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Snowactive | Oktober 2026 DE

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Das offizielle Verbandsmagazin von

Oktober 2026

Der weltbeste Telemarker · Grazie Lara! · Schnee für später


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Ob wir wollen oder nicht Veränderung nervt. Vor allem dann, wenn eigentlich alles ganz gut läuft. Das Gemeine daran: Es interessiert sie herzlich wenig, ob wir gerade bereit dafür sind. So wie jetzt. «Zweiterfolgreichste Saison in der Geschichte von Swiss-Ski», stand in der April-Ausgabe von Snowactive. Die erfolgreichste war ein Jahr davor. Die Athletinnen und Athleten liefern, die Strukturen scheinen zu funktionieren, die Resultate stimmen. Natürlich nicht in jeder Disziplin gleichermassen. Aber unterm Strich läuft's. Eigentlich könnte es einfach so weitergehen. Eigentlich. Nur hat Veränderung eine ziemlich unangenehme Eigenschaft: Sie lässt sich von Erfolg nicht beeindrucken. Sie kommt trotzdem. Mit Ansage, schleichend, manchmal überraschend. Und manchmal nimmt sie Dinge mit, von denen wir hofften, sie würden einfach bleiben, wie sie sind. Die Nordische Kombination gehört seit den ersten Winterspielen 1924 zum olympischen Programm. Im Juni fiel der Entscheid: Nach über 100 Jahren ist Schluss. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, wo bei Swiss-Ski erstmals eine Frau Teil des Kaders ist und die Trainingsstrukturen erst in der vergangenen Saison neu aufgestellt wurden. Wie es nun weitergeht, ist noch nicht spruchreif.

Lara Gut-Behrami. Über Jahre war sie nicht einfach Teil des Schweizer Skisports, sie hat ihn geprägt. Olympiasiegerin, Weltmeisterin, Gesamtweltcup-Siegerin, 101 Weltcup-Podestplätze, davon 48 Siege. Zahlen, die irgendwann selbstverständlich wirkten, weil Lara eben Lara war. Doch auch eine solche Karriere geht zu Ende. Da bleibt nur eines zu sagen: «Grazie, Lara.» Und: «Tschüss, Lara. Mach’s gut.» Während wir noch zurückblicken, geschieht längst, was immer geschieht: Veränderung. Auf ein «Tschüss» folgt ein «Hallo». Hallo Dania Allenbach. Hallo Sue Piller. Hallo Shaienne Zehnder. Drei Athletinnen, die in dieser Ausgabe erzählen, was es bedeutet, «plötzlich» selbst jene zu sein, auf die geschaut wird. Druck, Erwartungen, Zukunft. Sie wachsen in einem Skisport auf, der sich verändert hat – und sich weiter verändern wird. Schneller als uns lieb ist. Denn Bergrücken durchbrechen Schneefelder. Fels kommt zum Vorschein, wo früher Gletscher war. Gipfel wie Silberhorn, Weisshorn oder Schneehorn tragen ihre Namen - noch. Das Eis schmilzt und läuft in Bächen talwärts. Die Schweizer Sommerskigebiete mussten ihren Betrieb unterbrechen, Trainingsmöglichkeiten wurden eingeschränkt, verschoben, gestrichen. Ausgerechnet der Schneesport kann sich der grössten Veränderung unserer Zeit nicht entziehen.

so langsam oder schnell passiert, dass wir erst merken, was sich verändert hat, wenn es längst anders ist. Klingt schön. Fast ein bisschen nach Lebensratgeber. Doch sind wir ehrlich: Veränderung darf man auch einfach verdammt schade finden. Wir müssen auch nicht so tun, als liesse sich jedem Abschied, jedem Verlust und jeder Ungewissheit mit einem motivierenden Spruch etwas Positives abgewinnen. Was wir können, ist zu entscheiden, was wir damit machen. Der Sport zeigt uns das eigentlich jeden Tag. Ein Entscheid verändert eine ganze Disziplin. Ein Rücktritt ein Team. Eine neue Generation das Bild, an das wir uns gewöhnt haben. Und fehlender Schnee irgendwann den Sport selbst. Vielleicht besteht Mut deshalb gar nicht darin, Veränderung zu mögen. Vielleicht besteht Mut darin, ihr nicht auszuweichen. Die neue Saison steht vor der Tür. Wir wissen noch nicht, wer überraschen wird. Wer zurückkommt. Wer geht. Welche Geschichten geschrieben werden. Ob es schneien wird. Und wahrscheinlich werden auch Dinge passieren, die wir heute lieber verhindern würden. Das ist das Unbequeme an Veränderung. Wir wissen nie genau, was sie uns nimmt. Und noch weniger, was sie mit sich bringt. Also los. Die Saison kann kommen.

Während also gerade etwas Neues entsteht, ist das «Ende» bereits beschlossen. So fühlt es sich zumindest an. Veränderung zeigt sich nicht nur darin, was «verschwindet». Sondern auch darin, wer geht.

Das macht Angst. Es tut weh. Das zu sehen tut weh. Ich könnte jetzt aufzählen, was Veränderung alles sein kann. Selbst gewählt oder aufgezwungen. Abschied oder Aufbruch. Ein harter Schnitt oder etwas, das

Und falls Ihnen bei all der Veränderung doch nach etwas Verlässlichem ist: Vier Ausgaben Snowactive landen auch diesen Winter wieder in Ihrem Briefkasten. Versprochen. Lia Näpflin, Chefredaktorin

EDITORIAL

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Impressum

Das offizielle Verbandsmagazin von Swiss-Ski, erscheint viermal pro Jahr Ausgabe vom Oktober 2026, 61. Jahrgang

Herausgeber Swiss-Ski Home of Snowsports, Arastrasse 6, 3048 Worblaufen T +41 31 950 61 11, snowactive@swiss-ski.ch

Redaktion Lia Näpflin (lia.naepflin@swiss-ski.ch) Roman Eberle (roman.eberle@swiss-ski.ch)

Freie Mitarbeit

6 Nicolas Michel

Peter Birrer, Benjamin Steffen, Nils Sager, Stephan Bögli, Philipp Schmidli, Silvan Dietrich, Ruedi Flück

Art Direction/Layout LS Creative GmbH Leander Strupler, Sandro Reist

Inserate/Advertorials Swiss-Ski Matthias Rietschin (matthias.rietschin@swiss-ski.ch) Thomas Huser (thomas.huser@swiss-ski.ch)

Abonnemente Jahresabo CHF 49.-, 4 Ausgaben (inkl. MWST)

Druck AVD Goldach AG

Übersetzungen Syntax Übersetzungen AG

Copyright Swiss-Ski Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion gestattet.

46 Noémie Wiedmer


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Heim-WeltcupKalender

22 Gehirn­- erschütterungen im Freestyle 40 Schweiz 2038: Olympische und Paralympische Winterspiele

16 Lara Gut-Behrami

52 Schneebar Crans-Montana 1987 Unvergesslich. Unerzählt.

56 Karl Frehsner Dürfen wir dich mal was fragen?

60 Chiara von Moos Was macht eigentlich?

64 Colette Roth Unser Skiclub

68 SC ELM Kolumne

70 Auf dünnem Eis

34 Snowfarming Davos

28 Allenbach, Piller und Zehnder


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Aus dem Rahmen Nicolas Michel ist zweifacher Gesamtweltcup-Sieger im Telemark – und Projektleiter in einer Schreinerei. Über einen Spitzensportler, der sich selber kaum so bezeichnet und im Leben stets Platz hat für etwas mehr. Das Gespräch mit Nicolas Michel findet an einem Dienstagmorgen um 6 Uhr 30 in Bern statt. Er ist auf der Durchfahrt von Nyon nach Grindelwald. In der Nähe von Nyon ist sein Wohnort, in Grindelwald der Arbeitsplatz, wenn er nicht von zu Hause aus arbeitet. Michel ist Projektleiter in einer Schreinerei, begleitet Aufträge von der Offerte über Zeichnungen und Materialbestellung bis zur Rechnung. Alles. Offiziell sei er zu 100 Prozent angestellt, je nach Auftragslage wird es manchmal auch ein Stückchen mehr. Alles und mehr.

Und daneben betreibt er Spitzensport. Oder: dazwischen. Oder: überhaupt? Ist Nicolas Michel Spitzensportler? Stille. «Ich hätte gesagt: halb. Oder eher nein.» Nicolas Michel hat seit 2011 mehr als 200 Weltcup-Rennen absolviert und sechs WM-Medaillen gewonnen. 86 Weltcup-Podeste, 22 Weltcup-Siege. Er riss sich zweimal das Kreuzband und kehrte zweimal zurück. In der vergangenen Saison sicherte er sich zum zweiten Mal den Gesamtweltcup – wie sonst nur ein einziges Swiss-Ski-Mitglied: Marco Odermatt, alpiner Skirennfahrer, weit über die Schweiz hinaus bekannt. Wer weiss, wer Nicolas Michel ist?


Nicolas Michel

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Bilder: Guilla Umeborga


8 Die Energie und der Becher Nicolas Michel ist Telemarker. Geboren 1995. Aufgewachsen in Vex im französischsprachigen Unterwallis, wenige Autominuten vom Skigebiet Thyon entfernt. Ein Kind voller Energie, von morgens früh bis abends spät. Nach der Schule spielte er draussen mit Bruder oder Kollegen, bastelte, baute irgendetwas. Bis ihn um 22 Uhr die Eltern hineinriefen, ab ins Bett – «itz isch eis fertig», so habe es geheissen. Michel spricht es aus, als sei er Berner Oberländer. Was er nicht ist. Oder: nur laut amtlichem Dokument. Heimatort: Grindelwald. Sein Urgrossvater wanderte einst in die Westschweiz aus, wo Michels sesshaft blieben. Aber auch dafür hatte Nicolas noch Energie, als er in Grindelwald eine Stelle fand: als Romand den Dialekt der Vorfahren und Einheimischen zu lernen. Er schaffe es durchaus, einmal einen halben Tag lang nichts zu machen, vielleicht auch einen ganzen, aber danach werde es schwierig, «mir wird langweilig».

Am Wochenende Weltcup-Sieger, am Montag Projektleiter: Nicolas Michel arbeitet Vollzeit in einer Schreinerei – oft auch mehr. Bilder: Ruedi Flück

Sein Leben gleiche einem Becher, der meistens voll sei. Manchmal laufe er – der Becher – ein wenig über, manchmal gebe es wieder etwas Raum. Bloss dauert es nicht lange, bis Michel findet, da passe noch etwas hinein. Alles und mehr. Ein leerer Becher? Nicht so bald. Überlaufgefahr? Rund um die Uhr. Überforderung? Kaum. Auf die Feststellung, er wirke «entspannt», sagt Michel: «Ja, jaja». Judo, Leichtathletik, Tennis, Basketball, Ski Alpin. Als Kind probierte er vieles aus und mehr. Im Skirennsport wäre er gut genug gewesen für die Aufnahme ins regionale Fördersystem. Aber etwas störte ihn an dieser Welt, noch heute sind es eher ein Gefühl und Beobachtungen als präzise Kritik und laute Beschwerde. Die Kinder mit Renndress und mehreren Paar Ski, die Eltern am Pistenrand, mit guten Tipps und vielleicht auch etwas Druck, «da fühlte ich mich nicht im Element». Michel hatte ein paar Ski und kein Renndress. «Ich war nicht mehr im gleichen Rahmen wie die anderen», sagt er einmal, fast beiläufig, als kämen ihm die schönsten Formulierungen auf Berndeutsch einfach zugeflogen.


Nicolas Michel

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Er ist zweifacher Gesamtweltcup-Sieger im Telemark – als Spitzensportler sieht sich Nicolas Michel trotzdem kaum.

«Ich war nicht mehr im gleichen Rahmen wie die anderen.» Nicolas Michel

Ob im Rahmen oder nicht: Das Leben hat ihn gelehrt, dass er sich auf das Gefühl verlassen darf. Als er in der Oberstufe war, sahen ihn die Lehrer als künftigen Gymnasiasten. Für Nicolas Michel indes war der Fall bei der Berufsberatung schnell erledigt: Er wollte Schreiner werden. Kein Bedarf für eine weitere Beratungssitzung, keine Lust auf weitere vier, fünf Jahre auf der Schulbank. Das Sitzen störte ihn, nicht das Lernen. Bloss stillhocken und zuhören, nichts machen, nichts Produktives oder Handfestes zumindest: schwierig.

Die Lehrpersonen befürchteten, er werfe sein Potenzial weg. Michel machte eine Schreinerlehre und die Berufsmatura, studierte Holztechnik, ein Jahr in Los Angeles inklusive. Wenn ihm jemand gesagt habe, er sei auf dem falschen Weg, «war es bei mir so, als werde ein Knopf gedrückt: Dir zeig ich es.» Er beschreibt es fast beiläufig. Er scheint seinen Ehrgeiz lieber zu erzählen als zu behaupten. Und sowieso: Was ist schon ein falscher Weg?


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«Für mich gibt es kein Ende.» Nicolas Michel

Kind unter Erwachsenen Sein Weg. Die Eltern fanden durchaus, dass er Sport treiben solle, ja, jaja – aber welchen und wie intensiv und erfolgreich, sollte er selber entscheiden und das Leben zeigen. Die Eltern öffneten Türen, schoben ihn aber nicht hindurch. Bis Telemark kam. Und er einen neuen Raum betrat, von dem er noch nicht ahnte, wie gross er würde. Dank einem Schnupperkurs in einer Sportwoche mit der Schule, 4. Klasse, als die meisten anderen Kinder fünf Tage Ski fuhren. Zumindest an einem Tag probierte Michel lieber etwas Neues aus, Telemark – und fand es «cool und lustig».

Für weitere Reisen organisierte er sich Mitfahrgelegenheiten mit älteren Athleten, in den Trainingslagern wohnte die Gruppe in Ferienwohnungen, Einkauf, Kochen, Abwasch, alles gemeinsam. Michel war nicht bloss für den Sport da, zum Besserwerden, zum Schnellerfahren. Auch zum schnelleren Erwachsenwerden. Kurz vor dem 16. Geburtstag debütierte er im Weltcup, Rang 26, und da setzte er sich ein klares Ziel: den Sieg im Gesamtweltcup. So ist und lebt Michel. Wo er auch ankommt, bricht er sogleich wieder auf. Und es ist sein Motto: Er ist auf mehreren Bahnen unterwegs, so beschreibt er es. Er ist froh, dass er nicht nur auf einen Bereich

Er kam nach Hause, informierte die Eltern, dass er Telemark-Ski mieten möchte, machte die nächsten Erfahrungen auf eigene Faust – bis er dachte, dass ein wenig Anleitung nicht schaden würde. Also nahm er im Heimgebiet in Thyon einen halben Tag Unterricht, bei einem Skilehrer namens Bastien Dayer, acht Jahre älter als Michel und schon auf dem Weg zum internationalen Spitzenfahrer. Als Michel später bei einem Rennen in Thyon als Vorfahrer startete, sah ihn der Nationaltrainer und fragte, ob er bei Gelegenheit in ein Trainingslager mitkommen wolle. Michel ging – und ist geblieben, im Kreis der besten Schweizer Telemarker. Er war zwölf Jahre alt. Es gab keine Struktur, wie Michel sie vom Aufgalopp im alpinen Skisport kannte, keine grosse Gruppe gleichaltriger Nachwuchsfahrer. Wer auf hohem Niveau zu trainieren wünschte, landete rasch beim Nationalteam. Wenn das Team in erreichbarer Nähe trainierte, schloss sich Michel an.

Holz ist mehr als sein Beruf. Michel wollte schon als Jugendlicher Schreiner werden.

setzte, auf Sport, Spitzensport, vielleicht sogar auf Ski Alpin, zu 100 Prozent, 120 oder 150 – denn was wäre gewesen, wenn er die Karriere wegen einer Verletzung hätte beenden müssen? Er wäre beruflich längst nicht so etabliert, wie er es heute ist. Michel weiss bereits, dass er im Job alsbald noch mehr Verantwortung übernehmen möchte, vielleicht einmal einen Betrieb oder eine Filiale führen. Als er sich zum zweiten Mal das Kreuzband riss, hätten sich manche Leute Sorgen gemacht, viel mehr Sorgen als er selber – «ich war schon weiter, ich wusste, dass ich zurückkehren würde», und für die Zwischenzeit hatte er den Beruf. Was ist schon ein falscher Weg? Als die anderen dachten, das Leben habe ihn ausgebremst, war Michel schon auf einem anderen Weg – «für mich gibt es kein Ende», sagt er. Als sei nicht der Weg das Ziel, sondern das Leben. Und deshalb spielt es für Michel auch keine Rolle, ob Telemark Spitzensport ist oder nicht: Es gehört zu seinem Leben. Es geht ihm nicht darum, viel mehr Geld zu verdienen damit oder vielfach bekannter zu sein – dass es ist, wie es ist, gehört zu ihm und zu seinem vollen Becher.


Nicolas Michel

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Er war noch keine 16 und hatte bereits den Gesamtweltcup im Visier: Nicolas Michel wusste früh, wo er hinwollte. Bilder: Sam Decut

«Es wäre nicht fair, einfach zu sagen: Ich höre auf, schaut selber.» Nicolas Michel

500 Franken für einen Sieg – oder nichts Im Winter besteht für ihn der Ansporn darin, mit Preisgeldern den SwissSki-Mitgliederbeitrag von 3000 Franken wieder einzuspielen. Für den Gesamtweltcup-Sieg 2026 bekam er von Swiss-Ski gemäss Athletenvertrag 1500 Franken. Pro Weltcup-Sieg erhält er vom Verband 1000 Franken. Weitere Preisgeld-Auszahlungen hängen von den Weltcup-Veranstaltern ab. Das Reglement des Weltverbands FIS spricht eine Empfehlung aus, keine Pflicht. Und zwar: 500 Franken für Rang 1.

Marco Odermatt kassierte im vergangenen Winter für den Sieg in der Lauberhorn-Abfahrt 50'000 Franken. Doch Michel sagt nicht, dass er es gerne anders hätte, jedenfalls für sich selber nicht. Mit Odermatt tauschen? Nicht zwingend. Gewiss, er wünscht sich, dass Telemark mehr Aufmerksamkeit hätte – bloss verwechselt er die Anerkennung seiner Sportart nicht mit der Wertschätzung seiner Person. Ihm ist bewusst, was er für die Telemark-Bewegung in der Schweiz bedeutet, und wie sagte er: «Für mich gibt es kein Ende.» Er weiss noch nicht, wann er der Karriere einen Schlusspunkt

setzt, irgendeinmal werde er es spüren, und wenn er es spürt, wird er zurücktreten, weil ihn das Leben gelehrt hat, dem Gefühl vertrauen zu dürfen. Aber was er weiss: Dass er der nächsten Generation noch etwas weitergeben will, so wie ihm Bastien Dayer, sein erster Telemark-Lehrer, etwas weitergegeben hat etwas oder sogar alles und mehr, bis sie 2015 gemeinsam auf dem WM-Podest standen, Michel als Zweiter, Dayer als Dritter. Der nächste Fahrer mit realistischem Potenzial, in Michels Fussstapfen zu treten, Timo Walser, ist zehn Jahre jünger. «Wenn ich gehe, haben die anderen Schweizer keinen Anhaltspunkt mehr. Es wäre nicht fair, einfach zu sagen: Ich höre auf, schaut selber» - und der Unterwalliser sagt tatsächlich «gschoue» für «schauen». Er habe «nicht alle Schlüssel» des Telemark-Sports, sagt Michel, «aber ich habe viele Schlüssel zu vielen Türen – und es ist meine Aufgabe, diese Schlüssel weiterzugeben, damit es unserem Sport möglich ist, weiterzumachen.»


