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The Gap 150

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»Eine Interaktion, Grenzsituation, Zwischenmenschlichkeit wird gezündet, das hängt davon ab wie das Papier eingesetzt wird.« – The gap-Autorin über print 2015

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Magazin für Glamour und Diskurs

MONATLICH. VERLAGSPOSTAMT 1040 WIEN, P.B.B. GZ 05Z036212 M, Nº 150, MAI / JUNI 2015. € 0,—

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Leitartikel von Thomas Weber.

Wen’s »wundert«, der kennt sich nicht aus

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ie Geschichte von The Gap ist eine Geschichte voller, nein, nicht Missverständnisse, sondern voller Beharrlichkeit. Was freilich nichts daran ändert, dass manch einer Beharrlichkeit mit Wundern gleichsetzt – oder gar verwechselt. Aktuelle Beispiele gibt es immer wieder. Bilderbuch etwa, und Wanda. Oder Ogris Debris. Oder Soap&Skin. Auch den Nino aus Wien, Parov Stelar und viele andere könnte man nennen. »Es is jo grod Wiener Pop-Wunder«, machte sich der Musiker Ernst Molden dieser Tage bei einer Buchpräsentation darüber lustig, dass er Nämliches derzeit jede Woche irgendeinem Feuilletonfuzzi aus Deutschland erläutern müsse. Einer wie Molden kann darüber klarerweise nur lachen. Er selbst, kurz nach der Jahrtausendwende eine Zeit lang übrigens auch als regelmäßiger Autor für The Gap aktiv, ist bald fünfzig und gehört, nach langen Jahren auf den Off-Bühnen, im Schatten – früher hätte man wohl »im Underground« gesagt – plötzlich irgendwie zum sympathischen Stadtinventar. Womöglich hätte man das früher sogar »Establishment« genannt. Mittlerweile sind diese dummen Vorbehalte vergessen und wir alle froh über jeden Künstler und Kulturmenschen, der von seinem Schaffen halbwegs leben kann. Einer wie Molden, der weiß, dass die Wunder kommen und gehen. Wien erlebt also wieder einmal einen Hype. Und sogar der Falter, einer der wenigen verlässlichen Pop-Begleiter im »Land

mit dem A« (Rainer Krispel), schreibt am Cover von einem »Wunder«. Nur weil sich plötzlich auch außerhalb der Probekeller sie – oftmals noch – zu wenig Aufmerkund dem erweiterten Freundeskreis der samkeit bekommen. Als in The Gap das ortsansässigen Bands jemand für Musik erste Mal ein gewisser Thomas Glavinic aus Wien interessiert? Doch genau dieser vorgestellt wurde, hatte der gerade in Terminus, Wunder, der trügt und glänzt einem kleinen ehemaligen DDR-Verlag darüber hinweg, dass dahinter natürlich seinen Roman »Der Kameramörder« verStrukturen und Know-how stecken, und öffentlicht. Heute gehört Glavinic zu den – wie immer – auch ganz schön viel Glück. wenigen zeitgenössischen BestsellerautoUnd eben Beharrlichkeit. Nix da also mit ren des Landes und schickt sich – eben»Wunder«. Das war auch damals, 1998, nicht anders, falls Stadtinventar – an, in die Rolle des prosaischen Wiedergängers von Wolfgang als in der mittlerweile gentrifizierten Bauer zu schlüpfen. Ja, früher hätte man Wiener Grundsteingasse auf G-Stone »Establishment« gesagt. Vea Kaiser war Recordings die legendären »K&D Sessions« 2012 sogar am Cover von The Gap, bevor von Peter Kruder und Richard Dorfmeister irgendjemand eine Ahnung hatte, was erschienen, die kurz darauf als Wegbereiter des »Vienna Sound« weltweit gefeiert Blasmusik plötzlich mit Pop zu tun haben wurden. Nur ein paar Monate später – ja, sollte. es ist verdammt hart, der Coolste und den Irgendwann war dann aus dem »Magazin für Popkultur« (unser alter Claim) Hinterherhechelnden ein paar Atemzüge die »Plattform für Glamour und Diskurs« voraus zu sein – hörten dann plötzlich geworden. Für Pop brauchst schließlich auch die Proleten Kruder & Dorfmeister. a G’spür. Und Wissen. Von »Wundern« Wanda und Bilderbuch wird es wahrscheinlich nicht anders ergehen. Aber egal. wollen wir deshalb auch künftig nicht Sollte der Erfolg bleiben oder gar ausgesprechen, am allerwenigsten vom »Wiener baut werden können, dann steckt dahinter Pop-Wunder«. Denn das ist natürlich Beharrlichkeit. Eben jene Eigenschaft, die – unglaublich kariert, kleingeistig und komplexbehaftet. Schließlich wäre beim ersten vor allem – auch The Gap auszeichnet, das Erfolg der Sportfreunde Stiller damals kurz davor, 1997, gegründet wurde. – völlig zu Recht! – auch kein Mensch Die Geschichte von The Gap ist also auf die Idee gekommen, formelhaft von genau genommen auch die Geschichte „»Münchner Wunderknaben« zu fantasieder Normalität zwischen der Aufgeregtheit; die Geschichte zwischen zwei Hypes ren. Genau: Glamour und Diskurs. (1998ff, 2015). Begeistern haben wir uns Und was kommt als nächstes? – Keine Ahnung. Aber jedenfalls mal 84 hoffentlich auch für dazwischen aufgetauchte und lesenswerte Seiten. wieder untergegangene Künstler und Kreative können – weit über die welt* siehe timeline seite 034 abgewandte Musikblase hinaus. Auch wenn – vielleicht unser Versagen punkto Positionierung – The Gap auch 2015 noch, zuletzt in einem Insert in der Zeit im Bild, Thomas Weber als »Musikmagazin« bezeichnet wird. Das Herausgeber waren wir vielleicht 1997, als Fanzine. Nie weber@thegap.at aber waren wir weiter davon entfernt als @th_weber 2015. Wie eh und je featuren wir Themen und Dinge, von denen wir meinen, dass

Bild michael winkelmann

150 Ausgaben The Gap – das bedeutet 149* Momentaufnahmen im endlosen Stream, aber vor allem auch 149* Reflexionen über Pop und Kultur, über Kreatives und Bewegendes aus Wien und Umgebung, sprich: Österreich. »Wunder« sind in all den Jahren keine passiert.

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Queer Vienna Allzu oft kommen Lifeball, Song Contest und Regenbogenparade nicht in Wien zusammen. Natürlich ist das ein offensichtliches Coverthema, wir versuchen es, das auf unsere Weise aufzuarbeiten. Denn obwohl Wien sich offen wie nie gibt, passieren immer noch Dinge wie im Prückel oder Sager von Andreas Gabalier. Wien, quo vadis.

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Magazin Queer Vienna 014 —— Manderl und Weiberl, Zungenpritschler und Lifeball-Plakat mit Frau mit Penis – Unsere Coverstory. Golden Frame: Britta Thie – Translantics 018 —— Wir präsentieren uns selbst, auf Openings, übers Smartphone, am Laufsteg des Lebens. Britta Thie macht darüber Kunst. Queer ABC 020 —— Almdudler bis Zierhofer – das queere Wien ist reich an Menschen, Orten und Buchstaben. Making Of Cover 024 —— Das Cover sollten Studierende von Die Graphische gestalten. Neben Lederhosen wurden auch Flamingoblumen und Spielkarten eingereicht. Queere Kunst in Wien 026 —— Wir haben uns mit einer Netzkünstlerin und eine Modedesignerin Kaffee getrunken. Mahnmal für homosexuelle NS-Opfer 028 —— Das Mahnmal am Naschmarkt soll an ein Stück vergessener Geschichte erinnernund ein Signal im Jetzt setzen. Pink Marketing 030 —— Wie bekommt man die eher wohlhabendere Zielgruppe nach Wien? ESC Politik 032 —— Beim Wettsingen ist Politik verboten. Trotzdem spielt sie immer wieder rein. 150 Jahre The Gap Timeline 034 —— Oh, wir sind alt. Weil wir manchmal selbst schon vergessen, hier ein Überblick.

Jamie xx 038 —— Es ist nicht nur ein fantastisches Album, es umspannt auch einmal den Bogen britischer Dancemusik. Hudson Mohawke 039 —— Trap war mal ein kleiner dreckiger Junge. Hudson Mohawke macht ein rundes Album draus. Superhelden als Kulturtechnik 040 —— Sie sind unsere Halbgötter und Heldengeschichten. Im Kino beherrschen sie das Box Office. Aber warum gefällt uns das so? Daredevil 042 —— Ein Superheld erobert das Serienformat und macht dabei sehr viel richtig. Reddit 044 —— Reddit wird 10 Jahre. Die Seite ist hässlich und extrem erfolgreich. Ein Erklärungsversuch. Zines 046 —— Früher waren sie für Subkulturen unerlässlich, heuer werden Zines zur wilden Spielwiese. Christian Futscher 048 —— Oral History trifft BeislSchmäh. Futscher hat das wilde Leben von Grete Seifert notiert. Margit Mössmer 050 —— Nein, Margit Mössmer ist nicht eine österreichische Gabriel Garcia Marquez, aber. Sinn City 050 —— Wie schaut die Stadt der Zukunft aus? Ein paar historische Planstädte geben Anhaltspunkte . Alpines Design 054 —— Lena Hoschek hat es in der Mode vorgemacht. Alpines Design muss keine niedrigen Nationalinstinkte bemühen, um gut auszusehen. Büromöbel 056 —— Ist das flexible Büro toll wie alle tun? Wir haben uns mit zwei britischen Stardesignern unterhalten.

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150 Jahre The Gap 150 sind wir jetzt schon. Und deshalb möchten wir ein wenig von uns erzählen, wie das angefangen hat, wer dabei war, was ultimativ schlecht gelaufen ist und ein wenig Lob pinseln wir uns auch auf den Bauch. Das Editorial, Unbezahlter Anzeiger oder Work Station sind auch anders geraten als sonst. Eine Feier mit Actress, Cid Rim und Mavi Phoenix gibt es noch dazu.

034 Rubriken Leitartikel 003 Inhalt 004 Editorial / Porträt / Impressum 006 Fondue 007 Unbezahlter Anzeiger 009 Splitter 010 Workstation: Elisabeth Els und Manuel Fronhofer 048 Literatur: Moritz Baßler 062 Reviews 067 Termine 074

Bild der Ausgabe Wir sind umgezogen und sehen endlich Tageslicht. Noch dazu gibt es eine stilvolle Eingangstüre, Internet und Leute sitzen sinnvoll aufgeteilt in den drei Räumen. Örtlich und inhaltlich befinden wir uns damit zwischen Vice und FM4. Im Kühlschrank ist endlich Platz. Martin Mühl macht als Erster die Tür zu.

Kolumnen Dance Yrself Clean Know-Nothing-Gesellschaft

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7 Dinge, die ich an dir hasse Zur Feier des Tages darf es auch einmal Hass auf The Gap sein. Uns extrem super finden, tun wir sonst schon genug. 01 Du machst mich zum Snob. — Journalisten bekommen Akkreditierungen für Festivals, Musik oder Filme vorab, manchmal auch Pressereisen – da lernt man im Freundeskreis schnell zu entgegnen: »Hey, dafür habt ihr geregelte Arbeitszeiten!« 02 Deine Autoren sind unzuverlässig. — Ja, schon klar, sie machen das aus Begeisterung, oft in ihrer Freizeit und manchmal haben sie sich versoffen oder sind noch nicht dazu gekommen, obwohl der Text für Vorgestern jetzt garantiert versprochen war. Oder letztens war es einfach ein blödes Missverständnis. Liebe Autoren, eine Deadline ist leider keine Orientierungshilfe, wann ihr erinnert werden wollt und ja, Bilder wären nett gewesen. 03 Dein Telefon ist unnötig. — Hm, eine CD mit dem türkis-schwarzen Cover, aufstrebender Songwriter aus Frankfurt mit authentischen, ehrlichen Songs über seine Trennung – noch nicht reingehört, leider. Fette Medien-Koop, aber ihr müsst erst überlegen, ob ihr The Gap nicht nur in die Logo-Leiste geben könnt – kein Stress, überlegt es euch. Fotoausstellung im Rahmen eines Pop-up-Street-Sale – andere wären sicher froh, da hin zu dürfen. Nur mit einem Sack voller Geld meldet sich leider niemand bei dir. 04 Du bist wohl einfach zu haben. — Du findest eh toll, was jeden Tag an Filmen, Rap-Memes, Apps veröffentlicht und an Ausstellungen oder neuem Line-up angekündigt wird, aber immerhin werden diese Dinge oft subventioniert, während manchen offenbar nicht klar ist, dass du ohne Presseförderung nur von Anzeigen, Advertorials und anderen Aufträgen lebst. 05 Du bist manchmal nicht wiederzuerkennen. — Neue Leute kommen, andere gehen, das ist normal. Viele magst du aber, manche werden Freunde und du würdest sie gern für immer hier behalten. Wäre halt gut, wenn sie keine Ansprüche auf Urlaub, persönliche Veränderung oder Tageslicht stellen würden. 06 Du bist schuld, dass mich Leute für arrogant, verplant, dumm oder faul halten. — Natürlich weiß ich, dass viele Leute auf eine Antwort auf ihr Mail warten. Oder dass es manchmal so wirkt, als gäbe es einen Wiener Filz. Ja, ich hatte echt vor, Bescheid zu geben. Nein, ich arbeite auch am Wochenende. Aber generell ist es Weihnachten leichter, bei Nichten, Neffen und Kindern von Schulfreunden als der lustiger Onkel zu gelten. 07 Du glaubst wohl du bist was Besonderes. — Ja natürlich, das bist du.

Hatice Özmen Mehr als sauber — Hatice war mehr als eine Reinigungskraft für uns. Sie war Modeberaterin, türkische Kulturbotschafterin, Stimme der Vernunft und besserwissende Großmutter für ungefähr alles. Ob die von uns allseits geliebte Hatice auch noch im neuen Büro sauber machen wird, ist fraglich. Unsere Herzen bluten, wenn wir abends vergebens darauf warten, dass ihr schlurfender Schritt gemeinsam mit einem lang gezogenen »Grüß Gooooott« durch die Räume hallt. Liebevoll stapfte sie von Tisch zu Tisch, entledigte uns unserer halbvollen Kaffeehäferl mit den Worten »Trinken?«, um sich anschließend die Antwort selbst zu geben und das Gefäß unseres Lebenselixiers rasch in den Geschirrspüler zu räumen. Manchmal, wenn auch selten, gefiel ihr, wie wir The Gap-Redakteure uns zur Arbeit kleideten. Dann würdigte Hatice das Outfit mit einem anerkennenden Blick und sagte »Schöne Mädchen!«. Wenn nach Redaktionssitzungen die Küche in einem Chaos leerer Bierflaschen unterging, war sie weniger zufrieden und ließ uns ihren Ärger durch einen unaufhaltsamen Strom lauter, türkischer – wie wir annehmen – Flüche, spüren. War der Chefredakteur mal unterwegs, fragte sie »Wo junge Mann?« und machte sichs für die Antwort erst mal auf seinem Sessel bequem. Wenn sie früher mit dem Arbeiten fertig war, entschied sie, dass auch wir nun nichts mehr zu tun hätten und verwickelte einen in lange Gespräche über ihre Familiengeschichte. Hatice, wir werden dich vermissen. Hätten wir gewusst, dass unsere Zeit so kurz ist, wir hätten die Bierflaschen immer selbst weggeräumt. Danke für alles.  TEXT teresa havlicek BILD stefan niederwieser

Stefan Niederwieser niederwieser@thegap.at @the_gap

Impressum

HERAUSgeber Thomas Weber chefredaktION Martin Mühl, Stefan Niederwieser Redaktion Ranya Abd El Shafy, Niko Acherer, Benjamin Agostini, Amira Ben Saoud, Josef Berner, Sandra Bernhofer, Manuel Bovio, Ivo Brodnik, Stephan Bruckner, Johannes Busching, Ann Cotten, Lisa Dittlbacher, Juliane Fischer, Holger Fleischmann, Philipp Forthuber, Manuel Fronhofer, Miriam Frühstück, Barbara Fuchs, Carola Fuchs, Daniel Garcia, Yannick Gotthardt, Manfred Gram, Dominique Gromes, Philipp Grüll, Julia Gschmeidler, Andreas Hagenauer, Jan Hestmann, Magdalena Hiller, Christoph Hofer, Sebastian Hofer, Peter Hoffmann, Michael Huber, Reiner Kapeller, Jakob Kattner, Sophie Kattner, Markus Keuschnigg, Michael Kirchdorfer, Kristina Kirova, Stefan Kluger, Michaela Knapp, Markus Köhle, Christian Köllerer, Alexander Kords, Christoph Kranebitter, Rainer Krispel, Michael Bela Kurz, Philipp L’Heritier, Franz Lichtenegger, Artemis Linhart, Gunnar Landsgesell, David Mochida Krispel, Davi Maurer, Christiane Murer, Nuri Nurbachsch, Dominik Oswald, Ritchie Pettauer, Stefan Pichler, Johannes Piller, Stefanie Platzgummer, Christoph Prenner, Teresa Reiter, Werner Reiter, Kevin Reiterer, Martin Riedl, Tobias Riedl, Gabriel Roland, Georg Russegger, Stefan Schallert, Joachim Schätz, Peter Schernhuber, Bernhard Schmidt, Nicole Schöndorfer, Werner Schröttner, Tanja Schuster, Richard Schwarz, Katja Schwemmers, Katharina Seidler, Christoph Sepin. Wolfgang Smejkal, Lisa Stadler, Roland Steiner, Gerald C. Stocker, Johanna Stögmüller, Sophie Strohmeier, Peter Stuiber, Werner Sturmberger, Denise Helene Sumi, Yasmin Szaraniec, Hanna Thiele, Horst Thiele, Franziska Tschinderle, Erwin Uhrmann, Jonas Vogt, Luise Wolf, Maximilian Zeller, Martin Zellhofer, Barbara Zeman PRAKTIKUM Robert Ziffer-Teschenbruck, Florian Thoeni termine Manuel Fronhofer, Stefan Niederwieser AUTOREN Georg Cracked, Michaela Knapp, Michael Lanner, Moriz Piffl-Percevic, Jürgen Wallner, Martin G. Wanko fotografie Florian Auer, Lukas Beck, Stephan Doleschal, Andreas Jakwerth, Georg Molterer, Ingo Pertramer, Kurt Prinz, Karin Wasner Illbilly-illustration Jakob Kirchmayr COVER Julia Spoerk DESIGN Elisabeth Els, Manuel Fronhofer, Erli Grünzweil, Thomas Wieflingseder Lektorat Wolfgang Smejkal, Adalbert Gratzer web Super-Fi, m-otion anzeigen Herwig Bauer, Thomas Heher, Micky Klemsch, Martin Mühl, Thomas Weber (Leitung) Distribution Martin Mühl druck Ferdinand Berger & Söhne GmbH, Pulverturmgasse 3, 1090 Wien geschäftsFÜHRung Martin Mühl PRODuktion & MedieninhabERin Monopol GmbH, Wohllebengasse 16/6, 1040 Wien kontakt The Gap c/o Monopol GmbH, Wohllebengasse 16/6, 1040 Wien; Tel. +43 (1) 20 57 06; wien@thegap.at, www.thegap.at, www.monopol.at, office@thegap.at bankverbindung Monopol GmbH, easybank, IBAN AT77 14200 20010710457, BIC EASYATW1 abonnement 10 Ausgaben; Inland EUR 15, Europa EUR 35, Rest der Welt EUR 42 HEFTPREIS EUR 2 erscheinungsweise 8 Ausgaben pro Jahr; Erscheinungsort Wien; Verlagspostamt 1040 Wien Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Für den Inhalt von Inseraten haftet ausschließlich der Inserent. Für unaufgefordert zugesandtes Bild- und Textmaterial wird keine Haftung übernommen. Jegliche Reproduktion nur mit schriftlicher Genehmigung der Geschäftsführung.

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Kunsthalle Wien

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NDUE

DESTINATION

Spähaugen und Schnappschützen aufgepasst: The Gap freut sich immer über bemerkenswerte Momentaufnahmen, optische Querschläger und belichtete Kuriositäten. Seit 150 Jahren. Deshalb ein Best-Of.

WIEN 2015 Museumsquartier & Karlsplatz 17/4 – 31/5 2015 #Destination Halblustige Bildunterschriften ebenso.

24/7 bzw. 5/8 durchgerechnet muss man ja auch irgendwie auf- bzw. abrunden.

Mothers I’d Like to Führ to the Tupperparty, and probably weiter in die Cellulite-Behandlung.

Erste Anzeichen von Anarchie – ist der Funke des arabischen Frühlings vom Teppichland zur Fliesen-City übergesprungen?

Also irgendetwas stimmt hier nicht. Hat Südkorea echt einen Tennisball auf der Flagge?

Meinetwegen. Vielleicht können mir die Kieberer wenigstens beim Kotzen die Haare halten, bevor sie ihre Tests starten.

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Destination Wien 2015 ist eine Zusammenschau von über 70 Positionen zeitgenössischer Kunst und ermöglicht einen umfassenden Einblick in die Wiener Kunstlandschaft. Die Wiener Szene wird sowohl auf aktuelle Trends hin abgeklopft, als auch auf Positionen, die maßgeblich beteiligt waren an der Entwicklung eben dieser Trends. Neben der Ausstellung in der Kunsthalle Wien Museumsquartier finden in der Kunsthalle Wien Karlsplatz performative und diskursive Veranstaltungen statt. Künstler/innen: Adrian Alecu, Ovidiu Anton, Anna Artaker, Kurdwin Ayub, Josef Bauer, Cäcilia Brown, Adrian Buschmann, Hugo Canoilas, Julian Charrière, Mitya Churikov, Los Destinados (Julius Deutschbauer / Klaus Pobitzer / Panos Mylonas), Eva Egermann, Christian Eisenberger, Christian Falsnaes, Marina Faust, Lukas Feigelfeld, Daniel Ferstl, Andreas Fogarasi, Heinz Frank, Heribert Friedl, Peter Fritzenwallner, G.R.A.M., Kerstin von Gabain, Till Gathmann, Aldo Giannotti, Sofia Goscinski, Julian Göthe, Eva Grubinger, Harald Gsaller, Rebekka Hagg, Michael Heindl, Nicholas Hoffman, Ana Hoffner, David Jourdan, Barbara Kapusta, Eric Kläring, Tonio Kröner, Tina Lechner, Sonia Leimer, Paul Leitner, Constantin Luser, Nana Mandl, Christian Mayer, Ralo Mayer, Sarah Mendelsohn, Melitta Moschik, Hans Nevidal, Josip Novosel, Denise Palmieri, Michael Part, Nicola Pecoraro, permanent breakfast (Friedemann Derschmidt / Abbé Libansky / Karin Schneider / Barbara Zeidler), Lilly Pfalzer / Sergio Valenzuela, Karin Pliem, Johannes Porsch, Hanna Putz, Andreas Reiter Raabe, Ritornell, Valentin Ruhry, Maruša Sagadin, Ari Sariannidis, Johann Schoiswohl, Leander Schönweger, Misha Stroj, Philipp Timischl, Jenni Tischer, Octavian Trauttmansdorff, Nadim Vardag, Salvatore Viviano, Astrid Wagner, Tanja Widmann, Birgit Zinner kunsthallewien.at blog.kunsthallewien.at facebook.com/KunsthalleWien twitter.com/KunsthalleWien

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Zwischen Flohmärkten, Diskussionsabenden und Weinverkostungen werden Clubs immer mehr zur sozialen Zone – auch abgesehen von 1-2-3-4. Das Ausgehen beginnt heute oft schon am Nachmittag. Die erste Runde an bummvollen Open-Air-Events an Kanalufern und auf Praterwiesen hat gezeigt, dass die Lust auf den Nachmittagsspritzer oder die gepflegte Handvoll Dosenbier auf dem Freiluft-Dancefloor 2015 nach wie vor ungebrochen ist. Auch Flohmärkte, Pop-up-Läden, Pastrami-Sandwich-Ausgaben und vegane Burgerläden scheinen sich als UntertagsTreffpunkt vieler Menschen, denen man nachts dann ebenfalls, immer noch oder erneut, unter der Discokugel begegnet, immer mehr zu etablieren.

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Der Club ist also längst kein Ort mehr, den man erst um zwei Uhr früh nach einigen anderswo konsumierten Getränken betritt, um in die Dunkelheit des Dancefloors und die Anonymität der lauten Musik einzutauchen. Er entwickelt sich gerade wieder zum Treffpunkt, an dem Menschen zusammenkommen, sich austauschen (und wenn es im materiellen Sinn sein sollte), miteinander essen, tanzen oder sonstwie dem Alltag entkommen. Auch, wenn zu einer vollkommenen Utopie aus Interkulturalität, Gleichheit und Schwesterlichkeit natürlich noch so einiges fehlt, mag man über diesen Umweg der Eventisierung des Samstagnachmittags doch vorsichtig daran glauben, dass die Etablierung vom Club als soziale Zone, in der etwa verschiedene Altersgruppen nebeneinander Platz haben, als kleine Wieder-Annäherung an den Grundgedanken von etwa frühem Detroiter Techno- und Housepartys in Chicago und New York verstanden werden kann: Alle anders, alle gleich.

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Kolumne: »Dance Yrself Clean« Katharina Seidler Kolumnistin, FM4, Falter — @kaseidler

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Essen als neuer Pop schlägt sich in Form von co-gehosteten Küchen längst auf den Terrassen der heimischen Clubs nieder. Lokale wie etwa das Fluc geben zu bestimmten Anlässen Bücher und Anthologien heraus, die die Musik- und Ausgehkultur auf theoretischer Ebene verhandeln. Es gibt, derzeit beispielsweise organisiert von der Initiative Club Courage, Diskussionsabende zu Themen wie Gender-Troubles in der Szene, die direkt vor der Partynacht vor Ort stattfinden, man veranstaltet DJ- und Hardware-Workshops, oder, wie wir anhand der Facebook-Zusagen annehmen, offenbar überaus beliebte Weinverkostungen. In Wien hat der Naschmarkt seine praktisch alleinige Stellung als samstägliches Stöber-Zentrum einer kulturinteressierten und gut vernetzten Szene eingebüßt, seit Woche für Woche Flohmärkte, Plattenbörsen oder andere Vintage-Sales die Tanzflächen der Clubs zur Bummelzone machen.

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Panda im Glas

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Um pandastisch auszusehen, gibt es allerhand Möglichkeiten: vom Ganzkörperpandakostüm bis zum Armband, von der Unterhose bis zu den Socken. Wer aber wirklich auf Pandas steht, will vermutlich auch in ihnen stehen. Der japanische Teil der Converse-Familie hat vor einigen Jahren die klassischen Chucks aufgepandert – leider ziemlich vergriffen, die guten Stücke. Auch diese schicken Vans sind nicht ganz einfach zu bekommen, aber echte Pandas sind ja auch rar … www.etsy.com

Unglaublich, wie Trinken Spaß machen kann, auch ohne Alkohol. Befüllt man dieses tierisch tolle Glas mit weißer Flüssigkeit, zum Beispiel Milch, manifestiert sich ein waschechter Pandabär vor den ungläubigen Augen. Wer total crazy ist und seinen Panda lieber bunt haben will, der kann sein Glas auch mit exotischen Inhalten wie Erdbeer-, O- oder Apfelsaft füllen. Geht natürlich auch mit Drogen, für alle, die ihre Pandas am liebsten purple haben. www.ebay.com

Stell dir vor, du kommst nach Hause und findest das vor. Oder irgendwohin. Dieses Pandabettzeug gewinnt in der Kategorie: Dinge, die so schlecht sind, dass sie schon wieder gut sind. Gott sei dank hat das nicht Lu Lu, der männliche Panda, der kürzlich mit 18 Minuten und drei Sekunden den längsten dokumentierten Pandasex hatte, gesehen – denn er wäre sofort gekommen. Vermutlich jeder, der das je live erlebt hat. www.girlsbeddingplus.com

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Pandagram-Steckbrief: mak_vienna (MAK – Museum für Angewandte Kunst) Nina Hochrainer

Wir haben 10 Tage lang Bilder aus österreichischen Museen auf unserem Instagram-Account gepostet. Das meistgelikte Foto gibt’s hier.

(The Gap Autorin 2001–2006, FM4)

TOP 10

COMPILATIONS FÜR DEN BESSEREN MORGEN

01 New Orleans: The original Sound of Funk 1960–75 02 The original Sound of Cumbia 1948–79 03 Sin City Juke Box: Burlesque Grind & Voodoo Jazz Vol. 1 04 Angola Soundtrack: Unique Sound of Luanda 1968–76 05 Calypso: Musical Poetry in the Carribean 1955–69 06 Philadelphia Roots: Funk, Soul and the Roots of Disco 07 Sound Dimension: Jamaica Soul Shake Vol. 1 08 Miami Sound: Rare Funk & Soul from Miami 1967–79 09 ¡Gozálo! Bugalú Tropical Vol. 4 10 The Essential Pebbles Collection Vol. 2

TOP 5

STADTVIERTEL UND DIE BESTE REISEZEIT

01 Bywater, New Orleans, 2015 02 Malasaña, Madrid, 1984 03 Williamsburg, Brooklyn, 2006 04 Santa Teresa, Rio de Janeiro, 1965 05 Alsergrund, Wien, 2025

auch nicht schlecht: Avocadotartine auf Sauerteig-Roggenbrot, garniert mit gemahlenem Kreuzkümmel, grauem Meersalz, Zitronensaft, Olivenöl.

Dieses schmucke Stück – eine Rekonstruktion des Schlafzimmers in der Wohnung Lina und Adolf Loos – gab es in der Ausstellung »Wege der Moderne. Josef Hoffmann, Adolf Loos und die Folgen« zu bewundern.

MAK – Museum für Angewandete Kunst

Thomas Heher

Das MAK gibt es sogar schon zwei Jahre länger als uns, nämlich seit 1863. Im Museum an der Ringstraße findet sich eine Mischung aus angewandter Kunst, Design, Architektur und Gegenwartskunst.

(The Gap Gründer, Waves Vienna)

TOP 10

HEIMISCHE HOFFNUNGS-ACTS (ALPHABETISCH)

sieht man mir nicht an, ist aber so:

Ich habe schon über 150 Jahre auf dem Buckel und war der erste Museumsbau an der Wiener Ringstraße.

am schwersten auf einem foto festzuhalten:

Die Aura von Kunstobjekten.

liebste foto-app:

Snapseed

liebster hashtag:

#design

TOP 5

drei follow-empfehlungen

@viebiennale, @vamuseum, @designmuseum

SÄTZE IN BEWERBUNGS-MAILS, MIT DENEN MAN ALS BAND BEIM WAVES EHER NICHT GEBUCHT WIRD

schaue oder höre ich nur hinter zugezogenen vorhängen:

Singende Biedermeiersofas in der MAK-Expositur Geymüllerschlössel.

01 Wir rocken das Haus! 02 Wir spielen jetzt auch ein paar eigene Sachen. 03 Ich kauf dir ein Bier, wenn wir spielen dürfen. 04 Du wirst es ewig bereuen, wenn wir nicht spielen! 05 Ich weiß, wo dein Auto steht. (Hab keins.)

würd’ ich mir tätowieren:

Das Logo der VIENNA BIENNALE 2015 in Rot, Schwarz, Blau und Weiß.

saidnooneever:

»I hate that I don’t have to pay admission to the MAK on Tuesdays (6–10 p.m.)!«

auch nicht schlecht: Sich unter anderem Namen am gleichen Tag nochmal bewerben.

Bild Peter Kainz / MAK

01 Ages 02 Grizzley and the Kids 03 Inner Tongue 04 Like Elephants 05 Mynth 06 Nicole Jaey 07 Polkov 08 Robb 09 The Unused Word 10 Wealth

instagram.com/thegapmag

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Quartier Belvedere

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Iris Kern-Foster

(Monopol Mitgründerin 2002–2008, Künstlerin, Kreative)

TOP 10

ABSTRAKTE WERKE AUF SAATCHIART.COM

01 »Halo’s End«, Ashley Busby 02 »Macau Double«, Natalia Davis 03 »Figure Doubt« , Marcus Vincent 04 »Painting Deconstructed«, Naomi Middelmann 05 »The System 1«, Sander Steins 06 »Nasca IV«, Milena Vuckovic 07 »Quintar Crusade«, Yvonne Duval 08 »Conditions-05«, Jeffrey Kraus 09 »Chai R«, Micosch Holland 10 »Papeles Amarillos«, Olga Armand Ugon

TOP 5 APPS

01 Lyft – Blumenlieferwagen statt Taxi 02 Somebody – Messaging Service von Miranda July 03 BChatbooks – Bücher von #hashtags 04 Visual Poet – Fotostreifen für LyrikerInnen 05 Think Dirty – Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten

auch nicht schlecht: F.L.O.W. – Feminist library on wheels (Los Angeles)

thegap.at/goodies »Mortal Kombat X« Es ist unmöglich, »Mortal Kombat« von seinen schlicht extrem brutalen Fatalities zu trennen. Aber auch der zehnte Teil besticht noch mit einer beachtlichen Spieltiefe und lässt vollkommen zurecht die Herzen aller Beat ’em Up-Spieler schneller schlagen. Und das nicht nur aus Nostalgie-Gründen. Ganz im Gegenteil. Wir verlosen je eine Version für Xbox One und PS4 inklusive T-Shirt.

»Poltergeist« / Geisterbahn »Hotel Psycho«

Niko Alm

(The Gap Herausgeber 2005–2007)

TOP 10

Horror-Regisseur Sam Raimi steht als Produzent hinter diesem Remake von Gil Kenan. Gemeinsam lassen sie wieder eine Familie in ein Idyllisches Haus in der Vorstadt ziehen – auf dass dunkle Mächte sich mit der Familie anlegen. Und diese muss zusammenhalten, um die jüngste Tochter zu retten. Wir verlosen zum Anlass des Kinostarts am 29. Mai 2 Pakete, bestehend aus je 2 Tickets für die neue Geisterbahn »Hotel Psycho« im Wiener Prater und 1 Filmplakat.

RELIGIONEN (AB PLATZ 3 AUSSER KONKURRENZ)

»The Witcher 3 – Wild Hunt«

01 Pastafarianismus 02 SK Rapid Wien 03 Zoroastrimus 04 Granderwasser 05 Veganismus 06 Raubtiersozialismus 07 Scientology 09 Homöopathie 10 Katholizismus

Mit »The Witcher 3« erscheint am 19. Mai ein nicht nur für Freunde von Rollenspielen wichtiger und großer Titel. Es gilt, die neuesten Abenteuer von Geralt von Riva zu bestehen und dabei riesige Welten zu durchstreifen und mit den eigenen Entscheidungen und Handlungen das Geschick der Welt zu bestimmen. Wir verlosen ein Paket, bestehend aus der PS4-Version der Spiels und einen passenden Knapsack von Musterbrand.

TOP 5

Nintendo veröffentlicht derzeit mal wieder ein feines Spiel nach dem anderen, und das nicht nur für den 3DS, sondern auch für die Wii U. Wir verlosen ein Wii U-SpielePaket, bestehend aus »Super Smash Bros«, »Kirby und der Regenbogen-Pinsel«, »Mario Kart 8« und ein Kirby-Amiibo.

LAIBACH MERCHANDISE

01 Krawatte 02 Taufkerze 03 Fez 04 NSK Pass 05 Seife

auch nicht schlecht: Für Industrial-Fans, falls es die noch gibt: The Compound Eye Sessions (Marc Heal von Cubanate und Raymond Watts von Pig / KMFDM).

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Nintendo Wii U Spiele-Paket

»Mittelerde: Mordors Schatten« Intensive, dynamische Kämpfe sind nur eine der Stärken von »Mittelerde: Mordors Schatten«. Mindestens ebenso wichtig ist die individuelle Hackordnung unter den gegnerischen Uruks, die das Spiel maßgeblich bestimmt. Dieser Tage erscheint die Game-Of-The-Year-Edition inklusive vieler Bonusinhalte und Pakete. Wir verlosen diese 1x für PS4.

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Das Hofmobiliendepot ein weltweit einzigartiges Möbelmuseum widmet sich derzeit der Küche

Ursprünglich war das Hofmobiliendepot das Möbellager der Habsburger, heute zählt es zu den größten und spannendsten Möbelsammlungen der Welt. Gezeigt wird Möbelkultur aus über drei Jahrhunderten – vom beeindruckenden Erbe der Habsburger über Biedermeier, Historismus und Wiener Moderne bis hin zum Möbelschaffen des 21. Jahrhunderts. Bis 26. Juli ist dem Thema „Küchen/Möbel. Design und Geschichte“ eine eigene Ausstellung gewidmet. Im Hofmobiliendepot Möbel Museum Wien wird ein herausragender Fundus an historischem Kulturgut präsentiert. Kern des Museums sind Original-Einrichtungsstücke der Habsburger. Einzelnen Persönlichkeiten wie Maria Theresia, Kaiser Franz, Kronprinz Rudolf oder Sisi zugeordnet, spiegeln die Objekte nicht nur politische Ereignisse und herrschaftliches Zeremoniell, sondern vor allem deren Alltagsleben wider. Einzigartig sind die großartige Biedermeier- und Hygienemöbelsammlung des Museums. Aber auch die Wiener Moderne und das österreichische Möbeldesign von 1930 bis heute lassen sich sehen. Neben Loos, Wagner, Hoffmann oder SchütteLihotzky ist die junge Generation an Möbelschaffenden in einem erweiterbaren Bereich vertreten.

