„70 Jahre Heiligenhof“ – Reinfried Vogler erinnert sich an die Anfänge (Seite 3)
Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 161. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 74 | Folge 20 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 20. Mai 2022
VOLKSBOTE
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� Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, würdigt das völkerverbindende Engagement der beiden Kirchenführer
Erzbischof von Prag: Jan Graubner wird Nachfolger von Dominik Duka Kirill Gevorgian, Vize-Präsident des Internationalen Gerichtshofs.
� Den Haag
Zwei Richter befürworten Völkermord Der Internationale Gerichtshof in Den Haag, das Hauptrechtsprechungsorgan der Vereinten Nationen, hat auf Antrag der Ukraine rechtliche bindende Maßnahmen gegen die Russische Föderation beschlossen, um den Völkermord umgehend zu stoppen.
Der Erzbischof von Olmütz und Vorsitzende der Tschechischen Bischofskonferenz, Jan Graubner, wird neuer Erzbischof von Prag. Der gebürtige Brünner folgt auf Kardinal Dominik Duka, der mittlerweile 79 Jahre alt ist und damit die Altersgrenze von 75 Jahren längst überschritten hat. Graubner wird als 37. Prager Erzbischof und 25. Primas von Böhmen am 2. Juli im Prager Veitsdom offiziell in sein Amt eingeführt.
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er Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, dankte dem bisherigen Primas von Böhmen, Kardinal Dominik Duka, den er seit Jahrzehnten kennt, für seinen Einsatz, „die beiden Sprachgruppen der Böhmischen Länder, einschließlich der Vertriebenen, auf der Grundlage des christlichen
Mit 79 in den Ruhestand: Kardinal Dominik Duka.
Nachfolger Erzbischof Jan Graubner. Fotos: Wikipedia CC BY-SA 4.0
Glaubens zusammenzuführen.” Posselt übermittelte außerdem dessen Nachfolger als Erzbischof von Prag, dem Erzbischof von Olmütz, Jan Graubner, die herzlichsten Glück- und Segenswünsche. Auch in Zeiten, als die Sudetendeutsche Landsmannschaft in der tschechischen Öffentlichkeit
noch hart attackiert wurde, habe der Mährer einen für sein Land typischen Ausgleich herbeigeführt, sagte der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und erinnerte an das Pfingsttreffen im Jahr 2002: „Erzbischof Graubner kam demonstrativ zum Sudetendeutschen Tag, obwohl
ihn führende Politiker fast ultimativ dazu aufgefordert hatten, seinen Besuch beim Pfingsttreffen in Nürnberg abzusagen”. Beide Kirchenmänner seien immer wertvolle Partner der Sudetendeutschen gewesen, „und ich hoffe, daß wir auch in Zukunft freundschaftlich und eng mit ihnen zusammenarbeiten können, wenn es um Völkerverständigung sowie die gemeinsamen religiösen und kulturellen Wurzeln geht“, so Posselt. Glückwünsche erhielt Graubner auch von der tschechischen Politik. So gratulierte Präsident Miloš Zeman und kommentierte, Papst Franziskus bestätigte mit seiner Entscheidung die Bedeutung der Kontinuität in der tschechischen Kirche. Premierminister Petr Fiala (ODS) wünschte dem neuen Primas von Böhmen „viel Kraft, Weisheit und Got-
� Tschechische Schulreform
DeutschUnterricht auf der Kippe
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er Gerichtsbeschluß wird Rußland angewiesen, alle am 24. Februar 2022 begonnenen militärischen Operationen auf dem Gebiet der Ukraine unverzüglich einzustellen. Außerdem müsse die Russische Föderation sicherstellen, „daß alle militärischen oder irregulären bewaffneten Einheiten, die von ihr geleitet oder unterstützt werden, sowie alle Organisationen und Personen, die ihrer Kontrolle oder Leitung unterstehen, keine Schritte zur Förderung der genannten militärischen Operationen unternehmen“. Rußlands Präsident Wladimir Putin hatte seinen Angriffskrieg damit begründet, daß Russen in der Ostukraine vor einem Völkermord geschützt werden müßten. In Den Haag konnte Rußland aber keine entsprechenden Beweise vorlegen. Das Gericht entschied mit 13 zu 2 Stimmen. Mit Nein – und damit für die Fortsetzung des Völkermordes an der Ukraine – stimmten der Vize-Präsident des Internationalen Gerichtshofs, Kirill Gevorgian aus Rußland, und Richterin Xue Hanqin aus China.
Der Entwurf zu einem neuen Rahmenbildungsprogramm für die tschechischen Grundschulen sieht vor, daß es bis zur neunten Klasse keinen verpflichtenden Unterricht in einer zweiten Fremdsprache wie Deutsch, Französisch oder Spanisch mehr geben soll.
Informeller Malerei: Dieses Werk hatte Wilhelm Hager 1962 erschaffen.
Repros: Wilhelm Hager Galerie Museum
� Neue Sonderausstellung im Egerland-Museum Marktredwitz
Wilhelm Hager – ein großer sudetendeutscher Künstler
Mit der neuen Sonderausstellung „Wilhelm Hager – Akademischer Bildhauer und Maler“ würdigt das EgerlandMuseum Markredwitz noch bis zum 30. Oktober das Werk des 1921 in Karlsbad geborenen und 2006 im badenwürttembergischen Illingen verstorbenen Künstlers.
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Richterin Xue Hanqin. Fotos: International Court of Justice
tes Segen“. Kulturminister Martin Baxa (ODS) erklärte, er freue sich auf die Zusammenarbeit, zum Beispiel im Denkmalschutz. Bis zur Amtsübernahme bleibt Graubner Apostolischer Administrator in Olmütz. Von seinem Wechsel nach Prag nicht betroffen ist die Funktion Graubners als Vorsitzender der Tschechischen Bischofskonferenz, die er laut Statuten bis 2025 ausübt. Kardinal Duka fungiert bis zur Amtsübergabe am 2. Juli als Apostolischer Administrator in Prag und ist bis zu seinem 80. Geburtstag am 26. April 2023 berechtigt, an einer Papstwahl teilzunehmen. Erzbischof Graubner, der mit 74 Jahren nur fünf Jahre jünger als Kardinal Duka ist, sagte gegenüber Journalisten, er sei von seiner Ernennung „völlig überrascht“ worden. Torsten Fricke
agers künstlerische Ausbildung begann 1935 in der staatlichen Fachschule für Porzellanindustrie in Karlsbad. Wegweisend war die Begegnung mit Walther Klemm (1883–1957), der damals Professor für Grafik an der Hochschule für Baukunst, bildende Künste und Handwerk in Weimar war. Klemm erkennt Hagers künstlerische Begabung und holt ihn 1937 als Stipendiat nach Weimar. 1939 wech-
selt er in die Bildhauerklasse der Hochschule für Bildende Künste Berlin. Wegen politischer Differenzen mit seinem Lehrer Arno Breker, der dem NS-Regime nahesteht, verläßt er die Hochschule. Hager findet Aufnahme in die Ateliergemeinschaft Klosterstraße bei Käthe Kollwitz. Die dort vorherrschende Richtung des expressiven Realismus wird prägend für den angehenden Bildhauer und Maler. 1941 wird Hager zum Kriegsdienst eingezogen, 1942 auf die Krim verlegt und im November 1943 bei Charkiw in der Ukraine schwer verwundet. Noch rekonvaleszent wird er ab Februar 1944 nach Mailand versetzt. Im Dezember 1944 kommt Wilhelm Hager in ein Übergangslager für dienstunfähige Soldaten nach Illingen in Baden-Württemberg, wo er seine spätere Ehefrau
Irmgard Kilian kennenlernt. Im Januar 1945 wird Hager aus der Wehrmacht entlassen und begibt sich in seine Heimat, nach Karlsbad. Kurze Zeit später stirbt seine Mutter, und das Elternhaus wird bei einem Bombenangriff vernichtet. Im Juli 1945 wird Hager aus Karlsbad vertrieben und kommt zunächst nach Bamberg, bevor er heiratet und sich in Illingen niederläßt. Überregional bekannt wird Wilhelm Hager ab den 1950er Jahren durch seine Künstler- und Politikerportraits. Prominenteste Beispiele sind die Bronzebüsten von Thomas Mann (1953), Hermann Hesse (1953) und Theodor Heuss (1958). In der Folgezeit experimentiert Wilhelm Hager mit Informeller Malerei und AlusilSkulpturen. 1961/62 organsiert die Mailänder Galeria Vinciana Ausstellungen mit seinen informellen Aquarellen in Rom, Flo-
Wilhelm Hager malte 1944 in Arco dieses Selbstportrait. renz, Venedig, Turin, Cannes, Paris, London und New York. 1980 wurde Wilhelm Hager von der Sudetendeutschen Landsmannschaft mit dem Kulturpreis für bildende Kunst ausgezeichnet. 1981 erhielt er für herausragende künstlerische Leistungen die Plakette des Heimatverbands der Karlsbader. Und 1997 wurde ihm durch die Fachhochschule für Porzellangestaltung in Karlsbad die Ehrenprofessur verliehen.
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ie geplante Bildungsreform hat bei einer Reihe von Institutionen heftige Kritik hervorgerufen. Allen voran stellt sich die deutsche Minderheit in Tschechien vehement gegen die geplanten Änderungen. Die Unterstützung der deutschen Sprache in Tschechien sei eines ihrer zentralen Anliegen. Sollte die Reform in Kraft treten, könnte das dazu führen, daß an vielen Schulen der Deutschunterricht wegfalle. Für die Kinder der deutschen Minderheit selbst gäbe es dann kein staatliches Bildungsangebot in der Muttersprache. Die Landesversammlung der deutschen Vereine hat deshalb gemeinsam mit den von ihr betriebenen Schulen, der Grundschule der deutsch-tschechischen Verständigung und dem Thomas-Mann-Gymnasium, einen Protestbrief verfaßt und an Premierminister Petr Fiala (ODS) geschickt. Eine überzeugende Begründung für die geplante Streichung sucht man in dem Entwurf des Rahmenbildungsprogramms vergebens. Martin H. Dzingel, Präsident der Landesversammlung, vermutet dahinter jedoch eine starke Lobby der Schulleiter, die der Unterricht in der zweiten Fremdsprache vor administrative und bürokratische Herausforderungen stelle.
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AKTUELL · MEINUNG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 20 | 20. 5. 2022
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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ie bayerische Staatsministerin für Europaangelegenheiten und Internationales, Melanie Huml, hatte am 14. Juli 2021 das Prager Sudetendeutsche Büro besucht. Kaum ein Jahr später konnte sie Büroleiter Peter Barton wieder treffen, diesmal auf dem Boden der Bayerischen Repräsentanz in Prag. Im Rahmen des Gesprächs von Huml und Barton erwähnten beide die traditionell freundschaftlichen Beziehungen zwischen der sudetendeutschen
PRAGER SPITZEN
Botschaft des guten Willens an der Moldau und Humls Ministerium. Die abklingende Coronawelle läßt Hoffnungen wachsen, daß die persönlichen Kontakte zwischen verschiedenen bayerischen Staatsämtern und dem Sudetendeutschen Büro so wie vor der Pandemie möglich werden. Das Interesse bayerischer und deutscher Besucher für die Arbeit der Vertretung der Sudetendeutschen wächst wieder, und Büroleiter Barton lobt diesen Trend mit jedem Tag aufs Neue.
EU: Tschechien vor großen Problemen
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Gespräche in Frankreich, Italien, der Schweiz, Österreich, der Slowakei und der Tschechischen Republik
ie Europäische Kommission hat in ihrer aktuellen Wirtschaftsprognose die Wachstumsaussichten für die Tschechische Republik von 4,4 Prozent im Februar auf jetzt 1,9 Prozent mehr als halbiert. Damit liegen die Konjunkturaussichten niedriger als im EU-Durchschnitt. Faktoren für diese negative Entwicklung seien die Unsicherheit bei der Preisentwicklung und die steigende Inflation. Hinzu kommen die Störungen in den Lieferketten durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und der Corona-Lockdown in China.
Volksgruppensprecher Posselt stärkt internationale Kontakte U
Energiepreise werden gedeckelt
m die Bürger vor den rasant steigenden Energiepreisen zu schützen, will die tschechische Regierung eine Deckelung beschließen, hat Industrie- und Handelsminister Josef Síkela (parteilos) angekündigt. Bis zu einer bestimmten Verbrauchsmenge soll es für private Haushalte einen Spezialtarif geben. Wer darüberhinaus mehr Energie benötigt, muß diese dann zum aktuellen Marktpreise bezahlen. Auf diese Weise werde man die Bürger auch zum Energiesparen anregen, erklärte der Minister.
Mit dem weitgehenden Ende der Corona-Beschränkungen hat Volksgruppensprecher Bernd Posselt wieder in vollem Umfang seine internationale Tätigkeit aufgenommen.
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o fährt Possel einmal monatlich zur Plenarsitzung des Europäischen Parlamentes nach Straßburg, wo er sich um außenpolitische Angelegenheiten kümmert und zudem Ehrenmitglied der Interfraktionellen Arbeitsgruppe für Volksgruppenund Minderheitenfragen ist. In den letzten Wochen besuchte Posselt außerdem zu politischen Gesprächen und Pflege von Kontakten Frankreich, Italien, die Schweiz, Österreich, die Slowakei und vor allem mehrfach die Tschechische Republik. Dort stand unter anderem die Teilnahme am Beirat des DeutschTschechischen Gesprächsforums auf der Agenda, der diesmal im Museum für die Geschichte der Deutschen in den Böhmischen Ländern tagte. Wichtige Themen waren die Unterstützung der deutschen Minderheit in der Tschechischen Republik, Aktionen gegen Bestrebungen, die Rolle des Deutschen im Schulunterricht zu reduzieren, der deutsch-tschechische Dialog auch in schwierigen kulturellen und historischen Fragen, die Herausforderung beider Gesellschaften durch den Ukrainekrieg, die Zusammenarbeit auf Regierungsebene und die Vorbereitung der nächsten Jahreskonferenz des Gesprächsforums in Bamberg. Von sudetendeutscher Seite nahmen an der Aussiger Veranstaltung, die unter der Leitung des ehemaligen Vizepräsidenten des Europäischen Parlamentes Libor Rouček und des Bundesministers a.D. Christian Schmidt, jetzt Hoher Beauftragter für Bos-
Kanzler Nehammer von Fiala empfangen
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In Aussig traf Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, unter anderem (von links) Libor Rouček, Christian Schmidt, Martin Dzingel, Milan Horáček und Petr Koura. Fotos: Wikipedia CC BY-SA 4.0/privat nien-Herzegowina, stattfand, drei Repräsentanten teil: Bernd Posselt, Martin Dzingel von der Landesversammlung der Deutschen in der Tschechischen Republik sowie Karls-Preisträger Milan Horáček. Direktor Petr Koura und sein Stellvertreter Tomáš Okurka boten eine ausgiebige Führung durch das Museum auf Tschechisch und Deutsch an. Die Gäste stellten mit Freude fest, daß die bei der Eröffnung fehlenden Beschriftungen inzwischen ergänzt wurden. Von Aussig fuhr Bernd Posselt mit einer kleinen Delegation nach Prag, Pilsen und ins Egerland, wo er unter anderem Unterredungen mit Irene Novák, stellvertretende Vorsitzende des
Kulturverbandes der Deutschen in der Tschechischen Republik, dem Politikwissenschaftler Miroslav Kunštát und dem langjährigen Vizeminister Arnošt Marks – beide sind führend in den tschechisch-deutschen Wissenschaftsbeziehungen und außerdem regelmäßige Gäste der Sudetendeutschen Tage –, mit dem Kulturdiplomaten und Autor Jan Šícha, der sowohl das Tschechische Zentrum in München als auch das Museum in Aussig maßgeblich aufgebaut hat, sowie mit dem Bürgermeister von Ronsperg/Poběžovice, Martin Kopecký, hatte. Bei der Visite im Ronsperger Rathaus war auch der frühere hohe EU-Diplomat Gerhard Saba-
thil anwesend. Er ist der Enkel des letzten sudetendeutschen Bürgermeisters von Ronsperg. In Prag hielt Bernd Posselt eine Rede vor dem Jahreskongreß der Tschechischen PaneuropaUnion, den deren Vorsitzender Marian Švejda und seine Stellvertreterin, die Parlamentsabgeordnete Nina Nováková, leiteten. Robert Schuster von der angesehenen Tageszeitung Lidové noviny interviewte den Volksgruppensprecher ausführlich zu den Themen Ukraine, deutsche Politik, deutsch-tschechische Beziehungen und Europa. Das ganzseitige Pressegespräch erschien am 16. Mai (Wir berichten in der nächsten Ausgabe darüber).
Gruppe der Vertriebenen, Spätaussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
„Flucht und Vertreibung sind nichts für die Geschichtsbücher, sondern hochaktuell“ „Der Besuch des Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung war beeindruckend und bewegend“, erklärt Christoph de Vries, Hamburger Bundestagsabgeordneter mit sudetendeutschen Wurzeln und Vorsitzender der Gruppe der Vertriebenen, Spätaussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
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emeinsam mit seinen Gruppen-Kollegen hatte sich de Vries von Dr. Gundula Bavendamm, der Direktorin der Stiftung Flucht, Versöhnung, Vertreibung, das im vergangenen Sommer eröffnete Dokumentationszentrum und die Dau-
erausstellung zeigen lassen. Christoph de Vries: „Viele Jahre haben CDU und CSU für die Erinnerung an Geschichte und Schicksal der rund 14 Millionen deutschen Heimatvertriebenen gekämpft, bis das Museum im letzten Jahr durch Angela Merkel eröffnet wurde. Und das Ergebnis ist wirklich gelungen. Flucht und Vertreibung sind nichts nur für die Geschichtsbücher, sondern hochaktuell, wie die Ukrainer aktuell leidvoll erfahren.“ Neben der Dauerausstellung zeigt das Dokumentationszentrum noch bis zum 30. September die Sonderausstellung „Unser Mut. Juden in Europa 1945– 48“. Der Eintritt ist frei.
Dr. Gundula Bavendamm (rechts), Direktorin der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, führte die Abgeordneten durch die Ausstellung.
er österreichische Bundeskanzler Karl Nehammer ist bei seinem Staatsbesuch in der Tschechischen Republik am Dienstag von Premierminister Petr Fiala empfangen worden. Vor seinem Abflug nach Prag hatte Nehammer die Bedeutung der österreichisch-tschechischen Beziehungen betont. Die Tschechische Republik sei nicht nur ein wichtiger Partner und Nachbar, sondern übernehme am 1. Juli den EU-Ratsvorsitz „in einer ganz entscheidenden Phase angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine“, so der österreichische Regierungschef.
Wertschätzung für den Widerstand
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ür ihren Widerstand gegen das kommunistische Regime sind am Montag in Prag 39 Persönlichkeiten von Verteidigungsministerin Jana
Černochová (ODS) ausgezeichnet worden. Unter den Geehrten waren auch der frühere Premierminister und Ex-Senatsvorsitzende Petr Pithart und Petr Kahovec, ein Mitunterzeichner der Charta 77. Vier Orden wurden posthum verliehen, so etwa an den Dichter Jiří Gruša, den früheren tschechischen Botschafter in Deutschland und Österreich. Die Ministerin: „Ich habe großen Respekt vor Menschen, die sich nicht scheuen, ihre eigene Meinung zu sagen. Besonders schätze ich diejenigen, die selbst unter dem Gewicht der Schlagstöcke oder der Verhörmethoden nicht den Rücken gebeugt haben.“
Corona-Inzidenz sinkt auf 32
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ährend im benachbarten Deutschland die CoronaInzidenz noch bei über 400 Fällen pro 100 000 Einwohner liegt, hat die Tschechische Republik am Montag nur noch eine Inzidenz von 32 gemeldet. So wurden am Sonntag landesweit nur noch 70 Neuinfektionen registriert. Eine Woche zuvor waren es in Tschechien mit 135 fast doppelt so viele Infizierte gewesen. Derzeit müssen noch 173 Menschen wegen einer Corona-Infektion stationär in einem Krankenhaus behandelt werden.
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Jeder Dritte lebt allein
n der Tschechischen Republik gibt es immer mehr SingleHaushalte. So ist in den vergangenen 15 Jahren ihr Anteil um ein Viertel auf 30 Prozent gestiegen. Damit lebt fast jeder dritte Bürger allein, hat das tschechische Statistikamt gemeldet.
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Rammstein rockt Prag
ür empfindliche Ohren ist dieses Konzert nicht zu empfehlen: Die weltberühmte deutsche Metal-Band Rammstein gibt am Sonntag und Montag zwei Konzerte am Prager Flughafen. Die Organisatoren erwarten bis zu 60 000 Besucher. In der tschechischen Hauptstadt setzt Rammstein die 2019 gestartete und dann wegen Corona unterbrochene Europatournee fort. Auf dem weiteren Programm stehen 30 Konzerte in 18 Städten. Mitte August starten Rammstein dann zu ihrer großen Nordamerika-Tour mit Konzerten in den USA, Kanada und Mexiko.
Sudetendeutsche Zeitung
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redaktionsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2022 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Torsten Fricke. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
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70 JAHRE HEILIGENHOF
Sudetendeutsche Zeitung Folge 20 | 20. 5. 2022
70 Jahre Heiligenhof – im zweiten Teil der Serie über die sudetendeutsche Heimstätte in Bad Kissingen erinnert sich Reinfried Vogler, der langjährige Präsident der Sudetendeutschen Bundesversammlung, an die ersten Anfänge nach dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung.
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� „70 Jahre Heiligenhof“, Teil 2
Geistiger Mittelpunkt für die sudetendeutsche Volksgruppe
Von Reinfried Vogler
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enn man sich heute mit den Gründerjahren des Heiligenhofs befaßt und diese auch jüngeren Generationen vermitteln will, muß man zwangsläufig auch die Umstände dieser Zeit wenigstens kurz und in Stichworten skizzieren: Das Deutsche Reich hatte den Zweiten Weltkrieg „total“ geführt und 1945 auch „total“ verloren. Die Städte und weite Teile des Landes waren zerstört und verwüstet. Die Industrie war entweder zerstört oder nach Demontage den Siegermächten überlassen. Die östlich von Oder und Neiße gelegenen Provinzen des Reiches wurden abgetrennt und die dort wohnende deutsche Bevölkerung vertrieben, wie auch die Deutschen aus ihren Siedlungsgebieten im Sudetengebiet und im Südosten Mitteleuropas. Insgesamt kamen 1945/46 rund 14 Millionen vertriebene Deutsche in das verbliebene Reichsgebiet, ganz überwiegend in die Westzonen. Die wehrfähigen Männer waren – soweit sie nicht gefallen waren – zu großen Teilen noch in Kriegsgefangenschaft. Die Vertriebenen kamen, außer den je nach Laune der örtlichen Vertreiberorgane zugelassenen 20 bis 50 Kilogramm Gepäck, buchstäblich mit Nichts, in den jeweils mit 1200 Personen besetzten Viehwaggonzügen, in das besiegte und zerstörte Restdeutschland, wo die Bevölkerung auch in Not und Mangelzuständen lebte. Alle gewachsenen Ortsgemeinschaften waren zerrissen und vielfach auch Großfamilien. Es kam die große Zeit der Suchdienste. Die Währungsreform 1948 brachte dann eine neue Basis und Hoffnung für die weitere wirtschaftliche Entwicklung – die Entwurzelung der Vertriebenen blieb aber. Die Sudetendeutschen sahen sich seit 1919 in der Ersten Tschechoslowakischen Republik, die erklärtermaßen von Masaryk und Beneš ein reiner tschechischer Nationalstaat werden sollte, einer gezielten Politik der Assimilierung und Entnationalisierung ausgesetzt. Als Reaktion darauf hatten sie ein Netz von Selbsthilfeeinrichtungen geschaffen, die bedrängten Landsleuten sozial, gesellschaftlich und/oder auch wirtschaftlich Hilfe und Unterstützung leisten konnten. In dieser Tradition stand und steht unter anderem auch das Sudetendeutsche Sozialwerk, das 1952 gegründet und zum Träger des Heiligenhofes wurde. Der Heiligenhof geht auf die Suche von Landsleuten nach einer Heimstätte für vertriebene junge Menschen zurück. Dabei wurde 1952 das leer stehende Einfamilienhaus in Bad Kissingen durch Zufall entdeckt und der Erwerb des Anwesens durch die Großspende einer wohltätigen norwegischen Stiftung und viele kleine Spenden von Landsleuten möglich. Da es meine Mutter mit uns drei Kindern 1945 zunächst nach Österreich verschlagen hatte und wir erst nach Heimkehr meines Vaters aus der Kriegsgefangenschaft 1950 nach Westdeutschland kamen, kamen meine ersten Kontakte mit dem Heiligenhof erst nach dessen Gründung im Jahre 1952 zustande. Ich kann diesen Zeitpunkt nicht mehr genau datieren, er wird wohl 1953/54 gewesen sein. Ich wohnte damals in Heilbronn, wo ich die SdJ in Stadt und Kreis aufbaute, dann auch Bezirksfüh-
Die Eingangsfront nach der Aufstockung im Jahr 1957. Eine befestigte Straße zum Heiligenhof gab es damals noch nicht. Man parkte, wo Platz war..
