„70 Jahre Heiligenhof“ – neue Serie in der Sudetendeutschen Zeitung (Seite 3)
Sudetendeutsche Zeitung Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Reicenberger Zeitung 161. Jahrgang
HEIMATBOTE
Jahrgang 74 | Folge 19 | 2,80 EUR · 75 CZK | München, 13. Mai 2022
VOLKSBOTE
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� Delegiertentagung des Bundestrachtentages
Egerländer Tracht ist „Tracht des Jahres“ Hohe Wertschätzung: Die Egerländer Tracht ist auf der Delegiertentagung des Bundestrachtentages in Wendlingen am Neckar mit dem Titel „Tracht des Jahres 2022“ ausgezeichnet worden.
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ie Ehre des Prädikats „Tracht des Jahres 2022“ geht einher mit der Teilnahme beim Bundestrachtenfest im Juni in Bruck in der Oberpfalz und am Gredinger Trachtenmarkt im September 2022. In Greding wird der Bund der Eghalanda Gmoin e.V. erneut an zwei Tagen die Trachtenvorstel-
� 14,2 Prozent
lung halten und mit Tänzen auf der Hauptbühne glänzen. Außerdem werden in einem Marktstand Egerländer Trachtenteile, Trachtenstoffe und diverses Trachtenzubehör angeboten und vorgestellt. Zu sehen sind die Egerländer Trachten auch auf dem Sudetendeutschen Tag, der über Pfingsten von Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni in Hof und der Euregio Egrensis stattfindet. Einen ausführlichen Bericht über die Auszeichnung „Tracht des Jahres“ lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Sudetendeutschen Zeitung.
� Tschechischer Regierungschef traf Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Olaf Scholz
Inflation erneut auf Rekordhöhe Die Wirtschaftszahlen sind dramatisch: Bereits im März war die Inflationsrate in der Tschechischen Republik auf den Rekordwert von 12,7 Prozent geklettert. Im April wurde diese Negativmarke mit 14,2 Prozent noch einmal überschritten. Dies ist der höchste Wert seit Dezember 1993, hat das tschechische Statistikamt bekanntgegeben.
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nflationstreiber sind die steigenden Preise für Wohnraum, Treibstoffe und Lebensmittel. Leidtragende sind damit vor allem Bürger mit geringem Einkommen, wie Rentner, Alleinerziehende und Geringverdiener. Als Reaktion gab der Minister für Arbeit und Soziales, Marian Jurečka (KDU-ČSL), bekannt, daß die Rente um circa 700 Kronen (28 Euro) angehoben wird. Zum Vergleich: 2015 betrug die Inflationsrate nur 0,3 Prozent und im vergangenen Jahr 2,7 Prozent. Vor dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hatten Wirtschaftsexperten für das Jahr 2022 eine Inflationsrate von rund 2 Prozent prognostiziert. Dennoch hatte in seiner Neujahrsansprache, also noch vor dem Krieg, Premierminister Petr Fiala mit Blick auf die Coronapandemie gewarnt: „2022 wird das schwerste Jahr in der Geschichte der Tschechischen Republik.“
Premierminister Fiala in Berlin: „Wir sind in schwierigen Zeiten“ Im dritten Anlauf hat es geklappt. Der tschechische Premierminister Petr Fiala ist bei seinem Antrittsbesuch in Berlin von Bundespräsident FrankWalter Steinmeier und Bundeskanzler Olaf Scholz empfangen worden.
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er ursprüngliche Reisetermin im Februar war wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine abgesagt worden. Beim zweiten Anlauf war dann Fiala an Corona erkrankt. „Wir haben sehr offen unter anderem über die sehr guten tschechisch-deutschen Beziehungen, die Energiesicherheit, den Krieg in der Ukraine und die bevorstehende tschechische EU-Ratspräsidentschaft gesprochen“, sagte Fiala nach dem Treffen mit seinem Amtskollegen Scholz und fügte hinzu: „Wir sind in schwierigen Zeiten. Und ich bin sehr froh, daß wir uns treffen konnten.“ Beherrschendes Thema war der russische Völkermord an der Ukraine. „Es ist unsere Pflicht, nicht zu schweigen. Wir müssen uns auf die Seite derjenigen stellen, die angegriffen wurden. Es ist unsere moralische Pflicht, denjenigen zu helfen, die sich wochenlang tapfer der Aggression widersetzt haben. In diesen Tagen wird auch in der Ukraine
Tschechiens Premierminister Petr Fiala und Bundeskanzler Olaf Scholz beim militärischen Empfang vor dem Bundeskanzleramt. Foto: BPA
Auf Schloß Bellevue empfing Bundespräsient Frank-Walter Steinmeier den tschechischen Premierminister Petr Fiala. Foto: Guida Bergmann/BPA
um unsere Freiheit gekämpft“, so Fiala auf Twitter. Als Unterstützung für die Ukraine vereinbarten Scholz und Fiala einen Ringtausch bei schweren Waffen. „Tschechien kann Waffen zur Verfügung stellen, die ihren Ursprung in russischer Produktion haben und unmittelbar nützlich sind für die Ukraine. Wir können helfen, daß die tschechische Armee die notwendige Kraft behält, die dazu gehört“, erklärte der Bundeskanzler, warum Deutschland Waffen an Tschechien liefert. Ein weiteres Thema war die Energieversorgung im Zuge der Sanktionen gegen Rußland. Fiala setzte sich für einen Aus-
schon vor dem Krieg Waffen an die Ukraine geschickt. Wir waren das erste Land. Und nach der russischen Aggression waren wir eines der ersten Länder, die auch schwere Waffen geschickt haben: Raketen, auch Panzer, alles, was wir können. Manches hatten wir auf Lager, anderes haben wir extra gekauft.“ Man tue dies, weil man in Prag „etwas Entscheidendes verstanden“ habe, so Fiala: „Die Ukraine kämpft nicht nur für die Freiheit und das Überleben ihrer eigenen Bevölkerung, sondern sie kämpft genauso für Leben und Freiheit der Tschechen. Wenn Putin nicht in der Ukraine gestoppt wird, steht seine Armee irgendwann an un-
bau der Pipeline von Deutschland zum Mittelmeer ein, damit auch Tschechien die Öllieferungen aus dem italienischen Hafen Triest aufstocken kann. Zudem will sich Prag am Bau von LTGTerminals an deutschen Nordseehäfen beteiligen, um auch über diesen Weg mit Energie beliefert werden zu können. „Es ist von herausragender Bedeutung, die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen so schnell wie möglich zu reduzieren“, so Scholz. Im Interview mit der Zeitung Die Welt appellierte Fiala eindringlich an den Westen, der russischen Aggression entschlossen entgegenzutreten: „Wir haben
seren Grenzen. Vielleicht zuerst im Baltikum, aber bald auch in Tschechien. Und dann irgendwann an der deutschen Grenze.“ Putin führe Krieg bereits seit Jahren Krieg gegen Europa, nicht nur mit Truppen, sondern auch durch Cyber-Attacken und Desinformation. Putin habe sein Kriegsziel offen ausgesprochen, so Fiala: „Putin will ein anderes Europa.“ Und auf Twitter schrieb der tschechische Premierminister: „Deshalb muß der Westen Rußland stoppen. Wir müssen zeigen, daß wir nicht nur über militärische und wirtschaftliche Stärke verfügen, sondern auch entschlossen sind, Gewalt anzuwenden.“ Torsten Fricke
� Prag will General Iwan Konew die Ehrenbürgerwürde aberkennen
Nadelstiche gegen Putin Für die Tschechen galt General Iwan Konew jahrzehntelang als Held, nachdem unter seinem Befehl die sowjetischen Truppen am 9. Mai 1945 Prag von den Nazis befreit hatten. Nahe der russischen Botschaft wurde diese Brücke nach dem ukrainischen Kriegshelden Vitaly Skakun benannt. Foto: Mediaservice Novotny
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ekannt wurde nach seinem Tod im Jahr 1973, daß Ko-
new am ersten Tag des Friedens trotz des Waffenstillstands auf dem Rückweg befindliche Wehrmachtseinheiten beschießen ließ und die Bombardierung mehrerer tschechischer Städte befehligte. Mehr als zehntausend Tschechen wurden mit Duldung von
Konew in Straf- und Arbeitslager geschickt. Mit dem russischen Angriffskrieg gerieten auch Konews Taten wieder ins Blickfeld. Am Montag entschied der Magistrat, dem Kriegsverbrecher die Ehrenbürgerwürde der Stadt Prag abzuerkennen.
General Iwan Konew. Foto: Wikipedia
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AKTUELL · MEINUNG
Sudetendeutsche Zeitung Folge 19 | 13. 5. 2022
AUS UNSEREM PRAGER BÜRO
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n Zusammenarbeit mit der Bayerischen Repräsentanz in Prag und der Bayerischen Staatskanzlei hat SL-Büroleiter Peter Barton eine Gruppe junger Teilnehmer des 27. Lehrgangs für Verwaltungsführung in seinem Büro begrüßt. Die künftigen Beamten der Staatsministerien für Finanzen sowie für Landwirtschaft interessierten sich für die Verständigungsarbeit des Sudetendeutsche Büros, das sich in Tschechien seit mehr als 19 Jahren dieser
PRAGER SPITZEN
Arbeit widmet. Egal ob die Besucher sudetendeutsche Wurzeln hatten oder nicht, alle waren sich mit Barton einig, daß die tschechische Gesellschaft eine Diskussion über die besonderen Leistungen der Sudetendeutschen in den böhmischen Ländern braucht, und daß diese bereits stattfindet. Eine solche Arbeit bringt der tschechischen Öffentlichkeit manchmal jedoch die bittere Erkenntnis über „vergessene“ Wunden der Vergangenheit, sie kann allerdings auch reinigend wirken.
Ratingagentur stuft Tschechien herunter
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ie internationale Ratingagentur Fitch hat ihre Aussichten für die tschechische Wirtschaft revidiert. Diese liegen nach ihren neuesten Einschätzungen nicht mehr bei „stabil“, sondern bei „negativ“. Das bedeutet, daß Tschechien erstmals seit November 1998 eine Verschlechterung des Ratings durch eine der drei großen Agenturen droht. Derzeit wird das Land bei Fitch noch mit AA- bewertet, dem zweithöchsten Wert. Die schlechteren Aussichten begründete die Ratingagentur mit den gesunkenen Wachstumsprognosen für Tschechien, dem hohen inflationären Druck sowie der starken Abhängigkeit von russischen Energielieferungen. Negative Konsequenz der Abstufung: Wegen höherer Zinsen verteuern sich Staatskredite.
ur 865 Neu-Infektionen mit dem Coronavirus wurden am Montag in der gesamten Tschechischen Republik gemeldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz sankt auf 52 Infizierten je 100 000 Einwohner, so das Gesundheitsministerium. Auch in den Krankenhäusern gehen die Patientenzahlen deutlich zurück. Aktuell werden 372 Corona-Patienten stationär versorgt, 14 davon mit einem schweren Krankheitsverlauf auf einer Intensivstation
Wenig Zustimmung für Präsident Zeman
Vertrauen in Kryptowährung
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it der Arbeit von Staatspräsident Miloš Zeman sind nur 20 Prozent der tschechischen Bürger zufrieden, hat das Meinungsforschungsinstitut Kantar CZ im Auftrag des öffentlichrechtlichen Tschechischen Fernsehens ermittelt. Dies sei der niedrigste Wert, der jemals bei der entsprechenden Umfrage erreicht wurde, erklären die Meinungsforscher. Demnach äußerten sich 78 Prozent der Befragten unzufrieden über die Arbeit des Staatsoberhauptes. Zeman steht am Ende seiner zweiten und damit letzten Amtszeit. Im März 2017, gegen Ende seiner ersten Amtszeit, hatten sich noch 57 Prozent der Tschechen mit seiner Arbeit zufrieden erklärt und 41 Prozent unzufrieden. Sein Nachfolger wird im kommenden Jahr direkt gewählt.
Kranzniederlegung (von links) mit Egers Oberbürgermeister Antonín Jalovec, SL-Landesobmann Steffen Hörtler, Fregattenkapitän Dr. Volker Pilz, Verteidigungsattaché der Deutschen Botschaft in Prag, und Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, Bezirksvorsitzende Oberfranken des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberförsorge. Fotos (3): Oliver Bauer/Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge
Landesobmann Steffen Hörtler Ehrengast bei Kranzniederlegung
Gedenken an der Kriegsgräberstätte in Eger „Es ist ein besonderes Zeichen, für die Sudetendeutsche Landsmannschaft einen Kranz auf der Kriegsgräberstätte in Eger ablegen zu können“, erklärt Landesobmann Steffen Hörtler.
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s hatte bis 2008 gedauert, bis der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit der Errichtung der letzten Ruhestätte für die Toten des Zweiten Weltkrieges beginnen durfte. Seit 2010 wird in Eger sowohl an gefallene deutsche Soldaten als auch an zivile Opfer gedacht, außerdem an französische und russische Bürger, die als Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in Eger und Umgebung gestorben sind. Mittlerweile haben hier 6000 Tote ihre letzte Ruhestätte gefunden, die aus 145 Orten in Tschechien exhumiert und umgebettet worden sind. Mit der Kranzniederlegung wurde an das Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945 gedacht und anschließend die neue Dauerausstellung eröffnet. „Es ist wichtig, daß wir uns immer wieder hier in Cheb versammeln, um der sinnlos Gefallenen zu gedenken. Die Gräber sollen für uns, und insbesondere für die jungen Menschen, eine Mahnung sein. Hier liegen nicht die Täter, hier liegen die Opfer“, sagte Egers Oberbürgermeister Antonín Jalovec in seiner Rede. Viele Jahrzehnte habe man gedacht, daß sich Krieg, Leid und Verderben in Europa nicht wiederholen würden. „Jetzt aber müssen wir ohnmächtig erleben, daß dieser Schrecken zurückgekehrt ist, nicht irgendwo auf der
Völkermords an den Roma betonte, daß aller Opfer des Nationalsozialismus gedacht werden müsse. In dem damaligen sogenannten Zigeunerlager starben zwischen 1940 und 1943 fast 330 tschechische Roma, über 500 weitere wurden nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet.
Gedanken an ermordete Roma
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m Ort des früheren KZ im südböhmischen Lety haben Politiker sowie Vertreter von Roma-Organisationen an den Völkermord an den tschechischen Roma erinnert. Der Gedenkakt sei zugleich ein Aufruf an die heutige tschechische Gesellschaft, sich fair gegenüber jeglichen Minderheiten zu verhalten, sagte Senatschef Miloš Vystrčil (ODS) in seiner Rede. Čeněk Růžička vom Ausschuß für die Entschädigung der Opfer des
Immer weniger Corona-Patienten
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as Vertrauen in Kryptowährungen ist in der Tschechischen Republik offenbar groß. Nach Frankreich belegt Tschechien den weltweit zweiten Platz im Handeln mit der Kryptowährung Bitcoin, hat eine Studie des britischen Investmentunternehmens Invezz ergeben. Verglichen wurden in der Studie Daten aus 23 Staaten. Dabei fehlten allerdings die wichtigen Investorenländer China und Taiwan, da sich die zugehörigen Informationen nicht unabhängig verifizieren ließen, so die Autoren. Ein Bitcoin hatte im April einen Preis von 38.500 Dollar (36.610 Euro). Seit Beginn des Jahres hat er etwa 26 Prozent an Wert verloren.
Prager Marathon ohne neue Rekorde
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eim Prager Marathon sind am Sonntag keine neuen Rekorde aufgestellt worden. Bei vergleichsweise warmem und sonnigem Wetter siegte der Kenianer Nobert Kigen in 2:07:53 Stunden, bei den Frauen kam Bekelech Borecha aus Äthiopien in 2:22:57 Stunden als Erste ins Ziel. Damit wurden die bisherigen Rekorde der Veranstaltung um gut zwei beziehungsweise mehr als drei Minuten verfehlt. Borecha konnte allerdings ihre bisherige persönliche Bestleistung verbessern. Für den 26. Prager Marathon hatten sich über 10 000 Läufer registriert.
Sudetendeutsche Zeitung
Bei der Kranzniederlegung in Eger gedachten die Gäste der Toten des Zweiten Weltkriegs. Welt, sondern direkt vor unserer Haustür. Seit Wochen zertrümmern russische Panzer und Raketen den Traum vom Frieden auf brutale und menschenverachtende Art“, so das Stadtoberhaupt. „77 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges müssen wir eine tiefgreifende Erschütterung der Friedensordnung erleben, eine Zeitenwende. Was wir uns alle nicht vorstellen wollten, ist jetzt bittere Realität. In der Ukraine sind Tausende von Toten und Verwundeten zu beklagen, Frauen und Kinder, Alte und Schutz-
lose, Menschen, die ihre Heimat verteidigen, und Menschen, die von einem Despoten in den Kampf geschickt wurden. Städte in Schutt und Asche, Millionen Menschen auf der Flucht“, sagte Jörg Raab, Landesgeschäftsführer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Bayern, und stellte die rhetorische Frage: „Hat man denn nicht aus den leidvollen Erfahrungen der Vergangenheit gelernt? Muß all das Leid immer wieder von vorne beginnen?“ In den vergangenen drei Jahr-
Fotos (2): Hörtler
zehnten habe der Volksbund in Ost- und Südosteuropa über 978 000 Kriegstote geborgen, Friedhöfe errichtet und viele völkerverbindenden Kontakte auf allen Ebenen geknüpft, sagte Raab und mahnte: „Die ungeheuerlichen Ausmaße und Folgen des Zweiten Weltkriegs sind einzigartig in der Geschichte. Über 60 Millionen Menschen, mehr als die Hälfte von ihnen waren Zivilisten, verloren ihr Leben. Kaum eine Familie blieb von den Auswirkungen des Krieges verschont.“ TF
ISSN 0491-4546 Erscheint wöchentlich freitags. Redaktionsschluß Veranstaltungstermine: Freitag 18.00 Uhr. Redaktionsschluß Montag 18.00 Uhr. Chefredaktion und verantwortlich für den Inhalt: Torsten Fricke, Nadira Hurnaus. Kulturredaktion: Susanne Habel. Korrespondent in Prag: Dr. Jaroslav Šonka; Korrespondentin in TeplitzSchönau: Jutta Benešová; Korrespondenten im Isergebirge: Stanislav Beran, Petra Laurin; Korrespondent in Berlin: Ulrich Miksch. Ständige Mitarbeit: Peter Barton, Markus Bauer, Josef Grimm, Professor Dr. Rudolf Grulich, Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Kathrin Hoffmann, Peter Pawlik, Herbert Ring, Karl Reitmeier, Hildegard Schuster, Lexa Wessel. Verlagsassistentin: Birte Rudzki. Anschrift für alle: Hochstraße 8, 81669 München. Redaktion: eMail zeitung@sudeten.de; Verlag: Telefon (0 89) 48 00 03 80, eMail svg@sudeten.de. Jahres-Abonnement 2022 Inland als Postvertriebsstück im Lastschriftverfahren 125,00 EUR einschließlich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Ausland 154,00 EUR, Luftpost auf Anfrage. Reichenberger Zeitung (24 Ausgaben jährlich) 62,50 EUR, Neudeker Heimatbrief (12 Ausgaben jährlich) 31,25 EUR. Je Rechnung 2,00 EUR Aufschlag. Bankverbindung: Postbank München – IBAN: DE13 7001 0080 0005 7278 08, BIC: PBNKDEFF; Abbestellungen mit einer Frist von vier Wochen zum Vierteljahresschluß schriftlich an den Verlag. Anzeigenpreisliste Nr. 13 vom 1. Januar 2021; Anzeigengestaltung erst nach Auftrag. © 2021 Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft. Diese Zeitung ist mit allen Texten und Bildern urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung und Verwertung – insbesondere auch Weitergabe in Form von Kopien oder Einstellen ins Internet – sind ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrecht nichts anderes ergibt. Mit vollem Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Sudetendeutschen Landsmannschaft wieder. Gerichtsstand und Erfüllungsort München. Kein Entschädigungsanspruch bei Nichterscheinen oder Nichtlieferung infolge Streik oder höherer Gewalt. Keine Gewähr für nicht angeforderte Manuskripte, Bilder, Dokumente, Datenträger und Daten. Alle datenschutzrechtlichen Vorschriften werden beachtet; Einzelheiten unter www.sudeten.de Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH, HRB München 3796. Geschäftsführer und verantwortlich für Anzeigen: Torsten Fricke. Alleiniger Anteilseigner: Sudetendeutsche Landsmannschaft, Hochstraße 8, 81669 München. Druck und Versand: Presse-Druck- und Verlags-GmbH, 86167 Augsburg.
Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.
70 JAHRE HEILIGENHOF
Sudetendeutsche Zeitung Folge 19 | 13. 5. 2022
Am 5. Januar 1952 wurde in München das „Sudetendeutsche Sozialwerk“ gegründet, von Männern und Frauen der ersten Stunde der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Unter ihnen, der Initiator Ing. Herbert Schmidt sowie Sepp Großschmidt, Hans Mraczek und Anton Jirowetz, Käthe Zeidler und Grete Hartmann. Ziel und Zweck waren konkrete Hilfen für die noch notleidenden vertriebenen Landsleute und der Aufbau von Einrichtungen, in der sich die sudetendeutsche Volksgruppe sammeln und zusammenfinden kann, insbesondere deren Jugend.
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� Start der Serie „70 Jahre Heiligenhof“ in der Sudetendeutschen Zeitung
Heimat und Identität für eine entwurzelte Generation
Das 70jährige Jubiläum nimmt die Sudetendeutsche Zeitung zum Anlaß, in einer Serie von Artikeln Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen, die ihre Erinnerungen an das Sudetendeutsche Sozial- und Bildungswerk, wie es heute heißt, und ihre Erlebnisse in dessen Einrichtungen, dem Heiligenhof und der Burg Hohenberg, schildern. Zum Auftakt gibt der im Juni des vergangenen Jahres neugewählte Vorstandsvorsitzende, Hans Knapek, einen Überblick über die Geschichte des Heiligenhofs, der auch heute noch zentralen Einrichtung des SSBW. Neben einem Rückblick macht er vor allem klar, daß der Auftrag des Heiligenhofs noch nicht erfüllt ist. Die Geschichte geht weiter.
Die Geschichte geht weiter
Von Hans Knapek
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m März 1952 hat das kurz zuvor gegründete Sudetendeutsche Sozialwerk das ehemalige Landhaus des Architekten Breuhaus de Groth auf einer Anhöhe außerhalb von Bad Kissingen erworben. Die Idee, eine Bildungseinrichtung für die damals entwurzelten jungen Heimatvertriebenen zu schaffen, wurde im Sommer 1950 im ersten Zeltlager der sich gerade zusammenfindenden Sudetendeutschen Jugend in Gaisthal im Oberpfälzer Wald geboren. Dort hatten sich auf Initiative Erich Kukuks Jugendführer mit dem ersten Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Dr. Rudolf Lodgman von Auen, und weiteren Amtsträgern und Politikern zu Gesprächen getroffen. Dort wurden auch die Grundlagen für den Aufbau der Sudetendeutschen Jugend und der späteren DJO gelegt. Wolfgang Egerter, Teilnehmer dieses Zeltlagers, hat in späteren Jahren „Gaisthal“ oft als den „Hohen Meißner“ der Sudetendeutschen Jugend bezeichnet, in Anlehnung an den dortigen ersten „Freideutschen Jugendtag“ der deutschen Jugendbewegung 1913. Unter den Politikern in Gaisthal befand sich auch der spätere Bundesvertriebenenminister Theodor Oberländer, der den Hinweis auf das Anwesen in Bad Kissingen gab. Es war ein entscheidender Hinweis und eine bedeutsame Entscheidung, das sich in schlechtem Zustand befindliche eingeschossige Landwohnhaus zu erwerben. Es war nicht nur das erste Grundeigentum der vertriebenen sudetendeutschen Volksgruppe, sondern der Grundstein für die mittlerweile 70-jährige Erfolgsgeschichte der Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“. Erworben werden konnte das Anwesen damals nur dank einer großzügigen Spende der „Norwegischen Europahilfe“, die sich unter ihrem Vorsitzenden Arne M. Torgersen der Not der deutschen Heimatvertriebenen zuwandte. Sudetendeutsche Heimstätte europäischer Jugend, diese Bezeichnung gab die Sudetendeutsche Jugend (SdJ) ihrem Heiligenhof gleich zu Beginn der 1950er Jahre. Und in den ersten 15 Jahren war der Heiligenhof in erster Linie auch die zentrale Bildungsstätte der SdJ und ihres
hof treu geblieben, und die heute Verantwortlichen fühlen sich seiner Geschichte und seinem Auftrag verpflichtet. Er ist auch heute ein Jugendhaus und eine Bildungsstätte. Einen großen Teil der Belegung machen Schulklassen und Jugendgruppen aus, mit Bezug zu unserer Arbeit, wie beispielsweise deutsch-tschechische Kinderfreizeiten oder zahlreiche Klassenfahrten. Der Heiligenhof ist nach wie vor ein gefragter Tagungsort für sudetendeutsche Verbände und Einrichtungen der deutschen Vertriebenen. Insbesondere Gruppen der Siebenbürger Sachsen sind in den letzten Jahren hier heimisch geworden. Der Heiligenhof ist aber auch Beherbergungsbetrieb für Vereine und Organisationen aller Art. Da kommen Blaskapellen, Chöre und Sportvereine. Unsere Bildungsarbeit konzentriert sich auf das Thema „Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn“ und umfaßt ein breites Angebot an historischen und Gegenwartsthemen. Ein spezielles Angebot richtet sich an Schulklassen, die sich in Planspielen meistens mit europapolitischen Themen auseinandersetzen.
Der Heiligenhof oberhalb von Bad Kissingen im Jahr 1957. 1951 gegründeten Dachverbandes Deutsche Jugend des Ostens (DJO). Oskar (Ossi) Böse war erster Heimleiter und gleichzeitig Bundesjugendführer von Sudetendeutscher Jugend und DJO. Die SdJ-Bundesgeschäftsstelle wurde auf dem Heiligenhof eingerichtet, und die Arbeit war von Jugendleiterlehrgängen, Kindererholungsmaßnahmen, Zeltlagern und – häufig auch internationalen – Begegnungen geprägt. Eine entwurzelte Generation junger Menschen hat hier Heimat und Identität gefunden, hat sich aktiv mit der für sie neuen Staatsform „Parlamentarische Demokratie“ auseinandergesetzt, die Idee der europäischen Einigung aufgegriffen und sie zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht. Es gab frühe Kontakte nach Dänemark, Finnland, Südtirol, Großbritannien und Frankreich. Die Jugendorganisation Europäischer Volksgruppen (JEV) wurde hier gegründet, und Ossi Böse und Erich Kukuk waren deren erste Vorsitzende. 1953 diskutierten zum ersten Mal sudetendeutsche, tschechische und slowakische Studenten auf dem Heiligenhof über die verhängnisvolle Geschichte der vergangenen Jahre und über Möglichkeiten, diese zu überwinden. Es war eine Zeit des Aufbruchs und Neuanfangs und eine Phase, in der nicht zuletzt auf dem Heiligenhof die Grundlagen dafür gelegt wurden, daß die Sudetendeutsche Volksgruppe auch in der Vertreibung überleben kann.
Staats- und heimatpolitische Bildungsstätte Nachdem die erste Not gelindert worden war und die Integration der Vertriebenen fortschritt, rückte die politische Bildungsarbeit mehr und mehr ins Zentrum des Geschehens. Die Wissensvermittlung um die Herkunfts-
gebiete der deutschen Vertriebenen, deren Geschichte und die der Völker Mittel- und Osteuropas prägten die Bildungsangebote des Heiligenhofs. Die Überwindung der Teilung Deutschlands und die Notwendigkeit der Einigung Europas waren Leitlinien dieser Arbeit. Erich Kukuk, Heimleiter und Direktor von 1957 bis 1994, gab dem Heiligenhof die anspruchsvolle Bezeichnung „Staats- und heimatpolitische Bildungsstätte“. Und das war er auch. In diese Zeit fällt auch die Gründung des „Arbeitskreises für Volksgruppen- und Minderheitenfragen“ durch Prof. Dr. Rudolf Grulich und Dr. Ortfried Kotzian. Eine Einrichtung des Heiligenhofs, die diese für ein friedliches Zusammenleben in Europa so entscheidenden Fragen wissenschaftlich beleuchtet und mittels Seminaren und Exkursionen einem weiten Interessentenkreis erschließt. Der Heiligenhof blieb Begegnungsstätte und konnte dank seiner beständigen baulichen Erweiterungen zunehmend mehr Gäste aufnehmen. Er blieb Heimstätte für die vielen sudetendeutschen Organisationen und wurde Treffpunkt für zahlreiche Gästegruppen, die sich den Themen
Foto: Heiligenhof der Einrichtung verbunden fühlten oder sich dort, betreut von Traudl Kukuk, schlicht und einfach wohlfühlten. Dazu zählten beispielsweise die Deutsche Gildenschaft, das Heimvolkshochschulwerk, verschiedene Universitätsinstitute, die Bundeswehr und der Bundesgrenzschutz, Studentenverbände und natürlich zahllose Gruppierungen aller Landsmannschaften, des BdV und der DJO.
Deutsche Einheit und mitteleuropäische Begegnung Der 9. November 1989 stellte auch eine Zäsur für den Heiligenhof dar. Eines seiner Kernziele war über Nacht Wirklichkeit geworden: die deutsche Einheit und die Befreiung Mittel- und Osteuropas von der sowjetischen Herrschaft. Nun führten die Exkursionen nicht mehr an die innerdeutsche Grenze, sondern nach Erfurt und Weimar und mehr und mehr auch nach Böhmen, Mähren und Schlesien, nach Polen und in die Ukraine. Neugegründete Gruppen der Sudetendeutschen Landsmannschaft aus den neuen Bundesländern trafen sich auf dem Hei-
� Hans Knapek n Geboren 1959, aufgewachsen in der Vertriebenensiedlung Neutraubling. n Vorsitzender der Stiftung Sudetendeutsches Sozial- und Bildungswerk (SSBW). n Mitglied des Bundesvorstandes der Sudetendeutschen Landsmannschaft kraft Amtes. n Mitglied der SL-Bundesversammlung. n Diplom-Kaufmann und Personalbereichsleiter a. D. n Otterfing/St. Joachimstal und Rudelsdorf/Schönhengstgau.
ligenhof und genossen die freie heimatliche Atmosphäre. Und es kamen Gäste und Seminarteilnehmer aus den Ländern hinter dem gefallenen Eisernen Vorhang. Heimatverbliebene Deutsche aus dem Egerland, dem Riesengebirge oder Südmähren, Tschechen, Slowaken, Polen, Ungarn. Früher unvorstellbare Begegnungen waren nunmehr möglich und wurden genutzt. 2002 gründete eine Gruppe Heiligenhofer um den damaligen Vorsitzenden, Staatssekretär Wolfgang Egerter, und seinen späteren Nachfolger Dr. Günter Reichert die „Akademie Mitteleuropa e.V.“. Ihr Auftrag war und ist es, diese grenzüberschreitende Bildungs- und Begegnungsarbeit auf studentischer und wissenschaftlicher Seite zu bündeln. Ein hochkarätiges Kuratorium mit Wissenschaftlern und Politikern aus Mitteleuropa unter der Leitung des Bundesverfassungsrichters Prof. Dr. Peter Michael Huber steht dem Vorstand hierbei zur Seite.
Alles Leben ist Begegnung
Der Satz „Alles Leben ist Begegnung“ des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber ist unser heutiger Leitspruch. Der Heiligenhof ist heute eine moderne Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte mit 220 Betten. Im Vor-Corona-Jahr 2019 verzeichneten wir mit 40 000 Übernachtungen ein Rekordergebnis; eine großartige Leistung von Stiftungsdirektor Steffen Hörtler, der seit 2003 die Einrichtung leitet, und seinem Team. Eine hohe Auslastung des Hauses ist auch eine Grundvoraussetzung für sein Überleben. Zwar werden konkrete Bildungsveranstaltungen und auch Baumaßnahmen im Rahmen der Projektförderung öffentlich unterstützt. Eine dauerhafte institutionelle Förderung erfährt die Einrichtung jedoch nicht. Seinen Wurzeln ist der Heiligen-
Für den im vergangenen Jahr neugewählten Vorstand ist klar, daß der Heiligenhof auch in Zukunft eine wichtige Aufgabe zu erfüllen hat. 1989/90 bedeutete nicht das „Ende der Geschichte“, die einige nach diesem weltpolitischen Umbruch schon ausgerufen hatten. Politische Bildungsund Begegnungsarbeit ist so wichtig wie eh und je. Die Welt ist weiterhin gekennzeichnet von divergierenden Interessen, nach dem alten OstWest-Konflikt ist ein neuer Wettstreit der Systeme entbrannt, und Errungenschaften, für die sich insbesondere die deutschen Vertriebenen und der Heiligenhof eingesetzt haben, wie die demokratische Staatsordnung und die europäische Einigung, werden verstärkt in Frage gestellt. Auch die sich stark wandelnde, aber nach wie vor existente sudetendeutsche Volksgruppe braucht weiterhin eine Heimstatt. Hier sollen auch künftig Menschen ihren familiären Wurzeln aus Böhmen, Mähren und Schlesien nachgehen können und sich diejenigen treffen können, denen an einer ehrlichen und stabilen Partnerschaft zwischen Deutschen und Tschechen und anderen Völkern und Volksgruppen in Ost- und Mitteleuropa gelegen ist. Trotz großer Fortschritte gilt es auch in diesen Beziehungen noch Fragen aufzuarbeiten und weiteres Vertrauen zu schaffen. Die aktuelle Pandemie hat den Heiligenhof schwer getroffen. Staatliche Unterstützungsmaßnahmen, Kurzarbeit und die Solidarität der großen Heiligenhoffamilie haben uns bisher geholfen, einigermaßen durch die Krise zu kommen. Aber wir sind zuversichtlich, daß unsere Angebote weiterhin gefragt sind, und sehen, daß unsere Gäste zurückkommen, wann immer das möglich ist. Der Heiligenhof oberhalb von Bad Kissingen ist auch eine kontinuierliche Baugeschichte. Seit dem ramponierten Landhaus 1952 hat sich sehr viel getan. Wer den Heiligenhof dieser Tage besucht, findet ein generalsaniertes Haupthaus, einen modernen Seminartrakt mit einem sich anschließenden großen Multifunktionssaal und ansprechende Außenanlagen vor. Aber auch diese Geschichte geht weiter. Eindeutiger Schwachpunkt für das 220 Bettenhaus ist der viel zu kleine Speisesaal und die in die Jahre gekommene Küche. Beides wird noch in diesem Jahr in einem eigenen Bau neu errichtet, sodaß wir auch baulich für die stets offene Zukunft gerüstet sind.
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TERMINE
Sudetendeutsche Zeitung Folge 19 | 13. 5. 2022
25 Jahre Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch
Tandem lädt im Juni zum Jubiläums-Forum
Freitag, 24. und Samstag, 25. Juni: „Motivation von Teilnehmern für den deutsch-tschechischen Jugendaustausch – Ein Seminar im außerschulischen Bereich“. Seminar für Fachkräfte der Jugendarbeit, Projektleiter, Vertreter von Vereinen und Verbänden. Inhalt: Herausforderungen und Strategien in der Teilnehmerakquise von Jugendlichen; Angebotsformulierung; Erreichen von Jugendlichen – welche Kanäle sind sinnvoll?; Bildsprache; Flyer und Co. – machen sie noch Sinn? Freitag, 24. und Samstag, 25. Juni: „Wie kann deutschtschechische Sprachanimation Themen des Tandem-Schwerpunkts ,Jugend gestaltet Zukunft‘ in Unterricht und Aus-
tausch einbinden?“ Seminar für Lehrer aller Schularten. Inhalt: Jugend gestaltet Zukunft – aktuelle Themen wie Extremismus, Demokratiebildung, Medienkompetenz und Fake News, Umweltschutz und Nachhaltigkeit; Sprachanimation als Methode in Austausch und Unterricht; Integration von Sprachanimation in Austausch und Unterricht. Freitag, 24. und Samstag, 25. Juni: „NEUSTART: Treffen, Austausch und gemeinsame Planung“. Seminar für Lehrer von Berufsschulen und berufsbildenden Einrichtungen. Inhalt: Aufrechterhalten der Partnerschaft zwischen Einrichtungen in Krisenzeiten; Durchführung von Praktika unter diversen Einschränkungen; Möglichkeiten der Nutzung von Online-Instrumenten für die Planung, Durchführung sowie Auswertung der Praktika. Freitag, 24. und Sontag, 26. Juni: „Lebe und liebe“. Seminar für Jugendliche und junge Erwachsene (16 bis 26 Jahre). Inhalt: LGBTQ+ und Diversität mit thematischen Vorträgen, Diskussionscafé, Openspace. Samstag, 25. Juni: „Erlebe Pilsen – Interaktive deutschtschechische Stadtführung. Anmeldungen bis 22. Mai. Weitere Informationen unter der Webseite www.tandem-org.de
Uhr, Adalbert Stifter Verein und Ústav pro studium totalitních režimů: 100 Jahre PaneuropaBewegung mit Bernd Posselt und Martin Posselt im Rahmen der Ausstellung „Kulturelle Brücken in Europa: Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945“. Moderation: Viktoria Großmann (Süddeutsche Zeitung). Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Freitag, 3. bis Montag, 6. Juni: 72. Sudetendeutscher Tag in Hof und der Euregio Egrensis (siehe Ausgabe 16 + 17). Dienstag, 7. Juni, 19.00 Uhr: „Der Mann aus Prag. Ein besonderer Abend über Franz Kafka“. Musikalische Lesung mit Christiane Lemm und Kalle Kubik. Gerhart-HauptmannHaus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Freitag, 17. Juni, 10.30 Uhr, SL-Ortsgruppe Königsbrunn/ Wehringen/Klosterlechfeld: Totengedenken. Mahnmal der Sudetendeutschen am Friedhof
Wehringen mit Pfarrer Hubert Ratzinger. Samstag, 18. Juni, 8.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: Fahrt ins Sudetendeutsche Museum. Busbahnhof Erlangen. Anmeldung: Christoph Lippert, Telefon (0 91 32) 97 00 oder eMail erlangen@ackermann-gemeinde .de Montag, 20. Juni, 17.30 Uhr, SL-Kreisgruppe Stuttgart, UdVF Stuttgart und BdV: Veranstaltung zum Weltflüchtlingstag. Kursaal, Königsplatz 1, Stuttgart-Bad Cannstatt. Dienstag, 21. Juni, 19.00 Uhr, Adalbert Stifter Verein und Ústav pro studium totalitních režimů: „Adel heute“ – Podiumsdiskusion im Rahmen der Ausstellung „Kulturelle Brükken in Europa: Adel aus Böhmen und Mähren nach 1945“. Moderation: Stephan Löwenstein (FAZ). Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München.