Entgeltliche Einschaltung

Die aktuelle Sonderausstellung über Küchen/Möbel beleuchtet den Wandel von der offenen Feuerstelle zur modernen Einbauküche. Die Schau macht deutlich, dass die Einrichtung der Küche nicht nur von technischen, sondern vor allem von sozialen Faktoren bestimmt wurde und wird.

Hofmobiliendepot • Möbel Museum Wien Andreasgasse 7 1070 Wien www.hofmobiliendepot.at Di – So 10 – 18 Uhr Tipp: Spezialführungen „Die Wiener Ringstraße und der Historismus“ an jedem ersten Wochenende im Monat um 15 Uhr

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queeres wien — Wie queerfreundlich ist die österreichische Hauptstadt?

Unstoppable

Man fühlt sich fast wie in Venedig, so viele Brücken werden derzeit in Wien gebaut. »Building Bridges« lautet nämlich das derzeit überall herumflatternde Motto des Eurovision Song Contests. Alles Dank Conchita Wurst. 200 Millionen Menschen werden dann vor dem Fernseher sitzen, wenn sich Wien als weltoffene Stadt präsentiert. Eine Woche vorher vergoldet der Life Ball das Rathaus. Auch hier gilt: Es ist das größte Event seiner Art in Europa. Beide Veranstaltungen sind zwar keine exklusiven LGBTQIA-Events – HIV und zweifelhafte Musik gehen alle etwas an –, haben aber ganz besonders ein Auge auf Homo- und Bisexuelle, Transgender, Queers, Inter- und Asexuelle geworfen. Ganz klischeefrei erfreuen sie sich hier sehr hoher Beliebtheit. Vor allem der Song Contest gilt dabei als gutes Abbild der gesellschaftlichen Stimmung und als Gradmesser für Toleranz in den Teilnehmerländern. Relativ simple Rechnung: Conchita hat nur dort douze points erhalten, wo LGBTQIA-Rechte relativ weit gediehen sind. Dabei liegt Wien an einer europäischen Bruchlinie. Während wenige Kilometer weiter in Budapest, Bratislava oder Zagreb Schwulenparagraphen verschärft werden, gibt es in Österreich, Tschechien, Slowenien oder Deutschland eingetragene Partnerschaften und eine Kultur der Toleranz. Wien kann sich heuer ganz besonders als Leuchtturm und Hort queerer Kultur präsentieren. Die Stadt versucht das schon lange, Probleme macht da nur die Gesellschaft.

Historische Heteronormativität Die Griechen hatten ja bekanntlich kein Problem mit zwei Frauen oder zwei Männern, die sich lieben. Die antiken Römer ein wenig. Mit dem Christentum wurde das spätestens anders. Kastration, Enthauptung, Verbrennung waren Strafen für Sodomie und Unzucht. Unter dem Reformer Joseph II. wurde die Todesstrafe für Sodomie zwar als erstes Land weltweit abgeschafft, aber im Gegensatz zu anderen Län-

dern gab es seit 1852 zusätzlich ein Verbotsgesetz. Dass Erzherzog Ludwig Viktor, Bruder von Kaiser Franz Joseph I., schwul war, war kein Änderungsgrund. Die Hofzensur kehrte seine Sexualität unter den Tisch. Ist ja auch peinlich, so ein schwuler Bruder. Wien entwickelte sich in den 1920er Jahren zum Zentrum der Debatte um Homosexualität, der späte Freud interpretierte sie schon als natürliche Variante der Sexualität. Ein Wiener Übersetzer prägte damals das Wort »homosexual«. Die wichtigste Figur in der Aufhebung des berüchtigten Paragraphen 129Ib war Justizminister Christian Broda. Er vertrat schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Homosexuelle und boxte 1971 die Straffreiheit auch gegen den Widerstand seiner SPÖ durch. An die Stelle des §129Ib traten einige Sonderparagrafen. Neben Versammlungsverbot, Werbeverbot und Prostitutionsverbot brachten diese auch ein eigenes Schutzalter mit sich, weil man noch immer das Bild des »homosexuellen Kinderverzahrers« vor Augen hatte. Alles unter 18 Jahren war tabu und sogar strafbar, egal wie sehr beide Sex wollten. »Der letzte Paragraph wurde erst 2003 abgeschafft«, weiß Andreas Brunner, Leiter des Zentrums QWIEN, sprich: Queen. Geändert wurde er vor zwölf Jahren, weil der Europäische Gerichtshof entschieden hatte, dass die alte Regelung gegen die Menschenrechte verstieß. Dass Lesben, Schwule und Queers einmal heiraten könnten – seit 2010 gibt es die Eingetragene Partnerschaft – war in den 70ern noch lange nicht vorgesehen. Und eigentlich stellte sich die Frage auch gar nicht. Für Brunner ist sie eine Folge der Aids-Krise, die Mitte der 80er auch Österreich erreichte. Ganz banale Dinge wie einen geliebten Menschen nicht besuchen zu dürfen oder kein Anrecht auf die gemeinsame Wohnung oder das Eigentum zu haben, weil man im Erbrecht nicht vorkommt, führten zu einem Umdenken in der Community, die zuvor eher kein Interesse hatte, die traditionellen Vorstellungen von Familie und Glück zu imitieren. Dazu gehören auch Kinder. Dass diese einen Papa und eine Mama brauchen, weil sie sonst einen an

Text dominik oswald mitarbeit nicole schöndorfer Bild Lifeball / Christoph Leder

Wenn im Mai Song Contest und Life Ball in Wien sind, muss man die Regenbogenfahne nur einmal kaufen. Wenn es da nicht ein paar Störenfriede in Lederhosen gäbe.

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Mit dem Kampf um die Wurst lässt sich 2015 viel politische Kleingeld machen. Die Stadt Wien hält sich da raus und unterstützt lieber diverse Initiativen. (Diese beiden Bilder wurden von Marcella Ruiz Cruz und Anna Konrath übrigens im Rahmen unseres Coverwettbewerbs eingereicht.) der Waffel haben, wurde heuer vom Verfassungsgerichtshof cirka mit den Worten »wir reden weiter, wenn der Schließmuskel wieder funktioniert, inzwischen dürfen gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren« quittiert. Auch wenn es noch einiges zu tun gibt – so werden etwa vor 1971 Bestrafte immer noch als Sexualstraftäter geführt – ist 2015 sicher das beste Jahr aller Zeiten, um in Wien lesbisch, schwul oder transgender zu leben.

Bild Marcella Ruiz Cruz & Anna Konrath

Wie queerfreundlich ist das offizielle Wien? Kurze Antwort: sehr. Lange Antwort: Die Stadt Wien hat sehr bald auf die neuen Gesetze reagiert und »in vielen Bereichen ein klares Bekenntnis zur Gleichberechtigung abgegeben. So hat Wien gleich nach Einführung der Eingetragenen Partnerschaft alle Locations, in denen Heterosexuelle heiraten dürfen, auch für homosexuelle Paare geöffnet«, erzählt Wien Tourismus-Direktor Norbert Kettner. Und tatsächlich bemüht sich die Stadt um Gleichbehandlung in allen Belangen. Auch Andreas Brunner, der 1996 die erste Regenbogenparade mitorganisiert hat, weiß nur Positives zu berichten: »Wir hätten uns hundert Mal die Zähne an den Magistratsabteilungen ausgebissen, wenn es nicht direkt aus dem Büro des Bürgermeisters Rückendeckung gegeben hätte – es gab nur Unterstützung, keine Hindernisse von der Stadt Wien.« Einhellig gelobt wird auch die wichtige Einrichtung WASt, die Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen, deren Aufgabe sozusagen auch das Motto des Song Contests ist: Brücken zu bauen, Diskriminierung zerschlagen und auch dem Letzten zu erklären, dass es mehr gibt als Manderl und Weiberl, dass man sich das nicht aussucht, denn dann müsste man sich als durchschnittlicher Hetero ja auch irgendwann dafür entscheiden. Denn diskriminiert wird weiterhin. Das werden die gut gemeinten Regenbogenfahnen auf den Straßenbahnen allein nicht ändern.

Sex am Arbeitsplatz Denn echte Diskriminierung oder die Angst davor ist auch am Arbeitsplatz nach wie vor ein Thema. Ein Coming-out ist auch in Wien noch immer problematisch, weil: »Wenn es einmal draußen ist, ist es draußen. Dann weiß ich als Betroffene auch nicht, was damit passiert«, konstatiert Astrid Weinwurm-Wilhelm von den Queer Business Women, einem Netzwerk zur Förderung lesbischer Frauen im Wirtschaftsleben. »Deshalb überlegen sich viele, ob sie diesen Schritt gehen wollen. Statistisch gesehen gibt es in Österreich rund 830.000 nicht-heterosexuelle Personen, das wäre die gesamte Einwohnerzahl von Graz, Salzburg, Linz, Innsbruck und Klagenfurt. Studien zufolge sind nur rund 25% der homosexuellen Menschen in Österreich an ihrem Arbeitsplatz geoutet«, so Weinwurm-Wilhelm. Viele machen sich selbstständig, um keine Konsequenzen aufgrund ihrer Sexualität befürchten zu müssen. Sie stehen aber – je nach Branche – vor der Herausforderung, sich noch genauer überlegen zu müssen, wem gegenüber sie sich outen. Wer weiß, man könnte ja Kunden oder Mitarbeiter verlieren.

Double Income No Kids Dafür hat die Stadt Wien relativ früh erkannt, dass Lesben, Schwule und Queers nicht nur dem gesellschaftlichen Klima gut tun könnten, sondern sie oft auch mehr Geld haben. Norbert Kettner vom Wien Tourismus schätzt, dass homosexuellen Paaren rund 30 bis 40% mehr für ihre Städtereisen zur Verfügung stehen. Passenderweise gilt Wien als Top-Stadt für besserverdienende Urlauber, dazu gibt es auch ganz konkrete Zahlen. Statistisch ist der homosexuelle Wien-Besucher 34 Jahre alt, genau die Hälfte hat einen Hochschulabschluss, arbeitet zu 37% in einer Führungsposition oder selbständig und gehört zu 47% der Double-Income/No-Kids-Zielgruppe an. Auch die Interessen sind klar: »Wien spricht das kulturbewusste Publikum an, das die schö-

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nen Künste und das Savoir Vivre zu schätzen weiß. Es sind die reiche Geschichte, die beeindruckende Architektur, Style und Design, das kulinarische Angebot und das umfangreiche Kunst- und Kulturleben«, nennt Kettner die Hauptgründe für Wien-Besuche. Die Stadt würde sich dadurch stark vom Massentourismus im Gay-&-Lesbian-Bereich distanzieren. Sie versucht es dabei aber tunlichst zu vermeiden, nur Luxus-Destination zu sein. Premium ist das Motto. Im Unterschied zu Städten wie beispielsweise Berlin – das nicht nur wegen des offen schwulen Bürgermeisters Klaus Wowereit als eine der offensten Städte weltweit gilt – wird Wien nicht unbedingt als hippe Partystadt wahrgenommen.

Zwischen Trash und Glamour, Club-U und Rathaus Wien hätte aber schon längst auch den Ruf als queere Partymetropole verdient. Zwischen Club-U und Rathaus, zwischen Trash und Glamour, zwischen Rhinoplasty und Life Ball spielt Wien mittlerweile alle Stückerl. Traditionell ist das Zentrum von queeren Clubs rund um den Naschmarkt angesiedelt, schon seit dessen Errichtung an heutiger Stelle um 1900. Durch das Verbotsgesetz, das bis zuletzt relativ streng vollzogen wurde, konnten sich kaum sichtbare Communitys bilden. Als klassische Subkultur traf man sich daher eher um den Naschmarkt. Die Struktur als Großmarkt machte es möglich. Großhändler aus dem Umland trafen auf Detailhändler der anderen Wiener Märkte, Lokale dienten als Versorger, Sperrstunden waren daher kontraproduktiv. In diesem Wirrwarr an Lokalen entstanden subkulturelle und vor allem schwule Communitys. »Wir haben vielfältige Berichte über Lokale, Treffpunkte und Razzien, die in der Naschmarktgegend stattfanden, auch schon vor dem ersten Weltkrieg und in der Zwischenkriegszeit«, so Andreas Brunner. Auch heute geht es um den Naschmarkt am meisten und am längsten ab.

Andi G. und die hinterm Mond

ren will – vor allem auf konservativer oder reaktionärer Seite – sind Schwule immer gut als Feindbild. Egal, ob in Russland oder auch hier für sämtliche religiöse Gruppierungen«. Das traditionelle Bild von Männlichkeit wandelt sich ja laufend. Wenn Rollen nicht mehr so funktionieren wie früher, entsteht manchmal Verwirrung im Kopf, vor allem bei Männern, aber auch darüber hinaus. Wenn man versucht, ein paar der klassischen gesellschaftlichen Asymmetrien zu beseitigen, etwa die zwischen Mann und Frau, Hetero- und Homosexuellen, zwischen Arm und Reich, kommen sich manche ausgebootet vor, weil sie nicht dieselben Privilegien genießen können. »Die fühlen sich auf der Verliererseite und reagieren gegen die Öffnung von Geschlechtermodellen ausgesprochen aggressiv«, so Brunner. Die fürchten um ihren Kompass, die Homophoben. Im Mai zündet die Stadt große Leuchtfeuer für eine offene Stadt. Dafür, dass die Stadt auch wirklich so wird, müssen wir selbst sorgen. Der Life Ball findet am 16. Mai statt, der Song Contest gastiert von 18. bis 23. Mai hier, die Regenbogenparade findet am 20. Juni statt. Alles in Wien.

Bild Lifeball / Harald Klemm, Ingrid Sontachi

So positiv sich viele Entwicklungen auch darstellen mögen, akzeptiert – und eben nicht nur toleriert – sind Nicht-Heteros noch nicht. Homophobie passiert tagtäglich. Egal, ob ein Volks-Rock‘n‘Roller glaubt, im Feld der Reaktionären fischen zu müssen, der größte Sportverband des Landes eigenmächtig die »Töchter« aus der Bundeshymne streicht oder der Eklat im Café Prückel: Homosexualität und Gleichberechtigungsdebatten eignen sich gerade 2015 hervorragend als politischer Spielball, der laut Andreas Brunner »zu einem Urkampfthema wird, wie etwa zwischen Links und Rechts, zwischen religiös-konservativ und liberal. Wenn man sich in einer bestimmten Richtung positionie-

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Windows 95 war ihr erstes Betriebssystem, sie hängen ab in Berliner Galerien, die Kunst suckt, aber sie ist ein Schauplatz für Emotionen. Britta Thie ist in der sechsteiligen Web-Serie »Translantics« auf der Suche nach dem digitalen Selbst. 018

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golden frame — Britta Thie – »Translantics«

Post my ass. Be digital Britta Thie macht Kunst als Web-Serie, die zeitgeistigter kaum sein könnte. Eine Galerie braucht es dafür keine, sie nützt das Netz und das Netzwerk. »Was machst du?«, fragt Juli. »Screens angucken«, sagt BB. Die Künstlerin Britta Thie ist die Hauptrolle ihrer Mini-Web-Serie »Transatlantics«. Sie steht in der Home-Cinema Abteilung im Saturn am Alexanderplatz in Berlin und schaut versunken, mit Tränen in den Augen eine Werbung an, in der sie selbst – die Künstlerin hat eine professionelle Modelkarriere hinter sich – mit unterschiedlichen Looks für ein Trockenshampoo wirbt. Highly emotive wirkt das auf uns. Anglizismen erlaubt, eigentlich ein Must. Immerhin bewegen sich die Protagonisten der Serie oft im Netz, ihr Umfeld ist international. Juli, die sich selbst im Trailer zu der Serie als Time Zone Friend (»trending in transit«) betitelt, war unterdessen »Star Wars«-USB-Sticks kaufen. Allerdings hat Yoda nur 8GB, was Britta wiederum mit den Worten kommentiert: »Du brauchst auf jeden Fall 16 oder 32 Giga. Du musst dich auf Technologie konzentrieren, auf Funktionalität.« »Translantics« ist eine ironische, (selbst-)kritische Darstellung der Künstlerin Thie und ihren zwei »besten« Freundinnen Juli und Annie und deren Leben zwischen den Kontinenten und Städten, zwischen den Männern, zwischen Openings, der Karriere, dem Alltag und inmitten des »pulsierenden Netzwerks«. Sie gehören der Generation an, die wir Digital Natives nennen, zwischen Offline und Online. Windows 95 war ihr erstes Betriebssystem. Seit den 90er Jahren hat sich das digitale Material von einer Bruchstelle zu einer gegenwärtigen Evidenz gewandelt. Die digitale Struktur ist längst ist nicht mehr nur Bildschirmschoner, sondern überzieht ziemlich fluide auch unsere äußeren Fassaden.

Die drei Frauen filtern: die Fotos, die Freunde, die Produktpalette und sich selbst bei der Therapie oder im cleanen Nap-Room des Firmengebäudes. Abschalten. Die Herausforderung für die Figuren in »Translantics« besteht darin, zwischen Selbstbehauptung und Rollenspiel unterscheiden zu können. Dort im Halogenlicht stehen die hippen und transparenten Gäste des Gallery-Openings in Berlin-Schöneberg; die künstlicher als die Kunst dort an den Wänden wirkt. Denn die Dinge an den Wänden sind eigentlich gar keine Kunst, sondern Badezimmerteppiche aus dem Baumarkt von nebenan. Auch sie werden zum Schauplatz für Emotionen. „Die Kunst suckt.“ Die Vernissage würde ohnehin nur viel von dem bedienen, was heute auf Facebook zu finden ist: der Freude am oberflächliche Geschwätz, dem Sehen und Gesehenwerden und dem Verständnis, dass das Soziale mit dem sozialen Netzwerk gleichgesetzt wird, so der Autor Timo Feldhaus. Kalkuliertes Innenleben trifft auf äußeren Fassaden der Städte und Menschen. Dass Britta Thie dabei wie eine porzellanene Androidin wirkt, macht sie überhaupt nicht weniger emotional – nur letztlich vielleicht verletzbarer. Alles muss weich sein, nichts darf wehtun. »Translantics« wird von der Schirn Kunsthalle Frankfurt und ZDF in Zusammenarbeit mit Arte Creative produziert. Unter www.schirn.de/ Translantics/ finden sich sechs Episoden Jeden Monat wird eine neue Folge erscheinen. Highly recommended!

Text Denise Helene Sumi Bild Britta Thie, Translantics © PWR Studio, 2015

Ich muss filtern

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Queeres Wien Lesbisch-Schwul-Bi-Trans in Wien von A bis Z

Das kleine queere ABC Andreas Gabalier darf sich einmal quer durchs Alphabet fürchten. Von Almdudler bis Zierhofer-Kin.

conchita Conchita Wurst ist die Königin von Österreich und jeder weiß es. Hoch lebe sie.

d rag

almdudler

Ob Miss Candy oder Tamara Mascara, es gibt hierzulande eine Vielzahl an wahrlich fabelhaften Queens und sie alle twerken und serven als gäb‘s kein Morgen. Shantay, they stay.

Text Franz Lichtenegger Bild Pink Lake Festival, Universal, Lifeball, Kaiserbründl, Grindr

Die Marke Almdudler mag vielleicht nach außen hin traditionelle Manderl-Weiberl-Werte vermitteln, tatsächlich veranstaltet die Kräuterlimo auch eine schwule Trachenparty am Wörthersee oder hostet eine Lounge beim Heaven. Der langjährige Geschäftsführer Thomas Klein wurde lange von Depressionen geplagt, verarbeitete diese in einem Buch, lebt heute offen homosexuell und ist noch mit seiner Frau verheiratet und Vater dreier Kinder.

eugen von savoyen Prinz Eugen von Savoyen war nicht nur der bedeutendste Feldherr der österreichischen Geschichte, er war auch der schwulste. So berichtete eine Hofdame: »Er incommodiert sich nicht mit Damen, ein paar schöne Pagen wären besser sein Sach«.

fsk brüno Brüno wollte 2009 der berühmteste Österreicher seit Hitler werden und für eine kurze Zeit war er das wohl auch.

Seit letztem Jahr läuft das Programm der Festwochen schmaloser Kultur (FSK) zwar unter dem Übertitel Kulturbanane, der Spirit von Wiens queerem Kulturfestival lebt jedoch weiter. Fixpunkt: Das zweite jährliche Boylesque-Festival.

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gery keszler Als ein rechtskonservatives Blatt 2007 Life Ball-Organisator Gery Keszler als »Berufsschwuchtel« bezeichnete, machte der kurzerhand eine Kampagne gegen Homophobie daraus. Richtig mit T-Shirts und so.

hosi Als die erste Homosexuelle Initiative Österreichs 1979 in Wien gegründet wurde, bestand noch ein Verbot für »Verbindungen zur Begünstigung gleichgeschlechtlicher Unzucht«. Heute ist die wichtigste politische Interessenvertretung von Lesben und Schwulen in Österreich Anlaufstelle für Unterstützung und Information zu allen Aspekten des Themas Homosexualität. Die HOSI organisiert außerdem die Regenbogenparade und hat Zweigstellen in ganz Österreich.

ja Eingetragene Partnerschaften sind gleichgeschlechtlichen Paaren in Österreich seit 2009 erlaubt, das Recht auf Eheschließung bleibt jedoch weiterhin ausschließlich Heterosexuellen vorbehalten. Come on peeps, es ist 2015. Muss Macklemore nochmal so einen Song rausbringen? Wollt ihr das?

iraschko-stolz, daniela Daniela Iraschko-Stolz ist eine der erfolgreichsten Sportlerinnen das Landes und hat nie ein Geheimnis aus ihrer sexuellen Orientierung gemacht. Das ist im Sport ziemlich ungewöhnlich. US-Footballer Michael Sam, Ex-Fußballprofi Thomas Hitzelsperger oder Schifahrer(in) Erik(a) Schinegger sind immer noch absolute Einzelfälle.

kaiserbründl Im Kaiserbründl kann’s angeblich manchmal etwas ärger zugehen, manchmal aber auch ganz entspannt. Für Schwule aufgeschlossene Infrastruktur gibt es in Wien natürlich mehr – Hotels, Schwimmbäder, Clubs. Der Ausdruck »Schwulensauna« kommt für das Kaiserbründl auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen grindig rüber, aber hey – es gibt fast überall Papier zum Abwischen.

löwenherz Das Löwenherz ist die einzige Buchhandlung Wiens, die sich gezielt – aber eben nicht nur – an Schwule und Lesben richtet. Dort bekommt man sicher auch die Biografie von Conchita, müsste man mal schauen.

malefiz Wien ist eigentlich ganz gut dabei, wenn es um Gay Clubbings geht. Rhinoplasty für alles was fetzt, Meat Market für alles was brummt, das Homoriental für alles was es gibt, das Heaven für alles was wichtig ist, Queer:Beat für alles was poppt. Da geht einiges. Die Schlange bei Malefiz ist zwar öfters mal übertrieben lang, die Party macht das wieder gut.

neujahrskonzert ’82 Beim Neujahrskonzert 1982 gab’s zwei Nackerte, die auf die Bühne stürmten und Freiheit für Schwule forderten. Immerhin hatten die Herrschaften eine Fliege um den Hals gebunden. Prosit.

online Ja, manchmal hat man kein Glück mit schwulen Dating-Apps. Da kann es schon mal vorkommen, dass einem bei Grindr ein Typ fragt, ob man nicht mal Bock hätte, ihm ins Maul zu kacken. Manchmal trifft man aber durchaus auch auf richtig gute Leute und das kann sehr schön sein.

prückel Zungenpritschler

queer hebrews In Wien existiert ein queeres Netzwerk, das sich vor allem gegen Antisemitismus und für Solidarität mit Israel einsetzt. Auch nicht zu verachten: Die leider nur unregelmäßig von den Queer Hebrews veranstaltete Partyreihe Kibbutz Klub. 021

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villa , rosa-lila Am Rande des 6. Bezirks, an der linken Wienzeile, erhebt sie sich voller Anmut und Stolz aus dem Asphalt: Die türkis Rosa-Lila-Villa ist in ihrer 30-jährigen Bestandszeit nicht nur die bedeutendste Institution für Lesben, Schwule, Bi- und Trans*Personen geworden, sondern auch ein wichtiges Symbol für die Gleichstellung sämtlicher Menschen. Die Villa ist quasi das schlagende Herz der LGBTQIACommunity Wiens.

tolar, günter regenbogenparade

Bild 20th Century Fox, Kurz Patzak, Europäisches Parlament, Thomas Ledl

Die Wiener Regenbogenparade ist das österreichische Gegenstück zum Christopher Street Day, was wiederum sowas wie ein queerer Unabhängigkeitstag ist und mit einer fulminanten Prozession zelebriert wird. Einmal jährlich, meistens im Juni, ziehen um die 150.000 kunterbunte Menschen die Ringstraße entlang, einerseits um ihr Sein zu feiern, aber auch, um auf die weiterhin bestehende Unterdrückung aufmerksam zu machen. Heuer feiert die Parade ihr 20-Jähriges, das verspricht praktisch nur Gutes.

Der ehemalige ORF-Moderator Günter Tolar hat 1992 echte Pionierarbeit geleistet. Nach dem Selbstmord seines langjährigen Lebensgefährten entschied er sich dazu, mit seiner sexuellen Orientierung an die Öffentlichkeit zu gehen. Es war das erste derartige ComingOut eines Prominenten in Österreich, damals galt das noch als Karriere-Mord. Der Aufschrei war groß, der ORF drohte öffentlich mit Kündigung – letztendlich trug seine Aktion einen wichtigen Teil zur gesellschaftlichen Sensibilisierung für Homosexuelle in Österreich bei.

why not Schwule Clubs und Bars sind ein fixer Bestandteil des Wiener Nachtlebens. Das Why Not im 1. Bezirk existiert schon seit den 50ern und ist wohl eines der bekanntesten Beispiele. Kann schon mal passieren, dass hier der »König der Löwen« als Rausschmeißer gespielt wird. Dem Inhaber gehören übrigens auch die Brüder-Bars Mango, Village und Felixx. Auch erwähnenswert und auch W: Die Wiener Freiheit im 5. Bezirk.

xtra Wenig überraschend gestaltet sich die Suche nach X und Y beim Auflisten eines Alphabets eher schwierig. Glücklicherweise gibt es mit dem Xtra Magazin aber eines der größten Gay Magazine Österreichs und das passt doch ganz gut.

yaaas Oh my god yaaaas Gaga, you look so good! Yaaas queen! Yaaaaaassss!

sound of music »The Sound of Music« ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der erfolgreichste Musical-Film, den Julie Andrews je gemacht hat. Und eigentlich auch der aller Zeiten. Allein deshalb – und weil er das Österreich-Image nach außen hin geprägt hat wie nichts anderes – ist »The Sound of Music« von der Gay Community längst heiliggesprochen worden. Fast schon Kulturerbe.

ulrike lunacek

zierhofer-kin, thomas

EU-Parlaments-Vizepräsidentin und bekennende Lesbe: Ulrika Lunacek von den Grünen war die erste österreichische Politikerin, die sich öffentlich outete. Offen homosexuelle Politiker sind häufig bei den Grünen. Die Gerüchte um Jörg Haider und seinen Harem fescher Männer gab es andrerseits auch immer. Der erste geoutete Politiker aus dem dritten Lager war allerdings der Steirer Gerald Grosz vom BZÖ.

Seit Thomas Zierhofer-Kin vor mehr als zehn Jahren die Leitung des Donaufestivals übernommen hat, ist einiges an Glitzer, Geilheit und Gayness, na gut, Queerness dazugekommen. Krems wurde einmal jährlich vom verschlafenen Provinznest zum international anerkannten Kunst- und Performance-Schauplatz. Ab 2016 wird der Gute auch noch Intendant der Wiener Festwochen. Die werden dann auch anders – wie Wien.

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The Gap 150 — Coverwettbewerb Die Graphische

Got that covered

Gemeinsam mit Die Graphische haben wir einen Wettbewerb zur Gestaltung unseres Jubiläumscovers ausgeschrieben. Hier die besten Arbeiten. Julia Spoerk, 23, 2. Semester Kolleg Multimedia Bei meiner Arbeit habe ich mich vor allem an dem Wort »queer« orientiert, da man es auch als eine Art Überkategorie von »gay« sehen kann. Da ich generell satirische Ideen bevorzuge und auch sehr zu ihnen neige, war es für mich klar, dass ich auch bei diesem Thema nicht darauf verzichten möchte. Allerdings bin ich mir auch gewissen Stigmatisierungen und Vorurteilen gegenüber Homosexuellen bewusst, weswegen ich sehr dankbar war, dass ich auch die Überkategorie »queer« zur Verfügung hatte. Der Begriff »queer« gab mir die Freiheit. Das Thema »Österreich« war für mich zu Beginn wesentlich schwieriger einzubinden. Die jetzige Idee traf mich dann auch mehr oder weniger wie der Blitz (wie es wohl oft bei der kreativen Ideenfindung so ist).

Marlene Mautner, 25, Kolleg Fotografie Das Bild ist eines von zwei, die eigentlich zusammengehören. Es ist eine Anlehnung an eine Arbeit des französischen Fotografen Guy Bourdin, dessen Fotografien ich sehr schätze. Ich habe die Flamingoblume gewählt, da sie zu den Monokotyledonen zählen. Sie werden somit nicht in männlich oder weiblich unterteilt. Diese Pflanze bedeckt den Intimbereich einer Frau, wobei die Blüte an ein männliches Geschlechtsteil erinnert. Die kontrastreiche Farbwahl soll dem Bild den passenden Rahmen geben. Nina Stich, 18, Klasse 4a, HMTM Multimedia Meine Idee war, Mann und Frau zu vereinen und sie gleichzustellen. Das Cover ist wie eine Spielkarte aufgebaut, unter dem Motto »Das Leben ist (k)ein Spiel«.

the message is love

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Anlässlich von Life Ball und Song Contest stand das Thema unserer Jubiläumsausgabe schnell fest: Queer, Gay und Lesbian in Österreich. Ein Thema, dass bei uns eher implizit vorkommt. Neben den Storys dazu im Heft haben wir gemeinsam mit der Graphischen einen Bewerb zur Gestaltung unseres Covers ausgeschrieben. Zwölf Personen und Teams haben sich beteiligt – die besten wurden von einer Jury ausgewählt.

Statement: Reinhard Schwarzinger

»Wir haben tolle Einreichungen zum The Gap-Cover-Wettbewerb gesehen. In das juryinterne Finale schafften es schlussendlich vier Sujets. Das Gewinner-Cover setzt nicht nur das durchaus herausfordernde Briefing sehr gut um, sondern spielt auch mit dem noch immer aktuellen Gender-Thema und passt einfach auch gut als The Gap-Cover. Dass es gleichzeitig die Jubiläumsausgabe ist, ist eine besondere Ehre für die Gewinnerin. Herzliche Gratulation.«

Interview: Martin Drexler, Die Graphische

Danke für die Kooperation mit unserer Jubiläumsausgabe. Wie war das Feedback der Schüler/innen, wie wurden der Bewerb und das Thema von Ihnen aufgenommen? Die Graphische ist stets bewährte Partnerin in allen Bereichen, also mit ihren Abteilungen Druck, Graphik-Design, Fotografie & Multimedia für erfolgreiche kreative Zusammenarbeit mit der heimischen Kreativ-Wirtschaft. Deshalb sind die Schüler/innen und Professor/innen auch bestens darauf »konditioniert« und freuen sich natürlich immer, an solchen Wettbewerben teilnehmen zu können. Ihr seid als Graphische eine der wichtigsten kreativen Ausbildungsstätten in Österreich. Welche Anknüpfungspunkte an die Wirtschaft pflegt ihr außerhalb von solchen Kooperationen? Das Haus veranstaltet über das Jahr Druck- & Kreativmessen sowie Ausstellungen. Es gibt Vorträge und Workshops zu den jeweiligen Ausbildungsbereichen. Wir arbeiten mit dem CCA, Design Austria, dem ADC und den Young Lions eng zusammen. Und mit der »LifeMediaLife«-Veranstaltungsserie können wir profunde Vortragende aus der heimischen und internationalen Kreativwirtschaft begrüßen, also generell eine Programmvielfalt, die weit über den normalen Lehrplan hinausgeht, weil es einfach notwendig ist, unsere Absolvent/ innen für die Zukunft bestens vorzubereiten. Apropos Young Lions: In diesem Jahr können wir durchaus stolz vermerken, das drei ehemalige Absolvent/innen der Abteilung Fotografie & Multimedia, nämlich Katina Fisch, Stefan Hundlinger und Marc Metzler, das kreative Österreich bei den Young Lions in Cannes vertreten werden und freuen uns mit ihnen auf hoffentlich beste Ergebnisse. Aber schon vorab mal ein tolles Ergebnis, das unsere Ausbildungsbreite schlichtweg bestätigt. Wir sind einfach die Graphische! Unser Coverthema »Queer und Gay in Österreich« ist aktuell durch Song Contest und Life Ball in allen Medien. Wie sind die Studierenden mit diesem Thema umgegangen? Wir sind ja eine kreative Institution, also Avantgarde. Die eingereichten Arbeiten zeigen, wie junge Menschen unbekümmert und ohne Vorurteile mit diesem Thema umgehen. Und das Gewinner-Sujet ist ja, den aktuellen Diskussionen entsprechend, sehr treffend pointiert umgesetzt worden.

Die Jury

Reinhard Schwarzinger (ORF, Young Lions) Heinz Wolf (departure) Monika Eigensperger (FM4) Martin Mühl (The Gap) Martin Drexler (Die Graphische)

Text martin mühl Bild micky klemsch

1. Platz - Cover

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Queere Identität und Kunst in Wien — Gespräch mit Soso Phist und Dalia von Wegen

Beyond Sex and Gender 026

Text Gabriel Roland Bild Dalia von Wegen (Mode), Daliah Spiegel (Foto), Soso Phist (Artwork)

Als Teil des heteronormativen Mainstreams macht man sich alle möglichen Vorstellungen von Queers. Aber in Zeiten des Internets sollte das alles kein Problem mehr sein.

Wir treffen uns im Wiener Café Nil. Ich hatte mir keine bildliche Vorstellung einer queeren Internetkünstlerin oder einer avantgardistischen Modedesignerin gemacht, aber Dalia von Wegen und Soso Phist erfüllen sie nicht. Soso sitzt mir mit hochgebundenen, dunklen Locken, einem direkt unter ihrem Mund knapp aus der Gesichtsachse verschobenen Muttermal und kultiviertbayrischem Klang in der Stimme gegenüber. Gleich nachdem wir besprochen haben, wie man eine Kette durch einen Gartenschlauch ziehen kann, drehe ich das Aufnahmegerat an und Soso wiederholt höflicherweise, was sie gerade über Georges Jacotey, einen griechischen Performancekünstler, der mit der extremen Exponierung seines Körpers und seiner queeren Identität arbeitet, erzählt hat. Er sei der »queerste Internetkünstler«, der ihr einfalle. Dalia, die kürzlich den Bachelorkurs in Hetzendorf abgeschlossen hat und im Café ihrer Eltern aushilft, bringt ein Soda-Zitron. Der großformatige Mops auf ihrem Leiberl erinnert an die Aufladung, die Tierbilder im Internet erfahren können. Sonntagabends ist das Café nicht übervoll und Dalia findet immer wieder Zeit, sich für ein paar Minuten hinzusetzen und einige Bemerkungen einzuwerfen; dass sie eine Mädchenfrisur habe zum Beispiel.

Mumus und Penisse sind ok Soso beginnt zu erzählen, dass sie die Ablehnung, mit der Kunst konfrontiert ist, die sich queerer Identiät und Sexualität widmet, selbst erlebt hat. Aus der Provinz kommend, bewirbt sie sich bei mehreren Kunsthochschulen in Deutschland. Aber erst in Wien findet sie die Akzeptanz, nach der sie sucht. »Auf einmal war es ok, Mumus und Penisse zu malen«, erinnert sie sich. Dem, was in Deutschland noch auf Feindseligkeit stieß, war in Wien durch Künstler wie Paul de Florian bereits Bahn gebrochen. Speziell Hans Scheirls Klasse für kontextuelle

Malerei, in der Soso landet, ist ein ideales Umfeld für queere Kunst. Die Vorbildwirkung eines Professors, der Transgender ist, sei wichtig für queere Menschen, die Kunst machen möchten, meint Soso und wünscht sich als nächstes ein dementsprechendes Beispiel in der Politik. Während die Bildende und Scheirls Klasse im Speziellen ein gutes, familiäres und beinahe therapeutisches Umfeld böten, seien sie aber oft nicht erfolgreich dabei, die Studierenden herauszufordern, sich weiterzuentwickeln, fährt Soso fort. So bleiben viele – nicht nur unter den Queers – stecken und hören auf, ihre Praxis zu hinterfragen. »Vielleicht gehen sie zu viel aus«, vermutet Soso.