Im Jahr 1957 wurde der Heiligenhof um ein Geschoß aufgestockt, um Platz für Schlafräume zu schaffen. Fotos: Helmut Nachtigall/Heiligenhof
Legendär: Der Zeltlagerplatz am Heiligenhof, der in Eigenleistung und mit Hilfe der US-Armee entstanden war. Im Hintergrund der Bungalow .
rer für Nordwürttemberg wurde, am Aufbau des Jugendhauses Schauinsland mitwirkte und schließlich 1959 zum Landesgruppenführer in der SdJ BadenWürttemberg gewählt wurde. In dieser Zeit war ich auch organisatorischer Leiter der Südmährischen Sing- und Spielschar. Die SdJ mit ihrem Bundesgruppenführer Ossi Böse hatte damals ihren Sitz auf dem Heiligenhof, und so kam ich immer wieder zu Schulungsveranstaltungen und vor allem zu den Sitzungen der Hauptjugendführung regelmäßig nach Bad Kissingen. Die Anfänge waren in jeder Hinsicht sehr einfach. Der Heiligenhof war ja als Landhaus gebaut und nicht als Tagungs- oder Bildungsstätte, er stand bei der Übernahme im April 1952 seit längerer Zeit leer und war in einem sehr schlechten Bauzustand. Für das geplante Haus einer Gemeinschaft fehlten fast alle Voraussetzungen, angefangen von den Tagungsräumen über die Kücheneinrichtungen bis zu den sanitären Anlagen. Und da auch das Geld fehlte, wurde über ein privat vermitteltes Darlehen die Möglichkeit zur Einrichtung der Küche, von sanitären Anlagen und anderer Anschaffungen für einen Schulungsbetrieb geschaffen. Trotz aller Provisorien lief der erste Lehrgang zu Pfingsten 1952. Es gab Lehrgänge für Jugendliche, Kinderfreizeiten und Schulungen für Gruppenleiter. Eine Statistik für 1952 zeigt schon 337 Lehrgangsteilnehmer, für 1955 schon 784 und im ganzen Zeitraum 1952 bis 1955 insgesamt 3592. Daneben kamen von 1953 bis 1955 1608 Kinder
serversorgung angeschlossen wurde. In diese Kategorie der Improvisation und Selbsthilfe gehörte auch der Betrieb einer kleinen Landwirtschaft mit Anbau von Obst, Gemüse und Kartoffeln, einer Kuh und zwei Schweinen, sowie mehreren Ziegen. Zur Jahrestagung der Hauptjugendführung wurde gelegentlich ein Schwein geschlachtet, und es gab köstlichen Schweinebraten mit böhmischen Knödeln, ein Brauch, den es vom Schlachten des Schweines abgesehen, auch heute noch bei besonderen Anlässen gibt. Abgesehen davon, daß sich der allgemeine Lebensstandard heute deutlich von dem der damaligen Zeit abhebt, hat dieser einfache und teilweise improvisierte Zustand des Heiligenhofes damals niemanden wirklich ernsthaft gestört. Wir alle waren ja geprägt durch Krieg, Vertreibung, Not, Elend und Entwurze-
und Jugendliche zu Freizeitaufenthalten, zu rund 60 Tagungen kamen 1926 Teilnehmer und aus dem Ausland kamen immerhin schon 300 Gäste, sodaß insgesamt 6 800 Übernachtungen verbucht werden konnten. Und dies vor dem ersten großen Umbau 1956/57, der mit dem Ausbau des ersten Obergeschosses deutliche Verbesserungen brachte. Dieser erste Zeitabschnitt war geprägt von Idealismus, Gemeinschaftsgeist, ehrenamtlichem Einsatz, Bescheidenheit der Ansprüche und viel Improvisation. So gab es Übernachtungsmöglichkeiten im unausgebauten Dachgeschoß auf amerikanischen Feldbetten oder im Sommer auf dem großen neuen Zeltplatz, der in Eigenleistung unter Mithilfe der US-Armee entstanden war. Wasser kam aus dem eigenen Brunnen, war aber knapp, bis das Haus 1960 an die städtische Was-
� Reinfried Vogler n Geboren am 2. Juli 1931 in Leipertitz. n Von 1969 bis 1996 in verantwortlichen Positionen bei der Arbeitsgemeinschaft Keramische Industrie, von 1981 bis zur Pensionierung Hauptgeschäftsführer. n 2006 Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. n Von 2012 bis 2021 Präsident der Sudetendeutschen Bundesversammlung. n Vorstandsvorsitzender der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen.
lung. Aber wir ergaben uns nicht der Verzweiflung, sondern es herrschte eine positive Abenteuer- und Aufbruchstimmung zum Aufbau, nicht nur einer neuen Existenz, sondern generell. Dies kam nicht nur dem schrittweisen Aus- und Aufbau des Heiligenhofes zugute, dieser bot uns allen auch das Gefühl der Geborgenheit und einen Hauch heimatlicher Lebens- und Denkweise – eine erste gemeinsame Basis und ein gutes Stück Heimat. Und auch die vermittelten Geschichts- und Politikinhalte und das Erarbeiten von Zukunftskonzepten und -projekten für die landsmannschaftliche und die Jugendarbeit formten unsere Gemeinschaft. Dieses Erleben im Kreis von überwiegend Gleichgesinnten in einer kameradschaftlichen Gemeinschaft hat das Leben der meisten von uns entscheidend geprägt, hat die Arbeit im Vertriebenenbereich beflügelt und viele Freundschaften fürs Leben begründet. Legendär sind die nächtelangen Diskussionen mit Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, mit denen über ihre Sicht und das eigene Erleben am offenen Kamin berichtet und diskutiert wurde. Wir damals Jungen haben dort Geschichte und Zeitgeschichte hautnah und lebendig vermittelt bekommen. Und nicht zu vergessen, das gemeinsame Singen, das die vielen Tagungen immer begleitet hat, nicht nur bei den Treffen der Spielscharen. Im Rückblick auf die ersten fünf Jahre schreibt Rolf Nitsch im Dezember 1957 nach einer Darstellung des baulichen Ausbaues der letzten Jahre: „Dies
war nur das Äußere, das Sichtbare, baute den Rahmen, erleichterte die Arbeit. Wichtiger jedoch war das Andere, das Unsichtbare ... es wuchs – ganz im Stillen – kaum merklich und doch vorhanden. Gemeinschaft wuchs. Wille regte sich, Ziele wurden erkannt und Wege dahin gefunden. Das Haus hatte plötzlich Seele. Es fand und erfüllte eine Aufgabe ... hier entstand ein Ausstrahlungspunkt. ... Fünf Jahre harter Arbeit ließen den Heiligenhof zu etwas wie einen geistigen Mittelpunkt der Sudetendeutschen Jugend werden.“ Neben Rolf Nitsch sollten einige weitere Namen genannt werden, die neben den Besuchern und den Mitarbeitern entscheidend dazu beigetragen haben, daß der Heiligenhof der geistige Mittelpunkt nicht nur der Sudetendeutschen Jugend, sondern der ganzen Volkspruppe geworden ist und der darüber hinaus ein Ort der Begegnung und des geistigen Austausches für ganz Europa geworden ist: Herbert Schmidt, Ossi Böse, Gretl Hajek, Traudl und Erich Kukuk, Wall Richter, Wolfgang Egerter, Peter Hucker und Dr. Günter Reichert. 1952 hat das Sudetendeutsche Sozialwerk den Heiligenhof der Sudetendeutschen Jugend überantwortet, die – wie heute noch an der Zufahrt zu lesen ist – das Haus zur „Sudetendeutschen Heimstätte europäischer Jugend“ erklärt und damit auch einen Rahmen für die zukünftige Arbeit gespannt hat: Es war das Bekenntnis und die Verpflichtung zum Erhalt der Volksgruppe; der Wille, ein Stück Heimat und geistigen Mittelpunkt als „Heimstätte“ – auch und gerade für die Jugend – zu schaffen; und schließlich die Aufgabe Europa als Gegenmodell zum engen Nationalstaat und als Zukunftsmodell für ein friedliches Zusammenleben freier Völker. Damals – 1952 – waren dies, nicht zuletzt angesichts des gerade heruntergegangenen Eiserenen Vorhanges, ans Utopische grenzende Vorstellungen. Daß aus dieser Utopie heute in weiten Bereichen Realität geworden ist, war kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis langer, konsequenter und harter Arbeit vieler Menschen und Organisationen – auch am Heiligenhof, der hier vor allem im Hinblick auf Ost-, Südost- und Mitteleuropa bahnbrechende Arbeit geleistet hat. Nicht erst die Entwicklung in der Ukraine mit der Entfesselung eines Krieges in Europa erinnert uns daran, daß es im Leben nicht immer nur aufwärts geht. Die wirtschaftliche Krise 1993/94 und die Coronapandemie mit ihren dramatischen Einschränkungen haben das schon vorher getan. Aber die vielseitige Vernetzung als Institution, vor allem die vielen menschlichen Verbindungen aus der sich immer wieder neu entwickelnden Gemeinschaftsbildung heraus, haben soviel zusätzliche Hilfe und (auch materielle) Unterstützung gebracht, daß diese kritischen Zeitspannen bewältigt werden konnten. Wenn man heute zurückblickt auf 70 Jahre Heiligenhof, sieht man eine Erfolgsgeschichte weitgespannter und konsequenter Bildungsarbeit auf der Basis des christlich-abendländischen Wertekataloges mit den Menschenrechten als Mittelpunkt. Der Heiligenhof ist aber nicht nur eine hochqualifizierte und international anerkannte Bildungsstätte, er ist auch ein Haus mit besonderer Strahlkraft, in dem Gemeinschaft gepflegt und gelebt wird, das eine Seele hat und das mit seiner menschlichen Wärme für viele zur Heimat geworden ist. Für die Sudetendeutschen schließlich ist der Heiligenhof der geistige Mittelpunkt der Volksgruppe – neben dem Sudetendeutschen Haus und dem Sudetendeutschen Museum in München.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 20 | 20. 5. 2022
Freitag, 3. Juni von 15.00 bis 17.00 Uhr und anschließend als Podcast
BR Heimat: Sondersendung zum Sudetendeutschen Tag Zum Sudetendeutschen Tag widmet die BR-Volks- und Brauchtumsexpertin Evi Strehl am Freitag, 3. Juni ihre Sendung „Servus“ dem viertem Stamm Bayerns. Die Sendung wird live von 15.00 bis 17.00 Uhr auf dem digitalen Hörfunksender BR Heimat ausgestrahlt und steht anschließend als Podcast zur Verfügung.
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u Gast in der Sendung ist unter anderem die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Christina Meinusch, die im In Bis Freitag, 30. September: Sonderausstellung „Unser Mut. Juden in Europa 1945–48“. Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstraße 90, Berlin. Bis Sonntag, 30. Oktober: Sonderausstellung „Wilhelm Hager – Akademischer Bildhauer und Maler". Egerland-Museum, Fikentscherstraße 24, Marktredwitz. Samstag, 21. Mai, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: „Das Sudetendeutsche Museum in München und sein Pendant, die Dauerausstellung ,Unsere Deutschen‘ in Aussig/ Ústí nad Labem“. Vortrag von Christoph Lippert (Herzogenaurach). Sportgaststätte des FSV Bruck, Tennenloher Straße 68, Erlangen. Sonntag, 22. bis Montag, 23. Mai, Ackermann-Gemeinde: Kulturfahrt nach Südwestmähren mit Stationen in Trebitsch, Teltsch, Znaim, Stift Neureich und Schloß Jarmeritz. Anmeldung und nähere Informationen unter eMail muenchen@ ackermann-gemeinde.de Montag, 23. Mai, 18.00 Uhr: „Das deutsch-russische Jahrhundert“. Autorengespräch mit Prof. Dr. Stefan Creuzberger. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Donnerstag, 26. Mai, 15.00 Uhr, SL-KG Roth-Schwabach: Maiandacht am VertriebenenGedenkstein Vogelherd. Im Vogelherd, Schwabach. Donnerstag, 26. Mai, 19.00 Uhr, BdV Augsburg-Stadt und Augsburg-Land: Maiandacht. Mit dem Chor der Banater Schwaben und dem Blasorchester Königsbrunn in der Pfarrkirche St. Ulrich in Königsbrunn. Freitag, 27. Mai, bis Montag, 6. Juni: Begegnungs- und Kulturfahrt im alten und neuen Österreich. Standorte in Pilsen, Brünn, Wien und Kremsmünster. Informationen und Anmeldung bei Rüdiger Goldmann, telefonisch unter (02 11) 7 00 51 50. Samstag, 28. Mai, 9.30 Uhr, BdV-Kreisverband LimburgWeilburg: Kreisverbandstag. Hotel Zur Krone, Obertorstraße 1, Löhnberg. Samstag, 28. Mai, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Jahreshauptversammlung mit Ehrungen. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Samstag, 28. Mai, 19.00 Uhr: Konzert „Verflechtungen. Einflüsse von Volksmusik, Tanz und Märchenwelten in der böhmischen Kunstmusik“ mit dem Klavierduo Jost Costa und dem Musikwissenschaftler Joachim Kremer. Veranstalter: Adalbert Stifter Verein und Kulturreferat für die böhmischen Länder. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Montag, 30. Mai, 18.00 Uhr, Verband der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ),
terview dem Publikum erklären wird, wer die Sudetendeutschen sind, welches schwere Schicksal die Vertreibung war und warum sich die Landsleute seit über 70 Jahren jedes Jahr an Pfingsten zum Sudetendeutschen Tag treffen. Außerdem stellt Evi Strehl das Deutsche Haus des Ostens vor, das der damalige Ministerpräsident Al-
fons Goppel bei der Eröffnung als „Geschenk des Bayerischen Staates an die vertriebenen Mitbürger“ bezeichnet hat. Die Sendung wird mit Musik und Gesang der Sudetendeutschen umrahmt, hauptsächlich mit Aufnahmen verschiedener Egerländer Musik- und Gesangsgruppen, von denen einiges im
VERANSTALTUNGSKALENDER Vortrag „Die Arbeit eines Volksanwalts“. Referent: Werner Amon. Haus der Heimat, Steingasse 25, Wien. Dienstag, 31. Mai, 18.00 Uhr: „Hana oder Das böhmische Geschenk“. Poetisches Portrait der tschechischen Germanistin Hana Jüptnerová mit Tina Stroheker. Erinnerungen an die 2019 verstorbene tschechische Dissidentin, Christin und Brükkenbauerin Hana Jüptnerová. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Dienstag, 31. Mai, 19.00 Uhr, Adalbert Stifter Verein und Ústav pro studium totalitních režimů: 100 Jahre PaneuropaBewegung mit Bernd Posselt und Martin Posselt im Rahmen der
Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Donnerstag, 9. bis Freitag, 10. Juni, Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen: Tagung „Kultureinrichtungen im Dialog“. Mercure Hotel, Postkamp 10, Hannover. Freitag, 17. Juni, 10.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Totengedenken. Mahnmal der Sudetendeutschen am Friedhof Wehringen mit Pfarrer Hubert Ratzinger. Samstag, 18. Juni, 8.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Busfahrt nach München ins Sudetendeutsche Museum. Busbahnhof Erlangen. Anmel-
Ausstellung im Tschechischen Zentrum München
Zápotek – Wenn du nicht mehr kannst, gib Gas! Freitag, 27. Mai bis Samstag, 2. Juli. Ausstellung „Zápotek – Wenn du nicht mehr kannst, gib Gas!“. Tschechisches Zentrum, Prinzregentenstraße 7, München. Anläßlich des 50. Jubiläums der Olympischen Spiele in München und des 100. Geburtstages von Emil Zátopek zeigt die Ausstellung Schlüsselmomente aus dem Leben der Lauflegende. Zátopek war der erfolgreichste tschechische Leichtathlet aller Zeiten und gewann 1952 bei den Olympischen Spielen in Helsinki gleich drei Goldmedaillen. Ein Mann mit vielen Gesichtern – ein Charmeur und Alleinunterhalter; ein politisches Chamäleon; ein unerbittlicher Trainer; ein Kämpfer, dessen Ehrgeiz kaum Grenzen kannte. Einer seiner vielen Sprüche gab der Ausstellung den Titel: „Wenn du nicht mehr kannst, gib Gas! Begleitend zur Ausstellung wird am 1. Juni David Ondříčeks mehrfach ausgezeichnetes Filmportrait „Zátopek“ (CZ 2021, 130 Min. OmeU) im Arena Filmtheater in München gezeigt. Öffnungszeiten der Ausstellung: Montags bis mittwochs von 13.00 bis 17.00 Uhr, donnerstags von 13.00 bis 19.00 Uhr und freitags von 12.00 bis 15.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Ausstellung „Kulturelle Brücken in Europa: Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945“. Moderation: Viktoria Großmann (Süddeutsche Zeitung). Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni: 72. Sudetendeutscher Tag in Hof und der Euregio Egrensis (Ausführliches Programm in der kommenden Ausgabe). Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni, Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland: Heimattag unter dem Motto „Wurzeln suchen – Wege finden“. Dinkelsbühl. Dienstag, 7. Juni, 19.00 Uhr: „Der Mann aus Prag. Ein besonderer Abend über Franz Kafka“. Musikalische Lesung mit Christiane Lemm und Kalle Kubik. Gerhart-Hauptmann-
dung bei: Christoph Lippert, Telefon (0 91 32) 97 00 oder eMail erlangen@ackermann-gemeinde .de Samstag, 18. bis Sonntag, 19. Juni, Gemeinschaft Wischauer Sprachinsel: 25. Wischauer Heimattreffen. Programmauszug: Samstag, 15.00 Uhr, Eröffnung der Ausstellung „Heimat im Gepäck“, Kirchstraße 47, Aalen-Fachsenfeld; Sonntag, 9.30 Uhr, Gottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche; 11.00 Uhr, Feierstunde in der Veranstaltungshalle Montag, 20. Juni, 17.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart, UdVF Stuttgart und BdV: Veranstaltung zum Weltflüchtlingstag. Podiumsdiskussion mit Marion Gentges, Ministerin der Justiz und für Migration, Serkan Eren von der Hilfsorganisation
Archiv des Bayerischen Rundfunks erhalten ist. BR Heimat ist weltweit im Internet unter www.br-heimat.de oder mit der BR Radio App sowie in weiten Teilen Bayerns via Antenne mit einem DAB+ Radio auf Kanal 11 D empfangbar. Das ausführliche Programm zum Sudetendeutschen Tag, der in diesem Jahr von Freitag, 3. Juni bis Pfingstmontag, 6. Juni in Hof und der Euregio Egrensis stattfindet, wird in der kommenden Ausgabe der Sudetendeutschen Zeitung veröffentlicht. STELP, Stadträtin Iris Ripsam, MdB a.D. und BdV-Landesvorsitzende Moderation: Florian Hummel, Landesvorsitzender der Jungen Union Baden-Württemberg. Kursaal, Königsplatz 1, StuttgartBad Cannstatt. Dienstag, 21. Juni, 19.00 Uhr, Adalbert Stifter Verein und Ústav pro studium totalitních režimů: „Adel heute“ – Podiumsdiskussion im Rahmen der Ausstellung „Kulturelle Brükken in Europa: Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945“. Moderation: Stephan Löwenstein (FAZ). Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Sonntag, 26. Juni bis Samstag, 2. Juli, SL Österreich: Sudetendeutsche Ferienwoche in Seeboden am Millstätter See. Anmeldung: Tourismusbüro Seeboden, Telefon (00 43 47 62) 8 12 55 12, eMail lisa.noisternig@ ktn.gde.at Sonntag, 26. Juni bis Samstag, 2. Juli, Heimatkreis Jägerndorf: Kulturfahrt in den Heimatkreis mit Teilnahme am Versöhnungsmarsch zum Gedenken an den Jägerndorfer Hungermarsch 1946. Anmeldung bei Lorenz Loserth, Telefon 01 52 53 63 60 79 oder eMail LorenzLoserth@googlemail.com Samstag, 2. Juli, 10.00 bis 17.00 Uhr, Bayerischer Landesverein für Heimatpflege in Kooperation mit der Sudetendeutschen Heimatpflege: Liederlust im Vierklangrausch. Gesungen werden Lieder aus Bayern und dem Sudetenland. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Teilnahmegebühr 25 Euro. Anmeldung: www. heimat-bayern.de Freitag, 8. Juli, 14.00 Uhr, BRUNA, Heimatverband der Brünner: Festveranstaltung aus Anlaß des 200. Geburtstages von Gregor Mendel. Vortrag von Prof. Widmar Tanner, Regensburg, zum Thema „Von Erbsenexperimenten bis zu mRNA-Impfstoffen“. Pädagogische Hochschule, Hörsaal 1, 1. Stock, Oberbettringer Straße 200, Schwäbisch Gmünd. Samstag, 23. Juli: Brünner Versöhnungsmarsch. Die Landesgruppe Bayern organisiert eine Reise mit zwei Bussen (Nordund Südbayern) von Freitag, 22. Juli bis Montag, 25. Juli. Samstag, 23. Juli, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: „Na Uteku – Auf der Flucht“. Der Film dokumentiert das Schicksal der jüdischen Familie Weinstein aus Troppau. Anschließend Gespräch mit dem Troppauer Dieter Aust. Sportgaststätte des FSV Bruck, Tennenloher Straße 68, Erlangen. Samstag, 17. bis Samstag, 24. September, Ackermann-Gemeinde: Zu Fuß durch Nordböhmen: deutsch-tschechische Pilgerwanderung von Aussig nach Altbunzlau. Anmeldung und nähere Informationen unter eMail muenchen@ackermanngemeinde.de
BR Heimat-Moderatorin Evi Strehl.
