme der öffentlichen Kommunikation heute eigentlich ein bisschen vielschichtiger als damals, zu einer Zeit, in der sich das Bürgertum einen Platz in der Monarchie erkämpfte. Es könnte heute auch um Werte wie »persönliche Autonomie« oder »Urheber- und Nutzungsrechte am eigenen Lebenslauf« gehen. Tut es aber nicht. Unter anderem aus derartigen Gründen haben sich die Themen von Monochrom immer noch nicht erledigt, sie sind nur populärer geworden.
lustig ist. Wie nebenbei wird es dann in die »Diskurshöhle« gezogen. Irgendwo zwischen fassbarer Performance und abgekoppelter Theorie muss wohl der relevante Raum liegen, in dem die Botschaft weh tut und es sich lohnt, sie zu verbreiten. Ab 29. Jänner sind nun Geschichten aus 20 Jahren Context-Hacking5 in der Monochrom-Retrospektive im Wiener MUSA – erzählt und dokumentiert durch Monochrom selbst – nachzuvollziehen. Es sind Geschichten über den Versuch, zunehmend komplexe Wirklichkeiten in Botschaften zu formulieren, die es lohnt, möglichst breit zu kommunizieren. 25 Dioramen verschiedener Größe haben Monochrom dafür gebaut, ästhetische Parallelen zu den staubigen Schaukästen in naturhistorischen Museen sind durchaus gewollt. Monochrom dürfen bereits jetzt ihre eigene Archäologie ausstellen, weil sie schon in jungen Jahren ziemlich weit vorne waren und danach nicht mehr locker gelassen haben.
www.monochrom.at/arse-elektronika www.blip.tv/monochrom/monochrom-s-arse-elektronika botjunkie-reports-about-live-robot-sex-428478 3 www.boingboing.net 4 www.facebook.com/pages/Roboexotica/150551977764 5 www.boingboing.net/2011/02/04/tedxvienna-talk-on-c.html 1
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David Bowie-Schau — Popdesign im V&A
Mit 66 ins Museum 044
Text Peter Stuiber Bild Jimmy King, Sony BMG, Masayoshi Sukita
Das Londoner Victoria & Albert Museum zeigt ab März eine große David Bowie-Ausstellung, die mit Sicherheit die erfolgreichste Designausstellung aller Zeiten wird – falls man sie als solche bezeichnen will. War es eine Ereignis oder doch nur ein Medienereignis? Wie auch immer, es war heuer die erste große Überraschung im Popbusiness: Am 8. Jänner, dem 66. Geburtstag von David Bowie, wurde – ohne jede Vorankündigung – sein neuer Song »Where Are We Now?« ins Netz gestellt, eine melancholische und zugleich nicht unironische Reminiszenz an seine bahnbrechenden Berliner Jahre Mitte der 70er Jahre. Auch wenn Skeptiker den neuen Song keinesfalls als innovativen Schritt oder gar als großen Hit ansehen, so müssen sie doch zugeben, dass dem großen Verwandlungskünstler zumindest eine ordentliche Überraschung gelungen ist. Denn der Song und die Ankündigung eines neuen Albums mit dem Titel »The Next Day« für März war das erste Lebenszeichen seit beinahe zehn Jahren. 2003 ist das letzte Studioalbum »Reality« erschienen, ein Jahr später hatte der Künstler bei einem Festival in Deutschland einen Herzinfarkt erlitten und sich darauf komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Seitdem kursierten Gerüchte über seinen Gesundheitszustand und darüber, ob er jemals wieder als Künstler in Erscheinung treten würde. Und jetzt das.
Glamour vs. Design Am 8. Jänner jubelte aber nicht nur Bowies globale Fangemeinde, sondern das Museum, das sich selbstbewusst »the world’s greatest museum of art and design« nennt: das Londoner Victoria & Albert
Museum, kurz V&A. Denn dort zeigt man ab 23. März die erste große Ausstellung über den Popkünstler Bowie unter dem Titel »David Bowie is« – und auf der Museums-Website rät man schon jetzt den Besuchern, Tickets im Voraus zu reservieren. Das V&A weiß genau, was zu erwarten ist. Schließlich widmete es bereits 2007 einem Popstar eine extrem erfolgreiche Ausstellung: »Kylie Minogue – the Exhibition« zeigte Kostüme und Bühnenoutfits der erfolgreichsten Popsängerin nach Madonna und lockte über 270.000 Interessierte ins Haus. Damals heimste man allerdings auch Spott ein: Eines der weltweit wichtigsten Kunsthandwerks- und Designmuseen widmet einem derartigen Püppchen eine eigene Ausstellung? Den Vorwurf der Quotengeilheit wird man im Falle von Bowie zwar nicht so oft hören, die künstlerische Qualität seines Werks bürgt für sich, aber die Frage, wie viel Celebrity-Kultur ein Museum verträgt, wird sich das V&A auch diesmal stellen lassen müssen. So ereiferte sich bereits der Direktor von Art Watch UK, Michael Daley, darüber, dass Museen nur mehr auf Besucherzahlen schielen würden: »Die Museumswelt verliert ihren Faden. Offenbar kann man das V&A jeden Tag mit Leuten anfüllen, wenn man nur ein Popkonzert oder ein paar Promis hat. Mode ist etwas Größeres als nur Personenkult. Wenn schon Bowie, warum nicht gleich Liberace?« Martin Roth, Direktor des V&A, ließ in einem Interview mit dem Guardian an der Seriosität und museologischen Sinnhaftigkeit des Projekts natürlich keinerlei Zweifel aufkommen: »Bowie ist unvergleichlich. Niemand
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Das Cover von »The Next Day« wurde über das von »Heroes« gelegt und sollte die Vergangenheit negieren und gleichzeitig das Bewusstsein ausdrücken, dass man sich nie ganz davon wird lösen können. sonst hat die Welt so sehr inspiriert, nicht nur in Hinblick auf Musik, sondern auch in den Bereichen Kunst, Mode und Style. Er hat eine Vision von Individualismus entworfen, die für eine ganze Generation entscheidend war.«
Morgen vs. Gestern Wie sehr Bowie alleine die Designwelt bis heute in Atem hält, zeigen die zahlreichen Posts zu den Covern, die das Grafikdesignstudio Barnbrook für die Single »Where Are We Now?« und das folgende Album »The Next Day« entworfen hat. Für Letzteres nahm man kurzerhand den Umschlag der legendären »Heroes«-LP aus dem Jahr 1977, strich den Titel und überdeckte Bowies Porträt mit einem weißen Quadrat, auf dem der Titel »The Next Day« zu lesen ist. Die Idee dahinter erläutert Jonathan Barnbrook, der auch schon die Cover zu den Bowie-Alben »Beaten« und »Reality« entworfen hatte, so: »Wir wollten etwas anderes machen in einem Bereich, in dem schon alles ausprobiert worden ist. Wenn man ein Bild von früher für ein Cover verwendet, dann normalerweise bei ›Greatest Hits‹. Aber in diesem Fall beziehen wir uns auf den Titel ›The Next Day‹. Bei dem mit einem großen weißen Quadrat bedeckten ›Heroes‹-Cover geht es um den Geist von großer Pop- oder Rockmusik, der immer mit dem unmittelbaren Moment zu tun hat und die Vergangenheit negiert. Wie auch immer, wir wissen alle, dass das nie ganz klappt. Wie sehr man sich auch bemüht, man kann sich von der Vergangenheit nie frei machen. Die Leute werden dich immer in Relation zu deiner Vergangenheit beurteilen, egal, wie sehr du dich auch bemühst, dem zu entkommen.« Womit der Designer zweifellos einen zentralen Punkt anspricht, der bei Bowie wie fast bei keinem anderen stets diskutiert wird. Sein künstlerischer Werdegang hat dafür gesorgt, dass er sich zwar pausenlos neu erfunden hat, aber stets an den eigenen Meilensteinen – wie »Ziggy Stardust« – gemessen wurde. In der Ausstellung werden Grafikdesign und Bowies LP-Covers zwar eine Rolle spielen, aber die wichtigsten Impulse setzte der Künstler bei seinen Outfits. Sein Gespür für die richtigen Modedesigner zur richtigen Zeit ist legendär. Über 60 Bühnenkostüme wird es zu sehen geben,
so etwa den Bodysuit von Freddie Burretti für »Ziggy Stardust«, Kansai Yamamotos Entwürfe für die »Alladin Sane«-Tour, die den Japaner in Großbritannien erst so richtig bekannt machte, und der Union-JackMantel von Alexander McQueen für »Earthling«. Bei einem Gesamtkunstwerk wie Bowie bleibt auch beim Set Design nichts dem Zufall überlassen, als Beispiel dient die »Diamond Dogs«-Tour 1974, deren Ästhetik sich stark an Fritz Langs »Metropolis« sowie George Orwells Roman »1984« orientierte.
Aliens vs. Tradition Wie stark sich Bowie – in engem Austausch mit den wichtigsten zeitgenössischen Designern und Künstlern aller Sparten – in den Entwurfsprozess einmischte, lässt sich anhand von Skizzen ablesen, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sein werden, darunter auch ganz frühe Arbeiten wie Bühnen- und Modedesign für die Band The Konrads, bei der er unter dem Pseudonym Dave Jay sang. Doch Bowie war bekanntlich noch in einem viel umfassenderen Sinn Designer, schuf er doch Kunstfiguren, die komplett neue Existenzmöglichkeiten verkörperten. Ziggy Stardusts Mischung aus Androgynem und Außerirdischem wurde zur Projektionsfläche für viele, denen die traditionellen gesellschaftlichen Rollenbilder längst zum Halse raushingen. Die Ausstellung wird über 300 Objekte versammeln, die zum ersten Mal in dieser Form zu sehen sind, größtenteils stammen sie aus den David Bowie Archives in New York: Handgeschriebene Lyrics, Kostüme, Fotografien, Filme, Musikvideos, Instrumente … Die Fans werden aus dem Häuschen sein und sich herzlich wenig darum scheren, ob das noch eine Designausstellung ist oder einfach die größte PopstarPersonale unserer Tage. Für Journalisten gibt es im Museum übrigens eine eigene Ansprechpartnerin, die ausschließlich für die Kommunikation der begleitenden Merchandising-Artikel zuständig ist. Auch rekordverdächtig. Da kriegt der Titel von Bowies neuer Single gleich eine zusätzliche Bedeutung: Where are we now? »David Bowie is« ist vom 23. März bis 28. Juli im Londoner V&A zu sehen. »The Next Day« erscheint am 3. März via Sony BMG. 045
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Klemens Pilsl
der wortwechsel. vier personen zur frage:
Soziologe und Kulturarbeiter
Schwarze Kulturpolitik, was ist das eigentlich?
Dauerhaftigkeit, Sicherheit, Gemeinschaft und Heimat – ob diese konservativen Grundsätze auch für Kunst- und Kulturschaffende gedacht sind? Die Landtagswahlen in Niederösterreich stehen am 3. März 2013 an, da stellen wir uns die Frage: Was ist eigentlich Schwarze Kulturpolitik? Im ÖVP-Parteiprogramm ist einerseits davon die Rede, dass Verantwortung nicht abgeschoben werden darf. Unter dem Punkt »Kunst und Kultur«, sieht das Ganze etwas anders aus. Hier soll die Politik sich auch einmal raushalten dürfen: »Kulturförderung ist nicht allein staatliche Aufgabe. Wir wollen private Sponsoren unterstützen und durch steuerliche Erleichterungen ermutigen. Private Künstlerinitiativen sind für die Lebendigkeit und Vielfalt des Kulturbereiches unentbehrlich.« Erleichterungen für Stiftungen und Sammler, Absetzbarkeit von Kultursponsoring stehen hier weiter oben, kleinen Initiativen und Gruppierungen das Leben zu erleichtern, eher weniger. Und wie sehr unterscheiden sich die Roten und Grünen von dieser Linie? Der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny findet, dass Kulturpolitik Qualität, Zugang, Innovation, Offenheit und öffentliche Verantwortung beinhalten muss. Es geht um »Unterstützung von Neuem, das sich gegen den Mainstream, das Marktgängige erst durchsetzen muss« und um »die Freiheit von jeglicher Zensur.« Darin liegt ein wesentlicher Unterschied, dass nämlich möglichst viele Menschen, egal wie arm sie sind, etwas von Kultur haben sollten. Am leichtesten übersetzt sich das in freies Programm, wie dem Popfest, die Eröffnung der Wiener Festwochen oder dem Donauinselfest. Für die VP ist es weniger wichtig, dass Kultur für alle leistbar ist, sie sollte vor allem spitze sein. Für die Grünen muss Kunst wiederum ständig in Bewegung bleiben: »Kunst und Kultur kann und soll Menschen, aber auch die Gesellschaft bewegen, berühren, irritieren, aus den gewohnten Bahnen werfen – andere utopische Sichtweisen (Mit-)Gefühl, Solidarität und Transzendenz ermöglichen«, meint Klaus Werner-Lobo, Kultursprecher der Grünen Wien. Transzendenz, so ein Wort liest man üblicherweise in Programmen für Kirchenmusik. Irritationen – ein bisschen Subversivität darf es bei konservativer Kulturpolitik normalerweise auch sein. Die Frage ist dann eher: Wie viel davon? Hört man sich um, dann stößt man immer wieder auf die Unterschiede, die Kulturpolitik in der Stadt und am Land benötigen würden – unabhängig von der Parteizugehörigkeit. Wie sehen das Experten? The Gap wird das Thema auf www.thegap.at weiter verfolgen.
dokumentation Sarah Al-Hashimi, Stefan Niederwieser text Sarah Al-Hashimi
Was wollen die Schwarzen eigentlich mit Kunst und Kultur? Eine österreichische Identität innerhalb Europas? Private Mäzene? Subventionen? Volkskultur? Oder doch, wie Kritiker meinen, nur eine ökonomische Tourismuspolitik zur Stimmenmaximierung?
»Frauen außen vor« — Schwarze Kulturpolitik unterscheidet sich von Roter nicht viel. Sozialdemokraten und Volkspartei sind im Laufe der Zeit zu unheimlichen Zwillingen mutiert, deren Motive weniger in der Ideologie als in Machterhalt und Marketing-Strategien liegen. Man muss schon ins Detail gehen, um die Differenzen zu erkennen – etwa im Umgang mit migrantischer Kultur. In Oberösterreich ist die Macht seit Jahrzehnten zweigeteilt: die Schwarzen machen das Land, die Roten die Stadt. Beide sind bereit, gegen den europäischen Trend zu schwimmen: das Kulturbudget wächst trotz Krise, die Utopie vom »Kulturland OÖ« und der »Kulturstadt Linz« verbindet über Parteigrenzen. Da geht es um Kulturhegemonie und Klientelpolitik: Landesmusikschulwerk, Musiktheater, Krone-Fest sind hochsubventioniert. Andererseits kann man eine gewisse Visionskraft nicht leugnen: Im Erkennen des Niedergangs der tragenden Industrie setzt die Politik bewusst auf »Kultur« als wirtschaftliche wie gesellschaftliche Zukunftssäule. Etwas naiv, mit Florida-Konzepten und kreativindustriellen Feuchtträumen, aber immerhin. Für die Off-Szene bedeutet das: die schwarzen Kulturreferenten lächeln freundlich und betonen die Relevanz regionalen Kulturschaffens und schieben dann das Geld den tourismusrelevanten, öffentlichen Einrichtungen und den Kreativwirtschaftlern in den Popsch. Aber Ressourcenkämpfe können im ÖVPLand schon in ungustiöse Männerbündelei ausarten: Bei den schwarzen Landeskulturpreisen und Kunst-am-Bau-Projekten werden in OÖ neuerdings Frauen wieder außen vor gehalten. Ist das die originär Schwarze Kulturpolitik? Klemens Pilsl, 34, Soziologe und Kultur arbeiter. Nach Projekten in Linz, Berlin und anderswo stets pendelnd zwischen Off-Szene und Institutionen, derzeit in der Kultur plattform OÖ tätig. www.kupf.at
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Juliane Alton
Raimund Holzer
Bernhard Schragl
Geschäftsführerin IG Kultur Vorarlberg
freier Journalist
Angestellter Erste Bank Österreich
»Vorgefundenes verwalten« — Im Parteiprogramm klingt am stärksten die Identitätspolitik durch, wie bei einer konservativen Partei nicht anders zu erwarten. Sie tut so, als gäbe es eine gemeinsame Identität einer Gegend zum Beispiel in Europa, der sich die Bewohner unterwerfen könnten. Dann gäbe es eine »gemeinsame europäische Identität«. Die gibt es aber nicht, weil Identität etwas Individuelles, sich Wandelndes ist. Die schwarze Kulturpolitik träumt von einer homogenen Gesellschaft, die es nie geben wird. Ich fürchte, aus diesem Traum wird sie lange nicht erwachen. Dass staatliche Kulturförderung nicht zu »Abhängigkeiten der Kulturschaffenden« führen darf, ist ein weiteres Credo der Schwarzen. Was soll das heißen? »Private Sponsoren unterstützen« – dann nicht doch lieber die Kulturschaffenden selbst? Ist abhängig, wer sich auf öffentliche Aufträge und Förderungen stützt? Dann wären die Landwirte abhängiger als die Kulturschaffenden, ohne dass es die Schwarzen stört. Auch im Jahr 2000, als die schwarz-blaue Regierung mit VP-Kulturpolitiker Franz Morak am Zug war, wurde trotz Ankündigung die steuerliche Absetzbarkeit von Kunstankäufen nicht eingeführt. Wahrscheinlich besteht schwarze Kulturpolitik im Verwalten dessen, was vorgefunden wird, manchmal um repräsentationspolitische und persönliche geschmackliche Noten angereichert. Ausnahmen, die wirklich Kulturpolitik machen, gibt es aber auch im schwarzen Lager. Peter Marboe in Wien war so jemand. Er hat zwei Projekte der freien Theaterszene aufgegriffen und realisiert: Das Tanzquartier und den Dschungel Wien. Doch das war einfach Kulturpolitik, keine Schwarze Kulturpolitik.
»Stimmenmaximierung« — Die Ansätze der Kulturpolitik im ÖVP-Kernland NÖ sind zu unterschiedlich, manchmal unverständlich und oft unergründlich – wenngleich auch ein Faktum über allem steht: das unsichtbare Auge, mit dem die offiziellen Stellen in Form von unzähligen, eigenen Strukturen, welche als (Steuer-)Geldgeber überall unverzichtbar sind, das Geschehen überblicken. In den letzten Jahren wurden Hundertschaften von neuen Stellen geschaffen, von der »Volkskultur NÖ« über ein aufwendiges »Musikschulmanagement« bis zum »Theaterfest« mit rund 20 Spielstätten, dem Koloss Schallaburg Kulturbetriebsg.m.b.H., der auch die Landesausstellungen managt bis hin zu Grafenegg, wo in Wolkenturm und Auditorium enorme Summen geflossen sind – und in deren Bespielung weiter fließen. Immer öfter wird in dem Zusammenhang von »Nachhaltigkeit« gesprochen, von Stärkung der Regionen samt deren Fremdenverkehrswirtschaft. Die Konzepte dahinter scheinen dabei unschlüssig und gehen nicht immer auf. Der mächtige Landesherr aber liebt es, inmitten von Kulturschaffenden aller nur denkbaren Richtungen zu stehen – sei es Hermann Nitsch, Marianne Mendt oder die Stifter Geigenmusi. »Seht her, ich bin für alle da!« heißt das wohl. Kulturpolitik in NÖ soll der Stimmenmaximierung dienen, das steht außer Zweifel. Trotzdem kann man Pröll nicht vorwerfen, alles zu vereinnahmen – ein Stück weit Freiheit bleibt für jeden. Und nicht zu vergessen, dass viele ausgezeichnete Leute in diesem komplexen System ihren Platz gefunden haben – und so den großen kulturellen Reichtum dieses Landes wesentlich miterhalten.
