Skip to main content

Der gebaute Kompromiss!?

Page 1

Technische Hochschule Nürnberg GSO Fakultät Architektur Theorie der Architektur und Entwerfen Prof. Dr. Richard Woditsch

Theorie der Architektur und Entwerfen

Wissenschaftliches Arbeiten: Studentische Beiträge

Der gebaute Kompromiss!?: Wie kann das soziologische Arena-Modell nach Renn auf städtebauliche Entscheidungsprozesse angewendet werden und welche Potenziale ergeben sich daraus?

Verfasser: Hannes Köhnlein, Matrikelnummer: 3135917


Seminararbeit im Fach M 4030 Wissenschaftliches Arbeiten Seminarleiterin: Jennifer Raum (M.A.) Wintersemester 2021/22 Abgabedatum: 20.01.2021 Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm Fakultät Architektur Bahnhofstrasse 90 90402 Nürnberg Lehrbereich Theorie der Architektur und Entwerfen Postanschrift: Postfach 90121 Nürnberg Internet: http://tae.ohmarch.de/


Technische Hochschule Nürnberg GSO Fakultät Architektur Theorie der Architektur und Entwerfen

Prof. Dr. Richard Woditsch M. A. Jennifer Raum

Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung 1.1 Intention 1.2 Formulierung eines Forschungsschwerpunktes 1.3 Methodik 2. Stand der Forschung 3. Das soziologische Arena-Modell als städtebauliches Planungstool 3.1 Das Arena-Modell nach Ortwin Renn 3.1.1 Grundlagen und theoretische Basis 3.1.2 Anwendungsbereiche 3.2 Öffentliche Konflikte - Städtebauliche Entscheidungsprozesse 3.2.1 Entscheidungsprozesse als Grundlage städtebaulicher Transformation 3.2.2 Akteure und Partizipation 3.3 Das soziologische Arena-Modell: Anwendung im städtebaulichen Kontext 3.3.1 Anwendung als städtebauliches Analysetool 3.3.2 Anwendung und Potenziale in städtebaulichen Planungsprozessen 3.3.3 Exemplarische Anwendung im Rahmen einer aktiven Arena: Standortsuche für eine Interimsspielstätte des Opernhauses in Nürnberg 4. Kritische Würdigung 5. Epilog: Die Stadt der Zukunft - Der gebaute Kompromiss!? 6. Bibliografie


1. Einleitung

1.1 Intention Der Wettbewerb für einen Neubau auf dem ehemaligen Grundstück eines KarstadtGebäudes am Nordbad in München (2021)¹ steht exemplarisch für die Frage, wie mit Gebäuden dieser Größenordnung und Funktionsweise in städtebaulicher Hinsicht umgegangen werden kann. Dipl.-Ing. Marlene Testa beschreibt die ursprüngliche Wirkungsweise von Warenhäusern in ihrer Dissertation als „mächtige Bezugspunkte des modernen städtischen Lebens“2 und betont dabei die Bedeutung für das städtische Gefüge, welche über die reinen funktionalen

Aspekte des Bauwerkes hinausging.3 Während die Entscheidung in dem genannten Beispiel auf den Abriss des Bestandsgebäudes fiel, liegt die Frage nahe, ob eine Umnutzung im Sinne einer Wieder- bzw. Weiterverwertung von Ressourcen ebenfalls realisierbar gewesen wäre. Auf einer übergeordneten Ebene implizieren die Untersuchungen von Marlene Testa allerdings, dass die Frage nach der Nutzung an dem jeweiligen Standort eines (ehemaligen) Warenhauses über die explizit baulichen Aspekte hinausgeht. Vielmehr scheint ein Ansatz relevant, der das städtebauliche Vakuum multiperspektivisch thematisiert.

Mit Multiperspektivität gehen im Zweifelsfall allerdings divergierende Interessen einher, welche die Komplexität von Entscheidungsprozessen erhöhen können. Ebenfalls kommt der Frage nach den jeweiligen Grundlagen, auf denen Entscheidungen basieren, eine zentrale Bedeutung zu. Die vorliegende Studienarbeit zielt darauf ab, die Potenziale eines interdisziplinären Ansatzes (Architektur/ Städtebau und Soziologie) im Hinblick auf die Anwendbarkeit in konfliktbehafteten städtebaulichen Entscheidungsprozessen zu prüfen.

1 vgl. https://shs93.de [Realisierungswettbewerb: Neubau des ehemaligen Karstadt-Areals am Nordbad] 17.01.2022 2 Testa, 2019, S.35 3 vgl. ebd.

5


1.2 Formulierung eines Forschungsschwerpunktes Versteht man die Stadt als Gefüge verschiedener Akteure 4, die jeweils divergierende Interessen haben, erscheint jede städtebauliche Planung – welche die bestmögliche Vereinbarkeit des Gefüges zum Ziel hat - zunächst unlösbar. Häufig sind Maßnahmen in diesem Kontext als Kompromiss zu verstehen, welchem ein Aushandlungsprozess zugrunde liegt. In anderen Fällen gelingt es einzelnen Akteuren, ihre Interessen durchzusetzen. Die vorliegende Arbeit versteht sich als Untersuchung aus der Perspektive der Architektur bzw. des Städtebaus. Der vor-

angegangenen These entsprechend, liegt im Hinblick auf den interdisziplinären Ansatz eine soziologische Theorie nahe, die ein Verständnis für Konflikte auf dieser Ebene der Organisation des Zusammenlebens ermöglicht. Prof. Dr. Ortwin Renn bietet mit seinen Darstellungen zu dem soziologischen ArenaModell einen Ansatz, den er in Bezug auf öffentliche Konflikte bereits in interdisziplinären Formaten im Kontext der chemischen Industrie empfohlen hat. (siehe hierzu Abschnitt 3.1.2)

dieser übergeordneten Zielsetzung leitet sich folgende Forschungsfrage ab:

Der gebaute Kompromiss!?: Wie kann das soziologische Arena-Modell nach Renn auf städtebauliche Entscheidungsprozesse angewendet werden und welche Potenziale ergeben sich daraus?

Folgend soll daher die Vereinbarkeit des soziologischen Arena Modells nach Renn auf die Anwendung im städtebaulichen Kontext geprüft werden. Aus

4 Das Wort Akteur ist gem. Duden zunächst männlich konnotiert. Da die männliche Form in den meisten für diese Arbeit relevanten Publikationen verwendet wird, soll auf eine gendergerechte Anpassung verzichtet werden. Im Sinne einer zeitgemäßen Betrachtungsweise ist das Wort „Akteur“ im Kontext dieser Arbeit als ein geschlechtsneutraler Begriff zu verstehen, der sich auf eine „handelnde“ Person bezieht.

6


1.3 Methodik Die Untersuchung zielt darauf ab, bestehende Organisationsstrukturen im Sinne der Gemeinschaft zu hinterfragen. Ein multiperspektivischer Ansatz soll Potenziale ausloten, die die Vereinbarkeit von differenzierten Interessen einer Stadtgemeinschaft - in einer sozialverträglichen Art – gewährleisten. Als grundlegender Ansatz im Verständnis von Entscheidungsprozessen wird das soziologische Arena-Modell nach Renn vorausgesetzt. Öffentliche Konflikte und die damit einhergehenden Entscheidungsprozesse sind folglich ausschließlich in Zusammenhang mit diesem

Modell zu verstehen. Aufbauend auf dieser Grundlage sollen die Potenziale und die zugrundeliegende Systematik kritisch auf die Vereinbarkeit mit der These des gebauten Kompromisses - als städtebaulichen Idealzustand - untersucht werden. Der Erkenntnisgewinn ergibt sich primär aus der konkreten Bezugnahme des soziologischen Arena-Modells nach Renn auf städtebauliche Entscheidungsprozesse und folglich auf das Stadtgefüge insgesamt. Die kritische Untersuchung soll mögliche Potenziale beleuchten und die Anwendbarkeit der Theorie in Bezug auf den konkreten Städtebau hinterfragen. Das Aufzeigen bzw. die

7

Auseinandersetzung mit der zugrundeliegenden Systematik von Prozessen soll potenzielle Entscheidungsträger*innen im städtebaulichen Kontext dazu befähigen, fundierte Entscheidungen zu treffen, welche die Interessen einer Vielzahl von Akteuren – insbesondere von Minderheiten – beinhalten bzw. berücksichtigen. Um das Anwendungspotenzial der Theorie im Sinne eines interdisziplinären Ansatzes zu prüfen, sollen zunächst die relevanten Grundlagen des Modells erläutert werden. Ebenfalls erfolgt eine Eingrenzung bzw. Erläuterung des zu untersuchenden Anwendungsbereiches und der jeweiligen Akteure.


Aufbauend auf der abstrakten Auseinandersetzung mit der Theorie soll eine exemplarische Anwendung der grundlegenden Systematik im städtebaulichen Kontext durchgeführt werden. Als Basis der Auseinandersetzung dienen die Publikationen zum soziologischen Arena-Modell von Prof. Dr. Ortwin Renn. Ergänzt wird diese Sammlung durch theoretische Ansätze und inhaltliche Beiträge aus dem Bereich des Städtebaus. Die exemplarische Anwendung basiert auf der Grundlage einer Medienrecherche, die in Bezug auf den ausgewählten Konflikt erarbeitet wird.

8


2. Stand der Forschung

Begriff Arena/ Arena-Modell: Der Begriff Arena wird – sowohl als metaphorisches Konstrukt als auch in Zusammenhang mit soziologischen Modellen – in verschiedenen wissenschaftlichen Kontexten verwendet. Norbert Baumgärtner thematisiert das Arena-Modell zur Erklärung öffentlicher Konflikte beispielsweise in der Publikation

Albrecht Lüter beschreibt das Arena-Modell in seiner Publikation Die Kommentarlage:

Profilbildung und Polyphonie in medienöffentlichen Diskursen, in Zusammenhang mit der „politischen Akteursrolle der Medien“. (Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, GWV Fachverlage GmbH, 2008)5

Risiko- und Krisenkommunikation: Rahmenbedingungen, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren, dargestellt am Beispiel der chemischen Industrie. Hier-

Bezugnehmend auf „Symbolischen Interaktionismus“ und damit einhergehend „grenzüberschreitende[r] Zusammenarbeit“ werden die Begriffe „soziale Welten“ und „Arena“ beispielsweise in

bei bezieht sich Baumgärtner überwiegend auf das ArenaModell nach Renn. (Hut: München, 2002).