Der Montessori-Code Soso selbst kann mit der Freiheit, die andere anscheinend so überfordert, aber etwas anfangen – sie hält das ihrer montessorischen Schulbildung zugute. Sie entwickelt sich in eine neue Richtung und bringt sich den Umgang mit dem, was manche etwas unbeholfen »Neue Medien« nennen, selbst bei. Angefangen bei Collagen, die sie aus Found Footage zusammenstellt und auf Tumblr veröffentlicht – wohlgemerkt ohne diese anfangs als Kunst zu verstehen –, erarbeitet sie sich die 3D-Animation und das Coden als Methodologien für ihre Arbeit. Inzwischen bespielt sie ihren Tumblr nur noch mit Skizzen. An der Bildenden steht Soso damit recht alleine da. Zwischen Hinweisen auf »Technik-Loser« und »eingerostete Professoren«, von denen selbst die fortschrittlicheren bei den Videoinstallationen vergangener Jahrzehnte stehengeblieben sind, beklagt sie, dass Netzwerke und Markt für digitale Kunst in Wien fehlen – was auch in Hinblick auf die mit großer Marketing-Nachhilfe versehenen Hervorbringungen der Richter-Klasse (Rosa, Ruthner und wie sie alle heißen: alles allzu bewusst traditionell-analoge Malerei und so überhaupt nicht queer) zu verstehen ist. Es ist Soso aber auch wichtig, sich in die andere Richtung abzugrenzen, und zwar vor allem von der im Internet zelebrier-

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ten Beliebigkeit. »Ich mag die Trash-Ästhetik gar nicht«, sagt sie. Das Bewusstsein, dass eine Collage erst durch Reflektion von Inhalt und Komposition zur Kunst wird, scheint außerhalb gewisser Kreise wenig verbreitet zu sein. Dabei wäre es so einfach: »Wenn man interessiert ist an dem ganzen Internet-Kunstzeug, dann ist das nicht so schwer, da mitzuhalten.« Man müsse ja auch nicht ewig in Wien bleiben, fasst Soso ihre Situation als digitale Künstlerin in Wien schließlich zusammen. Und die Queers allgemein? Möchten die auch weg? Nein, sind sich Dalia und Soso einig. Die queeren Leute fühlen sich wohl, die Szene sei eine »nette süße Familie«. Freilich überrascht es wenig, dass nicht alles fein ist. So erzählt Soso auch vom Besuch einer Wiener Großraumdisko namens Praterdome, bei dem sich die queere Gruppe in heterokonforme Pärchen aufteilen muss, um reinzukommen.

Butches und Femmes, Tops und Bottoms Für mich als Teil der wohlwollenden Sparte der Mehrheitsgesellschaft sind die Verwerfungen zwischen Queers und homosexuellem Mainstream dann schon überraschender. Dalia und Soso berichten von einer Party, auf der sie der Import von Rollenbildern und Verhaltensweisen aus der Heterogesellschaft in die lesbische Community überraschte. Die Aufteilung in Butches und Femmes, Tops und Bottoms finden Dalia und Soso amüsant bis befremdlich. Wie es der Zufall so will, lerne ich einige Tage später bei einer Sponsion Anna Mähr kennen, eine feministisch-queere Aktivistin, die genau jene Party im Marea Alta im Rahmen der Feministischen Frühlings-Universität organisiert hat, von der Dalia und Soso berichtet haben. Auch sie meint, dass es in verschiedenen Teilen der Community verschiedene Vorstellungen von Gender Performance gibt und macht das an ökonomischen Faktoren fest: Während bildungsferne Schichten eher an althergebrachten Rollenbildern festhalten, befinden sich diese in links-feministischen und künstlerischen Kreisen in Auflösung. Das,

was sowohl Anna als auch Dalia und Soso als queer verstehen, hat mit einer Butch-Lesbe, die ganz selbstverständlich die Rechnung bezahlt und einer Femme die Tür aufhält, wenig zu tun. Als ich dann einen Facebook-Gruppenchat eröffne, um mich bei Dalia und Soso für das Gespräch zu bedanken, wird dieser im Nu mit »Nur sixty nine« betitelt. Spannende Websites werden hin- und hergeschickt und ich denke mir, dass es auch Vorteile gehabt hätte, das Interview von vornherein so zu halten. Jetzt findet Dalia auch Zeit, genauer über ihre Arbeit zu berichten. Ganz bewusst mache sie genderqueere (Sailor MoonAugen!) Mode, schreibt sie, nicht bloß unisex oder androgyn, sondern unsere Konzepte von Geschlecht vermeidend oder aufhebend will sie arbeiten. Jede soll ihre Kleidung mit der eigenen Identität aufladen können, genauso wie sie ihre Identitäten, sei es ihre Herkunft oder ihre Queerness, in ihren Stücken verhandelt.

Die ultimativ-queere Virtualität Und da fällt bei mir der sprichwörtliche Groschen: Ich erinnere mich, wie Soso vom Internet als »wunderbarer Quelle, die aus Millionen verschiedener Quellen besteht« gesprochen hat und wie Anna von einem Online-Projekt erzählt hat, das versucht, die tausenden Labels zu katalogisieren, die ununterbrochen formuliert werden, um Gender und Orientierung zu beschreiben. Das Ziel ist die totale Fraktionierung und Individualisierung: die ultimativ-queere Virtualität als Praxis. Das klingt vielleicht bedrohlich, aber wer könnte sich eine schönere Herausforderung überlegen als das Finden einer urpersönlichen Identität und die Interaktion mit zahllosen weiteren solcher Identitäten? Soso Phist ist in der aktuellen Ausgabe des Foundations Magazine und in einer Online-Ausstellung auf yyyymmdd.de vertreten. Mehr von Dalia von Wegen gibt’s auf: cargocollective.com/daliavonwegen 027

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Text Florian Thรถni Bild Kร R GmbH Wien

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Mahnmal für homosexuelle und transgender NS-Opfer — Am Naschmarkt wird mal der Nazi-Verfolgung gedacht

Ein Käfig voller Narren 029 In Wien am Naschmarkt steht ein neues Gerüst. Damit soll nicht nur gemahnt werden, sondern es setzt auch Symbole für das Jetzt. Die Nazis waren ganz gut im Morden, Denunzieren und Verfolgen. Das galt auch für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender. Das temporäre Mahnmal, »Raising The Bar«, das gerade am Wiener Naschmarkt zu sehen ist, widmet sich dieser bis heute oft vergessenen Thematik. Deshalb wurde die Schweizer Künstlerin Simone Zaugg beauftragt, dazu eine temporäre Installation zu konzipieren, genauer gesagt ein begehbares Labyrinth, das stetig höher wird. Die meterhohen Geländersysteme, bestehend aus verwinkelten Metallstangen, sollen es dem Besucher ermöglichen, in das Dickicht der Stangen einzutauchen und sich selbst einen Weg darin zu suchen. Die abstrakte Form ist dabei nicht sonderlich schwer zu entschlüsseln. Es geht um das Gefangensein in bestehenden Ordnungen, um Anpassung, um den Versuch, den Körper in klare Bahnen zu lenken. Und während man auf der einen Seite leicht unter den Schranken gehen kann, erfüllt das Labyrinth auf der anderen Seite noch seine Funktion. Es soll also die Messlatte höher gelegt werden, es also nicht nur um ein Mahnmal für die Opfer gehen, der Anspruch reicht in die Gegenwart.

Sieht erst einmal aus wie ein Turngerät »Ich als Künstlerin finde es wichtig, eine Form zu finden, die historisches Geschehen mit der Gesellschaft von Heute und der Kunst dabei verbindet. Zusätzlich finde ich die Idee des temporären Mahnmals gerade deshalb so spannend, weil unterschiedlichste Menschen auf diese Art die Möglichkeit bekommen, sich mithilfe von Kunst diesem Thema zu widmen. Die Installation ist ein Sinnbild, ein Erlebnis und eine Metapher, die das Publikum einlädt, im Gehen und Weitergehen zu gedenken und mitzudenken«, so die Künstlerin Simone Zaugg. Das Projekt hat an der Kettenbrückengasse am Naschmarkt wohl seinen passenden Standort gefunden, wie Martina Taig, Geschäftsführerin für Kunst im Öffentlichen Raum in Wien, im Interview befindet: »Der Naschmarkt war auch historisch betrachtet immer schon ein Ort des lesbisch/schwulen Lebens in Wien und ist es nach wie vor. Zudem geht aus Forschungserkenntnissen des QWien hervor, dass hier direkte NS-Verfolgungen von LSBTI-Personen stattgefunden haben, also lesbischen, schwulen, bi-, trans- und intersexuellen Personen.« Um mehr über die Hintergründe zu erfahren, haben wir auch Wiens Stadträtin für Integration und Frauenfragen, Sandra Frauenberger, um Antworten gebeten. Das Mahnmal widmet sich den homosexuellen Opfern in Österreich während der NS-Zeit. Was ist passiert? Von wie vielen Opfern sprechen wir da? Personen mit gleichgeschlechtlicher Orientierung, vor allem Männer, die sexuelle Kontakte mit anderen Männern hatten, wurden während den Jahren der NS-Diktatur systematisch verfolgt, ins KZ verbracht und dort schließlich ermordet. Unsere heute gebräuchlichen Begriffe »Schwule, Lesben und Transgender-Personen« gab es zu dieser Zeit ja noch nicht. In der heutigen Terminologie macht es Sinn, die Opfergruppe »Schwule, Lesben und Transgender-Personen« zu benennen, die dabei jeweils spezifischen Arten der Verfolgung herauszuarbeiten und diese zu thematisieren. Die Zahl der Opfer wurde in früheren Untersuchungen mit vielen Tausend angegeben, eine Summe, die etwas zu hoch gegriffen scheint. QWien, der Verein für schwule, lesbische Kultur und Geschichte, arbeitet gerade an einem Forschungsprojekt zur namentlichen Erfassung

der homosexuellen und transgender NS-Opfer. Ein umfassendes Projekt, das dann genaue Zahlenangaben enthalten und hervorbringen wird. Angeblich wurden in der NS-Zeit nur Männer verfolgt, weil weibliche Homosexualität nicht strafbar war? Anders als der berüchtigte Paragraph § 175 in Deutschland stellte bereits die erste Republik Österreichs den Strafrechtsparagraph 129lb »Unzucht mit Personen desselben Geschlechts« unter Strafe, das Gesetz galt also sowohl für Männer als auch gleichermaßen für Frauen. Während der Zeit des Nazi-Regimes wurde diese Verordnung aufrechterhalten und an die Spruchpraxis des »reichsdeutschen« Paragraphen 175 RStGB angeglichen. Konkret bedeutet das, in Österreich waren sowohl vor dem NS-Regime, währenddessen und auch danach, gleichgeschlechtliche Sexualkontakte für Männer und Frauen gleichermaßen verboten. Die vielen verschiedenen Opfer des NS-Regimes werden häufig vom grauenvollen Holocaust überdeckt. Ist das auch bei verfolgten Homosexuellen so oder ist dieser Bereich einfach nicht genügend aufgearbeitet? Wie gerade gesagt, wurden gleichgeschlechtlich liebende Frauen und Männer, im Gegensatz zu anderen Opfergruppen, nicht nur während des NS-Regimes, sondern auch davor und danach in Österreich strafrechtlich verfolgt. Diese Kontinuität der Verfolgung hat die Aufarbeitung der NS-Verbrechen an dieser Opfergruppe in den Hintergrund gedrängt. Vor dem NS-Regime und nach 1945 galt in Österreich derselbe Paragraph im Strafrecht zum Verbot der Homosexualität. Der nächste Schritt wäre, ein fixes Mahnmal zu errichten? Wir haben die Verpflichtung, uns mit der über Jahrzehnte andauernden und viel zu lange unsichtbar gebliebenen Opfergruppe und der Verfolgungsgeschichte der Lesben, Schwulen und TransgenderPersonen sinnvoll auseinanderzusetzen. Wir stehen heute vor der Aufgabe und dem Willen der Stadt Wien, dem Gedenken an homosexuelle und transgender NS-Opfer einen würdigen Platz zu geben. Die Stadtregierung bekennt sich klar dazu, ein permanentes Mahnmal umzusetzen. Gerade befinden wir uns in Gesprächen mit dem Bund, denn es geht nicht nur um Opfer rund um Wien, sondern um ein Zeichen der gesamten Republik Österreich. In Wien findet seit Jahren der Life Ball im Rathaus statt, Conchita Wurst hat den Song Contest gewonnen, das Stadtmarketing setzt auf ein für queere Menschen offenes Wien. Da kann man sich auch einmal zurücklehnen, oder? Regenbogenhauptstadt zu sein heißt, sich auch abseits des Song Contests für mehr Akzeptanz und gegen Homo- und Transphobie zu engagieren. Denn: Es gibt kaum einen homosexuellen Teenager, der es heute wagt, sich öffentlich an seiner Schule zu outen. Lesben, Schwule und Transgender-Personen erleben im Alltag noch immer vielfältige Diskriminierungen. Die gesetzliche Grundlage und der Diskriminierungsschutz müssen dringend auf alle Lebensbereiche erweitert werden. Ergebnisse einer EU-weiten Studie zeigen, dass in Österreich 48 Prozent der Befragten Lesben, Schwulen und Transgender-Personen im letzten Jahr diskriminiert wurden. Für uns bedeutet das, sich nicht zurückzulehnen, sondern aktiv für mehr Akzeptanz an Schulen, Arbeitsplätzen bis hin zur Altenpflege zu arbeiten und dies öffentlich zu verankern. Die Ausstellung »Raising The Bar« ist vom 28. April 2015 bis Frühjahr 2016 am Naschmarkt Kettenbrückengasse zu sehen. 029

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queer marketing — Kaufkraft jenseits von Pink und Regenbogen

Nach Conchita gibt es keinen Weg mehr zurück 030 Queers war mal ein Schimpfwort. Heute wird diese meist besserverdienende Zielgruppe heftig umworben. Irgendwo zwischen DINKS, Regenbögen und gay-friendly Hotels empfiehlt sich aber ein differenzierter Zugang.

Text Teresa Havlicek Bild wientourismus / Peter Rigaud

»Wer nicht kapiert, dass die Toleranz gegenüber anderen Religionen, Hautfarben und sexueller Orientierung zum Selbstverständnis eines modernen Staats gehört, dem kann man notfalls sagen, dass Diskriminierung einfach auch Geld kostet. Einige Städte haben LGBTs für sich entdeckt. Den guten Ruf von Berlin, Barcelona, Tel Aviv oder San Francisco macht sicher auch aus, dass diese Orte besonders offen sind. Wien taucht auf solchen Listen fast nie auf. Der Wien-Tourismus versucht das seit Jahren zu ändern und die Bundeshauptstadt als gay hot spot zu positionieren. Zum Song Contest werden eigene Gratis-Touren für Journalisten zum queeren Wien angeboten. Auch sonst hat sich einiges geändert. Laut Michael Winnige, Geschäftsführer der Fabulous Media GmbH, ist das Thema Homosexualität ganz alltäglich geworden. Im Interview hat er uns erzählt, warum Queers Trendsetter sind, was man beim Queer Marketing falsch machen kann und was sich seit Conchita geändert hat.

Worauf muss man bei Queer oder Pink Marketing achten, um dabei nicht plump zu wirken oder in Stereotype zu verfallen? Der größte Fehler ist die mangelnde Umsetzung eines Gesamtkonzepts. Oft gibt es nur kleine Aktionen, die nicht in den sonstigen Auftritt passen und als unüberlegt wahrgenommen werden. Ein nett versuchter Solidaritätsbeweis geht nach hinten los, wenn Wörter aus der Umgangssprache in der Werbung verwendet werden, wie z.B. »Warme«. Auch die Bildsprache ist schwierig. Bei Mann und Frau denkt man an ein Pärchen. Zwei Jungs schließen die lesbische Zielgruppe aus. Zwei Mädchen könnten auch nur Freundinnen sein. Sie beraten Unternehmen, die ihre Angebote an eine Queer-Zielgruppe anpassen möchten. Was macht diese Zielgruppe so attraktiv? Die Attraktivität an der Zielgruppe »schwule Männer« etwa liegt einerseits am höheren Einkommen. So sind junge schwule Männer meist ungebunden, flexibel und zielstrebig. In Partnerschaften sprechen wir von Dinks (double income, no kids). Diesen steht somit ein wesentlich höheres Haushaltseinkommen für Lifestyle, Hobbys und Ähnlichem zur Verfügung. Hinzu kommt, dass Begriffe wie Open-Mindedness, Vielfalt und Gleichbehandlung aktuell sehr positiv besetzte Werte sind, nach denen Marken beurteilt werden. Welche Länder sind besonders interessant? Es gibt Studien aus einer Vielzahl an Ländern in den letzten Jahren, auch aus Österreich, die vor allem die Zielgruppe schwuler Männer stark untersuchten. Hier liegt der Reisemarkt an oberster Stelle. Im Vergleich zu Heterosexuellen geben schwule Männer einen größeren Anteil Ihres Einkommens für Mode, Lifestyle-Produkte und Technik aus. Seit der eingetragenen Partnerschaft gehört auch der Hochzeitsmarkt dazu. Hier kann man schnell eine gute Marktposition erzielen. Und was hat sich bei den Kunden in jüngster Zeit verändert? Unser Kundenstamm ist breiter geworden. Wir bemerken einen starken Zuwachs an weiblichen Unternehmerinnen und einer Vielzahl an KMUs, die sich vorher mit dem Thema nicht beschäftigt haben und nun erste Marketingversuche durchführen. Wie schätzen Sie die Situation in Österreich im internationalen Vergleich ein, kann man mehr für LGBTs tun? Im Vergleich zu den USA oder der UK ist Österreich weit davon entfernt, das Potenzial für die Zielgruppe zur Gänze zu nutzen. Dies liegt einerseits daran, dass der österreichische Markt für viele internationale Marken oft von Deutschland mitbetreut wird. Auf der anderen Seite fehlt es diesen Labels aber auch an der entsprechenden Medienvielfalt und -reichweite. So gab es in den letzten zehn Jahren einige interessante Printtitel, die alle sehr rasch wieder vom Markt verschwunden sind. In den UK oder den USA gehört es für viele Labels einfach dazu, für den schwulen Markt eine eigene Kampagne zu lancieren. Wie haben sich die Kanäle in den letzten Jahren verändert, auf denen die Zielgruppe unterwegs ist?

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Social-Media-Plattformen wie Facebook haben dazu beigetragen, dass man die Zielgruppe sehr leicht im Internet selektieren kann. Printmedien – ganz allgemein – haben durch Internet viel an Stellenwert verloren, sind aber, um Reichweite zu erzielen, nach wie vor das geeignetste Medium. Vor allem, wenn man Gay-Marketing betreibt, um der Marke ein offeneres – und somit für andere sichtbares – Image zu verleihen. Das iPhone ist in der Gay-Community überaus stark vertreten und eröffnet dadurch, mit Apps näher an die Zielgruppe heranzukommen, als das je ein anderes Medium bisher geschafft hätte. Die nächsten Jahre werden hier also noch starke Veränderungen mit sich bringen. Kennen Sie Beispiele – auch international –, bei denen ambitioniertes LGBT-Marketing nach hinten losging? Da gibt es einige und es betrifft meist das fehlende Gesamtkonzept. Ein Beispiel wäre, wenn ein gay-friendly Hotel vergisst, die Mitarbeiter an der Rezeption auf die Frage zweier Männer nach einem gemeinsamen Doppelbett zu briefen. Zu den größten Fehlern und Missverständnissen in der Vergangenheit führte meist die falsche Verwendung von Begriffen oder historischen Symbolen (z.B. Regenbogenfahne, Rosa Winkel etc.). Die queere Community wurde Jahrhunderte verfolgt – in manchen Ländern gibt es noch heute die Todesstrafe für homosexuelle Menschen – da verwundert es nicht, dass sie besonders plumpen und nicht authentischen Werbungen kritisch gegenüber stehen. Würden Sie queere Menschen als Trendsetter bezeichnen? Queers zählten schon seit jeher zu den Early Adopters. Das liegt im Besonderen daran, dass Schwule und Lesben immer schon in der Gesellschaft integriert sein wollten. Erfolg macht nicht nur sexy, er verzeiht auch das »Anders-Sein«. Als geouteter Homosexueller muss man nicht mehr mit der Masse mitschwimmen, um nicht aufzufallen, sondern kann selbstsicher seinen eigenen Geschmack finden und Dinge probieren. Das führt dazu, dass Schwule schon seit vielen Jahren Trends direkt vorgeben. War der Song Contest-Sieg von Conchita Wurst nur ein wichtiger Baustein in einem langfristigen Stimmungsumschwung oder müsste man das noch höher einschätzen? Wir erleben in den letzten Jahren eine Veränderung in der Gesellschaft, aber auch in den Medien. Schwule und Lesben sowie deren Themen, Anliegen und Veranstaltungen sind aus der täglichen Berichterstattung nicht mehr wegzudenken. Wir sind hier in der Normalität angekommen aufgrund des Life Ball, der Jahr für Jahr an Bedeutung zugenommen hat, aufgrund der politischen Anerkennung bis hin zu Conchita Wurst als neuestem Impuls. Mit Ihrem Sieg für Österreich gibt es nun einfach kein Zurück mehr! Oder hätten Sie vor ein paar Jahren noch gedacht, dass eine Bank, mit der man im Normalfall Werte wie Stabilität, Seriösität, Sicherheit, also sehr konservative Werte verbindet, mit einer Drag Queen wirbt?

Im offiziellen Presseberich der Stadt Wien posieren gleichgeschlechtliche Paare vor diversen, ehrwürdigen Sehenswürdigkeiten, wie der Gloriette. 031

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esc-politik — Block-Voting und Kulturdiplomatie beim Song Contest

We Shall Overcome

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Text Teresa Reiter Bild ORF / Milenko badzic, Ruben Martirosyan, Magnus Ragnvid, Eurovision

Wenn beim Song Contest gesungen wird, geht es manchmal um mehr als nur ein Lied heut Nacht. Es geht um uns alle und wie wir sein wollen. »Es ist alles Politik« ist ein Satz, den man in Zusammenhang mit dem Eurovision Song Contest (ESC) öfter hört. Meistens ist damit der Zusammenhalt ehemals verfeindeter osteuropäischer Staaten gemeint, die sich — egal wie bizarr die Performance war — gegenseitig stets die meisten Punkte geben. Das sogenannte Block-Voting ist allerdings nur die Spitze des Eisbergs, denn der ESC ist eine riesige Zurschaustellung sogenannter Cultural Diplomacy. Im besten Fall geht es bei diesem Begriff darum, der Welt durch Kultur – also Kunst, Musik, Literatur – sein eigenes Land vorzustellen und so ja wirklich Brücken zu anderen Nationen zu bauen. Realistisch betrachtet, und das lässt sich bei Veranstaltungen wie dem ESC gut beobachten, versuchen Staaten stattdessen eher ein Image zu bewerben, dass sie in der Welt gerne hätten. Das aktuellste Beispiel dafür ist wohl Conchita Wurst, mit deren Teilnahme Österreich ein Bild von einem toleranten und weltoffenen Land zeichnete, das wir — sind wir uns ehrlich — erst noch werden müssen. Der ESC hat in der Vergangenheit auch neuen europäischen Staaten dazu gedient, sich Europa vorzustellen. Als die Nachfolgestaaten Jugoslawiens, Slowenien, Kroatien und Bosnien Herzegowina 1993 seine Bühne stürmten, befanden sich Kroatien und Bosnien noch mitten in einem Krieg, der große Teile des Westbalkan in Schutt und Asche legte und zahllose Menschenleben forderte. Der für Bosnien antretende Sänger Fazla sang damals »Sva Bol Svijeta«, was so viel heißt wie »All der Schmerz der Welt« und Zeilen enthielt wie »All der Schmerz der Welt ist heute Nacht in Bosnien / Ich bleibe, um dem Schmerz zu trotzen und habe keine Angst, mich gegen eine Mauer zu stellen / Ich kann singen, ich werde gewinnen«. Bosnien bekam damals keinen einzigen Punkt von Kroatien und Slowenien und landete auf Platz 16 von 25.

Kosovo x Albanien Dass man trotz Krieg und Zerstörung Zeit hatte, an eine Teilnahme bei Europas größter Bad Taste Party zu denken, zeigt, wie ernst manche Staaten den ESC nehmen. Es ist beinahe so, als gäbe es ein ungeschriebenes Gesetz, demzufolge man erst ein Staat ist, wenn eine aufgedonnerte Volltussi mit falschen Wimpern im Fernsehen die Wertung seines Landes ins ESC-Studio durchgibt. Ein Land, das bisher gescheitert ist, dies zu erreichen, ist der Kosovo. Bereits seit seiner Unabhängigkeitserklärung von Serbien 2008 bemüht sich der öffentlich-rechtliche Fernsehsender RTK um die Aufnahme in die European Broadcasting Union, denn nur deren Mitglieder dürfen am ESC teilnehmen. Für eine Mitgliedschaft müsste man aber zuerst bei der Internationalen Telekommunikations-Union ITU Mitglied sein und das dürfen wiederum nur Mitglieder der Vereinten Nationen, von denen der Kosovo bis heute nicht anerkannt ist. Allerdings trickste Albanien 2012 das System aus und schickte die kosovarische Sängerin Rona Nishliu ins Rennen, die Balkan-Twitteria überschlug sich vor Euphorie und Feindseligkeit.

Armenien x Aserbaidschan Territorialstreitigkeiten sind beim ESC nichts Exotisches. Während des Halbfinales 2009 eskalierte die ohnehin angespannte Situation zwischen Armenien und Aserbaidschan innerhalb des ESC. Armenien hatte in seinem Vorstellungsvideo ein Bild des Tatik Papik-Monuments gezeigt. Das Problem? Das Ding steht in der selbsterklärten Republik Berg-Karabach, ein Stück Land, das zwar von Armeniern bewohnt ist, dessen Unabhängigkeit von Aserbaidschan aber mit Ausnahme von Armenien kein Staat der Welt anerkennt. Auf die Beschwerde Aserbaidschans hin musste das Video für das Finale geändert werden. Als

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Linke Seite: Michi Häupl und Alex Wrabetz probieren seltsame Posen aus. Rechte Seite: Die Fans von Genealogy aus Armenien links und Elnur Huseynov rechts werden sich gegenseitig höchstens null Punkte geben. Beide wollen, dass die Region Bergkarabach ihrem Land gehört. Links unten: Dana International war die erste Transsexuelle, die 1998 den Song Contest gewann. Rechts unten: Die Teilnahme Russlands ist seit der Krim-Krise nicht unumstritten.

es jedoch Zeit für die Punktereihung war, schlug Armenien zurück und die Vorjahreskandidatin Sirusho verlas ihre Punkte vor einem riesigen Screen, auf dem das Monument abgebildet war, und hob dann provokativ ihr Clipboard, auf dessen Rückseite sich ebenfalls ein Bild des Tatik Papik befand. Wenig überraschend schenken sich die beiden Länder Jahr für Jahr gegenseitig 0 Punkte. Doch 2009 berichtete die BBC, dass einige der 43 Menschen in Aserbaidschan, die dem Nachbarstaat dennoch ihre Stimme geben wollten, von der Polizei verhört wurden. Sie wurden beschuldigt, unpatriotisch und ein potenzielles Sicherheitsrisiko zu sein. Drei Jahre später sagte Armenien seine Teilnahme am Bewerb überhaupt ab, da der ESC 2012 in Aserbaidschans Hauptstadt Baku stattfand.

Armenien x Türkei Auch dieses Jahr bleibt es um den armenischen Beitrag spannend. Der diesjährige Song heißt »Don’t Deny« und wird von einer KünstlerGruppe aus der armenischen Diaspora vorgetragen werden. Der Song soll an den Genozid an den Armeniern 1915 erinnern, dem bis zu 1,5 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Der Titel des Songs ist wohl nicht nur eine Botschaft an Aserbaidschan, sondern auch an die Türkei. Beide leugnen bis heute, dass es einen Genozid gab und erst im April diesen Jahres berief die Türkei ihren Botschafter in Wien ab, weil der österreichische Nationalrat eine Erklärung abgegeben hatte, die den Massenmord an den Armeniern im Osmanischen Reich als Genozid verurteilt.

Russland x China x Georgien x Ukraine x Asien Auch Russland gilt als Enfant terrible beim ESC. Bereits vier Jahre nach seiner ersten Teilnahme gab es 1998 den ersten Vorfall. Wegen schlechter Vorjahresplatzierung war Russland nicht zur Teilnahme zugelassen worden, eine Tatsache, die Russland ignorierte. National warb man für die Sängerin Tatjana Owsijenko als Kandidatin, die allerdings nicht auftreten durfte. Russland erhielt daraufhin keine Erlaubnis, den ESC auszustrahlen und durfte auch im nächsten Jahr nicht teilnehmen. Andere Länder nutzen den ESC gerne, um Russland eines auszuwischen. 2014 konnten die für das Land angetretenen TolmachevyZwillinge ihre Zopf-Performance nur unter lauten Buh-Rufen zu Ende bringen, geschuldet Russlands Annexion der Krim und seiner Gesetze gegen Homosexuelle. Wenig subtil servierte auch Georgien 2009 seine Kritik an Russland. Nach dem Kaukasuskrieg im Jahr zuvor, bei dem die russische Armee in Georgien einmarschiert war, wollte Georgien

ursprünglich einen Song namens »We Don’t Wanna Put In« (Wortspiel gewollt) einsenden. Nachdem das Land vom Veranstalter aufgefordert war, den Text zu ändern, weil er als zu politisch eingestuft wurde, sah Georgien von einer Teilnahme ab. Heuer veranstaltet Russland übrigens aus Protest über den Sieg von Conchita Wurst letztes Jahr eine Art Gegenparty. Der sogenannte Intervision Song Contest, der bereits 1977 bis 1981 (während des Kalten Krieges) stattfand, wird im Oktober in Sotschi sein Revival feiern. Teilnehmen dürfen außer Russland noch China und einige zentralasiatische Staaten.

»Osten x Westen« Doch nicht alle politischen Botschaften, die auf der Bühne des ESC herumgeistern, sind feindselig. Direkt nach dem Fall der Berliner Mauer etwa nutzten mehrere Teilnehmer die Öffentlichkeit des Bewerbs, um für ein geeintes Europa aufzutreten. Norwegen erwähnte das Brandenburger Tor, Deutschlands Chris Kempers und Daniel Kovac sangen in »Frei zu leben« über das Einreißen von Mauern und für Österreich sang Simone »Keine Mauern mehr«. Gewonnen hat am Ende Italien, mit dem Lied »Insieme«, was »zusammen« heißt. Unser Phönix Conchita Wurst hat zumindest gezeigt, dass man das bizarre Fest auch für gute Dinge nutzen kann. Finnland hat die Message verstanden und schickt heuer die unter Down-Syndrom leidenden Punks von Pertti Kurikan Nimipäivät (Pertti Kurikas Namenstag) nach Wien, damit auch mal wer über sowas nachdenkt.

Politik x Keine Politik Die Regeln des ESC besagen übrigens, dass jegliche Art von politischer Rede oder Geste im Bewerb verboten ist. Die Veranstalter bestehen darauf, dass es eine unpolitische Angelegenheit sei. Ein ziemlicher Witz eigentlich, wenn man sich in Erinnerung ruft, wozu der ESC erfunden wurde. Als sich nämlich Europa in den 1950ern nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufzubauen versuchte, machte die European Broadcasting Union den Vorschlag, dass man die entfremdeten Länder durch »leichtes Unterhaltungsprogramm« wieder zusammenbringen sollte. Der Chef des Schweizer Fernsehkomittees, Marcel Bezencon, hatte schließlich die Idee für den ESC, in der Annahme, dass ein gemeinsamer Fernsehabend durch Simultanausstrahlung Europa zumindest für einen Moment näher zusammenrücken könnte. Mit Erfolg, denn man müsste lügen, wollte man sagen, dass die kollektive Rezeption des ESC-Wahnsinns uns nicht zumindest für einen Abend zu unfreiwilligen Komplizen macht. 033

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150 ausgaben the gap — Zahlen, Infos, Fails, Timeline

150 Ausgaben im Zeichen des Panda In 150 Ausgaben sind nicht nur ein paar Generationen Schreiber hier gewesen: Medien haben sich verändert, Dinge sind schief gelaufen und dann haben wir ein Bier gekauft. 1997

1998

2000

März 1998

März 2000

Erste Website.

Text stefan niederwieser

Jänner 1997

Mit Pagemaker 5 wird die erste Ausgabe gelayoutet, der ganze Computer mit den Daten drauf zur Druckerei gebracht und davon im Keller der WU 1.000 Stück gedruckt. Die Idee dazu hatten Thomas Heher und Manuel Fronhofer. Blur, Oasis, U2, Star Wars und Heinz aus Wien sind die ersten Coverthemen.

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2001

Jedes F im Heft wird durch ein Quadrat ersetzt – denn die schwarz-blaue Häfn-Koalition nimmt Österreich von hinten.

Mai 1998

Erste Frau am Cover, Garbage-Sängerin Shirley Manson. Dass fast nur Männer auf das Cover kommen, wird ein blinder Fleck bleiben, der zwar immer wieder thematisiert wird, aber das reicht noch nicht.

Sommer 2001

Erstmals großer Relaunch. Erstmals 40.000 Stück. Erstmals DoppelChefredaktion mit Manuel Fronhofer und Thomas Weber.

April 2001

Erstmals 76 Seiten, seit zwei Ausgaben ist der Einband in Farbe.

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Denn sie wussten nicht, was sie tun

Christine Baumgartner 03 — Zwei Jahre über Musik geschrieben, z.B über die Bedeutung des Donaufestivals für Krems. Danach ins Zeit-im-Bild-Team gewechselt, wo sie tendenziell Chronik-Beiträge gestaltet. Ann Cotten 04 — Ein paar Buchreviews. Danach Gedichte und Erzählungen für Suhrkamp, Merve u.v.m. Ist so wie alle vor neun Jahren nach Berlin gezogen. Steht immer noch im Impressum, weil sich das gut macht.

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Klaus Buchholz 05 — Hat sehr lange mit großem Riecher für aufkeimende Themen über Rap, Folk und Film geschrieben, zwei Jahre das Filmressort geleitet, war kurz Projektleiter hier. Dann mit Freundin nach Schweden ausgewandert. Thomas Edlinger 06 — War vor uns publizistisch bekannt, ist das nachher genauso. 150 Ausgaben The Gap haben sie alle mitgestaltet. Und eigentlich waren es viel zu viele Leute, denen man hier danken müsste. Wir versuchen mit völlig willkürlich ausgewählten Personen die Bandbreite ihrer Lebenswege festzuhalten, vom Lehrer über die Buchautorin bis zum Konzernchef … Michael Aniser  — Hat zehn Storys geschrieben, darunter extrem früh über Witch House, Tyler The Creator, das Ende der Hipster, Seapunk. Hat immer später Texte abgegeben, dann nicht mehr. Kurze Zeit beim Electronic Beats-Magazin. Macht jetzt das Label Noisekölln und findet viel Zeug im Internet.

Holger Fleischmann 07 — Neben Manuel Fronhofer und Thomas Heher war er einer der ersten drei Mitarbeiter von The Gap. Acht Jahre lang schreibt er eher im elektronischen Bereich, seit 2003 auch bei der Tageszeitung Die Presse, vier Jahre später wechselt er offiziell in deren Digitalabteilung. Stefan Häckel 08 — War einige Jahre Redakteur bei The Gap, u.a. mit Auto- und SneakerKolumnen. Seit 2007 leitet er Vice Austria.

Simone Mathys-Parnreiter 11 — Hat ein paar Reviews geschrieben, später die Wien Xtra Soundbase geleitet, ist seit einem halben Jahr Chefin von Wemakeit Österreich, einer Schweizer Crowdfunding-Plattform.

Markus Keuschnigg 09 — Hat schon früh viel über Film geschrieben, für sich, bevor es Blogs gab. Seit 2003 auch für The Gap, zeitweise als Ressortleiter, nun seit Jahren für FM4 und die Presse. Leitet heute aber vor allem das Slash Filmfestival.

Ingo Pertramer 12 — Hat früher häufig Fotos für The Gap geschossen, etwa das Robocop Kraus Cover 2003, macht das heute unregelmäßig, letztens Dorian Concept. Hatte von Udo Jürgens, Heinz Fischer bis zu David Lynch alles vor der Kamera.

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David Bauer 02 — Zwei Monate Praktikum 2013. Danach trotz Versuchen nie wieder einen Mucks von ihm gehört, keiner da.

2004

2005

Feber 2005

2006

Offiziell ist es eine Personalrochade. Niko Alm wird neuer Herausgeber von The Gap, Martin Mühl Chef vom Dienst (später Chefredakteur und der, der alles zusammenhält). Die geplante Ausgabe #058 fällt aus.

Feber 2004

Heinz Fischer posiert für die T-ShirtStrecke. Ein paar Tage später gibt er seine Kandidatur für das Amt des Herrn Bundespräsidenten bekannt.

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David Kreytenberg 10 — Kreativling aus München, redet viel, ist vom Fleisch Magazin zu The Gap gekommen, Albert & Tina miterfunden, Fox House mitveranstaltet, nach Hamburg ausgewandert, dort für Viva Con Aqua und Millerntorgalerie gearbeitet, Biorama Deutschland verworfen, Wiener Club Jessas fast eröffnet, macht gerade was mit Kreativcontainern am Donaukanal.

2007

September 2006

The Gap setzt mittlerweile Themen. Die Story über »Second Life« wird von vielen andern Medien aufgegriffen.

September 2005

Dass sich das Team einen Sommer lang einen Schnauzer wachsen lässt und von den Reaktionen berichtet, zeigt auch, dass damals fast nur Männer bei The Gap arbeiten.

2008

Juni 2008

Bisher letzter Relaunch von www. thegap.at, im Internet ist Geschwindigkeit ja überschätzt.

März 2007

Die erste von vielen größeren Feiern. Headliner sind Jeans Team. Weitere mit Gonzales, Ebony Bones oder Atari Teenage Riot folgen. Twin Shadow würde jetzt 2015 kommen.