»Ökonomische Basis schaffen« — In der Kulturpolitik gibt es noch große ideologische Schaukämpfe: Hochkultur vs. Pop kultur, Tradition vs. Avantgarde, Regiona lität vs. Internationalität, Subkultur vs. Repräsentationskultur. Ihre konkrete politische Umsetzung finden diese Überlegungen überwiegend in den Entscheidungen zur Mittelvergabe, also zur Subvention von Institutionen, Vereinen, Initiativen. Seltener wird diskutiert, wie sehr Subventionen neben ihrem unzweifelhaft wichtigen Potenzial des Ermöglichens das Gegenteil bewirken können: Konservierung, Verkrustung, Institutionalisierung, Verdrängung von Neuem und Abhängigkeiten erzeugend. Oft wurden Subventionen mit inhaltlichen Ansprüchen gekoppelt und das kann niemand, dem es um eine freie Kunst geht, recht sein. »Schwarze Kulturpolitik« hat sich auch mit der Frage beschäftigt, die in einer stark subventionierten Kulturlandschaft oft scheel angesehen wird: Mit der ökonomischen Basis. Die braucht es gerade in der Kunst, wenn eine der kulturpolitischen Grundfragen lautet: Wie kann ich den Künstler in seiner Eigenständigkeit unterstützen und kreativen Entfaltung stärken? Hier ist der Schwarzen Kulturpolitik einiges gelungen: die Umstellung von einjährigen auf mehrjährige Subventionszeiträume, um dadurch längerfristige Planung zu ermöglichen, sei es die Anstrengungen in Sachen Künstlersozialversicherung oder Initiativen in Sachen Urheberrecht. Gemeinsam ist diesen Impulsen, Künstler unabhängiger und damit freier machen zu wollen. Wenn man das als Ideologie verstehen will, dann gibt es auch so etwas wie die Ideologie einer Schwarzen Kulturpolitik.
Juliane Alton, 46, Geschäftsführerin der IG Kultur Vorarlberg, Gerichtssachverständige für Theater und Urheberfragen, Leiterin der grünen Bildungswerkstatt Vorarlberg.
Raimund Holzer, 56, langjährige Tätigkeit als Journalist, Kulturmanager und Experte für Kommunale Finanzwirtschaft; geschäfts führendes Vorstandsmitglied von scheibbs. impuls.kultur und Kulturpreisträger der Stadtgemeinde Scheibbs.
» Schwarze Kulturreferenten lächeln freundlich und schieben dann das Geld den Kreativwirtschaftlern in den Popsch.« (Klemens Pilsl)
Bernhard Schragl, 43, war Sekretär des einzigen schwarzen Kulturstadtrats in der Geschichte Wiens (Peter Marboe, 1996 bis 2001); später gründete er für die Öster reichischen Bundesforste das Location- Service Wild.Media.
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Workstation — MENSCHEN AM ARBEITSPLATZ
Tobias Kestel, 36, und Florian Puschmann, 32, White Elephant
»Erschaffe langlebige Dinge, die gern benutzt werden!« Dieser selbst erteilte Arbeitsauftrag und das Wissen um ein weites Arbeitsfeld veranlassten Tobias Kestel und Florian Puschmann, das White Elephant Designlab zu gründen. Ihr Arbeitstag beginnt dabei recht unspektakulär: Post und E-Mails checken, Organisatorisches und der ein oder andere Termin folgen. Die Muse küsst sie in der Regel später, manchmal erst nachts: »Besonders kreativ sind wir, wenn die Deadline naht.« Dafür, dass sich keine Routine einschleicht und es regelmäßig Neues gibt, sind Kestel und Puschmann dankbar. »Und für die Freiheit, das tun zu können, was uns am meisten Spaß macht.« Damit die Kohle stimmt, arbeiten sie derzeit an einem kleinen massentauglichen Produkt. Zwischendurch schafft man sich Abwechslung mit einem Trip auf eine Vulkaninsel, um musikalisch-klangliche Experimente durchzuführen. Oder sie werfen einen Blick auf andere Wiener Manufakturen und trinken dabei Albino-Saft im Wiener MAK, wo sie derzeit bei »WerkStadt Vienna« noch bis Mitte März ausstellen.
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bild Katharina rossboth dokumentation Stefan Kluger
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Workstation — MENSCHEN AM ARBEITSPLATZ
Renate Reisinger, 40, Tierärztin
Warum sie ausgerechnet Pferdetierärztin werden wollte, weiß Renate Reisinger selbst nicht mehr genau. Nur, dass sie diesen Wunsch bereits in der Schule hegte. Auch heute könne sie sich nichts anderes vorstellen. Nach sechs Jahren an der veterinärmedizinischen Universitätsklinik für Orthopädie bei Huf- und Klauentieren – Werwölfe und Raptoren ausgeschlossen – wagte sie schließlich 2007 den Sprung in die Selbstständigkeit. Die Visiten in den Pferdeställen sind manchmal erst nach 22 Uhr zu Ende. Die Freude an der Arbeit verliere sie dennoch nicht – ihrer Liebe zu Tieren und dem beglückenden Gefühl, helfen zu können, sei Dank. »Besonders viel Motivation und Kraft schöpfe ich aus dem Erfolg bei Patienten, deren Prognose besonders schlecht war.« Pferdezeitschriften und Träume junger Mädchen werden von solchen Lebensläufen beflügelt.
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Lyrik von Erwin Uhrmann
erwin uhrmann und moussa kone setzten sich intensiv mit dem verhältnis text und zeichnung auseinander. das resultat ist das kunstbuch »nocturnes«. in 51 texten und 54 zeichnungen, die ineinandergreifen, sich ergänzen und trotzdem immer wieder neue ebenen öffnen, ringen der sprach- und der zeichenkünstler der nacht immer wieder neue facetten ab. ein dunkles, poetisches werk – turbulent und gefährlich.
Schattierungen der Nacht holy mary spaceship Ich esse mich durch Erdbeerschichten steht es da, das verwehte Raumschiff ich stelle mich darunter und erwarte seinen Startstrahl und lasse den Antrieb über meinen Rücken prallen. Es gibt ein Bild sagt sie, das ich dann in eine meiner Höhlen stecke und darauf schlafe – in ihrem schwachen Gesicht. Hat sie mich nicht gefragt nach den Zuckerschlieren – die kleben an mir, dann die Durchsage: Hab Angst vor den Mundöffnungen, in die ich Raumfrachter schiebe! Hab Angst vor den Nasenflügeln, mit denen ich dich mitten ins Gesicht schlage! Hab Angst vor dem bösen Wolf aus 1938, der frisst dich, bellt wie ein Terrier, und im Grunzen steckt er dir seine warme Schnauze in den After! Hab Angst vor dem Raumschiff mit der Jungfrau aus Strahlen. Die schlägt, sticht, strahlt und funkelt zermehlt, rumort, klirrt und zieht dich in einen Erdbeerfeldgarten in Isfahan, in Belgrad, in San Francisco, in Berlin. Wenn du in Zierfalten schreist die Hände zusammengeknüpft faustgroße Löcher im Kopf die Augen rotgeballt. Milchblasen schäumen aus deinem Mund halb Mann halb Frau dann ist sie aus ihrem Überschalldampfer gebeugt wie Liz Taylor als Cleopatra. Und wenn du deinen schnappgerechten Mund
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aufreißt klirren deine Brustwarzen im erdbeerfaulen Schlundgarten – Röhrt der mit dem Hirschgesicht und denkst du an dich als Apachensquaw im Kinderfasching als du am Abend mit dem Waschmaschinenrumpeln eingeschlafen bist. Bis du sie aufsteigen siehst und deine Haare verfilzen. Stirb und schau sie dir an in ihrem Gleitflug.
ein dachsbau Das Einschlafen am Spätnachmittag ins Wollene aus Gestern, den Jahren, der Musik, den welkenden Matratzen und staubschweren Büchern. Die Nase voll Jucken das Bein heiß verschwert und die Lippen sind spröde. Oben und unten tanzt man Tango. Im Foyer stehen zwei Paare und rauchen. Ein Abklatsch, zwei Frauen, zwei Männer, die Schritte – tief im Felsen liegt inne felldunkel ein Dachs die Ohren geleckt und, und die vom Nachbarn. Sie verwöhnen sich tief unten tief. Im Saal geht noch immer der Tango, der Valse, die Milonga, bis unten. Je tiefer die Höhlen, so tiefer der Ton der ihn langsam und schwer und nächtetief absinken lässt.
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stille Ich kroch ins Bett und lag spürte den einfachen Wind von außen das offene Fenster das Klavier klimperte in meinen Ohren, die Tasten metallen, und tief und hoch silbern übernächtig down glitt der Faden, der Schleier, das Tuch und trocknete den Saft auf der Haut und kühl kroch die Haut auf zuckende Muster. Der Film läuft ab zappt am Ende der Abriss fliegt, ein nervöses Insekt an der Spule die läuft knattert Erosion der Knochen – wie ein Luftzug und ein Bild – ein Whistleblower ist verraten aber hier ist er sicher. Der Sternenhimmel im Juli auf meinem T-Shirt – die Nullnacht von der ab gezählt wird trotz der Unschärfe der Zeit – Löschblatt Tintenklecks Glaswasser im Frühling gekältet. Es klang so als kleben die Buchstaben und in der Folge auch die Wörter aneinander – wer aber im Hinterkopf noch auftauchte stand mit allen ein Gruppenbild im Ton dieses Filmzapp und im Julinachthimmel der Sternenobservation.
Ad Personam: Erwin Uhrmann, Moussa Kone Der Autor Erwin Uhrmann (Jg. 1978) und der Zeichner Moussa Kone (Jg. 1978), beide aus Niederösterreich, verwirklichten mit dem Kunstbuch »Nocturnes« (Literaturedition Niederösterreich) nicht zum ersten Mal ein gemeinsames Projekt. So arbeitete das Duo auch für das viel beachtete Libretto »Missing: Discourse« zusammen. Anfang der Nullerjahre gründete man in St. Pölten gemeinsam den Künstlerverein Kunstwerft. Der führte Musiker, Literaten und bildende Künstler zusammen und dachte über Fachgrenzen hinweg. Etwa, als man die »Kunstklappe zur anonymen Rückgabe gestohlener Kunstwerke« oder den »Art Critics Award« ins Leben rief. Von Erwin Uhrmann erschien zuletzt seine Erzählung »Glauber Rocha« (Limbus). Moussa Kone, gerne als »wilder Stricher« tituliert, zählt mittlerweile zu den profiliertesten Zeichnern Österreichs, mit internationalen Manfred Gram Ausstellungen u.a. in New York und Toronto.
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Der Speichel am Kuvert außen drüber das durch den Holland Tunnel ausgeliefert wird Tuli Kupferberg wartet dort im frühen Morgen der Wind um die Schläfen und fächelnde Luftzüge flau ist der Magen. Eine Landscheibe im Gelee der ersten Sonne des Tages der Fahrtwind d’un voyage melancolique – Verzeihen sie bitte darf ich ans Fenster? Ein spitzer Bleistiftduft – der Wettermann fuchtelt ein Flugzeug parkt aus und hebt ab.
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Kolumne Blow-up: Film in Österreich von Gunnar Landsgesell
… und was kommt danach? Michael Haneke ist der Übervater des österreichischen Films. Nicht wegen seiner Preise, sondern weil ganze Generationen von ihm zehren sollten.
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or genau 40 Jahren realisierte Michael Haneke seinen ersten Fernsehfilm mit dem schönen Titel »… und was kommt danach?« Eine programmatische Frage, denkt man an die erstaunliche fünffache Oscar-Nominierung für einen kleinen europäischen Film über das Sterben. Aber auch daran, wer eigentlich nach Haneke in diesem Land für solch inszenatorische Tiefgänge und preisträchtige Höhenflüge in Frage kommt. Während Monsieur Haneke in Hollywoods Zentrum weiter vorgedrungen ist als manch erfreuten Beobachtern klar sein dürfte – er wurde ja nicht allein für den Auslands-Oscar nominiert, sondern auch für den besten Film überhaupt; eine Kategorie, die die Amerikaner üblicherweise unter sich auszumachen pflegen – hat er sich zugleich vor einem anderen Preisregen zurückgezogen. An der Nominierung für die Österreichischen Filmpreise nahm Michael Haneke freiwillig nicht teil – der Schatten des Übervaters des österreichischen Films wäre zu gewaltig für das, was dort wachsen und gedeihen soll. Tatsächlich ist neben Haneke und Ulrich Seidl, dem zehn Jahre jüngeren, formal und inhaltlich enger gefassten zweiten Exponenten von internationaler Bedeutung, kaum jemand auszumachen,
dem man eine filmische Vision von solch formaler und inhaltlicher Klarheit und Umsicht unterstellen könnte. Wer schafft es zudem, bei brillanter, gesellschaftlicher Kritik sein Publikum nicht zu vergessen? Zugegeben, der Mann, dessen filmische Hauptdarstellerinnen alle Anne Laurent heißen, hatte auch einige Zeit, sich zu entwickeln. So richtig »groß« wurde er in einem Alter, in dem andere Meister ihres Fachs sich bereits in ersten Aufgüssen ihrer stärksten Werke üben. Mit Götz Spielmann (»Revanche«; demnächst das Sterbedrama: »Oktober November«) und Jessica Hausner (»Lourdes«) seien zwei Filmemacher erwähnt, die einiges von der Konzentration Hanekes mitbringen. Die Frage ist: Wie agiert die Filmförderung mit Leuten, die sich in der Mitte ihrer künstlerischen Entwicklung befinden? Wie können sie gefördert, gefordert, geschützt vor dem Markt werden? Und welche Räume bietet die Film- und Produktionslandschaft jungen Talenten an? Sind solche, wie sie Haneke im Rahmen eines noch nicht auf Quote geeichten öffentlichrechtlichen Rundfunks hatte, überhaupt noch möglich? Unlängst wies jemand auf eine Studie hin, laut der im Österreichischen Filminstitut zwischen 2005 und 2010 77 verschiedene Regisseure gefördert worden seien. Man kann das als Zeichen von Pluralität und Heterogenität, als Ausdruck einer Vielheit von Nachwuchstalenten verstehen. Tatsächlich sollte niemand die Chance auf eine glorreiche Zukunft verwehrt sein, auch im Interesse der Öffentlichkeit, die später einmal an Festivalerfolgen partizipiert und diese schließlich auch für sich reklamiert. Ohne eine gezielte Förderung, in der einzelne
Protagonisten mit Umsicht aufgebaut werden, wird das aber nicht funktionieren. In der diffusen Auseinandersetzung, in der es beinhart um vorhandene Mittel, um Eigeninteressen und Richtungsentscheidungen geht, wächst auf diesem Nährboden aber das falsche Kraut. Es vernebelt den Blick darauf, wo die Talente liegen. Einmal entdeckt, braucht es für sie einen langen Atem. Und es braucht die Weitergabe von Wissen. Sonst geht es Österreich, wenn auch in kleinem Stil, so wie Italien, das in einem dramatischen Generation Gap und Crash der Medienlandschaft von einem der bedeutendsten Impulsgeber des Weltkinos in die völlige Regression abgestürzt ist. Wer wie Haneke vermitteln kann, wie man analytisch und dennoch empathisch arbeitet, wie sich Frankfurter Schule mit Provokation verbinden lässt, wie man Schauspieler kühl und zärtlich zugleich einsetzt, wie man mit präzisen ästhetischen Vorstellungen an ein breiteres Publikum herantritt, wie man schließlich ein kontingentes Kino ohne inhaltliche Diffusion gestaltet, den sollte man möglichst lange im Land halten. Auch wenn mit dieser Ausrüstung nicht jeder Film eine nationale Komödie wird.