Seit 25 Jahren organisiert Tandem, das Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch, grenzüberschreitende Begegnungen für junge Menschen. Aus Anlaß des Jubilläums findet vom 24. bis 26. Juni in Pilsen ein mehrtägiges Forum statt.
M
Weltberühmt: Bier aus Pilsen.
Foto: Plzeňský Prazdro
Programm zum Internationalen Tag des Museums
Sonderführungen und Sand-Art
as hat ein Bayer mit Pilsner Bier zu tun? Wie wurde der Würfelzucker erfunden? Und wer ist die Gurkenfee? Die Sonderführung „Pilsner Bier und Znaimer Gurken“ beantwortet diese und andere Fragen rund
um sudetendeutsche Lebensmittel und ihre Geschichte. Die Führungen mit Kuratorin Eva Haupt finden am Sonntag, 15. Mai, um 13.00 Uhr sowie um 15.00 Uhr statt. Im Rahmen der Sonderführung „Zwischen Himmel und Erde – Zur Religionsgeschichte Böhmens und Mährens“ erhalten die Besucher einen Überblick über die religionsgeschichtliche Abteilung des Sudetendeutschen Museums. Religiös bedingte Konflikte, religiös beeinflußtes Kunsthandwerk und religiöses Brauchtum bestimmten über Jahrhunderte das Leben
Bis Freitag, 30. September: Sonderausstellung „Unser Mut. Juden in Europa 1945–48“. Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstraße 90, Berlin. Bis Freitag, 28. Oktober: Ausstellung „Baltikum analog – unterwegs mit dem Fotografen Karl-Heinz Rothenberger“. Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10.00 bis 20.00 Uhr (werktags), im August geschlossen. Freitag, 13. bis Sonntag, 15. Mai: 50. Bundestreffen der Egerland-Jugend und 70 Jahre Egerland-Jugend. Marktredwitz und Elbogen. Programmauszug: Samstag, 15.00 Uhr: Offenes Tanzen und Singen auf dem Marktplatz in Elbogen; 19.00 Uhr: Volkstumsabend „Egerländer Notenbüchl“ im Kulturzentrum Dvorana. Sonntag, 10.00 Uhr: Heilige Messe in der HerzJesu-Kirche in Marktredwitz, an-
schließend offenes Tanzen und Singen am Egerlandbrunnen. Sonntag, 15. Mai, 10.00 bis 18.00 Uhr: Internationaler Tag des Museums im Sudetendeutschen Museum. Programm siehe oben. Hochstraße 10, München. Sonntag, 15. Mai, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe MünchenWest-Pasing-Aubing: Treffen der Ortsgruppe. Bürgersaal, Friedrichshafener Straße 17, München. Sonntag, 15. Mai, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Bochum: 70-Jahr-Feier mit dem Sudetendeutschen Singkreis Bochum. Anmeldung bei Leo Köhler per eMail leo.koehler@googlemail. com oder telefonisch unter (02 34) 68 09 15. Ostdeutsche Heimatstube, Neustraße 5, Bochum. Montag, 16. Mai, 17.00 Uhr, Ackermann-Gemeinde: Nepomukgottesdienst. Asamkirche, Sendlinger Straße, München. Montag, 16. Mai, 19.00 Uhr, Sudetendeutsches Mu-
Mit „Pilsner Bier und Znaimer Gurken“ und „Zwischen Himmel und Erde – Zur Religionsgeschichte Böhmens und Mährens“ komplettieren zwei Sonderführungen das Programm des Sudetendeutschen Museums in München zum Internationalen Museumstag am 15. Mai.
W
Zwischen Rußlandfurcht und Rußlandhoffnung Donnerstag, 19. Mai, 18.00 bis 20.00 Uhr: Online-Seminar: „Zwischen Rußlandfurcht und Russlandhoffnung – Rußlandbilder in Deutschland und ihre Entwicklung vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart“. Gespräch mit dem Historiker und Ethnologen Dr. Meinolf Arens. Das alles beherrschende Thema auch in Deutschland seit jenem denkwürdigen 24. Februar – dem Tag des Angriffs der Russischen Föderation auf die Ukraine – ist dieser weiter andauernde blutige Krieg. Ein großes Thema in Deutschland ist nun die fatale und völlig gescheiterte Politik gegenüber Rußland in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Wir wollen in diesem Gespräch und der anschließenden Diskussion beleuchten, welche Bilder über Rußland in Deutschland dahinterstehen, wie sie in welchen kulturellen, politischen, ideologischen und gesellschaftlichen Milieus entstanden sind und sich entwickelten. Die Wichtigkeit der Thematik kann man an den Emotionen dazu ermessen, die nicht erst seit Februar 2022 dazu jederzeit abrufbar sind. Anmeldung unter eMail info@heiligenhof.de Heiligenhof · Alte Euerdorfer Straße 1 · 97688 Bad Kissingen Telefax (09 71) 71 47 47 info@heiligenhof.de · www.heiligenhof.de
der Menschen. Bezug genommen wird auf Persönlichkeiten wie Jan Hus oder den heiligen Johannes von Nepomuk. Die Führungen mit Sammlungsleiter Klaus Mohr finden um 12.15 Uhr und um 16.00 Uhr statt. Das Sudetendeutsche Museum lädt an diesem Tag auch zu den Sand-Art-Performances und einem museumspädagogischen Workshop ein. Vorstellungen: 11.00 Uhr, 14.00 Uhr und 17.00 Uhr. Sand-Art-Workshop für Kinder und Familien: 15.00 Uhr. Die Dauerausstellung ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
it dem Jubiläums-Forum wird Interessierten die Möglichkeit gegeben, sich auf verschiedenen Seminaren zu aktuellen Themen des DeutschTschechischen Jugendaustauschs zu vernetzen und weiterzubilden. Den offiziellen Auftakt des Jubiläums-Forums bildet am Freitagabend, 24. Juni, ein Festakt, der im DEPO2015 stattfindet, einem Kultur- und Kreativzentrum, das im Rahmen des Projektes „Pilsen – Kulturhauptstadt Europas 2015“ auf dem Areal des ehemaligen Straßenbahndepots errichtet worden ist. Das weitere Seminarangebot: Freitag, 24. und Samstag, 25. Juni: „Wo beginnt Demokratie?“ Semiar für pädagogische Fachkräfte des Vorschulbereich: Inhalt: Tandem-Förderprogramme im Vorschulbereich; Bildungsprogramm: In der Kita gemeinsam beginnen; Workshop „Demokratie und Partizipation im Kindergarten“.
VERANSTALTUNGSKALENDER seum: „Europas Brückenbauer zwischen Nationen.“ Vortrag über den Hl. Johann von Nepomuk von Dr. Raimund Paleczek. Adalbert-Stifter-Saal, Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Eintritt ist frei. Samstag, 21. Mai, 14.00 Uhr: Deutsch-Tschechische Freundschaftstage in Hof: Deutsch-Tschechische Kirchenführung durch St. Lorenz, St. Michaelis, Hospitalkirche. Startpunkt: Kirche St. Lorenz, Lorenzstraße 49, Hof. Samstag, 21. Mai, 15.00 Uhr, SL-Heimatgruppe Kuhländchen-München: „Integration der Vertriebenen in Nord-Baden 1946 – Andenken an Pfarrer Heinrich Magnani und Architekt Egon Eiermann“. Vortrag von Prof. Dr. Ulf Broßmann, Haus des Deutschen Ostens, Raum 113, Lilienberg 5, München. Samstag, 21. Mai, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe Erlangen und Ackermann-Gemeinde Erlangen: „Das Sudetendeutsche Museum in München und sein Pendant, die Dauerausstellung ,Unsere Deutschen‘ in Aussig/ Ústí nad Labem“. Vortrag von Christoph Lippert (Herzogenaurach). Sportgaststätte des FSV Bruck, Tennenloher Straße 68, Erlangen. Sonntag, 22. bis Montag, 23. Mai, Ackermann-Gemeinde: Kulturfahrt nach Südwestmähren mit Stationen in Trebitsch, Teltsch, Znaim, Stift Neureich und Schloß Jarmeritz. Anmeldung und nähere Informationen unter eMail muenchen@ ackermann-gemeinde.de Montag, 23. Mai, 18.00 Uhr: „Das deutsch-russische Jahrhundert“. Autorengespräch mit Prof. Dr. Stefan Creuzberger. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Donnerstag, 26. Mai, 15.00 Uhr, SL-Kreisgruppe RothSchwabach: Maiandacht am Vertriebenen-Gedenkstein Vogelherd. Im Vogelherd, Schwabach. Donnerstag, 26. Mai, 19.00 Uhr, BdV Augsburg-Stadt und Augsburg-Land: Maiandacht.
Mit dem Chor der Banater Schwaben und dem Blasorchester Königsbrunn in der Pfarrkirche St. Ulrich in Königsbrunn. Freitag, 27. Mai, bis Montag, 6. Juni: Begegnungs- und Kulturfahrt im alten und neuen Österreich. Standorte in Pilsen, Brünn, Wien und Kremsmünster. Informationen und Anmeldung bei Rüdiger Goldmann, telefonisch unter (02 11) 7 00 51 50. Samstag, 28. Mai, 9.30 Uhr, BdV-Kreisverband LimburgWeilburg: Kreisverbandstag. Hotel Zur Krone, Obertorstraße 1, Löhnberg. Samstag, 28. Mai, 14.30 Uhr, SL-Ortsgruppe StuttgartWeilimdorf: Jahreshauptversammlung mit Ehrungen. Haus der Begegnung, Giebelstraße 14, Stuttgart. Samstag, 28. Mai, 19.00 Uhr: Konzert „Verflechtungen. Einflüsse von Volksmusik, Tanz und Märchenwelten in der böhmischen Kunstmusik“ mit dem Klavierduo Jost Costa und dem Musikwissenschaftler Joachim Kremer. Veranstalter: Adalbert Stifter Verein und Kulturreferat für die böhmischen Länder. Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, München. Sonntag, 29. Mai, 11.00 Uhr: Deutsch-Tschechische Freundschaftstage in Hof: Konzert mit „Good Time Cheb“ aus der Partnerstadt Eger/Cheb. Das Grundrepertoire bezieht sich auf Blues, hinzu kommen Musik von Bonnie Raitt, Alannah Myles, Eric Clapton, Debbie Davis und Tracy Chapmann sowie von tschechischen Interpreten wie Eva Olmerová. Musikpavillon Theresienstein, Stadtpark, Hof. Dienstag, 31. Mai, 18.00 Uhr: „Hana oder Das böhmische Geschenk“. Poetisches Portrait der tschechischen Germanistin Hana Jüptnerová mit Tina Stroheker. Erinnerungen an die 2019 verstorbene tschechische Dissidentin, Christin und Brükkenbauerin Hana Jüptnerová. Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, Düsseldorf. Dienstag, 31. Mai, 19.00
Tandem – das Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch wird 25 Jahre alt.
Filmabend über die Bundestagsabgeordnete
Annemarie Ackermann Donnerstag, 19. Mai, 19.00 Uhr, Filmabend: „Annemarie Ackermann. Mehr als eine Bundestagsabgeordnete“ (2022).“ In Anwesenheit von Ria Schneider, der Tochter von Annemarie Ackermann, dem Filmemacher Sebastian Grießl sowie Dr. Ingomar Senz zeigt das Haus des Deutschen Ostens das Filmportrait über die erste und einzige donauschwäbische Bundestagsabgeordnete. Annemarie Ackermann wurde 1953 für die CDU in den Bundestag gewählt und setzte bemerkenswerte Akzente. Sie war Mitglied in drei parlamentarischen Ausschüssen: dem Lastenausgleichs-, Vertriebenen- und Verteidigungsaus-
schuß. Im Besonderen galt ihr Bemühen der Einbeziehung ihrer deutschen und österreichischen Landsleute in die Lastenausgleichszahlungen. Wenn sie der Bundeskanzler Konrad Adenauer als „fleißige Ameise“ oder als „zupackende Löwin“ bezeichnete, so läßt diese Anerkennung ahnen, welchen Respekt sie in der damals überwiegenden politischen Männergesellschaft erringen konnte. Ackermann wurde am 26. Mai 1913 in Parabutsch geboren und verstarb am 18. Februar 1994 in Königswinter. Sie hinterließ fünf Kinder. Anmeldung erforderlich unter Telefon (0 89) 4 49 99 30 oder per eMail an poststelle@hdo. bayern.de
AKTUELL
Sudetendeutsche Zeitung Folge 19 | 13. 5. 2022
5 � Mut tut gut
Politik kommt vom Hören
I
Im Geburtsort Richard Reitzners in Einsiedel bei Marienbad gedachte die Seliger-Gemeinde des aufrechten Sozialdemokraten zu dessen 60. Todestag.
Fotos: Ulrich Miksch
� Frühjahrsseminar im oberfränkischen Bad Alexandersbad
Seliger-Gemeinde diskutiert über den Strukturwandel in Tschechien „Tschechien im Strukturwandel – Herausforderungen und Perspektiven“ hat das Motto des Frühjahrsseminars der Seliger-Gemeinde gelautet, das im Evangelischen Bildungszentrum in Bad Alexandersbad stattgefunden hat.
N
achdem in den vergangenen zwei Jahren der Planung immer ein Corona-Aus erfolgt war, kamen heuer fast 50 Teilnehmer voller Wißbegierde und Tatendrang nach Oberfranken, um der aktuellen Entwicklung in den ehemals sudetendeutsch geprägten Gebieten der Tschechischen Republik in NordwestBöhmen nachzuspüren. Daß es bei einigen die alte Heimat oder die Heimat ihrer Eltern betraf, wie zum Beispiel bei Christa Naaß, deren Eltern aus der Gegend um Tachau stammten, machte die Sache für viele noch interessanter. Begrüßt wurden die Teilnehmer, darunter Libor Rouček, Vorsitzender des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums und SG-Mitglied, vom stellvertretenden Landrat des Kreises Wunsiedel, Roland Schöffel. Dann stellten Rainer Pasta und die Bundesvorsitzende der SG, Helena Päßler, eine Hilfsaktion der SG für die Ukraine vor, bei der Helena und ihr Sohn von Wiesbaden aus schon fünfmal medizinische Hilfsgüter nach Prag auf den Weg brachten, die dort von ukrainischen Ärztinnen in die Ukraine weitergeleitet wurden. Eine Spendensammlung während des Seminars erbrachte 1000 Euro, die ausschließlich an ein Kinderkrankenhaus und ein Waisenhaus in Dnipro gehen werden. Schließlich begann das thematische Seminar mit zwei kürzeren Dokumentarfilmen mit deutschen Untertiteln, die von Klára Votavová und David Scharf für das tschechische Meinungsportal Voxpot gedreht worden waren. Sie beschäftigten sich mit Arbeit und Leben in einem Industriepark bei Tachau, der wegen der neuen Autobahn dort entstand, und mit einem möglichen Weg aus der Kohlewirtschaft in eine grüne Zukunft für Tschechien und das angrenzende deutschen Zittau. Im Rahmen einer Diskussion, die sich an die Präsentation der im Internet verfügbaren Filme im Format des „Bad Alexanderbader Forums“ anschloß, schilderten die beiden Journalisten ihre Recherchen zum Wandel der Arbeit an der Peripherie, die die ehemalige „Werkbank Europas“, die Nordböhmen mit den Sudetendeutschen einmal war, darstellte. Besonders die Leiharbeitsfirmen spielen dabei keine sehr rühmliche Rolle, und auch die kleinen Städte zeigen sich planerisch überfordert. Auch stehe zu befürchten, daß vom Wandel weg von der Kohle nur große Konzerne profitieren, und Städte wie Aussig mit ihren vielfältigen Problemen zurückbleiben. Der politischen Radikalisierung, die mit dieser scheinbaren Hoffnungslosigkeit einhergeht, spürte der Film von David Scharf in Aussig bei Veranstaltungen von Okamuras rechtsradikaler SPD (Freiheit und direkte Demokratie) und in Zittau bei Treffen der AfD nach. Hatten am Abend die Bilder des Kohlekraftwerks Prunéřov II bei Brüx, das
Historiker Dr. Holger Martens von der AvS.
Peter Heidler erzählte vom Lager Hof-Nord.
Vor dem Stadtmuseum in Brüx pflanzte die Seliger-Gemeinde eine Linde.
