80. Jahrestag: Tschechien gedenkt der Helden der Operation Anthropoid (Seite 3)
Sudetendeutsche Zeitung Neudeker Heimatbrief
Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 161. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 74 | Folge 22 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 3. Juni 2022
VOLKSBOTE
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Tschechische Republik
Willkommen zum Sudetendeutschen Tag
Über 350 000 Flüchtlinge
Frohe Pfingsten und Grüß Gott in Hof
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat Tschechien an 358 048 Kriegsflüchtlinge Sondervisa ausgestellt.
Frohe Pfingsten und ein schönes Wiedersehen beim 72. Sudetendeutschen Tag in Hof.
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ber 83 000 Flüchtlinge haben in Prag Schutz gesucht, hat das tschechische Innenministerium am Sonntag mitgeteilt. Die Kriegsflüchtlinge erhalten 5000 Kronen (200 Euro) als monatliche Unterstützung und können außerdem einer Beschäftigung nachgehen. „Flüchtlinge aus der Ukraine dürfen sofort in den Arbeitsmarkt eintreten und benötigen keine Arbeitserlaubnis. Wir haben dies auf der Regierungssitzung genehmigt“, hatte Arbeitsminister Marian Jurečka (KDU-ČSL) Anfang März bekanntgegeben.
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Die Taube als Sinnbild des Heiligen Geistes, der an Pfingsten auf die Jünger herabkam.
Foto: Bistum Passau
ndlich ist nach der Coronapandemie wieder ein Sudetendeutscher Tag im gewohnten Rahmen möglich (ausführliches Programm siehe Ausgabe 21). Zentraler Veranstaltungsort ist die Freiheitshalle in Hof. Für Besucher, die mit dem Zug anreisen, wird ein Shuttleservice ab Hauptbahnhof angeboten. Politische Höhepunkte sind die Verleihung der Sudetendeutschen Karls-Preise an die Staatspräsidenten Klaus Werner Iohannis (Rumänien) und Wolodymyr
Selenskyj (Ukraine) am Samstag ab 10.30 Uhr sowie die Hauptkundgebung am Pfingstsonntag ab 11.00 Uhr mit den Festreden von Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, und Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern und Schirmherr der Sudetendeutschen. Kulturelle Höhepunkte sind die Verleihungen der Sudetendeutschen Kulturpreise 2022 sowie des Volkstumspreises am Freitagabend und der Große Volkstumsabend am Samstag. Am Pfingstmontag steht außerdem eine Wallfahrt nach Maria Kulm auf dem Programm.
Ex-Premierminister Andrej Babiš nutzt die Wirtschafts- und Energiekrise für seinen Präsidentschaftswahlkampf
Negativrekord in der EU: Inflation steigt in Tschechien auf 14 Prozent
„Za Babiše bylo líp“ – „Unter Babiš war alles besser“, mit diesem Slogan tourt Ex-Premierminister Andrej Babiš (ANO) derzeit durch die Tschechische Republik und hat damit inoffiziell den Präsidentschaftswahlkampf eröffnet, auch wenn der milliardenschwere Unternehmer jede Form von Kampagne bestreitet. Fakt ist: Die Tschechen leiden in der EU wirtschaftlich am härtesten unter dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, den Sanktionen und den Nachwehen der Corona-Pandemie. So ist die Inflation im April im Vergleich zum Vorjahr auf 14 Prozent nach oben geschossen, den höchsten Wert in der gesamten Europäischen Union.
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nsbesondere die Energiepreise sind in den vergangenen Wochen explodiert. Strom wurde innerhalb eines Jahres um 30,1 Prozent teurer, Erdgas um 44,2 Prozent und Kohle um 24,1 Prozent, berichtet das tschechische Statistikamt. Hinzu kommen Anzeige
„Za Babiše bylo líp“ („Unter Babiš war alles besser“) und „Zase bude líp“ („Es wird wieder besser werden“) steht auf dem Wohnmobil, mit dem Ex-Premierminister Andrej Babiš derzeit durch das Land tourt. Fotos: YouTube die Preissteigerungen für Benzin, die vor allem Pendler treffen. Während vor einem Jahr ein Liter Super rund 28 Kronen (1,13 Euro) kostete, sind es jetzt bis zu 45 Kronen (1,82 Euro) – ein Plus von 60 (!) Prozent. Insbesondere beim Gas steht die Prager Regierung vor dem großen Problem, die Versorgung überhaupt nachhaltig sicherstellen zu können – egal zu welchem Preis. Bislang deckte die
Tschechische Republik 90 Prozent ihres Gasbedarfs aus Rußland und hofft, auch mit deutscher Unterstützung, innerhalb der nächsten zwei Jahre auf amerikanisches LNG-Gas umsteigen zu können, das in deutschen Nordseehäfen entladen wird. „Hohe Energiepreise sind natürlich ein Problem“, räumt auch Babiš‘ Nachfolger, Premierminister Petr Fiala (ODS), ein und kündigt zumindest beim Strom
ein Entlastungspaket für die Bürger an: „Wir werden den Menschen einen Stromtarif anbieten, der einen bestimmten Preis bis zu einer bestimmten Verbrauchsmenge garantiert. Es wird den Menschen helfen und gleichzeitig ein Impuls für Sparsamkeit sein.“ Ungelöst bleibt das Problem vieler Bürger, daß auch die Preise für unverzichtbare Grundnahrungsmittel stark ansteigen. So
wurde Mehl um 52,3 Prozent teuer, Kartoffeln um 19,2 Prozent, Fleisch um 11 Prozent, Brot um 20,3 Prozent und Butter um 31,6 Prozent. Mit 21,4 beziehungsweise 15,2 Prozent kletterten auch die Preise für Bekleidung und Schuhe auf Rekordhöhen. Wie verletzbar die Wirtschaftssysteme in Tschechien und den anderen EU-Staaten durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die Sanktionen sind, zeigen die Importdaten, die Deutschlands führende Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem gemeinsamen Frühjahrsgutachten analysiert haben. So wurden bislang 95 Prozent aller Nickel-Importe aus Rußland bezogen. Und bei den Pflanzenölen war die Ukraine mit 88 Prozent der Importe der wichtigste Lieferant. Holz, das in die EU importiert wird, kam zu 80 Prozent entweder aus Rußland oder aus der Ukraine. Auch bei anderen Rohstoffen haben die Lieferausfälle verheerende Auswirkungen für die Wirtschaft und lassen die
Preise explodieren. So hat sich der Preis für eine Tonne Weizen von unter 200 Euro auf über 400 Euro mehr als verdoppelt. Die deutschen Wirtschaftsexperten warnen dann auch in ihrem gemeinsamen Gutachten, man steuere „durch schwieriges Fahrwasser“, was nicht nur für die deutsche, sondern für die gesamte europäische Wirtschaft zutrifft: „Die Auftriebskräfte durch den Wegfall der Pandemiebeschränkungen, die Nachwehen der Corona-Krise und die Schockwellen durch den Krieg in der Ukraine sorgen für gegenläufige konjunkturelle Strömungen. Allen Einflüssen gemeinsam ist ihre preistreibende Wirkung.“ Bereits in seiner Neujahrsansprache (kleines Foto) hatte Premierminister Fiala die Bürger vor schwierigen Zeiten gewarnt (Sudetendeutsche Zeitung berichtete). Damals war noch nicht vorstellbar, daß nur ein paar Wochen später mitten in Europa ein Krieg ausbricht. Torsten Fricke
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AKTUELL · MEINUNG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 03. 6. 2022
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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erhard Hermann ist Beirat des Landesvorstandes der Pan-Europa-Gruppe und ein Münchner, der sich stets für die übernationale und überparteiliche Europäische Einigungsbewegung einsetzt. Anläßlich seiner aktuellen Reise in die bayerische Landeshauptstadt traf sich der SL-Büroleiter Peter Barton mit ihm. Zu den Themen seines Gesprächs mit Hermann gehörte
PRAGER SPITZEN
auch die Arbeit unserer Landsleute im Egerland, das diesem Paneuropäer ganz besonders am Herzen liegt. Barton und Hermann vereinbarten eine engere Zusammenarbeit, die auch unseren sudetendeutschen Landsleuten von großem Nutzen sein kann. Hermann besucht das Egerland öfters, um den Heimatverbliebenen in diesem Teil der Tschechischen Republik mit seinem Rat behilflich zu sein.
Botschaft in Kiew wieder geöffnet
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er tschechische Botschafter Radek Matula und ein weiterer Diplomat sind in die tschechische Botschaft in Kiew zurückgekehrt. Insgesamt arbeiten derzeit fünf Diplomaten in der Vertretung, hat das tschechische Außenministerium am Donnerstag bekanntgegeben. Zuvor hatte Tschechien das Generalkonsulat in Lemberg wiedereröffnet.
Ganzseitiges Interview mit dem Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe in der Tageszeitung Lidové noviny
Posselt: „Putin geht es nicht um die Ukraine, sondern um Europa“
Gegründet 1893, ist die Lidové noviny (deutsch: Volkszeitung) nicht nur die älteste Tageszeitung in der Tschechischen Republik, sondern immer noch die renommierteste. Im Vorfeld des Sudetendeutschen Tags hat die Zeitung ein ganzseitiges Interview mit Bernd Posselt als Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und langjährigen Abgeordneten des Europäischen Parlaments geführt. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen, die in der tschechischen Politik auf großes Interesse gestoßen sind.
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inleitend fragte Redakteur Robert Schuster nach Wladimir Putin. Bernd Posselt: „Ich beobachte den russischen Präsidenten seit jenen Zeiten, als er Ministerpräsident wurde (1999, Anm. d. Red.) und völlig willkürlich den zweiten Tschetschenien-Krieg entfesselte. Dort kamen Tausende Menschen um, und spätestens von diesem Moment an war klar, wie gefährlich er ist. In Wirklichkeit geht es ihm nicht um die halbe Ukraine, auch nicht um die ganze, ihm geht es um Europa. Er bemüht sich schon zwanzig Jahre lang, dieses zu spalten, ein Eurasien mit Moskau als Zentrum zu schaffen. Deshalb begannen wir, zusammen mit einigen Freunden, vor Putin zu warnen. Als er dann nach der Annexion der Krim ein Verzeichnis mit 89 Personen herausgab, denen das Betreten Rußlands verboten war, da war auch ich unter ihnen. In diesem Verzeichnis befinden sich überproportional viele Tschechen, was mich sehr freut ...“.
Bernd Posselt Mit Blick auf die deutsche Öffentlichkeit stellte Posselt fest: „Meinungen unterliegen Wellen. Folglich ist es nicht ausgeschlossen, daß nach einer gewissen Zeit diejenigen wieder in der Überzahl sein werden, die auf eine Abmachung mit Rußland drängen. Ich glaube, der gefährlichste Moment wird kommen, wenn die Ukrainer die Situation zum Großteil wieder unter Kontrolle haben werden, die Russen nicht wissen werden, wie es weiter gehen soll und sich einstweilen mit der Kontrolle von Teilen der Gebiete in der Ostukraine begnügen. Dann, so befürchte ich, wird eine Appeasement-Politik starken Zuspruch bekommen, wie im Jahr 1938.“ Robert Schuster wollte von Posselt auch wissen, wie er „die sehr offensive Haltung des ukrainischen Botschafters in Deutschland, Andrij Melnyk,“ beurteile, der deshalb auch in der Kritik steht. Posselts Erwiderung: „Melnyk macht das hervorragend, und ich habe von ihm eine hohe Meinung. Viele fühlen sich von seiner Kritik betroffen, manche sind sogar beleidigt. Aber
Krieg ist nun mal kein Mädchenpensionat. Wenn mein Land von allen Seiten bedroht wird und über meinem Kopf fliegen Raketen, dann kann niemand erwarten, daß ich mich wie bei einem literarischen Nachmittagstee verhalte.“ Bezüglich der weiteren Entwicklung in der Ukraine meinte Posselt: „Putin ist jemand, der immer versucht zu testen, was er sich leisten kann. Sobald er merkt, daß er irgendwo auf Widerstand stößt, bremst er etwas ab, plant aber mit großer Beharrlichkeit weitere zukünftige Schritte. In dieser Hinsicht befürchte ich sehr, daß sich seine Aufmerksamkeit auf den westlichen Balkan richten könnte, wo leider Gottes ein großes Konfliktpotential vorhanden ist, und auch weil in Serbien, und in der Republika Srpska im Rahmen von Bosnien-Herzegowina, die Sympathien gegenüber Putin riesengroß sind.“ Die Ukrainer seien aber „sehr tapfere Kämpfer“ und hätten „das Zeug dazu, ihre Heimat zu verteidigen“. Weil es nicht möglich sei, daß Rußland die Ukraine dauerhaft unter Kontrolle bringe, würden die Russen sich eher aufgrund strategischer Erwägungen zurückziehen, aber nicht kapitulieren. Scharfe Kritik übte Posselt an der Verbindung zwischen der AfD, anderen Extremisten und dem Putin-Regime. Die AfD sympathisiere „immer noch mit Putin, wobei sie auch Geld aus Rußland bekamen. Die sogenannte eurasische Bewegung von Putins Hauptideologen Alexander Dugin habe auch eine Jugendsekti-
on, von denen einige Mitglieder der AfD halfen, ihren Apparat im Bundestag aufzubauen. Posselt: „Wenn Sie nach Frankreich blicken: Jean-Luc Mélechon ist ein brutaler Kommunist, Marine Le Pen wiederum eine brutale Faschistin. Ich kenne beide persönlich, weil sie Abgeordnete des Europäischen Parlaments waren. Beide bekamen Geld von Putin. In ähnlicher Weise haben Leute aus Putins Umfeld auch gewisse konservative Gruppen unterstützt – Hauptsache, sie waren gegen die EU.“ Zur europäischen Perspektive der Ukraine stellte Posselt fest: „Zuallererst muß die Ukraine einen Kandidatenstatus bekommen. Für die Mitgliedschaft als solche muß die Ukraine eine Menge von Voraussetzungen erfüllen.“ Die wichtigste sei, den Krieg zu beenden. Posselt: „Wir sehen aber schon jetzt, daß die EU wegen des Krieges in der Ukraine viele Dinge ganz anders sieht als vorher, zum Beispiel die Waffenlieferungen, was ich als großen Fortschritt in der europäischen Integration betrachte. Posselt warnte davor, diesen Prozeß zu blockieren, auch wenn es viel Geld kosten wird: „Wir müssen leider damit rechnen, daß Rußland nicht haltmachen und weitere Teile Europas unter seine Kontrolle wird bringen wollen, deshalb brauchen wir eine Absicherung in Form eines engen Bündnisses mit der Ukraine. Solidarität lohnt sich immer, während Egoismus vor allem dem Egoisten selbst schadet. Und der Nationalismus ist historisch eingefärbter Egoismus.“
Zeman: Frieden nur durch Ukraine-Sieg
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räsident Miloš Zeman hat am Donnerstag auf Schloß Lány seinen Schweizer Amtskollegen Ignazio Cassis empfangen. Nach dem Treffen lobte Zeman die Schweiz dafür, daß sie sich trotz ihrer Neutralität den EUSanktionen gegen Rußland angeschlossen hat. Man sei sich außerdem einig gewesen, daß der Krieg nicht durch einen faulen Kompromiß, sondern durch einen Sieg der Ukraine beendet werden müsse, so der tschechische Staatspräsident weiter.
Prag begrüßt EU-Erweiteruung
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ür einen Beitritt der Republik Moldau in die Europäische Union spricht sich der tschechische Außenminister Jan Lipavský (Piraten) aus. Die Aufnahme werde eine der Prioritäten der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte sein, so Lipavský. Die Republik Moldau hatte zusammen mit Georgien und der Ukraine am 3. März offiziell den EU-Beitritt beantragt, nachdem Rußland seinen Völkermord an der Ukraine begonnen hatte.
Selenskyj spricht zu den Tschechen
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er ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird am 15. Juni per Videoübertragung eine Rede vor dem tschechischen Parlament halten. Sowohl die Abgeordneten als auch die Senatoren werden die Ansprache in ihren jeweiligen Sitzungssälen verfolgen, gaben die Vorsitzenden der beiden Parlamentskammern bekannt.
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redaktionsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2022 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2022 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Torsten Fricke. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.
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AKTUELLES
Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 3. 6. 2022
„Josef Gabčík, Jan Kubiš und all die anderen, die an der Vorbereitung und der Beseitigung Heydrichs beteiligt waren und dafür mit ihrem Leben bezahlt haben, sind Helden, deren Taten und Verdienste niemals vergessen werden dürfen“, hat der tschechische Premierminister Petr Fiala dieser Tage zum 80. Jahrestag des erfolgreichen Attentats auf den Schlächter von Prag getwittert. Die Operation Anthropid, die Ausschaltung des sogenannten Reichsprotektors am 27. Mai 1942, war das einzige erfolgreiche Attentat gegen einen führenden Nazi-Verbrecher und Massenmörder im Zweiten Weltkrieg.
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� 80. Jahrestag der Operation Anthropoid: Tschechische Helden schalteten Reinhard Heydrich aus
Das mutige Attentat auf den Schlächter von Prag
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n dem Film „Die Macht des Bösen“ ist die legendäre Kommandoaktion der tschechischen Fallschirmjäger verewigt: Am 27. Mai 1942 fährt Heydrich im offenen Wagen durch Prag. An einer Biegung hatten die Unteroffiziere Gabčík und Kubiš einen Hinterhalt organisiert. Dann passiert die folgenschwere Panne: Kubiš‘ Maschinenpistole hat Ladehemmung. Er wirft daraufhin eine Anti-Panzer-Granate auf den Wagen, verfehlt jedoch den Innenraum. Splitter zerfetzen Heydrichs Körper, und Tage später, am 4. Juni 1942, erliegt der Schlächter von Prag im Krankenhaus einer Blutvergiftung. Der SS-Obergruppenführer war einer der ranghöchsten Planer des Holocausts und damit maßgeblich mitverantwortlich für die Ermordung von über sechs Millionen Menschen. Verletzt wird durch die Explosion auch Kubiš selbst, dennoch gelingt den beiden Fallschirmjägern zunächst die Flucht. Am Tatort muß Kubiš aber sein blutverschmiertes Fahrrad zurücklassen. Jindřiška Nováková, ein damals 14jähriges Mädchen, wird in dieser Situation ebenfalls zur Heldin. Das Mädchen, dessen Eltern sich dem Widerstand angeschlossen hatten, geht zum Tatort und schafft das Fahrrad weg. Die Konsequenzen sind fürchterlich. Durch Verrat wird die Familie von der Gestapo entdeckt und später im KZ Mauthausen von den Nazis ermordet. Die Fallschirmjäger und deren weitere Helfer können sich zunächst mit Hilfe des Bischofs Gorazd in der Kirche St. Cyrill und Method in Prag verstecken. Doch Karel Čurda, ein ehemaliger Widerstandskämpfer (der nach dem Krieg zum Tode verurteilt und gehängt wurde), verrät der Gestapo seine ehemaligen Kame-
Ein historischer Moment im (sudeten-)deutsch-tschechischen Verhältnis: Bayerns damaliger Ministerpräsident Horst Seehofer und Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volkgruppe, gedenken 2011 der Opfer des von Deutschen verübten Massakers von Lidice. Foto: Archiv Sudetendeutsche Zeitung
Tschechische Nationalhelden (von links): Jindřiška Nováková, Josef Gabčík und Jan Kubišk. Fotos: Wikipedia
Marie Šupíková vor dem Kriegsverbrechergericht in Nürnberg. raden und 294 weitere Widerstandsmitglieder, die später alle im KZ ermordet werden. Bei dem anschließenden Feuergefecht mit der Wehrmacht sterben Gabčík und Kubiš und die anderen Helfer. Vor der Kirche erinnert heute eine Gedenktafel an das blutige Drama. Doch der Rachefeldzug der Nazis ist damit nicht beendet. Weil zwei der festgenommenen Widerstandskämpfer aus dem
Ort Lidice (deutsch: Liditz) stammen, umstellen Gestapo und SS am Abend des 9. Juni den Ort nahe Prag und verüben ein grauenhaftes Kriegsverbrechen. Alle 172 Männer des Dorfes, die älter als 15 Jahre sind, werden in den Hof der Familie Horák gebracht, wo sie am Morgen des 10. Juni erschossen werden. Mit einem vierzehnjährigen, von seinem Vater mitgenommenen Jungen, beläuft sich die Zahl der am 10. Juni Ermordeten auf 173. Der Bürgermeister František Hejma, der die Identität der Opfer bestätigen mußte, wird als einer der letzten ermordet. Die 195 Frauen werden in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert, wo viele von ihnen die Strapazen nicht überle-
ben. Auch das Schicksal der Kinder von Lidice ist grauenhaft. Ein paar Waisen, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier 2021 vor der Foto: BPA/Twitter die nach Mei- Kirche St. Cyrill und Method. nung der Nazis „arisch“ aussehen, werden selek- es vollständig von der Landkartiert und zur „Germanisierung“ te zu tilgen. Zumindest letzteres in ein Lebensborn-Heim ge- gelingt nicht. Nach dem Krieg bracht. Die überwiegende Mehr- wird Lidice in unmittelbarer Näzahl der Kinder wird jedoch von he wieder aufgebaut und an Stelden Nazis in das Vernichtungsla- le des ursprünglichen Ortes eine ger Kulmhof deportiert und dort Gedenkstelle errichtet. in einem SS-Wagen vergast. Als eine der wenigen ÜberleDas gesamte Dorf Lidice wird benden kehrte Marie Šupíková, nach dem Massenmord in Brand die damals als 10jähriges Mädgesteckt, gesprengt und dann chen von den Nazis in ein Ledurch Angehörige des Reichs- bensborn-Heim verschleppt worarbeitsdienstes eingeebnet, um den war und später bei Pflege-
eletern aufwuchs, 1955 mit ihrem Mann und ihrer Tochter nach Lidice zurück. Bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen sagte Šupíková als Zeugin aus und rührte mit ihren schlimmen Schilderungen als „Mädchen von Lidice“ die Menschen weltweit. Im Alter von 88 Jahren verstarb sie im vergangenen Jahr am 22. März 2021. Lidice und das Attentat auf den Schlächter von Prag sind auch heute noch wichtige Erinnerungspunkte im (sudeten-) deutsch-tschechischen Verhältnis. So führte 2011 der zweite offizielle Besuch des damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, der von Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, maßgeblich organisiert und geplant worden war, auch nach Lidice. Die Bilder vom Gedenken der beiden Deutschen am Mahnmal wurden in der tschechischen Öffentlichkeit als wichtiges Signal für die Versöhnung gewertet. Ein Jahr zuvor hatte Posselt bereits mit dem damaligen bayerischen Unterrichts- und Kultusminister Ludwig Spaenle die Gedenkstätte besucht. Man verneige sich vor den hier im Jahr 1942 von den Nationalsozialisten ermordeten Mitbürgern und bitte um Vergebung für „jenen Teil der Schuld, den wir zu tragen haben“, sagte Posselt damals zu den Medien. Als ein großes Zeichen wertete die tschechische Politik auch die Geste von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der als erstes deutsches Staatsoberhaupt bei seinem Prag-Besuch im vergangenen Sommer an der Gedenktafel der Kirche St. Cyrill und Method der tschechischen Kriegshelden gedacht hat. „Der Mut der Widerstandskämpfer ist unvergessen. Nur wer aus der Geschichte lernt, kann gemeinsam die Zukunft gestalten. Wir sind uns unserer Verantwortung bewußt“, kommentierte damals der neue deutsche Botschafter in Prag, Andreas Künne, auf Twitter. Und Bundespräsident Steinmeier sagte dem Tschechischen Fernsehen, die tschechischen Bürger wüßten, daß beide Länder heute eine gute Nachbarschaft pflegen, „daß wir aber auch über eine schreckliche Geschichte miteinander verbunden sind“. Steinmeier: „Heydrich repräsentierte die deutsche Besatzung und die Gräueltaten, die von Nazi-Deutschland Tschechien angetan worden sind.“ Torsten Fricke
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TERMINE
Bis Samstag, 2. Juli, Ausstellung „Zápotek – Wenn du nicht mehr kannst, gib Gas!“. Tschechisches Zentrum, Prinzregentenstraße 7, München. Bis Freitag, 30. September: Sonderausstellung „Unser Mut. Juden in Europa 1945–48“. Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstraße 90, Berlin. Bis Sonntag, 30. Oktober: Sonderausstellung „Wilhelm Hager – Akademischer Bildhauer und Maler“. Egerland-Museum, Fikentscherstraße 24, Marktredwitz. Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni: 72. Sudetendeutscher Tag in Hof und der Euregio Egrensis (Ausführliches Programm siehe Sudetendeutsche Zeitung Ausgabe 21). Sonntag, 5. Juni, SL-Bezirksgruppe Oberfranken: Busfahrt zum Sudetendeutschen Tag (mit den Bussen soll der Gottesdienst erreicht werden). Oberfranken West: 6.30 Uhr: Bamberg Bahnhof; 7.00 Uhr: Lichtenfels Bahnhof; 7.20 Uhr: Burgkunstadt Raiffeisenparkplatz, Alter Postweg an der Hauptkreuzung; 7.45 Uhr: Kulmbach Bahnhof; 8.15 Uhr: Himmelkron Frankenfarm vor der Kirche. Oberfranken Ost: 7.15 Uhr: Pegnitz Wiesweiherparkplatz; bei Bedarf: Creußen an der Diska. 7.45 Uhr: Bayreuth Bahnhof; Bei Bedarf: Bindlach Bushaltestelle Bindlach Schule; 8.10 Uhr: Himmelkron Frankenfarm vor der Kirche. Anmeldung bei den Kreis- und Ortsobleuten oder bei Bezirksobfrau Margaretha Michel, Telefon (0 92 41) 36 54. Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni, Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland: Heimattag unter dem Motto „Wurzeln suchen – Wege finden“. Dinkelsbühl. Sonntag, 5. Juni, 14.00 Uhr, Vernissage: „Konkrete Kunst aus Mitteleuropa in der Sammlung Böhm“. In der Samm-
VERANSTALTUNGSKALENDER lung des Kunstsammlers Dr. Josef Böhm finden sich zahlreiche Künstler aus den deutschsprachigen Ländern sowie aus Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Rumänien, deren künstlerische Arbeiten zur Konkreten Kunst nach 1960 gehören. Die Ausstellung wird bis 14. August 2022 auf Schloß Königshain, Dorfstraße 29, Königshain gezeigt. Öffnungszeiten: dienstags, mittwochs und donnerstags: 11.00–15.00 Uhr; samstags und sonntag: 13.00–17.00 Uhr. Dienstag, 7. Juni, 19.00 Uhr: „Der Mann aus Prag. Ein besonderer Abend über Franz Kafka“. Musikalische Lesung mit Christiane Lemm und Kalle Kubik. Gerhart-HauptmannHaus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Freitag, 17. Juni, 10.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Totengedenken. Mahnmal der Sudetendeutschen am Friedhof Wehringen mit Pfarrer Hubert Ratzinger. Samstag, 18. Juni, 8.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Busfahrt nach München ins Sudetendeutsche Museum. Busbahnhof Erlangen. Anmeldung bei: Christoph Lippert, Telefon (0 91 32) 97 00 oder eMail erlangen@ackermann-gemeinde .de Samstag, 18. bis Sonntag, 19. Juni, Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel: 25. Wischauer Heimattreffen. Programmauszug: Samstag, 15.00 Uhr: Eröffnung der Ausstellung „Heimat im Gepäck“, Kirchstraße 47, Aalen-Fachsenfeld; Sonntag, 9.30 Uhr: Gottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche; 11.00 Uhr: Feierstunde in der Veranstaltungshalle Montag, 20. Juni, 17.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart, UdVF Stuttgart und BdV: Veranstaltung zum Weltflücht-
lingstag. Podiumsdiskussion mit Migrationsministerin Marion Gentges, Serkan Eren (STELP), Stadträtin Iris Ripsam, MdB a.D. und BdV-Landesvorsitzende. Kursaal, Königsplatz 1, StuttgartBad Cannstatt. Dienstag, 21. Juni, 19.00 Uhr, Adalbert Stifter Verein und Ústav pro studium totalitních režimů: „Adel heute“ – Podiumsdiskussion im Rahmen der Ausstellung „Kulturelle Brükken in Europa: Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945“. Moderation: Stephan Löwenstein (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Donnerstag, 23. Juni, 19.00 Uhr, Adalbert Stifter Verein in Kooperation mit dem Literaturhaus Oberpfalz | Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg und dem Tschechischen Literaturzentrum: „Grenzen, Nachbarschaften, neue Stimmen“. Lesungen und Gespräche mit Ulrike Anna Bleier, Dora Kaprálová, Markus Ostermair und Markéta Pilátová. Literaturhaus Oberpfalz, Rosenberger Straße 9, Sulzbach-Rosenberg. Eintritt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro. Reservierungen unter Telefon (0 96 61) 8 15 95 90 oder per eMail an info@literaturarchiv.de Sonntag, 26. Juni bis Samstag, 2. Juli, Heimatkreis Jägerndorf: Kulturfahrt in den Heimatkreis mit Teilnahme am Versöhnungsmarsch zum Gedenken an den Jägerndorfer Hungermarsch von 1946. Anmeldung bei Lorenz Loserth, Telefon (01 52) 53 63 60 79 oder eMail LorenzLoserth@googlemail.com Donnerstag, 30. Juni, 19.00 Uhr, Adalbert Stifter Verein in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur der LMU sowie der Literaturhandlung München: „Ein Gefangener unter Intellektuellen: H.G. Adler im Gespräch mit Jean Améry und Hannah
Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 3. 6. 2022
Arendt“. Vortrag von Jeremy Adler, Moderation: Philipp Lenhard. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Freitag, 1. Juli, 9.30 Uhr, Adalbert Stifter Verein, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Slavische Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Philosophische Fakultär der Karls-Universität Prag: „Handbuch revisited“. Kolloquium zur deutsch-böhmischen Literatur. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Samstag, 2. Juli, 10.00 bis 17.00 Uhr, Bayerischer Landesverein für Heimatpflege in Kooperation mit der Sudetendeutschen Heimatpflege: Liederlust im Vierklangrausch. Gesungen werden Lieder aus Bayern und dem Sudetenland. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Teilnahmegebühr 25 Euro. Anmeldung: www. heimat-bayern.de Freitag, 8. Juli, 14.00 Uhr, BRUNA, Heimatverband der Brünner: Festveranstaltung aus Anlaß des 200. Geburtstages von Gregor Mendel. Vortrag von Prof. Widmar Tanner, Regensburg, zum Thema „Von Erbsenexperimenten bis zu mRNA-Impfstoffen“. Pädagogische Hochschule, Hörsaal 1, 1. Stock, Oberbettringer Straße 200, Schwäbisch Gmünd. Samstag, 23. Juli: Brünner Versöhnungsmarsch. Die Landesgruppe Bayern organisiert eine Reise mit zwei Bussen (Nordund Südbayern) von Freitag, 22. Juli bis Montag, 25. Juli. Samstag, 23. Juli, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: „Na Uteku – Auf der Flucht“. Der Film dokumentiert das Schicksal der jüdischen Familie Weinstein aus Troppau. Anschließend Gespräch mit dem Troppauer Dieter Aust. Sportgaststätte des FSV Bruck, Tennenloher Straße 68, Erlangen.
Die Rückkehr der Inflation Dienstag, 14. Juni, 18.00 bis 20.00 Uhr: Online-Seminar: „Zeitenwende – Die Rückkehr der Inflation erfordert ein geldpolitisches Meisterwerk. Läßt sich die Preisdynamik überhaupt noch aufhalten?“. Gespräch mit Roland Friedrich, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bad Kissingen. Hilfspakete und Negativzinsen hatten eine enorme Nachfrage in allen Wirtschaftsbereichen ausgelöst. Dieser Nachfrageschub konnte aber aufgrund von Corona-Beschränkungen sowie der Unterbrechung von Lieferketten vielfach nicht bedient werden. Das führt zu höheren Preisen und Inflationsdruck, der nicht kurzfristig abgebaut werden kann. Nicht nur Energie und Lebensmittel wurden teurer. Die Preisdynamik hat bereits Güter und Dienstleistungen in der Breite erfaßt. Nun fordern auch noch die Gewerkschaften erwartungsgemäß hohe Lohnzuschläge, die zu einem ZweitRunden-Effekt mit einer sogenannten Lohn-Preis-Spirale führen. Die geopolitischen Risiken nehmen weiter zu. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
Buchpräsentation
Order 7161 Donnerstag, 23. Juni, 19.00 Uhr: Marc Schroeder stellt sein Buch „Order 7161“ vor. Moderation: Dr. Heinke Fabritius, Kulturreferentin für Siebenbürgen. Am 16. Dezember 1944 unterzeichnete Stalin den Befehl
7161ss zur „Mobilisierung und Internierung aller arbeitsfähigen Deutschen aus Rumänien, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien und der Tschechoslowakei. Anmeldung unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail an poststelle@hdo.bayern.de.