Gunnar Landsgesell landsgesell@thegap.at
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Daughter If You Leave (4AD)
Winter kommt
BILD Eliot Lee Hazel
Daughter arrangieren Einsamkeit zu schockgefrorenen Momenten und blasen Bomben in sie hinein. Jedes Kräuseln des Echos ist perfekt gesetzt, jedes Knistern der Gitarre, jedes Rascheln des Perlenohrgehänges – die Körper dieser Lieder sind kunstvoll geschreinert, Daughter selbst an ihren Instrumenten fehlerlos. Aber das ist ja erst der Anfang. Die Technik ist nur der Boden für zehn wuchtige Ein-Wort-Titel auf dem Debüt des Londoner Trios. Ein Debüt ... aber das ist egal. Qualm. Winter. So heißen sie, haben höchstens drei Silben, heißen Mensch, Morgen und Jugend. Daughter fangen ganz vorne an, bei den ersten Gefühlen, einfachen Dingen und verfeinern sie, erweitern sie behutsam. Das geht, weil es Musik ist, weil die Worte mit ihrem Klang und dem Sound von trockenen Gitarren zu mehr werden als sie selbst. Weil Angst, Zweifel und Fieber mit vereisten Melodien neue Schattierungen bekommen, andere Bedeutungen, neuen Sinn. Weite Teile sind leer geräumt. Stimme, Führungsgitarre und schwacher Hall tragen die Songs; das Schlagzeug spielt nur punktuell, akzentuiert, dann mit schweren Paukenschlägeln. Auf dem Weg dorthin werden Nackenhaare gerade gerichtet, Menschen verlassen und Seelen angestochen. Und was ist das für eine Stimme! Sie singt unprätentiös, ohne Eigenschaften und Eigenheiten, aber mit viel Textur von Schuld, Liebe und Ersticken. Elena Tonra und ihr Freund bilden das Kernduo von Daughter. Da sind Fragen über das wahre Leben in ihren Texten zwar unergiebig, weil die Songs dadurch nicht besser und auch nicht schlechter werden, drängen sich aber dennoch genug auf, um die innere Spannung zu verstärken. Zu allem Überfluss hat Elena Tonra alles, was ein Can-Do-Girl braucht. Wem Zola Jesus zu modrig ist oder Soap & Skin zu tödlich, für den singen Daughter Lieder von Eis und Feuer. Und während The XX und Esben And The Witch stagnieren, werden sie von Jüngeren, noch Tiefgraueren, noch Einsameren übertroffen. Daughters »If You Leave« hat also Geistesverwandte, schafft dabei ohne offensichtliche Schlüsselsounds wie MPCs und erschöpfte Stimmen etwas konsequent aus der Zeit Gefallenes zu machen. So etwas wie symbolischen Naturalismus, mit rätselhaften Bedeutungen, die nie ganz sagen was sie umtreibt, dabei Körper, Stoff und Raum der Songs ganz natürlich klingen lassen. Hat hier jemand Klassiker gesagt? 09/10 stefan niederwieser 057
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Apparat Krieg und Frieden (Music For Theatre) (Mute)
Kunst und Musik Sascha Ring tauscht Club gegen Theaterbühne und trifft ins Schwarze. Nicht einmal Tolstois Mammutwerk stellt für Apparat ein erkennbares Hindernis dar. Sascha Ring wagte zuletzt mit »The Devil’s Walk« einen bemerkenswerten Schritt, weg von Nachtleben und Flughäfen, hin zur Konzertbühne und Nightliner. Keine hämmernden Beats, sondern LiteraturZitate und historische Referenzen bestimmten das 2011 erschienene Werk Apparats. Mit seinem neuen Album »Krieg und Frieden (Music For Theatre)« geht er nun noch ein Schritt weiter, hinauf auf die Theaterbühne. Ring arbeitete mit Regisseur Sebastian Hartmann an der Vertonung von Leo Tolstois Hauptwerk »Krieg und Frieden« bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen. Doch als das Projekt abgeschlossen war, befand er, dass das Material noch nicht voll ausgeschöpft war, und so wurden aus den unzähligen Teilen und Arrangements die wichtigsten nochmals herausgearbeitet und zu neun eigenständigen Songs zusammengebaut. Neben unzähligen Drones, Beattrümmern und Streichern, so weit das Ohr reicht, unterstützt auch Ring selbst mit seiner Stimme, wie auch schon auf »The Devil’s Walk«, die Kompositionen. Zauberhaft und magisch wandelt man mit dem Lockenschopf durch »Light On«, nur um irgendwann beim dramaturgischen Höhepunkt »PV« anzulangen. Die melancholischen Songs »Tod« und »Blank Page« dazwischen bereiten dafür nur den Weg. Die eigentliche Theaterkomposition endet dann mit »Austerlitz« und »Track Nummer 9« im wahrsten Sinne des Wortes mit Pauken und Posaunen. Der finale Song hätte durchaus auch auf »The Devil’s Walk« Platz gehabt. Einmal packt Sascha Ring dort noch seine Thom Yorke-Stimme aus, um diese seltsame Stimmung zwischen Einsamkeit und Hoffnung zu erzeugen und den Raum hell und dunkel zugleich erscheinen zu lassen. Einmal noch, bevor es bald wieder mit seinen Freunden von Modeselektor als Moderat eine Runde Basskeule für alle gibt. Ein Mann der Gegensätze, der offenbar alles können will, der zum Liebling zwischen Hoch- und Popkultur avanciert, weil er sogar rohe Emotion in Sound haut, befindet sich am Höhepunkt seines Schaffens. Auch wenn Krieg und Frieden manchen zu theatralisch sein dürfte. 07/10 kevin reiterer
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Atoms for Peace Amok (XL Recordings)
Nucleus Accumbens Rund um Thom Yorke hat sich eine Formation aus musikalischen Superhelden gebildet. Deren Aufgabe: Die Entwicklung eines apokalyptischen Entwurfs elektronischer Tanzmusik für die Unendlichkeit. Was passiert, wenn Thom Yorke (Mastermind / Radiohead), Flea (Bassist / The Red Hot Chili Peppers), Nigel Godrich (Langzeitproduzent / Radiohead), Joey Waronker (Drummer / Beck, R.E.M) und Mauro Refosco (Percussionist) in L.A. einen drauf machen? Es entsteht eine Band der Pop-Apokalypse. 2009 fanden besagte Herren im Hause Flea zusammen. Heute hören sie auf Atoms for Peace. Auf deren Website ist unterhalb des Bandnamens die Phrase »Nerth Nuclerek? Na Vynnav« zu lesen, was so viel bedeutet wie »Atomenergie? Mag ich nicht«. Was Thom Yorke aber sehr wohl mag – und das nicht nur seit seinem Solo-Album »Eraser« und der Zusammenarbeit mit Modeselektor: die Kombination aus seiner Stimme und den scharf-abstrakten Blick auf den Dancefloor. Dafür hat er zufällig oder doch bewusst Musiker um sich vereinigt, die mit ihm seine Idee eines Dance-Albums fast mechanisch zu einem kompromisslosen Debüt verschränken, zu dem selbst die vier allerletzten Reiter in Richtung Untergang Polka tanzen. Dieses trägt den Titel »Amok«. Ein Ausdruck, der eine Gewalthandlung bezeichnet, bei der mehrere Personen durch einen einzelnen, bei der Tat körperlich anwesenden Täter innerhalb eines Tatereignisses getötet werden. Ein Kraftakt, der Thom Yorke metaphorisch zuzutrauen ist. Auf neun Stücken wird die bisherige Geschichte des Dancefloors kompromisslos umgeschrieben. Das gewohnt Bedrückend-Melancholische von Radiohead wirkt auf eine Metaebene transponiert. Die Freiräume zwischen den Polyrhythmen aus Drums, Percussions, Synths, Gitarre und Bass werden von Yorkes Stimme umflossen und halten so alles bis ins letzte Quantum zusammen. Dabei entfaltet sich ein Wechselspiel zwischen ihm und den übrigen Musikern. Jeder Ton und Klang fängt den anderen auf, um die durch die Bewegung freigesetzte Energie zu etwas noch Größerem zu verwandeln. Yorke bildet dabei den Nukleus, um den seine vier Kollegen als Elektronen musikalisch im Gegenpart schwingen und schließlich fusionieren. 09/10 johannes piller
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Crack Ignaz Swag Tape Buttmeingoa / Freekony 2013 (via Bandcamp)
Der beste Rapper Österreichs
BILD Sandro BÄbler, Eliot Lee Hazel, Crack Ignaz, Shawn Brackbill
Crack Ignaz präsentiert Cloud Rap nach österreichischer Bauart. Das klingt vorerst sehr spannend, aber auch nach einem Reimer, der sein Profil noch schärft. Crack Ignaz ist ein junger Salzburger, der von sich behauptet, der beste Rapper Österreichs zu sein. Seine zwei bisher veröffentlichten Mixtapes »Swag Tape« und »Buttmeingoa / Freekony 2013« können diese Ansage noch nicht bestätigen. Sie und seine zahlreichen Videos im Internet geben aber zwei seiner Qualitäten preis: Erstens bläst der clevere Übermut von Crack Ignaz frischen SocialMedia-Wind in die etablierte österreichische Szene. Zweitens wissen er und sein Umfeld den Hype um Cloud Rap für sich zu nutzen – das Genre unterfüttern sie mit österreichischem Lokalkolorit. Der grobschlächtige Begriff Cloud Rap (oder Based) beschreibt jene Szene des US-amerikanischen HipHop, aus der Asap Rocky gerade als Ikone hervorragt. Neben ihm sind seit gut zwei Jahren eine Reihe von Produzenten (z.B. Clams Casino, Blue Sky Black Death) und Rapper (z.B. Lil B, Main Attrakionz, Nacho Picasso) prägend für einen neuartigen Stil, der auch als halluzinierte Antwort auf Chillwave gelten kann. Summende Vocal-Samples mischen sich mit schlendernden Rhythmen zu einem träumerischen Synth-Sound. Der Einfluss von Trap und anderem Südstaaten-HipHop ist in wuchtigen Bässen und hackenden Beats zu spüren. Das Ambiente ist geräuschvoll, aber harmonisch. Die Raps sind kurzatmig und oft mit Effekten verfremdet. Das reduzierte Tempo drückt ebenso den Texten ihren Stempel auf. Hier hat Crack Ignaz besonders gut hingehört und für sich interpretiert. Er rappt in raffinierter, launiger und absurder Mundart, die auch dann nicht peinlich klingt, wenn von Swag, Bitches oder seiner Crew die Rede ist. Ignaz stellt sein auf Asap Rocky geeichtes Wunschdenken mit Humor und großer Gelassenheit aus. So überbetont der Salzburger auch gar nicht erst seinen Dialekt, sondern rappt entspannt aus der Hüfte. Das alte Sampling-Prinzip von HipHop nutzt er bestmöglich für die eigene Sache. Crack Ignaz steht für jungen Rap aus Österreich, der entspannt nach den Sternen am Indie-Himmel greift. Er instrumentalisiert selbstbewusst, was er gerade zur Inspiration brauchen kann und schafft es dabei, originell und cool zu sein. 07/10 klaus buchholz
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Ducktails The Flower Lane (Domino)
Magnum-Sonne Eine ärgerliche Platte ist es geworden. Kosmische Klänge und betont am Boden gebliebene Stimmung vereinen sich zu hinreißender Einprägsamkeit. Die leichtfüßigen Melodien tänzeln scheinbar unbemerkt an einem vorbei. Man hört sie vielleicht nur nebenher, doch es bleibt genug hängen, um sich plötzlich beim Pfeifen einer dieser verteufelten Ohrwürmer selber zu ertappen. Ducktails wurden von Matt Mondanile in New Jersey ins Leben gerufen. Sein Solo-Projekt besteht zwar schon seit einigen Jahren, Bekanntheit erlangte er aber hauptsächlich durch sein Gitarrenspiel bei Real Estate. Die beiden Bands haben zwar Gemeinsamkeiten, wie der schonungslose Umgang mit eingängigen Melodien und nostal gischen 80er-Gitarren, Ducktails gehen aber einen Schritt weiter aus sich heraus und verlangen Aufmerksamkeit vom Hörer. Aber die Musik drängt sich nicht als hochtrabend auf. Genau diese Eigenschaft zeichnet »The Flower Lane« aus. Die Platte lässt sich ebenso beim nachmittäglichen Grillen in der Sommersonne hören, als auch mit Kopfhörern und voller Konzentration auf der Couch zuhause. Erste Blicke der Blogosphäre zog die Vorabsingle »Letter Of Intent« auf sich. Eine Chillwave-Nummer mit Gastsängerin Jessa Farkas und Synthieklängen von Daniel Lopatin, besser bekannt als Oneohtrix Point Never. Doch diese schwebende Stimmung berichtet nur von einer der vielen Facetten des Albums. Die Eingängigkeit von »Letter Of Intent« kann es leider nicht durchgehen aufrecht erhalten. Vor allem die letzte Nummer »Academy Avenue« passt so gar nicht in das Konzept und fungiert mit schwachem Gesang und undefinierbaren DelayGitarren eindeutig als Filler. Am besten, man spult zum zehntausendsten Mal auf Nummer fünf zurück und hört sich die Geschichte von auf Bäumen wachsenden Drogen und Sex mit außerirdischen Frauen an. »Planet Phrom« wird auch beim zehntausendsten Mal nicht fade. Das Album revolutioniert nichts und ist verdammt gut dabei. Ducktails greifen bekannte Ideen auf, verarbeiten sie mit fast kindlicher Verspieltheit und was dabei rauskommt ist ein rundes Stück großartiger Pop-Musik zum Ausatmen. 08/10 Benjamin Agostini 059
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Darwin Deez Songs For Imaginative People (Cooperative / Universal)
Ansichten eines Clowns Darwin Deez kombinieren die Ideenapokalypse von Of Montreal mit den aufgekratzten 80ern von Twin Shadow. Könnte nach dem zweiten Album anstrengend werden. Inzwischen noch: anstrengend geil. Die Eltern von Darwin Deez haben sicher viel »Miami Vice« gesehen. Und Darwin Deez hat in seinen Jugendjahren sicher nächtelang Wiederholungen davon geschaut. Wie sonst sollten sich die typischen Sounds der Serie so tief in die DNA von Darwin Deez – gleichzeitig Name der Band – eingebrannt haben. Damit kein falscher Eindruck aufkommt, »Miami Vice« ist nicht alles. Dazu kommen ein unruhiges Herz, quietschende Drums, Krach und ein schwer zu übersehender Charakterkopf. Am Cover seines zweiten Albums führt sich Darwin Deez vor, er ist schuldig, schuldig, dass er verdammt dünn ist, dass er seine Locken mit einem Stirnband zusammenhält und Musik mit seltsamen Vorzeichen macht. Die Songs selbst legen oft ein enorm hohes Tempo vor, WeirdoKollege Dan Deacon (eine Supergroup der beiden könnte DDDD heißen) hätte seine Freude daran. Darwin Deez halten bei aller Nervosität aber einige ergreifende Melodien im Kern zusammen. »No Love« zeigt, wie die Band das Glatte mit dem Schrägen kombiniert – da fährt eine trockene Gitarre immer wieder in den dunkelblauen Grund –, wie man auch mal alle Spuren für den Groove von kaltem Schweiß, Koks und Neon ausräumen kann. Der Vorbote »Free (The Editorial Me)« könnte irgendwie sogar Grunge sein, wenn die Stimme nicht so weit in den Vordergrund gemixt wäre. Dabei gibt sich die Band alle Mühe, nicht zu ernst genommen zu werden. Überhitzte Gitarrensoli, Falsettexpeditionen, Hall-and-Oates-Gedächtnis-Synths können aber nicht verbergen, dass hier jemand ironisch zwinkert, während er ein paar beeindruckende Songs ineinander klappt. Das schrammelige »Redshift« ist gespickt mit Percussions, mit kleinen Verzögerungen und Beschleunigungen. Der Refrain würde bei Poppunkbands schnell nach epischen Titelsongs für Samstagnachmittagsjugendserien klingen. Darwin Deez steht aber zu seinen Unzulänglichkeiten. Und so ist das öfters quer übers Album: Nach außen hin lacht man über den traurigen Clown, und hinterher hat man feuchte Augen. 07/10 stefan niederwieser
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Foxygen We Are the 21st Century Ambassadors of Peace & Magic (Jagjaguwar)
Die Reise in die Konfetti-Kanone Die klassischsten aller klassischen Musiken im neuen, schicken Gewand: Foxygen wissen, wie Pop gehen kann. Bunt, übersprudelnd. Man möchte sich die zwei jungen Männer von Foxygen unbedingt stets mit Hemd im Paisley-Muster bekleidet vorstellen, mit Federstola, in Flamingo-Farbe vielleicht, und eventuell mit goldenem Zylinder oben auf dem wirren Haar thronend. Der gar »witzige« Bandname und der opulent-größenwahnsinnige (und dann schon lustige) Titel des zweiten Albums des kalifornischen Duos legen nahe, dass man es hier mit regelrechten Spaß-Gesellen zu tun hat, die sich auch für zur Schau gestellten Irrsinn und für Exaltiertheit nicht zu schade sind. Foxygen sind Glam und großzügig aus dem Fass überschwappender, psychedelischer Sirup. Die beiden Multi-Instrumentalisten Sam France und Jonathan Rado dürften sich mit dieser wunderbaren Platte anschicken, so etwas wie die neuen MGMT zu werden – eine Band, die mit einer mittelmäßigen und einer sehr guten Platte und mit einer niemanden störenden Durchschnittlichkeit zu Weltruhm gelangte – und in ihren Batik-Leibchen und Stirnbändern immer ein wenig verkleidet aussah. Bei aller Raserei und sexy Pose geht es bei Foxygen aber bodennäher zu: hier ist eben nicht alles bloße Kostümierung. Foxygen haben ihrer Musik Ideen von allem einverleibt, was gut und classic ist: Bob Dylan, Space-Bowie, T. Rex, die weirden Beatles, die Rolling Stones in allen Phasen – all das und viel mehr ist aus diesem Album herauszuhören. Nun sind Foxygen jedoch kein, ähm, Retro-Act, dem das Bewahren und das punktgenaue Nachstellen die höchsten Güter sind. Bekannte Soundanordnungen und Klangqualitäten werden hier in neue Umgebungen gestellt, mit Fußnoten versehen und interessant gebrochen. Foxygen gelingt der schwere Tanz auf heißem Drahtseil zwischen Humor (der aber eben gerade nicht bloß Ironie ist) und einer hohen musikalischen Kunstfertigkeit, die dabei nie in den heiligen Ernst stumpfen Handwerks wegbricht. Eine rätselhafte Platte, die normal genug ist, um Foxygen demnächst in kleine Stadien zu hieven. 08/10 philipp l’heritier
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BILD Phil Sharp, Angel Ceballos, Natasha Ghosn, Wolfgang Lienbacher
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Steaming Satellites Slipstream (The Instrument Village)
Noch einmal ohne Gefühl
Eklektizismus-Opfer
»No World« macht über weite Strecken das, was R’n’B-Platten dieses Genres auf keinen Fall dürfen: Sie plätschert vor sich hin.
Sie klingen nicht schlecht, die drei Salzburger mit den großen Ambitionen und ihre elf neuen Songs, aber wollen tun sie damit nichts.
Wenn man R’n’B mit einem Wort beschreiben müsste, würde sich Intensität anbieten. R’n’B ist nichts ohne Intensität. Sie zieht sich im Grunde durch das gesamte Spektrum: Der Gesang zieht sie entweder durch schwingende Kraft (En Vogue) oder durch leise Vielfältigkeit (D’Angelo). Und auch die Themenwahl bietet pure Intensität. Es geht um Liebe, ums Verlassenwerden und viel um Sex. Trotzdem werden Mütter eher besungen als gefickt. Sex ist im R’n’B kein Instrument von Macht, Demütigung und Unterwerfung, sondern ein ehrlicher Ausdruck von Verlangen. Und Ehrlichkeit ist letztlich Teil des Versprechens dieser Musik. Wer so intensiv leidet wie Tony Braxton, dem muss man einfach glauben. In diesem Punkt macht »No World« von Inc. leider ziemlich viel falsch. Es ist nicht so, dass das Debütalbum der Brüder Andrew und Daniel Aged, beide seit Jahren als Produzenten für namhafte R’n’B-Künstler tätig, ein Griff ins Klo wäre. Aber ihm fehlt über weite Strecken einfach die Intensität. Grundsätzlich wäre das kein Problem: Meilensteine des R’n’B kamen ohne kraftvollen Gesang aus. Aber das funktioniert nur, wenn Songwriting und Produktion dem Track über Instrumentierung oder Cuts Überraschungsmomente und Klimax geben. Das passiert auf „»No World« viel zu selten. Inc. nehmen dem Genre damit viel von dem, was es durch Musiker wie Frank Ocean oder How To Dress Well in den letzten Jahren an Interessantem gewonnen hat. Intensität, Achterbahnfahrt und Gänsehautgefühl eines »Bad Religion« bietet »No World« nicht. Einige Inc.-Songs bleiben wirklich im Ohr hängen, weil sie entweder wie »The Place« verdammt gut geschrieben und produziert oder wie »Lifetimes« eine Melodie mitbringen, die schwache wie starke Gemüter schmelzen lässt. »No World« bietet aber zu viele schöne, aber mediokre Füller. Inc. begehen damit eine Todsünde. Bei R’n’B geht es um die Ups and Downs. Sich auf einer Gefühlskala dauerhaft im Mittelmaß einzupendeln, mag realistisch sein. Aber wer würde das hören wollen? 06/10 jonas vogt
»Das ist so was von Sch…, das würde ich nicht besprechen«, sagt die Frau, als das neue Album der Salzburger Band Steaming Satellites durch die Wohnung klingt. Ich relativiere, selbst wenn der Song »Notice« mit seinem Fake-Prog-Rock-Disco-Ansatz schwer zu ertragen ist. Menschen, die Tanzen suspekt finden, spielen zum Tanz auf. Was hilft es, wenn sich die Musik der 10er-Jahre die Freiheit des »Alles geht!« auf die Fahnen schreibt, aber dann seelenloses, dröges und inhaltsleeres Gemucke – schaut, wie geil und viel wir spielen können und was für einen tollen, internationalen, zeitgemäßen Sound wir zusammenbringen – herauskommt. Das ist die Rückkehr der 70er (vor Disco und Punk) mit anderen Mitteln und vorgetäuscht anderem Geist. Stil, das ist in einem Second-Hand-Laden (als den die Steaming Satellites den ihnen geläufigen Ausschnitt der Rockgeschichte richtig begreifen) geschmacksicher die Teile zu kombinieren, die ein stimmiges Bild ergeben, das, wenn schon nicht neu, dann wenigstens stimmig oder überraschend ist. Aber bitte nicht einfach einen Streifzug durchs Angebot abbilden und als eigene ästhetische Leistung ausgeben. Das war schon bei Mumford & Sons langweilig. Und wenn im Zusammenhang mit dieser Band von Psychedelic – hier bedingt zu hören – die Rede ist, muss gesagt werden, das keiner der elf Songs in der Lage ist, irgendein Bewusstsein zu erweitern oder gar zu befreien. »I didn’t see the truth, I just came back for another try« (»Another Try«). Noch Fragen? Das ist Musik, die überall herkommen kann und deswegen (vermeintlich) überall funktioniert, die von Nichts erzählt und im Nichts ankommen wird. Musik, die den Weg in eine vielleicht erstrebenswerte Existenz als im arbeitsintensiven Dialog mit Agentur- und Musikfunktionärswesen funktionierenden Band ebnet, im dicht besiedelten europäischen Mittelfeld inklusive »großer« Festivalgigs und SupportSlots. Wenn mensch das will, dann ist »Slipstream« ein Album, das dem bestimmt nicht im Wege steht. Auch schon was. 05/10 rainer krispel 061
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[[[Altar:Thron]]] [[[Altar:Thron]]] (Rock Is Hell) — Was Lightning Bolt und Reflector können, das können Franz Zar und Markus Krispel auch. Zu zweit lassen es die Wiener Sludge/Doomer richtig krachen. Nur den Gesang, den muss man mögen.