Management ohne Grenzen. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit erfolgreich gestalten, von Andrea D. Bührmann,

Matthias Horwitz und Sabine v. Schlippenbach verwendet. (Wiesbaden: Springer Fachmedien, 2013) Der Begriff Arena findet ebenfalls im Bereich der Wirtschaftssoziologie Anwendung.6 Armin Nassehi und Irmhild Saake gebrauchen den Begriff Arena in ihrer Publikation Ethik – Normen – Werte, außerdem in Verbindung zu dem „Arenamodell der Gesellschaft“ nach Nassehi. (Wiesbaden: Springer Fachmedien, 2015)

5 Lüter definiert das „Arena-Modell der politischen Öffentlichkeit“ („public arena - Modell“) als sozialtheoretisches „Grundgerüst für die Untersuchung der Rolle von Medien als politisch[e] Akteur[e]“. (Seite 45) Unter anderem wird das Modell in diesem Zusammenhang als „feste Größe neben dem nachgrade klassischen Ansatz von Habermas“ beschrieben. Ebenfalls wird auf die Anwendungsbereiche in der „Bewegungs- und Protestforschung“ sowie auf „Analysen zu deliberativer Politik“ verwiesen. 6 Im Bereich der Wirtschaftssoziologie kann der Begriff beispielsweise folgend definiert werden: „Arena = formeller, kultureller und sozialer Raum für die Interaktion von Akteuren zu bestimmten Themen (formal: denn es gibt Regeln; ku[l]turell und sozial: denn es kommen viele Individuen zusammen).“ https://www.karteikarte.com [grundgedanken-des-arena-konzeptes] 14.11.2021

10


In einem Beitrag zur ARCH+ - Ausgabe An Atlas of Commo-

Soziologie. Band 2: Die Individuen in ihrer Gesellschaft, einen

ning. Orte des Gemeinschaffens,

Überblick über die Definitionen und Modelle des sozialen Handelns. (Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, GWV Fachverlage, 2007)8

verwendet Stefan Gruber den metaphorischen Ansatz der Begrifflichkeit in Zusammenhang mit Commons bzw. Commoning. (Berlin: ARCH+, Ausgabe 232, 2018, S.44-47)7 (Städtebauliche) Entscheidungsprozesse: Aus soziologischer Sicht sind städtebauliche Entscheidungsprozesse - gem. dem Ansatz des Arena-Modells - im Kontext der Definition von sozialem Handeln aus der Perspektive der Akteurstheorien zu verstehen. Unter anderem bietet Heinz Abels in seiner Einführung in die

Das soziologische Arena-Modell nach Renn: Das soziologische Arena-Modell nach Prof. Dr. Ortwin Renn bildet die zentrale soziologische Grundalge für das Verständnis von öffentlichen Konflikten in dieser Arbeit. Als Basis seines Modells nennt Renn „the political concept of arena policies“ nach „Lowi 1964; 1975; Kitschelt 1980 und 1986 sowie Beiträge von Hilgartner

und Bosk 1988.“ Ebenfalls erwähnt Prof. Dr. Renn in diesem Zusammenhang die „basic structure of resource mobilisation theory (Lipsky 1969; McCarthy und Zald 1973; Zald 1988)“. Als Inspiration führt Renn die Schriften von „Parsons (1951); Coser (1956); Easton (1965); Giddens (1985) und Gamson (1990)“ auf.9 Renn beschreibt das soziologische Arena-Modell in The

Social Arena Concept of Risk Debates. In: Social Theories of Risk. (Westport: Praeger 1992, S. 179-197)

7 Hier wird das metaphorische Konstrukt folglich auch in direktem Zusammenhang zu Architektur bzw. Stadtplanung verstanden. 8 Exemplarische Auswahl, da nicht der Hauptgegenstand dieser Arbeit. 9 Siehe hierzu: Renn: The Social Arena Concept of Risk Debates. In: Social Theories of Risk. Westport: Praeger, 1992, S. 179-197

11


Außerdem thematisiert er die Theorie in Die Austra-

gung öffentlicher Konflikte um chemische Produkte oder Produktionsverfahren – eine soziologische Analyse. In: Kommunikation und Konflikt. Fallbeispiele aus der Chemie.10 (Frankfurt am Main: Königshausen und Neumann, 1998, S.11-52) In der Publikation Risk, Uncertainty and Rational Action. von C.C. Jaeger, O. Renn, E.A. Rosa und Th. Webler, wird die „ArenaMetapher“11 ebenfalls beschrieben. (London: Earthscan, 2001, S.175-182)

wendung. Unter dem Titel Deu-

tungs- und Nutzungskonflikte ehemaliger NS-Großprojekte in der Gegenwart (2015), wurde das Modell von Studierenden des Masterstudienganges Urbanistik - Lehrstuhl Raumplanung und Raumforschung, an der Bauhaus-Universität in Weimar als Analysetool eingesetzt. Inspiriert von diesem Ansatz, untersuchte Hannes Köhnlein städtebauliche Entscheidungsprozesse im Kontext des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg. (Technische Hochschule Nürnberg, Studiengang Master Architektur, 2021)12

Stadtentwicklung – Soziologie: Die Studienarbeit zielt darauf ab, Planungsprozesse durch eine um einen soziologischen Ansatz erweiterte Perspektive zu optimieren. Dieser Ansatz wird in diversen Schriften thematisiert. Exemplarisch kann beispielsweise die Publikation Soziologie der Stadt von Frank Eckhardt genannt werden. Hier bietet der Autor unter anderem einen Überblick über die klassischen Positionen der Stadtsoziologie. (Bielefeld: transcript Verlag, 2004)

Das soziologische Arena-Modell nach Renn findet unter anderem auch in Studienarbeiten An-

10 Herausgeber: O. Renn und J. Hampel 11 Im engl. Original: „The Arena Metaphor “ 12 Die Erkenntnisse aus dieser Arbeit sind unter anderem als Anlass zu verstehen, diesen Ansatz in einem (übergeordneten) städtebaulichen Rahmen weiter zu verfolgen.

12


Bernhard Schäfers fasst in seiner Publikation Stadtentwick-

lung im Spiegel der Stadtsoziologie, verschiedene Arbeiten zur Stadtentwicklung und Stadtsoziologie von 1970 bis 2006 zusammen. (Konstanz: HartungGorre Verlag, 2006) Die Publikation Interdisziplinäre

Stadtforschung. Themen und Perspektiven, von Raphaela Kogler, kann thematisch ebenfalls in diesem Interessengebiet verortet werden. (Bielefeld: transcript Verlag, 2021)13

Ortwin Renn bietet mit seinen Ausführungen zu dem soziologischen Arena-Modell einen Ansatz, der in der Vergangenheit bereits in einem interdisziplinären Rahmen (Soziologie und Chemieindustrie bzw. Naturwissenschaften) angewendet bzw. vorgestellt wurde. Die vorliegende Studienarbeit zielt darauf ab, die Potenziale der Theorie nach Renn in Bezug auf die praktische Anwendung im städtebaulichen Kontext zu untersuchen.

Wie die vorangegangene Darstellung verdeutlicht, wird der Begriff der Arena in verschiedenen Kontexten verwendet.

13 Exemplarische Auswahl, da nicht der Hauptgegenstand dieser Arbeit.

13


3. Das soziologische Arena-Modell als städtebauliches Planungstool

Um das Anwendungspotenzial der Methodik in Bezug auf einen städtebaulichen Kontext zu prüfen, sollen zunächst die theoretischen Grundzüge des Arena-Modells näher untersucht werden. 3.1 Das Arena-Modell nach Ortwin Renn Das Arena-Modell nach Renn kann als spezifischer Rahmen für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Strukturen und Dynamiken von öffentlichen Konflikten in einem ausgewählten politischen System verstanden werden.14 Voraussetzung für die Anwendung des Modells ist ein „pluralistisch[er] und

demokratisch[er]“15 politischer Kontext.16 Unter dieser Prämisse ist das Modell überwiegend auf den US-amerikanischen und europäischen Raum anwendbar.17 Aufbauend auf bestehenden theoretischen Grundlagen18 stellt Ortwin Renn in seiner modifizierten Variante der Theorie Bezüge zu öffentlichen Konflikten bzw. zu politischen Debatten her.19

ten thematischen Schwerpunkt, zielt das Kapitel ausschließlich auf die für den Gesamtansatz wesentlichen Inhalte der Theorie ab. Teilaspekte des Modells finden in darauffolgenden Kapiteln Anwendung. Die unter 3.1.1 vermittelten Grundlagen dienen in diesem Zusammenhang als inhaltliche Basis.

Um die Anwendbarkeit der Theorie auf die Architektur bzw. den Städtebau prüfen zu können, bedarf es zunächst einer vertieften Betrachtung elementarer Ansätze des Modells. Folgend sollen daher die grundlegenden Inhalte näher definiert werden. Orientiert an dem übergeordne-

14 vgl. Renn, 1992, S. 196 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 15 Renn, 1992, S. 196 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 16 vgl. ebd. 17 vgl. ebd. 18 Die Grundlagen für das modifizierte Arena-Modell nach Renn werden in dem Kapitel „Stand der Forschung“ beschrieben. 19 vgl. Renn, 1992, S.180 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt)

15


3.1.1 Grundlagen und theoretische Basis Bezugnehmend auf die Semantik kann die Metapher der Arena als zentrales Element der Theorie verstanden werden. In Zusammenhang mit der Begrifflichkeit der Arena, zitiert Renn Herbert Kitschelt, indem er die Arena als einen „symbolischen Ort politischen Handelns“20 beschreibt, aus dem ein Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse einhergeht.21 Prof. Dr. Renn veranschaulicht die Metapher mithilfe der Analogie zu einem mittelalterlichen Turnier: „In jedem Turnier treten Akteure auf, die nach vorher festgelegten Regeln mit Hilfe

der ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen um den Sieg wetteifern.“22 Im Sinne der Metapher ist der Charakter der Arena von „spezifischen Arena-Regeln“23 geprägt. Die individuelle Strategie innerhalb des Turniers – und folglich innerhalb einer Arena - obliegt den jeweiligen Teilnehmern bzw. Akteuren.24

Bühnen innerhalb einer Arena“26 verstanden werden.27Als Grundlage des Modells wird die Annahme vorausgesetzt, dass „soziale Gruppen innerhalb einer politischen Arena versuchen, ihren Einfluss auf das Ergebnis eines kollektiven Entscheidungsprozesses durch das Mobilisieren von sozialen Ressourcen auszubauen.“28

Des Weiteren bedient sich der Autor Analogien aus dem Bereich des Theaters. So wird die Arena häufig als Bühne beschrieben.25 In dem Fall, dass thematisch-zusammenhängende Arenen mit denselben Akteuren existieren, können die jeweiligen Subarenen folglich als verschiedene „(Theater-)

Aufbauend auf diesem Ansatz können Akteure Ihre Ziele innerhalb einer Arena nur dann durchsetzen, „wenn sie über genügend soziale Ressourcen verfügen“.29

20 Jaeger u. a., 2001, S.176, zitiert nach Kitschelt, 1980 (im engl. Original: „symbolic location of political actions“) 21 vgl. ebd. (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 22 Renn und Hampel, 1998, S.22 23 Renn, 1992, S. 184 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 24 vgl. ebd. 25 vgl. Renn und Hampel, 1998, S. 22 26 Renn, 1992, S. 181 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 27 vgl. ebd. 28 Renn, 1992, S. 180 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 29 Renn und Hampel, 1998, S.16

16


Orientiert an der „Konflikttheorie [von] Cosers“30 definiert Ortwin Renn fünf Ressourcen als Basis der Theorie:31

„Geld: Damit kann man für sich oder die Mitglieder der Gruppe, die man repräsentiert, einen Anteil an der gesellschaftlich erwirtschafteten Produktion sichern. Macht: Im Sinne von Max Weber bedeutet Macht die Möglichkeit, andere zu Handlungen notfalls gegen deren Willen anzuhalten. Je mehr Macht man hat, desto eher kann man seine Ziele durchsetzen.

wesentlicher Motivator für soziales Handeln. Soziale Anerkennung kann rein symbolischer Natur sein, etwa durch die Verleihung von Orden. Gesellschaftliche Reputation verleiht Einfluß und zwingt oft die formal Mächtigen in Einzelfragen nachzugeben. Kulturelle Werteverpflichtung: Positionen in politischen und sozialen Streitfragen sind häufig durch kulturelle Werte und Weltbilder vorbestimmt. Werteverpflichtung beruht auf Sympathie mit den Zielen und Werten der jeweiligen Gruppe und führt zu sinngebender Solidarität.

