uns an, aber wie.» «Ja, die können, wenn sie wollen.» «Glauben Sie mir, das war jedes Mal ein Zeugs, bis wir am Tisch sassen. Einmal hat er mich gebissen, dieser Kläffer.» «Also so richtig? Tut’s immer noch weh?» «Achwo, das war vor, warten Sie mal: Zweiundzwanzig Jahre dürften das schon sein.» «Achso, achso.» «Ürsu hiess der.» «Der Hümpu?» «Ja. Urs, der Bär. Komisch, dass ich mich noch an den Namen erinnere, nicht wahr? Aber wie die Beiz heisst, das weiss ich nicht mehr. Löcherhirni. Aber ich komme schon noch drauf.» «Beissende Hunde, die vergisst man halt nicht so schnell.» Beide lachen, derweil aus der Sprechanlage die Durchsage: «Das Zugteam der SBB begrüsst Sie im Intercity 51 von Biel nach Delémont, Laufen, Basel SBB. Der Zug hat derzeit eine Verspätung von circa sieben Minuten.» Der ohne Chäppi: «Deutsche Verhältnisse hier.» «Nicht grad.» «Gottlob.» Längere Pause. Der mit Chäppi: «Ich hatte einen Schweizer Sennenhund.» «Ohalätz.» Surprise 603/25
«Ja, die stellen noch etwas dar. Gute 60 Kilo bringen die auf die Waage.» «Aber der hiess nicht etwa Ürsu?» «Um Gottes willen nein. Benno.» «Jetzt aber nicht wahr, oder? So heissen die doch alle!» «Eben.» Beide lachen. Längere Pause. Dann wieder der mit Chäppi: «Eine schöne Strecke ist das, über Delémont.» «Jaja, das ist so.» «In Delémont hatte ich mal eine Bekanntschaft.» «Jetzt sagen Sie! Dann sind Sie fliessend im Französisch?» «Wo denken Sie hin! Sie kam aus Bern. Die hätte ich gern geheiratet, gopferteckl.» «Aber dann ging es in die Hosen?» «Das kann man wohl sagen. Sie hatte über Nacht einen anderen. Einen aus Le Locle. Nicht grad die feine Art, oder? Aber ist lange her. Und Sie, verheiratet?» «Das wäre mir noch!» Beide lachen, der mit Chäppi schlägt sich auf die Schenkel. Längere Pause. Der ohne Chäppi: «Rössli, so hiess die Beiz in Nidau.» «Hmm. Nicht dass ich wüsste.» «Ist ja schon lange her. Vielleicht hat die
jetzt auch zu. Wie die Metzg.» «Jaja, ein Jammer ist das.» Längere Pause. Der ohne Chäppi: «Ich Löli, die Räblus war’s.» «Nein, das ist nicht in Nidau, das ist auf der anderen Seite des Sees. Aber guter Spunten, würd ich meinen.» «Jetzt habe ich ein Gstürm.» «Macht nichts, in unserem Alter, gell. Soli, Delémont, hier steige ich aus.» «Aha, immer wieder Delémont, was?» Der ohne Chäppi zwinkert dem mit Chäppi zu, beide lachen. Der mit Chäppi: «Einen schönen Tag wünsche ich. Ab jetzt fährt der Zug rückwärts.» «Dann setze ich mich auf Ihren Platz. Alles Gute Ihnen.» «Vergälts Gott und eine schöne Fahrt.» Der Zug fährt an, der ohne Chäppi hockt sich auf den Fensterplatz gegenüber, holt das «20 Minuten» aus seinem Rucksack, eine Wasserflasche und das Handy.
In der Serie «Orte der Begegnung» begeben sich die Redaktionsmitglieder dorthin, wo in unserer funktionalen Welt ein Austausch stattfindet. 15