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Sudetendeutsche Zeitung 27. Mai 2022 Ausgabe 21

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Das Programm zum Sudetendeutschen Tag (Seiten 7 bis 10)

Sudetendeutsche Zeitung Neudeker Heimatbrief

Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Reicenberger Zeitung 161. Jahrgang

HEIMATBOTE

Jahrgang 74 | Folge 21 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 27. Mai 2022

VOLKSBOTE

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Aufruf des Sprechers der Sudetendeutschen Volksgruppe zum Sudetendeutschen Tag an Pfingsten in Hof und der Euregio Egrensis

Bernd Posselt: Wir Sudetendeutsche müssen hör-, spür- und sichtbar sein

Von Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe

František Kincl war von Oktober 1988 bis zur Samtenen Revolution 1989 Innenminister.

Tote am Eisernen Vorhang

Ex-Minister droht neuer Strafprozeß Justitia vergißt nicht: Wegen des Schießbefehls am Eisernen Vorhang ermittelt die tschechische Justiz gegen František Kincl. Der heute 81jährige war von Oktober 1988 bis zum Ende der kommunistischen Diktatur im Dezember 1989 Innenminister der Tschechoslowakei.

Wie nach einer Flut zeigt sich beim Abklingen der Corona-Pandemie eine veränderte Landschaft. Manches wurde abgeschliffen oder ist sogar verschwunden. Wir Sudetendeutsche haben in der schwierigen Zeit fest zusammengehalten und weiterhin die Völker und die Generationen miteinander vernetzt. Der Kontakt in unsere Wurzelheimat blieb lebendig, auch während der unsäglichen Grenzschließungen. Unsere vielen Gemeinschaften sind nach wie vor aktiv, zum Teil aktiver denn je.

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ies muß sich nun beim 72. Sudetendeutschen Tag von

Freitag, 3. bis Montag 6. Juni 2022 in Hof und in der Euregio Egrensis niederschlagen. Die internationale und deutsche politische wie publizistische Szene hält derzeit Ausschau, was in den letzten beiden Jahren aus wem geworden ist. Wir wollen uns mit einem bunten und wieder sehr aktiven Pfingsttreffen erneut zu Wort melden. Dabei erhalten wir prominenten Zuspruch: Ein Staatspräsident, der rumänische, erweist uns die Ehre seines Besuches. Ein anderer, der ukrainische, wird von uns aufgrund der jahrhundertealten Verbundenheit zwischen unseren Volksgruppen in höchster Not gestärkt und aus der Ferne gegrüßt. Der Schirmherr der Sudetendeutschen, Bayerns Minister-

präsident Markus Söder, hat mit zahlreichen anderen politischen Persönlichkeiten sein Kommen angesagt. Auch unsere tschechischen Landsleute bereiten sich schon auf ihre Anwesenheit in Hof vor und freuen sich auf die Begegnung. Schönster Ausdruck dieser Verbundenheit war während der Grenzabriegelungen das Transparent auf beiden Seiten und in beiden Sprachen: „Wir brauchen Euch!“ Kulturell und menschlich ist ein Sudetendeutscher Tag immer ein besonderer Höhepunkt. Er ist aber auch Anlaß, über aktuelle Probleme zu sprechen und nachzudenken. Der brutale Angriffskrieg Putins auf die Ukraine ist gegen die Seele und den Zusammenhalt Europas gerichtet.

Wir spüren deutlich: Frieden, Völkerverständigung, christliche Werte, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte sind nicht selbstverständlich, sondern müssen Generation für Generation neu erarbeitet werden. So bedroht wie jetzt waren sie in Europa schon lange nicht mehr, und dem können wir nur gemeinsam mit unseren Landsleuten und Partnern die Stirn bieten. Deshalb muß an Pfingsten ein kraftvolles Zeichen der Heimatliebe und des europäischen Zusammenhalts gesetzt werden. Weit über die Grenzen unseres Mitteleuropa hinaus müssen wir hör-, spür- und sichtbar sein. Dies kann aber nur gelingen, wenn unsere Volksgruppe Generationen übergreifend zum 72. Sudetendeutschen Tag nach

Ringtausch

Deutschland liefert 15 Leopard 2 A4

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s ist nicht der erste Strafprozeß, dem sich Kincl stellen muß. Bereits im November 1993 war er wegen Amtsmißbrauchs von einem Militärgericht in Tabor zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er als Mitarbeiter des tschechoslowakischen Staatssicherheitsdienstes SNB die „präventive Isolation“ von mehreren hundert Bürgerrechtlern angeordnet hatte. In einem zweiten Prozeß, der 2002 begann, wurden ihm weitere Menschenrechtsverstöße gegen Unterzeichner der Charta 77 zur Last gelegt. Hierfür erhielt Kincl drei Jahre Gefängnis auf Bewährung. In den neuen Ermittlungen geht es um den Schießbefehl am Eisernen Vorhang, der mindestens zwanzig DDR-Bürgern, die in den Westen flüchten wollten, das Leben kostete. Konkret wird Kincl der Fall des Ehepaares Ullrich und Kerstin Traurwein zur Last gelegt, die 1988 bei ihrer Flucht schwer verletzt wurden. Die Grenzsoldaten eröffneten das Feuer und gaben mindestens 221 Schüsse auf das Paar ab, dem trotzdem die Flucht durch die March nach Niederösterreich gelang. Da der Schießbefehl ein klarer Verstoß gegen elementare Menschenrechte war, deren Einhaltung auch die Tschechoslowakei offiziell garantiert hatte, sei Kincl als Innenminister auch strafrechtlich verantwortlich, argumentieren die Ermittler.

Weil die Tschechische Republik die Ukraine in ihrem Verteidigungskampf gegen Rußland mit T-72-Panzern unterstützt, liefert Deutschland jetzt 15 Panzer vom Typ Leopard 2 A4 an die tschechische Armee. Diesen Ringtausch hatte Premierminister Petr Fiala bei seinem BerlinBesuch mit Bundeskanzler Olaf Scholz vereinbart.

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Emil Filla hat das Werk „Die Schachspieler“ 1908 erschaffen.

Kunstauktion am Wochenende in Prag

Rekordpreis für Emil Fillas Schachspieler Die Nazis verachteten seine Kunst als „entartet“ und beschlagnahmten 1937 mehrere Bilder. Am 1. September 1939, dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, verhafteten Hitlers Schergen den Künstler in Prag und internierten ihn bis zur Befreiung im Jahr 1945 zunächst im KZ Dachau, dann im KZ Buchenwald. Heute zählt Filla zu den wichtigsten Vertretern des tschechischen Kubismus.

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Das DDR-Paar nutzte seinen Trabi, um über den Grenzzaun zu klettern und in die March zu springen.

Hof und in die Euregio Egrensis kommt. Deshalb bitte ich Sie, nicht nur allesamt selbst anzureisen – und dabei vielleicht das neue Neun-Euro-Ticket oder auch andere Fahrt- und Mitfahrtmöglichkeiten zu nutzen –, sondern auch Verwandte, Freunde und Bekannte mitzubringen, die bislang noch nicht in unserer faszinierenden Gemeinschaft verwurzelt sind. Ich freue mich auf Pfingsten, auf das Wiedersehen mit vielen, auf die Neubegegnung mit anderen und auf ein sowohl fröhliches als auch nachdenkliches Lebenszeichen unserer Volksgruppe nach zwei schwierigen Jahren. Das komplette Programm zum 72. Sudetendeutschen Tag lesen Sie auf den Seiten 7 bis 10.

m 4. April 1982 wurde Filla als Sohn eines Eisenbahnbeamten im Bahnhof der mährischen Stadt Chropin geboren. Kurze Zeit später zog seine Familie nach Brünn um. Ab 1903 stu-

dierte Filla in Prag an der Akademie der Bildenden Künste unter anderem bei dem böhmischen Maler Franz Thiele. Nach dem Besuch einer Ausstellung von Edvard Munch gründete Filla mit weiteren jungen Künstlern die Künstlergruppe Osma (Die Acht). Unter dem Eindruck von Munchs Werken wandelte sich Fillas Kunststil vom Impressionismus zum Expressionismus. Ab 1911 reiste Filla regelmäßig nach Paris und lernte dort Georges Braque und Pablo Picasso kennen. Diese Künstlerfreundschaften bildeten die Basis für Fillas Wandel zum Kubismus. Weitere Künstlerfreunde waren

Paul Cézanne und Otto Gutfreund, der heute ebenfalls zu den wichtigsten Vertretern des tschechischen Kubismus gezählt Emil Filla. wird. Foto: Wikipedia Den Ersten Weltkrieg verbrachte Filla in Holland im Exil und kehrte erst nach Kriegsende zurück, um in Prag seine Künstlerarbeit fortzusetzen. 1921 nahm Filla an der legendären Ausstellung der Freien Secession teil. Mit dabei waren auch Picasso, Braque, Marc Cha-

gall, Oskar Kokoschka und Paul Klee. Nachdem Filla am 21. Mai 1945 nach Prag zurückgekehrt war, wurde er zum Professor an der Prager Kunstgewerbeschule ernannt. Die Zeit im KZ verarbeitete er 1947 in seinem monumentalen Werk „Die Befreiung von Buchenwald“. In den letzten Lebensjahren widmete er sich der Landschaftsmalerei, bevor er am 7. Oktober 1953 in Prag verstarb. Sein Werk „Die Schachspieler“, das Filla 1908 erschaffen hat, erzielte am Wochenende bei einer Kunstauktion in Prag, bei der knapp 200 Kunstwerke versteigert wurden, mit 570 000 Euro den höchsten Preis.

ie ersten deutschen Panzer sollen inklusive Ersatzteilen und Munition innerhalb der nächsten sechs Monate überführt werden. Gleichzeitig sollen tschechischen Soldaten von der Bundeswehr für den Leopard 2 ausgebildet werden. Zeitgleich finden weitere Verhandlungen zwischen Berlin und Prag statt, weil die Tschechen außerdem 50 Leopard 2 in der aktuellsten Ausführung A7+ kaufen wollen. Der Leopard 2 A7+ gilt als der derzeit beste Kampfpanzer der Welt und verfügt über den umfangreichsten Schutz für die Besatzung. Mit 1500 PS ist der Leo auch in schwerem Gelände einsatz- und kampfbereit und erreicht bis zu 70 Stundenkilometern. Der Leo ist voll nachtkampfähig und trifft Ziele auch bei voller Fahrt. Der Kaufpreis liegt bei 15 Millionen Euro pro Stück.

Bundeskanzler Olaf Scholz und Premierminister Petr Fiala bei ihrem Treffen in Berlin. Foto: BPA


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AKTUELL · MEINUNG

Sudetendeutsche Zeitung Folge 21 | 27. 5. 2022

AUS UNSEREM PRAGER BÜRO

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er 1977 in Regensburg geborene Politiker Tobias Gotthardt (Freie Wähler) ist Vorsitzender des Ausschusses für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie regionale Beziehungen im Bayerischen Landtag. Ein Besuch im Prager Sudetendeutschen Büro ist für ihn keine Besonderheit, denn die sudetendeutsche Botschaft des guten Willens ist ihm bereits von früher bekannt. Anläßlich seiner Dienstreise nach Prag traf er sich

unter anderem mit dem Vorsitzenden des Europaausschusses im Abgeordnetenhaus des tschechischen Parlaments Ondřej Benešík (KDUČSL) und plante auch ein Gespräch mit SL-Büroleiter Peter Barton in sein Programm ein. Im Rahmen dieser Visite sprachen die beiden darüber, wie man die gute Zusammenarbeit zwischen den bayerischen Politikern und dem Sudetendeutschen Büro zukünftig vertiefen könnte. Gotthardt hob dabei die Bedeu-

PRAGER SPITZEN tung dieser Institution in der Hauptstadt hervor, die im Jahr 2003 offiziell ihre Türen auf der Kleinseite zwischen dem Abgeordnetenhaus und dem Senat des tschechischen Parlaments geöffnet hat.

Fahrplan für die Ratspräsidentschaft

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Neue Abteilung im Mährischen Landesmuseum

Der Schriftsteller, Diplomat und Politiker Jiří Gruša, der durch seine Vita zwischen der Tschechoslowakei – dann Tschechien – und Deutschland nach der Samtenen Revolution ein wesentlicher Brückenbauer zwischen beiden Ländern wurde, hatte 2010 entschieden, seinen Nachlaß nach Brünn ins Mährische Landesmuseum zu geben.

Brünn erinnert an den Brückenbauer Jiří Gruša

Kredite werden noch einmal teurer

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eine gute Nachrichten von der tschechischen Nationalbank ČNB. Der Leitzins, der erst am 5. Mai auf 5,75 Prozent angehoben worden ist, wird weiter steigen. Ein entsprechender Beschluß des Bankenrates, der am 22. Juni tagt, sei „sehr wahrscheinlich“, sagte der Gouverneur der ČNB, Jiří Rusnok. Der Grund: Die Ökonomen haben ihre Prognose für das diesjährige Wirtschaftswachstum von zuletzt drei auf 0,8 Prozent heruntergesetzt.

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as MZM (Moravské zemské muzeum) ist das zweitgrößte und zweitälteste Museum in Tschechien. Gegründet 1817 durch ein Dekret Kaiser Franz I., untersteht es dem tschechischen Kulturministerium und hat seit den 2010er Jahren eine neue Abteilung, die seit 2018 den Namen „Abteilung für die Geschichte der antitotalitären Kultur“ trägt. Hier werden in Zukunft viele Nachlässe und auch Vorlässe von tschechischen Bürgerrechtlern ihre Heimstatt finden. Den Anfang und bisher größten Bestand steuerte hierzu Jiří Gruša bei, weswegen das 2009 neuerworbene Haus unter anderem auch für die neue Abteilung den Namen Jiří Gruša verliehen bekam. Das Verwaltungsgebäude im nördlich der Innenstadt von Brünn gelegenen Stadtteils Medlan hat mittlerweile eine lange Sanierungs- und Umbaupha-

it einer gemeinsamen Sitzung der tschechischen Regierung und der Europäischen Kommission am 1. Juli in Leitomischl übernimmt Tschechien offiziell die sechsmonatige EU-Ratspräsidentschaft. Zuvor kommt das tschechische Regierungskabinett am 16. Juni mit Vertretern des EU-Parlaments zusammen. An diesem Treffen wird auch die Parlamentsvorsitzende Roberta Metsola teilnehmen, hat Regierungssprecher Václav Smolka mitgeteilt. Das zentrale Gipfeltreffen der EUStaaten soll dann Anfang Oktober auf der Prager Burg stattfinden. Dazu eingeladen werden soll der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, kündigte der tschechische EU-Minister Mikuláš Bek an.

Wenig Lebensmittel für einen Notfall

Sabine Gruša in der nach ihrem verstorbenen Mann Jiří Gruša benannten Abteiliung. se hinter sich gebracht. Im Vorfeld des Brünner Symposiums 2022, zu dem auch die Witwe Jiří Grušas, Sabine Gruša, nach Brünn angereist war, konnte nun erstmalig das jetzt auch gedämmte Haus besichtigt werden. Die Räume, in denen Jiří Grušas Hinterlassenschaften ruhen, begrüßen den Besucher zuerst mit Grušas Aktentaschen, dem Stehpult, einer Bücher-

auswahl oder einem Foto von ihm. Dann präsentiert sich eine in tschechischer und deutscher Sprache verfaßte Ausstellung, die auch auf Wanderschaft gehen kann. Sie widmet sich den verschiedenen Facetten von Grušas Leben zwischen Pardubitz, Prag, Bonn und Wien: Lebenslauf; Ausbürgerung und Rückkehr; Lyriker; Prosaist; Sprache; Der politische Mensch;

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Foto: Ulrich Miksch

Der Weg zur Deutsch-Tschechischen Erklärung; International PEN; Vermächtnis – heißen die Überschriften auf den Roll-ups, darunter eine Fülle von Fotos und Dokumenten. Dann betritt man die Räume mit seiner Bibliothek. Gerade zu seiner letzten Arbeit, die Polemik zu Edvard Beneš: „Beneš als Österreicher“ (2011), findet man hier eine Vielzahl von Büchern von und über Beneš, die für das schmale Büchlein einen enormen Hintergrund dokumentieren. Aber auch Karikaturen, die mit seinem Namen spielen und deshalb mit Birnen brillieren, sind dort abgelegt. Und über allem schweben die Fotografien der wichtigen Staatsmänner und Freunde im diplomatischen und literarischen Leben: Thomas Klestil, Roman Herzog, Richard von Weizsäcker und nicht zuletzt Václav Havel, der ihm den Botschafterposten in Deutschland eingebrockt und ihn so zum Diplomaten gemacht hatte. Eine letzte Fleißarbeit, die in den einsamen Corona-Monaten durch Sabine Gruša noch geleistet wurde, ist zu besichtigen: Einige Ordner mit Fotografien aus der diplomatischen, politischen und literarischen Karriere Grušas hat seine Frau mit persönlichen Erinnerungen versehen, die die Fotos für die Archivbesucher erst erschließen. Beim Gang durch die verschiedenen Etagen entdeckt man noch andere hier schon angekommene dissidente Persönlichkeiten der Tschechischen Republik. Der Raum für den verstorbenen Ota Filip, dann für den noch rüstigen Pavel Kohout und dessen Vorlaß. Und dann stehen auf dem Gang noch einige Roll-ups herum – eine Ausstellung über Dora Müller, die langjährige Leiterin des Deutschen Kulturverbandes der Region Brünn und Gründerin des Deutsch-Tschechischen Bildungs- und Begegnungszentrums Brünn. Die Brünner Deutsche hat hier auch ein Zimmer mit ihrem Nachlaß bekommen. Ulrich Miksch

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ür einen nationalen Katastrophenfall hat die Tschechische Republik derzeit Lebensmittel für nur 1,3 Tage eingelagert. Eine Aufstockung dieser Notfallreserve auf 15 Tage, die die Vorgängerregierung unter Andrej Babiš (Partei Ano) beschlossen hatte, würde den Staatshaushalt bis zu zwölf Milliarden Kronen (490 Millionen Euro) kosten, hat der Vorsitzende der Staatlichen Materialverwaltung (SSHR), Pavel Švagr, bei einer Diskussionssendung im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen vorgerechnet.

Trauer um Basketball-Legende

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m Alter von 78 Jahren ist der legendäre Basketballspieler Jiří Zídek senior, gestorben. Der

erste Tscheche, der in die Hall of Fame des Weltbasketballverbands FIBA aufgenommen wurde, erlag einer langen Krankheit. Der gebürtige Prager war von 1962 bis 1979 im Spitzensport aktiv. Mit dem tschechoslowakischen Nationalteam gewann er bei den Europameisterschaften Silber und Bronze. Im Jahr 2001 wurde Zídek sen. zum tschechoslowakischen Basketballer des 20. Jahrhunderts ernannt. Als einziger Tscheche wurde er zudem 2008 unter die 50 wichtigsten Persönlichkeiten der Basketball-Euroleague gewählt.

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Übergangsfrist für Ölembargo

ie starke Abhängigkeit Tschechiens von russischem Öl und Gas war Thema beim Treffen von Premierminister Petr Fiala mit seinem österreichischen Amtskollegen Karl Nehammer bei dessen Pragbesuch. „Wir sind nicht imstande, russisches Öl in kurzer Zeit zu ersetzen. Der Tschechischen Republik wurde von Anfang an eine zweijährige Übergangsfrist zugesprochen“, erklärte Fiala. Auch beim Gas brauche man Zeit, erklärte der Premierminister nach dem Treffen mit Nehammer: „Wir sind uns einig, daß wir mit jenen Ländern zusammenarbeiten müssen, die neue LNG-Terminals bauen und so die Kapazitäten erweitern können. Österreich befindet sich in einer besonderen Lage, da es über eine der größten Gasspeicherkapazitäten in Europa verfügt. Wir haben auch darüber gesprochen, wie die Tschechische Republik diese Kapazitäten nutzen könnte.“

73 Prozent der Bürger unzufrieden

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chlechte Noten für die Regierung von Premierminister Petr Fiala im Kampf gegen die Inflation: 73 Prozent der Bürger halten die staatlichen Hilfsmaßnahmen für nicht ausreichend, hat das Meinungsforschungsinstitut Stem/Mark ermittelt. Demnach sagten rund 40 Prozent der Befragten, der tschechischen Regierung sei es bisher überhaupt nicht gelungen, den Bürgern des Landes bei der Bewältigung der Lage zu helfen. Ein weiteres Drittel stimmte der Aussage zu, daß dies der Regierung eher nicht gelungen sei. 18 Prozent der Befragten lobten hingegen die Regierung für ihr Vorgehen gegen die Geldentwertung.

Sudetendeutsche Zeitung

ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redaktionsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2022 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2022 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Torsten Fricke. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.


AKTUELLES

Sudetendeutsche Zeitung Folge 21 | 27. 5. 2022

Die Union der Vertriebenen und Aussiedler (UdV), eine von Volksgruppensprecher Bernd Posselt geleitete Arbeitsgemeinschaft der CSU, führt alle zwei Jahre eine Landesvorstandssitzung in der Wurzelheimat einer Landsmannschaft durch. Diesmal war die Slowakei an der Reihe, wobei der Schwerpunkt auf Gesprächen mit Parlamentariern dieses Landes und heimatverbliebenen Karpatendeutschen lag. Margaretha Michel, stellvertretende Landesvorsitzende der UdV, und Vorstandsmitglied Andreas Schmalcz berichten:

� Begegnungsreise der Union der Vertriebenen in die Slowakei

Gemeinsam das reiche Erbe pflegen und weiterentwickeln

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ie Anfahrt in die Slowakei erfolgte über Wien, unsere alte kaiserliche Haupt- und Residenzstadt. Der UdV-Landesvorstand nutzte die Gelegenheit, um die Kapuzinergruft zu besuchen und dem langjährigen UdV-Ehrenvorsitzenden S. K. u. K. H. Otto von Habsburg die Ehre zu erweisen. Der Geschäftsführer der Anlage, Peter Grubits, erwartet uns, um für die Gruppe eine Extraführung vor dem offiziellen Besucherandrang zu machen. Bernd Posselt erzählt dabei, daß er sowohl die Beisetzung von Kaiserin Zita im Jahr 1989 mitorganisiert wie an der des ehemaligen Kronprinzen Otto von Habsburg 2011 teilgenommen habe. Zum Abschluß wird am Grab des früheren UdV-Mitglieds Otto von Habsburg ein Blumenbouquet abgelegt. Der nächste Stopp ist in Rohrau, dem niederösterreichischen Geburtsort von Michael und Joseph Haydn. Im dortigen Harrachschloß Rohrau führt Graf Johannes Waldburg-Zeil durch seine Bildergalerie. Der Landwirt und Graf weist dabei immer wieder darauf hin, mit welch immensen Kosten der Erhalt der Gebäude und die Pflege der Kunstschätze verbunden sind. Nach der Querung der slowakischen Grenze erreichen wir rasch Preßburg. Für den Abend hat Anna Záborská, Abgeordnete im Slowakischen Nationalrat und Präsidentin der Paneuropa-Union Slowakei, ein Treffen mit Politikern und Volksgruppenvertretern im Restaurant Leberfinger organisiert – einem Traditionslokal, in dem schon Kaiser Franz Josef gern gesehener Gast war. Zu unseren Gesprächspartnern zählen die Ortsvorsitzende der Preßburger Karpatendeutschen, Judita Kubincová, und der dortige Regionalvorsitzende Dr. Michael Stolár. Katrin Litschko, die Chefredakteurin der Zeitschrift Karpatenblatt, ist eine in Bayern geborene und aufgewachsene Enkelin von karpatendeutschen Heimatvertriebenen. Unter den slowakischen Politikern sind der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im slowakischen Parlament, Peter Kremský, und der südslowakische Abgeordnete Dr. Ján Szőllős, die beide die derzeitige Regierungskoalition vertreten. Der nächste Tag beginnt mit einem Besuch im liebevoll gestalteten Museum der Karpatendeutschen Minderheit, wo uns Direktor Rastislav Fiľo empfängt. Dieses Museum ist keine private Initiative, sondern Teil des Slowakischen Nationalmuseums. Auch das Museum der großen ungarischen Volksgruppe ist in das Nationalmuseum integriert – positive Seiten der slowakischen Nationalitätenpolitik. Bevor wir Preßburg verlassen, passieren wir die Stadtautobahn, die zur Zeit der Kommunisten direkt neben dem Dom St. Martin brutal durch die historische Altstadt gebrochen wurde. In diesem Dom der ehemaligen Hauptstadt von Oberungarn, wie die Slowakei früher hieß, wurden die ungarischen Könige gekrönt, wie auch Maria Theresia. Preßburg heißt auf ungarisch Pozsony und wurde auf Slowakisch bis 1919 Prešporok genannt, bis Edvard Beneš nach Gründung der Tschechoslowakischen Republik

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Die UdV-Delegation mit Bernd Posselt vor dem Sarkophag des Ehrenvorsitzenden Otto von Habsburg.

In Hobgarten: Altbürgermeister Vladimír Záborský, Bernd Posselt und Bürgermeisterin Zita Pleštinska.

Brunhilde Reitmeier-Zwick, Bundesvorsitzende der vertriebenen Karpatendeutschen in Deutschland (links), und Bela Wagner, der Ortsvorsitzende der Karpatendeutschen von Käsmark (2. von links) führen durch Käsmark.

Käsmarks OB Jan Ferenčák (links) begrüßt die UdV-Delegation.

den Kunstnamen Bratislava einführte. Bei einer kleinen Stadtrundfahrt geht es vorbei am Palais Grassalkovich, dem Amtssitz der Staatspräsidentin Zuzana Čaputová. Beim Durchfahren der Villenviertel auf den Bergen, von wo sich ein fantastischer Blick auf Burg und Stadt ergibt, kommen wir auch am eher bescheidenen früheren Wohnhaus von Alexander Dubček, der Symbolfigur des Prager Frühlings, vorbei. Die Slowakei gehörte jahrhundertelang zur Stephanskrone. Das regierende Geschlecht der Arpaden holte nach den Stürmen der Mongolen und Tataren Siedler aus dem Westen, um die entvölkerten Gebiete wieder zu kultivieren. Sie kamen zumeist aus Deutschland, zu gleicher Zeit wie die Siebenbürger Sachsen. Es war die Regierungszeit von König Béla. Seine Frau Gertrud aus dem Haus Andechs-Meranien, die vielfach für ihren Mann bei seiner Abwesenheit regierte und oft nichtungarische Adlige bevorzugte, wurde ermordet. Ihre Tochter Elisabeth wurde als Landgräfin von Thüringen eine bedeutende Heilige. Die Deutschen waren vielfach Handwerker. Sie kolonisierten mit Fleiß große, menschenarme Gebiete und gründeten viele Städte. Die Oberschicht bildeten die adeligen Ungarn. Die Anzahl der Slowaken war damals gering. Wenn man so durch die verschiedenen Ortschaften fährt, künden die Kirchen unterschiedlicher Konfessionen sowie die Synagogen von einer großen religiösen Toleranz. Genauso läßt sich an den Namen erkennen, die Slowakei war stets ein multiethnisches Gebiet. Bei der Ausfahrt aus der slowakischen Metropole fährt der Bus zuerst Richtung Norden durch das Waagtal. Als erstes Ziel wird Weinitz/Bojnice im Hauerland angesteuert. Wir passieren Pistian/Piešťany, eines der berühmten Bäder noch aus der Kaiserzeit. Bei Trentschin gibt es reichlich Gelegenheit, um über den Vertrag von Trentschin zu sprechen. Mit dem Vertrag gab Kasimir der Große, aus einer Linie des Piastengeschlechtes, alle Ansprüche Polens auf die von den Schlesischen Piasten beherrschten schlesischen Territorien „auf

biete der Zips umfaßten durchgehend deutsche Städte und Dörfer mit evangelischen, katholischen, orthodoxen und jüdischen Bewohnern, die allesamt über eigene Gotteshäuser verfügten. Jedenfalls muß es viele sehr fleißige Leute gegeben haben, sonst hätte man keine so schönen Städte wie Leutschau und keinen so prächtigen Altar wie in dessen Kirche bauen können. Besonders berühmt sind der mittelalterliche Holzschnitzer, der „Meister von Leutschau“ genannt wird, und seine Schule. Nach der Vertreibung der Deutschen wurden deren Häuser vom tschechoslowakischen Staat enteignet und wie in den böhmischen Ländern unterschiedlichsten Siedlern, unter ihnen viele Roma, zugewiesen. Wer nach der Wende von 1989 ein solches Gebäude erwarb, mußte häufig neben den enormen Renovierungskosten auch noch eine eigene Unterkunft für die Familien, die darin wohnten, erstellen. Heute sind vor allem die Roma-Dörfer in den Seitentälern der Ober- und der Unterzips sowie der Ostslowakei von extremer Armut geprägt. Verläßt man die Stadt Leutschau, so thront am Marienberg die mächtige Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung. Der Ort ist einer der ältesten Wallfahrtsziele der Slowakei, auch Papst Johannes Paul II. zelebrierte hier schon eine große Messe. Als Höhepunkt in der Zips ist der Blick auf die Zipser Burg anzusehen, aber genauso imponierend ist die Aussicht von der Burg selbst. Diese Festung ist eine der größten Burganlagen in Mitteleuropa. Zuletzt hält unser Bus im Übernachtungsort Käsmark vor einem eigentümlichen Kirchenbau. Wir treten ein, und Besuchergruppen sind anwesend. Der Stil sei maurisch beeinflußt, nicht gerade anheimelnd, eher befremdend imposant. Das Haus wurde um1900 für die deutsche evangelische Gemeinde gebaut. In einer Seitenkapelle steht das Denkmal für Graf Stephan II. Thököly, eine wichtige Persönlichkeit der ungarischen Geschichte, der in Käsmark 1623 geboren wurde. Etwas ganz Besonderes ist die alte evangelische Kirche, eine

ewige Zeiten“ auf. Damit wurde die politische Trennung Schlesiens von Polen festgelegt. Im Gegenzug verzichtete der böhmische König Johann von Luxemburg mit Sohn Karl auf den ererbten polnischen Königstitel. Dies wurde mit einem weiteren Vertrag von Karl IV. 1348 bekräftigt. Seitdem spricht man von den „Ländern der böhmischen Krone“ Böhmen, Mähren und Schlesien. Auf Nebenstraßen geht es weiter Richtung Osten, bis wir die Türme des Schloßes von Weinitz erblicken. Hier hat Graf Johann von Pálffy für seine Angebetete ein Schloß im Loirestil bauen lassen. Er wurde nicht erhört, sein Vermögen war weggeschmolzen und seine Nachkommen verkauften die Anlage zusammen mit dem örtlichen Heilbad an die Familie Baťa vom Zliner Schuhimperium. Alles wurde 1945 konfisziert, und das Schloß brannte 1950 teilweise ab. Nach dem Wiederaufbau wurde eine Außenstelle des Slowakischen Nationalmuseums eingerichtet. Es dient auch als Kulisse für Märchenfilme. Im Hotel Lipa in der Ortsmitte kommt es wieder zu Begegnungen mit der Karpatendeutschen Volksgruppe sowie mit Bürgermeister a.D. Vladimír Záborský. Als Überraschung erscheint Zita Pleštinská mit ihrem Ehemann Eduard. Sie ist Bürgermeisterin des 226 Kilometer weiter im Osten gelegenen Hopgarten, einem Dorf, das immer noch überwiegend von Deutschen mit schlesischer Mundart bewohnt wird. Mit Unterstützung des Pfarrers und auch der benachbarten Dörfer – besiedelt mit verschiedenen Nationen, allen voran ukrainischsprachigen Rusinen –sind die Bewohner von Hopgarten der Vertreibung entgangen. Zita Pleštinská, eine Politikerin der Christdemokratischen Bewegung, kennt Bernd Posselt vom Europäischen Parlament. Sie ist zurzeit auch Mitglied des Slowakischen Nationalrates. Dazu vermag sie klangvoll zu singen. Beim nächsten Halt in Krickerhau/Handlová erwartet uns im karpatendeutschen Haus der Begegnung ein liebevoll gedeckter Tisch im Gemeinschaftsraum.