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SL-Landesgruppe Bayern
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SL-Bezirksgruppe Oberfranken
SL-Landesgruppe Nordrhein-Westfalen
Die SL-Bezirksgruppe Oberfranken grüßt anläßlich des Pfingstfestes alle Landsleute und Freunde. Margaretha Michel Frank Altrichter – Heidi Engelhardt – Rudolf Hüttner Adolf Markus – Dr. Dieter Piwernetz – Adalbert Schiller Berthold Streit – Günther Wohrab Ulrike Baier (Eghalanda Gmoi z´Forchheim) Burgi Erler (Braunauer in Forchheim) Uta Bräuer (Heimatstube Podersam-Jechnitz) in Kronach Eghalanda Gmoi z´Marktredwitz
Der Niederland Verlag wünscht allen Lesern einen schönen Sudetendeutschen Tag.
Die Landesgruppe Bayern der Sudetendeutschen Landsmannschaft grüßt ganz herzlich alle Landsleute zum 72. Sudetendeutschen Tag in Hof und im Egerland. Wir wünschen Ihnen, Ihren Familien und Freunden ein gesegnetes Pfingstfest und schöne Stunden im Kreise unserer stolzen Volksgruppe. Die Landesgruppe Nordrhein-Westfalen der Sudetendeutschen Landsmannschaft grüßt in landsmannschaftlicher Verbundenheit alle Teilnehmer des Sudetendeutschen Tages 2022 herzlich und wünscht frohe und erlebnisreiche Stunden in Hof und der Euregio Egrensis. Werner Appl Landesobmann
Steffen Hörtler Landesobmann Margaretha Michel Eberhard Heiser Hannelore Heller Dr. Sigrid Ullwer-Paul Bernhard Moder Stellvertretende Landesobleute Andreas Schmalcz Landesgeschäftsstelle
Niederlandverlag Johannes Liessel Waldmeisterstraße 14 80935 München eMai niederlandverlag@aol.com
60 Jahre Patenschaft der Stadt Wetzlar für das Ostdeutsche Lied
72. Sudetendeutscher Tag Die Stadt Augsburg – Patenstadt der Neudeker und Reichenberger – wünscht allen Teilnehmenden des Sudetendeutschen Tages 2022 schöne Begegnungen und viele Stunden der Wiedersehensfreude.
Auf Anregung des heimatvertriebenen Stadtverordneten Edgar Hobinka hat die Stadt Wetzlar im März 1962 eine Patenschaft für das Liedgut aus den ostdeutschen Vertreibungsgebieten übernommen. Auch heute nach 60 Jahren wird diese Patenschaft, deren Aufgabe es ist, diese Lieder vor der Vergessenheit zu bewahren, im Sinne des Initiators gepflegt. In Wetzlar entstand eine zentrale Auskunfts- und Sammelstelle für diese Lieder. Informationsblätter über die Tätigkeit der Patenschaftsstelle, deren Dienstleistungen unentgeltlich sind, können dort angefordert werden. Auch sind unter anderem zwei Liederbücher („Ostdeutsches Liederbuch“ und “Brücke zur Heimat“) sowie die Broschüre von Edgar Hobinka „In meinem Leben spielten Musik und Gesang eine wichtige Rolle“ zu je 5,00 Euro erhältlich. Patenschaft der Stadt Wetzlar für das Ostdeutsche Lied Hauser Gasse 17 35578 Wetzlar Telefon: 06441 99-1031, Fax: 99-1034 E-Mail: ostdeutscheslied@wetzlar.de
AKTUELL · KOLUMNE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 3. 6. 2022
� Untertitel auch in deutscher Sprache
� Mut tut gut
Oper in Prag: Kultur verbindet Einen freien Abend hat die SPD-Arbeitsgruppe (siehe unten) für einen Besuch der Aufführung „Rusalka“ von Antonín Dvořák in der Staatsoper in Prag genutzt (wobei jeder Teilnehmer seine Eintrittskarte privat bezahlt hat).
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as erst zwischen 2017 und 2020 vollständig sanierte Haus bietet neue technische Möglichkeiten, damit auch internationale Besucher die Handlung besser verfolgen können. Über der Bühne wird der Text in Tschechisch und Englisch projiziert. Doch damit nicht genug: Vor jedem Sitz befinden sich aufklappbare Kleinbildschirme, auf denen auch eine deutsche Untertitelung angeboten wird.
Während die Technik hochmodern ist, präsentiert sich das Haus ganz im Stil der Neurenaissance, wie es zwischen 1886 und 1887 durch das Wiener Architekten-Büro Fellner & Helmer für den Deutschen Theaterverein errichtet worden war. Dieses am 5. Januar 1888 eröffnete Neue Deutsche Theater war der deutschen Musikkultur verpflichtet und wurde mit Richard Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ eröffnet. Bis 1938 wurde das Haus vor allem von deutschen Industriellen Prags mit Spenden am Leben gehalten. 1923 wurde als erstes Stück eines tschechischen Autors „Die Sache Makropolus“ von Karl Capeks aufgeführt. UM
Ohne Geist geht nichts
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Im Parkett der Staatsoper Prag (von links): Volkmar Halbleib, Dr. Vera Grötzinger-Kück, Margit Wild und Ruth Müller. Fotos: Ulrich Miksch
� Erste Informationsreise der SPD-Arbeitsgruppe „Europäische Partnerschaft, Vertriebene und Aussiedler, Erinnerungskultur“
Bayerische SPD-Abgeordnete als Brückenbauer in Prag und Aussig Unter dem Titel „Europäische Partnerschaft, Vertriebene und Aussiedler, Erinnerungskultur“ hat die SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag im Herbst 2021 eine parlamentarische Arbeitsgruppe gegründet. Die erste Informationsfahrt hat die Volksvertreter jetzt in die Tschechische Republik geführt.
M
it dabei waren die Initiatoren, der vertriebenenpolitische Sprecher Volkmar Halbleib, Landtagsvizepräsident Markus Rinderspacher und die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Margit Wild. Weitere Teilnehmer waren die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ruth Müller sowie die beiden parlamentarischen Beraterinnen für die Europapolitik und für die Kultur- und Vertriebenenpolitik, Vera Grötzinger-Kück und Claudia Weigl, sowie der ehemalige Fraktionsvorsitzende Franz Maget als Vertreter des Vertriebenenbeirats der SPD-Landtagsfraktion und Peter Becher vom Adalbert Stifter Verein. Der Weg der Reisegruppe führte zuerst nach Prag ins Sudetendeutsche Büro, wo Peter Barton in die aktuelle Lage einführte und die gegenwärtig wichtigsten politischen Akteure skizzierte. Zweiter Stopp war die Bayerische Repräsentanz, die erst im Dezember 2014 eröffnet worden ist. Dort informierte Büroleiter Hannes Lachmann über die bayerisch-tschechischen Beziehungen nach der Pandemie. Ein Abendessen auf der Letná-Höhe führte die Arbeitsgruppe mit Vladimír Špidla, dem ehemaligen Premierminister und EU-Kommissar Tschechiens, Zuzana Schreiberová, der Leiterin des Multikulturellen Zentrums Prag, dem Leiter der Vertretung der Friedrich-Ebert-Stiftung in der Tschechischen und Slowakischen Republik, Urban Überschär, sowie dem wissenschaftlichen Mitarbeiter der FES in Prag und Präsidiumsmitglied der Seliger-Gemeinde, Thomas Oellermann, zusammen. An diese Gespräche knüpfte am nächsten Tag auch die Orientierung der Friedrich-Ebert-Stiftung durch Überschär und Oellermann an, die an einem besonderen Ort stattfand. Dort wo die SPD nach ihrem Verbot in Nazideutschland ihren Exilvorstand von 1933 bis 1938 arbeitsfähig hielt und wo Willy Brandt am 14. Mai 1990 auch eine Gedenktafel am Gebäude eingeweiht hatte, saß die Gruppe im hinteren Bereich einer dort betriebenen Pizzeria und ließ sich über aktuelle Aktivitäten der FES Prag informieren, darunter eine Fahrt im August zum Gedenken des 80. Todestages von Ludwig Czech, dem DSAP-Vorsitzenden von 1920 bis 1938 und Minister in der tschechoslowakischen Regierung zwischen 1929 und 1938. Der gebürtige Brünner starb nach seiner Deportation ins KZ Theresienstadt an den Folgen der Haftbedingungen, und erst 1993 besann sich die Tschechische Republik ihres vormaligen Ministers und brachte in einem Festakt gemeinsam mit der SG eine Gedenktafel an. Damals sprach der tschechische Präsident Václav Havel. Im Großen Speisesaal empfing der
Oben: In der Bayerischen Repräsentanz mit Dr. Hannes Lachmann. Unten: Mit den ČSSD-Politikern Vladimír Špidla, Tomáš Petříček und Michaela Marksová Tominová.
Oben: In der Ausstellung „Unsere Deutschen“ (von links): Dr. Vera Grötzinger-Kück, Petr Koura, Margit Wild, Ruth Müller, Markus Rinderspacher, Franz Maget, Claudia Weigl, Volkmar Halbleib und Dr. Peter Becher. Links: Vor dem Sitz der SPD-Exilorganisation SoPaDe 1933–1938 in Prag. Rechts: Vor der Gedenktafel in Aussig. Fotos: Ulrich Miksch Deutsche Botschafter Andreas Künne am Nachmittag die Delegation im Palais Lobkowicz, das noch aus den Tagen des 30jährigen Jubiläums der Botschaftsstürmung durch DDR-Flüchtlinge und deren glückliche Ausreise in die Bundesrepublik mit Fotografien geschmückt war. Man feierte am 28. September 2019 ein „Fest der Freiheit“ in der Botschaft und versank danach Corona bedingt in schwerere auch zwischenstaatliche Turbulenzen mit den bekannten Grenzschließungen. Daß der Ukrainekrieg nunmehr fast alles überschattet, war aus dem Munde des Botschafters zu hören und zu erwarten. Bemerkenswert dabei eine Zahl: Ein privater Spendenaufruf für Waffenlieferungen in die Ukraine erbrachte in den ersten Wochen des Krieges in der Tschechischen Republik über 30 Millionen Euro, neben all der humanitären Hilfe und der Aufnahme von über 300 000 Ukrainern im Lande, deren bemerkens-
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werte schnelle bürokratische Abwicklung den Botschafter beeindruckte. In den Räumen der Botschaft fand dann noch ein Pressegespräch mit dem Journalisten Robert Schuster der angesehenen Lidové noviny statt. Markus Rinderspacher und Volkmar Halbleib nahmen Stellung zu Positionen ihrer Partei, auch im Hinblick auf den Ukrainekrieg. Schuster war dankbar, daß sich nach zwei Jahren Corona endlich wieder deutsche Politiker in Prag sehen lassen. Im Anschluß fand dann noch ein Gedankenaustausch mit dem stellvertretenden ČSSD-Vorsitzenden für Außenbeziehungen und ehemaligem Außenminister Tomáš Petříček, der ehemaligen Ministerin für Arbeit und Soziales Michaela Marksová Tominová und Vladimír Špidla statt, wobei es um die Neuorientierung der bei den letzten Parlamentswahlen aus dem Abgeordnetenhaus gefallenen tschechischen Sozialdemokraten ging.
Den Abschluß bildete der Besuch der Ausstellung „Unsere Deutschen“ in Aussig, wobei die Gruppe von Museumsdirektor Václav Houfek und Ausstellungskurator Petr Koura empfangen wurde. Bei seiner Führung stellte Koura insbesondere die sozialdemokratischen Sudetendeutschen und deren Präsenz in der Dauerausstellung heraus. Beispielsweise findet sich die Ernennungsurkunde Ludwig Czechs zum Minister mit der Unterschrift Masaryks in der Exposition. Am Ende ihrer Reise suchten die Parlamentarier noch die ausschließlich tschechisch verfaßte Gedenktafel für den bis 1938 im Amt des Bürgermeisters der Stadt Aussig langjährig tätigen sudetendeutschen Sozialdemokraten Leopold Pölzl auf und gedachten anschließend an der Gedenktafel auf der Elbbrücke der sudetendeutschen Opfern, die bei den Gewaltexzessen am 31. Juli 1945 ermordet worden sind. Ulrich Miksch
ei Begegnungen zwischen Freunden oder Bekannten ist oft die erste Frage: „Wie geht‘s?“ Sicher wird diese Frage auch unzählige Male am Sudetendeutschen Tag gestellt, wenn Teilnehmer freudig aufeinandertreffen, die einander schon länger nicht mehr gesehen haben. So wie ich es selbst bereits mehrfach erlebt habe, ist es eine der wichtigsten Aufgaben dieses großen Heimattreffens, daß Menschen mit Vertreibungshintergrund oder mit anderer enger Beziehung zum Sudetenland einander begegnen und alte Beziehungen auffrischen. Daß dies auch heuer in Hof wieder wunderbar gelingen wird, davon bin ich überzeugt. „Wie geht‘s?“, fragen wir auch in unserem Alltag am häuslichen Mittagstisch und am Krankenbett, bei Verwandtschafts treffen, in Dienstgesprächen, bei Freizeitbegegnungen. Ihre Kraft entwickelt die Frage nur, wenn sie nicht floskelhaft, sondern mit ehrlichem Interesse geäußert wird. Sie ist dann mehr als eine höflich-nette Gesprächseröffnung, weil sie die Möglichkeit schafft, daß der Gesprächspartner sein Herz öffnet und etwas von seinem tatsächlichen Befinden offenbart. So kann das Zusammentreffen von zwei Menschen rasch an Tiefe gewinnen und zu einem lebendigen Austausch von Freud und Leid werden. Die Freude vergrößert sich, wenn man sie miteinander teilt. Umgekehrt wird das Leid im Austausch mit jemandem anderen oft erträglicher, weil es auf ermutigenden oder tröstenden Zuspruch stößt. An Pfingsten feiern wir Christen den Heiligen Geist als Lebenskraft Gottes. Er ist die Quelle aller Freude, aller Ermutigung und allen Trostes. Als dritte Person in der göttlichen Dreifaltigkeit ist er auch das Kommunikationsorgan Gottes mit der Welt und uns Menschen. Im Heiligen Geist interessiert sich Gott beständig für unser Wohl und Wehe und reagiert darauf. Schön drückt das der mittelalterliche englische Theologe Stephen Langton in einem lateinischen Pfingsthymnus aus. Hier die meisterhafte Übersetzung einiger Abschnitte von Maria Luise Thurmaier und Markus Jenny: „Höchster Tröster in der Zeit, Gast, der Herz und Sinn erfreut, köstlich Labsal in der Not. – Ohne dein lebendig Weh‘n kann im Menschen nichts besteh‘n, kann nichts heil sein, noch gesund. – Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit.“ Ohne den Heiligen Geist geht nach christlicher Überzeugung nichts, aber auch gar nichts. Als göttliches Kommunikationsorgan läßt er auch unsere menschlichen Begegnungen gelingen. Er schenkt uns Interesse, Offenheit und Einfühlungskraft für andere Menschen und führt unsere Gespräche aus der Oberflächlichkeit in die Tiefe. Jede Begegnung, die ich als erfüllend wahrnehme, führe ich deswegen auf das Wirken des Heiligen Geistes zurück und bin ihm dafür von Herzen dankbar. So wünsche ich allen Teilnehmern des Sudetendeutschen Tags freudvolle Begegnungen. Ich denke aber gerne auch an alle, die an diesem Ereignis nicht oder nicht mehr teilnehmen können. Mögen auch sie an Pfingsten durch die Kraft des Heiligen Geistes Freude, Ermutigung und Trost empfangen! Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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70 JAHRE HEILIGENHOF
Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 3. 6. 2022
Dr. Jan Čapek von der Universität Pardubitz kommt regelmäßig nach Bad Kissingen
Der Heiligenhof: Všechen život je setkání Die Universität Pardubitz pflegt seit über 20 Jahren intensive Kontakte zur sudetendeutschen Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“ sowie mit der ihr verbundenen Akademie Mitteleuropa in Bad Kissingen. Alle Studenten, die dort ein Wirtschaftsstudium absolvieren und parallel die Kenntnisse der deutschen Sprache vertiefen, verbringen mindestens ein Seminar auf dem Heiligenhof – eine Erfolgsgeschichte. Manche Studenten nehmen Anregungen auf und vertiefen diese in einer Facharbeit. Diese langjährige Partnerschaft ist der Initiative von Prof. Dr. Winfried Baumann zu verdanken. Mit Dr. Lenka Matusková und Dr. Jan Čapek wird diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit weitergeführt. Die beiden Dozenten kommen in der Regel mindestens zweimal im Jahr mit ihren Studenten zu „Mitteleuropäischen Begegnungen“ oder anderen Formaten auf den Heiligenhof. Von Dr. Jan Čapek
N
ach 1990 konnten sich Vertreter aller Länder auf dem
Germanistikstudenten. Sie können auf diese Weise nicht nur viel erfahren, sondern auch ihre Deutschkenntnisse wesentlich verbessern und sich für das weitere Studium motivieren. Das Programm der Seminare beinhaltet nicht nur Vorträge, es gibt auch Filmabende, Konzertund Museumsbesuche, Ausfahrten und Gemeinschaftsabende. Dieses Angebot findet bei den Teilnehmern einen großen Zuspruch, und deshalb kommen sehr viele schon über mehrere Jahre, sodaß der Heiligenhof für manche nicht nur eine Bildungsstätte, sondern auch wahre Heimstätte geworden ist. Für uns Tschechen war und ist Deutsch weitaus mehr als nur irgendeine Fremdsprache. In Böhmen und Mähren hat man zu Deutsch ein ambivalentes Verhältnis, denn in der Vergangenheit war Deutsch oft zwangsverordnet, benötigt, erstrebt, geliebt sowie verhaßt, verboten, verpönt, wiederentdeckt, neu bewertet. Zu intensiv und bewegt war die Geschichte des Deutschen in Böhmen und Mähren während der vergangenen 100 Jahre, zu viele Emotionen gab es im
Daniel Herman, damals tschechischer Kulturminister, bei seiner historischen Rede auf dem Sudetendeutschen Tag 2016. Foto: Fischer Heiligenhof in Bad Kissingen regelmäßig treffen und sich friedlich austauschen, um die zeitgeschichtlichen Entwicklungen zu verstehen. Dabei hat sich der Heiligenhof auch mit deutschtschechischen Beziehungen sowie mit der Problematik des Zusammenlebens der Deutschen, Tschechen, Slowaken und anderer Nationalitäten in der Tschechoslowakischen Republik und der Problematik der Vertreibung der Deutschen aus Ostmitteleuropa befaßt – getreu dem Motto des Heiligenhofs: „Alles Leben ist Begegnung“ – Všechen život je setkání. Die Vorträge und engagierten Gesprächskreise spielen sich stets in einer sehr konstruktiven Atmosphäre ab. Ziel der Veranstaltungen ist es, den Teilnehmern Informationen zu übermitteln und persönliche Ansichten in Gesprächen auszutauschen und zu überdenken. Das Sudetendeutsche Sozial- und Bildungswerk bereitet mit seinen Bildungsmaßnahmen Sudetendeutsche und Deutsche auf den offenen und ehrlichen Dialog mit den Tschechen vor. Manchmal gelingt es den Veranstaltern, ein Seminar zu organisieren, wo die Teilnehmer zwischen 18 und weit über 80 Jahre alt sind. Dies bedeutet eine große Bereicherung für alle Generationen. Darüber hinaus sind die ausländischen Teilnehmer meistens keine Muttersprachler, sondern
deutsch-tschechischen Verhältnis. Der spürbare Trend der letzten Jahre, daß das Deutsche europaweit mehr und mehr an Be-
Dr. Jan Čapek Geboren 1959 in Pardubitz. Studium an der Pädagogischen Hochschule Brünn in den Fächern Tschechisch und Deutsch. 1984 bis 1993 Gymnasiallehrer. Seit 1993 Lehrtätigkeit an der Universität Pardubice, Lehrstuhl für Fremdsprachen. 2006 Promotion an der Masaryk-Universität Brünn mit dem Thema: „Neueste deutsche Prosaliteratur der 1990er Jahre mit dem Thema der DDR“.
deutung verliert, gilt auch für Tschechien, obwohl es nahezu zu zwei Dritteln von Österreich und Deutschland umrundet ist, so daß sich viele grenzüberschreitende Aktivitäten im Fremdenverkehr, Sport, Kultur oder in der Wirtschaft und Erwerbstätigkeit ergeben. Darüber hinaus arbeiten in Tschechien rund 250 000 Beschäftigte direkt oder indirekt für deutsche, österreichische oder Schweizer Firmen, die Wirtschaft braucht also ganz viele deutschsprachige Mitarbeiter. Auch hier spielt der Heiligenhof eine wichtige Rolle. Das Bildungsangebot des Heiligenhofs, inklusive Unterkunft, Vorträgen, Verpflegung sowie Exkursionen in und außerhalb von Bad Kissingen bieten den tschechischen Teilnehmern die Möglichkeit, neue Erfahrungen, sprachliche und allgemeine historische, landeskundliche und kulturelle Kenntnisse sowie einen unmittelbaren Kontakt mit Muttersprachlern unter sehr günstigen Bedingungen zu sammeln. Der Direktor des Hauses, Steffen Hörtler, sowie die beiden pädagogischen Leiter, Gustav Binder und Ulrich Rümenapp, und die ganze Crew im Hause sorgen dafür, daß sich die Teilnehmer immer gut aufgenommen fühlen und jeden Aufenthalt sehr gut bewerten. Man kann hier eine andere Perspektive zum tschechischen historischen Gedächtnis entdecken, da das traditionelle Narrativ der tschechisch-deutschen Beziehung manchmal sehr belastet ist und ab und zu einseitig, subjektiv bzw. ideologisch geschildert wurde. In den letzten Jahren wächst Europa deutlich zusammen, Tschechen und Deutsche bilden nach vielen gemeinsamen Jahrhunderten im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation sowie in Böhmen, Mähren und Schlesien schon wieder durch die gemeinsame Mitgliedschaft in der EU und NATO eine eng kooperierende Einheit. Beide Völker sind nicht nur Nachbarn, sie sind auch kulturell, historisch und wirtschaftlich sehr eng miteinander verflochten. Deutschland ist für Tschechien der Handelspartner Nummer eins. Tschechien und Deutschland haben in den letzten drei Jahrzehnten gelernt, die jeweils andere Sicht auf trennende Momente der gemeinsamen Geschichte zu akzeptieren und gleichzeitig verbindende Momente zu schätzen. Beide Länder führen einen pragmatischen und zukunftszugewandten Dialog und treffen alle möglichen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Maßnahmen, um die russische Aggression zu stoppen und den Frieden in Europa wiederherzustellen. „Liebe Landsleute“, sprach der tschechische Kulturminister Daniel Herman die Teilnehmer auf dem Sudetendeutschen Tag am 15. Juni 2016 an, was mit Beifall aufgenommen wurde. Er drückte sein tiefstes Bedauern darüber aus, was in den 1930er und 1940er Jahren passiert war und das jahrhundertelange Zusammenleben von Deutschen und Tschechen in Böhmen, Mähren und Schlesien auf Dauer gestört hatte. Seine Rede war politische Bestätigung und Vollendung des im Jahre 1989 angefangenen Prozesses, in dem der Mauerfall sowie die Samtene Revolution im November 1989 die Rahmenbedingungen für das deutsch-tschechische Verhältnis grundlegend und nachhaltig verändert hat.
In Anlehnung an die Nibelungensage bauten die Kinder auf Burg Hohenberg ihre eigene „Etzelburg“.
Kinderfreizeit auf Burg Hohenberg 1967
Feuer und Flamme für die Nibelungen am Eisernen Vorhang Eiserner Vorhang, amerikanische GIs und eine NibelungenVorstellung, die zum gigantischen Lagerfeuer wird: Dr. Ortfried Kotzian erinnert sich an die Kindererholung auf Burg Hohenberg im Sommer 1967. Von Dr. Ortfried Kotzian
E
s war der legendäre Landesvorsitzende der Deutschen Jugend des Ostens (DJO), Dieter Hüttner, der später Bundesvorsitzender wurde, der Anfang der Sommerferien im Jahre 1967 das Schwabenlager in Au bei Illertissen (Bayerisch-Schwaben) besuchte. Hüttner war auf der Suche nach einem Leiter der Kinder erholung des Sudetendeutschen Sozialwerkes auf Burg Hohenberg an der Eger, dicht an der tschechischen Grenze gelegen. Als Leiter dieser Kinderfreizeit hatte Hüttner mich auserkoren. Er hatte wohl in Erfahrung gebracht, daß ich nach meinem Abitur den Sommer über Zeit hätte, da erst im Herbst der Wehrdienst oder das Studium beginnen würden. Ich stimmte schließlich zu und überredete noch zwei meiner Illertisser Gruppenmitglieder, das Abenteuer Betreuertätigkeit von 70 Kindern zu wagen. So bestiegen wir zu dritt wenige Tage nach dem Abbau des Sommerlagers der DJO Schwaben den Zug Richtung bayerischböhmisches Grenzland, um eine Quasi-Weltreise nach Burg Hohenberg zu unternehmen. Der Bahnhof war Schirnding, wo wir erstmals eine tschechische Lokomotive mit dem Roten Stern zu Gesicht bekamen. Auf der Burg angekommen, war dann alles anders als erwartet. Begrüßt von der Heimleiterin Edda wurde uns eröffnet, es gebe jetzt noch einen zweiten „gleichberechtigten“ Leiter der Kinderfreizeit, der sich bei der ersten dreiwöchigen Etappe schon bewährt habe. Die Entscheidung für die Neuregelung sei in München getroffen worden. Nach kurzer Zeit stellte sich heraus, daß der „Gleichberechtigte“ weder ein Konzept noch sehr viel Interesse hatte. Um nicht eine andauernde Konfliktsituation heraufzubeschwören, nahm ich meine Rolle an und entschied, als Generalthema die Nibelungensage zu wählen. Abschnittsweise sollte die Sage am Lagerfeuer erzählt, in Kleingruppen gespielt und auf diese Weise weitgehend verinnerlicht werden. Den Höhepunkt
aber sollte der Bau der „Etzelburg“, die es wohl in Ungarn gegeben hat, aus Ästen und Zweigen von Sträuchern bilden, wohin sich Attila, der Hunnenkönig, mit seiner verwitweten Krimhild zurückgezogen haben soll. Das Grobgerüst der Etzelburg wurde im Burggraben der Burg Hohenberg errichtet. Das Gebäude sollte so groß sein, daß darunter alle 70 Kinder und wir Betreuer zu einem Festgelage Platz finden können. Am letzten Sonntag sollten dann die Burgunder die Donau entlang zum großen Bankett bei Attila eintreffen, dort im Burggraben tafeln und schließlich im großen Gemetzel das Ende der Nibelungen besiegeln. Daran arbeiteten die Kinder mit ihren Betreuern. Der Weg, den die Kinder auf der bayerischen Seite der Grenze zurücklegten, war kilometerweit von der Burg aus zu sehen. Jeder und jede schleppte ein Bündel abgeschlagener Äste hinter sich her, was in der Trokkenheit des Sommers eine riesige Staubwolke auslöste, welche die Kinder wie ein großer Nebel einhüllte. Der Wind tat ein Übriges und trieb den aufgewirbelten Sand bis ins Egerland. Was sich die tschechischen Grenzwächter, die von Hohenberg aus sichtbar eine Grenzkaserne betrieben, dabei gedacht haben, entzieht sich leider bis zum heutigen Tag unserer Kenntnis. Für große Erlebnisse zwischendurch sorgten die Amerikaner, welche Burg Hohenberg als ihren Aussichtspunkt zur Grenzüberwachung auserkoren hatten. Schließlich war die Burg direkt am Eisernen Vorhang platziert, und wer vom Storchenturm nach unten blickte, der sah die Eger, wie sie sich schlängelnd von Bayern nach Böhmen bewegte, ein Grenzfluß, hinter dem sich das Niemandsland wie ein Glacis als ein freies Schußfeld ausdehnte. Vier Mal täglich fuhr der amerikanische Jeep von der Vorburg kommend, die damals noch nicht wieder aufgebaut war, durch den Torturm in den großen Burghof ein, jubelnd empfangen von den Kindern, die wie eine Traube an dem Militärfahrzeug hingen. Die amerikanischen GIs waren sehr kinderfreundlich, hatten immer Kaugummis und Schokolade dabei und verschenkten diese Lekkereien, die in der offiziellen Hohenberg-Verpflegung nicht vorgesehen waren, mit leichter Hand an die Erholungskinder. Ein besonderes Erlebnis war es, wenn man den Amerikanern
in den Beobachtungsturm, meist der Storchenturm, folgen durfte. Sie besaßen Ferngläser, deren Vergrößerungsfähigkeit sie durch die Fenster der tschechischen Grenzkaserne blicken ließ. Einmal ein solches Wunderwerk in den Händen halten zu dürfen und einen Blick durch die Okulare zu riskieren, war eine besondere Auszeichnung. Der größten Beliebtheit erfreuten sich seinerzeit die dunkelhäutigen Soldaten, je dunkler desto schöner. Sie waren besonders großzügig und wegen ihrer schneeweißen Zähne eine zusätzliche Attraktion. Ohne große Zauberei verstanden sie es, Kinder für sich einzunehmen. Als das Ende der Kinderfreizeit nahte, wurde die Gemeinschaft immer aufgeregter. Da tauchte die Frage auf, wer denn den grimmen Hagen oder den König Gunter spielen dürfe. Am Samstag vor der sonntäglichen Abreise sollte die große Attraktion starten. Bierbänke und Tische wurden unter dem Dach der Etzelburg platziert. Eine Spielfläche war frei zu lassen. Nach dem Festschmaus wurde gespielt. Den grimmen Hagen ereilte sein Schicksal durch den Schwertstreich der Krimhild. An diesem Abend konnte er nach seinem Nibelungentod wieder seine Rolle als Kindererholungsleiter einnehmen. Dann warteten alle gespannt auf die Dunkelheit. Auf der Burgmauer erschienen die Hunnen mit nacktem Oberkörper. Es waren die kleinsten Erholungskinder, welche in mühevoller Arbeit in den vergangenen drei Wochen Pfeile und Bogen gebastelt hatten und damit Schießübungen vollführten. Diesmal waren die Pfeile mit alten Lumpen umwickelt und wurden mit Schweröl getränkt. Auf der Burgmauer der Burg Hohenberg reihte sich Hunne an Hunne im Widerschein der brennenden Pfeile. Diese ergossen sich wie ein Regen auf die Etzelburg, auf der sofort die getrockneten Äste und das Reisigdach Feuer fingen und die ganze mühevolle Arbeit dreier Wochen in Flammen aufging. Meterhoch loderten sie in den Himmel – das schönste Lagerfeuer, das es auf Burg Hohenberg jemals gegeben hatte! Warum die Feuerwehr der Stadt Hohenberg nicht ausrückte, konnte trotz akribischer Forschungstätigkeit in den folgenden 55 Jahren nicht geklärt werden.
70 JAHRE HEILIGENHOF
Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 3. 6. 2022
In der Serie „70 Jahre Heiligenhof“ erinnert sich Dr. Ortfried Kotzian, der Vorstandsvorsitzende der Sudetendeutschen Stiftung, an die Gründung des Arbeitskreises für Volksgruppenrecht und Minderheitenfragen im Jahr 1977 auf dem Heiligenhof. Der Arbeitskreis unter Leitung von Prof. Dr. Rudolf Grulich hat von Anbeginn seiner Tätigkeit wichtige Impulse in diesem gerade für die Vertriebenen zentralen Thema gesetzt.