Den Burgberg von Brüx erklommen, tschechische und deutsche Sozialdemokraten vereint: Libor Rouček, Christa Naaß und Helmut Eikam. Foto: Christian Reppe kürzlich modernisiert und mit Filteranlagen umweltverträglicher gemacht wurde, noch erstaunt, fuhren die Teilnehmer des Seminars unter ortskundiger Leitung des gebürtigen Brüxers und späteren Bürgermeisters von Ochsenfurt bei Würzburg, Peter Wesselowsky, am Samstag schon an den alten und neuen Anlagen des Kraftwerks vorbei, auf dem Weg nach Brüx. Dort warteten am Bahnhof Vertreter des RotaryClubs von Brüx, darunter der verbliebene Sudetendeutsche Rudolf Kasper. Aus Prag war dazu Vladimír Špidla, der ehemalige Ministerpräsident und EU-Kommissar Tschechiens angereist, der die ganze Besichtigung der „Stadt im Grünen“, wie Wesselowsky die neuentstandene Reißbrettstadt neben der abgerissenen, ausgekohlten und mittlerweile in einen See mit Naherholungswert umgewandelte Stadt Brüx/Most nannte, mitmachte. Erster Haltepunkt bei der Rundfahrt waren die um über 800 Meter verschobene und über 500 Jahre alte Kirche Mariä Himmelfahrt und die um sie gruppier-
ten Statuen des alten Brüxs. Dann ging es den Burgberg hinauf, wo noch die 1906 errichtete Landeswarte, ein historisierender Gaststättenbau, steht und von wo man einen herrlichen Blick über die bizarren Vulkangipfel des böhmischen Mittelgebirges hat, aber eben auch auf den Naherholungssee und die neuentstandene Stadt. Eine Stadt im Wandel, vom Abrißbeschluß 1964, dem Abriß zwischen 1967 und 1982, dem Kohleabbau bis zum Jahre 2005 und dem parallel dazu erfolgten Aufbau einer vor allem aus Plattenbauten errichteten Neustadt mit neuen Flächen für Obst- und Weinbau, aber auch mit einem neuen Theater. Vor dem alten Stadtmuseum, das stehengeblieben war, pflanzte die Gruppe eine von Peter Wesselowsky besorgte Linde, wozu Bernd Schneider aus Bad Berka, im Hobby Liedsänger, das von Franz Schubert vertonte Gedicht „Am Brunnen vor dem Tore“ von Wilhelm Müller zu Gehör brachte. Im Stadtmuseum informierten Mitglieder des Rotary-Clubs über die Ver-
änderungen und Bemühungen in der Stadt, darunter auch der 92jährige Stanislav Stys, der 70 Jahre als Stadtund Landschaftsgestalter den Neuaufbau der Stadt Brüx begleitet. Dem Museumsdirektor übergab Helena Päßler ihre 1978 in Frankfurt verfaßte wissenschaftliche Arbeit über Nordböhmens Braunkohlerevier mit seltenen Fotos der Abrisse in Brüx aus den 1970er Jahren. Zum 60. Todestag (12. Mai 1962) von Richard Reitzner, dem wichtigen Weggefährten Wenzel Jakschs und wesentlichen Motor der Integration der sudetendeutschen Sozialdemokraten in Bayern, Mitbegründer der Seliger-Gemeinde und Mitglied des Bundestages von 1949 bis zu seinem Tode, fuhren die Teilnehmer auf der Rückfahrt nach Bad Alexandersbad noch in Einsiedel/Mnichov in der Nähe von Marienbad, dem Geburtsort Reitzners, vorbei, dessen Familie eigentlich in Bodenbach wirkte. In dem kleinen Ort mit Kirche und Rathaus versammelte sich die SG um einen Brunnen, und mit ausgerolltem Banner der neuen Ausstellung der SG „Böhmen liegt nicht am Meer“ über Richard Reitzner gedachte Thomas Oellermann in einem Vortrag des wechselvollen Lebens des vor 60 Jahren in München-Haar verstorben großen Sozialdemokraten. Zum Abschluß am Sonntag stellte der Theaterregisseur Wolfgang Spielvogel aus Frankfurt am Main mit seinem Sohn Max, der ihn zur Suche nach seinen Wurzeln angestachelt hatte, seinen Dokumentarfilm „Manchmal ist es schön, mit diesen Menschen zu sprechen“ über seine Reise in seinen Geburtsort Barzdorf im Altvatergebirge vor. Holger Martens aus Hamburg vom Vorstand der „Arbeitsgemeinschaft ehemals verfolgter und inhaftierter Sozialdemokraten (AvS)“ stellte seine Arbeit, die doch der Arbeit der Seliger-Gemeinde sehr ähnelt, sehr interessant vor und animierte die Anwesenden, sich in die AvS kooptierend einzuschreiben, um eine bessere Wahrnehmung innerhalb der SPD zu erreichen. Eine viertelstündige Live-Schaltung in die Nähe von Kiew zur Künstlerin Iryna Vale, die über ihre Situation am christlich-orthodoxen Osterfest mitten im Krieg berichtete, war ein Einstieg für die Präsentation der ukrainischen Illustratorin in einer kleinen Ausstellung, deren Arbeiten auch im ukrainischen Pavillon der Biennale in Venedig zu sehen sind. Durch den Verkauf einiger Werke und die vereinbarte Gage gingen 400 Euro zu Gunsten der jungen Illustratorin in die Ukraine. Schließlich kam Peter Heidler zu Wort. Der langjährige Vorsitzende der SG Bayern und erfolgreiche Musiker hatte 2020 ein ernsthaftes Buch über seine Kindheit im Flüchtlingslager HofNord veröffentlicht. Den Anlaß hatten mehrere Hofer Bürger gegeben, die Peter Heidler baten, die Geschichte seines Flüchtlingslagers, in dem sein Vater als sudetendeutscher Sozialdemokrat ab 1949 Leiter war und das in Hof schon ganz vergessen war, für die Stadtgeschichte festzuhalten. Ulrich Miksch
n der Haut eines Politikers möchte ich nicht stecken. Bei aller notwendigen Kritik an einzelnen Entscheidungen oder EntscheidungsGeschwindigkeiten, ist es auch notwendig, den Menschen dankbar zu sein, die sich dieser Aufgabe stellen. Sie tun dies in Verantwortung für das Wohl unseres Landes und unseres Kontinents, oft unter Hintansetzung persönlicher Bedürfnisse. Einer großen Mehrheit von Spitzenpolitikern, egal ob in Regierung oder Opposition, zolle ich deswegen Anerkennung. Zugleich erinnere ich daran, daß es gerade in schwierigen Zeiten immer ein guter Brauch war, für die politischen Verantwortungsträger zu beten. Darauf sollten wir auch heute nicht vergessen. Was kann der Inhalt und das Ziel solcher Gebete sein? Eine Geschichte aus dem Ersten Buch der Könige des Alten Testaments liefert eine wichtige Orientierungshilfe. Der junge König Salomo hat bei Gott in der Stunde seiner Amtsübernahme eine Bitte frei. Worum soll er bitten? Um Macht, um Reichtum, um die Vernichtung seiner Feinde, um Anerkennung von den Menschen, um Durchsetzungskraft seines Willens? Salomo wendet sich mit einer gänzlich anderen Bitte an Gott. Er bittet um ein hörendes Herz, das das Volk in rechter Weise regieren und Gut und Böse unterscheiden kann. Es gibt in der Theologie den Grundsatz, daß der Glaube vom Hören kommt. Damit ist gemeint: Am Beginn des Glaubens stehen nicht eigene Gedanken. Am Beginn des Glaubens steht das vernehmungsvolle Hören des Wortes Gottes, wobei uns Gott in vielfacher Weise anspricht: durch sein geoffenbartes Wort, aber auch durch die Schöpfung, also durch Umwelt und Natur, und durch die jeweilige Zeit mit ihren spezifischen Herausforderungen. Gott spricht uns aber nicht zuletzt auch durch die Menschen an, denen wir begegnen – durch ihre Fragen, durch ihre Sehnsüchte, durch ihre Hoffnungen, aber auch durch ihre Bedürfnisse und durch ihre Not. „Verleih deinem Knecht, o Herr, ein hörendes Herz“, sagt Salomo. Nicht nur der Glaube kommt vom Hören, sondern auch die Politik. Dabei geht es um ein echtes und tiefes, nicht um ein oberflächliches Hören, nicht um ein schnelles Hörensagen, nicht um ein Vernehmen dessen, was die Echokammern der eigenen Weltanschauungen wiedergeben, nicht um ein Hören, durch welches wir bloß das vernehmen, was wir uns immer schon gedacht haben. Ein solches Hören ist nicht einfach, es bedarf tatsächlich der Hilfe Gottes, es ist ein Geschenk. Darum sollte es uns gehen, wenn wir für Politiker beten. Als Seelsorger habe ich schon oft erfahren: Wenn ich gut auf die Sorge oder Not eines Menschen, auf seine Fragen hinhöre, dann liegt darin schon ein Teil der Antwort. Die Antwort ist im Zuhören geborgen wie in einem Mutterschoß. Das gute, vernehmungsvolle Hinhören auf Gott, auf die Menschen, auf die Schöpfung Gottes, auf die Herausforderungen der Zeit, auch auf die eigene innere Stimme ist unerläßlich. Noch einmal: Beten wir, daß den politischen Verantwortungsträgern unserer Zeit diese Hörfähigkeit gegeben ist! Dr. Martin Leitgöb CSsR Seelsorger der Pfarrei Ellwangen-Schönenberg
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FORUM
Helmut Süß stellt „Von Mathesius bis Masaryk. Über den Protestantismus in den Böhmischen Ländern zwischen Asch und Teschen“ des Wiener Kirchenhistorikers Karl W. Schwarz vor.
Buchvorstellung
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Sudetendeutsche Zeitung mit Reichenberger Zeitung · Heimatbote · Heimatruf Die Zeitung der Sudetendeutschen Landsmannschaft wöchentlich (125,00 EUR im Jahr) Reichenberger Zeitung Nordböhmische Umschau 24 Ausgaben (62,50 EUR im Jahr) Neudeker Heimatbrief für die Heimatfreunde aus Stadt und Landkreis Neudek 12 Ausgaben (31,25 EUR im Jahr) mit folgendem Zahlungszeitraum: jährlich durch Lastschrift halbjährlich durch Lastschrift vierteljährlich durch Lastschrift Name, Vorname Straße, Hausnummer Postleitzahl, Ort Telefon E-Mail Geburtsjahr, Heimatkreis Datum, Unterschrift Ich/Wir ermächtige/n die Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH (SVG), Hochstraße 8, 81669 München, Gläubiger-Identifikationsnummer DE04SVG00000003583, Zahlungen von meinem/unserem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein/weisen wir unser Kreditinstitut an, die von der SVG auf mein/unser Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Ich kann/Wir können innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Dabei gelten die mit meinem/unserem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Wenn sich meine Kontodaten ändern, teile ich dies der SVG unverzüglich mit.
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Freikirche wechselte, so daß sich der Wiener Oberkirchenrat 1869 mit den „9 Punkten“ Balcars beschäftigten mußte. Der nächste Artikel beleuchtet den Nationalitätenkonflikt. Als Václav Pokorný (1855– 1933) eine tschechisch-reformierte Gemeinde in Brünn gründete, versuchte Pfarrer Gustav Trautenberger von der deutschevangelischen Pfarrgemeinde dies zu verhindern. Das dritte Kapitel beginnt mit der Reform des Eherechts in der Tschechoslowakei 1919 und stellt die Professoren Gustav Adolf Skalsky und Ludwig Wahrmund vor. Sie gingen von evangelischer und juristischer Seite das Problem an. Weiter geht es um die kultusrechtliche Weichenstellung nach 1919, bei der die Trennung von Staat und Kirche und damit die Entkonfessionalisierung des öffentlichen Lebens mit Abschaffung religiöser Feiertage und der kirchlichen Schulaufsicht erfolgte. Religion wurde zur Privatsache. Tomáš Masaryk rechnete auch mit Rom ab, was der Nuntius in Wien damit erklärte, daß Kirche und Re-
PERSONALIEN
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ler, Politiker und Theologe machte. Schwarz schildert auch die drei Brünner Heinrich August Stählin, Josef Bohatec und Erwin Eugen Schneider, die beligion im alten Österreich zu imsthal vor der Johannes-Mathe- deutende Theologieprofessoren stark instrumentalisiert worden sius-Gesellschaft. Er betont Ma- in Wien wurden. Ausführlich geseien. thesius‘ (1504–1569) Bedeutung denkt er des österreichischen BiDer folgende Aufsatz greift für die evangelische Kirchenge- schofs Oskar Sakrausky (1914– Masaryks Begriff „Entösterrei- schichte. Weitere Personen sind 2006). Sakrauskys Familie hatte chern“ auf und geht auf die Ab- Johann Amos Comenius (1592– Wurzeln im böhmischen Adlerrechnung der „Straße“ ein. So 1670), der Theologe, der sein Le- gebirge, von wo aus sie 1620 mit wurde am 3. November 1918 die ben lang auf der Flucht war und Tausenden anderen aus BöhMariensäule in Prag gesprengt, durch sein pädagogisches Lehr- men nach Schlesien flohen. Im und mehr als eine Million Tsche- buch „Orbis pictus“ weltberühmt 19. Jahrhundert kehrten sie als chen traten aus der katholischen wurde. Dazu stellt Schwarz auch evangelische Lehrer oder Pfarrer Kirche aus. Ein Artikel schil- dessen maßgeblichen Interpre- nach Böhmen zurück. Sakrausdert die Entwicklung der evan- ten Ján Kvačala vor. Dem folgt ky wurde 1939 als evangelischer gelischen Kirche bei den Tsche- Theodor Karl Haase, liberaler Pfarrer in Prag ordiniert, landechen und stellt die Gründung der Protestant aus Teschen, wo er te nach dem Krieg in Oberösterdeutschen Evangelischen Kirche 1876 bis 1909 Pfarrer war und reich und in der Steiermark, bis in Böhmen, Mähren und Schlesi- sich einen Namen als Schriftstel- er in Kärnten Fuß faßte und dort en am 25. Oktober 1919 wissenschaftliche Aufsätin den Mittelpunkt. Über ze schrieb. die Gründung der TscheMit einer Laudatio auf choslowakischen EvanZdeněk Kučera (1930– gelischen Hus-Fakultät 2019), Professor an der geht der folgende ArtiHussitisch-Theologikel, der Masaryk in den schen Fakultät der KarlsFokus nimmt und mit der Universität, und einem Gründung der TschechoNachruf auf Pavel Filipi slowakischen Kirche en(1936–2015), evangelidet. scher Theologe, GeistliDas vierte Kapitel becher der Evangelischen ginnt mit Schwarzens Kirche der Böhmischen Festvortrag „Ein Ketzer Für Oskar Sakrauskys Kinder Grete und Oskar, ehe- Brüder und Professor an bleibt er, der rebellisch maliger Militärsuperintendent von Österreich, si- der Karls-Universität, entrotzt!“ 2015 in Joach- gniert Professor Dr. Karl W. Schwarz sein Buch. det das Buch.
Von Mathesius bis Masaryk
im 19. Jahrhundert vorgestellt. an Blahoslav Lášek, Professor Um 1900 setzte sich der Natiofür Kirchengeschichte an der nalismus durch. Die gemeinsame Karls-Universität Prag, ist Her- Superintendur trennte sich in eiausgeber. Er stellt Schwarz vor ne deutsche westböhmische und und würdigt dessen Rolle als eine tschechische ostböhmische Brückenbauer zwischen den Uni- Abteilung. versitäten in Ost und West beDer dritte Aufsatz stellt die sonders vor 1989. Anfangsgeschichte der theoloDas Buch hat die vier Kapi- gischen Lehranstalt Preßburg tel „Die Zeit der jound ihre Schüler sephinischen ToleFrantišek Palacký ranz“, „Das Spanaus der Toleranzgenungsfeld des meinde Hotzendorf 19. Jahrhunderts“, in Ostmähren vor. „Die Kirchen im Im vierten Aufsatz 20. Jahrhundert“ geht es um die Anerund „Biographische kennung der HerrnPerspektiven“ mit huter Brüderkirche jeweils mehreren und die Politik der Beiträgen. „Von der österreichischen ReToleranz zur kongierung gegenüber fessionellen Parität“ den Freikirchen. beschäftigt sich mit Interessant ist der der evangelischen Karl W. Schwarz: „Von Weg des charismaKirche im Teschener Mathesius bis Masaryk. tischen LaienpreSchlesien. Im zwei- Über den Protestantis- digers Jan Balcar ten Aufsatz wird mus in den Böhmischen (1835–1888), der die lutherische Kir- Ländern zwischen Asch nach dem Übertritt che in Böhmen im und Teschen“. Verlag zur Evangelischen Spannungsfeld zwi- Karolinum, Prag 2019; Kirche Helvetischen schen Erweckung 280 Seiten, 350 Kronen. Bekenntnisses zu und Nationalismus (ISBN 978-80-3990-1) einer schottischen
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 19 | 13. 5. 2022
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Am 8. Mai feierte Wilfried Heller, aus dem Egerland stammender Träger des Sudetendeutschen Kulturpreises für Wissenschaft 2013, im hessischen Göttingen 80. Geburtstag.
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ein Geburtsort war die heutige Wüstung Littmitz im egerländischen Kreis Elbogen. Mit Eltern und Schwester wurde er im August 1946 vertrieben und strandete in Ramsau im Berchtesgadener Land. Bis 1970 studierte er an den Universitäten Erlangen und Heidelberg Geographie, Germanistik und Geschichte. Der Promotion in Heidelberg folgte 1978 die Habilitation an der Universität Göttingen. In den Jahren 1979 bis 1982 unterbrach er die Universitätslaufbahn und arbeitete als Referent und Geschäftsführer der Zentralen Arbeitsstelle Studienreform beim Niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kunst in Hannover. Zwölf Jahre lang war er dann Professor für Geographie an der Universität Göttingen. 1994 bis zur Pensionierung 2007 hatte er an der Universität Potsdam den Am 25. April feierte Helga Kudlich/Pretzlik, langjährige Aktive aus dem Kreis Böhmisch Leipa, 85. Geburtstag in MarktleugastMannsflur im oberfränkischen Kreis Kulmbach.
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elga Kudlich kam im nordböhmischen Reichstadt zur Welt und erlebte mit Bruder und drei Schwestern eine glückliche Kindheit. Ihre Eltern Otto Pretzlik und Hedwig Pretzlik/Netolitzky stammten aus dem Troppauer Land. Otto Pretzlik war bis 1938 Professor an der Forstschule in Reichstadt und dann in der Forstdirektion Brünn. In Brünn absolvierte Helga die ersten Volksschulklassen. Ihr Bruder Horst fiel 1944 mit 18 Jahren an der Front, ihre Schwester Ingrid Schmidt war zehn Jahre lang Leiterin der Jugend- und Bildungsstätte Hohenberg an der Eger. Vor den anrückenden sowjetischen Rotarmisten floh die Familie nach Neuhaus im Kreis Budweis und entging dem Brünner Todesmarsch. Mit Vater Otto und Großvater Richard Netolitzky flüchtete die Familie am
Träger eines Sudetendeutschen Kulturpreises
Wilfried Heller 80 Lehrstuhl für Sozial- und Kulturgeographie mit Berücksichtigung der Migrationsforschung inne. Schwerpunkte seiner Forschungen waren Raumstrukturwandel und Migrationsforschung in Deutschland und Südosteuropa, vor allem im Spannungsfeld von Regionalismus, Zentralismus, europäischer Integration und Globalisierung. Seit 2000 widmete er sich auch Fragen der Ethnizität, besonders in Grenzräumen der sich erweiternden EU. Er veröffentlichte fast 200 wissenschaftliche Publikationen. Eine Reihe von Auszeichnungen und Ehrendoktorwürden zeigt die hohe Anerkennung. Im Rahmen der Grenzthematik führte Heller mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vergleichende Studien in den heutigen Kreisen Falkenau und Tachau im Westen der Tschechischen Republik durch.