The Asphodels Ruled By Passion Destroyed By Lust (Rotters Golf Club) — Trocken-kühle wavige RetroElektronikübung. Nicht schlecht im eigentlichen Sinn, aber ziemlich angestaubt. 04/10 Thomas Wieser
06/10 Werner Schröttner
Unknown Mortal Orchestra II (Jagjaguwar)
In einer Gezeitenlinie aus Wahn, Depression und Übermut zeichnet das UMO psychedelische Muster an Wände, gegen die auch Syd Barrett einst seinen Kopf geschlagen hat. Nach einer Reihe inkonsequent dahingerotzter Singles und einem entsprechend effektvoll überkandidelten Debütalbum zeigt das Unknown Mortal Orchestra auf seinem zweiten Longplayer, dass es mehr kann als high zu sein. Mit dem sinnig als »II« betitelten Werk ist der Kapelle aus Portland so etwas wie eine vorhersehbare Überraschung gelungen. Lo-Fi, Krautrock und Space Psychedelia haben schon lange nicht mehr so ungeniert zusammen schmutzige Liebe gemacht wie auf dieser kurzen und prägnanten Platte. Der Mix aus Borderline-Manie, Cut-and-Paste-Kassettenästhetik und konstruierter Beiläufigkeit wirkt auf eine eigenwillige Art ebenso zeitgeistig wie identitätsstiftend. In einem Indie-Kontext, in der jede noch so nebensächliche Randerscheinung vorab definierten Marktmechanismen folgt, mag die Hybris aus nebelverhangenem Dark Wave, RZASamples und LSD-glasierten Electronicaplomben wohl keine Innovationspunkte mehr einheimsen. Das DIY-Bandprojekt des Neuseeländers Ruban Nielson läuft dennoch blindlings einer kongruent kartografierten Gezeitenlinie aus Wahn, Depression und Übermut entgegen – und geht darin voll auf. Das Unknown Mortal Orchestra orchestriert mit hochskalierter Relevanz genau die Art von Blogger-, Bandcamp-, Tumblr- und Twitter-Hype, an deren Bedeutungsblase schon ganz andere Projekte gescheitert sind. Im Unterschied zum zyklisch stattfindenden Social-Media-Untergrund-Hit bleiben die Geister, die auf »II« beschworen werden, allerdings auch haften, wenn der Online-Zugang gekappt ist. »II« beinhaltet alles, was man von der Band schon lange gelesen, sich aber nie zu erwarten getraut hat. Es ist ein rundherum gelungenes, experimentelles, schwarzbuntes Indie-Kleinod, das von vielen verpasst und von einigen zur Platte des Jahres erkoren werden wird. 08/10 michael kirchdorfer
The Deadstock 33s The Pilgrim’s Ghost (Gomma) — Rave-Veteran Justin Robertson lädt ein zum Tanz auf dem Psychedelik-Vulkan: melancholisch, verträumt, aber mit beiden Beinen fest am Floor. 06/10 Martin Riedl
07/10 David Mochida Krispel
Hot Coins The Damage Is Done (Sonar Kollektiv) — Danny Berman alias Red Rack’em steigt mit seinem neuen Projekt Hot Coins in den Ring, geht zwar in seinem ersten Kampf ein-, zweimal zu Boden, gewinnt aber nach Punkten.
The Joy Formidable Wolf’s Law (Atlantic Records) — Drei Waliser mimen den Eskapismus von Feist und Bon Iver und finden irgendwo in der Pampa in Maine ausgerechnet noch nie gehörten Stadionrock-Pathos.
06/10 Kevin Reiterer
06/10 Franziska Tschinderle
Christopher Owens Lysandre (Turnstile) — Der einstige Kopf des Duos Girls verarbeitet Schmerz und Liebe in einer schlanken Singer/ Songwriter-Platte. Mit aller lei Geflöte und Saxofon.
PVT Homosapien (Homosapien) — Abgespeckter Prog-Rock, krautige Elektronik und leiser Pathos in der Stimme: Das Trio PVT versteht das Wort »PostRock« als fixe Kategorie.
07/10 Philipp L’Heritier
06/10 Philipp L’Heritier
BILD Neil Krug
LSD × DIY × RZA
Dawn McCarthy & Bonnie »Prince« Billy What The Brothers Sang (Domino) — Exzentrisches Tribute an die Everly Brothers, das ohne Hits auskommt. Das Great American Songbook trifft auf Country-/Softrock-Mainstream. Mitunter gewagt.
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Jake Bugg Same (Mercury) — Neoklassizistischer Singer/SongwriterStoff mit Rock-Gestus eines 18-jährigen Engländers, dessen Stimme für sich interessanter ist als seine Songs.
m u si k
Nick Cave And The Bad Seeds Push The Sky Away (Bad Seed Ltd) — Fünf Jahre nach dem letzten BadSeeds-Album veröffentlichen Cave & Co ihr 15. Studiowerk. Neun neue Songs kultivieren eine karge Schönheit.
Chelsea Light Moving Chelsea Light Moving (Matador) — Thurston Moores neue Band bringt, was alle wollen: Noise, Freak-outs, experimentelle Codas, sprich einen Rekurs auf glanzvollere Sonic-Youth-Zeiten. Fine!
Benjamin Damage Heliosphere (50 Weapons) — »Helio sphere« ist einer der ersten Vorboten des technoreichen Jahres 2013. Rohheit mit Eleganz, Klarheit und Weitsicht. Tauscht die Mitsubishis gegen Hornbrillen ein.
06/10 Rainer Krispel
08/10 David Mochida Krispel
07/10 Johannes Piller
Doldrums Lesser Evil (Souterrain Transmissions) — Der krachende Dark Trance von Doldrums liefert den Soundtrack zur digitalen Überreizung, überfordert dabei aber selbst oft genug.
Eels Wonderful, Glorious (Universal) — Weniger Biografiedrama, mehr musikalische Ideen: Das Eels-Album Nummer zehn reißt von den Eels ermüdete Ohren wieder aus dem Halbschlaf.
The End Band Babysounds (Zita) — Mit Courage und Experimenten reift The End Band mittels Dream-IndiePop über den Status quo der heimischen Szene hinaus.
Bruce Foxton Back In The Room (Bass Tone) — Der ehemalige Bandgefährte von Paul Weller bei The Jam ist nun mit seinem erst zweiten Soloalbum zurück – und wie!
07/10 Franziska Tschinderle
07/10 Gerald C. Stocker
06/10 Stefan Niederwieser
07/10 Michael Huber
Richard Kapp & The Gowns Amok (vienna2day) — Kapp macht Unausgegorenheit zu seiner Stärke und Amok durch die Stile zum Programm. Crooner, Welt und großes Theater in einem.
KXP II (Melodic) — Finnischer Kraut-Synthie-DanceExperimental-Pop. Reinhören, Gefallen finden oder Liegenlassen scheint hier die Devise zu sein.
07/10 Gerald C. Stocker
05/10 Kevin Reiterer
Jamie Lidell Jamie Lidell (Warp) — Jamie Lidell unternimmt abermals eine Zeit reise in Sachen Soul. Diesmal ist er Ende der 70er, Anfang der 80er angekommen. Sein neues Album verneigt sich vor dem zappeligen Disco-Nachwuchs-Boogie.
Local Natives Hummingbird (PIAS) — Das Schicksal sitzt im Nacken dieses kalifornischen Vierers und bläst sich zu sehr vertrauten, aber handwerklich meisterlichen Songs auf. Mit echtem Klosterfrau-Melissengesang.
05/10 Rainer Krispel
06/10 Stefan Niederwieser
BILD Neil Krug
07/10 Klaus Buchholz
Ulrich Schnauss A Long Way Down (Pias) — Das höfliche Knistern – Der deutsche Musiker und Produzent wirft die weich summenden Synthesizer an und packt die Beats in Schaumstoff.
Shout Out Louds Optica (Vertigo Berlin) — Das fünfköpfige Ensemble bastelt beständig am Ruf Schwedens als große Popnation. Diesmal mit fröhlicheren Tönen, Streichern, Bläsern und Flöten.
07/10 Philipp L'Heritier
06/10 Gerald C. Stocker
Sin Fang Flowers (Morr Music) — Das zarteste Pflänzchen übersteht manchmal den kältesten Winter. Sin Fangs Fauna bringt teilweise sogar Eisplatten zum Schmelzen. Es bleibt glitzernder Tau. Und ein Haufen Matsch. 03/10 Nicole Schöndorfer
Darkstar News From Nowhere (Warp) — Darkstar haben Hyperdub hinter sich gelassen. Sie surfen jetzt auf Quecksilber und breiten sich dort aus, wo Ambient und Pop ineinander übergehen. 06/10 Stefan Niederwieser
Funeral Suits Lily Of The Valley (Rubyworks) — Der dunkle Grundton steht den Anzugträgern richtig gut. So stilsicher vermengte kaum jemand zuvor Synthies, Art-Rock und Elektronik in anspruchsvolle Popmusik. Nur die zweite Hälfte lässt nach. 06/10 Reiner Kapeller
Navel Loverboy (Nois-o-lution) — Drittes Album der stets bemühten, seit 2003 aktiven Schweizer. Einfach nur Rockmusik? Ja, nicht die schlechteste, die aber das Schicksal im Regal mit den beiden Vorgänger teilen wird. 05/10 Rainer Krispel
Snuff 5-4-3-2-1 … Perhaps? (Fat Wreck Chords) — Diese Britische Pop-Punkhelden haben ihre allerbesten Songs in einem geschundenen Genre schon gespielt und gesungen, was diese hier gar nicht schlechter macht. 06/10 Rainer Krispel
The Soft Hills Chromatisms (Tapete Records via Indigo) — Soft Progressive Rock und Experimental Psychedelic Folk. Wie auch immer sich dieses On-Off-Gspusi bei The Soft Hills nennt, alle anderen hatten es schon vorher und es war gut. 05/10 Nicole Schöndorfer
01/10 grottig 02/10 schlecht 03/10 naja 04/10 ok, passt eh 05/10 guter Durchschnitt 06/10 sehr gut 07/10 super 08/10 ein Top-Album des Jahres, Genre-Klassiker 09/10 absolutes Meisterwerk
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Arbitrage von Nicholas Jarecki; mit Richard Gere, Susan Sarandon, Tim Roth, Brit Marling, Laetitia Casta — Schade, dass Richard Gere in so vielen furchtbaren Produktionen mitwirkt. Der klassische Thriller »Arbitrage« bildet da eine der Ausnahmen, in denen der Hollywood-Star herausgefordert wird. Hier spielt er (wieder) den schwerreichen Manager, der seine Bilanzen fälscht und bei einem Autounfall seine Geliebte tödlich verunglücken lässt. Beides gilt es fortan vor Familie (Susan Sarandon als souveräne Millionärsgattin) und Mordkommissar (wunderbar schnörkellos: Tim Roth) zu vertuschen. Gere überzeugt mit seinem beherrschten Schauspiel und besonders, wenn die Verzweiflung aus seiner Figur herausbricht. Außerdem kann man Regisseur Jarecki (»The Informers«) für Sätze wie diesen danken: »I am a patriarch. That’s my role. I have to play it«. Das wollte man einen halb gebrochenen Richard Gere doch immer schon mal sagen hören. 06/10 Klaus Buchholz Cäsar muss sterben von Paolo und Vittorio Taviani; mit Cosimo Rega, Salvatore Striano, Giovanni Arcuri — Theater im Hochsicherheitstrakt einer römischen Strafanstalt: Die Regie-Brüder Taviani haben die Proben von Schwerverbrechern aufgenommen, die ihr Stück am Ende für ein öffentliches Publikum aufführen. Theaterregisseur Fabio Cavalli arbeitet mit den Häftlingen bereits seit zehn Jahren zusammen, mehr als 100 Gefängnisinsassen hat er schon auf die Bühne geschickt. Während der Inszenierung von Shakespeares »Julius Cäsar« beginnen die Darsteller sich mit ihren Figuren zu identifizieren und über Ähnlichkeiten nachzudenken. Die Geschichte handelt von der Ermordung Cäsars durch seinen Adoptivsohn Brutus, aber auch von Stolz, Ehre, Macht und Brüderlichkeit. Durch die Auseinandersetzung steigen Gefühle von Scham, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit auf, welche die Tavianis einfangen. Doch die Form könnte unglaubwürdiger nicht sein: Jene Szenen, in denen die Häftlinge sie selbst sein sollten, wirken viel eher einstudiert als das Theaterstück selbst. Dennoch bleibt ihr Auftritt imposant. 05/10 Sarah Al-Hashimi
Zero Dark Thirty von Kathryn Bigelow; mit Jessica Chastain, Jason Clarke, Joel Edgerton — Bei der Beurteilung von »Zero Dark Thirty« tut sich ein Vielzahl von Fall stricken auf. Die bisherige, in den USA erwartungsgemäß heftige Rezeption des Films legt nahe, sich für oder gegen Kathryn Bigelow zu verorten. Wird Folter in dem Film als rechtmäßiges Mittel der Terrorbekämpfung etabliert? Ist das Gegenteil der Fall? Kann man ihr vorwerfen, sie würde sich zu wenig positionieren? Kann ihr Kinofilm an ihrem Anspruch journalistisch korrekter Recherche denn überhaupt gemessen werden? Waterboarding und andere Foltermethoden gliedern sich hier in einem wuchtigen, aber bemüht differenzierten Film über moderne Kriegsführung ein. Die Thematik »War on Terror« ist monströs und findet ihre Entsprechung in einem dicht erzählten, intensiven Kinoerlebnis. Jessica Chastain spielt ihre besessene CIA-Agentin umwerfend, ebenso berauschend ist Jason Clarke als Folterknecht. »Zero Dark Thirty« wirft menschenrechtliche und sicherheitspolitische Fragen auf, bleibt als Diskurs-Steilvorlage aber keine Antworten schuldig. 08/10 Klaus Buchholz
Film
Hannah Arendt von Margarethe von Trotta; mit Barbara Sukowa, Axel Milberg, Julia Jentsch
Anleitung zum Selber-Denken Die politische Theoretikerin Hannah Arendt polarisierte Zeit ihres Lebens mit ihren Thesen zu Macht und Totalitarismus. Überaus nüchtern hat Margarethe von Trotta die Episode Eichmann aus dem Leben dieser außergewöhnlichen Frau verfilmt. Arendt soll im Jahr 1961 für den New Yorker über den Prozess des Nazi-Verbrechers Adolf Eichmann in Jerusalem berichten. Dort angekommen, sieht sie sich jedoch nicht dem von ihr erwarteten Monster gegenüber, sondern nur einem, wie sie es nennt, »Hanswurst«. Zurück in New York arbeitet sie wie besessen an ihrer Reportage. Schließlich erscheint 1963 eine Artikelserie, in welcher sie die These der Banalität des Bösen proklamiert. Eichmann beschreibt sie zwar als »größten Verbrecher seiner Zeit«, aber auch als einfaches Herdentier, der das getan hat, was ihm befohlen wurde. Damit löst sie einen Aufschrei aus: Sie erhält Mord drohungen, verliert Freunde und beinahe ihre Anstellung als Lehrende an der Universität. Sie bleibt bei ihrer Meinung und beharrt darauf, dass man auch dorthin denken müsse, wo es weh tut. Regisseurin Margarethe von Trotta, die bereits das Leben von Rosa Luxemburg verfilmt hat, erzählt diese Geschichte ohne Schnörkel und sehr geradlinig. Was überrascht, ist, dass sie die oftmals als kalt und arrogant bezeichnete Philosophin als eine durchaus gefühlvolle Frau darstellt. Zudem schafft sie es hervorragend, die Stimmung der frühen 1960er im intellektuellen Kreis der Emigrierten in New York einzufangen. Der Film überzeugt vor allem mit den leidenschaftlich geführten Diskussionen seiner Protagonisten. Im Mittelpunkt bleibt immer die Kontroverse um den Eichmann-Prozess. Hauptdarstellerin Barbara Sukowa ist passend für die Rolle der starken, kampflustigen und stets Zigaretten rauchenden Politologin, auch wenn sie gelegentlich hölzern wirkt. Nichtsdestotrotz harmonieren die bekannten deutschen Charakterdarsteller hervorragend (etwa Julia Jentsch oder Axel Milberg). Margarethe von Trotta appelliert mit ihrem Biopic an das, was für Arendt im Vordergrund stand: das selbständige Denken. Ihr Film schafft es, einen schlagenden Einblick in den Intellekt dieser Ausnahme-Philosophin zu gewähren. 07/10 Lena Nitsch
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Film
Lincoln von Steven Spielberg; mit Daniel Day-Lewis, Sally Field, Joseph Gordon-Levitt, Tommy Lee Jones
Der große Pragmatiker Steven Spielbergs »Lincoln« ist ein Lehrstück des Pragmatismus, zugleich schreibt der Film aber weiter am großen amerikanischen Mythos. Und er zeigt, dass man sich für echte Demokratie ordentlich die Hände schmutzig machen muss. Blut klebt an den Händen des Präsidenten, im Bürgerkrieg gegen die Südstaaten sind bereits Hunderttausende gefallen – Abraham Lincolns Leben, eingedampft auf das Frühjahr 1865. Jener Zeitpunkt, an dem er alles daran setzt, sein 13. Amendment durch das Repräsentantenhaus zu boxen. Dieser Zusatzartikel zur Verfassung soll die junge Union von der Sklaverei befreien, noch ehe der Bürgerkrieg vorbei ist. Besser hätte Steven Spielberg das Framing für seinen Film nicht wählen können. Er zeigt, wie spannend Gesetzgebungsprozesse sein könnten. Von Tony Kushners ursprünglichem Drehbuch verwendete Spielberg nur einen Bruchteil und verdichtet den Rest auf einen Film mit packendem Drive. Solche Zweidrittelmehrheiten will man öfter sehen. Beim Lackmustest der amerikanischen Demokratie heißen die Waffen des Präsidenten Wendigkeit und Pragmatismus. Besonders von Letzterem zeigt dieser Film überraschend viel. Daniel Day-Lewis ist ein geeigneter Erfüllungsgehilfe. Er spielt den Präsidenten als verschmitzten Player, der das Richtige will, sich aber nicht immer an die Regeln hält. Melancholisch, schwer, aber mit dem Schelm im Nacken ist Day-Lewis ein vor allem im Wortsinn großer Präsident. Wenn sein Lincoln spricht, so spricht er mit melodischem Falsetto-Singsang. Am tatsächlichen Lincoln soll das angeblich nahe dran sein. Klug balanciert Spielberg zwischen andächtigen Szenen im Weißen Haus und der hektisch-komischen Stimmenjagd dreier Lobbyisten, die für den Präsidenten Demokraten angeln (überzeichnet und unterhaltsam: James Spader). In den eigenen Reihen muss »Honest Abe« selbst Hand anlegen: Den radikalen republikanischen Abolitionisten unter der Führung von Thaddeus Stevens (genial: Tommy Lee Jones) gehen Lincolns Forderungen nicht weit genug. Stevens ist einer der prononciertesten Charaktere des Films, seine Darstellung beeindruckend kantig. Die Abwechslung aus hitzigen Kongress-Debatten und schlichten Back-OfficeShots treibt den Film voran, und baut schlüssig bis zur finalen Abstimmung auf. Demokrat Spielberg schreibt mit »Lincoln« weiter an den großen amerikanischen Mythen, zeigt aber eine gewichtige Erkenntnis: Großes kann nur durch Pragmatismus erreicht werden. Egal ob moralisch oder politisch motiviert. Dank sei Abraham Day-Lewis Lincoln. In jedem Fall. 09/10 Martin Riedl