Sozialprestige: Anerkennung durch die Gesellschaft ist ein

30 Renn und Hampel, 1998, S.17 31 vgl. ebd., S.17, 18 32 Renn und Hampel, 1998, S.17, 18

17

Evidenz: Das Wissen einer Gruppe, durch evidente Beweisführung auf die Folgen der eigenen Handlungen oder der Handlungen konkurrierender Gruppen hinzuweisen, spielt in modernen Gesellschaften eine besondere Rolle in der Entscheidung sozialer Konfliktfälle.“ 32


Die sozialen Ressourcen können jeweils dominanten Sektoren zugeordnet werden. Daraus ergeben sich folgende Kombinationen: Geld -Ökonomie, Macht – Politik, Sozialprestige – Sozialsystem, Werteverpflichtung – Kultur, Evidenz – Wissenschaft33 „In demokratisch-pluralistischen Gesellschaften benötigen Akteure immer mehr als einen Ressourcentyp zur erfolgreichen Durchsetzung ihrer Ziele.“34 Diese Voraussetzung hat einen stetigen Austausch von Ressourcen zur Folge. Der Austausch erfolgt durch die jeweils mit den Ressourcen verbunde-

nen Medien35 (siehe Abbildung 1). Ebenfalls spielt Kommunikation mit beispielsweise „anderen Akteuren“36 eine Rolle bei der Ressourcengewinnung.37 Auch die Kommunikation mit der „Außenwelt der Arena“38 ist bei der Gewinnung von sozialen Ressourcen relevant. Ressourcen

Dominanter Sektor

Medium

Motivator

Geld

Ökonomie

Kapitaltransfer

Ökonomische Anreize

Macht

Politik

Gewalt, Autorität

Angst vor Strafe

Sozialprestige

Sozialsystem

Reputation, Auszeichnung

Solidarität, Unterstützung

Werteverpflichtung

Kultur

Überzeugung, Sinn

Vertrauen, Geborgenheit

Evidenz

Wissenschaft

Beweis, Wahrheit

Einsicht in erwartbare Konsequenzen

Abbildung 1 - „Soziale Ressourcen: Sektoren, Medien und Motivatoren“39

33 vgl. Renn und Hampel, 1998, S.20 34 Renn, 1992, S. 187 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 35 vgl. Jaeger u. a., 2001, S.181 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 36 Renn, 1992, S.189 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 37 vgl. ebd. 38 Renn und Hampel, 1998, S.24 39 ebd., S.20

18


Akteure nehmen die zentrale Rolle innerhalb einer Arena ein. Im Sinne der Wortbedeutung ist die Rolle der Akteure immer mit dem konkreten Handeln verbunden.40 41 In diesem Zusammenhang scheint die Analogie zur Theaterwelt ebenfalls sehr passend. Als zentrale Eintrittskriterien in eine Arena sind ausschließlich „die Handlungsweisen von Individuen oder sozialen Gruppen zu verstehen, welche die Einflussnahme auf den kollektiven Entscheidungsprozess zum Ziel haben.“42 Aufbauend auf dieser grundlegenden Voraussetzung ergibt sich, dass ausschließlich die Individuen oder sozialen Gruppen als Akteure verstanden werden können, deren Handeln auf eine

zielgerichtete Einflussnahme ausgerichtet ist. Hierbei genügt es nicht, eine Haltung bzw. eine intrinsische Überzeugung zu einem Themengebiet zu vertreten. Das Aktivwerden kann als zentrales Element des Eintritts in eine Arena interpretiert werden.43 Im Sinne der Abstraktion auf die strukturellen Elemente von öffentlichen Konflikten spielt die Motivation, welche die jeweiligen Akteure dazu bewegt, dem Konflikt bzw. der Arena beizutreten, zunächst keine Rolle. Die Motivation für das Handeln eines Akteurs wäre im Sinne des Ansatzes nur dann relevant, wenn sie „Teil des Prozesses zur Mobilisation von Ressourcen ist.“44 45

Wie einleitend beschrieben ist jede Arena geprägt von bestimmten Arena-Regeln. Diese Regeln sind unter anderem von der „gegenseitigen Erwartung der Akteure (Rollen), [den] sozialen Positionen im Macht- und Herrschaftsgefüge, institutionellen Kompetenzen und den unterschiedlichen Zug[ängen] der Akteure zu den sozialen Ressourcen“46 gekennzeichnet. Akteure sind potenziell in der Lage, bestimmte Regeln der Arena zu ändern. Mit diesem Ansatz geht allerdings die Notwendigkeit einer erhöhten „sozialen Mobilisierungsenergie“47 einher.48

40 vgl. https://www.duden.de [Akteur] 12.12.2021 41 Wie bereits erwähnt, ist das Wort Akteur gem. Duden zunächst männlich konnotiert. Da die männliche Form in den meisten für diese Arbeit relevanten Publikationen verwendet wird, soll auf eine gendergerechte Anpassung verzichtet werden. Im Sinne einer zeitgemäßen Betrachtungsweise ist das Wort „Akteur“ im Kontext dieser Arbeit als ein geschlechtsneutraler Begriff zu verstehen, der sich auf eine „handelnde“ Person bezieht. 42 Jaeger u. a., 2001, S.176 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 43 vgl. ebd. (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 44 Renn, 1992, S.182 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 45 vgl. ebd. (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 46 Renn und Hampel, 1998, S. 21 47 ebd. 48 vgl. ebd., S. 21

19


Im Zusammenhang mit den Arena-Regeln ist die jeweilige „Kontrollinstanz“49 der Arena zu nennen. Die Rolle der Kontrollinstanz ist häufig die der finalen Entscheidungsinstanz.50 Die Kontrollinstanz wirkt moderierend bzw. vermittelnd und stellt sicher, dass die Regeln der Arena eingehalten werden.51 Auch die Kontrollinstanz ist auf ein Mindestmaß an sozialen Ressourcen angewiesen.52 Jede Arena ist zunächst ergebnisoffen zu bewerten.53 Potenziell sind hier verschiedene Entwicklungsszenarien möglich: Die Arena ist aufgelöst, wenn sich ein Akteur – aufgrund einer Ressourcenhoheit – als domi-

nierende Instanz innerhalb der Arena durchsetzt. Diese Rolle kann neben dem „legitimierten Entscheidungsträger“54 auch ein anderer Akteur einnehmen.55 Ebenfalls kann sich die Arena in einem Kompromiss auflösen. Dies setzt die Einsicht aller „relevanten Akteure“56 voraus, dass der Kompromiss die beste Möglichkeit zur individuellen Verwirklichung der Ziele darstellt.57 Eine Arena gilt als ungelöst, wenn keines der beschriebenen Szenarien eintritt. Dies kann darauf zurückzuführen sein, dass kein tragfähiger Kompromiss geschlossen werden kann. Wenn ein bzw. mehrere Akteure davon überzeugt sind, dass sie einen Kompromiss durch das

Generieren von weiteren sozialen Ressourcen vermeiden können, gilt die Arena bzw. der Konflikt ebenfalls als ungelöst.58 Aufbauend auf den grundlegenden Inhalten der Theorie, sollen folgend mögliche Anwendungsbereiche beschrieben werden. Im Fokus stehen die Anwendungsszenarien, welche Ortwin Renn in seinen Publikationen skizziert. Die abstrakte Darstellung bestehender Anwendungsbereiche soll auf ein mögliches Anwendungspotenzial im Bereich der Architektur bzw. des Städtebaus hindeuten.

49 Renn und Hampel, 1998, S. 22 50 vgl. Jaeger u. a., 2001, S. 177 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 51 vgl. ebd. (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 52 vgl. Renn, 1992, S.187 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 53 vgl. Renn und Hampel, 1998, S.22 54 Renn, 1992, S. 189 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 55 vgl. ebd. (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 56 Renn, 1992, S. 189 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 57 vgl. ebd. (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 58 vgl. ebd. (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt)

20


3.1.2 Anwendungsbereiche Professor Dr. Ortwin Renn thematisiert das Arena-Modell bereits im Jahr 1992. Unter der Überschrift „The Social Arena Cencept of Risk Debates “59, beschreibt er das Modell als einen Ansatz zum Verständnis von „strukturellen Faktoren, welche Interaktionen zwischen sozialen Gruppen definieren und einen Einfluss auf soziale Risikodebatten haben“.60 Neben dem Einsatz als Analysetool zum Verständnis von „Risk Conflicts“61 stellt Renn in diesem Kapitel auch das Potenzial des Ansatzes heraus, welches sich für politische Akteure ergibt. So könnte das Modell als Hilfsmittel fungieren, um die zu erwarten-

den Reaktionen zu detektieren und sich daraus ergebende Probleme zu erkennen.62 Die Publikation Kommunikation

und Konflikt. Fallbeispiele aus der Chemie (1998), entstand im Kontext eines interdisziplinären Workshops und bildet - im Sinne der zugrundeliegenden Motivation für dieses Format - die Grundlage für den Ansatz dieser Studienarbeit. Der Kerngedanke des Workshops war die „Förderung des Dialoges zwischen [..] Vertretern [..] unterschiedlich[er] Disziplinen und [...] unterschiedlich[er] Herkunftsbereiche.“63 Während sich das Format primär auf Chemiker*innen und Vertreter*innen der Sozial-

bzw. Geisteswissenschaften beschränkte,64 sollten die Inhalte der Vorträge mit der Publikation auch anderen Naturwissenschaftler*innen zugänglich gemacht werden.65 Im Fokus stand die Befähigung zur Identifikation von Faktoren eines Konfliktverlaufes und die Entwicklung „sinnvoll[er] Verhaltensstrategien“.66 67 Die Verwendung des Arena-Modells im Rahmen des Workshops deutet bereits auf das Potenzial in Bezug auf die interdisziplinäre Anwendung des theoretischen Ansatzes hin.

59 Kapitel In: Social Theories of Risk. (1992) Herausgegeben von Sheldon Krimsky und Dominic Golding 60 Renn, 1992, S. 180 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 61 ebd., S. 193 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 62 vgl. ebd., S. 194 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 63 Renn und Hampel, 1998, S. 4 64 vgl. ebd., S. 4 65 vgl. ebd., S. 8 66 Renn und Hampel, 1998, S. 4 67 vgl. ebd., 1998, S. 4, 5

21


Die Tatsache, dass die wesentlichen strukturellen Elemente – welche zum Verständnis der Zusammenhänge erforderlich sind – in einem Workshop vermittelt werden können, unterstreicht das (fachlich) verhältnismäßig niedrige Einstiegsniveau (kein fundiertes Vorwissen notwendig), wodurch sich das Modell in Bezug auf einen interdisziplinären Ansatz zusätzlich qualifiziert. Interdisziplinarität gewinnt auch im Bereich der Architektur bzw. der Stadtplanung zunehmend an Bedeutung. Sich verhärtende Konflikte, wie beispielsweise die Frage nach (bezahlbarem) Wohnraum,68 verdeutlichen die Notwendigkeit zur Problemlösung. Häufig scheint das

Problem allerdings auf strukturelle Aspekte in Bezug auf die zentralen Entscheidungsprozesse zurückzuführen zu sein.69 Aufbauend auf dieser These könnte das Arena-Modell - aufgrund des strukturierten Ansatzes - als gewinnbringendes Tool fungieren, um Entscheidungsträger*innen und potenzielle Akteure zu befähigen – im Sinne des Grundgedankens des Workshops von 1995 – sinnvolle Verhaltensstrategien zu entwickeln. 3.2 Öffentliche Konflikte Städtebauliche Entscheidungsprozesse

samtgesellschaftlichen Interesse zu optimieren geht die Frage einher, auf welcher Grundlage Entscheidungen getroffen werden. Da diese Arbeit auf die Kombination einer soziologischen Theorie mit konkretem Städtebau abzielt, soll der soziologische Rahmen als Grundlage in abstrakter Form erläutert werden.70 Im Sinne der Zielsetzung dieser Untersuchung erscheint es sinnvoll, die Prozesse zur Entscheidungsfindung eines Akteurs auf die jeweilige Interpretation von sozialem Handeln zurückzuführen.