Dazu gehört eine von ihm betreute Doktorarbeit, die der Frage nachgeht, welche Einstellungen und Beziehungen die Menschen, die nach der Vertreibung der Deutschen dort angesiedelt wurden, zu diesen Gebieten entwickelten. Dabei wird auch auf das Leben der verbliebenen Deutschen eingegangen. Teilergebnisse dieser Arbeit wurden anläßlich der Bundeskulturtagung des BdEG 2011 in Marktredwitz und den „Egerer Gesprächen“ 2012 in Eger sowie bei der Jahrestagung der SL in Stuttgart 2012 vorgetragen. Sie wurden unter anderem auch in der Kulturzeitschrift „Sudetenland“ Band IV/2012 unter dem Titel „60 Jahre später – Deutsche in den böhmischen Grenzgebieten“ publiziert. Heller erforschte auch die Bohemians in Puhoi nördlich von Auckland in Neuseeland und dessen Tochtersiedlungen Ohaupo und Te Rore. Die Bohemians sind Nachkommen der 1860 bis 1876 aus der Umgebung
Seit der SdJ aktiv
von Staab im ehemaligen Bezirk Mies ausgewanderten Deutschen. 1998, 2003 und 2007 bereiste Heller das Siedlungsgebiet der Bohemians und analysierte die damalige Lage der ehemaligen Einwandererkolonien sowie der Bohemians in Neuseeland im Allgemeinen. Er untersuchte, ob und wieso die heutigen Bohemians als eine ethnische Gruppe zu bezeichnen seien und welche Bestandsaussichten diese Gruppe habe. Die Ergebnisse wurden auf Deutsch in den „Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft“ 2005 publiziert. Auf Englisch erschienen sie ebenfalls 2005 unter dem Titel „The ,Bohemians‘ in New Zealand – an ethnic group?“ in den an der Universität Auckland erscheinenden „Germanica Pacifica studies“. Auch über „Heimat“ hielt Wilfried Heller Vorträge. Seine Gedanken erschienen unter dem Titel „Heimat – ein selbstverständlicher Begriff?“ in der Zeitschrift des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege „Schönere Heimat – Erbe und Auftrag“ 2009. 2017 erhielt er den Egerländer Kulturpreis „Johannes von Tepl“ für Wissenschaft. Wolf-Dieter Hamperl
Sein Bruder, der Bauernbefreier Hans Kudlich, war 1848 in den Reichstag gewählt worden, beteiligte sich an Aufständen, unter anderem für die Rechte der Bauern, wurde in Abwesenheit von 7. Mai 1945 mit nach Westen ab- in die 1946 gegründete Vertrie- Österreich zum Tode verurteilt rückenden Wehrmachtssoldaten benensiedlung Mannsflur. Dort und wirkte nach seiner Flucht in und strandete in Weiden in der wohnte bereits Otfrieds Bruder die USA als Arzt. Viele DenkmaOberpfalz. Eckart Kudlich. Der Urgroßva- le und Straßennamen erinnerten Nach Holzfällerarbeiten wur- ter der Kudlich-Brüder, Herman im Sudetenland an ihn. Helga und Otfried Kudlich de Otto Pretzlik 1951 Amtsvor- Josef Kudlich, 1809 in Lobensteher am Forstamt Teublitz im stein/Troppau geboren, war Mit- waren bereits im Saarland der oberpfälzischen Kreis Burglen- glied der Frankfurter National- SL beigetreten und dort aktiv genfeld und holte seine Familie versammlung, später Troppauer geworden. Schon in den 1950er nach. Helga wurde Kindergärt- Gemeinderat und Abgeordne- Jahren hatte Helga in Teublitz nerin und Gymnastiklehrerin, ar- ter des schlesischen Landtages. die SdJ gegründet. Nach Otfrieds Tod 2010 arbeitete beitete in der Rheumaklisie auch weiter in der SLnik Bad Abbach, in der Ortsgruppe Marktleugast Jugendkurklinik Bühl mit. Sie unterstützt bis im Allgäu, in orthopädiheute die Obleute Waschen Fachpraxen in Rela und die ehemalige Ingensburg und Rosenheim haberin der Fahnen- und und gründete 1970 eine Stickerei-Firma Eleonoeigene Praxis für Gymnare Meinel in der Betreustik und Massage. ung. 1973 heiratete sie Wir danken Helga den AgrarwissenschaftKudlich für ihr aktives ler Otfried Kudlich und Wirken und wünschen zog mit ihm ins Saarland. Als Otto Kudlichs Stellvertretende Landes- und Bezirksobfrau Marga- für die Zukunft GesundRentner wurde, zog das retha Michel, Helga Kudlich, Ortsobfrau Christine heit und Gottes Segen. Adolf Markus Paar zu Mutter Kudlich Wala, Bezirksvize- und Kreisobmann Adolf Markus.
Helga Kudlich 85
Eine dreiteilige Veranstaltungsreihe über „Deutsche Identitäten in Mitteleuropa“ findet im Mai und Juni in München statt. Veranstalter sind die Münchener Volkshochschule (MVHS), der Adalbert-Stifter-Verein (ASV), das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) und das Collegium Carolinum (CC). Bei der ersten Folge über „Böhmen“ diskutierten – unter Moderation von ASV-Geschäftsführerin Zuzana Jürgens – der Historiker René Küpper (CC), die heimatverbliebene Deutsche Irene Novak vom Verband der Deutschen in den Regionen Reichenberg und Lausitz-Nordböhmen und die Übersetzerin Gudrun Heißig anstatt des an Corona erkrankten Raimund Paleczek vom Sudetendeutschen Institut.
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eit dem 12. und 13. Jahrhundert lebten Deutsche in den böhmischen Ländern, der heutigen Tschechischen Republik“, sagte Zuzana Jürgens in ihrer historischen Einführung. Als Moderatorin beschrieb die ASV-Geschäftsführerin die Geschichte der dortigen deutschen Siedler, damit die Teilnehmer, die nur über die Münchener Volkshochschule zu der Veranstaltung im Adalbert-Stifter-Saal gekommen waren, das nötige Hintergrundwissen erhielten. Die Deutschen in Böhmen und Mähren hätten vor allem die Grenzregionen besiedelt, aber auch in einigen Städten oder Sprachinseln gelebt, wo sie jeweils Handel und Industrie begründet und gefördert hätten. Erst im 19. Jahrhundert habe das erwachende nationale Selbstbewußtsein der Tschechen zu Problemen geführt, die sich nach dem Ersten Weltkrieg in der neugegründeten Tschechoslowakei fortgesetzt hätten, obwohl die Vertreter der Gebiete mit hauptsächlich deutscher Bevölkerung 1918 ihre Unabhängigkeit geDas Ungarische Generalkonsulat in München und das Münchener Haus des Deutschen Ostens (HDO) veranstalteten zum sechsten Mal den Gedenktag für die vertriebenen Ungarndeutschen, der pandemiebedingt vom 19. Januar auf Anfang Mai verschoben worden war. Generalkonsul Gábor Tordai-Lejkó, Olívia Schubert, Vizevorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, und BdV-Landesvorsitzender Christian Knauer hielten Ansprachen bei dem Festabend, den die ungarische Konsulin Krisztina Spiller im Sudetendeutschen Haus moderierte. Nach dem Festvortrag von Musikwissenschaftler Franz Metz über Kirchenmusik der Ungarndeutschen sprach HDODirektor Andreas Otto Weber.
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ie ältesten Spuren deutscher Musikkultur sind bereits gegen Ende des ersten Jahrtausends auf dem Gebiet des damaligen Ungarns zu finden“, erklärte Franz Metz. Der Musikwissenschaftler und Organist sprach in seinem Kurzvortrag über die Musiktradition der Ungarndeutschen, einen wichtigen Bestandteil der Musikkultur Ungarns. Dabei sei eine klare Abgrenzung zwischen deutscher und ungarischer Musik oft schwierig. Er beschäftige sich in seinem Vortrag speziell mit Kirchenmusik jener Deutschen, die nach 1686, also nach der Befreiung von der osmanischen Besetzung, in Ungarn eingetroffen seien, kündigte Metz an. „Weil diese Kolonisten aus süddeutschen, schwäbischen und bayerischen
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KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 19 | 13. 5. 2022
� Deutsche Identitäten in Mitteleuropa – Teil 1: Böhmen
Gefühlte Heimaten
Moderatorin Dr. Zuzana Jürgens (ASV), Dr. René Küpper (CC), Irene Novak und Gudrun Heißig. forder hätten. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Deutschland, der Zerschlagung der Tschechoslowakei und dem Ende des Zweiten Weltkriegs sei es dann zur Vertreibung von drei Millionen Deutschen aus Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien gekommen. Das Schicksal dieser Deutschen habe sich dann ganz verschieden entwickelt: Integration und Gründung von Vertriebenenorganisationen im Westen, erzwungene Assimilation und eine Art Versammlungsverbot in SBZ und später in der „DDR“ sowie weitgehende Unterdrückung der deutschen Identität der Heimatverbliebenen in der ČSSR. Eines der letzteren Schicksale hatte eine Podiumsteilnehmerin erlebt, die von ihrem Leben erzählte. Irene Novak stammt aus Gablonz, wo sie als Kind einer deutschen Familie zur Welt kam. Ihr Vater als Glasbläser und die Mutter als Pflegerin und Krankenschwester seien dem tsche-
chischen Staat unabkömmlich erschienen. Dennoch habe ihr Vater auch später nie Tschechisch gelernt, obwohl er in der Rente als Hobby-Gärtner in GablonzSchlag vielgefragt gewesen sei. „Zuhause haben wir Dialekt gesprochen, also Paurisch, so daß ich beim Schulfach Deutsch erst mal wenig verstand.“ Die Sprachkenntnisse hätten ihr später als
Reiseleiterin in Prag genutzt. Als Erwachsene habe sie jahrelang den 1969 gegründeten Kulturverband der tschechischen Bürger deutscher Nationalität geleitet, der gegründet worden sei, um die Deutschen besser kontrollieren zu können. Nach der Wende 1989 sei dann aus organisatorischen Gründen ein zweiter Verband geschaffen worden, die
Dr. Zuzana Jürgens spricht mit Museumsdirektor Dr. Stefan Planker.
Bilder: Susanne Habel Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik. Beide würden noch heute existieren, obwohl sich bei der letzten Volkszählung 2021 nur 25 000 Bürger als Deutsche registriert hätten. „Meine eigenen Kinder hätten sich am liebsten als ,Europäer‘ eingetragen, obwohl man sogar zwei Nationalitäten angeben konnte. Ich fühle mich als Deutsche und auch als Sudetendeutsche“, betonte Novak. „Junge Leute in der Tschechischen Republik benutzen den Begriff ,Sudetenland‘ heute ganz normal.“ Bei der Diskussion gab es immer wieder längere Debatten über den Begriff „sudetendeutsch“, der erst ab etwa 1920 in der Weimarer Republik bekannt geworden sei. Zuzana Jürgens löste die Frage schließlich recht pragmatisch: „Der Begriff ist schön kurz, anders als ,Deutsche, die aus Böhmen, Mähren und Schlesien stammen‘, was man sonst sagen müßte.“ Zu sei-
� Gedenktag für die vertriebenen Ungarndeutschen in München
Festredner mit Wurzeln im Banat Gebieten des damaligen Heiligen Römischen Reiches gekommen sind und sich entlang der unteren Donau zwischen dem heutigen Budapest und dem Eisernen Tor niedergelassen haben, nannte man sie später Donauschwaben.“ Viele ungarndeutsche Komponisten hätten eine Vorliebe für das ungarische Volks- oder Kirchenlied gehabt. Etliche deutsche Musiker hätten zu den Begründern der ungarisch-nationalen Musik gehört und manche sich 1848/49 der ungarischen Befreiungsidee zuliebe ihren Namen magyarisiert. Danach habe sich das deutsche wie auch das ungarische Chorlied zunächst gleichmäßig entwickelt. Ab 1880 seien jedoch auf den Landessängerfesten Ungarns kaum mehr deutsche Chor-
lieder gesungen worden. „Diese Verdrängung der Musikkultur der deutschen Minderheit führte auch zu späteren politischen Folgen für die gesamte ungarische Kulturpolitik.“ Im nach dem Frieden von Trianon entstandenen Rumpf-Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg und erst recht nach der nationalsozialistischen Politik Deutschlands in den dreißiger und vierziger Jahren sowie wegen des Zweiten Weltkriegs und dessen Folgen sei das ≠Ende der deutschen Kultur Südosteuropas eingeläutet worden. „Nach der Verschleppung von fast 65 000 Ungarndeutschen zu Zwangsarbeit nach Rußland und durch die Potsdamer Vereinbarung der Siegermächte vom 2. August 1945, wonach die Vertreibung der deutschen Bevölkerung Ungarns in die amerikanische Zone genehmigt wurde, blieb von der ehemaligen ungarndeutschen Kultur in diesem Land nicht mehr viel übrig.“ Erst in den siebziger Jahren sei
der ungarischen Kirchenmusikgeschichte und damit indirekt auch der deutschen Musiktradition mehr Aufmerksamkeit geschenkt worden, schloß Metz seinen Rückblick. Zur Veranschaulichung spielte Metz, der letztes Jahr das Bundesverdienstkreuz erhalten hatte, auf der haus eigenen Orgel des Sudetendeutschen Hauses drei Werke des österreichischungarischen Komponisten und Pianisten Franz Liszt. Das „Präludium über B-A-C-H“, die Einleitung zur „Legende der heiligen Elisabeth“ und das „Magnificat“ aus der Symphonie zu Dantes „Divina Commedia“ wurden zum Höhepunkt des Festabends . Metz, der 1955 in Darowa im Banat in Rumänien als Kind einer rumäniendeutschen Familie geboren wurde, war nach dem Orgelstudium an der Hochschule für Musik in Bukarest Organist und Kirchenmusiker in Temeschwar. Seit seiner Auswanderung nach Deutschland 1985 ist Metz Stiftskantor in Hechin-
gen, Organist auf der Burg Hohenzollern und seit 2000 Organist an Sankt Pius in München. Außerdem publizierte er zahlreiche musikwissenschaftliche Aufsätze, die sich besonders mit der Musikgeschichte der deutschen Minderheiten Südosteuropas befassen. 2020 veröffentlichte er das Buch „Mit frohem Herzen will ich singen“ über die Musikgeschichte der Ungarndeutschen. Eingangs hatte Konsulin Krisztina Spiller betont: „Bei den jährlichen Veranstaltungen gedenken wir nicht nur der Opfer der Vertreibung und Verschleppung, sondern geben einen Einblick in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Ungarndeutschtums.“ Die ungarndeutsche Kultur sei ein organischer und lebendiger Teil des Kulturgutes von Ungarn, so die Konsulin, die den Festabend moderierte. Der Generalkonsul von Ungarn, Gábor Tordai-Lejkó, sagte in seinem Grußwort: „Ungarn freut sich, daß es trotz der dü-
ner Identität befragt, sagte René Küpper: „Ich bin ein Alien – ein entschiedener Landespatriot, aber des Rheinlandes.“ Der Historiker hatte 1990 ein Jahr lang Tschechisch in Prag gelernt und in Köln 2008 über Karl Hermann Frank promoviert. Durch sein Studium kam er 2008 an das CC. Er war auch Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Ausstellungsteams der BayerischTschechischen Landesausstellung „Karl IV. 1316–2016“ (Ý SdZ 45/2016) sowie Kurator bei der Dauerausstellung der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ in Berlin. Küpper ergänzte das Wissen über Sudetendeutsche, indem er von der Gründung der landsmannschaftlichen Organisationen in Westdeutschland berichtete, deren Tätigkeit angeblich vor allem von Lobbyarbeit bei Parteien, die sie unterstützten, bestimmt gewesen sei. Hier widersprach Gudrun Heißig, die sich aus dem Publikum meldete: „Die Vertriebenenverbände wurden vor allem als Hilfsvereine gegründet und leisteten Unterstützungsarbeit“, so die Übersetzerin, die erst kürzlich über ihre Lebensgeschichte und Identitätsgefühle im Adalbert-Stifter-Saal gesprochen hatte (Ý SdZ 11/2022). Auch Stefan Planker meldete sich zu Wort. Der Direktor des Sudetendeutschen Museums sprach über die ladinische „Urbevölkerung“ in Südtirol, die er mit den Sudetendeutschen verglich. Küpper gab zu, daß sich das Profil der Landsmannschaft in den letzten zehn Jahren stark geändert habe und besonders von Kulturarbeit geprägt sei. Das Tauwetter, das 2010 nach Horst Seehofers erstem Besuch in Prag eingesetzt habe, sei eine ganz „neue Sache“. Mit einem Gedicht in der vom Untergang bedrohten paurischen Mundart rundete Irene Novak die Diskussion ab. Susanne Habel steren Vergangenheit über eine starke deutsche Volksgruppe verfügt, die 185 000 Personen zählt.“ Tordai-Lejkó, der seit 2015 Generalkonsul in München ist, ging auch auf den Krieg in der Ukraine ein, dem Nachbarland Ungarns, aus dem bisher mehr als 650 000 Flüchtlinge eingetroffen seien. Auch die beiden Ehrengäste hielten Ansprachen. Olivia Schubert, Vizevorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, sowie Christian Knauer, BdV-Vizepräsident und Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen in Bayern, sprachen über die hohe Bedeutung des Gedenktages. Schließlich hielt der HDO-Direktor das Schlußwort. Andreas Otto Weber sagte, der russischen Angriffskrieg auf die Ukraine mache das Anliegen dieses Gedenktages so aktuell. Erneut sei man mit massenhafter Flucht vor einem Angriffskrieg in Ostmitteleuropa konfrontiert. „Aber wir erleben in diesen Tagen eine großartige Welle der Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung – in Deutschland wie in Ungarn –, die sich mancher Flüchtling oder Vertriebene vor 77 Jahren auch gewünscht hätte, mancher auch erfahren hat!“, resümierte der HDO-Direktor. Susanne Habel
Paul Hansel vom BdV Bayern, Thomas Vollkommer, Vize-Direktor des HDO, Yanina Lipski, Kanzlerin der Ukrainischen Freien Universität München, HDO-Direktor Professor Dr. Andreas Otto Weber, Generalkonsul Gábor Tordai-Lejkó, Olívia Schubert, Vizevorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, Christian Knauer, BdV-Landesvorsitzender in Bayern, Steffen Hörtler, SL-Landesobmann in Bayern, Georg Hodolitsch vom BdV Bayern, Festredner Dr. Franz Metz und Moderatorin Krisztina Spiller vom Generalkonsulat von Ungarn in München. Bild: HDO
8 Im Sudetendeutschen Haus veranstaltete das Kulturreferat für die böhmischen Länder im Adalbert-Stifter-Verein mit dem Sudetendeutschen Musikinstitut in Regensburg ein Benefizkonzert für die Ukraine. Der Spendenerlös kommt der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ zu. Das Pianistenduo „Jost Costa“ interpretierte Werke für Klavier zu vier Händen von Johannes Brahms, Antonín Dvořák, Franz Schubert und Bedřich Smetana. Der Musikwissenschaftler Joachim Kremer referierte unter dem Motto „Verflechtungen“ über die Einflüsse von Volksmusik, Tanz und Märchenwelten in der Kunstmusik. Dabei ging es auch um die Wechselwirkungen zwischen deutschen und böhmischen Komponisten.
KULTUR
Sudetendeutsche Zeitung Folge 19 | 13. 5. 2022
� Spendenkonzert des Adalbert-Stifter-Vereins für die Ukraine
Schöne Verflechtungen
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ls erstes spielten die Pianistin Yseult Jost und der Pianist Domingos Costa Walzer von Johannes Brahms (1833– 1897). Der Komponist hatte seine „16 Walzer“ 1839 in Wien fertiggestellt. Joachim Kremer schilderte die wichtige Rolle des Walzers in der damaligen Zeit: „Ein Modetanz und in allen Schichten vertreten.“ Der gebürtige Hamburger Brahms habe Walzer und auch Ländler – oder Landler– sehr geschätzt, erklärte der Musikwissenschaftler. Brahms habe auch selbst Werke von Franz Schubert (1797–1828) bearbeitet, etwa „20 Ländler für vier Händen“ (1869). So führte Kremer hin zu den von Brahms ebenfalls bearbeiteten „Vier Ländlern“ (1824) von Schubert, die nun erklangen. Die Heimatpflege der Sudetendeutschen hat wieder zum Offenen Frühlingssingen eingeladen. Unter dem Motto „Nun will der Lenz uns grüßen“ führte Singleiter Erich Sepp im Sudetendeutschen Haus durch ein Liederprogramm. In Vertretung von Heimatpflegerin Christina Meinusch begrüßte deren Mitarbeiter Andreas Schmalcz viele Gäste im Adalbert-Stifter-Saal.