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Introducing Charlie Sanders Sympathie und Wahnsinn liegen beim schlagfertigen Spiel von Charlie Sanders nah beieinander. Seine bodenständigen Figuren verlieren sich häufig im eigenen Wortschwall. Im Scheitern wächst der Komödiant aus Minnesota über sich hinaus. Regelmäßig twittert Charlie Sanders die sekundengenaue Zeit, die er benötigt, um das Kreuzworträtsel der jeweiligen Ausgabe der New York Times zu lösen. Der Autor, Stand-up Comedian und Schauspieler gefällt sich in eingebürgerten Charakteren. In der Mitte des Alltagslebens liegt die Kraft seines Humors und mit dem Überreizen seine Figuren ihre Grenzen. Er agiert direkt aber feinfühlig, wenn er den Wahnsinn in seinen Dialogen aufblitzen lässt. Vor zwei Jahren veröffentlichte Sanders auf der Website Funny or Die seinen Kurzfilm »The Big Dog«. Darin spielt er einen überambitionierten Fast-Food-Verkäufer. Er ist besessen von der Idee, den firmeneigenen PizzaContest zu gewinnen. Doch die Liebe zum Job wird sein Verhängnis. Wegen dem Diebstahl der von ihm begehrten Knoblauch-Sauce feuert ihn sein Boss (der großartige Bob Odenkirk – Anwalt bei »Breaking Bad«). Der Held fällt und verliert, aber gewinnt sein Publikum in absurder Verzweiflung. Sein bisher größter Erfolg ist jedoch sein Officer Joe Stubeck in der aberwitzigen TVSerie »Death Valley« (MTV). Als grobschlächtiger Cop jagt er nach Vampiren, Werwölfen und Zombies. Diese belagern Los Angeles und sind Teil des örtlichen organisierten Verbrechens geworden. Inmitten der verschrobenen Figuren dieses albernen Horrorvergnügens spielt er den unbeholfen Moralapostel mit Familie. Er verheddert sich im eigenen Pflichtbewusstsein und triumphiert auch hier als ein absurder aber liebenswerter Besiegter – während um ihn herum die Welt in Kunstblut, Sex und Krimi ertrinkt. Die erste und leider einzige Staffel von »Death Valley« ist via Paramount auf DVD erschienen. TEXT Klaus Buchholz BILD Viva
Auslandseinsatz (Alive) von Till Endemann; mit Max Riemelt, Hanno Koffler, Omar El-Saeidi
Schlawiner (ORF / Filmladen) von Paul Harather; mit Michael Ostrowski, Angelika Niedetsky, Gregor Seeberg
Triest (Hoanzl) von und mit Thomas Stipsits, Manuel Rubey
We Need To Talk About Kevin (Kino Kontrovers) von Lynne Ramsay; mit Tilda Swinton, John C. Reilly, Ezra Miller
DVD
Till Endemann begleitet in dem Spielfilm »Auslandseinsatz« eine Truppe deutscher Soldaten nach Afghanistan. Der Hilfseinsatz, auf dem sie nicht nur möglicherweise anwesende Taliban bekämpfen sollen, sondern auch die Zivilbevölkerung unterstützen, bringt die Truppe schnell in moralische Zwickmühlen. Der Film bleibt hier angenehm differenziert und lässt sich auf keine einfachen Antworten ein. Leider gibt es rein technisch und formal vom Drehbuch über die Schauspieler beziehungsweise deren Führung, bis zur Kamera einige Schwachstellen und der Film wirkt stellenweise unprofessionell. Auch wurden ähnliche Geschichten und Fragestellungen in anderen Ländern und Filmen bereits sehr ähnlich thematisiert. Als deutscher Diskurs-Beitrag ist »Auslandseinsatz« trotzdem gelungen, zeigt wiederkehrende Geschichten der Desillusionierung und bestätigt die Verweigerung endgültiger Aussagen. 06/10 Martin Mühl »Schlawiner« ist nicht nur leicht chaotisch, sondern letztendlich auch vergleichsweise wenig auf Hochglanz poliert. Die Pointen sind nicht herausgearbeitet und vieles bleibt unscharf. Und doch ist die Serie ein Unterhaltungshöhepunkt, der ungemein witzig und mitunter lebensnah zum Lachen bringt. Die Szenen wirken spontan und direkt, zum Teil liegt das wohl auch daran, dass Harather den Schauspielern vor einer Szene immer nur ihren Text gab und sie nicht wussten, was ihr Gegenüber sagen wird. Große Momente haben die Paare Michael Ostrowski und Angelika Niedetzky als Paar zwischen Liebe und Dauer-Streit und Alexander Jagsch und Suse Lichtenberger als deutsch-österreichisches Paar mit zwei Kindern. Quasi ein Spin-Off bekam Gregor Seeberg bereits als Engelbert, der nicht nur zur liebevollen Rücksichtslosigkeit neigt, sondern auch regelmäßig aus der Luft gegriffene, dafür aber umso längere Erklärungen für allerlei angebliche Phänomene findet. Sehr, sehr kurzweilige Unterhaltung! 09/10 Martin Mühl »Triest« entstand als Zusammenarbeit von Thomas Stipsits und Manuel Rubey und weist mitunter Ähnlichkeiten zu »Indien« auf. Neben dem gut harmonisierenden Duo und der obligatorischen Vielzahl an Pointen lässt sich vor allem die geschickt inszenierte Geschichte dieser Odyssee herausheben. Was als harmlose Kreuzfahrt für eine TV-Produktion beginnt, driftet zunehmend in eine chaotische Reise, in der Wahnsinn und Wirklichkeit nahe beieinander liegen. Es ist toll mitanzusehen, wie die Protagonisten zwischen einer Vielzahl an Rollen wechseln und zugleich Episoden aus dem echten Leben in diesen Trubel einwerfen. Im Gegensatz zu so mancher KabarettProduktion, in der eine relativ lose Geschichte den Grund und Boden für die Witze bildet, liefert der Spannungsbogen von »Triest« einen ambitionierten Rahmen. In vollen zwei Stunden geht »Triest« den Weg von einer rasanten und beschwingten Komödie hin zur ernsten Tragödie. Mitunter kann das enttäuschen, denn in der zweiten Hälfte des Programms kommt es zu Wiederholungen und Abnutzungserscheinungen. »Triest« ist eben mehr als die gewohnte Witzorgie und alleine deshalb einen genaueren Blick wert. 07/10 Reiner Kapeller Nicht nur formal großartig erzählt »We Need To Talk About Kevin« die Geschichte einer Mutter, die von Geburt an mit ihrem Kind kämpft und später damit zurechtkommen muss, dass es zum Amoklauf kommt. Kevin ist schwierig und streckenweise gemein, aber auch Eva scheint Probleme mit der Mutterliebe zu haben. Es gibt keine Beziehung und keinen Zugang zueinander – aber auch keine einfachen Antworten auf die naturgemäß komplexen Fragen. In begeisternd intelligent arrangierten Rückblicken erinnert sich Eva an verschiedene Momente im Aufwachsen von Kevin – am Ende stehen sie sich gegenüber und müssen beide zugeben, dass es keine Gründe und keine Antworten gibt. Dass auch vieles, das sie für solche gehalten haben, nicht zählt. »We Need To Talk About Kevin« ist naturgemäß eher schwere Kost, quält den Zuseher aber auch nicht unnötig. Tilda Swinton spielt gewohnt großartig. 09/10 Martin Mühl Auf www.thegap.at außerdem Reviews von »Chernobyl Diaries« (Warner), »Crazy Horse« (Alive / Pierrot Le Fou), »The Dark Knight Rises« (Warner Bros), »Das Hochzeitsvideo« (Constantin Film), »Merida« (Disney), »The Raven« (Universum), »Tim Sanders Goes To Hollywood« (Pandastorm), »The Twixt« (Studiocanal), …
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Foto (ausschnitt): Peter Böttcher. © landessammlungen niederösterreich
RUDOLF GOESSL VERwanDLUnGEn 16/02 – 12/05/2013 St. Pölten, landeSmuSeum niederöSterreich www.zEitkUnStnOE.at
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Thomas Raab Der Metzger kommt ins Paradies (Droemer)
Hugo Bettauer Der Kampf um Wien 01 (Milena) — Hugo Bettauer (1872–1925) war vor fast einem Jahrhundert, im Wien der Zwischenkriegszeit, hierzulande eine Art Popliterat, als es diesen Begriff freilich noch nicht gab. In der damaligen Atmosphäre war er allerdings eine sozial und kulturell viel kontroversiellere Figur als die heutigen Popliteraten, die das höchstens, was den künstlerischen Wert ihrer Produkte anlangt, sind. Er veröffentlichte in manischem Tempo drei bis vier Romane pro Jahr, zumeist Krimimalromane, die auch soziale Anliegen mit transportierten. Wegen seinem Eintreten für sexuelle Aufklärung wurde er von den Konservativen angefeindet, der Geist seines bekanntesten Werkes »Die Stadt ohne Juden«, in dem er den Antisemiten die Rute ins Fenster stellte, kostete ihn schließlich das Leben: 1925 wurde er von einem Mitglied der illegalen NSDAP erschossen. »Der Kampf um Wien« schildert die Geschichte eines steinreichen amerikanischen Philanthropen, der mit seinem Geld das Wien nach dem Ersten Weltkrieg »sanieren« möchte, mit seinem quasi-sozialistischen und dem Gemeinwohl verpflichteten Ansatz jedoch an den egoistischen Einzelinteressen der heimischen Eliten wie der Bevölkerung insgesamt scheitert. Herausragenden literarischen Wert hat dieses Stück des »Asphaltliteraten« zwar nicht, historisch ist es aber wohl eine Neuauflage wert, die vom Milena Verlag geleistet wird. 06/10 Philip Hautmann Marcello Ferroni Anleitung zum Guerillakrieg 02 (Suhrkamp) — Einen anderen Berg musste Marcelo Ferroni besteigen, um den Roman »Anleitung zum Guerillakrieg« zu schreiben, der im Grunde kein Roman ist. Im Prinzip geht es um die letzten zwei Lebensjahre von Che Guevara und das Fiasko, das zeitgleich das Ende der bolivianischen Revolution bedeutete – die Bilder vom dahingemetzelten Revolutionsführer sind hinlänglich bekannt. Was nicht so bekannt ist, ist das tägliche Leben, das die Revolution begleitete. Marcelo Ferroni arbeitete sich durch Berge von Akten und Originalberichten, die sukzessive von der CIA und anderen Geheimdien sten freigegeben wurden, um ein Bild über die gesamte Situation in Bolivien und Kuba einzufangen. Der Autor hielt sich also im Hintergrund, wie ein Diener der Sache reihte er Protokolle und Eindrücke zu einer Chronik. Ein interessanter Versuch, um das Prinzip Chaos noch einmal neu zu definieren. Fazit: Unheimlich viele gescheite Menschen haben sich einer Sache verschrienen und sind dann über ihren eigenen Idealismus gestolpert. Es ist hier überflüssig, alle Idealisten, alle Wahnsinnigen, alle Gruppierungen und Grüppchen aufzureihen, die versucht haben, das Zahnrad ein Stückchen weiterzudrehen. In der tropischen Hitze, der stickigen Luft der Städte und in den unendlichen Urwäldern rieben sie sich schlussendlich selber auf. Und der Held Che? »Che starrt stundenlang gegen Wände, liegt auf seiner Pritsche, raucht seine Pfeife und spricht kaum ein Wort.« Natürlich kommt der Revolutionär noch auf Touren, aber dennoch: Gescheit scheitern ist auch nicht mehr als scheitern. 07/10 Martin G. Wanko
Buch
Höllisches Paradies Willibald Adrian Metzger ermittelt wieder. In seinem sechsten Fall lässt Thomas Raab den Hobbykriminalisten nun an der italienischen Adriaküste auf Touren kommen und Höllenqualen erleiden. Wolf Haas hat in den 1990er Jahren das Krimi-Genre aufgemischt und neu definiert. Eine Erkenntnis, die mittlerweile auch literaturwissenschaftlich abgesegnet ist. Schräger Humor, schräge Charaktere, schräge Sprache – das kam bei Publikum und Kritikern gleichermaßen an. In diesem Sog entstand eine recht prosperierende Krimiszene, die stets unterhaltsam ist, dabei aber nie trivial wird. Zu fein, zu bissig sind darin die Anspielungen und Entlarvungen von Gesellschaft, Politik oder einfach nur über Generationen hinweg gelerntes, typisches Verhalten. Autoren wie Eva Rossmann, Stefan Slupetzky, Georg Haderer, Claudia Rossbacher oder Heinrich Steinfest adelten damit ein Genre und pressten spielerisch literarischen Mehrwert daraus. Der Wiener Thomas Raab gehört ebenfalls in diese Riege. Seit 2006 schickt er Willibald Adrian Metzger, der sich eigentlich als Restaurateur verdingt, ins Kriminal, womit gleichzeitig immer auch typisch österreichische Milieus gemeint sind. Fußballplatz, Pferderennbahn, Skipisten, dort ist der gemächliche, kunstsinnige Metzger zwar nicht daheim, spürt aber allerhand Skurrilitäten und Widerlichkeiten auf. Bestseller in Serie waren die Folge, allerdings wird Raab in der Rezeption nicht unbedingt sanft angegriffen. Dass er ein Haas-Epigone sei, ist des Öfteren zu lesen. Epigone ist allerdings zu hart. Gewisse Ähnlichkeiten, was den Umgang mit Figuren angeht, sind allerdings nicht zu übersehen. Und was den Sinn für tiefschwarzen, makabren Humor angeht, ja da ist Raab, der lange an einem Wiener Gymnasium Mathematik und Sport unterrichtete, mit Haas eng verwandt. In seinem neuen Abenteuer landet der Metzger im Paradies. Paradies ist natürlich mit Vorsicht zu genießen. Denn von seiner drallen, goscherten Lebensliebe, der Putzfrau Danjela Djurkovic, verschleppt, findet sich Metzger in der italienischen Sandstrandhölle wieder. Ein Geburtstagsgeschenk zum 50er ist die sommerliche Überraschungsreise an die Adriaküste. Denn der Metzger hasst vielleicht Sonne, Sand und Meer aber nicht unbedingt, tritt dieser Troika aber doch mit gebührender Verachtung entgegen. Und dass es in italienischen Feriendomizilen nur so von Österreichern und Deutschen wimmelt, macht die Sache auch nicht unbedingt erträglich. Daheim in der Fremde. Nervige Eltern und nervige Kinder, sind da nur das geringste Problem. Vor allem, wenn ein übel zugerichteter toter Hund den Strand auf Trab hält und Leichen ohne Augen auftauchen. Oder stattdessen Mozartkugeln reingedrückt bekommen. Jedenfalls nimmt der Metzger langsam Witterung auf und landet am Ende nicht am Strand, sondern in den Tiefen der Kunsthandels- und Korruptionssümpfe. 06/10 Manfred gram 01
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Julie Otsuka Wovon wir träumten 03 (Mare) — Die wahllose Internierung der an der Westküste lebenden Japaner, die bereits seit Jahrzehnten dort heimisch waren, im Inneren des Landes während des Zweiten Weltkrieges, zählt zu 068
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Buch
den am wenigsten bekannten Kapiteln in der Geschichte der USA. Und mit diesem endet dieser schmale 150-Seiten-Roman, der zuvor die Geschichte japanischer Einwanderinnen in die Vereinigten Staaten in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts eindrucksvoll erzählt. Getrieben von der Sehnsucht nach einem besseren Leben setzen sich sie sich von dem sozial rückständigen und patriarchalen Japan ab, nicht immer erfüllen sich die Hoffnungen, die sie mit sich tragen. Mit abstoßenden Männern verheiratet, schuften sie, sind rassistischen Anfeindungen ausgesetzt, und werden schließlich von ihren Kindern nicht mehr verstanden. Die Autorin erzählt ihre Geschichte nicht an Haupt- und Nebenpersonen, sondern anhand einer Fülle von Einzelschicksalen, mit denen man sich trotzdem jederzeit identifizieren kann. 07/10 Philip Hautmann Edo Popovic Der Aufstand der Ungenießbaren 04 (Luchterhand) — Ungenießbar im Roman des in Zagreb lebenden Kultautors sind all seine Darsteller: Die schnell reich gewordenen Wirtschaftsdiktatoren wie auch die titelgebenden Ungenießbaren vulgo Aufständischen. Letztere, ein loser Haufen, versuchen den Politwirtschaftskomplex, der unschwer auf das ehemalige Jugoslawien gemünzt ist, über Entführungen und Morde zu torpedieren. Die Zone, eine von einer Firma übernommene Kernstadt, ist tabu, doch Fraktalfrau, Gärtner und Vida penetrieren diese und sorgen für zusätzliche Angst. Vida, einer der beiden Erzählfiguren, steigt ob der Brutalität aus und wird von den anderen über sublime, bis nach Dürnstein reichende Jagdbotschaften verfolgt. Das Wie ergibt sich aus perspektivisch unterschiedlichen Kapiteln, in denen der »Mitternachtsboogie«-Autor beide Seiten der individuell gebrochenen Rebellen zeigt und zusätzlich deren Wiederannäherung: Serbe trifft Kroaten, Neureicher den Buße einfordernden Hungerleider, das Wiener Havelka geht in römische Aquädukte über … Wer Occupy weiterdenken möchte, ist mit diesem nach amerikanischem Vorbild dialogreichen, spannenden Roman bestens aufgehoben; alle Lahmeren auch. 09/10 Roland Steiner Michail Schischkin Briefsteller 05 (DVA) — Ein Briefroman im 21. Jahrhundert? Ja, wenn er von so einem fintenreichen, sprachschöpferischen Erzähler wie dem russischen, in der Schweiz lebenden »Venushaar«-Autors stammt. Sascha und Wolodja verfielen einander in Liebe, lange ehe der Erste Weltkrieg ausbrach. Seither, verschlagen in diverse Länder, schreiben sie einander ihre Gefühle und Beobachtungen des Innen lebens und der Gesellschaft. Wolodja berichtet seiner Liebsten von Einsamkeit und Wunden an der Front, seine Medizinstudentin ihm von Qual in Kindheit und Beruf. Mit dem Schwelgen in Erinnerungen an gemeinsam – und doch allein – erlebte Glücksmomente verschwimmen die Grenzen der Zeit: Welchen Moment schreiben wir, als er oder sie von Liebe und Ende sinnt? Das Konzept, beide von- und übereinander erzählen zu lassen, geht vollends auf: Wie beide sich etwa über landschaftliche und seelische Phänomene mitteilen, gehört zum Besten, das europäische Romanciers bislang schufen. Der Briefwechsel schafft einen dramaturgischen Sog, die poetische Sprache ein Tauchen durch entrückte Zweisamkeit. Ob sie wieder zusammenfinden sei hier nicht verraten – so nah wie in ihren Briefen wohl kaum. 10/10 Roland Steiner Carmen Stephen Mal Aria 06 (Fischer) — »Mal Aria«, kommt aus dem Lateinischen, meint böse Luft und ergibt in Summe die Tropenkrankheit Malaria. »Mal Aria« heißt auch der Roman von Carmen Stephan, einer jungen deutschsprachigen Autorin, die sich wechselweise in die Rolle des Moskito und seines Opfers begibt. Sie stattet also das Moskito mit einer menschlichen Denkfähigkeit aus, was im ersten Moment ein bisschen naiv klingt, aber im zweiten Moment umso besser funktioniert. Zugegeben, den einen oder anderen weisen Satz hätte sie sich sparen können, für das würde es auch ein Lektorat geben, denn hier befindet man sich eben nicht auf dem Jakobsweg, sondern auf unwegsamem Gelände, immer einem Schritt näher am Tod als sonstwo auf der Welt. Zumindest scheint es so. Die Gewalt der Natur anhand einer kleinen Mücke zu zeigen, den menschlichen Körper als verletzliches System darzustellen und zwischen all der Pein gut eingebettet die historische Entwicklung der Krankheit – das ergibt in Summe eine atemberaubende Parabel. Mit äußerster Präzision beschreibt die Autorin, wie Carmen das Leben entgleitet. Geräusche verdichten sich zu einem Klang, bizarre Farben ergeben ein neues Bild und die ewig grünen Amazonaswälder Brasiliens stehen sinnbildlich als stolze Vertreter einer sehr wehrhaften Natur. Den verästelten Pfaden der Autorin kann man gespannt folgen, aber aufgepasst! Unter jedem Blatt lauert die Mücke! 08/10 Martin G. Wanko
#13: Gadgets: Geräte ohne Gewissen? Keynote: Joe Mier (FairPhone)
FairPhone ist eine Initiative, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Smartphones auf den Markt zu bringen, die unter fairen Bedingungen produziert werden.