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� Dr. Ortfried Kotzian über die Gründung des Arbeitskreises für Volksgruppenrecht und Minderheitenfragen im Jahr 1977
erlebte er 1946 wie drei Millionen anderer Sudetendeutscher im Güterwaggon die Vertreibung aus seiner Heimat, und zwar mit Mutter, Großmutter und Urgroßmutter nach Creußen in Oberfranken. Vater und Großvater waren in Kriegsgefangenschaft. Die Kindheitserinnerungen an die Lager in Bayreuth und Creußen bis 1951, die Vielfalt der Vertriebenen in diesen Lagern aus allen Vertreibungsgebieten des Ostens, die Rückkehr von Vater und Großvater aus französischer und englischer Gefangenschaft in Ägypten und die Erfahrungen als katholisches Kind und Jugendlicher in der fränkischen Diaspora haben ihm viel für sein Leben gegeben. Seine Herkunft, der wissenschaftliche Werdegang und die Themen seiner zahlreichen Veröffentlichungen zeigen, daß der Raum zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, zwischen Moldau und Wolga in seiner ethnischen, sprachlichen und religiösen Vielfalt eine große Anziehungskraft auf ihn ausübt. Im Jahre 1978 wurde das Leitungsteam des Arbeitskreises durch einen weiteren sudetendeutschen Querdenker ergänzt – durch mich. Zunächst wurde ich zum stellvertretenden Leiter und 1979 zum gleichberechtigten Leiter ernannt. Somit standen dem Arbeitskreis bis 1994 mit Prof. Grulich, Kukuk und mir drei Personen vor. Nach dem Tode Erich Kukuks wurde sein Nachfolger als Studienleiter des Heiligenhofs, Carsten Eichenberger M.A., in den Führungskreis des Arbeitskreises gewählt, da er sich zuvor am Bukowina-
Institut in Augsburg mit Volksgruppenfragen beschäftigt hatte und seine Magisterarbeit zu einem relevanten Thema verfaßte: „Die Deutschen in Polen. Von der verleugneten Minderheit zur anerkannten Volksgruppe“. Nach seiner beruflichen Veränderung nach Paris ist Eichenberger seit Herbst 2000 Fachbereichsleiter am Haus der Heimat in Stuttgart. Inhaltlich gesehen waren die ersten zehn Jahre zweifelsohne die aktivsten Jahre des Arbeitskreises. In dieser Zeit wurden mehr Tagungen durchgeführt und mehr publiziert als in späteren Jahren. Die Zeitschrift des Arbeitskreises „Volksgruppen – Bausteine Europas“ erschien unter großen Mühen und engagierter Mitarbeit vieler Arbeitskreismitglieder mehr oder weniger regelmäßig. Im Mittelpunkt des Interesses standen damals sowohl die Situation einzelner deutscher und nichtdeutscher Volksgruppen und Minderheiten in Europa als auch grundsätzliche Fragen wie zum Beispiel „die Rolle der Kirchen und Konfessionen für die Identitätsfindung einer Volksgruppe“ oder „Modelle konfliktfreien Zusammenlebens verschiedener Volksgruppen in gemischt besiedelten Staatsgebieten“. Die historische Wende in Europa in den Jahren 1989 bis 1991 hatte das Thema Volksgruppenfragen zunächst an den Rand gedrückt. Wichtig war plötzlich nur der Zerfall der ideologischen Barriere zum Osten, der Untergang des Kommunismus, der Übergang zur Marktwirtschaft. Die Welt nahm an, daß mit der
Einführung demokratischer Strukturen Volksgruppenkonflikte menschlich und ohne großes Blutvergießen beseitigt würden. Dies erwies sich als folgenschwerer Irrtum. Der Untergang des Kommunismus ließ diese nationalen, ethnischen und religiösen Konflikte erst aufbrechen. Davor hatte der Arbeitskreis immer gewarnt. Am Tage X hätte die Politik über Modelle verfügen müssen, die das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Völker und Volksgruppen ermöglichen sollten, dachte man im Arbeitskreis. Das Problem war nur, die „große Politik“ hielt den Tag X gar nicht für möglich. Als dann die historische Wende eintrat, lamentierte die „große Politik“ darüber, „daß man das nicht habe ahnen können“. Wenig später stand man vor dem Scherbenhaufen europäischer Politik, zum Beispiel in Jugoslawien, in Moldawien, in Rusßland oder im Kaukasus. Alle völkerrechtlichen Voraussetzungen, über die immer wieder diskutiert wurden, waren im Machtpoker auf dem Balkan allzu schnell vergessen. Auch die gegenwärtige Situation in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion wurde nach Ansicht des Arbeitskreises massiv unterschätzt. Vor diesen Problemen, die sich meist auf ethnischer Basis abspielen dürften, können wir in Mitteleuropa nicht die Augen verschließen. Sie werden auch uns beeinflussen und in Mitleidenschaft ziehen. Der derzeitige Ukraine-Krieg ist ein mahnendes Beispiel. Bei gefährlichen Entwick-
lungen war die Leitung des Arbeitskreises manches Mal in historischen Augenblicken ganz in der Nähe; so zum Beispiel am 9. März 1990, als das litauische Parlament mit seiner Unabhängigkeitserklärung den Zerfall der Sowjetunion einleitete, oder beim ersten Estenkongreß in Reval/Tallinn, als die baltische Gruppe beim Europaparlament mit Dr. Otto von Habsburg an der Spitze kein Visum erhielt, der Arbeitskreis aber die Einladung der Demokratisierungsbewegung „Rahvarinne“ wahrnehmen konnte. Zuvor waren wir Gäste der Demokratiebewegungen „Sajudis“ (Litauen) und „Tartu Fron-tas“ (Lettland) gewesen. Eine der wichtigsten Veränderungen leitete Carsten Eichenberger, der die Studienleitung des Heiligenhofs 1995 übernahm, für die Seminare und Tagungen des Arbeitskreises ein. Er gewann vermehrt junge tschechische Studenten und Wissenschaftler von Fachhochschulen und Universitäten als Teilnehmer und als Referenten für den Arbeitskreis. Über die Begegnung von Sudetendeutschen aus dem Westen, in der Heimat verbliebenen Deutschen und jungen Tschechen wurden und werden Informationen und Vorstellungen ausgetauscht. Erich Kukuk hatte 1977 den Teilnehmern der ersten Tagung – außer Prof. Grulich und meiner Wenigkeit ist es vor allem Franz Teletzky, der beständig den Tagungen des Arbeitskreises die Treue hielt –, einen Überblick über die Aufgaben des Arbeitskreises mit auf den Weg gegeben: 1. Der Arbeitskreis soll die Thematik „Volksgruppenrecht“ in alle Bereiche und Gliederungen der sudetendeutschen Volksgruppe hineintragen und die Wichtigkeit einer völkerrechtlichen Verankerung dieser Zielsetzung in Europa und der Welt bewußt machen. Darüber hinaus sollen möglichst viele Sudeten-deutsche zu „Fachleuten auf dem Gebiet der Volksgruppen- und Minderheitenprobleme“ herangebildet werden. 2. Der Arbeitskreis soll Forum für die Begegnung der Vertreter der europäischen Volksgruppen in Europa werden. 3. Der Arbeitskreis soll die Entwicklung der europäischen Volksgruppen- und Minderheitenprobleme beobachten und möglichst große publizistische Tätigkeit entfalten. Das wohl wichtigste Dokument, das der Arbeitskreis zum Thema „Volksgruppenrecht“ in seiner Tätigkeit verfaßte, war die „Resolution über die Aufnahme des Volksgruppenrechtes in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland“. Sie wurde in die Debatte um die Verankerung von Volksgruppen- und Minderheitenrechten im Grundgesetz der wiedervereinigten Bundesrepublik Deutschland eingebracht. Es ist bekannt, daß diese beispielhafte historische Chance vertan wurde. Auch die Fortschritte im Europa-Parlament bezüglich einer Volksgruppencharta halten sich sehr in Grenzen. Dagegen sind die Fortschritte in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, vor allem durch die Kontrollmechanismen, sehr ermutigend und von besonderer Bedeutung.
� Prof. Dr. Rudolf Grulich
Philosophie, Katholischen Theologie und slawischer Sprachen in Königstein und Agram. n 1970–1972: Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung in München. n 1972–1975: Wissenschaftlicher Assistent an der Abteilung Katholische Theologie der Ruhruniversität Bochum. n 1975–1982: Assistent am Lehrstuhl für Mittlere und Neue Kirchengeschichte des Fachbe-
reichs Katholische Theologie der Universität Regensburg. n 1976: Promotion mit der Dissertation „Die unierte Kirche in Mazedonien“ in Regensburg. n 1980: Habilitation mit dem Thema „Der Beitrag der böhmischen Länder zur Weltmission des 17. und 18. Jahrhunderts“ in Würzburg. n 1982–1985: Direktor der Informations- und Dokumentationsabteilung des Internationalen Hilfswerkes Kirche in Not/Ostpriesterhilfe in Königstein.
n 1985–1988: Leiter des Institutum Balticum im AlbertMagnus-Kolleg in Königstein. n Seit 1988: Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien e. V. in Königstein. n Seit 1990: Honorarprofessor der Justus-Liebig-Universität Gießen. n Rudolf Grulich war verheiratet seit 1971, hat drei Kinder und ist verwitwet seit dem Jahre 2000.
Der Heiligenhof – Wiege des Volksgruppenrechts
Von Dr. Ortfried Kotzian
I
mmer wenn ich an der Universität Augsburg im Fach Politische Bildung ein Seminar besuchen wollte, das sich mit der „deutschen Frage“ oder der deutschen Ostpolitik befaßte und im Seminarraum nur ein klägliches Häuflein von Studenten saß, pflegte unser Professor für Didaktik der Sozialkunde, Dr. Johannes Hampel, zu sagen: „Es hat schon einmal einer mit Zwölfen angefangen…“ Und er schob die Frage nach: „Und was ist aus den Zwölfen geworden?“ Daran fühlte ich mich erinnert, als ich die Teilnehmerliste der ersten Tagung des „Arbeitskreises für Volksgruppenrecht und Minderheitenfragen“ heraussuchte und feststellte, daß darauf zwölf Personen verzeichnet waren. Im Frühjahr 1977 hatte der Studienleiter des Heiligenhofes, Erich Kukuk, zusammen mit Prof. Dr. Rudolf Grulich zu dieser Zusammenkunft eingeladen. Nur die besagten zwölf waren seiner Einladung gefolgt, obwohl die sudetendeutsche Volksgruppe doch einstmals drei Millionen Deutsche in Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien umfaßt hatte. Anscheinend waren „Volksgruppenrecht“ und „Minderheitenfragen“ keine aktuellen politischen Probleme, ging es doch damals sehr viel stärker um die Gültigkeit oder Ungültigkeit des Münchener Abkommens, um Heimatrecht und Wiedergutmachung der Vertrei-bung sowie vieles andere mehr. Schon wenige Monate nach seiner Gründung hat der „Arbeitskreis für Volksgruppenrecht und Minderheitenfragen“ auf das „-recht“ in „Volksgruppenrecht“ verzichtet und sich schlicht nur als „Arbeitskreis für Volksgruppen- und Minderheitenfragen“ bezeichnet, weil er seine spezifische Zielsetzung in der informellen Breiten- und Bildungsarbeit sah und sieht und nicht so sehr im Bereich der Ausarbeitung völkerrechtlicher Normen oder bedeutsamer Staatsverträge. Diese breitere Auffassung – nämlich ethnische Probleme zunächst zu erkennen, wahrzunehmen, darüber zu berichten und zu informieren, – hat dem Arbeitskreis in der Folgezeit sichtlich gut getan. Es war über Jahre hinweg ein Markenzeichen des Arbeitskreises: die freundliche, aufgeschlossene Atmosphäre, der kollegiale Umgang miteinander auch bei durchaus kontroversen Anschauungen und Sachthemen, die menschliche Nähe der Leiter und Mitarbeiter. Alle diese kameradschaftlichen Formen ließen Unterschiede des Standes, der Bildung, der Funktion in einer Landsmannschaft oder Vertriebenenorganisation unwichtig erscheinen. Obwohl es in der Geschichte des Arbeitskreises auch Reibungen gab, die nicht in das Bild der Anfangsjahre passen wollen, so kann festgestellt werden, daß in gleicher Weise, in der sich der Heiligenhof mit seinem Neubau und der neuen Studienund Verwaltungsleitung konsolidiert hat, dies auch bei unserem Arbeitskreis der Fall war. Neue interessierte Mitglieder stießen zu uns, die Themen unserer Jahrestagungen wurden wieder griffiger, aktueller und reizvoller, und der Heiligenhof selbst hat Volksgruppen- und Minderheitenfragen mit der Akademie Mit-
� Dr. Ortfried Kotzian n 19. April 1948: Geboren in Fellheim. Seine Eltern stammten aus Hohenelbe im Riesengebirge. n 1983: Promotion mit summa cum laude an der Universität Augsburg n 1989–2002: Leiter des Bukowina-Instituts. n 2002–2012: Direktor des Hauses des Deutschen Ostens. n Seit 2021 Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung SSBW. n Vorstandsvorsitzender der Sudetendeutschen Stiftung.
teleu-ropa vielfach in sein eigenes Programm aufgenommen. Erich Kukuk hatte bei der Gründung des Arbeitskreises 1977 einen Querdenker in der sudetendeutschen Volksgruppe mit der Leitung des Arbeitskreises betraut: Prof. Dr. Rudolf Grulich. Er tat dies, weil er die fachliche Kompetenz des damals 33jährigen besonders zu schätzen wußte. Rudolf Grulich hatte seinerzeit mit der Veröffentlichung eines Handbuchs „Nationale Minderheiten in Europa“ auf sich aufmerksam gemacht. Grulich beeindruckte bei jeder Tagung alle seine Zuhörer durch ein geradezu phänomenales Wissen über Volksgruppenfragen und durch überwältigende Sprachkenntnisse. Seine Auslandserfahrungen vergrößerten die Aufgeschlossenheit gegenüber ähnlich gelagerten Problemen in Europa, die sich als Vergleichsmaterialien zur sudetendeutschen Frage eigneten. Wer von den vielen Büchern in einem Dutzend Sprachen in Grulichs Privatbibliothek und von seinen eigenen Schriften auf seinen Beruf schließen wollte, käme in Schwierigkeiten: Ist er ein Theologe, Historiker, Slawist oder Völkerkundler, Islamforscher oder Literaturwissenschaftler? Ein Blick in seinen Lebenslauf (siehe Kasten) kann manches, aber nicht alles von der Vielfalt seiner Tätigkeitsfelder erklären. Geboren am 16. April 1944 in Runarz in der kleinen Sprachinsel Deutsch Brodek in Mähren,
„Alles Leben ist Begegnung“ lautet das Motto der sudetendeutschen Bildungsstätte „Der Heiligenhof“, von der immer wieder Impulse ausgehen. Foto: Dr. Vera Schneider
n 16. April 1944: Geboren in Runarz, Landkreis Mährisch Trübau. n September 1946: Vertreibung mit seiner Mutter nach Oberfranken. n 1963: Abitur am Humanistischen Gymnasium Christian Ernestinum in Bayreuth. n 1963–1965: Noviziat der Oberdeutschen Jesuitenprovinz in Neuhausen. n 1965–1970: Studium der
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FORUM
Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 3. 6. 2022
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schen Wald entfernt. War es nur die Vase oder auch die Familie selbst, die in den Bayerischen Wald gekommen war? Jedenfalls hat die Loetz-Vase noch einen erheblichen Wert. Die Glasexperten schätzten, 600 bis 800 Euro würde sie bei einer Auktion wohl noch erbringen. Doch sein Besitzer, dem die Vase erst gar nicht besonders ge- Die Loetz-Vase und ihr Besitzer. fallen hatte, beeindruckten die vielen interes- se große Glaskunsttradition aus santen Erläuterungen, so daß er deutscher Zeit. Und der Bürgersie keinesfalls mehr verkaufen meister dieser gegenwärtig kaum will. 260 Einwohner zählenden GeNoch immer beruft sich die meinde heißt Horst Hasenöhrl, heute tschechische Gemeinde wohl Nachkomme einer verblieUnterreichstein/Rejstejn, zu der benen deutschen Familie. Klostermühle gehört, auf dieUlrich Miksch
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dem Böhmerwald, die um 1900, wie Tiffany in New York, mit den gleichen Produkten überaus erfolgreich war. Nach dem Ersten Weltkrieg ging sie jedoch wirtschaftlich schwierigen Zeiten entgegen. Aus dem Impuls die Angebotspalette zu erweitern, entsprang wohl auch die Produktion der gezeigten 1923 hergestellten Glasvase, die wohl ihre Inspier Besitzer aus dem Von Loetz si- ration durch die SchuBayerischen Wald gniert. le von Nancy und ihren hatte die Vase von seiberühmtesten Vertrener Mutter geerbt. Ohter Emile Gallé bekam. ne die Signatur „Loetz“ Eine späte Wiederbeauf der mit Herbstlaub lebung des Jugendverzierten Vase wäre stils, die wenig bekannt sie wohl im Müll gelanund deshalb auch sicher det. Aber dieses „Loetz“ nicht gefälscht worden verhieß eine gewisse war. Berühmtheit, oder war Für das Unternehdies eine Fälschung? men kam mit der VerDie Glasexperten Irisierendes De- treibung der Deutschen konnten beruhigen. Die tail. aus der TschechoslowaVase war ein Original kei das komplette Aus. der vor allem mit metallisch iri- Wie die Vase in die Familie kam, sierenden Farbgläsern bekannt blieb unerwähnt. Klostermühgewordenen Manufaktur aus le liegt nicht so weit vom BayeriIn der Sendung „Kunst und Krempel“ des Bayerischen Fernsehens Ende Mai aus dem niederbayerischen Kloster Metten tauchte wieder einmal böhmische Glaskunst in Form einer scheinbaren Jugendstil-Vase aus der Kunstglasmanufaktur Johann Loetz Witwe aus Klostermühle im Wottawattal des Böhmerwaldes auf.
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Hans Slawik 75 Am 11. Juni feiert Hans Slawik, Stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Böhmerwaldbundes (DBB) und Obmann der oberbayerischen SL-Kreisgruppe München-Stadt und -Land, 75. Geburtstag.
Ü
ber seinen karpatendeutschen Vater fand der gebürtige Münchener zur Jugend der Karpatendeutschen und stieß 1966 zur Jugendgruppe der Böhmerwäldler, der heutigen Sing- und Volkstanzgruppe, der er immer noch angehört. 1973 heiratete der diplomierte Maschinenbauingenieur Renate Sowa, die ebenfalls aus der Singund Volkstanzgruppe kommt. Und mit Sohn Florian war die Familie komplett. Schon früh übernahm Hans Slawik Ämter wie die Gruppenleitung der Böhmerwald Singund Volkstanzgruppe, die Kas-
senführung der DJO, die Schriftführung des BdV-Kreisverbandes München oder den DBB-Landesvorsitz in Bayern. Dafür zeichnete ihn der seinerzeitige DBBBundesvorsitzende Ingo Hans mit dem Ehrenzeichen in Gold aus. Beruflich ging er seinem Dienst bei der Deutschen (Bundes-) Bahn nach. Er machte nie krank oder jammerte. Und so ist er wohl einer der wenigen Bundesbürger, die bis zur Vollendung des 65. Lebensjahres jeden Tag ihre Pflicht erfüllten. Für den Landesverband des Deutschen Böhmerwaldbundes hat er viele Jahre die Geschicke in seiner bekannt ruhigen und ausgleichenden Art geleitet. Wir wünschen Hans Slawik für die nächsten Jahre alles Gu-
te, viel Glück und vor allem Gesundheit, damit wir noch lange auf ihn bauen können. Renate Ruchty
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uch Volksgruppensprecher Bernd Posselt gratuliert dem guten Freund und unermüdlich aktiven Landsmann von Herzen: „Hans Slawik vereint in seinen Genen zwei Landschaften, die sich in vielem unterscheiden, aber auch manches gemeinsam haben. Dies ist zum einen der oftmals etwas rauhe Böhmerwald, in dem sich seit Jahrhunderten Deutsche und Tschechen begegnen. Zum anderen hat er, was die wenigsten wissen, familiäre Wurzeln in den pannonischen Weiten um Preßburg, auf der in der Donau gelegenen Schüttinsel, in Westungarn und
im Burgenland. Diese warten im Sommer und im Herbst mit recht hohen Temperaturen auf und führen Karpatendeutsche, Ungarn, Kroaten sowie Donauschwaben zusammen. Er ist ein Mann voller Temperament und gleichzeitig jemand, der es vorzüglich versteht, auszugleichen; ein fleißiger Organisator, aber auch jemand, der herzlich lachen und feiern kann. Ihm und seiner lieben Frau Renate ist in besonderer Weise gegeben, auch die nächsten Generationen für die sudetendeutsche Sache zu gewinnen durch die sympathische Mischung zwischen Bodenständigkeit und europäischer Offenheit. Ich wünsche ihm, seiner Frau und seiner ganzen Familie anläßlich seines Geburtstages von ganzem Herzen weiterhin viel Erfolg, Glück und Gottes reichen Segen.“
Aktive Braunauerin
Geburtsjahr, Heimatkreis
Burgi Erler †
Datum, Unterschrift Ich/Wir ermächtige/n die Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH (SVG), Hochstraße 8, 81669 München, Gläubiger-Identifikationsnummer DE04SVG00000003583, Zahlungen von meinem/unserem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein/weisen wir unser Kreditinstitut an, die von der SVG auf mein/unser Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Dabei gelten die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Wenn sich meine Kontodaten ändern, teile ich dies der SVG unverzüglich mit.
Kontobezeichnung (Kontoinhaber)
B
urgi Erler kam am 5. Oktober 1941 in Märzdorf im Braunauer Ländchen als ältere von
zwei Schwestern zur Welt. Nach der Vertreibung fand ihre Familie in Forchheim ein neues Zuhause. Sie erlernte den Beruf einer Finanzbuchhalterin. Seit 1991 half sie bei der Organisation und Abrechnung der Braunauer Heimattage in Forchheim. In ihrer Heimatgruppe in Forch-
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heim übernahm sie die Finanzen, plante Gruppenaktivitäten mit, besuchte Kranke und organisierte Tagesausflüge. 2019 wurde sie in den Braunauer Heimatkreisrat gewählt. Auch dem Tierschutzverein Forchheim opferte sie mehrere Jahrzehnte ehrenamtlich ih-
re Freizeit als Finanzverwalterin. Ihre Landsleute und Mitarbeiterinnen im Tierschutzverein Forchheim werden ihre immer liebenswürdige Burgi sehr vermissen und sie ehrend in Erinnerung behalten. Eberhard Heiser
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ZEITGESCHICHTE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 3. 6. 2022
� Ukraine gestern und heute
Flucht, Verschleppung und Tod Morgen zeichnet die Sudetendeutsche Landsmannschaft den ukrainischen Staatspräsidenten Wolody-
S
eit 24. Februar fliehen Menschen aus der Ukraine vor russischen Soldaten. Das geschieht nicht zum ersten Mal. Bereits vor 80 Jahren flohen Menschen aus der Ukraine vor russischen Soldaten. Damals waren es Deutsche. Die Fluchtwege ähneln sich, die Schicksale ebenfalls. Meine Großmutter kam als Anna Gutwin am 9. Juni 1907 in Eigenfeld bei Jekatarinoslaw, dem heutigen Dnipro, zur Welt. Ihre Vorfahren waren deutsche Siedler, die Katharina die Große in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ins Land gerufen hatte. Wenige Kindheitsjahre lang erlebte sie noch das Zarenreich. Die Eltern besaßen einen großen Hof und eine Getreidemühle. Mithin galten sie den Bolschewiki nach der Revolution als Kulaken. Annas Mutter Karoline war eine geborene Grandson. Nach dem Tod ihres Mannes Friedrich Gutwin, dem sie sieben Söhne, der jüngste hieß Benjamin, und die Tochter Anna schenkte, heiratete sie Alexander Grün, mit dem sie den Sohn Alexander hatte. Noch gab es deutsche Schulen. Anna besuchte in Chortitza und Halbstadt die Lehrerbildungsanstalt. 1927 heiratete sie den rußlanddeutschen Brückenbau-Ingenieur Alexander Zernickel, 1928 kam Tochter Tamara zur Welt. 1931 starb Alexander Zernickel. Anna Zernickel machte ihr zweites Staatsexamen und lehrte Deutsch erst an deutschen, dann an russischen Schulen. 1937 heiratete sie den Mathematiklehrer Otto Ullmer. 1938, wenige Wochen vor der Geburt der Tochter Ira, verhaftete ihn der NKWD. Er soll Anfang der 1940er Jahre umgekommen sein. Viele Deutsche im europäischen Teil der Sowjetunion ließ Stalin schon Jahre vor Beginn des Rußlandkrieges verschleppen. Nur wenige, hauptsächlich Frauen und Kinder, blieben zurück. Als im Oktober 1941 bei Näherrücken der Front auch sie deportiert werden sollten, versteckte sie ein russischer Nachbar bis zum Eintreffen der deutschen Truppen. Danach war Anna Ullmer mit ihren Töchtern Tamara und Ira sowie ihrer bald 70jährigen Mutter Karoline Grün jahrelang auf der Flucht. Diese führte sie über Polen, Oberschlesien und Böhmen und endete im Frühjahr 1945 auf der Schwäbischen Alb. Ihren Neffen Benjamin „Bantje“ Gutwin, den Sohn ihres Bruders Benjamin, hatte der NKWD in den Gulag verschleppt. Er gehörte in den 1990er Jahren zu den Spätaussiedlern. Bei einem Familientreffen bat ich ihn, mir seine Erinnerungen aufzuschreiben. „Es ist unmöglich, die ganze Wahrheit aufzuschreiben. Sie ist zu grausam.“ Dennoch erhielt ich am 22. November 2000 einen handschriftlichen Brief mit der Überschrift „Auszüge aus meinem Leben“. „Als der Krieg 1941 ausbrach, war ich 18 Jahre alt. Ich wohnte in einer ukrainischen Siedlung Pologi bei meinem Onkel Alexander ,Sascha‘ Grün. Er war Deutschlehrer in der Mittelschule. Die Armee zog alle meine Mitschüler ein. Ich bekam keine Vorladung. Nach dem Schulabschluß arbeitete ich im Kolchos als Feldarbeiter. Als die deutschen Truppenteile schon nahe an den Dnjepr herangerückt waren, bekamen mein
myr Selenskyj mit ihrem Europäischen Karls-Preis aus. Grund ist seine Tapferkeit im Krieg gegen Rußland, das die
Onkel und ich den Befehl, sofort Pologi zu verlassen. Wir hatten drei Stunden Zeit, um den Bahnhof zu erreichen. Der Zug war voll mit Judenfamilien und hinterbliebenen Familienmitgliedern von geflohenen Parteimännern. Wir konnten nichts mitnehmen. Wir fuhren über Stalingrad nach Poworino.
Ukraine völkerrechtswidrig angegriffen hatte. Nadira Hurnaus, deren Vater aus Mährisch Schönberg und deren
Urdschar. Urdschar ist 75 Kilometer von Ajagus entfernt, fünf Tage waren wir unterwegs. Es war schon Spätherbst, und die Arbeiten in den Kolchosen gingen zu Ende. Wer auf Arbeit kam, bekam für den Arbeitstag ein Kilogramm gebackenes Brot, weiter nichts. Wenn keine Arbeit war, war auch kein Brot. Dann meldete ich mich in einer Ma-
Schwiegermutter aus Sankt Katharina im Egerländer Kreis Tachau stammten, schildert ihre mütterlichen Wurzeln in
Unsere Endstation war die Stadt Borowsk bei Solikamsk. In Gemüselagern bekamen wir Unterkunft. Die Bretter für die Pritschen holten wir uns aus dem Schnee. Sie waren gefroren und vereist. Aus einer Blechtonne wurde ein Ofen gemacht. Bettzeug gab es nicht. Zu essen gab es täglich 600 Gramm nasses Schwarzbrot und dreimal ei-
Tamara Rieger/Zernickel, Karoline Grün/Granson, verwitwete Gutwin, Nadira Klein, Ira Klein/Ullmer und Anna Ullmer/Gutwin, verwitwete Zernickel, 1962 sowie Anna Ira Hurnaus. Einen Monat später kam der berühmte Ukas. Alle Deutschen von der Wolga wurden nach Sibirien, Kasachstan und Mittelasien verschleppt. Alexander und ich bekamen eine Anordnung vom NKWD, daß wir diesen Ort ohne Erlaubnis vom NKWD nicht verlassen dürfen. Am nächsten Tag brachte man uns zu einem Sammelpunkt, und mit einem Güterzug kamen wir nach Stalingrad. Auf der Wolga kamen wir per Schiff nach Astrachan und stiegen in ein Meeresschiff. Wir überquerten das Kaspische Meer und stiegen in Gurjew aus. Nach Gurjew kam die schlimmste Zeit. Wir mußten wieder in einem Güterzug durch ganz Mittelasien reisen. Die Route war Gurjew – Kandagatsch – Aralskoje More – Kysyl-Orda – Tschimkent – Aschambul – Alma Ata – Ajagus. Die Fahrt dauerte über einen Monat. Kein Essen. Trinkwasser konnten wir auf den Stationen aus Blechtonnen holen. Die Tonnen waren verrostet, das Wasser warm und verseucht. Viele litten deshalb an Durchfall, Arzneimittel gab es keine, Toiletten ebenfalls nicht. Besonders schwer war es für die kleinen Kinder. Nach drei Wochen kamen wir in Ajagus an. Dort warteten auf uns die mit Ochsen eingespannten Fuhren aus den Kolchosen vom Dorf
schinen-Traktor-Station (MTS) als Schlosser. Ich reparierte landwirtschaftliche Maschinen. Im Januar 1942 wurden Onkel Alexander und ich mit allen anderen Deutschen in die Trudarmee rekrutiert [Trudarmee ist ein Euphemismus für eine militarisierte Form der Zwangsarbeit vor allem für Rußlanddeutsche.]. Wir wiederholten den Weg von Urdschar nach Ajagus. Und wieder im Güterzug fuhren wir bis Solikamsk. Ein Monat lang waren wir auf dem Weg ohne Versorgung. Im Waggon waren Pritschen in zwei Stufen aufgestellt für 40 Männer. Wir lagen auf den Pritschen einer an den anderen gepreßt. Wasser gab es keins zum Waschen, anstatt Wasser gab es Schnee, Essen bekamen wir auch keins.
nen halben Liter Balanda. Balanda sollte eine Suppe sein, war es aber nicht. Es war gekochtes Wasser mit ein paar Stückchen Kohlblättern ohne Schmalz oder Fleisch. Warme Kleider hatten wir noch nicht, die bekamen wir viel später. Unser Lager umgab ein hoher Bretterzaun, ,geschmückt‘ mit Stacheldraht. An den Ecken standen Wachtürme mit Schützen. In der dunklen Zeit beleuchteten Scheinwerfer das ganze Lager. Unsere Arbeitsstelle war die Kama, ein Nebenfluß der Wolga. Mit Brecheisen holten wir Baumstämme aus dem Eis. Jeden Tag mußten wir acht Kilometer hin und acht Kilometer zurücklaufen und außerdem zwölf Stunden hart arbeiten. Kalt war es bis minus 45 oder 50 Grad. Solche Ver-
der Ukraine und die parallelen Schicksale von Ukrainern heute und Deutschen vor 80 Jahren.
hältnisse hält ein Mensch nicht lange aus. Noch einen großen Einfluß auf das Überleben hatte die psychische Unterdrückung. In dieser Zeit kamen die meisten Trudsoldaten um. Hunger, Frost, Zwangsarbeit und seelische Folter waren unsere größten Feinde. Als Schlosser wurde ich nach drei Wochen mit einer Brigade nach Pyskor in eine Ziegelei geschickt. So kamen Onkel Sascha und ich auseinander. Er kam ins zweite Lagerrayon Solikamstroj GULAG MWD SSSR (Hauptlagerverwaltung des Ministeriums für Innere Angelegenheiten der UdSSR). In Borowsk wurde eine große Pulverfabrik errichtet. Dort wurde auch die Munition für den Minenwerfer Katjuscha erzeugt. Für den Bau brauchte man viele Ziegelsteine, die mußten wir in der Ziegelei in Pyskor herstellen. Nach einer Lungenentzündung war ich körperlich so schwach, daß ich darauf achten mußte, daß mich der Wind beim Gehen nicht umkippte. Deshalb wurde ich in die Feuerwehr überführt. Und das war meine Rettung. Ich hatte Kontakt mit den Einwohnern von Pyskor und konnte mir öfters mit Zeichnen – ich machte große Zeichnungen von kleinen Fotografien – etwas Lebensmittel besorgen. Natürlich war es streng verboten, zu den Einheimischen irgendwelchen Kontakt zu haben. Das mußte man alles geheim machen. Im März 1943 erfuhr ich von Sascha Grüns Tod. Ich hatte nichts für ihn tun können. Ich nutzte jede Gelegenheit, Fotos zu vergrößern. Nebenbei schmiedete ich Blecheimerchen. Und ich machte Koffer. Für alles konnte man ein Stückchen Brot bekommen. Aber es war gefährlich. Im Lager befanden sich Anfang 1942 16 000 Männer, Ende 1944 waren nur noch 4000 übrig. Der Rest war vor Hunger und Zwangsarbeit ums Leben gekommen. Hinter dem Lagerzaun war ein breiter tiefer Graben. Dorthin brachte eine Fuhre jede Nacht die Leichen. Nach dem Ende des Krieges kam ein neuer Ukas vom Obersten Sowjet: Wir Trudsoldaten durften nicht den Ort verlassen, wo wir gerade wohnten. Noch im Juni wurden viele Brigaden nach
der Stadt Berezniki versetzt. Wir bauten viele Wohnhäuser und ein Sodawerk. Wir errichteten auch mehrere Gebäude für das Chemiewerk, wußten aber nicht, was dort produziert wird. Wer sich weiter als fünf Kilometer von seinem Wohnort entfernte, wurde auf 25 Jahre Zwangsarbeit verbannt. Die Hochschulen waren für uns geschlossen. In den Kaderabteilungen gab es geheime Vorschriften, den Deutschen keine führenden Posten zu geben. Ich durfte nicht als Mechaniker arbeiten, obwohl ich ein Diplom hatte. Drei Jahre nach Stalins Tod wurden wir rehabilitiert, doch in Wirklichkeit blieb alles beim Alten. Wir Deutschen durften nicht zu unseren Geburtsorten zurück. Die vier Gebiete in der Ukraine, in denen die Deutschen vor dem Krieg gelebt hatten, waren laut Gesetz des Obersten Sowjets der Ukrainischen Sowjetrepublik für die Deutschen für immer geschlossen. Das sind die Gebiete Dnjepropetrowsk, Saporoschje, Nikolajewsk und Odessa. Die Krim wurde später an die Ukraine angeschlossen. Ab 1938 gab es in Rußland keine deutschen Schulen oder andere deutschen kulturellen Anstalten mehr. Bücher in deutscher Sprache gab es auch keine. Das waren die Gründe, die uns bewegten, nach Deutschland zu übersiedeln. Wir wollen Deutsche bleiben.“ Seit ihrem Angriff am 24. Februar sollen die Russen mehr als eine Million Ukrainer, darunter mehr als 200 000 Kinder, verschleppt haben. Weitere Millionen versuchen zu fliehen. Einer dieser Flüchtlinge ist die 34jähre Zahnärzin Viktoria aus Dnipro nahe dem verschwundenen Eigenfeld. Eine erste Zuflucht fand sie Anfang März bei meiner ebenfalls 34jährigen Tochter Anna Ira, Anna nach der Egerländer und Ira nach der rußlanddeutschen Großmutter, in München. Sie haben ähnliche Interessen, wünschen sich beide Kinder. Viktorias Mann war in der Heimat geblieben, um sie zu verteidigen. Ende März kam die Nachricht, er sei gefallen. Viktoria erhielt dann eine eMail von einem ukrainischen Freund, der in die USA ausgewandert war, daß seine Frau gestorben sei. Ob sie nicht zu ihm in die USA kommen wolle? Sie wollte. Anfang April verließ sie München. Sie schrieb Anna Ira, sie sei gut angekommen und gehe oft in die Kirche.