12 Für ihn gibt es kein Ende, und damit es auch für die Sportart in der Schweiz kein Ende gibt, will er weiterfahren, bis er diese Gewissheit hat. Und wenn jemand sagt, das schaffe er nicht: Denen zeigt er’s dem Sport zuliebe. Denn: «Einerseits stört es mich, dass wir kaum anerkannt sind für das, was wir leisten – anderseits kann ich mich bewegen, wie ich will, und niemand weiss, wer ich bin.» Niemand? Am 29. März 2025 – zwei Jahrzehnte nach den allerersten TelemarkSchwüngen – gewann Nicolas Michel erstmals ein Weltcup-Rennen in seinem Heimgebiet, in Thyon. Ein Samstag war’s, «da kam vieles zusammen», sagt Michel, «es hatte wahrscheinlich den Wert eines Gesamtweltcup-Siegs.» Der 200. WeltcupStart, Familie, Kollegen und Weggefährten waren da, Menschen, die ihn gekannt hatten, lange vor den vielen Siegen, Menschen, die einen Teil des Weges mitgegangen waren, die vielleicht mit ihm spätabends noch draussen gespielt hatten, bis die Eltern riefen, ab ins Bett, «itz isch eis fertig», Menschen womöglich, die ihm von einer Schreinerlehre abgeraten hatten, Menschen, denen es Michel gezeigt hat.

Michel ist der Älteste im Team. Noch will er weiterfahren – und seine Erfahrung an die Jüngeren weitergeben.

Sieg. Ein grosser Moment. Ob eine prominentere Bühne, ein viel grösseres Publikum, 20'000 Fans diesen Moment noch grösser gemacht hätten? Michel winkt ab. Zu diesen 20'000 Menschen hätte er keine Beziehung gehabt. Zu denen, die in Thyon standen, schon. Sie wussten, wer er ist. Und am Montagmorgen ging er wieder arbeiten. Text: Benjamin Steffen

Weltklasse auf Ski, unbekannt auf der Strasse: Nicolas Michel geniesst genau das.


EQUIPE SL PRO

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Infografik

53 Mal Schweizer Heimspiel Davos 11.12. – 13.12.

Adelboden 09./10.01.

Adelboden 09./10.01.

Ski Alpin M Riesenslalom, Slalom

Langlauf M/F Heat Massenstart 5 km F, Sprint F, Teamsprint F

St. Moritz 18.12. – 20.12.

Laax 15.01. Freeski M/F Slopestyle

Ski Alpin F 2x Super-G, 1x Riesenslalom

Arosa 15.12.

Laax 16.01. Snowboard M/F Slopestyle, Halfpipe (Night Event)

Skicross M/F

Davos 19.12. Snowboard M/F

Veysonnaz 30./31.01.

Wengen 15.01. – 17.01. Ski Alpin M Super-G, Abfahrt, Slalom

Alpin PSL

Engelberg 19./20.12.

Melchsee-Frutt 22./23.01. Telemark M/F

Veysonnaz 30./31.01.

Skispringen M/F

2x Parallel-Sprint

Skicross M/F

Scuol 09.01.

Silvaplana 22.01. – 24.01.

Lenzerheide 20./21.02.

Snowboard M/F

Langlauf M/F

Ski Alpin F

Alpin PGS

Mixed-Staffel, Sprint F, Massenstart 20 km F

2x Super-G


Engelberg 19./20.12. Melchsee-Frutt 22./23.01.

Davos 11.12. – 13.12.

Davos 19.12. Scuol 09.01.

Laax 15.01.

Arosa 15.12.

Wengen 15.01. – 17.01. Laax 16.01.

Lenzerheide 20./21.02.

Silvaplana 03./04.04.

St. Moritz 18.12. – 20.12. Silvaplana 22.01. – 24.01.

Silvaplana 03./04.04.

Ski Alpin

Freeski

Langlauf

Silvaplana 03./04.04.

Skicross

Freeski M/F Skispringen

Slopestyle, Halfpipe

Silvaplana 03./04.04. Snowboard M/F Halfpipe, Slopestyle

Detaillierte Informationen zum

Snowboard

Rennkalender www.swiss-ski.ch/events Telemark

Heim-Weltcup-Kalender

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Lara Gut-Behrami prägte den Schweizer Skisport während fast zwei Jahrzehnten – mit Erfolgen, Eigenständigkeit und ihrem ganz eigenen Anspruch. Bilder: Keystone-SDA

Eine Umarmung, Lara Lara Gut-Behrami hat fast zwei Jahrzehnte lang den Schweizer Skisport geprägt. Mit Eleganz, einem unerbittlichen Anspruch – und mit der Weigerung, Erwartungen bloss deshalb zu erfüllen, weil andere sie an sie stellten. Die Würdigung einer Karriere. Lara Gut-Behrami ist so gegangen, wie sie gekommen und geblieben war. Unkonventionell. Unabhängig. Am 5. August 2026 gab sie den Rücktritt vom Skirennsport bekannt. Ohne lange Abschiedstournee, ohne letztes Rennen, ohne Inszenierung, die eine Karriere dieser Grösse hergegeben hätte. Ohne

viel Absprache. Es war ein letztes Zeichen ihrer Eigenständigkeit. Alles gut. Alles ganz einfach. Aber vielleicht doch nicht so ganz. Lang, lang ist’s her, aus einer anderen Zeit, als sich Lara Gut via Website an die Fans richtete und die Nachrichten so unterschrieb: «Eine Umarmung, Lara.» Damals - in der Saison 2011/12 – versuchte sie zu erklären, warum sie hartnäckig Spezialslaloms fahre, obschon «es wahrlich so scheint, als würde ich nie im Ziel ankommen». Und sie schrieb: «Ich hoffe, mit diesen Zeilen habt ihr verstanden, dass Slalom nicht eine absurde

Laune für mich ist.» Und am Ende: «Eine Umarmung, Lara». Lang, lang ist’s her, als Lara GutBehrami noch auf Verständnis zu stossen versuchte. Sie hat alles gewonnen, zweimal den Gesamtweltcup, zweimal WM-Gold, einmal Olympia-Gold, 48 Weltcup-Rennen, sechsmal die Super-G-Disziplinenwertung, einmal die Riesenslalom-Wertung – bloss nicht das uneingeschränkte Verständnis der Öffentlichkeit. Bis sie es irgendeinmal nicht mehr wollte.


«Weil ich morgen wieder fahren muss.» Lara Gut-Behrami

So grossartig wie trist, so talentiert wie fleissig Es gibt einen kurzen Satz, der viel erzählt über Lara Gut-Behrami. Es war in der Saison 2016/17, im Winter zuvor hatte sie erstmals den Gesamtweltcup gewonnen – da gratulierte ihr der Servicemann zu einem Sieg und fragte: «Warum freust du dich nicht?» Gut antwortete: «Weil ich morgen wieder fahren muss.» So schilderte es das «Magazin» im Dezember 2025, im letzten Text, für den sich Lara Gut-Behrami für Einzelgespräche zur Verfügung stellte. Weil sie morgen wieder fahren musste. Ein trister Satz. Ein grossartiger Satz.

Unbekümmertheit, dass sie im Rückblick fast unwirklich erscheint. Am 20. Dezember desselben Jahres folgt in St. Moritz der erste Weltcup-Sieg. Mit 17. Nebel, Schneefall. Die Schwedin Anja Pärson, damals schon Weltmeisterin, Olympiaund Gesamtweltcup-Siegerin, fand, das Rennen hätte unterbrochen werden müssen. Die Amerikanerin Lindsey Vonn, damals schon Gesamtweltcup-Siegerin, fand: «Pärson hat immer etwas zu klagen.» Und Lara Gut, damals noch nicht verheiratet und weder Weltmeisterin noch Olympia- oder GesamtweltcupSiegerin, fand die Ideallinie, als sei alles kinderleicht. Es war nie kinderleicht. Nur sah es bei Lara Gut-Behrami oft so aus.

Diese Fähigkeit blieb ihr. Klein und kompakt, mit einem Gefühl für Linie und Gelände, das kaum zu lernen ist. Es gab Fahrerinnen mit mehr Kraft. Es gab grössere Athletinnen. Und es gab Konkurrentinnen, die spektakulärer wirkten. Aber wenn Gut-Behrami einen Super-G so fuhr, wie sie ihn sich vorstellte, umgab sie eine wunderbare Selbstverständlichkeit. Im März 2025, mehr als anderthalb Jahrzehnte nach dem ersten Super-G-Sieg, gewann sie den Super-G von Sun Valley mit 1,29 Sekunden Vorsprung. Wunderbar selbstverständlich. Rang 2: Lindsey Vonn. Auch Vonn – noch immer dabei. Zwei Morgen später folgte gleich noch einmal ein Sieg, Rang 1 im Riesenslalom von Sun Valley. «Ich wusste am Start: Wir sind alle müde», sagte sie danach auf SRF. «Ich musste einfach kämpfen, durchziehen bis zum Ziel.» Sie atmete einmal durch und sagte: «Jetzt bin ich recht müde.» Sie war müde – wie alle. Sie war alle. Es war ihr letztes Siegerinnen-Interview. Sieben Monate später – im Oktober 2025 - absolvierte sie noch einmal ein Rennen, Riesenslalom in Sölden, Platz 3.

Trist, weil er zeigt, was Spitzensport anrichtet, wenn Erfolg nicht mehr Befreiung ist, sondern Verpflichtung. Grossartig, weil in den sechs Wörtern steckt, was Gut-Behramis Karriere geprägt hat: dass morgen alles wieder bei null beginnt. Dass sie eine Arbeiterin war, unerbittlich, egal, mit wie viel Talent gesegnet, mit wie viel Erfolgen übergossen. Es zählt zu den bemerkenswertesten Leistungen dieser Karriere. Nicht das Olympia-Gold 2022. Nicht die beiden Weltmeistertitel 2021. Nicht die Gesamtweltcup-Siege 2016 und 2024. Sondern dieses Morgen und die Gedanken daran. Und an das nächste Morgen. Und das übernächste. Fast zwei Jahrzehnte lang. Als Lara Gut am 2. Februar 2008 erstmals eine Weltcup-Abfahrt fuhr, war sie 16 Jahre alt. Sie verlor kurz vor dem letzten Tor die Kontrolle, stürzte, rutschte durchs Ziel – und belegte Rang 3. Diese Szene umwehte eine derartige

16 Jahre alt, gestürzt – und trotzdem Dritte: So begann Lara Guts Geschichte im Weltcup.

Lara Gut-Behrami

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Es sah oft leicht aus, war es aber nie: Lara Gut-Behrami hatte ein aussergewöhnliches Gefühl für Linie und Gelände.

Gut-Behrami hätte noch einmal eine Saison fahren wollen, noch mehr SuperG-Rennen gewinnen, noch einmal an den Olympischen Spielen teilnehmen. Aber knapp einen Monat nach dem Rennen in Sölden riss sie sich im linken Knie Kreuzband, Innenband und Meniskus. Sölden blieb ihr letztes Rennen. Die Ränge 1, 1 und 3 als letzte Stationen einer Karriere. Wer so aufhört, braucht keine Inszenierung. Der 3. Platz als allerletzte Botschaft – es passt irgendwie. Nicht nur Siege. Auch Ehrenplätze. Lara Gut-Behramis Karriere erzählt nicht von einem einzigen Gipfel. Sie erzählt davon, wie schwierig es ist, oben zu bleiben. Und so oft zurückzukehren. Nach der Hüftverletzung 2009. Nach sportlich schwierigen Wintern. Nach dem ersten Kreuzbandriss 2017. Nach der Saison 2018/19, in der Lara Gut-Behrami im Gesamtweltcup Rang 21 belegte. Und nach Phasen, in denen Menschen und Medien diskutierten, ob Lara Gut-Behramis beste Zeiten vorbei seien. Als gäbe es einen öffentlichen Anspruch auf Spitzenleistungen von Sportlerinnen und Sportlern.

Lara Gut-Behrami widersetzte sich derlei Erwartungen immer resoluter. An der WM 2009 war sie Medien gegenübergesessen, so vielen, als würde sie gleich aufgefressen. Schon damals – mit 17 – liess sie so etwas wie Entsetzen oder Unverständnis aufblitzen. Später sagte sie Sätze, die wie Donner wirkten. Als sie an der WM 2013 Journalisten begegnete und hustete, fragte ein Reporter, ob sie Halsschmerzen habe. Gut antwortete: «Nein, das ist die Journalisten-Allergie, die wieder rauskommt.»

Deutungshoheit für sich – und doch auch für andere Später nahm sie für sich in Anspruch, nicht an den Medienterminen mit allen anderen Schweizer Fahrerinnen teilzunehmen, sondern eigene Pressekonferenzen abzuhalten. Interviewanfragen liefen oft ins Leere. Und 2018 zog sie, die sich einst via Website an die Fans gerichtet hatte, aus den Sozialen Medien zurück. Keine Umarmung, Lara.

Der Rückzug hatte einen Preis. Wer Distanz schafft, lebt damit, als distanziert zu gelten. Die Öffentlichkeit lässt sich nicht gleichzeitig gewinnen, kontrollieren, ausschliessen. Aber Lara Gut-Behrami ging es nicht um die Öffentlichkeit. Vielmehr um das Morgen. Um den Fokus auf den Sport. Um die eigene Deutungshoheit über sich selber. Sie wollte immer gewinnen. Aber sie wollte Erwartungen nicht erfüllen, weil andere sie an sie stellten. Es waren ihre eigenen Ansprüche. Und sie wollte nicht, dass andere deuteten, wie sie ist. Wer will das schon? Nur: Darin lag ein Widerspruch, nicht der einzige. Wer wenig erklärt, überlässt anderen die Erklärung. Umso erstaunlicher, mit welcher Schärfe Lara Gut-Behrami 2025 in einer Gesprächsrunde in Sölden sagte, sie ärgere sich «noch mehr, wenn ich sehe, dass junge Fahrerinnen nachrücken, die den zweiten Lauf nicht erreichen, und so tun, als wäre das in Ordnung. Ist es nicht.» Warum nicht? «Es ist Wettkampf, es ist Weltcup.» Sie sagte auch: «Wir arbeiten, um Rennen zu gewinnen. Wir arbeiten nicht, um Zehnte zu werden.»


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Wir – als sei sie alle. Es gab nur vier Weltcup-Riesenslaloms, in denen sie im ersten Lauf ins Ziel kam und den zweiten Durchgang verpasste; zwei davon waren ihre ersten beiden Weltcup-Riesenslaloms, um die Jahreswende 2007/08. Man muss diese Zahl nicht überhöhen. Aber man darf sie als Hinweis verstehen. Auf ihren Anspruch. Dass es Wettkampf ist, Weltcup. Dass sie arbeitete, um Rennen zu gewinnen. Talent bringt vieles. Nicht alles. Womöglich verlangte Lara GutBehrami nicht, dass junge Athletinnen Misserfolge so einordnen, indem sie vernichtende Selbstgeisselung betreiben. Vielleicht zielte sie ohnehin auf etwas anderes: auf Gleichgültigkeit; darauf, dass aus dem gesunden Umgang mit Niederlagen Genügsamkeit wird. Aber in diesem Moment tat Lara Gut-Behrami so, als ginge ihre Deutungshoheit über ihre Person hinaus. Dass für alle gilt, was für sie gilt. Ausgerechnet Lara Gut-Behrami formulierte so etwas - sie, die sich stets so sehr dagegen wehrte, vereinnahmt zu werden und die Ansprüche anderer zu erfüllen, und dafür Konflikte in Kauf nahm, auch mit Swiss-Ski. Lara Gut-Behrami ging ihren Weg mit einem Privatteam, als individuelle Strukturen im alpinen Skisport noch nicht so verbreitet waren wie heute. Es wäre aber zu simpel, jeden Konflikt zur Erzählung umzudeuten, dass eine eigenständige Athletin der Zeit voraus gewesen sei und die anderen sie bloss nicht verstanden hätten. Eigenständigkeit bedeutete bei Gut-Behrami nie: Ich brauche niemanden. Sondern: Ich entscheide selber, wen und was ich benötige. Vermutlich war nicht jede Kritik an ihr falsch - aber auch nicht jede Kritik an ihr gerecht. Und schon gar nicht differenziert genug und so vielschichtig, wie es Lara Gut-Behrami entsprechen würde.

Sie gewann – und gewann immer weiter: zweimal den Gesamtweltcup, sieben Disziplinenwertungen und 48 Weltcup-Rennen.

Lara Gut-Behrami und die Medien: ein prägendes Verhältnis – mit Höhen und Tiefen.


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Wettkampf? Weltcup? Milde! 2024 – zum traditionellen Saisonanfang-Event in Sölden – stand sie als Gesamtweltcupsiegerin und Vorjahres-Gewinnerin am Start. Viele Zuschauerinnen und Zuschauer, grosse Erwartungen. Aber sie fühlte sich nach der Besichtigung nicht bereit und verzichtete auf das Rennen. Eine Spitzensportlerin lernt eigentlich das Gegenteil. Zweifel wegdrücken. Starten. Durchziehen. Wettkampf! Weltcup! Wieder so etwas wie ein Widerspruch. Milde. Keine absurde Laune. Aber auch darin steckt Leistungskultur. Der unerbittliche Selbstanspruch bedeutet nicht, um jeden Preis loszufahren. Er heisst auch, ehrlich zu sich selber zu sein und zu wissen, wann es sich zu bremsen lohnt.

Sie ging ihren eigenen Weg – mit Privatteam und Menschen an ihrer Seite, die sie selbst auswählte.