Foto: Torsten Fricke
Fotografien von Karl-Heinz Rothenberger
Baltikum analog
Dienstag, 31. Mai, 17.00 Uhr: Prof. Dr. Karl-Heinz Rothenberger führt durch seine Ausstellung „Baltikum analog“, die bis Freitag, 28. Oktober 2022 im Haus des Deutschen Osten gezeigt wird. Durch die Wahl zu Kulturhauptstädten Europas rückten die Hauptstädte der baltischen Staaten in das öffentliche Interesse. Das Baltikum wurde 2009 vertreten durch Litauens Hauptstadt Vilnius, 2011 durch Estlands Hauptstadt Tallinn und 2014 durch Lettlands Hauptstadt Riga. Der baltische Reigen setzt sich 2022 mit Kaunas (Litauen) und 2024 mit Tartu (Estland) fort. Nicht nur die Hauptstädte, sondern auch Land und Leute ließen KarlHeinz Rothenberger im Som-
mer 2019 in ein Campingmobil steigen. Seine Aufnahmen belegen die Wahrhaftigkeit in der Fotografie, die nachträgliche Manipulation des einmal festgehaltenen Augenblicks wird abgelehnt. Prof. Dr. Karl-Heinz Rothenberger wurde 1945 in Landshut geboren und studierte Medizin in München und Zürich. Parallel widmete er sich der Fotografie. So beteiligte er sich 1967 mit Arbeiten an einer Ausstellung des Deutschen Jugendfotowettbewerbs. Inzwischen hat er sich auf die Schwarz-WeißFotografie in analoger Kleinbildtechnik fokussiert. Anmeldung erforderlich unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail an poststelle@hdo. bayern.de.
Zeitenwende – die Rückkehr der Inflation Dienstag, 14. Juni, 18.00 bis 20.00 Uhr: Online-Seminar: „Zeitenwende – Die Rückkehr der Inflation erfordert ein geldpolitisches Meisterwerk. Läßt sich die Preisdynamik überhaupt noch aufhalten?“. Gespräch mit Roland Friedrich, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bad Kissingen (Foto: Elke Körner/ Sparkasse). Der pandemiebedingte Konjunktureinbruch ist zwar vorüber, doch die Folgen staatlicher Stützungsmaßnahmen mit gigantischen Konjunkturprogrammen und der abwartenden Politik der Zentralbanken erfordern schnellstmöglich auf die Bremse zu treten und ein konkretes Ausstiegsszenario mit einer Geldstraffung einzuleiten. Viel zu lange wiegelten die Notenbanker mit Aussagen ab, daß es sich beim Inflationsanstieg lediglich um ein vorübergehendes Phänomen handelt und alles unter Kontrolle wäre. Hilfspakete und Negativzinsen hatten eine enorme Nachfrage in allen Wirtschaftsbereichen ausgelöst. Dieser Nachfrageschub konnte aber aufgrund von Corona-Beschränkungen sowie der Unterbrechung von Lieferketten vielfach nicht bedient werden. Das führt zu höheren Preisen und Inflationsdruck, der nicht kurzfristig abgebaut werden kann. Nicht nur Energie und Lebensmittel wurden teurer. Die Preisdynamik hat bereits Güter und Dienstleistungen in der Breite erfaßt. Nun fordern auch noch die Gewerkschaften erwartungsgemäß hohe Lohnzuschläge, die zu einem ZweitRunden-Effekt mit einer sogenannten Lohn-Preis-Spirale führen. Die geopolitischen Risiken nehmen weiter zu. Vor diesem Hintergrund müssen wir uns auf ein völlig neues Umfeld einstellen. Herkömmliche Zyklus-Modelle können die volkswirtschaftliche Entwicklung nur unzureichend erklären und werden daher durch Wunschdenken ersetzt. Die Wachstumsschätzungen für die Wirtschaft in den Industrieländern von vier Prozent in diesem Jahr waren viel zu optimistisch angesetzt. Gleichzeitig glaubt auch die Mehrheit der Ökonomen an einen vorübergehenden Charakter der Inflation. Der kollektive Irrtum ist schon bemerkenswert. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 20 | 20. 5. 2022
5 � Mut tut gut
Ich schenke Dir mein Ohr
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Tracht des Jahres 2022: Die Delegation der Egerländer freut sich sehr über die Wertschätzung durch den Deutschen Trachtenverband.
Fotos: Volker Jobst
� Hohe Auszeichnung vom Deutschen Trachtenverband auf der Delegiertentagung des Bundestrachtentages in Wendlingen am Neckar
Großer Jubel bei den Egerländern: „Wir sind Tracht des Jahres 2022“ Ein großes Zeichen der Wertschätzung: Vom Deutschen Trachtenverband ist die vielfältige Egerländer Tracht als „Tracht des Jahres“ ausgezeichnet worden (Sudetendeutsche Zeitung berichtete). Der Titel wird seit 2006 verliehen.
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ereits 2016 hatte der Bund der Eghalanda Gmoin e.V. (BdEG) begonnen, eine umfassende Dokumentation zu erarbeiten, um am Bewerbungsverfahren teilzunehmen. Die Idee geht auf den 2020 verstorbenen Landesvüarstäiha Harald Wenig und den 2022 verstorbenen langjährigen Wendlinger Gmoivüarstäiha Horst Rödl zurück. Der Landesverband Baden-Württemberg des BdEG ist seit vielen Jahren Mitglied des Landesverbandes der Heimatund Trachtenverbände Baden-Württemberg e.V., der bereits 1958 gegründet wurde. Analog dazu ist die EgerlandJugend Baden-Württemberg Mitglied der Trachtenjugend Baden-Württemberg. Somit ist die Verknüpfung zum Deutschen Trachtenverband e.V. (DTV) sichergestellt. Der DTV ist der größte Bundesverband der Heimatpflege, Trachtenerhaltung und Volkskunde in Deutschland. Bei der Delegiertentagung des Bundestrachtentages 2022, der am 23. April in Wendlingen am Neckar stattfand, wurde das Prädikat „Tracht des Jahres 2022“ vom Verbandspräsidenten Knut Kreuch und dem stellvertretenden Ministerpräsidenten und Innenminister Thomas Strobl übergeben. Minister Strobl ist in seiner weiteren Aufgabe als Landesbeauftragter für Heimatvertriebene und Spätaussiedler bestens über die deutschen Heimatvertriebenen und deren Geschichte sowie Leistung informiert. Sehr wohlwollend und kenntnisreich trug er die Laudatio auf die Egerländer Tracht vor. Ehrengäste der Delegiertentagung, und somit auch Zuhörer der Laudatio auf die Egerländer Trachten, waren unter anderen der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Andreas Stoch, die Landtagsabgeordneten Dr. Natalie Pfau-Weller und Andreas Kenner sowie Bürgermeister Steffen Weigel. Im Stadtmuseum von Wendlingen am Neckar wurde in den Tagen die Sonderausstellung „Trachten des Jahres 2006– 2022“ eröffnet. Im Zuge der Eröffnung sagte der Bürgermeister tiefsinning: „Eine Tracht verpflichtet den Träger zu einem Verhalten, das seiner Gruppe keine Schande macht – ich würde mir manchmal mehr Rückbesinnung auf dieses Bewußtsein wünschen.“ Innenminister Stobl erwähnte in seiner Ansprache mehrfach, wie entscheidend die deutschen Heimatvertriebenen zum Südweststaat, dem heutigen Baden-Württemberg, beigetragen haben. Feierte doch auch das Bundesland Baden-Württemberg im April 2022 den 70. Jahrestag des Zusammenschlusses zum heutigen Baden-Württemberg. Im Zuge dieser Würdigung der Egerländer Tracht stellte die Bundestrach-
Bundestrachtenwartin Ingrid Hammerschmied präsentierte kenntnisreich die Egerländer Trachten.
Baden-Württembergs stellvertretender Ministerpräsident und Innenminster Thomas Strobl im Gespräch mit vier Egerländer Trachten-Damen.
Bundesvüarstäiha Volker Jobst ist stolz auf das Erreichte.
tenwartin des BdEG, Ingrid Hammerschmied, vor den Delegierten der elf Mitgliedsverbände des DTV, die acht Trachtenlandschaften des Egerlandes in teilweise verschiedenen Variationen vor. Dazu ergänzend fertigte der BdEG einen Flyer mit kurzen Trachtenbeschreibungen und Rollups zur öffentlichen Darstellung. Der Bund der Eghalanda Gmoin e.V. hatte bereits mit der Sonderausstellung „Egerländer Tracht – lebendige Heimat“ im Egerland-Museum ein sehr trachtiges Jahr 2021 eingeleitet. Mit der Ausstellung, die von Juli bis Oktober 2021 zu sehen war, hätten der Bund und
der Moderation von Roland Hammerschmied gestaltet. Die Ehre des Prädikats „Tracht des Jahres 2022“ geht einher mit der Teilnahme beim Bundestrachtenfest im Juni in Bruck in der Oberpfalz und am Gredinger Trachtenmarkt im September 2022. In Greding wird der BdEG erneut an zwei Tagen die Trachtenvorstellung halten und mit Tänzen auf der Hauptbühne glänzen. Außerdem werden in einem Marktstand Egerländer Trachtenteile, Trachtenstoffe und diverses Trachtenzubehör angeboten und vorgestellt. Volker Jobst
der Eghalanda Gmoin e.V. und seine Trachtenwartinnen gemeinsam mit dem Team des Egerlandmuseums hervorragende Arbeit geleistet, lobte auch die damalige Schirmherrschaftsministerin Carolina Trautner, die extra für die Ausstellung nach Marktredwitz gereist war. Beim Bundestrachtentag in Wendlingen am Neckar konnte sich das Egerland auch bei der abendlichen Brauchtumsveranstaltung mit einer ausführlichen Trachtenvorstellung, mit Egerländer Tänzen und Liedern sowie Egerländer Weisheiten präsentieren. Dieser Egerländer Block wurde von der EgerlandJugend Geretsried und Stuttgart unter
etzte Woche schrieb ich an dieser Stelle über die Bitte des jungen Königs Salomo aus dem Alten Testament um ein hörendes Herz. Ich sagte, daß diese Bitte in besonderer Weise ein Vorbild dafür sei, was wir den Politikern von heute wünschen sollten. Daran möchte ich diese Woche anknüpfen. Das gute Hinhören auf Gott und auf die Ansprüche der Gegenwart, auf die eigene innere Stimme und auf die Menschen, denen wir begegnen, ist letztlich für uns alle eine Grundbedingung für gelingendes Leben. Rein physiologisch gehört die Fähigkeit zu hören zum menschlichen Leben fast vom allerersten Anbeginn hinzu. Bei einem Embryo im Mutterleib bildet sich der Ansatz der Ohren schon nach den ersten sieben Tagen. In der zehnten Schwangerschaftswoche sind dann schon die Ohrgehäuse erkennbar. Nach zwanzig Wochen sind die Ohren beim Kind voll ausgebildet. Ungeborene können von da an alles vernehmen, was in ihrer kleinen Welt und in der unmittelbaren Außenwelt passiert. Damit ist das Hören der erste der Sinne, der beim Menschen fertig ist – und er ist im übrigen auch der letzte der Sinne, der bei seinem Sterben verlischt. Menschsein hat also genuin mit Hören zu tun. Im Psalm 40 der Heiligen Schrift richtet sich der Beter mit folgendem kurzem Lobpreis an Gott: „Das Gehör hast du mir eingepflanzt.“ Damit ist ausgedrückt, daß es ein besonderer Segen ist, hören zu können. Durch das Hören können wir Vertrautes und Fremdes voneinander unterscheiden, es werden Gedanken und Emotionen wachgerufen, und es erschließen sich Zusammenhänge. Der berühmte Theologe Karl Rahner ist der Frage nach dem Wesen des Menschen einmal mit einem Buch nachgegangen, dem er den Titel gab: „Hörer des Wortes“. Das Hören ist, so Rahner, nicht nur für den äußeren Menschen, sondern auch für den Menschen als geistiges und seelisches Wesen konstitutiv. Eigentlich gibt, wer hört, schon eine Antwort. Wir drücken einem anderen Menschen gegenüber aus: „Du bist mir nicht egal; ich achte dich, weil ich dir zuhöre; ich lasse mich auf dich ein, auch wenn ich möglicherweise nicht alles bejahen werde oder wenn manches, was du mir sagen willst, sogar Widerspruch erregen wird.“ Schön wird diese innere Haltung und Bereitschaft zum Zuhören in der bekannten Redewendung ausgedrückt: „Ich schenke dir mein Ohr!“ Wenn einer dem anderen sein Ohr schenkt, dann schenkt er ihm auch Zeit und letztlich sein Herz. Insofern hat König Salomo schon recht gehabt, als er vom hörenden Herzen sprach. So ist das gute Hinhören und Zuhören, auch das AufeinanderHören die Grundvoraussetzung für das Wunder menschlicher Kommunikation, auch der Kommunikation zwischen Mensch und Gott. Er hört auf uns, auf unseren Lobpreis, auf unseren Dank, auf unsere Bitte, und wir sind hoffentlich auch bereit, auf ihn zu hören. Ich schließe deswegen meine Gedanken mit einem Liedvers, den ich gerne in Gottesdiensten anstimme: „Herr, gib uns Mut zum Hören auf das, was du uns sagst. Wir danken dir, daß du es mit uns wagst.“ Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der katholischen Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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FORUM
Zum 120. Geburtstag von Anny Ondra
Zum 60. Todestag von Richard Reitzner
Filmstar und Boxerfrau
Urgestein der Sozis
keckes und übermütiges Mädel das deutsche Publikum. Unter Alfred Hitchcock folgten 1929 „Der Mann von der Insel Man“ und „Erpressung“. Sie war Hitchcocks erste blonde Mörderin und „Erpressung“ der erste englische Tonfilm. Da Ondras Englisch nicht gut genug war, aber Hitchcock nicht auf sie als Darstellerin verzichten wollte, ließ er ihren Part von der britischen Schauspielerin Joan Barry synchronisieren. Somit avancierte Joan Barry zur ersten Synchronsprecherin und Anny
Ondra zur ersten fremdsprachig synchronisierten Schauspielerin der Filmgeschichte. Die Synchronisation war ungewöhnlich: Ondra bewegte die Lippen, Barry sprach außerhalb des Bildes den ie kam als Anna Ondráková Text. 1902 zur Welt. Ihr Vater war 1930 gründete Ondra mit Kaein tschechischer k. u. k. Offizier, rel Lamač in Deutschland die weshalb die Familie häufig umOndra-Lamač-Filmgesellschaft, zog. So kam es, daß Anna außer die bis 1936 bestand. Ihre erste Tschechisch auch Deutsch, Franselbstgesprochene Tonfilmrolle zösisch und Englisch sprach. Die spielte sie in „Die vom RummelBlondine mit den großen Augen platz“ (1930). In dem Film beeinund den langen Beinen stand bedruckte sie nicht zuletzt mit Gereit mit 16 Jahren als leicht übersangs-, Tanz- und artistischen drehtes Mädchen in Prag auf Einlagen. der Bühne. Ein Jahr später gab Ein Mann, der in jener Zeit ihr der Regisseur und Produin Deutschland ebenfalls ein zent Gustav Machatý die TiStar war, war Schwergewichtstelrolle in dem Film „Die DaBoxweltmeister Max Schmeme mit dem kleinen Fuß“. Ab ling. Er verliebte sich in die 1920 arbeitete sie überwiedrei Jahre ältere Anny Ongend mit dem Regisseur und dra, 1933 heirateten sie. 1935 Schauspieler Karel Lamač zuspielten sie sogar gemeinsam sammen. Der Film „Gilly zum in dem Film „Knockout“. 1939 ersten Mal in Prag“ brachte zogen sie nach Rummelsburg ihr 1920 den Durchbruch. Sie in Pommern. Als Folge eines stieg zur führenden Komikerin Autounfalls erlitt Anny Ondra des tschechischen Films auf. eine Fehlgeburt. Es sollte ihre Mit den Filmen „Evas Töcheinzige Schwangerschaft bleiter“ (1928) und „Sündig und Am 6. Juli 1933 heiraten Anny Ondra und ben. 1945 flohen die Schmesüß“ (1929) eroberte sie als Max Schmeling in Bad Saarow. lings vor der Roten Armee aus Pommern. Ab 1946 lebten sie auf dem Land in Wenzensdorf bei Hamburg. In den 1950er Jahren gab Anny Ondra die Schauspielerei auf. Seitdem kümmerte sie sich vor allem um ihren Max und die gemeinsame Nerzfarm. Max Schmeling vertrat Coca-Cola in Kostenloses Probeabo Deutschland. (4 Wochen, endet automatisch) Am 28. Februar 1987 starb Ander Sudetendeutschen Zeitung, Print- und Onlineausgabe möglich ny Ondra mit 85 Jahren und wurde im niedersächsischen Hollenoder ein reguläres Abo stedt beigesetzt. Neben ihr fand (Bezug per Postzustellung) 2005 Max Schmeling nach 99 Lebensjahren seine letzte Ruhe. Sudetendeutsche Zeitung Das kinderlose Paar vermachte mit Reichenberger Zeitung · Heimatbote · Heimatruf in seinem letzten gemeinsamen Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft Wunsch seinen Besitz den SOSwöchentlich (125,00 EUR im Jahr) Kinderdörfern. Nadira Hurnaus
Anny Ondra, gefeierte Schauspielerin und Frau des deutschen Boxers Max Schmeling, wäre am 15. Mai 120 Jahre alt geworden.
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Am 11. Mai 1962 starb der gebürtige Egerländer Richard Reitzner. Dies nahm die Seliger Gemeinde zum Anlaß, bei ihrem diesjährigen Frühjahrsseminar diesen sudetendeutschen Sozialdemokraten mit einem Gedenken in seinem Geburtsort zu ehren. Reitzner kam nämlich in Einsiedel bei Marienbad am 19. August 1893 zur Welt.
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ichard Reitzner war der Sohn des Porzellanmalers und engagierten Sozialdemokraten Adolf Reitzner, der 1907 bis 1911 den nordböhmischen Wahlkreis Bodenbach im Wiener Reichsrat vertrat. Nach dem Besuch der Lehrerbildungsanstalt arbeitete Richard Reitzner als Lehrer und bildete sich darüber hinaus als Gasthörer an der Karls-Universität Prag fort. Reitzner war 1914 bis 1918 Soldat im Ersten Weltkrieg, schloß sich 1920 der Arbeiterbewegung an und wurde Mitglied der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP). In einem persönlichen Gespräch mit Emil Werner, das dieser im SudetenJahrbuch der Seliger-Gemeinde 1982 schilderte, erzählte Reitzner von dieser Zeit. Werner: „Reitzner nahm am Ersten Weltkrieg als Offiziersanwärter der österreichisch-ungarischen Armee teil. In Rußland geriet er in Kriegsgefangenschaft. Nach Ausbruch der russischen Revolution schloß er sich der Roten Armee an. Dort brachte er es bald zum politischen Kommissar im Range eines Divisionsgenerals. In Sibirien kämpfte er gegen die Tschechoslowaken, die die transsibirische Eisenbahnlinie in ihre Gewalt gebracht hatten.
Sein Truppenteil wurde schließlich abgeschnitten. Die Russen erhielten von Trotzki den Befehl, als Partisanen weiter zu kämpfen, die Ausländer sollten über die mongolische Grenze gehen. In Wladiwostok wurde Reitzner von den Tschechen verhaftet und – da seine Heimat inzwischen zur Tschechoslowakei geschlagen worden war – von einem Kriegsgericht zu einer langjährigen Strafe verurteilt. Später wurde er von Masaryk begnadigt und kam in seine Bodenbacher Heimat zurück. Nach der Spaltung 1921 schloß sich Reitzner der Kommunistischen Partei an, kehrte aber bald schwer enttäuscht zu den Sozialdemokraten zurück.“ Als der Einmarsch ins Sudetenland begann, entschloß er sich im Herbst 1938 mit seiner Familie, darunter sein 17jähriger Sohn Almar, nach Großbritannien zu emigrieren. So gelang ihm, sich gerade noch rechtzeitig einer Verhaftung des Hitlerregimes entziehen zu können. Im Exil in London leitete er mit Wenzel Jaksch und Ernst Paul eine Emigrantengruppe. Sie wehrten sich vehement gegen die Pläne der tschechischen Exilregierung, nach dem Zweiten Weltkrieg mehr als drei Millionen Sudetendeutsche aus der Tschechoslowakei zu vertreiben. Reitzner übersiedelte 1946 als Heimatvertriebener mit seiner Familie nach Westdeutschland und ließ sich in Eglfing bei München nieder. 1947 wurde er Stellvertretender Staatssekretär für das Flüchtlingswesen in Bayern. Reitzner gehörte dem Deutschen Bundestag von 1949 bis zu seinem Tode an. Dort leitete er ab
1953 den Arbeitskreis „Flüchtlinge und Heimatvertriebene“ der SPD-Fraktion. 1949 bis 1957 war er Stellvertretender Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Heimatvertriebene. Als 1950 der Bundesverband der Sudetendeutschen Landsmannschaft entstand, gehörte er zu den Gründungsmitgliedern. Gleichzeitig setzte er sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten für die erste Vertriebenen-Zeitung in Westdeutschland, die „Brücke“, ein. Im Gründungsprotokoll der Seliger Gemeinde vom 4. Juni 1951 ist der Einberufer Richard Reitzner MdB genannt. Bei der Gründungsversammlung der SeligerGemeinde am 10. und 11. November 1951 wurde dann Wenzel Jaksch zum Bundesvorsitzenden gewählt, und Richard Reitzner übernahm den geschäftsführenden Vorsitz, den er bis zu seinem Tode am 11. Mai 1962 in Haar bei München innehatte. Emil Werner charakterisiert Reitzner 1982 folgendermaßen: „Er war der geborene Vermittler und Ausgleicher; nicht etwa, weil er jedem nach dem Munde redete, sondern weil er jederzeit das Wichtigste vom Unwichtigen zu trennen wußte. Ihm vor allem ist es zu danken, daß die sudetendeutschen Sozialdemokraten ihre Position in (West-) Deutschland nicht durch Positionskämpfe und Streit schwächten. Er brachte alle zusammen; er war stets der ruhende Pol.“ Im Gedenken an den Mitbegründer der Seliger-Gemeinde wurde die Richard-ReitznerMedaille geschaffen. Sie wird seit 1975 in Anerkennung und als Dank für besonders aktive Mitglieder vergeben. Ulrich Miksch
PERSONALIEN Ein Leben für Verständigung und Aussöhnug
Marie Anna Steffke †
mit folgendem Zahlungszeitraum: jährlich durch Lastschrift halbjährlich durch Lastschrift vierteljährlich durch Lastschrift
Am 11. Mai starb Marie Anna Steffke, eine vielseitig engagierte, verdienstvolle Landsmännin und christliche Brückenbauerin aus dem Kuhländchen, im 91. Lebensjahr im Krankenhaus im oberfränkischen Hof an der Saale.