Kaffee und Gebackenes werden serviert. Im Haus gibt es ein kleines Heimatmuseum mit sorgfältig angeordneten Ausstellungsstücken, oben eine Bibliothek und einen Übernachtungsraum. Die Gastgeber sind ein bisschen deprimiert. Bei einem Einbruch wurde ihnen die Ziehharmonika gestohlen, und es gab Beschädigungen. Anscheinend müßte man außen Eisengitter haben. Dazu wird geklagt, die Jungen lernten zu wenig Deutsch. Vielleicht müßte man hier mit Online-Freundschaften arbeiten. Fast pünktlich erreichen wir abends Käsmark/Kežmarok. Erwartet werden wir von Brunhilde Reitmeier-Zwick, der Bundesvorsitzenden der Karpatendeutschen Landsmannschaft in Deutschland, und regionalen Minderheitenvertretern. Reitmeier-Zwick hat ihre familiären Wurzeln in Käsmark und ist wegen ihrer erfolgreichen Verständigungsarbeit Ehrenbürgerin. Wir sind in der Tatra, und abends wird es schon merklich kühl. Die Slowakische Regierung legt großen Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit den verbliebenen und vertriebenen Karpatendeutschen. Es bedarf dennoch ungeheurer Energie, die Vertriebenen und deren Nachkommen zusammenzuhalten. Dabei geht es nicht zuletzt um die Erhaltung des umfangreichen Kulturgutes der Karpatendeutschen, deren Vorfahren schon im Hochmittelalter im damaligen Oberungarn gesiedelt haben. Am nächsten Tag führt uns eine Rundreise durch Teile der Zips. Reiseleiter ist Vojtech Béla Wagner, Ortsvorsitzender des Karpatendeutschen Vereins in Käsmark und zugleich Schulleiter sowie Gemeinderat. In unserem Ausgangsort Käsmark, einem kleinen Städtchen, wurde vor 1918 von fast allen Bewohnern die deutsche, die ungarische und die slowakische Sprache beherrscht. Dazu hatten sicher einige Bewohner auch polnische und ruthenische Sprachkenntnisse. Der hohe Prozentsatz von Juden läßt noch die Folgerung zu, daß die hebräische Sprache den Gläubigen geläufig war. Außerdem dürfte im Handelsbereich auch das Jiddische eine Rolle gespielt haben. Die Ge-

Artikularkirche, ganz aus Holz und ohne Nägel gebaut und ausgemalt. In der Türkenzeit wurde den Protestanten von Kaiser Leopold gestattet, solche Kirchen zu bauen. Sie erinnert etwas an die protestantische Friedenskirche in Schweidnitz. Das Innere und ebenso das Äußere wurden mit großer Sorgfalt in den letzten Jahren renoviert. In der Nähe der großen neuen Kirche ist das Gebäude mit der Lyzealbibliothek. Es ist die größte historische Schulbibliothek Mitteleuropas, in deren Besitz unvorstellbare Werte sich befinden. Einige sind Unikate, wie eine handgeschriebene Chronik der Stadt Köln von 1437. Seit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs gibt es nur dieses einzige Exemplar auf der Welt. Ein Erstdruck von 1518 liegt hier. Er stammt von Martin Luther. Weiter verfügt man über eine handkolorierte Postille zu Jan Hus. Die Bibliothek ist im Besitz der evangelischen Kirchengemeinde. Zum Bestand gehören rund 150 000 Bände in allen Weltsprachen, etwa ein Drittel in Deutsch, ansonsten viel Latein, Slowakisch und Ungarisch. Hier ist außerordentliches Kulturgut erhalten. Die Führung schließt mit einem Rundgang ab. Wir sehen das mittelständige Rathaus, die ehemaligen Häuser der deutschen Handwerker und die Redoute der kleinen Stadt, heute ein Kino. Eine hohe Ehre ist es für uns, abends den Oberbürgermeister der Stadt Käsmark, Jan Ferenčák, zu treffen. Ferenčák gehört als Abgeordneter der sozialdemokratischen Opposition dem Slowakischen Nationalrat an. Er berichtet einiges zur Stadt Käsmark und der wirtschaftlichen Struktur der Umgebung. Auf Nachfrage erläutert er den Deutschunterricht in der Region. Hier sollte man sicher digitale Kontakte von Seiten Deutschlands und Österreichs fördern. Morgens vor dem Frühstück um 6 Uhr 30 führt ein Spaziergang zur katholischen Kirche. Es gibt zwei Überraschungen. Die Kirche ist um diese Zeit am Sonntagmorgen voll. Man ist überwältigt von einer solchen Gläubigkeit in der Nordslowakei. Die zweite Überraschung ist, daß diese hochgotische Kirche ebenfalls sehr prächtig ausgestattet wurde. Von Käsmark sind es noch gut 100 Kilometer bis zur ukrainischen Grenze, dem Ende der Europäischen Union. Vom nahen Krieg haben wir nicht allzu viel gemerkt. Käsmark hat nur wenige Flüchtlinge. Auf der Rückfahrt diskutieren wir die Frage, ob wir in unseren Köpfen den Mittelpunkt Europas nicht zu sehr nach Westen verlegt haben. Auch bei dieser Reise, die im Zeichen einer langen UdV-Tradition der Besuche in den Heimatregionen der deutschen Volksgruppen steht, zeigte sich, welch ein profunder Kenner mit einem immensen Detailwissen der Regionen Europas Bernd Posselt ist. Mit seinem riesigen europäischen Netzwerk sorgte er immer für spannende und vielseitige Gesprächspartner. Daß solche Besuche mit ihren vielschichtigen Begegnungen der einzige Weg sind, das reiche gemeinsame Erbe zu pflegen und weiterzuentwickeln, aber auch die dunklen Zeiten aufzuarbeiten, um daraus eine Zukunft für alle Menschen zu schaffen, veranschaulicht der momentane Krieg in der Ukraine. Die Union der Vertriebenen und Aussiedler in Bayern wird deshalb weiterhin mit ihrer vielfältigen Kompetenz an einem gemeinsamen, friedvollen und freiheitlich-demokratischen Europa mitarbeiten. Diese Fahrten quer durch unseren reichen Heimatkontinent geben hierbei das starke geistig-kulturelle Fundament.


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TERMINE

Euregio Egrensis

Für das kommende Schuljahr sucht die Euregio Egrensis Gastfamilien, die tschechische Schüler für ein ganzes oder halbes Schuljahr bei sich aufnehmen.

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ie Austauschschüler besuchen während ihres Aufenthalts ein Gymnasium in der Euregio Egrensis und sind zwischen 16 und 18 Jahren alt. Für die Unterbringung und Verpflegung erhalten die Gastfamilien eine monatliche Aufwandsentschädigung in Höhe von 330 Euro. Ansprechpartnerin bei der Euregio Egrensis ist Projektleiterin Magdalena Becher, Telefon (0 92 31) 66 92 15, eMail magdalena.becher@euregioegrensis.de

Sudetendeutsches Archiv: Was können wir für Sie tun? Unter dem Motto „Was können wir für Sie tun?“ haben Ingrid Sauer und Christine Kobler den Mitarbeitern im Sudetendeutschen Haus das Sudetendeutsche Archiv im Bayerischen Hauptstaatsarchiv vorgestellt.

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er Anlaß: In den vergangenen zwei Jahren haben zahlreiche neue Mitarbeiter ihre Tätigkeit im Sudetendeutschen Haus aufgenommen. Auch beim Sudetendeutschen Archiv im Bayerischen Hauptstaatsarchiv kam es durch den

plötzlichen Tod des langjährigen Mitarbeiters Dr. Helmut Demattio im Dezember 2021 zu einer personellen Veränderung. Auf Initiative von Mathias Heider (Bundesgeschäftsstelle SL) und Ingrid Sauer (Bayerisches Hauptstaatsarchiv) gaben die Referentinnen einen praxisnahen Überblick über die Bestände des Sudetendeutschen Archivs und weiteren Beständen mit Bezügen zu Sudetica im Bayerischen Hauptstaatsarchiv. Seit 2007 wird das Sudetendeutsche Archiv im Bayerischen

Karlsbad

Teplitz-Schönau

Teplice-Šanov Einfache alkalische Quellen

Karlsbrunn

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Karlovy Vary

Alkalische Quellen

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Medien-Projekt

Vorstellung im Sudetendeutschen Haus

Gastfamilien gesucht

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Sudetendeutsche Zeitung Folge 21 | 27. 5. 2022

Von links: Ingrid Sauer, Dr. Raimund Paleczek (Sudetendeutsches Institut), Christine Kobler. Foto: Mielcarek

Einfache Mineralquellen

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Eisenquellen

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B1

1349

Kurort seit:

Einwohner (1914): 20.122 Kurort seit: 1154 1826 Kurort seit: Kurgäste (1914): 70.000 Kurort seit: Einwo 26.777 hner (1914): 1780 hner (1914): 6.859 Einwo 1793 Zahl der Heilquellen: 14 Kurort seit: Einwohner (1914): Kurgäste (1914): 8.000 4.000 Kurgäste70(1914): 4): 2.00 (191 0 ner woh Kosten eines Kuraufenthalts: 100 Kronen Ein Kurgäste (1914): Zahl der Heilquellen: 6 Kurort seit: 1.000Heilquellen: 1906 44 Zahl der 16.000 te (1914): gäs Versand von Kur 1807 Kosten l der Heilquellen: Einwohner (19 eines Kuraufenthalts: Zah 70 Kronen 5 Kuraufenthalts:Heilwasser Kurort seit: 70 Kronen 7.550 (1914): 3.000.000 Flaschen Kosten eines 14): n: 17 Zahl der Heilquelle 14): 6.279 Kosten eines Kurauf Versand von Kurgäste (19 Einwohner (19 60 Krodnen von 2.000 es Kuraufenthalts: Versan enthalts: 100 14 ): Kronen Heilwasser (1914): Kosten ein 1.500.000 Flaschen 14): kein 33.000 Versan d Heilwasser (1914): Versan Zahl der Heil d von Kurgäste (19 5 quellen: Heilwasser (1914): d von : san en d Ver ell san Ver qu eil kein 38 400 .000 Ko 4): Fla Zahl der H ste (191 sche r n en n asse ein es Kuraufenth Kron Heilw s: 100 alts: 100 Kron Kuraufenthalt en Versand von Kosten eines Heilwasser (19 14): kein Versand Versand von 14): 600.000 Flasch en Heilwasser (19

Böhmisches Kur-Quartett

Sudetendeutsche Landsmannschaft – Bundesverband – e.V., Hochstraße 8, 81669 München, www.sudeten.de

Bis Samstag, 2. Juli, Ausstellung „Zápotek – Wenn du nicht mehr kannst, gib Gas!“. Tschechisches Zentrum, Prinzregentenstraße 7, München. Bis Freitag, 30. September: Sonderausstellung „Unser Mut. Juden in Europa 1945–48“. Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstraße 90, Berlin. Bis Sonntag, 30. Oktober: Sonderausstellung „Wilhelm Hager – Akademischer Bildhauer und Maler". Egerland-Museum, Fikentscherstraße 24, Marktredwitz. Freitag, 27. Mai, bis Montag, 6. Juni: Begegnungs- und Kulturfahrt im alten und neuen Österreich. Standorte in Pilsen, Brünn, Wien und Kremsmünster. Informationen und Anmeldung bei Rüdiger Goldmann, telefonisch unter (02 11) 7 00 51 50. Samstag, 28. Mai, 9.30 Uhr, BdV-Kreisverband LimburgWeilburg: Kreisverbandstag. Hotel Zur Krone, Obertorstraße 1, Löhnberg. Samstag, 28. Mai, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Jahreshauptversammlung mit Ehrungen. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Samstag, 28. Mai, 19.00 Uhr: Konzert „Verflechtungen. Einflüsse von Volksmusik, Tanz und Märchenwelten in der böhAnzeige

Sudetendeutscher Heimatblick Starnberger Treff für Landsleute auf dem Weg in die alte Heimat. Telefon: +49 1 51 74 12 22 17

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Sudetendeutsches Kartenspiel kostenlos bestellen

Böhmisches Kur-Quartett it Unterstützung durch den Freistaat Bayern ist jetzt das

„Böhmische Kur-Quartett“ erschienen, in dem nicht nur die

VERANSTALTUNGSKALENDER mischen Kunstmusik“ mit dem Klavierduo Jost Costa und dem Musikwissenschaftler Joachim Kremer. Veranstalter: Adalbert Stifter Verein und Kulturreferat für die böhmischen Länder. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Montag, 30. Mai, 18.00 Uhr, Verband der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ): Vortrag „Die Arbeit eines Volksanwalts“. Referent: Werner Amon. Haus der Heimat, Steingasse 25, Wien. Dienstag, 31. Mai, 18.00 Uhr: „Hana oder Das böhmische Geschenk“. Poetisches Portrait der tschechischen Germanistin Hana Jüptnerová mit Tina Stroheker. Erinnerungen an die 2019 verstorbene tschechische Dissidentin, Christin und Brükkenbauerin Hana Jüptnerová. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Dienstag, 31. Mai, 19.00 Uhr, Adalbert Stifter Verein und Ústav pro studium totalitních režimů: 100 Jahre PaneuropaBewegung mit Bernd Posselt und Martin Posselt im Rahmen der Ausstellung „Kulturelle Brücken in Europa: Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945“. Moderation: Viktoria Großmann (Süddeutsche Zeitung). Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni: 72. Sudetendeutscher Tag in Hof und der Euregio Egrensis (Ausführliches Programm auf den Seiten 7 bis 10). Sonntag, 5. Juni, SL-Bezirksgruppe Oberfranken: Busfahrt zum Sudetendeutschen

S

o viele Vertriebene wie derzeit habe es in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr gegeben, erklärt Martin Weiser von der Tschechischen Presseagentur seine Anfrage. Der Journalist: „Ich halte es für wichtig, das Thema aufzugreifen, um zu zeigen, wie Vertriebene und deren Nachkommen jetzt Vertriebenen helfen.“ Die Kontaktdaten: Martin Weiser, Tschechische Presseagentur/Reporter Magazin, Telefon (0 04 20) 7 77 16 16 23.

Fotografien von Karl-Heinz Rothenberger

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Marienbad

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Für eine Reportage sucht die Tschechische Presseagentur Sudetendeutsche, die in der aktuellen Situation Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine helfen.

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Gräfenberg

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Eisenquellen

Die Sudetendeutsche Landsmannschaft hat ein Kartenspiel mit den Kurorten der Böhmischen Länder herausgegeben, das ab sofort kostenlos bei der Bundesgeschäftsstelle bezogen werden kann.

Hauptstaatsarchiv als Depositum des Sudetendeutschen Instituts e.V. betreut, erklärte dessen Vorsitzender Dr. Raimund Paleczek. Etwa ein Drittel der mittlerweile auf zwei Kilometer angewachsenen und weiter anwachsenden Bestände des Archivs sind bisher über Findbücher erfaßt und der Forschung zugänglich. Persönliche Dokumente, Erinnerungen, heimatkundliche Forschungen sowie Schriftgut vieler sudetendeutscher Einrichtungen werden im Sudetendeutschen Archiv der Nachwelt erhalten.

Wer hilft Flüchtlingen?

Tag (mit den Bussen soll der Gottesdienst erreicht werden). Oberfranken West: 6.30 Uhr: Bamberg Bahnhof; 7.00 Uhr: Lichtenfels Bahnhof; 7.20 Uhr: Burgkunstadt Raiffeisenparkplatz Alter Postweg an der Hauptkreuzung; 7.45 Uhr: Kulmbach Bahnhof; 8.15 Uhr: Himmelkron Frankenfarm vor der Kirche. Oberfranken Ost: 7.15 Uhr: Pegnitz Wiesweiherparkplatz. Bei Bedarf: Creußen an der Diska. 7.45 Uhr: Bayreuth Bahnhof; Bei Bedarf: Bindlach Bushaltestelle Bindlach Schule; 8.10 Uhr: Himmelkron Frankenfarm vor der Kirche. Anmeldung bei den Kreis- und Ortsobleuten oder bei Bezirksobfrau Margaretha Michel, Telefon (0 92 41) 36 54. Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni, Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland: Heimattag unter dem Motto „Wurzeln suchen – Wege finden“. Dinkelsbühl. Dienstag, 7. Juni, 19.00 Uhr: „Der Mann aus Prag. Ein besonderer Abend über Franz Kafka“. Musikalische Lesung mit Christiane Lemm und Kalle Kubik. Gerhart-HauptmannHaus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Freitag, 17. Juni, 10.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Totengedenken. Mahnmal der Sudetendeutschen am Friedhof Wehringen mit Pfarrer Hubert Ratzinger. Samstag, 18. Juni, 8.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Busfahrt nach München ins Sudetendeutsche Museum.

weltberühmten, sondern auch kleinere sudetendeutsche Kurorte vorgestellt werden. Bestellt werden kann das Kartenspiel per eMail an service@ sudeten.de oder telefonisch unter der Nummer (0 89) 48 00 03 70. Busbahnhof Erlangen. Anmeldung bei: Christoph Lippert, Telefon (0 91 32) 97 00 oder eMail erlangen@ackermann-gemeinde .de Samstag, 18. bis Sonntag, 19. Juni, Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel: 25. Wischauer Heimattreffen. Programmauszug: Samstag, 15.00 Uhr, Eröffnung der Ausstellung „Heimat im Gepäck“, Kirchstraße 47, Aalen-Fachsenfeld; Sonntag, 9.30 Uhr, Gottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche; 11.00 Uhr, Feierstunde in der Veranstaltungshalle Montag, 20. Juni, 17.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart, UdVF Stuttgart und BdV: Veranstaltung zum Weltflüchtlingstag. Podiumsdiskussion mit Migrationsministerin Marion Gentges, Serkan Eren (STELP), Stadträtin Iris Ripsam, MdB a.D. und BdV-Landesvorsitzende. Kursaal, Königsplatz 1, StuttgartBad Cannstatt. Dienstag, 21. Juni, 19.00 Uhr, Adalbert Stifter Verein und Ústav pro studium totalitních režimů: „Adel heute“ – Podiumsdiskussion im Rahmen der Ausstellung „Kulturelle Brükken in Europa: Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945“. Moderation: Stephan Löwenstein (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Sonntag, 26. Juni bis Samstag, 2. Juli, Heimatkreis Jägerndorf: Kulturfahrt in den Heimatkreis mit Teilnahme am Versöhnungsmarsch zum Gedenken an den Jägerndorfer Hungermarsch von 1946. Anmeldung bei Lorenz Loserth, Telefon (01 52) 53 63 60 79 oder eMail LorenzLoserth@googlemail.com

Baltikum analog Dienstag, 31. Mai, 17.00 Uhr: Prof. Dr. Karl-Heinz Rothenberger führt durch seine Ausstellung „Baltikum analog“, die bis Freitag, 28. Oktober 2022 im Haus des Deutschen Osten gezeigt wird. Durch die Wahl zu Kulturhauptstädten Europas rückten die Hauptstädte der baltischen Staaten in das öffentliche Interesse. Das Baltikum wurde 2009 vertreten durch Litauens Hauptstadt Vilnius, 2011 durch Estlands Hauptstadt Tallinn und 2014 durch Lettlands Hauptstadt Riga. Der baltische Reigen setzt sich 2022 mit Kaunas (Litauen) und 2024 mit Tartu (Estland) fort. Nicht nur die Hauptstädte, sondern auch Land und Leute ließen KarlHeinz Rothenberger im Som-

mer 2019 in ein Campingmobil steigen. Seine Aufnahmen belegen die Wahrhaftigkeit in der Fotografie, die nachträgliche Manipulation des einmal festgehaltenen Augenblicks wird abgelehnt. Prof. Dr. Karl-Heinz Rothenberger wurde 1945 in Landshut geboren und studierte Medizin in München und Zürich. Parallel widmete er sich der Fotografie. So beteiligte er sich 1967 mit Arbeiten an einer Ausstellung des Deutschen Jugendfotowettbewerbs. Inzwischen hat er sich auf die Schwarz-WeißFotografie in analoger Kleinbildtechnik fokussiert. Anmeldung erforderlich unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail an poststelle@hdo. bayern.de.

Zeitenwende – die Rückkehr der Inflation Dienstag, 14. Juni, 18.00 bis 20.00 Uhr: Online-Seminar: „Zeitenwende – Die Rückkehr der Inflation erfordert ein geldpolitisches Meisterwerk. Läßt sich die Preisdynamik überhaupt noch aufhalten?“. Gespräch mit Roland Friedrich, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bad Kissingen (Foto: Elke Körner/ Sparkasse). Der pandemiebedingte Konjunktureinbruch ist zwar vorüber, doch die Folgen staatlicher Stützungsmaßnahmen mit gigantischen Konjunkturprogrammen und der abwartenden Politik der Zentralbanken erfordern schnellstmöglich auf die Bremse zu treten und ein konkretes Ausstiegsszenario mit einer Geldstraffung einzuleiten. Viel zu lange wiegelten die Notenbanker mit Aussagen ab, daß es sich beim Inflationsanstieg lediglich um ein vorübergehendes Phänomen handelt und alles unter Kontrolle wäre. Hilfspakete und Negativzinsen hatten eine enorme Nachfrage in allen Wirtschaftsbereichen ausgelöst. Dieser Nachfrageschub konnte aber aufgrund von Corona-Beschränkungen sowie der Unterbrechung von Lieferketten vielfach nicht bedient werden. Das führt zu höheren Preisen und Inflationsdruck, der nicht kurzfristig abgebaut werden kann. Nicht nur Energie und Lebensmittel wurden teurer. Die Preisdynamik hat bereits Güter und Dienstleistungen in der Breite erfaßt. Nun fordern auch noch die Gewerkschaften erwartungsgemäß hohe Lohnzuschläge, die zu einem ZweitRunden-Effekt mit einer sogenannten Lohn-Preis-Spirale führen. Die geopolitischen Risiken nehmen weiter zu. Vor diesem Hintergrund müssen wir uns auf ein völlig neues Umfeld einstellen. Herkömmliche Zyklus-Modelle können die volkswirtschaftliche Entwicklung nur unzureichend erklären und werden daher durch Wunschdenken ersetzt. Die Wachstumsschätzungen für die Wirtschaft in den Industrieländern von vier Prozent in diesem Jahr waren viel zu optimistisch angesetzt. Gleichzeitig glaubt auch die Mehrheit der Ökonomen an einen vorübergehenden Charakter der Inflation. Der kollektive Irrtum ist schon bemerkenswert. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de


70 JAHRE HEILIGENHOF

Sudetendeutsche Zeitung Folge 21 | 27. 5. 2022

5 � Mut tut gut

Akteure der Zukunft

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Der Heiligenhof oberhalb von Bad Kissingen ist seit 70 Jahren die sudetendeutsche Heimstätte für Erinnerungskultur und Völkerverständigung.

Fotos: Heiligenhof/Bad Kissingen

� Gustav Binder, Leiter der Bildungsarbeit, über die nicht immer einfachen Zeiten auf dem Heiligenhof

„Wir haben stets Antworten auf große Herausforderungen gefunden“ Seit 1. März 2005 leitet Gustav Binder die politische, historische und kulturelle Bildungsarbeit der Einrichtung „Der Heiligenhof“. Im Rahmen der Serie „70 Jahre Heiligenhof“ beschreibt Binder die Entwicklung der sudetendeutschen Begegnungsstätte bis heute. Neben seiner Heiligenhof-Tätigkeit schlüpft Binder regelmäßig in die Rolle des Badkommissars Alexander von Moreau, um kulturinteressierten Gästen das Weltkulturerbe Bad Kissingen und die große Epoche der Bäder näherzubringen. Von Gustav Binder

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er Start war schwierig. Im Jahr 2002 war das Tagungshaus gebaut worden, was den Träger, die Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk (SSBW), erheblich belastete. Der Heiligenhof wurde zwar während der Bauarbeiten nicht geschlossen, jedoch gab es einen Rückgang der Übernachtungszahlen und des Umsatzes. Die Schuldenlast der aufgenommen Kredite und die Tilgungsleistung konnten kaum gestemmt werden. In der Bildungsarbeit gab es jeweils auf Burg Hohenberg und auf dem Heiligenhof einen Studienleiter. In Hohenberg war es für fünf Jahre Martin Hübner, der aber 2004 ausschied. Auf dem Heiligenhof war als Nachfolger von Carsten Eichenberger, Armin Rosenberger, ein früherer Zeitsoldat, tätig. Auch er orientierte sich 2004 beruflich anderweitig. Ab Jahresmitte 2004 kam als Studienleiter Till Scholtz-Knobloch zum Heiligenhof. Seit 1997 war Steffen Hörtler auf Burg Hohenberg tätig. 2002 wechselte er in der Nachfolge von Gunter Kölbl als Hausleiter nach Bad Kissingen. In der Zeit von Carsten Eichenberger waren die sudetendeutsche Thematik und sudetendeutsche Heimatgruppen noch sehr präsent und bildeten einen Schwerpunkt. Martin Hübner und Steffen Hörtler konnten auf der nahe der tschechischen Grenze gelegenen Burg Hohenberg, vor allem für Kinder, Jugendliche und Studenten, deutsch-tschechische Begegnungsveranstaltungen durchführen. Die Grenze war 1990 gefallen, man konnte mit immer weniger Formalitäten beiderseits der Grenze zusammenkommen und auf Entdeckungsreise, etwa nach verschwundenen sudetendeutschen Ortschaften gehen. Armin Rosenberger gewann als neue Zielgruppen der politischen Bildungsarbeit Bundeswehrsoldaten und führte die heimatkundlichen Seminare weiter. Till Scholtz-Knobloch hatte gute Verbindungen nach Oberschlesien und versuchte so neue Zielgruppen zu finden. Auch versuchte er die Akademie Mitteleuropa mit Leben und Projekten zu füllen. Er blieb jedoch nur bis Jahresende, so daß wieder eine Vakanz entstand. Interimistisch – das war so geplant – sprang Gerald Volkmer für die Monate Januar und Februar 2005 als Studienleiter ein. Mit Gerald Volkmer war ich schon lange befreundet, wußte aber, als ich mich bewarb, nichts von seinem Engagement. Gewiß ist seiner, Carsten Ei-

� Gustav Binder n  Geboren am 18. November 1960 in Kronstadt, Siebenbürgen. n  19. November 1972: Auswanderung in die Bundesrepublik Deutschland. n  Schlosserlehre im Industriebetrieb, anschließend Hochschulreife über den zweiten Bildungsweg und Studium der Sozialwissenschaften an der Gesamthochschule Wuppertal. n  1997–2000: Studienleiter an der Evangelischen Akademie Siebenbürgen in Neppendorf. n  2000–2004: Siebenbürgen-Institut in Gundelsheim, zuletzt als Geschäftsführer. n  Seit 1. März 2005 Studienleiter am Heiligenhof.

chenbergers und Dr. Ortfried Kotzians Fürsprache meine Einstellung zu verdanken gewesen. In der Zeit bis 2005 wurde die Bildungsarbeit vor allem durch die Sudetendeutsche Stiftung, die Bundeszentrale für politische Bildung und das Haus des Deutschen Ostens gefördert. Aufgrund der Haushaltslage des Bundes und der Länder wurden jedoch Einsparungen gefordert. Meine historischen Kenntnisse über Böhmen, Mähren und Schlesien waren zunächst bescheiden. Ich kannte aber aus meiner vorherigen Tätigkeit das Antragswesen, insbesondere bei Bundes- und Ländereinrichtungen zur Förderung deutscher Kultur und Geschichte im östlichen Europa, und so versuchte ich bei dem neugeschaffenen Amt des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) Projekte zu beantragen, insbesondere für die Akademie Mitteleuropa, die zum Premiumsegment der Bildungsarbeit ausgebaut werden sollte. Ebenso wurde ich auf Fördermöglichkeiten durch das Bundesministerium des Innern im Bereich der verständigungspolitischen Maßnahmen deutscher Vertriebeneneinrichtungen aufmerksam. Es kamen einzelne Pro-

jekte durch die Robert Bosch Stiftung hinzu, später auch das Deutsch-Tschechische Jugendwerk Tandem und der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds. Auch bei bestehenden Förderern wurden kontinuierlich weiter Anträge gestellt und das Fördervolumen stetig erhöht. Leider gingen insbesondere die Förderungen bei der Sudetendeutschen Stiftung zurück, mit der man besonders deren Themen und Anliegen aufgreifen konnte. Zunächst führte ich die Heimatlandschafts- und Heimatkreisseminare weiter, aber es kamen auch neue Formate hinzu, so schon im ersten Jahr je eine Wochenendtagung zu „Erinnerungskulturen“ oder zum „40. Jahrestag des Briefwechsels polnischer und deutscher Bischöfe“. Auch eine Wochentagung zu „Deutschen Regionalliteraturen“ mit Autoren, Literaturhistorikern, Studenten und Doktoranden aus Deutschland und Ostmitteleuropa gelang. Aus diesem Format ist die „Mitteleuropäische Nachwuchsgermanistentagung“ geworden, die fünfzehn mal stattgefunden hat. Übernommen habe ich ein sehr erfolgreiches Format der „Mitteleuropäischen Begegnungen“, welches sich auch an Studenten richtet und in der Regel zweimal im Jahr stattfindet. Hierzu kommen vor allem Studenten aus Tschechien, Polen, Ungarn, Rumänien und der Ukraine, leider immer nur wenige aus Deutschland. Bei diesen Veranstaltungen verdanke ich die Mühen der Teilnehmergewinnung und auch von inhaltlichen Beiträgen ganz viel Prof. Dr. Andras Balogh (Budapest/Klausenburg), Dr. Lenka Matusková und Dr. Jan Čapek (beide Pardubitz), Prof. Dr. Lukas Novotny (Prag), Prof. Dr. Ingeborg Fiala-Fürst (Olmütz), Dr. Jan Pacholski (Breslau) und Dr. Szabolcs Janos (Großwardein). Ohne die Zuarbeit und Beteiligung dieser und weiterer Freunde würde ich mit leeren Händen dastehen. Ich will nicht verhehlen, daß in diesen