Und nun hat sie wieder Nein gesagt. Gebremst. Stopp. Sie ist müde. Es ist müssig, darüber zu diskutieren, wer die grösste Schweizer Skirennfahrerin der Geschichte ist. Erika Hess? Vreni Schneider? Lara Gut-Behrami? Epochen lassen sich schlecht vergleichen. Gut-Behrami gewann über einen Zeitraum hinweg Weltcup-Rennen, der mehr als eine Skisport-Generation umfasst. Ihre Bedeutung lässt sich nicht in Zahlen messen. Denn vielleicht liegt ihre Bedeutung auch darin, dass sie dem Schweizer Skisport Fragen hinterlässt. Wie viel Eigenständigkeit hält ein System aus? Oder wie viel sollte es aushalten? Auszuhalten lernen? Ja, nehmen wir die Geschichte von Lara Gut-Behrami wie mit den Erlebnissen mit einer Lehrperson. Vielleicht verstehen wir sie nicht immer - wie sie ist, was sie macht. Wir mögen nicht jede Lektion. Aber hören wir doch gleichwohl zu, schauen wir hin, lernen wir etwas von ihr. Nehmen wir, was uns hilfreich erscheint. Zum Beispiel: dass Talent Arbeit nicht ersetzt. Dass eine Niederlage nicht schönzureden ist – aber Erfolg dennoch nicht alles ist. Dass Selbstkritik etwas anderes ist als Selbstzerstörung. Dass nicht jeder Konflikt Streit bedeutet. Dass ein

Kein letztes Rennen, keine Abschiedstournee. Lara Gut-Behrami verabschiedet sich, wie sie vieles gemacht hat: auf ihre Art.

Nein ebenso stark ist wie ein Ja. Dass Eigenständigkeit einen Preis hat. Und dass wir diesen Preis bezahlen dürfen, wenn uns die Freiheit wichtig genug ist. Lara Gut-Behrami sagte einmal, wenn eine Kurve stimme, fühle es sich einfach und frei an. Und danach habe sie all die Jahre gesucht. Und nun nimmt sie sich die Freiheit abseits von Wettbewerb und Weltcup.

Ohne zu sagen, wie oft sie sie all die Jahre gefunden hat. Morgen muss sie nicht mehr fahren. Wie schrieb sie im Winter 2011/12: dass es wahrlich so scheine, als würde sie nie im Ziel ankommen. Wo denn sonst? Eine Umarmung, Lara. Aber erst morgen. Oder übermorgen. Oder… Text: Benjamin Steffen


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Wie viele Schläge ein Kopf verträgt Landing Bags machen Stürze im Freestyle-Training sicherer. Doch Run für Run bekommt auch der Kopf etwas ab – oft ­unbemerkt. Eine Studie untersucht diese Belastungen und die Frage, wann sie zum Risiko werden könnten.

Bilder: Stephan Bögli

Es klingt wie ein dumpfes Gewitter in der Ferne, wenn sie landen. Beim Aufprall verdrängen ihre Körper die Luft im riesigen Kissen, die Plastikoberfläche schlägt Wellen, ein tiefes Wummern zieht über den Bag. Es herrscht reger Trainingsbetrieb in Leysin an diesem Juli-Tag. Die Park-&-Pipe-Teams von Swiss-Ski verbringen eine Trainingswoche auf der Hochebene über dem Rhonetal. Run für Run springen die Athletinnen und Athleten über die Schanze und landen auf dem riesigen Luftkissen. Landing Bags sind aus dem FreestyleTraining nicht mehr wegzudenken. Sie ermöglichen es, neue Tricks zu üben, ohne auf Schnee landen zu müssen – und reduzieren damit das Verletzungsrisiko.

Luft. Kissen. Alles weich. Und trotzdem zuckt Lisa Beck immer wieder zusammen. «Ich kann kaum hinschauen, wenn ich sehe, wie ihr Kopf aufprallt», sagt sie. Vor ihr stehen zwei Kameras, beide auf die Landung gerichtet. Als ein Snowboarder seine Landung nicht steht, geht Beck zu ihm hinüber und prüft, ob er okay ist und ob der Sensor an seinem Helm noch richtig sitzt. «Nichts passiert,» sagt sie, geht zurück zu ihrem Platz und checkt, ob die Kameras noch laufen. «Da, die Kids, die meine ich», sagt Beck und zeigt auf die kleinere Schanze nebenan. Keine 10 Jahre alt dürften sie sein. Run für Run springen sie auf denselben Bag wie die Profis neben ihnen. Run für Run landen sie wacklig – es fehlt

ihnen an Spannung. Ihre Körper fallen, der Kopf schnellt hinterher und schlägt auf den Bag. Immer und immer wieder. Run für Run.

Wenn Aufstehen nicht alles sagt Genau diese Wiederholung interessiert Lisa Beck. Nicht der eine heftige Sturz, nach dem sofort klar ist, dass etwas passiert ist. Sondern die vielen kleineren Stürze und Aufpraller, nach denen die Athletinnen und Athleten oft einfach wieder aufstehen und den nächsten Run fahren. Aus anderen Sportarten wie Rugby oder American


Football gibt es Hinweise, dass wiederholte Kopf belastungen die Gehirnfunktion vorübergehend beeinträchtigen können – etwa die Reaktionsfähigkeit. Viele Aufpraller können den Kopf zudem anfälliger für den nächsten Schlag machen – und damit das Risiko einer Gehirnerschütterung steigern. «Was das im Freeski und Snowboard bedeutet, im Schneesport generell, ist bislang kaum erforscht», sagt Beck. Dabei gehören Stürze in diesen Sportarten zum Alltag – und mit ihnen Schläge auf den Kopf. Die Zürcherin war selbst SnowboardAthletin und startete im Big Air und Slopestyle, später begleitete sie die Freestyle-Teams als Physiotherapeutin. Heute leitet sie im Namen der Universitätsklinik Balgrist und von Swiss-Ski die «Studie zur Erfassung und Einordnung von Schlägen auf den Kopf im Snowboard und Freeski Park & Pipe Landing Bag Training». Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Jörg Spörri.

Beschwerden seiner Athletinnen und Athleten ernst. In seiner Abschlussarbeit zum Trainer widmete er sich dem Thema Gehirnerschütterungen und Landing Bag – dabei stiess er auf Lisa Beck.

«Genau das ist unsere Aufgabe: Gemeinsam mit den Teams und Coaches Probleme erkennen und daraus Lösungen entwickeln, die ihnen in der Praxis helfen», sagt Beck.

Beck arbeitete zur gleichen Zeit für Swiss-Ski daran, den Umgang mit Gehirnerschütterungen zu verbessern. Sie entwickelte ein bestehendes Rehabi litat ionsprotokol l weiter, das Schritt für Schritt vorgibt, wie Athletinnen und Athleten nach einer Gehirnerschütterung zurück in den Alltag und schliesslich auf den Schnee kehren. Tüschers Beobachtungen aus dem Training und Becks Arbeit am Thema kamen so zusammen – und daraus entstand die Idee für das heutige Forschungsprojekt. Vor zwei Jahren begannen die ersten Tests.

Während das Protokoll angewendet wird, wenn eine Gehirnerschütterung bereits passiert ist, setzt Becks Forschung früher an. Sie will herausfinden, welche Belastungen beim Bag-Training auf den Kopf wirken und ob sich Hinweise darauf finden lassen, wann es eine Pause braucht oder ein Training abgebrochen werden muss. Langfristig sollen solche Erkenntnisse in konkrete Empfehlungen für den Trainingsalltag f liessen – vom Regionalverband bis hin zum Weltcup: wie viele Runs am Stück, wie lange auf dem Bag und wie viele Trainingstage hintereinander. Ein möglicher Schlüssel dazu findet sich im Blut.

Der sperrige Titel beschreibt ein praktisches Ziel: Beck will verstehen, welche Belastung das Bag-Training für den Kopf tatsächlich bedeutet. Dafür messen die Helmsensoren von Bearmind die Aufpraller, die Kameras zeigen, wie der Sturz ausgesehen hat. Auch Giulia Tanno ist in Leysin. Während sie ihre Ski anschnallt, erzählt die 28-jährige Freeskierin von 2018, als die Freestyle-Teams fürs Bag-Training noch bis nach Kanada reisten – zur damals weltweit einzigen öffentlichen Anlage dieser Art. Das Training war intensiv: zweimal täglich, insgesamt vier, fünf Stunden, vier Tage hintereinander. Pause und dann nochmal vier Tage. Die vielen Runs machten sich bemerkbar. «Am Abend haben sich manche über Kopfschmerzen beschwert. Nackenverspannungen», erinnert sich Tanno. Die Zeichen waren da, das Bewusstsein für ihre Bedeutung erst im Entstehen. Grégory Tüscher, heute Freeski-Headcoach und damals noch am Anfang seiner Zeit bei Swiss-Ski, nahm die

Lisa Beck war Snowboard-Athletin und Physiotherapeutin bei Swiss-Ski. Heute leitet sie das Forschungsprojekt zu Kopfbelastungen im Freeski und Snowboard.

Gehirnerschütterungen im Freestyle

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Was das Blut verrät

«Vielleicht können wir eines Tages direkt an der Piste einen Tropfen Blut aus dem Finger nehmen und sehen, ob eine Athletin oder ein Athlet an einem kritischen Punkt ist.» Lisa Beck

Das Bag-Training ist vorbei, das Mittagessen gegessen. Nächster Treffpunkt: ein Konferenzsaal im Hotel. Drei Mitarbeitende der Universitätsklinik Basel unterstützen das Projekt und haben hier alles für die Blutentnahme vorbereitet. Vor dem Training wurde den Athletinnen und Athleten Blut aus dem Finger genommen, jetzt kommt zusätzlich noch die Vene am Arm zum Zug. Run für Run hat sich die Belastung auf dem Bag möglicherweise angesammelt. Tropfen für Tropfen wollen die Forschenden nun herausfinden, ob sich davon etwas im Blut zeigt. «Gesucht wird nach sogenannten Biomarkern», sagt Beck, die einem Snowboarder den Arm abbindet: Nach Stoffen im Blut, deren Konzentration sich verändern kann, wenn das Gehirn belastet oder verletzt wird. Die Forschenden untersuchen, ob sich solche Veränderungen auch im Zusammenhang mit wiederholten Kopfstössen auf dem Bag zeigen.

Wie viele Schläge verträgt der Kopf? Das Projekt soll zeigen, wie stark wiederholte Aufpraller das Gehirn belasten – und wann eine Pause nötig wird.


Noch lasse sich aus einem Bluttropfen nicht ablesen, ob jemand weitertrainieren sollte. Die Vision aber ist greifbar: «Vielleicht können wir eines Tages direkt an der Piste einen Tropfen Blut aus dem Finger nehmen und sehen, ob eine Athletin oder ein Athlet an einem kritischen Punkt ist», sagt Beck. Also erkennen, wann die Belastung für das Gehirn möglicherweise zu gross wird und eine Pause nötig sein könnte – bevor daraus eine Gehirnerschütterung entsteht.

Übersehen oder verschwiegen Die Katakomben des Hotels führen zu einem weiteren, abgelegenen Raum. Hier warten Emilie Benz und Cyril Wyss. Wie Beck arbeiten sie in der Forschungsabteilung von Swiss-Ski, zugleich ist Wyss Head of Athletics der Park-&-Pipe-Disziplinen. Es ist still hier. Es geht um Konzentration und Koordination.

«Dass Athletinnen und Athleten solche Symptome nicht bemerken oder sie ignorieren und auch verschweigen, ist ein grosses Problem.» Cyril Wyss

Bis der erste Athlet eintrifft, bleibt etwas Zeit. Cyril Wyss erzählt von einer Szene an einem Big Air vor zwei Jahren. Ein Athlet stürzte bei der Landung, sein Kopf schlug hart auf den Boden. Wyss war als Physiotherapeut vor Ort, sah den Sturz und wollte den Athleten stoppen. Doch dieser ignorierte ihn und machte sich direkt wieder auf den Weg zum Start. Erst später kam der Funkspruch, dass ihm schwindlig sei. «Dass Athletinnen und

Mehr Runs, neue Tricks, weniger Risiko: Auf dem Landing Bag in Leysin können Athletinnen und Athleten Tricks wiederholen, verfeinern und weiterentwickeln. Die vielen Runs fordern dabei Körper und Kopf.

Athleten solche Symptome nicht bemerken oder sie ignorieren und auch verschweigen, ist ein grosses Problem», sagt Wyss. Für die medizinisch Verantwortlichen bei Training und Wettkampf ein Dilemma. Sie müssen entscheiden, ob jemand weitermachen kann – können sich dabei aber nicht allein auf die Aussagen und die Wahrnehmung der Athletinnen und Athleten verlassen. Genau hier setzt

Gehirnerschütterungen im Freestyle

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26 das Forschungsprojekt an: Objektive Daten könnten Hinweise darauf geben, was im Kopf passiert – und so helfen, solche Situationen besser einzuschätzen. «Ein Stück weit kann man nachvollziehen, dass es schwierig ist, da ehrlich zu sein», sagt Wyss. Gerade erste Anzeichen seien oft schwer einzuordnen: etwas Kopfweh, ein leichtes Unwohlsein

– schnell wirkt das harmlos und wird entsprechend unterschätzt. Hinzu kommt, dass Adrenalin Beschwerden nach einem Sturz zunächst überdecken kann und Symptome erst verzögert auftreten können. Bis zu 72 Stunden kann es dauern. Gleichzeitig wissen die Athletinnen und Athleten genau, dass eine Gehirnerschütterung eine längere Pause bedeuten kann.

Der Sensor fährt mit: Er misst die Schläge auf den Kopf, während Kameras festhalten, wie es zum Aufprall kam.

Die Tür geht auf, der nächste Athlet kommt rein. Zuerst sind die Augen dran. Mit dem Blick folgt der Athlet vorgegebenen Bewegungen. Gesucht wird nach Veränderungen gegenüber den Werten vor der Trainingswoche. Danach sind beim sogenannten «Instrumented Dual Task Test» Körper und Kopf gleichzeitig gefordert. Der Athlet geht auf einer Linie vorwärts und zählt dabei im Kopf rückwärts. Ein Sensor am Rücken zeichnet jede Bewegung auf, ein kleines Mikrofon am Shirt erfasst seine Stimme. Der Test soll zeigen, ob das Bag-Training die Fähigkeit beeinflusst, Bewegung und Denken gleichzeitig zu koordinieren. Zurück im Konferenzraum. Auf dem Tisch stehen die Blutproben. Lisa Beck nimmt eine nach der anderen zur Hand, kontrolliert die Angaben und beschriftet die Röhrchen. Auch sie sollen am Ende etwas sichtbar machen, das die Athletinnen und Athleten selbst nicht unbedingt spüren oder benennen können. Noch gibt es viele Fragezeichen, viele Vielleicht und Könnte. Das Forschungsprojekt steht erst am Anfang. Was die ersten Daten zeigen werden, ist unklar. Ebenso, wann konkrete Empfehlungen für Training und Wettkampf entstehen können. Beim Zusammenräumen erzählt Beck, dass sie sich daran erst gewöhnen musste. Forschung brauche Zeit, sagt sie. Jahre. Und vor allem: mehr Daten. Also werden weiter Sensoren an Helme geklebt, Blutproben entnommen und Stürze ausgewertet. Trainingstag für Trainingstag, Run für Run. Bis klarer wird, wann Belastung zu Risiko wird. Wie viele Schläge ein Kopf verträgt – und wann es einer zu viel ist. Text: Lia Näpflin

Aufstehen, weiterfahren, wieder stürzen: Nicht der eine heftige Aufprall steht im Fokus, sondern die vielen kleineren Schläge, die sich Run für Run summieren können.


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Generation Z wie Zukunft Sie fahren gegeneinander und lernen voneinander. Die Schweizer Riesenslalom-Fahrerinnen Dania Allenbach, Sue Piller und Shaienne Zehnder treiben sich auf dem Weg nach oben gegenseitig an – schon so lange, dass sie kaum mehr merken, wie Leistung zum Alltag gehört.


«Irgendwann kommen die neuen Jungen – und das sind nun wohl wir drei, wie vielerorts geschrieben wird.» Shaienne Zehnder

In Ushuaia sitzen drei junge Schweizer Skifahrerinnen bei Empanadas und reden über früher. Sue Piller aus dem AKader sowie die beiden B-Kader-Athletinnen Dania Allenbach und Shaienne Zehnder sind mit dem Schweizer Alpinteam ins Trainingslager gereist, Ende August essen sie in der südlichsten Stadt Argentiniens gemeinsam zu Abend und stellen irgendeinmal fest, wie weit dieses Früher schon zurückliegt. Bis nach Hause und zurück. Sie kennen sich seit Jahren, von Kinder- und Jugendrennen; und seit sie aus Regionalverbands-Zeiten auch gemeinsam ins Trainingslager verreisen, ist aus dem Kennen eine Vertrautheit geworden. Sie begegneten sich immer wieder, massen sich aneinander, stiegen auf, Stufe um Stufe, Seite an Seite. Bis sie in der

vergangenen Saison erstmals gemeinsam an einem Weltcup-Start standen, ­3. ­Januar 2026, Riesenslalom in Kranjska Gora. Rang 20: Sue Piller. Rang 27 – als Debütantin: Dania Allenbach. Nicht im zweiten Lauf: Shaienne Zehnder. In Ushuaia wird ihnen für einen Moment bewusst, was in den vergangenen Jahren passiert ist. Inzwischen sind sie nicht mehr einfach drei schnelle Nachwuchsfahrerinnen. Sie gehören zu diesen Schweizer Riesenslalom-Talenten, bei denen öfter Wörter wie «Potenzial» oder «Zukunft» fallen. Oder «nächste Generation». Zehnder sagt: «Irgendwann kommen die neuen Jungen – und das sind nun wohl wir drei, wie vielerorts geschrieben wird.»

Bilder: Stephan Bögli

Dania Allenbach, Sue Piller und Shaienne Zehnder

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30 Da war «gar kein Feuer mehr, keine Anspannung»

Dania Allenbach (19) ist gelernte Bodenlegerin – und fuhr vergangene Saison erstmals im Weltcup.

Sie drei. Die beiden Bernerinnen Allenbach und Zehnder sind 19 respektive 20 Jahre alt, die Freiburgerin Piller 21. Der letzte Winter brachte WeltcupEinsätze, Erfolge, Enttäuschungen. Piller schaffte den Sprung an die Olympischen Spiele, Zehnder noch nie die Qualifikation für den zweiten Durchgang. Später folgte eine Sommerpause, die gar keine war: Direkt nach den Schweizer Meisterschaften rückten alle drei in die Sport-RS in Magglingen ein. Seit April praktisch ohne freie Tage, dafür an manchen Morgen mit Nationalhymne, danach eine Woche Ferien, ehe die Vorbereitung in Südamerika weiterging. Piller sagt, sie sei nach einer Saison selten so müde gewesen wie nach vergangenem Winter, da war am Ende «gar kein Feuer mehr, keine Anspannung». Die Nervosität und das Adrenalin: verschwunden. Der Wille, die Schnellste zu sein: weg. Es waren neue Erfahrungen am Schluss einer Saison voller neuer Erfahrungen – Rang 6 in Spindlermühle, Olympia, alles wunderbar, alles schön. Aber auch schöne Erlebnisse brauchen Energie. Dieses Bewusstsein haben viele Menschen nicht, bevor sie es am eigenen Leib spüren.