Mit unseren Gadgets, vom Smartphone über das Tablet bis zur Spielkonsole, halten wir immerhin etwas in Händen, das uns den Weg in die Zukunft eröffnet. Und die ist digital, vernetzt und offen. Die Geräte, die wir dafür verwenden, werden allerdings meist unter fragwürdigen Bedingungen produziert, sind so gebaut, dass es kaum noch möglich ist, sie zu reparieren und ihre Entsorgung wird immer mehr zum Problem. Beim nächsten twenty.twenty werden wir uns der Frage widmen, wie dieser Widerspruch aufgelöst werden kann und Konsumenten die fairen Produkte kaufen können, die ihnen in anderen Bereichen längst angeboten werden.
13.02.2013 – Empfang 18:30 Uhr – Start 19:00 Uhr The Hub Vienna, vienna.the-hub.net Wien 7., Lindengasse 56/ Top 18 –19 Die Veranstaltungsreihe twenty.twenty widmet sich als offene Diskussionsplattform Zukunftsszenarien einer Welt 2020. Denn: Zukunft kann nicht gepredigt oder verordnet werden. Sie gehört diskutiert und gestaltet.
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Co m i c s
Mike Baron, Steve Rude Nexus – Omnibus Vol. 01 (Dark Horse) — Als Mike Baron und Steve Rude 1981 Horatio Hellpop zu Nexus werden ließen, war noch nicht abzusehen, welche Dimensionen »Nexus« annehmen würde. Etwas mehr als 100 Ausgaben später ist »Nexus« zu einer Weltraumseifenoper (im besten Sinn des Wortes) angewachsen und hat sich einen fixen Platz im Herzen vieler Comicliebhaber gesichert. Sei es der historisch prägende Moment der Andersartigkeit von Nexus` Kräften – sie wurden ihm von den Merk gewährt, allerdings nur, wenn er regelmäßig in ihrem Auftrag Massenmörder hinrichtet – oder die Fülle an komplexen Charakteren um Nexus in seiner Heimatwelt Ylum. Ausgezeichnet mit sechs Eisner Awards steht »Nexus« auch nach über 20 Jahren als exzellentes Beispiel für die Vermählung von Pulp, Science-Fiction und hoher Kunstfertigkeit (in Narration und Illustration). Nach der hochwertigen, aber teuren »Nexus Archives«-Edition bringt Dark Horse die erschwinglichere Omnibus-Edition, um auch schlankeren Geldbörsen Zugang zu dieser Perle zu gewähren.
Chris Ware Building Stories (Pantheon Books)
Geschichtenarchitektur Chris Ware offenbart das Leben seiner Protagonisten in Struktur und Inhalt. »Building Stories« ist ein greifbares Monument für die Komplexität der Erzählung. »Building Stories« hat Chris Ware, diesen akribischen Perfektionisten, zehn Jahre seines Lebens begleitet. Aller Wahrscheinlichkeit nach sogar noch viel länger, aber ein Jahrzehnt investierte Ware Zeit, Muse und Material in die Erschaffung dieses singulären Werkes. In dieser Dekade entstand kein Comic Book, keine Graphic Novel, kein prestigeträchtiger Bildband. In einer 30 × 40 cm großen Schachtel finden wir 14 Komponenten diverser Formate, die zusammen die 260 Seiten von »Building Stories« ergeben. Allein schon die Beschaffenheit der Verpackung – ein Gefäß, in dem die Geschichte in Form von Bildern aufbewahrt wird – gibt einen Hinweis darauf, was uns erwarten wird. Die Rückseite der Schachtel stellt ein Piktogramm zur Verfügung, in dem die Elemente aufgelistet sind und ein Vorschlag zur Konsumation gemacht wird. Mit dem Hinweis, diesen auch gerne zu verwerfen. Es gibt keine bestimmte Reihenfolge, wir können wo auch immer anfangen zu lesen, einzelne Momente aus der Schachtel nehmen und wieder hineinlegen, sie auf unsere Art und Weise zu einem Ganzen zusammenfügen. Ware ist bei Weitem zu intelligent, um Täuschungen einzusetzen. So ist auch der Titel »Building Stories« nicht als vermeintlich cleveres Wortspiel zu verstehen, sondern als Ankündigung der Intention. Ware fordert uns auf, mit den bereitgestellten Elementen, die an sich bereits einzelne Geschichten darstellen, in unserer Wahrnehmung etwas Größeres zu bauen, in dem der Sinnspruch von dessen Erhabenheit gegenüber der Summe der Einzelteile erfüllt wird. Weiters verweist er uns auch auf den Schauplatz, ein Haus in Chicago, ein »Building«, und Motivation der Protagonisten. Wir lernen die Bewohner dieses Hauses kennen, die ihrerseits damit beschäftigt sind, ihren Alltag zu bestreiten und aus den Versatzstücken ihrer eigenen Zeit eine persönliche Erzählung zu entwickeln, eine Geschichte, in der sie ihrem Leben Sinn und Zweck abgewinnen können. Allein Wares visueller Stil könnte als Betrug verortet werden. Wer mit seiner Arbeit nicht vertraut ist, sieht an der Oberfläche Illustrationen, die beinahe wie technische Zeichnungen wirken, fast kühl und distanziert. Dabei eröffnet jede beliebige Seite, dass in dieser Form das Seziermesser eines melancholischen Betrachters schlummert. Die Ordnung potenziert emotionale Momente bis zur Unerträglichkeit. Die Depression wird schier ertastbar, Einsamkeit zu einem gewaltsamen Druck auf unserer Brust. Die raren Augenblicke, in denen Ware erhebende Gefühle zulässt, sind dann umso intensiver und wir vermissen sie manchmal so sehr, dass wir in die Schachtel greifen und nach ihnen suchen. Es sind nur 260 Seiten in einer Schachtel, aber darin hat Chris Ware das Leben seiner Charaktere in ihrer Vollständigkeit aufgefächert. Viel mehr noch, er hat unsere eigene Suche nach Sinn unprätentiös entschlüsselt und als DNA für »Building Stories« benutzt. Es ist angemessen, wenn man über »Building Stories« als ein Kunstwerk von bleibender Bedeutsamkeit spricht. 10/10 Nuri Nurbachsch
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Justin Jordan, Tradd Moore, Felipe Sobreiro The Legend Of Luther Strode #1 02 (Image Comics) — »The Strange Talent Of Luther Strode« hat uns 2011 umgeworfen, geplättet, umgehauen, aufgehoben und dann noch einmal mit Spaltgriff auf die Matte befördert. Das Trio Jordan, Moore und Sobreiro führt die Serie endlich fort. Mit einer bombastischen Nummer Eins des nächsten Kapitels in der Erzählung von Luther Strode setzen sie fünf Jahre nach den Ereignissen von »The Strange Talent Of Luther Strode« an. Luther hat überlebt und seinen Beschluss umgesetzt, Kriminelle zu jagen und zu bestrafen. Auf seine Art, nach seinem Ermessen. Er ist zu einer bluttriefenden, erbarmungslosen Legende geworden. Natürlich ruft das ehrgeizige Jäger auf den Plan, die Luther Strode finden und zur Strecke bringen wollen, um ihr eigenes Ego zu befriedigen. Klingt erst mal nach 08/ 15 und schon mehrfach Wiedergekäutem. Das war allerdings auch der Eindruck, den die Synopsis von »The Strange Talent …« vermittelte, aber die Serie konnte überraschen. »The Legend Of Luther Strode« verspricht ein würdiger Nachfolger zu werden, der die Fußstapfen nicht nur ausfüllen, sondern vergrößern wird. Eine der am meisten erwarteten Fortsetzungen (erscheint als sechsteilige Mini-Serie) von einem Team, das uns bereits einmal den Atem raubte. 09/10 Nuri Nurbachsch
Chris Wright Black Lung 03 (Fantagraphics Books) — Das Leben besteht aus Blut, Wahnsinn, Hoffnung und fehlgeleitetem Willen. Chris Wright schreibt ein Gedicht aus Mord und Sühne in Bild und Wort. Die anthropomorphen Piraten aus »Black Lung« baden weder im Hollywoodglitzer, noch würden sie ihre Segel vor der Küste Somalias hissen. Kapitän Brahm kommandiert seine wilden, irren Seeleute auf der Suche nach einer Erlösung, die nur ihm zuteil werden kann. Um ihn herum eine Miniaturwelt menschlicher Selbstverwirrung: ein verrückter, verstandsloser Gewaltverbrecher; ein Mann dubioser Ehrenhaftigkeit; ein umsichtiger Opportunist, der alles zusammenhält; der Gelehrte, dessen Leben nur so viel wert ist, wie andere ihm zuteilen. »Black Lung« beeindruckt in jeglicher Hinsicht. Wright webt eine existentielle Parabel mit Tiefgang. Dem setzt er einen visuellen Köder hinzu, der zuerst mit einfältiger Naivität lockt, um dann in voller ästhetischer Pracht aufzublühen. Perfekte Comic-Kunst. 10/10 Nuri Nurbachsch
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Adrenalinrausch 2.0 Nach fünf Jahren Abwesenheit metzelt Dante wieder – und zwar härter, dreckiger und wilder! Dante kümmert nichts. Er schert sich nicht um sich oder seine Mitmenschen. Erst als er von Mundus und seiner dämonischen Organisation erfährt, fasst er sich ein Ziel: dem Peiniger seiner Eltern den Garaus zu machen. Im Limbus, der Vorhölle, spielt ein Großteil der Handlung: Zwischen Realität, einer erstmals in der Geschichte von »DmC« modernen Welt, und Höllendimension bewegt sich Dante, um den Dämonenfürsten und seine Brut (möglichst elegant) aufzumischen. Dabei präsentiert sich fast jedes der über 20 Level in einem künstlerisch ansprechenden Stil; das Artdesign von »DmC« ist surreal, gotisch, dann wieder psychedelisch – und offensichtlich von Street Art, Punkkultur und zahlreichen Mythologien durchsetzt. Die unterschiedlichen Abschnitte ergeben in Summe eine erstaunlich homogene Welt. Anders als beim nun trotzigen, selbstverliebten, jedoch ikonischen Dante und dem neuen herausragenden Stil wurde die Spielmechanik lediglich behutsam erweitert. Und die Erzählung, in der Vergangenheit an Bedeutungslosigkeit kaum zu überbieten, wurde nun mithilfe des britischen Autors Alex Garland (»The Beach«, »28 Days Later«) mit deutlich mehr Struktur und Glaubwürdigkeit bedacht. Die Motivation zum Weiterspielen entfacht dennoch erneut allein das Gameplay, was durchaus verschmerzbar ist: Kein anderes Game steht mehr für Hack ’n’ Slay als »DmC – Devil May Cry«. Es ist ein rasantes, dynamisches Actiongame, das ein zugängliches und zugleich tiefgründiges Kampfsystem besitzt. Auch nach vielen Stunden (das Abenteuer dauert im ersten Durchgang acht bis zehn Stunden) macht es Spaß, sich durch angreifende Gegnerhorden zu pflügen. Die altbekannten Vertrauten – das Schwert Rebellion, die Pistolen Ebony & Ivory – sind das Standardrepertoire von Dante. Um noch bessere, noch spektakuläre Kombos abzufeuern, wurden dem Protagonisten zahlreiche Extrawaffen wie Sense Osiris und Hammer Arbiter spendiert, die, sinnbildlich für seine Abstammung, jeweils mit der Macht der Engel oder Teufel versehen sind. Damit sind auch große Gegnerhorden beziehungsweise besonders dicke Brocken bezwingbar; außerdem lassen sich damit Feinde zu Dante (und umgekehrt) ziehen – eine Detailverbesserung, die gekonnt die bewährte Spielmechanik ergänzt. Erneut sind die – leider zu wenigen, es sind nur derer sechs – Bosskämpfe optische Höhepunkte; spielerisch wäre aber mehr drinnen gewesen, selten erfordern sie taktische Finesse. Dass die Kamera gelegentlich zu nervös ist und es keine aktive Gegnerfixierung (Lock-On) gibt, sind Versäumnisse. Und dass die Kämpfe teilweise recht repetitiv sind, mag zwar Genretradition sein, dennoch hätte etwas mehr Abwechslung nicht geschadet. Wer besonders elegant metzelt, erlangt hohe Wertungen und damit schneller Zugriff auf neue Fähigkeiten und Waffen, zudem lassen sich spezielle Zugänge abseits des Hauptpfades öffnen, die attraktive Boni bereithalten. Ninja Theory (»Enslaved«, »Heavenly Sword«), die als erstes westliches Studio an einem Serienteil arbeiten durften, schufen mit »DmC« nicht bloß eine gelungene Neuinterpretation, sondern eine nahezu perfekte Synthese östlicher und westlicher Spielkultur, die hoffentlich bald Nachahmung findet. 08/10 Stefan Kluger
DmC – Devil May Cry (Ninja Theory / Capcom); PS3 (getestet), Xbox 360, PC; www.devilmaycry.com 071
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R ez Anarchy Reigns 01 (Platinum Games / Sega); PS3 getestet, Xbox 360; www.sega.com/anarchyreigns — Entwickler Platinum Games (»Bayonetta«, »Vanquish«) ist für ausgefallene Spiele, aber auch für so manch seltsame Designentscheidung bekannt. Ihr neuestes Werk »Anarchy Reigns« passt wie die Faust aufs Auge zu dieser Tradition: das Art Design könnte schriller kaum sein, und anfangs fällt es schwer, im Kampfgetümmel die Übersicht zu bewahren. Unter dieser optisch wie spielerisch beliebig wirkenden Schale steckt jedoch bei genauerer Begutachtung ein Brawler, der es in sich hat und ein Genre wiederbeleben könnte, das seit 20 Jahren ein schlummerndes Nischendasein fristet. Etwas mehr Zugänglichkeit hätte dem Straßenprügler aber nicht geschadet, um auch Gelegenheitsspieler verstärkt auf sich aufmerksam zu machen. Wer Zeit und Geduld investiert, findet rasch an dem launigen Spiel gefallen, wird längerfristig unterhalten. Button-Masher dagegen haben vor allem in Online-Mehrspielerrunden keine Chance, zu ausgeklügelt und variantenreich ist das Kampfsystem der insgesamt 18 verschiedenen Charaktere. Wer mitdenkt, ist klar im Vorteil. 08/10 Stefan Kluger
Assassin’s Creed III – Wii U Edition 02 (Ubisoft); Wii U getestet, PS3, Xbox 360; assassinscreed.ubi.com — Ausflug in die US-amerikanische Gründerzeit mit vielen Betätigungsfeldern. Spielerisch recht oberflächliches Abenteuer, das auf Nintendos neuer Plattform mit noch mehr technischen Problemen zu kämpfen hat. 07/10 Stefan Kluger Das Buch der Zaubersprüche 03 (Sony); PS3 Wonderbook; at.playstation.com — Gute Ansätze, erfreuliche Innovationen – und doch fehlt Sonys Realitätserweiterung die Kreativität, um den Zauber aufrecht zu erhalten. 05/10 Harald Koberg The Cave 04 (Double Fine / Sega) Xbox Live Arcade getestet, PSN, PC, Mac, Wii U; www.thecavegame.com — Ron Gilbert und Tim Schafer, zwei Game-Legenden, die vor allem für ihre Adventure bei Lucas Arts jede Menge Lorbeeren einstreichen konnten, haben sich für »The Cave« wieder zusammengetan und einen Rätsel-Plattformer entwickelt, der durchaus an alte Qualitäten anknüpft. Entwickelt wurde bei Schafers Double Fine-Studio, das Spiel stammt von Ron Gilbert und laut Game-Info gerade mal drei (!) Kollegen, distribuiert wird digital, aber plattformübergreifend. Gilbert gibt dem Spieler sieben Figuren zur Auswahl, von denen er drei wählen darf, um gemeinsam mit ihnen ein Abenteuer in einer Höhle zu bestreiten. Dabei geht es meist darum – mitunter ganz schön schwierige – Rätsel zu lösen, einfache Aufgaben zu erledigen oder schlicht in die nächsten Räume vorzudringen. Kommentiert wird das Geschehen ziemlich witzig von der Höhle selbst. Wie üblich sind die Rätsel selbst der Knackpunkt des Spiels. Die Charaktere selbst und ihre Spezialfähigkeiten sind gefällig designt, bei den Rätseln reicht die Bandbreite von Aufgaben, die diese Bezeichnung nicht verdienen, bis zu Momenten, in denen man nicht so recht weiter weiß. Die Figurenwahl ist mitentschei-
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dend, aber die Zusammenhänge sind nicht immer ganz klar. Das ist mitunter frustrierend. »The Cave« ist ein Adventure, das wohl in erster Linie nicht ganz so junge Spieler anspricht. 07/10 Martin Mühl
05/10 Harald Koberg
Sports Champions 2 11 (Sony); PS3; at.playstation.com/sportschampions2 — Ohne neue Ideen liefert Sony die wohl bislang beste Sportspielsammlung für bewegungsgesteuerte Konsolen – gewöhnlich, aber präzise. 07/10
Crashed Ice Kinect 05 (Bongfish); Kinect für Xbox 360; www.redbull.at — Die heimischen Entwickler Bongfish haben für Red Bull dieses rasante Kinect-Spiel entwickelt. Crashed Ice ist eine Sportart, bei der ein oder mehrere Wagemutige eine steile Eisbahn mit Eislaufschuhen hinunterrasen und dabei Hindernissen ausweichen. Darum geht es naheliegend auch im Spiel. Dabei wird – gewöhnungsbedürftig – mit Armbewegung beschleunigt, sonst gilt es ein bisschen zu lenken, Eishindernisse zu blocken oder zu springen. Und natürlich gibt es auch Sammelgegenstände. »Crashed Ice« ist schnell und dazu laut und bunt inszeniert, die Action ist kurzweilig und das Spiel nicht besonders umfangreich. Das macht zwischendurch Spaß, leider hakte bei uns die Steuerung etwas – besonders beim gar nicht soo wichtigen Lenken. Spieltiefe entwickelt sich hier dementsprechend nicht.