Name, Vorname Straße, Hausnummer Postleitzahl, Ort Telefon E-Mail
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 20 | 20. 5. 2022
20/2022
arie Anna Steffke kam am 20. Juli 1931 in Stachenwald bei Fulnek in Mähren zur Welt. Sie war das älteste Kind der Bauersleute Franz Steffke und Marie, geborene Teichmann. Mit ihren vier jüngeren Brüdern durfte sie eine glückliche Kindheit und Jugend verbringen. Nach schrecklichen Ereignissen wie Plünderungen und Mißhandlungen, Angst und Einschüchterung wurde sie am 30. April 1946 zusammen mit ihren Eltern, ihren Brüdern sowie ihrer Großmutter über Bayreuth ins Lager nach Oberkotzau in der Nähe von Hof vertrieben. Marie Anna Steffke arbeitete nach dem Abschluß der Volksschule in der Landwirtschaft, bis ihre Eltern 1952 einen Pachthof
und 1958 einen eigenen Hof erwerben konnten. Bereits 1952 war sie in die Ackermann-Gemeinde (AG) eingetreten, wo sie einen Landvolkshochschullehrgang für heimatvertriebene Mädchen besuchte. Gerne erinnerte sie sich nach Abschluß der Lehrgänge an das Versprechen: „Ich ergreife das Kreuz und den Pflug und bin bereit, treu zu wirken auf Gottes Ackerfeld.“ Im Arbeitskreis Landjugend in der Akkermann-Gemeinde wirkte sie von 1952 bis 1956 als Stellvertretende Vorsitzende und ab 1956 als Vorsitzende bei der Durchführung von Lehrgängen mit. Die Ausbildung und die Tätigkeit waren auch für ihr späteres Leben richtungsweisend und kamen ihr sehr zugute. 1969 übernahm sie nämlich die Funktion als Diplom-Bildungsreferentin im Bayerischen Bauernverband. Ab 1970 arbeitete Marie Anna Steffke für den AG-Bundesverband in München und wurde 1982 in den Bundesvorstand gewählt. Sie war von März 1988
bis März 1998 eine der beiden Stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Dadurch kam sie häufig in die Tschechische Republik, wo sie Begegnungen anregte und intensivierte. Hierbei war ihr auch die tschechische Sprache sehr nützlich, die sie in der Bürgerschule von Fulnek gelernt hatte. Dank ihres Mitwirkens wurde die Akkermann-Gemeinde auf tschechischem Gebiet erweitert und ausgebaut mit dem Ziel der Verständigung und Aussöhnung zwischen Tschechen und Sudetendeutschen. Zu Daniel Herman, dem Vorsitzenden der Stružení AckermannGemeinde in Prag, dem späteren tschechischen Kulturminister und Karls-Preisträger, unterhielt sie freundschaftliche Kontakte. Die Ackermann-Gemeinde ehrte sie für ihr so erfolgreiches wie nachhaltiges Wirken mit ihrer Goldenen Ehrennadel. Für ihre verschiedenen ehrenamtlichen Tätigkeiten wurde ihr 1982
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das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Als stellvertretende Vorsitzende des Vereins Alte Heimat Kuhländchen erhielt sie mehrere Dankurkunden. Seit 1985 engagierte sie sich auch intensiv in der Heimatgruppe Kuhländchen – München, davon jahrzehntelang im Vorstand. Zudem hatte sie dort 17 Jahre lang das Amt der Schriftführerin inne. Für ihr langjähriges kulturelles Engagement um die Heimatlandschaft und für ihr Bemühen um die Trachtenpflege und die Kuhländler Tänze verlieh ihr der Landschaftsrat Kuhländchen im Jahr 2000 die kleine und 2017 die große Verdienstmedaille. Marie Anna Steffke war ein zutiefst gläubiger Mensch, der noch mit ganzem Herzen an seiner Heimat hing und dort verwurzelt war. Für all ihren persönlichen Einsatz und ihr selbstloses Engagement als Brückenbauerin in unsere verlorene Heimat danken wir Kuhländler und alle anderen Landsleute ihr über den Tod hinaus von Herzen, aber auch dafür, daß wir ihr begegnen durften. Sie hinterläßt eine schmerzliche Lücke in unserem Kuhländler Freundeskreis. Aber wir bewahren ihr für immer einen festen Platz in unserer geistigen Mitte. Möge Marie Anna Steffke nun in der ewigen Heimat angekommen sein, die unser Herrgott für sie vorbereitet hat. Ulf Broßmann
Sudetendeutsche Zeitung Folge 20 | 20. 5. 2022
Am Internationalen Museumstag hat sich auch das Sudetendeutsche Museum in München beteiligt: Es gab kostenlose Sonderführungen im Museum und eine Performance der Sandkünstlerin Nadia Ischia im Adalbert-Stifter-Saal. Eine Führung zum Thema „Zwischen Himmel und Erde“ über die Religionsgeschichte Böhmens und Mährens bot Klaus Mohr, der Sammlungsleiter des Museums.
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KULTUR � Internationaler Museumstag im Sudetendeutschen Museum: Führung über Brauchtum und Glauben
Zwischen Himmel und Erde
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eligiös bedingte Konflikte, religiös beeinflußtes Kunsthandwerk und religiöses Brauchtum bestimmten lange das Leben der Menschen“, führt Klaus Mohr ein. „Wir werden uns jetzt in der Dauerausstellung Exponate über Glaube und Brauchtum ansehen“, so der Sammlungsleiter des Museums am Treffpunkt im Foyer. Dann geht es hinauf in das Obergeschoß, wo der spezielle Rundgang beginnt. Die allegorische Landkarte der „Regina Europa“, die auch das Gottesgnadentum der Herrscher
Exponate über religiöses Brauchtum wie Kruzifix, Totenbrett und Monstranz. Rechts Klaus Mohr zeigt einen Egerländer Hochzeitszug von 1840.
Sudetendeutsches Museum, Hochstraße 10, 81667 München-Au. Dienstag bis Sonntag 10.00–18.00 Uhr.
Beispiele für Volksfrömmigkeit und christliche Feste: eine Vitrine über Heiligenverehrung, Fasching, Ostern und Weihnachten. Die Führung „Pilsner Bier und Znaimer Gurken“ über typische Schmankerl Böhmens und Mährens am Internationalen Tag der Museen leitete Museumskuratorin Eva Haupt.
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n meinem Körbchen sind einige Spezialitäten aus den böhmischen Ländern“, beginnt Eva Haupt mit einem Korb auf dem Arm ihren Museumsrundgang. Die Kuratorin erklärt dabei Herkunft und Entstehung von böhmischem Bier und anderen Brauerzeugnissen, Wein aus Südmähren sowie aus dem Elbetal in Nordböhmen und vielen kulinarischen Spezialitäten im Sudetenland. So sei das Pilsner Urquell erstmals 1842 gebraut worden, und zwar mit Unterstützung des niederbayerischen Brauers Josef Groll. Zum Trinken seien auch die Heilwasser der böhmischen Kurorte gut gewesen, wie etwa der Gießhübler und Biliner Sauerbrunn oder das Wasser von
Klaus Mohr vor dem Sudetendeutschen Museum.
� Internationaler Museumstag im Sudetendeutschen Museum: Führung über heimatliche Küche
Pilsner Bier und Znaimer Gurken
Reklameschilder von sudetendeutschen Lebensmittelproduzenten.
Die Ausstellungswand zeigt historische Hersteller und ihre Arbeitsmethoden, Eva Haupt eine Flasche Becherbitter …
versinnbildlichten soll, ist die erste Station. „Damals waren Religion und Politik nicht zu trennen“, erklärt Klaus Mohr. Weiter geht es über Schaukästen zur Besiedlung, Klostergründungen und Christianisierung in den böhmischen Ländern und wichtigen Höhepunkten der Geschichte, dann kommt man zur Abteilung über Religion. Mohr erläutert die jeweiligen Besonderheiten der katholischen, protestantischen und jüdischen Glaubensrichtungen anhand wertvoller Schaustücke, meist Originale oder Faksimile. So gibt es eine Madonnenfigur aus Leitmeritz und auch Porzellanfiguren des Prager Jesuleins. „Vom Glauben geprägt sind auch viele handwerkliche Kunstschätze“, sagt Mohr bei Krippenfiguren und einer Weihnachtskrippe aus dem Egerland. Brauchtum und Volksfrömmigkeit mit Heiligenverehrung, Wallfahrten und christlichen Festen bilden den Schlußpunkt der spannenden Führung. Susanne Habel
Eva Haupt zeigt ein Oblaten-Waffeleisen.
… und ein Glas Znaimer Gurken.
Bilder: Susanne Habel
Mattoni. Kulinarische Markenzeichen seien Schmankerl wie Prager Schinken, Karlsbader Becherbitter und Karlsbader Oblaten, Znaimer Gurken und Olmützer Quargeln, erinnert Haupt und zeigt Exponate und Abbildungen. „Der Würfelzucker für Tee und Kaffee wurde erst 1840 im mährischen Datschitz von Jacob Christoph Rad erfunden.“ Auch die Produktion wird beschrieben mit vielen traditionellen Geräten, die teilweise im Original gezeigt werden, etwa eine bestimmtes Dreschinstrument oder ein Blaubeerkamm. Breiten Rahmen nimmt auch die Vermarktung ein mit schönen alten Reklameschildern und Werbeplakaten. Nach dem Applaus für Eva Haupt für ihre Führung eilen die hungrig gewordenen Teilnehmer in die Gaststätte Zum Alten Bezirksamt im benachbarten Haus des Deutschen Ostens, um sich dort mit heimatlichen Gerichten zu stärken. Susanne Habel
Bilder: Susanne Habel
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KULTUR
Der Adalbert-Stifter-Verein (ASV) bot in München eine Begleitveranstaltung zur aktuellen Ausstellung „Kulturelle Brücken in Europa“. Zu Gast im Sudetendeutschen Haus war der Autor Marek Toman, dessen neues Werk „Lob des Opportunismus“ (2021) vorgestellt wurde. ASV-Geschäftsführerin Zuzana Jürgens moderierte die Buchvorstellung, bei der Schauspieler Thomas Birnstiel Passagen aus dem Roman vortrug.
Sudetendeutsche Zeitung Folge 20 | 20. 5. 2022
� Buchvorstellung des Adalbert-Stifter-Vereins mit Marek Toman
Ein Palast erzählt Geschichte(n)
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arek Toman, der 1967 in Prag geborene Sohn eines 1968 nach Westdeutschland emigrierten Psychiaters, studierte an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität in Prag und arbeitete 1992 bis 1997 beim Tschechischen Rundfunk. Er veröffentlichte mehrere Romane, Gedichtbände und erfolgreiche Kinderbücher wie „Cukrárna u Šilhavého Jima“– deutsch „Die Konditorei zum Schielenden Jim“ –(2018), oft in Kooperation mit einfallsreichen Illustratoren. Für seine Romane läßt Toman sich von wahren Ereignissen der tschechischen und europäischen Geschichte inspirieren, insbesondere vom deutsch-tschechischjüdischen Leben in Prag. Ein Paradebeispiel dafür ist das neu auf deutsch erschienene Buch „Lob des Opportunismus“, das nun im Sudetendeutschen Haus vorgestellt wurde. Die tschechische Originalausgabe „Chvála oportunismu“ (2016) wurde mit dem den Preis des Tschechischen Literaturfonds ausgezeichnet.
Dr. Zuzana Jürgens, Dr. Thomas Thun, Thomas Birnstiel und Marek Toman. „Das Besondere des Romans ist der Erzähler“, führte Zuzana Jürgens ein. Dieser Erzähler bilde sich sehr viel ein auf seine Größe, seine Urteilsfähigkeit und seine Allwissenheit, wirke dabei aber häufig borniert und manchmal lächerlich. „Der Clou: ein Prager Palast ist der Erzähler.“
Das Prager Palais Czernin ist Schauplatz und Erzähler.
Am Internationalen Tag der Museen im Sudetendeutsche Museum in München (SDM) zeigte die Sandkünstlerin Nadia Ischia im Adalbert-Stifter-Saal die Performance „Eine Prise Sand erzählt“ über die Vertreibung und den Weg zur Aussöhnung.
Es handele sich um das Palais Czernin, das in seiner langen Geschichte viele Funktionen zu erfüllen gehabt habe: Residenz, Kaserne, Armenhaus, Sitz des Reichsprotektors und Außenministerium eines neuen Staates. So bewahre der Palast in seinen Wänden viele Geheimnisse, denen Marek Toman in seinem Buch auf der Spur sei. Dazu erklärte Toman, daß er als Autor keineswegs identisch sei mit seiner Erzählfigur. Das barocke Palais, kenne Toman gut, so Moderatorin Jürgens, arbeite er doch seit 1997 dort als Angestellter des Außenministeriums der Tschechischen Republik. Auch wenn sein Buch die ganze lange Geschichte des Palastes darstelle, so Toman, sei diese nicht Vergangenheit und entspreche der Geschichte Mitteleuropas. Im Palais Czernin habe man das Gefühl, die Leute aus der Vergangenheit seien noch dort, und man könne sie treffen.
Bild : Susanne Habel „Geschichte bleibt und schließt nicht einfach“. Aus den früheren Jahrhunderten hörte man nur wenig bei der Buchvorstellung. Zuzana Jürgens faßte zusammen: 1669 habe Humprecht Graf Czernin sich am Gelände oberhalb des Loretoplatzes einen Palast erbauen lassen, und zwar nach den Plänen eines italienischen Architekten. Da die Familie Czernin auch ein prunkvolles Stadtschloß in Wien besessen habe, sei das Prager Anwesen kaum genutzt worden.
Prager Adelspalais Später sei es unter anderem als Kinderheim genutzt worden. Eine weitere frühere Episode ergänzte Toman: Das Palais Czernin verliebe sich auch einmal, und zwar in die gegenüberliegende Loreto-Kapelle. Die Diskussionen und die Buchauszüge, die Thomas Birnstiel fabelhaft vortrug und fast
szenisch darstellte, befaßten sich dagegen mit zwei prominenten politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, die von dort aus wirkten. In der NaziZeit herrschte dort der Stellvertretende Reichs protektor Reinhard Heydrich, und später zog dort Jan Masaryk, der Sohn des Staatsgründers Tomáš Garrigue Masaryk, als Außenminister der neugegründeten ČSSR ein. Zwischen beiden historischen Figuren habe es Gemeinsamkeiten gegeben, führte Toman aus. „Beide erlebten die Zeit des Zweiten Weltkriegs, und beide erlitten ein brutales Lebensende.“ Außerdem seien beide sehr musikalisch gewesen. Als erste Buchpassage hörte man, wie Heydrich 1941 in das Palais einzog. Der erzählende Palast sei recht angetan vom Vizereichsprotektor, um so mehr, als er sich wegen seines italienischen Erbauers in Böhmen wenig heimisch fühle und sich selbst als
� Internationaler Museumstag im Sudetendeutschen Museum
Performance mit Sandkunst
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adia Ischia bot in „Eine Prise Sand erzählt“ eine ungewöhnliche Aufführung: Die italienische Sand-Art-Künstlerin zeigte am Internationalen Tag des Museums im Sudetendeutschen Haus einen SandkunstAuftritt. Dabei malte sie ihre Bilder, die auf der Leinwand live zu sehen waren, mit rieselndem Sand. Der Schauspieler Joe Henselewski begleitete die Kunst-Show mit einer Erzählung. Sepp, ein deutscher und Jiří, ein tschechischer Junge, sind gute Freunde, obwohl sie zu Hause verschiedene Sprachen sprechen, bis ihre Freundschaft auf die Probe gestellt wird, da die Vertreibung beginnt ... Diese „Performance“ – nach einem Drehbuch von Nad
Im Adalbert-Stifter-Saal: Joe Henselewski …
… und Nadia Ischia beim Sandkunstvortrag.
Nadia Ischia mit Kunstwerk im Adalbert-Stifter-Saal und beim Sandkunst-Workshop mit Lidia Ciotta (rechts im mittleren Bild) und begeisterten Kindern.
italienischen Aristokraten sehe, erläuterte Toman. Das Ende Heydrichs durch die aus England eingeflogenen Attentäter bot faszinierende Einblicke in Tomans Erzählstrategie mit Innenperspektive der Protagonisten. Der Schriftsteller wechselt oft im Minutentakt die Erzählperspektive und erzählt aus Sicht des Palais‘ über Heydrich sowie dessen Fahrer Klein und wieder zurück. Auch dadurch wird das eigentlich kurze Attentat fast zu einem längeren Drama. „Ein schriftstellerischer Trick“, so Toman. Die zweite längere Lesung schilderte die Szenerie im Palais Czernin kurz vor Jan Masaryks Tod durch den dritten Prager Fenstersturz. In der Nacht auf den 11. März 1948 stirbt der damalige tschechoslowakische Außenminister. Er wird tot im Innenhof des Palais‘, seines Amtssitzes, gefunden. Das erzählende Palais versucht noch, die eindringenden, Slowakisch sprechenden Eindringlinge durch Versperren der Schlösser der Ministersuite zu verhindern, ist jedoch nicht schnell genug. „Jedenfalls stirbt Masaryk, und mehr soll hier nicht verraten werden“, schloß der Verfasser des umfangreichen Buches. Susanne Habel
Marek Toman: „Lob des Opportunismus“, übersetzt von Raija Hauck. Wieser-Verlag, Graz 2021; 400 Seiten, 21 Euro. (ISBN 978-3-99029450-5) ja Schwarzenegger, Lidia Ciotta und Daniel Mielcarek vom Museumsteam – wurde mehrfach gezeigt. Zusätzlich erklärte Ischia in einem Kurs, wie die Kunstform „Sandkunst“ zustandekommt, und wie man selbst Sandkunst schafft. Nadia Ischia wurde im Trient geboren, wo sie am Ufer des Gardasees auch aufgewuchs. In Bologna studierte sie Pädagogik und an der Accademia Drosselmeier besuchte sie einen Kurs zum Verlegen von Kinderbüchern. Ihr Interesse für Kunst und Kinderbücher führte dazu, daß sie Radierung, Bildrestaurierung und Illustrationen für Bücher erlernte. Ischia: „Sandanimation ist eine komplexe Kunsttechnik.“ Die meisten Künstler seien Autodidakten. „Deshalb ist die Sand kunst eng mit der Persönlichkeit, Seele und Vorstellungskraft jedes Animators verbunden.“ Die vergänglichen Kunstwerke aus Sand faszinierten das Publikum, das sehr stark applaudierte. Susanne Habel
Bilder: Daniel Mielcarek/SDM
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VERBANDSNACHRICHTEN � BdV-Landesverband Hessen
� Kulturwallfahrt nach Niederbayern
Ludmilla, bayerische Rauten und mehr
Mitgenommen – Heimat in Dingen Der BdV-Landesverband Hessen eröffnete Ende April in Kooperation mit dem Haus des Deutschen Ostens München die Ausstellung „Mitgenommen – Heimat in Dingen“ im Wiesbadener Haus der Heimat.
Anfang Mai führte eine „Bayern und Böhmen, Ludmilla, bayerische Rauten und mehr“ betitelte Kulturwallfahrt in das mehr
als 900jährige Marienheiligtum auf dem Bogenberg als bedeutender niederbayerischer Wallfahrtsort und in die Abtei Seligenthal in
Landshut. Organisator und Leiter der Fahrt war SL-Bundeskulturreferent Professor Ulf Broßmann. Broßmann berichtet.