Die drei kennen sich seit Nachwuchszeiten. Shaienne Zehnder (20) ist die Ehrgeizige im Trio, sagen die anderen. Bild: Johan Höllmüller

Sue Piller (21) ist die Älteste im Trio – und bereits an Olympischen Spielen gestartet. Bild: Stephan Bögli

Auch Allenbach, die 2025 eine Lehre als Bodenlegerin abschloss, lernte in den vergangenen Monaten eine andere Seite des Profidaseins kennen. In Magglingen, umgeben von anderen Spitzensportlerinnen und -sportlern, sei die Versuchung gross gewesen, nach dem Training noch Beachvolleyball zu spielen oder sonst etwas anzuhängen. Aber wer plötzlich die volle Fülle des Tages für den Sport zur Verfügung hat, muss nicht bloss lernen, mehr zu trainieren. Sondern auch, weniger zu tun. Es sind bemerkenswerte Lektionen für junge Menschen, deren sportliches Fortkommen bisher darauf beruht hat, stets noch etwas mehr zu wollen. Profisport droht früh, alles mit Bedeutung aufzuladen. Essen wird Ernährung, Schlaf Regeneration, Krafttraining


Dania Allenbach, Sue Piller und Shaienne Zehnder

31 Prävention, ein Skitag ein Trainingsblock. Piller sagt, sie betrachte ihr Leben als Privileg. Jeden Tag an sich arbeiten zu dürfen, täglich ein Stück besser zu werden, sich mit Mentaltraining auseinanderzusetzen und den eigenen Alltag zu gestalten: «Jeder Aspekt» ihres Lebens mache ihr Spass - sie habe «mega Glück».

Was einen Profitag zum Arbeitstag macht Zehnder sagt, dass ihr etwas fehlen würde, wenn sie diesen Alltag nicht hätte, mit diesem steten Anspruch an sich selber, vorwärts, vorwärts, «und auch Niederlagen gehören halt dazu». Sie brauche das – nicht die Niederlagen, aber die Erfahrungen. Und Allenbach hat durch ihre abgeschlossene Lehre noch eine Vergleichsmöglichkeit. Sie weiss, wie ein anderer Arbeitsalltag aussieht. Gerade deshalb musste sie lernen, dass ein Profisporttag nicht erst ein Arbeitstag ist, wenn jede Minute mit Training ausgereizt wird. Zehnder sagt über diesen Sommer einen Satz, der vieles zusammenfasst: «Es ist halt unser Leben.» Weil die permanente Leistungslogik den dreien längst vertraut ist, fällt sie ihnen vielleicht gar nicht mehr auf. Piller erzählt von den Wettkämpfen mit ihren Brüdern. Wer ist besser? Wer macht etwas schöner? Solche Sachen. Sie habe immer die beste Version ihrer selbst sein wollen, auch in der Familie, in der Schule. Heute ist die Bühne eine andere, der Mechanismus ähnlich. Sie will herausfinden, was in ihr steckt.

Immer perfekt fahren? Sue Piller hat gelernt, dass sie schneller ist, wenn sie einfach loslässt. Bilder: Johan Höllmüller

Piller musste lernen, Fehler zuzulassen. Auch skifahrerisch hat sie verstanden, dass schönes Fahren allein nicht schnell macht. Wenn sie versucht, alles perfekt zu machen, funktioniert es oft gerade nicht. Wenn sie loslässt, passieren die interessanten Dinge. Und da kommen die anderen beiden ins Spiel. Denn womöglich besteht eine Stärke dieser «neuen Generation» gerade darin, dass keine der drei alles beherrscht – aber jede etwas besitzt, das die anderen gerne hätten.

Sie trainieren zusammen, vergleichen sich, treiben sich an: die «neuen Jungen» im Schweizer Riesenslalom-Team.


32 Piller bewundert an Allenbach das Kopflose. Sie meint es positiv, sie meint Allenbachs Bereitschaft, loszulassen. Von Zehnder übernähme Piller gern eine Prise aggressiven Fahrstil. Zehnder schaut auf Piller und sieht, wie sie es durchziehe, wenn sich «Sue etwas in den Kopf gesetzt» habe – «um jeden Preis», unabhängig davon, was andere darüber dächten. Bei Allenbach fasziniert Zehnder diese Lockerheit, die auch Piller beschreibt: Sie stehe am Start und fahre einfach. Training, FIS-Rennen, Europacup, Weltcup, «sie macht ihr Ding», als wäre es nichts Besonderes. Zehnder nennt es Unbeschwertheit. Früher habe sie selber mehr davon gehabt, «je älter du wirst, desto mehr verlierst du es ein Stück weit».

Dania Allenbach beeindruckt ihre Kolleginnen vor allem mit einem: ihrer Unbeschwertheit.

Für Shaienne Zehnder gehört auch das Verlieren zum Vorwärtskommen – genau wie der tägliche Anspruch, besser zu werden. Bild: Stephan Bögli

Und Allenbach? Von Piller hätte sie gerne Ruhe und Selbstsicherheit und das ausgeprägte Gefühl für Ski und Technik. Bei Zehnder imponieren ihr Ehrgeiz und Fokus: Wenn sie sich etwas vornehme, arbeite sie dafür, konzentriert und fleissig, «Shaienne gibt nicht so schnell auf» - sie selber zwar auch nicht, sagt Allenbach, gleichwohl spricht sie von «Bewunderung».


So entsteht ein Dreieck des Lernens. Sie fahren gegeneinander – und schauen gleichzeitig voneinander ab. Kein Widerspruch.

Erste, Zweite, Vierte – wie einst am Bäri-Cup Piller sagt, sie hätten eine «gesunde und coole Dynamik». Im Training pushen sie sich. Im Rennen will jede schneller sein. Und danach ist das Rennen vorbei. Allenbach formuliert es noch nüchterner: Wenn eine andere schneller fährt, sei sie nicht schuld daran, dass Allenbach langsamer war. Manchmal beobachte sie eine Kollegin und denke: «Wow, genauso möchte ich es auch können.» Das sei kein Neid, sondern ein Hochschauen, fast wie zu einem Vorbild, «kein Stress, ein gegenseitiges Pushen». Zehnder sagt, es gebe keine Eifersucht. Sie wisse schliesslich, wie viel es brauche, um solche Leistungen zu bringen. Und womöglich hilft es dabei, dass ihre gemeinsame Geschichte fast älter ist als die Frage, wer im nächsten Rennen vorne liegt.

Am Europacup-Final in Schladming im vergangenen März führte Zehnder nach dem ersten Lauf, Piller war Zweite, Allenbach Vierte. Drei junge Schweizerinnen an der Spitze - und am Start, so sagten sie sich, fühlte es sich fast an wie früher am Bäri-Cup, einem Nachwuchsrennen im Berner Oberland. Die Dimension hat sich verändert, das Gegen- und Miteinander auffallend wenig. Drei Athletinnen mit demselben Weg – und doch drei verschiedenen Wegen, bei denen völlig offen ist, wohin sie führen. Dieser Punkt geht vielleicht unter, sobald über die «nächste Generation» gesprochen wird. Eine «Generation» klingt schon nach etwas Zusammengehörigem, aber Sportkarrieren funktionieren nicht so geordnet. Piller erinnert daran, dass sie früher keineswegs immer die Beste gewesen sei. Im einen Winter fuhr sie gegen die ein Jahr jüngere Zehnder, im anderen gegen Ältere, bald war sie Vierte, bald Erste, bald verletzt. Sie war nicht einfach jene, die allen davonfuhr. Deshalb fühlt sich die neue Rolle noch etwas fremd an. Auch wenn sie zu den Besten gezählt wird,

hat sie manchmal das Gefühl, die anderen machten grössere Fortschritte. Zehnder hat bereits erfahren, dass Weltcup nicht automatisch Glück bedeutet. Allenbach ist sich bewusst, dass zwischen der Zuschreibung von Talent und einer grossen Karriere recht viel Leben liegt. Vielleicht schützt sie dieses Wissen. In Ushuaia sitzen drei junge Schweizer Skifahrerinnen bei Empanadas und reden über früher. Heute verbringen sie mehr Zeit miteinander als mit ihren Familien. Am nächsten Morgen werden sie wieder trainieren. Sie werden sich beobachten, vergleichen, antreiben. Jede wird versuchen, schneller zu sein als die beiden anderen. Und jede sieht bei den anderen etwas, das ihr selber fehlt. Das könnte ein Problem sein. Aber auch ein Versprechen. Text: Benjamin Steffen

Generation Z wie Zukunft: Wohin ihre Wege führen? Nach ganz oben wollen alle drei.

Dania Allenbach, Sue Piller und Shaienne Zehnder

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Bilder: Andri Reiser


Schnee auf Vorrat Der Sommer war heiss. Dem Schnee war’s egal. Unter einem braunen Hügel im Flüelatal haben Tausende Kubikmeter übersommert. In Davos wird der Winter eingelagert, weil er immer unberechenbarer wird. «Wir hatten zu viel Schnee und wussten nicht, wohin damit.» Werner Putzi schmunzelt, als er Ende August diesen Satz sagt. Zu viel Schnee. In Zeiten, in denen jeden Winter die Frage aufkommt, ob überhaupt genügend Schnee fällt, klingt dieser Satz wie ein Märchen. Putzi spricht vom Jahr 2008. Damals lag im Davoser Flüelatal ein Haufen Technischer Schnee, den niemand mehr brauchte: Es hatte reichlich Naturschnee gegeben in diesem Winter. Einfach schmelzen lassen. Bei diesem Gedanken dürfte sich wohl jede Person sträuben, deren Herz am Winter hängt. Für Putzi und sein Team kam das jedenfalls nicht infrage. Es war der Anfang einer Idee, die damals selbst wie ein Märchen geklungen haben dürfte: Schnee übersommern. Heute, fast zwei Jahrzehnte später, ist aus dem Märchen ein Modell für die Zukunft geworden. «Früher oder später werden alle Destinationen mit Snowfarming arbeiten müssen», sagt Putzi. Denn Schnee wird zunehmend zu etwas, mit dem sich planen lassen muss.

Snowfarming Davos

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Mit grossen Schritten steigt Putzi den braunen Hügel hinauf, der mitten aus dem grünen Nadelwald des Flüelatals ragt. Zehn Meter hoch, rund 100 Meter lang und 30 Meter breit türmt er sich vor ihm auf. Ein Hügel, der ein Schneedepot ist. Denn das Braun ist nur seine Hülle: eine 40 Zentimeter dicke Schicht Sägemehl. Darunter lagern seit März 23'000 Kubikmeter Schnee.

«Wegen des Hitzesommers haben wir uns Gedanken zur Schneeübersömmerung gemacht.» Werner Putzi

Der Hügel, der den Saisonstart sichert Werner Putzi ist seit 2003 bei den Technischen Betrieben der Gemeinde Davos tätig. Seit 2010 leitet er die Abteilung Langlauf. Das macht er heute noch – nur ist seither eine weitere Aufgabe dazugekommen: das Snowfarming. Und das hat sich längst etabliert. Dank des übersommerten Schnees entsteht jedes Jahr Ende Oktober eine rund vier Kilometer lange Loipe – lange bevor anderswo überhaupt an Langlauf zu denken ist. Werner Putzi ist Teamleiter bei den Technischen Diensten der Gemeinde Davos und begleitet das Snowfarming-Projekt, dessen erste Versuche bereits im Jahr 2008 stattfanden.

Unter dem braunen Hügel steckt der nächste Winter: Rund 23'000 Kubikmeter Schnee lagern unter einer 40 Zentimeter dicken Schicht Sägemehl.


Doch auf 1660 Metern über Meer ist es dafür zu warm: Das Vlies schützt vor der Sonne, isoliert aber zu wenig gegen die Wärme. Anders das Sägemehl. Es nimmt die Wärme auf, hält sie vom Schnee fern und gibt sie nachts wieder ab. Auch Regen kann helfen: Das Sägemehl saugt sich voll und beim Verdunsten entsteht zusätzliche Kühle.

Die frühe Loipe steht dem Breitensport offen und dient Swiss-Ski sowie Nationalteams aus anderen Ländern zur Saisonvorbereitung. Bild: Stephan Bögli

Hier beginnt die Schweizer Langlaufsaison – für Breiten- wie für Spitzensport. Die Teams von Swiss-Ski absolvieren einen wichtigen Teil ihrer Vorbereitung auf der Davoser Loipe – und sparen sich damit Trainingsreisen in den hohen Norden. Dass Davos früh Schnee bieten kann, zieht längst auch Nationalteams aus anderen Ländern ins Flüelatal. Putzi geht im Zickzack über den Hügel. Immer wieder bleibt sein Blick am Boden hängen. Ein Stein. Er bückt sich, hebt ihn auf und wirft ihn mit einem Schwung in den Wald. Ein paar Meter weiter der nächste. Viel zu kontrollieren gibt es für ihn hier oben eigentlich nicht mehr. Nach 15 Jahren Snowfarming kennt Putzi diesen Hügel. Er weiss, wie er geformt sein muss, wie dick das Sägemehl liegen soll und wie viel Schnee ein Sommer normalerweise frisst. Nur noch selten steigt er auf das Depot. In diesem Sommer war das anders. Wochenlange Hitze, selbst in Davos – und unter seinen Füssen Tausende Kubikmeter Schnee, die den Sommer überstehen sollen. Zum ersten Mal seit Langem sei er etwas nervös geworden, erzählt Putzi. Würde das Depot durchhalten? Ganz geheuer war ihm die Sache nicht. «Wegen des Hitzesommers haben wir uns Gedanken zur Schneeübersömmerung

gemacht», sagt er. Also legten sie nach und schleuderten das Sägemehl, das seitlich vom Hügel gerutscht war, wieder nach oben. «Sicher ist sicher.»

Nötig wäre es im Nachhinein wohl nicht gewesen. Das Sägemehl hat sich bewährt. Selbst ein Hitzesommer wie dieser kann dem Schneedepot erstaunlich wenig anhaben. Normalerweise schmilzt über den Sommer rund ein Fünftel des eingelagerten Schnees. Von den 23'000 Kubikmetern dürften also auch dieses Jahr noch gut 18'000 übrigbleiben. Anfangs wurde die Schneeschmelze noch mit genauen Berechnungen ermittelt. Mittlerweile verlässt sich Putzi auf sein Auge. An der Form des Hügels, auf Fotos oder über die Webcam könne er abschätzen, wie viel Schnee geschmolzen sei. Dieses Jahr habe sich der Hügel dabei ähnlich verändert wie in den Jahren zuvor.

Wenn die Bedingungen stimmen Dass Sägemehl den Schnee so gut durch den Sommer bringt, weiss man in Davos seit den ersten Versuchen 2008. Damals testeten Forschende verschiedene Abdeckungen – darunter ein Vlies, wie man es von Gletschern kennt.

Putzi dreht sich einmal um die eigene Achse und zeigt ins Gelände. Hier wird die Loipe verlaufen, quasi einmal rund um den Hügel. «Das Depot ist das Herz der Loipe», sagt er. Von hier aus sind die Wege kurz: Der Schnee muss nicht weit transportiert werden, wenn er Ende Oktober auf der Strecke verteilt wird. Auch sonst sei der Standort ideal. Ab November erreicht die Sonne diesen Teil des Tals kaum noch. Häuser gibt es keine in der direkten Umgebung, und gleich nebenan fliesst der Flüelabach. Sein kaltes Wasser wird im Winter zu Schnee. Zwischen Dezember und Ende Januar warten Putzi und sein Team auf kalte Tage und Nächte. Rund fünf davon reichen, um mit zwei Schneeerzeugern die benötigte Menge zu produzieren. Zeitdruck haben sie keinen: Gebraucht wird der Schnee erst neun Monate später. «So können wir auf die besten Bedingungen warten», sagt Putzi.

Mehr Vorrat für unsichere Winter Er geht auf die Knie und beginnt mit beiden Händen zu graben. Je tiefer er kommt, desto kälter wird das Sägemehl. Dann blitzt unter dem braunen Sommerkleid des Hügels plötzlich Weiss hervor. Schnee. Putzi schiebt noch etwas Sägemehl zur Seite. Da liegt er, Ende August, kalt und kompakt. Dass dieser Schnee Monate zuvor produziert wurde und Monate später gebraucht wird, ist der eigentliche Vorteil des Snowfarmings. Denn während sich der Schnee hier konservieren lässt, werden die Bedingungen draussen immer weniger berechenbar.

Snowfarming Davos

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38 Ein Hitzesommer, immer weniger kalte Tage und Nächte im Winter, Schnee, der immer später kommt: Für Putzi sind das Gründe genug, seine Überzeugung zu wiederholen: «Snowfarming wird die Zukunft sein.» Es gebe immer weniger Zeitfenster, in denen Schnee technisch produziert werden könne. Das Depot verschafft etwas, das im Wintersport zunehmend wertvoll wird: Planungssicherheit. Die braucht Davos nicht nur für den frühen Saisonstart. Ein Teil der Snowfarming-Loipe gehört auch zur Weltcup-Strecke. Vom 11. bis 13. Dezember finden hier wieder Langlauf-WeltcupRennen statt. Doch die Technischen Betriebe Davos wollen noch mehr Sicherheit. Putzi steht wieder auf und zeigt über den Hügel hinaus in den Wald. Dort könnte das Depot künftig wachsen. Die Idee: fast doppelt so viel Schnee einlagern wie heute. Statt gut 23'000 sollen es einmal rund 43'000 Kubikmeter sein. Genug, um bei einem schneearmen Winter weitere vier Kilometer Loipe mit Schnee zu versorgen – selbst wenn bis Weihnachten kaum etwas vom Himmel fällt. Noch ist das Zukunftsmusik. Das Projekt muss politisch beschlossen und die Finanzierung sichergestellt werden. Läuft alles nach Plan, könnte die Davoser Bevölkerung im November 2027 darüber abstimmen.

Das Sägemehl bedeutet Planungssicherheit und schützt den Schnee vor der Sommerhitze.

Putzi schaut noch einmal über den Hügel, dann schiebt er mit dem Fuss das Sägemehl zurück ins Loch. Der Schnee verschwindet wieder unter seiner braunen Decke. Vor fast zwei Jahrzehnten begann hier alles mit Schnee, den niemand mehr brauchte. Heute wird er eingelagert, damit er später sicher noch da ist. Wie viel davon Davos in Zukunft brauchen wird, weiss auch Putzi nicht. Sicher ist für ihn nur: Verlassen will er sich immer weniger darauf, dass der Schnee genau dann vom Himmel fällt, wenn er gebraucht wird. Text: Lia Näpflin

Alles an einem Ort: Neben dem Schneedepot lagert das Sägemehl, das Pistenfahrzeug steht bereit. Ende Oktober entsteht im Flüelatal eine Loipe.