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ie Verleihung der sudetendeutschen Kulturpreise am Sudetendeutschen Tag zeigt jedes Mal die bedeutenden Beiträge von sudetendeutschen Landsleuten über vielfältige, unterschiedliche Bereiche der Kultur. Diese stellen die schöpferischen Kräfte dar, die aus unserem kulturellen Erbe erwachsen. Der Große Sudetendeutschen Kulturpreis, der in diesem Jahr für ein herausragendes Lebenswerk verliehen wird, geht an den Pädagogikprofessor Winfried Böhm. Es ist mir eine besondere Ehre, Böhms Lebenswerk vorstellen zu dürfen, was mir aber auch in zweifacher Hinsicht eine große Freude bereitet: Einmal, weil er sich als Professor und Ordinarius auf wissenschaftlichem Gebiet überragende Meriten erworben, und zum anderen, weil er nebenberuflich musikalische Tätigkeiten als Librettist und Opernregisseur, ja sogar als Filmautor mit großem Erfolg ausgeübt hat. Diese Symbiose von wissenschaftlicher und künstlerischer Tätigkeit ließ ein außerordentliches Lebenswerk entstehen.
Geboren im Niederland Winfried Böhm wurde am 22. März 1937 in Schluckenau im Nordböhmischen Niederland geboren. Von seinem Vater, dem Kapellmeister Oskar „Ossi“ Böhm, wurden ihm wohl die musikalischen Gene in die Wiege gelegt. Seine Mutter Elisabeth sorgte für eine glückliche Kindheit der vier Geschwister. Bei Nacht und Nebel floh die Familie 1947 nach Bayern. Dieses Jugend-Trauma verfolgte Böhm später bei seinen weltweiten Reisen. Tiefenpsychologisch betrachtet, glaubte er sich oft auf einer Art Flucht, denn für ihn war Ankommen zugleich der Anfang fürs Abreisen.
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ch freue mich sehr, daß ich die Laudatio für den Trachtenträger, Ortsbetreuer von Lobenstein und engagierten Mundartfreund Lorenz Loserth halten darf, der mit dem Kulturpreis für Heimat- und Volkstumspflege ausgezeichnet wird. Meine Vorgängerin Zuzana Finger schreibt auf der Homepage der Sudetendeutschen Heimatpflege: „Wenn die Vorsitzende der Mundartfreunde Ingrid Deistler die jährliche Mundarttagung eröffnet, freut sie sich, daß sie jedes Jahr sowohl die Angehörigen der Gründergeneration als auch immer wieder neue und junge Mundartsprecher begrüßen darf.“ Einer dieser jungen Mundartsprecher ist Lorenz Loserth, dessen Engagement für die sudetendeutschen Mundarten mich auf mittlerweile zwei Mundartseminaren beeindruckte. Der Diplombiologe und studierte Kunsthistoriker mit Wurzeln im Altvatergebiet arbeitet als Lehrer. Von
SUDETENDEUTSCHE KULTURPREISE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 3.6. 2022
� Großer Kulturpreis für den Pädagogikprofessor Winfried Böhm
Wissenschaft und Musik Nach der Grundschule trat er in das Albertus-Magnus-Gymnasium in Königstein im Taunus ein, absolvierte nach der Mittleren Reife eine Banklehre und macht anschließend Abitur im Alten Gymnasium in Würzburg. Wie wäre das Leben von Winfried Böhm wohl verlaufen, wenn er danach bei der Dresdner Bank geblieben wäre? Aber dieses eine Jahr der Selbsterprobung brachte die Entscheidung für eine wissenschaftliche Laufbahn. In einem breit angelegten Studium in Bamberg, Würzburg und Padua studierte Böhm Philosophie, Pädagogik, Theologie sowie in Nebenfächern Geschichte, Politik und Musik. Bekannte Lehrer wie Albert Reble, Rudolf Schnackenburg oder Umberto Ecco unterrichteten ihn. 1969 promovierte Böhm zum Dr. phil. an der Universität Würzburg und erwarb sich dort 1973 die Lehrbefähigung an Hochschulen durch eine Habilitation. Kurz danach, als Böhm als Visiting Professor an der Brigham Young Universität in Provo/Utah tätig war, wohnte er in unmittelbarer Nähe des Schauspielers Robert Redford. Vielfach hatte Böhm Gelegenheit, als Zaungast von der Lehrtätigkeit Redfords für junge Schauspieler zu profitieren. Ein wenig Schauspielkunst gehört auch zur Wissensvermittlung und Motivation der Studenten, somit waren Böhms erfolgreiche Lehrtätigkeit und wissenschaftliche Laufbahn, nicht zuletzt mit Robert Redfords Hilfe, vorgezeichnet. seinen didaktischen Fähigkeiten durften zwei Jahre in Folge auch die Teilnehmenden der Seminare des Freundeskreises Sudetendeutscher Mundarten profitieren. Vergangenes Jahr stellte uns Lorenz Loserth sein Übersetzungsprojekt für mehrere Kinderbücher vor. Die Hauptfiguren sprechen in seinen Versionen nicht hochdeutsch sondern Bilderbuch-Schlesisch. Die Übersetzungen entstehen in Zusammenarbeit mit Zeitzeugen wie Anni Gerzanich, Emmi Hofmann oder seinem Vater Erich Loserth zu Dokumentationszwecken. Heuer leitete er einen Übersetzungs-Workshop beim Mundart-Seminar auf dem Heiligenhof in Bad Kissingen. Seitdem gibt es zwei Duzend Übersetzungen von „Rotkäppchen“ in verschiedenen sudetendeutschen Mundarten. Sie warten auf ihre Veröffentlichung und machen die Mundarten auch für jüngere
Professor Dr. Dr. h. c. Winfried Böhm Böhm erhielt mehrere Rufe an renommierte Universitäten und nahm 1974 schließlich den Posten als Ordinarius des Instituts für Pädagogik an der Universität Würzburg an. Damit begann nun, neben der Lehrtätigkeit, eine breite publizistische Tätigkeit auf dem Gebiet der Pädagogik in einem weitgespannten kulturellen Rahmen. In diesem Zusammenhang befaßte sich Böhm mit der Geschichte der Pädagogik, da in ihr die gesamten Erfah-
rungen pädagogischen Denkens vorliegen. Er entwickelte pädagogische Theorien, die die Beantwortung von drei Fragen beinhalten: „Wer ist der Mensch?“ ist die Frage nach der Anthropologie. „Was ist das Ziel der pädagogischen Bemühung?“ ist die Frage nach der Teleologie. „Wie komme ich zu diesen Zielen?“ ist die Frage nach der Methode. Diese Fragestellungen folgten aus den drei aristotelischen, menschli-
� Preis für Heimat- und Volkstumspflege an Lorenz Loserth
Mundartexperte Menschen zugänglich. Dies gilt ebenfalls für seine neuesten Mundartprojekte: die Mundartübersetzung des allseits beliebten und bekannten „Hotzenplotz“ und von „Der kleine Wassermann“ in HenLorenz Loserth nersdorfer Mundart. Aber nicht nur als Mundartsprecher vermittelt Lorenz Loserth sein Wissen und sein In-
teresse an der Heimat seiner Vorfahren. 2020 gestaltete er eine neue Internetseite über die Heimatlandschaft Altvater. Diese schafft einen wunderbaren Zugang vor allem für jüngere Menschen, die sich für diese Heimatlandschaft interessieren. Neben Informationen über Heimatlandschaft, Mundart, Kulinarik und vielem
chen Grundaktivitäten: Theorie, Praxis und Poiesis. Böhm war ein gesuchter Gastlehrer an namhaften Universitäten in Europa, Afrika, Asien und Amerika. Er ist auch Autor und Herausgeber von mehr als 50 Büchern, die in viele Weltsprachen übersetzt wurden, und Verfasser zahlreicher wissenschaftlicher Aufsätze über Geschichte, Bildung und Erziehung sowie Mitherausgeber mehrerer Fachzeitschriften. Er war und ist Präsident und wissenschaftlicher Berater vieler Gesellschaften und Verbänden. Weiter zeichnen Böhm Mitgliedschaften in mehreren internationalen Akademien der Wissenschaften aus. Hier sehen wir auch seinen Bezug zu den Sudetendeutschen als Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste. Seine wissenschaftliche Lehrtätigkeit dokumentieren mehr als 35 von Böhm angeregte und betreute Doktorarbeiten, nicht nur an der Universität in Würzburg. Bei diesem Engagement in Lehre und Wissenschaft bleiben natürlich internationale Auszeichnungen und Ehrungen nicht aus: 1985 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universidad Católica de Cordóba in Argentinien verliehen, 2000 der päpstliche Silvester-Orden von Papst Johannes Paul II sowie 2016 der Europäische Kulturpreis Capo Circeo in Rom. Abschließend möchte ich mit Freude erwähnen, daß Böhm als Emeritus eindeutige Positionen mehr erklärt er auf dieser Seite auch manche Grundbegriffe wie „Was ist ein Ortsbetreuer?“, „Was ist ein Heimatkreis?“ oder „Was ist eine Heimatlandschaft?“. Auf diese Fragen finden die Besucher der Seite ausführliche Antworten. Neben dem bisher geschilderten heimatkundlichen Interesse und Engagement ist er seit 2020 Ortsbetreuer von Lobenstein und seit kurzem Stellvertretender Heimatkreisbetreuer von Jägerndorf. In diesen Funktionen bringt er sich vor Ort grenzüberschreitend ein. Gegenwärtig plant und organisiert er eine Kulturfahrt nach und einen Versöhnungsmarsch in Jägerndorf. Lorenz Loserth schreibt zudem für den Jägerndorfer „Heimatbrief“ und die „Neuen Jägerndorfer Nachrichten“. Um die Digitalisierung des Heimatbriefes kümmert er sich in einem weiteren Projekt. Nach aufwendiger Recherche – unter ande-
in der Pädagogik bezieht, wenn es um die Menschenwürde geht. Er forderte dies 2013 mit der Veröffentlichung „Erziehung mit Herz“ wegen der Mißbrauchsfälle in der Reformpädagogik und mit dem Artikel „Ist dabei sein alles?“ über Inklusion, in dem er 2014 zeigte, wie lohnend und notwendig dieser Weg ist.
Großartige Verdienste Wie bereits eingangs erwähnt, gibt es neben den geschilderten wissenschaftlichen Stationen von Böhm auch künstlerische Tätigkeiten. Darunter ist 1988 die Übersetzung und Bearbeitung der Oper von Jacques Rousseau „Le Devin du Village“ und deren Inszenierung für die Bayerische Kammeroper zu zählen. In den letzten Jahren verfaßte er Libretti zu musikalischen Werken, so zu Wilfried Hillers Oratorium „Der Sohn des Zimmermanns“ sowie Hillers Kirchenoper „Augustinus“ mit einer besonderen Aufführung 2012 vor Papst Benedikt XVI. in Castel Gandolfo. Ebenso textete Böhm 2017 das Libretto zum Weihnachtsoratorium „Puer natus est“, zu dem Michael Ostrzyga die Musik komponiert hatte, und das auch in diesem Jahr in Berlin und 2023 in New York aufgeführt werden soll. Als Ausdruck des Dankes sowie der Anerkennung und Wertschätzung verleiht die Sudetendeutsche Landsmannschaft dem Hochschullehrer und Wissenschaftler Winfried Böhm für seine großartigen Verdienste um Theorie und Praxis der Pädagogik sowie für sein herausragendes wissenschaftliches und künstlerisches Lebenswerk den Großen Sudetendeutschen Kulturpreis 2021. Wir gratulieren dazu von ganzem Herzen. Ulf Broßmann rem im Landesmuseum Niederösterreich – ließ sich Loserth eine erneuerte schlesische Altvatertracht schneidern. Diese trägt er auch bei Veranstaltungen der Sudetendeutschen Heimatpflege, deren Arbeit er mit immer neuen Impulsen bereichert. Dank seines Engagements in der Mundartpflege, als Autor und Betreuer der Internetseite heimatlandschaft-altvater.eu, als Ortsbetreuer, als Moderator in der Heimatlandschaft Altvater bei Facebook und als Stellvertretender Heimatkreisbetreuer leistet er einen außerordentlichen Beitrag zur Bewahrung und zur Vermittlung des Kulturerbes des Altvatergebietes. Aus all diesen Gründen freue ich mich überaus, daß Lorenz Loserth den Kulturpreis für Heimatund Volkstumspflege erhält. Ich wünsche mir von Herzen, daß er sein Engagement für die Heimat erfolgreich in die Zukunft trägt. Christina Meinusch
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chulmusik und Musik an der Schule gelten als ein schweres Betätigungsfeld – nicht selten hört man eher Anekdotisches darüber. Musiklehrer müssen schließlich in Zeiten bunter Genre-, Stil- und Geschmacksvielfalt ohne verbindlichen Musikbegriff darauf achten, überhaupt noch ernst genommen zu werden. Von der hohen erzieherischen Bedeutung der Musik, wie sie einst im Kanon der klassischen Bildung in Rückbindung auf die alten Griechen galt, ist nicht mehr viel geblieben. Um so bemerkenswerter ist, was dann im Einzelnen doch wieder möglich ist – konkret, was der Musikpädagoge und Komponist Stefan Daubner am Pfaffenhofener Schyren-Gymnasium in Oberbayern auf die Beine gestellt hat: Die Produktion eines 90minütigen Musicals in Zusammenarbeit mit einer tschechischen Partnerschule, einem Gymnasium in Tetschen. Die Aufführungen fanden im September 2019 in Pfaffenhofen statt, im Stadttheater Tetschen/Děčín und im Kursaal von Tyssa/Tisá, einem kleinen Ort im tschechischen Elbsandsteingebirge.
Jugendliebe als Thema Ebendort, in Tyssa, ist auch die Handlung des Musicals „Tisá – eine Liebe ohne Grenzen“ angesiedelt. Es geht um die Jugendliebe zwischen Sabine, dem deutschen Mädchen, und Tomáš, dem tschechischen Buben. Die beiden kommen sich näher beim
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ch habe die Ehre, einen Mann mit vielen Begabungen vorstellen zu dürfen. Zwei junge Leute hatten den Grundstock dazu gelegt: Herlinde Neugebauer aus Niederlindewiese und Edwin Bude aus Friedeberg, beide Orte im Kreis Freiwaldau. Am 16. April 1956 wurde ihr Sohn Edwin Bude in Rosenheim geboren. Zunächst begann Edwin Bude eine Ausbildung zum Kameramann, wandte sich dann aber einem damals ganz neuartigen Feld, dem Programmieren, zu. Er arbeitete als Operator und entwickelte seine Fähigkeiten über Fortbildungen wie bei Siemens oder beim Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung immer weiter.
Computer und Fußball 22 Jahre war er als Programmierer am Klinikum Großhadern, bevor er sich mit seiner eigenen Firma selbständig machte. Da Bude ehrenamtlich als Vereinsvorstand, Trainer und Einzelrichter beim Bayerischen Fußballverband tätig war, hatte er gute Kontakte in die Sportwelt. So entwickelte er für den FC Bayern mit seiner Firma als erster eine Scouting-Datenbank zur Akquise von neuen Spielern – das war damals spektakulär. Diese Arbeit führte ihn zu weiteren großen Vereinen, zum Beispiel auch zu Rapid Wien. 2009 beschloß Edwin Bude, sein Leben nun beruflich völlig umzukrempeln und sich sei-
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 3. 6. 2022
� Kulturpreis für Musik
Lehrer und Komponist Erklettern des Januskopfs, eines Sandsteinfelsens in den Tyssaer Wänden. Ihrer Liebe stellen sich die äußeren Verhältnisse entgegen. Den NS-Durchhalteparolen Anfang 1945 folgen der Zusammenbruch des Regimes – und der Druck auf die Deutschen, den Ort zu verlassen. Die Handlung springt alsdann ins Jahr 1968, zum Prager Frühling, und schließlich ins Jahr 2008, in dem die Liebenden von einst sich wiederbegegnen, wo die Großmutter- und Enkelgeneration in Tyssa nunmehr offen über die jahrzehntelang tabuisierten Ereignisse sprechen und endlich die Opfer der Vertreibung betrauert werden können. Das Musical war der Konzeption nach auf Deutsch und Tschechisch angelegt, und so sprechen und singen die im Stück handelnden Personen in ihrer jeweiligen Sprache. Bei einer Vorab-Teilaufführung des Musicals im Rahmen des Sudetendeutschen Tags 2019 in Regensburg lobte der damalige Bundesinnenminister Horst Seehofer „die Leichtigkeit, mit der in diesem Stück schwierige historische Inhalte für den Zuhörer präsentiert werden“. Bernd Posselt, Sprecher und Bundesvorsitzender der Sudetendeut-
schen Landsmannschaft, hob hervor: „Das ist eine großartige Tat, nicht nur der Aufarbeitung der Geschichte, sondern der Gestaltung einer Zukunft durch junge Menschen, die den Mut zu Frieden […] und zur Europäischen Einheit haben.“ In diesem Sinne möchten Stefan Daubner auch die Autoren des Stücks, der Komponist Stefan Daubner und seine Ehefrau Marie-Therese, die das Libretto verfaßte, verstanden werden. Mit den Worten Daubners: „Mir geht es um die deutschtschechische Verständigung. Ich wollte kein Musical über die Vertreibung, sondern wir schauen ins Heute und in die Zukunft. Immerhin spielen hier Schüler.“ Die Umsetzung des Projekts war ein organisatorischer und logistischer Kraftakt. Über die Einstudierung der Musik hinaus
mußten Bühnenbilder und Kostüme geschaffen sowie Bühnenabläufe in Regie und Choreographie aufeinander abgestimmt werden – das alles unter dem Vorzeichen bescheidender Mittel und Kräfte. Dreh- und Angelpunkt des Projekts war das ideelle Miteinander von jungen Deutschen und Tschechen, die durch das einigende Band der Musik zueinanderfanden. Nicht weniger als 120 jugendliche Darsteller, Instrumentalisten und Sänger waren in das Großprojekt eingebunden. Mehr als 1500 Besucher verfolgten die Bühnengeschichte des deutsch-tschechischen Liebespaares und ließen sich damit auf die schwierige Vergangenheit ein – einschließlich der aus ihr aufkeimenden Hoffnungen auf eine bessere, friedli-
che Zukunft. Über die einzelnen Aufführungen berichteten der Tschechische Rundfunk, die regionale Presse in Sachsen, Böhmen und Pfaffenhofen sowie die Sudetendeutsche Zeitung. An dieser Stelle einige Worte zu Stefan Daubner, dem künstlerischen Leiter und Spiritus rector des Projekts. Geboren am 15. Mai 1972 in Bayreuth, stammt er mütterlicherseits aus einer in Tetschen ansässigen Familie. Schon in jungen Jahren machte ihn die böhmische Familiengeschichte neugierig, deren atmosphärischen Details er aber erst nach der Samtenen Revolution vor Ort nachgehen konnte. Daub ners Großmutter lebte einst in Tyssa; ihr ehemaliges Wohnhaus wird heute vom lokalen Kletterclub als Sporthütte genutzt. Und hier schließt sich der Bogen. Das deutsch-tschechische MusicalProjekt berührt sich ganz unmittelbar mit Daubners Biographie. Stefan Daubner studierte Schul- und Kirchenmusik in Würzburg und Wien, ferner Musikwissenschaft und Slawistik. 2001 wurde er mit einer Studie über die Orchesterwerke des etr tschechischen Komponisten P Eben an der Universität Wien promoviert. Seit 2003 unterrich-
� Kulturpreis für Literatur und Publizistik
Filmemacher und Naturfreund ner ursprünglichen Leidenschaft, dem Filmen, zu widmen. Er löste seine Firma auf, bildete sich im Bereich Film fort und drückte in der Münchener Filmakademie als Spätzünder die Schulbank. Dort konnte er viele hilfreiche Kontakte knüpfen und interessante Menschen kennenlernen. Edwin Bude ist heute leidenschaftlicher Bergsteiger, Kameramann, Dokumentar- und Naturfilmer und beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dem Wald und dessen Geheimnissen. Im Bezirksausschuß München-Hadern ist er Sprecher der Baumschutz-Kommission. Er bietet Waldführungen an, bei denen man viel neues aber auch altes Wissen und spannende Geschichten über Bäume, Pflanzen und Tiere sowie über die Götter alter Völker erfährt. „Waldspaziergang durch die Jahreszeiten“ ist auch der Untertitel seines Buches, das „Was flüstern die Elfen“ heißt, und in einzigartiger Weise die Augen des Lesers für die Geheimnisse des Waldes öffnet. Der Bude Edwin ist also ein Mensch, der über die Dinge hinausdenkt, der nicht nur den Geist sondern auch den Körper trainiert und stets darauf bedacht
ist, sich weiterzubilden und die Menschen behutsam dazu zu bringen, die Augen und das Herz zu öffnen und zuzuhören, um in gegenseitiger Wertschätzung in der Natur und durch sie zu wachsen. „Paßt“, werden Sie sagen. „Sicher ein wirk- Edwin Bude lich besonderer Mensch, den man gerne kennenlernen möchte. Aber warum und wofür bekommt er den Kulturpreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft?“ Angefangen hat alles mit einem Koffer im Keller seiner Mutter, gefüllt mit Erinnerungsstücken wie Fotos von Opa Eduard Bude aus Altrotwasser, Feldpostbriefen oder auch dem Ahnenpaß. Neugierig begab sich Edwin Bude auf die Spuren seiner Ahnen im Altvatergebiet. Zu seiner Überraschung fand er entfernt Verwandte, heimatverbliebe-
Großes Spektrum und meist auch auf Video erhältlich: Einige der Filme von Edwin Bude.
ne Deutsche, hilfsbereite Tschechen – einfach Freunde –, atmete die Luft der Gegenwart ein und ließ sich von der Vergangenheit durch wunderbare Landschaften leiten. „Daß ich diese Filme mache, das verdanke ich dem Musikproduzenten, Textdichter und Komponisten Robert Jung, einem guten Freund meiner Mutter aus Lindewiese“, erzählte mir Edwin Bude. „Ich hatte bei meinem ersten Film Bilder aus der Heimat, vom Altvater, von Freiwaldau und von Lindewiese mit Musik unterlegt. Das gefiel Robert Jung so gut, daß er mich ermutigte, weiterzumachen.“ Die Jury hat sich dafür ausgesprochen, Edwin Bude den Kulturpreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Literatur und Publizistik zu verleihen, weil
er in zahlreichen Dokumentarfilmen ein umfassendes und liebevolles Bild unserer „alten“ Heimat mit Zeitzeugen und heutigen Bewohnern mit Musik sowie erklärenden Karten mit Bildern aus der Vergangenheit und der Gegenwart, mit Brauchtum, Landschaften und Kultur zeichnet. Er nimmt uns mit auf Wanderungen und Spaziergänge, zeigt uns oft schmerzhaft, wo Dörfer verschwunden oder Kirchen und Friedhöfe verfallen sind, wo sich die Natur wieder ausgebreitet hat, zeigt, wie sich Menschen für ihre Heimat und ihre ehemalige Heimat einsetzen und sie pflegen, weil sie sie lieben. Einem größeren Publikum wurde Edwin Bude bekannt durch seine Vorträge und Filmvorführungen, beispielsweise auf dem Heiligenhof oder im Sudetendeutschen Haus sowie beim Sudetendeutschen Tag. Seit 2018 betreibt und pflegt er den YouTube-Kanal „Sudeten-TV“ und ist bei bedeutenden Anlässen filmend unterwegs. So wurden viele interessante Interviews aufgezeichnet, etwa mit dem bereits verstorbenen Max Mannheimer, dem Träger des Karls-Preises 2012. Edwin Bude ist also auch einer der wichtigsten Konservato-
tet er am Pfaffenhofener Schyren-Gymnasium, inzwischen als Musikfachbetreuer und Studiendirektor. Stefan Daubner ist bis heute vielseitig musikausübend tätig als Pianist, Kontrabassist, Kantor und Chorleiter. Als Komponist trat er wiederholt mit Musical-Schöpfungen hervor, die er im Rahmen von Auslands-Schulpartnerschaften realisierte, darunter Schulen in Ungarn, Serbien und, wie vorgestellt, in der Tschechischen Republik.
Austausch und Verständigung Dieser Einsatz ist hoch verdienstvoll. Indem Daubner die kommunikativen und ästhetischbeflügelnden Potentiale der Musik nutzt, gelingt es ihm, ebenso die Herzen der jungen Menschen zu erreichen wie auch die Türen des gemeinsamen europäischen Hauses zu öffnen. Austausch und Verständigung sind die Zielmarke, und das über den Tag hinaus. In diesem Zusammenhang dürfen wir noch einmal Daubner mit einem Kurzkommentar zu seinem böhmischen Musical-Projekt zitieren: „Wir hoffen, daß es nachwirkt.“ Als Zeichen der Anerkennung und Würdigung seiner völkerverständigenden Kulturarbeit erhält der Musikpädagoge und Komponist Stefan Daubner 2022 den Sudetendeutschen Kulturpreis für Musik und darstellende Kunst. Dazu gratulieren wir herzlich! Andreas Wehrmeyer ren und Bewahrer unseres Volksgutes. Das erkannte Volksgruppensprecher Bernd Posselt, den Edwin Bude neben Robert Jung nennt, wenn es um seine Mentoren und Förderer geht. Auch die Wischauerin Rosina Reim erwähnt er in diesem Zusammenhang, denn ohne ihre umsichtige Hilfe wären seine Musikveranstaltungen nicht möglich. So soll dieser Kulturpreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft auch ein herzliches Vergelt‘s Gott sein.
Natur und Filme Mit diesem Dank für seinen Einsatz und sein Wirken sowie für seine zukunftsweisenden Filme, von denen auch zwei auf Tschechisch übersetzt wurden, ist die große Hoffnung verbunden, daß er uns weiterhin Landschaften, Ereignisse, Menschen und Kulturgut so hautnah erlebbar machen wird. Unter von Corona erschwerten Bedingungen konnte er ein weiteres Filmprojekt über „Die ehemaligen deutschen Ostgebiete und ihre Sagen, Märchen und Mythen“ fertigstellen. Wir sind schon sehr gespannt auf diese Filmreise, die mit seinem Bergkamerad Cornelius von der Heyden unter anderem in die Ukraine und in die Baltischen Länder führt. Herzlichen Glückwunsch zum Kulturpreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft! Simona Rottenkolber
12 Eine „Sternstunde mit Klaus Maria Brandauer“ gab es im Sudetendeutschen Haus in München: Bei der Festivalreihe „Stars & Rising Stars“ las der weltberühmte Schauspieler aus den Briefen von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791), der schon früh als „Wunderkind“ aufgestiegen war. Ein anderes Wunderkind, der junge Pianist Elias Keller, begleitete Brandauer im Adalbert-Stifter-Saal am Flügel mit frühen MozartKompositionen. Die „Stars & Rising Stars“ werden vom Verein zur Förderung junger nationaler und internationaler Musiker der Spitzenklasse bietet jährlich Konzerte mit spannenden Programmen und an teils ungewöhnlichen Spielorten.
KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 3.6. 2022
� Großartige Konzertlesung im Sudetendeutschen Haus in München
Drei große Österreicher
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olfgang Amadeus Mozart – er will halt alleweil seine Freiheit haben“, beginnt Klaus Maria Brandauer seine Darbietung. Der österreichische Schauspieler bietet jedoch viel mehr, als nur eine „Lesung“: Auf der Bühne im Adalbert-Stifter-Saal liest der Star aus dem steirischen Altaussee aus dem Briefwechsel des Komponisten aus Salzburg und „spielt“ geradezu die Rollen aller Briefeschreiber, die zu Wort kommen. Sein Vortrag reicht vom verschwörerischen Flüstern bis zum lauten Fluchen – alles ohne technische Unterstützung, nur mit der eigenen, unverwechselbaren Stimme. Wenn das Publikum eine Pause braucht von Mozarts wilden, oft deftigen Worttiraden, dann greift der „Rising Star“ in die Tasten: Der erst 14jährige Elias Keller aus Weißensee in Kärnten spielt Kompositionen des gebürtigen Salzburgers Mozart zwischen den Briefen. Deren Auswahl hat Brandauer gut getroffen und beginnt im September 1777. Zunächst wird einer der Briefpartner vorgestellt. Der Brat-
Pianist Elias Keller erhält Applaus von Schauspieler und Rezitator Klaus Maria Brandauer. schist, ehemalige Erzieher und Freund Mozarts, Jo seph Nepomuk Bullinger (1744–1810), beschreibt hier den Abschied Wolfgang Amadeus Mozarts von Salz-
burg. Dort war dieser von 1772 an Konzertmeister der Hofkapelle von Fürsterzbischof Hieronymus Graf von Colloredo gewesen, was er nun aufgegeben hat. Der jun-
Bilder: Ralf Dombrowski
ge Musiker tritt eine Reise nach Paris an, auf der er von Mutter Anna Maria begleitet wird, da Vater Leopold erkrankt ist. Die Kutschenreise führt über Mün-
chen, wo Mozart gerne eine Anstellung als Hofkompositeur am bayerischen Kurfürstenhof hätte. Leider wird nichts aus einer Anstellung. Nachdem Wolfgang
„Rising Star“ Elias Keller am Flügel des Sudetendeutschen Hauses und „Star“ Klaus Maria Brandauer im Adalbert-Stifter-Saal.
� Musikalische Begegnung
© ACN
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Stars und Programm K
laus Maria Brandauer: Der österreichische Schauspieler, Regisseur und OscarPreisträger heißt bürgerlich Klaus Georg Steng. Er gehört zu den großen Persönlichkeiten der internationalen Bühne. 1962 studierte er zunächst in Stuttgart, wurde aber bereits im folgenden Jahr ans Landestheater in Tübingen engagiert, bevor er zum Ensemble des Wiener Theaters in der Josefstadt gehörte und dort unter anderem mit Fritz Kortner zusammenarbeitete. Nach erfolgreichen Auftritten am Neuen Residenztheater in München holte ihn 1972 das Burgtheater in seine Reihen nach Wien. Spätestens von diesem Zeitpunkt an nahm seine Karriere Fahrt auf. Als der Regisseur Istvan Szabö 1981 einen Darsteller für die Figur Hendrik Höfgens in der Verfilmung des Klaus-MannRomans „Mephisto“ suchte, besetzt er ihn mit Brandauer. Die Literatur-Adaption erhielt im darauffolgenden Jahr den Oscar genannten Academy Award als bester fremdsprachiger Film, und Brandauers internationales Renommee wuchs rasch und nachhaltig. 1983 war er der Gegenspieler Sean Connerys in der James-Bond-Folge „Sag niemals nie“, Filme wie „Jenseits von
Afrika“ (1985) empfahlen ihn weiter als Weltstar, während er sich bereits anderen Tätigkeitsfeldern zuwandte. Im Berliner Admiralspalast führte er Regie bei Brechts „Dreigroschenoper“ (2006), in Köln inszenierte er Wagners „Lohengrin“ (2007). Seit dem Mozart-Jahr 2006 kennt man ihn außerdem im großen Rahmen als Rezitator. Studierenden ist er außerdem als Professor des Wiener Max-Reinhardt-Seminars ein Begriff. Klaus Maria Brandauer ist bereits zum vierten Mal Gast und auch Kurator der Festivals „Stars and Rising Stars“.