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Ritchie Pettauer 13 — Bringt schon in den 90ern HipHop und Netzkultur als Themen ein und schreibt mehrere Coverstorys. Daneben für seinen Netz-Blog Datenschmutz, für Ö1, Financial Times, u.v.m. Unterrichtet heute an der Uni Wien sowie an diversen Fachhochschulen und bezeichnet sich als Online Marketing-Berater. Stefan Pichler 14 — Posterboy für die The GapAbo-Anzeige sowie eine Drei-Kampagne, kurzer Gastauftritt in »In drei Tagen bist du tot 2«. Aus familiären Gründen wieder nach Tirol gezogen, unterrichtet dort Sport und Deutsch. Johannes Piller 15 — Hat gemeinsam mit Max Zeller Clubkultur hier journalistisch aufgebaut. Lange Jahre DJ, u.a. mit Bebop Rodeo, Ascending Waves. Heute Chefbooker im Club Grelle Forelle. Karolina Podolecka 16 — Jahrelang hat sie Buchhaltung gemacht. Seit Ende 2012 Location-Managerin bei b.win. Peter Schernhuber 17 — Hat mehrere leidenschaftliche Texte über Film und Musik hier geschrieben, davor schon mit Sebastian Höglinger jahrelang das Youki-Filmfestival in Wels geleitet und tut das jetzt mit dem größten Festival für österreichischen Film, der Diagonale in Graz. Bernhard Schmidt18 — Bernhard war von 2007 bis 2012 Monopol-Geschäftsführer. Weil er sich nicht mehr wirklich für Pop-Kultur interessiert hat, wäre es ihm eigentlich lieber gewesen, wir hätten über andere Dinge geschrieben. Gemeinsam mit ihm haben wir Monopol vom Verlag zum Medienhaus und zur Agentur ausgebaut – davon profitieren wir bis heute.

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Nicole Schöndorfer 19 — Schreibt immer wieder über Musik. Zwischendurch Falter, Noisey, jetzt Karenzvertretung Pressestelle bei der Kreativagentur departure. Kathi Seidler 20 — Bei Skug über Musik zu schreiben begonnen, später The Gap, u.a. die Coverstory #117 über die Wiener Clubkultur, dann FM4-Sumpfistin und Falter-Party-Kolumnistin. Seit letzter Ausgabe schreibt sie wieder eine Clubkultur-Kolumne für uns.

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Sigmund Steiner 21 — Hat bei Haneke und Glück Regie an der Filmakademie studiert, mit der Coverstory zu »South Park« 1999 die erst vierte Nicht-Musik-Coverstory geschrieben, danach Musikvideos, Kurzfilme und Dokus gedreht. Heute Kamera und Schnitt bei Horizont online. Benjamin Sterbenz 22 — Hat 2000 bei The Gap mit Journalismus begonnen. War später für Die Presse, Kurier und als stv. Chefredakteur der Futurezone tätig. Heute leitet er die Redaktion von Golem.de mit fast 2 Millionen monatlichen Lesern. Thomas Albdorf 23 — Macht seit Anfang 2014 hier Grafik, fotografiert aber eigentlich und wechselt mit Mai als Assistent von Matthias Koslik an die Hochschule für Angewandte Kunst. Barbara Zeman 24 — Hat hier über Literatur geschrieben, 2012 den Literaturpreis Wartholz und den Literaturpreis des Landes Burgenland gewonnen. Arbeitet an mindestens einem Roman.

2010

2011

Jänner 2009

Bei Facebook angemeldet. Treibt heute bis zur Hälfte aller Leser online zu uns.

Juli 2011

Wir bespielen Albert & Tina, zuerst auf der Terrasse der Albertina, später mit oft über tausend Menschen auf dem Vorplatz, drei Jahre lang.

2010

Oktober 2011

Das The Gap-Medienhaus Monopol veranstaltet das erste Waves Vienna Festival. The Gap steht groß drauf. Das Festival wird kurz nachher ausgelagert. Das Minus sitzt trotzdem noch länger hier in den Knochen.

Als Art Director stellt Sig Ganhoer seit 2010 bei Monopol sicher, dass wir für uns und unsere Kunden nur ansehnliche Dinge produzieren.

September 2008

Print, Baby! Damals waren die Anzeigenerlöse noch in Ordnung. Diese Ausgabe The Gap knackt zum einzigen Mal den Umsatz von umgerechnet einer Million Schilling.

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Dezember 2009

Die Storys zu den besten Alben der Nuller Jahre ist eine der aufwendigsten Artikelserien, die ausschließlich online erscheint. Weil online ja auch immer wichtiger wird.

Feber 2011

Alle Ausgaben sind seither auf Issuu les- und downloadbar. Stefan Niederwieser wird Chefredakteur.

Sig Ganhör09 — Mitte der Nuller-Jahre teilten

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150 ausgaben the gap — Zahlen, Infos, Fails, Timeline

#thegapfail Neben den Erfolgen und den großen falschen Entscheidungen gibt es auch die, die nur mehr ein wenig im Schädel weh tun. Und es sagen doch alle, es braucht eine Kultur des Scheiterns. Also hier, bitte. Abmahnung, Mai 2012: Wir haben es leider wirklich gezahlt und wussten, dass wir abgezockt werden. Bei einem Bild war der Urheberrechtshinweis online nicht haarklein so angegeben wie es in den AGBs stand. Sven Brentrup bzw. Aboutpixel.de wollten deshalb für ein popeliges Bild 1.346 Euro. Unser Anwalt meinte, so ein Prozess ist riskant und kann lange dauern. Heute sind wir klüger. Ausgabe 058, Feber 2005: Ist nie erschienen. Keiner konnte mit dem Heft damals die Miete bezahlen, Leute schliefen für die Schlussproduktion unter dem Flipper. Eigentlich hätte da Schluss sein sollen. Manuel Fronhofer ging, dann kam ein neuer Anzeigenverkäufer und damit neuer Drive. Nach außen wurde so getan, als würde die folgende Ausgabe 059 ganz regulär erscheinen. Gab ja noch kein Internet, um das zu überprüfen. Julian Opie, Mai 2008: Ja, fuck, das Cover war verkehrt rum. In Wirklichkeit reckt die Person nämlich von links ihren Kopf ins Bild und die Haare hängen nach unten. Niemand hat es bemerkt. Danach kam ein Brief von Julian Opie, das sei genau der Grund, warum er von Medien so frustriert ist. Neu drucken konnte man die Ausgabe halt trotzdem nicht. Kurosawa Kiyoshi, November 2006: Ein heißer Kandidat für das schlechteste The Gap-Co-

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ver aller Zeiten. In derselben Ausgabe findet sich auch eine Story über den kroatischen Autor Zoran Feric, der mit einem älteren Cover der andere Top-Anwärter auf diesen Titel ist. Leitartikel The Gap Niederösterreich #002, August 2014: Es gab eine Zeit, da musste man sich öfter als sonst für Kopierfehler im Heft entschuldigen. Falsche Autoren, Fotografen, Charts-Kategorien. Wenn man dem Leiter des Studiengangs Medienmanagement aber deutliche Kritik an der niederösterreichischen Politik unterjubelt, kann man nur mehr auf den Humor der Betroffenen vertrauen.

Markus Schinwald, Mai 2011: Woah, wie gut, weltexklusiv die ersten Bilder von Markus Schinwald, die er auf der Biennale in Venedig ausstellt. Noch dazu fürs Cover. Wie, die Druckerei kann nicht rechtzeitig zur Vienna Fair liefern? Das war doch immer so ausgemacht …

Puber, August 2013: Macht was drüber, dass dieser Puber in der Stadt ist und alle Ecken mit Grafitti zubombt, damit sind wir die Ersten, war die Ansage an die beiden Praktikantinnen. Geworden ist daraus ein böser Kommentar, warum Puber eine Plage ist. Noch

Tricky, Sommer 2001: Neues Team, neues Heft, erstmals gratis, 40.000 Exemplare gedruckt und kein Vertrieb dafür. Ja, das war ein massiver Planungsfehler. Die Hefte standen erst mal rum. In Wiesen wurde dann zumindest mal die Hälfte händisch verteilt.

2014

Das bisher letzte Mal, dass der Coverstar doppelt am Cover war: Joseph Gordon-Lewitt hat neben »Don Jon« bereits in der Krebs-Komödie »50/50« mitgespielt. Kurz davor war SOHN schon einmal als Trouble Over Tokyo drauf. Weitere Beispiele: Blur, Die Sterne, Garbage. Spitzenreiter sind Tocotronic mit drei Mal.

Vice kauft den Haupteigentümer Super-Fi. Damit ist The Gap wieder vollkommen unabhängig.

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Re:Haydn, Oktober 2009: Der Fehler hatte sich ganz früh in den Mails eingeschlichen. Und dann zog er sich durch. Alexander Robotnick und Robotnik sind nun leider nicht dieselbe Person. Ersterer hatte einen Remix für das elektronische Klassik-Projekt »Re:Haydn« gemacht. Letzterer hatte sich für die CDPräsentations-Party buchen lassen und steht falsch im CD-Booklet.

Pratersauna, Juni 2011: Nur weil jemand etwas Falsches behauptet, heißt das nicht, dass man es als Zitat drucken kann. Die Pratersauna hatte in einem Interview bei uns ein paar ungeschickte Dinge über das News-Magazin behauptet. Die Ansage von News: »Naja, wie tun wir? Wir würden euch ungern klagen«. Vom großartigen Kurt Kuch gab es dann noch einen freundlichen Schnellsiedekurs in investigativem Journalismus.

Oktober 2013

September 2013

dazu mit dem ordentlichen Recherchefehler, er würde zu einer rechten Gang gehören. Die Urlaubsvertretung konnte das nicht wissen, der Falter hatte eine Story gebracht, es musste schnell gehen. Die Reaktionen waren, nun ja, sehr gespalten. Später kam noch eine Antwort von Puber selbst auf die Außenwände der Redaktion.

März 2014

2015

April 2014

Bis dato letzte große Personaländerung, Teresa Havlicek, Amira Ben Saoud, Kevin Reiterer kommen dazu. Man trauert aber auch immer um die, die gehen.

The Gap Niederösterreich #001.

März 2015

Das Monat mit den meisten Website-Zugriffen und der meistgelesenen Story aller Zeiten, die über Musiker auf Studi-VZ.

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Jamie xx – »In Colour« — Superlativ für alle Dancefloors

All under one roof raving Mehr als nur Steel Drums und runtergepitchte Vocals – Jamie xx sampelt auf seinem Debütalbum die gesamte Clubkultur einer Nation. Über drei Jahre lang hat Jamie xx in Hotelzimmern und Tourbussen Ideen für eigene Songs gesammelt. Ursprünglich war ein Mixtape geplant, es hat sich aber zu seinem ersten Album verdichtet. Um den Kopf für das neue Album von The xx freizubekommen, wie er sagt. Nun könnte man natürlich darauf hinweisen. Nun könnte man natürlich darauf hinweisen, dass Jamie xx bereits beide Alben von The xx produziert hat, an Produktionen für popmusikalische Schwergewichte wie Drake und Alicia Keys beteiligt war oder ein ganzes Album von Soulpoet Gil Scott-Heron remixt hat, und es wäre wohl auch ein guter Zeitpunkt, um herauszustreichen, dass der 26-jährige Brite derzeit einer der gefragtesten und gleichzeitig zurückhaltendsten Protagonisten der Musikbranche ist. All das braucht es aber gar nicht wirklich, denn »In Colour« ist so viel mehr als nur eine Ansammlung von großartigen Tracks: Jamies Debütalbum ist eine persönliche Liebeserklärung an die elektronische Tanzmusik.

Text Jakob Bouchal Bild Young Turks

Subtile Hommage an die UK-Clubkultur Im Mittelpunkt stehen überwiegend britisch geprägte Subgenres, ja Subkulturen: »In Colour« ist eine Hommage an Garage, Dubstep, Jungle, Grime und darüber hinaus alles, was in den 1990ern unter den Sammelbegriff Rave Menschen dazu veranlasste, ihre Wochenenden in Londons Kellern und Lagerhäusern durchzutanzen. Jamie legt auf seinem ersten Album seine Einflüsse offen, in Form von teils im Detail versteckten, teils unüberhörbaren Referenzen gleichermaßen wie durch prominent eingesetzte Samples, und verarbeitet so scheinbar mühelos die gesammelten Werke der UK-Clubkultur mit reduzierten, oft frickeligen Beats und subtilen Percussions als kleinstem gemeinsamen Nenner zu einem, ja echt, zeitlosen Meisterwerk. Auch die eigene musikalische Vergangenheit ist davon nicht ausgenommen: Romy und

Oliver Sim, die beiden anderen Bandmitglieder von The xx, leihen insgesamt drei Tracks ihre Stimme. Gewohnt dramatisch, gewohnt verträumt, und dennoch meilenweit von dem Sound entfernt, der The xx berühmt gemacht hat – auch bei den Kollaborationen mit den Bandkollegen steht ohne Zweifel fest, dass es sich hier um ein Solo-Album handelt. Selbst das Cover der Platte wurde von Jamie eigenhändig entworfen, wobei das bunte Farbspektrum nicht nur seine vorherigen Releases und die Diversität des Albums repräsentiert, es fungiert auch als starker Kontrast zum Image der stets in schwarz gekleideten Band mit den in sich gekehrten Songs. »In Colour« ist dennoch kein dem reinen Selbstzweck erlegenes Konzeptalbum: Auf der so stimmigen wie vielfältigen Platte bleibt sogar noch Platz für Hits wie die bereits veröffentlichte Single »Loud Places« oder die kaum in Worte zu fassende Melange aus Barbershop Quartet, Dancehall Vibes und Soul mit dem vielversprechenden Titel »I Know There‘s Gonna Be (Good Times)« mit Young Thug und Popcaan – der wohl endgültige Beweis, dass der Begriff Genre in Jamies Wortschatz nicht vorhanden ist. Tatsächlich sind es dann aber doch die instrumentalen Produktionen wie »Gosh«, »Hold Tight« oder »The Rest Is Noise«, in denen die musikalische Urgewalt Jamie xx völlig entfesselt in Erscheinung tritt: Rhythmus und Harmonien wechseln mühelos, epochale Melodien in Stadiongröße kontrapunktieren mechanisch-monotone Beats, ein Klavierepos artet in einen Rave aus. Tanzmusik hat mehr Potenzial radikal zu sein, sagt Jamie im Interview mit The Fader, und liefert nun den superlativen Beweis: in Albumlänge, in colour.

»In Colour« von Jamie xx erscheint am 29. Mai via Young Turks.

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Hudson Mohawke – »Lantern« — Kunst und Punk am Dancefloor

Aus Dreck Kunst machen Der schottische Produzent Hudson Mohawke versucht sich mit seinem zweiten Album »Lantern« an der Überlagerung von Altersweisheit und jugendlichem Rabaukentum. Inspiration früherer Zeiten Für das Album »Lantern« bedeutet das also die erwartbare Entwicklung: Ein paar Gänge wollen hinuntergeschaltet werden, Vielseitigkeit muss vorgelebt werden. »Lantern« ist also als Album im Albumsinne durchorchestriert, hat Dramaturgie und Flow, es gibt keine RapFeatures – dafür ein paar richtige »Lieder«, z.B. mit R’n’B-Wonderboy Miguel und Antony Hegarty. Symbolcharakter. »Lantern« ist von Texten – echt eingesungen oder als Samples von alten Soul-Platten gezogen – durchsetzt, die den Positivismus, ein Durchhalten beschwören oder von Nostalgie und früheren besseren Zeiten künden. Das alles könnte also schwer betulich und schrecklich öde sein. Hudson Mohawke aber hat sich bei allem Kunstobjektseinwollen den Schmutz und die Großkotzigkeit bewahrt. »Lantern« ist nicht mit Pomp aufgeblasen. Das alles klingt kaputt, dünn, wie von außen durch die Garagenwand aufgenommen. Oft bestehen die Tracks aus nicht mehr als einem einzigen verpitchten Vocal-Loop und zwei an einem faulen Nachmittag hingeschmissenen Beats. Ein Stück widmet sich fast ausschließlich einer westafrikanischen Trommel, ein anderes ist alberner Hans-Zimmer-Soundtrack-Pathos mit Operetten-Bläsern, Pauken und Glockenspielklingklang. Es scheppert und surrt und töst und süßlich quietschen nach wie vor die Synthesizer. Hudson Mohawke hat eine, ja: ambitionierte Platte aufgenommen, auf der die einzelnen Stücke von Minimalismus leben und immer noch mit jugendlichem Rotz und der Vortäuschung von Punk daherkommen. So kann es funktionieren. Am Anfang und am Ende der Albums spricht eine verschwörerische Stimme zwei Wörter, die die Platte so ideologisch rahmen: Hudson Mohawke.

»Lantern« von Hudson Mohawke erscheint am 12. Juni via Warp.

Text Philipp L’Heritier Bild Tim Saccenti

Die beliebte Erzählung vom sogenannten Reifungsprozess des Künstlers, weiß Gott, von dessen Erwachsenwerden, ist eine der langweiligsten, die die Popmusik anzubieten hat. Die Kunst lebt von arroganten Spinnern, die ausprobieren, Behauptungen aufstellen und vorgaukeln, sie hätten das ganze Leben gesehen. Altern in Würde am Solopiano – das mögen andere besorgen. Der schottische Produzent Hudson Mohawke geht langsam auf seinen 30er zu und hat jetzt mit seinem zweiten Album »Lantern« so eine Platte aufgenommen, die »Integrität« ausbuchstabieren soll. Vom schrillen Clubkid zum Techno-Auteur. Aber nicht nur. »Lantern« ist eine Platte, die als Korrektiv bezüglich der Außenwahrnehmung dienen soll, die Hudson Mohawke in den letzten Jahren widerfahren ist. Neben seinem Landsmann und ideologischem Cousin Rustie war Hudson Mohawke Posterboy des digitalen Maximalismus der jüngeren Vergangenheit. Hier wird Musik als die billigste Pracht verstanden – hundert Schichten schäbiger Beats und aus dem Kaugummiautomaten gezogene Fanfaren wollen angehäuft werden. Salven aus der 808, Videospiel-Bleeps und Second-Hand-R’n’B-Glitz – alles im Idealfall verschmolzen von gerade dem Teenageralter entwachsenen Typen, für die Rave und HipHop immer schon dieselbe Veranstaltung bespielt haben. Mit derlei Attitude und den entsprechenden Sounds, die bei allem Bastelstuben-Charme immer auch mit dem größten Rumms ausgestattet sein müssen, hat es Hudson Mohawke zu seltsamem Ruhm gebracht: Aus undergroundig-hipper europäischer Clubkultur zum Homie von Kanye West. Sein gemeinsam mit dem kanadischen Produzenten Lunice betriebenes Duo TNGHT hat sich mit seiner Verquickung von Trap und der Musik, die wir »EDM« nennen, rasend schnell zur festivaltauglichen Einstiegsdroge für durstige DancefloorNeulinge entwickelt.

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Der Superheld als Kulturtechnik 5 Gründe, warum Superheldenfilme so super sind

Wow! Kaboom! Ha! Uff! Bang!

Text Jan Hestmann Bild Disney, Touchstone, Koch Media, nbc universal, warner home video

In den kommenden sechs Jahren erwarten uns knapp 30 neue Superheldenfilme aus den Studios Marvel, DC, Sony und Fox. Die Chancen stehen gut, dass der Hype vorerst ungebrochen bleibt. Anhand von Ant-Man und Co. wollen wir herausfinden, warum das so ist.

Laut Box Office spielte »Avengers: Age of Ultron« am ersten Wochenende international knapp über 200 Millionen US-Dollar ein und reiht sich damit noch vor »The Avengers« und »Iron Man 3« ein. Ende April sind die drei meistgesuchten Titel in der Filmdatenbank IMDB allesamt Superheldenfilme. Neben den Rächern finden sich da »Batman vs Superman: Dawn of Justice« und »Daredevil«. Was macht Superheldenfilme so unwiderstehlich? Wir müssen uns zunächst eingestehen, dass sie viel mehr bieten als bloß gewaltige Action-Spektakel mit leicht nachvollziehbaren Spannungsbögen. Sie haben sich zu einem Lifestyle entwickelt, der Unmengen an Diskussions- und auch Identifikationspotenzial entfesselt. Das gießt sich ungebremst über Social Media-Kanäle aus und wirkt sich schließlich nicht nur auf die Kinokassen, sondern auch auf Mode, Games, Sprache und sogar Gesellschaftspolitik aus. So wird »Wonder Woman« dann auch zur führenden feministischen Botschafterin erklärt. Im Dokumentarfilm »Superheroes« (2011) werden Menschen aus den USA porträtiert, die die fortgeschrittene Identifikation mit ihren Helden schließlich auch auf offener Straße ausleben. Der Superheld beweist sich als prestigeträchtige Kulturtechnik der Gegenwart. Aus diesem Anlass fünf Superhelden, die die Überlegenheit des Genres und damit einhergehende Streitfragen umreißen sollen.

#1 Ant-Man: Sie sind Rich Kids und Underdogs Superhelden kommen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten, wenn nicht überhaupt von anderen Planeten. Wer meint, ein authentischer Superheld muss aus der Mitte der Gesellschaft kommen, oder noch besser am unteren Rand stehen, wird eher zu Spider-Man als zu Iron Man tendieren. Neben dem Kampf gegen das Böse plagen Peter Parker noch eine Reihe Alltagsprobleme, was ihm einen speziellen Rang als Ikone verleiht. Ganz anders hier Tony Stark (Iron Man) oder auch Bruce Wayne (Batman). Zwar sind auch sie gewissermaßen Außenseiter, gehören aber nicht unbedingt zu den Schlechtverdienern ihrer Branche und wären ohne ihre High-Tech-Ausrüstungen wohl nicht die, die sie darstellen. Ant-Man, ursprünglich Mitglied der Avengers, musste in der aktuellen Filmreihe auf der Ersatzbank ausharren, hat diesen Juli dafür in der Person von Paul Rudd seinen eigenen Filmstart. Auch Ant-Man hat einen fancy Spezialanzug, der ihn schrumpfen und wachsen lässt, allerdings hat er auch schon einiges auf dem Kerbholz. Der inhaftierte Meisterdieb bekommt schließlich eine zweite Chance, um die Welt zu retten. Eines eint ihn mit all den anderen, sei es nun Pressefotograf Parker oder Tony Stark, der sich aus unbändigem Unternehmergeist ein milliardenschweres Unternehmen aufbaut – in allen Fällen schwingt ein wenig vom American Dream mit. Und das gefällt uns eigentlich immer.

#2 The Rocketeer: Sie verdreschen Nazis Wir lieben es, Helden dabei zuzusehen, Bösewichten kräftig in den Arsch zu treten. Das Bedürfnis nach der Darstellung von Gut und Böse ist groß. Klar formulierte moralische Werte und ein finaler Sieg des Helden über den Bösewicht – nichts macht uns glücklicher. Diese Formel funktioniert im Superheldenfilm besser als sonst wo. Abgesehen davon ist der Hype eines Superheldenfilms auch abhängig von der Qualität des Bösewichts, ob größenwahnsinniger Wissenschaftler,

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Halbgott oder Anarcho. Aber was könnte böser sein als Nazis? Auf unzählige Weise haben wir bereits dabei zugesehen, wie Nazis auf der Kinoleinwand zur Strecke gebracht wurden, sei es durch westliche Alliierte oder jüdische Söldner, ob sie nun gerade ein neues Reich hinter dem Mond aufgebaut haben oder zuvor als Untote aus dem Eis gestiegen sind. Natürlich muss es auch einen Superhelden geben, der ihnen das Leben schwer macht. The Rocketeer (1991) tut das inmitten des Hollywoods der 30er Jahre. Und das in einem Anzug, der ein wenig an Iron Man erinnert und auch dessen Features um kaum etwas nachsteht – bloß noch einen Tick eleganter. Tony Stark wäre blass vor Neid geworden. zuzieht, jedesmal, wenn er dem Bösen die Stirn zu bieten versucht. In »Super« geht es im selben Kinojahr noch eine Spur brutaler zu. Auch die Kostüme, unbestritten die auffälligste Stärke des Superheldenfilms, sehen tatsächlich so aus, als hätten sie Kick Ass, Hit Girl und Konsorten selbst zusammengeklaubt. Eigentlich so, wie zunächst auch bei Peter Parker, bevor dieser auf perfekt sitzenden Latex umgestiegen ist. Einen ähnlich tristen Alltagssuperhelden sehen wir auch in Michael Fuith im österreichischen Kurzfilm »Der Held« (2013). In »Chronicles« werden uns auf nicht weniger unangenehme Weise die Kehrseiten übermäßigen Machtgewinns vor Augen geführt. Hier tun sich moralische Dilemmas auf, die einem Captain America tiefe Falten auf die Stirn treiben würden. Aber keine Sorgen, 2015 sind die Vollbluthelden wieder voll im Kurs.

#3 Darkman: Sie sind schräg, düster, witzig Manche mögen sich gewundert haben, als »Evil Dead«-Mastermind Sam Raimi plötzlich in die Blockbuster-Liga eingestiegen ist, als er Anfang der Nuller-Jahre Spider-Man auf die Leinwand brachte. Dabei hatte der visionäre Raimi schon 1990 seine ersten Erfahrungen im Superhelden-Kino gemacht. In »Darkman« lässt er Liam Neeson von den Toten auferstehen, um einen irrsinnigen Rachefeldzug im Namen der Gerechtigkeit hinzulegen, der »Taken« bei aller Liebe alt aussehen lässt. Special Agent hin oder her, Superhelden sind einfach die besseren Hüter des Gesetzes, speziell, wenn sie sich an ihren eigenen Mördern rächen. Raimi gelingt hier ein besonders kurioser Charakter, womit er Neeson die Möglichkeit bietet, sich komplett gehen zu lassen. Dabei spielt auch Humor im Genre meist eine essentielle Rolle. Seien es nun Tony Starks Schenkelklopfer, Captain Americas übertriebener Ethos oder einfach schräge Protagonisten wie Darkman oder etwa auch Takashi Miikes Zebraman – ein gut platziertes Augenzwinkern ist die Königsdisziplin des Superheldenfilms.

#4 Kick Ass: Sie sind auch schwach So sehr wir das Heroische, Übersinnliche und Comichafte lieben, weil wir uns dadurch in Sicherheit wiegen können, so sehr fasziniert die Trendwende zum ungemütlichen Realismus, der, möglicherweise als Spätfolge der Torture Porn-Euphorie, mit dem Ende der Nuller-Jahre kurzzeitig eingekehrt ist. Da werden wir in »Kick Ass« (2010) plötzlich mit einem Superhelden konfrontiert, der keine nennenswerten Fähigkeiten hat und sich darum ziemlich schnell üble Verletzungen

#5 Batman: Sie sind wie wir sein wollen Am Kern angelangt: Der wohl umstrittenste Schritt vom Comic zur Verfilmung ist die richtige und damit die einzig richtige Besetzung. Als etwa bekannt wurde, dass der schmächtige Michael Keaton die Rolle des Batman in Tim Burtons Film spielen sollte, prasselten etwa 50.000 empörte Fanbriefe auf das Studio ein. Und auch wenn seit Nolans Erfolgsreihe Christian Bale das Maß aller Dinge ist, so bleibt Keaton 30 Jahre später immer noch legendär. Und wer weiß, wie »Birdman« heute aussehen würde, hätte es diese gewagte Besetzung damals nicht gegeben. Die Frage nach der Besetzung scheint nirgends so laut gestellt zu werden wie im Superheldenfilm. Tobey Maguire oder Andrew Garfield? Umso besser die Performance, desto schwerer das Erbe. Umso schlechter, desto größer die Hoffnung. Dieses Jahr wird gleich mit einem Film sowie einer Serie versucht, das Image von »Daredevil« nicht mehr nur auf Ben Afflecks umstrittene Darbietung zu reduzieren. Und gilt die Darbietung erst einmal als unübertreffbar – wir denken an Heath Ledger – muss die Figur neu interpretiert werden, um am Vergleich nicht brutal zu scheitern. Kritische Kommentare zu Jared Leto, der den Joker im für kommendes Jahr geplanten »Suicide Squad« spielen wird (Ben Affleck jetzt übrigens als Batman!), mehren sich schon vor dem ersten Trailer. Natürlich steckt in einer solch angespannten Erwartungshaltung auch immer Potenzial für eine neue Sensation. Und der nächste Hype ist damit schon wieder vorprogrammiert. »Avenger – Age Of Ultron« läuft bereits in den Kinos. »Ant-Man« startet am 23. Juli 2015. »Fantastic Four« ist für August angekündigt. 2016 werden »Deadpool«, »Batman vs. Superman«, »Captain America«, »X-Men«, »Teenage Mutant Ninja Turtles« und »Power Rangers« folgen. 041

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»Daredevil«-TV-Serie — Superhelden erobern nun auch das Fernsehen

Der Held, den wir verdienen »Daredevil« schlägt ungewohnt düstere Töne an. Warum die Serie damit kein echtes Wagnis eingeht und genau deshalb den Zahn der Zeit trifft.

Text lukas traber Bild netflix

Wenn heutzutage der Begriff Comic fällt, denkt niemand mehr an bunte Heftchen oder Zeitungsstrips mit Sprechblasen. Die Adaptionen von Comicvorlagen haben über die letzten Jahre so mannigfaltige Formen angenommen, dass sie sich heute kaum noch überblicken lassen. ComicBlockbuster machen Umsätze, die Oscar- und Autorenfilme niemals erreichen. Neben Dutzenden Filmreihen, Videospielserien und einigen skurrilen Musical-Projekten bekommt man maskierte Rächer und fliegende Übermenschen in ihren unterschiedlichsten Ausformungen mittlerweile auch vermehrt in Kunstgalerien auf der ganzen Welt zu sehen. Museen gibt es nicht nur in Brüssel, San Francisco, Hangzhou, London oder Krems. Im goldenen Zeitalter der TV-Serie finden Super- und Antihelden aus den verschiedensten Vorlagen natürlich auch hier immer öfter ein Zuhause. »Daredevil« aus der Multimedia-Schmiede Marvel ist das jüngste Beispiel eines Trends, die erzählerischen Möglichkeiten von TV und Videostream zu nutzen. Damit lässt sich einerseits an einer bereits bestehenden Fangemeinde andocken, andererseits wird dadurch der Begriff davon erweitert, welche Formen Superheldengeschichten in diesem Langzeitformat annehmen können. Von diversen CrossoverProjekten mit bereits bestehenden Blockbuster-Filmreihen einmal ganz zu schweigen. Die »Batman«-Trilogie war düster und näher an der Realität als die überzeichneten Adaptionen in den 90ern. Und sie waren enorm erfolgreich. Bei all der Flut neuer ComicVerfilmungen gab es auch viele, die mit psychologischem Tiefgang und hervorragenden Dialogen aufzeigten und damit bei High und Low Brow, also quer über die klassischen Lager hinweg, auf viel Gegenliebe stießen. Es gab klassische Superhelden, aber auch weniger klassische Helden in Strumpfhosen wie in »Kick Ass« oder »Watchmen«. Und darüber hinaus fanden natürlich auch andere Comic-Stoffe und atypische Vorlagen mit Filmen wie »Persepolis«, »Ghost World«, »Blue Is The Warmest Color« oder »History Of Violence« mehr oder weniger erfolgreich auf die Leinwand.

Dark Drama Parallel dazu gibt es auch bei TV-Shows, nicht zuletzt dank »Game Of Thrones«, eine Tendenz dazu, komplexe gesellschaftliche Themen mit dem Fantastischen zu verweben. Im Grunde kann man »Daredevil« als logische Konsequenz dieser Strömungen verstehen. Soll heißen: Man orientiert sich atmosphärisch stark an Filmen wie »The Dark Knight«, während man sich an die Regeln eines modernen TV-Dramas für Erwachsene hält. Was »Daredevil« von kürzlich angelaufenen ähnlichen Projekten wie NBCs »Gotham« oder Sonys

»Powers« aber unterscheidet, ist der Fokus auf die Glaubwürdigkeit der Welt und Charaktere. Action- und Effektspektakel stehen eher im Hintergrund, das Hauptaugenmerk liegt hier darauf, ein Drama mit moralischen Graustufen zu erzählen, das in eine durchdachte und großzügig angelegte Handlungsstruktur eingebettet ist. Die Ereignisse aus dem Megahit »The Avengers«, in dem ein Alien-Angriff einen Teil von New York in Trümmern legte, sind auch hier verankert, werden aber nur im Vorbeigehen als »The Incident« behandelt und als Plot-Treibstoff für eine Geschichte über Wiederaufbau, Immobilien und Korruption verwendet. Vom Casting über die Ausstattung bis hin zu aufwendigen Kampfchoreografien ist hier offensichtlich eine Menge Arbeit und Budget ins Projekt geflossen. So wurde etwa für die Regie der ersten beiden Episoden »Mad Men«- und »Sopranos«-Regisseur und Kameraveteran Phil Abraham engagiert und Paradepsychopath Vincent D’Onofrio (»Full Metal Jacket«, »The Cell«) als Daredevils Antagonist Wilson Fisk besetzt. Auch dass sich Atmosphäre und Umgangston stark mit dem kindgerechten Style von Marvels Sommer-Blockbustern schlägt, stört hier kaum, wenngleich mögliche Crossover-Begegnungen deshalb in der Zukunft für unfreiwillige Komik sorgen könnten.

Aus alt mach neu All das soll aber nicht heißen, dass »Daredevil« für jeden Comicserien-Fan nun das Maß aller Dinge darstellen wird, wenn auch die Internet-Reaktionen, nachdem die gesamte erste Staffel bei Netflix online ging, auf einen enormen Erfolg hindeuten. Die Show hat durchaus auch ihre Schwächen. Die wahrscheinlich größte hat sie dabei gerade dem Comic-Hype zu verdanken, der ihr auch den Nährboden gegeben hat. Hat man sich bereits eingehend mit Superheldenmythen auseinandergesetzt, wird einem so gut wie jede Szene aus »Daredevil« bereits bekannt vorkommen – und das nicht nur, weil eine direkte Vorlage existiert. Wieder geht es hier um einen verkleideten Rächer, der mit seinem unbeirrbaren Gerechtigkeitskompass versucht, seine Stadt von finsteren kriminellen Organisationen und durch dunkle Gassen flanierenden Gewaltverbrechern zu befreien. Bei dem Versuch, eine düstere und raue Atmosphäre zu schaffen, übernimmt sich die Serie manchmal und lässt weit mehr Blut fließen, als nötig wäre. Aber auch hier lässt die Vertriebsform Internet deutlich mehr Schockeffekte zu, als man früher TV-Sehern zugetraut hätte. Die Dialoge sind teils amüsant und haben Biss, zu einem guten Teil bewegen sie sich in der heutigen TV-Landschaft aber im Mittelfeld. Den einen oder anderen Ausrutscher, der einen dann kurz aus der pseudorealen, düsteren Atmosphäre reißt, gibt es auch.

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Trotzdem, »Daredevil« scheint eine Serie zu sein, die genau das erreicht, was sie will. Damit bleibt sie ihrer Vorlage größtenteils treu. Es ist eine auf allen Ebenen ausgetüftelte Show, mit der man gezielt versucht, die Zielgruppe für das stetig wachsende Marvel-Universum weiter auszubauen. Je nach der eigenen Einstellung zu Comicverfilmungen und modernen Dramaserien kann man die Show also als Schritt in die richtige Richtung verstehen. Wer heute noch am inhaltlichen oder künstlerischen Wert von Comics zweifelt, kennt solche Zeichnungen vermutlich nur aus dem Boulevard. Fest steht, dass in diesem Medium noch genügend Perlen auf ihre Entdeckung durchs Fernsehen oder Kino warten, wenn auch manche Comicschöpfer kritisch sind, wenn es darum geht, ihre Arbeiten in bewegten Bildern umzusetzen. Selbst wenn die bereits von Netflix und Marvel geplanten Nachfolgeserien »Luke Cage«, »Jessica Jones«, »Iron Fist« und »The Defenders« das Level von »Daredevil« nicht halten sollten, dürfte künftigen Serienumsetzungen origineller, düsterer und berührender Storys aus der Welt der Comics der Weg deutlich erleichtert worden sein. Superhelden haben den Alltag erobert. In einer Welt, die so vielschichtig ist wie die, in der wir leben, leisten sie das, wozu es echten Menschen oft an Kraft oder Mut fehlt. Dabei gibt es eine Menge Verletzte, Verbrechen und Explosionen. Sie sind unsere Version des antiken Heros, unser Achill oder Odysseus. Sie spielen uns Komödien und Dramen vor, gehen auf eine Odyssee, um sich selbst weiterzuentwickeln und auf diesem Weg etwas in uns zu verändern. Deshalb sind sie nicht nur im Kino so allgegenwärtig, sie sind wie geschaffen für das Serienformat. Unser jüngster Held, Daredevil, ist nicht bloß blind. Er ist blind wie die Gerechtigkeit selbst. Die gesamte erste Staffel von »Daredevil« ist seit 10. April auch in deutscher Sprachausgabe auf Netflix erhältlich.