Advertorial

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Reiseinfos Alpin

66 Pistenkilometer aller Schwierigkeitsgrade, 180 Beschneiungsanlagen. Alternativ Sterzing-Ratschings-Gossensass bietet weit mehr als nur perfekt präparierte Pisten. Bild: ©TGossensass / Kottersteger

Ein Ferienjuwel im Norden Südtirols Skiregion Sterzing-Ratschings-Gossensass

Wo der Winter noch nach Winter aussieht: Gleich hinter dem Brenner wartet eine Ferienregion, die Bergabenteuer und Südtiroler Lebensgefühl auf besondere Weise verbindet. Sterzing, Ratschings und Gossensass – drei Orte, ein Juwel. Die Südtiroler Skiregion ist eine Ode an schneesichere Pisten, verschneite Bergwelten, historische Gassen und kulinarische Genüsse. Besonders stimmungsvoll wird es, wenn Sterzing im Advent im Lichterglanz erstrahlt und sein berühmter Christkindlmarkt das historische Stadtzentrum in ein Wintermärchen verwandelt. Was im ersten Moment kompakt und klein wirkt, macht diese Ferienregion so besonders: Sterzing, Ratschings und Gossensass sind eine ungewöhnliche Mischung aus historischer Stadt mit feinen Restaurants, Bars und Geschäften, ursprünglichen Bergtälern und drei

unterschiedlichen Skigebieten. RatschingsJaufen ist sportlich, Ladurns familienfreundlich; der Rosskopf liegt unmittelbar über Sterzing und verbindet Skifahren mit Stadtleben. Die Talstation ist nur wenige Gehminuten von der mittelalterlichen Stadt entfernt, in zwölf Seilbahnminuten geht es direkt auf den Sterzinger Hausberg. Zusammen kommen die drei Skigebiete auf 66 Pistenkilometer – dazu laden 20 Skihütten zum Einkehrschwung ein. Auch abseits der Pisten hat die Winterdestination im Norden Südtirols einiges zu bieten: Winter- und Schneeschuhwandern, rund 60 Loipenkilometer und abwechslungsreiche Rodelmöglichkeiten. Friedliche Rodel-«Rowdies» aufgepasst: Am Rosskopf startet die zehn Kilometer lange, beschneite und beleuchtete Rodelbahn. Für die kleinen Wintersportfans bietet Ladurns mit dem Kinderpark einen eigenen Erlebnisbereich. Wer zur Saisoneröffnung am 4. ­Dezember 2026 anreist, erlebt Sterzing gleich von seiner stimmungsvollsten Seite: Die «Sterzinger Glockenweihnacht», einer der fünf OriginalSüdtiroler Christkindlmärkte, ist dann bereits seit einer Woche eröffnet. Und genau darin liegt der Zauber von Sterzing, Ratschings und Gossensass: morgens die ersten Schwünge im Schnee, mittags der Einkehrschwung in einer gemütlichen Hütte und nachmittags ein Bummel durch die mittelalterlichen Gassen von Sterzing.

60 km Langlaufloipen in Ridnaun, Ratschings, Pfitsch und Pflersch. Zahlreiche Rodelbahnen, darunter die ­längste beschneite Rodelbahn Südtirols am Rosskopf. Neuheiten FIS Snowboard Weltcup

am 30.01.2027 in Ratschings-Jaufen mit über 120 Athletinnen und Athleten. Neueröffnung des MonteCherie mit Aperitivo, Mountain Dining und Après-Ski in Ladurns. Saison 04.12.2026 bis 04.04.2027. Anreise

Bahn: Brenner, Gossensass, Sterzing und Freienfeld haben einen eigenen Bahnhof. Anschliessend geht es weiter mit dem Bus oder eigenen Transferservices der Gastgeber. Auto: Von der Schweiz aus ist die schnellste Variante über Innsbruck und dem Brennerpass. Mobilität vor Ort

Das öffentliche Verkehrsnetz ist sehr gut ausgebaut. Der Südtirol Guest Pass ­(activeCard) wird von den teilnehmenden Gastgebern ausgestellt und ermöglicht unter anderem die unbegrenzte Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel, die direkt zu den jeweiligen Skigebieten führen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Vergünstigungen bei weiteren Partnern. Saisonhighlights

Early Bird S­ onnenaufgangsskifahren am Rosskopf: Fr. (25.12.202626.02.2027), im März Sa. Sterzinger Glockenweihnacht: 27.11.2026-06.01.2027 Ski- & Hüttengaudi Ratschings-Jaufen: 18.-21.01. & 15.-17.03.2027 January Sounds in Ladurns: Live-Musik jeden Samstag im Januar.

Drei Orte, eine Bergwelt! Wintererlebnis trifft Stadtgenuss. Bild: ©IDM Südtirol / Alex Filz

Weitere Informationen Text: Joseph Weibel

www.sterzing-ratschings.com


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Dario Cologna gehört als Athlet:innenvertreter dem Vorstand von «Switzerland 2038» an. Bild: Switzerland 2038


«Wir sollten wieder einmal etwas wagen, das uns alle gemeinsam stolz macht» Für das Olympia-Projekt «Switzerland 2038» stehen im Rahmen des Privilegierten Dialogs mit dem IOC die entscheidenden Monate an. Im Interview spricht der viermalige Olympiasieger Dario Cologna über seine Rolle im Vorstand des Olympia-Vereins, seine Olympia-Erfahrungen als Athlet und Funktionär, die sich bietenden Chancen für den Schweizer Sport und darüber, weshalb die Schweiz prädestiniert wäre, Olympische und Paralympische Winterspiele auszutragen.

Zusammen mit Simon Ammann bist du mit vier Goldmedaillen der erfolgreichste Schweizer Teilnehmer an Olympischen Winterspielen. Franjo von Allmen gewann bei seiner ersten OlympiaTeilnahme jedoch gleich dreimal Gold. Schon 2030 könnte er dich überholen. Hand aufs Herz: Würde dich das ein wenig wurmen? Dario Cologna: Es war für die Schneesport-Nation Schweiz natürlich überaus erfreulich, dass Franjo so erfolgreich war. Bei ihm ging wirklich alles perfekt auf. Wurmen würde es mich in diesem Sinne nicht, aber ich muss zugeben, dass es schon etwas Schönes ist, der bislang erfolgreichste Schweizer zu sein. Welches sind deine ersten Olympia-Erinnerungen als Kind? Wann bist du erstmals mit den Olympischen Spielen in Berührung gekommen? Die Winterspiele in Lillehammer 1994 habe ich als Kind mitbekommen. Damals war es ein grosses Thema, dass Italien die Norweger in der Langlauf-Staffel bezwungen hatte. Zu diesem Zeitpunkt war ich allerdings noch nicht selbst auf Langlauf-Ski unterwegs. Besser erinnern kann ich mich an die Sommerspiele zwei Jahre später in Atlanta. Wir sind damals für den 100-m-Final der Männer in der Nacht sogar aufgestanden.

Bedauerst du, dass du als Athlet nie Winterspiele in Europa erlebt hast? Schon ein wenig, ja. Wobei man im Nachhinein sagen muss, dass es wegen der Pandemie gut war, dass die Schweiz nicht ausgerechnet 2022 Olympische Spiele ausgetragen hat, sondern diese in China stattfanden. Zu Beginn meiner Karriere fand ich es cool, für Olympia weiter weg zu reisen. Das war ein spezielles Erlebnis und machte die Spiele noch besonderer. Kanada ist ja auch eine Wintersport-Nation, und die Ambiance war damals sehr schön. Sotschi war für mich als Athlet ebenfalls eine gute Erfahrung. Die Begeisterung für den Langlaufsport war gross, und die Wege waren für uns kurz. Damals wusste man noch nicht, was im russischen Sport und allgemein im Zusammenhang mit Russland alles folgen würde. Pyeongchang und Peking waren von der Stimmung her sicherlich nicht das, was man sich als Athlet wünscht. Gleichwohl hat man auch da gespürt, dass die Leute zu Hause in der Schweiz mitfiebern. Welchen Olympia-Moment deiner Karriere würdest du gerne noch einmal erleben? Der schönste Moment war der Skiathlon in Sotschi, als ich in einem Massenstart-Rennen Gold holen konnte. Das war – mit der ganzen Vorgeschichte rund um meine Fussverletzung ein paar Monate zuvor – ein sehr emotionaler Moment. Wenn ich allerdings nochmals

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42 einen Wettkampf bestreiten könnte, um es besser zu machen, dann wäre es das 50-km-Rennen in Vancouver. Damals stürzte ich leider in aussichtsreicher Position in der Schlusskurve. Wie kam es zu deinem Engagement für das Olympia-Projekt «Switzerland 2038»? Ich wurde 2024 von Urs Lehmann angefragt, als er zusammen mit Ruth Wipfli Steinegger noch Co-Präsident des Trägervereins war. Ihm ging es darum, die Sicht eines Athleten mit OlympiaErfahrung im Vorstand zu haben. Ich fand diese Anfrage sehr spannend und sagte deshalb auch relativ schnell zu. Den Sport von einer anderen Seite kennenzulernen, als Vorstandsmitglied bei diesem Olympia-Projekt mitzubestimmen und mich mit strategischen Fragen auseinanderzusetzen, finde ich sehr interessant. Das bringt mich auch persönlich weiter. Mit diesem Engagement kann ich dem Schweizer Sport etwas zurückgeben, und ich bin überzeugt, dass die Schweiz alles mitbringt, um erfolgreiche Olympische und Paralympische Winterspiele so durchzuführen, wie sie künftig sein sollten. Was sind deine konkreten Aufgaben als Vertreter der Athletinnen und Athleten im Vereinsvorstand? Je nach Thema kann ich mich mehr oder weniger einbringen. Gefragt ist meine Meinung insbesondere im Zusammenhang mit den Venues, den Unterkünften und dem Transport der Athletinnen und Athleten. Und natürlich sehe ich mich allgemein auch als Botschafter dieses Olympia-Projekts und bin gerne repräsentativ tätig. Es gibt – wie immer beim Thema Olympia – auch viele kritische Stimmen, die meinen, die Schweiz brauche keine Winterspiele. Was entgegnest du ihnen? Ich beobachte, dass bei manchen Personen sofort eine Abwehrhaltung einsetzt, sobald das Wort «Olympia»

fällt. Was ich aber auch feststelle: Diese Leute kennen unser dezentrales Projekt gar nicht. Olympische Spiele sind ein globales Ereignis. Wenn sie nicht in der Schweiz ausgetragen werden, finden sie irgendwo anders statt – und zwar nirgendwo nachhaltiger als bei uns. Wir verfügen über die notwendige Infrastruktur. Zuletzt wurden hierzulande die Biathlon-, die Ski-Freestyle- und Snowboard- sowie die Eishockey-Weltmeisterschaften ausgetragen. In wenigen Monaten finden die Titelkämpfe im Ski Alpin in Crans-Montana statt. Die Eisschnelllauf-Wettbewerbe waren bei früheren Schweizer Kandidaturen jeweils eine Knacknuss. Nun gibt es diesbezüglich mit der Palexpo-Arena in Genf eine tolle Möglichkeit für eine temporäre Halle. Was vielen Kritikerinnen und Kritikern ebenfalls nicht bewusst ist: Die Finanzierung des Gesamtbudgets von 2,2 Milliarden Franken wird grösstenteils von den Einnahmen des IOC und aus privaten Mitteln getragen. Die öffentliche Hand wird maximal 18 Prozent beisteuern. Was beschäftigt dich im Zusammenhang mit dem Olympia-Projekt derzeit am meisten? Das Parlament wird in der Herbst- und Wintersession Stellung zur Botschaft zum Grundsatz- und Planungsbeschluss des Bundesrats nehmen. Unser Ziel ist es, die Chance des Privilegierten Dialogs zu nutzen und gegenüber dem IOC im Frühjahr 2027 alle erforderlichen Garantien zu erbringen und das finale Dossier fristgerecht einzureichen. Ab dem 1. Januar 2028 geht die Türe auch für andere Kandidaten wieder auf – und das Ganze wird teurer. Jetzt gilt es, durch regen direkten Austausch und Überzeugungsarbeit die politischen Entscheide in die gewünschten Bahnen zu lenken. Was die private Finanzierung betrifft, sind wir auf einem sehr guten Weg. Mit Michael Hartweg und Urs Wietlisbach haben wir im Hintergrund sehr gut vernetzte Personen, die uns unterstützen und Türen öffnen.

Du warst als Vorstandsmitglied von «Switzerland 2038» im vergangenen Februar an den Olympischen Spielen in Milano Cortina vor Ort. Welche Erkenntnisse für das Schweizer Olympia-Projekt hast du dort gewonnen? Es waren ebenfalls dezentrale Winterspiele, weshalb es besonders interessant war, mit Blick auf unser OlympiaProjekt Eindrücke zu gewinnen. Die Wettkampfstätten lagen teilweise sehr weit auseinander, was allerdings auch daran lag, dass die Transporte zwischen den verschiedenen Orten nicht auf dem Niveau erfolgten, wie wir es hierzulande gewohnt sind. Beim öffentlichen Verkehr sind wir in der Schweiz einfach sehr gut und vor allem viel effizienter aufgestellt. Und es ist gut vorstellbar, dass in elf Jahren das gesamte Transportsystem zwischen den einzelnen Clustern noch besser sein wird. Kritisiert wurde auch, vor allem vonseiten der Athletinnen und Athleten, dass der olympische Spirit fehlte. Dieser Spirit ist wichtig, absolut. Bei den Unterkünften gibt es unterschiedliche Meinungen. Die einen sind froh, wenn sie sich in Ruhe abseits eines olympischen Dorfes auf ihre Wettkämpfe vorbereiten können. Andere wiederum geniessen die Atmosphäre im Village und den Kontakt mit Athletinnen und Athleten aus anderen Sportarten sehr. Mehrere Villages sind allerdings nichts Neues, das gab es bereits an früheren Winterspielen. Was bei Milano Cortina besonders für Kritik sorgte, waren die eher lieblosen Medaillenübergaben direkt nach den Wettkämpfen. Es fühlte sich an wie an einem Weltcup. Olympische Spiele sind etwas ganz Besonderes, entsprechend sollten auch die Medaillenzeremonien gestaltet sein. Unser Konzept umfasst drei Cluster, und wir können uns gut vorstellen, dass jedes dieser Cluster über eine eigene Medal Plaza verfügt.


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Bild: Keystone-SDA


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Auch Sommerspiele hast du in deiner Funktion im Projekt «Switzerland 2038» bereits live vor Ort erlebt – 2024 in Paris. Diese lassen sich natürlich nur bedingt mit Winterspielen vergleichen. Gibt es dennoch etwas, das du von Paris 2024 gerne auf das Schweizer Olympia-Projekt übertragen möchtest? Paris war prädestiniert für einen Anlass wie die Olympischen Sommerspiele. Im Vorfeld wurde – wie fast immer vor solchen Mega-Events – viel Kritik laut. Im Nachhinein war es aber ein riesiger Erfolg und ein Imagegewinn für die Stadt und das Land. In einer Stadt hat man viel mehr Möglichkeiten, Wettkampfstätten zusammenzulegen und dort zu planen, wo es am besten passt. Im Winter gilt es hingegen, dorthin zu gehen, wo die Infrastruktur bereits vorhanden ist. Lässig war, dass die Bevölkerung im Vorfeld des Olympia-Marathons die Möglichkeit hatte, auf der Originalstrecke selbst zu laufen – über die Marathon-Distanz oder über 10 km. Die

Strecke war bereits für das OlympiaRennen am nächsten Tag abgesperrt. Ich startete damals um 23.30 Uhr zu einem 10-km-Lauf. Das war ein tolles Erlebnis, zumal wir den Zieleinlauf am selben Ort hatten wie einige Stunden später die Marathonläufer. Ich denke, die Breitensportlerinnen und Breitensportler 2038 auf irgendeine ähnliche Weise einzubinden, ist sicher etwas, über das es sich nachzudenken lohnt.

Ob die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2038 in der Schweiz ausgetragen werden, entscheidet sich im kommenden Jahr. Bild: Keystone-SDA

Sollten die Winterspiele 2038 nächstes Jahr an die Schweiz vergeben werden, gäbe es eine elfjährige Vorlaufzeit. Welche Vorteile brächte das mit sich? Wir diskutieren im Zusammenhang mit dem Projekt bereits sehr viele Details. Das zeigt, wie gut wir aufgestellt und vorbereitet wären. Zuletzt in Italien wurde vieles erst auf den letzten Drücker

Generation Switzerland 2038: Die Schweizer Nachwuchsathletinnen und -athleten könnten 2038 im besten Leistungsalter sein und Olympische Spiele im eigenen Land erleben. Bild: Stephan Bögli


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fertiggestellt. Und für die Spiele 2030 in Frankreich gab es zuletzt immer wieder Änderungen bei den Austragungsorten. Ein grosser Vorteil der langen Vorlaufzeit wäre aber insbesondere für den Sport selbst und für die Athletinnen und Athleten gegeben. Würde die Schweiz im nächsten Jahr den Zuschlag erhalten, wäre das für die heutigen Kinder und Jugendlichen eine enorme Motivation. Wir sprechen in diesem Zusammenhang bereits heute von der «Generation 2038». In allen Wintersportarten könnten langfristige Projekte umgesetzt werden. Im Vorfeld der Sommerspiele 2012 in London wurde dies in Grossbritannien vorbildlich gemacht. Der gesamte britische Sport bekam dadurch einen enormen Schub und profitiert noch heute von der damaligen Professionalisierung. «Switzerland 2038» ist mehr als nur ein Sportprojekt. Wie könnte die Schweizer Gesellschaft als Ganzes von Olympischen Spielen im eigenen Land profitieren? Unser Land ist zweifellos in der Lage, ein solches Grossprojekt erfolgreich auf die Beine zu stellen. Wir sollten wieder einmal etwas wagen, das uns alle gemeinsam stolz macht und von dem noch Jahrzehnte später die Rede sein wird. Die letzten grossen Events hierzulande, etwa die Fussball-EM der Männer 2008 und jene der Frauen 2025 oder die Eishockey-WM vor wenigen Monaten, waren ein grosser Erfolg und sorgten im ganzen Land für Euphorie und Begeisterung. Die Spiele könnten gleichzeitig als Katalysator genutzt werden, um die Transformation hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft betreffend Verkehr, Digitalisierung, barrierefreie Infrastruktur und Inklusion voranzutreiben. Interview: Roman Eberle

Dario Cologna und Nachwuchstalent Malena Müller bei der Präsentation des Olympia-Projekts «Switzerland 2038» Anfang Jahr in Bern. Bild: Switzerland 2038

Switzerland 2038: Zeitplan Der Verein Olympische und Paralympische Winterspiele Schweiz 2038 hat dem Bundesamt für Sport (BASPO) Ende 2025 ein umfassendes Projektdossier vorgelegt. Auf dieser Grundlage erarbeitete das VBS die Botschaft zum Grundsatz- und Planungsbeschluss, über die das Parlament in der Herbst- und Wintersession 2026 beraten wird. Ziel ist es, dem IOC im Frühjahr 2027 alle erforderlichen Garantien vorzulegen. Dank des seit November 2023 bestehenden Privilegierten Dialogs steht die Schweiz bis Ende 2027 exklusiv mit dem IOC in Kontakt. «Switzerland 2038» setzt auf einen dezentralen Ansatz mit Austragungsorten in allen Sprachregionen. Zudem soll das Projekt hauptsächlich privat finanziert werden; eine Defizitgarantie des Bundes ist nicht vorgesehen.