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iele Gemeinsamkeiten präg- hundert, verehrt wird. Bald wur- formulierte Gedanken über die Die Rückfahrt führte uns mit ten die Beziehungen von de der Bogenberg zum Berg der beiden Patrozinien Kreuzauffin- einem Abstecher zur Sankt-UlBayern und Böhmen im 12. und heiligen Maria oder Heiligen dung durch die heilige Helena richs-Kapelle nach Landshut in 13. JahrhunBerg von Nie- und Mariä Himmelfahrt. die Zisterzienserinnen-Abtei Sedert in Kirche Anschließend führten uns kun- ligenthal. Schwester Dorothea derbayern. und Staat. Der dige Historiker durch die Kirche berichtete uns, daß Ludmilla in Nachdem hohe Adel hatdie Pandemie und das Kreismuseum Bogen- der Stiftung bestimmt habe, daß te Verbindunjeden von uns berg. Sie erzählten ihrer täglich mit gen zum Böhrichtig durch- uns, wie die Raueinem Gebet gemischen Köten von Ludmilla geschüttelt dacht werden solnigsgeschlecht hatte, unter- zu den Wittelsbale, was bis heute der Przemysnahmen wir chern und ins Baygeschehe. Die Filiden, und so dankbar ei- erische Wappen guren Ludmillas kam es häufig ne Kulturwall- gekommen waren und ihres Wittelszu ehelichen fahrt zu die- oder wie die Wallbacher EhemanVerbindungen sen geschichts- fahrt entstanden nes Ludwig des zwischen beiwar. Interessant trächtigen Kelheimers, die den Seiten. Orten. Zu Be- waren auch die das einstige HochNach einer ginn stimm- Hinweise auf die grab in der Afrate Monsignore Pfingstwallfahrt solchen EheKapelle schmückKarl Wuchterl aus Holzkirchen schließung im Seligenthal: Ludmilla von Böhmen. ten, sind noch eralle Wallfahrer bei Vils Jahr 1184 zwihofen, die halten und auf Gnadenbild der Empore aufschen dem Grafen Albert III. von mit dem gemeinsam gesungenen seit 500 Jahren Bogenberg: Bogen und Ludmilla aus Olmütz, Lied von Paul Gerhard „Lobet durchgeführt wird. „Maria in der Hoffnung“. gestellt. Später der Nichte des Böhmischen Kö- den Herrn“ und einem irischen Die Kerze, ein mit wurde Ludmillas nigs Ottokar I., soll das Rauten- Reisesegen auf die Fahrt zum Bo- Wachs umwickelter 13 Meter Leichnam in die Gruft der Abteiwappen bei den Bogener Grafen genberg ein. langer Fichtenstamm, wird da- kirche überführt. Ihre Gebeine In der Marienwallfahrtskir- bei stehend von einem Mann den sind heute nicht mehr auffindbar, entstanden sein. Durch Ludmillas zweite Ehe 1204 mit Ludwig che zelebrierten Geistlicher Rat Bogenberg hinaufgetragen. und die Gruft ist nicht mehr bedem Kelheimer, Herzog von Bay- Adolf Rossipal und MonsignoDanach erwartete uns ein gu- gehbar. ern, kamen die Rauten zu den re Wuchterl eine bewegende Pil- tes Mittagessen im Gasthaus Zur Pünktlich kehrten wir nach Wittelsbachern und ins Bay- germesse. Unter dem Gnaden- schönen Aussicht, das wir bei München zurück. Den Aberische Wappen, nachdem das bild begrüßte uns Adolf Rossipal herrlichem Wetter im Biergar- schiedsgesprächen war zu entGeschlecht der Bogener Gra- und wies darauf hin, daß dieser ten mit Blick auf die Donau und nehmen, daß alle bei der Kulturfen ausgestorben war. Ludmil- Tag Philippus und Jakobus ge- den Gäuboden genießen durften. wallfahrt neue Erfahrungen hätla gründete 1232 die Zisterzien- weiht sei. Als die Orgaten sammeln können. serinnen-Abtei Seligenthal in nistin die heimatlichen Daran hatten unsere beLandshut, versah sie mit einer Kirchenlieder der Deutgleitenden Priester Karl Stiftung, um für sich und die Wit- schen Messe von Franz Wuchterl aus dem Egeranstimmte, telsbacher in der dortigen Afra- Schubert land und Adolf Rossipal Kapelle ihre Grablege zu finden. ging allen beim Mitsinaus dem Kuhländchen Seit 1286 ist die Wallfahrt auf gen das Herz auf. sowie die Kuhländlerin Nach der Lesung aus den 432 Meter hohen Bogenberg Christl Rösch, die nach bezeugt, dort betete man ver- der Offenbarung des Joder Vertreibung auf dem mutlich eine romanische Madon- hannes, die Maria-AnBogenberg gestrandet na aus Sandstein als Gnadenbild na Bittner sprach, trug war und die Idee zu der an, das um 1200 entstanden sein Wuchterl das JohanWallfahrt gehabt hatte, dürfte. Dieses Zeugnis roma- nes-Evangelium vor. In sowie Maria-Anna Bittnischer Volkskunst ist erhalten der Predigt ging Ros- Christl Rösch, Monsignore Karl Wuchterl und Prälat ner, ebenfalls aus dem geblieben. Der Kirchenbau von sipal auf aktuelle The- Adolf Rossipal. Kuhländchen, einen we1295 war jedoch zu klein gewor- men wie Pandemie und sentlichen Anteil. Ein den. So errichtete man 1463 eine Krieg ein, spendete aber am En- Überraschenderweise begrüß- herzliches Vergelt‘s Gott dafür, neue Wallfahrtskirche, in der das de Trost, indem er sagte: „Gott te uns dort Roland Scheufler, das auch der Sudetendeutschen Gnadenbild Maria in der Hoff- hat das letzte Wort, und es wird der Obmann der SL-Kreisgrup- Landsmannschaft gilt, ohne denung, wieder eine Steinfigur, da- alles gut ausgehen.“ Christl pe Straubing-Bogen. Eine schö- ren Zuschuß die Kulturwallfahrt tiert in das ausgehende 13. Jahr- Rösch las die Fürbitten, und ich ne Geste! nicht möglich gewesen wäre. Zisterzienserinnenabtei Seligenthal
Die Ausstellung
Der eigens aus München angereiste Direktor des Hauses ie Wanderausstellung er- des Deutschen Ostens, Profesinnert an Flucht, Vertrei- sor Andreas Otto Weber, führbung und Deportation der Deut- te in die Ausstellungsthematik schen aus dem östlichen Europa ein. Die Ausstellung sei bereits und erzählt beispielhaft anhand 2015 anläßlich des 70. Jahrestavon Alltagsgegenständen, die im ges des Kriegsendes entstanden. Flucht- und Vertreibungsgepäck Die Schicksale von Flüchtlingen, mitgenommen wurden, von per- Vertriebenen, Deportierten und sönlichen Schicksalen, wie sie bis Aussiedlern auf einer persönliheute von Krieg, Gewalt und Ver- chen Ebene darzustellen, sei dafolgung bedrohte Menschen auf bei das erklärte Ziel der Ausder ganzen Welt erleben müssen. stellungsmacher gewesen. Ein Aufruf zur Einsendung von GeAusstellungeröffnung im genständen, die im Flucht- und Vertreibungsgepäck mitgenomHaus der Heimat men worden seien, und den dazuDer zerfledderte Teddybär gehörigen Geschichten habe am aus dem Rucksack eines kleinen Anfang des Projekts gestanden. Brünner Mädchens, der Blech- Bewußt habe man die Ausstelteller aus dem Lalung nicht mit muger in Ungarn sealen Exponaten, oder die Schlüssondern mit Dinsel von „Zuhause“ gen aus Familienin Oberschlesibesitz bestücken en: Auf den erwollen, die für die sten Blick sind es Besitzer oder debanale Alltagsgeren Nachkommen genstände, die in einen emotionader Ausstellung len Wert hätten, zu sehen sind. Für so Weber. ihre Besitzer und Zu den Expoderen Nachkomnaten, die in der men haben sie jeAusstellung zu sedoch ihren hohen Staatssekretär Stefan Sauer hen sind, gehören ideellen Erinneein alter Firmenrungswert nie verloren. Dies be- stempel und weitere Dokumentonte auch die hessische BdV- te der Firma J. Püchner SpeziLandeskulturreferentin Ro- al-Holzblasinstrumentebau. Die se-Lore Scholz anläßlich der persönlich haftende GesellschafAusstellungseröffnung, zu der terin des Unternehmens, Gabriesie die geladenen Gäste im Haus le Nilsson-Püchner, erzählte ander Heimat begrüßte. Einen herz- hand eines sogenannten Maßelichen Dank richtete sie an alle buches des Firmengründers für Leihgeber der zahlreichen Expo- den Bau von Holzblasinstrumennate und an die Mitarbeiterinnen ten, das sie zur Ausstellungserder BdV-Landesgeschäftsstelle, öffnung mitgebracht hatte, von die zum Geihrer Firlingen der men- und Ausstellung Familienbeigetragen geschichhatten. Zute, die ihre gleich verWurzeln im wies die böhmischen LandeskulGraslitz hat. turreferen1897 meltin auf die dete Vintraurige Akzenz Püchtualität des ner dort ein Themas, da Rose-Lore Scholz dankt Gabriele Nilsson- Gewerbe als mehr als 70 Püchner mit Blumen. HolzblasinJahre nach strumentenEnde des Zweiten Weltkrieges in macher an. Als die Familie 1948 Europa wieder Hunderttausende ihre Heimat verlassen mußte, auf der Flucht vor Krieg und Ge- schmuggelten Familienmitgliewalt seien. der das für den Instrumentenbau Seit 4. Mai sind eine Aufzeich- unersetzliche „Maßebuch“ heimnung der Eröffnung sowie ein lich über die Grenze, da die Mitvirtueller Rundgang durch die nahme von Firmeneigentum unAusstellung auf dem YouTube- ter Strafe verboten war. Nach der Kanal „Culture to go“ des BdV- Vertreibung fand das FamilienLandesverbandes Hessen unter unternehmen, das inzwischen in www.youtube.com/culturetogo zu vierter Generation geführt wird, sehen. im hessischen Nauheim ein neues Zuhause. Musikalisch begleitet wurFriedliches und geeintes de der Vortrag von Gabriele Europa bleibt Auftrag Nilsson-Püchner von ihrem aus Stefan Sauer, Staatssekretär Schweden stammenden Eheim Hessischen Ministerium des mann Magnus Nilsson. MagInnern und für Sport, hob in sei- nus Nilson ist Solofagottist des nem Grußwort die Bedeutung Helsingborg Sinfonieorchesters einer lebendigen Gedenk- und Schweden. Er spielte mit seinem Kulturarbeit hervor. Die Vertrei- Fagott aus dem Hause Püchner bung von Millionen Deutschen Spezial-Holzblasinstrumentebau nach dem Zweiten Weltkrieg sei unter anderem den Egerländer ein Unrecht gewesen. Das er- Marsch. schütternde Schicksal der Heimatvertriebenen solle daher nieAusstellung „Mitgenommen mals in Vergessenheit geraten. – Heimat in Dingen“ bis 10. JuGerade vor dem Hintergrund des ni im Haus der Heimat, FriedrichUkraine-Krieges dankte Sauer straße 35, Wiesbaden, mittwochs dem BdV-Landesverband für sei- und donnerstags 10.00–17.00 ne Arbeit: „Mit Ihrer seit Jahr- sowie freitags 10.00–14.00 Uhr. zehnten betriebenen Politik der Der Eintritt ist frei. Das HessiVerständigung und des Ausglei- sche Ministerium des Innern und ches haben Sie sich zudem stets für Sport förderte die Realisierung für den Aufbau eines friedlichen der Ausstellung.
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Donauschlaufe im Gäuboden vom Bogenberg aus gesehen und die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt auf dem Bogenberg.
und geeinten Europa eingesetzt, was auch weiterhin ein wichtiger Auftrag bleiben wird.
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 20 | 20.5. 2022
� SL-Ortsgruppe Roth/Mittelfranken
Feier unterm Vogelbeerbaum D
Die Gäste aus Oberfranken in Preitenstein.
� SL-Bezirksgruppe Oberfranken
So lernt man Menschen kennen für vor kurzem den Förderpreis der SL in München erhalten, freut sich sein Vater Richard. Das Gasthaus, in dem das schmackhafte Mittagessen eingenommen wurde – die hervorragende böhmische Küche ist ja weit über die ezirksobfrau Margaretha Grenzen hinaus bekannt – ist Michel aus Pegnitz hat- im ehemaligen Rathaus unterte diese herrliche Busfahrt gebracht. mit EinstiegsmöglichkeiIn der Gruft des Schlosses ten in Pegnitz, Bayreuth und Preitenstein hielt Šulko eine Marktredwitz vortrefflich ge- ansprechende, Grenzen verplant und durchgeführt. Net- bindende Maiandacht. Dieschetin liegt in den nordwest- se Andacht führte der heimatlichen Ausläufern des Rako- verbliebene Egerländer im nitzer Hügellandes im Tal des Namen der Pfarrei Manetin Netschetiner Bachs. Im Nor- durch, früher Pfarrei Netscheden erhebt sich der 659 Meter tin. Er ist Akolyth, der Dienst hohe Dobrawitzer Berg, nach gilt in der Katholischen Kirche Osten schließt sich ein bewal- als die höchste der niederen deter HüWeihen. gelzug an. Außerdem Richard ist er LekŠulko, Vortor und zusitzender sammen des Bunmit seiner des der Familie – Deutschen die Mutter in Böhmen spielt Ormit Sitz in gel, seine NetscheFrau Irene tin, begrüß- Die „Målaboum“ Vojtěch und Richard. ist Lektote die oberrin – kümfränkischen Gäste. Er hat- mert er sich um die Kirche in te diese Begegnung von der Netschetin. Nach der Maianböhmischen Seite organisiert dacht gab es auch einen Muund bot nun ein hervorragen- seumsbesuch. Anschließend des Rahmenprogramm. Er war gestaltete Richard Šulko mit als Sohn einer deutschen Mut- seinem Sohn Vojtěch an der ter und eines slowakischen Va- Zither eine sehr heimische ters im Egerland zur Welt ge- Muttertagsfeier bei Kaffee und kommen und bezeichnet sich Strudel, umrahmt von vertrauals heimatverbliebenen Eger- ten Liedern der Heimat. „Wu länder. da Wälder hamlich rausch‘n“ Nach der Wende 1989 grün- und „Is Feierobnd“, beide von dete sich der Bund der Deut- Anton Günther, durften dabei schen – Landschaft Eger- nicht fehlen. land, den Šulko zunächst führDann hieß es Abschied zu te. Ziel dieses Verbandes war, nehmen von diesen herzlichen Minderheitsrechte für die hei- Begegnungen, aber verbunmatverbliebenen Deutschen den mit der Hoffnung auf ein durchzusetzen sowie eine Völ- Wiedersehen. Auf der Heimkerverständigung zwischen fahrt wurde in Ellbogen geBürgern der Tschechischen halten, wo sich die MöglichRepublik und der Bundesre- keit bot, den Marktplatz diepublik Deutschland zu stiften. ser wunderschönen Stadt zu Auch mit seinem Bund der durchschreiten mit einem Deutschen in Böhmen kämpft wunderbaren Blick zur Burg. Šulko für den Erhalt der deut- Im Bus gab es gute Unterschen Sprache und des Eger- haltung mit „Radio Sudetenländer Kulturerbes. Die Völ- land“, dargeboten vom Obkerverständigung insbeson- mann der SL-Ortsgruppe Baydere zwischen Deutschen und reuth, Manfred Kees. Tschechen sei ihm wichtig, Diese Fahrt – der Frühling sagt er. Dazu gebe es im Ort zeigte sich von seiner besten viele Vereinsaktivitäten, auch Seite – war ein Erlebnis, das die Egerländer Volkstanz- man lange in guter Erinnerung gruppe „Die Målas“ und das behalten wird. Dank an die OrDuo „Målaboum“. ganisatoren Margaretha MiSein jüngerer Sohn Vojtěch chel und Måla Richard Šulko. (Adalbert) habe nicht nur da- Bernhard Kuhn
Die bayerische SL-Bezirksgruppe Oberfranken unternahm Anfang Mai eine Frühlingsfahrt nach Netschetin und Umgebung mit grenzüberschreitenden Begegnungen und Maiandacht.
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triebene seien gezwungen gewesen, eine neue Existenz aufzubauen. „Für viele war das ein neuer Anfang, und sie sind ein bodenständiger Teil von uns geworden.“ Trotz des erfahrenen Leids, sei diese Geschichte bemerkenswert.
Netzwerk, das vorangetrieben wird.“ Es sei der Zeit geschuldet, daß viele Fragen zwischenzeitlich schon nicht mehr beantwortet werden könnten. as sei ein Anlaß zur FreuChrista Naaß, Präsidentin der de, Dankbarkeit und BesinSudetendeutschen Bundesvernung, erklärte Obmann Dieter sammlung, Generalsekretärin Heller in seiner Festrede. Aber des Sudetendeutschen Rates und es gebe nicht nur Grund zum FeiStellvertretende Bezirkstagspräern. „Viele von uns werden dasidentin, lobte ebenfalls das Envon zum Nachdenken und zum gagement der Rother Ortsgrupwehmütigen Zurückerinnern pe rund um Dieter und Hanneloveranlaßt.“ Schließlich sei die re Heller: „Eine Riesenleistung.“ Gründung am 1. Dezember 1950 Das Wirken der Sudetendeutnicht aus den üblichen Vereinsschen sei ein wichtiger Faktor im gründen und zur Pflege der Gekulturellen, sozialen und politiselligkeit erfolgt. Vielmehr sei schen Bereich. sie der Zusammenschluß einer Mit Blick auf den Krieg in der Schicksalsgemeinschaft für Hei- Ein perfekt böhmakelnder „böhmi- Ukraine mahnte Landrat Herbert matvertriebene gewesen. „Die scher Gast“ alias Eberhard Heiser. Eckstein: „Die Geschichte wieaus dem Sudetenland Vertriederholt sich. Es muß eine Ebene benen fühlten sich in der neuDie sudetendeutsche Volks- des Dialogs gefunden werden.“ en Heimat ziemlich alleingelas- gruppe übernehme die Verant- Den Einsatz der SL wisse er, Ecksen und erhofften sich Hilfe und wortung der Mahner und Beken- stein, sehr zu schätzen. Anerkennung durch einen sol- ner der europäischen Idee, atteEine Willkommenskultur, wie chen Verein.“ In den letzten sie- stierte Bundestagsabgeordneter sie heute gelebt werde, habe es ben Jahrzehnten seien zahlrei- Ralph Edelhäußer. Die Unrechts- während der damaligen Vertreiche Veranstaltungen als Erinne- vertreibung dürfe nicht in Ver- bung nicht gegeben, erinnerte rung an die Heimat organisiert Landesobmann worden. Die Mitglieder der RoSteffen Hörtther SL seien besonders rührig. ler. Die EinglieZahlreiche Landsleute waderung der Suren Hellers Aufruf gefolgt, um detendeutschen mit Freunden im Rother Stadthabe Jahre gepark die Vereinsdauert. „Wir begeschichte Rehalten und pflevue passieren zu gen unsere Kullassen. Gefeiert tur.“ Er, so wurde am Fuße Hörtler, beobachdes Vogelbeerte ein bayernweit baumes, den die großes Interesse, Ortsgruppe zum mehr über eigene 60jährigen BeWurzeln in Erfahstehen gepflanzt rung bringen zu Ortsobmann Dieter Heller, Hannelore Heller wollen. „Es ist eihatte und wo sie mit Ehrenamtsengel und Bürgermeister An- ne unglaubliche sich regelmädreas Buckreus. ßig trifft. Bei heiAufgabe, Wissen matlichem Geweiterzugeben.“ bäck und Oblagessenheit geraten, forderÜber die lobenden Worte freuten verfolgten te Landtagsabgeordneter te sich Dieter Heller. „Schön, daß die Landsleute Volker Bauer. „Für nach- unsere Arbeit anerkannt wird.“ den Vortrag von folgende Generationen ist Um dem fehlenden Nachwuchs Norbert Schindso etwas völlig unbegreif- entgegenzuwirken, sei es nun ler, der die Grünlich.“ Der Freistaat Bay- von besonderer Bedeutung, beidung und die ern nehme für die Weiter- spielsweise Denkmale aufzustelEntwicklung der Ortsgruppe le- gabe von Wissen jedenfalls sehr len. „Wenn wir nicht mehr da bendig machte. viel Geld in die Hand. Lobend er- sind, wird zumindest damit an Aus der Einladung zur damali- wähnte Bauer, daß die Geflüch- diese Geschichte erinnert wergen Vorstandswahl zitierte er: „Es teten für einen regelrechten Ent- den.“ wird dringend gebeten, nur cha- wicklungsschub nicht nur im RoZum Festakt durften Auszeichrakterlich einwandfreie Lands- ther Umland gesorgt hätten. nungen für verdiente Mitglieder leute einzuführen, um von vornIn dieselbe Kerbe schlug Syl- nicht ausbleiben: Die Verdienstherein unsaubere Elemente fern- via Stierstorfer MdL: „Ich weiß, medaille der SL in Silber wurzuhalten.“ Anfang der 1950er de Eberhard Heiser, Obmann Jahre hätten 432 „großjährider SL-Bezirksgruppe Mittelge“ Landsleute in Roth gefranken, übergeben. Über eilebt, teilweise mit Frau und ne Bronzemedaille durfte sich Kindern. Gut 18 Prozent hätAlfred Blasig freuen. Das groten sich in der SL-Ortsgrupße Ehrenzeichen erhielten pe Roth organisiert. Viele nenChristina Gropper, Norbert nenswerte Unternehmungen Schindler, Anneliese Schmidt wie der Flüchtlingsball oder und Brigitte Streb. Für Edeletliche Faschingsbälle seien traud Möller, Elke Schmidt veranstaltet worden. „Diese und Marion Schwarz gab es jefanden auch regen Zuspruch weils das kleine Ehrenzeichen. bei der einheimischen BevölEine Dankurkunde bekam Diekerung“, berichtete Schindler ter Heller für 65, Rudolf Donth anhand der Archivunterlagen. für 60, Christa Graff, HanneloFür Bürgermeister Andreas re Heller, Irmgard Meier, HuBuckreus ist klar: „Diese Gebert Modi, Horst Schätz, Erischichte muß am Leben ge- Alfred Blasig, Landesobmann Steffen ka Staub und Brigitte Streb für halten und an die folgenden Hörtler mit der Medaille und Hannelore 40, Christa Gropper für 25 soGenerationen weitergegeben Heller mit der Laudation für Blasig. wie Margit Lades, Eva Pflugwerden.“ Er selbst verkörpere haupt, Marion Schwarz und die dritte sudetendeutsche Ge- was Sie für Bayern leisten. Oh- Sunnhilde Straußberger für zehn neration in seiner Familie. „Mein ne die Sudetendeutschen hätte Jahre Treue zur SudetendeutGroßvater wurde aus Troppau der Freistaat einen solchen wirt- schen Landsmannschaft. vertrieben, der heutigen Partner- schaftlichen Schwung nach dem Zur großen Überraschung von stadt von Roth.“ Krieg nie erlebt.“ In ihrem Amt Hannelore Heller überreichte Auch die Europaabgeordnete als Beauftragte der Bayerischen Bürgermeister Buckreus ihr zuMarlene Mortler war von der hi- Staatsregierung für Aussiedler dem den Ehrenamtsengel der storischen Bedeutung der Feier- und Vertriebene versprach sie: Stadt Roth. Dankend nahm Hellichkeit begeistert: „Ihr seid ein „Ich bin Ihre Anwältin und für Sie ler im Namen aller Mitglieder tolles Team und habt Geschich- da.“ Aus ihrer täglichen Arbeit die Auszeichnung entgegen. te.“ Mehr als 15 Millionen Ver- wisse sie: „Es besteht ein großes Marco Frömter Mit zweijähriger Verspätung feierte die mittelfränkische SLOrtsgruppe Roth dieser Tage ihr 70jähriges Bestehen.
Die SL Roth und ihre Geburtstagsgäste.
Bilder: Yevheniia Frömter (2), Gerd Streb (1), Hannelore Heller (1)
Der Gedenkkranz und Landesobmann Rudolf D. Fischer.
� SL-Landesgruppe Berlin
Obmann dankt Italien Rudolf D. Fischer, Obmann der SL-Landesgruppe Berlin, nahm Ende April an einer Reise des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Landesverband Berlin, nach Sizilien teil. Er berichtet.
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eben dem Besuch von zahlreichen Sehenswürdigkeiten, Kulturstätten und archäologischen Anlagen auf der größten italienischen Insel, von denen viele zum UNESCO-Welterbe zählen, wurden auch mehrere Soldatenfriedhöfe der an den Kämpfen im Sommer 1943 beteiligten Nationen besucht. In Anwesenheit von Stephan Hadraschek vom Volksbund-Landesverband Berlin, dem örtlichen Friedhofsverwalter Vito Paolo Marullo mehr als 20 Reiseteilnehmern aus Deutschland legte Fischer am Gedenkkreuz der deutschen Kriegsgräberstätte Motta Sankt‘ Anastasia bei Catania einen Gedenkkranz mit den Farben und dem Schleifenaufdruck der SL nieder. In seiner Gedenkrede dankte Fischer den Vertretern und Gästen des Volksbundes für die Errichtung und Betreuung dieser sich in einem hervorragenden baulichen Zustand befindlichen Kriegsgräberstätte. Diese sei 2010 und 2011 komplett saniert und im April 2011 unter großer öffentlicher Beteiligung wieder eingeweiht worden. Im Namen der SL dankte Fischer ferner dem italienischen Volk und der Regierung der Republik Italien, daß es bereits im Dezember 1955, gerade zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, möglich gewesen sei, ein deutsch-italienisches Kriegsgräberabkommen zu schließen. Dieses sei bis in die Gegenwart keine Selbstverständlichkeit, immerhin warteten die Sudetendeutschen bis heute vergeblich auf den Abschluß eines völkerrechtlich gültigen deutsch-tschechischen Kriegsgräberabkommens. Schließlich gab Fischer seiner Hoffnung Ausdruck, daß der durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine in Europa verloren gegangene Frieden bald wieder auf unseren Kontinent zurückkehre. Abschließend beteten alle für den Frieden. Die deutsche Kriegsgräberstätte Motta Sankt‘ Anastasia, acht Kilometer westlich von Catania gelegen, erhebt sich über einem Talgrund inmitten einer der schönsten Landschaften Siziliens. Sie ist von dem Massiv des Ätna geprägt, des höchsten noch tätigen Vulkans Europas. Der Friedhof wurde als Gruftbau angelegt, in dessen nicht zugänglichem Untergeschoß sich die Sarkophage mit den Gefallenen befinden. Mehr als 4500 deutsche Kriegstote fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Sie waren im Laufe von Jahrzehnten vom Umbettungsdienst des Volksbundes aus allen Teilen Siziliens hierher verlegt worden.
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VERBANDSNACHRICHTEN
Sudetendeutsche Zeitung Folge 20 | 20. 5. 2022
Ackermann-Gemeinde
Afghanistan. Deutschland. Ich. Deutsche Kriegsgräber in Eger. Bild: Wilhelm Simeon
Ein Afghane stand im Mittelpunkt des jüngsten Kulturzooms der Ackermann-Gemeinde (AG).
Volksbund
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Nie wieder Auf der Kriegsgräberstätte im Egerer Stadtfriedhof fand Anfang Mai eine Gedenkveranstaltung statt, die der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge organisiert hatte. Eine Reihe prominenter Vertreter von beiden Seiten der Grenze war zu dem Gedenken gekommen. Wilhelm Simeon vom Kulturverband in Eger und Prag berichtet.