Harald Koberg
Tekken Tag Tournament 2 – Wii U Edition 12 (Namco Bandai); Wii U; www.de.namcobandaigames. eu — Audiovisuell mittelmäßiger Prügler, der mit zahlreichen abgedrehten Charakteren, guter Spielbarkeit und nun auch einer Prise Nintendo-Charme (Kostüme) aufwartet. Die Anzahl der Figuren wurde erhöht; das Beat’em up ist auch auf dem kleinen Screen spielbar. 06/10 Stefan Kluger Torchlight 2 13 (Runic); PC; www.torchlight2game.com — Was Fans der »Elder Scrolls« ob seiner handlungsfreien Simplizität nur kalte Schauer über den Rücken treibt, ist für andere der Rollenspiel-Himmel auf Erden: »Torchlight« war der Überraschungserfolg, der das Warten auf »Diablo 3« fast vergessen machte. Vom Nachfolger wurde freilich einiges erwartet. Vor allem, da Blizzard den hohen Erwartungen nicht überall ganz gerecht werden konnte. Und so ist »Torchlight 2« angetreten, um am Genre-Thron zu sägen, oder ihn gleich einzunehmen. Zu Handlung und Spielprinzip gibt es wenig zu sagen. Aus vier Charakterklassen kann gewählt werden, um einen Helden zu erstellen, der den böse gewordenen Alchimisten aus dem ersten Teil aufhalten soll. Und schon geht es ab ins Gemetzel und Geplünder, das fortan für unzählige Stunden kein Ende nehmen soll. Ist das Inventar voll, läuft unser tierischer Begleiter zum Verkaufen in die Stadt. Und so gibt es neben der Begutachtung der Kriegsbeute und der Verteilung von Attributen nichts, was davon abhält, Horde um Horde der vielfältigen Gegner aus dem Weg zu räumen. Eine größere Welt, mehr unterschiedliche Monster und ein gelungenes und ausgeglichenes Level-System, das große Freiheiten bietet, ohne zu kompliziert zu werden: »Torchlight 2« erfindet nichts neu und macht doch fast alles richtig. Dichte Handlung und grafische Höchstleistungen gibt es woanders. Aber langfristige Kurzweil beim Kämpfen, Leveln und Plündern gibt es nirgends besser. Und vor allem nicht günstiger. 08/10 Harald Koberg
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Far Cry 3 Deluxe Bundle 06 (Ubisoft); Xbox 360 getestet, PSN, PC; www.farcrygame.com — Ubisoft bietet im Deluxe Bundle neben kleinen Multiplayer-Neuigkeiten einen neuen Charakter und sechs Single-Player-Missionen mit explodierenden Affen und »Lost Expeditions«. Die Rückkehr auf die Insel ist willkommen, kommt aber nicht an das Erlebnis des großen zusammenhängenden Abenteuers heran. 06/10 Martin Mühl Die Hüter des Lichts 07 (Namco Bandai); Wii U getestet; www.de.namco bandaigames.eu — Solides, an »Gauntlet« angelehntes Gameplay, das mangels Abwechslung schnell langweilt – auch sehr junge Spieler. Ein weiteres Lizenzprodukt, das seinem Namen nicht gerecht wird. Enttäuschend. 03/10 Stefan Kluger Lego Der Herr der Ringe 08 (Traveller’s Tales / Warner Bros); PS3 getestet, Xbox 360, PS Vita, 3DS, Wii, PC; thelordoftherings.lego. com — Altbewährte Formel aus Basteln, Rätseln, Kämpfen und Sammeln. Diesmal vorlagengetreuer und mit sehr guter Atmosphäre. Dafür zerrt beim gemeinsamen Spiel ein unberechenbarer Splitscreen an den Nerven. 06/10 Stefan Kluger Mass Effect 3 – Special Edition 09 (EA); Wii U getestet; masseffect.bioware.com — Überragende Charaktermodelle und die epische Geschichte begeistern nach wie vor; das ist Science-Fiction vom Feinsten. Dass sich die Shootouts durchwachsen präsentieren und Rollenspielelemente weiter reduziert wurden, ist ernüchternd. Keine DLCs auf Wii U – dafür ist das erweiterte Ende dabei. Praktisch: es darf jederzeit auf dem GamepadScreen gespielt werden. 08/10 Stefan Kluger
Your Shape: Fitness Evolved 2013 14 (Ubisoft); Wii U; www.ubi.com/DE/Games/Info. aspx?pId=10769 — Ein solides Fitnessprogramm, ganz ohne die Spaß-Abteilung einiger Genre-Verwandter – gut strukturiert, vielfältig aber ungenau steuerbar. 06/10 Harald Koberg ZombiU 15 (Ubisoft); Wii U; zombiu.ubi.com — Eintöniges Survivalgame, das durch zähe Kämpfe viel Potenzial verspielt. Der Versuch, das Genre neu zu beleben, schlug fehl. Auch die zwingende Gamepad-Einbindung ist der Atmosphäre nicht dienlich. 04/10 Stefan Kluger
PlayStation All-Stars: Battle Royal 10 (Sony); PS3 getestet, PS Vita; at.playstation.com — Das Smash-Bros-Pendant von Sony produziert
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TEXT andreea dosa BILD Emre Hüner, Markus Hanakam & Roswitha Schuller, Landessammlungen Niederösterreich / Peter Böttcher, Inoperable / FAFI, Rosemarie Trockel, Gagosian Gallery / Lukas Schaller, Tobias Wootton
Istanbul – der unbekannte Koloss am Bosporus, die zweitgrößte Stadt Europas. Eine Ausstellung im MAK kreist nun um das Wunder und das Staunen bei der Entdeckung einer Stadt, ihrer Kunst und Kultur. Im Zentrum stehen dabei Aspekte der Narration in der aktuellen zeitgenössischen künstlerischen Produktion Istanbuls. Drei Künstlergenerationen skizzieren anhand zahlreicher Einzelprojekte persönliche und visionäre Erzählungen. Ausstellung: 23. Januar bis 21. April Wien, MAK
Zeichen, gefangen im Wunder – Auf der Suche nach Istanbul heute
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TEXT andreea dosa BILD Emre Hüner, Markus Hanakam & Roswitha Schuller, Landessammlungen Niederösterreich / Peter Böttcher, Inoperable / FAFI, Rosemarie Trockel, Gagosian Gallery / Lukas Schaller, Tobias Wootton
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Elastic Video Plinque oszilliert zwischen Off Space und Künstlerkollektiv. Die Ausstellung »Elastic Video« stellt Arbeiten der jungen österreichischen und der internationalen Medienkünstler vor, die mit einem elastischen Videobegriff operieren. Es gilt nicht mehr bloß, filmische Projektionen zu zeigen, Video bedeutet mittlerweile Videoskulptur, Videomontage und Videoinstallation. 18. Januar bis 16. März Wien, Kunstraum Niederösterreich
Rudolf Goessl – Verwandlungen Mit Rudolf Goessl präsentiert die junge Zeit Kunst Niederösterreich in St. Pölten die zweite Einzelschau und setzt damit das 2012 lancierte Projekt für zeitgenössische Kunst fort. Die umfassende Retrospektive versammelt nicht nur viel Unbekanntes, sie belegt zudem Goessls Rolle als fehlender Kuppler zur Generation der »neuen Wilden«. Eröffnung: 15. Februar, 19.00 Uhr; Ausstellung: 16. Februar bis 12. Mai St. Pölten, Zeit Kunst Niederösterreich, Landes galerie für zeitgenössische Kunst
Inoperable feat. Galérie L.J. Die Inoperable lädt sich Pariser Sprayer und Straßenkünstler ein. Die Galerie L.J. kennt sich seit 15 Jahren dabei aus und bringt ihre Auswahl international renommierter Urban Artists, wie A.J. Fosik, Koralie, Supakitch oder Yaze nach Wien. Wer die Preise für die Stücke sieht, glaubt spätestens dann nicht mehr, dass Street Art noch eine junge Kunst ist. 19. Januar bis 16. März Wien, Inoperable
Liebe ist kälter als das Kapital Das Kunsthaus Bregenz beschäftigt sich mit dem zeitlosen Thema der Zuneigung vor dem immer zeitgemäßen Hintergrund der Ökonomisierung aller Lebensbereiche. Was man gern dabei vergisst: Liebe kann noch grausamer sein als der schnöde Mammon. Ausstellung: 2. Februar bis 14. April Bregenz, Kunsthaus Bregenz
Franz West – Wo ist mein Achter? Das Mumok zeigt eine umfassende Retrospektive eines der international erfolgreichsten österreichischen Künstler. Franz West wurde 2011 noch kurz vor seinem Tod in Venedig mit dem Ehrenlöwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Gezeigt werden rund 30 Werke, bei denen West selbst mehrere Einzelstücke zu meist installativen Arbeiten kombiniert hat, und auch Arbeiten befreundeter Künstler. Eröffnung: 22. Februar, 19.00 Uhr; Ausstellung: 23. Februar bis 26. Mai Wien, Mumok
Gruppenausstellung Junge Kunst und Klänge im Weissen Haus: Objekte und Installationen von Faxen, Raumzeitpiraten, Ulla Rauter, Benjamin Tomasi und anderen spielen mit dem Hörsinn der Besucher und ermöglichen Erkundungen ästhetischer und theoretischer Beziehungen zwischen Musik und Klängen. Im Rahmen der Ausstellung wird es ein ausführliches Programm an Workshops, Performances, Screenings und Konzerten geben. Eröffnung: 19. Februar, 19.00 Uhr; Ausstellung: 20. Februar bis 30. März Wien, Das Weisse Haus 075
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Edward Burtynsky, »Manufacturing #6a & #6b«, 2004; Diptychon
TEXT margit emesz BILD Galerie Stefan Röpke / Edward Burtynsky, MAK / Katrin WiSSkirchen
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Kathi Hofer craftivism, »Sichtwechsel #2«, MAK-Ausstellungsansicht
Kathi Hofer – Craftivism
Die ehemalige Ankerbrotfabrik, Standort der Galerie Ostlicht, ist die perfekte Location, um Arbeiten von 15 Künstlern und Künstlerinnen zum Thema »Industrie« zusammenzustellen. Industrielle Produktion, Arbeiter, Produkte und die Fabrikräume sind die Sujets der Foto- und Videoarbeiten. Vergangenheit, Gegenwart und Zustand der industriellen Fertigung werden beleuchtet. Elisabeth Czihak etwa fotografierte die verwaisten Räume der Ankerfabrik selbst. Markus Oberndorfer zeigt die verlassenen Industrieräume nach ihrer Metamorphose zu Obdachlosenunterschlüpfen. Oder Sascha Reichstein vergleicht Produktion und Ökonomie in Vorarlberg und Sri Lanka. bis 30. März Wien, Fotogalerie Ostlicht
Kathi Hofer interessiert sich für die Theorie und Produktion künstlerischen Schaffens. Die Ausstellung ihrer Arbeiten in einem Museum für Angewandte Kunst ist daher mehr als passend. Was das Haus in seinen verschiedenen Sammlungen zu bieten hat, nimmt sich Hofer als Substanz ihrer Arbeit: Sie kombiniert eigene Arbeiten in Abstimmung auf und mit Designklassikern und Arts-&-Crafts-Objekten. Wie dekorativ eingestreut wirken ihre Exponate. Kunst, Handwerk und Kommerz werden hinterfragt. Am Ende wandern die für die Ausstellung beauftragten Möbel in Hofers Wohnzimmer. Praktisch. bis 3. März MAK-Galerie
Wien
Vorarlberg
Fabian Patzak – In lieu of Galerie Lukas Feichtner Eröffnung: 14. Februar, bis 17. März Olga Georgieva – Unverschämt unwiderstehlich Galerie Steineck bis 16. Februar Will Benedict – Black Friday Sample Sale Galerie Meyer Kainer bis 16. Februar Some Roads to Somewhere HilgerBrotKunsthalle bis 23. Februar Zenita Komad – Time to Change the Record Galerie Krinzinger bis 26. Februar Origo (At Point Zero of the Point of View) Kunsthalle Exnergasse bis 1. März Tillman Kaiser – Hermetische Melancholie II Galerie Emanuel Layr bis 1. März Gustav Metzger/Gerhard Rühm – Mass Media/Media Mass Galerie Christine König bis 9. März Herbert Hinteregger & Michael Sailstorfer Galerie Georg Kargl bis 9. März Featuring Galérie l.j. (Paris) Inoperable Gallery bis 16. März
AZWO12 – Nachschlag Hospiz Galerie / Kunstvilla Bregenz bis 18. Februar
Oberösterreich
Linz Impuls, Import, Export Atelierhaus Salzamt, Linz bis 15. März Nextcomic Festival 2013 Galerie Brunnhofer, Linz Eröffnung: 21. März, bis 28. März
Yüksel Arslan, Arture 311, Influences (B)-44, (Secondary Infuences 5: R[aymond]. Roussel), 1983, Courtesy of the artist
Yüksel ArslAn Artures 16. Jänner – 24. Februar 2013
kunsthalle Wien karlsplatz
Mit der Ausstellung „Artures“ zeigt die Kunsthalle Wien erstmals in Österreich eine Einzelschau von Yüksel Arslan. Der 1933 in Istanbul geborene Künstler erörtert in seinen Arbeiten u.a. das Verhältnis von rationalem Denken und Mystik. Die Themen sind zumeist dem Alltag entnommen und behandeln das menschliche Mitbzw. Gegeneinander. Der Künstler, der seit 1962 in Paris lebt und arbeitet, wurde trotz seiner Kontakte zu führenden Künstlerkreisen in Paris – etwa den französischen Surrealisten – erst in den letzten Jahren international bekannt.
Salzburg
899 km Bremen – Salzburg Galerie im Traklhaus bis 23. Februar Clemens Wolf Galerie Ruzicska, Salzburg bis 16. März Imi Knoebel – Das und Das Galerie Ropac, Salzburg bis 16. März
Steiermark
Marcus Huemer – Einmal dumm gestellt reicht fürs ganze Leben. Atelier Contemporary, Graz bis 19. Februar
Tirol
Rens Veltmann Galerie der Stadt Schwaz bis 30. März
Yüksel Arslan, Arture 281, Influences (B)-21, G. de Nerval), 1982, Privatsammlung
Karlsplatz, Treitlstraße 2, 1040 Wien täglich 13 bis 24 Uhr, So. und Mo. 13 bis 19 Uhr Eintritt frei www.kunsthallewien.at
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TERMINE
FESTIVALS
4 Fragen an Hwmueller (Festival des gescheiterten Films) Wie finden Sie einen gescheiterten Film? Aufregend, anstößig. Im besten Sinne inspi rierend. Sie geben mir meine jugendliche Filmliebe zurück. Wie scheitern die Figuren in diesen Filmen? In der rasant wechselnden Gesellschaftsmühle fallen Personen mit Visionen und individuellen Lebensentwürfen unter die Räder. Eine Gesellschaft, die sich gnadenlos an der Marktökonomie orientiert, verliert ihre Artenvielfalt und unterhöhlt sich ihre innovative Zukunft. Menschen, die sich dem kollektiven Geschunkel und gegenseitigen Auf-die-Schulter-Klopfen entziehen, üben auf mich eine besondere Faszination aus. Sie sprechen auch von Filmpolizei. Wer oder was ist das? Selbsternannte Filmspezialisten, die uns weismachen wollen, was Kinokultur ist. Die von der Polis (= Staat) alimentierten mentalen Halbwaisen, die sich anmaßen darüber zu entscheiden, was der Staat an wen für was an Subventionen gnädig übrig hat. Verhinderte Geschmacksverstärker mit der fragwürdigen Mission, uns unseren Stil zu erklären, in Jurys zu sitzen und selbstgefällig, je nach robuster Sympathie, den Daumen heben oder senken und dabei ganze Filmkarrieren in den Ruin treiben. Was ist dann ein schlechter / guter Film? Das ist reine Geschmackssache. Die Parameter sind willkürlich und historisch gewachsen. Wären unsere Filme vor zig Jahren gelaufen, wären sie heute Klassiker. Gut für den Umsatz sind erstmals Bespaßungsattrappen, mit denen uns täglich der Rest unserer Kritikfähigkeit aus dem Hirn geprügelt werden. Das Gute, Wahre und Schöne war schon immer eine Mär des zentralisierten Geschmacks. Erdacht von willfährigen Adepten des Kulturadels. Ich bin davon mit Sicherheit auch nicht frei. Ich gehe aber, wie alle anderen Besucher unseres Festivals, ein Risiko ein. Festival des gescheiterten Films 8.–15. Februar Wien, Breitenseer Lichtspiele www.der-gescheiterte-film.com
In »Peeping Tom« spielt Sissis Kaiser Franz, Karl Heinz Böhm, einen psychopathischen Kameramann. Mindestens so gut, weil eh fast dasselbe.