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Alles im Griff Noémie Wiedmer war ihrem grossen Ziel schon beim ersten Anlauf erstaunlich nah. Die 19-jährige Snowboardcrosserin weiss genau, wo sie hinwill – und verfolgt ihren Weg mit einer Konsequenz und Selbständigkeit, die sie schon früh lernen musste. Das kleine Mädchen weiss genau, was es will. Hat es sich etwas in den Kopf gesetzt, lässt es nicht locker. Ins Freundschaftsbuch schreibt es bei «Traumberuf» ohne zu zögern: «Olympiasiegerin». Im Geräteturnen und in der Jugi verliert es kaum Zeit mit «Schnädere». Lieber trainiert es, lieber wird es besser. Schon damals gilt: Wer ein Ziel hat, hält sich nicht lange mit Belanglosem auf. Das kleine Mädchen ist eine Einzelgängerin, die bewusst anders sein will als andere Kinder in ihrem Alter. Die sich kleidet wie ein

Bub und zu ihren Geburtstagsfesten nur «Giele» einlädt. Die im Schultheater am liebsten einen Baum spielt, damit sie nichts sagen muss. Und die eines nie aus den Augen verliert: ihr Ziel, eine gute Snowboarderin zu werden. Noémie Wiedmer schmunzelt, als sie in Erinnerungen gräbt. Aus dem beharrlichen Mädchen ist eine selbstbewusste junge Frau und eine richtig gute Snowboarderin geworden. Oder präziser: eine Snowboardcrosserin, die am 13. Februar 2026 mit dem 4. Rang an den Olympischen Spielen in Livigno ihren bislang grössten Erfolg feierte. Mit erst 18 Jahren. Doch so schön, unerwartet und emotional das war: Es soll nur ein Zwischenschritt auf dem Weg nach ganz oben sein.

«Snowboardcross ist mein Leben.» Noémie Wiedmer


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Bilder: Silvan Dietrich


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Pendeln zwischen Schule und Sport Ein Samstagvormittag im Sommer. Noémie Wiedmer sitzt auf der Terrasse ihres Elternhauses in Oey. Das beschauliche Dorf am Tor zum Diemtigtal ist eingebettet in eine wunderbare Berglandschaft – hier das Wiriehorn, da der Niesen, dort das Stockhorn. Der Athletin dient diese Ecke im Berner Oberland als Ort, an dem sie Geborgenheit findet – und Energie tankt, um ein vielschichtiges Programm zu meistern. «Snowboardcross ist mein Leben», steht auf ihrer Website. Noémie Wiedmer ordnet dem Sport alles unter und richtet auch die schulische Ausbildung nach dem Trainings- und Rennkalender. Sie besucht das Sportgymnasium Hofwil in Münchenbuchsee und übernachtet von Montag bis Freitag im Internat. An zwei Tagen trainiert sie in Magglingen unter Anleitung des Kraftspezialisten Jan Seiler und des Swiss-Ski-Coachs Andreas Fischle; daneben verbringt sie viel Zeit mit individuellen Einheiten in Münchenbuchsee oder ausgedehnten Velo- und Wandertouren. Auch ihr anderes Leben erfordert Aufwand: Sie ist Kantonsschülerin und hat den Ehrgeiz, 2027 mit der Matura abzuschliessen. Im Gymnasium tauche sie in eine andere Welt ein, sagt Wiedmer. Sie ist Teil einer Talentförderklasse, zu der auch Musikerinnen und Musiker, Künstlerinnen und Künstler gehören. Sie spürt eine breite Unterstützung des Lehrpersonals, das gut damit umgehen kann, wenn die Crosserin wieder einmal einen Monat lang irgendwo auf der Welt unterwegs ist.

Snowboardcross ist ihr Leben: Noémie Wiedmer hat Talent – und den Ehrgeiz, es ganz nach oben zu schaffen. Bild: Keystone-SDA

«Rasch nach St. Moritz», «kurz nach Hause» – es hört sich alles unbeschwert und leicht an. Noémie Wiedmer fährt gerne Auto und hört ebenso gerne «Die drei Ausrufezeichen», was ihr das Reisen erleichtert. Um die gefüllte Agenda im Griff zu behalten, benötigt sie eine Eigenschaft, die sie sich früh angeeignet hat: Selbständigkeit.


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Zwischen Schule, Training und Wettkämpfen ist Wiedmer ständig unterwegs. Oey im Diemtigtal bleibt ihr Zuhause – und ihr Kraftort.

Geprägt von ihrem Vater Toni Wiedmer und seine Frau Monika führten einst am Wiriehorn eine Snowboardschule. Das erklärt die Verbindung der Tochter zur Sportart. Aber um den Durchbruch zu schaffen, braucht es mehr als nur ein bisschen Talent. Einen langen Atem benötigt man, ebenso Biss und Durchhaltewillen. Diese Eigenschaften, sagt Noémie Wiedmer, habe sie von ihrem Vater Toni geerbt. Geprägt hat Noémie Wiedmer zweifellos auch ein schwerer Schicksalsschlag. Als sie neun Jahre alt war, starb Toni Wiedmer an den Folgen eines Herzinfarkts. Das Mädchen lernte, anzupacken und sich zurechtzufinden, ohne ständig die Mutter bei sich zu haben. «Ich war keine ‹Gluggere›», sagt Monika Wiedmer. «Als wir die Snowboardschule führten, gewöhnten sich unsere Töchter daran, sich auch einmal alleine zu beschäftigen.»

Noémie Wiedmer hat einen Eigenantrieb entwickelt und schafft es, mit Drucksituationen gut umzugehen. Als sie davon sprach, das Sportgymnasium absolvieren zu wollen, mahnte ihre Mutter: «Dann müssen die Noten besser ausfallen.» Sie setzte zu einem Steigerungslauf an und schaffte es. Monika Wiedmer kennt den Antrieb ihrer Tochter: «Sie hat einen starken inneren Motor. Wenn sie gefordert wird, liefert sie ab.»

Blicke in den Sternenhimmel Von dieser Gabe ist auch Ronja Wiedmer, Noémies Cousine und enge Vertraute, beeindruckt. Die Freundschaft der beiden vertieft sich in der Sekundarschule so sehr, dass sie kaum ein Geheimnis voreinander haben. Sie reden zusammen auch über den Tod von Toni Wiedmer. Manchmal sitzen sie in der freien Natur und schauen zusammen in den Sternenhimmel.

«In Oey kann sie abschalten. Das Gymnasium und der Sport können für einmal weit weg sein», so Ronja, die Noémie mit vielen positiven Adjektiven beschreibt: «Spontan, herzlich, abenteuerlustig, tough, cool – und erwachsen. Das ist sie sehr früh geworden.» Und: «Sie hat ihre tausend Termine auf beeindruckende Weise im Griff.» Es gibt selten Tage, an denen ihr die Energie ausgeht. Noémie Wiedmer investiert viel, um ihre Träume zu verwirklichen. Gleichzeitig ist sie ein ausgesprochener Familienmensch, der es liebt, Abende mit Gesellschaftsspielen zu verbringen. Das hat im Haus, in dem es bis 2014 keinen Fernseher gab, Tradition. Ein Jass liegt immer drin, «Skyjo» und Brändi Dog sind ebenfalls hoch im Kurs. Als Monika Wiedmer einen neuen Partner kennenlernte, freute sich Noémie für ihre Mutter – und darüber, dass nun wieder ein Jass zu viert möglich war.


50 Die WM im Fokus Im kommenden Winter wird Noémie Wiedmer wieder viel unterwegs sein, mit einem klaren Fokus: der WM im Montafon im März 2027. Dort will sie an ihren Olympia-Auftritt anknüpfen. Wieder vor Ort: ihre Mutter und deren Partner - und ihre Grossmutter Vreni («meine grösste Supporterin») will auch dabei sein. Vielleicht hilft erneut dasselbe Rezept wie an den Winterspielen. Damals war Noémie Wiedmer tagelang nervös, schlief wenig und brachte kaum etwas runter. Am Tag vor dem Final traf sich Noémie mit ihrer Schwester Léonie, ihrem Grosi, Monika und Raymond zum Burgeressen. Tags darauf fuhr Wiedmer auf Platz vier – ein Ausrufezeichen, aber noch nicht das Ende ihrer Ambitionen. Denn erledigt ist ihr grosser Plan damit noch lange nicht. Eines Tages kann sich Wiedmer auch vorstellen, Polizistin zu werden. Doch bevor aus dieser Vorstellung ein Beruf wird, stehen andere Ziele an: 2028 die Spitzensport-RS – und vor allem jenes Ziel, das sie als kleines Mädchen ins Freundschaftsbuch schrieb: «Olympiasiegerin». Ein Beruf ist das bis heute nicht. Für Noémie Wiedmer aber noch immer eine ziemlich genaue Stellenbeschreibung ihrer Zukunft. Text: Peter Birrer

Bei ihrer Olympia-Premiere fuhr Noémie Wiedmer auf Rang 4. Ihr nächstes grosses Ziel ist gesetzt: die WM 2027. Bild: Keystone-SDA


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WERDE CHAMPION! P P A I K -S S IS W S R E D IN

HIER ERHÄLTLICH:


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Schneebar 1 Bereit für die nächste Rennsaison?

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Wer auch nach der JO-Zeit aktiv bleiben und seiner Leidenschaft für den Skirennsport weiterhin nachgehen möchte, findet in der Regionalrennsport-Szene verschiedene Möglichkeiten. Der Swiss Regio Cup bietet eine abwechslungsreiche Rennserie mit Trainingstagen und insgesamt zehn Rennen während der Saison. Gefahren wird in den Disziplinen Super-G, Riesenslalom und Slalom. Die Anmeldung ist offen. Los geht es am 17. und 18. Dezember 2026 mit zwei Trainingstagen in Davos. Am 19. Dezember steht am Rinerhorn das erste Swiss-Regio-Cup-Rennen der Saison auf dem Programm. Seinen traditionellen Abschluss findet der Swiss Regio Cup am dritten März-Wochenende mit der Schweizer Amateur-Meisterschaft. (LNN)

Wettkampfdaten 2026/27

Bild: Swiss-Ski

Präzisere Munitionstests im Muotathal Im Biathlon kommt es auf jedes Detail an – auch bei der Munition. Entscheidend ist, welche Patronen optimal mit dem jeweiligen Gewehr harmonieren und wie sie sich bei unterschiedlichen Temperaturen verhalten. Gerade bei Kälte können sich die Eigenschaften der Munition verändern und damit die Schussleistung beeinflussen. Seit vier Jahren testet Swiss-Ski deshalb im Selgis im Muotathal Biathlon-Munition unter verschiedenen Temperaturbedingungen. Nun wurde die Kälteanlage weiterentwickelt: Ein neu konstruierter Schiessbock und optimierte Abläufe ermöglichen künftig noch effizientere und präzisere Tests. Nach einem internen Testlauf im Juli wurde die modernisierte Anlage im August offiziell in Betrieb genommen. Damit kann die Munition noch gezielter auf die individuellen Gewehre der Athletinnen und Athleten sowie auf unterschiedliche Bedingungen abgestimmt werden. (ree)

Ski-WM im Zürcher Hauptbahnhof Ein Hauch Ski-WM mitten in Zürich: Vom 19. November bis 24. Dezember 2026 betreiben Swiss-Ski, Stöckli und CransMontana 2027 am Weihnachtsmarkt im Hauptbahnhof gemeinsam die Polarzauber Lounge im winterlichen WM-Look. Besuchende können sich dort auf die Heim-WM im Februar einstimmen, die Weltcup-Skirennen vor und während der Adventszeit live am Bildschirm mitverfolgen und bei einem Gewinnspiel ihr Glück versuchen. Ein Barangebot sorgt für die passende Winterstimmung. Die Lounge kann auf Reservation für besondere Anlässe gebucht werden. (LNN)


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2 10 Rennen, vier Veranstalter, ein Ticket

Bild: Loipen Schweiz

Mit dem neuen Weltcup-Pass gibt es erstmals ein Ticket für alle Schweizer Alpin-Weltcup-Rennen. Insgesamt umfasst der Pass zehn Rennen an den vier Weltcup-Standorten St. Moritz, Adelboden, Wengen und Lenzerheide.

3 Das grösste Langlauflager

der Schweiz feiert Jubiläum

Seit 30 Jahren bringt das Schweizer Jugend-Langlauflager (Julala) junge Langlaufbegeisterte zusammen. Auch in diesem Winter können 140 Jugendliche im grössten Langlauflager der Schweiz gemeinsam trainieren, Neues erleben und Freundschaften knüpfen. Das Lager steht unter dem Patronat von Loipen Schweiz, Swiss-Ski und dem Zentralschweizer Schneesportverband (ZSSV).

Damit können Fans die Schweizer Skirennfahrerinnen und Skirennfahrer während der gesamten Heim-WeltcupSaison vor Ort anfeuern und erleben. Obendrauf gibt es zu jedem Pass fünf Fanartikel – je ein Geschenk von den vier Veranstaltern sowie von Swiss-Ski. (LNN)

Die Geschichte des Julala begann 1996 auf dem Glaubenberg oberhalb von Sarnen. Seither hat sich das Breitensportlager zu einer festen Grösse entwickelt und zeitweise bis zu 250 Kinder und Jugendliche zusammengebracht. Auch spätere Olympia-Teilnehmende wie Amy Baserga, Lea Fischer und Janik Riebli waren einst mit dabei. Die Jubiläumsausgabe findet vom 27. bis 31. Dezember 2026 in Engelberg statt – die Anmeldung ist offen. (LNN)

Mehr Infos gibt's hier

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Mehr zum JULALA

4 Nach der Saison kommt das Ja

Bei Swiss-Ski ist nach der Wintersaison Hochzeitssaison. Michelle Gisin heiratete im Juni den italienischen Skirennfahrer Luca De Aliprandini. Auch Luca Aerni gab seiner Partnerin das Ja-Wort. Nach der Verlobung im vergangenen Jahr wurde im April geheiratet – stilecht im Schnee und in Skischuhen. Hochzeitsglocken läuteten auch bei Biathlet Joscha Burkhalter. Er heiratete im Juni seine langjährige Partnerin Ladina Meier-Ruge, ehemalige Athletin und heutige Teamärztin bei Swiss-Ski. Inzwischen hatten die beiden gleich noch einmal Grund zur Freude: Sie sind Eltern einer Tochter geworden. (LNN) Bild: Vincent Chaperon


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Wie das funktioniert?

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Mit Sunrise Rewards gibt es 25% Rabatt auf Skitickets in zahlreichen Schweizer Bergdestinationen. Mit dabei sind unter anderem Arosa Lenzerheide, Adelboden-Lenk, Andermatt, Laax und Davos. Die Tickets sind jeweils ab Ende November erhältlich und damit ideal für die ersten Schwünge der Saison.

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Crans-Montana 1987 Unvergesslich. Unerzählt.

Karl Frehsner war bei der goldenen HeimWM 1987 der Cheftrainer der Schweizer Alpinen. Bilder: Keystone-SDA


Der eiserne Trainer der goldenen Abfahrer Karl Frehsner formte jene Schweizer Abfahrer, die an der WM 1987 den legendären Vierfachtriumph feierten. Der heute 87-jährige Österreicher erzählt, was dieses Team so stark machte, wie er ihm vor der Heim-WM die Nervosität nahm – und weshalb Peter Müller für ihn eine «positive Reizfigur» war. Treffpunkt ist ein Lokal im Zentrum von Dietikon. Wer sich auf die Suche nach Karl Frehsner macht, hat gute Chancen, ihn hier zu treffen. Seinen «Morgenkaffee» trinkt er hier, und bis alle Themen durchdiskutiert sind, kann schon einmal eine Weile vergehen.

Unpassend ist sie trotzdem nicht für einen Trainer mit dem Übernamen «Eiserner Karl», der mit Emotionen sehr sparsam umging: «Ich habe nie gejubelt wie ein Depp.» Als die WM in Crans-Montana naht, ist Frehsner schon seit sieben Jahren im Amt bei Swiss-Ski. Das Team der Abfahrer besteht aus unterschiedlichen Charakteren. Da ist Zurbriggen, «ein gläubiger Mensch» und ein Athlet, der «zielorientiert» gewesen sei: «Er hat schon auch seine Meinung vertreten.» Da ist Karl Alpiger, der – so sagt es Frehsner – «viel Vertrauen und Unterstützung

brauchte». Da ist Franz Heinzer, «ein feiner Typ, der nicht so viel redete und sich manchmal nicht so viel zutraute, wie er eigentlich konnte». Und da ist Peter Müller, der Unterländer, der Zürcher, «ehrgeizig ohne Ende».

In die Augen schauen und Gedanken lesen Müller hat polarisiert: alle gegen Müller und umgekehrt. Frehsner hört und sieht viel. Er beobachtet alles mit scharfem Auge und hat ein feines Sensorium, um das Klima innerhalb der Gruppe

Frehsner, mittlerweile 87, lebt seit 1968 in dieser Ecke des Zürcher Limmattals – und in derselben Wohnung wie damals. Natürlich ist er bekannt wie ein bunter Hund und scheut sich auch heute nicht, das Kind beim Namen zu nennen. Er unterhält die Leute mit Episoden, oft mit Schalk in den Augen. An diesem Vormittag soll sich alles um 1987 drehen, um das grandiose Abschneiden der Schweizer Abfahrer an der WM in Crans-Montana: 1. Peter Müller. 2. Pirmin Zurbriggen. 3. Karl Alpiger. 4. Franz Heinzer. 6. Daniel Mahrer. Der Mann hinter dem Höhenflug: Karl Frehsner, Cheftrainer aus Österreich. Der 31. Januar 1987 liefert Stoff für ein wunderbares Kapitel in der Schweizer Sportgeschichte. «Ihr seid die Grössten!», titelt der SonntagsBlick anderntags. Frehsner kommentiert fast 40 Jahre danach: «Ich muss sagen: Schlecht sind sie nicht gefahren.» Und muss über seine Formulierung selber lachen: nicht schlecht gefahren … So bejubelte der «SonntagsBlick» am 1. Februar 1987 den Schweizer Abfahrtstriumph in Crans-Montana.