Jahren ein besonderer Arbeitseinsatz zu leisten war, damit die Bildungsarbeit stabilisiert und ausgebaut werden konnte. Noch heute gibt der Seminarplan die Arbeitszeiten vor. Es kamen mir viele zuvor erlangte persönliche Kontakte und Freundschaften zu Referenten, Hochschullehrern, Personen in Fördereinrichtungen zugute. Wo es die nicht gab, wiesen mich meine Vorgesetzten, zu nennen wären vor allem Wolfgang Egerter und Dr. Günter Reichert, auf Personen oder Themen hin. Auch von den derzeitigen Vorsitzenden der AME, Dr. Raimund Paleczek und Prof. Dr. Matthias Stickler sowie vom verstorbenen ehemalige Vorsitzende Prof. Dr. Bernhard Prosch, kamen eine fürsorgliche Begleitung und Impulse für die Bildungsarbeit, ebenso von meinem Kollegen, dem damaligen Geschäftsführer und heutigen Direktor Steffen Hörtler, der in der Landsmannschaft und den zahlreichen deutsch-tschechischen Verbänden bestens vernetzt ist. Zu unserem Team gehörte seit 2014 auch Ulrich Rümenapp als Bildungsmanager und Heike Pohle, die die Verwaltung organisiert. Rümenapp hat von seiner vorherigen Arbeitsstelle eine Mitgift in Form von Bildungsformaten wie politischen Planspielen, vor allem für Schüler und Referendare aus der Region, sowie Fördermittel der Bundeszentrale für politische Bildung mitgebracht. Als Fazit kann ich nach 17jähriger Tätigkeit auf eine gute und erfolgreiche Zeit zurückblicken. Leider waren die letzten beiden Jahre coronabedingt nahezu vollständige Ausfälle. Lediglich Sommer und Herbst 2020 und 2021 konnten wir einige wenige Präsenzseminare durchführen. Seit Dezember 2020 bieten wir erfolgreich einmal wöchentlich ein Online-Gespräch an, gelegentlich auch ein Online-Tagesseminar, manchmal sogar ein mehrtägiges. Und jetzt verändert der Krieg in der Ukraine wieder alles. Wir hatten seit 2005 über 130 Gäste – meist Jugendliche, Studenten und Dozenten – aus der Ukraine zu Gast und auch Themen mit Ukraine- und Rußlandschwerpunkt und Bezügen. Auch Themen deutscher und europäischer Sicherheitspolitik und geschichtliche Kenntnisse über die Kriege und Konflikte in Europa wurden kontinuierlich behandelt. Bis Anfang 2020 hatten wir unsere öffentlichen Förderungen für die Bildungsarbeit bei mehreren Förderern auf rund eine halbe Million Euro steigern können. Es muß vermerkt werden, daß es sich ausschließlich um Projektförderungen handelt, wofür die geeigneten Förderer gefunden werden müssen und wo wir in Konkurrenz zu anderen Projekten antreten. Die Bildungsarbeit und die persönliche Begegnung von unterschiedlichen Personen, Gruppen und Generationen ist Sinn und Zweck der Stiftung SSBW und der Akademie Mitteleuropa. Für die zurückliegenden Jahre haben wir stets Antworten auf die großen Herausforderungen der Zeit gefunden, um zu bestehen. Wir hoffen, daß das auch weiterhin gelingt.

fingsten steht bevor! Das hohe Kirchenfest beschert uns ein etwas längeres Wochenende und den Schülern eigene Ferien. Daß an Pfingsten auch der Sudetendeutsche Tag begangen wird, ist eine liebgewordene Gewohnheit für viele von uns. Ich selbst kann heuer leider nicht dabei sein, doch werde ich mich bemühen, am Pfingstmontag zur Wallfahrt nach Maria Kulm zu kommen. Wallfahrt und Pfingsten passen gut zusammen, nicht bloß deswegen, weil der üppige Frühling rund um das Kirchenfest zu Ausflügen einlädt, sondern weil das Pfingstfest in seinem ursprünglichen jüdischen Zusammenhang ein Wallfahrtsfest war. An Schawuot zogen die Juden in biblischer Zeit gerne nach Jerusalem, um das Ende der Weizenernte zu feiern. Außerdem dankten sie Gott beim selben Anlaß für die Tora, das Gesetz. Aus diesem Grunde waren an Pfingsten viele Menschen in Jerusalem versammelt. Die Apostel, so wird berichtet, waren nach der Himmelfahrt Jesu mit dessen Mutter zusammen. Ich stelle mir vor, daß sie verunsichert waren. Ihr Herr und Meister, den sie nach Ostern immer wieder in Erscheinungen erlebt hatten, war nun in himmlische Ferne gerückt. Er hatte sie zuletzt mit einem großen Auftrag ausgestattet, nämlich das Evangelium überall zu verkünden und möglichst viele Menschen zu seinen Jüngern zu machen. War das nicht eine Nummer zu groß für die kleine Schar? Bei aller Freude über seine Auferstehung saß ihnen wohl noch die Angst in den Knochen, es könnte ihnen das selbe irdische Ende drohen wie ihm. Zwar hatte er ihnen schon längst den Heiligen Geist als Beistand versprochen, aber ehrlich: Hätten wir in diese Verheißung viel Vertrauen gesetzt, wenn uns erst wenige Wochen zuvor die große Katastrophe unseres Lebens begegnet wäre? Ich stelle mir auch vor, daß ihnen die große Zahl an Pilgern zum bevorstehenden Schawuot-Fest Sorge bereitete. Wie sollten sie sich bei diesem großen Fest präsentieren? Maria hat die Apostel nach der Himmelfahrt Jesu neun Tage lang unter ihre Fittiche genommen, um es salopp auszudrücken. Zusammen mit ihnen hat sie um den Heiligen Geist gebetet. In Erinnerung daran halten wir zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten jedes Jahr eine Pfingstnovene. Wir dürfen dabei alle unsere Sorgen, Ängste und Nöte ins Gebet nehmen, alles, was uns in unserem persönlichen Leben oder in Kirche und Gesellschaft als eine Nummer zu groß erscheint. Von Maria können wir lernen, dem Heiligen Geist zu vertrauen. Als sie einst neun Monate vor der Geburt ihres Sohnes vom Erzengel Gabriel Besuch bekommen und dieser ihr angekündigt hatte, sie solle die Mutter des Messias werden, fragte sie: „Wie soll das geschehen?“ Der Engel war um eine Antwort nicht verlegen: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Macht des Höchsten wird dich überschatten.“ Vielleicht hat Maria davon vor Pfingsten den Aposteln erzählt. Hoffentlich hilft sie auch uns, der Macht des Höchsten zu vertrauen, damit wir unsere Herausforderungen anpacken und wie die Apostel bereit werden, Akteure der Zukunft zu sein. Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg


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FORUM

Das tschechische Buch

Es geschah im November Die Schriftstellerin und Übersetzerin Alena Mornštajnová wurde am Dienstag für ihren Roman „Listopád“ mit der Auszeichnung „Das tschechische Buch“ (Cena Česká kniha) geehrt. Mornštajnová erhält den Preis nach vier Jahren bereits zum zweiten Mal.

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ie Auszeichnung „Das tschechische Buch“ wird seit 2013 verliehen. Anders als bei den meisten Buchpreisen setzt sich die Jury aus Schülern zusammen. Alena Mornštajnovás Roman „Listopád“ schildert die fiktive Geschichte einer tschechischen Familie. Annahme ist dabei, daß es 1989 nicht zur Samtenen Revolution und dem Ende des Kommunismus gekommen ist. Im Juni erscheint das Buch unter dem Titel „Es geschah im November“ in deutscher Übersetzung von Raija Hauck.

Alena Mornštajnová kam am 24. Juni 1963 in Wallachisch Meseritsch in der Mährischen Wallachei zur Welt. Sie besuchte die Universität Mährisch Ostrau, wo sie Englisch und Tschechisch studierte. Sie veröffentlichte eine Reihe gefeierter Romane. Bereits ihr Debütroman „Slepá mapa“ (Blinde Karte), den sie 2013 veröffentlichte, wurde für den Tschechischen Buchpreis 2014 nominiert. „Hotýlek“ (Das kleine Hotel) erschien 2015, „Hana“ erschien 2017 und „Tiché roky“ (Jahre des Schweigens) erschien 2019. Hana ist ihr bisher erfolgreichstes Werk. Es wurde ins Deutsche, Englische und mehrere andere Sprachen übersetzt. Außerdem wurde es für den EBWE-Buchpreis 2021 nominiert. Sie schrieb auch das Kinderbuch „Strašidýlko stráša“ (Stráša, das kleine Gespenst).

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Tschechische Republik

PERSONALIEN Leidenschaftlicher Landsmann aus dem Adlergebirge

Sepp Jaschke 90 Am 31. Mai feiert Sepp Jaschke, im Isergebirge geboren und im Adlergebirge aufgewachsen, 90. Geburtstag im württembergischen Freiberg am Neckar.

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aß ich Sepp kennenlernen durfte, verdanke ich einem Zufall. Meine Eltern sind, wie man im Schwäbischen sagt, fleißige Besengänger. Unter Besen versteht man Winzer, die zu temporären Öffnungszeiten – insgesamt sechs Wochen im Jahr und überwiegend im Winterhalbjahr – Gasträume für eigenen Wein und Speisen anbieten. Ein Besen am Eingang zeigt an, daß die Wirtschaft geöffnet ist. In anderen Weingegenden sind diese Winzerschenken als Straußenwirtschaft, Buschenschank oder Heuriger bekannt. Die Besen sind eher klein, man sitzt eng beieinander, der Lärmpegel ist hoch, und man spricht über Gott und die Welt. Vor etwa zehn Jahren kehrten meine Eltern bei einem Besen nahe Heilbronn ein. An ihrem Tisch saß ein anderes Ehepaar. Der

Mann hieß Sepp und erzählte, er sei in Gablonz zur Welt gekommen. Da mein Vater auch aus dem Sudetenland stammt, entstand sogleich eine Verbindung. Während Sepps Kindheit zog die Familie nach Rokitnitz im Adlergebirge. Dort ging Sepp zur Schule. Die Eltern stammten aus dem kleinen Adlergebirgsort Prorub direkt an der Sprachengrenze bei Rehberg, die mütterlichen Großeltern Reichel lebten in Scheithau. Sepp zeigte mir stolz die Bilder des Anwesens. Es ist heute ein Schullandheim. Und es gibt dort immer noch einen beeindruckend tiefen Brunnen. Die väterlichen Großeltern waren Josef Jaschke und Beata Jaschke/ Pobel. Wie in der Gegend üblich arbeiteten sie in der Weberei.

Nach der Vertreibung erlernte Sepp im sächsischen Wurzen das Polsterhandwerk. Dort heiratete er und zeugte einen Sohn. Noch vor der endgültigen Schließung der Grenzen verließ er 1959 die „DDR“ und kam nach Ludwigsburg. Sepp ist zum zweiten Mal verheiratet mit der quirligen Christa und liebt seine Enkelin, die mit den zwei Urenkeln ganz in der Nähe lebt. Sepp habe ich immer gut aufgelegt erlebt, seine Heimat ist ihm bis zum heutigen Tag wichtig. Eine Zeitlang war er Vorsitzender des baden-württembergischen BdV-Ortsverbandes Freiberg am Neckar. Wenn es seine Gesundheit und die Zeit erlauben, bastelt Sepp an seinem Funkgerät oder kehrt mit seiner Frau mal wieder im Besen ein. Ralph Kühnel

Kluger Aktivist und festesfroher Freund

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Sudetendeutsche Zeitung Folge 21 | 27. 5. 2022

21/2022

Peter Pawlik 65 Am 27. Mai feiert Peter Pawlik, Egerländer Aktivist seit er laufen kann, im oberbayerischen Otterfing 65. Geburtstag.

I

ch absolvierte mit denkbar günstigstem Erfolg den Kindergarten“, schreibt der Brünner Heldentenor Leo Slezak in „Meine sämtlichen Werke“. Das kann Peter Pawlik nicht von sich sagen. Der Kindergarten weigerte sich nämlich, ihn aufzunehmen. Er lebe auf einem Bauernhof – der war in Gräfelfing bei München und beherbergt heute die Stiftung Seidlhof –, und wachse mit vielen anderen Kindern auf. Peters Sozialverhalten müsse nicht geschult werden. Sein Vater Josef Pawlik stammte aus Wittana, seine Mutter Theresia „Resi“ Pawlik/Fröhlich aus Vollmau. Beide Orte gehörten zum Kreis Bischofteinitz. Der Vater strandete nach Kriegsgefangenschaft, die Mutter nach der Vertreibung in Gräfelfing. In Gräfelfing arbeitete Resi als Haushaltshilfe, Josef als Müller. Und erst hier lernten sie sich kennen. Sie heirateten 1954 und pachteten den Hof in Gräfelfing, wo Tochter Marianne und Sohn Peter unbeschwerte Kinderjahre verbrachten. Sie bauten ein Haus in Otterfing, das sie 1969 bezogen. Natürlich nahmen Josef und Resi ihre Kinder immer zu den Heimatkreistreffen in Furth im Wald und zu den Sudetendeutschen Tagen mit. 1969 wurde der zwölfjährige Peter Mitglied der Eghalanda Gmoi z‘ München und lief mit ihr im Trachten- und Schützenzug zum Oktoberfest mit. Mit 20 Jahren übernahm er die Leitung der Egerland-Jugend (EJ) München, 1985 die der EJ Bayern. Trotz fehlender Kindergartenschulung studierte er in München erfolgreich Feinwerktechnik und arbeitet seit 1981 bei BMW in München. Bereits zuvor hatte er Sonja Kronhofmann kennengelernt, deren Vater aus dem Bischofteinitzer Parisau und deren Mutter aus Karlsbad stammen. Sie heirateten 1984. Ein Jahr später besuchte er zum ersten Mal die Heimat. „Wir waren fünf Münchener EJler. Wir wollten die

Heimat der Eltern erkunden, hatten aber nichts geplant oder gebucht. Zu allererst mußten wir bremsen lernen. Alles war anders als wir dachten. Alles war unerwartet, alles war spannend.“ 1986 kam Tochter Martina, 1988 Sohn Thomas zur Welt. 1990 wurde der junge Vater Bundesvorsitzender der SdJ. „Damals waren wir SdJler auf der Suche nach berühmten Künstlern, die sich zu ihrer Heimat bekennen. Dabei stießen wir auf Robert Jung“, erinnert sich Pawlik. Jung (1935–2015) war eine musikalische Allzweckwaffe aus Nieder Lindewiese im Altvaterland. Von ihm stammen der Peter-Alexander-Hit „Aus Böhmen kommt die Musik“ und Nicoles „Ein bißchen Frieden“, das beim Eurovision Song Contest 1978 siegte. „Jung lud uns zu sich nach Baldham ein. Dort wurde die Idee einer SudetenlandHymne geboren.“ Der Sudetendeutsche Tag 1996 in Nürnberg trug das Leitwort „Das Recht wahren – die Zukunft gestalten“. Beim Böhmischen Dorffest der SdJ sang Robert Jung am Pfingstsamstag zum ersten Mal in der Öffentlichkeit „Sudetenland, mein Heimatland“. Die damalige Heimatpflegerin, die gestrenge Walli Richter, war entsetzt ob des „Schlagers“. Das sei jenseits aller althergebrachter Volksmusik. Erst der Nachweis, daß Jung bereits Jahre zuvor von der SL „für kulturelle Leistungen zur Bewahrung des heimatlichen Erbes“ mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet worden sei, besänftigte sie. Jung spendete einen Teil des Erlöses der CD „Sudetenland, mein Heimatland“ im Erscheinungsjahr für die Jugendarbeit der SdJ. Seit 1999 ist Peter Pawlik Mitglied der Sudetendeutschen Bundesversammlung, seit 2001 betreut er den Heimatkreis Bischofteinitz. Und im Oktober 2005 wählten die Heimatkreisbetreuer aus dem Egerland Peter Pawlik zu ihrem Landschaftsbetreuer. Seitdem sind 17 Jahre vergangen, 17 weitere Jahre voller ehrenamtlicher Arbeit, die bereits 1969 begonnen hatte. Von ganzem Herzen wünsche ich Peter Pawlik vor allem Ge-

sundheit. Den Landsleuten wünsche ich, daß er sich ihrer weiter so wunderbar annimmt. Und mir wünsche ich, daß er seinen so bissigen wie charmanten Humor weiter kultiviert. Nadira Hurnaus

B

ernd Posselt würdigt Peter Pawlik mit folgenden Worten: „Peter und ich sind etwa dieselbe Generation und kennen uns seit den achtziger Jahren. Herausragende Persönlichkeiten wie er sind das Rückgrat unserer Volksgruppe. Ihnen ist zu verdanken, daß bei uns der Generationenübergang auf die nach der Vertreibung Geborenen gelingt. In der Sudetendeutschen Jugend, deren Bundesvorsitzender er war, und im SL-Bundesvorstand hat er Überragendes geleistet. Jetzt setzt er seinen Schwerpunkt auf die Tätigkeit als Landschaftsbetreuer Egerland, als Kreisbetreuer von Bischofteinitz und als führende Triebkraft in der Bundesversammlung. Daß diese unter Corona-Bedingungen pannenlos und zügig gewählt werden konnte, ist auf seinen großen Einsatz und seine einzigartige Sach- und Verbandskenntnis zurückzuführen. Menschlich ist er ein angenehmer und festesfroher Freund, der es dank seiner Glaubwürdigkeit geschafft hat, Mittelpunkt einer durch und durch sudetendeutsch engagierten Familie zu sein. Dies gilt nicht nur für Frau und Tochter, sondern auch für den Schwiegersohn, unseren Bundesgeschäftsführer Andreas Miksch. Als Kreisbetreuer repräsentiert Peter Pawlik außerdem jene Region unserer Wurzelheimat, aus der der Erfinder der modernen Europa-Idee, Richard Graf Coudenhove-Kalergi, stammt, der vor 100 Jahren die PaneuropaBewegung gründete. Ganz in dessen Tradition verbindet Peter die Liebe zum Egerland und zum Böhmerwald mit einer weiten europäischen Sicht und hervorragenden internationalen Kontakten, die er schon in der Sudetendeutschen Jugend pflegte. Diesem klugen Kopf, der je nach Notwendigkeit durchsetzungsstark oder diplomatisch sein kann, wünsche ich von Herzen viel Gesundheit, Glück, Erfolg und Gottes reichen Segen.“

221 Schüsse auf Flüchtlinge Die tschechische Polizei ermittelt gegen Ex-Innenminister wegen Schüssen auf „DDR“-Bürger am Eisernen Vorhang.

W

egen des Schießbefehls an der scharf bewachten Außengrenze der kommunistischen Tschechoslowakei ermittelt die tschechische Polizei gegen den ehemaligen Innenminister František Kincl. Das Amt zur Dokumentation und Untersuchung der Verbrechen des Kommunismus in Prag beschuldigt den 81jährigen ehemaligen Politiker des Machtmißbrauchs. Kincl wird vorgeworfen, den Schußwaffengebrauch an der Grenze nicht eingeschränkt zu haben. So sei selbst dann geschossen worden, wenn diejenigen, die über die Grenze flohen, keine Bedrohung für die Grenzsoldaten gewesen seien. Als konkretes Beispiel nennt die Behörde den Fall eines Ehepaars aus der „DDR“, das 1988 auf der Flucht verletzt wurde. Auf beide wurden damals 221 Schüsse abgefeuert. František Kincl kam als Kind einer Arbeiterfamilie in Ritschan bei Brünn zur Welt. Der gelernte Maurer studierte an der Technischen Universität Brünn. 1966 wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei. Bereits ein Jahr zuvor war er dem Korps für Nationale Sicherheit (SNB), eine Behörde für polizeiliche und geheimdienstliche Aufgaben, beigetreten. 1979 bis 1988 war er Chef der SNB-Regionalverwaltung in Mährisch Ostrau. 1988 wurde er Innenminister in der Regierung Ladislav Adamec. Dies blieb er bis 3. Dezember 1989, als die Regierung infolge der Samtenen Revolution ihre Geschäfte aufgab. Ab dem 29. November 1989 hatte er das Amt des Ministers jedoch wegen Erkrankung nicht mehr ausgeübt. Vom 24. Mai 1986 bis 8. Januar 1990 war er Abgeordneter im Tschechischen Nationalrat. Im Oktober 1993 wurde er vom Hohen Militärgericht in Tabor zusammen mit anderen Führern der Sicherheitskräfte zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er die Autorität eines Beamten mißbraucht hatte. Insbesondere sollte die illegale „präventive Isolation“ von mehreren hundert Oppositionsaktivisten zu dieser Zeit genutzt werden. In einer anderen Gerichtsverhandlung, die 2002 begann und ebenfalls mit seiner Tätigkeit im Korps für die Nationale Sicherheit SNB zusammenhing, wurde er zu drei Jahren Haft mit Bewährung verurteilt. Es handelte sich um die sogenannte Causa Asanace (Sanierung). Ende der 1970er Jahre wurde ein starker Druck – zum Teil auch physischer Art – auf Oppositionelle ausgeübt, unter anderem auf Unterzeichner der Charta 77 – mit dem Ziel, sie zum Verlassen der Tschechoslowakei zu bewegen.

František Kincl


72. SUDETENDEUTSCHER TAG

Sudetendeutsche Zeitung Folge 21 | 27. 5. 2022

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Freitag, 3. Juni bis Pfingstmontag, 6. Juni

Berichtet vom Sudetendeutschen Tag: BR-Reporter Julian von Löwis. Foto: BR

Bayerischer Rundfunk

SonderSendung im Fernsehen In einer Sondersendung berichtet das Bayerische Fernsehen am Pfingstsonntag ab 23.30 Uhr über den Sudetendeutschen Tag aus Hof.

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oderator der Sendung ist Julian von Löwis. Die Redaktion hat Jürgen Schleifer inne. Der TV-Beitrag ist anschließend auch in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks unter www.br.de/mediathek abrufbar.

Evi Strehl moderiert die Sendung „Servus“ auf BR Heimat. Foto: Fricke

BR Heimat

SonderSendung im Radio

Sudetendeutscher Tag Das große Wiedersehen über Pfingsten in Hof Was für eine Premiere nach zwei Jahren Pandemie: Der Sudetendeutsche Tag findet erstmals an vier Tagen bis Pfingstmontag statt. Zum ersten Mal werden mit dem rumänischen Staatspräsidenten Klaus Iohannis und dem ukrainischen Staatspräsidenten Wolodymyr Selenskyj zwei große Europäer mit dem Sudetendeutschen Karls-Preis (siehe unten) ausgezeichnet. Und zum ersten Mal findet im Rahmen eines Sudetendeutschen Tages eine Friedens- und Versöhnungswallfahrt ins benachbarte Egerland statt (siehe Seite 8).

U

nd zum ersten Mal ist die Reise zum Sudetendeutschen

Markus Söder, Ministerpräsident und Schirmherr der Volksgruppe.

Ulrike Scharf, Ministerin Schirmherrschaftsministerin.

Eva Döhla, Oberbürgermeisterin von Hof. Fotos: Michael Farkas/TF (2)

und

Zum ersten Mal vergibt die Sudetendeutsche Landsmannschaft im Rahmen des Sudetendeutschen Tags zwei Sudetendeutsche Karls-Preise. Nachdem der Sudetendeutsche Tag 2020 pandemiebedingt hatte ausfallen müssen, wird der rumänische Staatspräsident Klaus Iohannis in diesem Jahr in Hof den Karls-Preis 2020 persönlich entgegennehmen. Mit dem Karls-Preis 2022 ehrt die Sudetendeutsche Landsmannschaft den ukrainischen Staatspräsideten Wolodymyr Selenskyj.

I

DK

Der Karls-Preis 2020 geht an Klaus Iohannis, Staatspräsident von Rumänien. für Fairneß, den Schutz für Minderheiten sowie kulturelle Vielfalt und wird als wichtiger Mittler und Brückenbauer zwischen west- und osteuropäischen Gesellschaften in der gesamten Europäischen Union hochgeschätzt. Unter seiner Führung hat sich Rumänien zum europäischsten Land in Südosteuropa entwickelt. Spätestens seit dem 24. Februar 2022, dem Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffs Rußlands auf die Ukraine, ist Wolodymyr Selenskyj auch außerhalb der Ukraine hochgeachtet. Das Angebot der Amerikaner, ihn,

den Staatspräsidenten, mit seiner Familie auszufliegen,

Der Karls-Preis 2022 geht an Wolodymyr Selenskyj, Staatspräsident der Ukraine.

hatte Selenskyi mit dem legendären Satz dankend abge-

lehnt, er brauche keine Mitfahrgelegenheit, sondern Munition. Dieser große Mut ist mitkriegsentscheidend, daß die ukrainische Armee der zahlenmäßig überlegenen russischen Armee bislang in vielen Regionen Stand halten kann. Mit seiner Tapferkeit und seinem Augenmaß sei Selenskyj „einer der bedeutendsten Europäer der Gegenwart“, so Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe. Die Auszeichnung sei zudem ein Protest „gegen Putins Angriff auf Herz und Seele Europas“ und ein Akt der Solidarität mit der Ukraine.

Wer clever bucht, kann kräftig sparen

PL

Berlin 317 km

NL Leipzig 154 km Köln 514 km

Dresden 215 km

Hof Prag 285 km

Frankfurt 325 km

CZ Nürnberg 138 km

F

Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe.

Sudetendeutsche Karl-Preise für zwei große Europäer

D

L

leihung der Karls-Preise sprechen. Ebenfalls ans Rednerpult tritt dann Hofs Oberbürgermeisterin Eva Döhla. Hinzu kommen weitere hochrangige Redner aus der Bundespolitik sowie aus der Tschechischen Republik. Bei diesem Sudetendeutschen Tag stehen auch endlich wieder das Wiedersehen und das Erleben der gemeinsamen Kultur im Mittelpunkt. Gelegenheiten dazu gibt es viele (siehe Programm Seite 8 und Seite 9). Insbesondere der Große Volkstumsabend und das von der Sudetendeutschen Jugend organisierte Böhmische Dorffest werden wieder Landsleute und Gäste begeistern. TF

Klaus Iohannis, Staatspräsident von Rumänien, und Wolodymyr Selenskyj, Staatspräsident der Republik Ukraine

ohannis gehört der siebenbürgisch-sächsischen Minderheit an und betrachtet sich selbst als „ethnisch Deutscher und rumänischer Staatsbürger“. Der Physiker und Gymnasiallehrer wurde Am Freitag, 3. Juni, stellt der di- 2000 zum Bürgermeister seiner gitale Hörfunksender BR Hei- Heimatstadt Hermannstadt gePARKEN AN DERwählt FREIHEITSHALLE mat in der Sendung „Servus“ und bei den Wahlen 2004, den Sudetendeutschen Tag vor. 2008 und 2012 mit klaren Mehrheiten von jeweilsund rundden 80 ProAuf dem direkt angrenzenden Volksfestplatz ie BR-Volks- und Brauch- zent wiedergewählt. Seit 1989 ist umliegenden Flächen stehen den Besuchern der Freitumsexpertin Evi Strehl er mit seiner Frau Carmen verheitshalle mehr alsmit 500der Pkw-Parkplätze zurEnglischlehrerin Verfügung. spricht in der Sendung heiratet, die als Für Besucher mit SudetenHandicap sind an der Freiheitshalle Heimatpfl egerin der am Gymnasium in Hermannstadt deutschen, Christina Meinusch, arbeitet. behindertengerechte Parkplätze ausgewiesen. und weiteren Gästen und präIohannis wurde 2014 zum sentiert böhmische Volksmusik. Staatspräsidenten von Rumänien Zahlreiche weitere Parkmöglichkeiten gibt es im Die Sendung wird live von 15.00 gewählt und 2019 mitgesam66 Prozent bis 17.00 Uhr auf dem digitalen der Einen Stimmen klar in seinem Amt ten Innenstadt-Bereich von Hof. Überblick erhalten Hörfunksender BR Heimat ausbestätigt. Sie auf der Internetseite der Stadt Hof unter www.hof.de gestrahlt und steht anschließend Der 62jährige Christliberaals Podcast zur Verfügung. le gilt als engagierter Streiter

B

Tag quasi gratis – das Neun-Euro-Ticket macht es möglich (siehe unten). Neben diesen Premieren lokken wieder die traditionellen Höhepunkte zum Sudetendeutschen Tag. Auf der Hauptkundgebung werden am Pfingstsonntag Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, und Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident und Schirmherr der Sudetendeutschen Volksgruppe, die Festreden halten. Bereits am Tag zuvor wird Bayerns Staatsministerin Ulrike Scharf in ihrer Eigenschaft als Schirmherrschaftsministerin am Pfingstsamstag bei der Ver-

Stuttgart 325 km München 285 km

A CH Hof liegt zentral in der Mitte von Deutschland.

Grafik: Freiheitshalle Hof

www.freiheitshalle.de

Mit dem Neun-Euro-Ticket zum Sudetendeutschen Tag nach Hof So günstig war es noch nie, zum Sudetendeutschen Tag zu fahren. Wer clever reist, zahlt für die Hin- und Rückfahrt nach Hof 9 Euro – egal, wo die Reise in Deutschland beginnt. Und selbst die nicht rabattierten ICEund IC-Fahrten werden günstiger, wenn man richtig bucht.