England’s Dreaming Das Österreichische Filmmuseum bringt mit der Programmserie »England’s Dreaming« die Filme des boomenden Englands auf die Leinwand. Auf deren Tagesordnung: Minderwertigkeitsgefühle, Chauvinismus und Konsum. Der britische Journalist Christopher Booker schrieb 1969: »Der Traum ist wahr geworden and der wahre Ertrag der Ära liegt in der Tatsache, dass wie noch niemals zuvor deren Leere aufgedeckt wurde.« Den Leuten auf der Insel war es egal, sie mehrten ihren Wohlstand, als gäbe es kein Morgen. Eine Reihe im Wiener Filmmuseum widmet sich nun 35 Klassikern aus den Jahren 1959–71. Mick Jagger in »Performance«, Karl Heinz Böhm in »Peeping Tom« oder Kubricks geniale Umsetzung von »A Clockwork Orange« sind nur einige der filmischen Perlen aus der Schatzkiste des Filmmuseums. 7. Februar bis 7. März Wien, Filmmuseum
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TERMINE
FESTIVALS In »Red River Song Hong« überqueren drei Brüder eine Brücke in Hanoi, die Stadt und Land verbindet.
11.400 So viele Meter erreichen die höchsten Berge auf dem Mond. Der weltliche Mount Everest ist dagegen mit 8.848 Metern vergleichsweise mickrig. Das »Banff Mountain Film Festival« zeigt Gebirge und Menschen in ihren Höhen und Tiefen ab 4. April in österreichischen Kinos.
TEXT Sarah Al-Hashimi BILD Hwmueller , Österreichisches Filmmuseum, Tricky Women, Diego Agulló & Dimitry Paranyushkin
Tricky Women Animation kann alles – zeigen, fühlen, verzerren und noch ganz viel mehr. Seit 2001 unterstützt das einzigartige und internationale Festival Tricky Women weibliche Trickfilmschaffende. Radikal und frei bringen die Animationsfilme Wünsche, Lüste, Ängste und Fantasien auf die Leinwand. Vor allem Frauen sollen ja angeblich dafür ein besonderes Gespür haben. 6. bis 10. März Wien, Haydn Kino
Imago Dei
Wer nach dem ganzen schnöden Säkularismus mal wieder Lust auf Spirit und Religiosität hat – und sei es nur in Sachen Gefühlstourismus – geht am besten zum Osterfestival Imago Dei. Gefeiert wird, Hosanna!, die Transzendenz. Musik, Tanz und Literatur helfen dabei. 2. März bis 1. April Krems, Klangraum Minoritenkirche
Dub Champions Festival
»The Humping pact« nennt sich die nackte Performancekunst von Diego Agulló und Dimitry Paranyushkin.
The Godfather of Dubstep, oder wie Lloyd Bradley einst schrieb: »Der Salvador Dalí des Dub«, Lee Scratch Perry und seine Gefolgschaft kommen nach Wien. Und zwar in Form des 2010 in New York entstandenen Dub Champions Festivals. Jah bless! 5. Februar Wien, WUK
Akkordeon Festival
»Nordlichter« nennt der Veranstalter den diesjährigen skandinavischen Schwerpunkt des Akkordeon-Festivals. Endlich mal was G’scheits abseits vom Gabalier-Bubi und seinem Porno-Double. Ein Stummfilmzyklus mit Livemusik im Filmcasino verspricht noch dazu einzigartige Erlebnisse. Die Livevertonungen gibt es ja wirklich nur einmal. 23. Februar bis 24. März Wien
Imagetanz Festival Eine nackte Liebeserklärung an Wien und dessen Architektur verspricht die Eröffnungs-Performance »The Humping Pact. Mission Vienna« von Diego Agulló und Dimitry Paranyushkin. Mit Deborah Hazler und weiteren acht Aufführungen geht das Festival für Choreografie, Performance und Kosmisches weiter. Kosmisches! Plus Album-Release: The Irrepressibles mit »Nude«. Kosmisch! Und ziemlich nackt. 8. bis 22. März Wien, Brut
Salzburg Biennale
Wie die Funktionen einer Filmkamera klingt die diesjährige Programmreihe der Salzburger Biennale: Zoom, Fokus, Szenenwechsel. Herangezoomt werden zwei Komponisten, Rebecca Saunders und Vinko Globokar. Fokussiert wird das Klavier. Und unter Szenenwechsel stehen Musiktheaterproduktionen, wie das Stück »Kalkwerk« von Helmut Oehring. 1. bis 17. März Salzburg, diverse Locations 079
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TERMINE
MUSIK
21.2. Do | 19:30 | Wiener Konzerthaus »Fremde Welten« | EUR 11,50 bis 38,–
Sväng – New Harmonica Quartet | Finnland
In L.A. nahm das dänische Duo in nur sieben Tagen das Album »Observator« auf. Davor: mindestens so lange Sauftour.
The Raveonettes Die Idee war, L.A., die Stadt des Rock ’n’ Roll, einzufangen. Eine Reise dorthin kam Sune Rose Wagner von The Raveonettes nur gelegen. Denn nach Sauftouren und klinisch diagnostizierten Depressionen in New York brauchte er einen ruhigeren Ort. Gerade mal vier Tage hielt er es dort aus, bis er nach Hause zurückkehrte und weiter ans Partymachen ging. Dadurch sei er am kreativsten, sagt er. So entstand das neue Album »Observator«. Eine düstere Sammlung von Beobachtungen des Lebens. 12. Februar Wien, Arena
27.2. Mi | 20:00 Einlass | 20:30 Beginn
GARAGE X | VVK: EUR 12,– | AK: EUR 14,–
Pepe Auers 90s Therapy Christoph Pepe Auer Saxophon, Bassklarinette Raphael Preuschl E-Bass Herbert Pirker Schlagzeug Gast: Lylit Gesang
Jeunesse26 Last-Minute Boarding Pass Für alle unter 26 … ein Jahr lang zum Superpreis ins Konzert! Einmal EUR 26,– zahlen und ein Jahr lang um EUR 5,– oder gratis über 100 Jeunesse-Konzerte besuchen. Details auf www.jeunesse.at/boardingpass
Brodinski aus Paris mischt Afro-Beats, Club- und Disco-House-Sounds. Jeunesse – musik.erleben
Strom Club wird 5 saison
klassik
jazz
world
neue musik
2012|13
kinderkonzerte
Fünf Jahre sind eine verdammt lange Zeit für Clubs, immerhin verbraucht man fünfmal so viele Tränen, Schweiß und Nerven. Die meisten verlieren ihren Glanz, ihren Sound und sterben jung. Nicht so der Strom Club, der am Badeschiff das Stroboskoplicht der Welt erblickte. Wir und tausend DJs gratulieren. Die Liste der Gäste, die in die Pratersauna kommen, ist lang. Und ganz oben stehen: Brodinski & Monsieur Monsieur. 2. März Wien, Pratersauna
TEXT Sarah Al-Hashimi BILD Elastic Artists, Dimitri Barclais, Nataworry Photography, Lucky Me, Lichtschalter.tv, Cybelle Codish, Coda Music Agency
Jouko Kyhälä Harmonetta, Harmonika Eero Grundström, Eero Turkka Harmonika Pasi Leino Bass-Harmonika
(01) 505 63 56 www.jeunesse.at
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TEXT Sarah Al-Hashimi BILD Elastic Artists, Dimitri Barclais, Nataworry Photography, Lucky Me, Lichtschalter.tv, Cybelle Codish, Coda Music Agency
TERMINE
MUSIK
highlights Mi. 13.02. // 20:00 New Sounds
The Jon Spencer Blues Explosion Jon Spencer, Judah Bauer und Russell Simins fanden sich 1991 in New York. Vor allem Drummer Simins verpasst dem Sound des Trios, das fast vollständig auf Bass-Instrumente verzichtet, das gewisse Etwas. Sein Spiel oszilliert zwischen Rock, Jazz und HipHop. 18. Februar Wien, Arena
Mono / Dirk Serries’ Microphonics
Fr. 15. – Sa. 16.02. // 20:00 Theater
Harald Bodingbauer & Karin Verdorfer:
Schlussmachen. Ein Anfang!?
Sa. 16.02. // 20:00 Electronic Pop
Fritz Kalkbrenner:
Baauer
Sick Travellin’-Tour
In New York nennt man ihn längst Clubkiller. Der 23-jährige Harry Rodrigues aka Baauer kommt beim stets hervorragend gebuchten Canyoudigit ins Wiener Leopold Café. Über Nacht wurde er von einem gut behütetem Geheimnis auf Soundcloud zu einem begehrten DJ der Clubszene. Der plötzliche Boom von Trap Music mag geholfen haben. Und den beherrscht er auf internationalem Top-Niveau. 22. Februar Wien, Café Leopold
Di. 19.02. // 20:00 Punk/Hardcore
Birds In Row / Jungbluth / Almost Failed
Mi. 20.02. // 20:00 Literatur
PostSkriptum Poetry Slam: Dead or Alive
Sa. 23.02. // 20:00 Rock
Jack by The Gap Dieses Mal bei Jack checkt Wolfgang Hoffer (The Gap, Channel-F), Ditschko Hernals (Wred, Die Zwei, Vice) und Dux (Morisson Records, Luzid Musik) die Musik. Sounds von uns, für uns. Quatsch. Natürlich für euch. Und zwar House mit ein bisschen Techno. Aber meist House. Mehr ist dem nicht hinzuzufügen. Alles klar? 22. Februar Wien, Morisson Club
The Borderliners / Heiligenblut / Gospel Dating Service
Sa. 23.02. // 20:00 Kabarett
Maurer, Scheuba, Palfrader: Wir Staatskünstler 2.0
Di. 26.02. // 20:00 Pop
Patrick Wolf:
Theo Parrish
Sundark & Riverlight Acoustic
In Detroit die Underground-Musikszene kennengelernt, hat Theo Parrish den Sinn für die Liebe wiederentdeckt, gestärkt oder neu erfunden. Klingt weird? Ist es. Geradezu philosophisch beschreibt er seine Arbeit: Liebe als Triebfeder für die Erweiterung seiner Ideen, die längst vergessen sind. Klingt nach dem besten Love-Parade-Revival aller Zeiten. 22. Februar Wien, Grelle Forelle
Sa. 02.03. // 20:00 Avantgarde-Rock
John Cale: Shifty Adventures In Nookie Wood
Araabmuzik
Di. 05.03. // 20:00 TanzTage 2013
Wer Araabmuzik aka Abraham Orellana schon einmal gesehen hat, glaubt, er sieht einen Fingerakrobaten auf Speed vor sich. Kein Wunder, wenn er mit drei Jahren damit begann und zehn war, als er seine ersten Beats am Keyboard produzierte. Seine von HipHop beeinflusste Musik sollte man sich ansehen, solange seine zappeligen Finger noch nicht vor lauter Beanspruchung im Eimer sind. 9. März Wien, Fluc
Australian Dance Theatre: Proximity
Mi. 06.03. // 20:00 LiteraturSalon extra
Christian Felber:
Gemeinwohl-Ökonomie / Retten wir den Euro
Teenbeat Art Der Teanbeat Club feiert Geburtstag. 36 Bilder zu Konzerten und Clubevents werden seine sechsjährige Geschichte erzählen. Die Ausstellung wird von den Veranstaltern selbst augenzwinkernd mit einem Urlaubsfoto-Dia-Abend ver glichen und soll die nicht beendete Reise des Clubs zeigen. 16. Februar Wien, Ragnarhof
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Hype im Fluc Das Hype im Wiener Fluc kümmert sich weiterhin jede Woche um eine Bühne für junge Bands. Die vierköpfigen Rika aus Flinsbach, Linz und Wien produzieren Töne zum Schweben. In Wien releasen sie ihr Album »How To Draw A River, Step By Step«. 19. Februar Wien, Fluc
Crystal Castles Die Lyrics des neuen Albums »(III)« attackieren religiöse, soziale und politische Unterdrückung. Dabei ziert das World Press Photo 2011 das Albumcover, das der Fotoreporter Samuel Aranda im Auftrag der New York Times im Jemen geschossen hat. Die berühmte Frau in Burka mit ihrem verwundeten Sohn. 25. Februar Wien, Arena
Sa. 09.03. // 20:00 TanzTage 2013
Compagnie Philippe Saire: Verklärte Nacht
POSTHOF – Zeitkultur am Hafen, Posthofstraße 43, A – 4020 Linz Info + Tickets: 0732 / 78 18 00, www.posthof.at
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Know-Nothing-Gesellschaft von Illbilly The K.I.T.T.
Meine innere Trulla liebt wohl Tocotronic
illustration Jakob Kirchmayr
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ch werde sicher bis tief in die nächs ten Jahre hinein nicht herausgefunden haben, ob ich Tocotronic mag oder nicht mag. Wobei diese Formulierung, lässig in der Vorzukunft gehalten, Grammatik tigern auch als Futurum Exactum geläufig, Dauerpubertierenden wie mir aber nur als Fut. II bekannt, trifft es nicht punktgenau. Sie impliziert ja, dass ich in einer Zukunft, die zwangsläufig danach eintritt, eine Entscheidung Pro oder Contra Tocotronic treffen werde. Das hab ich aber nicht vor. »Ähm, hmm, ja, ja, und weiter?!«, höre ich jetzt da ein lautes Murmeln, das sogleich in eine Frage übergeht: »Wenn man etwas vor sich herschiebt, von dem man weiß, dass man es sicher nicht machen wird, steht das Resultat ja längst fest und man könnte sich die ganzen Handlungsverzöge rungen doch sparen, nicht? Was bist denn du für ein Lulu, prokrastinier dich doch hinweg!« Darf ich vorstellen: Meine innere Trulla. So redet die mit mir. Man muss wissen, dass ich nämlich nicht nur einen inneren Schweinehund habe, sondern auch eine innere Trulla lässt meine Brust täglich beben und befeh ligt mich. Ihre Kommandos und Erkennt nisse klingen meist wie vom Friedhof verworfener Songtitel exhumiert: »Geh weg, schau Homeland, no offense!« Oder: »Dagegensein in Rotweinlaune ist nur sel ten diskursiv.« Oder »Fermentier mir doch mal dein Fragmentchen!« Außerdem zwingt mich meine Trulla dazu, merkwürdige Sachen zu machen. »Notting Hill« schauen zum Beispiel. Und zwar immer, wenn der Film wo läuft. Einen eigenen Google-Alert musste ich deswegen anlegen, um ja keinen Ausstrah lungstermin zu versäumen. Das ist – man wird es mir nicht verwundern – höchst ir ritierend, denn wenn ich etwas mit Sicher heit weiß, dann das, dass ich Julia Roberts nicht super finde. Dieses Gebiss! Diese widerlich perfekten Zahn-Zahnfleisch-Pro portionen. Diese penetrante Demonstrati on von unendlichem Schneidezahnweiß. Außerdem habe ich ihr die Nutte in »Pretty Woman« schon als Zehnjähriger nicht
abgenommen. Bei uns an der Ortseinfahrt stand nämlich damals eine echte. Die sah ganz anders aus – vor allem, wenn sie aus Autos ausstieg. Dass ich den Film dennoch auswendig mitsprechen kann, ist meiner inneren Trulla geschuldet. »Das ist deine weibliche Seite, hör besser auf sie, auch wenn sie ein wenig garstig ist«, hat mir schon so mancher ge raten, dem ich von meiner inneren Trulla erzählt habe. Und sie haben nicht unrecht. Viel Unbill ward mir einst wohl erspart, als meine Trulla sagte: »Auch wenn es dir außerordentlich geschmeckt hat, der veganen Konditorlesbe machst du jetzt bitte kein Kompliment für den geilsten eierlosen Kuchen aller Zeiten.« Und mit ihrem Ratschlag: »Wer bumsen will, muss freundlich sein«, bin ich bislang auch stets gut gefahren. Das wurde jetzt übrigens auch wis senschaftlich bestätigt. Wenn man zum Beispiel schlecht schläft und ständig übermüdet ist, wird man egoistischer und grantiger. Dabei vergisst man dann, in zwischenmenschlichen Bereichen Bitte und Danke zu sagen. Auf Dauer eine Belastungsprobe für die Beziehung und es verhindert, dass die Nudel al dente und die Klit allegro wird. »Siehst du, sag ich ja die ganze Zeit«, erklärt mir meine innere Trulla, wobei sie als Klugscheißerin, die sie nun mal ist, nicht anzumerken vergisst, dass diese Sexstudien auch immer bizarrer werden. Wer auf dem Bauch schläft, fand man etwa heraus, hat öfters Sexträume als Rücken- und Seitenschläfer. Und wer bevorzugt auf seiner linken Körperseite schläft, hat eher Albträume. Einen Leser brief, den ich unlängst mit der Bitte um Beantwortung und Ratschlag zugesandt bekam, stammte wohl demnach von ei nem linkslastigen Seitenschläfer, der von dort in die Bauchposition übergeht. Er soll hier nicht vorenthalten sein: »Mir träumte, ich hätte mir zwei meiner drei Penisse abgeschnitten und an Fische verfüttert. Kannst du das deuten? PS: Als ich aufwachte, hab ich gleich nachge schaut: Es war wirklich nur ein Penis da.« Ich hab es natürlich interpretiert, mei ne innere Trulla, die auch über das Küchenpsychologische hinausgehende Fähigkeiten besitzt, half mir dabei. Sie herrschte mich aber nach getaner Arbeit mit folgenden Worten an. »Die Antwort baust du keinesfalls in deine Kolumne ein. Verweise darauf, dass sie auf deinem
Facebook-Profil zu finden ist. Das gibt viel leicht neue Gefällt mir-Bewertungen!« Ich wache übrigens auch oft schweißge badet auf. Meine innere Trulla empfahl mir deswegen täglich zwei bis drei Tassen Ingwertee. Das beruhigt zwar nicht die Nerven, sondern kratzt eher auf, aber wenn ich schwitze, riecht es seitdem immer nach Lebkuchen. Auch bei Angst. Meine innere Trulla ist dann immer sehr freundlich. Sie sagt: »Keine Sorge, dir kann nichts passieren, du bist der Gingerbread Man und außerdem: Um dich soll’s nach Ingwer stinken!« Unlängst stank es wieder, als mir träumte, ich solle eine ganze Seite für eine Rubrik »Unnützes Wissen« füllen. Ich verachte ja Menschen, die sich an so etwas delektieren. Die kommen in meiner nach oben hin offenen Hassskala noch vor diesen Trotteln, die Fotos von ihren Füßen im Meer oder am Sandstrand machen und überall hinposten. Wahrscheinlich schaffte ich selbst im Traum deswegen nur einen Eintrag: »Wussten Sie, dass die arabisch-indische Zahlschrift den römischen Zahlen in Sachen Effektivität haushoch überlegen ist?« Dann wachte ich auf. Wenigstens stimmte der Trauminhalt irgendwie. Beim Ziffernblatt einer Uhr, schön arabisch-indisch von eins bis zwölf beschriftet, kommt der Einser fünf Mal vor. In 1, 10, 11, und 12. Ist eine Uhr mit römischen Zahlen zugemüllt, hat man gleich 17 Mal den Römischen Einser. Man kann gerne nachzählen, es stimmt: I; II; III; IV; VI; VII; VIII; IX; XI, XII. »Ähm, hmm, ja, ja, und weiter?!« Keine Ahnung innere Trulla, keine Ahnung. Aber ich werde von Nächten wohl mehr gehabt haben, wenn ich in Zukunft am Bauch schlafe.
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Illbilly The K.I.T.T. www.facebook.com/ illbilly
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9 bis 18 Uhr Eintritt frei
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