Mit dem Ziel, städtebauliche Entscheidungsprozesse im ge-

68 Die Situation in Berlin wird beispielsweise in folgendem Artikel beschrieben: vgl. https://www.tagesspiegel.de [Fehlende Wohnungen, Berlin] 12.12.2021 69 Anh-Linh Ngo beschreibt beispielsweise die strukturellen Dimensionen des Diskurses im Bereich des Wohnbaus im Editorial der ARCH +, Heft Nr. 244. Unter anderem weist er auf die Problematik vieler Kommunen hin, welche „ihre Wohnbestände und Liegenschaften durch Verkauf und Privatisierung massiv verringert haben.“ Anh-Linh Ngo, 2021, S. 01-03 70 Der Ansatz der Studienarbeit ist geprägt von der Perspektive der Stadtplanung bzw. Architektur. Soziologische Ansätze werden diesem Ansatz entsprechend interpretiert. Im Sinne der übergeordneten Zielsetzung (Städtebau) werden soziologische Inhalte möglicherweise abstrahiert bzw. verkürzt dargestellt. Der Verfasser weist darauf hin, dass die Arbeit darauf abzielt, die Chancen durch einen interdisziplinären Ansatz (Architektur/Städtebau – Soziologie – etc.) auszuloten. Unter dieser Prämisse können die verwendeten soziologischen Grundlagen als Ansatzpunkt für einen interdisziplinären Diskurs verstanden werden.

22


Im Hinblick auf die verwendete Methodik (Arena-Modell) liegt ein theoretischer Ansatz nahe, der „systematisch vom individuellen Akteur und seinen Entscheidungen ausgeh[t]“.71 Heinz Abels beschreibt diesen Ansatz in Zusammenhang mit dem „Erklärungsprinzip des methodologischen Individualismus“.72 Im Fokus dieses Ansatzes steht der Grundsatz, dass „soziale Strukturen“73 nicht als „zwingende Handlungsbedingungen“74 zu verstehen sind. Stattdessen werden diese als „Handlungsmöglichkeiten“75 verstanden.76 Die Stadt77 kann im Sinne dieses Ansatzes als Möglichkeitsraum interpretiert werden, in dem unterschiedliche Akteure potenziell divergierende Entscheidun-

gen treffen können. Unter dieser Voraussetzung ist das Ergebnis eines Entscheidungsprozesses grundsätzlich auch von dem jeweiligen Akteur abhängig. 3.2.1 Entscheidungsprozesse als Grundlage städtebaulicher Transformation Der unmittelbare Zusammenhang von (politischen) Entscheidungen und stadträumlichen Bedingungen wird in diversen Publikationen thematisiert. Frau Prof. Dr. Gabu Heindl argumentiert in diesem Kontext beispielsweise aus einer „radikaldemokratisch[en]“78 Perspektive der Stadtplanung. Unter dem Titel: „Social(ist) Housing. Wohnen als öffent-

liches Interesse, politisches Projekt und architektonische Aufgabe“79, verdeutlicht sie die politische Komponente von Stadtplanung, indem sie den „marktradikal-orientierten Ansatz“80 am Beispiel der Thesen von Patrik Schumacher problematisiert. Frau Heindl stellt hierbei den unmittelbaren Einfluss individueller Machverhältnisse hervor, der in der Frage nach Wohnraum häufig zu Lasten von vermögensschwächeren Schichten geht.

71 Abels, 2007, S.135 72 ebd. 73 ebd. 74 ebd. 75 ebd. 76 vgl. ebd. 77 Der Begriff Stadt ist hier nicht an spezifische Parameter wie die Einwohnerzahl, etc. gebunden. Die verwendete Terminologie ist folglich auch auf den ruralen Raum bzw. suburbane Strukturen anwendbar. 78 Heindl, 2021, S.94 79 ebd. 80 ebd.

23


Aus einer möglichen Entscheidung, Wohnraum überwiegend privatwirtschaftlich – im Zweifelsfall ohne regulatorischen Rahmen – zu organisieren, geht folglich eine städtebauliche Veränderung einher, die primär „ein dynamisches Mittelschichtsubjekt zum Maßstab“81 hat.82 Neben übergeordneten Ansätzen, welche Städtebau eher systemisch begreifen, gibt es eine Vielzahl von partiellen Entscheidungen, die unmittelbare Auswirkungen auf das urbane Gefüge haben. Hierzu lieferte bereits William H. Whyte (1988)83 wichtige Erkenntnisse als Ergebnis seiner Untersuchungen des Stadt-

raumes von New York City.84 In einem Kapitel zu dem Umgang mit „undesirables“85 beschreibt Whyte zunächst die „beinahe obsessive Furcht [von] bürgerlichen Entscheidungsträgern“86 vor der Anwesenheit von undesirables im öffentlichen Raum. Aus dieser Logik resultiert gem. Whyte die Sorge, „that if a place is made attractive to people it will be attractive to undesirable people “.87 88 Als Folge dieses Ansatzes werden einschränkende Entscheidungen getroffen, welche beispielsweise die Ausführung von Bänken in einer Länge vorsehen, die eine Nutzung zum Schlafen unmöglich macht. Diese Haltung stellt Whyte als eigentliches Problem her-

vor.89 Die einschränkenden Maßnahmen, welche auf der Grundlage der Haltung von Entscheidungsträger*innen getroffen werden, haben Qualitätsverluste für die gesamte Stadtgemeinschaft zur Folge.90 Die weitreichenden Konsequenzen von städtebaulichen Entscheidungen in diesem Kontext veranschaulicht der Autor am Beispiel des Bryant Park (New York City). Im Rahmen eines Gestaltungswettbewerbes wurde der Park neu gestaltet. Als übergeordnetes Ziel wurde eine räumliche Situation definiert, die Whyte als „refuge from the city“91 beschreibt.

81 Heindl, 2021, S.97 82 vgl. ebd., S.96, 97 83 Erstveröffentlichung 1988. Die in diesem Kontext verwendete Ausgabe wurde im Jahr 2009 publiziert. 84 vgl. White, 2009 85 Whyte stellt die Begrifflichkeit entsprechend differenziert dar, indem er den subjektiven Charakter hervorhebt. So definieren „businessmen“ den Begriff anders, als er beispielsweise von den ansässigen Einzelhändlern definiert werden könnte. (White, 2009, S.156. Das englische Zitat wurde vom Verfasser sinngemäß übersetzt.) 86 White, 2009, S.156 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 87 ebd. (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 88 vgl. White, 2009, S.156 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 89 vgl. ebd. (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 90 vgl. ebd. (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 91 White, 2009, S. 159 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt)

24


In der Umsetzung wurde der Park physisch vom Stadtraum abgeschottet. Die vermeintlich gut intendierten Maßnahmen hatten zur Folge, dass der Bereich – aufgrund der Trennung vom Stadtraum – weniger frequentiert wurde. Dieser Umstand führte dazu, dass sich der Park unter anderem zum Schauplatz von Drogenkriminalität entwickelte.92 Erst durch einen Veränderungsprozess, welcher auf die Initiative von Anwohner*innen und öffentlicher Gruppierungen zurückzuführen ist, konnte eine positive und stadträumlich funktionsfähige Umgebung generiert werden.93 Wie die beschriebenen Beispiele verdeutlichen, spielen sich

städtebauliche Entscheidungsprozesse auf unterschiedlichen Ebenen der Zielsetzung ab. Die Folgen sind im Zweifelsfall weitreichend. Auch positive Intentionen können negative Auswirkungen für die sozialen Strukturen im städtischen Kontext zur Folge haben. Die jeweiligen Machtverhältnisse haben mitunter einen unmittelbaren Einfluss auf das Ergebnis eines Entscheidungsprozesses. Auf dieser Grundlage kann den jeweiligen Akteuren eine wesentliche Bedeutung bei städtebaulichen Entscheidungsprozessen beigemessen werden. Um die strukturellen Aspekte dieser Prozesse fundierter zu

verstehen, sollen die jeweiligen Akteurs-Konstellationen folgend exemplarisch thematisiert werden. 3.2.2 Akteure und Partizipation Mit dem Ziel einer differenzierten Auseinandersetzung mit Akteuren von städtebaulichen Entscheidungsprozessen geht zwangsläufig die Frage einher, welche Personengruppen als Akteure definiert werden können. Bezugnehmend auf Entscheidungsprozesse scheinen sowohl die Entscheidenden Instanzen als auch die unmittelbar von den Entscheidungen betroffenen Personengruppen relevante Bezugspunkte darzustellen.

92 vgl. White, 2009, S.160 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 93 vgl. ebd. (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt)

25


Mit dem Begriff Akteur geht im Sinne der Wortbedeutung allerdings das Handeln einher,94 sodass eine Eingrenzung auf die direkt am Prozess der Entscheidungsfindung beteiligten Personen sinnvoll erscheint. Bezugnehmend auf diesen Personenkreis kann im Kontext dieser Arbeit potenziell jede Person als Akteur fungieren, welche Einfluss auf einen Entscheidungsprozess nimmt.95 Um die Relevanz eines Akteurs innerhalb eines Entscheidungsprozesses zu verstehen, kann der Grad des Einflusses einen geeigneten Ansatz bieten. Aus den individuellen Möglichkeitsraum, der durch Expertise und einem „breite[n] Instrumentarium an Vertretungsformen“96

einhergeht, entsteht beispielsweise ein Machtgefällte, dass investierende klar von „nicht investierenden“97 Teilhaber*innen eines Prozesses trennt, was zu einem divergierenden Grad der Einflussnahme auf das Ergebnis führen kann.98 Verschiedene Grundvoraussetzungen (wie. z.B. Fachwissen) scheinen folglich in direktem Zusammenhang zu den Möglichkeiten der Einflussnahme auf einen Prozess zu stehen. Ausgehend von dieser These stellen diese Grundvoraussetzungen eine wesentliche Einstiegshürde in Bezug auf die Teilhabe an Entscheidungsprozessen dar. Wenn gewisse Parameter einen exklusiven Akteurskreis mit besonderen Möglichkeiten zur Ein-

flussnahme an Entscheidungsprozessen definieren, kommt diesen Akteuren eine besondere Verantwortung zu. Planer*innen – und folglich Architekt*innen und Stadtplaner*innen – können beispielhaft dem beschriebenen Personenkreis zugeordnet werden. Mit der Expertise in Bezug auf die Planung von Städten und Gebäuden geht ein erhöhtes Potenzial zur Einflussnahme an Entscheidungsprozessen in diesen Themenfeldern einher, über das ein Großteil der Bevölkerung, welcher auf die Ergebnisse dieser Entscheidungen angewiesen ist, nicht verfügt.

94 vgl. https://www.duden.de [Akteur] 12.12.2021 95 Dieser Grundsatz entspricht im Kern auch der Definition von Akteuren gem. dem Arena-Modell nach Renn. 96 Heindl, 2020, S.129 97 ebd. 98 vgl. ebd.