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b 1. Juni gilt in Deutschland drei Monate lang das NeunEuro-Ticket. Für 9 Euro pro Monat können alle Busse und Bahnen beliebig oft genutzt werden. Ausgenommen sind nur Zugfahrten im Fernverkehr mit dem ICE und dem IC. Was man dabei spart, zeigt folgendes Rechenbeispiel: Die normale Bahnfahrt in der zweiten Klasse kostet am Pfingstsonntag

von München nach Hof mit Umstieg in Nürnberg 69,80 Euro. Hinzu kommen noch 5 Euro für die Bustickets für die Hin- und Rückfahrt vom Hauptbahnhof in Hof zur Festhalle. Nimmt man dagegen den Regionalzug, der München um 6.44 Uhr verläßt und ohne Umsteigen um 10.18 Uhr Hof erreicht, ist man mit einer Fahrtzeit von 3:34 nur etwas länger unterwegs, spart sich aber 64,80 (!) Euro. Auch bei noch längeren Anreisen kann das Neun-Euro-Tikket beim Sparen helfen, da Hof nicht direkt an einer ICE-Strekke liegt und deshalb in der Regel ein Umsteigen in Nürnberg oder Lichtenfels notwendig ist. Ein Beispiel: Die Hin- und Rückfahrt von Hamburg nach

Hof mit ICE bis Nürnberg kostet in der zweiten Klasse ab 123,80 Euro. Billiger wird es, wenn man nur den ICE bis Nürnberg bucht und anschließend wieder das Neun-Euro-Ticket nutzt. Vom Hauptbahnhof in Hof führen mehrere Verbindungen direkt zur Freiheitshalle. Bus-Shuttle: An den beiden Haupttagen Pfingstsamstag und Pfingstsonntag gibt es einen kostenlosen Bus-Shuttle vom Hauptbahnhof zur Festhalle und zurück. Bahn: Vom Hauptbahnhof geht es mit der Agilis Verkehrsgesellschaft in Richtung Bad Steben. Die Haltestelle „HofNeuhof“ befindet sich direkt gegenüber der Freiheitshalle, die Fahrtzeit beträgt drei Minuten.

Bus: Die Freiheitshalle befindet sich rund 15 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt und wird von mehreren Stadtbuslinien angefahren. Über die Linie 5 erreicht man zunächst den Busbahnhof, von wo aus man mit folgenden Linien direkt zur Freiheitshalle kommt: Linie 1: Heideweg–Untreusee–Lindenbühl; Linie 2: Krötenhof–Vogelherd; Linie 11: Unterkotzau–Wartturmweg. Die Haltestelle „Freiheitshalle“ befindet sich direkt vor der Halle. Mit dem Auto erreicht man Hof über die Autobahnen A9, A93 und A72. Mehr als 500 Parkplätze stehen auf dem direkt angrenzenden Volksfestplatz und den umliegenden Flächen zur Verfügung. TF


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72. SUDETENDEUTSCHER TAG

Zum ersten Mal findet der Sudetendeutsche Tag bis Pfingstmontag statt. Zentraler Festort ist die Freiheitshalle in Hof.

Freitag, 3. Juni n  10.00 Uhr: Pressekonferenz. Veranstaltungsort: Presseclub, Ludwigstraße 6, Regensburg. n  10.00 Uhr: Deutsch-tschechische Schülerbegegnung. Schüler des Schyren-Gymnasiums Pfaffenhofen an der Ilm besuchen am Donnerstag, 2. Juni das Gymnasium in Eger/Cheb, und die Schüler des dortigen Gymnasiums kommen zum Gegenbesuch am Freitag nach Hof. Das umfangreiche Programm, das von der Euregio Egrensis gefördert wird, umfaßt unter anderem Stadt- und Museumsführungen sowie in der Freiheitshalle ein Musikprogramm und eine exklusive Präsentation des neuen sozialen Netzwerks Sudeten.net der Sudetendeutschen (Mehr über das Sudeten. net auf Seite 10). n  14.00 Uhr: Kommunen und Euroregionen als Brücke – Dialog überwindet Grenzen. Deutsch-Tschechischer Kommunalkongreß in Franzensbad/ Františkovy Lázně (gesonderte Einladung). n  15.00 Uhr: Tracht und Volkskunst – Heimat aus Stoff. Aus Anlaß des Sudetendeutschen Tages präsentiert die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Christina Meinusch, die Vielfalt der heimatlichen Trachten. Dabei werden im Rahmen einer Modenschau die Kostbarkeiten aus verschiedenen sudetendeutschen Heimatlandschaften vorgestellt. Eingeladen sind ebenfalls Trachtenträger aus den drei fränkischen Bezirken, ihre Trachten zu zeigen. Nach einer Einführung werden Trachten aus Braunau, dem Egerland, Schönhengstgau, Böhmerwald, der Wischauer und Iglauer Sprachinsel, dem Kuhländchen, Chotischau, Märisch-Schönberg und den Bezirken Unter-, Mittel- und Oberfranken präsentiert.Veranstaltungsort: Schloßplatz in Hof. n  17.00 Uhr: Kranzniederlegung durch Margaretha Michel, Bezirksobfrau der SL Oberfranken. Veranstaltungsort: Ecke Blücherstraße/Ossecker Straße in Hof. n  19.00 Uhr: Festlicher Abend der Sudetendeutschen Stiftung und der Sudetendeutschen Landsmannschaft mit Verleihung der Sudetendeutschen Kulturpreise 2022 sowie des Sudetendeutschen Volkstumspreises 2022 (gesonderte Einladung) Veranstaltungsort: Festsaal, Freiheitshalle, Hof.

Pfingstsamstag, 4. Juni

n  10.30 Uhr: „Dialog überwindet Grenzen“ – Festveranstaltung im Großen Haus der Freiheitshalle in Hof. Eröffnung: Steffen Hörtler, Landesobmann der SL Bayern. Grußwort: Eva Döhla, Oberbürgermeisterin der Stadt Hof. Grußwort: Ulrike Scharf, MdL, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Schirmherrschaftsministerin. Grußwort: Vertreter der Bundesregierung. Verleihung der Karls-Preise 2020 und 2022 der Sudetendeutschen Landsmannschaft durch Dr. h. c. Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, an Klaus Iohannis, Staatspräsident von Rumänien sowie an Wolodymyr Selenskyj, Staatspräsident der Republik Ukraine. Musikalische Umrahmung: Westböhmisches Symphonieorchester Marienbad unter Leitung von Jan Mikoláš. Fortlaufend: Böhmisches Dorffest, Ausstellungen und Infostände. n  14.30 Uhr: Sudetendeutsches Musikinstitut. Der Böh-

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� Freitag, 3. bis Pfingstmontag, 6. Juni in Hof und der Euregio Egrensis

72. Sudetendeutscher Tag: Das komplette Festprogramm

merwäldler Komponist Rudolf Leberl (1884–1952) – eine Spurensuche mit Blick auf seine Volksliedbearbeitungen. Zwar konnten Rudolf Leberls Werke unter glücklichen Umständen über die Wirren von Kriegsende und Vertreibung hinweg gerettet werden, doch wissen wir erstaunlich wenig über sein Leben und seine Person. Was verrät die Musik über den Menschen und Musiker Leberl? Eine Spurensuche von Thomas Englberger – mit Volksliedern in Holzbläserbearbeitung, vorgetragen vom Bläserkreis um Thomas Englberger. Moderation: Dr. Andreas Wehrmeyer (Direktor des Sudetendeutschen Musikinstituts). Veranstaltungsort: Hotel Central, Raum Bayern, Kulmbacher Straße 2 (direkt neben der Freiheitshalle). n  14.30 Uhr: Seliger-Gemeinde. „Die deutsch-tschechischen Beziehungen in einem freien und demokratischen Mitteleuropa“. Begrüßung: Helena Päßler (Bundes-Co-Vorsitzende der Seliger-Gemeinde). Moderation: Dr. Peter Becher (Vorsitzender des Adalbert Stifter Vereins). Podium: Monika Horáková (Gewerkschafterin, Grüne Partei CZ, Prag), Volkmar Halbleib, MdL (Vertriebenenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion), Viktoria Großmann (Redakteurin Süddeutsche Zeitung), Torsten Fricke (Chefredakteur der Sudetendeutschen Zeitung). Veranstaltungsort: Freiheitshalle, Konferenzbereich Raum 1. n  14.30 Uhr: Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste: „Im Schleier des Morgens“, Ghasele von Ursula Haas. Von ihr gelesen und am Klavier improvisiert begleitet von Dr. Dietmar Gräf. Veranstaltungsort: Freiheitshalle, Konferenzbereich, Raum 3. n  14.30 Uhr: Kulturreferent für die böhmischen Länder im Adalbert Stifter Verein: Meine und unsere Geschichte. Ge-

spräch und Lesung mit Libor Rouček über seine Erinnerungen. Moderation: Dr. Wolfgang Schwarz. Veranstaltungsort: Freiheitshalle, Konferenzbereich, Raum 2. n  14.30 Uhr: Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk mit seiner Bildungsstätte „Der Heiligenhof“ in Verbindung mit der Akademie Mitteleuropa e.V. und dem Arbeitskreis Sudetendeutscher Akademiker (ASA): Beobachtungen zum (sudeten)deutsch-tschechischen Verhältnis im ersten Jahr meiner Tätigkeit als Botschafter in Prag. Referent: Andreas Künne (Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Prag). Veranstaltungsort: Klangmanufaktur, Kulmbacher Straße 1 (direkt gegenüber der Freiheitshalle). n  14.30 Uhr: Post Bellum: Die vertriebenen Kinder. Jan Blažek, der Dokumentarist von Post Bellum, wird über die Tätigkeit des Vereins berichten und speziell über die Interviews, die Mitarbeiter des Vereines mit deutschen Zeitzeugen geführt haben. Aus dem Filmmaterial sind verschiedene Programme für Schulen entstanden wie auch ein ComicBuch und eine Wanderausstellung. Veranstaltungsort: Hotel Central, Zirbelstübchen, Kulmbacher Straße 2 (direkt neben der Freiheitshalle). n  16.00 Uhr: Sudetendeutsche Landsmannschaft – Bundesverband: Autoren lesen aus ihren Werken, unter anderem Christa Olbrich und Alexander Böhm. Hotel Central, Zirbelstübchen, Kulmbacher Straße 2 (direkt neben der Freiheitshalle). n  16.30 Uhr: Ackermann-Gemeinde: Gespräch zum Buch – 75 Jahre kirchliche Sorge für die Sudetendeutschen. Diskussion mit dem Kirchenhistoriker Prof. Dr. Rainer Bendel. Veranstaltungsort: Freiheitshalle, Konferenzbereich, Raum 3. n  16.30 Uhr: Adalbert Stifter Verein: Neustart der deutsch-

tschechischen Beziehungen. Die 1990er Jahre in Erinnerung ihrer Akteure. Referenten: Dr. Peter Becher (Adalbert Stifter Verein), Michael Frank (früherer Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Prag) und Dorothea Schroth (Ackermann-Gemeinde). Moderation: Dr. Zuzana Jürgens und Anna Knechtel (beide Adalbert Stifter Verein). Veranstaltungsort: Freiheitshalle, Konferenzbereich, Raum 1. n  16.30 Uhr: Bundesfrauenarbeitskreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft: Heimat kann überall sein – über Identität und Spurensuche. Begrüßung: Gerda Ott (SL-Bundesfrauenreferentin). Referentin: Katharina Martin-Virolainen (Journalistin). Veranstaltungsort: Hotel Central, Raum Bayern, Kulmbacher Straße 2 (direkt neben der Freiheitshalle). n  16.30 Uhr: Sudetendeutsche Landsmannschaft – Bundesverband. Unsere Familienwurzeln in Archiven Tschechiens finden? Referent: Werner Honal (Vereinigung Sudetendeutscher Familienforscher VSFF). Veranstaltungsort: Konferenzbereich, Raum 2, Freiheitshalle. n  16.30 Uhr: WaltherHensel-Gesellschaft. Offenes Liedersingen. Leitung: Herbert Preisenhammer. Klangmanufaktur, Kulmbacher Straße 1 (direkt gegenüber der Freiheitshalle). n  18.00 Uhr: Kulturreferat der Sudetendeutschen Landsmannschaft und Sudetendeutsches Musikinstitut (Träger: Bezirk Oberpfalz): Sudetendeutsches Schatzkästlein. Mit dem Westböhmischen Symphonieorchester Marienbad (Leitung: Jan Mikoláš) und Duo Connessione (Carina Kaltenbach-Schonhardt und Tomáš Spurný). Veranstaltungsort: Freiheitshalle, Konferenzbereich, Raum 2. n  19.00 Uhr: Großer Volkstumsabend (Programm siehe Seite 9). Moderation: Roland Hammerschmied. Veranstaltungsort:

Freiheitshalle, Großes Haus. n  21.00 Uhr: Sudetendeutsches Volkstanzfest. Tanz und Geselligkeit mit Musik aus Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien. Tanzmeisterin: Sabine Januschko. Veranstaltungsort: Freiheitshalle, Festsaal.

Pfingstsonntag, 5. Juni 2022

n  8.00 Uhr: Öffnung der Freiheitshalle. n  9.00 Uhr: Römisch-katholisches Pontifikalamt. Es zelebrieren: S.E. František Radkovský, Bischof em. von Pilsen, Monsignore Dieter Olbrich, Präses der sudetendeutschen Katholiken, und weitere Heimatpriester. Veranstaltungsort: Freiheitshalle, Großes Haus. n  9.30 Uhr: Evangelischer Gottesdienst in St. Michaelis. Predigt: Dekan Andreas Müller. Veranstaltungsort: St. Michaelis, Kirchplatz 4, Hof. n  10.00 Uhr: Aufstellung der Fahnenabordnungen und Trachtengruppen. Veranstaltungsort: Freiheitshalle. n  10.30 Uhr: Einzug der Fahnenabordnungen und Trachtengruppen. Moderation: Robert Wild. n  11.00 Uhr: Hauptkundgebung im Großen Haus der Freiheitshalle. Begrüßung: Steffen Hörtler, Landesobmann der SL Bayern. Totengedenken: Robert Wild. Erklärung der Sudetendeutschen Jugend: Mario Hierhager, Bundesvorsitzender. Internationale Grußbotschaft: Festrede: Dr. h. c. Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe Festrede: Dr. Markus Söder, MdL, Bayerischer Ministerpräsident und Schirmherr der Sudetendeutschen Volksgruppe. Musikalische Umrahmung: Gartenberger Bunkerblasmusik unter Leitung von Roland Hammerschmied.

n  11.00 Uhr: Sudetendeutsche Heimatpflege: Mundartlesungen. Veranstaltungsort: Freiheitshalle, Konferenzbereich, Raum 3. n  13.00 Uhr: Sudetendeutsche Landsmannschaft – Bundesverband: Unsere Familienwurzeln in Archiven Tschechiens finden? Referent: Werner Honal (Vereinigung Sudetendeutscher Familienforscher VSFF). Veranstaltungsort: Freiheitshalle ,Konferenzbereich, Raum 2. n  13.00 Uhr: Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik. Filmvorführung „DFC – die Legende kehrt zurück“. Präsentation: Maximilian Schmidt (ifaKulturmanager). Veranstaltungsort: Hotel Central, Raum Bayern, Kulmbacher Straße 2 (direkt neben der Freiheitshalle). n  13.00 Uhr: Sudetendeutsche Heimatpflege: Atlas der Volkstrachten aus der Tschechischen Republik. Referent: Jan Kuča (Ethnologe). Veranstaltungsort: Hotel Central, Raum Zirbelstübchen, Kulmbacher Straße 2 (direkt neben der Freiheitshalle). n  14.00 Uhr: Deutscher Kulturverein Region Brünn. Sechs unbekannte Frauen des 20. Jahrhunderts aus Brünn. Referent: Dr. Vojen Drlík, Historiker. Veranstaltungsort: Freiheitshalle, Infostand an der Ausstellung. n  14.30 Uhr: Deutsches Kulturforum Östliches Europa. Rübezahl als Retter? Kinderbuch und Ausstellung über den Berggeist. Referent: Ralf Pasch (Publizist). Veranstaltungsort: Hotel Central, Zirbelstübchen, Kulmbacher Straße 2 (direkt neben der Freiheitshalle). n  14.30 Uhr: Böhmerwaldheimatkreis Prachatitz: Der Böhmerwald stellt sich vor – das Sprachrohr des Böhmerwaldheimatkreises Prachatitz. Möglichkeit für Austausch und Diskussion. Referent: Dr. Gernot Peter (Vorsitzender). Veranstaltungsort: Hotel Central, Raum Bayern, Kulmbacher Straße 2 (direkt neben der Freiheitshalle). n  14.30 Uhr: Heimatkreis Jägerndorf: Schmohzfrasse und Bratenrock – Mundart, Tracht und Kulturarbeit im Kreis Jägerndorf. Referenten: Meinhard Schütterle (Heimatkreisbetreuer) und Lorenz Loserth (Heimatortsbetreuer, Kulturpreisträger 2022). Veranstaltungsort: Freiheitshalle, Konferenzbereich, Raum 2. n  14.30 Uhr: Vereinigung Sudetendeutscher Familienforscher (VSFF). Sudetendeutsche Familienforschung: Verantwortungsvolle Erkundung heimatlicher Lebensumstände und Identitäten mit deren Auswirkung auf die Zukunft. Epigenetik und Kulturentwicklung, Kulturerbe und Identität. Referent: Dr. Michael Popovic. Veranstaltungsort: Freiheitshalle, Konferenzbereich, Raum 1, .

Sitzungen am Sonntag: 13.00 Uhr: Bund der Eghalanda Gmoin (BdEG). Jurysitzung Egerländer Kulturpreis Johannes von Tepl. Ansprechpartner: Dr. Ralf Heimrath. Veranstaltungsort: Hotel Central, Studio, Kulmbacher Straße 2 (direkt neben der Freiheitshalle). 14.30 Uhr: Heimatkreis Kaplitz. Ansprechpartner: Hermann Proksch. Veranstaltungsort: Hotel Central, Studio, Kulmbacher Straße 2 (direkt neben der Freiheitshalle).

Pfingstmontag, 6. Juni

8.30 Uhr: Friedens- und Versöhnungswallfahrt nach Maria Kulm/Chlum Svaté Maří. Kostenloser Bustransfer ab Freiheitshalle Hof. 10.00 Uhr: Heilige Messe in Maria Kulm/Chlum Svaté Maří. Es zelebrieren unter anderem Probst Milan Kučera und Monsignore Dieter Olbrich, Präses der sudetendeutschen Katholiken.


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 21 | 27. 5. 2022

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Großer Volkstumsabend, Böhmisches Dorffest, Sudetendeutsches Volkstanzfest und Schatzkästlein

Kinderprogramm

Endlich wird wieder getanzt, gesungen und gefeiert

Rallye für die kleinen Landsleute Der Sudetendeutsche Tag ist auch ein Fest für die kleinen Landsleute. Die Museumspädagogik des Sudetendeutschen Museums hat deshalb extra ein Kinderprogramm auf die Beine gestellt.

Musik ist Heimat. Auf dem Sudetendeutschen Tag darf endlich wieder getanzt, gesungen und gefeiert werden.

D

ie Sudetendeutsche Jugend organisiert seit Jahrzehnten das Böhmische Dorffest mit viel Musik und böhmischen Schmankerln, das jeweils am Pfingstsamstag und -sonntag ein beliebter Treff für die Besucher des Sudetendeutschen Tages ist. In diesem Jahr ist am Pfingstsamstag von 13 bis 18 Uhr die Blaskapelle Junges Egerland aus Bad Brambach zu Gast. Am Sonntag treten die Egerländer Familienmusik Hess (12.30– 13.15 Uhr), die Målaboum (Duo Malíři) (13.30–14.15 Uhr) und die Gartenberger Bunkerblasmusik (14.30–17.00 Uhr) auf. Am Pfingstsamstag laden ab 18.00 Uhr das Kulturreferat der

U

nter dem Motto „Zeichne, sprich,

„Heimat verbindet“: Beim Großen Volkstumsabend ist Tracht angesagt. Sudetendeutschen Landsmannschaft und das Sudetendeutsche Musikinstitut in den Konferenzbereich der Freiheitshalle (Raum 2) zum Sudetendeutschen Schatzkästlein ein. Unter der Leitung von Jan Mikoláš spielt das Westböhmische Symphonieor-

Spielen beim Großen Volkstumsabend und beim Böhmischen Dorffest auf: Die Egerländer Familienmusik Hess. Foto: Michael Santifaller Die Freiheitshalle in Hof ist das Zentrum des 72. Sudetendeutschen Tages. Zahlreiche Organisationen nutzen das traditionelle Treffen der Sudetendeutsche, um sich vorzustellen und mit den Landsleuten ins Gespräch zu kommen.

D

ie Stände am Sudetendeutschen Tag 2022 in alphabetischer Reihenfolge und mit der jeweiligen Standnummer. Ackermann-Gemeinde: Akkermann-Gemeinde (Kathrin Lichtenberg) A 03. Adlergebirge: Verein der Adlergebirgler e. V. (Karl Mück) A 05. Alpenvereine: Bewahrte Bergheimat (Klaus D. Svojanovsky) F 06. Begegnungszentrum, Mährisch Schönberg: Verband der Deutschen Nordmähren-Adlergebirge e. V. – BGZ Mährisch Schönberg/Šumperk (Erika Vosáhlo) F 05. Begegnungszentrum, Pilsen: Verein der Deutschen in Böhmen – Region Pilsen e. V. (Terezie Jindřichová) F 02. Begegnungszentrum, Trautenau: Begegnungszentrum Trautenau (Štěpánka Šichová) A 17. Begegnungszentrum, Troppau: Schlesisch-Deutscher Verein BGZ Troppau (Hans D. Korbel) F 09. Bilin: Heimatkreisverein Bilin e. V. (Dietmar Heller) A 10. Böhmerwald, Basteln: Deutscher Böhmerwaldbund e. V. – Ortsgruppe München: Fadengrafik (Barbara Oberparleiter) B 02. Böhmerwald, Bücher: Deutscher Böhmerwaldbund e. V. – Ortsgruppe München (Mathilde Pollak) B 03. Böhmerwald, Glaube und Heimat: Glaube und Heimat e. V. – Monatsschrift der heimatvertriebenen Böhmerwäldler (Erich

Schaufler) F 11. Böhmerwald, Heimatkreis: Böhmerwaldheimatkreis Prachatitz e. V. (Dr. Gernot Peter) B 05. Böhmerwald, Volkskunst: Deutscher Böhmerwaldbund e. V. – Ortsgruppe München: Volkskunst im Jahreslauf, Trachtenberatung (Erika Weinert) B 01. Böhmerwald: AK Kühnische Freibauern e. V. (Harald Steiner) B 05. Böhmerwald, Museum: Böhmerwaldmuseum Wien (Dr. Gernot Peter) B 04. Brünn, Heimatverband: BRUNA – Heimatverband der Brünner e. V. (Dr. Rudolf Landrock) A 12. Brünn, Kulturverein: Deutscher Kulturverein Region Brünn – Begegnungszentrum (Hanna Zakhari) B 09. Bücher: Bücherflohmarkt (SLBundesverband) F 10. CeBB: Centrum Bavaria Bohemia (Dr. Veronika Hofinger) E 04. Collegium Bohemicum: Collegium Bohemicum (Ph.Dr. Petr Koura) A 06. Egerland, Bund der Deutschen: Bund der Deutschen in Böhmen e. V. (Richard Šulko) C 07. Egerland, Eghalanda Gmoin: BdEG e. V. – Bund der Eghalanda Gmoin e. V. (Günther Wohlrab) C 02. Egerland, Trachten: BdEG e. V. – Eghalanda Gmoi z‘Geretsried (Ingrid Hammerschmied) C 05. Egerland, Handwerk: Eghalanda Gmoi z’Ingolstadt e. V. – Egerländer Handwerk (Andrea Kopetz) C 04. Egerland: Egerland-Jugend (Volker Jobst) D 01. Egerland-Jugend: Eghalanda Gmoi z’Ingolstadt e. V. – Eghaland-Jugend (Helmut Kindl) C 03. Egerland, Museum: Egerlandmuseum Marktredwitz (Günther Wohlrab) C 01. Egerland, Traditionen: Eg-

chester Marienbad. Außerdem tritt das Duo Connessione mit Carina Kaltenbach-Schonhardt und Tomáš Spurný auf. Musikalischer Höhepunkt eines jeden Sudetendeutschen Tages ist der Große Volkstumsabend, der ab 19.00 Uhr im Großen Haus der Freiheitshalle stattfindet. In diesem Jahr lautet das Motto am Pfingstsamstag „Heimat verbindet“. Heimat verbindet – Christina durch Mu- Meinusch sik und Tanz. Melodien und Schrittfolgen, gemeinsames Musizieren und Tanzen bringen Menschen einander näher. Organisiert haben Sabine diesen Abend Januschko

Heimatpflegerin Christina Meinusch und Roland Hammerschmied, der auch wieder als Moderator durch die Veranstaltung führt. Auftreten beim Großen Volkstumsabend werden die Egerländer Familienmusik Hess, die Egerland-Jugend, die Gartenberger Bunkerblasmusik, die Målaboum, Tomáš Spurný,·die Volkstanzgruppe Hof und die Volkstanzgruppe Javorník mit der Kuhländer Tanzgruppe. Mit dem Sudetendeutschen Volkstanzfest geht es ab 21.00 Uhr im Festsaal der Freiheitshalle weiter. Tanzmeisterin Sabine Januschko stellt traditionelle Tänze vor und lädt zum Roland Hammerschmied Mittanzen ein.

Begegnungen am Sudetendeutschen Tag

Die Stände in der Freiheitshalle

Die Freiheitshalle in Hof. halanda Gmoi z’Ingolstadt – Egerländer Traditionen (Helmut Kindl) C 06. EUREGIO: Euregio Egrensis AG Bayern, AG Böhmen und Selb 2023 (Magdalena Becher) A 04. Familienforschung, VSFF: Vereinigung Sudetendeutscher Familienforscher e. V. (Christa Schlör) A 13. Graslitz: Kulturverband – Graslitz (Soňa Šimánková) F 07. Graupen: Heimatgruppe Graupen und Umgebung (Sibylle Schulze) E 01. Handwerk: Alte Handwerkstechniken (Anita Köstler) D 08.

Grafik: Freiheitshalle Heiligenhof: Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk „Der Heiligenhof“ (Steffen Hörtler) D 04. Heimatpflege: Heimatpflegerin der Sudetendeutschen (Christina Meinusch) Info. Hultschiner Ländchen: Halloradio Hultschin/Hlučin (Marie Roncka) F 01. Jägerndorf: Freundeskreis zur Förderung der Patenschaft Ansbach-Jägerndorf e. V. und Hotzenplotzer Klöppelschule (Rudolf Dengler) B 06/B 07. Karlsbader Oblaten: Karlsbader Oblaten und Süßwaren (Edgar Maisel) Böhmisches Dorf-

Foto: M. Santifaller

fest und Außenbereich. Krippen: Sudetendeutsche Krippenfreunde (Patrick Ernst) E 06. Kulturstiftung: Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen für Wissenschaft und Forschung, Bonn/Berlin (Thomas Konhäuser) D 07. Landesversammlung: Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik e. V. (Martin Dzingel) D 06. Lebkuchen: Verzierte Lebkuchen (Alena Horejs) A 07. Leitmeritz: Heimatkreisverband Leitmeritz e. V. (Sven Pillat) E 02. Marienbad: Heimatverband der Marienbader Stadt und Land e. V. (Dr. Hans-Peter Sang) A 11. Mittelpunkt-Verlag: Mittelpunkt-Verlag Neualbenreuth – Die neue Egerlandkarte (Meinhard Köstler) D 08. Museum: Sudetendeutsche Stiftung und Sudetendeutsches Museum (Dr. Stefan Planker) B 10. Museum: Sudetendeutsches Museum – Museumspädagogik E 05. Neudek: Augsburg – Neudek/Nejdek – Eine beispielhafte Zusammenarbeit (Anita Donderer) E 08. Nordböhmen: Verein der Deutschen in Nordböhmen – Haus der deutsch-tschechischen Verständigung (Petra Laurin) F 08. Paneuropa: Paneuropa-Union Deutschland e. V. (Johannes Kijas) A 14. Post: Deutsche Post AG, Philatelie Event-Team D 02. Reichenberg, Heimatkreis: Heimatkreis Reichenberg Stadt und Land e. V. (Volker Patzelt) A 16. Riesengebirge: Heimatlandschaft Riesengebirge, Braunau – Hohenelbe – Trautenau – BGZ Trautenau/Trutnov (Erik Buchholz) A 17.

und schau dich schlau“ sind alle Kinder ab sechs Jahren zu einer Entdeckungsrallye eingeladen. „Was ist ein Stopplfuchs, und wofür braucht man einen Huasnoantoutara?“ Diese und ähnliche Fragen meistern die kleinen Landsleute bei der Rallye des Sudetendeutschen Museums! Die jungen Teilnehmer können allein oder im Team mit Geschwistern oder Freunden antreten. Wer alle Aufgaben gelöst hat, kann sich am Schluß eine Überraschung am Museumsstand abholen. Die Rallye läuft am Pfingstsamstag und am Pfingstsonntag von 13.00 bis 17.00 Uhr.

SdJ: Sudetendeutsche Jugend – Jugend für Mitteleuropa e. V. (Mario Hierhager) A 01. SdJ-Geschichte: www.SdJGeschichte.de – Geschichte der SdJ von 1945 bis 1970 (Hermann Kautzner) A 02. Seliger-Gemeinde: SeligerGemeinde e. V. (Rainer Pasta) D 05 Sirius: Filmstudio Sirius – Film und Videoproduktionen zur Sudetendeutschen Geschichte (Jörg-P. Schilling) E 07. SL-Frauen NRW: Frauen in Nordrhein-Westfalen „Sagen und Märchen: Information und Lesung“ (Gertraud Rakewitz) F 04. Sudetendeutsches Archiv: Sudetendeutsches Archiv im Bayerischen Hauptstaatsarchiv (Ingrid Sauer) C 08. SL: Sudetendeutsches Netzwerk (Mathias Heider) D 03. SL: Information Info. Sudetenpost: Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich (Gerhard Zeihsel) E 09. Schönhengstgau: Der Schönhengstgau stellt aus (Friedrich Eigel) E 03 Tachau: Heimatkreisverein Tachau e. V. und Egerer Landtag e. V. (Dr. Wolf-Dieter Hamperl) A 08. Teplitz-Schönau: TeplitzSchönau Freundeskreis e. V. (Erhard Spacek) A 09. Tracht: Volkstrachten und Trachtenstoffe der Firma Hedva aus Römerstadt (Jan Kuča) F 03. UdV: Union der Vertriebenen und Aussiedler der CSU (Theresa Fauth) A 15. Waldgold: Waldgold-Likör (Rita Pförtke) D 09. Wein: Weingut Eder Niederösterreich (Christian Eder) Böhmisches Dorffest. Wischau: Gemeinschaft der Wischauer Sprachinsel e. V. (Monika Ofner-Reim) B 08. Zeitung: Sudetendeutsche Zeitung (Torsten Fricke) Info.