Karl Frehsner

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Crans-Montana 1987 Unvergesslich. Unerzählt. wahrzunehmen. Eine Episode erzählt er genüsslich, um die Spannungen zu beschreiben. Silvano Meli zählte einst zum Abfahrtskader und war ein starker Karateka. Er fühlte sich von Müller so provoziert, dass er eines Abends in Wengen das Gespräch mit dem Chef suchte: «Sag Müller, er solle sich nicht länger mit mir anlegen, sonst wird es für ihn unangenehm.» Frehsner bringen solche Reibereien nicht aus dem Konzept. Er regelt vieles mit seiner Ausstrahlung und findet grundsätzlich: «Jeder soll so sein, wie er ist.» Er behauptet von sich, grosse Menschenkenntnis zu haben: «Ich brauche jemandem nur in die Augen zu schauen und kann die Gedanken lesen.» Er mag Peter «Pitsch» Müller. «Wie oft habe ich gehört: ‹Der Müller spinnt doch.› Das kam auch immer wieder von den Journalisten. Dabei ist Müller kein dummer Hund.» Er nennt ihn lieber «eine positive Reizfigur». Den Athleten, die mit ihrem Konkurrenten nichts anfangen können und sich über ihn negativ auslassen, sagt er: «Ihr müsst nicht über ihn fluchen, ihr müsst nur schneller fahren als er. Wenn einer besser ist, muss man schauen, dass man den einholen kann.» So einfach ist das. Und überhaupt: Es ist ihm egal, wer gewinnt – «Hauptsache, es ist einer von uns».

Zurbriggen, der Liebling der Massen, Lokalmatador und Favorit, startet mit der Nummer 1 und bleibt Erster – bis die Nummer 7 ihn ablöst: Peter Müller. Karl Alpiger mit der Startnummer 12 schiebt sich an Franz Heinzer vorbei auf Rang 3. Ein vierfacher WM-Triumph! Im eigenen Land! Die Schweiz in Ekstase! Und was macht Karl Frehsner? Geniesst still. «Dass wir mit dem vierfachen Sieg Sportgeschichte geschrieben hatten, realisierte ich erst später», sagt er. «Zunächst fühlte sich das an, als wäre es ein Tag wie so mancher andere auch.» Der Trainer schaut bei der Siegerehrung vorbei, «eines der wenigen Male, dass ich das gemacht habe», sagt er. Aber er reiht sich nicht zuvorderst ein. «Es hatte ja immer genügend andere Leute bei solchen Anlässen. Ich wollte denen nicht im Weg stehen.»

Frehsners Meinung zum Super-G Ist er aber stolz gewesen? «Nein, aber froh, mitgeholfen zu haben, dass die Schweizer so erfolgreich abgeschnitten haben. Es war die Leistung der Athleten, nicht meine.» Und doch: Eine gewisse Genugtuung schwingt mit. Karl Frehsner zieht sich später ins Mannschaftshotel

unweit des Zielraums zurück. Die Arbeit kann er nicht liegen lassen. Die Detailanalyse ist Pflicht wie nach jedem Rennen. «Wir Trainer haben zusammen etwas getrunken, viel mehr war da nicht.» Am 1. Februar steht er wieder an der Strecke, als die Kombinationsabfahrt stattfindet und Pirmin Zurbriggen Silber hinter dem Luxemburger Marc Girardelli gewinnt. Tags darauf wird der Super-G ausgetragen, eine Disziplin, mit der Frehsner nicht viel anfangen kann. «Braucht es nicht», fasst er sich kurz. «Dieser Meinung bin ich heute noch.» Die Schweiz sichert sich dank Zurbriggen das nächste Gold. Während der traumhaften Tage von Crans-Montana werden die Schweizer nach der Abfahrt mit einem Vorwurf aus Österreich konfrontiert. Der österreichische Cheftrainer Dieter Bartsch findet: «Meine Burschen sind alle wie Weltmeister gefahren.» Darum könne etwas nicht stimmen. Er verbreitet die Theorie, dass die Schweizer ein Wunderwachs verwendet hätten, eine Paraffin-Kalium-Mischung, die den Ski erwärme. Frehsner kann darüber bestenfalls schmunzeln. «Die Österreicher warfen uns auch vor, dass wir den Vorteil hatten, auf der Piste oft trainieren zu können. Das ist genauso eine Ausrede wie die Sache mit dem Wachs.»

Grenzenloser Ehrgeiz prägt dieses Team Die Konstellation an der WM in Crans-Montana könnte für ihn als Verantwortlichen kaum besser sein. Jeder Athlet will beweisen, dass er der Beste ist: «Die sagten sich: Was der kann, kann ich auch. Dann sind sie gefahren, als ginge es um Leben und Tod. Dieser unbedingte Wille hat uns ausgezeichnet.» Karl Frehsner vermittelt Selbstvertrauen und Lockerheit. «Bloss nicht verkrampfen», sagt er dem Team. «Fahrt, als wäre es ein Training.» Es ist ein wirksames Mittel, um die Nervosität vor der HeimWM abzubauen. Er weiss sehr wohl: Die Skination Schweiz erwartet Grosses. Ihn stört das nicht.

Karl Frehsner (rechts) im Gespräch mit Pirmin Zurbriggen, der 1987 als Lokalmatador je zweimal Gold und Silber gewann.


Karl Frehsner

59 Noch ein Vierfachsieg mit den Österreicherinnen Die Trainerkoryphäe hat in seiner Karriere manchen Podestfahrer herausgebracht. 53 Medaillen gab es an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen unter Karl Frehsners Leitung – vier davon an diesem legendären 31. Januar 1987. Und vier noch einmal an nur einem Tag: am 7. Februar 1999 an der WM in Vail. Frehsner feierte damals als Chef mit dem österreichischen Frauenteam denselben Triumph in der Abfahrt wie 1987: 1. Renate Götschl. 2. Michaela Dorfmeister. 3. Stefanie Schuster. 4. Alexandra Meissnitzer. «Vier durften pro Nation starten, am Ende belegten vier von dir die ersten Ränge – nicht so schlecht», sagt Karl Frehsner. Inzwischen ist er im Ruhestand. Wobei: Ruhestand und Frehsner, das passt irgendwie nicht zusammen. Er interessiert sich unverändert für alles, was im Skigeschäft läuft, hält sich mit regelmässigem Velofahren fit – oder diskutiert beim täglichen Morgenkaffee in Dietikon über Gott und die Welt. Ob er im Februar 2027 an der WM in Crans-Montana vor Ort sein wird, weiss er noch nicht. Für seinen Seelenfrieden braucht er das jedenfalls nicht. Der eiserne Karl ist gar nicht mehr so eisern, dafür mit sich und der Welt im Reinen: «Ich habe zur richtigen Zeit gelebt.» Text: Peter Birrer Die Alpinen Skiweltmeisterschaften 2027 in Crans-Montana rücken immer näher. In unserer Serie «Crans-Montana 1987: Unvergesslich. Unerzählt.» blicken wir auf die historischen ersten Weltmeisterschaften auf dem Walliser Hochplateau zurück, als das Schweizer Team achtmal Gold und insgesamt 14 Medaillen gewann.

Alle Medaillen für die Schweiz: Gold in der Abfahrt für Peter Müller (Mitte), Silber für Pirmin Zurbriggen (rechts) und Bronze für Karl Alpiger (links).

Crans-Montana bereitet das grosse Skifest vor Die Konzepte sind verabschiedet, die Entscheide getroffen – und laufend werden temporäre Infrastrukturbauten errichtet. «Die Weltmeisterschaften nehmen von Woche zu Woche mehr Gestalt an. Unser Team arbeitet auf ein gemeinsames Ziel hin: Eine unvergessliche Veranstaltung zu schaffen, die Athletinnen und Athleten, Medien, Partner, Volunteers und Publikum rund um eine gemeinsame Leidenschaft zusammenbringt und gleichzeitig ein nachhaltiges Vermächtnis für unsere Region hinterlässt», erklärt Didier Défago, der CEO von Crans-Montana 2027. Auf den Pisten nimmt der Materialbedarf beeindruckende Ausmasse an: Mehr als 40 Kilometer Sicherheitsnetze, 2300 Stangen sowie zahlreiche weitere technische Ausrüstungen müssen vor den Wettkämpfen angeliefert, verteilt und installiert werden, insgesamt rund 900 Tonnen Material. Auf personeller Ebene umfasst das technische Team rund 60 Personen, die seit vergangenem Sommer punktuell und ab Anfang 2027 zunehmend regelmässig im Einsatz stehen werden. Parallel dazu werden die Infrastrukturen eingehend überprüft – von der Verkabelung über die Sicherheitseinrichtungen bis hin zu den verschiedenen für die Organisation notwendigen technischen Anlagen. Seit Mitte September erhält das Gelände von Barzettes mit der Errichtung der temporären Infrastrukturen ein neues Gesicht: Tribünen, Mixed Zone, VIPZelt und Büros werden eingerichtet.


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Dürfen wir dich mal was fragen?

Chiara von Moos gilt als grosse Zukunftshoffnung im Schweizer Skicross. Bilder: Swiss-Ski


Was macht dich schwierig? Ich erledige so ziemlich alles auf den letzten Drücker. Ich schiebe Dinge gerne so weit hinaus, bis es sehr dringend wird zur Erledigung. Womit beeindruckst du andere am ehesten? Ich bin ein positiver Mensch und will in allem etwas Positives sehen, auch wenn die Situation einmal schwierig ist. Ich denke, das hilft auch, andere zu motivieren. Gibt es etwas, worauf du heimlich stolz bist? Ich bin sehr stolz darauf, wie ich meine Lehre und den Sport erfolgreich unter einen Hut gebracht habe. Wer hat dir zuletzt ehrlich die Meinung gesagt? Ich hatte kürzlich ein Gespräch mit meinem Mathe-Lehrer, weil ich die Berufsmatura mit technischer Ausrichtung begonnen habe. Er sagte, dass diese ziemlich anspruchsvoll sei, und fragte mich, ob ich dies neben dem Sport wirklich bewältigen wolle.

Bei welchem Thema hast du deine Meinung fundamental geändert? Ich denke nicht, dass ich bislang meine Meinung zu einem Thema fundamental geändert habe. Aber ich führe stets gerne Diskussionen mit Leuten, die andere Ansichten haben. Manchmal ergibt sich für mich ein neues Verständnis daraus. Was ist für dich völlig unauthentisch? Wenn alles perfekt aussieht, wirkt das auf mich in einem gewissen Sinne abgehoben. Was nervt dich an unserer Gesellschaft? Hier geht es in die gleiche Richtung wie bei der vorherigen Frage. Es ist keine Kritik an die Gesellschaft generell, aber mich nervt manchmal die Social-Media-Bubble, in der immer alles so perfekt aussieht, obwohl es nicht der Realität entspricht. Welche Regel würdest du sofort abschaffen? Mich stört keine Regel direkt. Ab und an hinterfrage ich welche, aber ich denke, letztlich ist jede Regel aus einem bestimmten Grund entstanden.

Chiara von Moos Chiara von Moos gilt seit Jahren als die grosse Hoffnung von Swiss-Ski im Skicross. Dies untermauerte die 21-jährige Obwaldnerin zuletzt an den Junioren-Weltmeisterschaften in St. Moritz im vergangenen März, wo sie sowohl im Einzel als auch mit dem Team (zusammen mit Célien Crettex) Gold erringen konnte. Zudem gewann Chiara von Moos im letzten Winter nach sechs Saisonsiegen auf der zweithöchsten Stufe die Europacup-Gesamtwertung. Damit sicherte sie sich einen Fixstartplatz im Weltcup für die Saison 2026/27. Im Weltcup fuhr die ins B-Kader aufgestiegene Skicrosserin bislang viermal in die Top 20.

instagram.com/chiara_vonmoos

Über welches Thema sprichst du nur ungern? Wenn es um Enttäuschungen geht – sei es nach einem schlechten Rennen oder nach einer schlechten Note in der Schule. Ich versuche aber später, am Abend bei der Rennanalyse, auch zu schauen, was ich gut gemacht habe, um so positiv in den nächsten Tag starten zu können. Worauf bist du manchmal eifersüchtig? Wenn meine Kolleginnen und Kollegen planen, an ein cooles Konzert zu gehen, und ich weiss, dass ich dann wegen eines Trainings oder eines Wettkampfs weg bin. Was war die letzte Lüge, die du erzählt hast? Wahrscheinlich eine gegenüber mir selbst. Nämlich, dass ich sehr motiviert fürs Training bin, obwohl ich an jenem Tag eigentlich keine Lust darauf hatte. Ich versuchte mich zu motivieren, indem ich mir sagte, ich sei motiviert. Bei wem müsstest du dich eigentlich entschuldigen? Bei allen, die mich etwas gefragt haben und erst sehr spät eine Antwort von mir erhalten haben – oder sogar immer noch auf eine warten. Entschuldigung, ich versuche, mich diesbezüglich zu bessern! Wovor drückst du dich am meisten? Aktuell vor den Hausaufgaben und vor dem Nacharbeiten des Schulstoffs. Meine Motivation ist derzeit nicht riesig, wenn ich gleichzeitig etwas mit Kolleginnen und Kollegen unternehmen oder trainieren kann. Wie lange hältst du es ohne Handy aus? Wohl nicht allzu lange, weil ich sehr viel mit dem Handy mache. Ich bin aber nicht ständig auf Social Media unterwegs, sondern kommuniziere viel mit Kolleginnen und Kollegen. Auch informiere ich mich via Handy über Dinge betreffend Schule oder Training. Zudem höre ich viel Musik übers Handy, das würde mir fehlen.

Chiara von Moos

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62 Wann oder wobei vergisst du die Zeit? Wenn ich etwas aktiv am Machen bin und nicht auf die Uhr schaue, dann vergeht die Zeit immer sehr schnell. Sei es im Training auf den Ski, im Gym oder wenn ich mit Kolleginnen und Kollegen zusammen bin.

«Jeder Mensch sollte so fest lachen können, dass er davon fast Bauchkrämpfe kriegt.» Chiara von Moos

Was heisst Glück für dich? Für mich ist Glück, zu erkennen, wenn ich glücklich bin. Sprich zu erkennen, wenn ich an etwas Freude habe, wenn mich etwas zum Lächeln bringt oder wenn ich jemanden zum Lächeln bringen kann. Welchen Moment in deinem Leben möchtest du gerne nochmals erleben? Ich denke an sehr viele schöne Momente zurück. Einer ist sicher die JuniorinnenWM im vergangenen März in St. Moritz, als ich sowohl Gold im Einzel als auch mit dem Team gewinnen konnte. Das sind Momente, die mir noch lange in Erinnerung bleiben werden und die ich gerne noch einmal erleben würde.

Welche ­Entscheidung in deinem Leben bereust du bis heute? Da gibt es keine. Natürlich gibt es Entscheide, bei denen man denkt, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wenn man sie anders gefällt hätte. Aber letztlich bin ich froh, dass alles so gekommen ist, wie es ist. Es hat mich im Leben dorthin gebracht, wo ich jetzt stehe.

Ist es eine Illusion, zu glauben, Erfolg verändere einen nicht? Erfolg kann einen verändern – aber auch zum Positiven. Dann zum Beispiel, wenn man etwas gewinnt und einem dadurch ein Knopf im Kopf aufgeht oder man neue Erfahrungen macht, die einen weiterbringen.

Was glaubst du: Ist Talent überschätzt? Ich denke, Talent ist wichtig. Aber noch wichtiger ist, seine Ziele stets strikt zu verfolgen und im Training einen Zusatzeffort zu leisten.

Hast du manchmal Angst, etwas zu verpassen? Ich habe nicht Angst, etwas zu verpassen. Aber ich wäre manchmal gerne bei Dingen dabei, die ich verpasse.

An den Junioren-Weltmeisterschaften im März in St. Moritz gewann Chiara von Moos zweimal Gold.


Chiara von Moos

63 Wer wärst du heute, wenn du deinen Sport nie begonnen hättest? Wenn ich nicht Leistungssport betreiben würde, dann wäre ich nicht Ende August schon auf den Ski. Im Winter wäre ich aber so oder so viel im Schnee unterwegs. Was sollte jeder Mensch mindestens einmal erlebt haben? Jeder Mensch sollte so fest lachen können, dass er davon fast Bauchkrämpfe kriegt. Lachen, bis einem die Tränen kommen, ist etwas unheimlich Schönes. Was glaubst du, denken andere über dich, wenn du den Raum verlässt? Ich hoffe, dass ich einen positiven Eindruck bei den Menschen hinterlasse, sie mit einem Lächeln an mich denken und vielleicht etwas motivierter sind, etwas, was sie begonnen haben, durchzuziehen. Aufgezeichnet: Roman Eberle

Neben zweimal WM-Gold durfte sich Chiara von Moos im letzten Winter über sechs Siege im Europacup freuen.

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Was macht eigentlich?

Colette allein zu Haus

Bilder: Philipp Schmidli


Während Michel und Noé Roth die Aerials-Schanzen dieser Welt bereisen, sitzt Colette Roth-Brand am Computer und arbeitet. Oder sie sitzt auf ihrem Mountainbike. Skischuhe zieht sie nicht mehr an. Mit einer Ausnahme. Colette Roth kommt mit dem Velo angerollt. Über Baar ziehen an diesem Montagnachmittag Gewitter. Sie kommt von der Arbeit und ist froh, weder auf dem Hin- noch auf dem Rückweg nass geworden zu sein. Wäre es nicht der Arbeitsweg, sondern ihre geliebte MountainbikeRunde, wäre Colette Roth am Morgen wohl gar nicht erst aufs Velo gestiegen. «Ich musste lange genug bei jedem Wetter draussen sein. Das brauche ich nicht mehr», sagt sie. Von 1987 bis 1998 startete Colette Roth unter ihrem Ledignamen Brand im Freestyle-Weltcup. Zu Beginn war sie im Skiballett, Aerials und auf der Buckelpiste im Einsatz. Weil es ihr am meisten Spass machte, konzentrierte sie sich aufs Springen. Sie sammelte 37 Podestplätze. 13 Mal stand sie ganz oben. In der Saison 1995/96 gewann sie den Gesamtweltcup. Ihr grösster Erfolg, wie sie sagt. Auch wenn sie 1992 an den Olympischen Winterspielen in Albertville Erste wurde. Aerials war damals allerdings erst eine sogenannte Demonstrationssportart und wurde 1994 olympisch. 1998 in Nagano holte Colette Roth Bronze. Danach beendete sie ihre Karriere. «Ich hatte genug», sagt sie.

1998 freute sich Colette Roth über Olympia-Bronze – 28 Jahre später gewann ihr Sohn Noé Silber. Bild: Keystone-SDA

«Ich sagte ihm: ‹Du kannst machen, was du willst, aber ich fahre nach Livigno.›» Colette Roth

Wie die Mutter, so der Sohn Am 20. Februar 2026 ist Colette Roth wieder an Olympischen Winterspielen. In Livigno springt ihr Sohn Noé Roth um die Medaillen. Er ist der letzte Athlet oben im Anlauf der Schanze. Unten in der «Friends and Family»-Zone steht seine Mutter, in der Trainer-Zone sein Vater Michel, seit Jahrzehnten Schweizer Nationalcoach. Der Sprung gelingt. Michel Roth schreit seine Freude heraus, nach seiner Frau hat er nun auch seinen Sohn zu einer Olympia-Medaille gecoacht. Colette Roth denkt sofort: «Das ist eine Medaille. Wahnsinn!» Es wird Silber. Am nächsten Tag gibt es nochmals Silber, mit dem Team. Die Familie feiert. Am Morgen darauf sitzt Colette Roth im Treuhandbüro in Baar und macht Lohnabrechnungen. Seit 15 Jahren arbeitet sie als Payroll-Spezialistin bei der A&O Kreston AG, einem Dienstleister für KMU. Dezember bis Februar sind die stressigsten Monate.