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reddit — 10 Jahre Content-Revolution

Testüberschrift bitte ignorieren

Text stefan niederwieser Bild reddit

Weltnachrichten, Aww Pics, Super-Ironie, Obama oder Snowden ganz direkt Fragen stellen, Häusl-Humor – Reddit hat alles. Die Aufmacherseite des Internets zeigt seit zehn Jahren ihre Arschritze her. Reddit ist hässlich. Die Seite ist unübersichtlich. Eine Menge Text, quasi keine Bilder, dafür seltsame Zahlen und Pfeile, oben viel zu viele Kategorien und am Design hat sich wohl seit dem Start vor zehn Jahren nichts geändert. Reddit macht es einem nicht leicht. Die meisten Seiten sind heute übersichtlicher, besser strukturiert und eingelernt. Sehr viel an Reddit schreckt ab. Noch dazu sind Leute, die regelmäßig auf die Seite schauen, die Redditors, mitunter anstrengend und wirken so als wären sie bei einer Sekte – hast du das gesehen oder letztens hat der sieben Mal Gold für den Kommentar bekommen, voll arg und so. Aus all diesen Gründen kann man Reddit leicht ignorieren. Trotzdem hat die Seite heute 160 Millionen Besucher aus über 200 Ländern. Frontpage of the internet, so nennt sie sich selbst. Und Reddit ist wirklich gut darin, Inhalte zu filtern, damit es diesen Anspruch auch erfüllt. So wie bei Facebook, Twitter, Tumblr oder Instagram posten die Leute selbst Links, Bilder, Videos. Aber während dort jeweils eine Maschine entscheidet, was man zu sehen bekommt – also das, was die Freunde interessiert, die neuesten Posts oder der Zufall –, sind es hier ebenfalls die Leute selbst. Sie bestimmen mit Upund Downvotes, was andere sehen. Der kleine Carter mit der Banane, hier meine Stimme. Ein punktgenauer Tweet über Kanye Ich-Bin-EinHalbgott West, hier meine Stimme. Der Re-Post eines Re-Posts eines

crappy Bildes gegen Feminismus, Scheiße nein, weg damit. Warum nicht schon jedes Forum dieser Erde diesen Algorithmus übernommen hat, bleibt ein Rätsel. Youtube, Krone, derstandard, sie alle könnten damit angenehmere Orte werden, wenn man die Arschlöcher, die Trolle und die Halblustigen nur dann lesen muss, wenn man auch wirklich will und zuerst das serviert bekommt, was relevant ist. Auf Reddit klappt das. Und was, wenn ich keine Memes sehen will oder mich das, was sich andere unter der Dusche denken, nicht schert? Das geht auch. waterboarding at guantanamo bay sounds super rad if you don’t know that either of these things are. Subreddits helfen, die Seite zu organisieren. Die erfolgreichsten Subreddits heißen mittlerweile funny, AskReddit, pics, todayilearned und worldnews. Wenn mich etwas davon nicht interessiert, wird das Thema abbestellt. Oder es werden neue abonniert. Jeder kann neue Subreddits starten. Für manche dieser Subreddits ist die Seite weithin bekannt (siehe Kasten). Unter trees wird alles diskutiert, was mit dem Lieblingskraut des Reddit-Miteigentümers Snoop Dogg zu tun hat. Nottheonion sucht skurrile Nachrichten zusammen, die wie gefälscht wirken, aber wahr sind. BlackPeopleTwitter, ja eh. Und natürlich gibt es auch solche Bereiche zu Kunst, Gaming, Music oder zu Österreich. Man kann also grundsätzlich entscheiden, was man sehen will oder nicht. Man kann sich aber auch einfach darauf verlassen, was dieser Haufen Menschen

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glaubt, dass ich sehen sollte. Die Offenheit des Systems macht es aus, dass Reddit so viele große Themen und Nischen bedienen kann. Busen und brutale Bürgerkriegsbilder gibt es auch. Die Geschichte von Reddit hat wie bei so vielen Plattformen, auf denen wir uns heute rumtreiben – Facebook, Youtube, Twitter –, vor zehn Jahren begonnen. Sie ist natürlich auch eine über die Kraft neuer Medien. Co-Gründer Alexis Ohanian hat immer wieder die Geschichte seiner Mutter erzählt, der im ersten Reddit-Jahr ein Hirntumor diagnostiziert wurde, was ihn dabei antrieb, mit der Seite etwas erreichen zu wollen. Der erste Traffic, der mit Fake-Accounts von den Gründern selbst vorgetäuscht wurde, all das wurde oft geschrieben und lässt sich leicht nachlesen. Die Bedeutung von Reddit macht heute etwas anderes aus. reddit grätscht ins leben zurück. Denn manchmal passieren die seltsamsten Dinge. Menschen treffen sich nach Jahren über Reddit wieder. Arnold baut aus dem Nichts kommend mit einem Kommentar einen demoralisierten Sportler auf. Ein Vater spielt erstmals »World Of Warcraft«, um das Leben seines verstorbenen Sohns besser kennenzulernen und wird mit Unterstützung überschüttet. Edward Snowden antwortet auf eine Frage nach den nächsten US-Präsidentenwahlen mit einem spontanen Manifest zu politischem Engagement überhaupt. Oder echte Spenden und echte Gesetzgebung. Präsident Obama bedankte sich am Ende, dass Reddit sich so erfolgreich für ein offenes Internet einsetzte, das jedem gleichermaßen offen steht, in dem man nicht für schnelleren Zugang zum Netz bezahlen muss. Es sind diese einzelnen Geschichten, von denen Reddit lebt. Die Community dort besteht allerdings nicht per se aus besseren Menschen. Am 15. April 2013 explodieren beim Boston Marathon zwei Bomben, drei Menschen sterben, 264 werden verletzt. Insbesondere auf Reddit beginnt eine Menschenjagd, mehrere Personen werden falsch beschuldigt, darunter Sunil Tripathi. Acht Tage später wird seine Leiche aus einem Fluss gezogen, der 22-Jährige hatte sich umgebracht. Nicht immer sind die Folgen so dramatisch. Sternstunden waren die Veröffentlichungen von Nacktfotos vieler Stars, das #Celebgate, oder erotischer Fotos von Minderjährigen sicher auch nicht. Rassismus und Frauenfeindlichkeit waren und sind immer wieder ein Problem auf Reddit. Aber während die Seite sich lange mit dem Recht freier Meinungsäußerung verteidigte, versucht man nun vieles davon aktiv zu besser zu machen oder zu bekämpfen. wenn du lieber auf reddit bist als auf facebook, beschäftigst du dich lieber mit interessen von fremden als mit denen deiner freunde. Klarnamen wird es dort aber nie geben. Persönliche Informationen sind verboten und führen zur Sperrung. Das führt nun ausgerechnet dazu, dass Leute oft ehrlichere und intimere Antworten geben als auf einer Seite, auf der man vielleicht auf seinen Ruf achten sollte. Reddit wurde deshalb schon als das größte anonyme soziale Netzwerk der Welt bezeichnet. Wie so oft geht es dabei vordergründig um wenig, außer eine naise Zeit oder Ablenkung. Die Stärke von Reddit liegt aber darin, die Inhalte zu zeigen, die außerhalb der eigenen Blase passieren, irgendwo auf dem Planeten, seien sie nun dumm, weltbewegend, erschütternd oder auch nur mildly interesting. News werden dort oft sehr früh gepostet. Recht häufig kommt es vor, dass Inhalte kurz später in der eigenen sozialen Blase landen – »already read it«, daher auch der Name – oder von anderen Medien übernommen werden – »derstandard huffingtonpost undvieleandere«. Kleinere Websites brechen immer wieder zusammen, wenn einer ihrer Artikel über Reddit Millionen Menschen erreicht. Manchmal schafft es auch etwas aus Österreich auf die Startseite des Internets. Die parlamentarische Anerkennung des Genozids an den Armeniern, der kitschige Ausblick aus einem Hotelzimmer, die arge Bühne der Bregenzer Festspiele oder ein Foto von mehreren Schnitzeln am Schwert in einem Wiener Restaurant – Reddit bündelt diese Bilder und Links aus allen Ecken der Welt, die Redditoren entscheiden selbst, was sie sehen. Eine neutrale Sicht gibt es dabei natürlich nicht, auch Reddit färbt ein, hat seine Lieblinge und Schwächen. Aber es hört nie auf, einen zu überraschen. Und regelmäßig treibt es einem Tränen in die Augen oder man erwischt sich dabei, wie man alleine vor dem Computer minutenlang grinst.

Fotos aus Syrien, die man sonst nie sehen würde, ein Bild von The Onion als Zeichen religiöser Toleranz, ein Archivbild eines russischen Forschers – Reddit lebt auch von seinen Bildern.

7 einzigartige Subreddits IAMA — I Am A Mensch mit zwei Penissen, Barack Obama, Bill Gates, Arnold, eine syrische Bewohnerin eines Flüchtlingscamps, Bill Murray, Peter Dinklage. Sie alle kamen, damit sie anything geaskt werden. atheism — Bis 2013 war man als neuer User automatisch atheistisch abonniert. Der Ruf, Reddit wäre ein Tummelplatz für Atheisten und Agnostiker, kommt aus dieser Zeit. Mehrfach wurden zehntausende Dollar für gute Zwecke gespendet. Dann ging es mit all den Memes und der stumpfen Polemik abwärts und Reddit zeigte, dass es auch eingreift. WTF!? — Auch das ist Reddit heute. Bilder, Bilder, Bilder für die Zeit zwischen Vorlesungen, Meetings, Mailschreiben oder auch während alldem. Showerthoughts — Wenn du Alkohol trinkst, borgst du nur Glück von Morgen. Solche Gedanken, die nur unter der Dusche kommen, haben ja sonst keinen Platz im Internet. EarthPorn — Das Wort Porn lässt sich hinter fast alles setzen, wie man von Ruin Porn, Food Porn, Social Porn oder Justice Porn weiß. Earth Porn, menschenlose Bilder von Mutter Naturs geilsten Stücken, war damit sehr früh dran. AskHistorians — Einer von mehreren Subreddits, der für seine rigorosen Regeln und selbstherrliches Auftreten der Moderatoren bekannt ist. Die geschichtlichen Antworten sind dafür auch akkurat. todayilearned — Die elegante Variante von Unnützes Wissen. Von einem Mann, der mit Blutspenden zwei Millionen Leben gerettet hat. Über den größten Konzern aller Zeiten, der Niederländischen Ostindien-Kompanie. Bis zum Ticketpreis eines TED-Talks. Jeden Tag ich lerne. 045

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Nina Prader — Zines und Cupcakes in der Kunst

»Flüchtig wie ein Abschiedskuss«

INTERVIEW Carola Fuchs Bild Nina Prader

Nina Prader bewegt sich an den Schnittstellen von Pop-Feminismus und bildender Kunst. Ein Interview über ihr Interesse an Zines, Cupcakes und deren politisches Potenzial.

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Ein Cupcake-Laden, der keiner ist, Pop-up-Stores als kulturelles, ökonomisches und soziales Phänomen, das Zine als Medium des Widerspruchs – Nina Praders Arbeiten, Mittel und Einflüsse sind vielfältig. Dabei spielt die amerikanisch-österreichische Künstlerin, die in Boston, London und Wien studiert hat, gerne mit Stereotypen – etwa mit dem der backenden Hausfrau – und bringt Ernstes und Absurdes rund um das Thema Ideologie zur Sprache. Oder sie bastelt eben Zines, jene selbstgemachten, vielseitig einsetzbaren Büchlein, die beispielsweise für die Riot-Grrrl-Bewegung der 90er Jahre ein wichtiges Ausdrucksmittel waren. Von Hand gefertigt und weitergegeben, haben Zines vor allem für marginalisierte Gruppen stets eine wichtige Rolle gespielt. Auch wenn diese längst bei Blogs und Social Media liegt, werden Zines seit einiger Zeit auch vermehrt von Digital Natives geschätzt – als vergängliche Gegenposition zur Unkontrollierbarkeit, Endlosigkeit und Omnipräsenz des Webs. Als kleine Geschwister der Mainstream-Medien bieten sie Raum für subversive Texte, kreative Experimente oder einfachere Freuden wie das aktuelle Lieblingsrezept. Wann und wie bist du auf die Idee gekommen, mit Zines zu arbeiten? Zines sind mir gewissermaßen passiert, das Format hat sich dann immer wieder als Möglichkeit erwiesen, meine Themen auf ehrlichste Art und Weise zu vermitteln. In Allston, einer Nachbarschaft in Boston, wo großteils Hipster, Do-It-Yourselfers und Crusty-Punks leben und viele Underground-Konzerte stattfinden, bin ich während meines Studiums mit dem Begriff Zine und der amerikanischen DIY-Kultur in Kontakt gekommen. In einem Workshop habe ich zum ersten Mal ein Zine gebastelt. Aus einem Blatt wurde ein achtseitiges Büchlein gefaltet. Plötzlich war alles möglich – jedes Bild, jeder Text hatte das Potenzial, zur Publikation zu werden. Die inhaltlichen Möglichkeiten schienen unendlich, man konnte viele Genres damit verknüpfen. Als ich mich 2011 im Zuge eines Auslandssemesters in London aufhielt, waren dort gerade die Proteste der Studierenden wegen der Erhöhung der Studiengebühren brennendes Thema. Der Protestgeist und die Flyer waren für mich unglaublich inspirierend. Und sich dann täglich in dieser überstimulierenden Millionenstadt durchzuschlagen – wo sich die Frage stellt: Wie kann man überhaupt irgendjemanden erreichen? Da schien dieses Medium eine Möglichkeit zu sein, die Stadt behutsam zu infiltrieren. Dort habe ich mein erstes richtiges Zine »The Little Doubters: Children Of A New Generation« geschrieben, gezeichnet, gedruckt und produziert. Das war noch bevor Millennial zu einem solchen Schlagwort wurde. In London hat auch mein »Cupcake Rant« begonnen. Ich habe versucht, das Phänomen Cupcake zu dokumentieren. Mir sind die unzähligen rosa Läden aufgefallen. Vor allem Frauen und Kinder schienen deren Zielgruppe zu sein. Diese Küchlein sind Träger für die absurdesten Politiken – von emanzipiert bis stofflich. Sie symbolisieren ein Paradoxon: Einerseits lässt ihre Größe auf eine Sparpolitik in Zeiten der Krise schließen, andererseits stehen sie aber auch für die Dekadenz der Konsumgesellschaft. Mein falscher Cupcake-Laden The Front, das Schaufenster von Miss Baltazar’s Laboratory, einem feministischen Hacker-Space in Wien, hat die Leute zwar von außen mit einer Cupcake-Fassade angelockt, statt Kaffeeklatsch gab es drinnen aber Arduino- (eine aus Soft- und Hardware bestehende Physical-ComputingPlattform; Anm. d. Red.) und Zine-Workshops. Was ist für dich das Besondere am Medium Zine? Haben Zines deiner Meinung nach ein politisches Potenzial? Auf jeden Fall! Zines stehen für mich vor allem für ein vertretbares, kreatives, selbstverantwortliches Wertesystem, eine Art »Tao Of Zine«: schaffen, drucken, verteilen. Mich fasziniert wie ephemer, analog, nomadisch und zugleich direkt dieses Medium ist. Im Prinzip kann ein Zine alles sein – von einem Flugblatt bis zu einem Kunstbuch, von trashy bis classy, je nachdem, was eine Idee braucht. Hauptsache im Eigenverlag produziert. Und erst die inhaltliche Bandbreite: politisches Manifest, Anleitungspamphlet, Geheimnis, Collage bis hin zur Kurzgeschichte. Persönlich, informativ, im Kollektiv oder alleine, vorlesen oder für sich behalten, es annehmen oder ablehnen – Zines können sehr frei und an den unterschiedlichsten Orten genutzt werden. Und das jeweilige Format, seine Haptik unterstreicht den Inhalt.

Ich mag, dass ein Zine erst einmal sehr schüchtern und leise wirkt, es ist aber eigentlich ein sprachliches Megafon. Das Format existiert schon sehr lange, bereits die Suffragetten haben es verwendet, um auf friedliche Art für Frauenrechte zu kämpfen. Aber auch die Flugblätter der Weißen Rose, einer von Studierenden in der NS-Zeit betriebene Widerstandsgruppe aus München, können meiner Meinung nach als Zines gelten. Abgesehen von der oftmals politischen Intention eines Zines ist die Art, wie du es an dein Publikum verteilst, bereits eine Geste. Es ist oft eine Einladung zur Kommunikation, manchmal sogar zur Freundschaft. Vor allem auf Zine Fairs ist es auch ein Tauschmittel. Jede und jeder kann ein Zine machen. Bestenfalls systemkritisch unterwandernd oder auch einfach nur lustig. Es ist ein sehr intimes Medium, aber ein sehr weitläufiges und als solches nicht an einen Ausstellungsraum gebunden. Kannst du etwas über die Zine-Kultur im Allgemeinen sagen? Zine-Kultur versucht Informationen zu transportieren, zu verbreiten und zu teilen. Individuelle Selbstermächtigung und Gemeinschaft sind Bestandteil der Philosophie. Das Werkzeug ist sehr basic: Papier, Text und Bild, Drucker. Die Produktion zielt auf Distribution anstatt Profit. It’s about sharing and spreading the word! Zines geben Einsicht in Parallelwelten, schaffen ihre eigenen Kulturorte im Untergrund, gegen den Mainstream. Besonders für die Riot-Grrrl-Bewegung in den 90er Jahren waren Zines ein Mittel, um Konzerte zu promoten, um Grrrls Raum zu geben und ihnen Autorinnenschaft zu ermöglichen, in einer Gesellschaft, die ihnen das nicht zugestand. In Wien ist die Szene relativ klein und auch die Definition breiter anzulegen. Es gibt so viele Subkulturen, die dieses Medium einsetzen – von links bis Hipster. Das Transformer ist zum Beispiel ein Ort, der für Zine-Kultur in Wien als Drehscheibe fungiert. Die Kunstwelt beginnt auch, das Format wahrzunehmen. 2013 habe ich im 21er Haus im Rahmen der Ausstellung »Busy / Keine Zeit« das Zine »Struwwelliese: Burn-Out Revolution« verteilt. Als Künstlerin verfolgst du einen sehr interdisziplinären Zugang. Wie würdest du deine Arbeit umschreiben? Meine Kunstpraxis ist projektbasiert und greift zurzeit hauptsächlich zu Text und Bild. All meine Projekte beinhalten nomadische Aspekte wie zum Beispiel mein wandernder falscher Cupcake-Laden, den ich als 3D-Zine begreife. Sie lassen sich meist leicht transportieren, auf- und abbauen, verteilen. Sie sind nicht an einen Ort gebunden, aber ortsbezogen. Sie sind oft aus Pappe oder Papier und temporär. Wie ein Puzzle setzen sie sich meist aus Fragmenten zusammen. Zines sind für mich ein Kommunikationsmittel, um gewisse Grauzonen zu thematisieren oder Momente einzufangen. Es geht mir darum, Leute zum Zweifeln anzuregen. Momentan beschäftigen mich besonders die gegenwärtige Gedenkkultur, alternative Kinderbücher und feministische Dystopien. An der Universität Salzburg gibt es sogar ein Archiv für Zines. Wie wichtig ist die Archivierung von Zines für dich? Es gibt zwar viele Archive, Läden und Internetplattformen, die sich bemühen, eine Art überdauernde Ordnung herzustellen, es ist aber etwas schwierig, den Überblick zu behalten, weil es so viele Sammlungen gibt. Oder vielleicht ist gerade das Chaos das Spannende daran. Zines lassen sich sehr leicht in Umlauf bringen, aber die Archivierung ist schwierig – wo diese Büchlein schlussendlich landen, ist kaum nachvollziehbar. Es kommt zu wilden Archiven. Mittlerweile hält dieses alternative Format auch Einzug in Uni-Bibliotheken. Und wo kann man deine Zines finden? Meine Zines sind in der Zine-Sammlung der W. Van Alan Clark Jr. Library in Boston zu finden. Sie sind bei Atomic Books in Baltimore erhältlich, im Transformer und auf Zine Fairs in Wien, Berlin und Helsinki. Oder frag mich einfach persönlich danach! Dieses Medium ist flüchtig wie ein Abschiedskuss.

Näheres zu Nina Prader unter www.littledoubter.tumblr.com und www.cargocollective.com/ninaprader. Über den im Interview angesprochenen feministischen Hacker-Space können sich Interessierte unter www.mzbaltazarslaboratory.org informieren, über Transformer, einen Umschlagplatz für Zines, unter www.transformermusic.at. 047

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Christian Futscher – »Frau Grete und der Hang zum Schönen« — Eine Wiener Lebensgeschichte

Da rennt der Schmäh 048

Text manfred gram Bild Katharina RoSSboth

In »Frau Grete und der Hang zum Schönen« schreibt Christian Futscher das bewegte Leben einer ganz normalen Wienerin auf. Oral History trifft Beisl-Schmäh. Auf der Wegstrecke zwischen Tisch und Bar, dort die Lebensgeschichte von Frau Grete überarbeiten ließ. Man hat es mit wo der Boden mit Bierschaum und Spritzer-Spritzer »Frau Grete und der Hang zum Schönen« nämlich mit einem äußerst gepflastert ist, findet sich viel Wahrhaftiges. Man ungewöhnlichem Oral History-Dokument zu tun. Denn die Wienerin muss nur hinschauen und zuhören. Ein Autor wie Grete Seifert, Jahrgang 1928, die hier ihr Leben und ihre Sicht darauf Christian Futscher weiß das. Der 55-jährige gebürtige ausbreitet, hat Zeitgeschichte miterlebt, wurde von ihr geprägt, ohne, Vorarlberger hatte jahrelang in der Wiener Josefstadt dass die äußeren Umstände wie Bürgerkrieg, Austrofaschismus, Nazieinen Stadtheurigen gepachtet und dort einiges an Weisheiten von Zeit, Besatzungszeit und schließlich der Wirtschaftsaufschwung allzu heiligen, seligen und unglücklichen Trinkern aufgeschnappt. Vieles in den Vordergrund ihrer Erzählungen rücken. Sie sind da, wenn es davon drehte er durch die eigene Mangel und bannt es in Lyrik, kurze nötig wird, brechen sie durch. Aber in erster Linie erzählt die RentneAnekdoten oder Aphorismen. Erbaulich, erheiternd und nicht selten rin ihr Leben. Schnell und unverblümt. Nicht selten auch mit Derbheit sehr skurril sind die Geschichten und Dramen, die er zu Papier bringt. – aber immer mit dem Charme harter Herzlichkeit. »In Wien persönlich Aber noch wichtiger: Futscher hat im Heurigen auch die Frau Grete stört mich überhaupt nichts, zeitweise die Leute, aber die musst du kennengelernt. Und zwar schon Ende der 1990er Jahre. Frau Grete ist nehmen, wie sie sind.« Ohne Selbstmitleid und Jammern erzählt also eine rüstige Rentnerin, die fesselnd erzählen kann und der ständig die Frau Grete. Von ihrer alleinerziehenden Mutter, die sechs Kinder mit »Pappalatur« geht und als sie erfährt, dass ihr Kellner ein Schriftsteller einem Blumenladen über Wasser hält und einer harten Kindheit, die ist, gibt es für die direkte Dame kein Halten mehr. Er solle doch ihre kurzzeitig auch zu Pflegefamilien führte. Von ihrer Jugend im Krieg, Geschichten notieren und ein Buch daraus machen. »Das hatte ich vom Lieblingsbruder, der das KZ überlebte, ihrem ersten Mann, ihohnehin vor«, erzählt Futscher, »denn Sprüche und Aussagen von Frau rem Sohn, ihrem zweiten Mann, ihrer Arbeit als Hotelfachfrau und Grete habe ich mir oft notiert.« Futscher trifft sich also mit der alten als Schuhverkäuferin. Frau Grete geht mit ihren Mitmenschen – wenn Dame bei ihr zu Hause und sie erzählt dem Schreiber aus ihrem Leben. es sein muss – hart ins Gericht, schleudert beim Erzählen ErkenntEin Langzeitprojekt. »Es uferte aus, ich hatte Berge an Material und nisse und Einsichten in die Welt und springt dabei durch Zeit und rang mit mir, es in eine Form zu bringen, die Frau Grete gerecht wird«, Raum. Das macht es authentisch. Was und wie viele der Erinnerungen erinnert sich Futscher. Es dauerte jedenfalls lang und auch die Port- stimmen, vielleicht schön gefärbt wurden, bleibt dahingestellt. Ein rätierte wurde ein wenig ungeduldig. »Sie schimpfte mich eine ›faule liebevolles, literarisches Denkmal, das in seinen besten Momenten Sau‹, weil nichts weiterging«, merkt Futscher an, der sich schließlich Ur-Wienertum vergangener Epochen einfängt, ist es trotzdem. Dabei ein Herz fasste und sich eine Deadline setzte. »Zum 80. Geburtstag liegt irgendwo zwischen dem Lieben Augustin, dem durchwurschtelnsollte alles fertig sein.« Wurde es auch. Im Eigenverlag erschien für die den, opportunistischen Herrn Karl von Qualtinger / Merz und Torbergs betagte Jubilarin Frau Grete endlich das Buch über ihr Leben. Erzählt Tante Jolesch eine höhere Wahrheit. von ihr, aufgezeichnet von »Herrn Christian«. Das war 2008. Ein Konvolut, zu schade, um lediglich einem eingefleischten, engen »Frau Grete und der Hang zum Schönen« von Christian Futscher Kreis bekannt zu sein. Das fand auch der Czernin Verlag, der Futscher ist 2015 im Czernin Verlag erschienen. 048

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www.ebswien.at/e_os

Scheiße sagt man nicht!

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Ab 2020 erzeugt die Hauptkläranlage Wien aus dem Klärschlamm von 1,8 Mio. WienerInnen Ökostrom.

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Die Hauptkläranlage Wien sagt dazu Biomasse.

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Margit Mössmer – Die Sprachlosigkeit der Fische

Vor ihr war die Welt unbewohnt Wenn dieses völlig abgedrehte, fantastisch-realistische Buch selbst noch kein Meisterwerk ist, dann zumindest die deutliche Ankündigung eines solchen.

Gib der Wassernymphe deine Schuhe Aus seiner Asche, so steht das zumindest in einigen der bisherigen Kritiken, erhob sich die Hollabrunnerin Margit Mössmer, die mit ihrem Debüt »Die Sprachlosigkeit der Fische« den magischen Realismus wieder von des Todes Schippe schubste und uns Gerda schenkte. Letztere ist eine Art unheilbare Reisende, ein Hybridwesen aus Mary Poppins und einer erwachsen gewordenen Astrid Lindgren-Figur. Sie zieht durch die kleine und die große Welt, von Bad Aussee nach Lateinamerika, nach Rom, London und Klosterneuburg und erlebt skurrile Dinge mit interessanten Menschen und Tieren. Gerda ist trotz ihres leicht altmodischen Namens eine sehr moderne Heldin, die mit feurigen Toreros schläft, die Kunst innig liebt und für die Langeweile ein Fremdwort, ja sogar beinahe ein Schimpfwort ist. Sie weiß aber auch, wann es Zeit ist, sich zu ergeben und der eben aus dem See aufgetauchten, salzverkrusteten Wassernymphe ihre Schuhe zu überlassen, wenn diese nach denselben verlangt. Fast erwartet man, dass sie gleich sagt: »Ich hasse es, wenn das passiert«, so logisch erscheint die Szene.

Wenn die Dinge aus dem Gleichgewicht kommen Das Schöne am magischen Realismus ist, dass er viel mit Disruption zu tun hat. Dieses Lieblingswort des Silicon Valley bedeutet so viel wie Störung eines bisherigen Prozesses, eine Transformation im Denken und Benehmen, irgendeine Idee eben, die alles verändert. Disruptive Ereignisse sind die Substanz von Gerdas Abenteuern, denn so mancher, dem sie begegnet, fällt gerade der Länge nach über eine unerwartete Zäsur in seinem Leben. Der vormals unbesiegbare Torero-Sexgott etwa trifft vor Gerdas Augen auf seinen stiergestaltigen Meister, was — um nicht zu viel zu verraten — nur mittelgut für ihn ausgeht. Überhaupt scheint Mössmers Heldin eine besondere Gabe dafür zu haben, Menschen genau in dem entscheidenden Moment zu begegnen, in dem irgendeine Winzigkeit bei ihnen schiefläuft oder zufällig glückt. Die Geschichten haben etwas von Improvisationstheater, in dem jede kleine Veränderung unweigerlich zu einem völlig anderen Ausgang führt. Gleichzeitig gibt es Szenen, in denen die Disruption so lustvoll gefeiert wird, dass sie eigentlich Lehrbuchbeispiele dafür sein müssten. Da ist zum Beispiel die Sache mit der Frau, die einen Stein durch ihre Fensterscheibe auf die Straße wirft und der entsetzten Gerda erklärt, dass der Stein eine Chance ist, Wirkung zu erzielen. Klar, dass man da sofort mehr Steine braucht und sich schleunigst erhebt, um einen Vorschlaghammer zu holen. Mössmers ganzes Buch kreischt geradezu: Rechtfertige dich, reale Welt! Wer hat dir erlaubt, hier die Normen zu setzen?

Wir müssen immer weiter ausbrechen »Die Sprachlosigkeit der Fische« ist eine Art Ausbruchsversuch und Gerda ein Alter Ego, das alles tun kann, was wir als unziemlich kennen. Sie kann sich unerwarteten Leidenschaftsausbrüchen hingeben, Fremde anbrüllen, in mittelmäßigen Burlesque-Shows mitspielen und sie reist relativ sorglos, wohin der Weg eben führt. Gerda ist die personifizierte Aufforderung zum Eskapismus. Margit Mössmer selbst lebt schon ziemlich lange mit ihrer wilden Heldin zusammen, was wahrscheinlich nicht immer einfach war. Schon als Mössmer noch Redakteurin beim österreichischen Jugendmagazin FM5 war, forderte Gerda ihren Platz in den Artikeln ihrer Schöpferin. Genauso würde man als Leser dieses Buches nun gerne verlangen, dass man darin auch mitspielen darf, sich selbst in die Geschichte einladen und dann irgendwo zwischen den Kapiteln darauf warten, von Gerda entdeckt zu werden. Natürlich lebte man in diesem Fall in einer Welt, in der man ständig und von jedem Ding, Tier oder Menschen um einen herum bei lebendigem Leibe gefressen werden kann, denn bei Mössmer bedeutet am Leben zu sein auch ständige Gefahr.

Seid nicht albern! »Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen«, sagte Goethe. Quatsch, Johann! Wo man mit Gerda war, dort war man auch ziemlich wirklich. Mössmers Buch ist eine Collage aus Erinnerungen an eine Welt, in der Realität nicht nur das umfasst, was tatsächlich passiert, sondern auch das Unmögliche dazugehört. Das schmale Büchlein ist also nicht nur, aber schon auch ein Reisebuch, denn ehe Gerda begann sie zu benutzen, war diese Welt eine unbewohnte. Bevor noch irgendjemand diesen Unsinn wiederholt, soll eine Sache gesagt werden: Margit Mössmer ist nicht der österreichische García Márquez, seid nicht albern! Doch auch ohne Vergleiche mit diesem Meister der lateinamerikanischen Literatur kann man ahnen, dass hier etwas Großes passiert. Mössmer hat Witz, Fantasie, eine geradezu isotonische Beziehung zu Sprache und wenn sie schildert, wie Gerda von einem majestätisch anmutenden und schauerlich stöhnenden Riesenhasen als Geisel genommen wird, stockt einem schon kurz einmal der Atem. Gleichzeitig liest sich ihre scheinbar trivialisierende Erzählung vom Tod eines Försters bei Waldarbeiten ein wenig wie ein Bühnentod in der Oper. Wenn dieses völlig abgedrehte Buch selbst auch noch kein Meisterwerk ist, so scheint es zumindest eine deutliche Ankündigung eines solchen zu sein. Nur wenigen Autoren gelingt es, Wahnsinn und Skurrilität vernünftig zu dosieren und jedes Jahr scheitern erneut welche daran. Ein Buch darf nicht zu absichtlich verrückt sein wollen, sonst funktioniert es nicht. Margit Mössmers geniale Hintertür zu diesem Problem ist die starke Persönlichkeit Gerdas. Was kann eine Autorin schon für die Abenteuer ihrer Hauptfigur, wenn diese sich erst einmal losgerissen hat, um lebendig zu werden? Margit Mössmer, 1982 in Hollabrunn geboren, lebt und arbeitet in Wien. Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft sowie der Hispanistik. Redakteurin und Ressortleiterin beim Freien Magazin FM5. Seit 2007 arbeitet sie im Quartier21 im Museumsquartier Wien. 2010 wurden Texte aus »Die Sprachlosigkeit der Fische« beim Ö1 Literaturwettbewerb Wörter.See prämiert und mit Burgschauspielerin Dorothee Hartinger vertont. Das Buch ist soeben bei Edition A erschienen.

Text Teresa Reiter Bild Edition Atelier

Magischer Realismus, das muss man vielleicht kurz erklären, ist eine künstlerische Strömung, bei der die Grenzen zwischen dem real Erfahrbaren und dem wahnwitzig Unwahrscheinlichen zerbröselt werden. Plötzlich geschehen zauberhafte Dinge und magische Wesen sitzen an der Bushaltestelle ganz selbstverständlich neben einem, ohne dass sich großartig jemand fragt, wieso eigentlich. Einer der wichtigsten Vertreter, beziehungsweise der einzige Vertreter, den der Mainstream kennt, war der kolumbianische Schriftsteller Gabriel García Márquez, mit dessen Dahinscheiden letztes Jahr überdramatische Feuilletonisten auf der ganzen Welt auch den magischen Realismus für ebenso tot erklärten.

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Moderne und alte Planstädte Vom Plattenbau zur Smart City

Hast du ’n Plan, Stadt? Plattenbau, Smart City, Ubiquitous City – Planstädte sind bei ihrer Entstehung immer moderne Fremdkörper, doch nicht alle müssen es auch bleiben. Würdest du nicht an einem Ort leben wollen, wo Hochhäuser den Smog absorbieren, alles perfekt vernetzt ist, die nächste Grünfläche trotzdem nur einen Steinwurf entfernt ist und das alles so modern und nachhaltig wie nie zuvor? Irgendwo zwischen lebendem Zukunftslabor, Orwell’scher Utopie und gesichtslosen Plattenbauten sind Planstädte (engl. New Towns) vor allem eines: Problemlösungen vom Reißbrett, und zwar im Großformat. Denn manchmal versagen Menschen, wenn es darum geht, sich und ihre Städte zu organisieren. Immer wieder werden deshalb ganze Stadtteile und Städte am Reißbrett entworfen. Im Gegensatz zu »natürlich« (bottomup) gewachsenen Städten sollen Problemzonen wie Verkehr und Versorgung durch ganzheitliche Planung »von oben« (top-down) bekämpft werden, bevor sie überhaupt entstehen können. Von der modernen »Smart City« Songdo bis zum 900 Jahre alten Wr. Neustadt teilen sich Planstädte die Maxime des Pragmatismus. Mit ganz unterschiedlichen Resultaten. Und Städte explodieren ja, Energie wird immer kostbarer, in Europa und auf der Welt. Selbst in Österreich ist Wien in den letzten zehn Jahren um die Größe von Graz gewachsen. Bis 2030 sollen noch einmal so viele Bewohner dazukommen. Es besteht längst Handlungsbedarf. Milliarden von Menschen leben und pendeln weltweit in Ballungsräumen, die unter der Versorgungslast, der Verschmutzung und dem Energiebedarf in die Knie gehen.

Halle-Neustadt – Oh Tristessa! Zugegeben, aus heutiger Sicht hatte es »Ha-Neu« niemals leicht: konzipiert als pragmatische Chemiestadt der DDR, sollte Halle vor allem Platz zum Leben und Wohnen für Arbeiter schaffen. Anfang der 60er geplant und bis 64 realisiert, wurde Halle-Neustadt die größte Planstadt Deutschlands und Stigma für sämtliche Kritik am Plattenbau der DDR. Mit Nummern statt Straßennamen und zwar begrünten aber endlos scheinenden Blöcken (»Scheibe«) war Ha-Neu nicht entworfen um geliebt zu werden, sondern um eine Funktion zu erfüllen. Heute dient die Stadt gerne als Kulisse, um Tristesse und Monotonie der ehemaligen DDR einzufangen. Obwohl der Ästhetik der Platte eine eigene Schönheit abzuringen ist, steht die Hälfte der Wohnungen in Ha-Neu inzwischen leer.

Technokratie ohne Seele Text Stefan Schallert Bild Fleetham, Uri Rosenheck, 720 COLLABORATIVE

Vom Büro aus per Smartphone seine Pflanzen zu bewässern, Müll, der sich von selbst abtransportiert und Wolkenkratzer die »atmen« sind wahrgewordene Science-Fiction-Szenarien. Smart Citys sind auch immer technologische Baukästen, in denen neue Konzepte umgesetzt und erprobt werden können. Was sich aber in der Theorie vielversprechend liest, scheitert oft an der Realität, wie es beispielsweise in Halle-Neustadt der Fall war. Die größte deutsche Planstadt hat in ihrer kurzen 50-jährigen Geschichte bereits die Hälfte ihrer Bewohner verloren. Wo Anfang der 60er eine Vision der Moderne entstand, steht heute Tristesse in plattengrau. Die Seele einer Stadt ließe sich nicht in Menschenströmen messen, oder an Hand von Zahlen ablesen, sondern muss wachsen und entstehen. Unordnung sei das Salz einer Stadt, so Daniel Kaplan, CEO des französischen Think-Tank Fing, und wo diese nicht herrsche, entstehe schlicht Langeweile und doch hat das Prinzip Planstadt vielerorts funktioniert. Was Songdo, Halle-Neustadt und Brasília gemeinsam haben, ist die Vision eines Zeitgeists zu sein, eine moderne Idee, auch wenn die Geschichte anderes lehrt. Planstädte sind immer auch ein Blick in eine Zukunft von gestern und egal ob gerade im Entstehen oder bereits hunderte Jahre alt, auch immer Smart Citys.