26


Aus der besonderen Verantwortung, die den an den Prozessen beteiligten Planer*innen zukommt, resultiert die Gefahr der Instrumentalisierung zur Generierung von (noch) mehr Wohlstand für die bereits privilegierten Bevölkerungsgruppen.99 Politischen Entscheidungsträger*innen spielen in vielen Prozessen eine zentrale Rolle. Diese Arbeit geht von demokratischen politischen Systemen als Grundlage aus. Politische Entscheidungsträger*innen sind durch die demokratische Wahlentscheidung als wesentliche Teilhabende an den Entscheidungsprozessen legitimiert. Im Fokus der Auseinandersetzung

steht daher der Prozess der Einflussnahme und Partizipation von Nicht-Parlamentarier*innen bzw. Nicht-Politiker*innen. Aus der Erkenntnis, dass Akteure einen signifikanten Einfluss auf das Ergebnis eines Entscheidungsprozesses haben können, ergibt sich die Frage, was dies für Entscheidungsprozesse im Sinne einer diversen und inklusiven Gesellschaft bedeutet? Wie kann einem möglichen Machtgefälle entgegengewirkt werden und wie können demokratisch legitimierte Entscheidungsträger*innen möglichst viele relevante Parameter in ihre Ergebnisfindungsprozesse einbeziehen? Die vielfältigen Akteurs-Konstellationen sowie der divergie-

rende Grad der Einflussnahme machen städtebauliche Entscheidungsprozesse zu komplexen Gefügen, in denen auch Entscheidungen, welche vermeintlich auf ein positives Ergebnis für eine Vielzahl von Akteuren abzielen (siehe Beispiel Bryant Park, NY), zu komplexen Konstrukten, mit denen eine erhöhte Verantwortung für die entscheidenden Instanzen einhergeht. Der Einsatz verschiedener Partizipationsmodelle zielt darauf ab, einem breiteren Personenkreis die Teilhabe an den Entscheidungsprozessen zu ermöglichen.100

99 vgl. Schneider, 2020, S.36 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 100 Beispielhaft für Ansätze dieser Art können hier die Bürgerbeteiligungsprozesse im Rahmen der Neustrukturierung des NordbahnhofAreals in Wien genannt werden. Siehe: https://www.wien.gv.at [Stadtentwicklung, Nordbahnhof, Leitbild 2014] 19.12.2021

27


Prof. Dr. Gabu Heindl verweist in diesem Zusammenhang unter anderem auf den „Aspekt des Deliberativen“.101 Daraus folgt, das übergeordnete Ziel eines Konsenses, welches den Einbezug „radikal verfasste[r] Ansprüche“ 102 unmöglich macht. 103 Frau Heindl verweist ebenfalls auf das Problem, „dass die Teilnahme an Partizipationsprozessen in einem hohen Maß voraussetzt, dass man zu einer zur Teilnahme ermächtigten, ,befugten’ sozialen Gruppe gehört.“ 104 105 Um Entscheidungen tatsächlich auf der Grundlage multiperspektivischer Partizipation treffen zu können, bedarf es folglich eines strukturellen Ansatzes, der

möglichst viele Personengruppen inkludiert. Das soziologische ArenaModell nach Renn kann in diesem Zusammenhang wichtige Erkenntnisse liefern. Entscheidungsträger*innen, die über Informationen zu strukturellen Eigenschaften (Akteure, Ressourcen, Grad der Einflussnahmen bzw. Informationen zu dominanten Akteuren, etc.) eines öffentlichen Konfliktes verfügen, sind potenziell in der Lage, den Konflikt in Bezug auf die Interessen von unterrepräsentierten Gruppen zu strukturieren. Gleichzeitig steht potenziellen Akteuren ein Tool zur Verfügung, um die eigene Rolle in einem Entscheidungs-

101 Heindl, 2020, S.128 102 ebd. 103 vgl. ebd. 104 Heindl, 2020, S.128 105 vgl. ebd., S.128, 129

28

prozess nachvollziehen und ggf. neu definieren zu können. Aufbauend auf dieser These soll eine mögliche Anwendung des soziologischen Arena-Modells auf städtebauliche Entscheidungsprozesse in dem folgenden Abschnitt näher untersucht werden.


3.3 Das soziologische ArenaModell: Anwendung im städtebaulichen Kontext Wie die vorangegangene These impliziert, kann das soziologische Arena-Modell nach Renn einen strukturellen Rahmen im Verständnis von – mitunter komplexen – städtebaulichen Entscheidungsprozessen bieten. Im Folgenden soll die These nun übertragen auf die Anwendung in städtebaulichen Entscheidungsprozessen untersucht werden. In Bezug auf die Anwendung der Theorie ist der damit einhergehende bzw. zu erwartende Erkenntnisgewinn entscheidend. Ausgerichtet auf diese zentrale Zielsetzung kann eine Differenzierung in die ana-

lytische Verwendung des Modells und eine Anwendung im strukturellen/ inhaltlichen Sinne unterschieden werden. Die unter 3.1.1 erläuterten Begrifflichkeiten werden in den folgenden Abschnitten als grundlegend vorausgesetzt. Um den Transfer der theoretischen Basis auf städtebauliche Szenarien zu erleichtern, sollen die zentralen Begriffe in der Anwendung näher ausgeführt werden. Als Grundlage der Anwendung der Theorie ist das Verständnis von öffentlichen Konflikten im städtischen Gefüge als Arena zu benennen. Wendet man die Theorie gemäß Ortwin Renn auf städtebauliche Entscheidungsprozesse an, können alle jene Instanzen als Akteure verstan-

den werden, welche sich aktiv an dem jeweiligen städtebaulichen Konflikt beteiligen bzw. auf eine Einflussnahme abzielen.106 Die jeweilige Konfiguration der Akteure ist folglich auch im städtebaulichen Kontext nicht klar beschreibbar, da sie vom konkreten Fall abhängt. Als Kontrollinstanz fungiert nach Renn in der Regel eine staatliche Institution.107 Übertragen auf den Städtebau kann diese Rolle mitunter der jeweiligen Planungs- bzw. Genehmigungsbehörde zugeschrieben werden.

106 vgl. Renn, 1992, S. 181 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 107 vgl. Renn und Hampel, 1998, S.23

29


Wie das Beispiel der Entscheidungsprozesse im Kontext des Bryant Parks, NY (siehe 3.2.2) verdeutlicht, sind relevante Prozesse teilweise auch sehr spezifisch auf bestimmte Bereiche zugeschnitten. Es ist davon auszugehen, dass in vielen vergleichbaren Fällen also überwiegend kommunale bzw. städtische Planungsbehörden als Kontrollinstanz fungieren. Im Hinblick auf die übergeordnete Zielsetzung einer fundierten Entscheidungsfindung, welche auf die Berücksichtigung möglichst vieler Interessen abzielt, kommt der „Außenwelt der Arena“108 eine zentrale Bedeutung zu. Die von Renn aufgeführten Gruppierungen der Außenwelt sind unmittelbar auf eine

Vielzahl von städtebaulichen Entscheidungsprozessen übertragbar. Als Gruppierungen werden hier „die professionellen Berichterstatter [...], die politischen Interessengruppen, die nicht direkt am Konflikt beteiligten sozialen Institutionen und die allgemeine Öffentlichkeit“109 genannt. Das Mobilisieren von Ressourcen ist von einer „erfolgreichen Kommunikation mit der Außenwelt der Arena“110 abhängig. Wie bereits erwähnt impliziert die Arena-Metapher aber auch, dass Gruppierungen nur dann unmittelbar als Akteure zu verstehen sind, wenn sie auf eine aktive Anteilnahme an der Arena abzielen. Aufbauend auf den grundlegenden Annahmen der Theorie erscheint eine Be-

rücksichtigung von Interessen von Minderheiten in den folgenden drei Fallkonstellationen möglich: Fallkonstellation 1 (These 1): Die in der Arena unterrepräsentierten Gruppen bzw. Instanzen entscheiden sich, aktiv zu werden und treten als Akteure in die Arena ein.111 Fallkonstellation 2 (These 2): Ein Akteur innerhalb der Arena repräsentiert Themen bzw. eine Haltung, die mit den Bedürfnissen bzw. Inhalten der unterrepräsentierten Gruppen vereinbar sind. In diesem Fall könnten die jeweiligen Instanzen ihre Unterstützung für den Akteur zum Ausdruck bringen und folglich die Chancen erhöhen, dass dieser einer Ressourcenhoheit erzielt.112

108 Renn und Hampel, 1998, S.24 109 ebd., S.25 110 ebd., S.24 111 Der Verfasser merkt in diesem Zusammenhang an, dass diese Fallkonstellation im Zweifelsfall voraussetzt, dass sich potenzielle Akteure im Sinne eines übergeordneten Ziels zusammenschließen. Als Problem muss benannt werden, dass unterrepräsentierte Gruppen den organisatorischen Aufwand möglicherweise nicht leisten können. 112 vgl. Renn, 1992, S.183, 184 (das englische Zitat wurde durch den Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt)

30


Fallkonstellation 3 (These 3): Die beteiligten Akteure (ggf. auch die Kontrollinstanz) sind sich der Interessen der unterrepräsentierten Gruppen bewusst und versuchen diese entsprechend zu berücksichtigen. Diese These ist vor allem auf der Grundlage des Prozesses der Mobilisierung von sozialen Ressourcen realistisch annehmbar.113 Die Annahme, dass zunächst alle unbeteiligten Gruppen der „allgemeinen Öffentlichkeit“114 von den Grundlagen des ArenaModells profitieren, erscheint unrealistisch. Dies würde bedingen, dass die theoretischen Grundlagen einer Mehrheit der Bevölkerung geläufig sind und

dass die entsprechend notwendigen Schlüsse daraus gezogen werden könnten. Auf dieser Basis ist davon auszugehen, dass das Potenzial in der Anwendung des Modells überwiegend dem Kreis der Öffentlichkeit zugeschrieben kann, welcher in der Lage ist, aktiv als Akteur innerhalb einer Arena aufzutreten. Im Folgenden sollen nun zwei Ansätze beschrieben werden, die das Arena-Modell als gewinnbringendes Tool für den beschriebenen Rahmen empfehlen. 3.3.1 Anwendung als städtebauliches Analysetool

lichen Kontext ergibt sich aus dem Erkenntnispotenzial, das mit der Analyse von Entscheidungsprozessen einhergeht. Renn betont in seinen Publikationen das Anwendungspotenzial in Form eines „explanatory tool“115 im Verständnis von öffentlichen Konflikten. Es ist davon auszugehen, dass ein strukturelles Verständnis von öffentlichen Konflikten eine bereichernde Grundlage für potenzielle Akteure darstellt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang der abstrakte Charakter des Informationsgewinns.

Eine mögliche Anwendung des Arena-Modells im städtebau-

113 vgl. Renn und Hampel, 1998, S. 25 (Renn weist in diesem Zusammenhang auf die relevanten Rückkopplungsprozesse hin, die letztendlich den Einfluss innerhalb einer Arena ermöglichen) 114 Renn und Hampel, 1998, S. 25 115 Renn, 1992, S. 190

31


Renn weist in diesem Kontext darauf hin, dass sich das ArenaModell nur bedingt als Tool zur Ergebnisvorhersage eignet.116 (weitere Ausführungen hierzu unter „4. Kritische Würdigung“) Folgende Beschreibung entspricht dem organisatorischen Rahmen, den Ortwin Renn als exemplarischen Aufbau zur strukturellen Analyse empfiehlt:117 - “Selection of an arena (or stage within an arena) - Identification of major actors and their stated objectives (through interviews, value, trees, etc.) - Search for clues about the availability of resources to each actor (financial situation, legal

authority, social status, cultural affiliations, and access to scientists or science institutions) - Analysis of the role, position, and strength of the rule enforcing agencies (legal, power, image, trust, etc.) - Analysis of the communications patterns between the actors, issue multipliers, spectators, and the general public) - Design of a model capable of explaining actors’ behavior and conflict outcomes as a function of resource availability and mobilization potential - Transfer of model to other risk arenas or political arenas in general”118

könnten Akteure in städtebaulichen Entscheidungsprozessen wichtige Erkenntnisse gewinnen, welche potenziell auf andere Arenen übertragen werden können. Das Potenzial in Bezug auf den Städtebau ergibt sich auch aus dem vereinfachten Zugang, den das Arena-Modell im Verständnis der Prozesse bietet.119 Eine gewinnbringende Anwendung der Theorie nach Renn kann also durch die Verwendung als Analysetool erzielt werden.