Als ihren grössten Erfolg bezeichnet Collete Roth den Gewinn des Gesamtweltcups 1996.

«Dann komme ich mit dem Kopf unter dem Arm und arbeite, bis alles erledigt ist», sagt sie. Zahlen waren schon immer ihr Ding. Gewissenhaftigkeit und Belastbarkeit hat sie vom Sport ins Berufsleben mitgenommen. «Colette arbeitet extrem konzentriert und lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen», sagt ihr Chef. «Ich würde sie immer wieder einstellen.» Nicht nur, weil Colette Roth auf Wunsch ihre Olympia-Medaillen mit ins Büro bringt. Wenn ihr Sohn einen Wettkampf in der Nähe hat, dann muss sich das Büro hintenanstellen. Als kurz vor den Olympischen Winterspielen 2026 ihre Kollegin krank wurde, nahm Colette Roth zwar den Laptop mit, machte ihrem Chef aber auch eine Ansage: «Ich sagte ihm: ‹Du kannst machen, was du willst, aber ich fahre nach Livigno.›» Ihr Chef nahm es gelassen. «Es ist ein Geben und Nehmen», sagt er mit Blick auf Colettes flexible Arbeitszeiten. Für März 2027 hat sich Colette Roth schon einmal abgemeldet. Dann finden im Montafon die Weltmeisterschaften statt.

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Colette Roth war über zehn Jahre im Aerials-Weltcup unterwegs – und feierte dabei 13 Siege. Bild: Keystone-SDA

Mal nah, mal fern Ein gutes Omen für Noé Roth. Er schätzt es, wenn seine Mutter dabei ist. «Ich setze mich zwischen den Sprüngen gerne zu ihr», sagt er. Manchmal sprechen die beiden dann über seine Sprünge. Manchmal reden sie gar nichts. «Er ist gerne in ihrer Nähe», weiss der Vater und Cheftrainer Michel Roth. Dabei kommt es selten vor, dass Colette Roth ihren Sohn vor Ort springen sieht. Seit Noé und Michel auf gemeinsamer Mission unterwegs sind, bleibt Colette allein zu Hause. Wenn sie im Winter neben der Arbeit Zeit hat (und das Wetter mitspielt), geht sie Langlaufen. In Skischuhe zwängt sie sich nur noch einmal im Jahr – für den Skitag ihrer Firma. «Ich bin froh, wenn ich die Dinger schnell wieder ausziehen kann», sagt sie.

Fan ihres Sports ist Colette Roth aber weiterhin. Am Fernsehen fiebert sie mit. Hofft, dass es ihrem Sohn und den anderen Schweizer Athletinnen und Athleten gut läuft. «Am schlimmsten sind die Wettkämpfe, die man nur per Ticker verfolgen kann», sagt Colette Roth. Dann starrt sie aufs Handy und wartet, bis die FIS die Ergebnisse aktualisiert. Im Sommer fährt sie samstags gerne mit ins Jumpin, das Trainingszentrum mit den Wasserschanzen in Mettmenstetten, das Michel Roth vor 30 Jahren mitaufgebaut hat. Hier schaut sie dem Nationalteam zu. Und bringt sich ein. «Colette sagt ihre Meinung ehrlich und geradeheraus», sagt Michel Roth. Auch ihrem Sohn gibt sie hin und wieder ein kritisches Feedback. Der ist zwar nicht immer einverstanden, «aber meistens ist schon etwas dran», sagt Noé Roth. «Sie hat eben Ahnung vom Sport.»

Wäre der Trainerinnen-Job nicht auch etwas für sie? Colette Roth winkt ab. Und ihr Mann sagt mit einem Lachen: «Dafür hat sie nicht die nötige Geduld.»

Diskussionen am Familientisch Bei Noé und Michel Roth hat ihr Wort aber Gewicht. Die Familie spricht viel über den Sport. Diskutiert Herausforderungen, Szenarien, Lösungen. Als dem Aerials-Nationalteam kurz vor der Heim-WM 2025 im Engadin die Athletinnen auszugehen drohten, machte sich Colette Roth stark, trotzdem ein Mixed-Team für den Teamwettkampf aufzustellen. Michel Roth entschied sich, die 19-jährige Lina Kozomara mitzunehmen, die zuvor noch nie im Weltcup gestartet war. Zusammen mit Noé und Pirmin Werner


gewann Kozomara dann Bronze. Ein Jahr später an den Olympischen Winterspielen holte das Trio Silber. Noch ist Colette Roth die erfolgreichste Aerials-Athletin in ihrer Familie. Jedenfalls, wenn man die Weltcup-Podestplätze heranzieht. Michel Roth zeigt stolz eine Statistik auf dem Handy. Die ewige Bestenliste der Aerials-Athletinnen. Colette Roth belegt Rang sechs. «Sie war eine gute Wettkämpferin», sagt ihr Mann. Das habe Noé von ihr. Genauso wie die Eleganz im Sprung. Geht es so erfolgreich weiter, ist auch der Sohn bald unter den besten zehn der Geschichte. 37 Podestplätze. Und mindestens so viele Pokale. Kürzlich haben die Roths den Keller entrümpelt. Colette entsorgte alle ihre Trophäen. «Ich habe keine Beziehung zu den Pokalen», sagt sie. Jenen vom

Weltcup 1993 in La Plagne hat sich das Museum Burg Zug als Ausstellungsobjekt gesichert. Nur die Kristallkugel für ihren Sieg im Gesamtweltcup hat Colette Roth behalten. Sie steht im Wohnzimmer neben den zwei Trophäen ihres Sohnes.

Der Doppelsalto geht noch Ab und zu springt Colette Roth im Jumpin auf dem grossen Trampolin mit dem Akro-Bungee, bei dem man mit einem Gurt links und recht an zwei Bungee-Seilen befestigt ist. So fliegt sie dann durch die Luft, geniesst das Gefühl eines gelungenen Absprungs, dreht Doppelsaltos. «Das funktioniert fast noch wie früher», sagt sie. Wettkämpfe sind nichts mehr für Colette Roth. Weder im Langlauf noch beim Biken, ihrem grössten sportlichen Hobby.

Sie ist lieber für sich allein unterwegs. Geniesst die Bewegung. Schaltet ab von der Arbeit. Knapp 4000 Kilometer legt sie im Jahr auf dem Mountainbike zurück, BikeFerien inklusive. Lieber bergauf als bergab. Nach ein paar Stürzen bekommt sie es beim Downhill etwas mit der Angst zu tun. Sie bleibt lieber verletzungsfrei. Für die nächste Bike-Saison will sich Colette Roth ein neues Sportgerät gönnen. Aber sicher kein E-Bike. «Solange ich kann, fahre ich aus eigener Kraft», sagt sie. Und nur bei schönem Wetter. Und wenn gerade irgendwo ein Aerials-Weltcup stattfindet, dann sitzt sie vor dem Bildschirm und schaut zu, wie ihre «Jungs» an der Schanze stehen. In Skischuhen. Womöglich bei Schneegestöber und Minusgraden. Colette Roth vermisst das nicht. Text: Nils Sager

Heute steigt sie gerne aufs Bike, aber auch den Doppelsalto am Akrobungy beherrscht Colette Roth noch immer.

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Unser Skiclub

Der rollende Teppich von Ennenda

Schwünge, Kondition, Koordination: Auf der Teppich-Anlage lässt sich weit mehr trainieren als nur die Skitechnik. Bilder: zvg

Im Kanton Glarus kann man im Sommer Ski fahren – auf einer ungewohnten Unterlage und unter ungewöhnlichen Bedingungen. Hinter dem Projekt stehen sechs Initianten, unter ihnen der ehemalige Weltcup-Athlet Jürg Grünenfelder, der auch Technischer Leiter des Skiclubs Elm ist. Eigentlich beginnt alles mit einem Zufall. Marco Rast, ein IT-Unternehmer aus dem Zürcher Oberland, hat eine Vision, die mit seinem Beruf zunächst wenig zu tun hat. Er möchte dem Ski-Nachwuchs die Möglichkeit geben, auch im Sommer gezielt an der Technik zu feilen – in kurzen Hosen und auf einem Teppich. Als er dafür eine geeignete Halle sucht, kommt er mit Jürg Grünenfelder in Kontakt, was sich als Glücksfall herausstellt. Grünenfelder ist ein ehemaliger Weltcup-Fahrer, der 1998 mit dem 4. Platz in der Olympia-Abfahrt von Nagano den grössten Erfolg seiner Karriere feierte. Dem Skisport blieb er nach dem

Elf Meter lang, sechs Meter breit: Der rollende Teppich macht Skitraining ohne Schnee möglich.

verletzungsbedingten Rücktritt immer verbunden. Heute sitzt er als Technischer Leiter im Vorstand des SC Elm – und arbeitet in der Immobilienbranche in Glarus. Jürg Grünenfelder hilft, eine geeignete Halle zu finden und engagiert sich weit darüber hinaus. Im Herbst 2025 entscheiden die sechs Initianten, das Projekt in die Tat umzusetzen. Die Gründung der Motrain AG erfolgt im Februar 2026, wenige Monate später wird in Ennenda GL eine innovative Indoor-Trainingsmöglichkeit für Skifahrerinnen und Skifahrer eröffnet.

Skifahren ohne Schnee Skihalle? Schnee? Im Sommer? Mitnichten! Die Unterlage ist zwar weiss, aber es handelt sich um einen Teppich. Er ist sechs mal elf Meter gross, kostet 200’000 Franken und stammt aus den Niederlanden. Für den Umbau und die Einrichtung der Halle mussten zusätzlich rund 200'000 Franken investiert werden.

Der Teppich läuft auf einer steilen Rampe kontinuierlich nach oben. Das Tempo kann individuell auf die Fähigkeiten und Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer eingestellt werden. Maximal beträgt die Geschwindigkeit 35 Stundenkilometer. Ziel ist es, mit dem Angebot alle Alterssegmente anzusprechen. «Wenn es um den Rennsport geht, ist der Teppich für den Nachwuchs im Alter zwischen 12 und 16 ideal. Hier können sie technisch am meisten profitieren, ihre Position optimieren und vieles verinnerlichen, was ihnen in den Rennen zugutekommt», sagt Grünenfelder. Für den Nachwuchs des Skiclubs Elm ist die Halle ein besonderer Glücksfall. In der Vorbereitung auf den Winter trainieren rund 40 Kinder in Ennenda regelmässig, die 16 Jugendlichen der Renngruppe sogar wöchentlich. Willkommen sind aber nicht nur Clubs oder regionale Leistungszentren, sondern auch Quereinsteiger. Es gebe Kinder und Jugendliche, die nie oder kaum einmal mit ihren Eltern


Ski gefahren seien: «Vielleicht finden einige, die einmal zu Besuch kommen, Gefallen an diesem Sport.» Die Initianten haben keineswegs den Anspruch, ein Ersatz für das Fahren auf Schnee zu werden. Sie betrachten die Möglichkeiten in der Halle als Ergänzung – und als ideale Option, um fehlende Gletschertrainings zu kompensieren. Auch auf dem Teppich lassen sich technische Fähigkeiten und Automatismen

trainieren. Daneben spielen Kondition und Koordination eine Rolle. Je nach Übung und Talent können bis zu acht Athletinnen oder Athleten gleichzeitig fahren.

Die Skepsis abgelegt Grünenfelder hat beobachtet, dass einzelne Coaches der Anlage mit einer gewissen Skepsis begegnet sind. Sie änderten ihre Meinung aber mit dem ersten

Besuch – «weil sie sahen, wie intensiv und zielgerichtet trainiert werden kann. Man kann innerhalb von relativ kurzer Zeit so viele Schwünge üben wie sonst an einem ganzen Tag auf einem Gletscher - auch wenn der Teppich den Schnee nicht ersetzt. Der Widerstand ist anders, auch die Fliehkräfte sind nicht mit jenen auf der Piste vergleichbar.» Ein zentraler Aspekt ist für Grünenfelder die Nachhaltigkeit. Eine Skihalle mit Kunstschnee, wie sie beispielsweise in Deutschland oder den Niederlanden existiert, kam gar nie infrage. Das hat zum einen ökologische Gründe. In Ennenda muss die Halle im Hochsommer nicht heruntergekühlt werden, der Wasserverbrauch für die Bewässerung des Teppichs hält sich mit 15 Litern pro Stunde in Grenzen. Hinzu kommen finanzielle Gründe: Bau und Unterhalt einer Schneehallenanlage hätten den wirtschaftlichen Rahmen bei Weitem gesprengt.

Motrain sucht Verstärkung

Sechs Initianten machten aus einer Idee Realität: Seit diesem Sommer rollt der Skiteppich in Ennenda – eröffnet wurde er von Ex-Skirennfahrer Beat Feuz.

Mit der steigenden Nachfrage wächst auch der Aufwand für den Betrieb der Anlage. Deshalb sucht das junge Unternehmen Motrain nun eine engagierte Person, die spätestens ab Frühjahr 2027 die operative Betriebsleitung und die Geschäftsführung übernehmen kann. Bis dahin kümmern sich vor allem Romano Tomezzoli und Jürg Grünenfelder um den Betrieb der Anlage. Sie stehen den Kundinnen und Kunden teilweise auch selbst als Trainer und Instruktoren zur Verfügung. Die Initianten sind überzeugt, dass Motrain am Beginn einer spannenden Entwicklung steht. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass das Bedürfnis gross ist. Das erfreut Jürg Grünenfelder, aber es überrascht ihn nicht unbedingt: «Als junger Athlet hätte ich mir gewünscht, im Sommer eine solche Trainingsmöglichkeit zu haben.»

Frühere Weltcup-Fahrer: Mitinitiator Jürg Grünenfelder (hinten) und sein Bruder Tobias (vorne).

Text: Peter Birrer

SC Elm

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Kolumne

Wenn es schneit: Lächeln Sie – oder jubeln Sie wie ein Depp? Im olympischen Skicross-Rennen 2026 belegte Noémie Widmer, damals 18 Jahre alt, den 4. Platz – «ein Ausrufezeichen, aber noch nicht das Ende ihrer Ambitionen», wie auf Seite 50 dieser ­«Snowactive»-Ausgabe steht.

Text beschreibt er Peter Müller, den Erstklassierten, Pirmin Zurbriggen, den Zweiten, Karl Alpiger, den Dritten, Franz Heinzer, den Vierten. Über Daniel Mahrer, den Sechsten? Kein Wort. Ein Ausrufezeichen - so geht eisern!

Was ist der Anfang und was ein Ende? Bedeutet es das Ende ihrer Ambitionen, dass die Alpinfahrerin Lara GutBehrami zurückgetreten ist (S. 16)? Oder der Anfang eines neuen Lebens? Nimmt sie «Gewissenhaftigkeit und Belastbarkeit vom Sport ins Berufsleben mit», so wie es die frühere Freestylerin Colette RothBrand getan hat?

Zwölf Jahre später feierte Frehsner den nächsten Vierfach-WM-Erfolg – mit den österreichischen Abfahrerinnen. «Vier durften pro Nation starten, am Ende belegten vier von dir die ersten Ränge – nicht so schlecht», sagt Frehsner. Noch längst kein Grund zu jubeln wie ein Depp! Aber vielleicht: um glücklich zu sein? «Für mich ist Glück zu erkennen, wenn ich glücklich bin», sagt die Skicrosserin Chiara von Moos (S. 62). «Sprich zu erkennen, wenn ich an etwas Freude habe, wenn mich etwas zum Lächeln bringt, wenn ich jemanden zum Lächeln bringen kann.»

Ewig bleiben wir nicht, wie wir sind. Der Eiserne Karl sei gar nicht mehr so eisern, heisst es über Karl Freshner, den legendären Alpintrainer (S. 59). Über die WM-Ausbeute 1987 der Schweizer Abfahrer mit den Rängen 1, 2, 3, 4 und 6 sagt er heute: «Ich muss sagen: Schlecht sind sie nicht gefahren.» Ein Ausrufezeichen, aber noch nicht das Ende von Frehsners Ambitionen. Die Begeisterung scheint noch ähnlich gross wie einst – «ich habe nie gejubelt wie ein Depp», sagt Frehsner. Wie fiele das Urteil aus, wenn Frehsner noch genauso eisern wäre wie früher? Im

Erkannte Frehsner das Glück, glücklich sein zu dürfen, als vier Abfahrerinnen unter den ersten vier waren? Keine fünfte Fahrerin, die nur Sechste wird – perfekt, in einem gewissen Sinne. Oder doch nicht? «Wenn alles perfekt aussieht, wirkt das auf mich in einem gewissen Sinne abgehoben», sagt Chiara von Moos auch noch.

auf dünnem

Heisst für Fans des Schnee- und Wintersports: Wenn alles weiss und verschneit wäre, wirkte das in einem gewissen Sinne abgehoben. Was ist der Anfang und was ein Ende? Wann hört der Sommer auf und wo, wie, wann beginnt der Winter? Wenn bei Hitzesommern Snowfarming betrieben wird und Schnee unter Sägemehl Schnee zu bleiben versucht, gewissenhaft und belastbar (S. 34): Ist unter dem Sägemehl immer Winter? Es ist nicht so schlecht, wenn alles perfekt aussieht. Und wenn es nicht nur perfekt aussieht, sondern auch so ist, nennen wir es Glück. Wird es Sie zum Lächeln bringen, wenn nicht nur unter dem Sägemehl Winter zu sein scheint – sondern: Wenn es schneit? Oder werden Sie jubeln wie ein Depp? Zum Schnee, der fällt, würde der gar nicht mehr so eiserne Karl vermutlich sagen: «Nicht so schlecht – aber bloss nicht abheben.» Benjamin Steffen arbeitet für die Agentur

GECKO Communication sowie als Kolumnist und Autor für «Snowactive». Bis im Frühling 2024 war der Berner Sportjournalist bei der NZZ, für die er unter anderem über Ski Alpin schrieb.


Bundle-Preis von 89.90/Mt. beinhaltet das Mobilabo Iconic Mobile und ein iPhone Pro 18 mit Geräteplan inkl. Smart Upgrade und Flex Upgrade und versteht sich während einer Dauer von 24 Monaten, sofern das Bundle unverändert beibehalten wird. Aktivierungsgebühr 59.90.-. Weitere Infos auf sunrise.ch/iconic-bundle

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