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72. SUDETENDEUTSCHER TAG

Sudetendeutsche Zeitung Folge 21 | 27. 5. 2022

Sudeten.net feiert Premiere auf dem Sudetendeutschen Tag

Das soziale Netzwerk der Sudetendeutschen Ein neues Internet-Angebot wird es Sudetendeutschen aller Generationen künftig besser ermöglichen, sich digital zu vernetzen: Sudeten.net ist ein soziales Netzwerk, das sich speziell an Menschen sudetendeutscher Herkunft und ihre Freunde richtet.

I

n den Jahrzehnten, die seit ihrer Vertreibung vergangen sind, hat sich die Sudetendeutsche Volksgruppe beständig gewandelt und fortentwickelt. Eine grundlegende Tatsache blieb dabei jedoch unverändert: Die Sudetendeutschen leben in der Zerstreuung. Durch die Vertreibung wurden ihre – teils über Jahrhunderte gewachsenen – Familien, Orts-, Kreis- und Landschaftsgemeinschaften zerrissen, ihre Angehörigen räumlich voneinander getrennt. Große Teile der sudetendeutschen Kulturarbeit lassen sich als Versuche verstehen, den negativen Auswirkungen dieser Zerstreuung entgegenzuwirken: Durch das regelmäßige Abhalten von Heimattreffen, die Gründung von Heimatverbänden sowie die Schaffung von kulturellen Zentren, Heimatstuben und Museen sollte die geographische Distanz zwischen den Landsleuten zumindest in organisatorischer und geistiger Hinsicht überbrückt werden. Als ganz entscheidend für den Zusammenhalt der Volksgruppe erwiesen sich allerdings persönliche Netzwerke: Vielen Sudetendeutschen war sehr daran gelegen, ihre sozialen Beziehungen aus der Zeit vor der Vertreibung auch in der neuen Heimat aufrechtzuerhalten. So wurden Kontakte zu Verwandten, Freunden, Bekannten, ehemaligen Nachbarn und Kol-

legen oft auch über weite Distanzen hinweg gepflegt. Mit dem Zurücktreten der Erlebnisgeneration begannen diese Netzwerke jedoch lückenhaft zu werden. Jüngere Menschen mit sudeten-

deutschen Wurzeln sind heute kaum mehr in soziale Zusammenhänge eingebettet, deren Ursprung noch in der Heimat läge. Für sie stellen sich daher ganz neue Fragen, etwa „Wer kann mir etwas über den Herkunftsort mei-

ner Familie erzählen?“ – „Wo leben unsere Verwandten heute?“ – „Gibt es noch jemanden, der meine Großeltern kannte?“ Viele Enkel und Urenkel von Heimatvertriebenen interessieren sich heute wieder verstärkt für die Geschichte ihrer Familie; ihnen fehlen jedoch Verbindungen zu anderen Interessierten gleicher Herkunft. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft hat

Eigenanzeige

Das soziale Netzwerk der Sudetendeutschen

Herkunft verbindet. Jetzt Sudetendeutsche finden!

Stefanie Langer in aus

Dieses Projekt wurde gefördert von:

München Bischofteinitz

es sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Kontaktaufnahme zwischen Sudetendeutschen – über Generationen und Grenzen hinweg – zu erleichtern. Hierzu soll künftig Sudeten. net, das neue soziale Netzwerk der Sudetendeutschen, beitragen. Das Angebot, das vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert wird, kann kostenfrei genutzt werden. Eine Verwertung oder Weitergabe persönlicher Daten, wie sie bei kommerziellen Anbietern vielfach kritisiert wird, erfolgt hier nicht. Das soziale Netzwerk ist speziell auf die Anforderungen der Sudetendeutschen ausgerichtet, indem es nicht nur Wohnorte, sondern auch Herkunftsorte berücksichtigt: Jeder Teilnehmer kann sich unter Angabe von bis zu vier sudetendeutschen Herkunftsorten anmelden. Diese Ortsangaben werden auf einer virtuellen Landkarte abgebildet. Dabei steht jeder rote Punkt für den Herkunftsort, jeder grüne Punkt für den derzeitigen Wohnort eines Teilnehmers; blaue Punkte markieren sudetendeutsche Einrichtungen und Organisationen. Die Anzeige des aktuellen Wohnorts ist dabei nicht verpflichtend; er kann, ebenso wie die meisten anderen persönlichen Daten, ausgeblendet und damit verborgen werden. Eine zentrale Funktion des Netzwerks bildet die Suchfunktion: Die Seite wird dabei nach Herkunftsorten, Wohnorten und Namen, aber auch nach beliebigen Stichworten durchsucht. Jeder Teilnehmer erhält dadurch die Möglichkeit, Sudetendeutsche mit gleicher Herkunft, gleichem Wohnort und gleichen Interessen zu finden und kennenzulernen. Die Teilnehmer können über ein NachrichtenFormular kontaktiert werden. Sudeten.net startet anläßlich des Sudetendeutschen Tages zu Pfingsten. Wer möchte, kann sich direkt vor Ort in Hof eintragen. Am Infostand im Eingangsbereich der Freiheitshalle erhalten Interessierte weitere Informationen und Hilfestellung bei der Anmeldung. Registrierungen für das sudetendeutsche Netzwerk sind unter der Internetadresse www. sudeten.net aber jederzeit und ab sofort möglich.

Sudeten.net

So sind Sie dabei

D

ie Teilnahme an Sudeten.net, dem digitalen Netzwerk der Sudetendeutschen, ist einfach – und selbstverständlich kostenlos. 1. Geben Sie www. sudeten.net in die Adresszeile Ihres Browsers ein.

2. Stimmen Sie der Verwendung der technisch nötigen Cookies zu.

3. Klicken Sie in der oberen Leiste auf die Schaltfläche „Eintragen“.

4. Geben Sie Ihre Daten ins Formular ein und klicken dann auf „Speichern und eintragen“.

5. Sie erhalten eine eMail, in der Sie gebeten werden, Ihren Eintrag zu bestätigen. Klicken Sie dazu auf den in der eMail enthaltenen Link. Damit sind Sie Teil des sozialen Netzwerks der Sudetendeutschen. Ihr Eintrag wird auf der Karte angezeigt. Bei Problemen können Sie sich per eMail (info@ sudeten.net) an das Sudeten.net-Team wenden.


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KULTUR

Sudetendeutsche Zeitung Folge 21 | 27. 5. 2022

� Veranstaltung der Kulturreferentin im Adalbert-Stifter-Verein am Europatag

Fünfmal ganz Umadum Am Europatag, am 8. Mai, drehte sich das Münchener Riesenrad Umadum im Werksvierte-Mitte am Ostbahnhof als Europarad für Frieden und europäische Werte. In den Gondeln des Riesenrads und auf dem Platz vor dem Europarad fanden interaktive Workshops, Diskussionen und vielfältige Mitmachaktionen rund um Europa statt. Insgesamt beteiligen sich mehr als 40 verschiedene Organisationen und Vereine. Auch das Kulturreferat für die böhmischen Länder im Adalbert-Stifter-Verein (ASV) war dabei und bot in einer Gondel einen interaktiven Workshop zum Thema „Deutschland und Tschechien gemeinsam in Europa“ an. Spenden für die Ukraine waren erbeten. Anna Paap, die Kulturreferin im ASV, moderierte in der Gondel.

A

nläßlich des Europatages am 8. Mai drehte sich das Münchener Riesenrad Umadum für Frieden und europäische Werte. 4000 Gäste kamen zu dem Europarad-Ereignis. Zu den Organisatoren gehörten das Wertebündnis Bayern, die Landeshauptstadt München und das Centrum für angewandte Politikforschung der Ludwig-Maximilians-Universität. Die Fahrt mit dem Riesenrad, dessen Name auf Baierisch „rundherum“ bedeutet, dauert 30 Minuten. Ebensolang durften die 1700 Interessenten an einem interaktiven Workshop über Eu­ ropa in ihrer Gondel teilnehmen.

Das Umadum mit seinen Gondeln drehte sich am Europatag kostenlos. Das mit 78 Metern höchste größte mobile Riesenrad der Welt ist seit Jahren am Münchener Ostbahnhof im Werksviertel stationiert. Bilder: Anna Paap Das Kulturreferat für die böhmischen Länder im Adalbert-Stifter-Verein (ASV) drehte sich mit, und zwar in Gondel Nummer 6. Im Gegensatz zu den anderen Gondeln, wo meist die Themen Europa, Europäische Union und deren Werte diskutiert wurden, legte das Kulturreferat den Akzent auf die Frage, wie Deutschland und die Tschechische Republik – trotz vieler verschiedener Ansichten – eine gute gemeinsame Nachbarschaft in Europa pflegen können. Bei den fünf Rundfahrten begrüßte Anna Paap an die 40 Gäste, wovon die meisten aber nur sehr wenig Wissen über die Tschechi-

Workshop mit Blick über München und Informationen über Deutschland und die Tschechische Republik.

� Veranstaltung des Adalbert-Stifter-Vereins über „Grenze“

� Sondervorführungen der Sudetendeutschen Heimatpflege

Sprache als Barriere

Podiumsdiskussion: Ivan Kalina, ASV-Kulturreferentin Anna Paap, Dr. Franz Leibl, Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, und Helmut Knaus, Bürgermeister der Gemeinde Philippsreut. Im niederbayerischen Grafenau fand eine gemeinsame Veranstaltung von drei Organisationen über das Thema „Grenze“ statt. Markus Baar von der Landeszentrale für politische Bildung, Farras Fathi von der Europäischen Akademie und Anna Paap vom Kulturreferat für die böhmischen Länder im Adalbert-Stifter-Verein (ASV) führten mit den Schülern des grenznahen Landgraf-LeuchtenbergGymnasiums drei Kurse durch.

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eder der Kurse mit Schülern der zehnten Klassen widmete sich einer anderen Perspektive von „Grenze“. Die Schüler bei Anna Paap beschäftigten sich mit der Grenze in Zeiten des Eisernen Vorhangs. Wie genau war die Grenzsicherung aufgebaut? Wie beeinflußte sie das Leben der Menschen auf beiden Seiten der Grenze? Sind die Folgen bis heute noch zu spüren? Die Schüler bei Markus Baar beschäftigten sich mit der Grenze in den letzten Jahren, in der die grenzüberschreitende Arbeit durch die Pandemie geschwächt worden war. Die Teilnehmer verschafften sich einen Überblick über das grenzüberschreitend arbeitende Netzwerk. Farras Fathi

thematisierte mit ihren Schülern die Grenze aus Sicht der Umwelt. Diskutiert wurde dabei die unterschiedliche Energiepolitik Deutschlands und der Tschechischen Republik im europäischen Zusammenhang. Auch die Artenvielfalt in den Nationalparks Bayerischer Wald und Böhmerwald war ein Thema. In den Workshops erarbeiten die Schüler Fragen, die sie in der darauf folgenden Podiumsdiskussion den eingeladenen Gästen stellen konnten. Dabei schien für Ivan Kalina aus Böhmisch Eisenstein/Železná Ruda, einem Zeitzeugen des Eisernen Vorhangs, der sich seit 1989 sehr aktiv in der Region einbringt, die Grenze nur noch ein Relikt aus alten Zeiten. Auch Franz Leibl, der Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, könnte sich künftig einen gemeinsamen deutsch-tschechischen Nationalpark Bayerischer Wald/Böhmerwald vorstellen, der die Grenze verschwinden lasse. Die Pandemie habe nicht nur geschlossene Grenzen zur Folge gehabt, sondern auch eine Unterbrechung der Kommunikation, so Leibl. „Keiner wußte, wie die nächsten Maßnahmen aussehen werden. Man konnte in

sche Republik hatten. Auf dem Tisch lagen Fotos, anhand derer die Gäste raten konnten, bei welchen Themen Deutschland und die Tschechische Republik Hand in Hand gehen wie Bier oder Autoindustrie und bei welchen ein unterschiedlicher Weg gewählt wurde wie Atomenergie, Euro und Föderalismus in der EU. Die Beteiligten waren sich einig, daß man viel stärker auf den Austausch zwischen unterschiedlichen sozialen Schichten setzen sollte. Dazu trug auch diese Aktion bei. Dank der Veranstaltung konnten 12 000 Euro Spenden für die Ukraine gesammelt werden. ap

der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit einfach nichts planen.“ Helmut Knaus, der Bürgermeister von Philippsreutim Kreis Freyung-Grafenau, bemerkte jedoch, daß nun wieder alles in Philippsreut so aussehe wie vor der Pandemie. Dort sei genauso viel Autoverkehr zu verzeichnen wie zuvor. Zum gemeinsamen Hauptthema der Diskussion wurde jedoch die Sprachbarriere. Wenn man sich nicht miteinander verständigen könne, werde die Zusammenarbeit schwieriger, darauf stoße man immer wieder. „Ein deutscher und ein tschechischer Waldarbeiter sollten sich doch nicht auf Englisch verständigen müssen, das sei absurd. Früher habe man auf beiden Seiten der Grenze wenigstens die Grundbegriffe gekannt, um sich so verständigen zu können“ so Ivan Kalina. „Jeder sollte diese in der jeweils anderen Sprache beherrschen.“ Einigkeit bestand bei allen Diskussionsteilnehmern darin, daß der gemeinsame Austausch gefördert werden müsse, wenn die Grenze auch in den Köpfen der Menschen verschwinden solle. ap

Altvater im Comic Anfang Mai zeigte die Heimatpflege der Sudetendeutschen gemeinsam mit der Stiftung Kulturwerk Schlesien den Film „Alois Nebel“ (2011) im Sudetendeutschen Haus in München. Einen Tag später wurde die Vorführung des Films von Regisseur Tomáš Luňák in Kinos in Hof und Würzburg wiederholt. Bei den Präsentationen stellten Heimatpflegerin Christina Meinusch und Historiker Jiří Němec das Werk vor.

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er prämierte Film – über den diese Zeitung schon mehrfach berichtete – beruht auf dem gleichnamigen Comic von Jaroslav Rudiš und Jaromír Švejdík. „Alois Nebel“ nimmt den Zuschauer mit in das Altvatergebirge, in den tschechischpolnischen Grenzraum. Durch die Augen des Fahrdienstleiters Alois Nebel, der seinen Dienst am Bahnhof Weißbach/Bílý Po-

tok verrichtet, lernen die Kinobesucher die Region und ihre komplexe Geschichte nach Ende des Zweiten Weltkriegs kennen. Die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen und die Stiftung Kulturwerk Schlesien wollten mit dem Film einen Beitrag zur Auseinandersetzung mit der Geschichte Mittel- und Osteuropas, speziell im Gebiet Sudetenschlesien leisten. Der Blick auf das in Deutschland wenig bekannte Altvatergebirge lud die Besucher aufgrund seiner Machart dazu ein, sich den Themen Krieg und Nachkriegszeit zu widmen. Heimatpflegerin Christina Mei­ nusch und Jiří Němec von der Masaryk-Universität in Brünn luden zur Diskussion ein. Zuvor hatte der Historiker Jiří Němec die Entstehung des Films sowie die Besonderheiten der Region Altvatergebirge im historischen Zusammenhang erläuterte. Němec ist Assistenz-Professor

für Geschichte der Neuzeit am Historischen Institut der Philosophischen Fakultät der MasarykUniversität in Brünn. Seine Forschungsgebiete sind politische Geschichte, Wissenschaftsgeschichte und Geschichtspolitik in den böhmischen Ländern im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt 1938 bis 1945. Seine wichtigste Publikation bisher ist „Eduard Winter 1896–1982. Bericht über die Originalität und die Selbstanpassung eines sudetendeutschen Historikers“ (Brünn 2017). Die Veranstaltungsreihe wurde gefördert von der Erika-Simon-Stiftung. Die Vorführung in Hof fand statt im Rahmen der Deutsch-Tschechischen Freundschaftstage 2022, gefördert von der Europäischen Union aus Mitteln des Förderprogramms ETZ Freistaat Bayern – Tschechische Republik durch die Euregio Egrensis. Sadja Schmitzer

Dr. Jiří Němec, Christina Meinusch und Anja Weismantel vom Kulturwerk Schlesien.

Bild: Sadja Schmitzer


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KULTUR

Sudetendeutsche Zeitung Folge 21 | 27. 5. 2022

Ernst-Hoferichter-Preis für zwei Jahre in München überreicht

Ehrung für Schriftsteller aus Mähren Im Literaturhaus München sind die Ernst-Hoferichter-Preise der letzten zwei Jahre vergeben worden: Die Preise 2021, deren Verleihung wegen Corona verschoben worden war, erhielten der Schriftsteller und Wissenschaftler Jaromir Konecny, der Filmemacher Wolfgang Ettlich und die Comiczeichnerin Barbara Yelin. Die Preise 2022 gingen an die Kabarettistin, Slam-Poetin und Sängerin Felicia „Fee“ Brembeck und den Journalisten und Autor Alex Rühle.

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aromir Konecny ist seit langem eine feste Größe in der Münchener Literatur-Szene und gilt als einer der wichtigsten deutschsprachigen Slampoeten“, heißt es in der Begründung der Jury. 1994 habe Konecny erstmals an einem Poetry-Slam im Münchner Beisl „Substanz“ teilgenommen und sei innerhalb kürzester Zeit zu einem wahren Bühnen-Ereignis geworden. „Seine Geschichten voller Komik und Alltagsabsurditäten, seine Gestik und vor allem sein gut gepflegter unwiderstehlicher böhmischer Akzent verschafften ihm schnell eine große Fangemeinde.“

Preisträger 2021 In seiner Prosa mische der 1982 aus Mähren nach Bayern emigrierte Schriftsteller das „Hohe“ mit dem „Niedrigen“, die Literatur mit dem Banalen, das Traurige mit dem Komischen, so die Laudatio, und „feine Gedanken steckt er oft in eine derbe Sprache“. 1996 erschien Konecnys Erzählband „Zurück nach Europa“, in dem viel Selbsterlebtes rund um seine Flucht aus der sozialistischen Tschechoslowakei steht. „Mehr als 20 Bücher hat Konecny inzwischen veröffentlicht, und immer wieder erweist er sich als humorvoller Brückenbauer und Vermittler zwischen zwei NachBei einer Vortragsveranstaltung der Bildungsstätte Heiligenhof im Internet referierte der Historiker Viktor Krieger unter dem Motto „Eine historische Blaupause vor 83 Jahren“ darüber, wie Stalin 1939 nach dem Einmarsch in Polen auch Finnland unterwerfen wollte.

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er sowjetisch-finnische Krieg, der Winterkrieg von November 1939 bis März 1940 weist viele Parallelen zu dem heutigen Vorgehen Rußlands auf“, so Gustav Binder, der Studienleiter des Heiligenhofs. „Wir freuen uns, mit Viktor Krieger einen ausgewiesenen Kenner der Materie gewonnen zu haben.“ Geboren 1959 im Gebiet Dschambul in Kasachstan, studierte Krieger in Nowosibirsk und promovierte an der Akademie der Wissenschaften in Al-

Ernst-Hoferichter-Preise für Wolfgang Ettlich, Felicia „Fee“ Brembeck, Barbara Yelin, Jaromir Konecny und Alex Rühle barländern, zwischen Ost und West.“ Konecny widmet sich in der jüngsten Zeit auch wieder seiner Herkunft aus der Wissenschaft. Der 1995 promovierte Chemiker ist jetzt auch als Fachdozent für Künstliche Intelligenz an der SRH-Fernhochschule tätig und hält Vorträge an der Münchener Volkshochschule ( SdZ 4/2021). Bei Konecnys Dankvortrag bei der Verleihung lieferte er eine seiner Performances auf Tschechisch-Deutsch und eine scharfsinnige Analyse der deutschen Sprache mit ihren „verfluchten Umlauten“ und Schachtelsätzen. Er erhielt viel Applaus, wie auch schon mehrfach bei Veranstaltungen im Sudetendeutschen Haus in München. Die Hoferichter-Preis-Laudationes stammten von Klavierkabarettist Bodo Wartke, Filmemacher Christian Ganzer, Altoberbürgermeister Christian Ude, Schriftsteller Moses Wolff

und Filmregisseurin und Autorin Doris Dörrie. Dörrie konnte an der Preisverleihung nicht teilnehmen, so daß Preisträger Alex Rühle ihre Ludatio auf die Zeichnerin Barbara Yelin vortrug . Die Jury lobte in ihren Reden dann auch Wolfgang Ettlich, der 1968 aus Neukölln in der damals eingemauerten Stadt Berlin gekommen war, als „Schwabinger Institution, dokumentarischen Erzähler der deutschen Einigung und ein Liebhaber von Schwabing und dem Rest der Welt“. Dritte Preisträgerin 2021 war Barbara Yelin, eine der wichtigsten Comic-Künstlerinnen ihrer Generation. „Ihre Bücher sind zeichnerisch ebenso vielschichtig wie inhaltlich, sie sind genauestens recherchiert, politisch und sozial engagiert“, so die Jury. Barbara Yelin erzähle „Geschichten mit Bildern“, etwa von Kidane, dem Flüchtlingsjungen aus Eritrea. Und die Künstlerin sei – wie einst das Stifterpaar Hoferichter – viel in der Welt

unterwegs: Als Seminarleiterin und Reportagezeichnerin sei sie nach Kairo, Bali, New Delhi, Tel Aviv und Pristina gereist. „Sie ist eine Meisterin ihres Fachs und erzählt nah am Puls der Zeit, mit Pinsel, Stift und Farbe, mit Geduld, einer höchst präzisen Beobachtungsgabe und künstlerischer Souveränität.“

Preisträger 2022 Zu den Preisträgern 2022 gehörte Felicia „Fee“ Brembeck, über die die „Süddeutsche Zeitung“ 2013 schrieb: „Man spürt in jedem Moment, warum das Publikum gar nichts anderes tun konnte, als sich von dieser Fee verzaubern zu lassen.“ Dies seien keine „leichtfertigen Vorschußlorbeeren“ gewesen, so die Laudatio. Weiter habe man sich beeindruckt gezeigt von ihrem „feinsinnigen Umgang mit Sprache“, der sich in „temporeichen und pointierten Texten“ Bahn breche. „Auf so vielversprechen-

Bilder: Amrei Marie, Wikimedia

der Grundlage weitete Felicitas Brembeck ihren künstlerischen Radius von der Slampoetin zur Kabarettistin und Schriftstellerin aus und parallel dazu zur klassischen Sängerin“, lobte die Jury. Auch Alex Rühle sei in der Welt häufig unterwegs, schilderte dessen Laudatio. Seit 2010 arbeite er als Redakteur beim Feuilleton der „Süddeutschen Zeitung“ und reise dafür in das krisengeplagte Griechenland (2009), nach Lampedusa kurz nach dem Flüchtlingsdrama von 2013 und auch nach Kanada zum großen Fotografen Robert Frank. Mit „Ohne Netz. Mein halbes Jahr offline“ (2010), seinem „Entzugs-Tagebuch“, sei er auch als Sachbuchautor bekannt geworden. „Immer wieder läßt sich Alex Rühle auf Selbstversuche ein, verläßt den gewohnten Alltag und schenkt seinen Lesern erkenntnisreiche und unterhaltsame feuilletonistische Reportagen“, lobte die Jury. 2012 sei er

Vortrag auf dem Heiligenhof

Historische Blaupause für Putin ma-Ata mit einer Arbeit über deutsche Siedlungen in Kasachstan und in angrenzenden Gebieten vor 1917. Vor seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik arbeitete er mehrere Jahre als Hochschullehrer in der Stadt Dschambul. Nach einigen beruflichen Stationen im Generallandesarchiv Karlsruhe und am Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart arbeitete er ab 1999 an Projekten am Seminar für Osteuropäische Geschichte der Universität Heidelberg mit, wo er zuletzt auch Lehrbeauftragter des Historischen Seminars war. Seit

April 2019 ist Krieger wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bayerischen Kulturzentrums der Deutschen aus Rußland (BKDR) in Nürnberg. Der Schwerpunkt seiner Forschungsund Lehrtätigkeit sind Geschichte und Kultur der Rußlanddeutschen im Kontext

Dr. Viktor Krieger

des multikulturellen Vielvölkerstaates Rußland beziehungsweise UdSSR und hier besonders die Wolgadeutschen, Stalinismus, Germanophobie, deutsche Minderheit in Zentralasien, Bildungsgeschichte und -traditionen und Erinnerungskultur. Darüberhinaus befaßt er

sich mit soziokulturellen Tendenzen der Bundesbürger mit rußlanddeutschen Wurzeln. Vor diesem Hintergrund war interessant, wie Krieger in seinem Bildervortrag zeigte, daß Wladimir Putin sich bei seinem Vorgehen in der Ukraine – das Krieger noch einmal kurz zusammenfaßte – wohl in vielem von Vorbildern in der russischen Vergangenheit inspirieren ließ, und zwar besonders von Josef Stalin. Das zeigte sich bei den Parallelen, die Krieger aufzeigte etwa beim Einfall sowjetrussischer Truppen in Ostpolen ab Sep-

Mitbegründer der GoldgrundImmobilien-Organisation gewesen, die auf pfiffige Weise auf die Auswüchse der Gentrifizierung und die steigenden Mieten sowie Immobilienpreise aufmerksam mache. Alex Rühle engagiere sich auch als Mitinitiator des Flüchtlingsprojekts „Bellevue di Monaco“. Der mit jeweils 5000 Euro dotierte Hoferichter-Preis wird seit 1975 jährlich an freischaffende Münchener Künstler vergeben, die – wie der Schriftsteller Ernst Hoferichter selbst – Originalität und Weltoffenheit mit Humor verbinden. Seine Witwe Franzi Hoferichter stiftete ihn. Auch aus Böhmen, Schlesien und Ungarn haben es immer wieder Künstler in die Riege der Preisträger geschafft. 2019 war es der Zeichner Dieter Hanitzsch, 2013 Kabarettistin Luise Kinseher, 2016 Autorin Dagmar Nick, 1989 Ernst Günther Bleisch und 1987 George Tabori. Susanne Habel

Autobiographischer Roman von Jaromir Konecny: „Du wächst für den Galgen“. Edition Lichtung, Viechtach 2020; 128 Seiten, 13,90 Euro. (ISBN 978-3-941306-92-9) tember 1939. Man habe angeblich die russischen Truppen als Befreier begrüßt, zeigte Krieger nach Auswertungen der zeitgenössischen sowjetischen Regierungserklärungen und Berichten, die in „Prawda“ und anderen zentralen Presseorganen veröffentlicht wurden. Ein ähnliches Vorgehen nach Stalins Blaupause fand beim Winterkrieg von November 1939 bis März 1940 zwischen der Sowjetunion und Finnland statt. Nach heftigem Widerstand Finnlands beendeten die Gegner den Krieg mit dem Friedensvertrag von Moskau. Finnland konnte seine Unabhängigkeit wahren, mußte aber erhebliche territoriale Zugeständnisse machen. Der inhaltsreiche Vortrag sollte unbedingt veröffentlicht werden, wie die Diskussion unter den etwa 60 Zuhörern zeigte. sh


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VERBANDSNACHRICHTEN

Sudetendeutsche Zeitung Folge 21 | 27. 5. 2022

� OMV-Bundesverband und BdV-Landesverband Thüringen

Nicht nur reden – machen! Dr. Bernd Fabritius und Volodymyr Leysle.

� BdV

Fabritius trifft Leysle Der Vorsitzende des Rates der Deutschen in der Ukraine (RDU), Volodymyr Leysle, war Mitte Mai in Berlin. Im Rahmen seiner Gespräche mit Vertretern aus Politik und Verwaltung traf er auch BdV-Präsident Bernd Fabritius.

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olodymyr Leysle schilderte die Lage mit drastischen Worten und Fotos aus den Kriegsgebieten. So seien aus der Ost Ukraine schon 80 bis 90 Prozent der Deutschen geflohen. 20 bis 30 Prozent der Infrastruktur des RDU und seiner Verbände seien zerstört worden. Viele Landsleute wollten jedoch nach Ende der Kriegshandlungen zurückkehren, um die Heimat wiederaufzubauen. Für die aktuell Notleidenden, aber auch für den Wiederaufbau benötige man Unterstützung. Die BdV-Spenden seien direkt dorthin gegangen, wo die Lage am schlimmsten sei. Zukünftig wolle der RDU über Sozialstationen oder Service Points Flüchtlinge informieren, wo sie Unterstützung bekommen oder Zuflucht finden könnten. Leysle lud Fabritius ein, sich vor Ort ein Bild von der Situation zu machen. Fabritius stellte weitere Hilfen in Aussicht. Schließlich solle die BdV-Spendenaktion die Not der direkt vom Krieg geschädigten Landsleute in und aus der Ukraine lindern. Nach einem hoffentlich baldigen Ende des Krieges gelte es, den Wiederaufbau der Strukturen in den Fokus zu nehmen. Er hoffe, die deutsche Politik werde dies finanziell fördern. Fabritius begrüßte das Vorhaben des RDU, die nach Deutschland geflüchteten Landsleute über Online-Kurse beim Deutschlernen zu unterstützen, zumal es hierzulande derzeit Engpässe gebe. Abschließend vereinbarten Fabritius und Leysle einen weiterhin vertrauensvollen Austausch.

Mitte Mai fand die zweite Sitzung des Vertriebenenbeirats in dieser Legislaturperiode im Parlament in Wien statt.