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ie Bestattung der sterblichen Überreste begann bereits im Jahr 2008, mittlerweile sind hier 6004 deutsche Tote aus dem Zweiten Weltkrieg begraben. „Die Veranstaltung wurde anläßlich des zehnjährigen Jubiläums der Begräbnisstätte organisiert“, sagte die Sprecherin des Rathauses von Eger, Simona Liptáková. „Wegen Corona konnte der Jubiläumsakt vor zwei Jahren nicht stattfinden. Die Begräbnisstätte für mehr als 6000 deutsche Soldaten und Zivilisten, die während des Zweiten Weltkrieges auf unserem Gebiet gefallen sind, wurde 2010 fertiggestellt.“ In den Reden erklang der dringende Appell: „Nie wieder!“ Anschließend verlieh der Volksbund der Stadt Eger die Auszeichnung Glocke von Rovereto als Dank für die Errichtung der Kriegsgräberstätte auf dem städtischen Friedhof. Thomas Bauer, Mitglied des Bundesvorstandes des Volksbundes, überreichte Oberbürgermeister Antonín Jalovec die Glocke. Vorbild ist die Gefallenenglocke von Rovereto, gegossen aus Kanonen ehemaliger Gegner im Ersten Weltkrieg in Norditalien. Sie ist eine der höchsten Auszeichnungen, die der Volksbundes-Landesverband Bayern vergibt. Er hat die Patenschaft für die Kriegsgräberstätte in Eger. Im Anschluß an die Gedenkveranstaltung wurde eine vom Auswärtigen Amt geförderte neue Ausstellung feierlich eröffnet. Sie ist eines der letzten Projekte, die zur Aktion „19für19“ zum 100jährigen Bestehen des Volksbundes gehören. Hierzu wertete der Volksbund 19 ausgewählte Kriegsgräberstätten zu besonderen Lernorten auf.
er 33jährige Hassan Ali Djan floh mit 16 Jahren für seine Familie nach Deutschland. Schon mehrmals schilderte er bei AG-Veranstaltungen seine Erfahrungen und schrieb inzwischen das Buch „Afghanistan. Deutschland. Ich. Meine Flucht in ein neues Leben“. Moderatorin Sandra Uhlich las ein paar Passagen vor, die Djan erläuterte und vertiefte. Der 1989 in Almitu geborene Djan floh über die Türkei und Griechenland nach München, wo er 2005 ankam. Nach einer abgeschlossenen Lehre absolvierte er die Meisterschule für Elektrotechnik und machte sich Anfang des Jahres selbständig. Er besitzt seit 2015 die deutsche Staatsbürgerschaft, ist verheiratet und lebt in München. Seine Mutter sowie seine drei Schwestern und drei Brüder leben in Afghanistan, er konnte ihnen von München aus Schule und Studium finanzieren. Nach dem Rückzug der internationalen Truppen aus Afghanistan 2021 und der Machtübernahme durch die Taliban veränderte sich die Situation für seine Familie. Politische und wirtschaftliche Ungewißheit herrscht, nicht nur seinen Geschwistern fehlen die Zukunftsperspektiven. In der ersten Szene aus dem Buch geht es um Djans mit 42 Jahren verstorbenen Vater und die weitere Versorgung der Familie. Da die Verwandten nicht helfen konnten, mußte der damals elfjährige Junge diese Aufgabe übernehmen, zumal die Mutter zu dem Zeitpunkt mit Djans jüngster Schwester schwanger war. Er arbeitete als Hirte oder Diener bei einem Bauern, und das bei nicht selten widrigem Wetter, das sogar das mitgenommene Essen steinhart werden oder aufweichen ließ. Oft schrie ihn der Bauer an und verprügelte ihn. Langsam beschloß er, im Iran Arbeit zu suchen. „Ich machte mir damals viele Gedanken, um die Familie über Wasser zu halten. Letztlich gab es keine andere Möglichkeit. Schlimmer konnte es nicht werden“, sagte er. Bis Kandahar war er im Kofferraum eines Autos – und das bei nicht asphaltierten Straßen. „Die Fahrt war die Hölle. Zwar tat sich unterwegs Verzweiflung auf, aber ich mußte durchhalten, mit meinen Gedanken ins Lot kommen.“ Über Pakistan ging es in den Iran nach Teheran, wo er zunächst von der Größe der Stadt und dem vielen Autoverkehr etwas erschlagen
war. Trotz seiner erst 16 Jahre fand er Arbeit am Bau. Die Motivation, der treibende Gedanke bis heute war und ist die Unterstützung der Familie in Afghanistan. Mit zwei Freunden entschied er sich dann, weiter nach Europa zu flüchten. Sie gelangten nach Griechenland, wo nun aber jeder auf sich allein gestellt war und seine Chance suchen mußte. „Das war emotional sehr schwierig. Wenn einem was passiert, müssen die anderen trotzdem weiter.“ Im Ersatzreifen im Unterbau eines Lastwagens fuhr Djan drei Tage lang von Griechenland nach München, wo er zunächst in einem Flüchtlingslager unter-
Hassan Ali Djan, Veronica Frenzel: „Afghanistan. Deutschland. Ich. Meine Flucht in ein besseres Leben“. Verlag Herder, Freiburg 2018; 224 Seiten, 14,99 Euro. (ISBN 978-3-45181483-9) kam. Im Übergangswohnheim setzt die zweite Szene aus dem Buch an. Dort betreuten ihn Sozialarbeiter und eine ehrenamtliche Caritas-Mitarbeiterin. Vor allem die Treffen mit der CaritasHelferin waren hilfreich. Er lernte neue Wörter, erfuhr viel über Geschichte, Kultur und das politische oder demokratische System in Deutschland und konnte über sich, seine Familie und seine Probleme erzählen. Wichtig war für ihn das Erlernen der deutschen Sprache, „auch ohne zu wissen, ob man bleiben kann“. Als Handlungsmaxime rät er: „Egal was passiert – ehrlich und direkt bleiben. Offenheit – nicht alles in eine Ecke schieben.“ So gewann er viele Freunde und fand andere, neue Wege und Ideen. Ob ein Bankmitarbeiter, der ihm in Mathematik half, oder Studenten im Englischen Garten, wodurch er auf die Idee kam, an der Universität durch einen Aufruf Nachhilfekräfte zu finden. Auch hier gilt für Djan, ehrlich
und offen um Hilfe zu fragen und diese dann auch anzunehmen. Im Rückblick war die Zeit bis zum definitiven Erhalt der Aufenthaltszusage die schwierigste. „Das raubt Energie. Und wenn der Antrieb fehlt, kommt es zur Verzweiflung und zum Rückzug. Man traut sich nicht, sich zu öffnen.“ Bei ihm verminderten die Begegnungen mit Menschen, die ihn unterstützten und mit denen er in Gespräche kam, diese Zweifel. Bei den aktuellen Ukraine-Flüchtlingen rät er, diese erst einmal ankommen und ihre Traumatisierungen verarbeiten zu lassen, und sie dann in einen Sprachkurs oder eine Ausbildung zu schicken. Ob Djan noch Kontakt zu den beiden Freunden, mit denen er in Griechenland war, habe, wollte Bernhard Dick wissen. Den einen hätten die Taliban nach dessen Abschiebung aus Großbritannien zurück nach Afghanistan wegen seiner Helfertätigkeit für ausländische Truppen erschossen. Der andere lebe in Italien, mit ihm sei er in Kontakt. Nach dem gesellschaftlichen Umgang mit den Geflüchteten aus der Ukraine im Gegensatz zu früheren Flüchtlingen fragte die JA-Bundessprecherin Julia Schäffer. Für Djan ist die Nähe des Krieges der Grund für die höhere Hilfsbereitschaft. Der Fachkräftemangel in vielen Bereichen führe zudem dazu, daß versucht werde, die Leute möglichst überall unterzubringen. Darüber hinaus verwies er auf die Vorsicht oder Zurückhaltung gegenüber der islamischen Religion sowie dem Islamismus. Die Schicksale und Hintergründe seien unterschiedlich. „Die Menschen aus der Ukraine gehen wohl nach dem Krieg zurück.“ Die Bedeutung des Glaubens als Kraftquelle sprach Christian Geltinger an. „Es gibt nur einen Gott, der die Welt und die Kreaturen geschaffen hat. Das glaube ich. Der Glaube spielt bei mir eine große Rolle“, bekräftigte Djan. Abschließend lenkte Moderatorin Uhlich den Blick auf die aktuelle Situation in Afghanistan und der Familie von Djan. Die Machtübernahme der Taliban sei ein großer Rückschlag gewesen, vor allem für die jungen Menschen, denen vielfach Bildung und Perspektiven verwehrt würden. „Die jungen Menschen sind deprimiert. Es ist eine Rückentwicklung, die das Land kaputt macht.“ Auch weiterhin will er seine Mutter und seine Geschwister unterstützen, damit sie trotz der fehlenden Perspektiven ein möglichst gutes Leben führen können. Markus Bauer
Karl Wilfing, Bürgermeisterin Angela Baumgartner, Jaroslav Ostrčilík, Dr. Josef Höchtl, Brigitta Appel, Norbert Kapeller und Hans-Günter Grech. Bild: Gertrude Dwornikowitsch
Heimatlandschaft Südmähren
40 Jahre Südmährerhof Ganz im Zeichen des Friedens und der Völkerverständigung stand der Festakt anläßlich 40 Jahre Südmährerhof Ende April im Museumsdorf im niederösterreichischen Niedersulz. Neben der Segnung des Hofes durch Prälat Karl Rühringer stand auch die Ehrung eines verdienten tschechischen Südmährers durch den niederösterreichischen Landtagspräsidenten Karl Wilfing auf dem Programm.
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ine Institution ist das Museumsdorf Niedersulz im Weinviertel. Die Anfänge dieses einzigartigen Freilichtmuseums reichen bis Ende der 1970er Jahre zurück. Weil damals in vielen Dörfern des Weinviertels alte Häuser abgerissen und durch moderne Neubauten ersetzt wurden, reifte bei Josef Geissler die Idee, ein typisches Weinviertler Dorf als Museumsdorf in Niedersulz aufzubauen. Kurz darauf hatte der Pfarrer Josef Koch, Obmann der heimatvertriebenen Südmährer in Österreich, die Idee, dieses Dorf um einen typischen Hof aus Südmähren zu ergänzen. 1981 bis 1982 wurde deshalb im Museumsdorf ein Hof aus Neudek an der Thaya rekonstruiert. Der Südmährerhof dokumentiert seither Geschichte und Kultur der einst deutschsprachigen südmährischen Bezirke Neubistritz, Zlabings, Znaim und Nikolsburg. Deren Bewohner wurden – wie fast alle 3,3 Millionen deutschsprachigen Altösterrei-
cher in der Tschechoslowakei – in den Jahren 1945 und 1946 enteignet und zum Teil brutal aus der Heimat nach Deutschland und Österreich vertrieben. Anläßlich des 40jährigen Bestehens des Südmährerhofes als eines der Herzstücke des Museumsdorfes fand ein großer Festakt statt. Landtagspräsident Karl Wilfing hielt in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna MiklLeitner eine Festrede, in der er die Wichtigkeit von Frieden und Völkerverständigung unterstrich und auch eine Brücke zu den tragischen aktuellen Ereignissen in der Ukraine schlug. Unter den geladenen Festgästen befanden sich unter anderem der tschechische Historiker Jiří Kacetl aus Znaim und sein Landsmann Jaroslav Ostrčilík aus Brünn, der seit vielen Jahren den Marsch der Versöhung zum Gedenken an die Opfer des Brünner Todesmarsches organisiert. Als Dank für dieses Engagement überreichte Landtagspräsident Karl Wilfing die Ehrennadel in Gold des Verbands der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich an Ostrčilík. Prälat Karl Rühringer, der 1945 im Alter von fünf Jahren mit seiner Familie aus Südmähren vertrieben worden war, segnete anschließend den Südmährerhof sowie die neu gestaltete Dauerausstellung. Zum Abschluß des Festaktes erklangen die niederösterreichische Landeshymne, der 99er-Regimentsmarsch sowie die Europahymne.
SL-Ortsgruppe Krefeld/Nordrhein-Westfalen
Osterwasser und Lipizzaner Ende April traf sich die Frauengruppe der nordrhein-westfälischen SL-Ortsgruppe Krefeld im Gemeindesaal der Pfarrei Sankt Augustinus in Krefeld-Oppum.
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Ein reger Austausch über die Ereignisse der letzten Wochen folgte. Auch ließen wir unseren Besuch auf dem Heiligenhof Revue passieren und kamen zu dem Ergebnis, solch eine Tour zu wiederholen. Nilges erinnerte an die
er Tisch war gedeckt und dekoriert, Kaffee und selbst gebackener Kuchen standen bereit, als uns unsere Ortsobfrau Gerda Nilges herzlich begrüßte. Danach ließen wir mit einem Lied die Geburtstagskinder hochleben, und Nilges überreichte ihnen ein kleines Präsent. Gerda Nilges und die Krefelder SL-Frauen.
anstehende Landesfrauentagung und den Sudetendeutschen Tag. Wegen des kürzlichen Osterfestes las sie uns Otfried Preußlers Geschichte „Osterwasser“ vor, die in Preußlers Isergebirgsheimat spielt. Im Morgengrauen stiegen die Kinder Gisa, Hanne und Anneliese auf den Jeschken. Krüge voll Quellwasser trugen sie mit sich. Schweigend versprengten sie das Osterwasser über den Berg und das Land. Sie waren der Meinung, daß jetzt die Heimat noch
schöner geworden sei. Anneliese sagte später: „Die Heimat ist schöner geworden seitdem – und wird schöner mit jedem Tag. Manchmal glaube ich fast, sie sei in Wirklichkeit niemals so schön gewesen wie jetzt – wenn wir an sie denken.“ Helga Engshuber berichtete über die Rettung der in Hostau untergebrachten Lipizzaner am Ende des Zweiten Weltkrieges in den Westen, die nur dank amerikanischer Soldaten gelang. Auf Wunsch einiger Frauen stimmten wir uns bekannte Volkslieder an und schlossen mit unserem Traditionslied „Kein schöner Land“. Gertraud Rakewitz
Eingang zum Südmährerhof.
Bild: Karl Gruber
Blick in die Dauerausstellung des Südmährerhofs: die Küche als Mittelpunkt des Hauses. Bild: Christian Werner
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AUS DER HEIMAT
Sudetendeutsche Zeitung Folge 20 | 20.5. 2022
� Bund der Deutschen in Böhmen und ÖLM
Sisi und die Lipizzaner Maibaumfest am 30. April auf dem Plachtin.
Die Österreichische Landsmannschaft (ÖLM), früher Deutscher Schulverein, unterstützt humanitäre Projekte und fördert die deutschen Volksgruppen in Europa bei der Erhaltung ihrer gemeinsamen Sprache und Kultur. Seit ihrer Gründung wirkt sie für den Erhalt deutscher Kultur, wo sie bedrängt ist. Weil der Bund der Deutschen in Böhmen mit seiner Volkstanzgruppe „Die Målas“ und dem Duo „Målaboum“ zu den aktivsten Ver-
bänden der deutschen Minderheit in der Tschechischen Republik gehört, lud die ÖLM ihn 2020 nach Wien ein. Böhmen gehörte bekanntermaßen 1526 bis 1918 zu Österreich, und Wien war die Hauptstadt und der Sitz des Kaisers. Wegen Corona mußte die Reise zwei Mal verschoben werden, aber Anfang April ging es los: „Liebe Kinder, wir fahren endlich nach Wien!“ Richard Šulko, Vorsitzender des Bundes, berichtet.
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Richard und Irene Šulko, Abt Filip Zdeněk Lobkowicz und Terezie Jin řichová bei dem Feldkreuz, wo am 1. Mai die Prozession beginnt.
� Bund der Deutschen in Böhmen
Geräuchert zur Wallfahrt Klaus Oehrlein aus Würzburg dazu, dessen Wurzeln hier liegen, und man konnte starten. Es war ziemlich kalt, und als die Prozession losging, waren nur etwa 20 Pilger dabei. Bevor aber die Heilige Messe nstatt die Marktplätze von mit dem Einzug begann, war Großstädten zu füllen und die Kirche doch ziemlich voll. kommunistischen Schwach- Die musikalische Begleitung sinn zu unterstützen, übernahm Terezie fahren einige GläuJindřichová, Leiterin bige aus Deutschland des deutschen Verund Westböhmen eines in Pilsen und nach Maria Stock, um Mitglied der Egerländen Marienmonat mit der Volkstanzgruppe der Muttergottes zu „Die Målas“. beginnen. Für viele, In seiner Predigt die auf dem Land leerwähnte Abt Lobkoben, gehört aber der wicz, wie wichtig es 1. Mai zu einer Her- Emilia Slívová sei, das ganze Leben ausforderung. in Frieden zu leben: Am Vorabend wird „Liebe pflegt Frieden, nämlich der MaiSünde den Krieg.“ In baum aufgestellt, und der zweiten Bank saß dazu gehört ein LaEmilia Slívová, die im gerfeuer. Dabei werJahre 1956 in dieser den Knacker im FeuKirche heiratete. Daer gegrillt und mit mals stand noch das ordentlich Bier runganze Dorf, das sich tergespült. Als jein den sechziger Jahmand, der am näch- Eva Haufová ren im Zuge des Baus sten Morgen um acht der TrinkwassertalUhr mit dem Auto fahren muß, sperre an der Schnella auflömuß man Sprüche der Nach- ste. barn aushalten wie „Da pasEmilia Slívová kam aus siert nichts.“ oder „Das kannst Abertham zu diesem Fest und du ruhig trinken.“ Das nächste freute sich über die BegegMerkmal sind die Haare, die nung. Nach dem Schlußlied nach zwei Stunden am Feuer lud der Organisator, der Verganz schön riechen, und man ein „Unter dem Dach“ aus ist sehr bald wie eine Wurst Theusing, zu Bratwurst und gut durchgeräuchert. Krautsuppe. Die BegegnunNun war der 1. Mai gekom- gen zwischen den Deutschen men, und da man den Versu- und den Tschechen, aber auch chungen am Vorabend stand- zwischen den „Touristen“ und gehalten hatte, ging die Pil- den Gläubigen gehören zu gerreise zum Wallfahrtsort den wichtigsten Zielen dieser der Vorfahren los. Am Feld- Wallfahrten. kreuz, wo eine neue Sitzbank Wenn man dann noch eine steht, trafen sich Zdeněk Fi- gute Bratwurst dazu essen und lip Lobkowicz OPraem, der mit gutem Bier begießen kann, Abt des Prämonstratenser- ist die Welt in Ordnung. Noch stifts Tepl, und meine Frau Ire- ein schöneres Erlebnis bereine. Sogleich probierten sie die tete die Ziehharmonikaspiemassive Holzbank aus. Dann lerin Eva Haufová. Mit alten tauchte das tschechische Fern- böhmischen Volksliedern versehteam auf, um eine Reporta- schönerte sie den Nachmittag. ge über die Wallfahrt zu dre- Eine Begegnung voller Glauhen. Als zweiter Priester kam ben und Nächstenliebe. Måla Richard Šulko, Vorsitzender des Bundes der Deutschen in Böhmen mit Sitz in Netschetin, berichtet von der Wallfahrt nach Maria Stock bei Ludenz im Egerland.
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m Vorabend der Reise kam von Lady Diana, aber ich verste- te Stadtrundgang an der ältesten meine Tochter Terezie nach he nicht viel davon. Schade, daß Kirche Wiens, der romanischen Plachtin und sagte: „In die- die Mordwaffe und das Kleid, das Rupprecht-Kirche, vorbei an der ser Nacht sollen bis 15 Zenti- Sisi beim Attentat trug, im Muse- Ankeruhr, dem Graben und dem meter Neuschnee fallen.“ Und um nicht ausgestellt sind. Wir sa- Kohlmarkt bis zum Stephansso war es. Der Schlaf war also hen nur eine kleine Fotografie. dom. In der Kirche wurde gerade nicht besonders, zudem mußten Ansonsten eine sehr beeindruc- die Passion gesungen, weil diewir schon um halb vier Uhr auf- kende Dauerausstellung. Auch ser Sonntag Palmsonntag war. Da stehen, wir wußten ja nicht, wie über das Leben von einst und von die Kinder die Pferdekutschen die Straßenverhältunserem Kaiser konn- bewunderten, wollten die jungen nisse sein würden. Es ten wir einiges erfah- Damen selbstverständlich auch war rutschig, aber um ren und einen Blick in die berühmten Lipizzaner sehen. viertel nach fünf wadie Zeit unserer Vor- Die Gruppe näherte sich geraren wir in der Hotelfahren werfen, die in de der Hofburg, als Richard rief: garage beim Bahnder k. u. k. Monarchie „Schnell, die Pferde werden gehof in Pilsen. Vor algelebt hatten. rade von ihren Stallungen in die lem die Kinder hatten Vor dem Ereig- Hofburg überführt!“ Nun waren es schwer, die jüngnis Metrofahren, wor- die Kinder aber zu langsam und ste Mitreisende war auf sich die Kinder mußten sich mit der Sicht auf die die knapp dreijähriam meisten freuten, Pferde aus weiter Entfernung zuge Marie. Um viertel Der Blick aus dem blieb noch Zeit für ei- frieden geben. Doch es gibt gevor sechs Uhr war un- Zugfenster inspi nen kleinen Bummel nug Pferdekutschen im Zensere zwölfköpfige Rei- riert die kleine durch die Mariahil- trum, und damit waren die Kinsegruppe da. Der erste Egerländer Malerin fer Straße und – wie der schließlich auch zufrieden. Reiseabschnitt konn- Karoline. es sich in Wien geÜber die Lipizzaner gibt es eite beginnen. Mit dem hört – auch zum Be- ne spannende Geschichte aus „Expressrüttelzug“ ging es von such einer Konditorei mit einem dem Egerland. In Hostau gab es Pilsen nach Budweis, von Bud- Kafetscherl und einer Sachertor- bis 1945 ein Lipizzaner-Gestüt. weis mit dem zweiten Zug nach te. Dann aber jubelten schon die Die edlen Pferde wurden in eiČeské Velenice/Gmünd und Kinder: „Hurra, wir fahren mit ner spektakulären Aktion am dann mit den ÖBB von Gmünd der Metro und steigen sogar ein- 15. Mai 1945 mit Hilfe der Amenach Wien. mal um.“ Die Einquartierung in rikaner nach Bayern gebracht. Als der Zug in Gmünd los- einem Jugendgästehaus verlief Österreich ehrte den zuständifuhr, merkten wir, daß wir in ei- schnell, und die meisten woll- gen Oberstleutnant Hubert Runer anderen Welt sind. Der Wag- ten ins Bett. Nur die hungrige Fa- dofsky aus Hostau 1985 für seigon glitt so geräuschlos über milie vom Richard junior mußte ne Verdienste um die Lipizzaner. die Gleise, daß die meisten so- noch etwas essen. Wie gerufen Nun ging es schnell zum fort einschliefen. Um halb zwölf kam da die Einladung von Wolf- Bahnhof. Mit einem „Danke Uhr begrüßte uns Egerländer der gang Steffanides von der ÖLM, schön“ an UlFranz-Joseph: zwar nicht der Kai- der aus Kladrau bei Mies stammt. rike Raich und ser persönlich, aber der Bahnhof Rund zwei Kilometer in ein öster- die ÖLM für in der Innenstadt. Dort erwarte- reichisches Gasthaus laufen und die Gastfreundte Ulrike Raich, die uns Deutsch- retour: Da hatten die Beine ih- schaft endete böhmen begleitete und ein reich- re 100 Frühjahrskilometer ge- der schöne Behaltiges Programm für die zwei schafft. such in unserem Tage vorbereitet hatte. Sonntagfrüh startete der zwei- Wien. Die Stadtbesichtigung ging sofort los: Wiener Rathaus, Der Bund der Deutschen in Böhmen vor dem Hofburg von außen, die vieWiener Stephansdom. len schönen breiten Straßen Bild: ein unbekannter Wiener und engen Gassen, durch welche sich die Gruppe schlängelte. Wien ist einfach schön und gehört zu den lebenswertesten Städten der Welt. Um Kräfte zu sammeln, wurde die Gruppe zu einem reichhaltigen Mittagessen eingeladen: Das Restaurant Centimeter in der Innenstadt ist ein typisches Wiener Lokal, und das bestellte Menu gab uns allen Kraft bis zum Abend. Der Höhepunkt der Reise war für die meisten der Besuch des Sisi-Museums in der Hofburg. Weil noch ein wenig Zeit blieb, besuchten wir noch die Silberkammer. Die wohl am meisten bewunderten Gegenstände waren das Porzellan aus dem Egerland. Nun aber zu Sisi: Angesichts der Film-Trilogie von Ernst Marischka mit Romy Schneider in der Hauptrolle wollten vor allem die Frauen wissen, wie die Realität ausgesehen habe. Mich erinnert das Schicksal der Kaiserin Elisabeth an das Baldur Haase, Kreisratsmitglied des Heimatkreises Braunau im Riesengebirge, kündigt das Dorfbuch „Rosental“ an, für das er das Manuskript im Auftrag des Vereins erarbeitete.