Songdo City – Ubiquitious 1984 Anders als Halle-Neustadt ist das südkoreanische PrestigeProjekt Songdo International Business District (SIBD), kurz Songdo, nicht zur pragmatischen Alternative für die Mittelschicht, sondern mit babylonischem Ehrgeiz geplant: Lebensund Arbeitswelt tausender Bewohner treffen harmonisch begrünt auf Businesskomplexe und futuristische Technik. Im Zentrum stehen dabei Ströme aus Menschen und Daten. Am südlichen Stadtrand Seouls wurde Songdo als künstliche

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Insel aufgeschüttet und ist das größte private Immobilienprojekt weltweit, welches Arbeitsplätze für mehr als 300.000 Menschen beherbergen soll. Die »Ubiquitous City« glänzt vor allem durch Digitalisierung und Vernetzung, die den stetigen Informationsfluss am Laufen hält. Ein allsehendes Auge scannt in Realzeit sämtliche Areale Songdos und gewährt einen stetigen Fluss von Menschen und Daten. Und sollte es einmal nicht so sein, werden bei der kleinsten Unregelmäßigkeit die entsprechenden Organe direkt alarmiert. Sicherheit, reibungslose Abläufe und stetige Optimierung schaffen einen klinisch sauberen Traum, der für Privatsphäre und Individualität nur wenig Platz einräumt – die in Ostasien allerdings auch keinen so hohen Stellenwert haben wie in Europa. Ob sich das Prinzip der futuristischen Stadt als tatsächlich zukunftstauglich erweist, wird sich nach der endgültigen Fertigstellung 2020 zeigen.

King Abdullah Economic City – #KAEC Mit sperrigem Namen und großprotzigem Auftreten macht die King Abdullah Economic City in Saudi-Arabien bereits als Baustelle einen großen Wirbel um sich. Eine Millionenstadt zwischen traditionellen arabischen Werten und westlicher Moderne soll am Roten Meer entstehen, mit nichts Geringerem als nur dem Größten, Besten und Schönsten. Was hier wachsen soll liest sich wie das saudi-arabische Pendant zu Dubai, gelegen an einer der bedeutendsten Schifffahrtsrouten der Welt. Grün, modern, digitalisiert und Heimat der großen Denker der Zukunft soll KAEC werden. Der arabische Traum ist nachhaltig und wirtschaftlich ausgelegt, verbindet den internationalen Ost-West-Marktplatz mit dem Charme von Tausendundeiner Nacht. Finanziert wird das 100 Mrd. Dollar schwere Projekt aus dem privaten Sektor und als Investition ist die Stadt auch von Grund auf konzipiert, mit dem Ziel, führende Unternehmen nach Saudi-Arabien zu holen. Der Markt soll regieren, wenn das Öl an Macht verliert. Zukunft ungewiss.

Wiener Neustadt und Seestadt Aspern – Planstädte Made in Austria

Brasília – Plan-Hauptstadt Kann man sich nicht auf eine Hauptstadt einigen, dann baut man halt eine. Das hat in Australien, Pakistan, Kanada oder den USA halbwegs funktioniert und wurde auch in Brasília so gehandhabt. Die brasilianische Hauptstadt im Herzen des Landes löste 1960 Rio de Janeiro als Regierungssitz ab. Nach nur vier Jahren Bauzeit wurde aus zwei sich kreuzenden Feldwegen im Herzen des gebeutelten Landes eine Vorzeigehauptstadt nach der Vision von Präsident Juscelino Kubitschek, Städteplaner Lucio Costa und Architekt Oscar Niemeyer. Das Prinzip der sich kreuzenden Feldwege, die gleich einem Fadenkreuz auf das Herz des Landes zeigen, wurde beibehalten und eine Stadt auf zwei Achsen aufgezogen, inklusive futuristischem Regierungssitz und UFO-Kathedrale. Heute ist die Hauptstadt Unesco-Weltkulturerbe und Reiseziel für Architekturbegeisterte weltweit. Das Konzept, mit dem Costa und Niemeyer sich in Architektenkreisen unsterblich machten, ist heute theoretisch eine der größten Erfolgsgeschichten im Planbau. In der Praxis ist Brasília auf das Zehnfache der erdachten Größe von 300.000 Einwohnern angewachsen und kämpft mit sozialen Missständen und Versorgungsproblemen.

Wiener Neustadt und die gerade im Entstehen befindliche Seestadt Aspern im Nordosten Wiens sind die zwei berühmtesten Vertreter der hiesigen Planbaugeschichte. Abgesehen von ihrer Nähe zur Bundeshauptstadt und dem Entwurf auf dem Reißbrett könnten beide Städte nicht unterschiedlicher sein. Wr. Neustadt ist eine im hohen Mittelalter gebaute Altstadt und heutige Industriestadt, die Seestadt Aspern ein Produkt des aktuellen suburbanen Trends. Herzog Leopold V. benötigte im 12. Jahrhundert eine Grenzbefestigung zu Ungarn und die Lösung dafür war eine als Parallelogramm angelegte Stadt: die »Neustadt«. Obwohl das ursprüngliche Konzept bereits 1.000 Jahre alt ist, gilt Wr. Neustadt als eines der ersten Beispiele einer »künstlichen« Stadtschaffung. Die Seestadt hingegen ist als Quiet-Quality-Lebensraum mit Stadtzugang geplant, als Ovum angelegt mit lauter weiblichen Straßennamen und gerade in der richtigen Distanz für urbanes Leben mit der notwendigen Portion Naherholung. Es ist also wie in vielen Bereichen menschlichen Lebens. Nicht das Konzept an sich ist schlecht, sondern einzelne Ausführungen und Designs. So, wie sich Roboter, Stühle oder Marketing-Konzepte falsch planen lassen, können auch Planstädte nicht funktionieren oder für die falschen Rahmenbedingungen geplant worden sein. St. Petersburg, Novi Beograd, der Stadtteil Eixample in Barcelona – sie alle verbindet, dass sie für unterschiedliche regionale Bedürfnisse und Ziele gebaut wurden. Für Smart Citys der Zukunft muss dieses Wissen am Anfang jeder Planung stehen.

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Alpines Design spielt oft mit traditionellen Formen und modernisiert sie sanft. Für Massenanfertigungen fehlt manchmal aber der Mut der Hersteller.

alpines design — Warum sehnen sich auch Designer nach den Alpen

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Text peter stuiber Bild Klaus Hackl Product Design, Adolf Bereuter

Das Rustikale boomt, auch im Design. Das klingt nach Herzerln in der Sessel-Rückenlehne und derber Hüttenromantik. Es geht aber auch viel besser.

Wie wohnt Andreas Gabalier? Wir wollen’s gar nicht wissen. Tatsache ist, dass das Ländliche, Rustikale, Bodenständige nicht nur die Unterhaltungskultur (»Wiesn« im Prater) und die Medien (Landliebe-Magazin) erfasst hat, sondern auch das Design. Plötzlich begegnet man in Stylegazetten oder Restaurants alpinen Bauernmöbeln. Das markiert Bodenständigkeit als Gegenkonzept zur globalen Beliebigkeit, es verweist auf die vermeintlich eigenen Wurzeln, selbst wenn man seit Generationen in der Stadt lebt. Die Alpen sind überall, selbst neben der sechsspurigen Autobahn am Karlsplatz, in Form des Lokals »Bergstation Tirol« im Künstlerhaus, wo man unter Lampen aus gefärbten Hirschgeweihen auf Bauernsesseln sitzt und Heimatseligkeit zelebriert. In der distinguierten Designwelt sind derartige Derbvarianten freilich verpönt, und selbst wer sich ernsthaft mit dem Mobiliar der bäuerlichen Welt auseinandersetzt, stößt nicht immer auf Verständnis. Davon weiß Robert Rüf zu berichten. Der gebürtige Bregenzerwälder ist fixer Bestandteil der Wiener Designszene und verbindet seine Liebe zum Material Holz mit seinem Talent für subtile Entwürfe. Einige seiner Möbel – so etwa der Stuhl »Feen« – verweisen eindeutig auf Vorgänger in der Bauernstube, wirken jedoch keinesfalls rustikal. »Es ging mir bei meiner Beschäftigung mit dem Thema nicht um die Typologien von ländlichem Mobiliar, sondern darum, wie am Land konstruiert wird. Wie baut man einen Zaun, wie macht man einen Unterstand? Dafür habe ich ein Faible entwickelt. Mich hat interessiert, mit welchen Details – etwa bei Zapfenverbindungen – gearbeitet wird, und ich hab mich gefragt: Hat das in einem zeitgenössischen Kontext eine Berechtigung? Ich wollte einfach sehen, ob das etwas hergibt.«

Bauernkasten, kantige Tische, altes Stadlholz Es gibt etwas her: Der Stuhl »Feen« wurde vielfach publiziert und in Museumssammlungen aufgenommen, sein »Tafel«-Tisch erhielt im Rahmen von »Handwerk und Form« 2006 eine Würdigung (in der Jury waren damals u.a. Stararchitekt Peter Zumthor und Hermann Czech). Für das Projekt »Feldküche«, das seit einigen Jahren Regionalität auf lässige Art neuinterpretiert, entwarf Rüf kantige Tische und Sitzbänke, die aus 300 Jahre altem Stadlholz gefertigt wurden, für das Panorama-Restaurant der Seilbahnen Bezau designte er den robusten Bauernstuhl »Re«. Auf Widerstände stieß er immer wieder: Für seinen »Feen«-Stuhl suchte er vergeblich einen internationalen Produzenten (der Stuhl sei in seiner Formensprache zu lokal verankert, hieß es), ein anderer potenzieller Auftraggeber aus Vorarlberg wiederum forderte ihn auf, in die Rückenlehne doch Herzerln zu machen, »ohne die geht das nicht«. Natürlich kam Rüf diesem Wunsch nicht nach, schließlich kann er sich über die »alpine Welle« einigermaßen entrüsten: »Da wird oft etwas eins zu eins zitiert, ohne darüber nachzudenken, was man darüber hinaus machen könnte.« Dass bäuerliche Möbel auch in einen städtischen Kontext passen können, will er im Herbst neuerlich unter Beweis stellen, wenn im Rahmen eines Vienna Design Week-Projekts ein Bauernkasten und eine Truhe vorgestellt werden, die gerade im Auftrag von Interio entstehen.

Quelle im Ursprung an den Wurzeln Es gibt etliche Beispiel aus Österreich, in denen das Thema Bauernmöbel variiert wird: Im vergangenen Jahr hat der Produzent Hussl die Möbelserie »Hussl alpin« vorgestellt, bestehend aus Tisch, Hocker und Sessel. Das Design stammt von EOOS. Der Hocker hat Ähnlichkeiten

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Im Bregenzerwald liegt der Ort Bezau. Das Panoramarestaurant am Ende ihrer Seilbahn wurde charmant, aber ohne Skihüttenkitsch eingerichtet.

mit alten Melkschemeln. Stuben21 bezieht sich bereits im Firmennamen auf die alpine Tradition: Das Projekt wurde von Nicole Horn und Peter Daniel ins Leben gerufen, zwei Quereinsteigern, die mit ihrer Kollektion »in Zeiten der übertriebenen Schnelllebigkeit zurück zum Ursprung« führen wollen. Die Möbel würden ins City-Appartement genauso passen wie ins Chalet, so die beiden. Schmidinger Möbelbau aus Vorarlberg, bekannt geworden durch sehr schlichte, elegante Holzmöbel, die an skandinavische Traditionen erinnern, setzt neuerdings mit dem Stuhl »trix« auf die Neuinterpretation des klassischen Brettstuhls. Das führt uns zu unseren deutschen Alpinnachbarn. Allen voran ist hier der Münchner Designer Klaus Hackl zu nennen, der Pionierarbeit auf dem Gebiet der Bauernmöbel geleistet hat. 2003 hat er mit dem Stuhl »Flüela« einen extrem pointierten, rauen Entwurf vorgestellt: »Einfachheit ist uns kein Stilmerkmal, sondern Ausdruck einer Haltung, die versucht, die Dinge nicht unnötig zu verkomplizieren«, so der Designer über sein Möbel. »Kräftige Abmessungen und durchschaubare Konstruktion halten ein, was sie versprechen.« Die Reaktion der Öffentlichkeit fiel weniger kräftig aus. »Meine Idee, die Stube als den elementaren Beitrag des alpinen Bauens zur europäischen Baukultur zu thematisieren und die traditionellen Stubenmöbel Tisch und Stuhl überaus robust und massivplastisch, aber durchaus modern zu interpretieren, entsprang meinem Unbehagen an einem internationalen Möbeldesign mit seinem Leitbild von der leichten Konstruktion bei sparsamsten Materialeinsatz. Dieser für mich ungemein spannende Spagat zwischen Traditionsbewusstsein und moderner Gestaltungsauffassung provozierte bei Kollegen, in der Fachpresse oder der Öffentlichkeit allerdings kaum eine Reaktion.« Auch zwei Jahre später,

als Hackl mit einem Partner eine komplette Möbelkollektion unter dem Namen »Country Remix« auf der Möbelmesse in Köln vorstellte, war die Zeit dafür noch nicht reif.

Kein Haus am Land für mich, oje Erst eine gemeinsam mit Christoph Hölz konzipierte Ausstellung im Archiv für Baukunst in Innsbruck im Jahr 2012 habe Schwung in das Thema gebracht, so Hackl: »Mit dieser ersten Bestandsaufnahme von Stubenmöbeln aus den 20er und 30er Jahren konnten wir an Originalen der sogenannten Tiroler Moderne – Clemens Holzmeister, Lois Welzenbacher u.a. – anschaulich vor Augen führen, dass sich schon in der Zwischenkriegszeit ein regionaler Sonderweg in Architektur und Möbel- bzw. Innenraumgestaltung findet, der der Kühle der internationalen Moderne und ihren Sitzmaschinen eine traditionsbewusste, derbe Geste entgegensetzte. Das gegenwärtige Rustikaltreiben sieht Klaus Hackl gelassen: »Wenn man weiß, dass unsere Volkskultur mitsamt ihrer Dirndlmode, Landhausmobiliar, Ferienarchitektur, Festkultur und Volksmusik ihrem Ursprung nach ein nationalromantisch-städtisches Kulturkonstrukt des ausgehenden 19. Jahrhunderts ist, dann erkennt man, dass sich in den letzten 150 Jahren in den Einstellungen und Sehnsüchten der Menschen nicht so viel geändert hat.« Als Designer gearbeitet und gelernt hat Hackl übrigens u.a. bei Jasper Morrison. Und siehe da, auch beim »Mr. Cool« des modernen britischen Designs finden sich Entwürfe, die sich definitiv am Landhausstil orientieren, z.B. die »Oak Table«-Serie für Cappellini oder die »Crate«Möbel für Established & Sons. Angesichts der Entwürfe von Morrison, EOOS, Hackl, Rüf und anderen müssen selbst Skeptiker zugeben: Heimatkitsch und Lederhosendesign sieht absolut anders aus. 055

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büromöbeldesign — Interview mit den Stardesignern Tom Lloyd und Luke Pearson

Working Class Heroes

Text Peter Stuiber Bild Mark Cocksedge, Bene, PearsonLloyd, PARCS

Viele Menschen verbringen in Büros die meiste Zeit im Jahr. Obwohl viel vom flexiblen Büro geredet wird, in dem man sich wohlfühlen soll, sind Großraumbüros nicht unbedingt schlecht. Ein Interview mit den britischen Stardesignern Tom Lloyd und Luke Pearson über große Veränderungen und regionale Unterschiede. PearsonLloyd zählt zu den führenden britischen Designbüros, mit Kunden wie den InterContinental Hotels, Lufthansa oder Fritz Hansen. Für den Büromöbelhersteller Bene haben sie einige Möbelserien entworfen, mit denen sie den Kampf gegen graue Büro-Tristesse antreten. Kürzlich wurde ein Möbel der »Parcs«-Serie der MAK-Sammlung übergeben. Guter Anlass, mit den beiden Designspezialisten über die Bürorealität von gestern, heute und morgen zu sprechen. Wie sieht es in Ihrem Büro aus? tom lloyd: Es fühlt sich nicht wie ein klassisches Büro an, sondern wie ein Studio, vollgestopft mit Prototypen und Skizzen, dazwischen stehen Sessel und Tische herum, die wir entworfen haben. Es herrscht Chaos. Wir haben extrem wenig Platz, weil sich unser Studio mitten in London befindet, und hier ist Fläche verdammt teuer. Weil wir aber laufend Mitarbeiter aufnehmen, wird es immer schwieriger, in so einem kleinen Büro das zu tun, was man beabsichtigt. luke pearson: Wir haben auch viele Boards herumstehen, auf die wir etwas draufpinnen. Da stehen wir dann davor und diskutieren Arbeitsschritte. Dann gehen die Leute wieder auf ihre Plätze und arbeiten daran weiter. Sehr direkte Kommunikation, sehr dichte Atmos­ phäre. »Stehen« ist ein gutes Stichwort. Seit Jahren wird es als temporäre Alternative zum ewigen Sitzen und den lähmenden Sitzungen propagiert. In der Realität scheint sich das aber wenig durchzusetzen. tl: Wir haben erst im Herbst mit Bene ein Programm namens »Timba« vorgestellt, das genau dafür gedacht ist, z.B. mit einem hohen Ho-

cker und Tisch mit Holzbeinen. Auch in der »Parcs«-Serie gibt es ein paar Elemente, die fürs Stehen gedacht sind. Einst war das Stehen nur trendy, jetzt versteht man tatsächlich, was die Vorteile sind. Es ist effizienter und vor allem gesünder, nicht nur zu sitzen. Gibt es etwas, was Sie konkret in Ihrem Büro gerne ändern würden? lp: Ich hätte gerne mehr Zonen, die ihre Persönlichkeit je nach Bedarf ändern können. Es ist ein Fakt, dass im Großraumbüro die Zonen davon beeinträchtigt sind, was rundherum passiert. Ideal wäre ein Ort, der für ein Projekt wie eine Insel genutzt wird, und danach wieder für ein anderes Projekt. Wir haben ja durchschnittlich rund 20 Projekte gleichzeitig am Laufen. Im Großraumbüro ist eine Fokussierung das Schwierigste. Sie arbeiten für global agierende Unternehmen. Wie kann man Möbel entwerfen, die in Japan genauso funktionieren wie in Brasilien, in den USA oder in Europa? tl: Bei unserer »Parcs«-Serie gibt es unterschiedliche Elemente, die man aussuchen kann, sodass hoffentlich für alle möglichen Bedürfnisse und Kulturen etwas Passendes dabei ist. Gab es Entwürfe, die gar nicht funktioniert haben? lp: Ja, das liegt in der Natur der Sache. Man versucht im Designprozess, möglichst viel Klarheit zu erreichen, aber eben erst die Praxis zeigt, was nicht funktioniert. Das kann technische Gründe haben, aber einfach auch eine Geschmacksfrage sein. tl: Die großen US-amerikanischen Firmen haben immer davon geträumt, das globale Produkt zu machen. Aber natürlich können sie das nicht. Allein schon in Europa gibt es so viele regionale Unterschiede, die für Amerikaner komplett unverständlich sind. Deshalb haben sie sich emotional von Europa zurückgezogen.

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Großraumbüros sind nicht per se schlecht, sie müssen anpassungsfähig bleiben und im Detail intelligent gestaltet sein.

lp: Für uns, die wir in Großbritannien leben, ist es zum Beispiel sehr überraschend, wie linear und rationalistisch Büromöbel in Deutschland oder Österreich normalerweise sind. Unsere Entwürfe sind wesentlich softer. Das sind die kleinen Unterschiede. Manchmal braucht es eine ganze Generation, bis Neues gelernt ist. Für uns ist das das Spannendste: die Vielfalt der Bedürfnisse. Was ich mich immer gefragt habe: Wie finden Designer heraus, wie ihre Büromöbel tatsächlich genutzt werden? Kriegt man überhaupt verwertbares, nicht gefiltertes Feedback? tl: Eine schwierige Sache. Wir hatten einen Kunden, der die Arbeitsabläufe und Bewegungen seiner Mitarbeiter minutiös beobachtet und aufgezeichnet hat. Aber das ist die Ausnahme. Quantitative Messungen sind sehr teuer, daher müssen wir oft auf Feedback in Form von Anekdoten zurückgreifen, zum Beispiel von den Sales-Mitarbeitern, vom Kunden, vom Markt. lp: Es gehört zu unserer Kompetenz als Designer, all diese Informationen zu filtern und für uns nutzbar zu machen. tl: Überraschend für uns war, dass unsere neuen Bürolandschaften bei den Unternehmen der Kreativindustrie kaum ankamen. Es waren die großen Blue Chip-Konzerne, die zu den Early Adopters wurden. Die haben eine wirkliche Strategie für den Arbeitsplatz, sie verstehen den Vorteil für den Mitarbeiter und damit für das Unternehmen. Es geht ihnen auch überhaupt nicht darum, zu sagen: Oh, das sieht nett aus! Das Verhalten und die Aktivität der Mitarbeiter sind für sie entscheidend. Dass die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen, ist mittlerweile allgemein akzeptiert. Ist es aber tatsächlich nötig, Arbeitsplätze »privater« zu machen, damit sich Mitarbeiter wohlfühlen? tl: Als Idee ist das sehr stark. Aber in der Realität sehe ich das weniger. Büros müssen menschlicher werden, aber das heißt nicht automatisch, dass es wie zu Hause aussehen muss. Früher waren Büros wie Maschinen, die funktionieren müssen, heute ist eine andere Materialität gefragt, damit es humaner wird. Das Grau-in-Grau-Büro sollte ein Ende haben. Für uns als Designer ist es viel spannender als vor zehn Jahren, weil der ganze Büromöbelmarkt viel befreiter ist. Man kann viel mehr experimentieren, mit Materialien, mit Farben, mit flexiblen Funktionen. lp: Diese »Revolution« hat natürlich mit den technischen Entwicklungen zu tun. Früher war ich mit meinen PC-Kobeln komplett eingeschränkt, das Wichtigste im Büro war, die Kabel unterzubringen. Man saß den ganzen Tag am gleichen Ort. Heute kann ich meinen Laptop

überall mitnehmen. Das schafft neue Möglichkeiten. Viele Firmen sehen die Anschaffung von Büromöbeln als reines Investment in die Infrastruktur. Deshalb sehen viele Büros so uninspiriert aus. tl: Auch das hat sich geändert. Früher war es der Facility-Manager, der das entschieden hat. Heute ist die Möblierung eine strategische Entscheidung. Andererseits ist das Großraumbüro heute Standard, obwohl es die meisten Angestellten hassen. Man hat den Eindruck, als würde Möbeldesign die Unzulänglichkeiten der Architektur kompensieren, in dem es zumindest eine brauchbare Raumstruktur hineinbringt. lp: Ich würde es nicht kompensieren nennen. Natürlich gibt es die Standards bei Büros. Bei uns in London gehören ja die Büroimmobilien den Hedge Funds, denen es nur um Profit geht. Aber man muss auch die Vorteile des Großraumbüros sehen: Wenn man eine Organisation umstrukturieren muss – und das kann in unseren Zeiten immer wieder notwendig sein, um zu überleben – dann kann eine fixe Architektur sehr hinderlich sein. Möbel sind da ein fantastisches Tool, damit Firmen atmen können. Wahlmöglichkeit ist das Schlagwort für die heutige Arbeitswelt – für die Firmen, aber auch für die Mitarbeiter. Das Ideal ist, den bestmöglichen Ort für die Arbeit zu schaffen. Es geht ja darum, dass Mitarbeiter glücklich sind. Viele Chefs sehen sich aber nicht zuständig für das Glück ihrer Mitarbeiter … tl: Andererseits befinden sich die Firmen im Kampf um die besten Talente, und da zählt auch die Qualität des Arbeitsplatzes. Die Masse der Mitarbeiter ist aber jederzeit ersetzbar. Da beschwert man sich lieber nicht über den Arbeitsplatz, sondern ist froh, dass man einen hat … lp: Das stimmt zwar, aber jeder intelligente Manager weiß, dass man in einem beschissenen Arbeitsumfeld keine Mitarbeiter mit hohem Output haben kann. Zumindest nicht auf lange Sicht. tl: Für uns ist es wichtig, Unternehmen im richtigen Augenblick zu erwischen. Am größten ist die Chance für einen Kulturwandel, wenn die Firma umzieht. Diese Gelegenheit muss man nützen.

Das »American Diner« von Tom Lloyd und Luke Pearson ist noch bis 10. Mai im MAK Wien zu sehen. Mehr Arbeiten finden sich hier: pearsonlloyd.com 057

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Workstation — MENSCHEN AM ARBEITSPLATZ

Elisabeth Els, 22, Grafik-Designerin und unser erster Lehrling

Normalerweise kehren Menschen in ihrem Alter Salzburg den Rücken. Das hat Elisabeth aber längst hinter und demnächst – kaum dass wir alle ins neue Büro übersiedelt sind – eine Heimkehr vor sich. Doch schön der Reihe nach: Als sie sich bei uns vor ein paar Jahren als Lehrling bewarb, hatte sie bereits eine Lehre am Laufen, war aber zur Erkenntnis gelangt, dass ihr an ihrer damaligen Ausbildungsstätte in Salzburg niemand etwas beibringen konnte. »Ich war dort überhaupt die einzige, die sich mit Video- und Film-Produktion beschäftigt hat, ich hab nichts gelernt.« So ist sie bei Monopol Medien gelandet, hat The Gap und die Schwester Biorama kennen- und, wie’s scheint, auch lieben gelernt. Sie fotografiert, setzt und gestaltet große Teile der Magazine im Grafikprogramm, fabriziert Shareables für Facebook und Twitter – und hat mittlerweile auch offiziell ausgelernt. Und dabei nebenher einfach so auch noch eine zweite Lehrabschlussprüfung (Marktkommunikation und Werbung) abgelegt. Ja, nicht schlecht. Demnächst zieht es sie dann trotzdem zurück nach Salzburg, wo sich Elisabeth an der FH weiter in Sachen Medientechnik, Film und Fotografie vertiefen möchte. Davor wird aber noch die Welt bereist: Mit dem Around-The-World-Ticket in der Tasche geht’s für ein Jahr ins Ausland. Gut möglich, dass wir trotzdem von ihr hören und sehen werden. Unterwegs wird sie sich nämlich ausführlich der Reisefotografie widmen.

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bild niko ostermann dokumentation thomas weber

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Workstation — MENSCHEN AM ARBEITSPLATZ

Manuel Fronhofer, 39, Gründer von The Gap

Wer sich erinnert, war nicht dabei. Dass dieser Satz Blödsinn ist, beweist kaum jemand eindrücklicher als unser Manuel. Ziemlich jung war er damals, 1997, als er gemeinsam mit ein paar anderen Musikbegeisterten ein Heftchen namens The Gap erdachte – und einfach mal machte. Das ist lange her. Und lange Jahre lenkte der gebürtige Waldviertler als Mastermind und Herausgeber auch selbst die Geschicke der Publikation. Kurz war er ganz weg, jetzt ist er zum Glück schon lange wieder da. »Eine gute Entwicklung, dass bei The Gap bereits die vierte Generation am Steuer ist«, sagt er, der mittlerweile selbst am Rücksitz Platz genommen hat; diverse Projekte abwickelt; layoutet; die Musikredaktion unterstützt; an seiner Indie-Kolumne herumformuliert; wohlwollend Tipps gibt, aber selten eingreift. Die Musik ist wie eh und je seine Leidenschaft. So leer geräumt konnte das alte Büro vor unserem Umzug gar nicht sein, dass Manuel nicht noch haufenweise Tonträger herumliegen hatte. Bestens sortiert, versteht sich. Als DJ Man On The Moog trifft man ihn spätnachts oft in einschlägigen Lokalen an den Abspielgeräten an. Gern legt er dabei auch Musik aus der heimischen Szene auf. Dass Bilderbuch und Wanda jetzt so groß durchstarten, sei schon super, sagt er. »Aber mit dem Herzen bin ich näher bei Mile Me Deaf.« Indie ’til death halt.

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Junge Türken – alte Tiegel über zwei arten gegenwartsliterarischer selbstverständlichkeit

was ist aus allison staton eigentlich geworden? was ist aus robert a. moog eigentlich geworden? was ist aus lee hazlewood eigentlich geworden? (andreas neumeister: »gut laut«, 1998)

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Literatur von Moritz Baßler

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as ist aus Popliteratur eigentlich geworden? Zum einen wohl etwas, das inzwischen nach Philologie und Kommentar verlangt: Die Sängerin der Young Marble Giants hieß Alison Statton. »Colossal Youth« (1980), das erste Album der walisischen Band, gab acht Jahre später Kristof Schreufs Band Kolossale Jugend, Hamburger Schule der ersten Stunde, ihren Namen, und nach ihrer Testcard-EP ist eine wichtige deutsche Popzeitschrift benannt. Womit in etwa das Gesamtwerk umrissen wäre. – Zum anderen wird man diese Art von listenbildender, katalogisierender Pop-Literatur, die hier Lexeme wie »Alison Statton« (wenn auch falsch geschrieben) erstvertextet und für die Nachwelt archiviert, heute kaum noch in Reinform finden. Am Ende des letzten Jahrhunderts war sie der Gegenentwurf zu einer elitär-langweiligen Literatur der schweren Zeichen oder einer nicht mehr neuen Innerlichkeit, jedenfalls: der Probleme gewesen. Damals pustete sie Frischluft in die stickige Gegenwartsliteratur und wirbelte entsprechend Staub auf. Heute haben sich Literatur- und Medienlandschaft demgegenüber insgesamt deutlich gewandelt. Es gibt, wenn man so will, neue Selbstverständlichkeiten. Vor der Jahrtausendwende hatte die deutsche Literatur – mit Ausnahme derjenigen, die man darum heute als Pop-Literatur bezeichnet – ihre neuen Medienumwelten, von der Reklame und den Illustrierten über die Popmusik bis hin zu Film und Fernsehen, allenfalls mit spitzen Fingern angefasst. »Ich musste lernen«, heißt es in einem durchaus ernsthaften Gegenwartsroman von 2014, »dass die Briten das anders machen, dass sie nicht diesen rigiden Gegensatz pflegen von Ernst und Spaß.« Der in London lebende schwäbische Ich-Erzähler hört in Euston Station durch sein »inneres Ohr« die Ansage: »Der Zug wartet bereits auf Gleis 9 ¾.« Und obwohl Ulf Erdmann Zieglers »Und jetzt du, Orlando!« zweifellos für ein intellektuelles high-end Lesepublikum verfasst ist, darf er getrost davon ausgehen, dass dieses die populärliterarische Anspielung auf Harry Potter nicht nur versteht, sondern sich an ihr auch nicht stört, nicht in seiner kulturellen Distinktion bedroht sieht. Im 90er-Jahre-Pop wären solche Nennungen massiv und stark markiert erfolgt, als wirksame Provokationen einer obsoleten E-Literatur. Heute finden sie sich zwanglos über den Text verstreut, in dessen kulturellem Hintergrund Harry Potter oder Rod Stewart friedlich neben Virginia Woolf oder dem Rolandslied rangieren. In dieser schönen neuen Selbstverständ-

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lichkeit springen die Marken- und Medienwörter denn auch nicht mehr aus ihrem Text und verdunkeln den Sinn der Seite, indem sie als unbotmäßige, aber hochenergetische Atome auf ihrem Eigenwert beharren wie einst bei Neumeister oder Stuckrad-Barre. Vielmehr fügen sie sich harmonisch in das komplexe Gefüge des Romans und harren, traditioneller Hermeneutik durchaus zugänglich, ihrer Deutung. Der Verhörer »Gleis 9 ¾« steht etwa im Zusammenhang mit einer Reflexion des Erzählers über die schwere Kindheit seines Freundes Orlando. Die entspricht Harrys Zeit unter den Muggles, der er über das entsprechende Gleis in Richtung Hogwarts entkommt. Als Orlando und der Erzähler sich später in einer Vorstadtkneipe unterhalten, erfährt der Leser über sieben Seiten verteilt von drei Songs, die im Hintergrund laufen: Elton Johns »Rocket Man«, eine „Rod-Stewart-Ode an junge Türken“ und »Billie Jean« von Michael Jackson. Der gut abgehangene Mainstream-Pop in der Arbeiterkneipe liefert zunächst Lokalkolorit, wenngleich keineswegs im Pop-Sinne einer spezifischen Enzyklopädie einer Zeit oder Szene. Darüber hinaus aber eröffnen die genannten Titel relevante Perspektiven für die Romanaussage: Der Elton-John-Song antwortet an Stelle Orlandos („I’m not the man they think I am at home“), und dessen prekäre Herkunft hallt in den Lyrics von »Billie Jean« wider. Rod Stewarts Hit »Young Turks« von 1981 besingt ein junges Paar, das das Elternhaus im Streit verlässt, was eine Parallele zur Geschichte der Schwester des Erzählers darstellt, um die sich das Kneipengespräch unter anderem dreht. Außerdem bezeichnet der Ausdruck »Young Turks« idiomatisch allgemein junge, rebellische Mitglieder einer Organisation, was sich auf die Stellung der beiden Protagonisten in ihrer FilmverleihFirma beziehen lässt. Allerdings muss der Erzähler den Song schon gut kennen, um hier überhaupt an »junge Türken« zu denken, denn die Titelworte kommen in den Lyrics gar nicht vor, sind also in der erzählten Welt, im Pub, nicht zu hören. Prominent erklingen sie dagegen in dem Song »Don’t Lie« von Vampire Weekend, auf einem der besten Independent-Alben von 2013, zur Entstehungszeit des Romans also. Dieser Song nun intoniert mit Versen wie »God’s loves die young« und »There’s a headstone right in front of you«, jenes Memento mori, das dem Roman bereits in seinem Motto aus dem Rolandslied vorangestellt ist. Anders als die schwäbische Schwester ist der junge, rebellische Bruder Orlandos nämlich nicht zum bürgerlichen Lebensstil zurückgekehrt, was für das finstere Ende der Erzählung sorgen wird.

So selbstverständlich ist das Popkulturelle inzwischen in unserer Hochliteratur, dass es mit dem alten Hochkulturellen – Kunst, Philosophie, den Klassikern – gelegentlich beinahe schon die Rollen tauscht. In Julia Trompeters »Die Mittlerin« (2014) ist es »eine richtige Joanne-K.-Rowling-Mauer«, die ein Pärchen im Café von seiner Mitwelt abschottet und angesichts derer die Ich-Erzählerin klagt: »Was meine magischen Kräfte anging, war ich höchstens erstes Semester.« Oder jemand lächelt, »als gälte es ein Casting für die Rolle des Jokers zu gewinnen«. Dagegen werden Dinge wie das Höhlengleichnis und Platons Vorstellung vom Kugelmenschen, auf die Hochliteratur noch vor wenigen Jahren souverän hätte anspielen können, nunmehr ausführlich erklärt. Ähnlich verhält es sich mit den oftmals recht expliziten kunstgeschichtlichen Informationen in Teresa Präauers »Johnny und Jean« (2014). Der in der Kunsthochschulszene angesiedelte Roman führt dazu sogar die imaginäre Figur der Kunsthistorikerin Mary Schoenblum ein, die immer wieder ausführliche Erläuterungen gibt, von den Hörnern Moses bis zur Technik Henry Dargers. Wenn hier gefragt wird: „Und was ist eigentlich aus David Hockney geworden?“, dann wird die Frage, anders als bei Neumeister, auch beantwortet. Dass man das Video zu Chris Isaaks »Wicked Games« kennt, wird dagegen schlicht vorausgesetzt. Oder vielleicht auch nicht. Denn zwischen der Anspielung auf allgemein bekannte neue Klassiker wie Harry Potter und einer ausführlichen Erläuterung im Romantext gibt es längst eine dritte Option: die Second Screen. „Informationen sind nicht länger ein Problem“, meinte Michael Bracewell kürzlich bei einem Vortrag in Wien. „Alle wissen alles. Ist ja nur einen Mausklick entfernt.“ Habe ich Wicked Games nicht mehr im Ohr oder vergessen, was es mit den Young Turks auf sich hat, gehe ich kurz ins Netz und bin gleich auf der Höhe des Diskurses. Und das gilt keineswegs nur für popkulturelles Wissen. Auch wenn ich nicht weiß, wie Darger malt, Cranachs Jungbrunnen, mit dem »Johnny und Jean« endet, oder Rubens’ »Jupiter und Kallisto«, mit dem Trompeters Erzählerin ihre Körperfülle illustriert, nicht vor Augen habe – eine Google-Bildersuche bringt mich in Sekunden auf den Stand (der Verfasser gesteht: in ¾ der genannten Fälle war es so). So gesehen waren die exzessiven PopListen der 1990er Jahre ein Spätphänomen, letztes Symptom einer Kultur vor Google und YouTube. Heute könnte man mit solchem Wissen kaum mehr seine Distinktion und Sophistication unter Beweis stellen – ein Mausklick, und alle sind drin.