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ieses Offene Singen findet erstmals seit zwei Jahren wieder hier statt“, freute sich Schmalcz. Die Zwangspause sei der Renovierung des Sudetendeutschen Hauses und Corona geschuldet gewesen, erklärte Schmalcz. Und schon ging es los: Mit „Nun will der Lenz uns grüßen“ nach einem Text von Karl Ströse, der erstmals 1878 erschienen war, sangen sich alle ein. Erich Sepp hatte wieder eine ganze Reihe Lieder aus Bayern, Böhmen und Sudetenschlesien und diesmal besonders der Iglauer Sprachinsel ausgewählt, die alle einübten. Die Stimmung war blendend, und Sepp lieferte einige lustige Bemerkungen, vor allem viele interessante Fakten. Als ehemaliger Leiter der Volksmusikabteilung des bayerischen Landesvereins für Heimatpflege verfügt Sepp über ein immenses Wissen über Volksliedkultur, Musikgeschichte und Mundarten, das er auch gut verständlich vermittelt. Er kam 1944 in Landsberg am Lech zur Welt. Seine Frau Ingrid ist eine Teschenerin aus Sudetenschlesien. Wie immer unterstützte sie ihn beim Offenen Singen, verteilte seine gut gestalteten Notenblätter mit Textstrophen und Erläuterun-
Das Duo „Jost Costa“ aus Yseult Jost und Domingos Costa spielt vierhändige Stücke, über die Professor Dr. Joachim Kremer spricht. Bilder: Susanne Habel Landler und Walzer seien heute noch weithin bekannt, so Kremer, doch wie stünde es mit Überlieferungen und Brauchtum wie Spinnstuben oder Hexenerzählungen? Auch hier würden Verflechtungen mit der Musik existieren wie in Antonín Dvořáks (1841–1904) „Legenden“. Daraus spielte das Duo Jost Costa „In der Spinnstube“ und „Walpurgisnacht“. Ähnlich wie Adalbert Stifter sei auch Dvořák von der wilden Natur des Böhmerwalds inspiriert worden, den er sich erwandert habe. Dies spiegle sich wider in seiner Kom-
position „Aus dem Böhmerwalde für Klavier zu vier Händen“ (1884), die ebenfalls im Adal-
bert-Stifter-Saal gespielt wurde. Solche musikalischen Reisebilder gebe es auch bei anderen
Dr. Wolfgang Schwarz, Kulturreferent für die böhmischen Länder, und Dr. Andreas Wehrmeyer, Direktor des Sudetendeutschen Musikinstituts.
Komponisten des 19. Jahrhunderts, etwa bei Bedřich Smetana (1824–1884). In „Die Moldau“ (1874) aus Smetanas „Mein Vaterland“ fahre man quasi auf dem Strom hinab, schilderte Kremer mit Moldau-Bildern auf der großen Leinwand. Diese Fassung der „Moldau“ für vier Hände zeige auch, daß die Klangfarben beim Klavier nicht viel weniger stark seien als bei einem ganzen Orchester, schloß Kremer seinen Konzert-Vortrag. Die begeistert applaudierenden Gäste holten das Piano-Duo mehrfach zurück auf die Bühne.
� Offenes Frühlingssingen in München
Nun will der Lenz uns grüßen gen über Herkunft und Erscheinungsweise. Die Singblätter gab es jedoch immer recht spät, nach reichlicher Übung „im Trockenen“. Denn Singleiter Erich Sepp geht vor allem immer pädagogisch und nach psychologischen Erkenntnissen vor. Zunächst lernen alle die erste Strophe eines Liedes rein nach Gehör und aus der Erinnerung, oft auch gleich mehrstimmig. Sepp deutet nur die Tonhöhen mit der Hand an oder begleitet mit dem Akkordeon. Erst wenn eine Strophe und der Refrain gut auswendig laufen, gibt es das Notenblatt zum gemeinsamen Singen aller Strophen. Von diesen Liedblättern hat Sepp inzwischen über 300 gestaltet. Sie würden ein veritables Liederbuch abgegen, um so mehr, als Sepp zu jedem Lied die Herkunfts- und Überlieferungsgeschichte ergänzt, was Text und Melodie betrifft. Sein Wissen stamme aus vielen Quellen, so Sepp, etwa aus dem Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg und dem dort publizierten Liederlexikon. Die Herkunftsdaten überraschten beim zweiten Lied, das jeder textlich gut zu kennen glaubte und ohne große Vorbereitung schnell singen konnte. Bei dem Titel „Sehnsucht nach dem Frühling“ dachte keiner, daß nun die Melodie von „Komm, lieber Mai“ erklingen würde. Und diese Komposition stammt von Wolfgang Ama-
Dr. Erich Sepp. deus Mozart, der sie komponierte zu einem Text von Christoph Adolf Overbeck. Einen großen Kontrast dazu bildete die „Straubinger Ari“, wobei „Ari“ im oberdeutschen Raum der Ausdruck für ein „schönes Lied“ ist. Speziell bezeichnet wird damit der komplexe Jodler eines Liedes, den alle lange üben mußten. Am Text der niederbairischen „Straubinger Ari“ erheiterte besonders, daß der singende Fischer aus Straubing einem anderen auch dessen „saubers
Madl“ oder „Deanei“ wegfischen werde: „Immer wieder dasselbe im Volkslied im Frühling“, schmunzelte Sepp. Themen seien das Erwachen der Natur, Blüten, Vögel und eben Liebe. Aus Aschau in Oberbayern hieß es „‘s Fruahjahr kehrt ei(n)“. Hier wurden der „Spuihåhn“ (Auerhahn) und der „Gugizer“ (Kuckuck) als Frühlingsboten erwähnt. Text und Melodie stammten von den „Aschauer Dirndln“ und Maria Göser in Aschau, erläuterte Sepp.
Bei der aktuellen Singstunde waren gleich zwei Lieder aus einer jüngeren Publikation zu erlernen. Landsmann Harry Höfer hatte vor zwei Jahren sein Buch „Iglauer Liederschatz“ mit „Liedern und Texten aus dem Igelland“ herausgebracht, das Sepp auch dabei hatte. Aus Höfers „Liederschatz“ lernten alle zuerst „Dej mit de blauan Bändla“. Auch hier herrschen Frühlingsgefühle, die sich an den titelgebenden blauen Bändern des Mädchens und seinen roten Strümpfen („routn Strümpla“) entzündeten: „Dej san dej schejnasten, dej håb i am lej bastn“ heißt es in allen Strophen. Ebenfalls aus Harry Höfers „Iglauer Liederschatz“ stammte „I bin a lustiger Bauanknecht“. Dieser singende „Knecht“ freut sich zwar auf die kommende Feldarbeit, mehr jedoch darauf, „bei der Nåcht beim Dirnderl zu sein“. Wichtig für die vertriebenen Iglauer sei auch der Chorleiter Fritz Stolle, der in Nürtingen die Iglauer Sing- und Spielschar gegründet habe, so Sepp. Die prächtige Gruppe werde heute von dessen Sohn Wilfried Stolle geleitet und biete auch großartigen Volkstanz. Sepp verkündete: „Wir singen jetzt ein Lied aus ÖsterreichischSchlesien.“ Dieser Teil von Schlesien, also Sudetenschlesien, sei nach dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763) beim Habsburger-
Die Pianisten lieferten schließlich als Zugabe einen „Ungarischen Tanz“ von Johannes Brahms, den Domingos Costa mit den Worten „Kultur kennt keine Grenzen“ unter das Motto der „Verflechtungen“ stellte. Und ein schönes Konzert über „Verflechtungen“ hatte die Benefizveranstaltung mit Werken für Klavier zu vier Händen wirklich geboten – mit großen Klangerlebnissen, Wissensgewinn und einem scheingefüllten Spendenkorb für die Ukraine. Dieser Erfolg lag vor allem an den drei Künstlern, die ihn präsentiert hatten. Wolfgang Schwarz, Kulturreferent für die böhmischen Länder, hatte sie in der Programmübersicht vorgestellt. Das Duo „Jost Costa“ besteht aus der Pianistin Yseult Jost und dem Pianisten Domingos Costa und existiert seit 2006. Neben weltweiten Auftritten wirkten beide Künstler als Dozenten an der Universität Hamburg oder der Musikhochschule Venedig und produzierten Aufnahmen für den Südwestrundfunk, den Westdeutschen Rundfunk oder die Deutsche Welle. Ihre Veranstaltungen lassen Musik und Tanz, Musik und Dichtung oder Musik und Malerei aufeinandertreffen. Joachim Kremer ist Institutsleiter für Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Ästhetik an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Musik und Musikgeschichte des 15. bis 20. Jahrhunderts. Susanne Habel reich verblieben. Die Region sei auch die Heimat von Walther Hensel – eigentlich Julius Janiczek – aus Mährisch Trübau, der im nahen Finkenstein 1923 die allererste Singwoche veranstaltet habe. Erst später habe der oberbayerische Volksliedsammler Wastl Fanderl diese Veranstaltungsform nach Bayern importiert. Hensels Lied „Mein Schätzlein kommt von ferne“, das 1973 in „Blüh nur, blüh mein Sommerkorn“ erschien, entpuppte sich als echter Ohrwurm. Sein Refrain mit dem rhythmischen „oho, hm, hm, oho, hm, hm“ könnte vermutlich auch gut gerappt werden. Walther Hensel sei nach der Vertreibung 1956 gestorben. Seine Walther-Hensel-Gesellschaft werde heute von Herbert Preisenhammer geleitet. „Und Preisenhammer hat auch das folgende Lied geschaffen“, so Sepp. Die Melodie nach dem Gedicht „Der Frühling ist die schönste Zeit“ von Annette von Droste-Hülshoff habe Preisenhammer 2013 im Zug von Stuttgart nach München komponiert, erinnerte sich Sepp. Inhaltlich geht es wieder um ergrünende Natur und ankommende Singvögel. Beim Singen verging die Zeit sehr rasch. Alle Lieder wurden noch einmal flüssig durchgesungen. So war man beim Volkslied aus dem Alpenland angelangt, das den Abschied einläutete. „Hoamgeh‘ voller Freud“ hieß das Lied aus der Sammlung „A wengal Boarisch“ von Kathi Stimmer-Salzeder, mit dem sich Singleiter und Sänger verabschiedeten: „...miteinand, füranand, Hand in Hand“, wie es in dem Kanon so schön heißt. Susanne Habel
Beim Offenen Singen in München: Ingrid und Dr. Erich Sepp und viele Gäste im Adalbert-Stifter-Saal. Rechts: Begrüßung durch Andreas Schmalcz, Mitarbeiter der Sudetendeutschen Heimatpflege.
Bilder: Susanne Habel
VERBANDSNACHRICHTEN . AUS DER HEIMAT
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� SL-Kreisgruppe Bonn/Nordrhein-Westfalen
Entfesselte Soldateska Anfang Mai traf sich die nord rhein-westfälische SL-Kreisgruppe Bonn zur Jahreshauptversammlung mit Neuwahl. SL-Ortsobfrau Waltraud Illner dankt Ulrike Zich mit Blumen.
� SL-OG Weilimdorf
Corona und Ukraine Ende April informierte Bezirksvorsteherin Ulrike Zich die baden-württembergische SL-Ortsgruppe Stuttgart-Weilimdorf im Haus der Begegnung in Giebel über das Neueste aus der Kommunalpolitik.
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orona habe die Arbeit in der Verwaltung verändert, so Bezirksvorsteherin Ulrike Zich. Sie erwähnte das Ausweichen des Weilimdorfer Beirates vom Rathaus in die Lindenbachhalle, um den Corona-Regeln gerecht zu werden. Zur Sorge um Corona sei Wladimir Putins Krieg in der Ukraine gekommen, der auch ukrainische Flüchtlinge nach Weilimdorf geführt habe. Zich, die für die große Hilfsbereitschaft der Weilimdorfer dankte, sagte, für die geflüchteten Menschen aus der Ukraine würden noch Unterkünfte im privaten Bereich gesucht. Zich schilderte die Entwicklung einiger Gebiete im Bezirksgebiet. Auch der seit Jahrzehnten in Weilimdorf geäußerte Wunsch nach einem Schwimmbad solle verwirklicht werden. Weitere Flächen für sportliche Einrichtungen wie für eine Sporthalle gehörten zu den Anregungen, die im Rahmen einer Machbarkeitsstudie auf ihre Realisierung untersucht würden. Vor allem der Verkehr sorge im Bezirksrathaus und im Bezirksbeirat für Arbeit. Zich wies auf die Ausstellung „Neue Heimat in Weil im Dorf“ ab Mitte Mai im Bezirksrathaus hin. Und sie würdigte das verstorbene Ehepaar Ernst und Traudl Merkl, die mit ihrer Arbeit für die SL Weilimdorf einen wichtigen kulturellen Beitrag geleistet hätten. Der Krieg in der Ukraine zeige die Aktualität der Ausstellung und daß man noch nicht aus Flucht und Vertreibung herausgewachsen sei. Die Ausstellung dokumentiere, was es bedeute, alles zurückzulassen und fliehen zu müssen. Helmut Heisig
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reisobmann Rudolf Landrock präsentierte trotz der zwei schwierigen Jahre eine gute Bilanz. Die Zahl der Mitglieder sei stabil, der Kassenstand gut. Die Kreisgruppe habe am Gedenken an die Opfer von Flucht und Vertreibung auf dem Bonner Nordfriedhof sowie am Ostdeutschen Markttag auf dem Bonner Marktplatz mit einem Stand mit der Bruna teilgenommen. Die Wahlen bestätigten Rudolf Landrock als Kreisobmann, Günter Reichert als Stellvertreter und Roland Janik als Vermögensverwalter. Anschließend sprach Stephan Krüger über „Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Lagebericht und Einschätzung“. Krüger ist Mitglied der Bruna sowie Vorsitzender des Kreisver-
bandes Köln der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung (OMV). Als Politikwissenschaftler widmete er sich Mittel- und Osteuropa, besondere Beziehungen pflegt er zur Ukraine. Er berichtete von russischen Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen. Die Ukraine sei nicht nur in den großen Städten von russischen Angriffen betroffen. Schlimmer seien die Verwüstungen breiter Landstriche und hunderter Dörfer sowie Kleinstädte. Hier sei die Bevölkerung schutzlos der entfesselten Soldateska ausgeliefert. Massenmorde, Massenvergewaltigungen und Plünderungen gehörten zur Tagesordnung. Krüger schilderte Rußlands Machtstrukturen, die auf einem System aus Angst, Repression und Ausbeutung des russischen Staates sowie seiner Einwohner durch das kriminelle Regime basierten. Von Verwandten und
Freunden in der Ukraine informiert, gab er erschreckende Einblicke in die täglichen Kriegsauswirkungen sowie das Ausmaß der Zerstörung. Besonders schockierend waren Berichte von abgefangenen Telefonaten russischer Soldaten mit ihren Frauen. Die Frauen hätten verlangt, ihnen besondere Schuhe und Küchengeräte aus der Ukraine mitzubringen. Das zeige die Verrohung und eine Art Massenpsychose von Teilen der russischen Bevölkerung. Krüger schloß mit dem Fazit, daß der Krieg nicht mehr ,,Putins Krieg“ sei. Er sei ein russischer Krieg gegen die Ukraine und das ukrainische Volk, der von breiten Teilen der russischen Bevölkerung unterstützt werde. So lange das russische Volk nicht aufstehe, um sich gegen seine Regierung zu erheben, müsse die freie Welt die Ukraine auf alle erdenkliche Weise unterstützen. nr
� Ackermann-Gemeinde
Menschen eine Stimme geben Besonderes Augenmerk richte er, so Mayer, auf die Dinge oder Entwicklungen, wenn sie aus dem Blick der Medien gewichen seien. In der Ukraine habe er bereits 2007 ein Projekt über KZÜberlebende gehabt, mit 21 Jahren vom Krieg in Bosnien berichtet. „Den Menschen eine Stimme geben, und die Würde des Menschen achten“, laute sein Credo. Der mit der Annektion der Krim und den Ereignissen in der Ostukraine 2014 begonnene Krieg sei nicht beendet, aber vergessen worden. Mayer war in
ken, Flucht und Traumatisierung – in der UNESCO-Welterbestadt Lemberg und in vielen weiteren Orten und Städten. Mit seinen Bildern verwies Maynhand eigener Erfahrungen, er auf unzählige Vertriebene, ausgewählter Bilder und von die inzwischen entstandene groSchicksalen der Menschen beße Zivilgesellschaft, die Herausschrieb der Fotograf und Jourforderungen für alte und kranke nalist Till Mayer das AlltagsgeMenschen sowie für Kinder und sicht dieses Krieges. An 60 Rechdas Leben in Bunkern. Und imnern verfolgten Interessierte und mer wieder Bilder von Menschen Leidensgenossen seine Ausfühund deren Schicksalen, von derungen. Mayers Fotoausstelnen Mayer viele schon sehr lange lung „Don bas. Krieg in Eurokennt – oder kannte. Denn auch pa“ im Bayerischen Armeemuüber Tote bei Raketenangriffen seum in Bamberg erlangte oder im Gefecht gefallene nach dem 24. Februar eiMänner mußte er berichne ungeheuerliche Aktuaten. Drei Wochen war der lität und läuft bis 26. Juni. Bamberger Journalist nun Vor der Ausstellung hatte in der Ukraine, wobei ihn Mayer von einem vergesbesonders die Tapferkeit senen Krieg gesprochen. und der Zusammenhalt Zu Beginn stellte Moder Ukrainer beeindruckderator Rainer Karlitschek ten – trotz der inzwischen den aus Bamberg stamfast nur noch terrorähnlimenden Mayer vor. Er chen Angriffe gegen ziviist seit mehr als 25 Jahle Objekte. ren freier Berichterstatter Bild der Ausstellung von Till Mayer: „Das Rote In der Diskussion bein Krisengebieten und ar- Kreuz kümmert sich um die alten, kranken und klagte Mayer das fehlenbeitete beispielsweise mit nicht mehr mobilen Menschen.“ de Mitgefühl der Eurodem Roten Kreuz/Roten päer seit 2014. Hilfe, SoliHalbmond sowie Handicap Inter- den sieben Jahren zwölf Mal an darität und Unterstützung seien national zusammen. Er berichte- der Front. „Es verging kein Tag, nötig. Für die Ukraine sei Europa te aus Krisengebieten in Asien, an dem nicht gekämpft wurde.“ eine Wirtschafts- und WertegeAfrika und Europa, ist HerausNach einem Auftrag in Afgha- meinschaft. „Die Ukrainer wolgeber zahlreicher Bildbände. Für nistan, wohin Mayer kurz vor der len das diktatorische System Puseine Arbeit wurde er mit vielen Invasion der russischen Truppen tin nicht.“ „Viele wollen schnell Preisen ausgezeichnet, unter an- in die Ukraine beruflich mußte, wieder zurückkehren“, antwortederem mit dem Ehrenzeichen des kehrte er in die Ukraine zurück te Mayer auf die Frage nach der Deutschen Roten Kreuzes. und erlebte Zerstörung, Schrec- Zukunft. Markus Bauer
Till Mayer schilderte beim AprilThemen-Zoom der AckermannGemeinde Eindrücke vom Krieg in der Ukraine.