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er Vertriebenenbeirat ist ein starkes, überparteiliches Instrument der Zusammenarbeit in den Anliegen der Vertriebenen“, sagte ÖVP-Vertriebenen-

zog er direkt gewählt für die CDU im Wahlkreis Nordhausen in den ersten Thüringer Landtag ein. Die Herausforderungen waren immens. Es galt, Infrastruktur zu modernisieren oder neu aufzubauen, Arbeitsplätze mußten gerettet oder geschaffen werden. Wer keine Ideen hatte oder nicht wehrhaft war, blieb auf der Strecke. Zahllose Projekte gingen auch über Primas‘ Tisch: Straßen- und Autobahnbau, Krankenhausrenovierungen und -neubauten oder die unter bundesweiter Aufmerksamkeit versuchte Rettung des thüringischen Kali-Bergbaus. Bis zur Landtagswahl 2019 wurde Egon Primas immer wieder direkt ins thüringische Parlament gewählt. Dann trat er nicht mehr an. Noch bis 2021 blieb er Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag Nordhausen. In der Landespolitik wirkte er unter anderem als Stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Agrarpolitischer Sprecher der Fraktion, als Vorsitzender des Parlaments­ ausschusses für Infrastruktur, Landwirtschaft und Forsten, als Vorsitzender des Fachbei-

25 Jahren den Hut auf. Gerade die Situation der nach dem Zweiten Weltkrieg in die „DDR“ vertriebenen Deutschen hatte es ihm angetan. In der „DDR“ war die Vertreibung tabu. Erst in der Freiheit konnten sie sich vereinen. Der damalige Ministerpräit folgenden Worten grasident Bernhard Vogel (CDU) tulierte CDU-Vorsitzender hatte Primas gebeten, nationaFriedrich Merz: „In Ihrem politilistische Einflußnahme auf dieschen Wirken haben Sie sich dem sen Aufarbeitungsprozeß zu verAnspruch eines geeinten und hindern. Die eigene familiäre Befreien Europas stets verpflichtet troffenheit machte das Thema für gefühlt. Sei es als Mitglied des Egon Primas zu einem HerzensThüringer Landtags, als Stellanliegen. vertretender Vorsitzender der Aber auch hier dient sein Endortigen CDU-Fraktion oder als gagement keinem Selbstzweck. OMV-Bundesvorsitzender. Sie Immer geht es Primas darum, haben Brücken der VerständiMenschen einzubinden und zu gung gebaut und dabei eine zubewegen, Chancen zu nutzen kunftsfähige Politik für Aussiedund zu gestalten. Über das jahrler, Spätaussiedler, Vertriebene zehntelang gepflegte Interesse und deutsche Volksgruppen geder Vertriebenen an ihrer Heistaltet.“ mat und den Wunsch nach KonGeboren wurde Primas 1952 in takt zu deren neuen Bewohnern Niedergebra bei Nordhausen. Zu wurde der Austausch mit Polen, Hause ist er in Obergebra. Sein der Tschechischen Republik, der Vater wurde nach dem Zweiten Ukraine und Rußland auf den Weltkrieg aus dem Wartheland verschiedensten Ebenen ermögvertrieben. Seine Mutter stammlicht: von der Kultur- über die Bilte aus Düsseldorf. Früh lernte dungs- bis hin zur Wirtschaftspoer, wie weit der Arm des „DDR“litik. Auch die Aufarbeitung des Unrechtsstaates reichte. Hin Vertriebenenschicksals wurund wieder erzählt er eine Gede bildungspolitisch genutzt: schichte, die sich in seinem etwa über ZeitzeugenprojekGeburtsjahr in Obergebra zute mit Schulen und über Biltrug. Zwei junge CDUler hätdungsferien. Wo immer BdV ten sich im Wirtshaus mit eioder OMV ein Projekt starten, nem lokalen SED-Funktioprofitieren die Vertriebenen när gestritten. Der SED-Mann und Thüringen davon. habe einen Herzinfarkt erlitWie sehr dieser Einsatz ten und sei gestorben. Den parteiübergreifend geschätzt CDU-Männern sei schuldlos wird, zeigt sich in einem Ausder Prozeß gemacht worden. zug aus einer RegierungserNoch im selben Jahr seien sie klärung des amtierenden Mimit der Guillotine hingerich- Friedrich Merz (rechts) gratuliert Egon Pri- nisterpräsidenten Bodo Rametet und der örtliche CDU-Ver- mas zum 70. Geburtstag. low (Die Linke) von 2018, wo band verboten worden. In den es auch um grenzüberschrei1980er Jahren gelang Primas, die rates Nachwachsende Rohstof- tende wirtschaftliche Kontakte CDU dort wieder zu gründen. fe beim Thüringer Ministerium geht: „Und das – ich will es einAbitur konnte er nur in Kom- für Landwirtschaft, Naturschutz fach erwähnen –, lieber Egon bination mit einer Berufsausbil- und Umwelt und knüpfte als Vor- Primas, habt Ihr uns in Lemberg dung machen. Eine „DDR“-Ei- sitzender des Freundeskreises ermöglicht, indem Ihr uns die Tügenheit für Leute, die nicht sy- Mordowien grenzüberschreiten- ren geöffnet habt. Die Industriestemtreu genug waren. Primas de Kontakte zwischen Thüringen und Handelskammer in Erfurt wurde Montagebaufacharbei- und Rußland. hat mit der Polytechnischen Uniter, studierte BaustofftechnoloFast zeitgleich mit seinem versität Lemberg jetzt ein festes gie mit Ingenieursabschluß und Rückzug aus der Landespoli- Abkommen, daß junge Leute aus arbeitete später in Leitungsfunk- tik baute Primas ein anderes sei- der Ukraine in Lemberg Deutsch tionen im Hoch- und Straßenbau. ner Arbeitsfelder aus: seinen eh- lernen und dann in Thüringen in Egon Primas ist ein Praktiker renamtlichen politischen Einsatz den Hotels ihre Ausbildung ma– ohne Scheu, sich die Hände für deutsche Heimatvertriebene chen. Auch dafür, Egon, herzlischmutzig zu machen. Ein Strate- und Flüchtlinge, Aussiedler und chen Dank! Auch an den BdV, ge, der seine Ziele mit der einge- Spätaussiedler sowie für Ver- der an dieser Stelle gute Heimat­ übten Geduld eines erfahrenen ständigung mit den Nachbarlän- arbeit geleistet und die Brücke und prämierten Jägers verfolgt. dern und die Anliegen der dor- in die Heimat mit im Blick hatte. Ein Politiker, der weiß, was die tigen deutschen Minderheiten. Und damit wird deutlich, daß die Leute bewegt, der zu ihnen hin- Seit 2017 ist er OMV-Bundesvor- Menschen, die einst als Vertriegeht und ihnen zuhört, der ihre sitzender. Über dieses Amt ar- bene kamen, die Thüringerinnen Anliegen aufnimmt, ohne sie in beitet er seitdem im Bundesvor- und Thüringer sind, die heute ihSonntagsreden von seiner Mei- stand der CDU. 2021 wurde er zu re Heimat gestalten.“ nung überzeugen zu müssen. einem der sechs Vizepräsidenten Für die Zukunft kann man „Nicht nur reden – machen“, des BdV gewählt. Egon Primas nur Gesundheit ist sein Credo, das sich nach dem In Thüringen hat Primas auch wünschen, um seine vielen ProMauerfall noch verfestigtet. 1990 in OMV und BdV seit mehr als jekte mit Erfolg weiterzuführen. Am 19. Mai feierte Egon Primas, Bundesvorsitzender der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung der CDU/CSU (OMV), OMV- und BdV-Landesvorsitzender in Thüringen, in Obergebra 70. Geburtstag

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Das Gernsheimer Museum und das Peter-Schöffer-Denkmal. Bilder: Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

� Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Leuchtturmprojekt Mitte Mai war das Hessen-Team der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen für das Leuchtturmprojekt „Virtuelle Heimatsammlungen“ im südhessischen Gernsheim zu Gast.

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ine Woche lang wurden hier ausgewählte Exponate der Ostdeutschen Heimatstube digitalisiert, die Räume für eine 360-Grad-Ansicht fotografiert und die digitalisierten Ausstellungsstücke für ihren virtuellen Auftritt im Internet vorbereitet. Das Team von Projektleiterin Lydia Tosses wurde dabei von Dietmar Matiasch und Klaus Wunderle, Ansprechpartner der Heimatstube und Vorstandsmitglieder des Kunst- und Kulturhistorischen Vereins in Gernsheim, unterstützt. Die Ostdeutsche Heimatstube wurde 1981 vom damaligen Vorsitzenden der BdV-Ortsgruppe Gernsheim gegründet und räumlich an das 1978 gegründete Museum in Gernsheim angegliedert. 2003 wurde das Museum nach einer umfassenden Renovierung und Neugestaltung wiedereröffnet, und die Heimatstube ging auch formell an den Träger des Museums, die Schöfferstadt Gernsheim, über. Die beiden Räume für die Heimatsammlungen befinden sich im Dachgeschoß des Museums, wobei der Hauptausstellungsraum nebst Exponaten auch über eine Bibliothek und Blick in die Ostdeutsche Heimatstube im Museum der einen Arbeits- Schöfferstadt Gernsheim.

� Verband der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ)

Ein starkes Instrument sprecherin Gudrun Kugler. Sie hatte die Vertreter des VLÖ und die Sprecherkollegen der anderen Parteien eingeladen. Vom

Parlament waren außerdem Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, Harald Troch (SPÖ), Josef Ofner (FPÖ), Michael Bern-

hard (NEOS) sowie eine Mitarbeiterin des Grünen Parlamentsklubs gekommen. Sobotka hieß VLÖ-Präsident Norbert Kapel-

Dr. Rüdiger Stix, Karl Putz, Manfred Schuller, Ludwig Niestelberger, Norbert Kapeller, Reinhard Frank, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, Gerhard Schiestl, Dritte Nationalratspräsidentin a. D. Anneliese Kitzmüller, Josef Ofner, Dr. Gudrun Kugler, Brigitta Appel, Christine Lehr, Ingeborg Mallner und Peter Ludwig.

platz verfügt. Im sich anschließenden Raum befinden sich Teile der stadtgeschichtlichen Ausstellung, von der wiederum eine Abteilung das Thema Vertreibung aufgreift und dieses von den politischen Grundlagen über die eigentliche Vertreibung bis zur Ankunft in Deutschland und Gernsheim behandelt. Das Hessische Ministerium des Innern und für Sport fördert das Leuchtturmprojekt „Virtuelle Heimatsammlungen in Hessen“ der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen finanziell. Es dient der Erhaltung des deutschen kulturellen Erbes aus dem östlichen Europa. Es knüpft an das bereits erfolgreich in Nordrhein-Westfalen laufende Projekt „Virtuelle Heimatsammlungen in NRW“ an. Die im Rahmen des Projektes in Nordrhein-Westfalen bislang digitalisierten und virtualisierten Objekte sind bereits jetzt auf der Projektwebseite www. heimatsammlungen.de zu sehen. Auch die virtuellen hessischen Sammlungen werden schon bald auf dieser Seite begehbar sein.

ler und die 15 Vertreter der neun Landsmannschaften willkommen. Er begrüße, so Sobotka, die Fortführung dieses Austauschformats und unterstütze die gemeinsamen Anliegen, die er auch in den Gesprächen mit Amtskollegen anderer Länder anspreche. Kugler betonte den Beitrag des VLÖ in der Weitergabe der Vertreibungsgeschichte an die nächste Generation. Sie freue sich über die Fortschritte, die in diesem Anliegen seit der vergangenen Sitzung erzielt worden seien. „Wenn wir ,Niemals wieder!‘ sagen, denken wir auch an das Unrecht der Vertreibung der deutschsprachigen Minderheiten aus den heutigen Nachbarländern.“ Deshalb setzten sich der VLÖ und die parlamentarischen Vertreter für die Neugestaltung des Hauses der Heimat in ein Museum und Archiv ein.

Außerdem standen die Zusammenarbeit mit Nachbarländern in Bezug auf deutschsprachige Minderheiten, etwa in Slowenien, der Schutz der Gedenkstätten in Serbien, die Sicherstellung von altösterreichischen Zeitzeugenberichten sowie die aktuellen Anliegen der Landsmannschaften auf der Tagesordnung. Abschließend lud Kugler den VLÖ zu einer Filmvorführung anläßlich des Gedenktages der litauischen Massendeportationen durch die Sowjetunion sowie zu einer gemeinsamen Exkursion zur ehemaligen Fabrik Oskar Schindlers nach Brünnlitz ein. Kapeller dankte den Abgeordneten und dem Nationalratspräsidenten für die Unterstützung. „Die parteiübergreifende Arbeit ist für die Verwirklichung unserer Ziele genauso wichtig wie die Unterstützung durch den Nationalratspräsidenten. Der Vertriebenenbeirat ist zu einem entscheidenden Instrumentarium unseres gemeinsamen Handelns geworden“, schloß Kapeller.


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VERBANDSNACHRICHTEN

Sudetendeutsche Zeitung Folge 21 | 27.5. 2022

� Hessens Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler

Geschäftsstelle für alle Landsmannschaften Die Landsleute mit Bürgermeister Bernhard Pritscher oben links und Kreisobmann Peter Polierer unten links. Bild: Rudolf Baier

Vorsitzende und Mitglieder der hessischen Landsmannschaften kamen Anfang Mai zum feierlichen Start der Arbeitsaufnahme der neuen gemeinsamen Geschäftsstelle der Landsmannschaften zu einem kleinen Umtrunk und Kennenlernen der neuen Geschäftsführerin Michaela Langhammer im Büro im Wiesbadener Haus der Heimat zusammen.

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� SL-Ortsgruppe Ergolding/Niederbayern

Neuer Vorstand, treue Mitglieder Gut besucht war die kürzliche Jahreshauptversammlung der niederbayerischen SL-Ortsgruppe Ergolding in der Gaststätte Proske.

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ach der Begrüßung der Mitglieder und Ehrengäste gedachte man der verstorbenen Mitglieder der angestammten und neuen Heimat. Anschließend trug Rudi Baier den Jahresbericht der Ortsgruppe vor. Er stellte fest, daß die letzte Wahl aller Vorstandsmitglieder aufgrund der Pandemie bereits einige Jahre zurückliege. Er schilderte die umfangreichen Aktivitäten 2019. Als wesentliche Daten nannte er die Tagesausflüge zur Walhalla mit Regensburg und Schiffahrt von Kelheim nach Weltenburg und in die Wildschönau, die Fahrt zum Sudetendeutschen Tag nach Regensburg, den Familiennachmittag, die Radlausflüge nach Oberglaim und Mirskofen, die Fünf-Tage-Fahrt in das Riesengebirge, die Gedenkfeier am Mahnmal für die Toten der angestammten und neuen Heimat, das Kegelturnier mit anschließender Pokalverleihung und die Weihnachtsfeier. 2020 und 2021 seien außer den Kirchweihfeiern und Radlausflügen nach Mirskofen alle Veranstaltungen ausgefallen. Den Bericht für die Sudetendeutsche Sängerrunde trug ebenfalls Rudi Baier vor. Er berichtete, daß im Jahr 2019 noch das geplante Programm habe abgehalten werden können. Nach der 40-Jahr-Feier sei die Sängerrunde aufgrund Überalterung der Mitglieder im Februar 2020 aufgelöst worden. Der Stammtisch finde nur noch an jedem ersten Montag im Monat im Gasthaus Proske statt. Den Kassenbericht trug Vermögensverwalter Adolf Olzinger vor. Die Kassenprüfer bestätigten eine ordnungsgemäße und fehlerfreie Kassenführung. Die Entlastung der Vorstandschaft erfolgte einstimmig. Nach einer kurzen Pause bei Kaffee und Kuchen übernahmen der Zweite Bürgermeister Bernhard Pritscher und Peter Polierer, Obmann der SL-Kreisgruppe Landshut, den Wahlausschuß. Gewählt wurden als Ortsobmann Franz Langer, als dessen Stellvertreter Johann Wenzl, als Schriftführer und Chronist Rudi Bai-

er, als Vermögensverwalter Adolf Olzinger und als Kassenprüfer Erwin Schneider. Beisitzer wurden Anton Deller, Gertraud Keilwerth, Erna Ramsauer und Monika Rank. Obmann Langer erwähnte anschließend, daß die Mitglieder während der Pandemie mit Mitteilungen und Rundschreiben über die neuesten Entwicklungen laufend informiert worden seien, der Vorstand untereinander Kontakt gehalten habe. Soweit es künftig möglich sei, wolle man an die vorjährigen Veranstaltungen anknüpfen und die Ortsgruppe wieder mit Leben erfüllen. Die SL pflege Kultur und Brauchtum der angestammten Heimat, verschließe sich aber nicht den Gepflogenheiten der neuen Heimat und den modernen Gegebenheiten. Der gesellschaftliche Teil gehöre nun einmal zu einem intakten Vereinsleben. Die Ortsgruppe nehme auch regen Anteil am Marktgeschehen in Ergolding. Die Betreuung der Mitglieder bis ins hohe Alter habe einen großen Stellenwert und stehe keinem anderen Verein nach. Man versuche, die Ortsgruppe möglichst lange aktiv zu halten. Das Mahnmal am SanktPeters-Friedhof sei immer ein Blickpunkt für alle Besucher. Der Ortsobmann dankte allen, die diese würdige Gedenkstätte pflegten, betreuten, Lichter entzündeten und der Toten gedächten. Derzeit gehörten der Ortsgruppe 125 Mitglieder an. Um in den kommenden Jahren und Jahrzehnten bestehen zu können, dürfe man aber nicht aufhören, neue Mitglieder zu werben. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft sei für alle offen, ob ihre Wurzeln im Sudetenland lägen oder nicht. Sorge bereite ihm, Langer, aber der Nachwuchs und die Mitarbeit im Vorstand. Kreisobmann Peter Polierer betonte, daß die Ortsgruppe eine lebendige Ortsgruppe sei. Heute sei es nicht mehr so einfach, Mitglieder in einem Verein zu halten. Er freue sich daher um so mehr, daß er an diesem Tag zahlreiche Mitglieder für langjährige Zugehörigkeit zur Volksgruppe mit einer Treueurkunde auszeichnen dürfe. Die Urkunden und Ehrenzeichen überreichten Ortsobmann Franz Langer und Kreisobmann Peter Polierer gemeinsam.

argarete Ziegler-Raschdorf, Hessens Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, freute sich bei der Eröffnung, daß ihre Idee einer gemeinsamen Geschäftsstelle von Seiten der Landsmannschaften aufgegriffen und nun Wirklichkeit geworden sei. „Die gemeinsame Geschäftsstelle der Landsmannschaften wird die landmannschaftlichen Organisationen in Hessen ab sofort bei der Erfüllung ihrer wichtigen Aufgabe der Erinnerungs- und Kulturpflege unterstützen. Mit Michaela Langhammer konnte für die organisatorische Führung dieser gemeinsamen Geschäftsstelle eine Fachkraft gefunden werden, der ich im Namen meiner Stabsstelle ein herzliches Willkommen sage und eine gute Zusammenarbeit zusichere.“

Die gemeinsame Geschäftsstelle der Landsmannschaften soll insbesondere die Landsmannschaften unterstützen, die nicht die finanziellen und personellen Möglichkeiten haben, eine eigene Geschäftsstelle zu unterhalten. Sie wird die Landsmannschaften stärken hinsichtlich ihrer regelmäßigen Erreichbarkeit, bei der Mitgliederverwaltung, der Erarbeitung von Förderanträgen, der Vorbereitung von Veranstaltungen und Projekten, beim Erstellen und Versenden von Einladungen, Informationen und Anschreiben, allgemein beim Schriftwechsel der Landsmannschaften, bei der Ablage von Unterlagen, bei der Abrechnung und Erarbeitung der Verwendungsnachweise gegenüber Fördergebern, bei der Dokumentation landsmannschaftlich spezifischer Unterlagen sowie bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Ziegler-Raschdorf dankte allen Beteiligten, die zur erfolgreichen Umsetzung des Vorhabens beigetrugen. Allen voran dankte sie der SL-Landesgruppe mit Landesobmann Markus Harzer. Die SL-Landesgruppe Hessen war als mitgliedsstärkster hessischer landsmannschaftlicher Verband per Beschluß von allen

Landsmannschaften beauftragt worden, die für die Errichtung einer solchen gemeinsamen Geschäftsstelle notwendigen Maßnahmen in die Wege zu leiten. Die Gemeinsame Geschäftsstelle teilt sich außerdem das Büro mit der Geschäftsführung der SL. „Neue Wege entstehen dadurch, daß man sie geht. Ich bin überzeugt, mit dieser gemeinsamen Geschäftsstelle für die Landsmannschaften in Hessen können die Aufgaben, vor denen die Vertriebenenverbände heute stehen, besser gemeistert werden. Mit der Unterstützung eines Büros wird die ausschließlich im Ehrenamt geleistete Verbandsarbeit mit ihren täglichen Anforderungen erheblich leichter. Durch das gemeinsame Büro sollen Synergieeffekte genutzt werden und insgesamt eine engere Zusammenarbeit zwischen den Landsmannschaften entstehen. In diesem Sinne wünsche ich Michaela Langhammer einen guten Start in ihrer Funktion als Geschäftsführerin und freue mich auf eine gute Zusammenarbeit“, so die Landesbeauftragte. Die Hessische Landesregierung fördert die Errichtung und Aufrechterhaltung der gemeinsamen Geschäftsstelle der Landsmannschaften finanziell.

Ulrike Zich und Michael Schrade, Franz Longin, Klaus Hoffmann und Iris Ripsam, Waltraud Illner und Edeltraud John. Bild: Helmut Heisig

� SL-OG Weilimdorf

Arbeit, Schicksal, Aufgabe Mitte Mai eröffnete die Ausstellung „Neue Heimat Weil im Dorf“ anläßlich des 70jährigen Bestehens der SL-Landesgruppe Baden-Württemberg im Bezirksrathaus in Stuttgart-Weilimdorf.

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Albrecht Kauschat, Vorsitzender des Landesverbandes der Landsmannschaft Schlesien – Nieder- und Oberschlesien, Markus Harzer, Obmann der SL-Landesgruppe Hessen, Michaela Langhammer, Geschäftsführerin der neuen gemeinsamen Geschäftsstelle der Landsmannschaften in Hessen, Natalie Paschenko, Geschäftsführerin des Landesverbandes Hessen der Landsmannschaft der Deutschen aus Rußland, Margarete Ziegler-Raschdorf, Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Wilhelm Beer, Stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Hessen der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, und Lothar Streck, Vorsitzender des BdV-Kreisverbandes Hanau-Main- Kinzig. Bild: LBHS

� Österreichische Gesellschaft für Völkerverständigung

Happy Birthday gehe und die EU klar auf der Seite der überfallenen Ukraine stehe. Zum Schluß funktionierte er seine Rede um. Er gratulierte seinem jahrzehntelangen Freund „Pepi“ Höchtl zu dessen 75. Geburtstag – und alle Besucher sangen „Happy Birthday“. Höchtl kam am 13. Mai 1947 als Sohn südmährischer Vertriebener in Hollabrunn zur Welt. Viele Jahre vertrat er die ÖVP im Nationalrat, 1989 bis 1995 als Vertriebenensprecher seiner Partei. Er freute sich und versprach, als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Völkerver-

ständigung weitere Jahre solche Abende mit lebhaften Diskussionen zu organisieren. Unter den Gästen waren die ehemalige Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein, der Europaabgeordnete Lukas Mandl, der Landahlreiche Interessierte folgtagsabgeordnete Christoph ten den klaren Ausführungen Kaufmann, der ehemalige Landvon Johannes Hahn, seit 2019 tagsabgeordnete Willi Eigner, EU-Kommissar für Haushalt und Klosterneuburgs VizebürgerVerwaltung in der Kommissimeister Roland Honeder, Kloon von Ursula von der Leyen. Er sterneuburgs Europa-Gemeinwar auf Einladung seines Freunderätin Katharina Danninger, des Josef Höchtl, Präsident der Stadträtin Maresi Eder, RaiffeiÖsterreichischen Gesellschaft senbank-Direktor Helmut Wess für Völkerverständigung und und andere Vertreter aus Diplolangjähriger Natiomatie und Wirtschaft. nalratsabgeordneter, Gerhard Zeihsel, gekommen. Sein TheSLÖ-Bundesobmann ma waren die Maßund langjähriger nahmen der EU nach LandtagsabgeordCorona und dem neter, ist derzeit zur Überfall russischer Kontrolle im Spital. Truppen auf den Dennoch möchte er selbständigen Staat sich – mit etwas VerUkraine. Tagungsspätung – der Graort war der Raiffeitulantenschar im Nasen-Festsaal in Klomen aller Landsleute sterneuburg, Höchtls anschließen: „Dir, lieHeimatstadt. ber Pepi, wünsche ich Hahn sagte, daß von Herzen das Bees um die Verteidiste. Auf daß noch viegung der rechtsstaatle Jahre voller Aktivilichen Grundsätze Dr. Josef Höchtl und EU-Kommissar Dr. Johannes Hahn. tät folgen.“ Mitte Mai sprach EU-Kommissar Johannes Hahn auf Einladung der Österreichischen Gesellschaft für Völkerverständigung im niederösterreichischen Klosterneuburg.

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ie Plakat-Ausstellung machte Edeltraud John vom Weil­ imdorfer Heimatkreis mit Liebe und detailliertem Wissen sowie mit Unterstützung von SL-Kreis­ obfrau Waltraud Illner, Norma Müller und Walter Niklos. Sie schildert die Auswanderungen nach Rußland, Ost- und Südosteuropa, die Umsiedlungen, Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg und die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen in Landsiedlung, Bergheim und Giebel. Unter den Vernissage-Gästen waren SL-Landesobmann Klaus Hoffmann, BdV-Landesvorsitzende und Stadträtin Iris Ripsam MdB a. D., Stadtrat Michael Schrade und Franz Longin, Ehrenvorsitzender des Südmährerbundes. SL-Landesobmann Hoffmann beschäftigt sich seit seinem zehnten Lebensjahr mit der Geschichte der Sudetendeutschen. Er sagte, daß Heimat Arbeit, Schicksal und auch Aufgabe bedeute. Die Heimatvertriebenen, so Hoffmann, hätten noch lange Zeit auf eine Rückkehr in ihre Heimat gehofft und bis spät in die sechziger Jahre den dafür gepackten Koffer unter ihrem Bett bereitgehalten. Inzwischen hätten sie ihre „neue Heimat“, wie zum Beispiel Weilimdorf, genauso lieb gewonnen wie ihre angestammte Heimat. Und das solle diese Ausstellung den Besuchern vermitteln. Weilimdorfs Bezirksvorsteherin Ulrike Zich zeigte sich erfreut, diese Ausstellung in ihrem Haus zu haben. Sie hoffe, so Zich, daß sich viele Menschen mit der Geschichte der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen in den Weil­ imdorfer Stadtteilen Bergheim und Giebel beschäftigen würden. Die Bezirksvorsteherin machte aber auch deutlich, daß wegen des Krieges in der Ukraine und der damit verbundenen Flüchtlinge wieder Menschen in Weil­imdorf ankämen, die wie die deutschen Heimatvertriebenen vor 70 Jahren mit nichts neu anfangen müßten. Helmut Heisig Die Ausstellung läuft bis Donnerstag, 21. Juli, Montag bis Freitag 8.30–13.00, Dienstag 14.00– 16.00 und Donnerstag 14.00– 18.00 Uhr.