Aufbauend auf diesem strukturellen Rahmen zur Analyse

116 vgl. Renn, 1992, S. 184. (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 117 vgl. ebd., S. 193 118 Renn, 1992, S. 193 119 Die jeweiligen Ziele der Akteure sind für die Anwendung des Tools beispielsweise überwiegend irrelevant. Renn weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sozialwissenschaftliche Methoden zur Analyse dieser Ziele auch nicht geeignet wären. vgl. Renn und Hampel, 1998, S. 27

32


Akteuren bzw. der Kontrollinstanz (Staat, Stadt, etc.) wird dadurch ebenfalls die Möglichkeit geboten, nachzuvollziehen, ob die Interessen von unterrepräsentierten Gruppen ausreichend berücksichtigt wurden. Ein Ansatz, wie die Erkenntnisse gewinnbringend verwertet werden können, soll im folgenden Abschnitt näher erläutert werden. 3.3.2 Anwendung und Potenziale in städtebaulichen Planungsprozessen Neben der Verwendung der Theorie als Analyseinstrument beschreibt Ortwin Renn das Potenzial, dass mit dem Arena-Modell als „normatives Instrument zur Gestaltung von Diskursen“120

einhergeht. Die Entsprechenden Diskurse können helfen, „Konflikte fair und professionell zu lösen“.121 122 Auch dieser Ansatz verspricht einen gewinnbringenden Aspekt für städtebauliche Entscheidungsprozesse darzustellen. In Bezugnahme auf den potenziellen Kreis an Akteuren in diesem Kontext, kommt die gestaltende bzw. vermittelnde Rolle mit hoher Wahrscheinlichkeit der Kontrollinstanz zu. In seinen Ausführungen zum Arena-Modell beschreibt Renn ebenfalls die Rolle, die deutschen Behörden und Ministerien in diesem Zusammenhang zugeschrieben werden kann.123 Unter anderem haben die „Einbindung sozialer Forderungen in die politische Willensbildung,

etwa durch Anhörungen, formale Bürgerbeteiligungen oder kooperative Planungsprozesse“124 einen hohen Stellenwert.125 In kritischer Auseinandersetzung mit Problemen, die mit diesem Ansatz verbunden sein können, kann auf den Abschnitt 3.2.2 verwiesen werden. Einen Ansatzpunkt, der die Beteiligung von möglichst vielen sozialen Gruppen ermöglicht, könnte das Arena-Modell bieten. Ein Diskurs, der sich den strukturellen Gegebenheiten der Theorie bedient, kann potenziell einen Rahmen für den Einbezug einer breiten inhaltlichen Vielfalt bilden.

120 Renn, 1992, S. 190 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 121 ebd. (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 122 vgl. Renn, 1992, S. 190 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 123 vgl. Renn und Hampel, 1998, S.23 124 Renn und Hampel, 1998, S.23 125 vgl. ebd.

33


Für einen ähnlich gelagerten Ansatz plädiert bereits Jane Jacobs in Ihrer Publikation Tod

und Leben großer amerikanischer Städte. In dem Kapitel „Verwaltung und Planung von Bezirken“126 spricht sich Jacobs für die Selbstverwaltung von Bezirken aus: „Die Bürger der großen Städte brauchen [..] Plattformen, um ihren Willen und ihre Kenntnisse zu Gehör zu bringen und respektiert zu wissen.“127 In ihren weiteren Ausführungen benennt sie die Bezirke explizit als Arenen und verweist auf das Potenzial der Konfliktaustragung auf dieser Ebene.128 Dieser Aspekt eröffnet einen weiteren Ansatzpunkt, der mit

dem soziologischen ArenaModell einhergeht. Jane Jacobs beschreibt im Grunde eine konstante übergeordnete Arena, die als permanentes Forum für einen Teilbereich der Stadt (Bezirk) fungiert. Im Sinne des Modells nach Ortwin Renn wären die jeweiligen Konflikte auf der Bezirksebene dann als situative Sub-Arenen zu verstehen, die den Bürger*innen ein gewisses Maß an Partizipation ermöglichen. Vertieft man diesen Ansatz könnten häufig unterrepräsentierte Gruppen stärker berücksichtig werden, da die Einstiegshürde in die Arena im Zweifelsfall niedriger liegt als es in zuvor beschriebenen Konstellationen der Fall wäre. Basierend auf diesen Überlegungen

126 Jacobs, 2015, S.204-220 127 ebd., S.210 128 vgl. ebd.

34

bietet das Arena-Modell einen Ansatz, welcher auch auf die Grundlagen der Organisation von Städten und des Zusammenlebens angewendet werden kann. Nachdem das Potenzial der Anwendung des soziologischen Arena-Modells auf städtebauliche Entscheidungsprozesse theoretisch skizziert wurde, soll der strukturelle Ansatz der Theorie folgend auf die - zum Zeitpunkt der Erstellung der Arbeit – aktive Arena der Standortsuche für eine Interimsspielstätte des Opernhauses in Nürnberg angewendet werden.


Der folgende Abschnitt zielt primär darauf ab, den unmittelbaren Erkenntnisgewinn in Bezug auf die Anwendung der grundlegenden Systematik des ArenaModells zu verdeutlichen. Da die Arena zum Zeitpunkt der Analyse noch nicht abgeschlossen ist, hat die Auseinandersetzung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Als inhaltliche Grundlage der Annäherung wurden Medienberichte verwendet. 3.3.3 Exemplarische Anwendung im Rahmen einer aktiven Arena: Standortsuche für eine Interimsspielstätte des Opernhauses in Nürnberg Konkretisiert in der zweiten Jahreshälfte des Jahres 2021,

kann die Standortsuche für eine Interimsspielstätte des Opernhauses in Nürnberg als exemplarischer Konflikt für die Verdeutlichung des Anwendungspotenziales des soziologischen Arena-Modells nach Renn - in Bezug auf städtebauliche Entscheidungsprozesse - verwendet werden. Im Fokus der Untersuchung steht die Anwendung der Theorie und der damit einhergehende Erkenntnisgewinn, welcher die aktive Arena im weiteren Verlauf des Konfliktes bereichern kann. Die folgende Auseinandersetzung hat dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die abstrakte Untersuchung des Konfliktes soll mit einem analytischen Part beginnen. Anschließend wer-

129 vgl. https://www.nordbayern.de [Marodes Opernhaus, Sanierung] 25.12.2021

35

den strukturelle Erkenntnisse im Sinne der Theorie benannt. Um einen erleichterten Lesefluss gewährleisten zu können, erfolgt die Analyse unmittelbar als Fließtext. Inhaltlich gilt der strukturelle Rahmen des Modells als maßgeblich. Der bauliche Zustand des Nürnberger Opernhaus bedarf – unter anderem aus Brandschutzgründen – einer umfassenden Sanierung. Gemäß einem Artikel des Online-Portals „nordbayern“ (10.05.2021) sind die Probleme führenden Instanzen der Stadtpolitik seit ca. zwei Jahrzenten bekannt.129


Der Konflikt wird nun zusätzlich durch den zeitlichen Aspekt angetrieben, da eine Nutzung des Bestandsgebäudes nur bis zum Jahr 2025 möglich ist.130 Die Arena Sanierung des Opernhauses in Nürnberg kann in diverse Sub-Arenen unterteilt werden. So kann sowohl die Grundsatzfrage einer Sanierung131 als auch die Finanzierung132 des Vorhabens als Teilkonflikt verstanden werden. Ebenfalls stellt die Frage nach dem Standort der Interimsspielstädte eine eigene Sub-Arena dar133. Exemplarisch soll die Sub-Arena der Standortsuche folgend einer genaueren Betrachtung im Sinne des soziologischen Arena-Modells unterzogen werden.

Die Relevanz des Konfliktes in Bezug auf die Standortsuche ist primär deswegen so hoch einzuschätzen, weil neben einem „ehemaligen Schöller-Gelände im Norden der Stadt“134 eine Nutzung im Kontext der Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände favorisiert wird.135 Aufgrund der Standortwahl tangiert der Konflikt auch die Akteure von diversen Arenen bzgl. des Umganges mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Als Akteure können gemäß den vorliegenden Informationen zunächst die zentralen Entscheidungsträger*innen des Stadtrates benannt werden. Als Einzelpersonen äußern sich in diesem Akteurskreis unter an-

derem der Oberbürgermeister Marcus König136 und die zweite Bürgermeisterin Julia Lehner.137 Von den jeweiligen Fraktionen treten wiederkehrend Einzelakteure auf, die aber im Zusammenhang mit der Haltung der Parteien argumentieren.138 Im Rahmen der Auseinandersetzung setzte die Stadt Nürnberg eine „vorberatende Kommission zur Begleitung [des] Vorhabens ein“.139 Die Kommission umfasst 30 Personen, wovon 15 Personen dem Stadtrat angehören.140

130 vgl. https://www.sueddeutsche.de [Nürnberg: Opernhaus, Richard-Wagner-Platz] 26.12.2021 131 vgl. https://www.nn.de [Opernhaus Nürnberg, Architekt fordert Abriss statt Sanierung] 26.12.2021 132 vgl. https://www.bayerische-staatszeitung.de [kommunales] 26.12.2021 133 vgl. https://www.br.de [Ersatz für in Opernhaus Nürnberg: Entscheidung vertagt] 25.12.2021 134 https://www.br.de [Ersatz für in Opernhaus Nürnberg: Entscheidung vertagt] 25.12.2021 135 vgl. https://www.stuttgarter-zeitung.de [Streit um Nürnberger Kongresshalle] 26.12.2021 136 vgl. https://www.br.de [Ersatz für in Opernhaus Nürnberg: Entscheidung vertagt] 25.12.2021 137 vgl. https://www.spiegel.de [Nürnberg: Kongresshalle wird Ausweichspielstätte] 26.12.2021 138 vgl. https://www.br.de [Ersatz für in Opernhaus Nürnberg: Entscheidung vertagt] 25.12.2021 139 https://www.marktspiegel.de [Nürnberg: Oper des 21. Jahrhunderts] 26.12.2021 140 vgl. ebd.

36


Zu den 15 „externen Mitglieder[n]“141 gehören Vertreter*innen des Staatstheaters, „die Leiterin der Musikabteilung im Studio Franken des Bayerischen Rundfunks [...], der Vorsitzende der Freunde der Staatsoper Nürnberg e.V.“ sowie ein „Sachverständiger für Fragen der Raumakustik und der Bauphysik“.142 Ebenfalls sind „der Leiter der Arbeitsagentur Nürnberg, [...] der Vorsitzende der Altstadtfreunde Nürnberg e.V.“, [...] der Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums, [...] der Vorsitzende der Kreisgruppe Nürnberg des Bund Naturschutz e.V., [...]“143 sowie ein(e) Vertreter*in des Freistaates Bayern beteiligt.144

Als Akteure, die sich bezugnehmend auf den Zusammenhang mit der Arena des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes beteiligen, sind unter anderem Jo-Achim Hamburger (Israelitische Kultusgemeinde, Mitglied des Kuratoriums Reichsparteitagsgelände)145, der Verein Geschichte für alle, BauLust e.V., der Nordkurve Kulturförderverein e.V., sowie der Akademiedirektor des Caritas-PirckheimerHaus zu nennen.146 Des Weiteren beteiligen sich Fachleute wie Florian Dierl (Leiter des NS-Dokumentationszentrums)147 und Thomas Glöckner (Architekt)148 an der aktiven Arena.