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� SL-Ortsgruppe Naila/Oberfranken
Maibaum neben Mahnmal Zum 38. Mal stellte die oberfränkische SLOrtsgruppe Naila den Maibaum im Pfarrhof der katholischen Kirche Verklärung Christi auf.
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ie Orts- und Vize-Bezirksobmann Adolf Markus in seinen Begrüßungsund Dankesworten an Bürgermeister Frank Stumpf, Dekan An-
dreas Seliger, die Gäste und Mitglieder der SL feststellte, solle mit dieser Pflege des Brauchtums nach alter Tradition der Fruchtbarkeit der Natur als Schöpfung Gottes gedacht und das Gemeinschaftsgefühl der Landsleute gestärkt werden. Die SL sei 1972 die erste Gruppe in Naila gewesen, die einen
Maibaum errichtet und diese alte Tradition wiedererweckt habe. An dem Maibaum hingen die Wappenschilder einiger großer Heimatkreisstädte. Sie erinnerten an die 900 Jahre alte Heimat Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien mit ihren reichhaltigen Kulturgütern. Der SL-Maibaum und das Mahnmal daneben symbolisierten Lebensfreude und Leid durch Krieg, Vertreibung und Heimatverlust für die deutschen, heute für die ukrainischen und weltweit Vertriebenen, so Markus. Bürgermeister Stumpf würdigte den SL-Maibaum als Teil der Traditionspflege und als Schmuckstück im Bereich der katholischen Siedlung. Er dankte der Sudetendeutschen Landsmannschaft für diese MaibaumInitiative, die auch ähnlich in anderen Ortsteilen zur Ver-
schönerung durchgeführt werde. Dankesworte richtete Adolf Markus an die Männer des „Sudetendeutschen Dorfes“, wie er die katholische Siedlung liebevoll nennt, für das Aufrichten des Maibaumes. Den Hausherrn Dekan Andreas Seliger, Bürgermeister Frank Stumpf, alle Helfer und Gäste lud er zu einem Weißwurst-Schoppen ein. Gleichzeitig bat er alle Gäste, die Spende der SL-Ortsgruppe für die „Ukraine-Hilfe der Stadt Naila“ aufzustocken. Bürgermeister Frank Stumpf berichtete über die derzeitige Aufnahme von UkraineFlüchtlingen in Naila. Anschließend informierte Adolf Markus über den Sudetendeutschen Tag zu Pfingsten im oberfränkischen Hof (Programm Ý SdZ 17+18). Er stehe unter dem Motto: „Dialog überwindet Grenzen“. Bernhard Kuhn
Die Honoratioren in der ersten Reihe im Sankt-Veits-Dom. Bilder: Richard Šulko (2), Jaroslav Bartůšek (1)
� Bund der Deutschen in Böhmen
Kaiser Karl, sein Enkel und ein Bild in 32. Generation sei und damit zu den Przemysliden gehöre. Beim Sudetendeutschen Tag 2003 in Augsburg gehörte zu meinen damaligen Höhepunkten, daß ich mit dem Vater vom Karl Habsburg-Lothringen, Otto von Habsburg, fotografiert wurde. Nun entstand wieder ein Plan. Ob er gelingt? Nicht nur wegen des Bildes mit dem amtierenden Oberhaupt des Hauses Habsburg reiste ich mit meiner Frau Irene also nach Prag. Es s gibt Ereigwar uns gleichnisse, die man zeitig Selbstvererleben muß. Eiständlichkeit und nes war die EinVerpflichtung, bettung der Relidem mit 34 Jahquie des seligen ren verstorbenen Karl I., welcher Kaiser die Ehre der letzte Böhmi- Die Reliquie ist ein klei- zu erweisen. Nach sche König war. nes Stück einer Rip- einer schwieriIm Rahmen der pe von Karl I., das aus gen ParkplatzsuMadeira nach Prag ge- che kamen wir Feierlichkeiten zum 100. Todes- bracht wurde. in die Kathedratag dieses österle. Die vorderen reichischen Kaisers fanden Plätze war dicht besetzt: nicht viele Veranstaltungen in Böh- nur von den Mitgliedern des men, Mähren und Schlesien Sankt-Georgs-Ordens, sonstatt. Der Höhepunkt war am dern auch von den zu Ostern Feiertag des heiligen Georgs getauften Neuchristen. Nach in der Sankt-Veit-Kathedrale dem sehr würdigen Gottesauf dem Hradschin in Prag. Im dienst brachte eine Prozession Beisein des Enkels von Karl I., die Reliquie in die KaiserkaKarl Habsburg-Lothringen, pelle. „Dort soll sie, wenn Gott und vieler Mitglieder des will, auch auf ewig bleiben“, Sankt-Georgs-Ordens – ei- so Milan Novák. nes europäischen Ordens des Nun kam der lang ersehenHauses Habsburg-Lothringen te Augenblick. Nachdem Karl – wurde ein Festgottesdienst Habsburg-Lothringen ein Inin der bedeutendsten Kirche terview mit dem Fernsehen Böhmens zelebriert. beendet hatte, bestürmten ihn Hauptzelebrant Václav Hunderte von Anhängern und Malý, Prager Weihbischof und baten um Unterschrift oder Titularbischof von Marcellia- gaben ihm kleine Geschenke. na. Die musikalische Umrah- Geduldig unterhielt sich der mung bot der Prager Chor der „Thronfolger“ mit jedem und Kathedrale mit dem Chorleiter gab zum Schluß auch noch jeund Orgelspieler Josef Kšica. dem die Hand. Organisator war die KaiserDann drangen auch Irene Karl-Gebetsliga für den Frie- und ich zu ihm durch. „Von wo den zwischen den Völkern. kommen sie?“, fragte er mich. „Der böhmische König kehrt Nach Klärung, wer wir seien symbolisch nach Hause – an und von wo wir kämen, folgte den Ort zurück, wo seine Vor- das Foto und wir wurden verfahren bestattet wurden“, sag- abschiedet. Das war ein schöte Milan Novák von der Ge- nes Erlebnis! Den Festtag betsliga. Er erwähnte auch, krönte ein Mittagessen nahe daß Karl I. Nachfolger der des Burgbergs, und dann ging böhmischen heiligen Ludmila es wieder nach Plachtin.
Im Veitsdom auf der Prager Burg wurden am Sonntag, 24. April, die sterblichen Überreste des letzten österreichischen Kaisers und böhmischen Königs, Karls I., feierlich beigesetzt. Václav Malý, der römisch-katholische Weihbischof von Prag, zelebrierte die Messe anläßlich des 100. Todestages des Kaisers. Måla Richard Šulko, Vorsitzender des Bundes der Deutschen in Böhmen mit Sitz in Netschetin, war dabei. Er berichtet.
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Irene Šulko, Karl Habsburg-Lothringen und Richard Šulko.
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Sudetendeutsche Zeitung Folge 19 | 13. 5. 2022
Dux
Ladowitz
Klostergrab
Ossegg
für die Kreise Dux, Bilin und Teplitz-Schönau
Bilin
Heimatlandschaft Erz- und Mittelgebirge – Landschaftsbetreuer: Dietmar Heller, Hillenloher Straße 10, 87733 Markt Rettenbach, Telefon (0 83 92) 9 34 72 77, Telefax 9 34 72 78, eMail dietmar.heller@deheller.de. Heimatkreis Bilin – Patenstadt Gerolzhofen; Heimatkreisbetreuer: Dietmar Heller. Internet www.heimatkreisbilin.de. H eimatkreis Dux – Patenstadt Miltenberg; Heimatkreisbetreuer: Klaus Püchler, In den Seegärten 35a, 63920 Großheubach, Telefon (0 93 71) 9 94 01, eMail klauspuechler@web.de. Heimatkreis Teplitz-Schönau – Patenstadt Frankfurt am Main; Heimatkreisbetreuer: Erhard Spacek, Franz-Schubert-Straße 13, 01796 Pirna, Telefon (01 60) 95 32 07 27, eMail spacek@ teplitz-schoenau-freunde.org. Redaktionsschluß: Freitag der Vorwoche. Redaktion: Lexa Wessel, eMail heimatruf@ sudeten.de
Teplitz-Schönau
Graupen
Niklasberg
� Teplitz-Schönau – Städtebau – Teil I
Die Mühlstraße – eine historische Verbindung Teplitz-Schönau verfolgt einige Baupläne für die Zukunft der Stadt, darunter auch für die Mühlstraße, welche eine historische Verbindung zwischen Teplitz und Schönau darstellt. Jutta Benešová berichtet:
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Tagungsort Hotel de Ligne in Teplitz-Schönau.
� Teplitz-Schönau Freundeskreis
Einladung I
m Rahmen des 8. Heimatkreistreffens in Tepitz-Schönau lädt Erhard Spacek, Heimatkreisbetreuer und Vorsitzender des Freundeskreises, zur Hauptversammlung des Teplitz-Schönau Freundeskreises am Donnerstag, 16. Juni, 16.00 Uhr im Hotel Prince de Ligne, Zámecké náměstí 136 ein. Die Tagesordnung: 1. Eröffnung und Begrüßung. 2. Gedenken an unsere Verstorbenen und an die Opfer des Krieges in der Ukraine. 3. Feststellung der Beschlußfähigkeit der Mitgliederversammlung mit einfacher Mehrheit. 4. Bericht der Vorsitzenden über die Tätigkeit des Vereins, Bericht des Schatzmeisters. 5. Aussprache über die Berichte. 6. Entlastung des kompletten Vorstandes. 7. Entlastung des Schatzmeisters. 8. Verschiedenes, Vorschläge, Wünsche.
ie Mühlstraße ist ein wenig das Stiefkind der Stadt. Dabei ist es eine Straße inmitten des Stadtzentrums im Tal zwischen Mont de Ligne und Königshöhe mit Verbindung nach Schönau und Prasseditz. In früheren Zeiten floß dort ein munterer Bach, der Katzbach, der von den Teplitzer Quellen gespeist wurde und mit seinen Mühlen der Straße ihren Namen gab. Die erste bisher bekannte schriftliche Erwähnung von Mühlen am Katzbach stammt aus dem Jahr 1468. Das Stadtbuch nennt vier Mühlen in diesem Bereich und eine fünfte Prasseditzer Mühle. Dabei handelte es sich um die ersten Gebäude hinter den Stadtmauern des mittelalterlichen Teplitz. Allmählich kamen auch noch weitere Gebäude hinzu, aber lange gab es nicht mehr als zehn Häuser. Zu einer Wende kam es nach dem Stadtbrand 1793. Aber die Stadt erholte sich rasch von dieser Katastrophe und begann sich nun immer mehr zu entfalten. Die erste Richtung, in die sich die Stadt erweiterte, war die Mühlstraße, welche Teplitz mit Schönau ver-
Die Mühlstraße aus der Vogelperspektive. band. Die Straße führte dort entlang auch nach Prag. Bereits 1815 gab es dort 21 Häuser, und bald kamen weitere Häuser hinzu. Die Leute trugen damals den Felsen ab, in welchen sie außerdem teilweise ihre Häuser hinein bauten. Reste von Kellern und verschiedenen Räumen sind auch heute noch zu erkennen.
Die ganze Mühlstraße hatte einen überwiegend klassizistischen Charakter, auch wenn in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Bausubstanz durch Gebäude im historisierenden Stil, später auch im Jugendstil, ergänzt oder mitunter ersetzt wurde. Mitte desselben Jahrhunderts entstand durch die Errichtung eines In-
nenblockes die sogenannte Kleine Mühlstraße. Dort befanden sich überwiegend kleinere Häuser und Höfe. In dieser Straße standen die Mühlräder still, als die Quelle versank. Und das war im Jahr 1879. Damit gaben sie ihre Tätigkeit für immer auf. Fortsetzung folgt
des neuen Altars mit dem Leitmeritzer Bischof Jan Baxtant; anschließend Buffet und Getränke im Presbyterium der Kapelle. Sonntag eigene Heimreise. Änderungen vorbehalten. Kostenbeitrag inklusive drei Übernachtungen, Frühstück, bewachtem Parkplatz, Bus, allen Mahlzeiten, Besichtigungen, Führungen, und Konzert pro Person im Doppelzimmer 420 Euro, im Einzelzimmer 480 Euro. Getränke au-
ßerhalb des Frühstücks und Konzerts auf eigene Rechnung. Verbindliche Anmeldung bis Sonntag, 22. Mai, durch Überweisung des Reisepreises auf das Konto Erhard Spacek – IBAN: DE35 7008 0000 0670 5509 19, BIC: DRESDEFF700. Bitte Anschrift und Namen der Reiseteilnehmer angeben, sonst Mitteilung mit diesen Angaben an eMail spacek@teplitz-schoenau -freunde.org
Teplitz-Schönauer Sankt-Elisabeth-Kirche. Die Teplitzer Mühlstraße aus einer näheren Perspektive.
TERMINE n Montag, 13. bis Donnerstag, 16. Juni: Übernachtungsangebot des Teplitzer Kurhauses Beethoven. Auskunft und Buchung: Michal Sincak, eMail: info@lazneteplice.cz n Donnerstag, 16. bis Sonntag, 19. Juni: 8. Kreistreffen in der Heimat. Donnerstag eigene Anreise nach Teplitz-Schönau, Hotel Prince de Ligne (Zámecké náměstí 136); 17.00 Uhr dort Abendessen; 19.00 Uhr kon-
zertante Aufführung der Oper „Bergmönch“ von Joseph Wolfram (1789–1839), Komponist und Teplitzer Bürgermeister, in der Nordböhmischen Philharmonie (10 Euro bitte beim Abendessen bezahlen). Freitag 9.00 Uhr Abfahrt zur Talsperre Flayh mit Besichtigung der Sankt-Johannes-der Täufer-Holzkirche; Mittagessen in Teplitz-Schönau; anschließend Spaziergang mit Jutta Benešová und Besichtigung
der Stadtbibliothek, Seumekapelle und Sankt-Elisa beth-Kirche; Fahrt nach Ossegg; dort Abendessen im Brauereigasthof Zum schwarzen Adler. Samstag 9.00 Uhr Abfahrt
nach Aussig; dort Besuch der Ausstellung „Unsere Deutschen – naší němci“ im Stadtmuseum; Rückfahrt über das Mittelgebirge zum Mittagessen; 18.00 Uhr festliches Konzert in der Beuroner Kapelle zur Einweihung
HEIMATBOTE
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Bischofteinitz
FÜR DEN KREIS BISCHOFTEINITZ
Ronsperg
11 Hostau
Heimatkreis Bischofteinitz – Patenstadt Furth im Wald. Heimatkreisbetreuer: Peter Pawlik, Palnkamer Straße 73a, 83624 Otterfing, Telefon (0 80 24) 9 26 46, Telefax 9 26 48, eMail peter-pawlik@t-online.de, Internet www.bischofteinitz.de. Spendenkonto: Heimatkreis Bischofteinitz, Raiffeisenbank Chamer Land – IBAN: DE55 7426 1024 0007 1343 20, BIC: GENODEF1CHA. Heimatbote für den Kreis Bischofteinitz – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Verantwortlich von seiten des Heimatkreises: Peter Pawlik. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
34. Treffen des Heimatkreises Bischofteinitz in der Patenstadt Furth im Wald/Kreis Cham von Donnerstag, 16. Juni, bis Samstag, 18. Juni Festprogramm Donnerstag, 16. Juni 8.30 Uhr: Gottesdienst und Fronleichnamsprozession 11.00 Uhr: Glockenspiel 15.00 Uhr: Dankandacht in der Kreuzkirche mit Orgelbegleitung 16.00 Uhr: Totengedenken am Ehrenhain 18.00 Uhr: Glockenspiel Freitag, 17. Juni Der Freitag steht schon seit vielen Jahren für die Besuche in der Heimat zur Verfügung. So auch in diesem Jahr. 11.00 Uhr: Glockenspiel 14.00 Uhr: Heimatgottesdienst in Heiligenkreuz 18.00 Uhr: Glockenspiel Samstag, 18. Juni Der Samstag bietet die Möglichkeit zum Gespräch im Rathaus unserer Patenstadt. 10.00 Uhr: Mitgliederversammlung im Großen Sitzungssaal des Rathauses Tagesordnung 1. Begrüßung 2. Grußworte 3. Totengedenken 4. Tätigkeitsberichte der Vorstandsmitglieder 5. Bericht der Kassenprüfer 6. Entlastung des Vorstandes 7. Neuwahl des Vorstandes 8. Beratung und Beschlußfassung über Anträge, die bis Juni schriftlich vorgelegt wurden 9. Festsetzung des Mitgliedsbeitrages für 2020 und 2021 10. Beratung über Wünsche und Anregungen 11.00 Uhr: Glockenspiel 15.00 Uhr: Festakt im Großen Sitzungssaal des Rathauses 18.00 Uhr: Glockenspiel Änderungen vorbehalten
Vergangenen Juni machte Ortsbetreuer Peter Gaag mit einer Drohne dieses Bild von Heiligenkreuz mit der Kirche.
Heilligenkreuz
Abt Lobkowicz zelebriert den Heimatgottesdienst In Verbindung mit dem dieses Jahr wieder stattfindenden Bischofteinitzer Heimatkreistreffens in Furth im Wald zu Fronleichnam ( links) laden Ortsbetreuer Peter Gaag und Pfarrer Klaus Oehrlein zum Gottesdienst nach Heiligenkreuz ein.
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ie Feier in der Heiligenkreuzer Pfarrkirche findet am Freitag nach Fronleichnam statt. Hauptzelebrant und Prediger ist der Abt des PrämonstratenserStifts Tepl bei Marienbad, Pater Filip Zdeněk Lobkowicz. Nach der Messe gibt es für alle Kaffee, Schmierkuchen und Getränke – wie bereits im letzten Jahr auf der Veranda des dortigen Pfarrhofs. Dieser wurde zwar mittlerweile vom Bistum an ein tschechisches Ehepaar ver-
kauft, das das Anwesen nach de. Denn auf der Friedhofsseiund nach renoviert. Die beite riß der Wind rund 35 Ziegel den stellen aber den Vorplatz herunter, so daß mehrere grogerne für diese Begegnung ße Löcher den Regen ins Innezur Verfügung, wie sie Pfarrer re und durch die Holzdecke Klaus Oehrlein bei einer Beins Kirchenschiff eindringen gegnung vor Ort sagten. lassen. Der Schaden ist dem Dabei kann das neue Pilsener Bischof Tomáš Hodeutsch-tschechische Buch lub und dem Bischofteinitzer angesehen und erworben Pfarrer Marek Badida gemelwerden, das im Herbst zur det worden. Badida versprach, 900-Jahr-Feier von Weißendas Dach von einer Fachfirma sulz erschien. Es enthält auch möglichst bald reparieren zu viele Fotos und Berichte aus lassen. der Zeit vor 1945 zu all den Die Leser mögen bitOrten, die heute zur politite Bekannte und Verwandschen Gemeinde Weißensulz Schäden am Kirchendach. te über die Feier unterBild: Klaus Oehrlein richten. Herzlich eingelagehören, also Heiligenkreuz, Schmolau, Rosendorf, Plöß, den sind – wie schon früher Eisendorf, Wistersitz und so wei- tung sollen folgendem Zweck auch – alle aus den umliegenter. dienen: der Reparatur des Kir- den Kirchspielen wie Hostau, Die Kollekte im Gottesdienst chendachs, das vor kurzem bei ei- Eisendorf, Plöß oder Weißenund die Spenden für die Bewir- nem Sturm stark beschädigt wur- sulz.