E
lias Keller: Zeit scheint für den jungen Pianisten eine andere Bedeutung zu haben. Als Sechsjähriger bekam er in seiner Heimatstadt Weißenstein in Kärnten ersten Klavierunterricht, und bereits zwei Jahre später wurde er vom Salzburger Mozarteum aufgenommen. Der Vierzehnjährige gewann schon zahlreiche nationale und internationale Preise, spielt auf großen Bühnen in Deutschland, den USA, Japan und arbeitete mit Stars wie Elina Garanca oder Daniel Müller-Schott. Er studiert weiter und feilt unter anderem an seinem DebütAlbum.
Sternstunde mit Mozartbriefen Wolfgang Amadeus Mozart: Menuett C-Dur/Trio G-dur für Klavier Sonate Nr. 2 für Klavier F-Dur, Allegro assai, Adagio, Presto Sonate Nr. 5 für Klavier G-Dur, 3. Satz, Presto Sonate Nr. 11 für Klavier A-Dur, 3. Satz, Alla turca, Presto Fazil Say: Alla Turca Jazz, Opus 5b
sich deswegen noch von einem Fräulein von der Oper hat trösten lassen, lautet das Resümee: „In München war‘s aber dann nicht so toll.“ Weiter fährt er zu seinem Onkel Franz Alois Mozart in Augsburg, wo er sogleich sein Bäsle anhimmelt: „Wir zwei taugen recht gut zusammen.“ Und er berichtet boshaft-satirisch über ein Konzert am 25. Oktober, schließt jedoch wieder mit dem Bäsle: „Mein liebs bäsle, welches sich beyderseits empfehlt, ist nichts wenigers als ein Pfaffenschnitzl. Gestern hat sie sich mir zu gefallen, französisch angezogen. Da ist sie um fünf per cento schöner.“ Die Jobsuche Mozarts führt weiter nach Mannheim an den Hof des Kurfürsten Karl Philipp Theodor. Der Pfalzgraf und Kurfürst von der Pfalz ist gerade als Karl II. auch Kurfürst von Bayern geworden. Vor Karl Theodors Kindern tritt Mozart mehrfach auf und schreibt: „... nichts als aus dem Kopf gespielt“. Er lernt das kurfürstliche Orchester kennen und ärgert sich, daß er wieder nur eine goldene Uhr als Präsent erhält, aber kein Geld. Und eine Anstellung oder irgendwelche musikalischen Aufträge gibt es auch in Mannheim nicht. Er ist jedoch begeistert von „den Weberischen“, die er in Mannheim kennenlernt: Die Familie Weber hat eine Tochter namens Aloisia, eine junge Sängerin, in die er sich verliebt. Allerdings wird er später deren Schwester Constanze heiraten. Nun versucht Mozart, Vater Weber und Tochter Aloisia möglichst oft zu sehen, und erhält einen warnenden Brief vom Vater. Leopold Mozart ist entsetzt über Wolfgangs Engagement für die Webers und warnt: „Es kommt auf Dich an, ob Du ein gemeiner Tonkünstler oder berühmter Kapellmeister wirst!“ Die Übereinstimmung zwischen Vater und Sohn sei einige Zeit vorbei gewesen, faßt Brandauer zusammen. Aber Wolfgang fährt dann mit seiner Mutter nach Paris, denn: „Die deutschen Fürsten sind alle Knicker!“ meint er inzwischen.
Erlebnisse in Paris In Paris, wo sie am 23. März 1778 eintreffen, wird das Verhältnis zum Vater wieder besser. „Es gibt jedoch keine wirklichen Erfolge oder eine lukrative Einstellung“, so Brandauer. Der Vater drängt auf Rückkehr nach Salzburg, aber zunächst trifft ein harter Schlag den jungen Mozart. Am 3. Juli 1778 stirbt seine Mutter: „...sie verschied, nemlich um 10 uhr 21 minuten abends – es war niemand darbey, als ich...“, wie er zunächst nur Bullinger in einem Brief mitteilt. Der gute Freund solle seinen Vater und das Nannerl – Wolfgangs Schwester Maria Anna Walburga Ignatia – schonend vorbereiten, bittet er. Mozart betont: „Dies war der trauerigste Tag in meinen Leben.“ Die Rückreise nach Salzburg, beginnt er widerwillig knapp drei Monate später am 26. September, um die vakante Stelle eines Hoforganisten anzutreten. Sie führt ihn über Nancy, Straßburg, Mannheim und Kaisersheim nach München, wo er noch einmal der Familie Weber begegnet. „Dann ist er doch heimgekommen nach dieser Reise, vom Schicksal schwer zerzaust“, schließt Brandauer die Lesung mit Konzert zunächst. Nach dem letzten Musikstück von Elias Keller brandet jedoch so wilder Applaus auf, daß der Pianist auf Brandauers Anregung hin noch eine Zugabe liefert. Nach „gegenseitigem Nötigen“, wie er es nennt, ist auch Brandauer zu einer Zugabe bereit. Er trägt einen Brief Wolfgangs an sein „Bäsle“ vor. Diese Epistel ist teilweise gereimt, wieder einmal recht deftig und das endgültige Schlußwort von Brandauers großartiger Lesung. Susanne Habel
Bei einer Gedenkfeier im ehemaligen Lager Rabstein bei Böhmisch Kamnitz wurde des Kriegsendes vor 77 Jahren gedacht. Kateřina Kovačková stellte beim Gedenktag das Schicksal von Sieglinde Vendolsky vor, die sie schon für ihre deutschtschechische Anthologie „Mai 1945 in der Tschechoslowakei“ (2020) interviewt hatte. Die Germanistin und SL-Förderpreisträgerin für Publizistik von 2017 berichtet hier über die Gedenkfeier.
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� Lesung von SL-Förderpreisträgerin Kateřina Kovačková im ehemaligen Konzentrationslager Rabstein
Gedenken und Gedächtnis
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onntag, der 8. Mai: Auf den Tag genau vor 77 Jahren wurden die letzten Inhaftierten aus dem Konzentrationslager Rabstein bei Böhmisch Kamnitz im Kreis Tetschen frei. In der Zeit als KZ gab es zwei Wohnblocks, in denen an die 650 Männer untergebracht wurden – bis zum Kriegsende sollen es sogar an die 1400 gewesen sein –, eine Krankenbaracke, drei Wachttürme, ein Leichenhaus. Die inhaftierten Männer kamen aus vielen Nationen, manche Quellen sprechen von zwölf, manche von fünfzehn. Der heutige Ort Česká Kamenice liegt eingebettet in einer malerischen Landschaft im Norden der Tschechischen Republik; ab 1919 lag er in der Tschechoslowakei, ab 1938 dann im Reichsgau Sudetenland, der bis zum 8. Mai vor knapp 80 Jahren zum Deutschen Reich gehörte. Trotzdem waren es nicht die Tschechen, die die größte Volksgruppe der im Lager Internierten ausmachten. Das waren Russen und Deutsche, gefolgt von Polen, Jugoslawen und Franzosen. Erst dann kommen Häftlinge tschechischer Zunge, etwa 30 an der Zahl sollen es gewesen sein. Die Granittafeln, in einem Halbkreis um das KZ-Mahnmal angeordnet, erinnern an die Länder, aus denen die Häftlinge stammten. Sie selbst blieben namenlos.
Geschichte eines Lagers Das KZ Flossenbürg war von hier mehr als 300 Kilometer entfernt, trotzdem gehörte Rabstein/ Rabštejn als dessen „Außenkommando“ dazu. Die Häftlinge mußten Stollen in die Sandsteinfelsen treiben. Keine anderthalb Kilometer vom KZ entfernt befindet sich der Eingang in den Untergrund, der heute ein öffentlich zugängliches Museum des Rabsteiner KZs beherbergt. In den in Stein gehauenen unterirdischen Räumen hatte die Weser-Flugzeugbau GmbH (WFG) aus Bremen ihre Produktion von Zubehör für die Junkers-Sturzkampfflugzeuge (Stuka) aufgenommen, die aus Bremen ausgelagert worden war. Als ich an diesem 8. Mai auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrations- und später Internierungslager unter strahlend blauem Himmel auf einer Sonnenbank saß und die Frühlingssonne angenehm mein Gesicht wärmte, mußte ich daran denken, was ein Mensch imstande ist, anderen Menschen anzutun. Wenn sich die Menschen darauf besännen, daß jeder einzelne von ihnen vor allen anderen Dingen ein Mensch ist, egal welcher Nationalität, Sprache, Kulturprägung oder Geschlecht, sähe die Welt ganz anders aus. Nach einem typischen Trauermarsch legten die örtlichen Würdenträger an dem Denkmal für die Opfer und Insassen des KZs Kränze nieder. Jan Papajanovský, Bürgermeister von Česká Kamenice, Vizebürgermeister Václav Doleček, Jiří Anděl, Oberbürgermeister von Tetschen-Bodenbach/Děčín, und der Senator für den Kreis Tetschen-Bodenbach, Zbyněk Linhart, der im benachbarten Warnsdorf geboren wurde, wirkten sichtlich berührt. Die anschließenden Ansprachen von einem improvisierten Podium aus waren angenehm kurz und persönlich. Man merkte, daß die Redner aus der Gegend stamm-
Am Gedenkstein des KZ Rabstein waren unter anderen Jan Papajanovský, Bürgermeister von Böhmisch Kamnitz, Vizebürgermeister Václav Doleček, Zbyněk Linhart, der Senator für den Kreis Tetschen-Bodenbach, und der Oberbürgermeister von Tetschen-Bodenbach, Jiří Anděl. Unten: Publikum bei der Gedenkfeier. Bilder: Jiří Jedlička, Václav Doleček
ten, und das Gedenken an das te, sind die Lebenserinnerun- das improvisierte Podium wurSchicksal der KZ-Insassen für sie gen von Sieglinde Winterstei- den einige Bänke aufgestellt und nicht nur eine bloße Formalität ner, verheiratete Vendolsky, die nach einer kurzen Einführung – war. Natürlich gedachte man – 1940 in dem zwölf Kilometer ent- denn nicht bei allen Anwesenden wie hätte es anders sein können – in erster Linie der während der Kriegszeit dort Inhaftierten, von denen mindestens 56 – andere Quellen sprechen von bis zu 80 oder sogar 100 –, dort den Tod fanden. Um so mehr freute ich mich, daß ich zur diesjährigen Gedenkfeier eingeladen worden war, um eine andere Facette hineinzubringen, die ebenfalls zu Rabstein gehört: das Gedenken an die Deutschen, die mehrheitlich aus dem Umland stammten und nach dem Kriegsende in Rabstein inhaf- Autorin Dr. Kateřina Kovačková (links), umringt von interessierten Besuchern. tiert wurden, Zwangsarbeit leisten mußten und auf ihre fernten Ort Bensen/Benešov nad war das Wissen um die WeiterbeAusweisung aus der Heimat war- Ploučnicí geboren wurde. Die nutzung des Rabsteiner Gelände teten. Geschichte stellte ich in Rabstein nach Mai 1945 zu erwarten – las Eine der Lebensgeschichten, vor, dort, wo früher die Barac- ich ihre Lebensgeschichte vor. die ich in dem kleinen zweispra- ken standen, in denen sie nach Wie Sieglinde erzählte, bekam chigen deutsch-tschechischen dem Kriegsende als ganz kleines sie ihren Vornamen auch wegen Buch „Mai 1945 in der Tsche- Mädchen schreckliche Zeit vol- der deutschnationalen Gesinchoslowakei“ zusammenfaß- ler Angst verbringen mußte. Vor nung ihres Vaters, der in Bensen
Lehrer war. 1943 wurde er in den Krieg einberufen und seine Familie – Mutter, Sieglinde und der um zehn Jahre ältere Bruder Harald – lebte weiterhin in der Dienstwohnung der ehemals tschechischen Schule. Anfang Juni 1945 erhielt die Mutter vom Národní výbor, von der neuen tschechischen Ortsverwaltung, die Aufforderung, binnen drei Tagen die Wohnung zu räumen. Der damals fünfjährigen Sieglinde blieb ein Mann in Erinnerung, der ihrer Mutter eindringlich zuredete, mit den Kindern die Tschechoslowakei zu verlassen. Dies war der neue tschechische Lehrer. Die Reaktion von Sieglindes Mutter war ähnlich wie die von vielen anderen Sudetendeutschen: „Die Heimat freiwillig verlassen? Niemals!“ Sie ging mit beiden Kindern in das nahe Dorf Hasel/Líska, aus dem sie stammte, denn ihr Vater war dort Bauer. Somit entzog sie sich der „wilden“ Vertreibung der Bensener Deutschen,
� Das Buch von Kateřina Kovačková
Dokumentation mit Zeitzeugen A
us meinen Büchern soll der Leser etwas über die Vergangenheit erfahren“, betont Kateřina Kovačková. „Gerade jüngere Menschen sind meine Adressaten, da sie die Nachkriegszeit nicht erlebt haben“, so die Autorin von „Mai 1945 in der Tschechoslowakei. Erinnerungen jenseits und diesseits der Grenze“. Auf tschechischer Seite gebe es großes Interesse bei der jüngeren Generation, nachdem die Geschehnisse ab 1945 unter dem kommunistischen Regime lange verdrängt und verschwiegen worden seien. „Ich selbst merkte schon während meiner Studienzeit, welch immens großen Anteil die Deutschen an der Kultur meiner Heimat gehabt hatten.“Und: „Die Vertreibung der Deutschen war ein tiefgehender Aderlaß für die böhmischen Länder und hinterließ eine klaffende Wunde im Sudetenland.“ Kovačkovás zweisprachiges Buch, bei dem sie beide Sprachversionen selbst schrieb, erschien 2020 und entstand unter erschwerten Bedingungen. Wegen Corona habe sie nicht
reisen können, so Kovačková, und daher vor allem Sudetendeutsche ausgewählt, die in der Tschechischen Republik lebten, berichtet die tschechische Germanistin. Für ihr erstes Buch „Böhmisches. Allzu Böhmisches“ (Ý SdZ 48/2018) hatte sie vertriebene Sudetendeutsche in Deutschland interviewt und fotografiert und wurde dafür mit dem SL-Förderpreis für Publizistik 2017 ausgezeichnet. Für das Buch über die Zeit nach dem Mai 1945 in der Tschechoslowakei interviewte Kovačková zehn Landsleute, die aus unterschiedlichen Gründen nicht vertrieben wurden, sondern zunächst in der Heimat bleiben durften oder mußten. „Meine Gesprächspartner waren im Mai 1945 noch Kinder, die schlimme Dinge erleben mußten“, erklärt die junge Autorin und Wissenschaftlerin. Kateřina Kovačková: „Mai 1945 in der Tschechoslowakei/Květen 1945 v Československu“. LIT-Verlag, Münster 2020; 192 Seiten, 19,90 Euro. (ISBN 978-3-643-14766-0)
die zwei Wochen später erfolgte. Was zuerst als Glück erschien, war keines, denn ihr Los wurde dadurch vielleicht noch härter. Sieglinde erinnerte sich, wie ein selbsternannter „Kommisar“, der früher in Kamnitz für Deutsche gearbeitet habe und mit ihnen im Wirtshaus zusammengesessen sei, nun ein grausames Spiel mit ihrer Familie getrieben habe, wie mit allen Deutschen, derer er irgendwie habe habhaft werden können. Sieglindes 15jähriger Bruder wurde ins Kohlenrevier in Brüx/ Most verschleppt und mußte im Bergwerk arbeiten. Die Mutter und Sieglinde wurden mit vielen anderen auf einen Leiterwagen in das KZ Rabstein gebracht. An Rabstein selbst hatte die Zeitzeugin nur schemenhafte Erinnerungen, denn offensichtlich verdrängte das Kind vieles davon, was es nicht verarbeiten konnte: Metallbetten, Reihe an Reihe in einem großen Saal einer ehemaligen Fabrik, Schlafen mit der Mutter in einem Bett. Nachts Schüsse, die Erwachsenen sprachen davon, wer wieder erschossen worden sei… Die Mutter mußte zusammen mit anderen Frauen jeden Tag schwere Arbeit im Wald und auf dem Feld außerhalb des Lagers verrichten. Das kleine Mädchen blieb allein zurück. Die Angst war riesengroß. Ebenso das Glück, wenn die Mutter sie abends in die Arme schloß. Eines Tages bekam Sieglinde von einer Nachbarin eine Puppe, erinnerte sie sich für meine Aufzeichnung. Wie es die Frau geschafft habe, das Spielzeug ins Lager zu schmuggeln, sei ihr bis heute ein Rätsel. Doch danach – das wisse sie aus Erzählungen ihrer Mutter – habe sie nicht mehr so viel weinen müssen. Puppe Emmi habe ihr viel Trost gespendet und womöglich geholfen, diese grausame Zeit durchzustehen.
Schweres Familienschicksal Wegen der schweren Arbeit und Unterernährung erkrankte die Mutter an Ruhr und wurde in die Krankenbaracke verlegt und „mehr oder weniger sich selbst überlassen“. Aus der kindlichen Perspektive Sieglindes war dies ein Glücksfall: „Jetzt hatte ich meine Mutti den ganzen Tag und durfte an ihrem Bett sitzen.“ Sie verstand nicht, daß es sehr schlimm um die Mutter stand, der Tod war nahe. Wie die Mutter später erzählte – und auch das wiederholt sich in den Zeitzeugenberichten aus jener Zeit –, habe sie die Kraft zu leben aus dem Bewußtsein geschöpft, sie müsse für ihre Kinder da sein. Vom Internierungslager Rabstein kamen Mutter und Kind in ein Sammellager in Tetschen, wo sie auf ihre Aussiedlung warteten. Sieglinde bekam jedoch Keuchhusten, was ein Glück war, denn dadurch verzögerte sich ihr Abtransport. Der Mutter gelang es in dieser Zeit, den Sohn zu sich zu holen. Auch bei der Aussiedlung hatten sie Glück – ihr Transport ging in die Westzone, sie landeten in Hessen. Einige Anwesende hörten bei meiner Lesung mit echter Anteilnahme zu – darunter Senator Zbyněk Linhart, der als einer der Letzten ging. Das läßt hoffen. Wir brauchen offene, aufgeschlossene Menschen in entscheidenden Positionen, die möglichst frei von Vorurteilen sind und Uneindeutigkeit – nicht nur in der Geschichtsinterpretation – aushalten. Diese Uneindeutigkeit spiegelte sich ebenfalls in Berichten mancher Menschen, die anschließend über die Erinnerungen ihrer Eltern oder Großeltern in Böhmisch Kamnitz nach dem Kriegsende mit mir sprachen. Opfer und Täter lebten weiter miteinander in einem Ort. Das Wissen darüber ist in den Familien bis heute wach. Auch das ist ein Erbe der Vergangenheit.
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Ausstellungsansichten im Egerlandmuseum und Dr. Wolf-Dieter Hamperl bei der Vernissage. Im Egerland-Kulturhaus in Marktredwitz eröffnete eine Ausstellung über das Werk des akademischen Bildhauers und Malers Wilhelm Hager (ÞSdZ 20/2022). Hagers Geburtstag jährte sich im Mai 2021 zum hundersten Mal. Die ausgestellten Werke, Skulpturen aus Bronze und Ölgemälde stammen aus dem Nachlaß des Künstlers, der von seinen Nachkommen sorgsam gepflegt wird. Bei der Ausstellungseröffnung hielt der ehemalige SL-Bundeskulturreferent Wolf-Dieter Hamperl einen Vortrag über seinen Freund Willy, den er hier vorstellt.
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ilhelm Hager, von Freunden Willy genannt, war ein Egerländer aus Karlsbad. Dort kam er am 26. Mai 1921 zur Welt. Der Vater war Bühnenbildner. Die Mutter, Friedl Schuster, war Schauspielerin, Sängerin und Kabarettistin in Karlsbad, Wien und Berlin. Sie war auch Politikerin und saß als Sozialdemokratin von 1924 bis 1927 neben Eugen de Witte und Wenzel Jaksch im Prager Parlament. Schon in jungen Jahren stand Willy gemeinsam mit der Mutter auf der Bühne, am liebsten bei Stücken von Ferdinand Raimund und Johann Nestroy. Willy wuchs also in einer außergewöhnlichen Familie und Umgebung auf. Doch dann begann die Ausbildung zum Künstler. Er besuchte mit 14 Jahren die Porzel-
Bilder: Bernhard Fischer
� Große Ehrung des Lebenswerks des Egerländer Künstlers Wilhelm Hager
Egerländer Urgestein lanfachschule in Karlsbad, wo Waldemar Fritsch und Josef Hegenbarth unterrichteten. Von 1937 bis 1939 hatte er ein Stipendium an der Hochschule für Bildende Kunst in Weimar bei dem Karlsbader Grafiker Walther Klemm. Es kursiert das Gerücht, daß Walther Klemm immer mindestens einen Karlsbader an der Schule hatte, damit er mit ihm Eghalandrisch reden konnte. Der Stipendiat wohnte kostenfrei in der Klemmschen Villa. So kam Willy nach Weimar. 1939 bis 1941 war er Werkstudent in Berlin. Wegen politischer Differenzen mit seinem Lehrer Arno Breker, der dem NS-Regime nahe stand, verließ er die Hochschule für Bildende Kunst und wurde Mitglied der Ateliergemeinschaft Berlin in der Klosterstraße bei Käthe Kollwitz. Von da wurde er zum Militärdienst eingezogen. Den Krieg erlebte der junge Künstler auf der Krim, und er erlitt 1943 bei Charkov in der Ukraine eine schwere Schädelverletzung. Nach vielen Lazarett aufenthalten landete er 1944 am Gardasee. Hier und in Venedig
Wilhelm Hager und sein Selbstportrait 1944 . entstanden expressionistische Gemälde. Wegen dieser „entarteten“ Kunst wurde er von seinen Vorgesetzten gerügt und sogar eingesperrt. 1944 schrieb er sein lesenswertes Kriegstagebuch, das seine Vorstellung von zeitgemäßer Kunst und seine Einstellung zum Krieg dokumentiert. „Selbstbildnis in Uniform“, „Arena von Verona“ und „Kirche Santa Lucia
Bilder: Egerlandmuseum
in Venedig“ entstanden ebenfalls 1944. Sie überstanden das Kriegsende in einer Postkiste. Nach der Vertreibung strandete Hager in Illingen im Enzkreis. 1946 heiratete er Irmgard Kilian in Illingen. Hier wurde er ansässig und wart fortan freischaffender Maler und Bildhauer. In fast allen europäischen Großstädten war er an Ausstellungen beteiligt, und er hat-
te sehr viele öffentlich Aufträge („Kunst am Bau“). Seine Werke finden sich in der Staatsgalerie Stuttgart, im Schillermuseum in Marbach, in den Städtischen Sammlungen in München, Stuttgart und Bamberg, im Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg und im Egerlandmuseum in Marktredwitz. Bekannt gemacht haben den Künstler seine Bronzebüsten von Thomas Mann (1953), Hermann Hesse (1953) und Theodor Heuss (1958). Die Egerländer Kunstgalerie besitzt sein Bildnis von Richard Fleißner. Stets war er am Experimentieren, in den Siebzigern hing er der „informellen Kunst“ an. Seine Bilder wurden in New York, Paris und Rom ausgestellt. 1980 erhielt er den Sudetendeutschen Kulturpreis für Bildende Kunst, und die Porzellanfachschule in Karlsbad verlieh ihm die Ehrenprofessur. Am 14. Oktober 2006 starb Wilhelm Hager. Seine Erzplastik „Der Ackermann aus Böhmen“ steht bei mir daheim und erinnert mich mehrmals am Tag an Willy Hager, dieses Egerländer Urgestein.
Ausstellung „Wilhelm Hager“ Z
u sehen sind mehr als 30 Werke Hagers, Leihgaben aus seinem künstlerischen Nachlaß. Im Wesentlichen lassen sich die Exponate in fünf Gruppen gliedern: Portrait-Büsten in Bronze und Gips, Alusil-Skulpturen, Ölgemälde, Aquarelle und Informelle Lackbilder. Die Werke stammen aus verschiedenen Schaffensperioden ab 1944. Erläutert werden Hagers künstlerische Techniken und kreative Prozesse. Aussagekräftige Archivfotografien bieten eine Annäherung an den Menschen und Künstler Wilhelm Hager. „Wilhelm Hager – Akademischer Bildhauer und Maler“: Bis Sonntag, 30. Oktober in Marktredwitz, Egerlandmuseum im EgerlandKulturhaus, Fikentscher straße 24. Dienstag bis Sonntag 14.00–17.00 Uhr. 2 Euro, ermäßigt 1 Euro.
„Wilhelm Hager – Kriegstagebücher 1944“ (erhältlich für 9,90 Euro im Egerlandmuseum Marktredwitz) und Portraitbüsten sowie zwei Skulpturen des Künstlers in der Ausstellung.
Wilhelm Hager: „Venedig“ (1966, Öl auf Hartfaserplatte), „Arena in Verona“ (1944, Öl auf Hartfaserplatte) und „Weiden“ (um 1988, Öl auf Hartfaserplatte).
Bilder: Bernhard Fischer/Egerlandmuseum
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VERBANDSNACHRICHTEN . AUS DER HEIMAT
Dr. Jean Ritzke-Rutherford, Bischof Rudolf Voderholzer, Václav Chroust und Karl-Ludwig Ritzke.
Die Konzelebranten beim Pontifikalgottesdienst mit dem Hauptzelebranten Bischof Tomáš Holub in der Mitte und dem Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer links daneben. Bilder: Markus Bauer
� Symposium in Klattau
Setkávání – Encounters – Begegnungen ne Corona-Pause für diese Veranstaltung auch eine Erweiterung gebracht habe: das Element des Betrachtens und Schauens anhand der Krippen-Ausstellung, die das Verbindende der beiden Völker zeige. Er war beeindruckt von den wunderbaren Räumen und gratulierte zur Renovierung. Den Saal des Refektoriums ziert ein großes, vorwiegend aus Glas bestehendes Kreuz der Künstlerin Vladimíra Tesařová. Bischof Holub charakterisierte das Kreuz als Segen und Zeichen des Glaubens und der Hoffnung – auch für die Leute, die sich hier ehr als 100 Deutsche und träfen, und für die EntscheidunTschechen nahmen an der gen, die hier getroffen würden. Tagung teil. Der Zweite Bürger- Nach diesen Gedanken spendete meister von Klattau und Direk- Bischof Voderholzer dem Kreuz tor des Katakomby-Verbandes, den Segen. Die Künstlerin dankVáclav Chroust, hieß die Ehren- te den Vertretern der Stadt „für gäste aus Kirche und Kommu- die Hoffnung und das Vertrauen, nalpolitik willkommen und wies das mir gegeben wurde“ und apauf die beide Länder verbinden- pellierte, sich den Mut nicht nehden Aspekte hin. Für die Regens- men zu lassen. burger Ackermann-GemeinEin Klavierkonzert mit Werde entbot Schriftführerin Jean ken Ludwig van Beethovens und Ritzke-Rutherford die Grüße auf Antonín Dvořáks, die Tomáš tschechisch. „Aus der Hostýnek und Petr NoZusammenarbeit wurvák spielten, beendete de eine tiefe Freundden erste Tag des Symschaft“, stellte sie fest posiums. und dankte den VerDer an der Prager anstaltungspartnern. Karls-Universität wirKlattaus Bürgermeikende Professor Jan ster Rudolf Salvetr, der Royt schilderte am auch Parlamentsabgenächsten Tag anhand ordneter ist, erinnerzahlreicher Bilder „Kulte an die letzten zwei Rudolf Salvetr tur und Kultbeziehunschwierigen und verangen zwischen Böhmen staltungsarmen Jahre. und Bayern im MittelalEine wahre Perle nannter und der Barockzeit“. te er das renovierte früNatürlich fehlte der die here Jesuiten-GebäuDiözesen Prag oder Pilde, das im letzten Jahr sen und Regensburg im Rahmen einer Ververbindende Heilige sammlung der tscheWolfgang ebenso wechischen Bischofskonnig wie Kaiser Karl IV. ferenz gesegnet worRoyt verglich KathedraDr. len in Böhmen und Bayden sei. Die Pflege und Professor Renovierung der Kata- Klaus Unterbur- ern, wobei auch Bauger komben stehe bevor. meister, die in beiden Auf den Krieg in der Regionen tätig waren, Ukraine bezog sich Erwähnung fanden wie Karl-Ludwig Ritzke, Baumeister DientzenVorsitzender der Achofer oder die Gebrüder kermann-Gemeinde im Asam. Er verglich MariBistum Regensburg, in en- und Kreuzigungsseinem Grußwort. „Wir darstellungen oder Darin der Ackermann-Gestellungen der Taufe meinde sind aus den und Grablegung Jesu. Erfahrungen eines Aber auch Kirchen- und schrecklichen Krieges Dr. Miroslav He- Klosterbauten, marianiherausgewachsen. Wir rold SJ sche Bücher und Gnahaben gelernt, daß wir denbilder, Monstranaufeinander zugehen zen bis hin zu Nepomüssen, und daß wir mukfiguren und den das besonders gut als Mariensäulen zeigten Christen im christlichen Parallelen und ÄhnlichGlauben machen könkeiten beziehungsweise nen.“ Besonders freuzum Teil gleiche Grundte Ritzke das nun wielagen in der Architekder mögliche Treffen in tur, der Kunst und in Präsenz und verband der Volksfrömmigkeit. dies mit der Hoffnung, Professor Dr. Jan Da im Tagungsort bis daß dieses wunderbare Royt 30. September die AusWerk weitergehe. stellung „WeihnachtsDie nun vorliegende Doku- und Passionskrippen aus Böhmentation des Symposiums von men und Ostbayern“ läuft, war 2018 überreichte Chroust dem diesem Thema ein Vortrag geRegensburger Bischof Voderhol- widmet. Bischof Voderholzer bezer, zumal dieser auch damals faßt sich schon lange mit Kripviel zur Tagung beigetragen hat- pen, so hielt er gerne den Vortrag te. In seinem Grußwort betonte „Die Weihnachtskrippe (Betlém) Voderholzer, daß die erzwunge- – völkerverbindendes christliZum dritten Mal fand Ende Mai im Refektorium des ehemaligen und nun renovierten Jesuitenkollegs im westböhmischen Klattau das Symposium „Setkávání – Encounters – Begegnungen“ statt. Schirmherren waren die Bischöfe aus Pilsen und Regensburg, Tomáš Holub und Rudolf Voderholzer. Organisatoren waren die Ackermann-Gemeinde im Bistum Regensburg und der Katakomby-Verband Klattau in Kooperation mit dem Akademischen Forum Albertus Magnus und der Stadt Klattau. Das Thema hieß „Schutzherrin Bayerns und Böhmens: Marienverehrung durch die Jahrhunderte“.
M
ches Brauchtum“. In den Pausen erläuterte er die ausgestellten Krippen. Dem im Symposiumstitel speziell genannten Thema, der Gottesmutter Maria, widmeten sich die Vorträge von Professor Klaus Unterburger, der inzwischen an der Ludwig-Maximilians-Universität München lehrt, und des Jesuiten Miroslav Herold. Die Zeit von der Mitte des 16. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts mit zum Teil mehreren Konfessionswechseln oder Veränderungen bei den Landesherren und in Böhmen dem Sieg der Katholiken bei der Schlacht am Weißen Berg habe, so Unterburger, in Bayern wie in Böhmen die Gegenreformation mit sich gebracht. Dazu seien spanische und italienische Einflüsse gekommen, woraus neue Formen der Volksfrömmigkeit entstanden seien. In der Marienverehrung und -darstellung habe es aufgrund des nun deutlicheren emotionalen Bezugs neue Inhalte gegeben: Maria Hilf, Mutter vom guten Rat oder Maria Trost, Loreto-Kapellen, Maria Schnee, Maria Immaculata. An vielen Beispielen aus Bayern und Böhmen zeigte der Referent die Verbreitung dieser Verehrungsinhalte, wozu die Mariensäulen und das Patronat Mariens für ein Land oder eine Region gehören. „Darin drücken sich nicht nur Aussagen über Maria, sondern auch über die Menschen selbst, über ihre Emotionen aus.“ Die Bedeutung Mariens für die Jesuiten und besonders die Verbreitung der Verehrung und Verteidigung Mariens als Bestandteil der katholischen Reform und der Gegenreformation beleuchtete Herold. Ebenso ging er auf die Gründung von Mariengefolgschaften und -kongregationen für Männer – später auch für Frauen – ein. Als zentrales Thema der Jesuiten über die Jahrhunderte nannte er den
Aspekt „Maria ohne Erbsünde empfangen“, was 1854 als Dogma fixiert worden sei. Nach dem Vortrag wies Bischof Voderholzer darauf hin, daß im Bistum Regensburg die Marianische Männerkongregation bis heute ein starker Verband sei. In der ebenfalls renovierten Jesuitenkirche zur Unbefleckten Empfängnis klang mit einem festlichen Pontifikalgottesdienst das Symposium aus. Hauptzelebrant war Bischof Holub, die Predigt teilten sich die Bischöfe in deutscher und tschechischer Sprache. Der Gottesdienst sei die Krönung der Veranstaltung, die Begegnung mit Jesus. Dem Krieg in Europa habe das Symposium ein Zeichen der Einheit, Verbundenheit und Versöhnung
entgegengesetzt. Der inständige Appell der Bischöfe galt den Mächtigen, „die Einfluß haben, wie sich Geschichte entwickelt, und die Macht haben, Frieden zu stiften und die Waffen schweigen zu lassen“. Mit Blick auf das JesuitenMotto „Omnia ad maiorem dei gloriam“, deutsch „Alles zur größeren Ehre Gottes“, meinten sie: „Nirgendwo ist der Mensch so groß als da, wo er sich zu Gott erhebt und Gott zum Maß seines Wirkens macht.“ Mit anderen Worten: „Die Anbetung Gottes macht uns nicht klein, sondern groß!“ Mit der Empfehlung, der Gottesmutter als Fürsprecherin die Nöte Europas und der ganzen Welt anzuvertrauen, damit so schnell wie möglich Frie-
Die junge Stadt, erfrischend anders
Stadt Waldkraiburg Stadtplatz 26 84478 Waldkraiburg Telefon +49 8638 959-0 stadt@waldkraiburg.de www.waldkraiburg.de
den und Versöhnung geschaffen werden könne, beendeten die Bischöfe ihre Ansprache. „Daß die Waffen schweigen mögen“ und Friede und Versöhnung gestaltet werden können! Umrahmt wurde der Gottesdienst vom Kolegium pro Duchovní Hudku, deutsch Kollegium für Geistliche Musik, unter Vít Aschenbrenner. Ein schöner Brauch ist, daß die örtliche Brauerei Měšťanský Pivovar Klatovske einen kleinen Sud für die Symposiumsteilnehmer braut und im Namen oder Etikett auf das Thema – diesmal die heilige Maria – eingeht. Das erste Gebinde aus Bierflasche und Glas überreichte Václav Chroust beim Empfang am Freitagabend an Bischof Rudolf Voderholzer. Markus Bauer
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VERBANDSNACHRICHTEN
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SL-Kreisgruppe Straubing-Bogen
Jeden Monat ein neues Mitglied Bischof Werner Freistetter, Pater Johann Kiesling und Missio-Nationaldirektor Pater Karl Wallner.