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AUS DER HEIMAT

Sudetendeutsche Zeitung Folge 21 | 27. 5. 2022

� Das Schicksal einer Jüdin aus Troppau

Nora Lustig/Weinreb Norwegen wegen der für Juden immer gefährlicher werdenden Lage nicht nach Troppau zurückgekehrt war. Nach der

Geschwister Tag­licht vom Pastor Krag­ set aufgenommen, dessen Kinder sie als ihre Geschwister betrachteten. Die Män­ ner arbeiteten im Sägewerk. Und der Bariton von Robert Weinstein erklang in der Kirche, begleitet von der Orga­ nistin Rikke Flovikholm. Als im Frühjahr 1942 alle Juden in Norwegen, die einheimischen wie auch die geflüchteten, von der Gesta­ po mit Hilfe der norwegischen Quis­ ling-Regierung registriert wurden, war es mit der Sicherheit der Flücht­ linge vorbei. Sie wurden zum Verhör nach Molde gebracht und von dort in das Gestapo-Hauptquartier in Trond­ heim. Hier mußten sie zum ersten Mal die menschenverachtenden Metho­ den der Nazis erdulden. Vor allem die Männer wurden gedemütigt und ge­ foltert. Im November 1942 wurden sie mit dem Zug nach Oslo gebracht. Von dort sollten sie mit vielen anderen jü­ dischen Gefangenen per Schiff nach ora Weinreb kam am 22. April Stettin transportiert werden. Die nor­ 1899 in Troppau zur Welt. Ihr Va­ wegischen Eisenbahner verzögerten ter Karl Weinreb war ein Kaufmann, die Zugfahrt absichtlich. Als die Bahn dessen Geschäft an das alte Hotel in Oslo ankam, hatte die Donau den Krone angrenzte. Ihre Mutter war Jo­ Hafen bereits verlassen. sefina Weinreb, geborene Löw-Beer. Zwei Monate später, am 25. Febru­ Nora heiratete den jüdischen Kauf­ ar 1943, wurden sie an Bord der Go­ mann und Geschäftspartner ihres Va­ tenland gebracht. Die Norwegerin In­ ters, Siegfried (Vítězslav) Lustig, und geborg Stetten, die sich bis 1942 um zog mit ihm nach Brünn. Dort wurden Nora Lustig die Flüchtlinge gekümmert und mit 1922 die Zwillinge Hans und Fritz ge­ Nora Lustig angefreundet hatte, woll­ boren. Besetzung Norwegens durch die deut­ te an Bord, um sich von Nora zu verab­ Nora Lustig war aktives Mitglied der sche Wehrmacht im Frühjahr 1940 wur­ schieden. Stetten erinnert sich: „Und Internationalen Frauenliga für Frie­ de der Aufenthalt in Oslo zu gefährlich. dann sehe ich Nora Lustig herankom­ den und Freiheit und der Liga für Men­ Mit Unterstützung der Nansen-Hilfe men, hoch und rank, wie sie war, eine schenrechte. In den 1930er Jahren enga­ fuhren die Flüchtlinge weiter nach Nor­ stolze Erscheinung, mit einem strahlen­ gierte sie sich für politische Flüchtlinge den. den Lächeln.“ Bevor sie mit ihr reden aus Deutschland und Österreich, die in Der Gruppe um Robert Weinstein, konnte, entdeckten und vertrieben die der Tschechoslowakischen Republik Zu­ Nora Lustig mit ihren beiden Söhnen deutschen Bewacher Ingeborg Stetten. flucht suchten. Nach der Abtretung der und Leo Eitinger hatten sich der Brün­ Am 27. Februar erreichte die Goten­ sudetendeutschen Gebiete an das Deut­ ner Architekt Otto Eisler und dessen land Stettin. Von dort wurden die Gefan­ sche Reich 1938 und der Besetzung von Bruder Hugo mit Frau angeschlossen. In genen per Güterwaggon mit Zwischen­ Böhmen und Mähren durch deutsche Nesjestranda, einem aufenthalt in Berlin Truppen 1939 wurde ihre Arbeit immer kleinen Ort in der Nä­ Richtung Auschwitz gefährlicher. Nachdem sie kurzzeitig he von Molde, konn­ verfrachtet, wo sie verhaftet gewesen war, beschloß sie zu ten sie nicht mehr wei­ am 3. März ankamen. fliehen. ter und wurden von Auf der berüchtigten Sie kontaktierte die Nansen-Hilfe, den Dorfbewohnern Rampe wurden Frau­ um den Nansen-Paß, der ihr die Einrei­ freundlich aufgenom­ en, Kinder und nicht se nach Norwegen ermöglichen soll­ men. Später kamen arbeitsfähige Männer te, zu erhalten. Die Hilfe trug den Na­ noch die Geschwister selektiert und sofort in die Gaskammern men des Polarforscher Fridtjof Nansen Tibor (*1929) und Ve­ geschickt. Dieses Ge­ und war 1936 von dessen Sohn Odd ge­ ra (*1932) Taglicht aus schick ereilte No­ gründet worden. Seit 1938 wirkte sie in Preßburg dazu. ra Lustig und die Ge­ Österreich und der Tschechoslowakei. Deren Eltern hat­ schwister Taglicht. Mit dem Brünner Arzt Leo Eitinger ge­ ten sie mit Unterstüt­ 80 Kilometer öst­ lang ihr mit ihren Söhnen im Sommer zung der Nansen-Hil­ 1939 die Ausreise nach Norwegen. Ihr fe nach Norwegen ge­ Max Mannheimer im Oktober 2012 lich von ihrer Heimat­ Mann Siegfried Lustig mußte zurück­ schickt, damit sie dort im Sudetendeutschen Haus in Mün- stadt endete das Le­ Bild: Herbert Fischer ben von Nora Lustig bleiben, weil er keine Ausreisegenehmi­ in Sicherheit wären. chen. auf diese schreckli­ gung erhalten hatte. Bis zum Frühjahr 1942 In Oslo traf sie Robert Weinstein, den lebten die Flüchtlinge in Nesjestran­ che Weise. Ihre Söhne und Leo Eitin­ sie aus Troppau kannte und der sich seit da, einem beschaulichen Ort am Meer, ger überlebten. Fritz Lustig starb 1973 in September 1938 in Oslo aufhielt, nach­ relativ sicher. Sie wurden in die Dorf­ Buenos Aires, sein Bruder Hans kehrte dem er von einer Geschäftsreise nach gemeinschaft integriert. So wurden die nach Norwegen zurück und starb 2007 in Trondheim, nachdem er den Nachna­ men Levold angenommen hatte. Die Troppauer Synagoge Der Mitgefangene, der den Tod von zu Beginn des 20. JahrRobert Weinstein bestätigte, war nach hunderts. Sie wurde MitAussage von Václav Hajek, dem Pro­ te der 1890er Jahre vom duzenten und Regisseur von „Na uteku österreichischen Ar– Auf der Flucht“, Max Mannheimer, chitekten Jakob Träger des Europäischen Karls-Prei­ Gartner erbaut. ses 2012 der Sudetendeutschen Lands­ Bei den Novembermannschaft. Mannheimer wurde 1920 in pogromen 1938 Neutitschein im Kuhländchen geboren wurde sie von und überlebte die Konzentrationslager den NationalAuschwitz und Dachau. sozialisten In seinem Werk „Spätes Tagebuch“ zerstört. beschreibt er, wie Juden den Anschluß des Sudetenlandes an das Deutsche Reich erlebten, insbesondere das Ver­ halten der nichtjüdischen Nachbarn. Mannheimer wurde Anfang Februar 1943 in Auschwitz eingeliefert, also ei­ nen Monat, bevor die jüdischen Gefan­ genen aus Norwegen Auschwitz erreich­ ten. Außerdem wurde er demselben Arbeitstrupp wie Robert Weinstein zu­ geteilt, nämlich dem berüchtigten Block 17. Wie Weinstein wurde er nach War­ schau abkommandiert, um dort Überre­ ste des niedergeschlagenen Ghettoauf­ standes zu beseitigen. Deshalb liegt die Vermutung nahe, daß er Robert Wein­ stein begegnete. Bereits 1946 wurde auf dem Fried­ hof von Nesjestranda ein Gedenkstein mit den Namen von Vera Lustig, Robert Weinstein und Tibor und Vera Taglicht errichtet. 2016 verlegte Günter Demnig vor der Schule von Nesjestranda Stolper­ steine mit den Namen der in Auschwitz Ermordeten. Troppau liegt in Mährisch Schlesien unweit des Zusammenflusses der Oppa und der Mohra. Nördlich der Stadt verläuft heute die Grenze zu Polen. Nach archäologischen Funden war das Gebiet bereits in der älteren Steinzeit besiedelt. Vermutlich im 12. Jahrhundert entstand entlang eines Handelsweges, der von Mähren über Grätz nach Polen führte, in der Nähe einer Furt eine Kaufmannssiedlung. Diese wurde erstmals 1195 unter der lateinischen Bezeichnung „Opavia“ erwähnt. 1215 erhielt der Ort ein städtisches Statut, und 1224 erteilte der böhmische König Ottokar I. der Stadt das Magdeburger Stadtrecht. Zugleich erhob er sie zur Königsstadt. Ein erster Hinweis auf den Aufenthalt von Juden in Troppau stammt aus dem Jahre 1281. Dieter Aust berichtet über das Schicksal der Jüdin Nora Lustig/Weinreb.

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Die „Målaboum“ Vojtěch und Richard Šulko auf dem Kalvarienberg gegenüber von Waltsch.

� Bund der Deutschen in Böhmen

Kirschblütenfest in Waltsch aus seinem Dornröschenschlaf, wird wieder schön und lädt zum Verwei­ len ein. 2007 kam Tomáš Petr als Ka­ stellan nach Waltsch und investierte 40 Millionen Kronen in dieses Areal. Jiří Bauer und Vojtěch as Kirschblüten­ Vasko studierten ge­ fest ist allen, die es meinsam an der Philo­ in der Vorkriegszeit er­ sophischen Fakultät der lebten, eine der unver­ Karls-Universität in Prag. geßlichen Erinnerungen Sie interessieren sich für an die Heimat. Das weiß Musik und Bier. 2013 ich auch noch aus Erzäh­ wurde Jiří Bauer Brau­ lungen von vertriebenen meister. In einer Villa im Waltschern oder anderen Prager Stadtteil Nußgar­ Egerländern. ten startete er die ersten 1358 wird Waltsch Brauversuche. Als ich erstmals schriftlich er­ die Möglichkeit anbot, wähnt. Anfang des Bierbrauer Jiří Bauer. die Ruine des Gärkellers 18. Jahrhunderts bau­ der ehemaligen Walt­ ten Francesco Barelli und scher Brauerei für eine Giovanni Antonio Bian­ neue Brauerei zu nutzen, no Rossa die Burg zu ei­ schlugen sie zu. Vojtěch nem Barockschloß um. Vasko kennt uns „Måla­ Ein barockes Juwel ist boum“ von mehreren Rossas Dreifaltigkeits­ Auftritten und wollte für kirche (1719–1728). die Präsentation seines Die Dreifaltigkeitssäu­ Waltscher Bieres beim le des Bildhauers Mat­ Kirschblütenfest eine ori­ thias Bernhard Braun ginale Egerländer Mund­ entstand 1728 nach den Vojtěch Vasko zapft art und Musik haben. Entwürfen des Archi­ Waltscher Bier wie in Wenn unterneh­ tekten František Maxi­ Bayern in Tonkrüge und mungslustige junge milián Kaňka. Braun er­ offeriert Laugenbrezen. Menschen unser ge­ gänzte den Schloßpark in meinsames kulturelles Waltsch mit 32 Plastiken Erbe retten wollen, muß aus Sandstein. Der Park man sich Zeit nehmen, gehört zu den schönsten auch wenn der Termin­ Barockanlagen in Böh­ kalender voll ist. Nun rei­ men. Berühmt war er vor sten wir Plachtiner, mein allem für das Theatron Sohn Vojtěch und ich, am und die 60 Meter lange 21. Mai nach Waltsch. „Målaboum“ Vojtěch … Im Schloßpark beim Ein­ Wasserkaskade. Nach der Vertreibung gang in den ehemaligen der Deutschen 1946 Brauereikeller wurde das brachten mehr als 40 Jah­ dritte Bierfest, diesmal re Kommunismus die unter dem Namen „Im Verwüstung dieses Ba­ Bayerischen Stil“, orga­ rockareals. 1976 brann­ nisiert. Gestärkt von den te auch noch das Schloß Biersorten „Schwelle“, aus. Nach der Wende ka­ ein helles Lagerbier mit men junge Menschen, … und Richard Šulko. 110 Grad Plato Stamm­ vor allem aus den Groß­ würze, und „Kellerbier“ städten, und entdeckten diese baroc­ mit 120 Grad Plato Stammwürze, gin­ ke Perle am Fuße des Duppauer Ge­ gen wir „Målaboum“ ans Werk. birges. In einem 90minütigen Programm Das war, wenn ich mich richtig er­ sangen wir, trugen Gedichte vor und innere, 1999, als ich im Waltscher übertrugen sie ins Tschechische. Im Pfarrhaus mit dem dortigen Bürger­ Schatten der alten Buche lauschten meister und Petr Sušanka den Antrag die Festgäste unseren alten und neu­ für die Renovierung der Jakobus-Kir­ en Egerländer Weisen und genossen che in Netschetin beim Deutsch- das neue Waltscher Bier in an den Tschechischen Zukunftsfonds aus­ bayerischen Nachbarn erinnernden arbeitete. Langsam erwacht Waltsch Tonkrügen mit Laugenbrezen. Ende Mai fand in Waltsch das Kischblütenfest statt. Måla Richard Šulko, Vorsitzender des Bundes der Deutschen in Böhmen und Sänger des Duos „Målaboum“, berichtet.

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Kirschblütenfest vor der Ruine der Waltscher Brauerei mit neuem Waltscher Bier.


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NEUDEKER HEIMATBRIEF

Sudetendeutsche Zeitung Folge 21 | 27. 5. 2022

� Frühbuß – Teil I

Die kleinste Stadt der Tschechischen Republik Frühbuß im Erzgebirge gilt mit seinen aktuell etwa 73 Einwohnern als die kleinste Stadt der Tschechischen Republik. Pavel Andrš berichtete darüber in „Krušnohorský Herzgebirge Luft“, Josef Grimm übersetzte den Bericht ins Deutsche.

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rühbuß, etwa 886 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, lockte im Mittelalter Bergleute mit seinem reichen Zinnerzvorkommen an. Im Jahr 1347 sollen deutsche Siedler, die aus dem niedersächsischen Harzer Bergbaurevier stammten, die Siedlung gegründet haben. Diese Jahreszahl dürfte sich jedoch eher auf die Entdeckung von Zinnerz und die Ankunft der ersten saisonalen Bergleute beziehen, da das Gründungsjahr der Siedlung nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden kann. Die Herkunft des Ortsnamens wurde nie mit Sicherheit geklärt, die gängigste Deutung leitet sich von den Wörtern „frei“ und „Zubuße“ für Zuschlag ab. Die ersten Bergleute und Zinngießer konnten all ihre Betriebskosten selbst tragen, so daß sie nicht reicheren Menschen abhängig waren. Der Name kann auch aus dessen erstem Teil „früh“ gedeutet werden. Dann würde der Ortsname eine frühe Anstrengung, ein Opfer oder einen Aufwand ausdrücken. Aber es besteht auch die Möglichkeit, daß der Ort nach den ersten Siedlern des Stammes der Früepos benannt wurde, die auch aus den Goldminen im Böhmerwald bekannt sind. Nach Johann Mathesius stand der Bergbau in Frühbuß um 1400 in voller Blüte. Etwa im 15. Jahrhundert oder am Anfang des folgenden Jahrhunderts stand die Gründung einer dauerhaften Bergbausiedlung im Zusammenhang mit dem allmählichen Übergang vom Tagebau zum unterirdischen Bergbau. Die früheste schriftliche Erwähnung von Frühbuß stammt aus dem Jahr 1542. Im Jahr 1553 gewährte Graf Viktorin Schlick, der Besitzer

Oberer Stadtteil von Frühbuß.

Unterer Stadtteil von Frühbuß.

der Herrschaft Heinrichsgrün/ serte einzelne Gruben, die nach Abstützung oder den Bau von jährigen Krieges (1618–1648) Jindřichovice, Frühbuß in ei- Osten und Westen abzweigten. Pumpen. Holz wurde auch als erlebte der Bergbau einen erhebner Urkunde bestimmte Freihei- Man benötigte große Mengen universelles Baumaterial in der lichen Niedergang. Mit zunehten und Privilegien. Infolgedes- an Wasser für den Betrieb der gesamten Stadt benötigt. mender Tiefe der Gruben nahm sen wurde Frühbuß eine Leibei- Seifenminen sowie den Antrieb Die schnell wachsende Zahl die Schwierigkeit der Entwässegenenstadt. Man nimmt an, daß der Förder- und Pumpmaschi- von Zuwanderern und der Boom rung zu, und gleichzeitig sank Frühbuß kurz nach der Ausstel- nen, der Zerkleinerungsanlagen im Bergbau führten zur Entwick- die Zinnausbeute. lung dieser Urkunde sein erstes und der Zinnschmelze. Deshalb lung des Bergbaustädtchens, Ab der zweiten Hälfte des Wappen erhielt, welches neben wurde ein Erbgraben angelegt, zum Entstehen handwerklicher 17. Jahrhunderts wurden jedoch den SchlickAnstrengunSymbolen gegen unternomkreuzte Bergmen, um den bauhämmer Bergbau und und ein Hüdie Bedeutung geltrio mit eider Stadt zu nem Hirsch steigern. Dazu zeigte. Um das trug auch die BergbaugeTatsache bei, schäft und die daß die BergEinnahmen zu leute während kontrollieren, der Gegenregründete die formation nicht Familie Schlick aus religiö1556 ein Bergsen Gründen amt, welches nach Sachsen bis zum Jahr auswanderten. 1728 in FrühZwischen buß tätig war. 1698 und 1710 Entlang des erreichten der Rothau-Baches Bergbau und und am Fuß die Prosperität des Hartelsberder Bergwerke ges befanden im Frühbusser sich ZinnerzlaGebiet wahrgerstätten. Der scheinlich ihEine Gesamtansicht von Frühbuß im Erzgebirge um 1930. Bilder: Archiv Ulrich Möckel re größte Blüausgedehnteste Bezirk von tezeit, denn es Lagerstätten erstreckte sich zu der eine Länge von 5,5 Kilome- Zulieferbetriebe, zur Unterstüt- waren 17 bis 20 Zechen in Bebeiden Seiten der Gemarkungs- tern erreichte. Wann er begon- zung der Bergbauindustrie sowie trieb. Der Schwerpunkt des Ungrenze von Frühbuß und Sau- nen wurde, ist nicht bekannt. Mit zur Ausweitung und Einführung tertagebaus verlagerte sich von ersack, welche durch den Fluß hoher Wahrscheinlichkeit wur- des Abbaus anderer natürlicher Frühbuß an den nordöstlichen Rohlau bis nach Neuhaus mar- de er unter dem Grafen Schlick Ressourcen. Fuß des Hartelsberges. Das zweikiert wird. Die dort reiche Zinn- in der Mitte des 16. Jahrhunderts Die Entwicklung von Früh- te Erzvorkommen befand sich quelle war mit Lagerstätten und erbaut. buß spiegelt sich auch in der Kir- im Rothenmuth-Waldrevier etErzvorkommen in den Orten Vom 16. bis zum 20. Jahrhun- chenverwaltung. Bereits 1555 wa vier Kilometer nordwestlich Sauersack-West und Frühbusser dert war der Erbgraben ein wich- stand dort eine kleine Kirche, von Frühbuß. Auch am Osthang Kronesberg ausgestattet. Ange- tiges hydrologisches und öko- und 1567 folgte ein Pfarrhaus. Im des Frühbusser Kronesberges sichts der Ausdehnung der Ab- logisches Element in der Land- Jahr 1578 begann man mit dem zwei Kilometer nordwestlich von raumhalden muß es sich um ei- schaft. Nach dem Ende des Bau einer neuen Kirche. Die heu- Frühbuß wurden Zinnerze gefunnen umfangreichen Bergbau ge- Bergbaus nutzte ihn das Dorf als tige römisch-katholische Sankt- den. handelt haben. Wasserquelle: Er versorgte einen Bartholomäus-Kirche wurde um Im Jahr 1766 erhielt Frühbuß Einer der ältesten Bergbaube- großen Teil des oberen Frühbuß 1779 im Stil des Spätbarocks er- ungemein hohen Besuch. Kaitriebe in Frühbuß war der Erb- mit Wasser. baut. ser Jo­seph II. übernachtete vom stollen im östlichen Teil des ReNeben Zinn wurde in FrühEnde des 16. Jahrhunderts be- 17. auf den 18. Juni im örtlichen viers. Der Erbstollen verlief buß auch Stein gewonnen. Da- fand sich der lokale Bergbau in Pfarrhaus. vom Tal unterhalb des heuti- von zeugt auch der Ortsname einer Krise. Dort und in andeIn der zweiten Hälfte des gen Schwimmbades in Richtung Steinbruch am östlichen Rand ren Erzrevieren drückte die Krise 18. Jahrhunderts erlebte der des Rothau-Baches unterhalb von Frühbuß. Die Bergwerke hat- den Preis für Zinn. Die Tagebau- Bergbau erneut einen deutlides oberen Teils von Frühbuß, ten einen ständig hohen Holz- Erzvorkommen begannen zu ver- chen Rückgang. In den JahOberfrühbuß. Und er entwäs- verbrauch, unter anderem für die siegen. Mit Beginn des Dreißig- ren 1781 bis 1810 wurden noch

Der Gasthof zur Bleibe in der Mitte mit einem Teil der Schule rechts.

Marktplatz von Frühbuß.

115,2 Tonnen reines Zinn produziert. Aber in der zweiten Hälfte dieses Zeitraumes, also 1796 bis 1810, sank die jährliche Ausbeute von 6,4 Tonnen auf 0,7 bis 1,1 Tonnen. Die Ursache für den allmählichen Niedergang des Bergbaus lag sowohl in den steigenden Kosten für das Pumpen des Grubenwassers als auch in den Preisen für das Grubenholz aus den herrschaftlichen Wäldern. Ebenso lag es an der Erhebung einer Abgabe auf jeden Zentner produzierten Zinns. Um 1850 und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts versuchte man vergeblich, den Zinnerzbergbau wiederzubeleben und andere Rohstoffquellen zu erschließen. Im Laufe der Zeit gewann der Torf an Bedeutung. Nach 1812, als die Nostitzer Gutsbesitzer das Brennholz verteuerten, boomte die Torfgewinnung. Torf wurde hauptsächlich zum Heizen der Häuser und, in geringerem Umfang, zur Isolierung von Wohnungen verwendet. Eine neue Etappe des Zinnerzabbaus wurde 1906 eingeleitet, als in der Nähe von Frühbuß erneut nach Erz gesucht wurde. In der Zwischenkriegszeit setzte man die Experimente mit einigen Unterbrechungen fort. Im Dezember 1939 wurde das daraus entstandene Bergwerk schließlich an die Gewerkschaft Zinnwalder Bergbau mit Sitz im sächsischen Altenberg übertragen. Diese stattete das Unternehmen mit moderner Maschinentechnik aus. Das Deutsche Reich benötigte den Betrieb des Zinnbergwerkes und der Zinnaufbereitungsanlage Otto für Kriegs- und Industriezwecke. Dazu setzte man auch Kriegsgefangene ein. Von der Inbetriebnahme im Jahr 1942 bis Ende März 1945 verarbeitete die Aufbereitungsanlage über 46 000 Tonnen Erz. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ging das Bergwerk in die Verwaltung der Příbram-Erzgruben über. Fortsetzung folgt


Neudeker Heimatbrief

Sudetendeutsche Zeitung Folge 21 | 27. 5. 2022

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für die Heimatfreunde au+ Stadt und Landkrei+ Neudek Neudek

Abertham

Folge 633 · 5/2022

Bärringen

Frühbuß

Platten

Patenstadt Augsburg

Heimatkreis Neudek – Patenstadt Augsburg. Heimatkreisbetreuer: Heinrich Hegen, Pflugstraße 41, 86179Heimatkreisbetreuer: Augsburg, Telefon (08 21) XXXXXXX. Heimatmuseum Stadt und Kreis Neudek, Von-Cobres-Straße 5, 86199 Besichtigungstermine bei Heimatkreis Neudek in der Sudetendeutschen Landsmannschaft – Patenstadt Augsburg. Josef Grimm, Waxensteinstraße 78c, 86163 Augsburg, Telefon (08 21) 6Augsburg. 41 42, eMail grimm-augsburg@ Josef Grimm, Telefon (08 21) 6 41 42, eMail grimm-augsburg@t-online.de oder Dieter Thurnwald, Telefon (08 21) 88 05 55. Heimatgruppe „Glück auf“ Stadt und Landkreis Neudek – Vorsitzender: Heinrich Hegen. Neudeker Heimatbrief – Verantwortlich von t-online.de. Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek, von-Cobres-Straße 5, 86199 Augsburg; Besichtigungstermine bei Josef Grimm. Heimatgruppe Glück auf – Freunde des Heimatmuseums Stadt und Landkreis Neuseiten der Heimatgruppe: Dieter Thurnwald. Redaktion: Herbert Fischer, Hochstraße 8, 81669 München, Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail neudeker@sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. dek in Augsburg, eMail heimatgruppe-glueckauf@t-online.de, Internet www.heimatgruppe-glueckauf.de – Vorsitzender und zuständig für den Neudeker Heimatbrief: Josef Grimm. Redaktion: Lexa Wessel, eMail neudeker@ Erscheint achtmal jährlich im Abstand von etwa sechs Wochen. Jahresbezugspreis 25,00 EUR. Redaktionsschluß für die nächste Ausgabe: Mittwoch, 14. März. sudeten.de. Mit Namen gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Jahresbezugspreis 31,25 EUR. Konto für Bezugsgebühren und Spenden: Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft, Stadtsparkasse München – IBAN: DE69 7015 0000 0906 2126 00, BIC: SSKMDEMMXXX. Redaktionsschluß für Folge 634 (6/2022): Mittwoch, 25. Mai.

Heimatgruppe „Glück auf“ und „JoN“ beim 72. Sudetendeutschen Tag in Hof

Sudetendeutscher Tag Die Heimatgruppe „Glück auf“ und der Verein „Jde o Nejdek – Es geht um Neudek“ („JoN“) werden an den Pfingstfeiertagen vom 3. bis 5. Juni mit einem Gemeinschaftsstand beim 72. Sudetendeutschen Tag im oberfränkischen Hof dabei sein.

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wei Jahre mußten wir coronabedingt eine Pause machen. Jetzt können die Heimatgruppe „Glück auf“ – Freunde des Heimatmuseums Stadt und Landkreis Neudek in Augsburg und der tschechische Verein „Jde o Nejdek – Es geht um Neudek“ wieder mit einem ge-

meinsamen Stand beim Sudetendeutschen Tag auftreten. Im Jahr 2013 rümpften darüber noch manche Besucher die Nase. Doch inzwischen ist der deutsch-tschechische Gemeinschaftsstand eine Selbstverständlichkeit. Die Heimatgruppe „Glück auf“ wird auf einem Moni-

Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, in der Mitte mit dem „Neudeker Heimatbrief“ beim Neudek–Nejdeker Gemeinschaftsstand zu Pfingsten 2019 beim Sudetendeutschen Tag in Regensburg. Vorne Josef Grimm, Anita Donderer und Herbert Götz († 2020) von der Heimatgruppe „Glück auf“. Daneben Sonja Bourová und hinten Dr. Pavel Andrš und Hans Kemr von „JoN“. Bild: Ulrich Möckel

tor ihre Webseite unter www. heimatgruppe-glueckauf.de präsentieren sowie das Heimatmuseum Stadt und Landkreis Neudek in Augsburg-Göggingen vorstellen. Weiter wird sie Einblicke in die Transportlisten der Vertreibung von 1946 aus der kreisfreien Stadt Eger und den Landkreisen Eger, Elbogen, Falkenau, Graslitz, Karlsbad und Neudek geben. Zudem wird sie für den Besuch des Heimatmuseums, die Mitgliedschaft in der Heimatgruppe und den Bezug des Neudeker Heimatbriefes werben. Der tschechische Verein „JoN“, welcher sich insbesondere um den Erhalt deutscher Kulturgüter in und um Neudek kümmert, wird seine Veröffentlichungen vorstellen, darunter auch etliche deutsche Heimatbücher in tschechischer Übersetzung. Zudem wird er durch vielfältiges Prospektmaterial für den Besuch der Stadt Neudek und ihrer Umgebung werben. Der Verein „JoN“ und die Heimatgruppe „Glück auf“ freuen sich auf zahlreiche Besucher ihres gemeinsamen Standes. Josef Grimm

Maiandacht in der Sankt-Laurentius-Kirche G

läubige aus der kleinen katholischen Gemeinde im benachbarten Johanngeorgenstadt in Sachsen kamen bisher jedes Jahr am 1. Mai nach Platten, um mit Katholiken aus anderen sächsischen Gemeinden und aus den umgebenden böhmischen Ortschaften die traditionellen Maiandachten einzuläuten. Pfarrer Dominikus Goth aus Schwarzenberg feierte bisher mit ihnen den Gottesdienst. Die Corona-Pandemie unterbrach zwei Jahre lang diese Tradition. Heuer war es aufgrund der abebbenden Corona-Entwicklung wieder möglich, die Tradition fortzusetzen. Diesmal feierte Pfarrer Winfried Kuhnigk aus der neuen Pfarrei Aue (bestehend aus den ehemaligen Pfarreien Aue, Schwarzenberg, Stollberg und Zwönitz)

den Gottesdienst, da Pfarrer Goth nach Freiberg wechselte. Die heimatverbliebene Deutsche Ludmila Anderle zählte etwa 25 deutsche und tschechische Gottesdienstbesucher. Die etwa 400 Gläubige fassende Barockkirche des Heiligen Laurentius hatte die Fährnisse der Vertreibung und der kommunistischen Zeit unbeschadet überstanden. Allerdings waren es deutlich mehr Besucher als in der benachbarten Aberthamer Kirche Zu den 14 Heiligen Nothelfern, die überwiegend mit deutschen Spendengeldern renoviert worden war. Dort finden sich meist nur zwei bis vier Gläubige zu den Gottesdiensten ein. Im Anschluß an die Maiandacht trafen sich die deutschen und tschechischen Gottesdienstbesucher in Platten in der gegenüberliegenden Gaststätte Blauer Stern zu einem gemütlichen Beisammensein. Pfarrer Kuhnigk schrieb uns, daß auf Initiative der Johanngeorgenstädter Katho-

SL-Altkreis Schlüchtern/Hessen

Kleines Neudeker Treffen

Bergstadt Platten

Nach zweijähriger Corona-Pause fand in der Kirche des Heiligen Laurentius in der Bergstadt Platten am Sonntag, 1. Mai, wieder eine Maiandacht statt.

Die hessische SL-Kreisgruppe Schlüchtern mit Landesobmann Markus Harzer (unten rechts) beim Kleinen Neudeker Treffen.

Nach drei Jahren coronabedingter Pause fand Mitte Mai wieder ein Kleines Neudeker Treffen des hessischen SL-Altkreises Schlüchtern statt.

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Die Maiandacht am 1. Mai in Sankt Laurentius. liken außer der Maiandacht in Platten auch jeden Palmsonntag um 15.00 Uhr eine Kreuzwegandacht in Neudek gefeiert werde. Zudem werde im Sommer eine Heilige Messe an der wieder aufgebauten Kapelle des Heiligen Johannes von Nepomuk im böhmischen Halbmeil gefeiert. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Halbmeil 1919 der neuen

Die Straße nach Bergstadt Platten, in der Mitte der Turm der Sankt-Laurentius-Kirche.

Bild: Ludmila Anderle

Tschechoslowakei zugeschlagen. Aufgrund des Münchner Abkommens gehörte der Ort von 1938 bis 1945 zum Landkreis Sankt Joachimsthal im Regierungsbezirk Eger. Die deutsche Bevölkerung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet und vertrieben. Alle Gebäude wurden bis 1953 restlos abgerissen. Heute ist Halbmeil mit Seifen nach Gottesgab eingemeindet. Es liegt direkt an der Grenze zu Sachsen auf 900 Metern Höhe. Die Grenze trennt den Ort vom sächsischen Halbemeile, ein Ortsteil von Breitenbrunn im Erzgebirge. Die Kapelle Sankt Johannes von Nepomuk wurde 2013 an alter Stelle wieder aufgebaut. An der Himmelswiese können Wanderer, Fahrradfahrer und Skiläufer die Grenze passieren. Ein beliebtes Ausflugsziel ist die Gaststätte U Červené lišky/ Roter Fuchs in Streitseifen. Der Erzgebirgszweigverein Breitenbrunn hat 2004 historische Erläuterungstafeln aufgestellt. Josef Grimm/nh

arkus Harzer, Obmann der SL-Landesgruppe Hessen und Nachkomme einer im Jahr 1946 aus Neudek vertriebenen Familie, hatte dazu in das Hotel Stadt Schlüchtern eingeladen. Bei Kaffee und Kuchen verbrachten die Gäste einen kurzweiligen und interessanten Nachmittag. Bücher und alte Fotografien wurden betrachtet, und es herrschte ein reger Austausch an Erinnerungen. Man erzählte vom Spitzenklöppeln, aber auch von

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dem Transport im Viehwaggon zum Auffanglager nach Mottgers, heute ein Ortsteil der Gemeinde Sinntal im osthessischen Main-Kinzig-Kreis, und der anschließenden Verteilung in die umliegenden Dörfer. Daß die Verbundenheit zur angestammten Heimat aber immer noch besteht, war deutlich zu spüren. Die Neudeker und ihre Nachkommen statten der heute tschechischen Stadt regelmäßig Besuche ab. Letztendlich ist es nicht verwunderlich, daß für das nächste Jahr ein gemeinsamer Ausflug nach Neudek und Umgebung geplant ist. Antje Hartelt

rühling am Tüppelsgrüner Teich. Er liegt in einer angenehmen Waldumgebung sieben Kilometer nördlich von Karlsbad. Die Strände sind grasbewachsen. Der Teich dient auch der Fischzucht. Bild: Gunter Heyer


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Sudetendeutsche Zeitung Folge 21 | 27. 5. 2022

Dux

Ladowitz

Klostergrab

Ossegg

für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau

Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolz­hofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H ­ eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den See­gärten 35a, 63920 Großheubach, Tele­fon (0 93 71) 9 94 01, eMail ­klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schön­au – Paten­stadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-­schoenau-freunde.org. Redak­tionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de

� Künstler und umtriebiger Kreisbetreuer

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eboren wurde er 1942 in Teplitz-Schön­ au. Sein Vater Josef war Tscheche. Seine deutsche Mutter Hilde stammte aus dem früh verwüsteten Ort Radowesitz im Nachbarkreis Bilin. Auch Ehefrau Renate, geborene Seebeck, ist aus Teplitz-Schönau. Die gelernte Floristin und der Hotelfachschulabsolvent verließen wegen trüber Zukunftsaussichten 1964 die Heimat in Richtung Westdeutschland. Nach einem Zwischenspiel an der Nordsee heuerte Spacek Ende der sechziger Jahre im Münchener Restaurant Goldene Stadt am Sendlinger Tor an und verhalf dessen böhmischer Küche zu ihrem guten Ruf. 1968 kam Sohn Thomas zur Welt. Allerdings zeigte er wenig Neigung für die Gastronomie, weshalb ihm sein kluger Vater abriet, in seine Fußstapfen zu treten. Spacek: „Wer diesen anstrengenden Beruf nicht wirklich will und liebt, wird ihn auch nicht erfolgreich ausüben können.“ Und so stieg Spacek junior ins Bankfach und in die Betriebswirtschaft ein. 1976 eröffnete der Senior in der Münchener Ungererstraße das Sankt Wenzel, sein erstes eigenes Restaurant. Hier entwickelte er eine Nouvelle Cuisine bohèmienne, die in der böhmischenundmährischenTradition wurzelt, aber der ursprünglichen Opulenz mit einfallsreicher Raffinesse begegnet. 2004 verlegte Spacek sein Restaurant in die Amalienstraße 20. 2009 verkleinerte er sich auf das kleine, aber feine Bistro Hardy in der Amalienstraße 53 bei der Universität, das er bis Juni 2012 betrieb. Danach begann er, unterstützt von Fürst Hieronymus von Clary und Aldringen und dessen Bruder Graf Christian, erfolgreich die Wiederbelebung des Heimatkreises Teplitz-Schönau, über den die Stadt Frankfurt am Main die Patenschaft hatte. Als Zweisprachler nahm er sofort politische Kontakte in die Heimatstadt auf und rief die Landsleute 2014 zum ersten dortigen Heimatkreistreffen. Heuer findet es bereits zum achten Mal statt (Ý Termine). Darüber hinaus gründete er den Verein Teplitz-Schönauer Freundeskreis.