Da die Arena noch nicht abgeschlossen ist, kann noch keine finale Aussage zu der Verteilung der Ressourcen getroffen werden. Eine Teilentscheidung des Stadtrates lässt allerdings vermuten, dass die Ressourcen der Kritiker*innen des Standortes am ehemaligen Reichsparteitagsgelände nicht ausreichend waren, um eine Ressourcenhoheit zu erzielen. So verständigten sich die politischen Entscheidungsträger*innen bereits vor dem 15.12.2021 (zuvor terminierter Tag der Abstimmung) auf eine Realisierung der Interimslösung auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände.149

141 https://www.marktspiegel.de [Nürnberg: Oper des 21. Jahrhunderts] 26.12.2021 142 ebd. 143 ebd. 144 vgl. ebd. 145 vgl. https://www.spiegel.de [Nürnberg: Kongresshalle wird Ausweichspielstätte] 26.12.2021 146 vgl. https://www.nordbayern.de [Opern-Interim in der Kongresshalle – Historiker fordern Aufschub] 26.12.2021 147 vgl. https://www.stuttgarter-zeitung.de [Streit um Nürnberger Kongresshalle] 26.12.2021 148 vgl. https://www.nn.de [Opernhaus Nürnberg, Architekt fordert Abriss statt Sanierung] 26.12.2021 149 vgl. https://www.zeit.de [Einstige Kongresshalle wird Opern-Ausweichspielstätte] 26.12.2021

37


Die Arena ist nun auf den Standort bzw. auf die konkrete Umsetzung der Lösung auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände beschränkt. In diesem Zusammenhang kann sich im weiteren Verlauf der Arena auch eine veränderte Akteurs-Konstellation ergeben. Im Vorfeld der Entscheidung wurden Formate organisiert, welche auf eine Beteiligung der Außenwelt der Arena abzielten. So fand Anfang Dezember ein Bürgerdialog statt, bei dem sich 50 Bürger*innen einbringen konnten. Im Zentrum des Dialoges stand die Frage „Kann man ein Oper-Interim in die Kongresshalle verlegen?“150 Der vorliegenden Zusammenfassung sind keine unmittelbaren

Positionierungen bezüglich der Realisierung auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände zu entnehmen. Die in diesem Kontext beschriebenen Inhalte sind eher auf die übergeordnete Arena bezogen.151 Eine Podiumsdiskussion mit Akteuren aus der Fachöffentlichkeit zielte dagegen auf eine unmittelbarere Diskussion zu „Neue[n] Wegen in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus“152 ab.153 Nähere Informationen zu den geltenden Arena-Regeln liegen zum Zeitpunkt der Erstellung der Arbeit nicht vor. Es ist davon auszugehen, dass die üblichen Regeln in demokratisch-legitimierten Entscheidungsprozessen Anwendung finden. Nähere

Aussagen können nicht getroffen werden. Die abstrakte Teilanalyse verdeutlicht die Komplexität, die mit dieser Arena einhergeht. Das Arena-Modell bietet einen strukturellen Ansatz, um alle relevanten Parameter zu ordnen. Die Analyse kann stetig fortgeschrieben werden. Der zu erwartende Erkenntnisgewinn ergibt sich in diesem Zusammenhang bereits durch die Grundkonfiguration der zur Verfügung stehenden Informationen.

150 https://www.br.de [„Nürnberger Bürger wollen neues Opernhaus“] 26.12.2021 151 vgl. ebd. 152 https://www.youtube.com [Erinnerungskultur(en). Neue Wege in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus] 26.12.2021 153 vgl. ebd.

38


In der Anwendung wird deutlich, dass eine Beteiligung der Bürgerinnen gem. der unter 3.2.2 beschriebenen Kritik eher auf eine Konsensbildung abzielte. Ebenfalls wird ersichtlich, dass die Interessen diverser Akteure, die im Kontext der Arena im Umgang mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgeländes argumentieren, keinen relevanten Einfluss auf den Entscheidungsprozess hatten. Eine Teilanalyse gem. dem soziologischen Arena-Modell bietet Entscheidungsträger*innen wichtige Informationen, welche unmittelbar in der noch laufenden Arena berücksichtigt werden können. Die Erkenntnisse haben das Potenzial, gem. den

Ansätzen von Prof. Dr. Ortwin Renn, zur Gestaltung von Diskussionsformaten verwendet zu werden. In diesem Zusammenhang könnte der Diskurs stärker auf den Einbezug unterrepräsentierter Gruppen ausgerichtet sein. Welche Gruppen bereits am Prozess beteiligt waren, ist der Analyse zu entnehmen. Künftige Entscheidungen könnten daher auf einer fundierten Grundlage erfolgen. Bezogen auf das konkrete Beispiel kann vermutet werden, dass sich eine Strukturierung auf der Grundlage des Arena-Modells auch positiv auf den knapp bemessenen Zeitrahmen auswirkt. Nachdem die abstrakte Analyse der aktiven Arena die Anwen-

39

dung der Theorie in einem konkreten Beispiel verdeutlicht, soll das soziologische Arena-Modell folgend einer kritischen Betrachtung unterzogen werden. Im Fokus stehen die Grenzen der Anwendbarkeit sowie die Stärken und die Schwächen der Theorie.


4. Kritische Würdigung

Die zuvor beschriebenen Ansätze verdeutlichen das Potenzial des soziologischen Arena-Modells in Bezug auf das strukturelle Verständnis von städtebaulichen Entscheidungsprozessen. Im Bereich der Anwendung der Theorie existieren jedoch diverse limitierende Faktoren und kritische Aspekte, welche folgend näher beschrieben werden sollen. Das Wissen um die Möglichkeiten und Schwächen des theoretischen Ansatzes kann als Grundlage für die jeweilige Anwendung vorausgesetzt werden. Die kritische Würdigung ist im Wesentlichen auf die Schriften von Ortwin Renn zurückzuführen. Bezugnehmend auf den

erweiterten Ansatz nach Renn, konnten im Rahmen der Recherche keine kritischen Stimmen von anderen Autoren bzw. Instanzen ausgemacht werden. Die Darstellungen des Autors lassen in Teilformulierungen allerdings vermuten, dass mit den zugrundeliegenden Theorien durchaus ein differenzierter Diskurs einhergeht. Da sich diese Arbeit ausschließlich auf die Beschreibungen von Prof. Dr. Ortwin Renn fokussiert, beschränkt sich die kritische Betrachtung ebenfalls auf diesen Rahmen. Das Möglichkeitsspektrum, welches Renn in seinen Texten beschreibt, soll folgend durch die Gegenüberstellung von positiven Aspekten und nachteiligen bzw. limitierenden Faktoren

aufgezeigt werden. Renn beschreibt diverse Vorteile, die mit der Anwendung der Theorie einhergehen. Unter anderem betont er immer wieder die strukturellen bzw. strukturierenden Aspekte des Modells. Daraus ergibt sich die Schlussfolgerung das sich das Modell sowohl für den „Entwurf bzw. die Organisation von Forschungsprojekten“154 als auch für Formen der „Selektierung relevanter Phänomene für Analysen“155 eignet.156 Aufgrund der Möglichkeit sich verändernder Arena-Bedingungen, eignet sich das Modell nur in sehr begrenztem Maße zur Vorhersage von Ergebnissen der jeweiligen Arenen.157

154 Renn, 1992, S.194 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 155 ebd. (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 156 vgl. ebd., S.194 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 157 vgl. ebd., S.196 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt)

41


Ein negativ zu benennender Aspekt ist, dass die zugrundeliegende Systematik einen Denkansatz von einer Demokratie implizieren kann, in der die „Eliten um Macht und Einflussnahme kämpfen und in der die allgemeine Öffentlichkeit von diesen Eliten entsprechend instrumentalisiert wird, um individuelle Vorteile zu erlangen.“158 In diesem Zusammenhang betont Renn seinen grundlegenden Glauben an das Anwendungspotenzial der Theorie „for honest and altruistic actors and an aware and attentive public“.159 Dieser Ansatz soll auch im Sinne dieser Studienarbeit vertreten werden. Um die Theorie jedoch mit der Zielsetzung einer inklusiven und diversen Gesellschaft

anwenden zu können, ist das Wissen um die konträre Sichtweise, welche ebenfalls aus dem Ansatz hervorgehen kann, elementar. Als ein weiteres zentrales Problem der Theorie muss der „typologische bzw. semantisch[e]“160 Charakter benannt werden. Da das Modell „nicht falsifizierbar“161 ist, beschränkt sich die Anwendung überwiegend auf qualitative Aspekte. Es bedarf demnach der Möglichkeit einer „quantitative[n] Messung von Ressourcen“162 um die „Zweckmäßigkeit und Sinnhaftigkeit des Modells zweifelsfrei [zu] unterstreichen“.163 164 Die beschriebenen Aspekte verdeutlichen auszugsweise die

Kritik, die Ortwin Renn bezüglich des Anwendungspotenzials des Modells betont. Um die Theorie folglich gewinnbringend in Bezug auf städtebauliche Entscheidungsprozesse anwenden zu können, bedarf es dahingehend eines fundierten Wissens der Anwender*innen über die Stärken und Schwächen der Theorie. Wie die abstrakte Analyse der aktiven Arena zur Standortsuche für eine Interimsspielstätte des Opernhauses in Nürnberg verdeutlicht hat, bietet der strukturelle Ansatz einen geeigneten Rahmen, um sich diverse relevante Parameter des laufenden Konfliktes vergegenwärtigen zu können.

158 Renn, 1992, S.195 (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 159 ebd. (das englische Zitat wurde vom Verfasser für dieses Skript sinngemäß übersetzt) 160 Renn und Hampel, 1998, S. 28 161 ebd. 162 ebd. 163 ebd. 164 vgl. ebd., S. 28

42


Bezugnehmend auf eine übergeordnete Zielsetzung einer partizipativen Stadtplanung, kann ein strukturierter Überblick über alle beteiligten Akteure bereits wichtige Erkenntnisse über unterrepräsentierte Gruppen liefern. Partizipationsprozesse können auf dieser Grundlage ansetzen und entsprechend diverser und folglich repräsentativer gestaltet werden. Informationen zu den zur Verfügung stehenden Ressourcen scheinen auch in Bezug auf die Anwendung im städtebaulichen Kontext einen zentralen limitierenden Faktor darzustellen. Begreift man das Tool allerdings im Sinne der beschriebenen Möglichkeiten (Erkenntnisse

über unterrepräsentierte Gruppen, etc.) erscheint der Aspekt weniger stark gewichtet zu sein. Wie der vorangegangene Abschnitt verdeutlicht, gilt es die Anwendung der Theorie – je nach Zielsetzung – stets kritisch zu hinterfragen. Final soll ein zukunftsorientiertes Anwendungspotenzial der Theorie in Bezug auf städtebauliche Entscheidungsprozesse im Epilog näher thematisiert werden.