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SLÖ
Kongomissionar ausgezeichnet Wie die SLÖ berichtet, wurde der Salesianerpater Johann Kiesling – er stammt aus Grafendorf im südmährischen Bezirk Znaim – Anfang Mai im Rahmen eines Festgottesdienstes im Wiener Stephansdom ausgezeichnet. Diesen zelebrierte der aus Nordböhmen stammende Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn, Träger des Karls-Preises 2018, anläßlich des Jubiläums 100 Jahre Missio Österreich.
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eit 40 Jahren missioniert Pater Johann Kiesling in der Demokratischen Republik Kongo. Nun wurde er mit dem Austria.on.MissionAward der Päpstlichen Missionswerke Missio ausgezeichnet. Bei einem Gottesdienst anläßlich 100 Jahre Missio in Österreich überreichte der für Mission und Entwicklung zuständige Bischof Werner Freistetter dem 88jährige Salesianer den Preis. Die Ehrung in der Kategorie „Missionaries from Austria“ gelte dem ganzen Orden, sagte MissioNationaldirektor Pater Karl Wallner. An Kiesling werde das Motto „Meine Mission ist die Liebe“ sichtbar. Einfach war es nicht für den 1945 aus der südmährischen Heimat vertriebenen Buben Johann. Als Halbwaise wuchs er bei Tanten in Wien-Stadlau auf und war kein besonders frommer Jugendlicher. „Ich habe Karten gespielt, bin tanzen gegangen und habe auch das eine oder andere Bier getrunken“, erzählte er einmal. Dennoch hatte der Stahlbauschlosser mit 19 Jahren die Eingebung, Missionar und Salesianer zu werden. Die meisten bezweifelten, daß es ihm gelingt, bis zur Matura durchzuhalten und danach noch zu studieren. Aber Johann hielt die ersten Jahre durch, dann kam eine große Kränkung. Er wurde nicht zum Noviziat zugelassen. Salesianerpater Havranek holte ihn als Betreuer ins Lehrlingsheim nach Graz. Hier schafft er die Matura am strengen Akademischen Gymnasium und die Aufnahme in den Orden. „Ich muß froh sein, daß Gott mich genommen hat“, sagt er. Demütig sei er geworden, das sei sehr wichtig. „Ich mußte noch viel einstecken. Das ist mir von da an leichter gefallen.“ Nach dem Studium und der Priesterweihe wollte der junge Pater sofort seine Koffer packen für den von ihm so ersehnten Missionseinsatz. Der Orden brauchte ihn jedoch in Landeck und in Fulmpes. Nicht ein Jahr, nicht zwei Jahre, ganze 16 Jahre wartete Pater Kiesling auf die Erlaubnis, endlich Missionar sein zu dürfen. Natürlich waren diese Wanderjahre nützlich. „Ich bin reif geworden und erwach-
sen. So konnte ich mit vielen Situationen besser umgehen.“ Zusätzlich unterhält er bis heute gute Kontakte zu seinen ehemaligen Schülern. Von ihnen und vielen anderen Freunden erhält er Spenden für seine Arbeit. Die setzt er für die Menschen in seiner zweiten Heimat Kongo ein. Die Missionsstation der Salesianer ist im Süden des Landes. Kipushya ist so groß wie ein mittleres Bundesland in Österreich. Die Gemeinschaft der Salesianer betreut dort 40 Dörfer und führt Schulen und Internate. Denn: „Die Grundlage jeden Fortschritts ist Bildung.“ Der Unterricht ist für Pater Kiesling wichtig. Die Kapellen in den Dörfern sind gleichzeitig auch Schulen. Da kann es schon vorkommen, daß der Missionar die Tafel löscht, bevor er mit dem Gottesdienst beginnt. Wichtig ist auch die medizinische Betreuung der Bevölkerung. Die Menschen leben von der Landwirtschaft, sind arm und können oft nicht Schulgeld oder Medikamente bezahlen. Wenn ein Medikament drei Euro kostet, ist das mehr als die Tageseinnahmen einer ganzen Familie. Auch hier hilft Pater Kiesling mit den Spenden aus Österreich. Zusätzlich baute er unzählige Brunnen und bekämpfte so die Cholera. Außerdem kümmerte er sich um Leprakranke. Und sein Herzensprojekt? „Meine Spender bezahlen für circa 670 Waisenkinder in unserer Mission das Schulgeld.“ Ein Ausdruck seiner Zuneigung zu vernachlässigten Jugendlichen sind seine Schuhe. Der Pater geht auch in Wien in Sandalen. „Sie wurden von den Straßenkindern gemacht, was mich sehr freut“, sagte er im Stephansdom. Gott sei die Quelle des Guten, betonte er. „Er bewegt willige Menschen, anderen zu helfen. Ich bin nur der Überbringer der Guttaten anderer Leute.“ Den Spendern und Unterstützern wolle er die Dankbarkeit derer, die die Hilfe empfingen, weiterreichen. „Ich erlebe Dankesbezeugungen, die mich manchmal beschämen. Etwa, wenn ein Leprakranker dafür dankt, daß er von uns eine Decke erhält und sich freut, daß in der Ferne irgendjemand an ihn gedacht hat.“
Lissek und Vladimir Nedved für den erweiterten Vorstand vorgeschlagen. Mit ihnen seien die Sprachen Russisch, Polnisch und Tschechisch abgedeckt. Sie würden künftig dafür verantwortlich sein, die grenzüberschreitenden Beziehungen mit Vorstandsunterstützung zu fördern. Hans Loher trug für Vermögensverwalter Scheufler den Rechenschaftsbericht 2021 vor. Mit Kassenprüfer Bruno Sturm bestä-
matvertriebenen und Aussiedler ein; ebenso für die Stärkung der deutschen Minderheiten, die in der Heimat verblieben sind.“ „Er bedeutet uns sehr viel“, sagte Hörtler und würdigte Zellingangs richtete Kreisobfrau meier als mutigen Kämpfer für Sonnhilde Bachmeier Grüdie Interessen der Sudetendeutße ihres erkrankten Ko-Kreisobschen. Und: „Daß wir ein so großmanns Roland Scheufler aus. artiges Sudetendeutsches MuDessen Rede trugen Bachmeier seum bekommen haben, ist im und Manfred Hubl vor. ganz Großen das Verdienst von Pfarrerin Erna Meiser geSepp Zellmeier.“ Dieser habe dachte der verstorbedie Finanzierung – 20 nen Mitglieder, OberMillionen Euro vom bürgermeister MarFreistaat, zehn Milliokus Pannermayr und nen vom Bund – orgaVize-Landrat Andreas nisiert. Im immer noch Aichinger würdigten schwierigen bayerischdas Engagement der tschechischen Dialog Kreisgruppe für Friespreche Zellmeier muden und als Brückentig auch problematibauer. In seinem vorsche Themen an. Damit getragenen Rückblick helfe er, daß dieser Diadankte Scheufler für log vorankomme. den Zusammenhalt und Zellmeier erklärte, das gemeinsame Wirdaß ihn die hohe Ausken. Außerdem dankzeichnung völlig überte er unter anderem Moderator Manfred Hubl, Kreisobfrau Sonnhilde Bach- rasche, ihn unglaublich der Sudetendeutschen meier, Josef Zellmeier MdL und Landesobmann Steffen freue und er sich sehr Stub‘n-Musi, der Man- Hörtler. geehrt fühle. Sie sei eifred-und-Julius-Hublne Verpflichtung, die Band, dem bundesweit ausge- tigte er eine vorbildliche und ord- Anliegen der Heimatvertriebezeichneten Amateur-Filmer Her- nungsgemäße Kassenführung. nen weiter in den Mittelpunkt zu wig Hlawa und dem Ehepaar Nach einstimmiger Entlastung stellen und als Teil des nationaZwickenpflug. Neben zahlrei- des Vorstandes und Vermögens- len Kulturerbes zu begreifen. chen eigenen Veranstaltungen verwalters fanden die NeuwahVöllig überrascht war auch das blickte Scheufler auf viele über- len unter Leitung von Josef Zell- langjährige Mitgliedsehepaar regionale Veranstaltungen zu- meier MdL statt. Zu gleichbe- Mündel, als es mit einem Gerück. rechtigten Vorständen wurden dicht von Roland Scheufler und Außerdem begrüßte Scheufler erneut Sonnhilde Bachmeier und einer Urkunde anläßlich seines die drei neuen Mitglieder Franz Roland Scheufler gewählt. 65. Hochzeitstages geehrt wurde. Antesberger, der seiner verstorAnschließend zeichnete Stef- Nach der Ehrung wurde das Böhbenen Marianne folgt, Ladislav fen Hörtler, SL-Landesobmann merwaldlied gesungen und RoPalko aus Schemnitz in der Slo- und Stellvertretender SL-Bun- land Scheuflers Ausblick auf die wakei und Dana Cimtrova aus desvorsitzender, Zellmeier mit neue Amtsperiode vorgetragen. dem nordböhmischen Warns- der Silbernen Verdienstmedail- Die Sudetendeutsche Stub‘ndorf. le der Landesgruppe aus. Aus Musi begleitete das anschließenSL-Mitglied Vladimir Ned- Scheuflers schriftlicher Laudatio: de Beisammensein. Heuer geved habe Dana und Ladislav für „Im Rahmen Deiner politischen wann die Kreisgruppe bereits die Kreisgruppe gewonnen. Be- Aufga-ben setzt Du Dich inten- fünf neue Mitglieder, mithin ein wußt habe er, Scheufler, Andreas siv für die Interessen der Hei- neues Mitglied pro Monat.
Anfang Mai traf sich die niederbayerische SL-Kreisgruppe Straubing-Bogen zur Jahresversammlung im Gasthof Schützenhaus.
BdV-Kreisberband Erlangen/Mittelfranken
Wachwechsel Ende Mai traf sich der mittelfränkische BdV-Kreisverband Erlangen.
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enate Gregor, die frühere Ehrenamtsbeauftragte der Stadt Erlangen, hat nun auch den Vorsitz beim Kreisverband des Bundes der Vertriebenen und Spätaussiedler abgegeben. Der Vorsitzende des BdV-Bezirksverbandes Mittelfranken, Gerhard Russ, war eigens angereist, um der noch in Schlesien geborenen Heimatvertriebenen für ihren hohen Einsatz und die großen Verdienste während ihres zehnjährigen Wirkens als Kreisvorsitzende zu danken.
Zum neuen Vorsitzenden wurde der Herzogenauracher Christoph Lippert gewählt, der auch der Kreisgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Erlangen vorsteht. Darüber hinaus war er einige Jahre Bundesgeschäftsführer der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Der Bund der Vertriebenen und Spätaussiedler versteht sich als Koordinator und Vertreter aller Landsmannschaften, die im Raum Erlangen präsent und aktiv sind. Mit der zur Stellvertretenden Kreisvorsitzenden gewählten Hilke Meier von der „Tanzund Späldeel Erlangen“ ist die Landsmannschaft der Pom-
Die Tracht der Bauern aus dem Gebiet des Pyritzer Weizackers ist die bekannteste Tracht Pommerns. mern dort ebenso vertreten wie die Banater Schwaben durch die Schatzmeisterin Barbara Hehn und die Schlesier mit Christiane Biedermann als Schriftführerin und Renate Gregor, die weiterhin als Beisitzerin mitwirkt.
Auf die Fortsetzung ihrer guten Zusammenarbeit freuen sich Schriftführerin Christiane Biedermann, Schatzmeisterin Barbara Hehn und Stellvertretende Vorsitzende Hilke Meier. Renate Gregor gab ihr Amt als Vorsitzende des BdV-Kreisverbandes Erlangen ab, bleibt aber als Beisitzerin im Vorstand präsent. Der BdV-Bezirksvorsitzende Gerhard Russ ist eigens gekommen, um den Wachwechsel zu begleiten. Der neue Vorsitzende ist Christoph Lippert, ehemaliger Bundesgeschäftsführer der SL.
Fahne der Banater Schwaben zieht in Sankt Ulrich ein.
Kurt Aue und Dr. Hella Gerber in der Kirche. Bilder: Jasmin Dornstauder
BdV-KV Augsburg
Meßwein oder Maibock? Unter dem Dach der bayerischschwäbischen BdV-Kreisverbände Augsburg Stadt und Augsburg Land feierten die SLKreisguppen Augsburg-Stadt und Augsburg-Land, die Banater Schwaben und die Siebenbürger Sachsen eine Maiandacht. Kurt Aue, Obmann der SL-Kreisgruppe Augsburg-Land und Vorsitzender des BdV-Kreisverbandes Augsburg Land, berichtet.
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und 200 Besucher waren der Einladung der beiden BdV-Vorsitzenden, Hella Gerber für Augsburg Stadt und mir für Augsburg Land, in die Kirche Sankt Ulrich in Königsbrunn gefolgt. Dort erlebten sie eine würdige Maiandacht. Musikalischen Hochgenuß boten der Chor der Banater Schwaben und das Blasorchester Königsbrunn. Einige Fahnenabordnungen, angeführt von den SL-Ortsgruppen Königsbrunn/Wehringen/ Klosterlechfeld und Gersthofen, den Banater Schwaben aus Augsburg und den Siebenbürger Sachsen zogen in das Gotteshaus ein. Die Andacht zelebrierte Stadtpfarrer Bernd Leumann. Die Fürbitten las der frühere Bayerische Staatsminister Thomas Goppel aus dem oberbayerischen Eresing. Weitere prominente Gottesdienstbesucher waren Carolina Trautner MdL, bis vor kurzem Schirmherrschaftsministerin der Sudetendeutschen, Andreas Jäkkel MdL, Vorsitzender des BdVBezirksverbandes Schwaben, Volker Ullrich MdB, der Augsburger Bürgermeister Bernd Kränzle, der Königsbrunner Bürgermeister Franz Feigl, der Wehringer Bürgermeister Manfred Nerlinger, Untermeitingens Zweiter Bürgermeister Manfred Salz, Altlandrat Karl Vogele, Anita Donderer vom Egerländer Heimatkreis Neudeck, Barbara Slowak und Leo Schön vom Heimatkreis Braunau, Matthias Kunzer, Vorsitzender des UdV-Bezirksverbandes Schwaben, und Dietmar Heller, Stellvertretender Obmann der SL-Landesgruppe Bayern. Auf die Anfrage eines evangelischen Kommunalpolitikers aus der Stadt Augsburg, ob es bei den Katholiken nach der Maiandacht Maibock gibt, reagierten die Banater Schwaben mit einigen Kästen Maibock, der nach der Andacht serviert wurde. Zum Schmunzeln: Gibt es in Zukunft bei der Maiandacht Maibock anstatt Meßwein? Das ist die Frage aller Fragen.
Neudeker Heimatbrief
Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 3. 6. 2022
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für die Heimatfreunde au+ Stadt und Landkrei+ Neudek Neudek
Abertham
Bärringen
Folge 634 · 6/2022
Frühbuß
Platten
Patenstadt Augsburg
Heimatkreis Neudek – Patenstadt Augsburg. Heimatkreisbetreuer: Heinrich Hegen, Pflugstraße 41, 86179Heimatkreisbetreuer: Augsburg, Telefon (08 21) XXXXXXX. Heimatmuseum Stadt und Kreis Neudek, Von-Cobres-Straße 5, 86199 Besichtigungstermine bei Heimatkreis Neudek in der Sudetendeutschen Landsmannschaft – Patenstadt Augsburg. Josef Grimm, Waxensteinstraße 78c, 86163 Augsburg, Telefon (08 21) 6Augsburg. 41 42, eMail grimm-augsburg@ Josef Grimm, Telefon (08 21) 6 41 42, eMail grimm-augsburg@t-online.de oder Dieter Thurnwald, Telefon (08 21) 88 05 55. Heimatgruppe „Glück auf“ Stadt und Landkreis Neudek – Vorsitzender: Heinrich Hegen. Neudeker Heimatbrief – Verantwortlich von t-online.de. Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek, von-Cobres-Straße 5, 86199 Augsburg; Besichtigungstermine bei Josef Grimm. Heimatgruppe Glück auf – Freunde des Heimatmuseums Stadt und Landkreis Neuseiten der Heimatgruppe: Dieter Thurnwald. Redaktion: Herbert Fischer, Hochstraße 8, 81669 München, Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail neudeker@sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. dek in Augsburg, eMail heimatgruppe-glueckauf@t-online.de, Internet www.heimatgruppe-glueckauf.de – Vorsitzender und zuständig für den Neudeker Heimatbrief: Josef Grimm. Redaktion: Lexa Wessel, eMail neudeker@ Erscheint achtmal jährlich im Abstand von etwa sechs Wochen. Jahresbezugspreis 25,00 EUR. Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe: Mittwoch, 14. März. sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Jahresbezugspreis 31,25 EUR. Konto für Bezugsgebühren und Spenden: Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft, Stadtsparkasse München – IBAN: DE69 7015 0000 0906 2126 00, BIC: SSKMDEMMXXX. Redaktionsschluß für Folge 635 (7/2022): Ende Juni.
Abertham vom Pleßberg aus gesehen.
Bilder: Familienalbum Grimm/ikatastr.cz/ags.cuzk.cz
Abertham
Die Geschichte des Geschäftsund Wohnhauses der Familie Grimm einem wirtschaftlichen schäfts- und WohnhäuAufschwung. Lenka ser Aberthams aus. Löfflerová beschrieb in Im Grimm-Stammder tschechischen Zeitbaum väterlicherseits, schrift „Krušnohorský den HobbyahnenforHerzgebirge Luft“ im scher aus dem Verbertham liegt in 930 Metern November 2018, die wandtenkreis lückenlos Höhe und wurde im Jahr 1529 Entwicklung von Wohlbis 1535 erstellten, ervon fränkischen und sächsischen stand in Abertham, darscheint erstmals bei JoSiedlern gegründet, als man in gestellt am Beispiel hann Grimm, geboren diesem Teil des Erzgebirges Sil- des Entstehens vieler Pepp Grimm. am 13. August 1768 in ber und Zinn fand. Nachdem die Fabrikantenvillen. Im Abertham und als BergErzlagerstätten erschöpft waren, Neudeker Heimatbrief und im mann tödlich im Schacht verunlebte die Bevölkerung beschei- „Grenzgänger“ veröffentlichten glückt, die Hausnummer 110. Im den von dem Spitzenklöppeln. wir vor zwei Jahren diesen Be- Jahr 1770 hatte Maria Theresia Entsprechend einfach waren die richt in deutscher Übersetzung. in allen habsburgischen Erblänkleinen Häuser einer AberthDer durch die aufstreben- dern die Anbringung von Hausamer Straßenzeile. Erst als der de Handschuhindustrie ent- nummern angeordnet, so auch in Aberthamer Adalbert Eberhart standene Wohlstand beschränk- Abertham. im Jahr 1850 das Handschuhma- te sich nicht nur auf die FabriDer älteste Katasterplan von cherhandwerk aus Wien in sei- kanten, sondern wirkte sich Abertham stammt aus dem Jahr ne Heimat mitbrachte, kam es zu allmählich auch auf die Ge- 1842. Man kann ihn im Internet unter ags.cuzk.cz/archiv/ einsehen. Dort ist das Haus Nummer 110 an der Senke eingezeichnet, bei der die rote Wistritz die Straße nach Sankt Joachimsthal quert. Diesen Teil Aberthams bezeichnete man als die Mühle oder da Mill. Dort befand sich früher eine Mühle an der Wistritz, mit der die Familie Grimm offenbar etwas zu tun hatte. Denn im Grimm-Stammbaum wird für Johann Grimm, geboren am 18. September 1662, und seinen Sohn Antonius Grimm, geboren am 17. Januar 1692, der Beruf Pachtmüller beziehungsweise Müller angegeben. Von dem Häuslein Nummer 110, wie es in den Jahren 1906 bis 1924 aussah, haben wir im Familienalbum eine Zeichnung. Diese zeigt das Geschäftsund Wohnhaus der Familie meines Großvaters Franz Grimm Die kleinen, einfachen Häuser einer Aberthamer Straßenzeile um 1900. (1870–1938), von Beruf SchuhNeudeks Heimatkreisbetreuer Josef Grimm kam in Abertham zur Welt. Er schildert die Geschichte des Geschäfts- und des Wohnhauses seiner Familie.
machermeister und im Jahr 1928 auch Bürgermeister von Abertham. Das kleine Haus war für ein Geschäftshaus und das Haus ei-
schaft im Deutschen Turnverein und im Theaterverein bekannt. Somit war es kein Wunder, daß er aus dem kleinen Haus ein größeres Geschäfts- und Wohnhaus
Bergbaustollen, der bis knapp an die Erdoberfläche reichte. Dies war im bergbaudurchlöcherten Erzgebirge keine Seltenheit.
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Eine Zeichnung des alten Häusleins Nummer 110 der Familie Grimm, wie es von 1906 bis 1924 aussah. nes späteren Bürgermeisters nicht repräsentativ. Außerdem lag es für ein Geschäftshaus an ungünstiger Stelle: nicht zentral im Ort, sondern am Ortsrand. Mein Vater Pepp Grimm (1899–1961) erlernte auch das Schuhmacherhandwerk und trat in den elterlichen Betrieb ein. Er legte in diesem Fach die Gesellenprüfung und dann die Meisterprüfung ab. In Abertham war er durch seine aktive Mitglied-
in der Stadtmitte machen wollte. Und er sparte eisern für dieses Vorhaben. Er erwarb den nötigen Grund nur etwa 50 Meter von dem Marktplatz entfernt in der EvaBuchholz-Straße 20. Dort plante er für damalige Verhältnisse ein stattliches Geschäfts- und Wohnhaus. Als es im Jahr 1924 endlich an das Ausheben des Fundaments ging, traf ihn ein großer Rückschlag. Man stieß auf einen
Im benachbarten Bärringen wird von einem ähnlichen Fall berichtet: „Bei der Renovierung des Gasthofes Bärringer Hof im Jahr 1850 brach das Fundament ein, und der ganze Giebel stürzte in die Tiefe, wo sich ein unbekannter Stollen befand. Man mußte eine große Menge Steine in die Grube werfen, um sie aufzufüllen. Aber die Grube war wie ein Faß ohne Boden.“ Bitte umblättern
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NEUDEKER HEIMATBRIEF
Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 3. 6. 2022
� Aberthams letzter deutscher Bürgermeister
Adolf Huth Dieser Text ist eine Ergänzung des Beitrages „Gegen das Vergessen. Die Aberthamer Opfer tschechischer Gewalt von 1945“ im Neudeker Heimatbrief Nr. 623 (Þ SdZ 28/2021). Bürgermeister Adolf Huth war der Großvater des Autors Roland Huth.
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Das Haus der Familie Grimm wurde 1924 gebaut …
… und beherbergt heute eine Werkstätte.
� Fortsetzung von Seite 17
Die Geschichte des Geschäfts- und Wohnhauses der Familie Grimm So traf es also auch meinen Vater. Um den Stollen unter dem neu zu bauendem Haus aufzufüllen, mußte er fast das ganze angesparte Geld für Zement und Kies ausgeben. Beides mußte über die Eisenbahnlinie Karlsbad–Johanngeorgenstadt nach Bärringen und von dort per Spedition nach Abertham transportiert werden. Er mußte Kredite für die weitere Finanzierung des Hauses aufnehmen. Doch die Mühe und finanzielle Anspannung lohnte sich, denn es entstand ein schönes Geschäftshaus mit einem Verkaufsraum für Schuhe und einer Schuhreparaturwerkstätte im Erdgeschoß. Da sich die Neue Schule gleich gegenüber befand, und die Alte Schule, das heutige Rathaus, am Marktplatz nur etwa 50 Meter entfernt war, nahm er auch noch Schulartikel und Galanteriewaren wie Schmuck oder modische Gebrauchsgegenstände dazu. Die Wohnräume befanden sich im ersten Stock und Lagerräume im Dachgeschoß. Die Geschäfte liefen anfangs gut. In den Jahren 1929/1930 gründete er eine Familie. Die zu Beginn leidvolle Familiengeschichte beschrieb ich im Neudeker Heimatbrief Nummer 12/2015. Meine Schwestern Rosl und Gretl kamen in diesem Haus auf die Welt und ich, als der ersehnte Stammhalter, im Dezember 1942. Leider blieben Geschäftssorgen durch die industrielle Massenproduktion von Schuhwaren des tschechischen Unternehmens Baťa nicht aus. Teure, handwerkliche Einzelanfertigungen waren nicht mehr gefragt. Baťa-Schuhe wurden nicht nur in Baťa-Filialen verkauft, sondern
Ein Baťa-Prospekt.
Josef Grimms Durchschlag des Enteignungsdokuments „Přihláška pro Němce“, in welchem der damals Dreijährige als „Deutscher, Ungar und anderer Feind der Republik“/„Němec, Maďar a jiný nepřítel republiky“ bezeichnet wurde. Bilder: Familienalbum Grimm/ikatastr.cz/ags.cuzk.cz auch in branchenfremden Läden ohne fachliche Verkaufsberatung. Auch ein Gemischtwarenladen in Abertham nahm BaťaSchuhe in sein Verkaufssortiment auf. Die Folge war, daß die
Das Haus Nummer 110 im Katasterplan aus dem Jahr 1842.
Leute dort die wesentlich billigeren, industriell gefertigten Schuhe kauften. Die alteingesessenen Schuhgeschäfte waren nur noch für die Reparatur von schief getretenen Absätzen oder durchgetretenen Sohlen gefragt.
Die Schuhmacher sangen damals sarkastisch, als ihnen die Bat‘a-Massenware das Leben schwer machte: „Baťa, Baťa, großer Schuster, gehst mir nicht mehr aus dem Sinn, deine Låtschn, deine Potschn sind in 14 Tagen hin.“ Trotz des Geschäftsrückganges gelang es meinen Eltern, die Kredite für das Haus bis zu dem Jahr 1944 abzuzahlen. Als es dann schuldenfrei war, nahmen es uns die Tschechen im Jahr 1946 weg und jagten uns im Viehwaggon wie Bettler davon. Ich besitze den Durchschlag des Enteignungsdokuments „Přihláška pro Němce“, von meinem Vater zwangsweise erstellt und am 4. April 1946 unterschrieben. Darin bin ich als damals dreijähriges Kind als „Deutscher, Ungar und anderer Feind der Republik“/„Němec, Maďar a jiný nepřítel republiky“ aufgeführt. Damit endet die Geschichte des Geschäfts- und Wohnhauses im Besitz der Familie Grimm in Abertham. Im Jahr 1966 reiste ich mit einer meiner Schwestern erstmals nach der Vertreibung in meine Geburtsheimat. „Unser“ Haus befand sich in tschechischem Staatsbesitz und war von tschechischen Mietern bewohnt. Um hineinzugelangen, hatte ich den tschechischen Satz auswendig gelernt: „Jsme děti vlastníka a chceme vidět naše vlastnictví“ Deutsch: „Wir sind die Kinder des Eigentümers, und wir wollen unser Eigentum sehen.“ Wir stießen auf Verwunderung, aber man zeigte uns unsere ehemaligen Wohnräume. Ich konnte auch das Zimmer sehen, in welchem ich auf die Welt gekommen war. Seitdem war ich bei meinen inzwischen vielen Besuchen in Abertham nie mehr in „unserem“ Haus. Irgendetwas sperrt sich in mir. Heute gehört das Haus einem gewissen Jozef Hraško, der darin eine Autoreparaturwerkstatt betreibt. Die Hausnummer 20 ist gleich geblieben, nur der Straßenname hat sich in Siegesstraße/ Vítězná geändert, auch nachzulesen im Internet unter www.ikatastr.cz. Ich habe kein Interesse mehr an dem Haus, die Zeit ist darüber hinweggegangen. Aber meine Familiengeschichte, die lückenlos von 1535 bis 1946, also volle 411 Jahre, immer in Abertham im Stammbaum dokumentiert ist, kann mir niemand nehmen.
ls mein Vater Ferdinand Huth nach sechsjähriger Kriegsdienstzeit in der Nacht von 12. auf den 13. Oktober 1945, von Johanngeorgenstadt kommend, wieder in sein Elternhaus Nr. 37 in Abertham kam, traf er seine Mutter in Trauerkleidung an. Sein Vater Adolf Huth war gerade erst beerdigt worden. Sie berichtete ihm rasch, was sich ereignet hatte, und bedeutete ihm, noch in derselben Nacht zu seiner Sicherheit wieder zurück nach Sachsen zu gehen. Was war seit und mit dem Einmarsch der Tschechen nach Abertham Anfang Mai 1945 geschehen? Adolf Huth war, wie alle Aberthamer, Deutscher. Damit war er gemäß dem Dekret Nr. 5 des tschechischen Staatspräsidenten Edvard Beneš vom 19. Mai 1945, in Kraft getreten am 23. Mai 1945, als eine „staatlich unzuverlässige Person anzusehen“, deren Vermögen unter nationale Verwaltung zu stellen war. Aber schon am 10. Mai 1945 waren die Betriebsräume der Firma Adolf und Karl Huth, die Lederhandschuhe erzeugte, versiegelt worden. Damit war eine Produktion nicht mehr möglich, und 20 Beschäftigte verloren ihren Lebensunterhalt. Adolf Huth war darüber hinaus Bürgermeister von Abertham. Damit war er in den Augen der Tschechen und gemäß dem Beneš-Dekret Nr. 16 vom 19. Juni 1945 wohl ein „Helfer der unerhörten Verbrechen, welche Nazisten und ihre verräterischen Mitschuldigen an der Tschechoslowakei begangen haben“. Zur Aburteilung wurden außerordentliche Národný výbor, auf deutsch Volksgerichte, eingeführt, politische Justiz auf Zeit. Zum Zeitpunkt der Verhaftung Adolf Huths war ein solches Gericht mit Sitz in der Kreisstadt Neudek sicher noch nicht einmal eingerichtet gewesen. Als er aus der Haft nach Hause zurückkam, hatte er sein Gehör verloren, seine Ohren waren von den Schlägen deformiert, und auf sei-
ner Brust waren blutunterlaufene Abdrücke einer Stiefelsohle. Am 8. Oktober 1945 wurde Adolf Huth erneut verhaftet und mit anderen Männern und Frauen im Gemeindegefängnis im Nachbarort Bärringen eingesperrt. Von dort sollte er am anderen Tag mit dem Zug vermutlich vor das tschechische außerordentliche Volksgericht in Neudek gebracht werden. Weil der Zug bereits im Bärringer Bahnhof, oberhalb des Ortes gelegen, eingefahren war, mußten die Gefangenen dorthin bergauf rennen. Das war für Adolf Huth wegen seines Asthma-Leidens nicht zu schaffen. Er bekam einen Anfall. Dabei verlor er seine Zahnprothese. Als er sich bückte, um sie wieder aufzuheben, schlug ihm der letzte Mann der Eskorte, ein Mann mit Namen Milo, mit dem Gewehrkolben derart heftig auf den Kopf, daß er zusammenbrach. Da er sich nicht mehr rührte, wurde er in das Haus der Resi Bauer, das in der Bahnhofstraße liegt, getragen. Dort starb er. Das war am 9. Oktober 1945, er war 57 Jahre alt. Sein Schwager Ferdinand Günther junior fuhr mit dem Traktor nach Bärringen und holte den Leichnam ab. Bei der Beisetzung in der Huth-Gruft im Aberthamer Friedhof durfte die Gemeinde nicht teilnehmen, nur die engsten Angehörigen. Auch der Pfarrer war ausgeschlossen. Der Friedhof wurde umstellt. Eine Grabrede durfte nicht gehalten werden. Das katholische Pfarramt Abertham unter Pfarrer Johann Nath stellte die erhalten gebliebene Sterbeurkunde am 16. Oktober 1945 aus. Genauer Todeszeitpunkt oder genaue Todesursache sind nicht genannt, lediglich der Tag – 9. Oktober 1945 – und der Ort – Bärringen – des Todes. Die Huth-Gruft im Abert hamer Friedhof befand sich bis Mitte der 1990er Jahre in gutem Zustand. Erst dann ist der Grabstein mit den Namen der in der Gruft Bestatteten eingestürzt, nachdem ein Baum gegen die Friedhofsmauer, damit auch gegen den Grabstein gedrückt hatte. Seither liegt ein Bruchstück des Grabsteines mit den Namen „Paula Homolka, Pauline Kugler“ und teilweise „Adolf Huth“ auf der Platte der Gruft.