Er hat bei seinem zurückgekehrten Bruder Peter ein Standbein in Aussig. Doch mittlerweile sind Erhard und Renate Spacek ins sächsische Pirna gezogen. Die Stadt liegt rund 25 Kilometer Luftlinie von Teplitz-Schönau entfernt an der schollentektonischen Nahtstelle von Erzgebirge und Westsudeten, die sich nach Westen zum Grabenbruch des Elbtalkessels weitet. Nun ist nicht nur Peter, sondern sind auch Renate und Erhard Spacek quasi heimgekehrt. Volksgruppensprecher Bernd Posselt gehörte zu den Stammgästen von Erhard Spacek und bewundert ihn außerdem als eine der kulturell tragenden Persönlichkeiten in der grenzüberschreitenden Arbeit mit Böhmen: „Erhard Spacek, den ich seit Jahrzehnten kenne und schätze, ist ein wahrer Künstler. Dies bezieht sich auf seine sehr geschmackvolle Gemäldesammlung, auf seine Fähigkeit, grenzüberschreitend Brücken zu schlagen und Menschen miteinander zu verbinden, nicht zuletzt aber auch auf seine Kochkunst. Als Koch in der legendären Goldenen Stadt, dem einstmals berühmtesten böhmischen Lokal in München, als Chef des nicht minder legendären Sankt Wenzel, einem Treffpunkt der Genießer und der Prominenz und als gastfreundlicher Wirt in den Nachfolgelokalen hat er Generationen von Menschen mit böhmischen und nichtböhmischen Wurzeln kulturell und kulinarisch maßgeblich geprägt. Sein Buch über die „Neue böhmische Küche“, dessen Herausgabe ich mit unserem verstorbenen Landsmann Herbert Fleißner mit herbeiführen durfte, wurde zum Standardwerk. Wer je eine von ihm zubereitete Martinsgans gegessen hat, weiß: Deren Qualität war zumindest im deutschen Sprachraum, aber auch darüber hinaus, unerreicht. Daß er sich jetzt mit ganzer Kraft und Heimatliebe in die Gemeinschaft der Teplitzer als deren Vorsitzender und Motor einbringt, ist des Dankes der Volksgruppe wert. Ich freue mich auf eine weitere gute Zusammenarbeit und wünsche ihm alles Gute und Gottes Segen zum Geburtstag.“ Diesen Wünschen schließen sich die Mitglieder des Heimatkreises und des Freundeskreisvereins Teplitz-Schönau von Herzen an und freuen sich auf ein Wiedersehen beim Sudetendeutschen Tag zu Pfingsten im oberfränkischen Hof. Nadira Hurnaus

Teplitz-Schönau

Graupen

Niklasberg

� Königswald – Teil I

Erhard Spacek 80 Am 29. Mai feiert Erhard Spacek, Betreuer des Heimatkreises Teplitz-Schönau, Vorsitzender des Teplitz-Schönauer Freundeskreisvereins, Gastronom, Starkoch und Kunstsammler, im sächsischen Pirna seinen 80. Geburtstag.

Bilin

Tag der offenen Tür in der Botschen-Kapelle Nachdem es nun weniger Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie gibt, öffnen sich wieder Tür und Tor zu Veranstaltungen in größerem Rahmen. So hatte der Verein im Rahmen der Erneuerung der Botschen-Kapelle in Königswald zu einem Besuch dieser Grabkapelle der ehemaligen Unternehmerfamilie für Ende April eingeladen. Jutta Benešová berichtet.

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er Verein versucht seit 2017 die Grabkapelle mit Krypta, welche von 1899 bis 1900 von Friedrich Wilhelm Botschen errichtet wurde, zu retten. Die Kapelle, wohl die erste Kapelle dieser Art im Jugendstil in Nordböhmen, war im Verfall begriffen und drohte unterzugehen. Nach und nach gelang es, finanzielle Mittel zur Rettung dieses seltenen Gebäudes zu erlangen, zunächst für den Erhalt des Äußeren. Seit dem Frühjahr 2022 hat die Kapelle nun ein neues Dach, dazu kam die Erneuerung des kleinen Turmes. Der Turm wurde bei der Renovierung auseinandergenommen. Die noch verwendbaren Teile wurden aufbewahrt und mit neuem Blech verkleidet. Lukáš Balog erneuerte das Dach, den Turm, sowie eine Abdeckung über dem Eingang und der Krypta. Auch die Vitrage-Fenster wurden von dem

Restaurator Jan Kargo erneuert. Der Bezirk Aussig/Ústí nad Labem, die Stiftung Bürgerforum, die Stiftung Friends of Czech Heritage aus Großbritannien, die Gemeinden Königswald, Tyssa und Petersdorf, der Verein Tyssa, die Mikroregion Elbe/Labe sowie private Spender und öffentliche Sammlungen unterstützten finanziell diese bisherigen Erneuerungen. Nachmittags bei Sonnenschein fanden sich zahlreiche Besucher ein. Zu ihnen gehörte auch der Kulturreferent und Stellvertretende Bezirkshauptmann Jiří Řehák. Doch zunächst berichtete Jana Davidová als Mitglied des Vereins über die Geschichte der Botschen-Kapelle. Anschließend trat eine Schülergruppe der Königswalder Grundschule mit einem symbolischen Spiel über den Wiederaufbau der Kapelle durch fleißige Zwerge auf. Die Anwesenden begleiteten es mit viel Beifall. Später sorgte auch noch ein Chor für Unterhaltung, und ein Grill im Freien sorgte für die Verköstigung. Friedrich Wilhelm Botschen, dem wir diese Kapelle zu verdanken haben, wurde 1829 in Viersen in Nordrhein-Westfahlen in die Familie eines Tuchmachers geboren. Sein Lebensweg war damit quasi vorherbestimmt: Bot-

Der Innenraum der Botschen-Kapelle. schen erlernte das Tuchmacherhandwerk.

Während seiner Wanderjahre mit seinem Bruder Johann gelangte er nach Böhmen, nach Petersdorf. Dort gründeten beide 1853 eine Samt- und Seiden-Wäscherei. Friedrich Wilhelm übersiedelte im Jahr 1862 mit seiner unterdessen gegründeten Familie nach Königswald. Friedrich Wilhelm Botschen war zweifellos ein fähiger und erfolgreicher Unternehmer. Er gründete in Königswald die Seidenwaren- und Samtfabrik, die 300 Angestellte hatte und eine hohe Exportkapazität verzeichnete. Er kümmerte sich auch um das Geschehen in Königswald. Nach 1899 wurde er Gemeinderat. Mit 150 000 Kronen gründete er einen Fonds, welcher die Tuchmacher und deren Familien unterstützte. Als Mäzen der hiesigen Kirche beteiligte er sich mit einem erheblichen Betrag an der Ausstattung der Königswalder Kirche mit Buntglasfenstern im Altarraum sowie an einem neugotischen Altar. Doch der Kassierer der Spar- und Vorschußkasse veruntreute einen hohen Geldbetrag, und die Gemeinde geriet in Schwierigkeiten. Fortsetzung folgt

des neuen Altars mit dem Leitmeritzer Bischof Jan Baxtant; anschließend Buffet und Getränke im Presbyterium der Kapelle. Sonntag eigene Heimreise. Änderungen vorbehalten. Kostenbeitrag inklusive drei Übernachtungen, Frühstück, bewachtem Parkplatz, Bus, allen Mahlzeiten, Besichtigungen, Führungen, und Konzert pro Person im Doppelzimmer 420 Euro, im Einzelzimmer 480 Euro. Getränke au-

ßerhalb des Frühstücks und Konzerts auf eigene Rechnung. Verbindliche Anmeldung bis Sonntag, 22. Mai, durch Überweisung des Reisepreises auf das Konto Erhard Spacek – IBAN: DE35 7008 0000 0670 5509 19, BIC: DRESDEFF700. Bitte Anschrift und Namen der Reiseteilnehmer angeben, sonst Mitteilung mit diesen Angaben an eMail spacek@teplitz-schoenau -freunde.org

Die Aufführung der Königswalder Schüler bei der Botschen-Kapelle.

TERMINE n  Montag, 13. bis Donnerstag, 16. Juni: Übernachtungsangebot des Teplitzer Kurhauses Beethoven. Auskunft und Buchung: Michal Sincak, eMail: info@lazneteplice.cz n  Donnerstag, 16. bis Sonntag, 19. Juni: 8. Kreistreffen in der Heimat. Donnerstag eigene Anreise nach Teplitz-Schönau, Hotel Prince de Ligne (Zámecké náměstí 136); 17.00 Uhr dort Abendessen; 19.00 Uhr kon-

zertante Aufführung der Oper „Bergmönch“ von Jo­seph Wolfram (1789–1839), Komponist und Teplitzer Bürgermeister, in der Nordböhmischen Philharmonie (10 Euro bitte beim Abendessen bezahlen). Freitag 9.00 Uhr Abfahrt zur Talsperre Flayh mit Besichtigung der Sankt-Johannes-der Täufer-Holzkirche; Mittagessen in Teplitz-Schönau; anschließend Spaziergang mit Jutta Benešová und Besichtigung

der Stadtbibliothek, Seumekapelle und Sankt-Elisa­ beth-Kirche; Fahrt nach Ossegg; dort Abendessen im Brauereigasthof Zum schwarzen Adler. Samstag 9.00 Uhr Abfahrt

nach Aussig; dort Besuch der Ausstellung „Unsere Deutschen – naší němci“ im Stadtmuseum; Rückfahrt über das Mittelgebirge zum Mittagessen; 18.00 Uhr festliches Konzert in der Beuroner Kapelle zur Einweihung


HEIMATBOTE

Sudetendeutsche Zeitung Folge 21 | 27. 5. 2022

Bischofteinitz

FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ

Ronsperg

19 Hostau

Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

34. Treffen des Heimatkreises Bischofteinitz in der Patenstadt Furth im Wald/Kreis Cham von Donnerstag, 16. Juni, bis Samstag, 18. Juni Festprogramm Donnerstag,16. Juni 8.30 Uhr: Gottesdienst und Fronleichnamsprozession 11.00 Uhr: Glockenspiel 15.00 Uhr: Dankandacht in der Kreuzkirche mit Orgelbegleitung 16.00 Uhr: Totengedenken am Ehrenhain 18.00 Uhr: Glockenspiel Freitag, 17. Juni Der Freitag steht schon seit vielen Jahren für die Besuche in der Heimat zur Verfügung. So auch in diesem Jahr. 11.00 Uhr: Glockenspiel 14.00 Uhr: Heimatgottesdienst in Heiligenkreuz 18.00 Uhr: Glockenspiel Samstag, 18. Juni Der Samstag bietet die Möglichkeit zum Gespräch im Rathaus unserer Patenstadt. 10.00 Uhr: Mitgliederversammlung im Großen Sitzungssaal des Rathauses Tagesordnung 1. Begrüßung 2. Grußworte 3. Totengedenken 4. Tätigkeitsberichte der Vorstandsmitglieder 5. Bericht der Kassenprüfer 6. Entlastung des Vorstanden 7. Neuwahl des Vorstandes 8. Beratung und Beschlußfassung über Anträge, die bis Juni schriftlich vorgelegt wurden 9. Festsetzung des Mitgliedsbeitrages für 2020 und 2021 10. Beratung über Wünsche und Anregungen 11.00 Uhr: Glockenspiel 15.00 Uhr: Festakt im Großen Sitzungssaal des Rathauses 18.00 Uhr: Glockenspiel Änderungen vorbehalten

Fronleichnamszug 2016 in Furth im Wald mit Resi Pawlik, Günter Gröbner, Peter Pawlik, Karl-Heinz Loibl, Fahnenträger Georg Naujokas, Peter Gaag und Marta Klement. Resi Pawlik und Marta Klement tragen die heimatliche Kirchentracht. Bild: Johann Dendorfer

Rudolf Kiefner war lange Jahre Ortsbetreuer von Ronsperg und Heimatkreisbetreuer von Bischofteinitz. Hier schildert er Erlebnisse im Kouzenweiher.

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ine große Freude bereitete uns immer Dr. Gruber, wenn er uns beim Besuch seiner auswärtigen Patienten im Auto mitnahm. Einst fuhr er zu einer Geburtshilfe nach Hostau, und Heini, Waldemar und ich durften mit. Beim Kouzenweiher setzte er uns ab. Dieser war gerade abgelassen, und die Arbeiter vom Meierhof Wellowitz waren dabei, die gefangenen Fische abzutransportieren. Glücklicherweise entdeckten wir im Schlammtümpel des fast

Freiwillige stellten umgefallene Grabsteine auf.

Bilder: Karl Reitmeier

Die eingerüstete Sankt-Nikolaus-Kirche.

Schüttwa

Ein Dorf wird immer schöner Am Pfingstsamstag enthüllt der Ronsperger Ortsteil Schüttwa die von Bildhauer Jaroslav Šindelář geschaffene NikolausStatue mit einem großen Fest.

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chüttwa macht seit einigen Jahren mit Verschönerungsarbeiten auf sich aufmerksam. Ein Beispiel ist die Errichtung eines Denkmals für Johannes von Schüttwa, alias Johannes von Saaz oder Tepl. Ein zweites Beispiel ist die andauernde Renovierung der Nikolaus-Kirche. Nun folgt mit der Enthüllung der neuen Nikolaus-Statue ein drittes Beispiel. Am Nachmittag des Pfingstsamstags wird die nahe der Kirche errichtete Statue im Rahmen eines deutsch-tschechischen Blasmusiknachmittags im Dorfpark feierlich enthüllt. Ihr Schöpfer ist der bekannte Bildhauer Jaroslav Šindelář. Zu den Feierlichkeiten laden der rührige Verein Nikolaus unter der Leitung von Ivo Dubský, das Kulturzentrum von Ronsperg und das Centrum Bavaria Bohemia im oberpfälzischen Schönsee ein. Zunächst wird Ivo Dubský die Gäste und Schaulustigen begrüßen. Danach wird Jaroslav Šindelář sein Werk vorstellen, und die Ehrengäste werden Grußworte sprechen. Zu diesen Ehrengästen wird natürlich auch Franz Metschl, der Ortsbetreuer von Schüttwa, gehören. Der ist übrigens immer noch froh erstaunt, wie viel Gutes in seiner Heimat dank der Initiative des Vereins Nikolaus geschieht. Das hätte er niemals für

möglich gehalten. Den Grußwor- hof. Der Friedhof ist sauber auften werden die feierliche Enthül- geräumt. Weitere umgefallene lung und die Segnung der Sta- Grabsteine, die noch halbwegs tue folgen. Und dann werden die in einem guten Zustand waren, Grenzland-Blaskapelle Dieters- waren wieder aufgestellt wordorf und die Kapelle Vrchovanka den. Dabei hatten die Helfer vor aus Mraken aufspielen. Ort die dazugehörigen, zerschlaDer Eintritt ist frei, und natür- genen Schrifttafelstücke gelich wird auch für das leibliche sucht, sie zusammengesetzt und Wohl gesorgt. Das gesamte Pro- dann die Tafeln in die Vertiegramm wird in eifung der jeweilinem großen Zelt gen Grabsteine veranstaltet wereingeklebt. „Eiden. Ivo Dubský ne wirklich diffiwürde sich freuzile Arbeit“, stellen, wenn auch te Metschl andie Nachfahren erkennend fest. der ehemaligen Das ErstaunliBewohner von che sei für ihn, Schüttwa und daß sich aus der viele Besucher Umgebung von aus dem bayeriSchüttwa Leute schen Grenzehrenamtlich für raum kämen. diese Arbeiten Inzwischen hat engagierten. sich in Schüttwa Metschl freuauch anderweite sich auch, daß tig wieder einidie Kirchenrenoges getan, wovon vierungsarbeiten sich Ortsbetreuweiter fortschriter Franz Metschl ten. Die Kirche bei einem Bebekomme einen such überzeugte. Stromanschluß, Dabei begleitete und die Reparaihn Ivo Dubský, turen im Inneren der eigens aus des Turms und in Pilsen gekomder Sakristei ginmen war. Der Kirgen weiter. Diechenaufgang war ses Jahr beginvon Unrat gereinen die Arbeiten nigt worden und im Kirchenschiff, präsentiert sich was Metschl als nun ansehnlich ein schwieriges und gut zugäng- Die Nikolaus-Statue von Jaros- Vorhaben belich zum Fried- lav Šindelář. zeichnete. Was

Ronsperg

Der Kouzenweiher und seine Karpfen leeren Weihers noch ein paar pfletschende Karpfen, die wir sofort fangen wollten. Bald aber blieben unsere Stiefel im Schlamm stecken, so daß wir in Strümpfen weiterfischten, zumal wir die Stiefel, wie wir plötzlich feststellten, als Aufbewahrungsbehälter für unsere Beute benötigten. Daheim würden wir uns dann einen Waschtrog für sie

borgen, wo wir sie beim Schwimmen prima beobachten könnten. Langsam begann es dunkel zu werden. Wo nur Dr. Gruber so lange blieb? Ich bekam Angst und fing an zu weinen. Mein Bruder, der zum Glück Streichhölzer dabei hatte, lief Richtung Hostau und steckte immer wieder ein Streichholz an. Heini beruhigte mich, das sei das Licht

ihn besonders freue, so Metschl, sei die Tatsache, daß voraussichtlich im Juni mit der Restaurierung des Schüttwaer -Nikolausbildes begonnen werde, das derzeit in der Kirche von Ronsperg hänge. Als den Höhepunkt seines Besuches sah der Ortsbetreuer die neugeschaffene Nikolausstatue an, die Anfang Juni eingeweiht werde. Ivo Dubsky bittet die Schüttwaer zur Einweihung zu kommen. Wer Interesse habe, solle sich bei Josef Macht, Telefon (0 62 82) 15 00 oder Franz Metschl, Telefon (0 98 61) 7 39 08 melden. Bei genügend Anmeldungen könnte vielleicht ein Bus eingesetzt werden. Der Ortsbetreuer würde sich freuen, wenn viele Leute an der Einweihungsfeierlichkeit teilnähmen. „Es ist doch immerhin unser Kirchenheiliger“, so Metschl. Diese Statue stehe an einem schönen Platz und schaue von dort über Schüttwa bis hinüber nach Parisau und weiter. Ortsbetreuer Metschl hatte noch einen Grund zur Freude. Für einen Gedenkgottesdienst für die verstorbene Anna Riehl habe er von dem Anwesen 42 im heutigen Schüttwa Heimaterde für eine Blumenschale bekommen, die auf ihr Grab gestellt worden sei. Anna Riehl habe sich große Verdienste bei der Gründung einer Schüttwaer Dorfgemeinschaft erworben. Sie und ihre Familie seien dem Projekt Schüttwa immer aufgeschlossen gegenüber gestanden. Karl Reitmeier vom Auto. Dann kam doch endlich das Auto. Wir wurden nicht wenig bestaunt und dann eingeladen. Zu Hause meldeten wir uns, freudestrahlend und stolz auf unsere Beute, bei der Mutter im Geschäft. Aber ach! Sie schlug die Hände über dem Kopf zusammen. „No(n, su ra poa(r Dreckspäutzn“, rief sie. Und wäre nicht gerade Frau Wolrab als rettender Schutzengel genaht, hätte sie uns garantiert anständig „durchliniert“. Wir sahen aber auch aus! Voll Schlamm von Kopf bis Fuß. Wären wir an die Wand geschmissen worden, wären wir kleben geblieben. Und in den Waschtrog kamen nicht unsere Fische, sondern wir Jungen.


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Heimatbote für den Kreis Ta<au

Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstra­ße 21, 83352 Altenmarkt, Tele­fon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl­ @online.de. In­ter­net www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de

� Haider Loreto

Deutsche Gottesdienst-Saison eröffnet Am Vortag eines der Landespatrone, des heiligen Johannes von Nepomuk, wurde am Sonntag, 15. Mai die diesjährige Saison der deutschsprachigen Gottesdienste im Haider LoretoHeiligtum eröffnet.

P Der Wegweiser …

… die Wanderer mit Pfarrer Georg Hartl in ihrer Mitte und einigen Wegsteinen zu ihren Füßen …

… und das Marterl.

farrer Georg Hartl aus Waidhaus und Pfarrer Klaus Oehrlein von der Ackermann-Ge-

� Sonntagsspaziergang mit Pfarrer Georg Hartl

Molgauer Marterl und Sankt-Apollonia-Kirche Das Interesse der Sonntagswanderer um den Waidhauser Pfarrer Georg Hartl galt diesmal dem Waldgebiet südlich von Pfraum­berg.

rechts daneben könnten Waldabteilungen markieren.

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o begann der Fußweg unter dem Schafberg, bei einem der pilzartigen tschechischen Großwegweiser, der blauen Markierung folgend. Schon bald blieb links der Wald zurück, und es bot sich ein schöner Ausblick auf den Galgenberg. Bei mäßiger Steigung nahe der Kuppe des Weizenberges überraschte plötzlich rechter Hand ein steinernes Monument, offensichtlich frisch restauriert, und gekrönt von einem schwarzen Eisenkreuz mit goldfarbenem Korpus. Die Inschrift am Sockel lautet: „Diese Statue hat die Gemeinde Molgau verlobt 1794.“ Die niedrigen Steine links und

Die Kirchenruine Sankt Apollonia.

entlang, und, eingerahmt, vom frischen Grün des Buchenwaldes, begrüßte die wunderschöne Kirchenruine Sankt Apollonia, die Spaziergänger. Die Entstehung dieses Gotteshauses geht auf verschiedene Heilungen bei Augenleiden zurück. Da der Zustrom zum Heilbrunnen immer größer wurde, ließ der Gutsherr Georg Maximilian Graf von Lindelo den kleinen Gnadenbrunnen ausmauern und überdachen. Vor allem aber erbaute er an Stelle der verfallenen Kapelle das neue heutige Kirchlein, das am 10. Dezember 1670 vom Bischofteinitzer Erzdechant Crecinus geweiht wurde. Auf selbem Wege kehrten die Ausflügler zu den Autos zurück. Das nächste Ziel wird Neuzedlisch sein mit Besichtigung von Kirche und JudenBilder: Siegfried Zeug friedhof. Siegfried Zeug

Nun ging es nur noch bergab, westlich am Molgauer Berghang

Pfarrer Georg Hartl vor dem Klattauer Altar, oben ein Deckengemälde vom heiligen Johannes von Nepomuk im Kreuzgang der Loreto-Anlage. Bilder: Klaus Oehrlein

� Ernst Schmutzer: „Labant unter amerikanischer Besetzung und tschechischer Verwaltung 1945/1946“ – Teil VII

Tschechen suchen SS-Mann in Schmutzer-Haus Sudetendeutscher Tag 2022 – Festabzeichen

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ald erschien ein tschechisches Militärfahrzeug mit bewaffneten Soldaten, von denen sich die Frauen bedroht fühlten. Zur gleichen Zeit fuhr auch ein USA-Militärfahrzeug vor, beobachtete aber nur. Nach langem Hin und Her mußten die Lebensmittelkarten doch angenommen werden. Wie ich kürzlich aus vertraulichem Mund erfuhr, zeigte ein älterer Labanter, der nicht aus dem Antifa-Milieu kam, bei der Gendarmerie in Pfraum­berg an, in Labant versteckten sich zwei Angehörige der Waffen-SS. Einer war der Sohn eines unserer Nachbarn, mit dem uns nachbarliche Freundschaft verband. Kurz darauf fuhr gegen Abend in Labant ein tschechisches Rollkommando ein und hielt in der Nä-

daten ausgelöster schrecklicher Lautstark schrie er: „Dieses Lärm los, und unser Großvater- Haus wird jetzt sofort gründHaus wurde von mit Handfeuer- lich durchforscht. Wird der von waffen ausgerüsteten Soldaten Ihnen offensichtlich versteckumstellt. te nachbarliche SS-Mann gefunDer Kommandant des Trupps den, werden Sie alle augenblickbefahl uns sechs im lich standrechtlich erHaus befindlichen schossen.“ Menschen derb, Ich zitterte veauf die Strahement vor ße mit ReiAngst und henaufstelAufregung, lung an der ob der geHauswand suchte Anzu gehen. dreas nicht Mit erhobedoch, von i n d et ner Pistole seinem Elüberwnzen G re erklärte er, ternhaus daß ein junkommend, I ger Mensch am über unseren N U Dachfenster entZaun gesprunJ . 6 3. B I S deckt worden sei, gen sein könnte und der einer der gesuchten sich wirklich versteckt SS-Leute zu sein scheine. Mei- haben mochte. Nach etwa einer Versicherung, daß ich dieser ner Viertelstunde kam der Such­ Mensch gewesen sei, und mei- trupp ohne Sucherfolg aus dem nen Vater gesucht habe, glaubte Haus. Wir wurden frei gegeben, er nicht. zumal inzwischen mein Vater aus

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he des Gemeindeamtes an, um den Bürgermeister zu sprechen. Mein Vater wußte nichts von Anzeige und Aufenthalt der Gesuchten. Haus für Haus wurde durchsucht, wobei große Angst und Aufregung aufkamen. In Labant standen 1931/1932 zwei neue, den Familien Schmutzer gehörende Häuser einander gegenüber. Sie trugen die Nummern 144 und 68. In Nummer 144 wohnten meine Eltern Johann und Anna Schmutzer mit mir und meiner Schwester Marianne, in Nummer 68 Großvater Georg Schmutzer mit Familie. Ich war damals meistens bei den Großeltern. So auch in diesen Minuten. Da mein Vater stundenlang mit dem plötzlich erschienenen Militär unterwegs sein mußte, stieg ich auf den Boden des Großvater-Hauses und schaute vom Dachfenster aus kurz auf das in Aufregung befindliche Dorf, ohne meinen Vater zu entdecken. Plötzlich brach ein durch die Sol-

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In dieser Folge befaßt sich Ernst Schmutzer mit der tschechischen Willkür 1945 in seinem Heimatort.

meinde Würzburg konnten 25 Gläubige begrüßen, die zur Messe gekomen waren. Unter diesen Gläubigen war erstmals auch eine Gruppe aus der Haider Partnergemeinde Pleystein. Nach der Meßfeier am Klattauer Altar im Kreuzgang zogen alle die Marienrufe singend zum Segen ins heilige Haus, wo das alte Haider Loreto-Lied von Vikar Franz Lang von 1917 zum Abschluß gesungen wurde. Für die sich anschließende Begegnung hatte die Mesner-Familie Moravec wieder wunderbaren Mohnund anderen Kuchen mit Kaffee vorbereitet. Das erfuhr natürlich dankbaren Zuspruch. sn

dem Dorf dazu gekommen war. So oder ähnlich mag es an manchen Orten vor sich gegangen sein, wo in jener Zeit die wilden Vertreiber brutal ihre Opfer erschossen haben. Die Erinnerung an die Verbrechen der Nazis an unschuldigen Menschen taucht auf. Ich werde es nicht mehr erleben, nach Freigabe der tschechischen historischen Archivmaterialien über dieses Labanter Vorkommnis die Darstellung von dieser militärischen Seite lesen zu können. Oben habe ich dargelegt, welche positiven Aspekte für die deutsche Bevölkerung unseres Dorfes mit etwa 620 Einwohnern das Durchhalten des deutschen Bürgermeisters bis zu seinem bitteren böhmischen Ende nach sich zog, während die tschechische und nicht-tschechische Besiedlung – auch durch Zigeuner – bis zum jetzigen Stand von etwa 30 Einwohnern parallel dazu ablief. Fortsetzung folgt

TERMINE n  Sonntag, 16. Juni, 15.00 Uhr, Haid: Deutscher Gottesdienst in der Loreto-Wallfahrtskapelle. n  Sonntag, 17. Juli, 15.00 Uhr, Haid: Deutscher Gottesdienst in der Loreto-Wallfahrtskapelle. n  Sonntag, 21. August, 15.00 Uhr, Haid: Deutscher Gottesdienst in der Loreto-Wallfahrtskapelle. n  Freitag, 9. bis Sonntag, 11. September, Loreto-Wallfahrt in Haid: Freitag, 17.30 Uhr, tschechischer Gottesdienst in Sankt Nikolaus. Samstag, 19.00 Uhr, deutscher Gottesdienst in der Loreto-Wallfahrtskapelle mit Pfarrer Georg Hartl und den Waidhauser Fußpilgern, anschließend Lichterprozession zum Schloß. Sonntag, 9.30 Uhr, tschechischdeutsch-lateinisch-sprachiger Gottesdienst in der Loreto-Wallfahrtskapelle mit Pater Václav Sládek; anschließend Empfang und Imbiß in der Loreto-Anlage. n  Sonntag, 16. Oktober, 15.00 Uhr, Haid: Deutscher Gottesdienst in der Loreto-Wallfahrtskapelle.


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Sudetendeutsche Zeitung 27. Mai 2022 Ausgabe 21 by Sudetendeutsche_Zeitung - Issuu