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Pfarrer Klaus Oehrlein, Abt Filip Zdeněk Lobkowicz und die Wall fahrtskirche Mariä Heimsuchung. Bilder: Richard Šulko (4)
ie Reihe der Dorfbücher erschien 1979 bis 2003. Das über Rosental – die Gemeinde wurde 1966 in Braunau eingemeindet – ist das 25. und letzte Buch. Damit sind alle der mehr als 40 Dörfer und Kleinstädte des Kreises erfaßt, wie er von 1938 bis 1945 bestand. Die Bücher doku-
� Heimatkreis Braunau/Riesengebirge
Neues Dorfbuch mentieren die jahrhundertealte Geschichte der Ansiedlung und erzählen über die Menschen, die bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dort lebten. Dieses Buch ist unterteilt in die Hauptkapitel ,,Rosental – eine Perle im Braunauer Ländchen“, ,,Verwaltung und Gestaltung des Zusammenlebens“, ,,Alltag im Dorf“, „Rosental im
Ersten Weltkrieg und die Gründung der ČSR“ sowie ,,Im Deutschen Reich – Krieg und Vertreibung“. Dazu gibt es fast 50 Unterkapitel. Zudem werden alle Opfer von Krieg, Gewalt und politischem Fanatismus gewürdigt, egal welcher Art, Nationalität und Religion diese waren. Und nicht zuletzt basiert der Inhalt auf der mehr als 20jährigen
Gabriele Jandl-Schneider ist Vor sitzende des Heimatkundevereins Rothmühl und Heimatstubenbe treuerin in Oestrich-Winkel.
� Kulturstiftung
Rotmühls Geschichte ist im Netz Das Hessen-Team des Leuchtturmprojekts „Virtuelle Heimatsammlungen“ der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen war Mitte April im westhessischen Oestrich-Winkel im Rheingau zu Gast.
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ier befinden sich im Oberund Dachgeschoß des ehemaligen Rathauses im OestrichWinkeler Stadtteil Hallgarten eine Heimatstube und ein Archiv. Träger ist der Heimatkundeverein Rothmühl, der 1973 gegründet wurde. Seit 1972 ist Hallgarten Patengemeinde der Marktgemeinde Rothmühl/Radiměř. Alljährlich finden hier auch die Rothmühler Heimattage statt. Zum Sammlungsbestand gehören Kulturgüter aus Rothmühl und Umgebung, darunter historische Vereinsfahnen, Trachten, Haushaltsgegenstände sowie mehrere besonders reizvolle Marionetten nebst Theaterkulissen. Besonders reichhaltig ist das Archiv, in dem sich mehr als 4000 Originaldokumente und -urkunden, Chroniken und andere handgeschriebene Bücher befinden. Bild- und Videoarchiv informieren über das historische und gegenwärtige Rothmühl. Tonträger dokumentieren die Rothmühler Mundart. Für das Projekt „Virtuelle Heimatsammlungen“ digitalisierte das Team der Kulturstiftung im historischen Rathaus ausgewählte Exponate der Vertriebenensammlung für die Projektwebseite www.heimatsammlungen.de. Zudem wurden die Räumlichkeiten für eine 360-Grad-Ansicht abgelichtet und die digitalisierten Ausstellungsstücke für ihren virtuellen Auftritt im Internet vorbereitet. Auf der Projektseite wird die Heimatsammlung mit ihren Digitalisaten schon bald in ihren kulturellen Kontext eingebettet und mit vielen Zusatzinformationen versehen zu sehen sein. Das Leuchtturmprojekt „Virtuelle Heimatsammlungen in Hessen“ der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen wird finanziell durch das Hessische Ministerium des Innern und für Sport gefördert und dient der Erhaltung des deutschen kulturellen Erbes aus dem östlichen Eu ropa. Es knüpft an das erfolgreich in Nordrhein-Westfalen gelaufene Projekt „Virtuelle Heimatsammlungen NRW“ an. Städtepartnerschaft von Forchheim und Braunau. Besuchen Sie uns am Sudetendeutschen Tag zu Pfingsten in Hof an der Saale. Sie finden uns am Stand der Riesengebirgler Heimatkreise. Baldur Haase: „Rosental – Rožmitál (Broumov)“, Dorfbücher des Kreises Braunau/Sudetenland, 25. Band. Bestellung: Heimatkreis Braunau (Museum), Paradeplatz 2, 91301 Forchheim, eMail baldurhaase@web.de, 19,80 Euro plus Versandkosten.
Reicenberger Zeitung
Sudetendeutsche Zeitung Folge 20 | 20. 5. 2022
Stadt und Kreis Reichenberg
Kreis Deutsch Gabel
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Nordböhmi[e Um[au
Kreis Friedland
Redaktion: Nadira Hurnaus, Baiernweg 5, 83233 Bernau, Telefon (0 80 51) 80 60 96, eMail rz@sudeten.de
Kreis Gablonz
� Friedland
Konditorei Adieu
Posselt-Gruft einst …
… und heute.
Bilder: Stanislav Beran
� Friedlands Gräber-Verordnung
Wann die Ruhe endet Stanislav Beran widmet sich den verlassenen Gruften deutscher Herkunft auf dem Friedhof in Friedland.
F
olgende Verordnung wurde nur in tschechischer Sprache veröffentlicht. Hier meine Übersetzung. „Bekanntmachung über die verlassenen Gruften auf dem städtischen Friedhof in Friedland. Die Bekanntmachung wird bis zum 27. Juni 2022 an der offiziellen Anschlagtafel und auf der Webseite der Stadt Friedland veröffentlicht. Danach entscheidet der Stadtrat, ob die Gruften von der Stadt übernommen werden. Innerhalb des Zeitraums, in dem die Bekanntmachung veröffentlicht wird, kann der Eigentümer der Gruft oder sein Nachkomme Anspruch auf das Eigentum erheben. Nach Ablauf der Veröffentlichungsfrist dürfen die Gruften nur noch an Berechtigte verpachtet werden. Hier sind weitere Informationen, wie Sie das Eigentumsrecht und die Möglichkeit der Anmietung einer alten deutschen Gruft beantragen können. Informationen zum Nachweis des Eigentums an einer Gruft: Ein Antragsteller, der ein Nachkomme des ursprünglichen Eigentümers der Gruft ist, weist das Eigentum auf folgende Weise nach: l durch einen amtlich beglaubigten Erbbescheid (bei fremdsprachigen Dokumenten ist eine amtliche Übersetzung ins Tschechische beizufügen); l durch einen amtlich beglaubigten Auszug aus dem Personenstandsregister, aus dem eindeutig hervorgeht, daß er/sie ein Nachkomme der verstorbenen Personen ist, deren Namen auf der Gruft stehen. Alle Dokumente müssen im Original oder als amtlich beglaubigte Kopie per Post an das Stadtamt in Friedland Městský úřad Frýdlant, odbor majetkosprávní, nám. T. G. Masaryka 37, 46401 Frýdlant, Tschechische Republik geschickt werden. Wenn die erforderlichen Unterlagen vorgelegt werden, geht die Gruft in das Eigentum des berechtigten Antragstellers über. Mit dem Antragsteller wird ein Pachtvertrag über die Vermietung der Gruft auf dem Friedhof in Friedland für eine Mindestdauer von zehn Jahren gegen eine Gebühr von 3000 Kronen abgeschlossen, die vor Vertragsabschluß zu zahlen ist. Die maximale Laufzeit des Vertragsverhältnisses beträgt 20 Jahre für eine Gebühr von 6000 Kronen. Danach kann der Vertrag auf Antrag des Mieters verlängert werden. Der Eigentümer des Grabmals ist verpflichtet, es auf eigene Kosten in ordnungsgemäßem Zustand zu erhalten.
Möglichkeit der Vermietung einer Gruft nach Übernahme durch die Stadt: Gemäß Vertrag Nr. 521/1992, Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit, ist es nicht möglich, deutsche Gräber an andere Personen zu vermieten, die keine Nachkommen der in den Gräbern bestatteten Verstorbenen sind. Personen, die nachweisen, daß sie Nachkommen der in den Gräbern bestatteten Verstorbenen sind (Auszug aus dem Standesamt), können gegen eine Gebühr von 3000 Kronen, die vor Vertragsabschluß zu entrichten ist, einen Pachtvertrag mit einer
Information über Ende der Ruhe. Mindestlaufzeit von zehn Jahren erhalten. Die Höchstdauer des Vertragsverhältnisses beträgt 20 Jahre für eine Gebühr von 6000 Kronen. Danach kann der Vertrag auf Antrag des Mieters verlängert werden. Der Mieter ist verpflichtet, die Gruft auf eigene Kosten in ordnungsgemäßem Zustand zu erhalten.“ Sehr merkwürdig ist, daß Bürgermeister Jiří Stodůlka die Kommunikation zwischen Deutschland und Friedland nur in tschechischer Sprache akzeptiert. Auf meine Frage nach dem Grund antwortete er mir, daß die Amtssprache in der Tschechischen Republik Tschechisch sei und daß jeder Deutsche, der sich für die Gruften in Friedland interessiere, im Internet Informationen über sie in tschechischer Sprache finden und nachlesen könne. Als ich Stodůlka fragte, ob er die deutsche Botschaft oder die deutsche Presse über die Lage der Gruften informiert habe, antwortete er, daß die Informationen über die Gruften vor sieben Jahren an das deutsche Konsulat in Prag geschickt worden seien und daß sich damals niemand gemeldet habe. Ich glaube, er wollte damit verdeutlichen, daß er niemanden in Deutschland informieren werde. Er erzählte mir, daß er auch in Deutschland gewesen war. Nach der Wende habe er mit
seinen tschechischen Freunden beim Bau des neuen Flughafens in München geholfen. Zu dieser Zeit habe er seinen Lebensunterhalt mit dem Verlegen von Gipsplatten verdient. Aber angeblich habe er da nicht viel verdient. Nach seinem Beruf fragte ich ihn nicht. Ob er die deutsche Sprache beherrscht, ist mir auch nicht bekannt. Die Frage, ob jemand über den Zustand der Gruften und die Bekanntmachung in Deutschland informiert wurde, stellte ich in der Friedhofsverwaltung Jana Černá. Auch sie hatte niemanden informiert. Sie sagte mir: „Wir haben den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds um finanzielle Hilfe gebeten, aber sie haben uns nichts geschickt.“ Fertig – erledigt. Als ob niemand die Informationen erfahren sollte. Sehr interessante Antwort. Wir haben kein Geld erhalten, also werden wir niemanden über den Zustand der Gruften und unsere Abmachung in Deutschland informieren. Interessant, daß heute, 30 Jahre nach der Unterzeichnung des Vertrages, an deutschen Gruften in Friedland Schilder angebracht werden, auf denen steht, daß sie nach Ablauf der Ruhezeit zerstört werden: „Toto hrobové místo je propadlé a bude dle hřbitovního řádu zrušeno. Dostavte se k vyřízení do kanceláře.“ Obwohl es laut dem Vertrag von 1992 nicht erlaubt ist, wurden mehrere der schönsten Gruften in der Vergangenheit vermietet und haben jetzt neue tschechische Besitzer. So wurde die Gruft von Otto Posselt aus Gablonz, an der seit einiger Zeit eine schwarze Tafel mit tschechischer Schrift angebracht ist, aufgelassen. Die Tafeln mit den Namen der damaligen Verstorbenen sind verschwunden. Der jetzige Besitzer der Gruft stammt aus Prag und wohnt in Berzdorf bei Friedland, er hat mit der Familie Posselt nichts zu tun. Der Sägewerksbesitzer Otto Posselt, Alleininhaber der Firma Herbig & Klette, kam am 24. April 1875 in Gablonz zur Welt und starb am 24. September 1929 im Alter von 55 Jahren im Krankenhaus in Uschhorod. Seine Beerdigung erfolgte am Mittwoch, 2. Oktober 1929 um 15.30 Uhr in der Familiengruft auf dem Friedhof in Friedland in Böhmen. In der gleichen Gruft wurden auch Karolina Hübner, geborene Hausmann (25. Dezember 1828 bis 29. Januar 1893), Adolf Hübner (1. April 1839 bis 18. Februar 1910) und Karl Hübner (29. Februar 1856 bis 14. Februar 1901) bestattet. Diese alten Daten sind von der Gruft verschwunden. Auch die historisch wertvollste Gruft der Familie Czörnig ist jetzt im Besitz einer tschechischen Familie.
Vor rund 120 Jahren eröffnete Otto Hampel in Friedland eine Konditorei mit Café. Vor einem guten Jahr, Ende Dezember 2020, machte der Laden dicht. Eine lange und märchenhafte Kaffeehaus- und Konditorei-Tradition, deren Geschichte bis zum Beginn des vergangenen Jahrhunderts zurückreichte, ging damit zu Ende.
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Bürgerschule in Friedland besucht hatten. Neben der Konditorei Hampel gab es in Friedland noch die Konditoreien von Alexander und Marie Aigner in der Schillergasse Nr. 48, Otto und Luise Fleckna in der Reichenberger Gasse Nr. 275, den Zuckerbäcker Wilhelm Kollotz in der Mühlgasse 456 und die Konditorei von Emil Pilz, Zuckerbäcker in der Herrengasse Nr. 29. In der Familie vom Zuckerbäcker Wilhelm Kollotz wurden Anfang 1927 zwei Todesfälle registriert: Am Freitag, 25. Februar 1927, starb im 17. Lebensjahr nach zweimonatiger Krankheit plötzlich an Herzlähmung Johanna Zorn, ein Waisenkind, das von dem Zuckerbäcker-Ehepaar Kollotz adoptiert worden war. Die Verstorbene wurde in ihrer Heimatstadt Landskron beerdigt. Einen Monat später, am Donnerstagvormittag, 24. März 1927, starb im 69. Lebensjahr Marie Bösmüller, geborene Pilz, die Mutter des Bezirksbeamten Stefan Bösmüller und der Konditors-Gattin Berta Kollotz. Die Beerdigung der Verstorbenen fand am Samstag, 26. März, um 16.00 Uhr auf dem Friedländer Friedhof statt. Bei der Versteigerung im Dezember 1934 gingen die Häuser Nr. 48 und 49 in Friedland (Konditorei Aigner) zu einem Preis von 256 500 Kronen (Schätzwert 322 000 Kronen) in den Besitz des Herbert Makovsky, Rechtsanwalt in Friedland, über. Nach der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei wurde der tschechische Konditor Miroslav Lacina zum sogenannten nationalen Verwalter der Konditorei Hampel ernannt. Die nationale Verwaltung wurde nicht immer den fähigsten und geeignetsten Personen anvertraut. Miroslav Lacina kaufte von Soběslav Špidlena, dem Leiter des Kolonialwarenladens in Buschullersdorf, 200 Kilogramm Kristallzucker, für den er 8000 Kronen bezahlte und fünf ge-
m das Jahr 1900 begann Otto Hampel seine Laufbahn als Konditor in einem winzigen Laden in der Friedländer Schloßgasse, schräg gegenüber der Gaststätte Österreichischer Hof, die später zum Reichshof umbenannt wurde. Seine Ware war aus unverfälschtem Material und sein Fruchteis erste Sahne. Seine berühmte Spezialität – eine Kaffeetorte aus zartem Haselnußbisquit, die in der österreichisch-ungarischen Monarchie nur 20 Heller gekostet hatte – war ein lukullisches Gedicht. Das Rezept hatte Otto Hampel von einem französischen Großkonditor, bei dem er in Amerika Geselle gewesen war. Das Geschäft lief gut. Legendär war auch sein Streuselkuchen, der sogar bis in die sächsische Nachbarschaft geliefert wurde. Im November 1909 erwarb Hampel ein größeres Geschäft im Haus Nr. 64 in der gleichen Gasse neben dem Uhrmacher Haupt, nur wenige Schritte von dem Marktplatz entfernt. In den dreißiger Jahren vergrößerte er seine Konditorei bedeutend. In dem Haus hatten sich zuvor die Josef-KratzmannDelikatessenhandlung und ein großes Schuhwarengeschäft befunden. Der Besitzer Kratzmann verkaufte es für 32 000 Kronen an Otto Hampel. Der Delikatessenhändler kaufte anschließend das Haus Nr. 41, das an das Rathaus angrenzte und den Erben von Altbürgermeister Johann Kraus gehörte. Am 10. Oktober 1924 feierten der Konditoreibesitzer Otto Hampel und seine Frau Anna, geborene Wittmayer, ihre Silberhochzeit. Neben einem hervorragenden Kaffee und verschiedenen Torten bot die Konditorei interessante und regelmäßige Veranstaltungen. In der Konditorei bei Anna Hampel verbrachte unter anderem regelmäßig der Christliche Frauenhilfsverein Friedland seine Strickabende. Auch die Konditorei Aigner war ein bekannter Treffpunkt. Hier trafen sich zum Beispiel am Sonntag, 15. September 1935 die Schulfreundinnen des Jahrgangs 1884, 1885 und 1886, die gemeinsam die Die ehemalige Konditorei Anfang Mai.
fälschte Einkaufsscheine. Für den ersten Bezugsschein zum Kauf von 1526 Kilogramm Zucker bezahlte er 15 000 Kronen, für den zweiten zum Kauf von 1975 Kilogramm Zucker bezahlte er 15 000 Kronen, für den dritten zum Kauf von 2425 Kilogramm Zucker bezahlte er 40 000 Kronen, für den vierten zum Kauf von 2551 Kilogramm Zucker bezahlte er 40 000 Kronen und für den fünften und letzten zum Kauf von 454 Kilogramm Pflanzenfett bezahlte er 20 000 Kronen. Die falschen Bezugsscheine wurden für insgesamt 8427 Kilogramm Zucker ausgestellt, und Lacina zahlte Špidlena dafür 110 000 Kronen. Lacina sammelte den Zucker für diese Gutscheine nacheinander bei verschiedenen Großhändlern ein. Die falschen Kaufbelege hatte František Janata, ein Versorgungskaufmann aus Einsiedel im Isergebirge, ausgestellt und in Umlauf gebracht. Nach dem Strafbescheid des Bezirks-Nationalausschusses (Okresní národní výbor – ONV) in Friedland vom 18. August 1947, Nr. 11861/47, wurde Miroslav Lacina wegen des Preisvergehens mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten und einer Geldstrafe von 250 000 Kronen bestraft. Im Falle der Nichtzahlung der Geldstrafe sollte er eine Ersatzfreiheitsstrafe von sechs Monaten erhalten. Wie das Strafverfahren gegen Špidlena und Janata ausging, ist nicht bekannt. Seit Januar 2021 baut ein neuer Eigentümer das leere alte Haus im Zentrum Friedlands, in dem Hampels Konditorei war, um. Was da nach Umbau und Renovierung des einzigartigen Gebäudes entstehen soll, ist nicht bekannt. Weil sich das historische Gebäude in einer Schutzzone befindet, sollte es vor Abriß und grobem Umbau geschützt werden. Als ob man den Schutz der alten Konditorei vergessen hätte? Wird keine Rücksicht auf die historische Umgebung genommen? Stanislav Beran
Bild: Stanislav Beran
KREIS DEUTSCH GABEL Heimatkreis und Gemeindebetreuer gratulieren allen RZ-Abonnenten aus dem Kreis Deutsch Gabel, die im Mai Geburtstag, Hochzeitstag, ein Jubiläum oder sonst ein Ereignis begehen, und wünschen alles Gute und Gesundheit sowie den Kranken baldige Genesung. n Heimatkreis – Geburtstage. Am 5. Helga Hofmann, Ortsbetreuerin von Deutsch Pankraz, Lauinger Straße 18, 80997 München, 92 Jahre, und am 18. Hildegard Ulrich/Mai, Ortsbetreuerin von Groß Walten, Schneewittchenstraße 26, 12524 Ber-
lin, 92 Jahre. Wir gratulieren herzlich, wünschen alles Gute, vor allem Gesundheit, und danken für die Mitarbeit. Othmar Zinner n Johnsdorf – Geburtstag. Am 19. Eduard Wolf (Haus-Nr. 31), Tilsiter Straße 12, 74321 BietigheimBissingen, 90 Jahre. Othmar Zinner n Schönbach – Geburtstag. Am 15. Adolf Zelfel (Mann von Inge Zelfel/Kunze, Haus-Nr. 126), Drosselweg 5, 84478 Waldkraiburg, 85 Jahre. Inge Zelfel
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Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Das Teplitzer Kaiserbad.
Teplitz-Schönau
Graupen
Niklasberg
Die Mühlstraße mit Blick in Richtung Kaiserbad heute.
� Teplitz-Schönau – Städtebau – Teil II und Ende
Die Mühlstraße – eine historische Verbindung zwischen Teplitz und Schönau A
n der Stelle der sogenannten Obermühle in Teplitz entstand bereits 1872 das Kaiserbad des Teplitzer Architekten Adolf Siegmund. Das derzeitige Aussehen des Kaiserbades entwarf der bekannte Architekt Max Loos von Losimfeldt. An der gegenüberliegenden Seite des LaubePlatzes ließ der Teplitzer Rechtsanwalt und Stadtverordnete Jan Stradal das ansehnliche Familienhaus Zum russischen Zaren erbauen, ebenfalls nach Plänen des
Architekten Loos. Anstelle einer weiteren Mühle errichtete Fürst Schwarzenberg ein Wohnhaus im Pseudorenaissancestil. Der Lauf des Katzbaches wurde unter die Straße verlegt. In der Mühlstraße standen vor dem Zweiten Weltkrieg annähernd 60 Häuser. Krieg und Umsturz des gesellschaftlichen Regimes brachten dieser Straße den allmählichen Verfall. Zuerst erfolgte der Abriß von Häusern, die bereits stark be-
schädigt waren. In Erneuerungen wurde nicht investiert, und die restlichen Häuser verfielen zusehends. Die letzten Objekte wurden 1987 abgerissen. Diese sollten zum Teil durch ein neues Kurhaus ersetzt werden. Dessen Bau wurde jedoch nie vollendet. Man hatte viele Pläne für eine Neubebauung, aber außer der Bauruine, die nun endlich im vergangenen Sommer abgerissen wurde, entwickelte sich nichts in dieser Straße. Wilde Parkplät-
Die Mühlstraße in Teplitz. ze wurden wegen abstürzender Felsen gesperrt, die Felsen selbst abgesichert. Somit endet diese Straße mit einer Apotheke, an der noch ein klassizistischer Baustil zu erkennen ist. Diese leere Straße ist für jeden Architekten eine Herausforderung zum Träumen, wie es auch
Die Mühlstraße in Richtung Schönau heute.
bei unseren Teplitzer Stadtarchitekten der Fall ist. Reihenhäuser, eine Fußgängerzone, ein großes Mühlrad zur Erinnerung an vergangene Zeiten und sogar eine Überbrückung von der Königshöhe zum Mont de Ligne – dies sind unter anderem zunächst einige Vorschläge.