2013 weihten der deutsche Pfarrer Bernd Reithemann aus dem bayerischschwäbischen Offingen und der tschechische Pfarrer Petr Fořt aus Graslitz den Gedenkstein auf dem Aberthamer Friedhof ein.
WIR GRATULIEREN Den treuen Beziehern des Neudeker Heimatbriefs, welche im Monat Juni Geburtstag haben, wünschen wir von Herzen alles Gute und viele schöne Jahre in Gesundheit und Zufriedenheit: n Sauersack. Elfriede Fastner, Turmstraße 13, 95698 Neualbenreuth, 28. Juni 1939.
n Eibenberg. Hans Hermann Lauber (Nr. 30), Sattlerbad 8, 38855 Wernigerode, 14. Juni 1939. n Neuhammer. Johanna Spahr/Meindl (Ober Neuhammer 141), Am Rain 6, 86517 Wehringen, 29. Juni 1946.
Reicenberger Zeitung
Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 3. 6. 2022
Stadt und Kreis Reichenberg
Kreis Deutsch Gabel
Nordböhmi[e Um[au
Redaktion: Nadira Hurnaus, Baiernweg 5, 83233 Bernau, Telefon (0 80 51) 80 60 96, eMail rz@sudeten.de
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Kreis Friedland
Kreis Gablonz
� Die Geschichte der nordböhmischen Stadt Deutsch Gabel – Teil I
Wird Havel zu Gabel? Dom neben der Wenzelskapelle beigesetzt wurden. Der Name Gabel stammt wahrscheinlich vom mittelalterlichen lateinischen Gablona für Zoll oder Zollstätte ab. Die Lage des Ortes am Südrand des böhmischen Grenz-Urwaldes des Lausitzer Gebirges erhärtet diese Auslegung des Namens. Durch diesen Wald führte über einen bequemen, breiten Paß eine uralte Handelsstraße in das Gebiet der Neiße ins sächsische Zittau. Von altersher gab es in Gablona eine wichtige Zollstelle, wo die Kaufleute gern Rast machten, ehe sie durch den Wald weiterzogen. Nicht ausgeschlossen
ein geschichtlicher Beweis liegt der Elbe, heute Sachsen, beur- die Namen deutscher Lokatoren zu ihnen gehörte auch Zittau, bilnicht vor. kundet. Gemeinsam bauten sie – das sind Leiter und Organi- deten im Landtag einen eigenen Seit dem 9. Jahrhundert waren 1241 die Burg Lämberg. Von da satoren der neuen Rodungssied- politischen Stand, in Böhmen Böhmen und Mähren in Gaue an war Havel Alleinbesitzer von lungen – gehen zurück die Orte den dritten Stand. Ihnen wureingeteilt, in Böhmen 52 Gaue. Gabel und Lämberg. Markersdorf, Ringelshain (Rein- de im Stadtrecht sogar das HalsDie Ortschaften eines Gaues waUm diese Zeit ließ Havel Mar- holdsheim), Hermsdorf (Her- gericht und das Meilenrecht zuren verpflichtet, die öffentlichen quarde um Gabel eine Festungs- mannsdorf), Johnsdorf, Seifers- gestanden. Letzteres bedeutete, ie Schreibweise des daß im Umkreis eiWege und Brücken in gutem mauer bauen, da Namens Deutsch ner Meile niemand Stand zu halten, Wälder zu lich- ganz Böhmen von Seifersdorf ist nach einem Siegfried, Gabel hatte im Verein städtisches Geten und die Burgen auszubes- den Mongolen belaufe der Geschichsern, wenn sie schadhaft wurden. droht war. Diese Kriesdorf nach einem Christian benannt werbe ausüben durfte die verschiedente. Auf den Burgen saßen die lan- Mauer ist zum Teil sten Formen: Gablona, YabloBedeutend weniger Rechte desfürstlichen Beamten, Castel- noch erhalten. Sie umschloß in dorf (Siegfriedsdorf), Kriesdorf ni, Jahbel, Jabel, Kabel, Zahbel, lani und später auch Burggrafen weitem Rund den großen vierec- (früher Krisendorf von Christi- und politischen Einfluß hatten Gabel, Nord-Gabel und Deutsch genannt. Sie hatten die königli- kigen Marktplatz, den die Holz- an), Dittersdorf, später nach dem jene Städte, die unter der HerrGabel. Deutsch Gabel ist die älchen Einkünfte einzuheben und häuser der Bürger und einige Kirchenpatron Pankraz benannt, schaft des Adels standen. Zu ihteste Stadt in Nordböhmen. Die die vom Provinzgericht gefällten Seitengassen umgaben. In der und Petersdorf. Das Stadtrecht nen gehörte die Stadt Gabel. Die ganze Gegend war mit Wald beUrteile zu vollziehen. Sie nah- Südostecke stand die Pfarrkir- konnte nur der König verleihen. Bewohner waren meist Bauern, deckt. Nach einer alten Lokalsamen im Land eine hervorragende che, umgeben von einem Fried- Gabel hatte es sicher schon seit Fuhrleute, Handwerker und Kräge sollen sich hier um mer. Sie waren zwar freie BesitStellung ein. Der Kö- hof. Im Osten erhob sich das Do- 1364. Gallus von Lemberg war der Gemahl nig pflegte in schwie- minikanerkloster mit seiner Kirdas Jahr 722 KohlenEine ähnliche Reihenfolge zer von Grund und Boden, durfbrenner niedergelasrigen Fällen ihren Rat che, in deren Gruft Zdislava, die der Entwicklung sehen wir bei ten aber keine politischen Rechder seligen Zdislava sen haben. Die erste einzuholen. Schloßherrin von Lämberg und der Nachbarstadt Zittau. Zittau te ausüben. Sie waren in allem angebliche Gründung von Gabel ist, daß der Name des Ortes von Im 12. Jahrhundert war Gabel Gründerin des Klosters, nach ih- war eine wendische oder sorbi- von der Grundobrigkeit abhänSudetendeutscher verliert sich im Dunkel der Vor- seiner Lage als Verkehrsmittel- der Mittelpunkt des Gaues glei- Tag 2022 rem– Festabzeichen Tode 1252 beigesetzt wor- sche Gründung. Sie wird 1238 als gig. Nur mit deren Erlaubnis zeit. punkt abgeleitet wurde. Dort ga- chen Namens. Auf einer histori- den war. deutsche Siedlung genannt und durften sie die Stadt mit MauErzählt wird, daß Přibislava, belten sich schon von jeher die schen Karte mit der GaueinteiDer Handels- und Warenver- 1255 von König Ottokar II. zur ern und Gräben umgeben, das eine Schwester des heiligen Wege und Straßen in verschiede- lung des 12. Jahrhunderts sind kehr ging direkt über den Markt- Stadt erhoben. Marktrecht ausüben, die SchöpWenzel, die mit dem damaligen ne Richtungen. die Dekanate Gabel und Kamenc platz. Die ursprüngliche Anlage Im 14. Jahrhundert war Ga- pen –in Gabel seit 1399 – wähBesitzer von Gablona verheiratet Wenn wir von der früheren zu einem Gau vereinigt. Die ist noch im heutigen Grundriß zu bel bereits eine blühende Stadt. len. Den Bürgermeister und den gewesen sei, diesen Ort mit ei- Haupthandelsstraße von Prag Grenze bildeten im Süden die El- erkennen. 1249 nennt sich Ha- Die Stelle, an der die ehemalige Stadtrichter ernannte der Grundner festen Mauer umgeben und über Gabel nach Zittau ausge- be bei Altbunzlau, im Osten die vel bereits in einer lateinischen Veste stand, dürfte am Platz des herr. Der Grundherr hatte unter zur Stadt erhoben habe. Das soll hen, so führten von Gabel aus al- Iser, im Westen eine Linie über Urkunde de Yabloni. Nach der späteren Gasthofs Zum Herren- anderen folgende Rechte: l Heimfallrecht. Starb ein 945 oder 970 gewesen sein. Nach te Straßen über Ringelshain, Paß den Berg Bösig gegen Leipa und Stadtgründung durch Havel, den haus in der Nähe der Sankt-Laudem Tode ihres Gemahls habe oder Burg Hammerstein ins Nei- Kamnitz bis zur LandesgrenGemahl der seligen Zdisla- rentius-Kirche zu suchen sein. An Untertane kinderlos, fielen ihm sie sich zurückgezogen und ein ßetal. Im Südosten verlief eine ze, im Norden das Lauva, hatte Gabel einen seiner Stelle wurde um 1890 das dessen Güter zu. l Patronatsrecht. Der Gutsfrommes, wohltätiges Leben ge- Straße über Seifersdorf, Kries- sitzer Gebirge. Vorort namens neue Amtsgebäude der Kreisführt. Sie sei in Gabel gestorben dorf, Oschitz nach Böhmisch Der älteste, Ceská ves, spä- verwaltung gebaut. Die günsti- herr präsentierte den Pfarrer. Das und unterhalb des Berges Kru- Aicha. Dort steht ein Schloß aus urkundlich beter Böhmisch- ge Lage der Stadt an der uralten Patronatsrecht war einträglich, tina begraben worden. Einige dem 12. Jahrhundert. Über Böh- kannte Besitdorf. Hier Hauptstraße von Prag nach Bran- weil auch die Pfarrer dem HeimJahre danach soll ein frommer mischdorf und Waldau gelang- zer von Galebten die denburg und Polen förderte ih- fallrecht unterworfen waren. l Jeder Untertan war verMann namens Chotislav über ih- te man zum Hauptsitz der War- bel ist CoiaBewohner ren Wohlstand. 1351 verbot Kairem Grab eine Kapelle Zur seli- tenberger. Im Norden zweig- ta von Brüx. nach ih- ser Karl IV. den Görlitzern, die pflichtet, eine bestimmte Anzahl gen Přibislava errichtet haben. te der Weg über Hermsdorf und Jaroslav, der rem frühe- Straße über Friedland zu befah- von Tagen im Jahr unentgeltlich t e d n 1204 nennt der Domprobst Chri- Mergthal, der an der Burg Tol- Sohn Marren Recht ren. Zuwiderhandelnden drohte auf herrschaftlichem Grunde zu i überwnzen arbeiten. stianus von Sankt Veit in Prag lenstein vorbeiführte, nach Rum- quards II., weiter. Die der Verlust von Hab und Gut. G re l Das Recht, Abgaben von in seiner Legende vom heiligen burg ab. Im Westen ging es über des KastelNeugrünDurch die Verleihung von Wenzel den Namen Přibislava Kunnersdorf gegen Zwickau zur lans von Tetdungen wur- Standesprivilegien unter Přemysl den Grundstücken, von den HäuI N zum ersten Mal. Burg Mühlstein bei Hoffnung, schen, stand als den nach deut- Ottokar II. (1253–1278) an den sern, vom Gewerbe, vom Markte U J Die Sage von der Stadtgrün- einem Herrensitz der Berka von Ritter im Dienst schem oder Adel, die Geistlichkeit und an die und vom Bierausschank zu for3. B I S 6. dung Gablona wurde erstmals Duba, Dubsky genannt. des Coiata von Brüx. Nürnberger Recht Städte wurde die Wirksamkeit dern. l Das Recht zur Ausübung 1399 aufgezeichnet. Ihr folgt Gallus von Lemberg oder Ha- Dieser hinterließ in seinem verwaltet. der alten Burggerichte stark beWenzel Hajek von Libočan, der vel z Lemberka war der Gemahl Testament von 1227 dem JarosDie Kolonisation hatten schon einträchtigt, so daß deren Unter- des Halsgerichtes. Im 16. und 1521 kurze Zeit Schloßkaplan der seligen Zdislava und um- lav das Gut Jabloni. Anfangs be- sein Vater Marquard II. 1220 und gang bald folgte. Als Gegenge- 17. Jahrhundert konnte auch der in Lämberg war. Kaiser Karl IV. gab Gabel mit einer Steinmau- saßen Jaroslav und sein Bruder sein Großvater, Hermann von wicht gegenüber der Herrschaft Stadtrat ein Todesurteil fällen, (1346–1378) ließ die Gebeine er. Durch eine Lautverschiebung Havel die Gegend von Gabel ge- Ralsko (1174–1197), begon- des Adels begünstigte König Ot- welches jedoch der Grundherr der heiligen Přibislava nach Prag wäre schon möglich, daß aus Ha- meinsam. Jaroslav ist seit 1239 nen. Havel setzte sie mit Um- tokar II. die Gründungen von bestätigen mußte. Fortsetzung folgt bringen, wo sie im Sankt-Veits- vel Gabel geworden wäre. Aber als Burggraf von Königstein an sicht und Nachdruck fort. Auf Städten. Die Königlichen Städte,
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Anläßlich des 72. Sudetendeutschen Tages in Hof beginnt die Reichenberger Zeitung. Nordböhmische Umschau mit einer Serie über die Geschichte von Deutsch Gabel.
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REICHENBERGER ZEITUNG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 3. 6. 2022
� Reichenberger Alpenfex
Helmut Kneitschel † Ende 2021 starb Urd Rothe-Seeliger, Heimatkreisbetreuerin und Heimatvereinsvorsitzende von Reichenberg Stadt und Land. Nun verließ uns mit Helmut Kneitschel erneut ein engagierter Reichenberger.
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Der Friedländer Pfarrer Pater Artur Ściana segnet das neue Straßenkreuz, rechts das Kreuz. Bilder (2): Stanislav Beran
� Friedland
Feierliche Kreuzweihe Mitte Mai weihte der Friedländer Pfarrer Pater Artur Ściana nach der Sonntagsmesse in der römisch-katholischen Kirche der Kreuzfindung bei sonnigem Frühlingswetter ein neues aus Holz gefertigtes Kreuz, das am Ende eines kleinen Waldes links neben dem ehemaligen alten Pilgerweg vom Friedländer Krankenhaus nach Schönwald steht, feierlich ein.
Die Kapelle 1964.
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n der Feierlichkeit nahmen 20 Leute aus Friedland teil. Das Kreuz, das sich etwa 400 Meter vom Krankenhaus entfernt befindet, wurde an der gleichen Stelle errichtet, an der sich eine Kapelle befunden hatte, die in den siebziger Jahren abgerissen worden war. Der Grundriß der Kapelle war etwa drei Meter mal dreieinhalb Meter, und die Höhe betrug vier
Bild: Museum Reichenberg
bis fünf Meter. Der hufeisenförmige Bau mit einem Dreiecksgiebel an der Vorderseite hatte ein giebelständiges, nach hinten gerolltes Dach. Der Eingang in die Kapelle war halbrund. Die Kapelle befand sich auf zwei Grundstücken. Ddas eine Grundstück mit der Nr. 3060/5 ist in Privatbesitz, das andere Grundstück mit der Nr. 1050 gehört der KreisStraßenverwaltung der Reichenberger Region. Schönwald war ein deutsches Dorf. Im Jahr 1935 lebten 1037 Deutsche und drei Tschechen in dem Dorf. Im Jahr 2022 wurden in Schönwald 477 Einwohner registriert. Vergangenes Jahr standen dort 156 Häuser. Vielen Jahre nach dem Abriß entstand die Idee, ein Kreuz im Gedenken an die abgerissene historische Kapelle an jenem Ort zu errichten. Von der abgerissenen Kapelle und ihren Überresten ist heute nichts mehr zu sehen. Wann genau diese Kapelle, in der sich ein kleiner Altar und eine Heiligenstatue befanden, gebaut wurde, ist nicht bekannt. Die erste schriftliche Erwähnung der Kapelle stammt bereits aus dem Jahr 1843 und ist mit der Eingetragung in die Karte des Gebäudekatasters verbunden. Dann kam jedoch die Zeit des Kommunismus. Nicht nur die heiligen Kreuze und sa-
krale Denkmale an Wegesrändern wurden nach 1945 absichtlich beschädigt und liquidiert. Auch diese historische Kapelle, eine interessante Besonderheit dieses Ortes, die ein Stück Geschichte gewesen war, entkam den damals regierenden Kommunisten nicht. Auch sie wurde zum allmählichen Verfall verurteilt. In den siebziger Jahren wurde sie schließlich dem Erdboden gleichgemacht. Das neue Kreuz ist auch eine Erinnerung an die Geschichte dieses Ortes. Heute ahnt keiner mehr, daß da einst eine Kapelle stand. Nichts – so der Wille der Kommunisten in den siebziger Jahren – sollte an die Kapelle erinnern, die ein beliebtes Ziel vieler christlicher Pilgern gewesen war. Gemeinsames Unterwegssein zu heiligen Orten war für Gläubige früher ein besonderes Erlebnis. Heute zeugen nur noch wenige alte Fotografien von dieser Vergangenheit. Stanislav Beran
� Gablonz und Kaufbeuren-Neugablonz
Jubliäum der Städtepartnerschaft Anfang Mai besuchte Stefan Bosse, Bürgermeister der bayerisch-schwäbischen Stadt Kaufbeuren, das Rathaus im nordböhmischen Gablonz.
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Pause das beliebte Kaufbeurer Tänzelfest statt“, sagt Kateřina Hujerová, die für das Programm der Partnerstädte zuständig ist. Sie fügt hinzu, daß Gablonz in Kaufbeuren diesmal durch den Stellvertretenden Bürgermeister Milan Kouřil zusammen mit dem Verein Damen und Herren von Gablonz und einem Jugendblasorchester vertreten sein werde.
elmut Kneitschel war eines der wenigen Mitglieder der Sektion Reichenberg des Deutschen Alpenvereins (DAV), die noch in Reichenberg zur Welt gekommen waren. Er hat sich über viele Jahrzehnte um die Sektion und ihre Belange als Hütten- und Wegewart sowie als Leiter der Geschäftsstelle gekümmert. Es gab kaum Fragen, die er nicht beantworten konnte. In der Durchführung aller Geschäfte war er stets genau, verläßlich und pünktlich. Er erwarb sich früher als viele andere Wissen im Bereich des Computers und gestaltete eine Homepage, auf der alle ehemals sudetendeutschen Hütten und deren Geschichte zusammengefaßt waren. Seine Liebe gehörte der Fotografie und der Geologie. Wir verdanken ihm eine sehr genaue Aufzeichnung der Gesteinsarten,
die sich rund um unsere Hütte befinden. Er vertrat uns im Heimatkreis Reichenberg und sorgte dort immer dafür, daß unsere Hütte beachtet und für sie gespendet wurde. Helmut war sehr gerne gemeinsam mit seiner Frau Rosemarie in den Bergen unterwegs. Mit ihm verlieren wir einen treuen Freund und Weggefährten in der Fürsorge um eine Sektion, die stolz auf ihre Geschichte und ihre Gegenwart ist. Wir werden ihm stets ein ehrendes Angedenken bewahren und ihn in sehr guter Erinnerung behalten. „Helmut Kneitschel war langjähriges Mitglied in der Sudetendeutschen Landsmannschaft und hat als geborener Reichenberger langjährig das Bestehen der Reichenberger Heimatstube mitgestaltet. Seine Liebe galt den Bergen und natürlich seiner Heimat in Reichenberg. Bei vielen Gelegenheiten hat er sich mit seiner Frau Rosemarie den Aufgaben in der Landsmannschaft gewidmet und an vielen Veranstaltungen teilgenommen. Wir vermissen ihn sehr“, fügt der Reichenberger Hans G. Pieke hinzu.
KREIS DEUTSCH GABEL Heimatkreis und Gemeindebetreuer gratulieren allen treuen RZ-Abonnenten aus dem Kreis Deutsch Gabel, die im Juni Geburtstag, Hochzeitstag, ein Jubiläum oder sonst ein Ereignis begehen. Heimatkreis und Gemeindebetreuer wünschen alles Gute, Gesundheit, Wohlergehen und Zufriedenheit sowie den Kranken unter uns baldige Genesung. n Heimatkreis – Geburtstag. Am 25. feiert Rosl Machtolf, Ortsbetreuerin von Hennersdorf (Haus-Nr. 198), Hirschgasse 21, 71397 Leutenbach, ihren 87. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich und wünschen ihr alles Gute, vor allem aber Gesundheit. Gleichzeitig hoffen wir, daß die Leser der Reichenberger Zeitung noch viele Jahre von ihrem unerschöpflichen Wissen profitieren können. Ihre fundierten Geschichten aus der Heimat „vn dr heme“ sind einzigartig. Bei dieser Gelegenheit dankt der Heimatkreis auch für die bisherige Unterstützung ganz herzlich. Othmar Zinner
n Deutsch Gabel – Geburtstage. Am 20. Ida Thum (Witwe von Ernst Thum, Haus-Nr. 64), Richard-Wagner-Straße 41, 82538 Geretsried, 72 Jahre. Othmar Zinner Helga Hecht n Brins – Geburtstag. Am 19. Alfons Peter Mader (HausNr. 94), Walther-Heim-Straße 8, 86161 Augsburg, 86 Jahre. Walter Seidel n Kriesdorf – Geburtstag. Am 19. Kurt Elstner (Ndf. 22, Landwirt), Alter Markt 4, 06526 Sangerhausen, 90 Jahre. Christian Schwarz. n Kunnersdorf – Geburtstag. Gerhard Stohl (Haus-Nr. 377), Hasenheide 17, 47918 Tönisvorst, 86 Jahre. Steffi Runge n Zwickau – Geburtstage. Am 7. Reinfried Prokop, KarlMarx-Straße 57, 15366 Hoppegarten, 83 Jahre, und am 17. Siegfried Herrmann, Bergweg 13, 55595 Hargesheim, 97 Jahre. Othmar Zinner
Der Gablonzer Bürgermeister Jiří Čeřovský wurde zur Feier des 75jährigen Bestehens des Stadtteils Neugablonz nach Kaufbeuren eingeladen. Dieser Jahrestag sollte bereits 2021 gefeiert werden, aber die Feierlichkeiten hatten wegen der Corona-Pandemie auf dieses Jahr verschoben werden müssen. Der Kaufbeurer Bürgermeister Stefan Bosse war nicht zu-
ürgermeister Stefan Bosse wollte die Beziehungen zwischen den beiden Städten nach der Corona-Pandemie wiederbeleben. Er traf sich mit dem Gablonzer Bürgermeister Jiří Čeřovský und dessen Stellvertreter Milan Kouřil. Das Hauptthema des Treffens war die Planung gemeinsamer Aktivitäten in diesem Jahr. Ende Juni wird eine Gruppe von Kaufbeurer Gymnasiasten das Gymnasium Dr. Anton Randa in Gablonz besuchen, um die langjährige Schulpart- Der Stellvertretende Bürgermeister von Gablonz, Minerschaft fortzuset- lan Kouřil, Kaufbeurens Bürgermeister Stefan Bosse zen. „Im Juli findet und der Gablonzer Bürgermeister Jiří Čeřovský im Bild: Stadt Gablonz nach zweijähriger Gablonzer Rathaus.
fällig an diesem Tag nach Gablonz gekommen. An jenem 5. Mai fand in der Prager Repräsentanz des Freistaates Bayern der tschechisch-bayerische Kommunaltag statt, bei dem Stefan Bosse die Entstehung der Partnerschaft zwischen Kaufbeuren und Gablonz und deren mittlerweile 13jährige Dauer vorstellte. Das war ein großer Erfolg, und die außergewöhnliche bayerisch-tschechische Partnerschaft wurde als „good practice“ – gute Praxis – bezeichnet, die zu einer Inspiration für andere kommunale Freundschaften geworden sei. Auch Bayerns Europaministerin Melanie Huml war gekommen. Sie sagte, die Zusammenarbeit mit der TschechiBeim bayerisch-tschechischen Kommunaltag schen Republik solist auch Bayerns Europaministerin Melanie le weiter verstärkt Huml, wo sie Peter Barton, Leiter des Sudeten- werden. deutschen Büros in Prag, trifft. Stanislav Beran
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itte Mai wurde nach der Winterpause die Verbindungsstraße II/290 um die Darretalsperre – hier ein Bild der Talsperre zu deutschen Zeiten – im Abschnitt Dessendorf-Wittighaus wieder eröffnet. Nun können die Autofahrer hier wieder ohne Einschränkungen durchfahren. Stanislav Beran
TERMINE n Freitag, 2. bis Sonntag, 4. September, Kriesdorf: 65. Heimattreffen in Jonsdorf im Kurhaus Jonsdorf. Übernachtungen dort bitte selbst reservieren bei Kurhaus Jonsdorf, Auf der Heide 9, 02796 Luftkurort Jonsdorf,
Telefon (03 58 44) 71 10, eMail kurhaus-jonsdorf@t-online.de, Internet www.kurhaus-jonsdorf. de. Auskunft und Unterstützung: Christian Schwarz, Telefon (0 04 36 99) 11 12 59 56, eMail chris@clcs.at
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 3. 6. 2022
Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Teplitz-Schönau
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den See gärten 35a, 63920 Großheubach, Tele fon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail erhard.spacek@gmx.de Redak tionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Graupen
Niklasberg
� Erhard Spacek
Erfolgreicher Unternehmer und leidenschaftlicher Landsmann des späteren Präsidenten Vacláv Havel, Miloš Havel, gegründet. Dort arbeitete er elf Jahre lang als Koch und Restaurantleiter und baute sich gute Kontakte zu Politik und Gesellschaft auf. 1965 heiratete er Renate, 1967 kam Sohn Thomas zur Welt. Anfang 1976 wagte das Ehepaar den Weg in die Selbständigkeit und startete mit dem eigenen Restaurant Sankt Wenzel in München-Schwabing in der Ungererstraße 67. Schnell war das gepflegte Restaurant beliebt und bekannt und
Gäste, unter anderem Oberbürgermeister Christian Ude, Anton Roßbach, der Deutsche Botschafter in Prag, CDU-Kanzlerkandidat Rainer Barzel und der Europaabgeordnete Bernd Posselt. Spacek trat im Bayerischen Fernsehen in der Sendung „Böhmische Küche“ auf und war Ideengeber für die Serie „Briefe aus Böhmen“. Er war auch Autor des Buches „Neue böhmische Küche und Weine aus Böhmen und Mähren“. Mit vielen böhmischen Festen und Veranstaltungen, sogar im Bayerischen Ministerium
waren Spaceks 30 erfolgreiche Gastronomiejahre vernichtet. Als Spacek seine Gastronomie-Karriere beendet hatte, fragte Bernd Posselt, der auch Stammgast war, ob er nicht die Kreisbetreuung Teplitz-Schönau wieder beleben und übernehmen rhard Spaceks älterer Brukönne. Als Sudetendeutscher mit der heißt Peter. Seine Mutseiner Liebe zu Teplitz-Schönau ter Hilde Barwinek war eine Suund der Notwendigkeit das Nedetendeutsche aus Radowesitz gative aus dem Sozialismus zu und sein Vater Josef Spacek ein überwinden, sagte er nach kurzer Tscheche aus Teplitz. DesweÜberlegung zu. gen wurde die Familie nach dem Er erinnerte sich an die VerZweiten Weltkrieg nicht vertrietreibung seiner Verwandtschaft ben. mütterlicherseits und, Obwohl er die Grundals in der Heimat Verund Mittelschule erfolgbliebener, an die tschereich abgeschlossen hatchische Diskriminiete, durfte er nicht auf die rung nur ein HalbdeutIndustrie- und Handelsscher zu sein. Auch schule, denn der Vater mißfiel ihm die einseitiwar kein Arbeiter und ge Presse, die nur über die Mutter eine DeutPrag und die drei Bäsche. Das Arbeitsamt der Karlsbad, Marienbot ihm Porzellanmabad und Franzensbad ler und Installateur an. berichtete. Das älteste Man einigte sich dann Bad Teplitz-Schönau mit auf Koch. Das gefiel sei- 1983: der Schlagersänger Jürgen Markus, Er- 2002: Bayerns Verkehrsminister Otto Wies- seiner großartigen Gener Mutter, weil man im- hard Spacek, der Schauspieler Karl Lieffen heu, Spacek mit Lorbeerkranz aus Kräutern schichte und Tradition, und der Journalist Michael Frank. mer im Warmen ist, gut und eine böhmische Schlachtplatte. mit seinem erfolgreizu essen hat und auch chen Zusammenwirken noch Geld verdient. von Deutschen, Juden Am 15. September und Tschechen wurde 1956 begann er seine nicht erwähnt. Lehre als Kellner und Dies war seine MoKoch in der Bahnhoftivation, um mit Teplitgaststätte in Teplitzzern den Verein TeplitzSchönau. Nach der LehSchönau Freundeskreis re bewarb er sich in eizu gründen und sofort nem renommierten aktiv zu werden. Mit Hotel in Prag. Dessen Freunden wie der TeplitPersonalabteilung lehnzer Fürstenfamilie Clate ab, und er mußte in ry und Aldringen soTeplitz bleiben. Aus Prowie meiner Familie aus test wechselte er ins mir, Hermann, und meiBaugewerbe und arbeiner Frau Siegrid Kautztete ein Jahr lang als 1992: Erhard Spacek mit Sohn Thomas, Frau Renate und Bruder Peter. ner, wurde mit dem SatDachdecker. Das war zungszweck gestartet: 2003 macht Erhard Spacek sein Restaurant geschichtliche Bildung ihm wiederum anstandsSankt Wenzel zu. Die Schließung begeht er speziell bei der Jugend los genehmigt worden. mit einer großen Abschiedsparty. Unter den zu vermitteln, den Erhalt Im Januar 1962 mußGästen sind der Tschechische Generalkon- von Kunst- und Kulturte er zum zweijährigen sul Dr. Milan Dufek (links oben), der tsche- denkmalen zu unterstütMilitärdienst. Die komchisch-deutscher Karikaturist, Zeichner und zen sowie Heimatpflege munistische ČSSR steckIllustrator, Autor und Filmregisseur Ivan Stei- und Versöhnung zu bete ihn in eine Einheit für ger (links unten) und Bernd Posselt, Bundes- leben. politisch Unzuverlässivorsitzender der Sudetendeutschen Landsge, Kriminelle und PfarSpeziell die Vermittmannschaft und langjähriger Stammgast im lung der wahren Gerer. Dort erfüllte er als Sankt Wenzel. Koch den Dienst für‘s schichte bei der heutiVaterland. gen Bevölkerung, die Zurück in Teplitz kellKommunismus und nanerte er wieder. Schließtionale Regime verdreht lich bot sich 1964 die hatten, bietet die Basis Chance, eine Ausreise zur Verständigung zwifür sich und seine Freunschen den Volksgrupdin Renate Seebeck, die pen. Entsprechend vieler seit der Vormilitärfältig sind die Aktivizeit kannte, zu Verwandtäten des Vereins in ten in die BRD zu beanTeplitz-Schönau und tragen. Dank seines daUmgebung, unter andemaligen Chefs, der beste rem mit jährlichen HeiBeziehungen als ehemamattreffen, Vorträgen, liger Sowjet-Offizier hatdem Mitwirken beim Erte, durften sie reisen. halt der Kulturgüter und Spacek kam am 18. der Gestaltung von JuAugust 1964 bei seiner Großmut- erhielt beste Kritiken in einschlä- für Umwelt mit Blaskapelle aus gendaustausch. Alle Aktivitäten ter in Icking bei München an. gigen Zeitschriften und Restau- Budweis, wirkte er als Brücken- stehen auf der Webseite www.teSeine geliebte Renate kam erst rantführern. bauer zwischen Tschechen und plitz-schoenau.com. sechs Wochen später bei ihrer Zu seinen Gästen und Freun- Sudetendeutschen. Beste Beziehungen wurden Tante in Holzhausen in Hessen den zählten der aus Ossegg Leider wurde das Haus, in dem zur Stadtverwaltung, zum Gyman. Da sie nicht mehr in die Hei- stammende Staatsschauspieler sich das Lokal befand, verkauft nasium, zum Teplitzer FK und zu mat zurückkehrten, wurden sie Karl Lieffen, der aus Schlesisch und Spacek nach 27 Jahren ge- den Nordböhmischen Philharwegen Republikflucht verurteilt Ostrau stammende Schriftsteller kündigt. Aus gesundheitlichen monikern aufgebaut, die schon und erst später begnadigt. Ota Filip, Karikaturisten wie Ivan Gründen mußte er auch sein neu- mehrfach auf Einladung im SuSpacek fand in München eine Steiger, Louis Murschetz, Dieter es Sankt Wenzel in der Amalien- detendeutschen Haus in MünStelle in der Goldenen Stadt, be- Hanitzsch, Filmstar Peter Ustinov straße verkaufen. Sein Nachfol- chen spielten. Dafür gebührt Errühmt für ihre böhmische Küche. und Theaterkritiker Joachim Kai- ger, war so glücklos, daß er Kon- hard Spacek Dank. Das Restaurant hatte der Onkel ser. Auch aus der Politik kamen kurs anmelden mußte. Somit
Vorige Woche feierte Heimatkreisbetreuer Erhard Spacek 80. Geburtstag (Þ HR 21/2022). Dies nahm sein Weggefährte und Landsmann Hermann Kautz ner zum Anlaß, Spaceks Lebensweg nachzuzeichnen
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er Tscheche Ivan und die Deutsche Jutta Beneš leben in TeplitzSchönau und leben die deutsch-tschechische Freundschaft. Dank Jutta Benešová, die natürlich auch Tschechisch spricht, kann der „Heimatruf“ regelmäßig über Teplitz-Schönaus Gestern und Heute berichten. Dabei unterstützt sie ihr perfekt Deutsch sprechender Ehemann Ivan. Die Familie Beneš ist eine Patchworkfamilie, beide brachten ein Kind aus erster Partnerschaft in ihre Ehe mit. Juttas Tochter Petra kam 1968, Ivans Sohn Pavel 1974 und die gemeinsame Tochter Dagmar 1980 zur Welt. Mittlerweile haben sie gemeinsam sechs Enkel und drei Urenkel.