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Und weil das ganz genauso auch für das alte Bildungswissen gilt – alle wissen alles –, kann auch zwanglos alles zur literarischen Bedeutungsbildung herangezogen werden. Was Ziegler mit Rod Stewart, macht Trompeter mit Rubens: auswählen, einbinden, verdichten. Zur Illustration eines »barocken« weiblichen Körpers hätte ja auch der alte Bildungsbürger die »Rubensfigur« bemüht. Indem »Die Mittlerin« jedoch statt des muffigen Gemeinplatzes dieses konkrete Gemälde nennt, verdichten sich die Bezüge: Kallisto wird von Jupiter ja bekanntlich – oder vielmehr: wie wir alle nach kurzer Google-Suche (wieder) wissen – in Gestalt einer Frau verführt (auf dem Bild sieht man ihn doppelt, als »Diana« und als Adler), was konnotativ mit dem Verhältnis von Ich-Erzählerin und Mittlerin verbunden werden kann. Noch die Greifvögel, die über dem See kreisen, in dem die beiden in der Schlussszene des Romans schwimmen, werden so mit Bedeutung aufgeladen. Vielleicht denkt man bei der später in einen Bären verwandelten Nymphe überdies an den »bear«, mit dem die Protagonistin einen One-Night-Stand hat. Will der Roman jedoch Zusammenhänge von der Komplexität des Höhlengleichnisses oder Details aus Thomas Bernhard im eigenen Werk fruchtbar machen, muss er erläutern und heranzitieren, die Fußnoten quasi mitliefern; denn der Ort des allgemeinen Wissens ist nicht mehr der Leser, sondern eben das Netz. Gute Gegenwartsliteratur charakterisiert heute also eine entspannte Selbstverständlichkeit im Umgang mit popkulturellem Wissen, die sich nicht nur der Öffnung durch die popliterarische Schocktherapie der 90er, sondern ebenso dem Fortschritt der Medientechnik verdankt, weshalb sie sich inzwischen auch auf jede Art von Wissen erstreckt. Entkrampfen, tiefer hängen, locker machen – das waren berechtigte Forderungen an die deutsche Kunst, und in Texten wie den genannten scheinen sie eingelöst. Aber Moment mal – Selbstverständlichkeit? Ist das nicht so etwas wie das Böse im System der Kunst? Heißt es doch schon bei Roland Barthes, Ekel stelle sich ein, sobald sich literarisch irgendwelche Zusammenhänge und Abfolgen von selbst verstehen. Hier gilt es nun zu unterscheiden. Was bei Barthes Ekel auslöste, war eine Vorhersehbarkeit in Abfolge und Bedeutung, das immergleiche Handlungsmuster also und die stereotype Umgebung, in der man sicher sein kann, dass es Morgen ist, wenn der Wecker klingelt, Großmutter einen mit Weisheiten fürs Leben versorgt und man immer schon weiß, was eine schöne Frau, ein guter Kaffee oder ein Nazi ist. Diese Art von Selbstverständlichkeit setzt die Welt als bekannt voraus. Literatur muss sie nur möglichst »gut treffen«, lesbar und eingängig evozieren, wie in folgender Stelle aus »Das Blutbuchenfest« (2014) von Martin Mosebach, immerhin Büchner-Preisträger:

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Ivana ging in das große helle Badezimmer von Frau Markies und ließ warmes Wasser in die Wanne. Das Fenster war in der unteren Hälfte mit Milchglas versehen, durch die obere drang ungebrochen das Sonnenlicht ein. Wie viele moderne Menschen ließ Frau Markies, deren Umgebung sonst von teurer Sparsamkeit geprägt war, in ihrem Badezimmer einen gewissen Luxus zu. Spiegel bedeckten die Wände, um den Körper der hier Badenden von allen Seiten zu präsentieren. Die Passage ist typisch für einen Populären Realismus, der zugleich hohe Literatur sein möchte. Seine Schilderungen banaler Dinge (»das große helle Badezimmer«, »warmes Wasser in die Wanne«) sind redundant bis zur Trivialität. Was sollen die Spiegel an den wo sonst als hier Badenden schließlich spiegeln als deren Körper? Die Pseudogenauigkeit, mit der die Fensterscheibe beschrieben wird – wo ganz normales Glas ist, »drang ungebrochen das Sonnenlicht ein« –, hält sich für große Kunst (Milchglas streut übrigens das Licht und bricht es nicht). Der Erzähler weiß, wie »moderne Menschen« so sind, widersprüchlich, um das Mindeste zu sagen, und teilt es mit. Das zielt auf eine Rezeption, die sagt: »Köstlich! Teure Sparsamkeit – wie treffend. Genau wie bei xy.« Und wird sich die schöne Ivana gleich ausziehen? Yes, right again! Schon Valéry und Breton haben diese Art von Realismus verspottet, verachteten Sätze wie »Die Marquise ging um 5 Uhr aus« in ihrem Normal-Realismus. Mosebach, dessen Roman mit den Worten »Die Markies verließ um fünf Uhr das Haus« beginnt, weiß also genau, was er tut, und tut es dennoch, im konservativen Bewusstsein der Tatsache, dass sich der Realismus am Ende gegen die emphatische Moderne durchgesetzt hat. Was, wie gesehen, seinen Text dann nicht besser macht – der Autor ist hier sozusagen klüger als seine Literatur. Interessant ist auch, was die Badezimmerszene nicht registriert. Da ist zwar die Rede von einem »Wald von Flaschen und Tiegeln« und einer »Badeölflasche«, aber die zahlreichen Logos und Markennamen, die man dort realistischerweise erkennen würde, verschweigt der Text. Das ungebrochene Sonnenlicht und das archaische Wort »Tiegel« hält er für literarisch, Weleda oder Garnier Fructis nicht. Da sind dann Realismus und Selbstverständlichkeit ganz schnell an einer selbstgesetzten Grenze angekommen, die aber weniger mit der Fügung zu tun hat als eben mit dem kulturellen Archiv, auf das der Text (nicht) zurückgreift. Mosebachs möchte ein zeitlosantimoderner Roman sein, ein Roman wie seine Figur Ivana, die im Grunde noch im soliden Waschzuber eher zu Hause ist als im modernen Badezimmer, so wie sie auch dadurch eigentlich schön ist, dass sie dem »zeitgenössischen Ideal der Langbeinigkeit, das oft nur durch Staksigkeit erfüllt wird«, nicht entspricht – ohne deshalb freilich rubenshaft zu wirken. Da hilft dann auch kein Milchglas, der Erzähler ist ja immer schon

drin, sieht und beschreibt genüsslich die Nackte, wie sie »mit zeitloser, ja ewigkeitlicher Frauengeste mit geneigtem Kopf das Haar im Nacken« zusammenfasst. Hier sind wir endgültig beim Edelkitsch angekommen und verweigern die weitere Lektüre. Nichts gegen Nacktheit, versteht sich! »Valérie, ich bin bereit, mich von dir zeichnen zu lassen. Und zwar nackt«, verkündet der Ich-Erzähler Johnny in Präauers Roman seiner verdutzten Mitbewohnerin. Valérie schweigt einen Augenblick lang, in dem sie wohl überlegt, welche Wette sie verloren haben könnte. Wir wollen dich als Venus zeichnen!, ruft Valérie endlich. He’s Venus as a Boy! Hm? Ist das Hip Hop? Nein, sagt Valérie. Das Lied von Björk. Björk, die mit dem Faun auf Plateausohlen zusammen ist. Hier sind zum einen die Erwartbarkeiten weniger deutlich (Wette verloren?), zum anderen wird Nacktheit einerseits ausdrücklich auf ihre kulturellen Muster zurückgeführt (Aktzeichnen, Venus), andererseits entnaturalisiert (Venus als Junge); zumal zu Beginn des Romans eine Art Metamorphose der Erzählerin in die männliche Ich-Figur erfolgt. »Johnny und Jean« ist so wenig auf Genderthemen fixiert wie »Die Mittlerin« (Jupiter als Diana), und doch fehlt in beiden die schlechte Selbstverständlichkeit der Geschlechterrollenzuschreibungen, was die Nacktheit wieder interessant macht. Hier geht es also nicht um möglichst typische Abläufe, sondern im Gegenteil um alternative Möglichkeiten in unserer kulturellen Enzyklopädie. Der Roman als Testcard: Man kann nicht nur anders handeln, sondern anders denken, rahmen, assoziieren, wobei sich das Vorhandene erst im und durch den literarischen Text formiert und nicht, wie das Sonnenlicht und das ewigkeitliche Weib, immer schon von selbst versteht. Dass es sich dabei um Post-Pop handelt, zeigt der Erklärungsbedarf zu Björk – das InsiderWissen wird nicht mehr vorausgesetzt. Auch der Erzähler in »Und jetzt du, Orlando!« erläutert uns zunächst ausdrücklich die Filmszene aus »Nobody’s Fool«, nach der dann die kurze erotische Nacktheitsszene mit der brustkrebskranken Schwägerin modelliert ist. Erzählprosa ist gegenwärtig realistische Literatur. Auch wenn es bei Trompeter einleitend heißt: »Mir war nie nach Prosa, ich war mehr für das Gedicht«, sprechen wir hier über Optionen innerhalb des realistischen Spektrums. Die zwei Arten von Selbstverständlichkeit, von denen die Rede ist, charakterisieren demnach zwei Arten von Realismus. Die erste – nennen wir sie die metonymische – bezieht sich auf den Plot, den Zusammenhang der erzählten Welt und deren Typik. Hier ist immer schon gewusst, wie und was das Weib oder die »modernen Menschen« so sind. Das Moderne hat man

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dabei generell eher ungern, fühlt sich, als habe man es in Richtung Zeitlosigkeit überwunden (man denke an den ersten Satz des Blutbuchenfests, an Bernhard Schlinks Abneigung gegen nicht-realistische Literatur oder Daniel Kehlmanns Invektiven gegen Avantgarde und Regietheater). Die zweite – nennen wir sie die Paradigmatische – zielt auf den Vergleich, das Verhältnis des Dargestellten zu den Möglichkeiten der gegebenen Kultur. Ein Tiegel ist ein Tiegel und will es möglichst naturhaft-archaisch auch sein; »Venus as a Boy« dagegen ist weder Venus noch ein Junge oder vielmehr beides, aber in einer spezifischen Konstellation, die immer auch anders sein und begriffen werden könnte. Indem der literarische Text diese Konstellation erst erschafft, nimmt er seinen eigenen Kunststatus zwar lockerer, indem er vermeintlich vorgeprägte Assoziationen (Björk) einlässt. Insgesamt aber löst er von einem traditionellen Kunstbegriff letztlich mehr ein als der krampfhaft auf Klassizität (»ewigkeitliche Frauengeste«, Tiegel!) bedachte Mosebach. Denn die kühne Kombination erschließt metaphorisch neues Gelände (Faun auf Plateausohlen). Selbstverständlich ist dabei nur, dass nichts, weder Rod Stewart noch Rubens, künstlich aus dem Assoziationsraum ausgeschlossen wird, bloß weil man Kunst macht. Das ergibt weder Pop noch das avantgardistisch-offene Kunstwerk, aber doch eine poetischere Variante realistischen Schreibens, die ins Offene zielt und nicht auf klassische Schließung, ins Offene des Vergleichs, der kulturellen Assoziationen und Möglichkeiten. Darin liegt auch die Verwandtschaft zu anderen Formen von Post-Pop, die das historisch Gegebene parahistorisch verrücken (wie Christian Kracht, Leif Randt oder Dietmar Dath) oder an avancierten Formen von Ironie arbeiten (wie ebenfalls Kracht, Wolf Haas oder Joachim Lottmann). Diese Gegenwartsliteratur ist der Lust zugänglich, auch jener spezifisch literarischen Lust am Spiel der Sprache, wie sie traditionellerweise im Gedicht zu Hause war. »Vielleicht kann ich einen Orgasmus tatsächlich nur im Gedicht erzeugen«, befürchtet Trompeters Erzählerin nach der misslungenen Liebesnacht mit dem »bear«, »vielleicht ist selbst die kürzeste Kurzgeschichte mir dazu zu prosaisch.« Wir sind bereit, Romane wie die von Julia Trompeter, Ulf Erdmann Ziegler und Teresa Präauer zu den Gedichten zu zählen.

Gegenwartsliteratur! Youtube, Youporn und Pop als neues Referenzuniversum in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Üblicherweise druckt The Gap keine andernorts bereits veröffentlichten Texte nach. Für diesen Text des deutschen Literaturprofessors Moritz Baßler, erstmals in Ausgabe 1/2015 der renommierten Zeitschrift Neue Rundschau (aktueller Fokus: »Gegenwartsliteratur!«) erschienen, machen wir allerdings eine Ausnahme. Warum wir ihn unseren Lesern nicht vorenthalten wollen: Er umreißt schnell und leicht verständlich, wie sich die Parameter in der einstmals so titulierten »Pop-Literatur« verschoben haben. 2002 schon hatte sich Moritz Baßler dem Thema in seinem bei C.H.Beck erschienenen Band »Der deutsche Pop-Roman« und damit jenen Autoren gewidmet, die er im Untertitel als »die Neuen Archivisten« bezeichnete: Thomas Brussig, Thomas Meinecke, Matthias Politycki, Benjamin von Stuckrad-Barre, Ingo Schulze, Sibylle Berg oder Judith Herrmann. Mehr als zehn Jahre später nun spricht kein Mensch, der bei Sinnen wäre, noch von Pop-Literatur. Einfach, weil heute alles Pop ist. Nicht mehr der klassische Kanon, nicht mehr die alte Hochkultur bildet den Rahmen. Das neue Koordinatensystem, unser aller Referenzuniversum ist Pop. Und notfalls googelt man halt, sind Youtube und Youporn ohnehin immer in Griffweite. Schon 2012, als wir Vea Kaiser mit ihrem Debütroman »Blasmusikpop« auch aufs Cover von The Gap hievten (der von uns geprägte Begriff des »Anti-Anti-Heimatromans« schaffte es auch in deutsche Feuilletons) überzeugte nicht nur ihr locker erzählter Duktus, nein. Die Sensation – und damit wohl auch Teil des Erfolgs – war auch, dass sich da eine junge Debütantin mit noch nicht einmal abgeschlossenen Altgriechischstudium frei und vollkommen selbstverständlich im Referenzuniversum der Alten bewegen konnte. In »Makarionissi«, ihrem ersten Roman nach dem Bestseller »Blasmusikpop«, bleibt Kaiser sich diesbezüglich übrigens treu. Aber lest selbst. thomas weber

ps: Und Alison Statton? Ist heute Chiropraktikerin in Cardiff. Vom Postpunk zur Alternativmedizin. Tja. 065

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Wie werden wir leben? Wie wollen wir leben? naChDenken ÜBer Die sTaDT Der zukunFT Was braucht die Stadt von morgen? Wie kann Zusammenleben auch in Zukunft funktionieren? Welche Versorgungsstrategien gibt es? Wer baut Infrastruktur? Was braucht moderne Mobilität? Wie wollen wir wohnen? Was wird aus dem öffentlichen Raum? Was macht urbane Kultur wirklich aus? Bleiben in einer »Smart City« noch Freiräume? Wie können wir als Bürger die Stadtentwicklung mitgestalten? Warum wachsen manche Städte – während andere schrumpfen?

Die gemeinsa me serie vonBior a m a unD The gap sTellT Fr agen unD zeigT konkreTe a nT worTen. www.biorama.eu/sinncity www.thegap.at/sinncity

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AB HIER: REZENS ONEN

150 Genetikk Achter Tag (Selfmade)

Urgewalt Genetikk schuf »Achter Tag«, und The Gap sah, dass es gut war. Die Crew entwickelt sich auf festen Bahnen konsequent weiter. Genetikk betreiben Kunst als Selbstzweck. Sikk und Karuzo haben sich komplett ihrer Vision verschrieben, ihre Laufbahn ist ein Stück Performance Art. Musik, Optik und Gehabe greifen fest ineinander und formen ein brüllendes Wesen aus falschem Gold. Mit »Achter Tag« soll sich diese Vision in den Köpfen der Sterblichen weiter festigen. Karuzo bezeichnet sich in Interviews kaum je als »Rapper«, sondern als »Künstler«. Diese Betonung auf Interdisziplinarität zieht sich durch das gesamte Schaffen von G-N-Doppel-K. Klar, begonnen hat alles mit zwei Jungs aus Saarbrooklyn, einer Garage und billigem Aufnahme-Equipment. Doch die visuelle Komponente spielte von Anfang an eine große Rolle. Das war schon beim Video zu »König der Lügner« klar, als der stämmige Karuzo in Clownschminke und Zylinder all seine Groupies zu Pornostars erklärte. Im Laufe der Alben haben Genetikk die Schminke durch maßangefertigte Masken ausgetauscht. Maskenrapper gibt es zur Genüge im deutschen Game, und auch bei Sido, Marsi, Cro und Co. dient die Verschleierung als Stilmittel. Doch kaum jemand legt so viel Wert auf ein audiovisuelles Gesamtbild wie Genetikk. Alles kommt aus einem Guss. Und »Achter Tag« fügt sich perfekt ein. Genetikk haben sich längst Unberechenbarkeit zur Routine gemacht, die 16 Tracks sind entsprechend bunt durchgewürfelt. Mal erklärt Karuzo sich in »Dago« feierlich zum größten F*cker im Game, Battlerap auf Brachialbeats in Reinform, Goldketten inklusive. Dann plötzlich ertönen sanfte Klavierklänge, und KappaAlpha-Rho gibt Einblick in seine Kindheit und packt Lebensweisheiten aus. »Wünsch dir was« greift dann überhaupt die Globalisierung und menschliche Gier an. Gerade der Musikclip, in dem man eine kurze Geschichte der menschlichen Grausamkeit präsentiert bekommt, zeugt von viel Liebe zur Botschaft. Also ein klares künstlerisches Konzept, geboren aus Intuition, verbreitet durch Musik. Und angetrieben durch den Wunsch nach Verwirklichung. Dass es so was noch gibt. Man will es ihnen fast glauben. 09/10 Philipp Grüll 067

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Pop, Bass, Hop

Und anderes Musikalisches dazwischen und darüber hinaus. Kuratiert (ha!) von Amira Ben Saoud. Shamir Ratchet (XL) — Kuhglocken-Armageddon und kein Pharrell in Sicht? Geht. Möglich macht’s ein junger Mann aus Las Vegas, dessen unverwechselbare Stimme alle Orte, die eine Discokugel führen, beschallen sollte. Der 20-jährige Countertenor Shamir hat dabei allein mehr Groove als alle fünf Scissor Sisters zusammen, seine Pop-Variante ist sexy, bunt und voller Attitude. Ein durchwegs fröhliches Sommer-Album, das leicht, aber dabei nicht platt ist. LA Priest Inji (Domino) — LA Priest ist die Art von Musiker, der sich seine Mikros selbst bastelt, um dann die Atmosphäre von leeren Räumen, in denen Instrumente stehen, aufzunehmen. Im Video zu »Oino«, der ersten Single, ausdruckstanzt er durch die Wüste. Eigentlich ist es ein Wunder, dass er so unglaublich zugängliche und einnehmende Musik produziert, zu der man bei Sonnenaufgang geschmeidig schmusen will. Vielschichtig, ohne kompliziert zu sein. Danke. Leyya Spanish Disco (Las Vegas) — Wer bei spanischer Disco auf Jürgen Drews hofft, wird mit dem Debütalbum Leyyas wenig Freude haben. Vielleicht wurde dieser Titel auch nur gewählt, weil »Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins« schon vergeben war. Coming-Of-Age-Elektronik, die man zwar immer wieder mal so ähnlich hört, die aber dennoch ihr Potenzial nicht verbergen kann. Das alles überstrahlende »Superego« vermag es sogar, einen SOHN neidig zu machen … Tyler, The Creator Cherry Bomb (Odd Future) — Tylers Grant und seine Art, ihn den Hörern ins Gesicht zu spucken, wie auf »Goblin«, dem ersten Teil der Albumtrilogie, die nun ihren Abschluss findet, ist passé. Die hübschen Melodien, der feine Jazz und auch die unkonventionellen Songstrukturen von »Cherry Bomb« können die anfängliche Rohheit, die Tylers Musik so auszeichnete, nur bedingt ersetzen, auch wenn hier noch immer ein Gott rappt, der das Pech hat, dass es ihm jetzt gut geht. GANZ Dino War EP (Terrorrhythm) — Wenn das Label »Terrorrhythm« heißt, kann man sich eh schon GANZ gut vorstellen, wie die Musik klingt. GANZ dick. Der Produzent ist auf das »up« in »Turnup« spezialisiert, weil Menschen lieber auf den Bass als auf den Bus warten und der Bass wenigstens GANZ verlässlich daherkommt. Dass die EP »Dino War« ihre Hörer nicht unbedingt gescheiter macht, zeigt diese Review übrigens GANZ gut. Denken und voll abgehen geht gleichzeitig halt GANZ schwer.

Und auSSerdem natürlich:

Emika – Drei (Emika) Klassische Musik für Leute, die keine klassische Musik mögen. Snoop Dogg – Bush (Columbia) Ein Blick in die Glaskugel sagt, es wird fantastisch. Hudson Mohawke – Lantern (Warp) Bellst du noch, oder singst du schon? Hier Zweiteres. Sie werden alle soft.

Soak Before We Forget How To Dream (Rough Trade)

Ein Niemand Wieder erklärt die BBC eine 18-Jährige zum »Next big thing«. Im Gegensatz zu Lorde, Sky Ferreira oder Lapsley ist Bridie Monds-Watson aber ein unaufgesetzter Teenager. Die Stadt Derry liegt am Meer, historisch bedeutsam, aber für jemanden, der dort aufwächst, nichts weiter als ein »Kaff«, umgeben von saftigen Wiesen, Felsenklippen und verfallenen Schlössern. Es regnet oft. Dann kann man wie in den Videos von Soak am Strand Spuren in den nassen Sand malen. Oder nach Osten zeigen, wo England, die große Insel der Pop- und Gitarrenmusik liegt, in dessen Schatten Irland vor sich hinzudösen scheint. Ebenso unscheinbar ist Bridie Monds-Watson, das Mädchen hinter dem Pseudonym. Sie treibt sich nach der Schule in Skaterparks rum, trägt bis oben zugeknöpfte Hemden, links und rechts ein schwarzes Plug im gedehnten Ohrläppchen, eine Nerd-Brille und Kurzhaarschnitt mit Undercut. Als sich ihre Freunde darüber Gedanken machen, in welcher Uni sie sich einschreiben sollen, veröffentlicht sie ihre erste Single bei Rough Trade. »Come on, come on, be just like me. Come on, come on, be a nobody!« singt sie darauf. Ein »Niemand« will sie sein, die Popwelt hingegen hat Großes mit ihr vor. Wie Cat Power oder Paul Brady in der Tonlage von Joni Mitchell soll sie klingen – süßlich angekratzt und unschuldig verbraucht. An Ellen Page in »Juno" soll sie erinnern. Es muss komisch sein, wenn einen das britische Feuilleton mit all diesen Persönlichkeiten vergleicht, bevor man überhaupt für sich selbst entschieden hat, wer man wirklich ist. Soaks Debüt ist mutiger Pop-Folk aus dem Mund einer Unsichtbaren. Bescheiden wie die Sängerin ist, möchte sie nicht »Multiinstrumentalistin« genannt werden, obwohl sie jede Spur selbst einspielt und aufnimmt. Stücke wie »Shuvels« erinnern an die Melodramatik von Daughter, »Blud« hätte Jake Bugg schreiben können. Dazwischen ein Hang zu großen Soul-Gesten und berührenden Melodien. Soak hat sich kürzlich nach ihrem SXSW-Auftritt ihr erstes Tattoo in Form eines Kaktus stechen lassen. Vielleicht eine Jugendsünde? Dieses Album jedenfalls ist keine. 07/10 franziska tschinderle

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Neigungsgruppe Indie

Schöner Lärm, betörende Stille, alles dazwischen und natürlich die obligate Ausnahme. Ausgewählt von Manuel Fronhofer. Unknown Mortal Orchestra Multi-Love (Jagjaguwar) — Die gefinkelt gespielte Gitarre steht nicht mehr so im Vordergrund wie zuletzt und auch die Grund­ stimmung ist eine andere. Unknown-Mortal-Orchestra-Master­ mind Ruban Nielson hat sein Faible für alte Synthesizer entdeckt und überführt das Zurückblicken auf verflossene Beziehungen in eine überaus funkige Psychedelik, die unerwartet optimistisch klingt. Durchzogen ist »Multi-Love« dabei von einem herrlichen Vintage-Sound.

Holly Herndon Platform (4AD)

Inkognito-Modus Lang ist es her, dass der Laptop zum Instrument der Stunde erkoren wurde. Holly Herndon macht Musik über unsere Hütte in der digitalen Gegenwart. Holly Herndon versucht etwas vom Alltäglichsten heute auf sehr künstliche Art zu vertonen – unsere digitale Schichten, unsere neuen Sehnerven und Gedächtniserweiterungen, unser soziales Netzwerk, unsere smarten Helfer und Allzweck-Drahtverbindungen. Je nachdem wie seltsam wir sind, verbringen wir mehr Zeit vor dem Laptop, dem Tablet oder mit dem Handy als jemals zuvor. Das ist die neue Arena, in der wir darum kämpfen, wie wir uns definieren, wo wir unsere Identität erfinden. Die richtigen Filme, die richtige Musik, sie haben ihre Definitionsmacht eingebüßt. Und als ob es nicht schon schwer genug wäre, sich im digitalen Raum eine zweite Heimat zu schaffen, haben sich dort auch noch böse Zellen eingenistet. Kraken saugen Informationen über uns ab, sammeln sie, bündeln sie, verkaufen sie. Und du kannst nichts dagegen tun. Naja, du kannst dir diese Platte anhören. Vielleicht löst sie etwas in dir aus, vielleicht wird dir ein kleiner Techno-Gospel auf »Platform« die Kraft geben, diesen Ort positiv zu verändern. Und dann kommt dir ein Track wie »Unequal« in 20 Jahren mit seinen verstellten, gefilterten Renaissance-Chören veraltet vor, weil es so leidig doch nicht geworden sein wird. Es ist erstaunlich, dass sich so wenige Alben mit unsrer digitalen Gegenwart beschäftigen. Holly erklärt sie zum Programm. Den Klang bestimmt der Rechner. In Berichten über sie darf der Hinweis auf die männlichen Avantgarde-Nerds und schwarz gekleideten Serato-Faces nicht fehlen. Holly macht nur gar nicht so viel anders, außer, dass sie rote Haare hat. Sie spricht in Interviews von Emotion, ihre Art, Stimmen und Spuren zu arrangieren, ist expressiv, aber wie bei vielen Kollegen eher spröde geraten. Es hilft zu wissen, dass sich »Chorus« etwa mit ASMR auseinandersetzt, jenem Phänomen, wenn sich Menschen von ganz bestimmten Sounds ein fast erotisches Jucken im Ohr bekommen. In Zeiten, in denen wir Laptop-Kameras überkleben, laufend in den Inkognito-Modus gehen und ein Geheimnis nur mehr dann bewahren können, wenn wir es für uns behalten, ist so ein Album aber nötig. Nicht, weil es so gut klingt, sondern weil es schöner, besser und verlockender klingen sollte. 07/10 stefan niederwieser

Novella Land (Sinderlyn) — Shoegaze, Kraut-Rock und Dream-Pop sind die Eckpfeiler für die Musik dieser fünf Londoner. Mal dröhnt es gehörig aus den Verstärkern, während das Schlagzeug druckvoll nach vorne geht. Mal dominiert eine gewisse Leichtigkeit, um die sich SoundSchleifen von Moog und Gitarre wickeln. Gefunden hat sich der Kern der Band schon 2010 – eine gemeinsame Liebe für die Gegenkultur der 60er-Jahre und Bands wie die Pale Saints und The Brian Jonestown Massacre hat geholfen. Hop Along Painted Shut (Saddle Creek) — Nach langer Zeit wieder ein Saddle-CreekRelease, der in Sachen Dringlichkeit dicht an den ganz großen Label-Kollegen dran ist – an diversen Bandprojekten Conor Obersts oder an Cursive zum Beispiel. Dass der eingängige Indie-Rock von Hop Along da mithalten kann, liegt vor allem an Frances Quinlan und ihrer Art zu singen. Wenn sie den zarten Schmelz durchbricht, um waidwund aufzujaulen, trifft einen das ganze Drama tief ins Mark. Django Django Born Under Saturn (Because) — Das Debütalbum von Django Django hat mit Unberechenbarkeit und Ideenreichtum punkten können und ist 2012 völlig zu Recht für den Mercury Prize nominiert worden. »Born Under Saturn« hat den Überraschungseffekt jetzt nicht mehr auf seiner Seite, bringt aber in vielen Momenten die alten Qualitäten mit und macht für Django Djangos Psychedelia-Experimente mit einer ausgefeilteren Produktion und weiterer Öffnung Richtung Dance-Sounds neues Terrain auf. Jacco Gardner Hypnophobia (Full Time Hobby) — Knietief steckt der Niederländer Jacco Gardner in den 60er-Jahren. Dabei ist der junge Mann natür­ lich viel zu spät geboren, als dass er diese Zeit selbst mit­erlebt haben hätte können. Sein psychedelischer Pop mutet geradezu barock an und hat eine träumerische Qualität. Authentisch klingt das, was Gardner da an Wurlitzer-E-Piano, Mellotron, einem antiken Klavier und diversen Gitarren macht – nur das Schlagzeug hat er nicht selbst eingespielt –, obendrein.

Und auSSerdem natürlich:

Blur – The Magic Whip (Parlophone) Ein Comeback als gelungene Zusammenführung alter und neuer Qualitäten. Soak – Before We Forget How To Dream (Rough Trade) Mit 18 schon einen Berg Erwartungen auferlegt bekommen – und erfüllt. The Vaccines – English Graffiti (Columbia) Weniger Garagen-Rock, mehr Pop. An den Reglern: Dave Fridmann. 069

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Pop. Was?

Für den Fetischcharakter und für die Regression des Hörens. Ausgewählt von Stefan Niederwieser. Ed Sheeran x (Asylum) — Ein Jahr lang ist Ed Sheeran schon durchgehend in den Charts, in Österreich, in den USA, im UK und überall. Nicht irgendwo, teilweise unter Zehn. Er ist nicht der einzige. Sam Smith, Taylor Swift, Helene Fischer, Sia oder Udo Jürgens – Alben dauerbrennen heute länger, weil sie als Kunstform nur mehr eine von vielen sind. Und weil es weniger Stars gibt. Einer der wenigen Neuen ist dieser total naise Dude Ed. ‫ليفك‬ ‫قلاخلادبع‬ (Telfaz11) — Über-Hit für ausgebeutete Wanderarbeiter in Dubai, Saudi Arabien und Qatar. Klimaanlage tragen, Klimaanlage installieren, wer macht das? Ich mache das. Nein, ich habe keine Angst vor meinem Sponsor. Allein der Text bringt HipHop auf den Punkt, die ganze Ohnmacht und all die Selbstermächtigung. Dazu führen drei Pakistani im Video ihren Arbeiter-Bling-Bling vor. Einwandfrei produziert, gerappt und geschnitten. Wann gibt es das für Erntehelfer bei uns? Years & Years Communion (Polydor) — Und dann wird man sich fragen, warum. Years & Years klingen nach Chris Brown, Maroon 5 und One Direction. Sie wollen Ohrwürmer schreiben. Da geht es darum, wenn sie wurlat und spitz auf Spielchen sind. Dazu Hände-in-die-Luft-Beats. Trotzdem glauben viele, das hätte mehr mit Disclosure oder Jai Paul zu tun. Hat es nicht. Das ist auch gar nicht schlimm. Wir wollen Pop. Der Sommer kommt. Kann ja nicht nur Caribou im Festivalzelt laufen. Ozmotic & Christian Fennesz AirEffect (Folk Wisdom) — Deine Kinder werden dir nachtrauern, deine Enkeln werden sich an dich erinnern, danach ist es vorbei, Staub und alles Ende. AirEffect macht Musik gegen die Zeit, es will eine Black Box sein, das die Sounds des Menschenzeitalters einfängt, konserviert und ausspuckt. Schön, wenn Musik mehr sein will als denkendes Geräusch. Nur warum das mit Sopran-Saxofon sein soll, muss einem erst einmal jemand erklären. Tei Shi Verde (Mom & Pop) — Alt-R’n’B war dann mal der Sound der Stunde und flüssige Klänge hätten wir in diesem Jahrzehnt mehr als genug gehabt. Tei Shi macht genau das. Aber wie Valerie Teicher die Spannung und Melodien bei »Bassically« immer weiter anschiebt, wie der Refrain von »See Me« aus dem Nichts taucht, wie auch »Go Slow« wieder Haken schlägt, das hat kein Ablaufdatum. Irgendwo zwischen Santigold, Jessie Ware und Blood Orange ist dafür immer Platz.

Und auSSerdem natürlich:

Soap & Skin – Mawal Jamar (Solfo) Ein syrisch-kurdischer Todesblues. Mark und Bein erschütternde Musik. Mavi Phoenix – My Fault EP (Self-Released) Macht jetzt in Linz Matura und gemeinsame Sache mit Left-Boy-Produzent. Hudson Mohawke – Lantern (Warp) Nächste Stufe Däncen. Trap geht Pop. Und wie.

Blur The Magic Whip (Warner)

Britpop. Nicht so ganz back Blur vermeiden geschickt den Eindruck, ihre Reunion nur wegen des Geldes gemacht zu haben. Neuen »Song 2« gibt es nicht. Damon Albarn und Konsorten wissen natürlich ganz genau, wie man ein Comeback nicht nur startet, sondern es auch gekonnt inszeniert. So britisch wie auf »Parklife« werden Blur zwar nie wieder klingen, aber man muss schon sagen: Chapeau. Gitarre, Gitarre, Gitarre – eine verschrobener als die andere – und ein bisschen gelangweilter Gesang von Damon Albarn obenauf. Frei nach dem Motto: Gebt dem Pöbel Zucker. Wieso jetzt auch ein schön vorhersehbares, anschmiegsames Comeback starten. Blur trauen sich etwas. Etwa, schlichtweg keine Hymne aus dem Hut zu zaubern. Es ist kein Whoo-hoo-Stück dabei, auch kein romantisch-schönes Geigengezupfe von »The Universal« und schon gar keine kitschig-schweren Chorgesänge in guter alter »Tender«-Manier. Sie setzen uns eine Single vor, die so gar nicht geradlinig ist. Eher dreckig, übellaunig und rotzig dahingeworfen. Blur klingen nicht so, wie es sich Fangirls and -boys vielleicht wünschen würden. Aber die Harmonik und Dynamik, die sie jetzt wieder zusammenschweißt, sucht ihresgleichen. Man kann hier die gern gestellte Frage aufwärmen: Is Britpop back? Oasis steht kurz vor der Reunion. Pulp arbeiten zumindest die eigene Geschichte in Dokus auf. Die Selbstbezogenheit des Insel-Sounds haben Blur aber gekonnt gestrichen – Hongkong hat sich nicht nur in die vorab veröffentlichten Videos inklusive obskurer Tanzeinlagen eingeschlichen, sondern auch die Bandphilosophie. Anstatt die Vorstadtprobleme in sinnigen Bildern zu behandeln und in erster Linie über das eigene Dasein zu sinnieren, greift Albarn nun über auf die Frage nach der Einsamkeit im Getümmel der Masse, die überbordende Konsumwelt, gar die Apokalypse. Sarkastischerweise nutzt die Band ihr Wissen um die Schnelllebigkeit des Internethypes, den sie um ihr Album herum aufgezogen haben. Doch auch wenn Blur demnach eigentlich mehr ein Konzeptalbum hinauspfeffern, das diese neuartigen, ja, gesellschaftskritischen Punkte besingt, liegt genau darin die Kraft des Albums. Im Bewusstsein des – pathetisch gesagt – Vergänglichen der heutigen Musikkultur. 07/10 lisa schneider

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#25: #22: Bilder der Katastrophe – Netzsprache: #24: Krisenberichte und Alltagskommunikation ihre ethischen Grenzen Wir Ökooptimierer in Null und Eins

Conchita Wurst Conchita (Sony BMG)

Es gibt heute so gut wie keine Katastrophe und kein anderes

Bei aller Liebe Ein Jahr, nachdem die uns den Schas gewonnen hat, kommt Conchita Wurst mit ihrem Debütalbum daher. Kann man machen, muss man aber nicht. Ist Im vergangenen Jahr dominierte kaum ein andere Persönlichkeit die österreichischen Medien so sehr wie Conchita Wurst. Innerhalb kürzester Zeit – oder vielmehr eines Abends, dem 10. Mai 2014 – avancierte Conchita von der schrillen Dragqueen zum Nationalheiligtum und in weiterer Folge zu einer österreichischen Gallionsfigur für Respekt, Liebe und Toleranz. Was war das schön. Man schaut ihr gerne zu, bei allem, was sie tut. Ob sie mal eben ihr tägliches »Rise Like A Phoenix« schmettert und dabei noch immer so viel gibt, als ginge es gerade um alles, oder ob sie die InterviewSofas und roten Teppiche der Welt abklappert und dort so eloquent erscheint, dass man fast nicht anders kann, als sich in sie zu verlieben. Dass Conchita sehr gut singen kann, muss sie an diesem Punkt niemandem mehr beweisen. Inzwischen ist sie aber auch Model, Synchronsprecherin, Moderatorin und Entertainerin. Da ist die ganze PopstarSache irgendwie in den Hintergrund gerückt, und eigentlich hat man sie ja auch nie wirklich als so einen gesehen. Jetzt also doch noch ein ganzes Album. Wirklich gewartet hat darauf wohl nur ihre Wurstgemeinde. Conchita liebt man halt nicht wegen ihrer tollen Musik, sondern aufgrund ihrer Person. Daher wundert es auch nicht, dass man sich dieses Album eigentlich hätte sparen können. Auf »Conchita« findet man die obligatorischen, groß aufgezogenen Selbstfindungs-Balladen, auf modern getrimmte Disco-Ausflüge, Motown-Staub mit Bläser-Action und sogar orientalisch angehauchte Klänge (mhh, so exotisch). Die Lyrics gehen leider teilweise in den Fremdscham-Bereich. Sie verleihen dem Ganzen die extra Portion Kitsch. Am Ende fühlt es sich viel zu dick aufgetragen an. Ein bisschen so wie Schlager, nur mit englischen Texten. Aber hey, niemand hat sich ein vielschichtiges Folk-Album mit Banjos erwartet, nur weil sie Bart trägt, oder? Da freut man sich eigentlich schon wieder über den Großraum-EDM-Rave, weil er nicht so melodramatisch ist wie einige andere Songs. Sei’s drum – Conchita liebt ihr Album, ihre Fans werden es lieben und der Rest soll sich einfach mitfreuen. 08/10 franz lichtenegger

Machen uns Apps zu nachhaltigeren Konsumenten? Ereignis von gesellschaftlicher oder politischer Bedeutung, von Jedes Kommunikationsmittel hat aufGüter die denen nicht sofort Bilder sind.Einfluss Ob Naturkatastrophen Die Produktionsundverfügbar Logistikprozesse, die oder Enthauptungen, mit denen die selbsternannten Krieger des Sprache, die für verwendet ankomwird. durchlaufen, bisdie sieKommunikation bei den Endverbrauchern Islamischen Staates ihren Terror verbreiten: Von allem gibt es Während den vielen Was Anglizismen, men, sindKulturpessimisten undurchschaubaringeworden. tatsächlich Fotos und Videos. Drohnen dringen in Katastrophengebiete vor, die Jargonbegriffen, Akronymen undsinnvoll der reduzierten Gramwirtschaftlich und ökonomisch ist, wird immer Menschen nicht betreten können und liefern aufsehenerregende matik der Netzsprache den Untergang des Abendlandes schwieriger zu beurteilen. Wer nachhaltig Bilder. All das wird im Internet publiziert und Medienkonsumieren müssen sich heraufdämmern sehen, erkennen andere darin die Frage stellen, siedurch dieses MaterialDschungel auch verwenden und ganz ihm möchte, muss ob sich einen voneine Tipps normale die in ähnlicher Form auch bei –und und Informationen damitEntwicklung, auch sich selbst – noch mehr Reichweite verschaffen. wühlen und stellt dann vielleicht Redaktionen, die die–ethischen Standards besonders ansetanderen Medien vom Brief über das Telegramm bis fest, dass Bio nicht immer nachhaltig ist undhoch dass zen, riskieren Wettbewerbsnachteile. Andere, die derart grausame zum Telefon – zu beobachten war.gar Wir wollen der Frage Plastikverpackungen manchmal immer die Bilder nicht publizieren, dassnicht das Material ohnehin nachgehen, wie neueargumentieren, technologische Entwicklungen schlechteste Alternative In der Ausgabe öffentlich verfügbar sei und diesind. Realität nichtnächsten unsere Alltagssprache beeinflussen undgeleugnet welchewerden Möglichkönne. Die Verantwortung trifft nicht Medien, sondern auch von twenty.twenty widmen wirnur unsdieder Frage, ob und keiten das Netz für kreative Beschäftigung mit Sprache die Betreiber von Online-Plattformen und es gibt sogar Versuche, wie uns Internetservices und Apps zu „Ökoptimierern“ und dieService PflegeProvider von Dialekten bzw. Soziolekten bietet. Internet machen können. in die Pflicht zu nehmen. Die 25. Ausgabe von twenty.twenty stellt die Frage, was es braucht, die Welt so darzustellen wie sie ist und wo die Grenzen dabei liegen.