Ronsperg Fronleichnamszug 2016 in Furth im Wald mit Resi Pawlik, Günter Gröbner, Peter Pawlik, Karl-Heinz Loibl, Fahnenträger Georg Naujokas, Peter Gaag und Marta Klement. Resi Pawlik und Marta Klement tragen die heimatliche Kirchentracht. Bild: Johann Dendorfer
LESERBRIEFE Dank an Pfarrer Klaus Oehrlein
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o der Volksschulbesuch frühzeitig endet, da Raum als Flüchtlingsunterkunft dringender ist – wo Panzerfaust und Panzersperre den Stundenplan aussetzen und alsbald Granaten über dem Entlassungsschüler pfeifen – da entschwindet das Fach Heimatkunde. Und muß bald darauf Vertreibung auch noch erlitten werden, reißt die letzte Faser der Herkunft. Rühmliche Anerkennung verdient daher die Forschungsarbeit
des Pfarrers Klaus Oehrlein, die das heimatliche Wurzelgeflecht vor dem Untergang bewahrt. Aufschlußreiche Ausführungen lassen verblassenes Heimatbild aufscheinen auf wunderbare Weise wiedererwachten Nacherlebens. An die „Frhaubaach“-Ruine kann ich mich jetzt wissend erinnern. Auf bayerischer Seite ist es der „Reichlsthoo“ (Reichenstein), beide von Plöß aus zu sehen gewesen. Weitere Nachforschungen wird man übermittelt dankbar als Wesensergänzung empfinden. Georg Brix 85354 Freising vormals Plöß
Immer wieder donnerstags Mittelpunkt der Ronsperger Geselligkeit vor allem in den 1920er und 1930er Jahren war der Gesangsverein unter den Obmännern Ludwig Reitmeier, Stephan Schwarzbach und Karl Reibenspieß und den Chormeistern Oberlehrer Josef Metelka, Hans Schüttwa, Ernst Ehm, Dentist Karl Ubl und Förster Franz Neumann.
Verein einen Bösendorfer Flügel und wurde dafür das erste Ehrenmitglied des Gesangvereins. Der Verein pflegte nicht allein den Männergesang, er hatte auch einen gemischten Chor und ein Salonorchester, das auch öffentlich auftrat. Lehrer Reimer stellte aus talentierten jungen Leuten um die Jahrhundertwen-
de ein Blasorchester zusammen, das nicht allein in den Wirtshausgärten der Stadt, sondern auch in der Umgebung von Ronsperg Konzerte gab. Einen wesentlichen Beitrag zu dem gerade um 1900 regen Musikleben in Ronsperg leisteten einige damalige Studenten, so Rudolf Leberl als begabter Klavier-
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ie Singstunden wurden am Donnerstagabend im Nebenzimmer der Maa-Wirtschaft gehalten. Im Verein herrschten ein guter Zusammenhalt und nette Geselligkeit. Gegründet wurde er bereits am 3. November 1895. Erster Obmann war Johann Fröhlich, erster Chormeister Karl Reimer. Hans Graf CoudenhoveKalergi, ein Bruder des damaligen Schloßherrn, schenkte dem
Festwagen des Gesangsvereins beim Sängerfest in Hostau 1929.
spieler, der nach seinem Studium Musikprofessor an der Lehrerbildungsanstalt in Budweis wurde; ferner der spätere Professor für Mathematik und Physik in Gablonz, Anton Dvoraček, als guter Tenor und Cellist; Talent als Violinspieler zeigte auch Karl Wukassinovich, der dann lange Jahre verdienstvoll an der Ronsperger Volksschule wirkte. Auch manche andere, die einmal das musikfreundliche Städtchen kennen- und schätzen gelernt hatten, hielten ihm die Treue und kehrten immer wieder einmal in den Ferien hierher zurück, um an Musikveranstaltungen mitzuwirken. Ein großer Verlust für das Ronsperger Musikleben war, als vor dem Weltkrieg Lehrer Reimer auf eigenen Wunsch nach Prag versetzt wurde. Franz Bauer
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Heimatbote für den Kreis Ta<au
Heimatkreis Tachau – Patenstadt Weiden in der Oberpfalz. Heimatkreisbetreuer: Dr. Wolf-Dieter Hamperl, Aubergstraße 21, 83352 Altenmarkt, Telefon (0 86 21) 6 36 27, Telefax 64 75 27, eMail wolf-dieter.hamperl @online.de. Internet www.tachau.de. Tachauer Heimatmuseum: Kulturzentrum Hans Bauer, Schulgasse 3a, 92637 Weiden, Telefon (09 61) 81 41 02, Telefax 81 41 19, eMail museum@tachau.de. Spendenkonto: Heimatkreis Tachau, HypoVereinsbank Nürnberg – IBAN: DE38 7602 0070 0002 0824 54, BIC: HYVEDEMM460. Heimatbote für den Kreis Tachau – Redaktionsschluß: Donnerstag der Vorwoche. Redaktion: Nadira Hurnaus, eMail post@nadirahurnaus.de
� Ernst Schmutzer: „Labant unter amerikanischer Besetzung und tschechischer Verwaltung 1945/1946“ – Teil V
Antifaschistischer Kreisausschuß in Tachau soll Dörfern helfen mäßig erscheinenden amerikanischen Kontroll organe halbwegs dolmetschen, zweitens konnte ich mit meinem Dreifinger-Tipp system auf der Schreibmaschine die dringendsten postalischen Aufgaben erledigen. In dieser Notlage half uns der etwa 20 Jahre alte Walter Schwandner, dessen Großeltern in Labant wohnten und dessen Eltern einst in der Komotau-Brü-
inklusive Antifaschisten betreffende Vertreibung aus der Tschechoslowakei erreicht hat. Damit waren auch die Antifaschisten Opfer des überbordenden Chauvinismus‘ der tschechischen Führung geworden, die ihr ganzes Volk in blinden Haß gegen alles Deutsche versetzt hatte. Darunter fielen insbesondere die internationalistisch sowie christlich denkenden Antifaschisten. In
den Dörfern zu helfen. Selbst diese Organisation der deutschen Antifaschisten, die oft ihr Leben für die Tschechen eingesetzt hatn Ujest war über den emigrierten, löste die tschechische Kreisten SPD-Führer Wenzel Jaksch verwaltung, sicher in Absprache bekannt geworden, daß in Lonmit Prag, auf. Als ich einen Hilfedon von den tschechisch-natioruf meines Vaters zum Kreisausnalistischen Exilanten damals schuß bringen sollte, stand ich die Aussiedlung von 300 000 dort vor der Haustür und mußte Deutschen (knapp zehn Prodie Nachricht von der erfolgten zent) geplant war. Das ErgebSchließung lesen. nis der Potsdamer Konferenz Vor innerer Wut schäumAnfang August 1945 sah anten vor allem die Menschen, ders aus: Die Polen hatten die die die Nazi-KZs überlebt hatOder-Neiße-Linie als neue ten und denen nun „nach Umdeutsche Ostgrenze mit Auspacken ihrer Habseligkeiten“ weisung der deutschen Bevölauch noch ihr Zuhause für imkerung durchgesetzt, und die mer genommen wurde. Wir Tschechen feierten die Verhaben das in Mecklenburg bei treibung der gesamten deutder Familie Wenzel Großer, schen Volksgruppe aus der Bauer aus Haid, erlebt, der Tschechoslowakei. im Konzentrationslager DachGleich nach Kriegsende au inhaftiert war. Natürlich trafen Edvard Beneš mit seiwar auch seine Landwirtschaft nem Stab aus London sowie konfisziert worden. andere Emigranten aus der Der vertrauliche ErfahSowjetunion und weiteren eurungsaustausch zwischen den ropäischen Ländern in Prag deutschen Bürgermeistern, ein. Noch vor der Potsdamer insbesondere zwischen meiKonferenz entstand im gannem Vater und Bürgermeizen Land – von der aus Lon- Die „Großen Drei“ auf der Potsdamer Konferenz : Winston Churchill, Harry S. Tru- ster Sommer aus Ujest, kam zu Bild: Deutsches Historisches Museum, Berlin dem Ergebnis, nicht zurückdon zurückgekehrten Füh- man und Josef W. Stalin. rung angefeuert – die Wilde zutreten, sondern bis zu dem Vertreibung der Deutschen, die xer Gegend seßhaft geworden dieser Zeit wurde auch vor histo- bitteren Ende der Vertreibung in der Tschechischen Republik waren, wo bereits die Wilde Ver- rischen Falschmeldungen nicht durchzuhalten. Der Rücktritt weitgehend erfaßt ist und im In- treibung tobte. Im Rahmen des zurückgeschreckt. hätte zur Konsequenz gehabt, teresse der vollen Wahrheit zur damals schon gut funktionierenNach der Potsdamer Konfe- daß danach sofort ein örtlicher Aufarbeitung ansteht, damit die den Schüleraustauschs hatte er renz hatten die Antifaschisten Národní výbor gebildet wordeutsch-tschechische Aussöh- vor dem Krieg Tschechisch ge- vor allem von Wenzel Jaksch von den wäre, der das Aussiedlungsnung endlich eine wirkungsvolle lernt. Übrigens war er mit dem der auch ihnen bevorstehenden schicksal des ganzen Dorfes mit Perspektive erhält. neu eingesetzten und nach eini- „Aussiedlung“ erfahren. Und die Verteilung der Häuser an die neu Mein Vater konnte zur Bewäl- gen Wochen abberufenen slowa- Tschechen hatten im deutschen anzusiedelnden tschechischen tigung der auf ihn zukommen- kischen Dorflehrer bald gut be- Sprachgebiet zügig begonnen, Einwohner durch beschleunigte den immensen Aufgaben nur freundet, der die tschechische die von den Amerikanern ge- Aussiedlung der Labanter in der dank einer ihn unterstützenden Unterdrückung nicht länger erle- schaffenen antifaschistischen Hand gehabt hätte. Es war die Arbeitsumgebung als Bürger- ben wollte und sich nach Bayern deutschen Verwaltungen auf- einzige Gelegenheit des jeweimeister bestehen. Er bat mich absetzte. zulösen sowie rein tschechische ligen amtierenden Bürgermeivon Anfang an um Hilfe. DaBekannt ist, daß Beneš mit sei- Verwaltungsorgane, die Národ- sters, Einfluß auf die Zusammenfür sprachen zwei Faktoren: Er- nen hartnäckigen Agitationsrei- ní výbory (Nationalausschüsse) stellung der Gruppen zu nehstens konnte ich wegen meines sen 1943 in die USA und in die zu installieren. Daraufhin grün- men, insbesondere möglichst die mehrjährigen Englischunter- UdSSR zur Vorbereitung der be- deten die Antifaschisten in der Beachtung der verwandtschaftlirichts an der Oberschule in Mies vorstehenden Potsdamer Konfe- Kreisstadt Tachau einen Antifa- chen Bindungen zu respektieren. bei den Anweisungen der regel- renz die alle Sudetendeutschen schistischen Kreisausschuß, um Fortsetzung folgt In dieser Folge schildert Ernst Schmutzer den Beginn der Vertreibung.
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� Bärnau
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Windräder auf dem Höhenkamm Der Heimatbote (Þ HR 10/2022) berichtete über die Aufstellung von vier Windrädern an der bayerisch-tschechischen Grenze im Gemeindegebiet von Bärnau.
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eutschland steckt in einer Energiekrise. Wir müssen alles Mögliche tun, um von den fossilen Ressourcen weg und hin zur Energiegewinnung aus Wind, Wasserkraft und Sonnenenergie kommen. Deshalb kam man wohl auf den Gedanken, den böhmischen Ostwind auf dem Bärnauer Höhenzug zu nutzen. Das bestätigt
wohl auch der „Windatlas“ , der vor Jahren erstellt wurde. Wenn bei den Baumaßnahmen zur Errichtung der Windräder der Grenzlandturm und die Tillyschanze nicht beeinträchtigt werden, spricht nichts dagegen. Von dem großen Dorf Paulusbrunn sind nur noch ein Teil des Friedhofs und die Böttger-Säule übrig. Die Rotoren der Windräder stören beide nicht, auch nicht die angelegten Wanderwege. Dort wohnt kein Mensch, wird keiner gestört. Als die Windräder am Kress-
berg in Waidhaus direkt neben der Pfraumberger Kapelle und den Gedenksteinen der Roßhaupter und Neudorfer errichtet wurden, gab es keinen Widerstand. Trotz Windräder werden die Gottesdienste gefeiert, trotzdem werden die Gedenkstätten besucht. Die Stadt Bärnau wird nichts dagegen haben, wenn auf ihrem Grund Strom erzeugt wird, um teilweise energetisch unabhängig zu werden. Auch die Bedenken von Al fred Wolf, dem Vorsitzenden des Vereins Via Carolina – Goldene Straße, kann ich nicht teilen. Daß man auf tschechischer Seite kein Windrad sieht, hat damit zu tun, daß die Tschechische Republik auf Atomstrom setzt und eines seiner Atomkraftwerke erweitern wird. Wir müssen alle umdenken und uns von rationalen Argumenten leiten lassen, wenn wir die Energiewende meistern wollen. Wolf-Dieter Hamperl
Blick in die Haider Nikolauskirche. n Sonntag, 15. Mai, 18.00 Uhr, Haid: Konzert „Celebration Jazz Mass“ von Karel Růžička mit Chor Čerchovan, Dirigent Marek Vorlíček und dem Celebration Jazz Orchestra in der Pfarrkirche Sankt Nikolaus. n Freitag, 9. bis Sonntag, 11. September, Loreto-Wallfahrt in Haid: Freitag, 17.30 Uhr, tschechischer Gottesdienst in Sankt Nikolaus. Samstag, 19.00 Uhr, deutscher Gottesdienst in Sankt Nikolaus mit Pfarrer Georg Hartl, anschließend Lichterprozession zum Schloß. Sonntag, 9.30 Uhr, dreisprachicher Gottesdienst in tschechisch, deutsch und lateinisch mit Pater Václav Sládek; Anschließend Empfang und Imbiß in der Loreto-Anlage.
Pfraumberg 1948 nach Zerstörung und Beseitigung des Bauschutts.
� Pfraumberg am 20. April 1955 – Teil III und Schluß
Von USA-Fliegern plattgemacht In dieser letzten Folge schildert Rudolf Kaderschafka die Folgen des Bombardements.
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abei konnte man deutlich den oftmaligen Aufschlag von Brandgeschossen hören. In alle Dächer, in die Kirche, in die einzelnen Häuser, ja sogar durch die Fenster neben die schon beim Mittagessen sitzenden Pfraum berger wurde geschossen, was die Rohre hergaben. Bei mir waren sehr viele Leute, die auf Kommando in die Keller rannten. Dort fehlte zu unserem großen Entsetzen unser einziges Kind. Allerdings war es sieben Minuten lang unmöglich, auch nur die Nase aus dem Keller zu stecken, weil ringsum die Kugeln pfiffen. Erst nach dieser Zeit lief ich auf die Stadt, um nach dem Kind zu sehen und sonst Ausschau zu halten. Ich war baß erstaunt, wie die Pfraumberger, die hervorgekrochen waren, sich wieder zur Arbeit anschickten. Lediglich die kleine Scheune des Hans Weishaar, vulgo Schidtschneider, brannte und darunter das Militärauto. Von der schlummernden Vernichtung hatte noch kein Mensch eine Ahnung. Ich fand das Kind, lief beglückt nach Hause und beschloß, mir von oben – mein Haus lag sehr hoch – die Dächer zu besichtigen. Aus jedem zweiten Dach stieg eine sich kräuselnde Rauchsäule auf, ähnlich dem Rauch einer brennenden Zigarette. Ich lief wieder auf den Ringplatz und teilte so manchem meine Beobachtung mit, während ich mein Auto aus der Garage zog, um es auf das sichere Ringplatzpflaster zu bringen. Dabei halfen mir viele Leute. Kaum war dies geschehen, kamen auch schon die ersten Brocken vom Gebälk dieser Garage gesaust. Gleich darauf stand dieselbe in hellen Flammen. In kaum fünf Minuten war das Bild vollkommen verändert und der Schrecken und die Verzweiflung in alle Gesichter gezeichnet. Eine Stadt brannte an allen Ecken und Enden, lediglich ein kleiner im Westen ausgebauter Teil und der sogenannte Schloßberg, im ganzen rund 50 Häuser, waren dank des Westwinds und weil sie keinen Beschuß erhalten hatten, verschont geblieben. Das alte Pfraumberg mit seinen trauten Patrizierhäusern und Bauernhöfen, mit seinem Ringplatz und seiner Kirche war auf
einmal ein einziges Flammenmeer. Wie eine große riesige Fackel stiegen das Feuer und der Rauch empor, überragt von einer feurigen Zunge, dem Kirchturm, dessen Holzteil recht bald zusammenbrach. Unter Getöse sausten die Glocken zur Erde und waren nur noch Trümmer. Von meinem Hause aus, um das ringsherum das Feuer tobte und bei dem sich einige Feldarbeiter und Leute aus Ujest und Labant gesammelt hatten, da ein Eindringen in die Stadt schon kurz nach Ausbruch des Brandes undenkbar war, konnte man die Tragödie gut beobachten. Durch das Eingreifen dieser Landsleute konnten unser Haus und noch zwei Häuser in unserer Nachbarschaft gerettet werden, wiewohl schon die Dächer und Obstbäume um sie herum brannten. Für ihr Eingreifen und guten Willen sei hier nochmals gedankt. Auf der anderen Seite der Stadt sah man die Pfraumberger in langen Kolonnen ausziehen, um auf die Wiesen zu gelangen, während am Bühl einige Soldaten standen und zusahen. Zur Ehrenrettung der Soldaten muß aber auch gesagt werden, daß es viele gab, die unter Einsatz ihres Lebens arbeiteten und retteten. Als man gegen Abend die Kirche betrat, stand man geradezu vor einem Wunder; vom Schindeldach des Turmes hatte sich das Feuer über die hölzernen Stiegen zum Chor herunter ausgebreitet und vernichtete dort zuerst die neue Orgel. Das brennende Geländer des Chores stürzte darin auf die Kirchenbänke, setzte diese sowie sämtliche Teppiche bis zur Stufe des Marienaltars und der Kanzel in Brand. Dann erlosch von selbst die Feuersbrunst in der Kirche. Die Seitenaltäre, die Kanzel und das Presbyterium blieben unversehrt. Der zeitliche Abstand von diesem wohl schrecklichsten Tag in der Geschichte Pfraumbergs rechtfertigt, die völlig sinnlose Vernichtung unserer Heimatstadt der Nachwelt ins Gedächtnis zurückzurufen. So hat Pfraumberg verhältnismäßig und was die Gebäudezahl anbelangt, mehr gelitten, als die schwerst beschädigten Städte des Reiches, wo in den schlechtesten Fällen ein Drittel bis ein Viertel mindestens stehenblieb, während es bei Pfraumberg ein Fünftel war.