Sicher ist, daß Teplitz mit der Zeit ein neues, junges Gesicht bekommen wird. Hoffen wir, daß die neu errichteten Gebäude und Plätze die einzigartige Atmosphäre und den Ruhm der einstigen Bäderstadt Teplitz-Schönau erhalten und bestärken werden. Jutta Benešová
des neuen Altars mit dem Leitmeritzer Bischof Jan Baxtant; anschließend Buffet und Getränke im Presbyterium der Kapelle. Sonntag eigene Heimreise. Änderungen vorbehalten. Kostenbeitrag inklusive drei Übernachtungen, Frühstück, bewachtem Parkplatz, Bus, allen Mahlzeiten, Besichtigungen, Führungen, und Konzert pro Person im Doppelzimmer 420 Euro, im Einzelzimmer 480 Euro. Getränke au-
ßerhalb des Frühstücks und Konzerts auf eigene Rechnung. Verbindliche Anmeldung bis Sonntag, 22. Mai, durch Überweisung des Reisepreises auf das Konto Erhard Spacek – IBAN: DE35 7008 0000 0670 5509 19, BIC: DRESDEFF700. Bitte Anschrift und Namen der Reiseteilnehmer angeben, sonst Mitteilung mit diesen Angaben an eMail spacek@teplitz-schoenau -freunde.org
TERMINE n Montag, 13. bis Donnerstag, 16. Juni: Übernachtungsangebot des Teplitzer Kurhauses Beethoven. Auskunft und Buchung: Michal Sincak, eMail: info@lazneteplice.cz n Donnerstag, 16. bis Sonntag, 19. Juni: 8. Kreistreffen in der Heimat. Donnerstag eigene Anreise nach Teplitz-Schönau, Hotel Prince de Ligne (Zámecké náměstí 136); 17.00 Uhr dort Abendessen; 19.00 Uhr kon-
zertante Aufführung der Oper „Bergmönch“ von Joseph Wolfram (1789–1839), Komponist und Teplitzer Bürgermeister, in der Nordböhmischen Philharmonie (10 Euro bitte beim Abendessen bezahlen). Freitag 9.00 Uhr Abfahrt zur Talsperre Flayh mit Besichtigung der Sankt-Johannes-der Täufer-Holzkirche; Mittagessen in Teplitz-Schönau; anschließend Spaziergang mit Jutta Benešová und Besichtigung
der Stadtbibliothek, Seumekapelle und Sankt-Elisa beth-Kirche; Fahrt nach Ossegg; dort Abendessen im Brauereigasthof Zum schwarzen Adler. Samstag 9.00 Uhr Abfahrt
nach Aussig; dort Besuch der Ausstellung „Unsere Deutschen – naší němci“ im Stadtmuseum; Rückfahrt über das Mittelgebirge zum Mittagessen; 18.00 Uhr festliches Konzert in der Beuroner Kapelle zur Einweihung
HEIMATBOTE
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Bischofteinitz
Ronsperg
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
15 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Taus
Grenz- und Biergeschichten Gleich doppelten Grund zur Freude gab es Mitte Mai für Taus, die böhmische Partnerstadt von Furth im Wald.
Johannes Kijas, Martin Kopecký, Bernd Posselt, Stephanie Waldburg und Professor Dr. Gerhard Sabathil. Bild: Karin Stelzer
Ronsperg
Paneuropäer zu Gast im Rathaus Um das gegenseitige Kennenlernen ging es bei einem Treffen Anfang Mai im Ronsperger Rathaus.
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ürgermeister Martin Kopecký empfing Bernd Posselt, Präsident der Paneuropa-Union Deutschland und Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Pressereferentin Stephanie Waldburg, Johannes Kijas, Bundesgeschäftsführer der Paneuropa-Union Deutschland, Gerhard Sabathil, Botschafter und EUDirektor a. D., und Karin Stelzer vom Europe Direct-Büro der Stadt Furth im Wald – der Patenstadt der Bischofteinitzer – in seinem Büro im Rathaus. Pos-
selt nutzte die Gelegenheit, das diesjährige Jubiläum 100 Jahre Paneuropa-Bewegung in der Runde zu erläutern. Die Jubiläumsfeiern werden im mittelfränkischen Nürnberg und im egerländischen Ronsperg stattfinden. Bekanntlich hat die älteste europäische Einigungsbewegung ihre Wurzeln in Ronsperg. Ins Leben gerufen hatte sie vor 100 Jahren Richard Graf Coudenhove-Kalergi. Er war als Sohn der Japanerin Mitsuko Aoyama und des österreichischen Diplomaten Heinrich von Coudenhove-Kalergi in Tokio zur Welt gekommen und im väterlichen Schloß in Ronsperg aufgewachsen.
Sabathil verwies auf seine Beziehung zu Ronsperg. Einst hatte er dieser Zeitung ( SdZ 50/2017) erzählt, sein Großvater Ernst Sabathil sei Apotheker in und Bürgermeister von Ronsperg, seine Großmutter Julia mit Richard Graf Coudenhove-Kalergis Schwester Olga befreundet und sein Vater Ernst Emil ebenfalls Apotheker und als amerikanischer Kriegsgefangener in Würzburg interniert gewesen. Karin Stelzer überbrachte Kopecký die besten Grüße des Further Bürgermeisters Sandro Bauer. Der sei krankheitsbedingt verhindert, wolle aber seinen Besuch sobald als möglich nachholen.
Ronsperg
Meine Heimat H
eimat ist das Land der Kindheit. In Tokio geboren, habe ich seit meinem zweiten Lebensjahr in Ronsperg gelebt und Ronsperg geliebt. Ronsperg hat meine ersten Schritte gesehen, meine ersten Worte gehört. In Ronsperg habe ich von der lieben Schwester Leontia vom Ronsperger Borromäerinnen-Kloster lesen, schreiben und rechnen gelernt. Ich träume zurück zum uralten Schloß, zum schattigen Park, umgeben von einer hohen Mauer. Von der Schloßkapelle, dem Schloßtheater und dem Turmzimmer, dem Mal-Atelier meiner lieben Mutter. Von der Bibliothek mit ihren zehntausend Bänden, zwischen denen der Schreibtisch stand, an dem mein Vater seine Bücher schrieb. Ronsperg lag nahe der Staatsgrenze, die uns von Bayern trennte; näher noch der Sprachgrenze, die uns von den Tschechen trennte. Ich konnte nicht verstehen, weshalb wir bei unseren Spaziergängen nach Bayern grundlos von Zollbeamten verhört wurden. Und weshalb es unter den Deutschböhmen üblich war, sich über die Tschechen zu erheben, wo doch der gelehrte Pfarrer von Ronsperg, Alois Simeth, Tscheche war. Mit meinem
Vater befreundet, gab er uns Religionsunterricht. Jeden Samstag las er die Messe in der Schloßkapelle. Für meine Brüder und für mich war es eine Freude, ihm zu ministrieren. Das Leben auf Schloß Ronsperg war durch und durch kosmopolitisch. Der japanischen Hausfrau stand eine ungarische Gesellschafterin zur Seite; eine tschechische Malerin führte sie in die europäische Malkunst ein. Der Kammerdiener meines Vaters war Armenier, dessen Sohn war einer seiner Sekretäre. An der Spitze des Sekretariats stand ein Bayer. Zu den Tischgenossen zählten unsere Gouvernanten, eine Engländerin und eine Französin, oft auch der türkische Lehrer meines Vaters, ein mohammedanischer Albanese. Mein Vater sprach mit meiner Mutter immer japanisch, türkisch mit seinem Kammerdiener Babik Kaligian. Uns gab er persönlich Stunden im Russischen und im Ungarischen. Während eines halben Jahres war ein junger Inder unser Gast, Abdullah Mahmun Sohraworthy, der mit meinem Vater Hindostani sprach. Er war ein Nachkomme des Kalifen Abu Bekr und schrieb an einem Buch „Worte Mohammeds“, dazu bestimmt, die Weisheit Mo-
hammeds den Christen zu vermitteln. Dies Büchlein fand sich in der Tasche Léo Tolstois, als er sein Schloß verließ, um einsam zu sterben. Sohraworthy, den wir Kinder liebten, plante die 300 Millionen Mohammedaner politisch zu einer großen Bewegung zusammenzuschließen. Er sprach von der Pan-Islam-Bewegung, deren Gründer und Generalsekretär er einige Jahre später werden sollte. Sicher hat diese Bewegung mitgewirkt, daß ich mich fünfzehn Jahre später entschloß, die Pan-Europa-Bewegung ins Leben zu rufen. Zu den interessanten Gästen Ronspergs gehörte auch der weise Oberrabbiner Pilsens, Doktor Poznansky, der meinem Vater bei seinen TalmudStudien zur Seite stand. So war Schloß Ronsperg für mich die erste Schule meines späteren Wirkens. Eine Oase kosmopolitischer Geister — mitten in einer Welt, die immer stärker von Nationalismus besessen war — bis sie in zwei Weltkriegen zusammengebrochen ist. Richard Coudenhove-Kalergi Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi, bis 1919 Graf, kam am 16. November 1894 in Tokio zur Welt und starb am 27. Juli 1972 im österreichischen Schruns. Er war Schriftsteller, Philosoph, Politiker und Gründer der Paneuropa-Union. Zudem war er der erste Träger des Aachener Karlspreises. Er wurde 54 Mal für den Friedensnobelpreis nominiert, erhielt ihn allerdings nie.
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m Dachgeschoß des Kulturzentrums Pivovar eröffnete das Museum Pozor Hranice – Achtung Grenze, das das Zusammenleben von Tschechen und Deutschen in der Grenzregion des Böhmischen Waldes dokumentiert. Das einzigartige Museum ist das Partnerprojekt der Ausstellung „Grenzerfahrungen“ im Further Landestormuseum. Und in der Minibrauerei in der ehemaligen Mälzerei wird die Geschichte des Bierbrauens in Taus präsentiert. Zur Eröffnung waren vom Kulturamt der Stadt Furth im Wald dessen Leiterin Karin Stelzer und Kathrin Drescher-Seidl gekommen. Bürgermeister Sandro Bauer hatte Corona. Taus‘ Vizebürgermeister Stanislav Antoš begrüßte die zahlreichen Ehrengäste und dankte allen, die an der Entstehung der beiden Ausstellungen beteiligt waren. Bürgermeister Zdeněk Novák wies darauf hin, daß man für die Restaurierung der einstigen Brauerei zu einem Kulturzentrum 90 Prozent Zuschuß von der EU bekommen habe. Die Kosten für die beiden Ausstellungen würden sich auf 11,3 Millionen Kronen – umgerechnet 440 000 Euro – belaufen. Wenn man durch die beiden Ausstellungen gehe, sehe man, daß das Geld gut angelegt worden sei. Das Kulturzentrum Pivovar habe der frühere Bürgermeister Miroslav Mach initiiert, wofür er, Novák, herzlich danke. Sein Dank richtete sich aber auch an die Stadt Furth im Wald, die als Partner zur Verfügung gestanden habe. Autoren der Ausstellung seien der Architekt Ondřej Bláha und die Historikerin Kristýna Pinkrová. „Die Ausstellung stellt Fragen, und es liegt an uns, wie wir sie beantworten“, bemerkte das Stadtoberhaupt. Klare und hundertprozentige Antworten werde man dabei nicht erhalten. Die Ausstellung sei hauptsächlich Kindern gewidmet. Es gebe eine Reihe interaktiver Elemente, die mit Fragen verbunden sei-
en. Kinder könnten hier die Geschichte spielerisch erlernen. „Wir haben versucht, die Meilensteine darzustellen, die das Leben auf beiden Seiten der Grenze verändert haben“, erläuterte die Historikerin Kristýna Pinkrová, die drei Jahre am Aufbau des Museums Pozor Hranice – Achtung Grenze gearbeitet hatte. Es beginne mit der frühesten Vorgeschichte, als es keine Grenzen gegeben habe und man nicht wisse, welche Sprache die Menschen, die hier gelebt hätten, damals gesprochen hätten. Weiter gehe es bis zum frühen Mittelalter, als Staaten gegründet worden seien und es notwendig gewesen sei, diese zu definieren und Grenzen zu bauen. Fortgesetzt werde die Ausstellung
Bürgermeister Zdeněk Novák mit der Zeit, als das größte Hindernis nicht die Grenze, sondern der Glaube in der Hussitenzeit gewesen sei. Sie erinnerte auch an den Dreißigjährigen Krieg mit seinen Folgen. Im Chodenland habe sich dann die Geschichte mit dem Chodenführer Jan Sladký Kozina und Wolf Maximilian Laminger von Albenreuth, genannt Lomikar, herauskristallisiert. Später seien nationale Grenzen entstanden, die im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreicht und in den Ersten Weltkrieg gemündet hätten. In der zweiten Hälfte der Ausstellung werde über die Geschichte des 20. Jahrhunderts erzählt, die uns zeige, wie es nach einem für beide Seiten schmerzhaften Krieg gewesen sei. Alles geändert habe sich durch die Wirtschaftskrise, den Nationalismus und den Populismus, der in den Zweiten Weltkrieg geführt habe mit der anschließenden Vergeltung in Form der Ver-
treibung der deutschen Bevölkerung. Während des Eisernen Vorhangs habe man 40 Jahre erlebt, in denen Grenzen nicht frei hätten überschritten werden können. Seit 1989 könne man wieder die Grenzen überschreiten. Pinkrová richtete unter anderem dankende Worte an die Kulturabteilung der Stadt Furth im Wald für die Informationen und die Korrektur-Arbeiten sowie an Werner Perlinger, Karl Reitmeier und die Leiterin des Centrums Bavaria Bohemia in Schönsee, Veronika Hofinger. Ferner galt ihr Dank allen, die von tschechischer Seite her am Aufbau des Museums beteiligt waren. Wenn man in die Zukunft schaue, so Pinkrova, dann müsse man auch zurückschauen. Immer wenn Kriege geherrscht hätten, sei es für die Menschen auf beiden Seiten schwierig gewesen. Deshalb dürfe es keine Kriege mehr geben. Es lohne sich für die Freiheit zu kämpfen. Das Projekt wurde auch im Rahmen des Programms für grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen der Tschechischen Republik und dem Freistaat Bayern unterstützt. Die Hauptzielgruppe sind Kinder und Jugendliche, wobei das Hauptmotto des Projekts lautet: „Spielerisch über unser Land“. Der Schwerpunkt wurde auf Interaktivität und Gameplay-Elemente gelegt. Das Spielerische hat das Potential, wünschenswerte Themen für Kinder und Jugendliche zugänglicher zu machen, da die Entwicklung ihres Wissens und ihrer sozialen Kompetenzen die Hauptvoraussetzung für die Stärkung oder Wiederherstellung grenzüberschreitender Verbindungen ist. lr Museum Achtung Grenze – Pozor Hranice, Taus, Juni bis September Montag bis Freitag 8.00– 12.00 und 13.00–16.00, Samstag und Sonntag 9.00–12.00 und 13.00–17.00 Uhr, Oktober bis Mai 8.00–12.00 und 13.00–16.00 Uhr. Die Ausstellung über die Geschichte der Brauerei Taus kann nur nach Vereinbarung besucht werden: Telefon (00420) 6 07 14 24 91, e-Mail kcpivovar@ idomazlice.cz
Karl Reitmeier, Kristýna Pinkrová, Kathrin Drescher-Seidl, Karin Stelzer und Stanislav Antoš.
Die Ausstellungsmacher Ondřej Bláha, Pavlina Fišerová, Kristýna Pinkrová, Petr Kolář und Ladislav Ptáček.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 20 | 20. 5. 2022
Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
Seit 2006 vergibt der Deutsche Trachtenverband das Prädikat „Tracht des Jahres“. Damit ehrt er Vereine, die sich in herausragender Weise um die Erhaltung, die Wiederentdeckung und die öffentliche Darstellung von bodenständigen und regionaltypischen Trachten verdient machten. Beim diesjährigen Deutschen Trachtentag Ende April im baden-württembergischen Wendlingen am Neckar kürten die Trachtler die Eghalanda Tracht zur Tracht des Jahres (Þ SdZ 19/2022). Die Eghalanda Tracht tragen gemeinhin die Vetta und Mouhm der Eghalanda Gmoin. Die Eghalanda Gmoi z‘ Tåuchn (Tachau) entstand vor knapp 100 Jahren.
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m 24. Februar 1924 fand im Gasthaus Wach in der Schillerstraße die Gründungsversammlung der Eghalanda Gmoi z‘ Tåuchn statt, in deren Verlaufe Vetta Anton Schreil zum Vüarstäiha und Vetta Karl Eigermann zu seinem Stellvertreter gewählt wurden. Mit Eifer und Begeisterung ging es an die Arbeit, um dem Verein ein bestmögliches volkstümliches Ansehen zu schaffen. Bei der Neuwahl im März 1926 wurde Bäckermeister Vetta Josef Gicklhorn einstimmig zum Vüarstäiha gewählt. Eine besonders kräftige Mithilfe bei seiner nicht leichten Tätigkeit hatte er in dem Gmoiumgeldner Vet-
Ausflug der Tachauer und Planer Gmoi nach Karolinenhof. Vor dem Standbild sitzen links Vüarstäiha Vetta Czerny von der Gmoi z‘ Plan und rechts Vüarstäiha Vetta Gicklhorn von der Gmoi z‘ Tåuchn.
� Tachau
Eghalanda Gmoi z‘ Tåuchn ta Anton Schreil und mir, dem Gmoischreiwa Vetta Wenzel Reiter. Leider wurde der allseits be-
liebte Vüarstäiha Gicklhorn im September 1936 durch den Tod aus seiner Schaffensfreude ge-
Die Gmoi z‘ Tåuchn beim Festzug anläßlich des Gmoifestes in Marienbad.
rissen. Sein Nachfolger wurde Vetta Anton Prockl. Im März 1937 übernahm Baumeister Vet-
ta Hans Steiner die Führung der Gmoi bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. In diesen Kriegs-
jahren fehlte es nicht an Schwierigkeiten, aber Vetta Hans Steiner meisterte sie immer wieder. Ein edler, lieber Freund der Eghalanda Gmoi z‘ Tåuchn war der Gmoipfarrer Pater Otto Hlawitschka. Die Eghalanda Gmoi z‘ Tåuchn nahm an vielen einschlägigen Veranstaltungen, besonders an den Bundesfesten, teil. Allgemein wurde überall die herrliche, schöne und einheitliche Tachauer Tracht bewundert. Glanzpunkte im Gmoileben waren das Maibaumfest 1924 und das Bundesfest 1936. Bei den meisten Zusammenkünften konnte die allgemein bekannte und beliebte Original Eghalanda Dudlsookmusigh recht frohe Stimmung und Unterhaltung bringen. In der Gmoi gab es auch eine kleine Sängergruppe, die unter der bewährten Leitung unseres Heimatdichters und Ehrenvettas Hans Pschierer stand. Er hat auch mit dem Vortragen seiner heimatlichen Lieder und Gschichtln die Gmoiabende immer verschönt. Viel Anerkennung und Bewunderung fand die Gmoi mit ihrem Weihnachtswerk, bei dem ältere Leute und vor allem Waisenkinder unterstützt wurden. Mehr als 100 Mitglieder hatte die Eghalanda Gmoi z‘ Tåuchn, als durch die veränderten politischen Verhältnisse die so segensreiche Tätigkeit eingestellt werden mußte. Wenzel Reiter
Die Gmoi z‘ Tåuchn in der ersten Zeit ihres Bestehens bei einem Freundschaftsbesuch der Egerer Gmoi.
� Ernst Schmutzer: „Labant unter amerikanischerSudetendeutscher Besetzung und tschechischer Verwaltung 1945/1946“ – Teil VI Tag 2022 – Festabzeichen
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Erz abbauen statt Hopfen ernten
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ein Vater tat für die vertriebenen Labanter das Menschenmögliche. Wenn er zu Leuten gehen mußte, um ihnen die kurzfristigen Vertreibungstermine bekanntzugeben, schmerzte das auch ihn zutiefst. Über den Zielort wurde natürlich erst an der tschechisch-deutschen Grenze je nach Transportsachlage entschieden. Laut Statistik kamen rund 80 Prozent der Egerländer nach Bayern. Der archivierte diplomatische Schriftverkehr zeigt, daß die Beneš-Regierung bei der USA-Okkupationsverwaltung mit dem Anliegen vorstellig geworden ist, die „Abgeschobenen“ über das Zielland zu verteilen, da ihnen ansonsten eine Gruppenbildung für eine Revanche erleichtert werde. Wegen der Wilden Vertreibung und anderem Chaos war
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im Sommer 1945 die Ernte des Da die Delegierten nach der weltbekannten Saazer Hopfens versprochenen Dauer von sechs für die Bierbrauereien nicht ge- Wochen nicht wiederkamen, sichert. Da zu diesem Zeitpunkt mahnte mein Vater beim Chef bei uns noch kein ernsthafter Ge- der Gendarmerie in Pfraumdanke an eine Vertreiberg, der schon vor 1938 bung der Deutschen in Pfraumberg tätig aus dem Land war und zu uns – existierte, wurund auch zu ande eine von deren Labander tschechiter Leuten – schen Genein freunddarmerie liches Veran die Gehältnis hatmeinde gete, bei t e ind w r e b richtete Andessen reü n G re n z e weisung gelmäßigem nicht als perKontrollbeI sönliche Exisuch in Labant N stenzbedrohung die NichteinhalJU . 6 S I 3 . B erkannt. Ihr Inhalt: tung der versproDie Gemeinde habe eine chenen Einsatzzeit an. Liste aller verfügbaren Jugendli- Diese amtliche Person berichtechen, älter als 16 Jahre, für einen te meinem Vater auch über ihren sechswöchigen Ernteeinsatz zu erfolglosen Interventionsversuch erstellen. Ich glaube, mich rich- bei oberen Dienststellen. tig zu erinnern, daß der TreffIn Labant entsprachen mehpunkt dieser Jugendlichen Haid rere Jugendliche den offiziell war. vorgeschriebenen Auswahlkri-
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In dieser Folge befaßt sich Ernst Schmutzer mit der tschechischen Willkür 1945 in seinem Heimatort.
terien. Mir standen, vom Alter her gesehen, Franz Haas, Gerhard Müller und Herbert Loreth nahe. Im Jahr 1954, nachdem in der „DDR“ von Otto Grotewohl und anderen aufgeschlossenen Politikern der „Neue Kurs“ (1953) verkündet worden war, durfte ich das erste Mal in die Bundesrepublik Deutschland reisen, wo ich mich mit Franz Haas, meinem besten Freund aus der Labanter Zeit traf. Unsere Freundschaft bestand bis zu seinem plötzlichen frühen Tod vor einigen Jahren. Ich erzählte ihm von den Bemühungen meines Vaters, und er informierte mich, daß die tschechischen Behörden ihr Versprechen gebrochen hätten. Sie hätten die deutschen Jugendlichen einige Zeit im Gleisbau der Bahn eingesetzt und dann zum sehr gefährlichen Bergbau im Erzgebirge verwenden wollen, was mit deren Flucht unter großer Angst nach Deutschland geendet habe.
Unzählige Beispiele dieser Art gehören zur geschehenen Praktizierung der Methode der Kollektivschuld, die wir als untaugliches Verbrechen grundsätzlich ablehnten. Mein Vater und auch ich haben immer unter dieser Unehrlichkeit gelitten. Eine bemerkenswerte Revolte der Labanter, insbesondere der Frauen, geschah in der Zeit Ende Mai/Anfang Juni 1945, als die Menschen voll Hunger auf die Ausgabe gültiger Lebensmittelkarten warteten. Auf diese Situation machte mein Vater die Behörden aufmerksam, so daß nach relativ kurzer Zeit die ersehnten Lebensmittelkarten für die Gemeinde abgeliefert wurden, aber leider mit dem hundertfachen HintergrundKleindruck „Němec“ für Deutscher in Nachahmung des Nazi-Modells „Jude“. Die Bevölkerung und natürlich auch wir lehnten die Annahme solcher Lebensmittelkarten ab. Fortsetzung folgt
Blick in die Haider Nikolauskirche. n Freitag, 9. bis Sonntag, 11. September, Loreto-Wallfahrt in Haid: Freitag, 17.30 Uhr, tschechischer Gottesdienst in Sankt Nikolaus. Samstag, 19.00 Uhr, deutscher Gottesdienst in Sankt Nikolaus mit Pfarrer Georg Hartl, anschließend Lichterprozession zum Schloß. Sonntag, 9.30 Uhr, dreisprachiger Gottesdienst in tschechisch, deutsch und lateinisch mit Pater Václav Sládek; Anschließend Empfang und Imbiß in der Loreto-Anlage.