Di., 25.11.2014 Di., 14.04.2015 17.06.2015 ––Mi., Empfang 18:30Uhr Uhr– Start – Start 19:00 Empfang 18:30 19:00 UhrUhr

– Empfang 18:30 Uhr – Start 19:00 Uhr The HubHUB Vienna, vienna.the-hub.net Impact Vienna, vienna.impacthub.net Impact HUB Vienna, vienna.impacthub.net Wien 7.,Lindengasse Lindengasse / Top Wien 7., 5656 / Top 18 18 –19–19 Wien 7., Lindengasse 56 / Top 18 –19 Die Die Veranstaltungsreihe Veranstaltungsreihe twenty.twenty twenty.twenty widmet widmet sich sich als als offene offene Die Veranstaltungsreihe twenty.twenty widmet sich als offene Diskussions plattform Zukunftsszenarien einer Welt Diskussionsplattform Zukunftsszenarien einer Welt 2020. 2020. Diskussionsplattform Zukunftsszenarien einer Welt werden. 2020. Denn: Denn: Zukunft Zukunft kann kann nicht nicht gepredigt gepredigt oder oder verordnet verordnet werden. Denn: Zukunft kann nicht gepredigt oder verordnet werden. Sie Sie gehört gehört diskutiert diskutiert und und gestaltet. gestaltet. Sie gehört diskutiert und gestaltet.

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Film

Der Knastcoach von Etan Cohen; mit Will Ferrell, Kevin Hart, Alison Brie

Der Knastcoach Kevin Hart bereitet Weichei Will Ferrell auf die Knasthölle vor – durchschnittliche Komödie, die vorwiegend auf tiefe Witzchen setzt. »Kiestering« – schon mal gehört? Nein, es handelt sich weder um eine Tortenglasur noch um eine Atemtechnik für Yogaübungen. Vielmehr bezeichnet »Kiestering«, wie uns »Der Knastcoach« lehrt, das Verstecken von Gegenständen im eigenen Anus. Wer Witze in dieser Gangart vermeiden will, ist sicherlich gut beraten, die erste Kino-Kollaboration der Comedy-Giganten Will Ferrell und Kevin Hart zu meiden … Weder sein fettes Konto noch sein einflussreicher Schweigervater in spe (Craig T. Nelson) können Hedge Fonds-Manager James King (Ferrell) davor bewahren, wegen Betrugs verurteilt zu werden. Der Richter brummt James die Höchststrafe von zehn Jahren auf – und das in der berüchtigten Zuchtanstalt Saint Quentin. 30 Tage bleiben dem Verurteilten, um seine Angelegenheiten zu regeln und sich auf die Knasthölle vorzubereiten. In seiner Verzweiflung bittet er den afroamerikanischen Autowäscher Darnell Lewis (Hart) um einen Crashkurs für das Überleben im Gefängnis. James geht aufgrund von Darnells Hautfarbe davon aus, dass dieser bereits eingesessen hat. Der Ärger des vermeintlichen Ex-Knackis löst sich in Luft auf, als James ihm 30.000 Dollar für den Job anbietet. Dass Will Ferrell in seinen Komödien gerne improvisiert, bekommen die Zuschauer auch in »Der Knastcoach« zu spüren. Die Dialoge mit Hart wirken meist ungezwungen und spontan, die Gags unberechenbar. Das lässt die Maschinerie der beiden Vollblut-Comedians auf Hochtouren laufen, beschert dem Film jedoch mehr Geschwafel als prägnante Pointen. Bestes Beispiel: James und Darnell simulieren eine Konfrontation auf dem Gefängnishof, Darnell schlüpft abwechselnd in verschiedene klischeehafte Häftlingsrollen und bedrängt James von allen Seiten. Eine witzige Szene, die sich aber zu lange hinzieht und am Ende ohne klaren Höhepunkt bleibt. Auffällig ist die hohe F-Wort-Dichte des Filmes – kaum ein Satz vergeht ohne verbalen Exzess. In dieser Hinsicht ist der peinigende (weil peinliche) deutsche Titel »Der Knastcoach« erst recht miserabel gewählt. Die US-amerikanische Originalfassung kommt als »Get Hard« in die Kinos – ein Wortspiel, das zugleich körperliches Abhärten als auch das Erigieren des männlichen Geschlechtsorgans zum Ausdruck bringt und den tiefen Grundtenor der Komödie perfekt anteasert. 06/10 Leo Dworschak

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META & FOSE PRESENT POOLBAR// FESTIVAL 10.7. — 15.8.15 Altes Hallenbad, Feldkirch poolbar.at Jack Garratt, Jaguar Skills, Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi, Wanda, James Hersey, Pusha T, Darwin Deez, William Fitzsimmons, Olympique, Dillon, King Khan & The Shrines, Etienne de Crecy, Patrice, The Menzingers, Kele (live/ Bloc Party) u.v.a.

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TEXT Franz Lichtenegger BILD Mirjam Devriendt, Berlinde De Bruyckere; Hubert Schmalix, Lee Thompson; Stadtgalerie Klagenfurt; Valentina Seidel; Gabriele Rothemann; Secession, Kristin Oppenheim, Heimann and Schwantes; Tatiana Lecomte

Die belgische Künstlerin Berlinde De Bruyckere befasst sich in ihrer Ausstellung »The Embalmer« mit Themen wie Tod, Vergänglichkeit und Transformation. Und das gleich an zwei verschiedenen Locations. Während Bregenz mit drei Stockwerken voller Kunstharz, Tierfellen und Holz aufwartet, wird in Dornbirn eine große Installation mit Pferdeskulpturen gezeigt. Von A nach B kommt man gratis mit dem Bus. Dauer: 18. April bis 5. Juli Bregenz, Kunsthaus / Dornbirn, Kunstraum

Berlinde De Bruyckere

TERMINE KULTUR

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TERMINE

KULTUR

Hubert Schmalix Hubert Schmalix sagt von sich selbst, er sei beim Malen nie nervös oder zornig – wie könnte er auch. Ornamentalische Teppichmuster und ein paar Nackerte, das geht sich immer aus. Ehemals den Neuen Wilden zugeordnet, balancieren die aktuellen Werke des gebürtigen Grazers elegant zwischen Figuration und Abstraktion, um stets ein wenig mit Porno zu kokettieren. Frechdachs. Dauer: 6. Mai bis 12. Juli Wien, Bank Austria Kunstforum

Sepp Schmölzer Ihr kennt doch diese abgetragenen Spielerfrauen, die nach der Scheidung plötzlich nicht mehr als Partyluder durchgehen. Die werden dann immer alle Schmuckdesigner. Sepp Schmölzer war da anders. Für den 1999 verstorbenen Avantgardisten musste Schmuck noch nicht einmal getragen werden, der künstlerische Aspekt allein war Anlass genug. Die Ausstellung dient als zweiter Abschnitt eines dreiteiligen Projekts. Eröffnung: 28. April, 19.00 Uhr; Dauer: 29. April bis 7. Juni Klagenfurt, Stadtgalerie

Not A House / But A Face

Valentina Seidel; Gabriele Rothemann; Secession, Kristin Oppenheim, Heimann and Schwantes; Tatiana Lecomte

Valentina Seidel und Joachim Brohm haben nicht nur Leipzig als Wahlheimat gemein, mit ihren fotografischen Arbeiten formen die beiden für den Fotohof Salzburg jetzt auch ein Power Couple Deluxe. Die von Brohm und Seidel dargestellten Personen und Gegenstände sind charakterisiert durch unorthodoxe Erscheinungen und eine durchgängig randständige Qualität. Eröffnung: 30. April, 19.00 Uhr; Dauer: 2. Mai bis 13. Juni Salzburg, Fotohof

Duck and Cover! Am 17. Oktober 1989 begann in der Bucht von San Francisco die Erde zu beben. Gabriele Rothemann war selbst dabei, als es um 17.04 Uhr Ortszeit hieß »Duck and cover!«. Rothemann hat zahlreiche Abbildungen aus Printmedien zusammengetragen und vereint diese nun in der nach dem Ausruf benannten Ausstellung mit Fotografien und Zeichnungen aus ihrem bisherigen Schaffen. Vernissage: 20. Mai, 19.00 Uhr; Dauer: 21. Mai bis 3. Juli. Wien Galerie Raum mit Licht

Kristin Oppenheim Lauscher auf, Kristin Oppenheim kommt nämlich mit dreamy Soundinstallationen daher. Das waschechte Honolulu-Girl befasst sich in ihrer Ausstellung »Echo« im Wesentlichen mit Schlaf, nächtlichem Wachsein und Träumerei. Klingt ganz so, als würde sich das ziemlich angenehm anhören. Passend dazu erscheint auch ein Album namens »Where Did You Sleep Last Night«. Eröffnung: 23. April, 19.00 Uhr; Dauer: 24. April bis 21. Juni Wien, Secession

Uncovering History Die Ausstellungsreihe »Disputed Landscape« in der Camera Austria beleuchtet das Thema Landschaft auf unterschiedlichste Weise. Im zweiten Teil der Serie behandeln fünf geladene Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt Gegenden, die durch militärische Konflikte gekennzeichnet sind oder waren. Die Wahlwienerin Tatiana Lecomte jedenfalls schafft es trotzdem irgendwie, das Ganze zu versexen. Props. Eröffnung: 15. Mai, 20.00 Uhr; Dauer: 16. Mai bis 5. Juli Graz, Camera Austria 075

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impulstanz Vienna International Dance Festival

»I have Social Disease. I have to go out every night. If I stay home & one night I start spreading rumors an z to my dogs« Andy Warhol t s l i mpu nt prese

Uraufführung 29. April–13. Mai 2015 Kasino am Schwarzenbergplatz

With the support of the Culture Programme of the European Union

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Photo: Chris Haring

Vorverkauf An allen Vorverkaufsstellen des Burgtheaters T +43.1.513 1 513 www.burgtheater.at

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www.dasTAG.at

T ermine

G a lerien

KREON

WER MENSCHENRECHTE SAG

T, DER LÜGT

Von Marc Pommeren ing Frei nach Sophokles Regie: Dora Schneider

Zum letzten Mal:

Do 21., Fr 22. und Sa 23.

Carola Dertnig, »Vanille Fudge« (2015, Transfer-Technik auf grundierter Leinwand, aufgespannt, 145 × 140 cm)

At Least I Did Not Rob A Bank Carola Dertnig zählt zu den wichtigsten Performance-Künstlerinnen Österreichs. In ihren Arbeiten ist sie meistens selbst Akteurin und behandelt vor allem Themen wie Identität und Gender. Dertnig arbeitet mit unterschiedlichen Medien, wobei sie oft private Texte und Aufzeichnungen oder Fotos in ihre Arbeiten miteinbezieht. In ihrer aktuellen Einzelausstellung untersucht sie Fragen zur Materialwahl. Ihr Ausgangspunkt ist Fremdmaterial, nämlich ein übermalter Filmstreifen des Regisseurs Ernst Schmidt. Interessant dabei ist, dass Schmidts Bruder diese bereits selbst übermalt hat, bevor Carola Dertnig diese verarbeitete. Autorenschaft, who got it? bis 23. Mai Galerie Andreas Huber, Wien

Johanna Binder, »wann ist jetzt« (2015, naughty canvas, installation with 16 casts, dimensions variable, plaster, resin)

Mai 2015

„Mit ‚Kreon‘ setzt das TAG seinen Erfolgslauf fort. (...) De r Text ist scharf, witzig und prä zise, die Inszenierung ist schnel l und verzichtet auf Mätzchen , das Ensemble spielt wirklich erstkl assig.“ KURIER

Wann ist jetzt? Johanna Binder definiert sich als Malerin. Ihr Zugang ist nicht radikal interdisziplinär oder performativ, sondern geprägt von dieser klassischen Kunsttradition. Sie greift auch in dieser Ausstellung eine Aussage des Künstlers Maurice Denis auf: »Es sollte bedacht werden, dass ein Bild, bevor es ein Schlachtpferd, eine nackte Frau oder irgendeine Anekdote ist, im Wesentlichen eine gewöhnliche Fläche ist, überzogen mit in bestimmter Weise angeordneten Farben«. Binder spricht von einer Befreiung der Malerei, indem sie weder Narration noch Figuration in ihren Bildern darstellt, sondern immer wieder den Prozess zwischen der Malerei und der Leinwand untersucht. bis 3. Juni Galerie 5020, Salzburg

FAUST-THEATER

Von Gernot Plass, fre

i nach Goethe

Di 12., Mi 13., Fr 15., Sa 16., Mo 18., Di 19., Di 26., Mi 27. und Do 28. Mai 2015 „Der beste ‚Faust‘ sei

KURIER

TEXT Carola Fuchs BILD Stefan Lux, Courtesy Galerie Andreas Huber, Wien

Photo: Chris Haring

Kärnten

Vom Wachsen und Werden – Gunter Damisch Stadtgalerie, Klagenfurt bis 7. Juni Frauen mit Visionen – Bettina Flitner Living Studio, Klagenfurt bis 31. Mai 100 Jahre Schwarzes Quadrat – Thom Barth Rittergallery, Klagenfurt bis 23. Mai

Oberösterreich

Bildende Kunst in Oberösterreich 1945–1955 Landesgalerie, Linz bis 16. August

Salzburg

Valentina Seidel / Joachim Brohm Fotohof Salzburg bis 13. Juni

Steiermark

Alle Architektur ist Raumkunst – Hubert Hoffmann Stadtgalerie Graz bis 7. Juni

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Tirol

David Ostrowski Kunstraum Innsbruck bis 13. Juni Rebellion – Ulla Rossek u.a Galerie der Stadt Schwaz bis 6. Juni

t langem.“

“Gernot Plass’ FaustTheater ist ein kleines Prachtstück der Klassikerbearbeitung. (…) DER STA NDARD

Wien

Rare Earth Tba21 bis 31. Mai Bis Ren Hang Galerie Ostlicht bis 19. Juni Florentina Pakosta Galerie Krobath bis 4. Juni Nora Schultz Galerie Meyer Kainer bis 6. Juni

WINNIE UND ADI

Textcollage: Ludwig Peter Ochs Regie: Hubsi Kramar

Wiederaufnahme:

Sa 30. Mai 2015 Di 2., Mi 3. und Sa 6. Jun

i 2015

TAG - Theater an der Gumpendorfer Straße Tickethotline: 01/586 52 22 oder karten@dasTAG.at Onlineticket: www.dasTAG.at 07.05.15 16:08


TERMINE

FESTIVALS

7 Fragen an Barbara Reumüller (»Identities« – Queer Film Festival) Auch das kann passieren. Ein queeres Filmfestival nimmt nur zum eigenen Programm Stellung. Und nicht zu den Themen, von denen diese Filme handeln. Das gehört dazu. Meistens will man im Journalismus eigentlich dasselbe, Aufmerksamkeit für eine gute Sache. Man streut in ein Interview ein paar auflockernde Fragen ein, stellt Highlights oder brisante Themen vor und alles ist gut. Aber manchmal gehen die Vorstellungen davon, wie das konkret aussehen soll, zu weit auseinander. Die Fragen passen nicht, sind zu schlecht recherchiert, sind zu oberflächlich, zu allgemein, zu erstklässlerisch oder es ist einfach keine Zeit mehr, sie rechtzeitig zu schicken. Weil wir aber in dieser Ausgabe nicht nur Queer Vienna am Cover haben, sondern auch ein wenig Nabelschau betreiben, haben wir uns entschlossen, die Fragen an das »Identities«Festival so abzudrucken. •G ab es in 20 Jahren Festival Eklats, Rülpser von Rechts, Rülpser von Links, die über die alltägliche Belästigung hinausgehen? • W arum fühlt sich Andreas Gabalier diskriminiert? •W as hat sich in vier Jahren Rot-Grün in Wien geändert? •W ir haben keine Ahnung von queerem Kino aus Österreich. Was gibt es da an Must-Sees und Regietalenten? •M it welchen Themen beschäftigt sich »Identities« 2015 neben dem klassischen Coming-Out noch? • I st LGBTQIA+ die jetzt korrekte Bezeichnung? Ist das griffiger als queer? • Sind auch bei euch Frauen unterrepräsentiert? »Identities« findet vom 6.–16. Juni in den Wiener Kinos Filmcasino Top Kino und Gartenbau statt.

Das Duo Pieter Ampe und Benjamin Verdonck aus Antwerpen entfacht mit »We don’t speak to be understood« ein Slapstick-Ping-Pong zwischen Genie und Wahnsinn.

Wiener Festwochen Was machen, wenn halb Wien vom Eurovision Song Contest belagert wird? Nichts, außer sich selbst treu bleiben. Genau das machen die Wiener Festwochen bereits seit 1951. Kaum bemüht, eine Trennung zwischen Musiktheater, Schauspiel, Performance und Film vorzunehmen, wird es 2015 fünf Uraufführungen, vier Neuinszenierungen und neun Premieren im deutschsprachigen Raum zu sehen geben – aus 20 unterschiedlichen Ländern. Darunter etwa eine Interpretation von Dostojewskis Opus »Die Brüder Karamasow« oder das Drive-In-Kino Analogue Eye, welches den Zuschauern unter Freilichthimmel junge Künstler aus Afrika präsentieren wird. Passend zur Programmvielfalt ziert ein Labyrinth den heurigen Festivalkatalog. 14. Mai bis 21. Juni verschiedene Locations, Wien

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TERMINE

FESTIVALS Edeka-Mann Friedrich Liechtenstein schildert in »Badeschloss« Skurriles über den Kurort Bad Gastein.

2.677 Die Anzahl aller Kurzfilme, die das Vienna Independent Shorts Festival 2015 eingereicht bekam. Für die Festivaljury bedeutet das vor allem, genau 25 Tage, 22 Stunden, 27 Minuten und 36 Sekunden im Kino sitzen und sich Filme ansehen. Dann wohl ohne Popcorn und Coke.

Vienna Independent Shorts »Das ist es!« So beschreibt der Philosoph Roland Barthes das Genre Kurzfilm, und genau darum geht es beim Vienna Independent Shorts Festival. Nämlich eine Short-Story innerhalb von maximal 30 Minuten auf den Punkt zu bringen. Das VIS wird sich in gewohnter Art dem Musikvideo als Kunstform widmen und mit internationalen Animationen und Art House-Produktionen auftrumpfen. 26. bis 31. Mai Wien, verschiedene Locations

TEXT florian thöni BILD Wiener Festwochen, Clemens Purner, Quadriennale Prag

Crossroads

Der norwegische Künstler Signe Becker setzt zum Thema Politik Skelette, Mannequins und Babys in Szene.

Öko-Krisen, soziale Brennpunkte, Entdemokratisierung. Crossroads, das Filmfestival für Dokumentarfilm und Diskurs im Forum Stadtpark Graz, widmet sich den wichtigen Themen von Heute. Reale Erzählungen und starke Bilder berichten über globale Probleme und dienen dabei als Denkanstoß für nachhaltiges Denken und alternative Spielräume. 3. bis 13. Juni Forum Stadtpark Graz

Viertelfestival

Das Viertelfestival ist ein Projekt der Kulturvernetzung Niederösterreichs. In vier aufeinander folgenden Jahren wird jeweils ein anderes Viertel präsentiert, dieses Jahr das Industrieviertel. Unter dem Motto »Durchbruch« werden mithilfe von 60 verschiedenen Musik-, Kunst- und Kulturprojekten Chancen und Zukunftsprognosen zum ehemaligen Silicon Valley Österreichs erstellt. 9. Mai bis 9. August verschiedene Locations, Niederösterreich

Quadriennale Prag An 11 Tagen 64 Ausstellungen, 1.000 Künstler aus 70 Ländern und mehr als 500 Live-Acts gleich hinter der Grenze in Prag. Das finden Besucher auf der Quadriennale – heißt so weil sie nur alle vier Jahre stattfindet – der weltweit größten Ausstellung für Szenografie und Theaterarchitektur. Unter dem Motto »Shared Space: Musik – Wetter – Politik« werden Konzeptkunst, Bühnendesign und szenografische Darstellung gefeiert. 18. bis 28. Juni verschiedene Locations, Prag

Theaterfest Niederösterreich

Wer Oper, Musical und Theater in einzigartig historischen Locations wie Burgen, Schlössern, Theatersälen und stimmungsvollen Open-Air-Bühnen erleben möchte, sollte an Sommerabenden zum Theaterfest nach Niederösterreich kommen. An verschiedenen Orten in der Region von Neuproduktionen bis griechische Komödie alles dabei. 14. Juni bis 19. September verschiedene Locations, Niederösterreich 079

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MUSIK

Mag seine Überraschungspakete gerne bunt und mit ordentlich Rauch drin: Dan Deacon.

Teenbeat Sommerfest Mit gutem Gespür für Qualität und jeder Menge Ambition hat sich der Teenbeat Club in den letzten Jahren als großer kleiner Player im Veranstaltungsbereich etabliert. Das verdient Respekt. Die wärmste aller Jahreszeiten könnte man deshalb zum Beispiel beim alljährlichen Teenbeat Sommerfest einläuten. Wo einerseits Steve Gunn an der traurigen Gitarre und andererseits Dan Deacon mit ideen- und farbenfrohem Elektronik-Pop zu sehen ist. Dass hier ein Sommerfest gefeiert wird, heißt natürlich nicht, dass bis Herbst dann Flaute herrscht. Ganz im Gegenteil: Mit Ought am 6. und Viet Cong am 31. August – jeweils im Chelsea – gibt’s zweimal Erstklassiges (und Kanadisches) aus der Abteilung Indie-Rock / Post-Punk. 8. und 9. Juni Wien, Wuk

Dan Snaith aka Caribou in freier Wildbahn – Probleme mit Allergien sind nicht überliefert.

The Full Hit Of Summer Noch so ein Doppelschlag: einmal Schwerpunkt Elektronik, einmal Schwerpunkt Gitarre – in beiden Fällen mit mehr als würdigen Vertretern ihrer Kunst. Und dazwischen ein bissl Zeit zum Erholen. Tag eins bringt Ohrwurm-Kaiser Caribou, das zärtelnde R&B-Update von Rhye und die 2014 mit dem renommierten Mercury Prize bedachten Young Fathers. Dazu noch: Timber Timbre und Garden City Movement. Im August legen dann die Indie-Rocker The War On Drugs und der ehemalige Fleet-Foxes-Schlagzeuger Father John Misty mit Tag zwei des Festivals nach. Auch sehr leiwand. 29. Juni und 18. August Wien, Arena

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TEXT Manuel Fronhofer, Jana Wachtmann BILD Frank Hamilton, Thomas Neukum, Cara Robbins, Marikel Lahana, Mirjam Unger, Affine Records, Sony Music

TERMINE

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MUSIK

highlights Di. 12. – Mi. 13.05. // 20:00 Kabarett

Foxygen Dass sich ein Beutezug durch die Musikgeschichte gerade dann gut ausgehen kann, wenn er unverschämt und sprunghaft, aber dennoch nicht platt erfolgt, lässt sich anhand von Foxygen belegen. Von Dylan bis Bowie, von den Beatles über T. Rex bis hin zu den Stones wird hier vieles weiterverarbeitet, umgedacht und eben nicht bloß kopiert. Exzentrik und Irrsinn werden im Paket gleich mitgeliefert. 21. Mai Wien, Wuk

Stermann, Grissemann & Oliver Welter

Mi. 13.05. Black Humour Festival

Hubsi Kramar in „Yorick stirbt“ von Joachim Vötter

C’est la Mü

Clara Luzia

Mi. 20.05. // 20:00 Improtheater

Theatersport-Ländermatch: English Lovers vs. Fastfood Theater

Die Cselley Mühle wird weit über die Grenzen des Burgenlands hinaus als traditionsreiches und gleichzeitig aufgeschlossenes Zentrum für Kultur geschätzt. Der inhaltlichen Breite der »Mü« zollt nun ein neues Festival Tribut – mit Kabarett, Lesungen und natürlich Konzerten. Auf drei Bühnen tummeln sich heimische Vorzeige-Acts wie 5/8erl in Ehr’n, Clara Luzia, Yasmo, Elektro Guzzi und Garish. 30. Mai Oslip, Cselley Mühle

Salopp! w/ Ogris Debris

Ogris Debris

Bild: Ernst M. Binder

Sophie Hunger Zwischen den Stühlen findet Sophie Hunger ordentlich Platz, um ihre Ideen zu etwas Eigenem zusammenzuführen. Die Schweizerin bedient sich bei »erwachsenen« Pop-Entwürfen, Jazz, Folk und sphärischen Klängen. Dass sie zwar meistens auf Englisch, aber auch auf Französisch und (Schweizer-)Deutsch singt, rundet den Facettenreichtum ab. 26. Mai Wien, Konzerthaus — 31. Juli Lustenau, Szene Open Air

Die Clubreihe Salopp! lässt im Juni wieder ordentlich antanzen: Ogris Debris und Ant Antic zum Beispiel. Erstere braucht man ja nicht mehr näher vorzustellen. Zweitere wiederum sind mit ihren verträumten Songs zwischen Indie und Elektronik neu bei Jhruza Records. Beide gibt’s live. Den Rest des Abends bestreiten Motsa, Catekk, Davi dB und Der Fux. 13. Juni Wien, Fluc

Do. 21.05. Black Humour Festival

Yllana: Brokers

Di. 26.05. // 20:00 Indie / New Folk

Sea Wolf

Do. 28.05. Black Humour Festival

Stuffed Puppet Theatre: The King

Sa. 30.05. // 20:00 LiteraturSalon

Vea Kaiser: Makarionissi oder Die Insel der Seligen

Di. 16.06. // 21:00 Punk / Hardcore

Defeater / Napoleon / Show Your Teeth

Di. 07.07. // 21:00 Punk / Hardcore

Hip Hop Open

Asap Rocky

OFF! / Astpai

Nach dem Debüt im Vorjahr macht der Österreich-Ableger des in Stutt­ gart bereits zum 13. Mal steigenden Hip Hop Open wieder einen auf dicke Hose. Zu unserer großen Freude! Asap Rocky – vom Genre-Erneuerer (Stichwort: Cloud-Rap) zum veritablen Großkaliber in null Komma nix – führt das Line-up an. Dazu gibt’s eine Deutsch-Rap-Schlagseite mit Acts wie ASD (Afrob & Samy Deluxe) und Prinz Porno. 17. Juli Wien, Arena

Mi. 08.07. // 21:00 Indierock

Two Gallants

So. 26.07. // 19:00 Singer / Songwriter

Bonnie „Prince“ Billy

Bild: PSI Music

TEXT Manuel Fronhofer, Jana Wachtmann BILD Frank Hamilton, Thomas Neukum, Cara Robbins, Marikel Lahana, Mirjam Unger, Affine Records, Sony Music

TERMINE

Kölsch

Liturgy

Thurston Moore

Künstler abseits der Norm möchte das Beatpatrol Festival mit dem Format »Les enfants terribles« präsentieren. Als Headliner der zweiten Ausgabe ist das dänische Kompakt-Signing Kölsch gebucht. Der Support kommt von Crazy Sonic, Florian Kaltstrøm und Bono Goldbaum. 13. Mai Wien, Kantine

Hipster-Black-Metal aus Brooklyn – nichts für Freunde der reinen MetalLehre, dafür aber umso spannender für alle anderen. Eine intensive Lärmerfahrung mit metaphysischem Selbstanspruch. Reichhaltig, roh, entwaffnend, eingängig. Ein Dudelsack darf auch ran. 1. Juni Wien, Arena

Schon so etwas wie eine Legende, dieser Mann. Indie-Rock würde ohne Sonic Youth, jene Band, die er 30 Jahre lang mitgeprägt hat, jedenfalls anders klingen. Und was Moores Solosachen betrifft: Die überraschen zwar nicht unbedingt, schließen dafür aber an alte Qualitäten an. 4. Juni Wien, Arena

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Sa. 15.08. // 19:30 Urban Brass

Moop Mama

POSTHOF – Zeitkultur am Hafen, Posthofstraße 43, A – 4020 Linz Info + Tickets: 0732 / 78 18 00, www.posthof.at

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Know-Nothing-Gesellschaft von Illbilly The K.I.T.T.

Wikipedia du Brockhausmörderin

illustration Jakob Kirchmayr

M

an trug an mich die Bitte heran, doch eine freundliche Kolumne zu »150 Jahre thegap« zu schreiben. Als alter sexpositiver Textschuster, der Wünsche nicht abschlagen kann, sagte ich sofort ja. Und stieß sogleich an meine Grenzen. Wie soll ich in lobpreisenden Lettern den Weg dieser Gazette, deren Brot ich unregelmäßigen Überweisungen zur Folge fresse, Highlights aus 150 Ausgaben Revue passieren lassen? Wie den Wandel, den dieses Blättchen von der schwarzweißen Studentenzeitschrift, die Britpop abfeierte, zur bunten Studentenzeitschrift, die sich selbst und ihre Freunde abfeiert, würdig nachvollziehbar machen? Nun, ich hoppelte in die Nationalbibliothek, um ganz oldschoolig und voll retro meinen alten Kumpel Brockhaus zu konsultieren, der mir gefälligst flüstern sollte, was den 1865 so in der Welt da draußen vor sich ging. Das erste was ich in der Bibliothek erfuhr, war, dass es »JahrgangsBrockhäuser« erst ab 1993 gibt. Dass man den Plural von Brockhaus regulär bildet tröstete mich über die erste Enttäuschung hinweg. »Gnädiges Fräulein«, sagte ich dann, »gnädiges Fräulein, dann bitte ein Brockhaus-Jahrbuch für 2014.« Sie schaute verzwickt. »Ich möchte Sie ja nicht belästigen, aber ich war im letzten Jahr ein wenig von meiner Umwelt isoliert auf Forschungsreise in den Regenwäldern Borneos. Gorillas schauen, Sie verstehen? Ich hab sicher viel versäumt ...« »Unter anderem, dass der Brockhaus dicht gemacht hat. Es kommt nichts Neues in Druckform mehr dazu und Altes auch nicht. Ich darf Sie einladen, die Wikipedia zu besuchen«, erwiderte die junge Mamsell trocken auf meine wahrscheinlich wohl viel zu subtile Avance. So viel sprödem Charme konnte ich nicht widerstehen. Ich empfahl mich und zog von dannen. Nicht aber ohne kurz in mein Vademecum zu notieren, mit dem geschwollen Reden und Schreiben aufzuhören. Gott sei Dank wird es »thegap« immer auch auf Papier geben, dachte ich. Erstens sind die nämlich nicht der Brockhaus.

Auch wenn die eine oder andere enzyklopädische Inselbegabung dort in der Redaktion ihre einsamen, autistischen Runden dreht. Und zweitens: Wer sollte denn sonst meine herrlichen Ergüsse abdrucken? Wo sollte ich meine kleinen geheimen Zwänge aufarbeiten? Zum Beispiel den, dass ich in meinem ganzen Leben noch nie eine Bewerbung für einen Job ausgedruckt wohin geschickt habe. Ich habe einfach zu viel Angst davor, dass ich auf die Unterlagen gedankenverloren mit Kuli »Fotze«, »Pimmel« oder »Smegma« draufkritzle und es dann absende. Oder erklären, dass meine Hemden deswegen so zerknittert sind, weil ich das Bügeleisen nicht mehr finde, da ich es zu gut versteckt habe. Aus purer Furcht es nach einer Bügelrunde versehentlich angesteckt zu lassen. Um dann, wenn es piepst, heranzueilen, übers Kabel zu stolpern und regungslos liegen zu bleiben, bis alles elendig in Flammen aufgeht. Und meine Besessenheit, den Kauf von Produkten zu vermeiden, die einen Doktortitel tragen, kann ich auch nur hier bei »thegap« darlegen. Dr. Kottas Kräutertees, Dr. Beckmanns Fleckensalz, Doc Martens, Dr. Hauschka oder die biozertifizierte Flüßigseife von Dr. Bronner, auf die gut gepflegte Bio-Ladys & Gentlemen gerade so narrisch sind, werden bei mir zu Hause nicht zu finden sein. Eben wollte ich übrigens »Bio-Bitches« schreiben, weil ein kleiner Stabreim immer alles ein bisschen flutschiger macht, aber man muss auch mal loslassen können. Man braucht nicht jede Alliteration, die um die Ecke biegt, mitzunehmen. Das war übrigens eine meiner Haupterkenntnisse meiner Borneo-Beobachtungen. Nächster Stopp Wikipedia. Die Brockhausmörderin, wie ich seit Kurzem zu sagen pflege. Wenn man dort schaut, was vor 150 Jahren so los war. Meine Güte. Und wie man die Brücke in die Gegenwart schlagen kann, ohne dabei zu viel zu konstruieren, ist ein Wahnsinn. König Leopold segnete etwa das Zeitliche. Das war der Herrscher über Belgien. Dass er in einer Jazz-HipHop-Weirdo-Partie heute

noch ein Begriff ist und weiterlebt, finde ich schön. In den USA ging es auch rund. Abraham Lincoln trat 1865 seine zweite Amtszeit an. Sie währte nur wenige Wochen, weil er dann ins Theater musste. Wie es ausging, ist glaub ich bekannt. Walt Whitman schrieb daraufhin das Gedicht »Oh Captain! My Captain!« Den Film »Der Club der toten Dichter« hätte es also nie gegeben, wäre Lincoln zu Hause geblieben. Das Patent auf die erste Billard-Kugel aus Nicht-Elfenbein wurde ebenfalls vergeben. Wilhelm Busch veröffentlichte »Max und Moritz« und Wagners »Tristan und Isolde« wurde uraufgeführt. Wagner mag ich ja vor allem deswegen, weil ich bei ihm nie durcheinander komme, was er so komponiert hat. Da tu ich mir bei Rossini, Verdi und Puccini viel schwerer. Der alte Stabreimer Wagner kam mir unlängst beim Einkaufen wieder in den Sinn. Meine Besessenheit in Sachen Produkte, die einen Doktortitel im Namen tragen, geht ja mittlerweile sogar schon so weit, dass ich in Supermärkten ein bisschen interveniere. Dr. Best Zahnbürsten verräume ich gerne nach ganz hinten ins Regal und am Tiefkühlfach ertappte ich mich dann dabei, wie ich fröhlich den Walkürenritt vor mich hinpfiff, während ich »Original Wagner Pizza« auf die von Dr. Oetker stapelte. Soll man übrigens beides nicht kaufen – auch weil sie grauslich sind. Jedenfalls fiel mir auf, dass es Wagner zwar in die Tiefkühltruhe geschafft hat, weltweit aber mehr Pizzerien nach Rossini, Verdi, oder Puccini benannt sind. Wo ist der Daten-Journalist, der rausfindet, wer von den drei Italo-Komponisten als Pizza-Pate die Nase vorn hat? Ich tipp auf Rossini. Wissen tu ich es nicht. Aber die Wikipedia auch nicht.

Illbilly The K.I.T.T. www.facebook.com/ illbilly

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Wir gratulieren

The GAP zur 150. Ausgabe ... und freuen uns auf den Welttag der kulturellen Diversität, den österreichischen Eurovisions Song Contest und mehr österreichische Musikidentität in den österreichischen Radios

Die Interessenvertretung der Film- und Musikwirtschaft in Österreich ∙ www.filmandmusicaustria.at

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Ich will. Ich kann., Ich mach s. . n ie w in n e d n ü gr er Wiener Start-up-Szene TAG d

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