WIR GRATULIEREN Unseren treuen HeimatrufAbonnenten wünschen wir alles Gute und herzliche Glück- und Segenswünsche zum Geburtstag im Monat Juni:
n Ossegg/Kreis Dux. Annemarie Bräuer/Kraupa (Deutzendorf), Karl-Günzel-Straße 19, 09599 Freiberg, 9. Juni 1931.
n Heimatkreis Dux. Helmut Gustav Sacher, Ortsbetreuer von Dux und Ladowitz, Habichtsweg 44, 64380 Roßdorf, Telefonn (0 61 54) 8 31 32, eMail helmut.sacher@t-online.de, 26. Juni 1944.
n Graupen/Kreis TeplitzSchönau. Christa Eichler/Baumgartl, Riedgrabenweg 18, 86356 Neusäß, 20. Juni 1939; Walter Eichler, Riedgrabenweg 18, 86356 Neusäß, 29. Juni 1932.
TERMINE n Montag, 13. bis Donnerstag, 16. Juni: Übernachtungsangebot des Teplitzer Kurhauses Beethoven. Auskunft und Buchung: Michal Sincak, eMail info@lazneteplice.cz n Donnerstag, 16. bis Sonntag, 19. Juni: 8. Kreistreffen in der Heimat. Donnerstag eigene Anreise nach Teplitz-Schönau, Hotel Prince de Ligne (Zámecké náměstí 136); 17.00 Uhr dort Abendessen; 19.00 Uhr konzertante Aufführung der Oper „Bergmönch“ von Joseph Wolfram (1789–1839), Komponist und Teplitzer Bürgermeister, in der Nordböhmischen Philharmonie (10 Euro bitte beim Abendessen bezahlen). Freitag, 9.00 Uhr Abfahrt zur Talsperre Flayh mit Besichtigung der Sankt-Johannes-der Täufer-Holzkirche; Mittagessen in Teplitz-Schönau; anschließend Spaziergang mit Jutta Benešová und Besichtigung der Stadtbibliothek, Seumekapelle und
Sankt-Elisabeth-Kirche; Fahrt nach Ossegg; dort Abendessen im Brauereigasthof Zum schwarzen Adler. Samstag, 9.00 Uhr Abfahrt nach Aussig; dort Besuch der Ausstellung „Unsere Deutschen – naší němci“ im Stadtmuseum; Rückfahrt über das Mittelgebirge zum Mittagessen; 18.00 Uhr festliches Konzert in der Beuroner Kapelle zur Einweihung des neuen Altars mit dem Leitmeritzer Bischof Jan Baxtant; anschließend Buffet und Getränke im Presbyterium der Kapelle. Sonntag eigene Heimreise. Änderungen vorbehalten. Kostenbeitrag inklusive drei Übernachtungen, Frühstück, bewachtem Parkplatz, Bus, allen Mahlzeiten, Besichtigungen, Führungen, und Konzert pro Person im Doppelzimmer 420 Euro, im Einzelzimmer 480 Euro. Getränke außerhalb des Frühstücks und Konzerts auf eigene Rechnung.
Ein Ausflugsziel des Heimatkreistreffens ist die Talsperre Flayh.
HEIMATBOTE
22 Bischofteinitz
Ronsperg
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 3. 6. 2022
Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Centrum Bavaria Bohemia stellt Berg vor
Ein magischer Ort Die tschechischen Nachbargemeinden der Chamer Region sind reich an malerischen Orten mit interessanter Geschichte, die aber recht unbekannt sind. Diese Orte stellt das Centrum Bavaria Bohemia im oberpfälzischen Schönsee in einer Veranstaltungsreihe mit den Gemeinden der Mikroregion Dobrohost – eines freiwilligen Zusammenschlusses von Gemeinden im Bereich Schönsee und Ronsperg/Poběžovice – in loser Folge vor.
den seien. Zum Beispiel seien die Kreuzwegstationen bereits völlig erneuert, und auch die Sanierung des Altars und der Seitenaltäre habe begonnen. Er sprach die Hoffnung aus, daß es Dekan Miroslaw Gierga aus Taus als für Berg zuständigem Pfarrherrn gelinge, die Kirche zu retten. Veronika Hofinger dankte Bürgermeister Kraml für die Möglichkeit, die Gemeinde im Rahmen des Projekte „Kultur ohne Grenzen“ vorstellen zu können,
che ( rechts) erläuterte. Dabei verwies er darauf, daß vor drei Jahren Untersuchungen an der Kirche und in ihrer Umgebung vorgenommen worden seien. Er informierte, daß die erste urkundliche Erwähnung des einst deutschen Ortes im Jahr 1331 erfolgt sei. Im Mittelalter sei die Kirche im Besitz der Prager Bischöfe gewesen, wobei es sich um eine Befestigung gehandelt habe, die den Bewohnern auch als Zufluchtsort gedient habe.
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er erste Ort, der zum Entdecken eingeladen hatte, war Berg/Hora svatého Václava. Aus dem benachbarten bayerischen Grenzraum waren viele Besucher gekommen, darunter auch aus dem Landkreis Cham. Es wird gesagt, daß der 63 Einwohner zählende Ort die kleinste Gemeinde der Tschechischen Republik Dr. Veronika Hofinger, Zdeněk Procházka, Šárka Kuthanová und David Kraml. sei, die einen magischen Anziehungspunkt darstelle. was auch vom Deutsch-TschechiProcházka befaßte sich mit alVor der Wenzelskirche hieß schen Zukunftsfonds finanziert len Epochen, ging dabei auf die Bürgermeister David Kraml, dem werde. Sie kündigte weitere Ver- verschiedenen Besitzer ein und es seit Jahren ein großes Anlie- anstaltungen in den Grenzregio- ließ auch bauliche Veränderungen ist, daß die Kirche auf dem nen an, die wahrlich viel zu bie- gen im Verlaufe der JahrhunderBerg inmitten des Friedhofs wie- ten hätten und die man bei die- te nicht unerwähnt. Die Kirche der saniert wird, die Gäste herz- ser Gelegenheit gut entdecken habe ein gotisches Presbyterium, lich willkommen. Einen beson- könne. und im 17. Jahrhundert sei das deren Dank richtete er an die Der ortskundige Historiker Gotteshaus barockisiert worden. Leiterin des Centrums Bava- Zdeněk Procházka aus Taus, Nach seinen interessanten Ausria Bohemia in Schönsee, Vero- auch auf deutscher Seite bestens führungen gab es auf dem Friednika Hofinger, für diese Akti- bekannt für seine zahlreichen hof noch einen Rundgang um die on. Er machte darauf aufmerk- zweisprachigen Publikationen, Kirche, in dessen Verlauf es weisam, daß im Innern der Kirche lud zunächst in das Gotteshaus tere Informationen gab. die ersten Renovierungsarbei- ein, wo er ausführlich die GeAnschließend gab es ein Konten bereits vorgenommen wor- schichte des Ortes und der Kir- zert mit der bekannten Ge-
Führung im Berger Friedhof.
sangsgruppe „Singtet“ unter der Leitung von Slávek Vrba aus Bischofteinitz. Zum Auftakt überraschte die Gruppe mit der deutschen Nationalhymne. Danach boten sie ein gesangliches Feuerwerk, das die Besucher regelrecht mitriß. Wiederholt gab es Beifall für die sympathische Gruppe, die durch ihre Professionalität bestach. Natürlich forderten die Zuhörer eine Zugabe. Anschließend war noch ein gemütliches Beisammensein im Restaurant Pohoda angesagt, das dem Berger Bürgermeister David Kraml gehört. Das Restaurant ist längst zu einem Geheimtip auch für bayerische Besucher geworden. Für die musikalische Umrahmung sorgte hier die Schönseer Musikgruppe „Die Z‘s“. Und hier warteten auch noch besondere kulinarische Schmankerl auf die Besucher, nämlich bayerische Weißwürste und tschechische Klobasa. Natürlich war auch für Getränke aller Art bestens gesorgt. Bei einem gemütlichen Beisammensein im Garten saßen Tschechen und Deutsche in gemütlicher Runde, und es zeigte sich, daß man sich trotz der Sprachbarrieren gut versteht. Hier wurde wieder einmal deutlich, daß viele Tschechen die deutsche Sprache beherrschen, was die Verständigung enorm erleichtert. Šárka Kuthanová aus Pilsen hatte die Ausführungen von Zdeněk Procházka glänzend gedolmetscht.
Bilder: Karl Reitmeier
WIR BETRAUERN Am 13. April verstarb Anneliese Mayer/Göpfert in der Seniorenresidenz Deisenhofen im Alter von 89 Jahren. Am 21. Juli 1933 war sie in Volkach bei Würzburg als erstes von drei Kindern der Eheleute Franz und Elisabeth Göpfert zur Welt gekommen. Sie wuchs mit ihren Geschwistern Hans und Ursula in Würzburg, in der Eichhornstraße mit Blick auf den Marktplatz und die große, aus rotem Sandstein erbaute Marienkirche auf. Doch 1944 zwang sie der Krieg, an den Stadtrand von Würzburg zu ziehen. Die Eltern der Mutter, eine geborene Nußbaumer, hatten am Stadtrand eine Villa. Dort fand die Familie Göpfert Zuflucht, was ein großes Glück für sie war. 1945 zerstörten nämlich alliierte Bomben die Würzburger Innenstadt und ihr Zuhause. Da diese Zeit während und nach dem Krieg sehr entbehrungsreich war, hielt die Familie Hasen, Hühner und Gänse. Anneliese züchtete Angorahasen, aus deren Wolle sie Pullover Haschowa.
strickte. Anneliese besuchte die Mittelschule der Ursulinen und machte anschließend eine Ausbildung in einer Parfümeriegroßhandlung. Danach arbeitete sie ein Jahr lang im Kaufhof und vier Jahre lang bei der Versicherung Nordstern in Würzburg. Während dieser Zeit lernte sie Josef Johann Mayer kennen, den Sie am 22. März 1955 heiratete. Als Josef Johann noch in Stuttgart Maschinenbau studierte, wohnte sie auf engstem Raum in einem Zimmer bei ihren Schwiegereltern und bekam dort die vier Söhne Walter, Richard, Oswald und Dieter. Nach dem Studium bezogen sie ihre erste eigene Wohnung in Langenburg im Bundesland Baden-Württemberg. Dort brachte Anneliese innerhalb von drei Jahren die Töchter Rotraud und Erika zu Hause zur Welt. Im Jahr 1965 erfolgte durch den Arbeitsplatzwechsel von
Josef Johann der Umzug nach München-Schwabing, wo ihre sechs Kinder aufwuchsen und zur Schule gingen. Die Schulferien verbrachte die gesamte Familie auf einem Bauernhof im Bayerischen Wald. Später verbrachten Josef Johann und Anneliese ihre Freizeit in einem Forsthaus nahe Deggendorf, wo ihre Kinder sie gerne mit ihren Familien besuchten. Dort war eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen, Johannisbeeren zu pflükken und daraus Marmelade zu kochen. Bis zu ihrem Umzug 2001 von der Stadt München nach Oberschleißheim war Anneliese aktiv im Heimatkreis und im Kreisrat, zuletzt als Schriftführerin tätig. Ihren Mann Josef Johann unterstützte sie auch tatkräftig bei seiner Tätigkeit als Ortsbetreuer von Haschowa. Im fortgeschrittenen Alter ging es Josef Johann und Anneliese gesundheitlich immer schlechter, und
Der Dorfplatz von Berg und das Rathaus.
Die Geschichte der Gemeinde Berg
Von Veste zum Dorf Das alte Pfarrdorf Berg, vier Kilometer westnordwestlich von Ronsperg, geht auf eine alte Veste zurück, aus deren Trümmern die jetzige Sankt-Wenzels-Kirche erbaut wurde. Schon 1384 wird eine Pfarrkirche bezeugt, die zum Archidiakonat Bischofteinitz gehörte.
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it sechs Höfen taucht der Ort 1587 im Urbar der Herrschaft Lobkowitz zu Bischofteinitz auf. Zuvor hatte er mit Trohatin, Natschetin und Hoslau zur Burg Hirschstein gehört und war 1539 an die Teinitzer Herrschaft gelangt. Der Name Prokosch hielt sich von seiner Erwähnung im Urbar 1587 bis 1946. Für 1789 meldet uns der Chronist Jaroslaus Schaller noch hie und da Überbleibsel eines ehedem festen Schlosses und bezeichnet den 16 Nummern zählenden Ort als Berg am Böhmerwalde, Bergium und Mons Sancti Wenceslai. 1839 weist Berg 22 Häuser mit 173 deutschen Einwohnern auf, die Flachs anbauen und Garn spinnen, aber auch in den Glashütten der benachbarten Dominien werken. 1913 zählt Berg 26 Häuser mit 165 Bewohnern, 1945 32 Häuser und 163 Einwohner. Die Fläche beträgt 1937 124 Hektar und gliedert sich in 71,72 Hektar Acker, 25,81 Hektar Wiesen, 8,35 Hektar Weiden, 9,16 Hektar Wald und 1,05 Hektar Gärten. Das frühere Pfarrgebäude war Pfarre und Schule zugleich und wurde 1707 aufgeführt. 1927 brannte es nieder und wurde 1932 neu erstellt. Die Sankt-
WIR GRATULIEREN sie brauchten mehr und mehr Unterstützung. Bereits 2011 starb ihr Sohn Oswald. Josef Johann starb am 26. September 2019. Mit ihm war sie 64 Jahre lang verheiratet gewesen und hatte sich um ihn bis zuletzt aufopfernd gekümmert. Leider mußte sie 2021 nach mehreren epileptischen Anfällen ihr Zuhause ganz aufgeben und in die Seniorenresidenz Deisenhofen ziehen. Der Glaube hatte in ihrem Leben stets einen hohen Stellenwert, unter anderem auch das Gebet „Gegrüßet seist Du Maria“. In diesem Glauben ist sie gestorben. Am 22. April wurde sie im Kreise der Familie und Bekannten im Friedhof Hochmutting im Grab ihres Mannes und Sohnes beerdigt. Ich konnte ihr im Namen des Heimatkreises noch einmal danken und Blumen niederlegen. Den Kindern mit ihren Familien gilt unsere aufrichtige Anteilnahme. Wir werden ihr stets ein ehrendes Andenken bewahren. Peter Pawlik Heimatkreisbetreuer
Im Juni gratulieren wir herzlich folgendem treuen Abonnenten des Bischofteinitzer Heimatboten und wünschen Gottes reichen Segen. Heiligenkreuz, Haselberg. Am 18. Alois Vogl (Voglwirt), 85 Jahre. Peter Gaag Ortsbetreuer
TERMINE Donnerstag, 16. Juni, bis Samstag, 18. Juni, Bischofteinitz: 34. Heimatkreistreffen. Donnerstag, 8.30 Uhr Gottesdienst und Prozession; 15.00 Uhr Dankandacht in der Kreuzkirche; 16.00 Uhr Totengedenken am Ehrenhain. Freitag, 14.00 Uhr Heimatgottesdienst in Heiligenkreuz. Samstag, 10.00 Uhr Mitgliederversammlung im Rathaus mit Neuwahlen; 15.00 Uhr Festakt im Rathaus. Auskunft: Peter Pawlik, Palkarner Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 4 76 07 26, eMail peter-pawlik@t-online.de
Wenzels-Kirche wurde bis 1787 von Priestern des Stockauer Klosters administriert. Am 25. Januar 1788 wurde sie wieder Pfarrkirche. Eingepfarrt waren nach Berg noch Trohatin, Natschetin, Schiefernau und Schilligkau. Nach Aufhebung des Klosters wurden die Priester säkularisiert. Auf dem Kirchturm befanden sich drei Glocken. Zwei wurden im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen und in den zwanziger Jahren ersetzt. 1787 zog der Lehrer aus dem Pfarrhof in ein Häuschen, das zu einer Schule umgebaut wurde. Sie war jedoch zu klein, so daß man 1860 auf dem Schulhügel ein neues Schulgebäude errichtete. 1893 war die Schule dreiklassig, 1945 wieder einklassig. Eingeschult waren nebst Berg noch Schiefernau, Natschetin und die Hoslauer Mühlen, doch wurden diese nach dem Ersten Weltkrieg nach Münchsdorf umgeschult. Die politische Gemeinde Berg bestand aus Berg, Schiefernau und Zeisermühl. In Berg gab es außer Kirche und Schule den Sitz der Raiffeisenkasse Trohatin und Umgebung, eine Gemischtwarenhandlung, eine Fleischerei, zwei Wirtshäuser, eine Trafik und eine Hebamme. Die Bevölkerung betätigte sich überwiegend in der Landwirtschaft, im Winter wurde auch geklöppelt. Im Ersten Weltkrieg fielen sechs, im Zweiten Weltkrieg neuen Soldaten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Deutschen vertrieben. Heute leben wieder 63 Menschen in Berg.
Ortsbetreuerecke
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erzlich gratulieren wir im Juni Alfred Piwonka, ehemaliger Ortsbetreuer von Semeschitz, am 9. zum 71. Geburtstag; Josef Friedrich, Ortsbetreuer von Zetschowitz, am 17. zum 94. Geburtstag; Hans Laubmeier, ehemaliger Ortsbetreuer von Grafenried, Seeg, Anger und Haselberg, am 20. zum 81. Geburtstag und Franz Drachsler, ehemaliger Ortsbetreuer von Plöß/Wenzelsdorf, am 22. zum 98. Geburtstag. Wir wünschen alles Gute, noch viele Jahre in guter Gesundheit und danken für den steten und tatkräftigen Einsatz für unsere Heimat! Peter Pawlik Heimatkreisbetreuer
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 22 | 3. 6. 2022
Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Heimatkreisbetreuer WolfDieter Hamperl berichtet über seine Wallfahrt zu der dem Alten Herrgott geweihten Kapelle in den Wäldern am Tillen.
I
n seinem Buch „Alter Herrgott“ schreibt der Tirschenreuther Heimatforscher Harald Fähnrich, daß auch Leute aus Galtenhof und Paulusbrunn an den bekannten Wallfahrstagen zur Kapelle Zum Alten Herrgott pilgerten. In der Geschäftsstelle des Egerer Landtags im oberpfälzischen Amberg fand ich ein schwarzes Schulheft, ein Doppelheft mit linierten Seiten und schwarzem Umschlag, wie wir es aus den 1950er Jahren kennen. � Wallfahrt zum Alten Herrgott beim Tillenberg Leider ist es ramponiert, der Umschlag und einige Seiten sind lose. Das Heft lag im ersten Halbjahr 1946 in der Kapelle zum Alten Herrgott auf, in das die vielen Wallfahrer ihre Fürbitten eintrugen. Dr. Gerechtigkeit Hartl, der vorübergehend in Pop- Gottes führt uns penreuth untergekommen war sicher wieder in und dann weiterzog, schickte es die Heimat. Müller Sch., 25. März an den Egerer Landtag. Die Wegkapelle zum Alten 1946“ „Lieber alter Herrgott liegt in den ausgedehnsteh ten Wäldern nordöstlich von Tir- Herrgott, schenreuth-Wondreb. Ein Teil mir bei, damit Mutter der Wälder ist der Egerer Stadt- meine wald. Die Kapelle wurde 1676 und mein Kind infolge eines Gelöbnisses er- zu mir kehren; baut. Der kleine quadratische schenke uns wieBau ist drei mal drei Meter groß. der ein gemeinAuf dem Altar stand die barocke sames BeisamHolzfigur Gott Vater, heute steht mensein. Emmi dort eine Replik. Sieben Wege Köstler, 28. März führen zur Lichtung, auf der die 1946“ „Lieber alter Kapelle steht. Inschrift und Bild Hel- Stifterbild mit Stiftergeschichte. erzählen „Gott zu Ehren hat der Herrgott! wohl edel gestrenge Herr Mag- fe mir, daß mein nus Bartels, Capitänleutnant, da lieber Mann bald zurückkommt „Lieber alter Herrgott, Du aler sich in dieser Wildnis verir- und daß wir irgendwo ein Heim lein bist der höchste Herr des ret, nach getanem Gelübde diese finden, daß ich meiner Schwie- Himmels und der Erde und all Kapellen erbauen lassen 1676“. gertochter nicht im Wege sein der ganzen Menschheit! In größDie barocke Gnadenfigur zeigt muß. M. K., 6. März 1946“ ter Not helfe uns!“ Traudl (?), 24. „Lieber alter Herrgott, ich Mai 1946“ den alten Gott Vater mit wallendem, grauen Bart. In der Linken freue mich immer richtiger, Dich „Du großer alter Herrgott, hält er die Weltkugel, die Rechte besuchen zu können. Ich habe schütze uns Sudetendeutsche, ist zum Segen erhoben. Die Ori- den festen Glauben, uns in größ- lasse Deine Gnade über uns walter Not zu helfen. ten und sei unseres Dankes geginalfigur finden In größter Gefahr wiß. H. H., 12. Mai 1946“ wir restauriert in Das hast Du mich und der Pfarrkirche in „Sei gegrüßt, alter Herrgott Fürbittenheft meine Familie ge- und breite Deine Hände über Wondreb. im rettet. Drum hoffe Deine Schäflein aus, die Dich Wir verstehen Kapellenfenster. ich, daß alles zum innigst um Deinen Schutz und die folgenden FürBesten ausgeht. Schirm anflehen. Familie Schneibitten und WünGroßen Dank, al- der, Lohhäuser, 28. Mai. 1946“ sche besser, wenn ter Herrgott. Polz, wir die Erinne„Bei einem Gewitter hier 25. Mai 1946“ rung von Valerie Schutz gesucht. Lieber Herrgott, „Wenn die Not laß uns unsere Heimat wieder seFleißner (* 1914 in am größten, dann hen. L. Frank, am 8. Mai 1946“ Leißnitz bei Friedland, später Bayreuth) verinner- ist Gottes Hilfe am nächsten. „Im Vorbeiwandern rastet Allichen: „Was weiß man heute, 10. März 1946, Hackenhäuser, fred Stumme, Tannaweg, 4. Mai. was uns Heimatvertriebenen mit Böllmann“ 1946“ „Lieber alter Herrgott! Wir Sudem Alten Herrgott verbindet! „Lieber alter Herrgott, ich Bei Nacht und Nebel mußten wir detendeutschen rufen aus tiefster bitt‘ Dich, daß mein Bruder und über die ungezeichnete Gren- Not zu Dir! Herr, hilf uns, sonst Schwager bald in die Heimat zuze flüchten – durch die Wälder gehen wir zugrunde! Es kann rückkehren. Irmg. Sch., 7. April am Tillen. Gehetztes Freiwild, nicht Dein Wille sein, daß gerade 1946“ Partisanen auf den Hochsitzen. wir unsere Heimat, unser Alles, „Lieber Alter Herrgott! Ich Und dann stand er da, der Alte was uns geblieben und teuer war, bitt‘ Dich, daß mein Vati bald geHerrgott. Durchgekommen! Das für immer verlieren. Herr, erbar- sund heimkommt. Inge St.“ me Dich unser und lasse uns in nackte Leben war gerettet!“ „Lieber Herrgott! Hilf uns bitdie Heimat zurückkehren. 5. Mai te, daß wir bald wieder in unser 1946, Gössl Wilhelm, Franken- schönes Schlesierland zurückFürbitten häuser 21, Kreis Graslitz“ können und unsere Angehörigen „Gütiger Alter Herrgott, segne „Lieber alter Herrgott! Hilf mir wieder finden. Irmgard Jenke, Ilauch unsere Weiterwanderung in meinem Leben, bei allen mei- se Bonk, Irma Bonk aus Breslau, ins Ungewisse, beschütze und nen Nöten sei Du mein guter Ret- Vonverkstraße 20–22, jetzt Otsegne unsere Kinder – laß uns ter und Beschützer, schenke mir tengrün 8, Ernestgrün 10, Osterbitte alle wieder in die Heimat meinen seligen Bräutigam, dem sonntag, 21. April 1946“. zurückkehren! Dafür flehe ich ich mir empfehle. E. Grau“ „Lieber Herrgott! Ich bitte Dich an, Du gütiger Alter Herr„Lieber alter Herrgott und Va- Dich, laß meinen lieben Bräutigott – Gnade und Segen unse- ter vom Himmel, hilf doch, daß gam bald wieder zu mir zurückren Sudetendeutschen! Mutter meine liebe Familie von den kommen. Ich traue auf Deine HilSch., Brüx, 25. März 1946“ … befreit wird und daß sie mit fe. Luzie Weber, zur Zeit Schloß „Meine lieben Lanzer und dem nächsten Transport mit- Ernestgrün“ Flüchtlinge, Gottes Mühlen kommt. Rudolf Müller, Revier„Lieber Alter Herrgott! Bemahlen langsam, aber sicher! Die förster“ schütze mich weiterhin auf mei-
Die Kapelle und die Gnadenfigur. Bilder: Karin Wilk
Ein Heft voller Wünsche nem Lebensweg und gib uns die Heimat. Marienbad, Z. Fischer, Ostersonntag 1946“ „Lieber Alter Herrgott! Beschütze und hilf uns, daß wir wieder gut heimkommen. Hilf, daß meine Schwester und Vater gesund wird und mein Bruder bald wieder nach Hause kommt, und gib, daß wir bald wieder eine bessere Heimat bekommen. Bei Königswart, J. Kause“ „Lieber Herrgott! Wir danken Dir, daß wir noch in unserer Heimat sein dürfen, und bitten Dich um Deinen Beistand, wenn es Dein Wille ist und wir die Heimat verlassen müssen. Beschütze meinen lieben guten Mann und Vater, wenn er noch unter den Lebenden weilt, daß er seine Heimat und Lieben wiedersehen kann. O Herr, Dein Wille geschehe, Familie Schneider, Lohhäuser“ „Lieber Alter Herrgott. Wir danken Dir, daß Du uns beschützt hast, als die Amerikaner unser Haus zusammengeschossen haben und nichts passiert ist, obwohl wir alle drin geschlafen haben. Ich bitte Dich, lieber Herrgott, Du wollest unsere Brüder und unseren Neffen bald gesund aus der Gefangenschaft zurückführen. Ich bitte Dich inständig, Du wollest meiner Tochter ein guter Vater sein und sie vor jeder Gefahr behüten. Laß sie den richtigen Beruf ergreifen. Gelobt sei
Jesus. Anna Zwerenz, Christine, Bärnau“ „Lieber alter Herrgott, ich flehe Dich an, gib mir Kraft, damit ich meinen Dienst erfülle. Nur Du allein kannst mir und meiner Familie helfen. Ich war schon wieder in großer Gefahr. Du gibst mir immer wieder Schutz und Segen. 18. Mai 1946“ „Lieber alter Herrgott! Behüte und beschütze ihn, und gib ihm die Kraft weiter, daß er noch viele, viele lange Jahre so ist, wie er es bei mir gewesen ist. Das schrieb eine 23jährige W. K.“ „Zu Dank alter Herrgott, Weidl Joh., Brand 38, 26. April 1946“ „Lieber alter Herrgott. Bitte helfe und beschütze meine Frau und Kinder. Gebe uns Glück, daß wir uns alle Wiedersehen und so bald wie möglich. Zum Dank werde ich alle Jahre fünf Messen lesen lassen, so lange ich lebe. D. A. D., 2. Mai 1946“ „Lieber alter Herrgott, führe meine drei Brüder wieder zurück in die treue Heimat. R. Sch.“ „Aus Osten hier am 14. April 1946; Slowakei, Hanz Pawlitschko, Matiaschowsky Karl.“ „Lieber Alter Herrgott, hilf meine Frau und Kinder finden. Ich warte schon drei Wochen. Helfe doch bitte; Nachricht nach Redenbach Nr. 3.“ „Lieber alter Herrgott, lehre alle Unschuldigen, die Zeit zu verstehen und strafe alle Tyrannen – Du allein kannst Gerechtigkeit (?). Lasse mich alle Geduld ertragen. Am 7. Mai 1946“ „Lieber alter Herrgott. Ich bitte Dich, laß mich noch ein einziges Mal mit Hans Lugauer zusammenkommen, behüte ihn und beschütze ihn. Dies schrieb Wally Kaspar, Poppenreuth. Und laß mich wieder recht bald mit meiner Mutter und all den anderen Verwandten und Bekannten in unsere Heimat zurückkehren.“ „Lieber alter Herrgott, ich bitte Dich auch noch weiter, behüte und beschütze Maria Jaroslowsky und Hans Sorgalla.“ „Laß uns gesunden an Leib und Seele, nimm uns auf in Deine Hände. (?) Duppau, Sudetenland, 22. April 1946“ „Lieber alter Herrgott! Führe uns wieder in unsere Heimat zurück und gib uns wieder, was wir hatten. 1. Mai 1946, A. M. D. M.“ „Der alte Herrgott lebt noch. Er hat manchen seiner gerechten Strafe zugeführt, und so wird er auch die angeblichen christlichen Soldaten unserer Befreier, US – Uhrensammler, die Verbrecher und Schänder unseres Landes, der gerechten Strafe zuführen. Ein ehemaliger KZler in Flossenbürg“
Kreuzwegstationen an der Fassade der Kapelle.
� Tachau
D
as „Lied von der Heimat“ komponierte und dichtete Otto Hawlitschka. Er war zu deutscher Zeit Kaplan in Tachau. Wie mich als Kind zum Schlaf die Mutter wiegte, Wenn von der Heimat sie ein Lied mir sang, [: Ans Auge bald der Schlummer leis‘ sich schmiegte Bei diesem innig lieben süßen Klang. :] Bin später weit im Land herumgekommen, Hab‘ manche liebe Menschen schon gesehn, [: Doch jeder hat von mir den Wunsch vernommern, Möcht meine Teure Heimat wiedersehn. :] Die Heimattäler mit den grünen Auen, Wo zarte Blümlein gar so traulich stehn, [: Oh könnt ich sie recht balde wiederschauen! Du traute Heimat, awch wie bist Du schön. :] Wenn einst im Tod das Augenlicht verglommen, Erfüllt mein innigtiefgefühltes Flehn: [: Mein Grabstein soll, von Heimatlicht umsponnen, Auf trauter deutscher Heimaterde stehn! :]
WIR GRATULIEREN Wir gratulieren unserem Abonnenten zum Geburtstag im Juni und wünschen Gottes Segen. n Tirna. Am 29. Ella Russer/ Sinik (Haus-Nr. 41), 89 Jahre. Manfred Klemm Ortsbetreuer
TERMINE n Sonntag, 16. Juni, 15.00 Uhr, Haid: Deutscher Gottesdienst in der Loreto-Wallfahrtskapelle. n Samstag, 9. Juli, 10.00 Uhr, Altzedlisch: Gottesdienst in der Heimat, anschließend Treffen in der Schule mit Kaffee und Kuchen. Sonstige Verpflegung bitte selbst mitbringen. Auskunft: Sieglinde Wolf, Wettersteinstraße 51, 90471 Nürnberg, Telefon (09 11) 81 68 68 88, eMail si.wolf@ web.de n Sonntag, 17. Juli, 15.00 Uhr, Haid: Deutscher Gottesdienst in der Loreto-Wallfahrtskapelle. n Sonntag, 21. August, 15.00 Uhr, Haid: Deutscher Gottesdienst in der Loreto-Wallfahrtskapelle.
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