43


5. Epilog: Die Stadt der Zukunft Der gebaute Kompromiss!?

Betrachtet man die gegenwärtigen Anwendungsoptionen des soziologischen Arena-Modells im Sinne der Forschungsfrage, weisen die beschriebenen Eigenschaften der Theorie darauf hin, dass das Modell grundsätzlich auf städtebauliche Entscheidungsprozesse angewendet werden kann. Während die schematische Anwendung auf eine aktive Arena das Potenzial zur strukturierten Analyse verdeutlicht, weisen die in der kritischen Würdigung genannten Aspekte auf Probleme in der Anwendbarkeit hin. Wie im vorherigen Abschnitt erläutert, kann davon ausgegangen werden, dass der qualitative Ansatz ausreicht, um städtebauliche Entscheidungsprozesse durch

eine strukturierte Analyse und die damit einhergehenden Erkenntnisse zu den beteiligten Akteuren - im Sinne einer partizipativen Konfliktlösungsstrategie - zu bereichern. Johannes Suitner beschreibt in der Publikation „Interdiszi-

plinäre Stadtforschung. Themen und Perspektiven “165, bezugnehmend auf Wittmayer/ Hölscher, drei Perspektiven der Transformationsforschung.166 Die dargestellte Anwendung des soziologischen ArenaModells nach Renn kann in diesem Zusammenhang der „analytische[n] Perspektive“167 bzw. der „normative[n] Perspektive“168 zugeordnet werden. So wäre die Zielsetzung der Anwendung einerseits „die Pro-

165 Kogler, 2021 166 vgl. Suitner, 2021, S. 144, zitiert nach Wittmayer/ Hölscher, 2017 167 Suitner, 2021, S. 144 168 ebd. 169 ebd. 170 ebd. 171 ebd. 172 vgl. ebd., S. 144-147

45

duktion von konzeptionellem Wissen bzw. Systemwissen, das zu einem besseren Problemverständnis hinsichtlich der Beschreibung transformativer Pfade beiträgt“.169 Andererseits kann das Modell zur Bewertung eingesetzt werden, um „Handlungswissen“170 zu produzieren, „indem [es] alternative Politikempfehlungen macht.“171 172 Während die Anwendung in diesem Kontext überwiegend auf eine strukturierte Analyse zurückzuführen ist, kann der zugrundeliegende Ansatz der Betrachtungsweise von öffentlichen Konflikten auch nach übergeordneten Prinzipien von demokratischen Organisationsstrukturen ausgelegt werden.


Einen Ansatzpunkt liefert dahingehend Jane Jacobs, indem Sie auf den organisatorischen Rahmen verweist, der Partizipation erst ermöglicht. (Bezirksebene)173 Formuliert man diese These weiter, liegt der Ansatz nahe, dass eine Arena bzw. der stetige Konflikt als notwendige Voraussetzung für Partizipation verstanden werden kann. Inhaltlich knüpft diese These an der Argumentation von Stefan Gruber in Bezug auf „Commons“174 bzw. „Commoning“175 an.176 Commons begreift Gruber „als soziale Beziehungen, die in einem beständigen Prozess ausgehandelt werden und in denen unterschiedliche wie auch sich

widerstreitende Gemeinschaften den Zugang, die Nutzung und die Bedeutungen definieren [...]“.177 Commoning wird entsprechend „als eine Arena verstanden, in der Unterschiede aufeinandertreffen, und nicht als ein Unternehmen, das dem Ziel dient, eine gemeinsame Identität oder einen Konsens zu finden und Unterschiede zu überwinden.“178 Wenn ein gemeinschaftlicher Ansatz gemäß der Orientierung Grubers stetig neu ausgehandelt werden muss, erscheint der Kompromiss den bestmöglichsten Zustand darzustellen, welcher in einem gemeinschaftlichen, demokratischen Organisationssystem möglich ist. Ein Zustand, der jeweils als Teilergebnis einer stetig

173 vgl. Jacobs, 2015, S.210 174 Gruber, 2018, S. 45 175 ebd. 176 vgl. Gruber, 2018, S. 45 177 Gruber, 2018, S. 45 178 ebd. 179 vgl. Gruber, 2018, S. 45, zitiert nach Mouffe, 2010

46

aktiven Arena zu verstehen ist. Bezugnehmend auf Chantal Mouffe betont Stefan Gruber die grundlegende Relevanz des Konfliktes für das Zusammenkommen bzw. gemeinsame Handeln von Menschen.179 Überträgt man das gedankliche Konstrukt der zentralen Metapher des soziologischen Arena-Modells nach Renn auf öffentliche Konflikte im Städtebau, ergibt sich im Sinne des Commoning nach Gruber ein grundlegendes Verständnis von städtebaulichen Entscheidungsprozessen, bei denen die jeweiligen Ergebnisse immer nur als temporäres Ereignis zu verstehen sind.


Daraus folgt die Notwendigkeit, dass der Konflikt in Form von diversen Arenen stetig andauert. Der (gebaute) Kompromiss wäre bereits der Anlass für eine neue Arena, aus welcher wiederum ein Zustand resultiert, der im Idealfall verhandelbar bleibt. Es ist davon auszugehen, dass ein Ansatz gemäß dem soziologischen Arena-Modell allein nicht ausreicht, um die Stadt der Zukunft zu gestalten. Die vorangegangene Untersuchung zeigt jedoch, dass das Modell verschiedene Ansatzpunkte bietet, um gewinnbringende Erkenntnisse im Kontext des Städtebaus zu erzielen. Bezugnehmend auf den Neubau auf dem ehemaligen Karstadt-Areal in München

(siehe Einleitung) kann das Arena-Modell zunächst wichtige Erkenntnisse über die an dem Entscheidungsprozess beteiligten Akteure generieren. Erweitert man den theoretischen Ansatz, mündend in der These des gebauten Kompromisses, bietet das Modell sogar einen übergeordneten Ansatzpunkt in Bezug auf grundlegende Fragen des urbanen Zusammenlebens. So könnte die Neubau-Lösung auch als Anlass bzw. temporäres Zwischenergebnis eines fortwährenden Konfliktes verstanden werden. Das soziologische Arena-Modell nach Renn ermöglicht diverse Erkenntnisgewinne in der städtebaulichen Anwendung.

47

Darüber hinaus geht mit der Untersuchung der Anwendbarkeit aber auch die übergeordnete Erkenntnis einher, dass durch die Kombination von Architektur bzw. Stadtplanung und soziologischen Theorien ein interdisziplinärer Prozess angestoßen werden kann, der aufgrund von Multiperspektivität in fundierten Beiträgen zum übergeordneten Diskurs mündet.


6. Bibliografie

Abels, Heinz: Einführung in die Soziologie. Band 2: Individuen in ihrer Gesellschaft. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften/ GWV Fachverlage, 3/2007 Gruber, Stefan: Einer von vielen kommenden Atlanten... . In: An Atlas of Commoning: Orte des Gemeinschaffens, ARCH + Zeitschrift für Architektur und Urbanismus. Nr.232, 2018, S.44-47 Heindl, Gabu: Social (ist) Housing. Wohnen als öffentliches Interesse, politisches Projekt und architektonische Aufgabe. In: Wien. Das Ende des Wohnbaus (als Typologie), ARCH + Zeitschrift für Architektur und Urbanismus. Nr. 244, 2021, S.94-99

Heindl, Gabu: Stadtkonflikte. Radikale Demokratie in Architektur und Stadtplanung. Wien u.a.: Mandelbaum Verlag, 2020 Jacobs, Jane: Tod und Leben großer amerikanischer Städte. Basel: Birkhäuser Verlag, 2015 Jaeger, C.C.; Renn, O.; Rosa, E.A.; Webler, Th.: Risk, Uncertainty and Rational Action. London: Earthscan, 2001, S. 175-182 Ngo, Anh-Linh Ngo: Editorial. In: Wien. Das Ende des Wohnbaus (als Typologie), ARCH + Zeitschrift für Architektur und Urbanismus. Nr. 244, 2021, S.01-03 Renn, Ortwin: „The Social Arena Concept of Risk Debates. In: Sheldon Krimsky (Hrsg.); Domi-

49

nic Golding (Hrsg.): Social Theories of Risk. Westport: Praeger, 1992, S. 179-196 Renn, Ortwin; Jürgen Hampel (Hrsg.): Kommunikation und Konflikt. Fallbeispiele aus der Chemie. Würzburg: Königshausen und Neumann, 1998 Schneider, Tatjana: Agency. In: Marianne Krogh (Hrsg.): Connectedness. An Incomplete Encyclopedia of the Anthropocene. Kopenhagen: Strandberg Publishing A/S, 2020, S. 36-39


Suitner, Johannes: Planning (in) transition. Planungswissenschaftliche Perspektiven auf Stadtplanung und Pfadentwicklung. In: Kogler, Raphaela; Alexander Hamedinger (Hrsg.): Interdisziplinäre Stadtforschung. Themen und Perspektiven. Bielefeld: transcript Verlag, 2021

White, William H.: City. Rediscovering the Center. Philadelphia: University of Pennsylvania Press, 2009

Testa, Marlene: Das Warenhaus in der Bundesrepublik Deutschland von 1960 bis 1980. Auf der Suche nach einer Integration in den urbanen Kontext. PhD diss., Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, 2019. BookOnDemand – vabaduse, 2020

50


Beiträge im Internet:

https://www.bayerischestaatszeitung.de/staatszeitung/ kommunales/detailansichtkommunales/artikel/defaultd0ae3722ae.html#topPosition <26.12.2021> https://www.br.de/nachrichten/ bayern/entscheidung-ueberersatz-opernhaus-in-nuernbergvertagt,SmaSSvw <25.12.2021> https://www.br.de/nach richten/kultur/nuernberger-buerger-wollen-neues-opernhaus,SqKgMp8 <26.12.2021> https://www.duden.de/rechtschreibung/Akteur <12.12.2021> https://www.karteikarte.com/ card/1317459/1-erlaeutern-sie-

die-grundgedanken-des-arenakonzeptes <14.11.2021> https://www.marktspiegel. de/nuernberg/c-lokales/ nuernberg-bekommt-eine-operdes-21-jahrhunderts_a68975 <26.12.2021> https://www.nn.de/nuernberg/ architekt-fordert-nurnbergsopernhaus-besser-abreissenals-sanieren-1.11500717 <26.12.2021> https://www.nordbayern.de/ kultur/marodes-opernhaussanierung-kostet-dreistelligenmillionenbetrag-1.11059300 <25.12.2021> https://www.nordbayern.de/ zu-viele-offene-fragen-historiker-fordern-aufschub-furopern-interim-in-der-kongress-

51

halle-1.11565373 <26.12.2021> https://shs93.de <17.01.2022> https://www.spiegel.de/kultur/ nuernberg-ns-kongresshallewird-zu-opern-ausweichspielstaette-a-fd9f639e0465-48a3-b715-6114ca3d7ceb <26.12.2021> https://www.stuttgarter-zeitung. de/inhalt.streit-um-nuernberger-kongresshalle-opernhausauf-nazi-gelaende.6eac00a06ba6-4c23-a155-b7745e7774eb. html <26.12.2021> https://www.sueddeutsche.de/ bayern/nuernberg-opernhausrichard-wagner-platz-1.5447069 <26.12.2021>


https://www.tagesspiegel.de/ berlin/80-000-wohnungenfehlen-pro-jahr-berlin-waechstschnell-und-baut-zu-wenig/26888474.html <12.12.2021> https://www.wien.gv.at/ stadtentwicklung/projekte/ nordbahnhof/grundlagen/leitbild-2014/pdf/leitbild-2014-lang. pdf <19.12.2021> https://www.youtube.com/ watch?v=q6uw_LqAgLE <26.12.2021> https://www.zeit.de/ news/2021-12/09/einstigens-kongresshalle-wird-opernausweichspielstaette?utm_ referrer=https%3A%2F%2Fwww. google.com%2F <26.12.2021>

52


Technische Hochschule Nürnberg GSO Fakultät Architektur Theorie der Architektur und Entwerfen Prof. Dr. Richard Woditsch

Theorie der Architektur und Entwerfen


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Der gebaute Kompromiss!? by TAE-OHMARCH - Issuu